November. Zwölfter Jahrgang. 1915. Folge 143. (Seite 3445 bis 3472.) Blätter für den Abteilungsunterricht. ITlonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. (Schriftleiter: Dr. Rudolf Peerz.) o o o . , o o o Inhalt: Seite 1. Lehrer Raimund Müller............................ 3445 2. Die Siegesbeute des Bischofs Kollonitsch . . 3446 3. Der Sieg der Treue............................... 3447 4. Krieg und Schule................................. 3448 5. Lehrer-Fortbildungsrunden........................ 3451 6. Die Marschkompagnie ............................. 3453 7. Der Reichsgedanke .............................. 3454 8. Durch ........................................... 3454 9. Krieg und Lehrerbildung.......................... 3454 10. Herbst........................................... 3455 11. An Österreichs Lehrerhelden...................... 3455 12. Nach dem Siege................................... 3455 13. Die Zentralmächte und der Vierverband . . . 3456 14. Der Sieg der Schule.............................. 3457 15. Ernst Moritz Arndt über die Völker des heutigen Vierverbandes ....................................... 3457 16. Die kurze Methode................................ 3460 17. Österreichs Zukunft.............................. 3461 18. An Österreichs Grenzwacht........................ 3463 19. Deutsche Jugend.................................. 3463 20. Wie man in der großen Zeit des Weltkrieges in einem Dörfchen einen Lehrerhelden ehrt . . . 3464 21. Brief an Se. Exzellenz, den G. d. I., Albin Reichsfreiherrn v. Teuffenbach............................. 3465 22. Dem Vaterlande................................... 3466 23. Verdeutschungen.................................. 3467 24. Die Sprachgrenzschule ........................... 3467 25. Briefkasten...................................... 3468 26. Talaufwärts durch den Krieg...................... 3471 27. Polack-Ecke...................................... 3472 Verlag der Blatter fOr den Abteilungsunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavllcek in Gottechee. Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). Für Lehrbefähigungsprüfungen empfohlen: Lehrbuch der Psychologie von k. k. Professor F. Schindler. (Verlag O. Gollmann, Troppau.) 207 Seiten, 42 Textfiguren, 1913; eleg. Leinenband K 4. Urteile. Blätter f. d. Abt.-U.: Eine ganz ausgezeichnete Erklärung für den psychophysischen Verlauf der Geistesphänomene. — Angenehme instruktive Art. — Wissenschaftliche Fundierung der Beispiele. Päd. Jahresbericht (Dr. E. Meumann): Unter den elementaren Lehrbüchern der Psychologie gebührt dem Lehrbuche von Sch. eine besondere Stelle. — Sucht zu gunsten der Wissenschaft freizuhalten von autoritativen Traditionen. Schics. Schulbl.: Gliederung und Sprache lassen an Vollkommenheit und edlem Schwünge nichts missen. — Wärme des Tones vereint mit Durchsichtigkeit der Darstellung. 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WUUUl) unterricht In Laidach". Handschriften und Bücher an die Schliftieitung der Blätter für den AbteilungSunterricht in Mies (Böhmen), («hsteneichs Lehrer Raimund Müller wurde am 11. September 1914 auf dem südlichen Kriegsschauplätze durch einen Kopfstreisschuß verwundet, kam in das Reservespital zu llsora bei Doboj in Bosnien, wo er nach seiner Ausheilung von der Spitals-verwaltung zur Dienstleistung zurückbehalten wurde. Er war Reserve-Korporal im Jnf.-Reg. Nr, 74. Nach längerer, sehr anstrengender Tätigkeit erkrankte er an Typhus und starb am 1. März 1915 im genannten Spitale. Er wurde auf dem Friedhofe zu Usora bestattet. Aus dem Leben R, Müllers: Er wurde im Jahre 1890 in Witkowitz im Riesengebirge geboren, besuchte die k. k, Lehrerbildungsanstalt in Trautenau, legte im Jahre 1910 die Reifeprüfung und 1912 die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen mit Auszeichnung ab. M, wirkte durch volle vier Jahre an der Volksschule in Oberhohenelbe und unterrichtete auch durch zwei Winterhalbjahre an der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule daselbst. Würdigung: R. Müller war ein treuer Sohn seines Volkes, äußerst tätig in seinem Berufe wie auch im Dienste der nationalen Sache. Er war Ausschußmitglied der Ortsgruppen Oberhohenelbe der beiden Schutzvereine. In den Lehrerversammlungen fehlte er niemals; durch sein freundliches Entgegenkommen gegen jedermann erwarb er sich viele Freunde. Seine Schüler, Freunde und Amtsgenossen werden dem Edcln stets ein ehrendes Andenken bewahren. LehrerheLdeu tu dem Großen Kriege 1914-15. Die Siegestmüe des Bischofs Rollonitfch. Die Geschichte erzählt, daß in den Tagen der Befreiung Wiens anno (685 eine Siegesfeier veranstaltet und hiebei unermeßliche Beute verteilt wurde. Der eine wählte Waffen, der andere Geschmeide, ein dritter kostbares Gewand, ein vierter Edelsteine. Auch Kollonitsch, der edle Bischof, stand dabei. Als an ihn die Reihe des Zugreifens kam, wandte er sich zur Schar der verlassenen Waisen, deren Eltern in dem blutigen Kampfe umgekommen waren, mit den Worten: „Das ist meine Beute." — Der gute Kolloiiitfch ruht feit mehr denn 200 Jahren im Grabe und niemals wieder hat nach einem gewaltigen Ringen jemand aus hohen Ständen sich so köstliche Beute erwählt. Nur ein armer Schulmeister drüben im Schweizerlande war gleichen Sinnes und später ein Mächtiger auf einem Kaiserthrone. Als man sich ihm nahte, um seine glorreiche Regierung zu preisen, und vor ihm Geschenke ausbreiten wollte, wehrte er ab mit den Worten: „Nichts für mich, alles für das Kind I" Non diesem Tage an ward wieder die Beute des edeln Kollonitsch teuerstes Gut geworden. Man wetteiferte in Werken für die Jugend, für das werdende Geschlecht. And nun, da der Weltbrand Taufende der ernährenden Väter verschüttet, Tausende gelähmt hat, ist es notwendig, daß der Geist des Waisenvaters im Priesterkleide nicht allein im Herrscher des blutenden Vaterlandes lebendig sei und durch ihn die führenden Kreise erfasse, sondern die ganze große Masse durchdringe, daß er wie ein Weckruf durch das Reich schalle. Zeder, der glücklich aus dem Kriege zurückgekehrt, jeder, der heil daheimgeblieben ist und über Mittel verfügt, nehme ein Stück von der herrlichen Beute, nehme eines der Waisenkinder bei sich auf oder werde Kriegspatel Wie rührend gibt diesen Zug echter Menschlichkeit eine Leserin unserer „Bl." auf 5. 3^2^ kund! Sie will all ihr Sorgen und Mühen, all ihr erspartes Geld einem Kinde zuwenden, das durch die schlimme Zeit Vater und Mutter verloren hat. Wenn von den 30.000 Lehrerinnen Österreichs nur ein Zehntteil diesen Hochgedanken zur Tat werden ließe (die Vermittlung übernehmen wir), so wären von den armen Geschöpfen, die der Krieg zu Ganzwaisen gemacht hat, 3000 versorgt und als kostbares Staatsgut gesichert, während sie sonst ob des Mangels an Führung und Wartung der Verwahrlosung, ja dem Verbrechen anheimfielen. Das (Dpfer der Adoption ist groß und jeder wird sich den Entschluß reiflich überlegen müssen; dünkt er ihm zu weittragend, so biete er wenigstens insoferne die Hand, daß er erklärt, auf eine abgegrenzte Zeitdauer für ein bestimmtes Kind einen Zahresbetrag (Monatsbetrag) zu spenden, also eine zwanglose Alimentation zu leisten. Ein dritter Modus endlich liefe zwischendurch: Man macht sich erbötig, ein Kind bis zu einem gewissen Alter in Kost, Wohnung und Erziehung zu nehmen. Was verschlägt es in einem Hause, wo bereits sechs tapfere Ester bei der Schüssel sitzen, wenn einer mehr den Löffel schwingt! — Eine überaus wirksame Maßregel bedeutete dieEin st ellungder Kriegerwaisen in große Wirtschaften. Zn den Alpenländern gebricht es auf den Sennemen trotz der Betätigung des „Auf der Alm, da gibt's ka Sünd'" an Arbeitskräften und auch im Tale drunten wird mancher Landpascha junge Arme, und wären sie vorläufig keineswegs stark genug, als Hebel an sich ziehen. Auf daß sie nicht zu früh und nicht zu sehr genutzt werden, dafür müßte der „Kinderschutz" sorgen. Mancher Großbauer ist ein harter Mann; er schont nicht die keimende Kraft. Also muß jemand da sein, der sie vor der Ausbeute bewahrt. — Dieses Geschäft und alle, die wir im Gedenken an den Bischof von Wien aufgedeckt haben, fallen uns, den Bildnern und Führern des Volkes, zu. Unser Kröe, unsere Sieges-öeute find die chanz- und die Kalvwaisen nach gefallenen Kriegern. Die wir selbst nicht vor der Not bewahren können, versorgen wir in Familien, in Wirtschaften, bei kinderlosen Eheleuten, überantworten wir der Sorge einsamer Menschen, die sonst ziel- und zwecklos durch die Welt wandern. So mancher Hagestolz fühlt mit einemmale einen Lebensinhalt, wenn feilt Blick auf ein Würmchen fällt, das ihm der Krieg ins öde Heim gebracht hat. Wenn wir schon jetzt Umschau halten und eine Liste anlegen, die uns jene bezeichnet, deren Sinn einer von der Art des trefflichen Kollonitsch ist, mag die Waisennot jeden Tag kommen; wir sind gerüstet. Wehe aber, wenn wir müßig zusehen, wie sie vor unfern Augen anwächst und sie zur unbesiegbaren Größe werden lassen! Der Fluch des Vaterlandes lastete auf uns, der Fluch kommender Geschlechter und der Fluch aus den Gräbern der Gefallenen. Sie, die Tapfern, haben ihr Herzblut für uns vergossen und wir, die Beschützten, wir sollten ihre Kinder darben und verkommen lassen I — Der Sieg ist noch nicht vollendet und die Teilung der Beute wäre an sich verfrüht. Aber wenn wir sie symbolisch nehmen, wenn wir wie der Sieger im Talare denken, fällt uns schon jetzt Stück um Stück zu. Und gerade in den Tagen, da dieses Heft ins Land fliegt, geziemt es sich, die Idee in ihrer Tiefe zu begreifen und der Tat zuzuführen. Allerseelen, das furchtbarste Allerseelen, hält uns noch umfangen. Ein großes Schluchzen wimmert durch die Welt, der Schmerz erzittert von der Hütte des Keuschlers bis zu dem Fürstenthrone hinan. Wir streuen Blumen auf die Gräber derer, die in heimatlicher Erde ruhen, und werfen Blumen hinaus nach Ost, West und Süd, wo unter blutigem Aasen manch teurer Genoß, manch junges Leben begraben liegt. Kein Kreuzlein zeigt uns die Stelle, kein Stein kann sie dauernd bewahren. So meißeln wir denn ein lebendiges Denkmal: Nehmen wir das, was als Nachkomme Gestalt und Geist des Helden fortpflanzt, in unsere Obhut und bilden wir es zum tüchtigen, wese ns starken Menschen! Dann haben wir am Tage der Toten unser Bestes für die Erinnerung an unsere tapfern Krieger geschaffen. — H-'ccrz. Sieg der Treue! (Erstdruck.) Der Sieg ist unser! Gesegnet die Stunde da uns geworden die hehre Kunde! Nun wendet die Blicke himmelwärts, nun legt die Hand an das pochende Herz und danket dem Herrn, der den Sieg uns gab, dem Herrn, der die Treue will herrlich verklären, dem Herrn, der im Siege die Treue will ehren, die Treue durch Kampf bis zum Heldengrab. — Viel Tausend der Besten wohl sanken hinab, doch die Treue, stark bis zum guten Ende, sie einte der edelsten Herrscher Hände, sie einte die Feldherren in weisem Rat, sie führte die Kämpfer zu kühnster Tat; und falteten flehend sich Kinderhände und schafften Millionen an milder Spende und darbten die Edlen in bangen Stunden: Ein Balsam ergoß sich in alle Wunden, daß alles sich sieghaft und stolz erneue, — Die Treue! Dank, Herr, für den Sieg der Treue! Anton Haubner. Krieg und Schule. Von Dr. Otto Conrad in Berlin. Krieg und Schule standen zu allen Zeiten, wo ein gesundes Volk nach großen Taten dürstete, in engster Wechselwirkung. „Der Krieg und der Mut haben mehr Dinge getan als die Nächstenliebe“, sagt Nitzsche. Die Zeit, in der wir stehen, ist schwer, also zugleich groß und erhebend. Das fühlt unsere Jugend am besten. Auch sie hat sich in den Dienst der großen Aufgaben gestellt, die gelöst werden müssen. Mit Verwunderung hören die Erwachsenen z. B. von den Goldsammlungen. Hat doch ein einziges Realgymnasium in Berlin über 150.000 M in Gold an die Reichsbank abgeführt! Die Schule hat gerade jetzt eine bedeutsame Gelegenheit und zugleich die ernste Pflicht, die edelsten Kräfte in den Jugendlichen wachzurufen. Wir brauchen ja nur auf das zu hören, was der Krieg in gewaltiger Sprache zu uns redet. Die ungeheuren weltgeschichtlichen Ereignisse, die sich vor unsern Augen abspielen, werden Herz und Geist der Jungen und Mädchen durchrütteln und ihr inneres Werden und Wachsen fördern. Denn der Krieg ist der gewaltigste Erzieher derMenschheit. Diesen Satz verficht der bekannte Pädagoge Adolf Matthias in seiner Schrift „Krieg und Schule“.1 Die Geschichte des Altertums wie die der weiteren Perioden bis auf unsere Zeit predigt uns die Wahrheit, „daß der Friede zwar die Völker äußerlich glücklicher und reicher macht, daß er sie mit den Gütern der Kultur in hohem Maße segnet; aber diese Kultur, die alle Welt beleckt, hat auch auf den Teufel sich erstreckt, der die Menschen schwächer macht und sie im verweichlichenden Frieden verkümmern läßt, weil müßige Ruhe das Grab des Mutes und der Kraft ist, weil Glück zum Überfluß und zur Genußsucht führt und weil diese die Herzen ansteckt wie eine Seuche, gegen die keine mahnende Weltweisheit etwas nützt“ (S. 9). Was der Krieg als Erzieher vermag, das hat unser Volk vor hundert Jahren besonders deutlich erfahren. Die Wiedergeburt, die die deutsche Volksseele damals erlebte, spiegelt sich am klarsten in Fichtes unvergänglichen „Reden an die deutsche Nation“ und Arndts „Katechismus“ wieder. Die Männer, welche damals die Erneuerung des preußischen Staates bewirkten, führten die allgemeine Wehrpflicht ein, nicht bloß als ein Kriegsmittel für den Befreiungskampf, sondern als eine dauernde Einrichtung zur Erziehung des Volkes (S. 10). Auch der Krieg von 70/71 hat erzieherisch auf das deutsche Volk gewirkt; gewann es doch durch sie die politische und nationale Einheit. „Ohne die erziehende Kraft des Krieges,“ sagt Matthias, „würde die Menschheit schließlich einer großen Herde gleich werden, die in stumpfem Genuß die materiellen Güter dieser Erde abgrast, ohne aufwärts zu schauen zu den ewigen Idealen“ (S. 12). Sorgen wir dafür, daß auch dieser Krieg ein Erzieher der Jugend werde! Wie kann das geschehen ? Unsere Jugend muß vor allem volles Verständnis für diesen Krieg gewinnen. Dazu soll die Schule helfen. Wir Lehrer müssen den Schülern sagen, daß dieser Krieg kommen mußte, früher oder später. Daß die deutsche Kraft sich seit einem halben Jahrhundert zu mächtig entfaltet hatte durch deutschen Fleiß und deutsche Arbeit, als daß nicht Neider und Feinde ringsum entstehen mußten. Schon 1864 haben uns die Engländer unsern Sieg nicht gegönnt und uns dreingeredet, als Schleswig-Holstein zu uns kam, und 1870 wollten sie uns durch vorwurfsvolles, heuchlerisches Gerede davon zurückhalten, die Festung Paris, weil sie die Stadt höchster Kultur sei, zu bombardieren. Die Jugend soll weiter hören, wie gern wir Frieden gehalten hätten und wie unser Kaiser immer wieder nachgegeben hat, anstatt mit eiserner Faust auf den Tisch zu schlagen, wenn das anmaßende Wesen der Franzosen und Engländer und auch der Russen unsern berechtigten Ansprüchen entgegentrat, bis schließlich die Sache zu arg wurde (S. 15). Wie leicht ist es, in dieser Richtung auf die Jugend einzuwirken! Ist doch ihre Seele auf die Zeit eingestellt und reich empfänglich für solche Saat der Erkenntnis. „Tief führt der Herr durch Nacht und durch Verderben“ — ein Wort von Körner, über das wir früher so leicht hinweggegangen sind — jetzt verstehen wir es. Auch Bismarck, dessen hundertjährigen Geburtstag wir unlängst feierten, ist ein Erzieher der Jugend wie kaum 1 Leipzig 1915, Verlag S. Hirzel. 3449 ein anderer. Unsere deutsche Geschichte ist ja so unendlich reich an Helden wie die keines ändern Volkes. „Wir haben nicht mehr nötig, in die Ferne zu schweifen“ — das ist ein gutes Wort von Matthias — „und nach Marathon und Salamis, nach wer weiß welchen römischen Schlachtfeldern unsere Jugend zu führen, um ihr Beispiele der Tapferkeit zu zeigen und dort Begeisterung zu suchen“ (S. 16). Es handelt sich auch nicht nur um die Tapferkeit in tobender Schlacht, sondern auch um die eiserne Willenskraft ernster Pflichterfüllung in allen Strapazen des Krieges, in den angestrengten Märschen in Sumpf und Schnee und Eis usw. Der Krieg ist auch ein Erzieher zur Religion. Unsere Zeit gleicht einem großen Gottesdienst, sagt Matthias. In den „Reden an die deutsche Nation“ hat Fichte die Religion bestimmt als die Ergebung in ein höheres, uns unbekanntes Gesetz, das demütige Verstummen vor Gott, die innige Liebe zu seinem in uns entfachten Leben. Der sittliche Mensch arbeitet auf sittliche Zwecke hin — der religiöse Mensch verliert auch dann den Mut nicht, wenn diese in der Nacht des Mißerfolges versinken. Wo trotz aller Unverbesserlichkeit des Zeitalters, sagt Fichte in seiner Zeit, dennoch un ablässig fortgearbeitet wird; wo mutig der Schweiß des Säens erduldet wird ohne einige Aussicht auf Ernte, wo nach hundertfältigem Mißlingen dennoch ausgeharrt wird im Glauben und in der Liebe: da ist nicht bloße Sittlichkeit, sondern Religion. Religion ist eben der Glaube des Dennoch, das Trotzen auf das Gute und Edle. Unsere Jugend ist heute für religiöse Gedanken empfänglich. Das beste Vorbild ist unser aufrichtig frommer Kaiser, ein schönes Vorbild ist auch Feldmarschall Hindenburg, der bei allen Siegen an erster Stelle Gott die Ehre gegeben hat. Der Krieg lehrt die Jugend die Pflicht des Patriotismus, die Pflicht der Vaterlandsliebe. Matthias weist bei dieser Gelegenheit auf Paul de Lagarde hin, der wohl einer der besten Erzieher des deutschen Volkes gewesen ist. Er hat einst die Schulen grimmig als „Brutstätten“ des Patriotismus bezeichnet. Lagarde wollte eben nicht jenen Patriotismus der Phrase mit byzantinischem Unterton. Der echte Patriotismus ist etwas ganz anderes: „Wir wollen es Vaterlandssinn, Vaterlandsgeist, Vaterlandsliebe nennen und wollen unsern Schülern klar machen, daß diese Gesinnung nichts anderes ist als die klare Einsicht in die Stärke und in die Schwächen unseres Volkes, und daß sie sich gründet auf klare Überzeugung und klare Erkenntnis und nicht auf unklare Gefühlsseligkeit“ (S. 20). Man hat in jüngster Zeit vor dem Kriege viel geredet von „staatsbürgerlicher Erziehung der Jugend“. Der Krieg kann das besser als alle Pädagogen. Er zwingt alle zur Einheit, zum Zusammenschluß, unter eine große Pflicht. Jetzt erkennt jeder die große sozialpädagogische Wahrheit, die Plato, Fichte, Goethe gepredigt haben, daß der einzelne etwas Belangloses, Nichtiges ist. Das kleine Ich muß dem, was über allem Persönlichen ist, sich weihen und, wenn es sein muß, in ihm untergehen. „Wir sind nicht auf dieser Welt, um glücklich zu sein, sondern unsere Schuldigkeit zu tun,“ sagt Bismarck. „Die echte Vaterlandsliebe offenbart sich als Staats- und Pflichtgefühl, die sich vereinigen zum Geiste der Ordnung und Organisation“ (S. 22). Das ist wahrer Patriotismus und das ist zugleich Idealismus. Matthias weist hier wiederum auf Lagarde hin und er hätte dabei ausführlicher seine Gedanken widergeben können.1 Die Jugend ist von Natur aus ideal veranlagt. Denn „das Wesen des Menschen besteht darin, ideal zu empfinden; nur dadurch, daß er dies tut, unterscheidet er sich vom Tiere“. Die Jugend will wahrhaftig, ehrlich, echt sein, auch da, wo es ihr Vorteil wäre zu lügen, heucheln, zu scheinen. Wie genau urteilt das Gerechtigkeitsgefühl der Jugendlichen, wie klar wägt ihr Gewissen Ehre und Schande, Fehler gegen Laster. Große Zeiten finden immer eine idealbegeisterte Jugend. Sie Will für ihre Ideale kämpfen, sie will Gefahr, Wagnis, Wunden, Tod erdulden. Ist doch Idealismus schon überall da vorhanden, wo der Mensch aus innerem Bedürfnisse wider seinen eigenen Vorteil, wider seine Bequemlichkeit, wider die ihn umgebende Welt handelt! Wenn Tolstoi einmal sagt: „Die Religion gehört zu den Kräften, durch die der Mensch lebt,“ so kann man analog sagen: Der Idealismus ist eine Kraft, durch die die Jugend lebt. „Das Ideal, ich habe das,“ sagt Lagarde, „meinen Schülern seit mehr 1 Vergl. den wundervollen Aufsatz von Lagarde in seinen „Deutschen Schriften“ (1892): Über die Klage, daß der deutschen Jugend der Idealismus fehle. als einem Vierteljahrhundert immer aufs neue eingeschärft, ist nicht über den Dingen, sondern in den Dingen: wie Gott nicht bloß Sonntags von neun bis elf in der Kirche, sondern jederzeit und überall ist und gefunden werden kann; das Ideal ist nicht Leckerbissen, sondern tägliches Brot.“ Das ist Wirklichkeitsidealismus im besten Sinne des Wortes, dem man gerade jetzt mehr als bisher in allen Schulstuben Eingang verschaffen sollte. Denn in der Zeit vor dem Kriege drohten wir am Materialismus zu ersticken. Matthias sagt sehr feinsinnig: „Ich glaube nicht zu irren, daß unsere Jugend schon jahrelang vor dem Ausbruch des Krieges ein feines Empfinden gezeigt hat, das gegen den materiellen Zeitstrom sich wandte“ (S. 26). Das beweist die Jugendbewegung, wie sie z. B. in der Jugend wehr und der Wandervogelbewegung hervortrat. Die Schule wird hier für die Psychologie der Jugendlichen manches lernen können. Das ist auch eine günstige Wirkung des Krieges. Denn die Schule ist sonst „eine zähe und nicht selten bis zum Eigensinn konservative Macht, in welcher die Gewohnheit eine herrschsüchtige Armee bildet“ (S. 30). Leider ist der Satz vom sprachlichen Standpunkte aus anfechtbar, wenn er auch inhaltlich richtig sein mag. Umlernen heißt’s heute auch für die Schule. Matthias macht treffende Bemerkungen über den neusprachlichen Unterricht. Ganz sicher ist der fremdsprachliche Unterricht auf Kosten des deutschen Unterrichtes und der Geschichte in den Schulen zu gut weggekommen. Freilich, was man treibt, das soll man gründlich treiben: das ist deutsche Art. Deshalb halte ich Sätze wie diese: „Wenn die Herren Franzosen und Engländer uns auch in unserer Aussprache als Deutsche erkennen, sie sollen es heute und in alle Zukunft noch gründlicher tun als bisher. Will man sich Respekt setzen, muß man auch einmal recht borstig sein“ (S. 37) — für anfechtbar. Über den Geschichtsunterricht macht Matthias treffende Bemerkungen. Trieb man früher hauptsächlich vaterländische Geschichte, so muß der Unterricht jetzt auf das weltgeschichtliche Wissen eingestellt werden. Dazu mahnt uns auch der Krieg; denn seine Ursachen liegen in Deutschlands Weltstellung. Die Schüler müssen Bescheid wissen über Deutschlands Beteiligung am Welthandel, den industriellen Fortschritt, den Weltmarkt usw. „Dasjenige Volk“ — so prophezeit Matthias — „hat in Zukunft für seine Weltstellung am meisten zu hoffen, in welchem der Heimatssinn und Vaterlandssinn sich eng vereinigt mit der Kenntnis fremder Völker, ihrer Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten, ihrer Sitten und Einrichtungen, ihrer Vorzüge und Fehler“ (S. 42). Der Geschichtsunterricht soll Staatsbürgerkunde sein. Dazu muß seine Stundenzahl vermehrt werden. Mehr aber noch als für den Unterricht soll die Schule für die Erziehung lernen. Die Jugendbewegung verdient unser lebhaftes Interesse. Wie trefflich haben sich die Jugendorganisationen, z. B. die Pfadfinder, im Kriege bewährt! Die Friedenszeit hat uns etwas verweichlicht. Die Muttersöhnchenpädagogik, wie sie oft hervortrat, muß wieder verschwinden. Ebenso der Standes- und Gelehrtenhochmut und die Abgeschlossenheit der höheren Stände und höheren Schulen. Mit Recht sagt Matthias, die soziale Gefahr beruhe vornehmlich in Bildungsgegensätzen, die künstlich geschaffen werden, weil die einen, nämlich die sogenannten gebildeten Kreise, sich für klüger und womöglich besser halten als die schlichten Kreise des Volkes, in denen gesunder Menschenverstand und klarer Blick nicht selten weit mehr daheim sind, als man in den oberen Schichten des Volkes sich träumen läßt. Das zeigt die tägliche Erfahrung des Krieges. Matthias sagt: „Die höhere Schule könnte in manchen Dingen und an manchen Stellen einen viel festeren Zusammenhang mit der Volksschule herstellen“ (S. 48). Diesem Satz möchte ich von ganzem Herzen zustimmen. Matthias spricht sich nicht weiter darüber aus. Doch es kann kein Zweifel sein, daß uns der Krieg eine neue Schulorganisation bescheren wird. Der Einheit des deutschen Volkes muß die Einheit von Erziehung und Schule entsprechen. Die Grundsätze, die sich bei der militärischen Erziehung so glänzend bewiesen haben, müssen auf das ganze Schulwesen sinngemäß übertragen werden. Die Einheitsschule ist die Forderung der Zukunft. Diese Idee ist ja nicht von heute und gestern, sie ist uralt. Schon Plato hat sie vertreten und im 19. Jahrhundert Fichte. In den „Reden an die deutsche Nation“ heißt es: „Es bleibt uns nichts übrig, als schlechthin an alles ohne Ausnahme, was deutsch ist, die neue Bildung zu bringen, so daß dieselbe nicht Bildung eines besonderen Standes, sondern daß sie Bildung der Nation schlechthin als solcher und ohne Ausnahme einzelner Glieder derselben werde, in welcher, in der Bildung zum innigen Weltgefallen am Rechten nämlich, aller Unterschied der Stände, der in anderen Zweigen der Entwicklung auch fernerhin stattfinden mag, völlig aufgehoben sei und verschwinde; und daß auf diese Weise unter uns keineswegs Volkserziehung, sondern eigentümliche, deutsche Nationalerziehung entstehe.“ Auch Wilhelm von Humboldts Schule war Einheitsschule, und es ist ewig schade, daß der in seinem Geiste von Süvern ausgearbeitete Unterrichtsgesetzentwurf von 1819 nicht Gesetz wurde. Die Einheitsschule erhält ihre Begründung nicht nur aus der philosophischen Idee (vergl. Netorps Sozialpädagogik), sondern auch aus dem Gedanken des Rechtsstaates. Das ist nach Kerschensteiners These diejenige Gemeinschaft, die die Beziehungen ihrer Mitglieder autonom nach den Gesetzen der Gerechtigkeit und Billigkeit regelt. Daraus ergibt sich die Folgerung, daß jedem Kinde ohne Ausnahme jene Erziehung ermöglicht werden muß, auf die es nach Maßgabe seiner Veranlagung erheben kann. Das stimmt überein mit dem Gesichtspunkt des Staatsvorteils; es kann doch nicht gleichgültig sein — zumal nicht nach dem Kriege, der so viele Tüchtige dahinrafft — wenn wertvolle Kräfte der Volksglieder ihre Wirksamkeit zum Segen des Ganzen nicht ausüben können. Diese Folgerung, daß wir nach dem Kriege an den Aufbau der deutschen Schule als Einheitsschule herangehen müssen, erscheint mir als die wichtigste Forderung des Krieges. Wie das geschieht, darüber ist schon viel gesagt worden und wird noch viel zu sagen sein. Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag: der Tag des Friedens 1 Lehrer-Fortbildungsrunden. Aorvemerkmrg: Es wurde bereits mitgeteilt, daß sich in einzelnen Teilen unseres Vaterlandes die aufstrebende Jungmannschaft znsammenschließt, um aktuelle pädagogische Fragen einer Erörterung zu unterziehen und der Tat zuzufiihrcn. Das Beginnen ist löblich: es bringt uns aus dem Grundton von Versammlungen, die zum Großteil bloß dem persönlichen und politischen Hader gewidmet sind. Darob gehen unser Idealismus und der Fortbildungseifer leer aus. Diesem Niedergange arbeiten die Junglehrervereinigungen unter Leitung begeisterter älterer Kollegen entgegen. Um sie in der Zeit, die den Einsatz unserer Kräfte heischt, zu verbreiten, möge der augenscheinliche Fall hier Platz finden. — Äußerlich wird der Bericht jenen jungen Amtsbrüdern, die zum erstenmale eine Verhandlungsschrift zu verfassen haben, als Muster gelten können. — D. Sch. Über Zweck und Entstehung gibt Herr Zach, der rührige Geschäftsleiter des Gleisdorf er Vereines, in einem Briefe nachstehende Darstellung: „Sehr geehrter Herr Schriftleiter! Gegründet, um uns durch gemeinsame Arbeit und durch Vorträge der Herren Professoren der k. k. L.-B.-A. Graz (wozu sich unsere Herren auf meine Bitte hin gerne bereit erklärten) fortzubilden, erblickt die „Runde“ ihr Ziel in dem ernsten Bestreben, in unserem Bezirke eine Lehrerschaft zu schaffen, zu erziehen, die sich ihrer hohen Aufgabe und ihres Standes bewußt ist. Schon aus den schönen Ergebnissen unserer erst elfmonatlichen Tätigkeit zu schließen, wäre es wünschenswert, daß diese Art der Lehrerarbeit im Interesse des ganzen Standes Verbreitung fände. — Wenn Sie, Herr Doktor, die Sache in die Hand nehmen, wird der Erfolg nicht ausbleiben; was wir hiezu beitragen können, wollen wir gerne tun. Unsere „Runde“ zählte am ersten Versammluugstage fünf Mitglieder; aber schon bei der zweiten Zusammenkunft belief sich ihre Zahl auf zehn und umfaßt nun alle jungen Lehrer des Bezirkes Gleisdorf und drei aus den Nachbarbezirken. Ein Kollege wirkt an einer Gebirgsschule im Nebenbezirke Weiz und hat drei Stunden zur nächsten Bahnstation, 3/i Stunden Bahnfahrt, bis er in unseren Haupt- und Ausgangsort Gleisdorf kommt, worauf er abermals oft 1—2 Stunden bis zum Versammlungsorte zurücklegen muß. Trotzdem fehlte er erst einmal, als die Wege gänzlich verschneit waren. Ein anderes Mitglied im Nebenbezirke Hartberg hat nicht weniger als vier Stunden Weg und fehlte noch nie. — An Eifer fehlt es wahrlich nicht; dieser kennzeichnet anderseits wieder den Ernst und die Begeisterung, mit der wir au der Arbeit sind, um dem Zwecke unserer Vereinigung satzungsgemäß im eigenen und im Interesse unseres Standes zu entsprechen. — Unsere Zusammenkünfte erfolgen in Wanderve rSammlungen. Jeder Ort, aus dem sich ein Mitglied in unseren Reihen findet, beherbergt alle einmal.1 — Bei unseren Verhandlungen sind Kollegen und auch Kolleginnen als Gäste immer willkommen. Zu Vorträgen der Herren Professoren aus Graz (L.-R.-A. oder „Lehrerakademie“) ladet die „ltunde“ nicht nur die Lehrerschaft des Bezirkes, sondern auch die Bevölkerung des Ortes ein. (Bravo! D. Sch.) Selbstverständlich ist es Pflicht jedes Mitgliedes, dem Lehrer-Vereine des Bezirkes anzugehören. (Also keine Organisationsschädigung! D. Sch.) Pflicht ist ferner das Lesen der Fachzeitschriften. Die meisten Mitglieder beziehen ein Fachblatt. Um die einzelnen Blätter allen zugänglich zu machen, werden mehrere Hefte vereinigt; sie machen die „Runde“ unter den Mitgliedern (darunter eben auch die „Bl.“, dann „Schaffende Arb. . .“ usw.) Außerdem hat sich die „Runde“ aus eigenen Mitteln (durch kleine Beiträge) wie aus Geschenken eine Bibliothek angelegt. — Wie ich mich selbst mit beiliegender Karte als vorläufig a. o. Mitglied der „Arbeitsgemeinde für pädagogische Forschung und Schulreform“ anmelde, werde ich in der nächsten Versammlung den Anschluß der ganzen „Fortbildungsrunde“ als Mitglied beantragen. Ihren in liebenswürdigster Weise versprochenen Vortrag würde ich freudig und dankbar annehmen; ich will Sie aber darum nicht bitten und bemühen, ehe ich Sie nicht der Mitarbeit der „Runde“ in der vorgeschlagenen Weise versichern kann. Der einen Bedingung kann ich fast im voraus Erfüllung versprechen: Wir werden tapfer fortwirken, werden den rechten Weg nicht verlassen. Jeder junge Lehrer, der in unseren Bezirk kommt, wird sofort in den Bannkreis der „Runde“ gezogen. Bei uns soll keiner mehr in der Einsamkeit seines Ortes „versauern“; die Ideale der „Runde“ müssen die seinen werden, fleißige Mitarbeit an unseren Bestrebungen und echte Kollegialität, die er in unser» Reihen findet, werden ihm festen Halt verleihen. Damit Herr Doktor ein wenig Einblick in die Tätigkeit der Runde nehmen können, übersende ich drei Verhandlungsschriften, unsere Satzungen und ein ausgearbeitetes Referat zur Ansicht.2 Da unsere Tätigkeit beispielgebend wirken soll, werde ich von nun an über den Verlauf unserer Zusammenkünfte genau berichten. — Wir sind auch bestrebt, in Steiermark die Bildung weiterer „Fortbildungs-Runden“ ins Leben zu rufen, doch will es uns nicht allerorts gelingen. Durch Ihr Eintreten wird unsere Einrichtung gewiß Verbreitung finden. Ich würde Kollegen, welche, vielleicht angeregt durch unser Beispiel, die Gründung einer „Fortbildungs-Runde“ in die Hand nehmen wollen, gerne Auskünfte jeder Art bezüglich unserer Einrichtung erteilen und Mustersatzungen zur Verfügung stellen. Es zeichnet . . . Bericht über die am 14. Februar 1915 abgehaltene Versammlung der Gleisdorf er Fortbildungsrunde junger Lehrer. Auszug aus der Tagesordnung: Verhandlungsgegenstände: 1. Rein und deutsch! Von II. Zach. 2. „Auch die Eltern müssen erzogen werden 1“ Von A. Kiffe. 3. Austausch der Gedanken Uber wichtige Tagesfragen. 4. Erziehung der schulentwachsenen Jugend zwischen dem 14. und 20. Lebensjahre. 5. Kriegsbilder. Von E. Fabian!. Verlauf. Der Leiter der Versammlung, Oberlehrer E. Fabian!, begrüßt die erschienenen Mitglieder und Gäste und gedenkt vor allem der fünf unter den Fahnen stehenden Mitglieder. Zu 1.) Lehrer llans Zach führt in seinem Vortrage „Rein und deutsch!“ aus, wie diese bitterernste Zeit mit ihren gewaltigen Ereignissen reinigend auf die deutsche Volksseele wirkt. Dieser Völkersturm muß durch die Herzen und Gemüter des deutschen Volkes brausen und alles vernichten, was schlecht und haltlos ist. Die fremde Scheinkultur, die deutsche Art und Sitte ersterben, deutsche Kraft erlahmen, erschlaffen läßt, muß weg. Stark sind und bleiben wir nur im alten deutschen Wesen, im Vertrauen und Bauen auf unsere 1 Eine treffliche Einrichtung I Wenn die Dorsbewohner sehen, rote die Lehrer znsammenhalten, gewinnen sie Achtung und werten den Einfluß. - Die Sakungen sind dieser Folge der Bl. angeschloffen; Verhandltingsschriften werden gelegentlich mitgeteilt werden. D. Sch. eigene Kulturkraft! Schwören Wir jenen, die da draußen ihr junges Leben ftir diese Heiligtümer ihres Volkes zum Opfer bringen, stets rein und deutsch zu leben; dann bezeigen wir ihnen den schönsten Dank, dann waren ihre Opfer nicht umsonst! — Die Ausführungen fanden allseits lebhafte Zustimmung. Die Wechselrede offenbarte, wie diese Zeit alle Herzen bewegt, wie in allen die Sehnsucht lebt, unser geliebtes Volk stark und mächtig für alle Zeiten zu sehen. Zu 2.) Zu den in der letzten Versammlung gebotenen Ausführungen „Über die häusliche Nichterziehung der Kinder“ des Kollegen Arn fei s er ergriff die als Oast erschienene Kollegin Frl. A. Kiffe das Wort. In ihrem Vorfrage „Auch die Eltern müssen erzogen werden!“ schöpfte sie aus einer Fülle von Erfahrungen, die sie in langjähriger Dienstzeit gesammelt hatte. In eingehender Weise beleuchtete sie zuerst die Ursachen der schlechten Er-ziehungsergebnisse des Elternhauses und zeigte dann an einer Reihe praktischer Beispiele, wie durch die Kinder auf die Eltern eingewirkt werden könnte. Der überaus lehrreiche Vortrag der erfahrenen Erzieherin fand beifälligste Aufnahme. Zu 3.) Anschließend an Dr. Steinwenders Artikel „Hinaus!“ in der Grazer „Tagespost“ vom 14. Februar 1915 fand ein lebhafter Austausch der Gedanken über wichtige Tagesfragen, wie z. B. „Die Kriegslage“, statt. „Erfolgte oder geplante Vorkehrungen der Regierung in der Lebensmittelversorgung“, „Stellung der Landbevölkerung hiezu“, „Lebensmittelteuerung“, „Handlungsweise der Zuckerbarone“, „Vorgehen Ungarns in der Getreideversorgung Österreichs“ u. ä. — Es fielen viel bittere Worte. Zu 4.) Über die wichtige Frage der „Erziehung der schulentwachsenen Jugend zwischen dem 14. und 20. Lebensjahre“ sprach II. Zach. Er betonte, daß die Lösung dieser Aufgabe ein Gebot der Notwendigkeit sei und für Volk und Staat von segensreicher Wirkung sein werde. Er empfiehlt obligate Landwirtschaftskurse im Schillerte, wodurch mit guter beruflicher Ausbildung erziehliche Einflußnahme verbunden werden könnte. Darin sieht er auch ein Mittel gegen die Landflucht. Im Rahmen dieser Kurse könnten dann auch spezielle Kurse über besonders wichtige Gebiete der Landwirtschaft von den Fachlehrern der Landes-Acker-bauschulen veranstaltet werden. — Vereinigungen mit Turn- und Spielbetrieb und militär. Vor-Ausbildung könnten zur Militärdienstzeit praktisch überleiten. Die Ausführungen fanden allgemeine Zustimmung; die vorgeschlagene Art der Durchführung wurde einstimmig gutgeheißen, ln der Wechselrede wurden die großen Nachteile des Fehlens jeglicher Erziehung der Jugend in diesen Sturmjahren hervorgehoben und ward die unbedingte Notwendigkeit einer Fürsorge betont. Zu 5.) Kollege Oberlehrer F ab i an i, unter den Fahnen stehend, brachte zum Schlüsse eine bunte Reihe selbsterlebter, stimmungsvoller Kriegsbilder zum Vortrage, die eine nicht zu unterschätzende Gestaltungsgabe verrieten. Er erntete aufrichtigen Beifall. — Geschlossen und gefertigt: Hans Zach, Lehrer, Geschäftsleiter der „Runde“. Aachwort: Daß nun nicht wieder jemand komme und sage: „Ganz schön, aber ich verspreche mir bei der Lässigkeit meiner Kollegen nichts!" oder: „Warten wir, bis der Krieg vorüber ist!" oder: „Da werden sie mich einen Streber nennen!" — Frischweg anpacken ohne Rücksicht und Zaudern, und wenn es nur zwei sind, die mittun! D. Sch. Die Marschkompagnie. (Erstdruck.) Wenn ich sie sch’, die blauen Scharen, Geschmückt zum Streit mit Blumenzier, Der eine noch ein Kind an Jahren, Der andre an die fünfzig schier. Mit festen Schritten ohne Wanken Grad einer hinterm ändern her, Da wachsen mächtig die Gedanken Und machen mir das Herz so schwer. Ihr nehmt in eures Schicksals Weiten Ein Stück von meiner Seele mit. Hulda Mical. Das ist kein Schein! Kein ExerzierenI Das ist das Leben! — Bittre Not! Für viele, die da mitmarschieren, Wetzt schon die Sense Schnitter Tod. Ihr Blauen alle, die da schreiten In ernster Reih’ mit festem Tritt, Der Reichsgedanke. (Erstdruck.) Zu den vielen Lehren, die wir aus dem von unsern bewundernswerten, todesmutigen Kämpfern so glänzend geführten Krieg ziehen müssen, gehört die Umgestaltung des Geschichtsunterrichts im streng österreichisch-ungarischen Sinne. Jedes der vielen Länder unseres heute so mächtig dastehenden Reiches hat gerechten Anspruch auf die volle Darstellung der geschichtlichen Vergangenheit in dem ihm gebührenden Rahmen. Diese Darstellung muß aber derart erfolgen, daß daraus die Verschmelzung mit der allgemeinen Geschichte unseres Gesamtreiches naturgemäß hervortreten und sich daraus die Erkenntnis klar ergeben wird, daß unsere Größe nur aus dem engsten Zusammenhang aller Länder gebildet werden konnte. Provinzielle Teilgeschichten dürfen nie die Reichsgeschichte überragen. Die gleichen Grundsätze gelten auch für die Landessprachen, die in der Staatssprache ihre Ergänzung für Österreich noch dringend gewärtigen. G. d. I. Albin Reichsfreiherr von Teuffenbach, Krieg und Qehrerbildung. (Erstdruck.) Die Kriegsnot hat auch im Ablauf der Maßnahmen für eine geregelte Lehrervorbildung Störungen verursacht. Aber es kann schon jetzt als nützliche Gegenwirkung beobachtet werden, wie die jungen, in den selbstverantwortlichen Unterricht hineingestellten Anwärter des Lehramtes aus eigenem gangbare Wege suchen — eine pfadfinderische Betätigung, die jetzt schon ausgleichend wirkt, die rechten Früchte aber erst später bringen wird, wenn einmal Zeit und Gelegenheit gegeben sein wird, die vorerst nur versuchsweise Betätigung an der Hand der Erzieliungs- und Unterrichtsichre nachzuprüfen. Hofrat Dr. Loos. fjerbst. (Erstdruck.) „Es geht ein Sterben über Wald und Flur. Seht zum Buchenwald — wie rot! Ein letztes Leuchten, traurigschün. Der wilde Wind weht noch den letzten Schmuck herab; cs muß sein! 0, Menschenherzen, verzaget darob nicht! Nach diesem Sterben muß ein Frühling kommen, herrlicher, denn je. Zum großen Opfertische ist Wald und Flur geworden.“ So sprach der Dorflehrer zu den Schulkindern, als er plötzlich von den Klängen des Sterbeglöckleins unterbrochen wurde. Tiefes Schweigen! — Ein Sterben geht über Wald und Flur. Es ist Herbst! — Ein hastiges Klopfen an die Tür. Der alte Dorfpfarrer flüstert zur Türe herein: „Herr Lehrer, R. W. auf dem Felde der Ehre gefallen !“ Schweigend wandte sieh der greise Seelenhirt ab. Eine Träne stahl sich aus seinen Augen; der Verblichene war ihm ein lieber Freund 1 In der Schulstube ist die Stille gestört. Ein Schluchzen und Weinen zieht durch den Raum. Ja, ein braver Lehrer war es, der auf ewig dahingegangen ist. — Die Trauerfahne weht vom Schulhaus. Am nächsten Tage versammelten sich die Kinder zur Totenmesse. Die Kirche war mit Andächtigen voll besetzt. Es war so feierlich still wie in einer Totengruft. Der Priester hatte die heilige Handlung beendet, als mitten in die Traurigkeit hinein das alte „Gott erhalte“ klang. — Es geht ein Sterben Uber Wald und Flur. Es muß sein! K. Stumpfoll. An Österreichs üehrerhelden. (Erstdruck.) Viele Lehrer haben an dem siegreichen Ergebnis dieses Krieges einen doppelten Anteil: als Lehrer und Vorbilder der Jugend an Pünktlichkeit, Genauigkeit und Strenge der Pflichterfüllung und an entsagungsfrendige Opferwilligkeit gewöhnt, sind viele unserer Berufsgenossen selbst Helden geworden; als Lehrer und Erzieher der Jugend haben sie ihr die nötigen Kenntnisse — und auch Kenntnisse sind wichtig, denn es ist keine Erziehung ohne sie zu erwerben, wenn sie auch allein noch nicht den tüchtigen Menschen machen beigebracht und Gewöhnung an strenge Pflichterfüllung im Kleinen und Kleinsten an erzogen. Darum können wir diese Glücklichsten unter unseren Berufsgenossen heute ebenso als Lehrerhelden wie als Heldenlehrer preisen. Heil Euch, Lehrerhelden! Hofrat Dr. August Scheindler. Hach dem Siege. (Erstdruck.) Bewunderung und Dankbarkeit, die wir unsern Heldensöhnen bezeigen, die in deutscher Treue für Kaiser und Reich ihr Blut einsetzen für das teure Vaterland, ist eine selbstverständliche Pflicht. Es ist aber nicht die einzige Pflicht, die uns im Hinterland obliegt. Für die Gegenwart und für einen ruhmvollen Sieg sorgt unser wackeres Heer draußen auf dem Felde der Ehre. Wir Daheimgebliebenen sollen und müssen die Zukunft vorbereiten. Der Sieg über die Feinde soll nicht nur auf den Schlachtfeldern allein erfochten, er muß auch im Hinterlande durch Erhaltung der Volkskraft und der Volksgesundheit errungen werden. Zu diesem Zwecke muß die ganze Schar der im Hinterland Verbliebenen mobilisiert werden. Da gibt es keine Altersgrenze und auch die Frauen uud Mädchen können und müssen sich an diesem Kampfe beteiligen. Zwei Hauptforderungen gilt es in erster Linie zu erfüllen: die Jugendfürsorge, im weitesten Sinne des Wortes, und die Bekämpfung und Verhütung der Tuberkulose als Volkskrankheit. Durch eine zielbewußte Jugendfürsorge können wir durch eine im Körper und Geist gestählte Aufzucht die Lücken ausfüllen, welche der unheilvolle Krieg in unseren Volkskörper gerissen hat, durch eine gründliche Bekämpfung der Tuberkulose befreien wir unser Volk von der verheerendsten Krankheit, die es — als der gefährlichste Feind der Menschheit — bedroht. Mobilisieren wir auch das Kapital! Jeder, dem das Glück Reichtum verliehen hat, ist wehrpflichtig und auch der Mittelstand muß mit bescheidenen Beiträgen der allgemeinen Wehrpflicht für das Jugendwohl und die Volksgesundheit genügen. Der teuflische Aushungerungsplan unserer grausamen Feinde ist durch die deutsche Wissenschaft glücklicherweise zunichte gemacht worden; beweisen wir durch die Tat, daß die deutsche Wissenschaft und der deutsche Opfermut auch die dem Volkswohle drohenden Gefahren zu bannen versteht. Zeigen wir unseren Feinden, daß auch die deutsche Volkskraft ebenso unbesiegbar ist wie unsere wackeren Heere. Die Herzen auf und auch die Taschen auf für unsere geliebte Jugend und für unser teures deutsches Volk! Obersanitätsrat Dr. Th. Altschul. Die Zentralmächte und der Vierverband. (Erstdruck.) Nicht der Militarismus allein ermöglichte in diesem Weltkriege den Zentral machten so großartige Erfolge, vielmehr haben auch deren hoher Kulturstand und die äußerst günstige wirtschaftliche Lage wesentlich dazu beigetragen, diese schönen Resultate zu erreichen. Eingedenk des Satzes: „Si vis pacem para bellum11 haben sich die Zentralmächte auf diesen von ihren Feinden aufgedrängten Krieg wohl vorbereitet. Sic taten es nicht im geheimen ; denn die seinerzeit im Deutschen Reiche eingeführte Kapitalsteuer wurde in allen Zeitungen besprochen. Dazu gaben ihnen Krupp und Skoda sowie der geniale Zeppelin Waffen in die Hand, wie sie keiner ihrer Feinde besitzt. Und der einzige Gedanke, zu siegen, beseelte die sich als eine Volkseinheit fühlenden Schulter an Schulter kämpfenden Heere Deutschlands und Österreich-Ungarns. Klaglos wird in beiden Reichen aus eigenen Mitteln das nötige Kriegsmaterial erzeugt und trotz der Blockade Englands konnten auch die beiden Staaten bei entsprechend sparsamer Verwendung mit ihren vorhandenen Lebensmitteln und sonstigen Gebrauchsartikeln auskomtnen. Die hohe Entwicklung der chemischen Industrie führte auch zur Deckung neuer Ersatzmittel für jene Stoffe, an deren Einfuhr wir gehindert wurden. Auf diese Weise verblieb das für die Kriegskosten verwendete Kapital im Inlande und konnte in reichlicher Menge als Kriegsanleihe dem Staate zugeführt werden. Der geniale Kriegsplan brachte es zuwege, daß wir nicht nur die Industrie Belgiens, sondern auch die Kohlenschätze Frankreichs und Rußlands für unsere Zwecke verwenden können. Aber auch unsere Staatsgebiete haben bis auf einen Teil Galiziens und Ostpreußens unter den Kriegsgreueln nicht gelitten. So ist denn unsere wirtschaftliche Lage eine befriedigende, und wenn auch der Handel in mancher Beziehung eingeschränkt worden ist, so konnte unser Verkehr mit den neutralen Staaten fast vollständig aufrecht erhalten bleiben. Wenn wir dagegen unsere Blicke auf die Vierverbandsmächte richten, so müssen wir zwar feststellen, daß auch sie nicht ganz unvorbereitet in den Krieg zogen, dabei aber die Kraft der Zentralmächte unterschätzten. Es wurde viel gesprochen, aber wenig gehandelt; wir sehen dies am auffallendsten bei England, über dessen Rekrutenstellung und Munitionserzeugung tägliche Berichte erscheinen, die aber mit der Wirklichkeit wenig übereinstimmen; Frankreich und Rußland haben die Folgen des Krieges stark zu verspüren und insbesondere leiden wegen des barbarischen Vorgehens der Kosaken Polen und die anderen Teile Rußlands. Während es England nicht gelungen ist, uns durch Aushungern mürbe zu machen, wir vielmehr dank der guten Mittelernte auch das nächste Jahr unsern Lebensunterhalt ohne Inanspruchnahme der Hilfsquellen anderer Staaten gesichert haben, ist es uns gelungen, den Franzosen und Russen ihre Kohlenbergwerke zu entreißen und sie daher der Gnade der Engländer auszuliefern. Überhaupt scheinen die Hilfsquellen des Vierverbandes erschöpft zu sein und das stolze Albion muß in Nordamerika um einen Kriegskredit betteln, für den es 5°/o Zinsen verspricht; und wenn Amerika dem Vierverbande kein Kriegsmaterial mehr liefern würde, so wäre dieser unglückselige, schon 13 Monate währende Krieg gewiß bald beendet. Das enge und treue Zusammenwirken der Zentralmächte zeitigte bei ihnen den Wunsch, daß auch ein enges Aneinanderschließen in wirtschaftlicher Beziehung nach dem Friedensschlüsse erfolgen solle, und wenn auch die Zollschranken zum mindesten in der ersten Zeit nicht fallen gelassen werden, so würden die Zentralmächte dennoch eine bedeutende Macht bilden, welche den Einfluß auf dein Weltmarkt geltend machen könnte. Dazu kommt noch, daß Deutschland einige Industrien vollkommen beherrscht, ja nahezu monopolisiert und somit das Ausland von sieh abhängig gemacht hat. Freilich wollen auch die Vierverbands-mächte sich in dieser Beziehung emanzipieren; aber eine solche durch Jahrzehnte geschaffene Sachlage läßt sich nicht im Handumdrehen ändern. Geradeso wie wir ein so treues Zusammenwirken im Kriege zwischen den Vierverbandsmächten nicht beobachten können, dürfte der von ihnen geplante wirtschaftliche Anschluß ein frommer Wunsch bleiben. Schon jetzt zeigen sich die Sonderinteressen dieser einzelnen Staaten, die eine unnatürliche Vereinigung voraussetzen, eine Vereinigung, welche bezwecken soll, die Zentralmächte von ihrer erreichten Höhe in Wirtschaft und Handel zu stürzen und sie so zu untergeordneten Staaten herabzudrücken. Die Zukunft wird sie aber eines bessern belehren und wir können ihr getrost entgegensehen, denn die Zentralmächte werden unverändert bestehen, so lange sie treu und einig sind. Schulrat H. Belohlawek. Der Sieg der Schule. (Erstdruck.) Je länger dieser Krieg dauert, mit desto größerem Stolze werden mir unserer wachsenden Kraft bewußt, mit desto größerem Vertrauen blicken wir ruhig in unsere Zukunft. Aber auch unsere Schule kann stolz darauf sein, wie herrlich sich unsere Lehrer und unsere Schüler in diesem Weltkriege bewähren. Den Heldentod, den so viele erlitten, die Heldentaten, von denen die zahlreichen Auszeichnungen glänzendes Zeugnis geben, sie beweisen, daß wir als Lehrer unsere Pflicht redlich erfüllt haben, unsere Jugend für den Kampf für das geliebte Vaterland in richtiger Weise und in jeder Hinsicht gut vorbereitet zu haben. Das sei auch der Leitstern für unser weiteres Wirken! Landesschulinspektor Dr. Robert Kauer. Ernst Moritz Arndt über die Völker des heutigen Vierverbandes. (Dabei ein Wort für den alten Vaterlandssänger und Volksanwalt.) (Erstdruck.) Wer heule unter den Gebildeten unseres Volkes eine Umfrage über den Inhalt der Schriften des wackeren Vaterlandssängers Ernst Moritz Arndt, des Stimmführers unter den Herolden deutscher Ehre aus der Zeit der Befreiungskriege, anstellen wollte, der würde wohl die beschämendsten Erfahrungen machen. Während Arndts mannhafte Vaterlandslieder zum Lobe deutscher Ehre und Größe, zum Gedächtnis deutscher Helden usw., Gott sei Dank, soweit im Volke verbreitet sind, daß sie kaum jemals vergessen werden dürften, solange deutsches Volkstum besteht und das deutsche Volk seine Besten ehrt, sind seine Prosaschriften, selbst die weckkräftigsten und wirkungsvollsten, auch in der Oberschicht unseres Volkes so gut wie unbekannt. Eine Unterlassungssünde, wie mir scheint, die unsere heutige Zeit am wenigsten auf sich laden sollte. Und doch hat man in der wissenschaftichen Welt gerade in den letzten Jahrzehnten Arndt eine löbliche Aufmerksamkeit zugewendet; Theologen und Literarhistoriker, wie Nippold, Eckart, Müsebach, Lehmann, Schirmer und Lorenz, Meisner, Geerds, Labes, Langenberg, Reinhardt, Schenkel, Rehbein und Keil, Baur, Haym, Thiele, Loevenich, Meinhold, Lange, Goetze, Freytag, Gaedertz, Prönnecke, Lienhard, Geißler, Rudolf Müller, Rassow u. a., haben über seine Lebensschicksale helles Licht verbreitet und in ihm den Propheten und Verkünder großer Ideen gewürdigt. Nach dem, was heute über Arndt in wissenschaftlichen Untersuchungen vorliegt, weiß man, daß dieser Mann auch unserer Zeit noch etwas zu sagen hat, daß es einen Prediger von gleich echter und starker Vaterlandsliebe seit einem Jahrhundert in deutschen Landen nicht mehr gegeben hat. Glühender Haß gegen alles Fremde und Volksfeindliche, heiße Liebe für das Vaterland, Zorn und Scham über die Duldung des fremden Joches und die Unterdrückung eigenen Volkstums, Sorge um die Zukunft seines Volkes, Hoffnung auf Abschüttelung der fremden Ketten, himmelhoch jauchzende Freude über die endliche Erhebung, frommer Dank nach vollendetem Siege, Bewunderung der Heldentaten einzelner und der Befreiungsarbeit aller, fester Glaube an das Kommen eines deutschen Frühlings und einer Rückkehr zu dem Gotte und der Sitte der Väter — diese mächtigen, frischen und warmen Impulse offenbaren sich nicht nur in seinen hinreißenden Vaterlandsliedern, sondern auch in den meisten seiner patriotischen Prosaschriften. Alle diese Gefühle werden getragen von der großen Idee eines einigen, freien Deutschreiches; für diese Idee hat Arndt gesungen, geredet und geschrieben. Geschrieben insbesondere nicht in flachen, allgemeinen Wendungen, sondern mit strengem sachlichen Urteil. Eine der wichtigsten und wertvollsten Urkunden jener bewegten Zeit vor hundert Jahren und wohl das zündendste und machtvollste Zeugnis der großen geschichtlichen Verkettungen und Er- füllungen vor und in den Befreiungskriegen, das je aus einer deutschen Feder geflossen ist, ist sein titanisches Buch „Geist der Zeit“ (1806, 1809, 1813, 1818). Man greift sich heute unwillkürlich an den Kopf und wundert sich, daß ein solches Buch geschrieben werden konnte in jenen Tagen des Dranges und der Not. Das Werk, dessen erster Teil unter dem Theophrastischen Leitspruche erschien: „Die Natur gab den Menschen die Tränen und die Rede, sie von den Tieren zu unterscheiden“ und dessen weiterer Teil sich unter den Schutz des Kennwortes: „Im Herzen Mut, Trotz unterm Hut, am Schwerte Blut, macht alles gut!“ stellte, war eine Brandfackel von ungeheurer Wirkung. Es rief ein beispielloses Aufsehen hervor und war von einem Widerhall durch ganz Europa begleitet, wie ihn keine literarische Erscheinuung der neueren Zeit gefunden hat. Dieser Weckruf hat ja auch den Freiherrn v. Stein auf den Gieifswalder Professor aufmerksam gemacht, den er 1812 an seine Seite berief. Was Arndt in dieser Schrift über den Patriotismus als höchste Erscheinung der christlichen Religion schreibt, das ist ein herrlicher Vollgesang, der das ausspricht, was gerade in unseren Tagen in den Tiefen der deutschen Seele gedacht und im Herzblatt des deutschen Herzens gefühlt wird. „Das ist die höchste Religion, zu siegen oder zu sterben für Gerechtigkeit und Wahrheit, zu siegen oder zu sterben für die heilige Sache der Menschheit, die durch alle Tyrannei in Lastern und Schanden untergeht. Das ist die höchste Religion, das Vaterland lieber zu haben als Herren und Fürsten, als Väter und Mütter, als Weiber und Kinder. Das ist die höchste Religion, seinen Enkeln einen ehrlichen Namen, ein freies Land, einen stolzen Sinn zu hinterlassen. Das ist die höchste Religion, mit dem teuersten Blute zu bewahren, was durch das teuerste, freieste Blut der Väter erworben ward." Schlicht und einfach nimmt sich solch sprudelndem Feuer gegenüber jener Teil des männlichen Buches (I. Teil) aus, der von den alten und von den neuen Völkern spricht. Klar und gesund auf dem sicheren Grund der Tatsachen ruhend, haben diese Ausführungen auch für uns moderne Menschen ihre Bedeutung noch nicht verloren, ja sie rücken Manches von dem, was wir in der gegenwärtigen großen und schweren Zeit erleben und erleiden, erst in die rechte Beleuchtung. Wie Schuppen fiel es den Lesern vor hundert Jahren von den Augen, wenn Arndt, der getreue Eckart des deutschen Volkes, seine Mahnerstimme erschallen ließ; mit zustimmendem Kopfnicken begleiten wir heutigen Leser seine lauteren, leuchtenden Gedanken und erfassen sie voll und tief auf der neuen Grundlage der historischen Geschehnisse. Was an diesen Kapiteln des alten, berühmten Buches noch heute für uns im höchsten Grade bedeutsam und beziehungsreich ist, das sind die Urteile über die Engländer, Franzosen, Russen und Italiener, jene Nationen also, die heute gegen uns in einem unseligen Existenz-und Vernichtungskriege stehen, der über die Bedingungen entscheiden wird, auf deren Grunde die europäische Menschheit sich weiter entwickeln wird. Hören wir, was er z. B. über die Engländer sagt! „Engländer“, ruft Arndt aus, „ihr wäret einst ein edles Volk, doch jene Epoche liegt ein halbes Jahrhundert hinter uns! Eure Konstitution weckte Geist und Kraft auf Erden und im Himmel beherrschte der Brite das Feuer. Ihr hattet Dichter und Redner, Astronomen und Weltentdecker, ihr hattet ein freies, hochstrebendes, gerechtes Volk. An Künsten und Wissenschafen waren euch wenige gleich, an Glück und Schätzen keine von allen. Euer Los war leider das gemeinste der Völker. Reichtum und Macht erzeugten Übermut und Laster, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gegen Fremde folgten. Was sich draußen erzeugt hatte, wirkte nachher auch daheim bei dem Bürger und gegen den Bürger. Am Ganges, am Senegal und auf Jamaika gingen die Sitten und Tugenden und die brave Verfassung der Engländer unter; aus Unterdrückern wurden Unterdrückte, aus Despoten Sklaven. Es liegt vor uns, wie ihr seit den letzten dreißig Jahren schnell rückwärts gegangen seid und noch immer gehet. Siege zu Wasser und zu Lande beweisen hiegegen nichts, solche letzte Beweise für Glorie und Tugend hat manches Volk noch lange, wenn alles Übrige schon dahin ist, weswegen es wert ist, ein Volk zu sein ... Ihr werdet untergehen durch keinen als durch euch selbst, wenn ihr euch nicht bessern könnt; die Zeit eures Adels und eurer Bürgerkraft scheint für immer vergangen. Gemeine Verachtung des Edelsten, Schätzung aller Dinge nach dem Golde, Würdigung der Nationen nach den Reichtümern, Niedertretung der Armut und Übermut eurer Nabobs sprechen euer Todesurteil. Ein Volk, welches das Schönste und Größte verachtet, wenn es von einem fremden Volke kam, welches, aller Zucht unverbesserlich, nur in Altengland das Paradies und allenthalben sonst Barbarei findet, ein Volk endlich, das selbst nichts Genialisches mehr erfinden und erschaffen kann, sondern geizig und klein wie ein Kaufmann zur Prahlerei aufschichtet und aufstellt, was größere Väter erfanden und erschufen, — wenn ein solches verstocktes und verhärtetes Volk nicht knechtisch und gemein wird, wie es die Dinge und die Menschen knechtisch und gemein ansieht und würdigt, so trügen alle historischen Zeichen. Noch seid ihr mehr eine Nation als wir meisten an dem, aber wie lange? Doch so groß wäret ihr, daß der Fall eurer Ruinen die Erde erschüttern wird . . . England fällt nicht durch Krieg, es fällt durch Laster und Verbrechen wie die meisten Nationen. Stolze Insulaner, wenn kein Nabob mehr zinsbar zu machen, kein Land mehr zu plündern ist, wenn bei euch selbst mehr käufliche Bürger als Käufer sein werden, wenn für die alte Konstitution keine freie Stimme mehr ertönt und elende Sklaven ohne Ehre und ohne Vaterland ihr „Britania rule the waves“ mit heiseren Kehlen brüllen, — dann auf euch selbst, auf eure eigene Schande und auf selbstgemachtes Elend zurückgeworfen — dann erkennt ihr euch ergrimmt und seid zu schwach, für die vergangene Herrlichkeit wieder aufzustehen. Dann ist Britannia dahin und wirklich gefallen. Aber dann ist auch die Epoche da, daß sie künftig in sich selbst wieder werden kann.“ Das sind allerdings böse Zukunftsaussichten für das britische Reich und Volk, die uns Arndt da in seinem lieben, bodenwüchsigen und altschaffenen Bibel-Deutsch vorführt. Aber sie kommen blutwarm aus dem Brunnen der Geschichte und man hört tiefe Weisheit darin rauschen. Wer denkt da nicht an das Wort John Ruskins, eines gleich ehrlichen, gleich wahrheitsliebenden Geistes, wie es unser Arndt gewesen ist: „Sorgen wir uns nicht um dieses England; in hundert Jahren zählt es zu den toten Nationen“?--------------- Ein Blinkfeuer grellster Art fällt in Arndts Buche natürlich auf die Franzosen. Von ihnen heißt es: „Müssen einem die Toren doch immer begegnen, auf den Jahrmärkten und auf den Landstraßen. Von jeher habe ich nicht gern viel mit ihnen zu tun gehabt und nun besetzen sie alle Zugänge und Wege der Geschichte so breit und übermütig, daß man nicht einen Schritt tun kann, ohne auf sie zu stoßen. Und doch haben sie so viel Närrisches und Liebenswürdiges, daß es schwer ist, alles Schlimme von ihnen zu sagen, was sie durch ihre Torenstreiche über uns und unsere Enkel gebracht haben. Es ist wunderlich, daß ein Volk, welches selbst nie gedacht hat, den Leuten so viel zu denken gibt. Die Sache der Franzosen von ihrer ernsthaften Seite scheint lange abgemacht, aber immer noch sind eine Menge Torenköpfe, die wieder von vorne anfangen und sich stellen, als wenn aus Narren nie klug zu werden wäre! . .. Die Franzosen haben uns andere Europäer von jeher zum besten gehabt und wir sind genug Kinder gewesen, uns von ihnen äffen zu lassen. Schimmer und Glanz und alle jene äußeren Scheine der Dinge, wodurch man täuscht und verwirrt, warf dieses Volk immer von sich, und ehe es selbst noch gebildet war, machte es den Nachbarn weis, bei ihm sei alles besser, anmutiger und geschmackvoller als drüben . . . Was ein Franzos hatte oder zu haben glaubte, wußte er von jeher geltend zu machen — der nächste und leichteste Weg zur Herrschaft . . . Was an der Seine leicht, zart, liebenswürdig und natürlich hieß, sollte es auch an der Themse, Donau, Weichsel und Newa sein und albern und närrisch genug machten die Nordländer die Kindereien und Torenspiele der ewigen Kinder nach und verdarben in einer Unnatur und Äfferei, die bei ihnen nie heimisch werden konnte, ihre alten Tugenden und ihre Sprachen, die aus alten Tugenden hätten gebildet werden sollen. Eine Bildung, die von Anfang an aus dem Nichts der Lüge und Verdorbenheit entsprang, die auf den Stelzfüßen einer falschen Empfindung und einer ehrlosen Ehre in der Kunst einhertrottierte, sollte auch die der besseren Europäer werden und ist es zu unserm allgemeinen Unheil geworden. Das Unkraut hatte tief gewurzelt, selbst bei den Nationen, die in aller edleren Bildung den Franzosen Jahrhunderte voraus gewesen waren “ Arndt spricht des längeren von den Enttäuschungen, die die französische Revolution für das in seinen Wünschen und Hoffnungen betrogene Europa mit sich gebracht habe, erinnert an die „ewige Wahrheit“ Montcsquieus: „Die Franzosen tun die albernen Dinge ernsthaft und die ernsthaften albern“ und fährt fort: „Das Volk hatte seine Würde und sein Glück eingebüßt und rasete drinnen und draußen. Man begriff, das Ganze sei noch nichts weiter als ein Spiel, ja ein Vorspiel einer fürchterlichen Tragödie gewesen und die Franzosen haben eine ernsthafte Sache zu sehr als Gaukler und eine Gaukelei zu ernsthaft getrieben. So war man verwundert und erstaunt, ob es noch dasselbe Volk, dieselbe Begebenheit, dasselbe Zeitalter sei, als man plötzlich alles verändert und verwandelt sah .. . Durch welches Wunder sollte ein ausgeartetes, sklavisches, üppiges Volk plötzlich ein tugendhaftes, freies, mäßiges werden? Durch welches Wunder sollte der gallische Wankelmut sich zu republikanischer Standhaftigkeit, die leichtfertigste Windbeutelei zu edlem Ernst umbilden? . .. Wo und wann erschien stille Kraft, verständige Mäßigung, ruhige Bürgertugend, woraus die edleren Verfassungen werden und sich erhalten? Viel Lebendigkeit und Beweglichkeit, eine unendliche Elastizität, aber keine Energie ... Ihr nennt euch das große Volk. Wenn Länder ausgeplündert, Staaten umgekehrt, freie Völker unterjocht, alle Tugend und Ehre für Gold feil haben, groß ist, so sind wenig größere Völker gewesen. Wenn aber Redlichkeit, Treue, Gerechtigkeit und Mäßigkeit den Menschen und das Volk groß machen, so sagt euch selbst, wie klein ihr seid. . . Und seid ihr vielleicht in den edleren Künsten und Wissenschaften so groß, daß es ein Glück wäre für die übrigen Europäer, von euch unterjocht zu werden, um den Barbarenpelz einmal abzuwerfen und sich eines gebildeten und schöneren Lebens zu freuen? Ich sehe hier soviel nicht von euch zu gewinnen. Ihr seid so leidlich gebildet, aber aus Schwächlichkeit und Äfferei ist eure ganze Bildung hervorgegangen und hat vor den ändern Europäern, die nicht tiefer dringen, nur den äußeren Firnis und die Abglättung voraus. In der Mitte Europens seid ihr eine Art Mitteldinger geworden und von jeher fehlte euch die volle südliche Naturkraft und die schwärmerische nordische Tiefe des Gemütes, ihr schwämmet in einer kümmerlichen Mitte zwischen beiden und wäret euch immer eures Mangels und eurer Nacktheit bewußt; daher eure Windbeutelei, euer schaler Spott und Spaß mit dem Ernstesten und Heiligsten von jeher; daher die Unmöglichkeit, euch der vollen Genialität hinzugeben, weil euer sündliches Krüppelwesen euch nie vergessen läßt, wer ihr seid. Bewußtsein der Sünde und Verdorbenheit drückt euch schwer in euren Kunstwerken und darum läuft der Affe da durch, der seine Gebärde verstellt, nicht der freie Mensch, der in Schuld und Unschuld sich hinzuzustellen wagt. So ist der Charakter eurer Kunst, so tritt euer zierliches Leben hin — nichts als leerer Schein, nichts als der sündliche Schlangenglanz von Tugenden, von welchen der unverdorbene Mensch sich mit Abscheu und Schrecken wegwendet. Ohne Religion, ohne Poesie, ohne Wahrheit, zu schwach, euch zu bessern, zu gebildet, eures Unheils inne zu werden, tretet ihr stolz hin und krähet uns ändern mit einer beispiellosen Unverschämtheit vor, daß wir ungeschliffene Gesellen und Barbaren sind. Leichtfertiges, unverbesserliches Gesindel, das schwatzt, wo andere fühlen, das hüpft, wo andere stehen, das sich einbildet, zu sein, wo andere sind, — ihr habt vielen schönen Schein, aber den wir fliehen müssen, weil er ohne Wirklichkeiten ist. Ein Volk, das alle Tugenden in bloße Worte überspielt, das sich, wo andere Völker haben, empfinden, genießen, mit leeren Schatten der Dinge begnügt, ein so wunderbar betörtes und betörendes Volk als die Franzosen kann keinen frischen, freudigen Stock auf die Menschheit setzen: es ist zu weit über alte Menschheit hinaus.“ (Schluß folgt.) Die kurze Methode. 5. Über die Veranschaulichung der Lautzeichen bei der Lautgewinnung im ersten Schuljahre. Bei i erzähle ich von einem lustigen Knaben, der eine derart große Freude über seine schöne Schulnachricht hat, daß er die Mütze in die Höhe wirft und dazu laut ruft: „I, i, i’ — hab’ das beste Zeugnis! (Der I-Punkt ist die Mütze.) Bei o erzähle ich von einem bösen Manne, der ins Zimmer kam, als die Mutter einkaufen war, und ein so großes Loch in den Ofen schlug. Als die Mutter nach Hause kam, rief sie entsetzt: „O, o, o, wer hat das gemacht?“ Bei u erzähle ich von einem unfolgsamen Knaben, der vom Vater zur Strafe an den Tisch u. zw. mit den Füßen angebunden wurde. Auch memorieren wir das Sprüchlein: Oben offen, unten zu, das macht immer u, u, u! Bei a erzähle ich von dem kleinen Trotzkopf, der von der Mutter Honigbrot verlangte, aber keines bekam — daher trotzte er und sich auf den Tisch lümmelte. Die Mutter fragt ihn, ob er ein Stückchen Brot wolle; er aber ruft: A, ich mag nix! Bei ei schließe ich an das Märchen „Hänsel und üretel“ an. Hiezu verwende ich noch ein Bild aus einem Bilderbuch: ein Geschwisterpaar, Knabe und Mädchen halten sich umschlungen, der Knabe hat den Hut in der Hand ober dem Kopfe (das i), er steht rechts, links sein Schwesterchen. (Das Geschwisterpaar geht immer zusammen aus, es läßt sich nicht trennen; wir nennen es „ei“.) Beim b erinnere ich an die Tabakspfeife: der Raucher pafft, um Luft za machen, er macht b, b, b. Beim sch erinnere ich an die Eisenbahn. Beim ch an den Schnarcher. Beim h an das Anhauchen der Hände im kalten Winter. Beim c und z ans Niesen, c ist der kurze Nieser (kleine Nieser), z der lange Nieser (wenn man Schnupfen hat und lange niest.) Beim k und g an den Husten, k bei starkem Hustenreiz, g bei linderem Hustenreiz. Beim f an das Blasen der Suppe, wenn sie sehr heiß ist. usw. Die Groß- und Kleinbuchstaben werden den Kindern als Vater und Sohn vor- geführt. Der Vater und der Sohn haben gleiche Namen z. B. Axmann. Der Vater ist aber größer und älter. (Groß- und Kleinbuchstabe.) Vergißt ein Kind später einen Buchstaben, so erinnere ich bloß an den z. B. Trotzkopf o. an den Angebundenen, o. an den Schnarcher usw. Das Kind erinnert sich sofort; mit der Zeit behält es die Buchstaben. Auch suche ich bei Vorführung der Druckbuchstaben immer auf ähnliche Formen aus dem Leben hinzuweisen z. B. S — eine Schlange; D — eine kleine Schlange und eine Mondsichel; s — Spazierstock; ß — Spazierstock, an dem eine Schlange in die Höhe kriecht, usw. Diese Hilfsmittel haben sich bei mir, obzwar ich erst drei Jahre Einklassiger bin, gut bewährt. Ich kann offen sagen, daß in meiner „Taferlklasse“ kein normaler Schüler ist, der das Lesen nicht erlernt hätte. (Eingesendet.) Österreichs Zukunft. 6. Die Rückwirkung des Krieges auf die Schule. (Der Patriotismus der Lehrerschaft. Die Haltung der pädagogischen Fachpresse während des Krieges. Die „drohende Militarisierung der Schule“. Das Verdienst der Schule an den Kriegserfolgen. Die Schule nach dem Kriege.) Von Anton Felbinger, Wien. Es ist etwas Selbstverständliches, dal! sich die Reflexe des Weltkrieges auch auf dem Gebiete der Schule fühlbar machen. Wie wäre es auch anders denkbar? Gibt es doch keine staatliche Einrichtung, hüben wie drüben, auf die der grollte und schrecklichste aller Kriege seinen Einfluß nicht ausübte. In allererster Linie äußerte sich der Krieg in Bezug auf die Schule durch die Masseneinberufung der wehrpflichtigen Lehrerschaft und, als Folge hievon, durch eine nach Ort und Umständen mehr oder weniger bemerkbare Störung des Schulbetriebes. Ausdrücklich sei hier festgestellt, daß die Lehrerschaft in demselben Ausmaße wie die übrigen Berufsstände zur Erfüllung der Kriegsdienstpflicht li e r a n g e-zogen wurde. Hunderte aus ihren Reihen hahen bereits den Heldentod für Kaiser und Reich gefunden.1 Doch auch an die Daheimgebliebcncn, an die zum Kriegsdienste Untauglichen, trat der Krieg mit zahlreichen, zuvor kaum geahnten Anforderungen heran. Es waren keinesfalls leichte oder gar angenehme Arbeiten. So mußten sie die heiklen, oft sehr undankbaren Geschäfte in den Brot- und Mehlkommissionen, bei den Metallsammlungen und den verschiedenen anderen Kriegsfürsorgeeinrichtungen übernehmen, sich mit erhöhter Tätigkeit der humanitären und nationalen Vereine annehmen und durch die fast allerorts eingetretene Verminderung des Lehrkörpers eine bedeutend größere Arbeitsleistung in der Schule verrichten. Doch dies alles wurde mit einem derartigen Eifer und Verständnisse, mit einer solchen Liebe und Gründlichkeit besorgt, daß hiebei das Peerzische Wort von den „stillen Helden“ zur vollen Wahrheit wurde.2 Beides: sowohl der glänzende, ja geradezu vorbildliche Heldenmut der im Felde stehenden Amtsbrüder als auch das stille Wirken der daheimgebliebenen Lehrerschaft, ist zum guten Teile ein Verdienst unserer Fachpresse, die — sie war immer kaisertreu und vaterländisch — besonders jetzt in diesem furchtbaren Kriege alle Bestrebungen der Regierung auf das tatkräftigste unterstützt. In innigem Zusammenwirken mit den Lehrerverbänden brachte sie die Opferwilligkeit und Arbeitskraft der deutschen Lehrerschaft zu einer fast beispiellosen Entfaltung, was auch bereits von hiezu berufenen Stellen lobend anerkannt, wurde. Und so wie bisher wird die Lehrerschaft auch weiterhin ihre vaterländische Pflicht erfüllen. Infolgedessen muß es einen recht sonderbar anmuten, wenn es in unseren Reihen vereinzelt stehende Leute gibt, die den zeitgemäßen Einschlag unserer Fachpresse nicht verstehen wollen und ihn daher auf das heftigste bekämpfen. Noch immer in den falschen Friedensbestrebungen einer gründlich abgetanen Zeit duselnd, können es nämlich einzelne Quer- und Schwachköpfe nicht begreifen, wenn jetzt unsere Fachpresse, durchdrungen von dem Bewußtsein, daß es auch ihre heilige Pflicht und Schuldigkeit ist, wacker mitzukämpfen an der Niederringung unserer boshaften und unbarmherzigen Feinde, statt den Ton falscher 1 lcli habe hiebei bloß die Lehrerschaft an Volks- und Bürgerschulen im Auge. 2 Sieh Folge 138 der „Blätter für den Abteilungsunterricht": Vom Siege der DaheimgebliebenenI Friedenssclialmeien anzustimmen, für ein kräftiges, zielbewußtes Durchhalten eintritt. In eingebildeter Angst vor einer „drohenden Militarisierung unseres Schulwesens“ und pygmäen-liaft pädagogischer Überhebung fühlen sic sich berufen, dagegen ihre „warnenden Stimmen“ zu erheben. Denn im Geiste sehen sie mit Schaudern nach dem Kriege „alle Schulen in öde, gemütsleere Kasernen, alle Spiel- und Turnräume in Exerzierplätze“ umgewandelt, wo „soldatischer Drill von frühester Kindheit auf allen idealistischen Schwung und jegliche humane Denkungsart“ erschlagen hat. Um dem nun entgegenzuarbeiten, erachten sie für notwendig, mit allerlei Stimmungsmacherei und Schulreformvorschlägen (angeblichen Lehren des Weltkrieges) an die Öffentlichkeit zu treten. — Dies in einer Zeit, wo es um den Bestand der beiden Mittelmächte, um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes geht! Auf die Ideen und Ausführungen dieser falschen Pazifisten einzugehen, verlohnt sich weder Zeit noch Mühe. Die Entscheidung über die von ihnen aufgerollten Fragen liegt anderswo als in dem Bereiche unserer Fachpresse. Gewiß wird der Weltkrieg unserer Schule große und einschneidende Änderungen von auch nachhaltiger Wirkung bringen.1 Diese kommende Reform unserer Unterrichtsanstalten — von der Volksschule an bis hinauf zur Hochschule — wird von Männern ausgearbeitet werden, die, von deutscher Art und deutschem Wesen, unsere Schulen nach ihrem Sinne reformieren werden. „Deutsch sein, heißt wehrhaft sein,“ hat sich in diesem Kriege mehr als zur Genüge bewiesen. Wohin wären wir gekommen und wie stünde es heute mit uns, wenn sich die deutsche Schule und mit ihr das deutsche Volk im Geiste der Umsturzpädagoge» der letzten Jahrzehnte hätten beeinflussen lassen, wenn ihre verfehlten Reformbestrebungen, so z. B. die einer Ellen Key (die sich übrigens — wie nicht anders zu erwarten — als blindwütige Deutschenhasserin entpuppt hat) durchgedrungen wären! Es ist eine feststehende, nicht wegzuleugnende Tatsache, daß das von ihnen mit marktschreierischer Reklame angepriesene „System der regel- und schrankenlosen Erziehung, das System der unbegrenzten Freiheit des Individuums“ durch die Erfahrungen des Weltkrieges in ein Nichts zusammengefallen ist, desgleichen auch alle ihre zeitvergeudenden, zu keinem Ergebnisse führenden unterrichtlichen Spielereien. Im Anschlüsse an die soeben geübte Kritik willkürlicher und überstürzter Schulreformbestrebungen sei die hochbedeutsame Rede des Staatssekretärs des Deutschen Reichsschatzamtes Dr. Freiherrn v. Heltferich in der am 20. August 1. J. abgehaltenen Sitzung des Deutschen Reichstages über „das Geheimnis der deutschen und österreichischen Kriegserfolge“ zum Teil wiedergegeben: „Wenn unsere Gegner die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft und der Industrie, ganz besonders aber die des Heeres nicht nachahmen können, so gehört dazu mehr als aus der Not des Augenblicks geborene Einsicht, dazu gehören Generationen von Schulung, Zusammenarbeit, eiserner Erziehung zur Pflicht und Disziplin, dazu gehört das in ta us e n d j ä hri g er G es c h i c h te z u S t a h 1 g e s c h w e i ß te Volkstum.“ Wahrhaft herrliche und begeisternde Worte! Sie beinhalten ein glänzendes, wenn auch nicht offen ausgesprochenes Lob der deutschen Schule. Denn wo haben Gehorsam, Ordnungssinn, Tüchtigkeit, Gottvertrauen und Zusammenwirken ihre Wurzeln und ihren festen Halt als nur in der Schule, die nicht für sich, sondern für das Leben und den ewigen Bestand des Volkes arbeitet? Das aber ist die echt deutsche Schule, die sich trotz falscher, gegensätzlicher Bestrebungen jederzeit auf ehrlicher, wissenschaftlich-erfahrungsgemäßer Grundlage entwickelt hat und daher ohne Überhebung die Erfolge des Weltkrieges mit beanspruchen kann. Mag sich die durch den Krieg verursachte Schulreform gestalten wie immer, uns braucht vor ihr nicht bange zu sein. Denn sie wird nur zum Besten unseres Volkstums ausfallen. Der Erziehung zur Tüchtigkeit und Wahrhaftigkeit entspricht auch der jüngst erlassene Aufruf unseres Landesverteidigungsministers Freiherrn v. Georgi, betreffend die von jedem Volksfreunde schon längst herbeigesehnte und darum aufrichtig begrüßte Schaffung einer staatlichen Fürsorge der nachschulpflichtigen Jugend. Dieser Erlaß — auch eine wohltätige Wirkung des Krieges2 — verlangt wohl in allererster Hinsicht die Pflege aller Leibesübungen, 1 Besonders beachtenswert für die soeben ausgesprochene Behauptung sind die in Nr. 34 der „Freien Schulzeitung“ (Reichenberg) abgedruckten „Leitsätze für eine zeitgemäße Schulreform“ von Dr. Heeren, dem Direktor des Bückeburger Gymnasiums, der gegenwärtig als Reserveoffizier vor Reims im Felde steht. 2 Neben den Gesetzen zur Verhütung der Bauerngüterzertrümmerung und des Alkoholmißbrauches und dem Gesetze, betreffend die Kenntnis und den Gebrauch der (deutschen) Dienstsprache im Bereiche der Staatseisenbahnverwaltung. doch nebenbei auch die geistige Wehrhattmaehung unserer Jugend. Ganz mit Recht! Körperliche Kraft allein tilchtigt noch nicht den Menschen, es sei denn, «lall zugleich auch der Wille gekriiftigt werde.1 Schlagend wird die Richtigkeit dieses Satzes durch eine Schilderung des als Landsturmoffiziers im Felde stehenden Dr. Tumlircz bewiesen.2 In hochinteressanter Weise erzählt er, wie Leute aus ländlichen Berufsschichten, bei denen man gerade eine besonders hohe körperliche Leistungsfähigkeit voraussetzen sollte, schon bei mittelmäßigen Anstrengungen zusammenbrachen, während Offiziere sowie auch intelligente Angehörige des Mannschaftsstandes den größten Kriegsmilhsalen standhielten. Und warum? Weil bei gebildeten Menschen Verantwortlichkeitsgefühl und Willenskraft in einem bedeutend höheren Grade ausgebildet sind als bei Leuten mit geringer geistiger Schulung. Allerdings erwachsen aus dem Erlasse des Landesverteidigungsministers der Lehrerschaft wiederum neue Arbeiten und Pflichten. Doch ich möchte jenen Lehrer kennen, der sich ihrer nicht ebenfalls gerne unterzöge, umsomehr, als dadurch der schrecklichen Jugendverwahrlosung ein Ende gemacht werden kann. Blicken wir daher beruhigt, ja sogar hoffnungsfreudig in die Zukunft! Das große, reinigende Völkergewitter wird auch alles Schwache und Faule der heutigen Schule hinwegfegen, dagegen alles Gesunde und Kräftige an ihr bestehen lassen. Eine neue Schule wird dann erblühen, echt deutsch und österreichisch, und ihr Endziel wird gipfeln in der Forderung: Erziehung zu deutscher Kraft und Tüchtigkeit. So wird es kommen. An Österreichs Grenzwacht. (Erstdruck.) „Österreichs Helden, haltet treue Wacht, denn es gilt, zu verteidigen de» heimischen Herd, euer Volk und des Reiches Bestand; es gilt, zu kämpfen für Wahrheit, Recht und Ehre. Wir stehen zu euch! Kein Opfer sei uns zu groß, der Sieg muß unser sein!“ Bürgerschuldirektor Julius Pohl. Deutsche Jugend. (Erstdruck.) Das schwere Schülerränzchen umgehängt Schritt bloßen Fußes neben mir der Knabe, Er sprach von seines Vaters Heldengrabe. Das Antlitz hielt zu Boden er gesenkt. Er sprach, was man zu Hause ihm erzählt, Von seines Vaters letzten Lebensstunden, Wie ihn ein Freund verblutend aufgefunden Und wie er starb als treuer, deutscher Held. Als Held! — Da sah sein Auge nicht mehr matt. Ein straffer Ruck ging durch die jungen Glieder, Er hob zu mir die tränenfeuchten Lider: „Und bin ich groß, so werd’ auch ich Soldat! Dann sollen sie nur kommen allzumal, Die Feindei Will ein Wort mit ihnen sprechen, Will meines Vaters Tod an ihnen rächen!“ Er sprach’s und seine Stimme klang wie Stahl. Ich drückte stumm des Jungen braune Hand. So lang noch deutscher Jugend edle Blüte Heranwächst, daß sie einst Dich treulich hüte, So lange triumphierst Du, Vaterland! A. Deutschmann. 1 Der Leitspruch des jüngst im Verlage Diederich in Jena erschienenen Buches von Erich Everth „Von der Seele des Soldaten im Felde“ lautet: Der Wille ist nicht nur an den Leistungen, sondern auch schon an der Gesundheit des Körpers beteiligt. 2 Wenn ich mich nicht irre, war diese unter der Überschrift „Psychologisches aus dem Schützengraben“ in der „Österreichischen Zeitschrift für Lehrerbildung“ veröffentlicht. Wie man in der großen Zeit des Weltkrieges in einem Dörfchen einen Lehrerhelden ehrt. Als am 21. Juni (1. J. allüberall, wo Deutsche wohnen, nach Urvätergebrauch mächtige Holzstöße in Brand gesetzt wurden und auf den Berggipfeln Flammensäulen zum nächtlichen Himmel emporloderten, die Herzen der Daheimgebliebenen ob der herrlichen Siegestaten der Helden im Felde höher schlugen und bei den Klängen des Liedes „Die Wacht am Rhein“ der Treuschwur „Wir halten durch!“ aufs neue geleistet wurde, da gedachten wohl alle Krieger im Norden und Süden der Heimat, der Sonnwendfeier auf ferner, ferner Bergeshöh’. Gerade an diesem Tage ereilte eine feindliche Kugel einen sangesfrohen Amtsbruder, einen treuen Kollegen, der, im Geiste Pestalozzis wirkend, stets der Wahrheit und dem Lichte zustrebte. Bin goldenes Lehrerherz steht nun still für ewige Zeiten. — Wir Junglehrer verlieren in Otto Wilhelm einen der besten. Sein Pflichteifer und sein Bildungsdrang waren vorbildlich. Schwer und hart trifft sein Verlust alle, die ihm im Leben näherstanden. Als Mitglied unserer „Pädagogischen Arbeitsgemeinde“ war er auch stets bestrebt, die in den „Blättern“ enthaltenen Anregungen in der Praxis zweckentsprechend zu verwerten. Nach einer kurzen Skizzierung seines Lebens- laufes möge hier festgehalten werden, wie man die Verdienste eines tüchtigen Schulmannes, der nur kurze Zeit im Schuldienste tätig war, anerkennt und zu würdigen weiß. Für manchen Junglehrer, der die Bürde des Amtes schwer empfindet, dürften die nachfolgenden Zeilen auch eine Aufmunterung sein. Schulleiter Otto Wilhelm wurde am 7. Dezember 1892 in Budweis geboren, besuchte die Bürgerschule in Tepl und absolvierte die k. k. Lehrerbildungsanstalt in Mies, an welcher Anstalt er im Jahre 1912 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte. Als fleißiger und strebsamer Schüler genoß er bei seinen Lehrern und Kameraden die vollste Achtung. Im Jahre 1912 legte er die Staatsprüfung aus Stenographie und im Jahre 1914 die Lehrbefähigungsprüfung für Volksschulen mit Auszeichnung ab. Als Substitut fand er an den Volksschulen in Tschebon und Tepl Verwendung. Im Schuljahre 1913—14 wirkte er als Leiter der einklassigen Volksschule des Deutschen Schulvereines in Neudorf (Bezirk Mies). Im Herbste des Jahres 1914 kam er als Einj.-Freiw. zum k. k. Landwehrinfanterieregimente Nr. 6 nach Eger, machte dann als Kadett den Feldzug auf dem nördlichen Kriegsschauplätze mit und starb als Held auf dem Schlachtfelde. Eine feindliche Kugel durchbohrte seine Brust. „Allzufrüh und fern der Heimat mußten dort sie ihn begraben, während noch die Jugendlocken seine Schultern blond umgaben.“ — Als die Nachricht von dem Heldentode Wilhelms in der Heimat eintraf, herrschte bei jung und alt, bei arm und reich in den Städten Tepl und Dobrzan sowie im Dorfe Neudorf die größte Trauer. Wohl selten war ein Junglehrer bei allen Mitbürgern so geachtet und geliebt wie Kollege Wilhelm. Der Unterzeichnete, ein Freund des Verblichenen, konnte bei dem feierlichen Requiem, das am 23. Juli in der Tepler Stadtkirche abgehalten wurde, mit besonderer Genugtuung feststellen, daß eine derartige Trauerkundgebung, an der sich alle Schichten der Bevölkerung von Tepl beteiligten, zu den Seltenheiten gehört. Die fruchtbringende Arbeit, die Kollege Wilhelm in der Tepler Volksschule geleistet hat, war eben noch in frischer Erinnerung. Unvergessen bleibt sein Andenken hei der deutschen Bevölkerung Neudorfs. Hier leistete er in einem Jahre Außerordentliches. Seine ganze Kraft widmete er der Schule und dem Gemeindewohl. Neben der aufreibenden Berufstätigkeit widmete er jedes freie Stündchen seiner Fortbildung. Seine Devise lautete: „Alles für andere, für sich nichts!“ In einer Zuschrift, die der Schulausschuß in Neudorf nach dem Tode Wilhelms an die Hauptleitung des Deutschen Schulvereines in Wien gerichtet hat, kommen folgende vielsagende Stellen vor: . . . Herr Otto Wilhelm bewährte sich auf dem schwierigen Sprachgrenzposten in Neudorf in der besten Weise. Trotz seiner Jugend zeigte er während seiner hiesigen Wirksamkeit einen weit über sein Lebensalter hinausreichenden Ernst und arbeitete freudig, tatkräftig und erfolgreich auf den verschiedensten Arbeitsgebieten, die in einer sprachlich bedrohten Gegend zu betreuen sind, ln der Schule ein fleißiger, liebevoller Lehrer, der Gemeinde ein treuer Berater und als Gemeindesekretär eine wichtige Stütze, Otto Wilhelm. 3465 als Feuerwehrhauptmann dein deutschen Feuerwehrvereine die treibende Kraft, der Führer der Ortsgruppe des Deutschen Schulvereines, dem landwirtschaftlichen Vereine der Geschäftsführer . . .“ ferner: „Allen nationalen und wirtschaftlichen Angelegenheiten der Gemeinde widmete er sein Interesse und seine Kraft“ usf. — Daß seine Arbeit auch bei der Hauptleitung volle Anerkennung gefunden hat, beweist folgender Satz, der einem Briefe des Obmannes des Deutschen Schulvereines in Wien entnommen ist: „Wir verlieren durch den Tod Ihres Herrn Sohnes eine außerordentlich tüchtige und verläßliche Lehrkraft, die auch außerhalb ihres Berufes stets treu für unsere Sache gewirkt hat.“ — Wilhelm war auch ein großer Naturfreund, der unermüdlich für die Verschönerung seines Schillerte« sorgte. Der Lohn für seine Bemühungen sollte auch nach seinem Tode nicht ausbleiben. Die Gemeinde Neudorf wird zum ehrenden Angedenken die mit Lindenbäumen so hübsch geschmückte Straße vom Schulhause bis zum Dobrzaner Walde „Otto Wilhelm-Straße“ taufen und feierlich eine entsprechende Gedenktafel aufstellen. Fürwahr, ein schöner Gemeindebeschluß, ein ehrendes Andenken für einen Lehrerhelden für immerwährende Zeiten! Hans Gintner. jllarfjivort: Der Bericht weist drei Helle Punkte aus: a) Der Betrauerte war ein echter Lehrer, der als Manu der Arbeit seine Aufgabe Über das Schulhaus hinauszog und so zum „König des Dorfes" wurde. — b) Wie ihn im Dörfchen die Pflicht in ihrer weiten Umgrenzung erfüllte, so draußen aus dem Felde der Ehre jene gegen Kaiser und Reich; er starb für das Vaterland. — c) Die Gemeinde hat den Helden „heldenhaft" gefeiert. Der Gedanke, eine Gasse oder einen Platz oder einen Spazierweg oder einen Wald oder einen Brunnen oder einen frischgepflanzten Baum usw. nach dem Gefeierten zu benennen, ist so schön, daß er es verdient, zur Nachahmung hinausgegeben zu werden. — D. Sch. Wrief an Seine Heessen;, den General der Infanterie, Alvin Hteichsfreiherrn v. Kenffenöach. Euer Exzellenz hatten die Freundlichkeit, unter dem 25. September d. I. an mich ein Schreiben zu richten, das, wenn auch nicht für die Öffentlichkeit berechnet, dennoch in einzelnen Teilen vor die Rampe treten muß, um die Aufmerksamkeit auf Angelegenheiten zu lenken, die für die Entwicklung der öfterreich. Staatsidee von Bedeutung sind. So greife ich denn gleich einen der trefflichen Sätze heraus. Er lautet: „Die Ländergeschichten müssen in der Reichsgeschichte aufgehen wie Quellen, Bäche, Flüsse im Strome." Dessen war man bisnun in unserem Schulbetriebe zu wenig eingedenk. Draußen in Deutschland, wo ein ausgesprochen individuelles Staatengefüge eher zum Eigenbau verführen und Sonderbündelei erzeugen sollte, schlägt überall zunächst der Reichsgedanke mächtig durch; das „Herrliche deutsche Vater-lanb", das ist das Umundaus des Lesestoffes in den Schulbüchern. Bei uns war es einmal so. Dann kamen die geschäftigen Lesebuchmacher und setzten alles daran, einander zu übertrumpfen. Vorerst wurde ein sinu-unb zweckloser Bilderkult, ein Zerstörer der Einbildungskraft des Kindes, betrieben; hieraus hob man aus alten und neuen Klassikern Stückwerk, um mit klingenden Namen zu flunkern, unbekümmert darum, ob der Auszug, aus dem Ganzen gerissen, wirkte oder nicht, ob die Sprache angemessen war, ob der Genius in seinem Wesen erkannt wurde; schließlich warf man sich auf die Kronlandsverhimmeliing, als ob damit ein natürliches Trennungsmoment gegeben wäre; zuguterletzt schwelgte man in Mundartbeiträgen, ohne zu überlegen, wer sie richtig zum Vortrag bringen kann und wo die Zukunft des deutschen Volkes liegt: in der Absplitterung zu Stämmen oder in der Vereinigung durch die Schriftsprache. Wir wollen die Spekulation mit dem Bildschmuck trotz aller Bedenken geduldig ertragen, insoweit die Darstellungen nicht den künstlerischen Geschmack verderben, wiewohl es geradezu eine geistige Tyrannis bedeutet, wenn für die vorgeführte Handlung just der eine Vorwurf richtunggebend sein soll, nachdem sich doch in jedem Seelchen Welt und Ereignisse anders spiegeln. Nun, wir nehmen für die psychologische Unvernunft die Lust, die das Kind einem bebilderten Buche entgegenbringt, als Gegenwert und schweigen — vorläufig. Auch die klassischen Brocken mögen bis auf weiteres als Kostproben vorgesetzt werden. Aber, was wir schon jetzt, da ein neues Österreich in blutiger Esse geschmiedet wird, mit aller Schärfe bekämpfen müssen, das ist die von Ew. Exzellenz berührte Zerflatterung des österr. Staatsgedankens: mit dem Kronlands-partikularismns muß gründlich gebrochen werden. Was uns alle einigt, das ist das Vaterland und innerhalb dieser Idee der Volksgedanke. Für uns Deutsche deckte er sich zu allen Zeiten mit dem umfassenden Begriffe „Österreich", weil wir die Erbauer und die Beschützer dieses ehrwürdigen Staates sind. Die im Laufe der Jahrhunderte bei uns einkehrten, sich unter unfern Schutz begaben, in treuer Waffen- 3466 brüderschafl die Widersacher gemeinsamer Interessen abwehrten, haben bis auf einige, deren Kurzsichtigkeit das Wesen der staatlichen Symbiose nicht erkannte oder die um Geld ihre Gesinnung feilboten oder, von fixen Ideen gefangen, das Wohl ihrer Stammesbrüder und das des Vaterlandes Preisgaben, — auch in diesen schweren Tagen Treue und Tatkraft bekundet. Wie auch nicht? Ohne Österreichs Bestand wären sie in Knechtschaft geraten und hätten ihre Kulturerrungcnschaften preisgeben müssen. Wenn sie also nichts an den Staatskörper, dessen Innerstes wir sind, fesselte, so ist es die Selbsterhaltung. Doch wie der Einzelne, der als Fremdling in ein Gebiet einzieht, schließlich im Volkstume der Gegend ausgeht, sich „assimiliert", so sind auch einzelne nichtdeutsche Nationen unseres Reiches in diesem Prozesse schon soweit — gewesen, daß sie sich in erster Linie als Österreicher und erst dann als das fühlte», was aus ihren Ursprung deutet. Eine verkehrte Politik hat dies vor der Vollendung vereitelt. Und nun sollten wir, die wir es wissen und in seiner zersetzenden Wirkung fühlten, den natürlichen Wcrdeprozeß, dem die neue Zeit Kräfte zuführt, aufhalten und damit die allmähliche Gleichartigkeit des Staatsgebildes (wenigstens in seinen Grundsasern) verhindern? Das hieße den Zugewanderten täglich daran erinnern, daß er nicht ein Heimischer sei, daß er auf sein Herkommen achten, bei uns fremd bleiben müsse. Kein vernünftiger Bürger wird das bezwecken. Im großen tun es aber jene, die dem Nationalitätenzug die Bahn ängstlich freihalten oder gar freimachen und bei den Begründern des Reiches, weil sonst nichts zu trennen vermag, künstlich historische Rechte, wie etwa die Kronlandseinteilung, zur Geltung bringen und hiefür allerlei Äußerungen, unter diesen beispielsweise die eigenen Lesebücher, hüten. Ihr Wirken ist unmittelbar gegen die Festigung des Staatswesens gerichtet. Die Länderindividualität ist etwas Rein-Formelles, etwas ohne innere Logik; typische Ländergebiete könnten wenigstens das geographische Moment für sich in Anspruch nehmen. Das nationale, u. zw. bas deutsche, wird in Hinkunst, da es in dem großen Kriege wieder einmal als staatserhaltend hervorgetreten ist, zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurückkehren, d. h. Österreich unter deutscher Führung bildet ein Ganzes, in dem wir der Kern sind, um den sich alles schließt. Keine Amalgamierung, keine Germanisierung, aber eine Kristallisation, gehalten von der einen gemeinsamen Kraft: der Staatsidee. — In Ungarn hat man dies bereits einbekannt, indem man spontan die deutsche Sprache für Schulen als obligaten Gegenstand erklärte. Nun ist es an den ändern Völkern, das Beispiel nachzu-ahmen, und an uns, nicht durch kleinliche Abgrenzungen auf unserer eigenen Domäne den großen Gedanken in seiner weltgeschichtlichen Entwicklung zu stören. — Weg mit der Verländerung unserer Bücher, weg mit der Verländerung unserer Schulgesetze, weg mit der Verländerung unserer Schule! Ein Reich, eine Schule, ein Lesebuch, ein Kaiser, ein Vaterland! So rief ich's schon vor 2 Jahren (Folge 110) in die Welt. Damals regierte noch politische Blindheit und einer, der in seiner Stellung das Staatsinteresse wohl vor allem hätte vertreten müssen, brachte den Mut auf, mich ob der Kritik unserer Kronlandslesebücher gemein zu fassen Für Kritik dieser Art lasse ich immer die Tat sprechen; ich sah sie kommen. Nun sie vollends da ist, boten mir Ew. Exzellenz Zeilen einen willkommenen Anlaß, von den Augen so mancher die Binde zu lösen, auf daß sie den Blick in die Zukunst lenken und das, was im Werden ist, deutlich aufnehmen, während das, was war, als nichtig in das Dunkel der Vergangenheit abgleiten möge. „Die Quellen, die Bäche, die Flüsse vereinigen zum Strome!" Das ist die Losung für Österreichs Bestand, für Österreichs Größe. — Ich danke Eurer Exzellenz für die Anregung und zeichne in ausrichtiger Wertschätzung Kaisers Namenstag 1915. ergebenst Ar. A'ecrz. Dem Vaterlande. (Erstdruck.) Wie sehr uns ein Mensch lieb und teuer, dessen werden wir am meisten inne, wenn wir nm ihn in Angst und Sorge gebangt und gelitten haben und ihn endlich jubelnd errettet wissen. So kommt uns aucli die Liebe zum Vaterlande, die Treue für Kaiser und Reich, die unsern Herzen eingepflanzt, am lebhaftesten zum Bewußtsein, wenn dies angestammte Reich in Feindesnot, aus tausend Wunden blutend, unsere ganze Opferbereitschaft fordert. Und Sorg und Leid und stolze Siegeszuversicht knüpfen die Bande noch inniger und unlöslicher, die uns an unsern Ileimatboden schließen. Die ewige Ordnung der Dinge flicht unsere Lebenswurzeln ans Vaterland, das sie erhalten sollen, damit es uns erhalte. Universitätsprof'essor Dr. Emil Werunsky. 3467 Verdeutschungen. 4. Addieren = zuzählen. Addition — das Zuzählen. Summand = Posten, subtrahieren = wegzählen, abziehen. Subtraktion = das Wegzählcn. Minuend = die Grundzahl (die erste Zahl). Subtrahend = der Abzug (die zweite Zahl). Differenz = Rest, Unterschied, multiplizieren = vervielfachen. Multiplikation = das Vervielfachen. Multiplikand — Grundzahl. Multiplikator = der Vervielfacher. Produkt -- das Vielfache. Resultat = Ergebnis, dividieren = teilen. Division = das Teilen. Dividend = Grundzahl. Divisor = der Teiler. Quotient = Ergebnis des Teilens, dekadisches Zahlensystem = Zehuerordnung. Dezimalbruch = Zehnerbruch. Dezimalpunkt = Bruchpunkt. Dezimalstelle =. Bruchstelle. Proportion = Verhältnisgleichung, gerade proportioniert = sich gerade verhalten, verkehrt proportioniert = sich verkehrt verhalten. Regeldetrie = Dreisabrechnung. Brutto-Gewicht = Rohgewicht. Netto-Gewicht = Reingewicht. Tara = Verpackung. Rabatt (Skonto) = Nachlaß. Diskont = Barabzug, diskontierter Wert = Barwert. Sensarie = Maklergebühr. Provision = Vermittlungsgebühr. Assekuranz = Versicherung. Prämie = Versicherungsgebühr. Polizze = Versicherungsschein. Nominalwert = Nennwert. Kurswert = Handelswert. Agio = Aufgeld. Die Sprachgrenzschule. 4. Lektion (Stundenbild). In den zwei nächstfolgenden deutschen Unterrichtsstunden, d. i. in der 7. und 8. Stunde, werden den Schülern die Namen der einzelnen Körperteile des Menschen eingeprägt. Der Lehrer ruft einen Schüler heraus, läßt ihn sich auf den Tritt vor die Schulter stellen, fährt dann mit der Hand um den Kopf des Schülers und spricht dabei laut „der Kopf“. Indem der Lehrer noch einmal auf den Kopf des Schülers oder auch auf seinen Kopf zeigt, fragt er: „Was ist das?“ Der herausgerufene Schüler beantwortet zuerst diese Frage, indem er auf seinen Kopf zeigt und dabei sagt: „Das ist der Kopf“. Dasselbe sollen auch andere Schüler tun. Dies wiederholen öfters auch alle Schüler im Chore, wobei jedes Kind auf seinen Kopf zeigt. Analog dem in Folge 124 der „Blätter für den Abteilungsunterricht“, Seite 2891 geschilderten Unterrichtsvorgange prägt der Lehrer auch die Namen der anderen Körperteile den Schülern ein. Die inneren Körperteile wird man nicht recht veranschaulichen können. An Stelle dessen wird der Lehrer, um das Vorhandensein des betreffenden unsichtbaren Körperteiles den Kindern zu versinnlichen, auf dessen Tätigkeit oder Eigenschaft mit Handbewegungen hinweisen. Z. B.: Bei dem Worte das Gehirn — lege der Lehrer die flache Hand oben auf den Kopf, „ „ „ das Herz — klopfe der Lehrer mit der flachen Hand auf die Herzgegend (Herzschläge), „ „ „ die Lunge — lege der Lehrer die flache Hand auf die Brust und atme tief ein und aus, „ „ „ der Darm—fahre der Lehr, mit der Hand üb. die Bauchgegend (dieWindungen andeutend), „ „ „ der Magen — lege der Lehrer die flache Hand auf die Magengegend, „ „ „ der Knochen — faßt der Lehrer den Unterarm (Handwurzel) und drückt merklich die Stelle (die Härte der Knochen andeutend), „ „ „ das Fleisch — faßt der Lehrer den voluminösen Muskel am Oberarm, bei den Wörtern: Blut, Wunde, Schmerz wird der Lehrer folgendes tun, wenn er dies zufällig an sich oder an einem Schüler in natura nicht veranschaulichen kann: Er wird auf dem Handrücken mit den Fingern eine Schnittbewegung ausführen, dann mit dem Finger das zur Erde tropfende Blut andeuten und endlich mit dem Ausdrucke eines Schmerzgefühles im Gesichte die angedeutete Wunde mit der flachen Hand überdecken und auf diese Weise pantomimisch auch den Schmerz den Kindern veranschaulichen. Da die Selbstbetätigung der Schüler die Würze des Unterrichtes ist, fordere der Lehrer einzelne Schüler auf, ihre Mitschüler nach den Namen der einzelnen Körperteile zu fragen. Z. B.: Krupa Johann, was ist das? (Dabei zeigt der Fragende auf den oder jenen Körperteil.) Die gefragten Schüler sollen schön in ganzen Sätzen antworten, z. B.: Das ist der Kopf, usw. Im weiteren Unterrichtsverläufe werden die in den Deutschstunden eingeübten Namen in der bekannten Weise einzeln lautiert und mit Lateinbuchstaben vom Lehrer an die Tafel geschrieben. Der Lehrer erklärt sodann die Andersschreibung, wo dies erforderlich ist, läßt das Angeschriebene wiederholt von einzelnen Schülern und auch im Chore lesen. Am Schlüsse der Stunde steht an der Tafel folgendes: Der Kopf Die Brust Das Gesicht s = z „ Hals „ Nase „ Haar aa = a „ Rücken ü = i „ Stirne St — szt , Auge Au — al „ Arm „ Hand » Ohr Oh — o » Fuß ß «= s „ Faust au — al „ Kinn nn = n „ Knöchel ö = y » Lippe PP = P „ Bein ei — aj „ Bauch au — al „ Oberlippe „ Knie ie — i „ Finger „ Unterlippe „ Augenlid „ Daumen au — al „ Schulter Sch = sz „ Herz z = c „ Zeigefinger ei — aj „ Wange „ Gehirn „ Mittelfinger n Zunge Z = C „ Fleisch ei — aj „ Goldfinger „ Haut au — al „ Blut „ kleine Finger ei = aj „ Sohle oh = o „ Kind „ Mund „ Ferse s = z „ Gaumen au — al „ Schläfe ä = e „ Zahn ah = a „ Augenbraue „ Nagel „ Wimper „ Knochen „ Kehle eh = e n Bart „ Lunge „ Schnurrbart n Wunde „ Körper ö = y „ Ader „ Mensch sch — sz „ Brille 11 = 1 „ Schmerz z = c „ Magen „ Darm „ Kamm mm = in In der der deutschen Stunde folgenden Stillbeschäftigung werden die Schüler verhalten, das an der Tafel Angeschriebene in ihre Merkbüchlein abzuschreiben. Hausaufgabe: Leset fleißig im Merkbüchlein! NB. In der 9. deutschen Stunde soll fleißig wiederholt werden! Paul Marek. Briefkasten. Die Marienbader Rede „Die gegenwärtigen sozialpolitischen Ausgaben der Lehrerschaft" hat als Programm für eine weitausgreisende Arbeit durch das ganze Reich hindurch die Gemüter erregt und zu einem tiefgehenden Meinungsaustausche geführt. Es war nicht anders zu erwarten, nicht anders beabsichtigt. Lassen wir das Lob, das da von rechts und von links hereinschallte, ganz beiseite; viel wertvoller ist der Widerspruch. Er läutert, er rüttelt die Geister, er lockert den Boden für die Saat. Ich werde selbstverständlich entgegnen und klären und das, was ich lose hinwars, verkitten, erweitern. Zuvörderst möge aber auch jeder der „Blätter"-Leser die ursprünglichen Ausführungen, d. i. die Rede, die im Verlage des Marienbader Bezirkslehrervereines erschienen ist, den Lehrerwitwen und -waisen zugutekommt und von dem Herrn Lehrer Anton Purtak in Marienbad um 40 h (im Hinblick auf die Verteuerung des Druckes und des Papieres ein lächerlich niedriger Preis!) bestellt werden kann, in Rücksicht ziehen und zu den verschiedenen Anträgen Stellung nehmen. Ich stehe nicht an, jede Kritik, und sei sie noch so scharf — nur muß sie nobel und sachlich sein — in besagter Nachschrift zur Geltung kommen zu lassen. Im Eigendünkel kann niemals etwas Rechtes reifen; also möge jeder rückhaltslos sein offenes Urteil an die Schriftleitung senden! Die Marienbader Rede ist aus den „Bl." gewachsen und stellt für sie einen neuen umfassenden Arbeitsplan vor. Demnach wird auch aus diesem Grunde jeder, der zu unserer Arbeitsgcmeinde steht, in sie Einblick nehmen müssen- Der Gedanke, der sich mit ihr vor uns ausbaut, ist groß, der gewaltigen Zeit angemessen, ein gellender Rus in eine bedeutungsvolle Zukunst. — Deutsches Wehrturnen für Kalke, Mfflft, Hcfände. Das umfangreiche, erschöpfende Buch kommt just zur rechten Zeit. Man wird sich nämlich spute» müssen, mit der Zeitforderung, die Jugend im Turnen militärisch und nicht vereinsmeierisch zu rüsten, in den rechten Schritt zu kommen. Hiebei kann die Anleitung treffliche Dienste leisten-