LmbacherMMtung. Nr. 286. Pränu >!!»vatlon«pl«l< : Im Houlptolr gauzj. ff. 11, !,','.!,>!. N. 5>.5l>. ffiil diü^uslcNllng in« Hau? balbi.50!r. '1'lil der P°N >',,i:l,j. ss, ,:'., dall'l. si. ?.?i». Mittwoch, 15. December Inleltlonsgebühr bi«l« Z«!l«n: imal ea l»., »m.uoli.. »m. l st.zjvilttpl. Zeile lm. «ll..^m.«ll., 1869. Aintlichcr Theil. Der f. k Fiiianzniinistct' hat dic Räthe dcr k. k. Vörsclammcr iu Wien I. Ritter v. 5tö„ igs warte r, Friedrich Ritlcr v. Schey, F. A. Engel, M. Stricker und Ludwig Teunenbaum, welche nach Ablauf dcr Auusdcincr die Reihe zum Austritte traf, in ihrer Function als k. f. Bö'serälhc bestätig und dcu Kanfmauu Franz W i l h c l in ^'uii. zum t. l. Börscralh ernannt. Der Iüslizmiüistcr hat ihrcin Auslichtn gcinäß dcn Geziit^richicr Adolf v. Gricnbcrgcr von Tamswcg nach Loser uud den Bc;irkc>richtc< Wilhelnl 5tambcr< ger von Kirche, g a» dcr Piclach nach Thal^n, übcr-, setz! uud zu B.ziitsiichlcrn ei nannt: dcu B.zllls(,c,ich>s-udjunctcn in Viislclb^ch Fcrdioand v. Pichl für Kirche bcr« au dcr Piclach. dcn Aeziiköacrichlsadjnnctcn i» Mittcrsill Mittimö Vorder eg ger für St Mich»el und t>cn Bczirks.icrichlsadjuoctcn i» Gmundc,, Alcz^nrci Bayer für TamSwcg. Dcr Instizministcr hat dcu Bclillsgcrichtsadjuuclcn Scl'aslil!» Zcillmair von Sc>ülfcldcn nach Maiith. hausen und deu Bczirks^c!ich!sadjl,nctcu Joseph von Au der öan von St. Gilgen nach Mistclbach übelsctzt. Dcr Minister für Cultus und Unterricht hat dem qulescirtrn illealschulprofessor Joseph Pilar ciüe Haupt-lehre!stcllc a» t>cr k. k. böhmischcu LchrcrbildungSanNalt M Prag v^lüchcu. Verordnn»;' dr»-. Ministl'lü für Qnldrsvrrtheidiguug nnd öffrullichc SulMh/ll, d^ Finnnzministlro' uud des Hnndl'll'Millistns. vom i). Ärremllrr 18, betreffend das Verbot dcr Alii>fl>hr von Waffen, Waffen blstandthcilcn, Munition nnd Aiunitionsgcgcnständcu aus den Häfen des udriatifchcn Mccrcs. Auf Grund dcs Ministcrralhsbcfchlusfts vom 22. No vcmlier 1869 wird die Ausfuhr uou Waffe», Wliffcn-bestandthcilc" , Vtnuitiou und Muullions^egcnständcn aller Art aus den Häfen dcs adriatischcu Meeres dcr >»' Reichsrathe vertretenen Königreiche uud Bänder für die Daucr der Unruhen iu Dalmaticu verboten. Dirsc Vcrordnunn tritt mit dem Tage ihrer Kund-machumi in Wiiksamtcit Taaffc m. p. Plencr m. i». Brestcl m. i>. Am 12. December 1«tt^» wurde in dcr k. l. Hof- uud Staals-^nckcrei daö l^XXVl, Stück dcS NcichSgesetzblatteS nliögc^bm und Dasselbe enthält miter Nr. l?2 die Kuudmachuug des FinauzmiuisterillmS vom 2. December 1« tltirr dic Ermächtigung dcü Nüdeu^llanUeK erster Klasse Vülusca in Istricn ;ur zollbegilnstisslen Behandlung ttgitimirlcr O,lc uus Istnen und Dalmatien; Nr. 175) die Pcrardiinng de? Diiuisierö für pmldestvcrtheidiglmg »ud uffentllche Sicherheit, d>« Fincmzmmistn'ö uud dcl« Hau delömiiüsteri« v»m ^>. DrccnN'cr ! !>!<>!», betreffend dn« Verbot der Ai,c>f„lil uou Waffen, Waffculilslc»!dtl,nle», Munilion und il)l»nit>oiiö^'ge»s!ilndeu aus dcn Häfen de^ adriatischeu Meeres. (Wr. Ztg. Nr, ^8i> uom 1'i. DlN'ml'er.) Nichtalutlicher Theil. Vic sticrlichc ElosslttlNjj ics Nlichgralhes. Wir habeu bereits gestern iu cineiu gcuaucu Aus« zuge die kaiserliche Thronrede mitgcthcilt, lasscu jedoch 5cr Wichtigkeit dcS Ocgeustandes wegeu hier dcu voll-ständi^cu Tejt dieses hochwichtigen parlameutarischen ^etcö folgcu: Geehrte Herren von beiden Häusern meines Reichs-ratdcs ! Iudcm Ich Sie heute ueuerdiussS um Mich versammle, heiße Ich Sie herzlich willkommen. Eö a.cschicl>t dies mit jcncr Ocuugihuung, welche Mir der RüMick auf Ihre vou palriotischcm Geislc desccltc erfolgreiche Thätigkeit iu der abgclaufcucn Tcssiou gewährt, und mit jencm Vertrauen, auf welches Sic durch dieselbe ciucu gerechten Anspruch crworlic» hadeu. ll»leuiiliar ist dic furtschrcitcude Eutwickluug, wclche das durch dic Vorsehung Meiner QdlM anucrtraute Reich auf Oruudlagc dcr verfassu>,gSmäßigeu Iustitutio-ncu nach allen Richlliugcu crfahreu hat. Aber so sehr auch daö anerkcnncndc Urtheil, welches staatsmäunischc Einsicht daheim und auswärts dieser Entwicklung zollt, gccianct ist, deu Muth uud das Vertrauen für dic Erfüllung ciucr großen Pflicht zu stärken, so groß sind doch auch die Aufgalicn, welche noch zu löse« sind. Dcr Durchführung dcs Wchrgcsctzcs hat iu ciucm Theile dcS Reiches die Bevölkerung bewaffneten Widerstand entgegengesetzt. Er hat zur Vcrhängung vou Aus-nahmsmaßrcgcln genöthigt, über welche Ihnen Meine Negierung die verfassungsmäßige Vorlage machen wird. Ich beklage die Vcrirrnng, welche hiczu Veranlassung gegeben hat, auf das tiefste, und indem Ich hoffe, daß ihr ein baldiges Ziel gesetzt wird, habe Ich Meine Regierung lnliuftraas, die traurigcu Folgcu derselben, sobald dcr gesetzliche Zustaud wieder hergestellt sein wird, nach Kräften zu mildern. Sie werden mannigfachen Anlaß haben, das Wert der Gesetzgebung weiter zu führen uud au einer Reihe von Vorlagen üdcv die wichtigste» Zweige dcr RectilS-vflcgc uud dcr Verwaltuuq, wclche Ihrer Berathung theils in dcr letzten Session übergeben wurden, theils jetzt übergcbcu werden, denselben Geist des Fortsclnitlrs wie dcr Mäßigung und drrEinsicht in die cigrnlln'uulickcn l Verhältnisse uud wirthschaftlichcn Bcdnrfnissc dcs Reiches zu bewähren, wclcher Ihre bisherigen Schritte anf dcm Wc^c dcr Gesetzgebung gclcilet hat. Es gilt aber weiter, nicht blos diesem Schaffen, sondern auch seinen Grundlagen in der Verfassung selbst jene allgrmcinc und thatsächliche Anerkennung zu erwerben, wclche ihnen noch ;u Mciucm lebhaften Bedauern vou mancher Scitc versagt wird. Haben sich aus dcn seitherigen Erfahruugeu Aende-rungcn an der Verfassung als wünsännswerth heraus-> gestellt, so ist dcr Wcg in der Verfassung sevst geboten. (Bravo.) Die mcislcn Vertretungen Meiner Königreiche und Länder haben sich mit jenen Fragen, wclche sich auf die Wahl in deu Rcichsrath beziehen, eingehend beschäftigt. Meine Regie»ung wird dem Rcichsralhe hierüber Mittheilung mache« nnd ihn in die Vage setzen, die seinem Wirkungskreise zuslchcudcn Beschlüsse zu fasseu. Wird iu Beziehung a»f diese wichtige ssrage die wünschenswcrthe Ucbcrcinstimmnng erzielt, so kann auch mit um so wehr Zuversicht dcr Lösung aller übrigen, auf die Verfassung abzielenden Fragen entgegengesehen werden. Wenn aber die Form dcr Verfassung jedcr Art von Anschauungen und Wünschen in Beziehung auf ihrc Weiterbiloung freicstcn Raum zur Gcltendmachung gewahrt, so find dcusclbeu allerdings in dcm Wesen des Reiches nach mehr als ciner Richtung Grenzen gezogen. Nicht ohne die sorgsamste Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Königreiche uud Länder uud deren be» rcchtigtcs Verlangen, dicsc in selbständiger Weise zu ordnen, ist die Verfassung geschaffen worden. Ich erwarte, daß die Absicht diesem Verlangen cugere Grenzen zu ziehen, als es die Kraft nnd Macht dcs Reiches nach innen und außcn gebieterisch fordert, dcm allseitigen Wunsche der Verständigung nicht in dcn Weg treten werde. Aber Ich besorge auch nicht, es könnte dies dauernd durch die Absicht geschehen, sie auf Kosten und Gefahr sür das Reich zu erweitern. .fl'm'M'lml. Vin /llmilicllmnlNl aus dcm 17. Jahr-hundcrt.* (13. Fortsetzimg und Schluß.) (5iu feierlicher Augenblick mußte es gewesen seiu. ^ die Schaluppe sich geräuschlos dem Ufer näherte! Die beiden Gatten fanden sich in dem gebrechlichen «nhrzcuge wieder, ohne eine andere Sicherheit und eine ^'dcrc Hoffnung als ihrc gegenseitige Zuuciguug, uud ue bcganncn ihrc Pilgerfahrt in dcr sanften und gc-^Miußuolku Klarheit ciucr schönen Sommernacht. „Alles war Nuhc und Friede — (schreibt Pcnclopc '" einem Briefe, welchen der getreue Fergus überdachte --.) Das Meer strahlte fthosphvrcscircude dichter ^'s lind dic Welleu erstarben mit einem fanfleu Geräusche ^ Ufcr, als ob Golt selbst alle Cchwicrigtcitcu unseres s ''lcvttehiueus qecbuet hätte. Mein theurer Gatte war l?l schwach; ich war crstauut über seine Niedergeschlagen, ^l; als er sah, das; ich den, NcudeMlis treu gebliebeu s,', sagte er mit halblauter Stimme: „Gott sei Dank, h llebt mich also wirtlich;" danu verharrte er schweigend h iu dem Mmuculc, wo Hazlitt feiuc Vorbereitungen dag ""b das wenige Gepäck, das wir mitgebracht, auf ihr 5> ^ geschafft halte und ich mich Mal)'näherte, um > Lebewohl zu sage»; er wollte ihr nun auch dcn kleinen " empfehle», aber dic Bewegung erstickte ihm dic -^. Der Roman begann iu Nr, 870, Stimme. Der Zufall wollte es, daß die ersten Strahlen der ansgeheudcn Sonne in dcm Momente daö Schloß beleuchteten, in welchem wir die kleine Bucht verließen. AUe! Fenster strahlten und wir tmmtcu das Gemach unterscheiden, wo mein armer, kleiuer Liebling friedlich schlummcrlc uud leine Ahuuug davon hatte, daß seiuc Mutter mcht mehr sein erstes Lächeln erwidern werde. Mein armer Sir Thomas tonnte diesen Anblick nicht ertragen, er verhüllte sein Gesicht uud fing au zu fchlnchzeu. ' Seine Ver-zweifluug war schrecklich; jetzt erst schien er die ganze Bitterkeit der Treummg zu empfinden, das Herzzerreißende des Tcheidcus vou Kiud, Freunde», uud dem Balerlande, vou allem, was er liebte. Er dcllckle mich an sein Herz. uud ich unnatürliche Mutter dachte taum au nieiucu Sohn, fo glücklich luachlc mich dcr Gedanke daß er uicht aUcin diese Todesqual erduloe. Als er mciue Trostgründc endlich anhörcu kouule, erwiderte er „nr indem er mich um-armle, daß er wohl sehr thöricht sei/ sich so sehr zu vc-trübcu, da er ja eiueu Schatz gefuuden habe, der ihm hundertfach Alles ersetzen werde, ^as er zurücklasse. „Ich hätte daö vollständigste Glück genossen wem, ich nicht gefühlt hätte, daß vor allem ich es sei, die ihn dem Hause seiner Bäter entrissen und iu die Verbannung getrieben hat. Bald sahen wir »ur mehr deu Himmel nud das Meer; unsere Schallippe schcmtcllc sich auf dem silbernen itamm der Wellcu. M^ sühllcn uns gauz bc>-soudcrs in dcr Hand Gotlcö nnd die Ueberzeugung, daß weder Leben noch Tod uns trennen könne war vou einer unendlichen Süßigkeit. Wie wäre es gewesen, wenn er iu der Schlacht geblieben wäre, allciu nud vhue meine Liebe zn tcuucn? — Ein frischer Wind schwellte bald unsere Segel und wir erreichten Pceltowu vor Souncu-uutcrgaug. Meiu theurer Genial war von Müdigkeit so überwältigt, daß er kaum die Wohnung erreichen konnte, welche Hazlitt für uus gemiethet hatte. Wir reisen u»ter fremdem Nameu und dcr Agent, vou welchem ich bereits gesprochen habe, wird uns sowohl als auch andere erge-bcue Anhänger dcs Königs Jakob uach Frankreich befördern, sobald die Flotte den Caual verlassen haben wird. Hwei Edelleute, welche Sir Thomas sehr gut kennt, bewohnen daö an unser Zimmer austoßende Gemach. Sie haben uns nicht gesehen, wir habeu aber ihr Gespräch durch den Verschlag, der uus trennt belauscht: «Ich habe gehört, daß gestern Abend Dcmvers mit seiner Frau an-gelommcu ist." — „Welche Idee, erwiderte der Andere, irxnn eine Dame von der Partie ist, so ist es sicherlich nicht Lady Danvers. Er hat ciuc uuerträgliche Heilige geheiratet, ciuc wahre häusliche Pest, vou der befreit zu sein, er entzückt sein wird." — Sir Thomas hört nicht auf sich die Hände zu reiben bei der Vorstellung, welche Miene diese Herrn machen werden wenn er mich ihnen morgen zur Zeit des Diners vorstellt." Pcnclopc schließt ihren Brief, indem sie noch tausend Dinge in Betreff ihres kleinen Jungen anzucm-Psehlcu findet uud verspricht uach ihrer Ankunft in Frankreich zu schreiben, abcr ach. dieser Brief ist der lctztc dcs Packets. Hatte sie vergessen? Sind ihrc Briefe verloren gegangen? Dcr Slammbaum belehrt nus über die traurige Ursache dieses Schweigens. Wclche ! melancholische Dramen, welch' geheime Tragödien verbergen sich oft luntcr einer Jahreszahl! „Frances Bernard, geboren am 12. September 1665, vermalt am 18. November 168,^ mit Richard ClMvynd, Ritter und Gcneralliculenant, gestorben am 1. Ociober l6W nachdem sic Penelope Frances das Leben gegeben, geboren 30. September, gestorben 2. October I690." >l^ Hiezu ciue literarische Beilage. 2098 Ich bin gewiß, daß alle Meine Völker sich mit Mir in der Uebeizeuanng eimgen, daß der Ruhm einer ehrwürdigen Vergangcühcit nur durch tlare Erkenntniß der Gegenwart erneuert, durch ein Verkennen dersclben nur zu leicht verdunkelt werden könne, (lebhafte Zustimmung.) Ich schöpfe auch in dieser Beziehung Meme zuversichtliche Hoffnung aus jenen patriotischen Gesin^ nungen. auf wc>chc Ich, gleich Meinen Vorfahren, noch niemals vergebmS vertraut habe. (Hochrufe,) Ich schöpfe sie ans der Krwägung dah jene Gesinnung, welche an der Wohl'ahrt des Reiches als der Bedingung dcS wahren Interesses der Königleiche und Länder mit treuer Ueberzeugung festhält, auch die Vereinigung widerstrebender Absichttn sicher herbeiführen werde und müsse, (lebhafter Beifall.) Freudig werde Ich es begrüßen, wenn diese Meine Erwartungen sich erfüllen, wenn Meinen Absichten, die von aufrichtiger Liebe für alle Meine Völker geleitet sind, die richtige Einsicht in daS eigene Interesse und das gleiche warme Gefühl der Pflicht für Wohlfahrt und Ruhm des Reiches entgegenkommen. Geehrte Herren! ES war Mir erfreulich, Sie bei der Heimkehr von einer größeren Reise zn begrüßen, welche Ich jüugst, und zwar in Ländern unternommen habe, mit denen einen regen und wachsenden Verkehr zu unterhalten, vorzugsweise wir berufen sind. Mit Genugthuung spreche Ich cS aus. daß Ich überall warmen Sympa> thien für unser Vaterland uud dessen Zukunft begegnete. Ein den Unternehmungsgeist und die Beharrlichkeit feiner Urheber chiendeö Werk, an dessen Einweihung Ich Mich bethciligte, verspricht in seiner Entwicklung unserem Handel und unserer Industrie ei» neues Gebiet für jene fortschreitende und schaffende Thätigkeil, deren Förderung Ich Ihrer sorgfältigsten Erwägung empfehle. Es ist dies eine Aufgabe, welcher Alle. die dazu berufen sind, sich um so ungestörter hingeben dürfen, als die friedliche Lage nach außeu dazu in unzweideutiger Weise auffordert und unsere Beziehungen nach allen Seiten und auch da, wo vorübergehende Erscheinungen sie zu trüben schienen, eine frcuudliche und beruhigende Gestaltung gewonnen haben. Unterstützt von diesen befriedigenden Verhältnissen sehe Ich der Zukunft festen Muthes entgegen und erwarte, daß er auch Sie, geehrte Herren, bei Ihrem Wirten beseelen und glücklich zum Ziele sühien werde. — Am Schlüsse dieser feierlichen Kundgebung ertönten abermalige Hochrufe auS den Reihen der Rcichsraths« Mitglieder, welche während der Verlesung einen Halbkreis um den Thron gebildet hatten. Sc. Majestät der Kaiser erhoben Sich, entblößten Ihr Haupt uud veiließen uuter lebhaften Vioatrnfcn huldvollst grüßend den Saal, während abermalige Ge-wchrsalven den Vollzug des erhebenden Actes signa-lisirtcn. 5rdi et <>r!>N Aus der Feder eineS hochgestellten tath. Geistlichen brinat die „Wr. TagcSprcsse" uuter obiger Uebcrschrift nachstehenden beacktenswerthcn Artikel über daS soeben in Rom tagende 20. ökumenische Concil: Für die Stadt (Rom) und für den Erdkreis! So lautet daS stolze Wort Desjenigen, welcher sich 86ivu3 gsrvorum vsi, den Diener der Diener Gottes nennt, l wenn er von d.m Petersdome auS, den apostolischen' Segen spendet. Hil)i et ordi wird aber auch die Adresse sein, welche die Beschlüsse des Concils an der Stirne tragen werden. Sie werden durch den elektrischen Draht schnell in alle Wcltgegendcn verbreitet werden, und j viele Tausende werden sich bemühen, sie in die Gemüther der Menschen zu verpflanzen und wcrtthätig zn machen. Ob dies gelingen wird? Lassen wir uns durch die Pracht, welche diese Versammlung entwickeln wird, nicht blenden, sondern untersuchen wir kaltblütig und mit scharfem Auge die Chancen, welche dieses Bcgiunen für und gegen sich habe, und unter welchen Umständen die Versammlung wohl Wichtiges und Förderndes für die Weiterbildung unserer Zustände bringen tonne. Das Schlagwort, welchem unsere Zeit folgt, lautet: Beseitigung aller derjenigen gesellschaftlichen politischen, wie religiösen Formen, welche frühere Jahrhunderte unS vererbt haben. Solche mögen zu ihrer Zeit, wo sie organisch sich auö der Vergangenheit für die damalige Gegenwalt cnlwickeltcn, wohlthätige Folgen gchabt haben; ihnen mag inneres Leben iuncgcwohnt haben: für unS sind sie nicht bloS zu todtem Formeltram und sinnlosen Acußcrlichleiten geworden, sie hängen sich auch als Bat» last an unsere frische, strebende Zeit uud sucheu dieselbe in das todte Meer der Vergangenheit hinabzuziehcn. Unsere Gegner sprechen freilich anders. Wenn wir ihnen Glaubcu schenken, so strebt unsere Zeit nach Zügellosig-leit, in religiöser, wie sittlicher, nach Anarchie und Gewaltthat in politischer Richtung. Abgesehen davon, daß die Feinde der Freiheit hier immer nur die extrem^ stcn Parteien — und welche Meinung hätte diese nicht — für den eigentlichen Kern der Bewegung anznschcn sich die Mühe geben, vergessen sie noch, daß der von ihnen so arg verlästerte Zeitgeist, in dem sie uns gerne Äelzebubs Abbild weisen möchten, nach der Lehre der Weltgeschichte doch nichts anderes ist, als die Offcnbaruug Gottes in der Geschichte. Sie vergessen, daß die Nus-breiluug des Christenthums zur Zeit der römischen Imperatoren selbst Niemand Anderem zu verdanken ist, als dem damalige« Zcitgcistc. welcher iu den einfachen, erhabenen Formen dicfcr Religion Rettung auS der trostlosesten Versunkcnheit suchte. Nicht weil der bürgerlichen Gesellschaft, der eigentlichen Trägerin der Zeitidee, die Reichthümer der Bö,sen, die Kanonen und Bajon« nette zu Gebote stehen, werden die Herren in Rom mit ihr und ihren Forderungen rechnen müssen, sondern weil diese als nothwendige Folgen der Gesammtcntwick-lung des europäische,, Geisteslebens sich darstellen und wiederum als Grundlage der Bildung für daS nachkommende Geschlecht dicucn sollen. Suchen wir uns nun klar zu machen, welche For« deruugcu aus der oben ausgesprochenen Zcitidce an die Versammlung der katholischen Bischöfe folgen. Hier können wir als Haupt- und Cardinalpunktc hervorheben: Die vollständige Trennung der Kirche von dem Staate, Befreiung beider von unerträglichen Banden , damit sich jedes gesondert entwickeln, damit jedcS den ihm zustehenden Einfluß auf die Fortbildung der gesellschaftlichen Verhältnisse nehmen könne. Will hier die Synode dauerndes stiften, so wird sie vor allem den Traditionen der römischen Curie entgegentreten müssen. Diese hat den Gedanken der Ncactivirung des mittelalterlichen Staates noch nicht aufgegeben und hält mit eiserner Zähigkeit an jedem Bande fest, welches den Staat mit ihr verknüpft, da sie noch immer der Hoffnung ist, daß auch die kleinste Verbindung hinreichen könne, ihr die alte Ucbermacht zu gewähren. Scheu wir uns aber um, ob es in Europa ein Volk gibt, welches nicht, so energisch es vermag, daS Vcrlaugen ausdrückte, die Kirche möge uuS dem Wir« kungstreisc deS Staates treten? Und ist dies so unmöglich? Man beruft sich auf die Geschichte, auf die historischen Rechte, ans die Verträge. Gerade die Geschichte lehrt uns, daß jede Zeit an-dcie. nur ihr eigenthümliche geistige Bedürfnisse halte. Diesen entgegenzukommen, sie in der Bahn echter, geistiger, nicht blos äußerlicher Sittlichkeit zn erhalten, die Gottcsidec den Resultaten der Wissenschaft gemäß zu klärcu und dadurch Gott zu verherrlichen, ist Aufgabe der Religion. Sie soll den Frieden durch Unterstützung des Fortschrittes predigen, nicht den Krieg dadurch her' bciführcn, daß sie glaubt, sich der Zeit entgegensetzen zu müssen. So that auch die alte Kirche, uud darum siegte sie, dcun sie erfüllte den Willen Gottes, indem sie sich in ihre Zeit, nicht außerhalb derselben stellte. Man beruft sich auf das historische Recht. Wir können nicht umhin, dieses nur so lange als giltig zu betrachten, als der Zeitgeist die Schöpfuugcn desselben als nützlich und nothwendig bezeichnet. Schöpfnngen, welche ihrem Zwecke in veränderter Zeit nicht mehr entsprechen, werden sicher unbcdauert uulcrgehcn. Und nun die Verträge. Von ihnen könnten wir das früher Gesagte anführen, wir wollen aber noch hin-zufügen, ob es für die katholische Religion, welche sich die Wahrheit nennt, nicht gut, ehrenvoll uud heilsam wäre, Verträge aufzulösen, welche ein Irrthum in Bezug auf die Zeitbcdürfnissc geschlossen. Und können wir nicht in dem freien Nordamerika ein Beispiel anführen, welches nnscrcn Satz glänzend beweiset? In dem freien Lande haben von vornchercin beide Gewalten sich frei entwickelt, und welchen Boden hat sich die Kirche erobert! Das ist kein Terrain, auf dem sie die Feder der Staatsmänner, die Furcht vor dem Schnellfeuer erhält, dieser Boden ist sicherer geschützt durch die freie Liebe zur Religion. Mit der freien Kirche im freien Staate wäre aber auch schou eiu zweites Problem gelöst, die Freiheit der Wissenschaft uud die der Schule. Auch hier fordert die Zeit uunachsichtlich ihre Rechte. Alle Schichten der Bevölkerung drängen sich zu den neu aufgeschlossenen Äildungequellen. Jene Zeiten sind vorbei, in welchen die Religion barbarische ncubekchrle Gemüther erst für den ^egen der Wissenschaft empfänglich machen, den Boden des Gemüthes dersclben erst für das wahre Schöne auflockern mußte. Die Wissenschaft unserer Tage bedarf keiner Einschränkung von Außen mehr, denn sie hat in sick selbst, in der mitleidlosen wissenschaftlichen Kritik, den Maßstab für das Wahre und Falsche gefunden, und alles unwissenschaftliche Flunkern, alles was des Bodens der Wahrheit entbehrt, wird in kurzer Zeit cutlarot und in der Armseligkeit seiner Blöße blosgestellt. Noch immer aber besteht zu Rom der inäsx Udi'0-rum iiroinditoruW: jcneS Register der verbotenen Bü' cher, auf welchem wir mit Schmerz und — Scham die Namen der ersten Gelehrten, der verdientesten Forscher, der tiefsinnigsten Denker, die Titel so vieler von jenen Werken fiuden, welche selbst der gläubige Katholik -^ sofcrne er kein Fanatiker ist — nicht in feinem Bücher schranke missen möchte. Und was ist denn dieser Indcz' Das war also der Grund weshalb Frances, diese heitere uud bezaubernde Schwester, unserm Briefschatze nichts mehr beigefügt halle. Was war aus dem Geueral Ehctwynd. dem kleinen Tom und scineu Eltern geworden? Jedermann weiß. was für verderbliche Einflüsse am Hofe von Saint-Germain herrschte,,, wo so viel Trene und Heroismus bald in gemeinen Liebcsintrigucn und groben Ausschweifungen erstickt wurden Wie hätte ein Mann von dem Charakter des Sir Thomas diesen Vcr-suchungen widerstehen tonnen? Hatte das großmüthige Vertrauen Penelope's sie nicht in ein Leben der Bitterkeiten und Täuschungen hineingezogen? Die Gegenwart der Vettern aus Amerila entkräftete diese Befürchtungen. Die Gründung ihres oirgini-schen Highbury fällt in das Jahr 1693, den Zeitpunkt, wo die Niederlage von la Hogue die letzte Hoffnung der Iakabiten vernichtet halle; und ein M. Basildon war der erste Caplan dcr Kirche gewesen, die mit ihren eingesunkenen uud unschönen Arkaden von diesen brauen Leuten nichtsdestoweniger dcr Kathedrale von St. Patrit in Dublin gleich hoch geachtet wurde. UebcrdieS trugen die üder allen Thüren und Fenstern in St^m gegrabenen Wappinschilde die in vier Felder getheilten Wappen der Danoers und Bernard. Sir Bernard kam unS nochmals mit einem Band Memoiren ans jener Zeit zu Hilfe, woraus er uns folgende Stelle vorlas: ^ch habe gestern in dem Landhause des Sir Richard Chelwyno dinirt. Er selbst ist der Hauptrciz der liebenswürdige,, und gewählten Gesellschaft die er um seinen Tisch versammelt. Er i>t ein cmsgeznchneter Edelmann dessen Freundschaft vou allen gesucht wird, obschvn sein Gemüth oft durch Schmernluth verdüstert wird. Der frühzeitige Tod seiner Frau hat einen Trauerschleier üder fein ganzes Le« ben gebreitet. Man begreift dies, denn nach dem Urtheile aller, die sie gekannt, war es eine Fran von großen Vorzügen, liebenswürdig, geistreich und gut eben so sehr als schön. Er hat nun all seine Znneignng auf einen jungen Neffe« concentrirt. den er mit väterlicher Sorgfalt erzieht. Der Bater des jungen Danvers ist ein jakobitischer Edelmann, der ihn ihm seit dessen zartester Kindheit anvertraut hat. Wenn man diese Zuneigung sieht, die die Beiden vereint, so würde Niemand zweifeln, daß Sir Richard selbst der zärtlichste der Väter ist." Hatte Penelope also ihren Sohn nicht wiedergesehen? Das war der allgemeine Ausruf. Ich glaube einen Brief von Tom selbst in Händen zu haben, sagte Sir Bernard, Sie werden bemerken, daß er nach unserm Archin im Jahre 1703 im Alter von 15 Iahreu in cin Dragonercorps eingetreten ist. Er muß an allen Kriegen unter Marlborough theilgenommen haben, wahrscheinlich unter dem Befehl seines Onkels. Er war Capitän im I^hre 17l2. als er diesen Brief schrieb, den letzten dcr uns nock übrig bleibt: er ist von Highbury in Amerika datirt und an Sir Richard Ehct-wynd gerichtet. „Ich möchte die Jeder Addisons besitzen, schreibt der lunge Capita», um Ihnen die Schönheit und den Frieden zu schildern, die iu dem kleinen Paradiese herrschen, das mein Vater sick geschaffen hat. Ein hochstämmiger Wald, um welchen cin durchsichtig klarer und frischer Strom sich schlingt, bildet einen bewunderungswürdigen Part, der selbst Euelinen zu Ausrufungen der Begeisterung hinreißen wUrdc. Vor dem Hause erstreckt sich ein prächtiger Blumengarten, wo meine Mutter als Souveränin regiert. Ich kaun mich nicht darüber wundern, daß sie ihr' neues Vaterland so liebgewonnen haben und nicht mehr daran deuten, nach England zurückzukehren. Sie betrachten Sie als den ein- zigen Freund, der ihnen in ihrem Heimatlaude übrig ge^ blieben ist, und meiu Vater fühlt sich mehr als je durch den Eid gebunden, den er dem Könige Iatob geschworen! demgemäß hat er auch teine Stelle bei der Magistratul der Colonien angenommen. Er ist deshalb nicht wenig" hochgeachtet, uud meine Mutter ist eine Person, deren M neigung ehrt und deren leiseste Beweise des Wohlwollet als eine Auszeichnung betrachtet werden. Ich verstehe nW was Sie sagen wollten, als Sie mir meinen Pater a>'' einen rohen Edelstein darstellten. Er hat gewiß nicht seh' viel studirt, aber niemals habe ich einen Edelmann g^ sehen, der dieses Titels würdiger gewesen wäre. Die We^' iu welcher er mit meiner Mutter umgeht, ist vou ci»^ ritterlichen Sauftmuth, die mich tief rührt, wenn ich ^' die Briefe denke, die Sie mich vor meiner Abreise lcst>' ließen. Aber wie könnte man auch meiner Mutter al'de^' als mit dcr zärtlichsten Achtung begegnen? Sie haben »M niemals den Reiz ihrer Persönlichkeit ahnen lassen, "" meine Schwestern, odschon hlibsch, werden niemals die A"' muth und Weichheit ihrer Manieren haben. Mein B^ runzelte leicht die Augenbrauen, als er die Initialen ^ Königin in meinen Säbelgnff eingravirt sah, aber er »v" trotzdem nicht müde, sich Von meinen Fcldzügeu erzähl zu lassen, und er kann sich nicht enthalten, über die Nicd^ lagen, welche wir den Franzosen bereitet, sich zu swH Er gesteht, daß er sie stetö herzlich verabscheut und iel iu Irland geru ins Meer geworfen hätte. Er sagt, ^ ich u, keiner Weise au die Stuarts gebunden sei, ">'dH es ihn sehr freue, daß ich Dienste genommen habe. -^ ! hätte ihn so betrübt, als mich im Müssiggang auf""")' ä" lew- .^ „^ »Die Güte meiner Eltern ist su groß, daß "^" ^ nicht enthalten tonnte, ihnen mein Herz zn öffnen. . ^ ! Vater rief ans: „Gut, gut, wenn Chelwyno seine C'" l« 2099 anderes, als eine Gewaltmaßregel, durch welche die Schlauheit des Ehrgeizes und romanische wie römische Selbstüberhebung alles vernichten möchte, was nicht in den Kran paßt, oder was man zu Noin nicht versteht und darum für schlecht hält. An vielen Vifchofsitzen finden wir dann dasselbe Bestreben. Man wünscht wenigstens einen Index mi in'miilwrs zn besitzen, um jedes mißliebige Buch, jede freimüthige Zcitnng vernichten zu können. Ein Beweis der entsprechende Artikel des Concordats. Hat man mit diesen Maßregeln der Sache der Religion genutzt? Sicherlich nein! Man hat gelehrt, sie — geringschätzen, uud sollte endlich aufhören, ihr immer so schlechten Dienst zu leisten. Würde die Kirche zur rechten Einsicht in dieser Beziehung gelangen, so wäre damit auch die Schule frei, und der letzte Punkt des Zwiespaltes zwischen Kirche und Staat, Synode und bürgerlicher Gesellschaft erledigt. Nur aber in dem Falle, wenn die Versammlung zu Rom diesen Weg deS Verständnisses und der Billigkeit einschlägt, mag sie hoffen, daß die Adresse ihrer Beschlüsse urdi 6t mdi offene Thüren finden wird. Im entgegengesetzten Falle mögen große Gefahren für die Freiheit entstehen, blutige Kämpfe hervorgerufen werden, jene werden überwunden, diese durchgekämpft werden, die ewigen Rechte der Menschheit aber sicher gegeben werden urdi 6t ordi. Politische Uebersicht. Laibach, 14, December. Gestern sollte daS Abgeordnetenhaus die Präsidentenwahl vornehmen. Es verlautet, daß die , Majorität den Abgeordneten Kaiscrfcld zum Präsidenten und die Abgeordneten Hopfen und Czajkowski zu Vizepräsidenten wählen wird, den letzteren zum Ersatz für seinen LandSmann Zicmialkowski, der nicht mehr Mitglied des Abgeordnetenhauses ist. Man darf in der Pcrfassuugsfragc eine solidarische Haltung erwarten. Als Regierungsvorlagen für den Reichsrath sind zu erwarten: vom Minister des Innern: ein Staatsbürger-rechts-Gesetz, dic Reform des Sanitätswcsens, das In-dcmnitäts » Gesetz für die Ausnahmsmaßregcln; vom Instizministcr: daS CoalitionSgesctz; vom Handelsmini-sler: ein Gesetz über die Regelung der Arbeitszeit und l über die Arbeit der Kinder, ein Gesetz über die Einführung von Fabrits-Inspcctoren. eineS über Aenderungen der Gewerbe-Ordnung; vom Fiuanzministcr: der Staats-voranschlag mit einigen Annexen. Unter den Abgcord. neten wird ein Antrag auf ausdrückliche Aufhebung , des Co ncor dates vorbereitet. Der Statthaltcrposten in Dalm alien ist, wie dic ..Presse" meldet, dem aus den Pcnsionsstandc rcac-tivirtcn Hofrath Frh. v. Fluck verliehen worden, der mit den dalmatinischen Verhältnissen vollkommen vertraut ist. Vom Kriegsschauplätze wird gemeldet: „In Maini und Braic wird wegen Unterwerfung verhandelt. Die Crivosciaucr versuchen an der Küste zwischen Risauo und Castclnuovo in kleineren Partien Raubzüge auszu« führen, dieselben werden jedoch durch dic Truppen und die treugcblicbenen Bewohner von Morinj und Ubly in Schach gehalten. Sonst ist nichts von Bedeutung vorgefallen." FML. Nooich soll mit ausgedehnten Vollmachten zu Pacifications-Versuchen in den insurgirten Bezirken versehen worden sein, und cs begibt sich derselbe ligung gibt, die meinige hast Du." Darauf fllgte er mit Mehr Ernst hinzu: „Es ist also eine Liebesheirat, Tom, die Du schließen willst? Es ist möglich, daß Du Dir da-! Mit viele Kämpfe ersparst. Siehst Du, fünf Iahrc lang war ich zu thöricht, um Deine Mutter zu lieben, während zwei anderer Jahre fand sie mich zu thöricht, um ihre Zu-Neigung zu verdienen, seitdem aber waren wir glücklicher Und inniger verbunden, als ein zärtliches Taubenpaar. Sie fangen gut au, Eapitcm Tom, an Ihnen ist es nun, dafür zu sorgen, daß die Fortsetzung dem Anfang entspricht. Die Acbe liebt die Contrastc uud bringt oft Ueberraschungeu. . ." Ich antwortete ihm, wie Sie sich denken können. Meine Vluttcr wird ebensowenig müde, das Lob meiner Viclge. liebten zu hören, als mein Baler die Schilderung der Belagerung von Lisle; uud meine Schwestern versprechen mir wundervolle Geschenke und herrliche indische Stickereien. Nicin Bruder Francis wird mich auf meiner Rückreise be. feiten und einige Jahre auf der Universität zubringen, er llebt aber die Eolonien zu sehr, um das geringste Verengen zu haben, sich in England niederzulassen. Seine Kuller hat ihm das Versprechen abgenommen, nach Bally-'"vre zu gehen, die alte Mab zu besuche» und all' die Due zu scheu, die ihr allein wahrhast süße Eriunerungcu zurückgelassen haben. In Wahrheit, mein Onkel, wenn ^le nicht wären und dieses andere Ich, das mich dort ^uben erwartet, ich könnte mich uur schwer aus ihren i "ltnen reißen uud für sie wieder ein Sohn der Fremde ^ A^en. Seit der Geburt von Francis betrachtet meine > gutter mich übrigens als Ihr legitimes Eigenthum und ^ hat mich als Dankopfer auf dein Altar der ehelichen ' ^ebe dargebracht. Ich bin Überzeugt, daß es niemals in ' /r Welt ein Paar gegeben hat, das sich zärtlicher geliebt ^tc-, als meine Eltern." schon in den nächsten Tagcu nach Cattaro. Major Kodolilsch begibt sich im Auftrage des Kriegsministers mit dem am 15. d. von Trieft abgehrndcn Dampfer nach Cattaro, Zum Gcueralstabs-Chef in Süd-Dalma-ticn wurde Oberstlieutenant v. Sterneck definitiv ernannt und dürfte derselbe an den Ort seiner Bestimmung bc-rcitS abgegangen sein. Der „Tagespresse" wird aus Ragusa, 10. d., telegraphirt: General DormuS ist gestern aus Catlaro hier eingetroffen. Die Krivosciancr halten sich in ihren Verstecken ganz ruhig. Aus Montenegro erfahren wir, daß der Fürst die Truppenthcile von der Grenze nach Hause entlassen hat. Hier ist eine Proclamation dcS bulgarischen geheimen revolutionären Comilö an die Slaven in der Türkei iu vielen Tausenden von Exemplaren verbreitet, in welcher besonders die Bulgaren zum Widerstände gegen die Herrschaft der Türlei angreifen werden, und zwar aus nationalen und religiösen Gründen. Mit Rücksicht auf die Unruhen in Dalmatien wurde ein Waffen a u sf u hrverbot erlassen, dem eine ähnliche Maßregel des ungarischen Ministeriums folgen dürfte. In Florenz ist es zn Manifestationen gegen das Concil gekommen. Am 8. December versammelten sich 200 bis 300 ehemalige Garibaldincr, Freimaurer, Arbeiter u. s. w. auf der Piazza dell' Indipendcn^a, formten einen Zug uud begaben sich zuerst nach dem Platze vor dem Kloster von San Marco und dann nack der Piazza dclla Signoria unter Vortragung van zwei Fahnen. Auf der einen stand geschrieben: ..Abschaffum, des ersten Artikels der Verfassung (der die katholische Religion zur Staatsreligion erklärt). Die Wissenschaft einzige Religion der Zukuuft." Die andere, eine schwa ' Fahne, wurde auf der Piazza della Signoria an der Stätte aufgepflanzt, wo Savonarola verbrannt worden ist; sie trug in weißen Buchstaben die Inschrift: ..An dem Tage. an welchem das ökumenische Concil iu Rom beginnt, mögen die Menschen eingedenk sein. daß hier auf Befehl Papst Alexander VI,, des Vaters Ccsarc Borgias, verbrannt worden ist Fra Girolamo Savonarola, weil er die römische Kirche hatte reformiren wol. len, welche zerstört werden muß." In München dauert d!e Ministerkrisis fort; erst die auf den 22. erwartete Ankunft des Königs dürste Entscheidung bringen. Auch die italienische Mi n istc rtrise ist noch nicht beendet, daS Ministerium Mendbrca ist definitiv entlassen; am Montag erwartete man, daß folgende Liste in der Kammer mitgetheilt werde: Sella, Präsident und Finanzen; Gadda. Inneres (wenn nicht Lanza doch noch dieses Portefeuille übernimmt); ViSconti-Venosta, Aeußercs; Cmpenti. Unterricht; Biancheri, Marine; Ralli, Justiz; d'Amico, öffentliche Arbeiten ; Pctitti (Andere sagen Govonc). Krieg. Der Candidas für das Ministerium der Landwirlh-schaft fehlt. Aus Paris meldet der „Public," vom 12, d.: Der Kaiser hat an alle Mitglieder des Cabinetes eine Einladung ergehen lassen, heute Abends zu einer Berathung in den Tuilcricu zu erscheinen. Gestern wurde in einem Ministcrrathc der weitere Bestand des Cabi-netes beschlossen. Dasselbe Blatt sagt: Unseren Informationen zufolge bezeichnet diese unerwartete Berufung der Cabincts-Mitglicder eine Aenderung in den Beschlüssen des Kaisers. In den Madrider Cortes griff der Republikaner Castet ar die Regierung, das Haus Saooyeu und den Kaiser Napoleon heftig an; er erklärte, daö Land habe die Candidatur dcS Herzogs von Genua zurückgewiesei', weil diese weder Ruhm noch Tradition repräscntirtc; er erklärte im Namen seiner Partei, er werde nur legale Mittel anwenden, um den Triumph der Demokratie herbeizuführen. Mgesnmiglmtcn. — (Katechismus der Verfassung.) Pom deutschen Verein zur Verbreitung gemeinniihcr Kenntnisse in Prag erhalten wir nachstehende Mittheilung.- Um den vom Ausschusse des deutschen Vereins zur Vcrbrcituug gc^ meinnütziger Kenntnisse am 29. U^M l. I. ausgeschriebenen Preis für einen Katechismus der Verfassung Oesterreichs Habensich fiiuf Arbeiten beworben, von denen jedoch keine als des Preises würdig befunden wurde. Eine derselben — mit dem Motto: „Das Recht schafft nicht, aber es sichert Ordnung uud Ruhe" — welche den Bediugungcn des Preiöauöschreibeuö noch zumeist cutsprach, wurde auf Aulrag der Preisrichter vom Ausschüsse gegen ein Houorar von Einhundert und fünfzig Gulden Silber erworben und wird, nachdem die sich als nothwendig erwiesenen Veränderungen vorgenommen sein werden, binnen kurzem veröffentlicht werden. Wegen der Zurücksenduug der Übrigen Arbeiten wollen sich die betreffenden Herren Autoren gefälligst an den Schriftführer Dr. I. Holzamcr (Prag, Betlehemsplatz Nr. 255) weuden. — (Ueber einen fürchterlichen Sturm), welchen der Lloyddampfer „Ceres" auf der Fahrt vou Alcrandrien nach Trieft zu bestehen hatte, schreibt ein Berichterstatter der „Weser Ztg.": Oegen 4 Uhr näherten wir uus der Insel Lissa, um mit der dortigen Telegraphenstation Signale auszutauschen, als urplötzlich der Wind. der immer mehr die Gestalt eines Sturmes angenommen hatte, sich zu einem Orkane steigerte. Das Barometer siel in wenigen Minuten in erschreckender Weise, der Himmel verdunkelte sich ringsum, Blitze umzucklen uns von allen Seiten und Regenschauer peitsche» iiber das Verdeck. Die See kochte in furchtbarer Weise nud die Wellenkämme sprühten vor dem rasenden Orkane iu Gischt auseinander. Das Schiff trieb wehr uud mehr der Brandung zu und nur die außerordentliche Ruhe und Energie des Capitäns, sowie die Püuktlichkeit, mit der dessen Befehle befolgt wurden, ließ es zu, daß durch Rückwärtsgehen deS Schiffes die Gefahr momentan beseitigt werden tonnte. Nach einer Stunde des Schreckens trat eine momentane Pause ein, in der das Schiff etwas leewärts der vorderen Seite der Insel gebracht wcrdeu konnte. Desto wilder brach aber im ' nächsten Augenblicke der Orkan wieder hervor und im wilden Tanze umpcitschten die Wogen das Schiff. Der Capi-tän war mit seinen Officiercn auf der Commandobrücke, die Maschine arbeitete, konnte aber, da die Schraube iu jedem Augenblicke über die Wellen sich hob, keinen Fortgang gewinnen. Alles flüchtete vor den überstürzenden Seen und den Hagelschauern in den großen Salon, nur ein Herr aus Wien und ich hielten auf dem Deck aus. Die Matrosen, die nicht gerade im Dienst waren, wo sie die außer-» ordentlichsten Anstrengungen mit übermenschlichem Eifer ausführten, lagen auf den Knien und beteten inbrünstig. Die Situation wurde im höchsten Grade kritisch, an Net' tung war, wenn das Schiff auf die vor uns liegenden Felsen, an denen die Vrandung donnernd emporstieg, trieb, nicht zu denken. In diesem Momente kam der Capitän todesbleich von der Com nandobrücke und erklärte, das Schiff wolle dem Slcuer nicht mehr gehorchen und wenn der Orkan nicht bald sich lege, so sei das Schlimmste zu befü'rch-ten. Die Rechnung niit dein Leben mußte abgeschlossen werden uud nur auf Gott stand unser Vertrauen, da — nach 10 Minuten fürchterlicher Existenz — legte sich der Orkan plötzlich, die Maschiue arbeitete vou Neuem vorwärts und leichter hob sich die Brust, als das Schiff von dem vorliegenden Ufer abfiel uud freie See gewonnen war. Wer ! zählt die Zahl der stillen Dankgebete, die in diesem Mo« ' mente zum Himmel aufstiegen. Nach und nach legte sich der Sturm ganz und heule Morgen laufen wir, bei fast glatter See, an der istrischen Kliste hin, neben uns die Pan-zerfregatte „Ferdinand Max", die bei Lissa den ,.Rc d'Itaiia" in den Grund bohrte. Eme Dankadresse an den Capitän Caloi, der in den gestrigen schrecklichen Augenblik-ken eine seltene Ruhe und mäuulicke Energie gezeigt hatte, wurde aufgesetzt uud von sämmtlichen Passagieren unterzeichnet, sowie der Mannschaft, die Außerordentliches geleistet, ein Geldgeschenk übergeben. — (Zum Mord von Pantin.) Die Anklagekammer des Pariser Appellhofes hat in dem Proceß Traupp-mann ihren Einschluß gefaßt. Trauppmann ist angeklagt: 1. Johann Kinck mittelst giftiger Hubstanzen getödtet zu haben; 2. einen Dicbstahl an Johann Kinck oder dessen Erben begangen zu haben, indem er cine Summe Geldes, eine Uhr und andere Gegenstände cms dem Eigenthum des Opfers au sich nahm; 3. Quittungen im Namen Kincks, namentlich über die unter dessen Adresse auf der Post von Gucbwiller liegenden 5500 Francs, gefälscht zu haben; 4. freiwillig und mit Vorbedacht in der Nacht vom 17ten zum 18. September Gustav Kiuck, und 5. freiwillig und mit Vorbedacht in der Nacht vom 19. zum 20. September Frau Kinck und fünf ihrer Kinder getödtet zu haben. Der Angeklagte ist bereits unter starler Bedeckuug von Mazas nach der Conciergerie gebracht worden. — (Curiosum.) In St. Urbain bei Lyon ist kürzlich ein Kind gestorben, dessen Körper während der Krankheit uud beim Verscheiden höchst merkwürdige elektrische Erscheinungen darbot, die ein Arzt aus Lyon beobachtet hat uud welche das „Memorial de la Loire" folgendermaßen beschreibt: Zwei Wochen vor dem Tode des Kindes waren an demselben elektrische Lichterscheinuugcn eingetreten, welche sich die Aerzte gar uicht erklären koiinlen, denn sie sahen nichts als Feuer. Die elektrischen Entladungen sollen so stark gewesen sein, daß sich Niemand iu der Nähe der Wiege des Kindes aufhallen konnte und Personen dadurch zurückgeworfen wurden; zwei Katzen und ein Hund wurden dadurch genöthigt, das Haus ganz zu verlassen. Das Phänomen steigerte sich bis zum Tode des Kindes von Stunde zu Sluude. Das Leben desselben erlosch ganz ruhig, ohne das mindeste Zeichen einer Krisis oder eines Kampfes, während in der Stube ringsumher Alles von einem unbeschreiblichen Schauder ergriffen war. I» dem letzten Augcutticke s.ih mau die elektrischen LichtaMrömungcu von dem Körper des sterbenden Kindes mit cmer gegen frliher vcrdrcifachlcn Stärke ausgehen und dieselben hielten durch mehrere Miuuten nach de,n Verscheiden noch au. Uebrigens soll man nicht wissen, welcher Krankheit eigentlich daö Kind erlegen ist. Die Eltern verweigerten den Aerzten die Auslieferung des Leichnams und derselbe ist zur Erde bestattet worden; die Haare wurden aber von den Eltern und Vckaunlen abgeschnitten uud in der abergläubischen Meiuuug von einer Heilkraft derselben vertheilt.' (In dem Vericht wird nicht erwähnt, ob man auch deu Versuch gemacht, dic Wege des Kindes von ihrer Stelle zu rücken, da dic elektrischen Erscheinungen — ihre Wahrheit vorvorausgesetzt — schwerlich vom Körper ausgingen.) — (Englisches Schiffbruchs'-Register.) Daö Schiffbruchs. Register des seine,» Ende zugehenden Jahres wird ein sehr langes werden; die vergangene Woche hat 61 Ungllicköfälle zur See gebracht, so daß seit dem 1. Jänner nicht weniger als 2439 augemeldet wurden. 2100 — (Ein ausgiebiger Peterspfennig.) Der englische Lord Denbigh, der dieser Tage nach Rom kam, hat dem heiligen Vater im Namen des katholischen Englands einen Peterspfennig von zwei Millionen Francs Überreicht. Locales. — (Verfassungsfeier.) Der schwungvolle Verlauf des im vergangenen Jahre zur Feier der Einführung der Staalsgrundgesetze vom konstitutionellen Verein abgehaltenen Banketts und die von vielen Seiten geschehene Anregung veranlaßten den Ausschuß des constitu-tionellm Vereines, auch heuer wieder eine Jahresfeier der December-Verfassung zu veranstalten, wie solche nach den Zeitungsnachrichten auch in vielen Städten Böhmens, der Steiermark u. s. w. vorbereitet wird. Das Arrangement des ssestes, welches Sonntag den 19. d. M., 7'/^ Uhr Abends, in den von der lübl. Sparcasse mit gewohnter Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellten Localitäten des Schießstattgebäudes stattfinden wird, ist in die Hände eines Comite's gelegt, welches siir die würdige Insceni-rung des Festes zu sorgen bestrebt ist. Die Einladungen — auf die Mitglieder des constitutioncllen Vereins beschränkt — geschehen mittelst Circularen, und es werden Karten an die Mitglieder ausgegeben. Um den Gewerbetreibenden, welche im verflossenen Jahre so zahlreich an dem Bankette theilnahmcn, die Betheiligung zu erleichteru, wurde dasselbe auf den Sonntag angeordnet. Wir zweifeln nicht, daß sich die Feier auch heuer wieder zu einem fchönen Bürgerfest gestalten und den Beweis liefern wird, daß die Bürgerschaft Laibachö unter allen Umständen treu au der Sache der Verfassung hängt. 24. Verzeichnis) der Veilriine für ein Schiller-Denkmal in Wien. Herr Karl Ritter v. Schwarz, f. l. Baurath..........2000.— Erträqniß dcr Vorstellung „Maria Mag-dalena" im l. l. prwileg. Carl-Theater am 18. November..........3094.84 Vom Leopoldstädter Realgymnasium: Ertrag einer Schiller Feier......121.65 Von Laibach: Ertrag einer Schillerfeier durch Herrn Professor A. Heinrich 25 l»5 fl., durch Sammlung : O. Äamberq, I. v. Klcin-mayr. A. D'mitz, Professor Schmidl jc l fl., tine Verehrerin Schillers 2 f!.. zusammen 31.65 Herr Dr. Moriz Güdemann, Prediger 5>.— Summe 5253.14! Hiezu bisher ausgewiesene 33872.16 Zilsamilicl?39l25I0 3udw. Aug. Franll, Stephan v. Schey. Picrpräsev. Eassicr. Fernere Beiträge nimmt — außer den Wiener Buch< und Kunsthandlungen — auch das Comptoir dcr „ijaibacher Zeitung" entgegen. ! Neueste Post. ! (vriginal'Telegramm der „Laibacher Zeitung.") Wien, «4. December. Der Neichsrath wählte in der heutissen Sitzung Kaiserfeld zum Präsidenten, Groß aus Wels zum Vizepräsidenten. Kaiserfcld betonte die entscheidende Vedeutung der kommenden Session, er erwarte von der Klugheit deS Neichsraths ein giin-stiges Ergebniß. Der Finanzmiuister legte den Staatsvoranschlag für das Jahr »87<> vor. Trutz der Mehrausgaben wird keinerlei Are-ditsuperatiou nothwendig sein. Unter den zahl reichen Vtegierungsvvrlagen befinden sich die Verfügungen betreffs Dalmatieus, ein Gesetz Entwurf zum Schutze des Brief und Schriftgeheimnisses, die Negelung des Coalitions rechtes. Morgen findet die Wahl einer fiinf-zehngliedrigen Adreßcommission statt. Das Herrenhaus wählte bereits eine fiinfzehnglie« drige Adreszcommission. Es wurde eine Interpellation grstollt, warum die Negierung die gestrige Ärbeiterversammlnug nicht verhindert habe. Graf Taaffe sagte die demnächstige Beantwortung zu. Die „Wiener Zeitung" schreibt: In einem der am Montage erschienenen Wiener Tagesolätter wird behauptet, „daß am Sonntage das Gerücht wieder aufgetaucht sei, dcr Kriegsminister FML. v. Kühn wolle seine Demission einreichen uud man versichere, daß dieselbe angenommen wcrdc." Wir sind von entscheidender Stelle zu der Erklärung beauftragt, daß dies Gerücht cin durchaus leeres ist und selbst jeder auch nur scheinbaren Berechtigung ermangelt. — Ueber die vorgestern in Wien stattgefundene Ar-bcitcrdemonstral ion wird von Wiener Blättern berichtet, daß dieselbe wcdcr das Pnblicmn noch die Polizei überraschte, denn bereits seit längerer Zeit war cs bekannt geworden, daß am Elöffnnngötagc dcs Ncichs-rathcs diese Masscimiisamilillmg auf dem Iosephstädtcr Er/rricrplatze nnd auf dml Platze vor dcr Potiu-Kirchc stattfinden sollte, um eine Deputation zu wählen, welche dein Ministerpräsidenten die Wünsche dcr Arbeiter vortrugen sollte. Ein an die Arbeiter dcr größeren Etablissements in viclcn Exemplaren verbreitetes anonymes Schreiben hatte dazu eingeladen. Die SichcrheitSorgane fanden keinen Anlaß einzuschreiten als in dem Angcn« blick, als gegen Mittag mit dcr Dcpntation eine großc Arlicitermengc nach der Stadt zichcn wollte. Nach Viertel auf 1 Uhr verfügte sich die Deputation in das Palais des Ministerpräsidenten Grafen Taaffe. ES wnrdcn jedoch nur drei Sprecher, dic Arbeiter Härtung,! Pfeifer und Äaudisch zugelassen, welche nach ungefähr einer Viertelstnnde die Antwort zurückbrachten, daß dcr Ministerpräsident die Wünsche und Beschwerden dcr Arbeiter im Ministerralhc vorbringen werde. Um A Uhr Nachmittag fand cine Volksversammlung im „Hobcleulli" statt. Es wurde beschlossen, eine Petition an das Ministerium zu richten. Die Forderungen dcr Arbeiter sind: 1. Unbeschränktes Coalitionsrccht; 2. Herstellung eines völlig freien Vereins- und Vcr-fammlungSrechteS; 3. der absoluten Prcßfreiheit und 4. der Einführung des gleichen und dircctcn Wahlrechtes; 5. Beseitigung der stehenden Heere durch Einführung dcr allgemeinen Volksbewaffnung. Die „Presse" warnt die Arbeiter, durch ihr Auftreten nicht der Reaction in dic Hände zu arbeiten, und sagt dann: Den berechtigten Wünschen dcr Arbeiter entgegenzukommen hat die Regierung und hat daS AbgcordnctcnlMs nicht gezögert. Schon in der lelM, Session wurde über die Aufhebung des Coalition svcrbots berathen, aber dcr jähe Schluß der Session war Schuld daran, daß daS Gesetz nicht schon im Mai dieses Jahres zu Staude kam. Wie wir hören, wird der Iustizministcr die betreffende Vorlage morgen im Hause einbringen, nnd gleichzeitig wird uns versichert, daß dieser Schritt nicht etwa als eine Consequenz der heutigen Straßenvorgängc, sondern als die Ausführung eines vor mehreren Tagen vereinbarten Ministerraths-Bcschlusses anzusehen ist. Aus P e st wird gemeldet, daß bis zum Jahresschluß ausschließlich daS Budget berathen werden soll. 5'onyuy beantragte bezüglich dcr gemeinsamen Pensionen die Feststellung des mit Dr. Brcstl vereinbarten Quolcnvcrhält-, nisscs und Bewilligung der Civillistc auf 10 Jahre. Die Thronrede hat in Pest einen günstigen Eindruck gemacht. Se. Majestät dcr Kaiser wurde gcstcrn früh in Pest erwartet, soll am Donnerstag Audienzen ertheilen und am 22. d. abreisen. In München ist die Minislcrlrisis noch nicht beendet; in Florenz will man, nach einem Telegramm dcr ..N. Fr. Pr." wissen. Se Majestät del' Kaiser von Oesterreich werde der Kaiserin bei der. Rückkehr nach den österreichischen Staaten bis Ancona entgegen- ! reisen und bei dieser Gelegenheit mit dem König Vic«^ tor Emanuel zusammentreffen. Die „N. F. P." ficht! in der Berufung Visconti - Venosta's und Sella's in daS Ministerium cine üble Vorbedeutung, ersterer habe dic berüchtigte September-Convention mit Frank' reich wegcn del- Besetzung Roms abgeschlossen, letzterer habe dic Mahlstener cingcfiihrt und beide dadurch zu blutigen Conflicten Anlaß gegeben. Aus Paris meldet dcr Telegraph, daß der Fi-nanzmiüister Magnc einen sehr günstigen Finanzbericht ucitlicilcn licß. Die schwebende Schuld habe sich scil 3l, Juli 15M nm 232 Millionen vcrmindctt, dic FinanMbahlling im I^hie 18l)8 habe cincn rcincn, cndgilliu festgestellten wbclschlis; von 18'/^ Millionen c,-gcbcn. Dcr wahrschci»liche lklierschuß dcs Jahres 186!) wcrdc 5>5> Millionen »üd der Gcsannntübeischuß der bei' dcn lctzttn Jahre 73 Millionen l^clragc». Fi!r das Jahr 1871, werde dcv Ucbcrschnß :)7^ Mlllionm betragen. Telegraphische 'Ttteckselcvllrse vom 14 December. bpcrc. Mctalliqncs 59,80. — 5pcrc. Melalliqucö mit Mai» und Novrmbrr-Zmscn 5,9,80 - 5perc. National-Anleheu 69.90. - 1860er SlamSanlehen W.90. — Vaulacneli 735. — Credil, Actien 257.75, — London 123.95. — Silber 121.25. - K. l. Ducalcu 5 84'/,. Handel und .NrainbllVH, l:l. December. Aus dem heutige» Martie sind erschienen: 97 Wagen mit Getreide, 21 Wagen mit holz, 29 Wl^ gen mit Speck und 201 Stuck Schweine von 14—20 kr. pr. Psd. Durchschnilts - Preis e._______________ fi. li. fi. lr. Weizen pr. Mehrn 5 71 Butter pr. Pfund . — ! 39 «orn „ — -! Graupen pr. Maß . — - Gerste „ — — Eier pr. Stück . . — 2j Hafer „ 2 20 Milch pr. Matz . — U) Haldsrucht „ 3 «0 Rindfleisch pr. Pfd. — 20 Heiden „ 3 Kalbfleisch „ — 24 Hirse „ 3 30 Lchweiucflcisch „ — 22 Kulurutz „ 3 20 Schöpsenfleisch „ — 16 Erdäpfel „ 1 50 Hähndel pr. Stück — 25 linsen „ — > — Taudeu « — 11 Erbsen „ — — ^ Heu pr. Zentner . - — Fisolen „ 4 48 Stroh „ . - ^, Rmdöschmalz pr, Pfd. — , 50 Holz, hartes, pr. Klft, 6 40 Schweineschmalz „ — , 39 — weiches, „ 4 !0 speck, frisch, « —29, Wein, rother, Pr. Eimer -- — Spect, geräuchert, Pfd. — —j-- weißer „ ,— NudolfHwerth, 13. December. Die Durchschnitts-Preisc stellten sich auf dem heutigen Markte, wie folgt: st. lr. si. ,r. Weizen per Melden 4 60 Vuttcr pr. Psnnd . — 48 Korn „ 3 30 Eier pr. Slilck . . -- Ij Gerste „ 2 95 Milch pr. Maß . — 10 Hafer .. 1 70 Rindfleisch pr, Pfd, - 22 Halbsrucht „ 3 «0 Kalbflcifch „ — ! 26 Heiden .. 2 86 Schweinefleisch „ — ^ 24 Hirse „ 2 58 Schöpsenfleisch „ — ! — Kulunch ., 2 70 Hähndcl pr. Stllck — , 28 Erdäpfel „ 1 30 Tanben „ - ! 20 hinsei, „ 4 80 Heu pr. Centner . 1 «50 Erbsen „ 4 80 Stroh ,. . 1 — Fisolen „ 3 84 Holz, hartes, pr. Klft. 6 50 Rindi ^ Theater. Heute: Faust, Oper in 5 Acten. M « rgeii: Der Verschwender, Zauliermärchen in 3 Ab-theilnngeu, Herr Mailmelli als Gast. « ll. M.,. 325..il — 1.7 O. schwach ganz bewV ' 14. 2 „ N/ 325,.,4 > 0,4 N, schwach ganz bew. 0.,« I0„ Ab. 32<>l» —0,u SW schwach gauz bcw. Nasse Witterung, Anschauung. Wolkendecke geschlossen/Abends Wolkenzug aus SW. Daö Tageömiltel der Wärme — 0'4", uM l)-4" ilber dem Viormalc. Verantwortlicher Redacteur: Ignaz^v7^Kl e iu"m a y r. M'^«^«l,n«.z^4 Wien 13 December. Die Vorbürsc war gtlnslig gestimmt u„d nur zum Schluß durch die Nachricht uon cmer Massenausammlung der Arbeiter elwaö beeinflußt, Di Dttljenbcncht. MittHbärse hi^ die Course ueigtm eher zu einer Ermaltuug. Deoism stiegen um em Gertnges, Ve. Abgang de« Ber.chteö uot.rte man: ^U. Allftemeiue Htaatoschuld. ssür 100 fi. Geld Waan Einheitliche Staatsschuld zu 5 pEt.: iu Noten verziuSl, Mai-November 59,90 60. - „ „ „ Februar-August 59,80 60.- « Silber „ Iälincr-Iuli , 70.05 70.10 „ „ „ April-October. <;9.90 70,- Steueraulehcn rückzahlbar (Z) - 9825 98.75 ^'ose v,I, 1839..... 225.-226.— .. .. 1854 (4 «/,) zu 250 fl. i".50 91 f<» « „ I860 zu 500 st, . . l>7,20 97,35. ,. .. I860 zu 100 st. . . U>2.75 103 25 ., .. 1864 zu 100 st. . ,11925 119.50 StaatölDomiwcu-Psaudbriefe ,u 120 fl. ü,W. in Silber . . 119.25 119,75 ». Grundentlastllnsss-obligativncll. Filr 100 fl. Geld Waare Vühmen . . . . zu5p(lt 92.- 93.- Galizieu......b .. 72,60 73.- Nieder-Oesterreich . . » ^ „ 94.— 95. - Ober-Oesterreich . - « 5 « 94.50 95.- Siebenburgeu ... „ 5 „ 76,— 76,50 Stciermall ... « 5 « 91.— 92.— Ungarn .... .5« 7925 79,75 l l?. Actien von Bankinstituten. l Geld Waare ^ Auglo-üsterr. Bank abgrst, . . 273- 273.50 Anglo-uugar. Vanl .... "".'l' 66.--Aodcu-Crcdilaustalt . . . .2^8-292.-(Kreditanstalt f, Handel u. Gew. . 25^.90 256.10 (Kreditanstalt, allgem. uugar. . . 79 — 80, Escompte-Grsrllschaft, u, ö. . . 670. 8^0.— Frallco-üstcrr. Bank .... 99.— 100.- Geucralbaul.......^7'^ 44,— vianulluN'llut...... 73i< - 734,- Nicderläudischc Oanl .... ^>^ —.- Vereiuebaut.......9^— 93.— Vrrlchrodant.......114— 115.— Wiener Bank...... Ung. Bab.-Crcd.-Äust. zu 5'/. pCt. »I.-" ^1.^5 W'. Prioritätsobliaatlonen. 5 100 ft. 0. W. Geld Waare Llis.-Westb. m S. verz. (I. Emiss.) 90 50 91 -FerdillaudS-Nordb. in Silb, verz. 107.50 10».-^rauz-IosephS-Vahn .... 93.— 9350 V. Meld Waatt Ocsterr. Nordwestbahn .... 9150 92.-^ Sicbenb. Nahn in Silber vcrz. - 88.— 88 25 ^Staatöb. G.3"/„ä5.00Fr. „>.Em. 139,50 140,^ Slldb.G,3'/.. «500Frc. „ - . 121,— 121,5' Sl!db.-Bon« 6 °/, (18?<.'^74) i. 500 Frcs . . - - .245.-246.^ «. «prlvatlose ^pcr Stilck.) Creditaustalt f. Handel»!. Gew. Geld Waa" zu 100 fl, b W......1t>4- 165,^ Rudolf-Stiftung zu W fl. . . 16. ^ 16.^ Wechsel (3 M«n) Geld Waa^ Augsburg filr 100 st sildd. W. 103.10 103^ ^.ralilfNlt a,M. 100 fl. detto 103 20 IW ^' Hamburg, silr 100 Mark Äai:c° 91.45 9^^ London, für 10 Pfund Sterling 123 90 I24H Paris, für 100 Francs . . . 49,25 43^" Tour« der Geldsvrten Geld W°an K. Münz-Ducater. . 5 fl. 84 kr. 5fl. 85 "-Napolcousd'or . . 9 .. 89l.. 9 ,. 90 " Verciuöthalcr. . . 1 „ 83 .. 1 ,. 83j ' Silder . . 121 „ 50 „ 121 „ 75 " Kraimsche Grundeutlaftungs-Obligationen, '^' ! UlltnoNrun«,: 8650 Geld, 90 Wuare