PROBLEMATIK DER RÖMISCHEN UND NACHRÖMISCHEN KERAMIK IN BOSNIEN UND IN DER HERZEGOWINA I rma Č remošnik Zemaljski muzej, Sarajevo D ie Funde der Keram ik in Bosnien und in der Herzegowina konnte man bisher noch nicht gründlich bearbeiten, wenngleich in der Zeit nach dem Kriege eine grössere Zahl von römischen Objekten ausgegraben wurde. Es ist bekannt, dass die Sammlungen des Lande­ museums in Sarajevo vor diesem Kriege, ausser verhältnissmässig zahlreichen Funden aus Mogorjelo, arm an keramischen Funden waren. Von grösseren Grabungen aus Österreichs Zeiten sind uns wenige keramische Funde erhalten. Damals hatte m an die grosse Bedeutung der keramischen Funde für die Geschichte dieser Gegenden noch nicht erkannt. Es wird sogar berichtet, dass etliche Gegenstände auch weggeworfen wurden. D aher blieb der einzige reichere keramische Fund bis nach dem letzten Kriege das M aterial aus Mogorjelo. Leider gab es aber für die Bearbeitung dieser Funde keine strati­ graphischen Angaben. D arum wurde die K eram ik aufgrund der Typologie und der Funde der N achbarländer datiert.1 Das ergab aber verständlich keine so genaue Chronologie, wie sie die Angaben stratigraphischer Schichten ermöglichen. In der Zeit nach dem Kriege wurden meistens kleinere villae rusticae untersucht. Das einzige grössere Objekt war die Villa in Višići bei Čapljina2 und die unlängst ausgegrabene Villa mit einem Vicus in Panik (Bileća), die noch nicht publiziert ist. D ie grösseren urbanen Zentren sind bei uns noch nicht systematisch untersucht. Von den bisher nur auf kleinere G rabungen beschränkten Untersuchungen von Domavia, Stolac, Ilidže, haben wir wenig keramicher Funde. D aher kommen die Funde, über die wir heute verfügen, am meisten von den Villen, die das landwirtschaftliche Zentrum ihrer Umgebung darstellen, und somit auch stärker m it der autochtonen Tradition verbunden sind. D ie meisten keramischen Gegenstände von diesen Villen dienten dem täglichen Gebrauch und wurde sicher in den umliegenden oder auch in ihren eigenen W erkstätten hergestellt. Diese Keramikfunde geben uns daher ein sehr einseitiges Bild der Funde im Gebiete, da sie vorwiegend aus den heimi­ schen Produktionszentren herkommen. In den Städten dagegen finden wir in grösseren Mengen auch Luxusware, die oft auch in sehr entfernten Gegenden angeschafft wurden, so dass diese Funde auch ein Bild der Handelsbeziehungen m it anderen Provinzen geben. D ie importici te Keram ik diente oft als Vorbild den einheimischen W erkstätten, die die autochtone Tradition m it neuen röm i­ schen Einflüssen vereinten. Die keramischen Funde aus den villae rusticae zeigen noch einen anderen Nachteil: Dank der langen ruhigen Zeiten in den Gegenden südlich der Save, wohin die Einfälle der Barbaren erst ende des IV. Jahrhunderts reichten, hatten die villae rusticae eine ruhige Entwicklung vom I. Jahrhundert bis zum Ende des IV. Jahrhunderts durchgelebt. Beim Umbauen dieser Bauten wurden sie grösstenteils nicht zerstört, um auf demselben Platz einen neuen Bau aufzurichten, was eine genauere Stratigraphie hinterlassen hätte, die uns die Möglichkeit einer genaueren Datierung der Funde geben würde. Hingegen, liess man die meisten Bauten bestehen und neue Gebäude wurden den alten zugebaut. So unterscheidet man oft schwer die alten von den neuen, wenn nicht die verschiedene Bautechnik oder innere Architektur Hinweise für eine Datierung geben. In den Ruinen dieser Gebäuden findet man dann in einer einzigen Schicht Fragmente der Keramik aus verschiedenen Epochen vermischt. Wo die Ruinen schlechter erhalten sind, sind auch die Keramikfrag­ mente selten und beschädigt, so dass sie keine Rekonstruktion der Formen zulassen. Dieser Mangel an stratigraphisch unterscheidbaren Schichten und auch an ganzen Keramikformen sind die Ursache, dass man bisher keine präzise Chronologie und Typologie der Funde geben konnte. Die Funde, die man durch ihre Fundumstände nicht datieren kann, werden aufgrund analoger Technik und Typologie durch die Funde aus den Gräberfeldern dieses Gebietes datiert. Leider ist aber bisher in Bosnien noch keine grössere römische Nekropole syste­ matisch untersucht worden, und so bleibt für unser Material nur die Möglichkeit, es duich gut datierte Funde aus den Nachbarländern zu determinieren. Aufgrund des keramischen M aterials in den bisher untersuchten villae rusticae können wir zwei verschiedene Kulturkreise unterscheiden. Den mediterranen, der die Adriaküste m it ihrer nächsten Umgebung und die Herzegowina umfasst, und den pannonischen, der Bosnien bis Konjic einnimmt. Ähnlich sind der mediterrane und der pannonische Einfluss auf die Keramik auch in Slowenien zu spüren.3 Unsere Funde von der Adriaküste und Herzegowina zeigen grosse Ähnlichkeit m it den Funden aus Italien, z. B. m it denen aus Ostia und auch mit Erzeugnissen, die von den Küstengebieten europäischer Länder herkommen. D ie Funde aus Bosnien fügen sich aber in den Kreis der südpannonischen Funde ein. Aufgrund unserer bisher genug beschränkter Funde können wir noch nicht die Charak­ teristiken einzelner Gebiete dieser Kulturkreise festlegen. D a bisher noch keine Werk­ stätten entdeckt und bearbeitet worden sind, so bleiben uns die autochtone Traditionen der Werkstätten, als auch ihre Beziehungen noch im Dunkeln. Diese Untersuchungen sind bei uns auch in Südpannonien, in den Gebieten zwischen D onau und Save, noch im An­ fangsstadium,4 wenngleich man da über ein viel reicheres Material verfügt. Im Moment müs­ sen wir uns m it dei Bestimmung keramischer Gruppen begnügen, die bei uns vertreten sind, und die uns die Kultureinflüsse, wie auch manchmals die Handelsbeziehungen beleuchten. In den Kreis des mediterranen Einflusses gehören bei uns Mogorjelo, Villa in Višići und die Villa auf Panik (Bileća), die aber noch nicht publiziert ist. Dank des Reichtums an Material, besonders der Villa in Višići, geben sie uns ein genug vollkommenes Bild der vertretener keramischen Gruppen. Das keramische Material der Villa in Višići ist das zahlreichste und verschiedenartigste, da sie vom I. bis zum Ende des IV. Jahrhundert bestanden hatte. Ihre Fundamente waren besser erhalten, als jene der Villa in Panik, daher ist auch die Keramik besser erhalten. D ie Funde aus Mogorjelo sind wegen der Funde aus dem V. und VI. Jahrhundert ebenso wichtig, da das befestigte Mogorjelo sich länger erhalten konnte als die Villen. An Sigillatafunden finden wir in allen drei Villen ausschliesslich die sogenannte »sigillata chiara« oder nordafrikanische (Abb. 1, 2, 3), in der Villa von Višići und Panik auch die samische W are aus dem I. und Anfang des II. Jh., die auch anderswo an der Adriaküste zu finden ist, wie z. B. in Pula, Zadar, Poreč (Abb. 4). Am Ende des I. Jh. erscheint auch die afrikanische Ware. D as reichste Fundgut aus dem I. Jh. hat die Villa in Višići geliefert, in welcher die samische und die fiühe afrikanische W are am häufigsten Vorkommen.5 N ur in der Villa in Višići wurden bisher auch die roten pompejanischen Schüsseln gefunden. W ährend die Villa in Višići und Panik reich genug sind an Funden von afrikanischen Sigillaten und an der samischen Ware, hat Mogorjelo nur eine kleine Anzahl von Frag­ menten m it Stempelverzierung geliefert (Abb. 5). Vielleicht kom m t das daher, weil M o­ gorjelo ein M ilitärobjekt war, und in ihnen ist bei uns die Sigillata seltener zu finden, wie z. B. in den Befestigungen in Zecovi8 und B iograd.7 N ur im grösseren Auxiliär castrum bei D oboj8 kom m t sie etwas häufiger vor; darüber wird noch später die Rede sein. Interessant ist, dass, wenngleich die Villa Višići und im Panik sehr reiche Inneneinrich­ tungen von M osaiken, Kapitalen und Fresken zeigen, in ihnen doch kein eniziges Fragment von Sigillata aus italischen, gallischen oder rheinischen W erkstätten gefunden worden ist. Zufällige Funde von Bodenscherben der Sigillata m it Stempel in N arona9 zeigen, dass in grösseren Städten an der A driaküste auch die westlichen (gallischen) Sigillaten erscheinen. D as kann ein Beweis m ehr sein, dass die Keramikfunde der Villen uns nicht das Bild aller Handelsbeziehungen geben können, wie die Keram ikfunde in den Städten. Neben diesen Sigillataarten kommen in unseren Objekten die echte rote und blass-gelbe K eram ik provinzialrömischer Form en vor, die am zahlreichsten ist. Sie ist aus sehr gut geschlemmter Erde hergestellt, nur in der Spät-Antike weist sie manchmal einen Zusatz von Quarzitkörnchen auf. Im IV. bis VI. Jahrhundert erscheinen auch die Drehrillen auf der Oberfläche (Abb. 6, 7). Andere G ruppen sind spärlich vertreten, wie das braunrote Geschirr etwas sandiger Struktur m it weissem Überzug, das auch in Griechenland1 0 und in anderen M editerranländern vorkom m t (Abb. 8). Zahlreich genug ist das Küchen-Ge- schirr, sandiger, gelblichroter Struktur, hartgebrannt und dünner Wände, charakteristisch für die mediterranen Länder.1 1 D ie graue, marmorierte, grünglasierte Keram ik findet sich hier nur vereinzelt und kann darum als Im port aus Norden betrachtet werden. Ein anderes Bild zeigen die Keram ikfunde der untersuchten villae rusticae in Bosnien. D ie Fundam ente dieser Villen sind manchmals schlecht erhalten. In der Villa bei Travnik1 2 und Založje bei Bihać1 3 wurden so wenige Keramikfragmente gefunden, dass sie uns nicht einmal ein Bild der vertretenen Keramikgruppen geben können. In anderen untersuchten Villen: Ljusina bei Bihać,1 1 Brodac1 6 und Tutnjevac bei Bijeljina,1 6 Mušići bei Višegrad und Žabljak bei D oboj,1 7 Lisičići bei Konjic,1 8 weiterhin die Befestigung auf Zecovi1 9 und Castrum bei D oboj,2 0 kommen die Arten der Keram ik vor, die Verwandschaft m it den Funden aus Südpannonien aufweisen. Wie in Pannonien, so auch in Bosnien, überwiegen die Funde der graugeschmauchten K eram ik mit einem Überzug, der alle Nuancen vom G rau bis Schwarz zeigt. D ie Herstel­ lungstechnik dieser K eram ik ist typisch Spat-Latènzeitlich. D ie K eram ik hat eine lichte, graue oder rötliche Struktur und durch das Schmauchen bekommt sie einen grauen bis schwarzen Überzug. D ie Oberfläche ist oft auch geglättet. Diese Technik ist in Pannonien schon im I. Jahrhundert vor u. Zeitrechnung vebreitet und bleibt bis zum Ende der röm i­ schen Zeit im Gebrauch. Im I. und II. Jahrhundert ist diese Technik auch auf der pannoni- schen Ware zu beobachten und sie trägt Stempelornamente. In den westlichen Provinzen ist diese Technik zur Herstellung von Sigillataimitationen, sogenannter belgischen Ware verwendet w orden.2 1 In dieser Technik hergestellte K eram ik trägt darum einen lokalen Charakter, je nach der Gegend. Bei uns sind charakteristische Beispiele m it Stempelveizie- rungen bisher noch nicht gefunden worden. In Jugoslawien kommen sie in K roatien vor, weisen aber auch da eine besondere Stempelverzierung auf, verschieden von den in Ungarn Vorgefundenen. Die Mehrzahl unserer Fragmente hat keine Ornamente. Ausser der spä­ teren eingeglätteten Ornamenten aus der Völkerwanderungszeit weist diese Keramik mit dunkler Farbe aufgetragene geometrische Ornamente auf. Die gleichen Ornamente kommen auch auf einer Gruppe weisslicher Keramik feiner Technik vor, die, wie auch die graue W are mit Ornamenten, in nur ein Paar typischen Formen erscheinten (Abb. 9, 10). Diese weissliche Keram ik gleicher Formen und Verzierungen müssen daher als Erzeugnisse der­ gleichen W erkstätten betrachtet werden, jedoch mittels eines stärkeren Brandverfahrens verfertigt. Diese Gruppe mit geometrischen Ornamenten stellt eine besondere Art der Keramik dar, die am zahlreichsten in Nord- und Zentralbosnien vertreten ist. Bisher ist sie nirgends so zahlreich vorgefunden worden, m it so verschiedenen Ornamenten und nirgends hat sie sich bis zum Ende des IV. Jh. erhalten, als in Bosnien. Daher kann man ein stärkeres Produktionszentrum auch in unseren Gegenden vermuten. Diese Annahme wird auch durch die neuen Funde in Castrum bei Doboj bestätigt, auf welchen bisher soeben unbe­ kannte geometrische Ornamente erscheinen. Diese keramische Gruppe kommt auch unter den Funden von Sirmium vor,2 2 wo diegleichen typischen Keramikformen, wie grosse Töpfe zylindrischer Form, Becher, bikonische Schalen gefunden worden sind. Ebensolche Keram ik kommt auch in Ungarn bis zum III. Jahrhundert vor.2 3 Dieser früheren Zeit des II. bis III. Jahrhunderts gehört auch die gut gefertigte Keramik aus dem Castrum von Doboj an. Aber, wie schon gesagt, diese G ruppe der Keram ik erhielt sich in Bosnien am lägnsten, was der Becher m it sehr degeneriertem Ornament (Abb. 11) aus einem Grabe des IV. Jh. beweist.2 4 Auch sonst zeigen die Produkte in Bosnien eine lokale Färbung und daher könnten wir hier auch eine lokale Produktion vermuten. Ihr sehr zahlreiches Vorkommen im Castrum von Doboj zeigt, dass sie auch beim M i­ litär beliebt war. Wie eng ihre Produktion an militärische W erkstätten gebunden war, ist nach den wenigen Funden aus anderen Zentren, schwer zu beurteilen. Anscheinend wurde diese Keram ik auch in den W erkstätten des Castrums bei Doboj erzeugt. Die Abfallware von dort aus dem IV. Jh. zeigt, dass noch in der Spätantike hier die graue Ware produziert wurde. Als Nachahmung der Sigillaten kommt auch in Bosnien das Geschirr m it rotem oder orangefarbenem Überzug verschiedener Qualität vor. Der Überzug ist manchmals glänzend und fein, manchmals aber dünn und matt. Weiterhin gehört zu dieser Art auch die marm o­ rierte Keram ik, deren Ursprung in rheinischen Ländern zu suchen ist.2 6 In der Spätantike ist auch die grünglasierte W are sehr gut vertreten. Alle diese keramischen Gruppen sind charakteristisch auch für die Funde in Ungarn und in unseren Gebieten zwischen Donau und Save. H ier konnte man aufgrund des rei­ cheren Materials auch die Charakteristiken einzelner W erkstätte und ihre Beziehungen erforschen. So weisen auch die W erkstätte von Mursa, Cibale und Sirmium Ähnlichkeiten auf, die auch auf gleiche Vorbilder zu beziehen sind. Sirmium wird als besonders aktives Zentrum angesehen.2 6 Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch unsere Funde aus Nordbosnien in Technik und Formen Ähnlichkeiten m it den Funden aus Sirmium aufweisen. Sicher aber haben einzelne W erkstätte in Bosnien auch lokale Charakteristiken gehabt, die bisher aufgrund mangelhaft erhaltener Funde nicht festgestellt werden konnten. Das zeigten uns schon die verschiedenen Ornamente der grauen Keram ik im Castrum von Doboj. In Bezug auf die Formen aber könnte man als beliebteste lokale Form die Schüssel m it gerundeter Wand und Rundstablippe nennen, die in der lichten, grauen und marm orierten W are vor­ kommt. Aber erst ein zahlreicheres M aterial wird uns auch diesbezügliche Angaben geben können. Unsere Funde aus Bosnien unterscheiden sich von den pannonischen nördlich der Save auch dadurch, dass in den Villen nur die nordafrikanische Sigillata erscheint. N ur in Brodac bei Bijeljina wurden drei Scherben von Sigillata gefunden, die anscheinend aus lokalen pannonischen W erkstätten stammen (Abb. 12). W ir dürfen aber annehmen, dass in den Städ­ ten auch etliche Sigillaten aus den westlichen Provinzen vertreten waren. D ie Funde der nordafrikanischen Sigillaten sind daher spezifisch nur für unsere villae rusticae und mili­ tärische Objekte. Aber sie sind hier viel spärlicher vertreten als im Adriagebiet. Es ist verwunderlich, dass sie in unseren M ilitärobjekten spärlich genug erscheint, da sie in der Spätantike auch in nördlichsten Gebieten, wo sie erscheint, meistens nur in M ili­ tärobjekten vertreten ist.2 7 Bei uns ist sie zahlreicher in grösseren Militärobjekten in Mo- gorjelo und in Castrum bei D oboj, während sie in spätantiken Befestigungen auf Zecovi und Biograci nur vereinzelt vorkommt. Auch an Fragmenten nordafrikanischer Sigillaten in Bosnien und in der Herzegowina kommen lokale Eigencheiten zum Ausdruck. W ährend wir in Višići sehr verschiedene Typen dieser Sigillaten finden, erscheinen im Castrum bei Doboj beihnahe ausnahmsweise nur die Typen 40 und 42 (nach Lamboglia), in Panik die Typen 40 und 52.2 8 Wenngleich meistens nicht zahlreich, sind die Funde mediterraner Sigillaten als charak­ teristische und gut datierte Funde für die Datierung unserer Funde sehr wichtig und können auch einen Einblick in die Handelsbeziehungen geben. So zeigen die Funde der Ware von Samos die Beziehungen zu griechischen Küstengebieten, woher einzelne Funde, wie z. B. in Bugojno gefundener korinthische Becher,2 9 bis ins zentrale Gebiet von Bosnien gelang­ ten. Die frühen nordafrikanischen Sigillaten verbreiteten sich zuerst an der Adriaküste und später, im III. und IV. Jh. erreichten sie Nordbosnien. Ihr Vorkommen in den villae rusticae zeigt, dass sie den kleineren Besitzern zugänglicher waren als die westlichen Sigilla­ ten, und dass sie im III. und IV. Jahrhundert den M arkt ganz erobert haben. Die Funde dieser Sigillaten sind uns auch für die Chronologie unserer Funde wichtig. Die samische W are und auch die nordafrikanische sind schon gut bearbeitet und datiert worden. D ie Datierung unserer Funde durch diese Sigillaten erreicht nicht die Präzision, die m an durch die Sigillaten m it Stempeln der W erkstätte erreicht, jedoch mangels anderer Kriterien geben sie doch eine Möglichkeit zur Datierung nach Jahrhunderten. Zuletzt noch ein kleinerer Exkurs über die späteren Funde aus unseren römischen Lokali­ täten. Denn ein weit mehr unerforschtes Problem als die römische Keram ik stellt die nach­ römische Keram ik des V. und VI. Jahrhunderts dar. M it der römischen Keram ik vermischt treten in einzelnen Villen auch vershiedene Arten einheimischer Keram ik von grober Technik und Struktur verschiedener Form en auf. N ur selten finden wir diese Scherben als geschlossenen Fund, im schwarzgefärbten Schutt einer H ütte, der sich dann leichter bestimmen lässt. Meistens sind diese Funde überall verstreut. Man vermutet, dass sich unter dieser groben Keram ik Fragmente aus der Völkerwan­ derungszeit befinden. Es ist bekannt, dass die völkerwanderungzeitliche Keramik der auto- chthonen Bevölkerung des Balkans und der benachbarten Gebieten der Form nach der späteren slawischen Keram ik des X. bis XII. Jh. ähnlich ist, und sich daher von dieser sehr schwer unterscheiden lässt. In den V. und VI. Jh. konnte man also unter unseren Funden nur drei Keramikgruppen mit Sicherheit trennen. D ie G ruppe der feinen byzantinischen Keram ik m it Drehrillen, in Mogorjelo und auch ein Paar Fragmente von Sigillata.3 0 In Bosnien wieder kom m t in dieser späteren Zeitperiode die grauschwarze Keramik mit eingeglätteten Ornamenten vor. Diese Technik ist für die Germanenstämme in Pannonien aus der Hunenzeit charak­ teristisch. Es wurden ein Paar Scherben auch in Bosnien gefunden, wie z. B. im Castrum von Doboj, Lisičići, usw. Von den Funden der groben Hauskeramik konnte man bisher nur die handgearbeitete Keramik prähistorischer Formen und Ornamente aus Mušiči bei Višegrad als völker­ wanderungszeitlich erkennen.3 1 D a ist sie in der römischen Villa gefundern worden, zusam­ men m it römischer und slawischer Keramik. Die Technik und Formen besonders der geglätteten Keramik zeigen Ähnlichkeiten mit prähistorischen, aber auch mit völkerwande­ rungszeitlichen Formen, während die Verzierungen eher auf den germanischen Kreis der Völkerwanderungszeit in der Tschechoslowakei hinweisen. Dieses Beispiel zeigt uns, dass die prähistorische Technik, mit neuen Einflüssen bereichert, noch in der Völkerwanderungs­ zeit weiterlebte, und dass es mit dem Vorkommen dieser A rt Keramik auch in unseren Gebieten gerechnet werden muss. Die neuen Funde einer A rt Keramik, die der Technik und den Formen nach der prähisto­ rischen illyrischen aus den römischen Gebäuden auf Dračeva Strana in Panik (Bileća), ähnlich ist, haben das Problem des Weiterlebens prähistorischer Technik und Formen noch zur Zeit der Völkerwanderung in unseren Gebieten wieder aufgestellt. Wenngleich diese Fragmente in Technik und Form den prähistorischen ähneln, sind sie jedoch nach der Meinung der Prähistoriker in Struktur etwas unterschiedlich.3 2 D arum sollte in den illyri­ schen Befestigungen (gradine), die oft bis zum M ittelalter besiedelt wurden, den oberen Schichten besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Von den Funden der groben Keramik in besprochenen Fundstätten ist die mittelalter­ liche Keramik, mit der römischen vermischt, am zahlreichsten. D ie neuen grossen Funde, in slawischen Siedlungen, in Bosnien während der letzten Jahre entdeckt, ermöglichen uns jetzt auch die slawische Keramik aus römischen Lokalitäten besser zu unter­ scheiden. M an vermutet, dass sich unter diesen Funden auch die völkerwanderungszeitliche Keram ik befindet. D ie neuesten Ergebnisse aber zeigen, dass die grobe Keramik aus den römischen Ruinen von Brodac, Tutnjevac, Travnik, Založje, Ljusina, Gradina-Zecovi und Castrum bei Doboj, m it Sicherheit als mittelalterlich betrachtet werden darf. Unter den Funden von Mušiči, von wo ein Teil der Keramik nicht identifiziert werden konnte, und darum als völkerwanderungszeitlich angesprochen wurde, findet man immer mehr Beispiele, die jetzt als slawisch angesehen werden müssen. Weitere slawische Funde werden sicher auch auf den Fundgut von Mušiči neues Licht werfen; bis auf weiteres kann man aber nur die Keram ik prähistorischer Technik aus diesem Funde als völkerwanderungs­ zeitlich betrachten. Aus dieser kurzen Übersicht über die Problematik der keramischen Funde in Bosnien und in der Herzegowina ersieht man, das bei der Bearbeitung des Materials von unseren römischen Lokalitäten das Schlüssel-Problem in der Aufstellung einer genauen Chronologie der römischen Funde, sowie der Funde aus der Zeit der Völkerwanderung liegt. 1 1. Čremošnik, Keramika iz rimskog nalazi­ šta Mogorjela, Glasnik Zem. muzeja 7 (1952) 241. 2 1. Čremošnik, Rimska vila u Višićima, Glasnik Zem. muzeja 20 (1965) 147. 3 1. Curk, Proučevanje rimske keramike v Sloveniji in rezultati tega proučevanja, Materiali 8 (Zenica 1971) 61. 4 B. Vikić-Belančić, Beitrag zur Proble­ matik der keramischen Werkstätten in Südpan­ nonien in der römischen Kaiserzeit, Arch. Iugoslavica 11 (1970) 44. 5 1. Čremošnik, Funde von Sigillaten medi­ terraner Toepfereien in Bosnien und der Her­ zegowina, Arch. Iugoslavica 7 (1966) 44. 6 1. Čremošnik, Rimski ostaci na Gradini Zecovi, Glasnik Zem. muzeja 11 (1956) 138. 7 Radovi na Gradini u Biogracima su u toku i materijal još nije publikovan. 8 Nalazi iz castruma kod Doboja još nisu publikovani. 9 C. Patsch, Zur Geschichte und Topo­ graphie von Narona, Schriften der Balkankom­ mission 5 (Wien 1907) 114— 115. 1 0 I. Č r e m o š n i k , Rimska vila u Visićima, Glasnik Zem. muzeja 20 (1965) 186. 1 1 Ibidem, 186. 121. Čremošnik, Nova antička istraživanja kod Konjica i Travnika, Glasnik Zem. muzeja 10 (1955) 130. 131. Č remošnik, Arheološka istraživanja u okolici Bihaća, Glasnik Zem. muzeja 13 (1958) 121. 111. Čremošnik, Iskopavanja u Ljusini 1957 godine, Glasnik Zem. muzeja 14 (1959) 140. 151. Č remošnik, Arheološka istraživanja u Brodcu, Članci i građa za kult. istoriju ist. Bosne 1 (1957) 134. 161. Č remošnik, Rimska vila sa slavenskim naseljem u Tutnjevcu, Članci i građa za kult. istoriju ist. Bosne 2 (1958) 39. 171. Čremošnik, Istraživanja u Mušićima i Žabljaku, i prvi nalaz najstarijih slavenskih naselja kod nas, Glasnik Zem. muzeja 25 (1970) 49, 104— 105. 1 8 I. Čremošnik, Glasnik Zem. muzeja 10 (1955) 121. Eadem, Glasnik Zem. muzeja 12 (1957) 148, 151. 191. Čremošnik, Glasnik Zem. muzeja 11 (1956) 138. 2 0 Nalazi iz Doboja još nisu publikovani. 2 1 L. Barkóczi, É. Bónis, Das frührömische Lager und die Wohnsiedlung von Adony, (Vetus Salina), Acta Archaeologica Hung. 4 (1954) 169. 2 2 O. Brukner, Osnovne forme i tehnike rimsko-provincijske keramike u Sirmijumu, Materijali 8 (Zenica 1971) 36, T. 5, 2—6. 2 3 K. Pózy, Geschichte der Stadt in der Römerzeit, Intercisa II (1957) 37. 241. Čremošnik, Nalazi bojene keramike u Bosni i Hercegovini u rimsko doba, Glasnik Zem. muzeja 15—16 (1960—61) 189. 2 5 L. Barkóczi, É. Bónis, Op. cit. 171. 2 6 B. Vikić-Belančić, Arch. Iugoslavica 11 (1970) 44, bilježka 89. Eadem, Karakter rimske keramike južne Panonije i problematika njene tipologije i kronologije, Materijali 8 (Zenica 1971) 95—96. 2 7 E . E t t l in g e r , Die Kleinfunde au s dem spätrömischen Kastell Schaan, Jahrbuch d. Hist. Vereins für das Fürstentum Lichtenstein 59 (1959) 229. 281. Čremošnik, Nalazi mediteranskih radio­ nica u BiH i njihova kronologija, Materijali 8 (Zenica 1971) 86—87. 291. Čremošnik, Arch. Iugoslavica 7 (1966) 46. 301. Čremošnik, Glasnik Zem. muzeja 7 (1952) si. 2 :2 , 4, sl. 1, 8. 311. Čremošnik, Glasnik Zem. muzeja 25 (1970) 80. 3 2 Nalaze iz Panika je pregledao B. Čović i konstatovao izvjesnu razliku u tehnici ove dve grupe keramike, te je stoga podvukao potrebu pažljivijeg pregleda keramike i na našim gradinama. PROBLEM ATIKA RIM SKE I POSTRIM SKE K ER A M IK E U BOSNI I HERCEGOVINI Sažetak Većinu keramičkih nalaza u BiH pretstavljaju nam za sada nalazi iz Mogorjela i novoispitanih vila, dok nam materijal iz staroaustrijskih iskopavanja u Domaviji, Stocu, llidži itd. većinom nije sačuvan. Materijal iz vila nam ne daje jednu iscrpnu sliku keramičkih nalaza iz dva razloga. U vilama se pojavljuju samo izvjesne keramičke vrste, dok importi koje nalazimo u gradskim centrima ovdje nisu zastupljeni. Tako u vilama nije nađen ni jedan fragmenat sigilata iz aretinskih, galskih ili drugih evropskih radionica, dok se u Naroni npr. pojavljuju pečati galskih radionica. Drugi nedostatak ovih nalaza je u tome što zahvaljujući dugom mirnom periodu zgrade nisu rušene i ponovo građene stvarajući slojeve sa nalazima pojedinih građevinskih faza. Stoga je uslijed nedostatka stratigrafije nemoguće preciznije datirati nalaze. Kako nisu do sada istražene ni veće nekropole po kojima bi se ovaj materijal mogao datirati, za sada nam u tome pomažu samo nalazi iz okolnih krajeva. Prema vrstama keramičkih nalaza u BiH mogu se izdvojiti dva kulturna kruga i to jadranski i panonski. Jadranski obuhvata predjele uz obalu i Hercegovinu do Konjica - — dakle Mogorjelo, vilu u Višićima i nepublikovanu na Paniku (Bileća). U njima je zastupljena sigillata chiara (afrička sigillata), samijska roba,6 posuđe od crvene i svijetle zemlje koje pretstavlja većinu, crvenkasto posuđe sa bijelom prevlakom i kuhinjsko posuđe karakteristično za obale Mediterana.1 1 U pa­ nonski kulturni krug ulaze sve male vile u Bosni.1 2 ' 2 0 U ovom prevladuje siva keramika svih ni­ jansa,2 1 zatim se u manjim količinama javlja crvena i svijetla keramika često sa crvenom prevlakom, marmorirana keramika i zeleno gleđosana. Sve ove vrste su malo zastupljene u jadranskom krugu a karakteristične su za cijelu oblast Panonije. Na sivoj keramici javljaju se u Bosni tamniji geometrijski ornamenti. Slične primjere po obliku i ornamentu nalazimo i u Sirmiumu a i u Panoniji2 2 i smatraju ih izdancima produkata latenskih radionica. Kod nas je osobito zastupljena u castrumu kod Doboja. Velika raznolikost motiva, kao i njena pojava sa degenerisanim ornamentom još u IV. vijeku, daju joj lokalno obilježje, te se može pretpostaviti da je u Bosni postojao jak centar njene proizvodnje. Moramo stoga pretpostaviti da je i kod ostalih radionica u Bosni, od kojih još ni jedna nije sistematski ispitana, postojalo i lokalnih obilježja, koje uslijed nedostatka materijala za sada još ne možemo zapaziti. Za datiranje naših nalaza keramike u vilama rustikama važni su nalazi afričkih sigillata, koje se brojnije javljaju u rano doba carstva u priobalskom pojasu, da bi u III. i IV. vijeku doprli sve do sjevernih granica Bosne. U obradi naših nalaza keramike u vilama poseban problem pretstavlja domaća gruba keramika koja se nalazi pomiješana sa rimskom. Gruba keramika je većinom slavenskog porijekla, a pret­ postavljalo se da u tim nalazima ima i primjera iz seobe naroda, koja u ponekim oblastima veoma liči slavenskoj. Međutim kod nas se sigurno za sada kao keramika V. i VI. vijeka može izdvojiti tzv. bizantijska keramika, neke sigillate, zatim siva keramika sa uglačanim ornamentima (german­ skog porijekla) i najzad grupa keramike prehistorijske tehnike i oblika i ornamenata koja pokazuje i elemente doba seobe naroda.3 1 Keramika prehistorijskih oblika javlja se i u vili na Paniku, te stoga ovoj keramici treba posvetiti osobitu pažnju i na ilirskim gradinama.3 2 Među nalazima grube kera­ mike u našim vilama međutim, na osnovu novih slavenskih nalaza, sada se sigurno može tvrditi, da su nalazi u većini vila slavenski. Iz ovog kratkog pregleda problematike vidi se, da nam kao ključni problemi u obradi nalaza sa naših lokaliteta ostaje hronologija rimskih nalaza i izdvajanje keramike doba seobe naroda. 1 Višići, rana afrička sigillata. — Višiči, frühafrikanische Sigillata 2 Višići, kasna afrička sigillata. — Višići, spätafrikanische Sigillata 3 Mogorjelo, afrička sigillata. — Mogorjelo, afrikanische Sigillata • 4 Višići, samijska sigillata. — Visiti, samische Ware • 5 Mogorjelo, afrička sigillata sa pečatom. — Mogorjelo, gestempelte afrika­ nische Sigillata • 6 Višići, tzv. vizantijska keramika. — Višići, sg. byzantinische Keramik • 7 Mogorjelo, vizantijska keramika V—VI. v. — Mogorjelo, byzantinischer Krug ( V—VI. Jhdt.) • 8 Višići, keramika sa bijelom prevlakom. ■ — Višići, weisgetünchte Keramik • 9 Putićevo kod Travnika, keramika sa geometrijskim ornamentom. — Putićevo bei Travnik, mit geometrischen Motiven verziertes Gefäss • 10 Kalinovik, keramika sa geometrijskim ornamentom. — Kalinovik, mit geometrischen Motiven verziertes Töpfchen • 11 Pehar iz Delilovca kod Travnika sa degenerisanim ornamentom iz IV. vijeka. — Delilovac bei Travnik, Becher mit degenerierten Verzierung aus IV. Jhdt. • 12 Bosanski Brodac, domaća sigillata? — Bosanski Brodac, einheimische Sigillata?