lnr Annst, Literatur, Theater n. geselliges Leben. NNW2A NN3?M>NM ^ ^5. Montag am Jänner Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mol ein halber Bogen. Der Preis des Blattes ist in Laibach ganzjährig !>> halbjährig 3 st. Durck die f. s. Post unter Lnuvert mit portofreier Zusendung ganzjährig », halbjährig 4 st, C. M., und wird halbjährig voraus­ bezahl!. Alle f. k. Postämter nehmen Pränumeration n». I n Laibach pränumeriri man beim Verleger am Naan, Nr. li,u, »» ersten Stocke. Iuliens letzte Stunde. U n Iuliens Sterbebette Der Todesengel stand, Der unbetanute Note Aus unbekanntem Land. Von Alle» dort, die weinend Um Krankenlager steh'n, Hat seiner ihn vernommen, ssein Auge ihn geseh'n. D « !>ffnet ei die Lippen Zum leisen Todtensong, Der Kranttn Ohr „mrauschl es Wie ferner Spharenklang: Wie ist doch süß die Nuhe, Drum süßes K,»d schlaf' ein, I n schöne, goldene Träume Wiegt Dich mein Liebchen ein. Als Seraph will ich Dir nahen I m leuchtenden Gewand', lind fuhren auf lichten Bahnen Dich in ein schön'res Land, Wo and're Sterne funkeln. Wo and're Sonnen glüh'n» Wo milder die Lüfte wehen Und schöner die Blumen bliih'n. Ein ewiger Frühlingsodem Wird drüben Dich umweh'n, Und goldgelockte Engel An Deiner Sc,tc steh'n. Indeß D u dort lustwandelst I m ewigen Sonnenschein; Wird Liebe frische Blumen Hier nuf Dein Lager sireu'n. Und wenn im Frühlingsschimmer Berg, Thal und Wald erglüh'n, Wird Lilie und Rose Auf deinem Beete blüh'n; Drum schließe Deine Augen, Dort winkt Dir Sonnenschein, Hier ist es trüb', dort helle, Schlaf' ein, mein Kmd, schlaf'ein.— So ssngt der Todesengel Die bleiche Braut zur Ruh', Sie athmet leis' und leiser, Schließt fest die Angen zu. Da senkt er seine Fackel, Der letzte Brand verglüh'!. Die Blume ist gebrochen, Der Genius entflieht; Es weicht di« Nacht, die schaurig, Auf düst'rer Erde lag, Und eine Lilienleichc Begrüßt der junge Tag. Carl Tcidl. Die Gillier in Kram. Von Carl Prenn er. (Fortsetzung.) Hier blieb Veronika nicht lange ruhig, denn des unerbittlichen harten Hermanns schimmerndes Gold ver­schaffte sich wohlbezahlte, ««ermüdete Späher. Veronik a wurde entdeckt, gefangen genommen, auf Hermanns Be­fehl nach Osterwitz gebracht und in das Verließ geworfen. Bei karger, kaum das Leben fristender Kost erlitt sie hier viel Noch und Hunger. Nach einer Zeit versammelte Graf Hermann ein peinliches Gericht, und stellte die verhaftete Schwiegertochter Veronika vor dasselbe mit der Klage: sie habe durch Zaubermittel seinen Sohn Fried­rich bethört, und dadurch zu der Heirat bewogen, ihm, seinem Vater, aber mit Gift «ach dem Leben gestrebt. Al­lein der ihr nach damaliger Sitte beigegebene Vertheidiger sprach für sie mit so vieler Wärme und Geschicklichkeit, daß sie von dem Gerichte der ihr zur Last gelegten, schwe­ren Schuld los und ledig gesprochen wurde. Hermanns Rachgierde und Groll wurde durch dieses Erkenntnis; nur noch mehr angefacht, er ließ sie wieder in ihr früheres Ge­fängniß nach Osterwitz bringen, und langsam dem Hunger, code weihen. Allein, da dort Veronik a nicht so schnell, als Graf Hermann es wünschte, starb, so sendete er zwei Ritter nach Osterwitz mit dem Befehle ab, sie umzu­bringen; welches sie dadurch in Erfüllung setzten, daß sie 398 -^ Veronika bei dem schonen Haar ergriffen, und sie in ei­ ner Badwanne ersäuften. Veronika's Leiche wurde nach Fraßlau zur Begräbnißstätte gebracht. Diese unbarmherzige, grausame Behandlung seiner schuldlosen Gemahlin, welche Friedrich noch in seinem Gefängnisse vernahm, zog ihm dadurch großes Herzenleid und der innere Kummer hierüber eine schwere Krankheit zu; welche seine Entlassung aus dem Verhafte zur Folge hatte; denn da Graf Hermann in Friedrich den einzigen Sprossen seines Geschlechtes achten und bewahren mußte, so mußte er auch seinen Zorn und Haß, der mit Stärke die schuldlose Veronik a getroffen und hingewürgt hatte, der Politik und der Erhaltung seines Hauses zum Opfer bringen. Mit dem Morde Veronika's wurde auch der Groll Hermann's um ein Bedeutendes abgekühlt. Fried­rich , der Haft entlassen, wurde mit dem ihm wieder bei­gegebenen Hofgesinde nach Radmannsdorf zur Hofhaltung beschieden, wo er zwei Jahre verblieb, nach Ablauf dieser Zeit aber dann eine Neise nach Rom unternahm, um sich von dort, wahrscheinlich wegen des ihm zugemutheten, an seiner ersten Gemahlin verübten Todtschlages den Ab­laß zu holen. Auf dieser Neise erbaute Graf Fried­rich 1431 die Veste oder das Schloß Weissenfels in Ober­lrain an den Grenzmarken Krams und Kärntens. Ritter v. Kalchberg stellt in seinem Drama: »Friedrich Graf von Cilli" im 8. Theil seiner sämmtlichen Werke den Cha­rakter des alten Grafen Herman n viel edler dar. Er läßt Hermann seinen Sohn, der aus der Haft zu Cilli durch seine Freunde und Ritter aus Krain befreit wird, mit Veronika in glücklicher, gutgeheißener Liebe wieder vereinen, verzeiht ihnen großmüthig, und nur die königli­che Barbara, Friedrich's Schwester, ist die Mörderin Veronika's, indem sie solche in den Armen des wieder zu Gnaden aufgenommenen und glücklich gewordenen Fried­rich's mit einem verborgen gehaltenen Dolche, als Ritter vermummt, ersticht, und dann sich zu erkennen gibt. Mit Grund konnte Grafen Hermann il. ein gro­ßer, alles unterjochender Ehrgeiz und Vergrößerungssucht seines bereits so mächtigen Hauses vorgeworfen werden, welche den gewaltsamen Tod seiner schuldlosen Schwieger­tochter(i42«) zur Folge hatten. Nach Grafen Hermann's Tode erst ließ Friedrich seiner geliebten Veronika Lei­che zu Fraßlau erheben, und in der Karthausc Geyrach bei­setzen, als auch er von seiner unternommenen Römerreise rückgekehrt war. Auf seiner Dahinreise wurde er von dem Grafen von Ferrara , ohne daß die Geschichte die Ver­anlassung hiezu erzählt, gesangen genommen und von sei­nem Schwager Heinrich Grafen v. Görz mit Geld erlöst. Friedrich, der aus seiner ersten Ehe einen Sohn, den Grafen Ulrich il. hatte, heirathete nicht mehr, erhielt aber den Glanz seines Hauses, stellte die von seinem Va< ter während seiner Gefangenschaft zerstörten Schlösser, so wie auch das Schloß Friedrichstein bei Gottschee wieder her. Da Friedrich's Vater Hermann bei seinem kaiser­lichen Schwiegersohne Siegmun d zu Preßburg starb, so ist nicht zu zweifeln, daß Friedrich die Regierung der weitläufigen Cillischen Grafschaften und Güter bald nach seiner Rückkehr von Rom antrat, jedoch führte er kein er­ bauliches Leben, sondern ergab sich dem Wohlleben, und war ganz Sklave desselben noch in seinem neunzigjährigen Alter, ungeachtet er früher rühmlich gelebt. Friedrich wurde noch bei seinen Lebzeiten mit seinem Sohne Ulrich vom Kaiser Sigmund als nächster An­ verwandte desselben zum gefürsteten Grafen von Cilli, so­ hin zum Fürsten des heil, römischen Reiches mit allen Prä­ rogativen einer solchen Würde erhoben, daß sohin ihre Grafschaften, Cilli, Ortenburg und Sternberg als Fürsten­ thümer betrachtet, und die beiden gefürsteten Grafen ihre Fürsten-Lehen gleich andern Fürsten vom Kaiser und Reich mit aufgereckten flatternden Panieren empfingen, und die übrigen fürstlichen Gerechtsamen genießen konnten. Erzherzog Ernst der Eiserne, der damals zu Grätz Hof hielt, und dessen Sohn Erzherzog Friedrich als nachmaliger Kaiser der >v. fanden sich durch diese Erhö­hung der Grafen von Cilli sehr beleidigt, und in ihren Rechten nach den friedericianischen Privilegien von Fried­rich dem Streitbaren, dem letzten Babenberger, verliehen, sehr verkürzt; sie widersprachen dieser Erhebung mit Grund dahin: der Kaiser wäre nicht befugt, in ihren Fürstenthü­mern ohne ihrer Beistimmung, Jemanden zu Fürsten zu erheben; die Grafschaft Cilli läge in ihrem Fürstenthume Steier, Ortenburg und Sternberg aber in ihrem Erzher­zogthume Kärnten. Neberdies habe Kaiser Ludwig und Carl IV., als sie die Freiherrn von Sanneck zu Cilli ge­grafet (zu Grafen von Cilli erhoben) vorerst ihre lieben Voreltern; die Herzoge zu Oesterreich als Landesfürsten von Steier um die Bewilligung und Zulassung angegangen; auch seyen ihnen die Grafschaften Ortenburg und Stern­ berg in Kärnten nach des letzten Grafen Friedrich's von Ortenbur g Tode als erledigte Mannslehen anHeim ge­fallen, und von den Grafen von Cilli unbilligermassen an sich gezogen worden. Da diese Protestationen nicht halfen, (Sigmun d un­ternahm während der Abwesenheit des Erzherzoges Fried­rich zu Palästina diese Standeserhöhungen) so erkannten sie Friedrich nicht als Fürsten weder in Urkunden noch bei sonstigen Anlässen; die neuen Cillier Fürsten entbrannten im Zorn, und nach mancherlei Schriftenwechsel und diplo­matischen Verhandlungen, welche immer nur bei der Hart­näckigkeit beider Theile, wie des Rechts auf der einen, und des Hochmuths auf der andern Seite, vergeblich wa­ren, kam es so weit, daß das Schwert diesen Streit ent­scheiden sollte. Ulrich Graf von Görz schloß ohne Rück­sicht auf die zwischen Oesterreich und dem regierenden Gör­zer Grafenhause geschlossene Erbverbrüderung, eine zweite Erbverbrüderung mit Ulrich Fürsten von Cilli. —Gleich­zeitig entstand auch zwischen diesen gefürsteten Grafen und dem Gurker Fürstbischof Johann Scholdermann in Kärn­ten ein Grenzstreit, bei welchen der Fürstbischof mit Ul­rich in eine Fehde verwickelt wurde. Erzherzog Fried­rich, dessen Vasall der Bischof Johann war, unterstützte VV9 denselben mit Kriegsvölkern und Mitteln, und so kam es auch zwischen Erzherzog Friedrich und Ulrich zum Kriege. (Fortsetzung folgt.) Werner Oberland. Von Adolph Nittcr ». T sch a i u sch n i g g. Der Kanton Bern ist bis auf den größten Theil des Oberlandes und auf einige vorher unterthänige Aemter durch­aus sehr wohlhabend und ein ehrenwerther Repräsentant der deutschen Schweiz. Man findet hier noch jene ur­sprünglichen, naturgemäßen Zustände der Gesittung, die immer mehr und mehr von der Erde verschwinden. Der größte Theil der Einwohner erfreut sich eines mäßigen Gnmdeigenthums oder gehört doch der Familie eines solchen Besitzers an. Dieser mit seinem Weibe, Kindern und Ver­ wandten bebaut seine Felder und Wiesen, und allenfalls aufgenommenen Gehilfen, — Knechte kann man sie wohl ,nicht nennen,— bilden mit ihnen eine Familie. Die Tracht des weiblichen Geschlechtes ist hier einfach und edel. Es geht in ziemlich kurzen, schwarzen Röcken, die jedoch nur bis zur Brust aufsteigen, die Büste bekleidet ein schnee­weißes, weites Hemde mit halblangen Bauschärmeln, das hoch am Halse mir einer fingerbreiten Krause endigt, und über das die schwarzen Achselspangen des ebenbeschriebenen Rockes laufen. Der Miederlaz ist ebenfalls schwarz, meist von Sammt, von den weißen Bauschen des Hemdes durch­brochen und mit Kettchen, Knöpfen und Rosen von Silber geziert. Die schwarzen, gestrickten Handschuhe ohne Fin­ger reichen bis gegen den Ellbogen, und auch der Stroh? Hut mit breiter Krampe und hohem Gupfe ist schwarz, das Vortuch aber weiß. Diese Beschränkung auf zwei Farben, so wie der Schnitt des Gewandes geben der Vernerin ein bescheidenes, sittsames Ansehen. Die verheiratheten Wei­ber tragen die Haare meist geschürzt, die Jungfrauen las­sen sie wohl auch in zwei Zöpfen über die Schultern fal­len. Diese Tracht ist selbst in der Stadt Bern bis un­ ,, ter den ersten Ständen gewöhnlich. Die Männertrachten sind hier, so wie allerhalben in der Schweiz weder schön noch eigenthumlich, sie gleichen der unserer ärmern Bürger. Luxus kennt man in Bern nicht, nur Wohlhäbigleit. So wie der Gutsbesitzer mit seiner Familie persönlich auf dem Felde arbeitet, so hat aber auch andrerseits der bezahlte Arbeiter Antheil an seiner Bildung. Als wir von Frei­burg nach Bern fuhren, war gerade die Zeit der Heumahd; auf den Wiesen sahen wir allenthalben Gruppen von Land^ lcuten damit beschäftigt, überall duftete das- frischgemähte Heu. Aber als die Sonne zu heiß zu glühen ansing, setz­ten sich die Mäher im Baumschatten nieder, und es wurde aus Büchern oder Zeitungen vorgelesen. Die Häuser die­ser Landleute sind durchaus aus Holz erbaut, aber im an­muthigsten Schweizer-Stile; ihre Fenster sind groß und zahlreich, unter der Dachspitze erhebt sich das Haus nicht selten bis zu vier Stockwerken. Ein, auch zwei Holzgänge laufen um das Haus, Bäume und Blumen stehen vor dem­ selben, und fast jedes trägt einen frommen, alterthümlichen Spruch gemalt oder geschnitzt auf der Strassenseite, der nebenbei auch den Namen seines Erbauers und seiner Ehe­wirthin nennt. I n diesen Häusern aber währt ländliche Ruhe und stillbegnügte Glückseligkeit, wenigstens alle Ele­mente dazu. Das Innere derselben entspricht dem heitern Aeußern. Die Zimmer sind reinlich und hell, die Einrich­tung aus gebohntem Holze ist bequem und alterthümlich, Geschirr und Gläser blinken, und fast kein Bauernhaus entbehrt weißer Vorhänge, einer kleinen Büchersammlung, eines Pianos. Landmädchen, die eigenhändig Heu mähen, lesen in den Feierstunden Okens Naturgeschichte, Hum­bolds Reisen, Müllners Geschichte. Sie sprechen das Deutsche in der naiven schweizer Mundart, aber fast durch­aus auch das französische und selbst das englische, besser als unsere Damen. Die Erziehung ist hier mehr nach In ­nen gerichtet, die äußere elegante Fayon wird wenig ge­achtet; die Bildung ist nicht brillant, doch gründlich, sie besteht in Realität und vernachläßigt in ihrer Würde den Schein, der nur auf der Folie eines glänzend dekorirten Salons And kaum die Paar Stunden einer Gesellschaft Stich hält. Die Trennung der arbeitenden Classe von den übrigen Ständen der Gesellschaft fand hier nicht Statt; alle arbeiten und alle wollen menschlich-edel genießen und auch an den geistigen Gütern Theil haben. Dadurch wird ei­nerseits die rohe Verwilderung, die nach verdrüßlicher Ar­ beit als höchsten Wunsch nur träge Ruhe und sinnliche Genüsse kennt, und andererseits jene hohle Verfeinerung vermieden, die allmählig jede Materie als zu beschwerlich aus ihrem Lebenskreise verbannt und die Bildung des Men­schen in gehaltlose, oberflächliche Redearten und elegante Grimassen setzt. < Bern erinnert durch die Hallengü'nge, die an beiden Seiten der Gassen hinlaufen, an italienische Städte; ich habe mich an Ort und Stelle vergebens bemüht, den Grund dieses fremden Baustiles zu ermitteln. Als wir uns in Bern befanden, wurde dort eben die große Tagsatzung ge­halten; die Offiziere aller Kantone waren dort versammelt und gaben ein großes Militärfest. Wir erhielten Karten und nahmen daran Theil. Das Festmahl wurde im Freien auf der hierzu dekorirten Bastei unteij. «aubzelten einge­nommen. Abends nahm sich das Fest vorzüglich schön aus. Die langen Tische waren glänzend -beleuchtet, an den grü­nen Bogen und Gängen liefen architektonische Verzierun­gen bunter Lampen hin, die Wappenschilde aller Kantone standen transparent beleuchtet vor der Hauptfront'e. Die mitunter recht schönen Uniformen' allerg Kantone und Waf­fengattungen mischten sich bunt durcheinander, die drei Grundsprachen der Schweiz wurden in den verschiedensten Mundarten geredet, und die ländlichen Trachten der Schwei­zer Maide, die hier und dort am Arme eines blanken Of­fiziers gingen, vermehrten den eigenthümlichen Reiz dieser Scene noch mehr. Die allgemeine Freude wurde durch Musik und Lustfeuerwerke gehoben. So oft ein Toast aus­gebracht wurde, fiel ein Trompetenwirbel ein, und einige Kanonen sollten gelös't werden. Aber die Kanoniere, denen 3«O ihre Bedienung oblag, beeilten sich erst selbst ihre Becher zu leeren, liefen dann in unbeholfener Eile zu dem Ge­schütze, und fielen regelmäßig einige Male auf der Rasen­bcischung der Bastei, wobei sie Czako und Seitengewehr verloren. Gleichwohl bewunderten die freien Schweizer einstimmig ihre prompte Disziplin und große Geschicklich­keit. Die Wachposten, die auf Ordnung zu sehen hatten, mußten hierüber manchen Streit mit ihren Mitbürgern be­stehen; sobald, jedoch der Ungestüm der letztern zu groß wurde, stellten sie entrüstet die Gewehre fort und stemmten die Arme in die Seite. Auch^.wenn ihnen ein Bekannter einen Humpen zutrank, verließen sie ihren Posten, ebenso im Falle anderweitiger Bedürfnisse. Ein schönes Mädchen trug höchst reizend französische Lieder und Romanzen mit zarter, lieblicher Stimme vor. (Fortsetzung folgt.) Revue des Mannigfaltigen. Im Humoristen lesen wir: Herr Nr. Franz Si ­mon in Berlin theilt folgende, auf die Ernährun g der Kinder durch Ammenmilch Bezug habende Erfahrun­gen mit: Ein biederes, den höhern Ständen angehörendes Ehe­paar hatte « Kinder. Von diesen wurde der erste Sohn durch eine lasterhafte, ausschweifende Amme genährt; der zweite Sohn und die erste Tochter wurden von der Mutter selbst gestillt; der dritte Sohn erhielt wieder eine Amme von gutmüthigem Herzen, aber ebenfalls ausschweifend; der vierte Sohn wurde durch eine dem Trünke ergebene Amme genährt, welche, wie es nicht fehlen konnte, bisweilen- im berauschten Zustande dem Kinde die Brust reichte; der fünfte und letzte Sohn endlich wurde von einer, mit diesen Feh­lern nicht behafteten, aber unglaublich geizigen Person ge­stillt. Mittheiler dieser Bemerkungen hat alle fünf Brüder auch im gereiften Mannesalter gekannt, und führt darüber Folgendes an: Der älteste Sohn lebte auf der Universität so aus­schweifend und wild, daß er in seinen besten Jahren an den Folgen dieses Lebens starb; der zweite Sohn war stets solid, vereinigte zum Theil den Charakter seines Va­ters mit dem eigenthümlich gemischten Temperament der Mutter; er war später die Stütze der Familie; der dritte Sohn, von Herzen sehr gut, aber charakterlos und leicht in seinen Grundsätzen, kränkelte fortwährend in Folge sei­nes unregelmäßigen Lebens; der vierte Sohn zeigte von Jugend auf Neigung zu spirituösen Getränken; zur Selbst­ständigkeit gelangt, vertrank er wörtlich Haus und Hof, und endete im Landarmenhause; der fünfte Sohn endlich, dem der Familiencharakter gänzlich abging, war so unmäßig geizig, daß er sich jeden Lebensgenuß, selbst die zum Le­ben nicht eben unbedingt nöthigcn Bedürfnisse durchaus entzog. Diese äußerst überraschende Übereinstimmung in den Temperamenten der Säugenden und der Säuglinge (die Echtheit dieser Mittheilung wird verbürgt) macht eine Uebertragung der Gemüthsanlagen sehr wahrscheinlich. Es ist nicht zu zweifeln, daß manche solche Erfahrungen vor­handen sind. I n Stuttgart macht ein am 23. December v. I . an dem Adjutanten Sr.k. Hoheit, des Prinzen Friedrich, Lieute­nant Baron v. Gaisberg begangener Mord gegenwärtig großes Aufsehen. Der Baron ritt in Civilkleidung nach Leon­ berg, wo sein Vater Kreisoberforstmeister ist. Unterwegs (die Straße führt durch den Schönbuchwald über die Solitüde), etwa zwei Stunden von Stuttgart, hört er einen Schuß im Walde. Er gibt sein Pferd dem beihabenden Bedien­ ten, und geht mit einer Doppelflinte bewaffnet, dem Schuß« nach. Kurz darauf hört der Bediente zwei Schüße nach­ einander, und einen Augenblick rascher drei, Schüße auf einmal. Der Bediente macht in dem nahen Leonberg An­ zeige, und als man untersucht, findet man den Baron er­ schossen. Einige Schrotte waren ihm durchs Herz gegan­ gen. Wahrscheinlich ist, daß der Baron auf Wildschützen stieß, zuerst auf sie feuerte, und dann von ihnen tödtlich getroffen wurde. Gleich darauf wurden zwar Militär-Pa­ trouillen ausgesandt, noch hat man aber keine Spuren der Thäter, als ein Schnupftuch und in den Wald sich verlie­ rende Blutspuren eines wahrscheinlich durch den Lieutenant angeschossenen Wilderers. Der Baron war von dem Prin­ zen Friedrich äußerst wohlgelitten, deshalb die Theilnahme des Publikums um so größer ist. Jede auch noch so unbedeutende Stadt hat jetzt, wenn nicht mehr, doch ein Kaffehhaus; in größern Städten nimmt die Zahl derselben fortwährend zu. Es ist daher nicht uninteressant zu wissen, daß zu Konstantinopel im' Jahre 1554 das erste öffentliche Kaffehhaus errichtet wur­de. I n Kairo sotten schon um das Jahr 1630 tausend öffentliche Kaffehhäuser gewesen seyn. Zu Leghorn in Eng­land entstand 1K5< — in Marseille 1671 und in Paris 1672 das erste Kaffehhaus I n Deutschland erhielt Nürn­berg 1698 die erste Kaffehschente, 1758 entstand die zweite daselbst. Augsburg bekam erst sein erstes Kaffehhaus um das Jahr 1713. — Notiz. Am l . Jänner dieses Jahres starb zu Wien Herr Nikolau s Oesserlein , der Begründer und Herausgeber des »V est-erre ich i­schen Morgen blo t les«. Der Himmel berief ihn in seine», besten Alter, in dem Alter von 25 Jahren, ans der Mitte seiner Angehörigen, aus dem Kreise seiner zahlreichen Freunde zu sich. Die Lauterkeit seiner Gesinnung, sein redliches Streben im Gebiete der Literatur, und seine lieblichen, zarten, gcmüthvollen, poetischen Erzeugnisse haben ihm viele Freunde und aufrichtige Verehrer erworben, die seinen Verlust wahrhaft betrauern. Die Herausgabe seiner Zeitschrift ist zu fest begründet, als daß sie durch seinen Tod in einer Beziehung beirrt werden könnte. Der imOcster­reichischen Morgenblatte durch viele werlhvolle Aufsätze unter den, Namen Realis bekannte Mitarbeiter, Herr Gerhard D ütze l e, Ritter v. C o e­telberghc , wird Vorlaufig die Redaktion dieses Blattes besorgen. G h a r a d e Zwei Silben sollen euch das Schönste nennen, Was diese Welt in ihren Ring gefugt, A m Himmel seht Iir' s hell im Sterne brennen, Wenn es auf Erden still im Schlummer liegt. 2 wenn das Erste stets beim letzten bliebe! So seufzt das Ganze, so das Letzte oft; Doch unerbittlich flieht die Zeit der Liebe, So daß das Ganze »ur aufs Letzte hofft. Willst du in Eins und Zwei das Gauze theilen, So thust du, was sich »immer ändern läßt, Das Ganze stirbt, das Erste wird nicht weilen, Das Letzte hält dich bis zum Tode fest. 8u..i. Laibach. Druck «nd Verlag von Joseph Blasnik.