°>'WMNA^^^ Kr Kunst, Literatur, Theater u. geselliges Leben. Herausgegeben und redigirt von Leopold Kordesch. ^ 5V . Freitag am IG . Gctober M^H ' Von dieser Zeitschrift erscheine» wöchentlich zwei Nummern, jede« Mal ein,halber Bogen. Der Preis des Blattes ist in ?oib»ch ganijährigL, ^ " halbjährig ^ fi. Durch die f. f. Post »»ter Ouu?«rt mit »»riosreier Zusendung ganzjährig », halbjährig 4 N. 3. M., uni> wird halbjähria voraus­bezahlt. Alle t. t. Postämter nehmen Pränumeration»». I n Üoibach »ranumeriri man beim Verleger am Rann, Nr. iyo, im ersten Lioite. Mein Vleisestab. )»3»f meiner ganzen Lcbensreise Vis an das Grab Behalt' ich eine eig'ne Weift , Und Pilgerstab. Und dieser S«h, ich nenn'ihn Glauben, Li» tostbar Gut, Kann nie des Echictsals Trotz mir rauben, Und nie den Muth. 2b über mir sich Wolken thürmen Und Donner tost! 2b tausend Leiden auf mich stürmen, Ich finde Trost. Ich lerne »uf den Himmel lauen I » jeder Noth, Und ohne Graus ins Antlitz schauen Dem bleichen Tod. Und mögen immer alle Andern, Wie jeder will, Durch dieses Lebens Steppen wandern Nach ihrem Ziel: Ich habe meine eig'ne Weise Und eig'nen Stab Durch meine ganze Erdcnreise Vis «n das Grab. Le»P. Kord esch. Aemona's Sturz. (Fortsetzung.) , Und Walamir, der Scher begann: »«Attila! großer, gefürchteter König! du stehst am höchsten Ziele! Laße ab von den Gräueln deiner unersättlichen Ver­wüstung. Siehe, die Sterne deines Ruhmes neigen sich zum Untergänge, und alle deine glücklichen Tage sind gewesen.«« »Schweige, nächtliche Eule, brüllte stampfend At­tila , den Seher vom Scheitel bis zur Sohle abwech­selnd betrachtend.« »»Grolle meiner Rede nicht, grolle deinem Ge­schicke, grolle dir selbst,«« erwiederte ruhig der Seher. »Die Zunge laße ich dir aus dem Rachen herausrei­ ßen.« — »»Mir?—««unterbrach Nalami r den Wüthen­ den, «»nein! mich schützt eine höhere Macht, jene, der du und ich und Niemand entrinnen kann.«« »Du verrechnest dich, alter Graukopf! die Geißel jener Macht bin ich.« »»Ich weiß, daß dieser tolle Wahn deiner Schwach­heit Wohlgerüche streut, deine Augen mit Blindheit schlägt, daß du deinen Fall nicht siehst; doch sieh und staune,«« sprach ernst gestimmt der Seher, zog des Zeltes Vorhang auf, und wies zum Könige gewendet, feierlich auf den gestirnten Himmel, »»siehst du den Aar? — einer Jungfrau jagt er grimmig nach.»« »Wer hieß dich dieses Unbekannte deuten und aus­sprechen?« fragte betroffen Attila.— »Ich sehe ihn, und was ist dann weiter?« »»Der Schütze spannt gegen ihn seinen Bogen, der Skorpion wetzt seinen Stachel gegen ihn! der grim­mige Drache speit seine Gifte und die Schlange bewegt sich in endlosen Ringen und bäumt sich gegen ihn und fordert ihn auf zum verderbenden Kampfe. Nimmer ferne ist des Adlers Fall; denn sieh! um den Opfer-Al­tar knien Millionen Sterne und danken mit lieblichem Gestimmer den Göttern für seinen Fall«« endete mit Bedeutung der Seher unverwandt den König betrach­tend. «Jenen Stern-Haufen, der, wie die zerzans'ten Locken eines Weibes aussehend— die Geißel vorstellt, jenen und nicht den Adler nanntest dn mein Ge­stirn. Aber er steht noch immer in seinem Glänze,« be­merkte tief sinnend Attila. — »»Jedoch in des Luftkreises fernstem Ende! — ei­nen Augenblick noch, — und eine heilige Ruhe feiert die Welt,«« sprach langsam und gedehnt Walamir , »»Attila, großer König! in retuvi«, in OelH», auf dem Berge Htrilu« warnte ich dich, nicht nach äy»il>?jll zu gehen, vor den Mauern Aemonas warne ich dick 2»O „och einmal, lass ab von der Verfolgung dieses Wei­ bes , nimmer kehrst du sonst lebend in dein Vaterland zurück.«« »In meinem Ruhme sollte ein Weib meiner spot­ ten? Deine Rede ist nicht Wahrheit und deine Mah­ nung eitlle Gaukelei.« »"Sichre dir die Ruhe deines Lebens, wie klu­ge Regenten es zu thun pflegen. Nicht in ewiger, fluchbcdeckter Eroberung, sondern unter, dem wci, sen Herrscherstabe blüht des Friedens und der Ruhe Palme.«« »Dir wäre sicher die Ruhe lieber; doch sie taugt Mir nicht« bemerkte unwillig der König. »»Des Menschen Zukunft, Vergangenheit und Ge­genwart tragen und künden die ewigen Sterne, sie künden heute deinen Fall. — Laß ab von diesem Weibe!«« »Ich kann nicht, ich wäre sonst nicht Mann. Mei n Muß sie weiden, und stürzte der Erdball in feurigen Flammen über sie. Du irrst, wenn du wähnst, ich liebe, wie andere Menschen lieben! Ich bin kein Mensch dieser Art. Ich freie, so wie Afrikas Tieger um ihre Weibchen werben« sprach Attil a ergrimmt, in die Lehne seines Feldstuhles sich zurückwerfeud. »«So habe ich ausgesprochen,«« entgegnete W a­lami r schmerzlich zu den unglückweissagenden Ster­nen blickend. »Mir widerstehen, meinem Willen sich entgegen­stellen, dem Attila , vor dem die Welt erbebt, ein Weib? — fühlst du, wie dieser unendliche Schmerz brückt,« begann nach einer Pause Attila , indem er seine beiden Hände gegen seine Seiten stemmte. «Stän­dest du an meinem Platze Walamir , du sprächest än­derst, und ließest Sterne — Sterne seyu.« »»Nun so gehab dich wohl,«« sagte abgehend der Seher. »Wohin? — du bleibst, bis ich dich fortziehen heiße,« rief von seinem Sitze aufspringend der erbit­terte König. »»Rede, ich gehorche,«« sprach Walamir, indem er ruhig dem Erbitterten in das Auge sah, als läse er die inner« Bewegungen der stürmevollen Brust. »Weilt Hulda in den Mauern dieser Stadt?« fragte Attil a nach einer ziemlich langen Pause, in welcher er sich besonders zu sammeln schien. »»Sie weilt, aber sie beschützt der Löwe, der Cen­taurus und der siebenmal gestirnte Bär. Ein magi­scher Kreis ist um sie gezogen und keines Menschen Macht reicht über denselben hin,«« antwortete der Seher. »Ha! ha! der Löwe und der siebenmal gestirnte Bär? Eitle Hirngespinnste! Ein Athemzug von mir bläst sie weg, denn sie beide zitterten schon vor mir. Wehlan! noch einmal, mein muß sie werden, und web­ten die Furien und alle Geister der Finsterniß einen neunfachen Kreis um sie!« Ein Stern zuckte vom Himmel herab, und ver­ löschte »n der weiten uneudlichen Nacht. »»Die Götter vernahmen deinen Frevel, deinen unabänderlichen Fall kündet der gefallene Stern!«« sprach der Seher, wel­ cher ernst und erschüttert hinaus wies, und sich dann schweigend auf Attila s Wink zum Zelle hinausbe­ gab. Verblüfft stand Attil a eiuen Augenblick über die­se entschiedene Sprache des Sehers; doch bald faßte er sich wieder. Auf seine Macht vertrauend, „ahm er seine Pelzmüze, warf einen weiten Mantel um sich, und ruderte allein auf einem Floß zu dem andern Ufer über den Fluß, irgend eine Schwäche der Mauern oder der inuern Besatzung Aemouas zu erspähen. An dem Fuße des Berges, welcher der Stadt im Angesichte entgegen stand, waren viele Gräber der Römer und der angesehensten Bewohner der Stadt Aemona. Steinerne Monumente mit tief eingegrabenen, zum Theile auch bereits verwitterten Inschriften, über welche sich schattenreiche Bäume still lispelnd neigten, standen zwischen zertrümmerten Leichensteinen und flü­sternden Gebüschen, und zeigten dem einsam Wandelnden die Nichtigkeit der menschlichen Größe. An einem dieser Leichensteine, auf welchem sich ein Genius mit der ungestürzten Fackel über eine Urne trauernd neigte, lehnte düster der Eroberer. Die Worte des Sehers und die verzerrten Gestalten, welche sei­ner blutgierigen Herrschsucht geopfert wurden, und manches Unnennbare aus seinem bereits zurückgelegten Leben, mochten wohl aus der Tiefe der Erinnerung herauf tauchen, denn einer Bildsäule gleich starrte er in seinem Mantel gehüllt, mit den kleinen, tief ein­gefallenen Augen auf die festen Mauern Aemonas hin, welche kalt seinem Trotze entgegenstanden. Sein inne­rer Grimm schien die Vernichtung zu gebären, als er die Wachsamkeit der Besatzung und die rege Tätig­keit der Bürger sah, welche bei dem Fackelscheine mühe» voll schwere Steiukörbe auf die Mauern schleppten, und alles zum entschlossenste» Widerstände vorbe­reiteten. Schäumend vor Wuth trat er seinen Rückweg an, lind als der Morgen graute, war Aemona auch von dem jenseitigen Ufer des Flußes Nauportus so enge eingeschlossen, daß kaum ein Pfeil ungehindert hätte durchdringen köiznen. I m ernstgcbietendcn Tone wurden nun die einge­schlossenen Bürger zur Ucbergabe der Stadt und zur Auslieferung Huldas aufgefordert, uud Friede im Befolgungsfalle, sonst aber jede erdenkliche Pein und Marter den Ueberwundenen verheißen. Aemonas Bürger, welche den Frieden der Hunnen nur allzugut kannten und das Eitle ihrer Versprechun­gen nicht fürchteten, verneinten dies Begehren mit ent­schlossenem Muthe und stolzer Verachtung, eingedenk des Versprechens, welches sie Hulda im Angesichte der Götter gegeben hatten. 2V7 Ein lautes Hurrah! erscholl nun aus der Tiefe herauf und ein lautes Gelächter der Uebermüthigen vernahmen die Belagerten. Dies pflegte die Antwort der ergrimmten Huuneu zu seyn, ehe sie den verwe­gensten Kampf begannen. So glaubten die Bürger Aemonas, und sie irrten nicht! I n wenigen Augenblicken gingen die umliegenden Behausungen der Nomaden, welche ihres Viehes we­gen außer den Mauern der Stadt wohnten, in pras­selnden Flammen auf. I n den angränzenden Waldern sauten die ältesten Bäume. Menschen und Vieh zog dieselben zu den Stadtgräben. Brücken wurden ge­schlagen. Flösse errichtet, und rings um die Stadt gestellt. Die Stadt selbst glich einer Meerspinue, wel­che mit ihren zahllosen Füssen langsam an das Gestade gestiegen war. Jetzt rollten näher die mauerbrcchenden Widder, die Sturmdächer und alle erdenklichen Werkzeuge, als wollte man die Welt aus ihren Angeln heben. Die Sturmleitern wurden angelegt; kühn und verwegen be­gannen die mit Lanzen und krummen Säbeln und Ster­nen bewaffneten Hunnen ringsum die Stadt die Leitern in schneller Eile hinanzuklimmen, während eine endlose Reihe der geübtesten Bogenschützen hinter den Stür­menden stehend, unzählige Pfeile den muthigen Ver­theidigern der Stadt entgegen sandte, die Niderste­henden damit zu vertreiben, und den Weg den Stür­menden dadurch zu erleichtern. Attilla selbst ritt befehlend und anordnend, im strengsten Galopp bald vor, bald hinter den Reihen der zum Kampfe Begei­sterten und fachte noch höher des Kampfes Lust. Seine Krieger behaupteten, ihn nie so wüthend und lechzend nach Sieg gesehen zu haben. Aber muthig und kühn leisteten Aemona's Bürger all' dieser Wuth den hartnäckigsten Widerstand. Körbe voll Steine schmetterten die mit Menschen gepropfteu Leitern in die grauenvolle Tiefe herab und siedendes Blei und Pech trieb die stürmenden Hunnen zur Ver, zweifiuug, daß sie im nicht zu ertragenden Schmerze rücklings an ihre Waffenbrüder sich klammerten, mit ihnen im wilden Wahnsinne über Stein und Felsen in den Wallgraben stürzten und so sich selbst vernichte­ten. Die Mauern der Stadt und die Gräben dersel­ben erglänzten von dem Gehirne der Zerschmetterten. Ein unnennbares Geheul der Wehklagenden, welche tbeils mit dem Tode rangen, theils sich laut ächzend nach denselben sehnten, erscholl aus der blutbefleckten Tiefe zu ihuen herauf. Die Vertheidiger Aemonas er­bebten selbst vor diesem grauenvollen Schauspiele. Attila aber schäumte vor Wuth; hochaufgeschwol­len standen die Vraudadern seines Gesichtes. Seine Züge waren nicht die eines Menschen, sondern die eines wilden Thieres, zur scheußlichsten Larve verzerrt, als spät am Abende die Stürmenden, seinem Befehle nicht mehr gehorchend, sich zurückziehen mußten, ohne die Stadt erstiegen und ohne den geringsten Vortheil errungen zu haben. Auf Erden war Niemand, der heute seine Wünsche befriedigen konnte, und am Himmel dräute der grim­mige Löwe, der wüthende Centanrus und der sieben­mal gestirnte Bär. Ein endloser Kreis schloß die Jung­frau ein, die der Schütze, der Skorpion, und die Schlange im wilden Grimme gegen den Adler gestellt, muthig verteidigten. Attil a gedachte mit nie ge­fühltem Schauer der Worte des Sehers und dennoch gab er seinen Vorsatz, Aemona zu bezwingen «nd ein­zunehmen, nicht auf. (Beschluß f»lgt.) Revue des Mannigfaltigen. Unlängst wurde zu Paris ein Uhrmacher und seine Frau wegen Diebshchlerei verhaftet. Wie sehr sie das Geschäft ins Große trieben, mag man daraus entneh­men, daß unter andern ein Arbeiter mit 4 Frks. Ta­gelohn angestellt war, bloß um die Nummer» auf den gestohlenen Uhren auszuwetzen. Die Kunstreiter-Gesellschaft der Madame 6« Bach befindet sich schon seit längerer Zeit in Koustantinopel und der Sultan besucht dieselbe fast täglich, und hat bereits den Damen seines Serails das Vergnügen ge­macht, in einer vergitterte» Loge diesen Kunstreiter-Vorstellungen beizuwohnen. Mab. Als die Danen im Jahre 1679 mit großer Kriegs­macht gegen Hamburg gezogen waren, doch nach ver­geblicher Anstrengung die Belagerung wieder aufgeben lind uuverrichteter Sache wieder abziehen mußten, lie­ßen die Hamburger eine Münze schlagen, welche auf der einen Seite-die Inschrift führte : »DerKönig von Dännemark ist vor Hamburg gewesen; was er ausgerichtet, ist auf der andern Seite zu le­sen.« — Auf der andern Seite stand nichts. Ein Lohnkutscher lag im Sterben, als ein neben ihn am Bette stehender Freund ihn mit den Worten verließ: Fahre hin! — Da richtete sich der Kutscher im Bette mit der letzten Kraft empor und lispelte: Fahren? — ist es denn schon eingespannt? Als Napoleon im Jahre i8,n Gent besuchte, illuminirten die dortige» Fleischhauer ihre Bank mit folgender Devise: ,,I^e« l'eti« uuu<:I>«r,' t der Vreterwelt zu werden beginnt, uud auch schon einige andere Parthie» recht artig dargestellt hat, rathen wir, ja »uf die richtige Pronuntiation der Worter möglichst bedacht zu seyn, daß nicht wieder Ver­wechselungen, wie »Spott seines Zieles,« statt «Ziel seines Spottes« ,c. :c. uns die Ohren zerreißen. Die Hastigkeit thut nicht gut. Auch Mad. Chri­stian,) laßt sich zuweilen diesen Fehler zu Schulde» komme». Das Thea­ter war mittelmäßig besucht. L. Kor d esch. Auflösung des Anagramms im Blatte Nr. 5i . Nachen, Rechen, Rauchen, Reichen, Riechen, Rochen. n a ch r i ch t. Die verehrliche« p. i>. Herrn Abonnenten in Loeo Laibach und der nächsten Umgebung werden höflichst ersucht, die Pränumeration bis Gnde des Monats zu erneuern, damit die Auflage des Blattes demnach bestimmt werden könne. Laibach, gedruckt bei Joseph Blasnik.