Ttrifllcttuog: R-tha»«gasse Nr. 5. T«lq>»»» St. II, tutrmWa. e»f lZglich (ntt »»«»ahme bn €«un- ». ^rtct-l»j» oqn 11—lt Ufrl MCB. 9 ■n*K»ai BfTtrn »tat j«ui.f jcjrt™. n«m*s(«1e Salm'»«« nicht dmi-kstchtijit. >tmmr »k BcrtMlnM n« Wtu± -.nno kn MSia« fei*-ßfflctt m tntgtgo». Bfi Seirtcv anlangt« «Ml. ■tuklaf. ti( .Tmtlch« wacht» rt'ijdnt irtrn WiMroch ant w*f«flnt-Bsnl» 3t.»oo. Lerwaltmig: RathauSgasse Nr. 5 Xtltskn Wt. »1. Inttrirk««: Ve,»gSbedtagmrge» Cvrch Sie Po» ! BtatellllMa ...»»« (•itimtt* . . . . K ' to •osuitfirlt. ... K 12 W Siii Till« Bit Äuftcluna tat Hau» -Monatlich . . . . R IN« !M»,cI»ld?,, . . . R Z -Hildjadrig . . . . » S-— •amtatit . . . .» ir-(M liflrak rMm stch tk Bt|»8»otSiil»ifr am »««hSH-r-n Bo|nibiim»-ak»llit«. «njtlriutc Umnennt! «tltcn M* in MMMmM Hlr. 3 Ml, Samstag den 9. Jänner 1915. 40. Jahrgang. Der Weltkrieg. Wenn man davon absieht, daß die Entfchei. dung vor Warschau immer näher heranrückt, so kann man von einem gewissen Stillstande sprechen, der in die Bewegungen aus den Kriegsschauplätzen gekommen ist. In Frankreich wird dieS durch die offenkundige Ermüdung der Franzosen hervorgerufen, in Polen durch die warme und nasse Witte-rang, die alle Straßen unwegsam macht. Gegen Frankreich. Das Große deutsche Hauptquartier meldet: 5. Jänner. Nördlich ArraS sprengten unsere Trup. pen einen Schützengraben von 200 Meter Länge und machten dabei einige Gefangene. Spätere Ge-geuangrisse des Gegners scheiterte». In den Ar. gönnen wurden mehrere französisch: Vorstöße zurück« gewiesen. Ei» französischer Angriff zwischen Ltein. bach und Nffholz wurde im Bajonettkamps abge-schlagen. L. Jänner. Die Franzosen sehten gestern die planmäßige Bcschicßung der Orte hinter unserer Front fort. Ob sie damit ihre eigenen Landsleute obdachlos machen oder töten, scheint ihnen gleichgil-tig zu sein; uns schadet die Beschießung wenig. Bei Soullin und im Argonnenwalde bemächtigten wir uns mehrerer feindlicher Schützengräben, schlugen verschiedene feindliche Angriffe zurück, machten zwei ftanzdsifche Offiziere und über 200 Mann zu Ge. sangenen. Auf der vielumstrittenen Höhe westlich von Sennheim faßten die Franzosen gestern früh erneut Fuß, wurden aber mit kräftigem Bajonett' angriff wieder von der Höhe geworfen und wagten keine neuen Vorstöße. 50 Alpenjäger wurden von uns gesangen genommen. In dem amtlichen Bericht der französischen Heeresleitung vom 3. Jänner heißt eS: Im allze« meinen ist das merkliche Nachlassen, das man in Aer UeVerfall. Vom östlichen Kriegsschauplatz sendet der Kriegs» berichterstatter der »Voff. Ztg." v. Koschützki, seinem Blatte folgende Skizze: Nach Mitternacht. Da» Ersatzbataillon eine« Infanterie Regimentes biegt von der Chaussee in den Feldweg ein. Drüben in dem Gehöft, dessen Umrisse allmählich au» der Dunkelheit heraustreten, will e« Quartier beziehen. Hinter dem Bataillon folgt eine Batterie. Lautlos zieht alle« den Feldweg hinauf; denn die Russen sind nicht weit, voraussichtlich drüben im Walde. Der Führer klopft ans Fenster: Einquartierung. „Bilte. öffnen!* ES wird aufgemacht, ein Zimmer für die Offiziere eivzeräumt. Di. Mannschaften müssen in der Scheune schlafen, die voll Stroh liegt. Eine Feuerstell« wollen sie auch. Man öffnet die Küche, und ein Landwehrmann Briefträger von Beruf, macht Feuer an und beginnt Kaffee zu mahlen „Sind keine Russen auf dem Hofe?-„Rein, sie waren gestern hier. Sind alle fortl* Die Offieziere sehen sich in dem Gebäude um, gehen dann in« Hau« und strecken di« müden Beine unter den Tisch. In der Scheune machen stchS die Leute inzwischen bequem und suchen ihre Schlafftellenim Stroh; hie und da blitzt ein Taschtnlämpchen — und vorsichtig damit kein Lichtschein nach dem Walde zu sichtbar wird. ES ist größte Vorsicht befohlen. Dem einen scheint et« was nicht geheuer in der Scheune, er wird verspottet, die Leute find müde, wollen keine Gespenster sehen. Da zuckt einem Anderen, der den Strohberg hinaufklettert, etwas unter dem Fuße. .Es ist doch jemand hier l Macht mal Licht, Da, da!* der Tätigkeit unserer Ossensiv« feststellen kann, den unaufhörlichen Regengüssen zuzuschreiben, die den Boden überschwemmen und allenthalben die Opera-tionen nahezu unmöglich machen. Aus dem Großen Hauptquartier wird am 7. d. gemeldet: Engländer und Franzosen fetzten die Zerstörung der belgischen und französischen Ortschaften hinter unserer Front durch Beschießung sort. Nördlich von ArraS finden zur Zeit noch er-bitterte Kämpfe um den Besitz der von un« gestern erstürmten Schützengräben statt. Im westlichen Teile des Argonnenwaldes drangen unsere Truppen weiter vor. Der am 5. Jänner im Ostteile deS Argonnen-waldeS (BoiS courte chaussöe) erfolgte Angriff ge-langte bis in unsere Gräben. Der Gegner wurde aber auf der ganzen Linie unter schwersten Ver-lusten wieder aus unserer Stellung geworfen. Un-sere Verluste sind verhältnismäßig gering. Westlich von Sennheim versuchten die Franzosen gestern abends, sich wieder in den Besitz der Höhe 425 zu setzen; ihre Angriffe brachen in unserem Feuer zu-sammen. Die Höhe blieb in unserer Hand. Die militärische Lage im Westen. Oberst Müller schildert im Berner „Bund" die Gefechte um Flirey und den mißlungenen Durch bruchSversuch der Franzosen bei Thiaucour um die Mitte Dezember. Di« Deutschen verdanken ihren Erfolg, sagt Oberst Müller, neben dem geschickten Zusammenarbeiten der Infanterie und Artillerie ganz besonders der unerschütterlichen Disziplin, Standhaftigkeit, Ruhe und großen Schießtüchtigkeit der Infanterie, welche den Feind kaltblütig aufs Korn nimmt, wenn er auf wirksame Schußweite heranßekommen ist. WaS die Leute bei diesem Wetter in den Schützengräben auszuhalten haben, ist unbe-schreiblich. Ohne die vorzügliche Verpflegung wären die Abgänge ungehener. Stellenweise stehen die Schützen bis über die Knie im Wasser, das sich in dem u »durchlässigen Lehmboden der Woevre überall Au« dem Stroh erhebt sich eine graue Mütze, eine zweite, dritte. Bärtige Köpfe sahen an allen Ecken und Enden aus. ES ist. als ob das ganze Stroh lebendig würd«. Ein Unteroffizier ist schon aus dem Tor gesprungen, hat seine Flinte an sich gerissen und stürzte mit geschwungenem Kolben herein. „Hände hoch!* brüllt er. „Runter mit Euch!* Einer hat schon einen Stoß mit dem Kolben der zweite purzelt herunter. »Hände hoch, sag' ich!* Wie der leibhastige Furor teutonieuS fährt er unter ste. Ueberall streckten die Hände zum Himmel, stolpern die grauen Gestalten herunter» Zugleich beginnt draußen ein tolle« Schießen. Die Leute stürzen zu den Gewehren, Kommando« werden geschrieen. Aber wie — wohin in der Finsternis? Keiner steht den anderen, geschweige den Feind. »Verfluchte Bande! Dort — drüben am Walde I" Ja, dort! In der Küche steht der Landwehrmann bei seinem Kaffeetopf. »Unsinn, wird nicht so schlimm sei", brummt er. Die Scheibe klirrt, der Landwehrmann fällt lang auf den Boden, hört und steht nicht« mehr. Drüben am Walde zucken hundert Blitze auf. ES knattert, pfeift und zischt, klatscht gegen die Mauer. Hier ein Aufschrei, Stöhnen. Aber jetzt knallt e» auch von dieser Seite. Die Leute springen an di« Mauer-ecken, hinter die Bäume, werfcn sich auf den Boden, wo jeder steht, reißen die Flinte an den Kopf und feuerten in der Richtung der Blitze, de« Knattern«, ins Ungefähre. Wer kann zielen in der Finsternis? Hinter der Scheune war die Batterie aufgefahren. In dem Höllenlärm w«rd«n die Gäule wild. Di« Fahrer fprin-gen hinzu, hängen sich in die Zügel, sitzen auf, wer e« fertig bringt. Umsonst, eine Panik erfaßt die Gäule; eS ist kein Halten mehr. Fort donnern die Geschütze ansammelt. Mit welcher ManneSzucht und Ausdauer die Leute solche Unbilden ertragen, gehört auch zum Heldentum der Kriegsgeschichte. Als Trost bei dem ewigen Regen dient den Leuten einigermaßen das Bewußtsein, daß eS die drüben auch nicht besser haben. Oberst Müller meint, für die allgemeine Kriegslage hätten die Kämpfe insofern Bedeutung, als sie zeigen, daß die deutsche Schlachtfront allen«-halben stark genug sei, um die gewonnenen Stel-lungen zu halten, bis der Zeitpunkt gekommen sein werde, um selbst zum Angriff überzugehen. Die Kämpfe gegen die Russen. Weitere Fortschritte der Deutschen in M i t t e l p o l e n. In Ostpreußen und im nördlichen Polen ist die Lage unverändert. Die deutschen Angriffe östlich der Bzura, bei Kozlow>BiSkupi und südlich machen Fortschritte, auch nordöstlich Bolimow drangen die deutschen Truppen östlich der Rawka über Humin und Höhen nördlich davon vor. In Polen westlich der Weichsel stieße» die deutschen Truppen nach Fortnahme mehrerer seind-licher Stützpunkte bis zum Sucha-Abschnitte durch. 1500 Gefangene und neun Maschinengewehre blie-den in unserer HaoÄ. SÄB W Die Fortsüh ung der Operationen litt »nur der denkbar ungßnsligsten Witterung. Trotzdem schrille» unsere AnMfe langsam fort. Die Belagerung Warschaus h« t begonnen. Nach Petersburger Vrahtungen stehen die Deut» fchen 25 Kilometer von Warschau entfernt und haben mit der Belagerung der Stadt begonnen. Die Flucht der Bevölkerung aus Warschau dauert fort und wird von der Militärbehörde im Gegensatze zu der vorigen Woche, al» die Bevölkerung durch An-schlag zum Bleiben aufgefordert wurde, da keine in die Nacht hinein. Ein« ab:r nur mit dem leeren Protzkasten. Ein Kanonier hat seine Lafette losbekommen, den Munitionskasten. Jetzt richtet er da« Rohr nach dem Walde, geöffnet und die Patrouenkörbe herauSge-rissen, ladet und schon kracht der erst« Schuß. Der Kanonier hat ein paar Infanteristen festgehalten, die ihm die Munition zureichen: Granaten, Schrapnell», wa« ihnen unter die Finger kommt. Wer kann die Entfernung schätzen, wer einen Zeitzünder stellen? Herein in den Lauf und loSgebrannt, dort nach dem Walde, wo da» feindliche Feuer am stärksten scheint. Wie ein Höllenhund brüllt die eine Kanone zwischen da« Knattern und Peitschen der Gewehre. Ob viel oder wenig getroffen wird — gleichviel, die Russen haben Respekt vor dem Höllenhund. Er hat sie schon zu oft und schmerzlich gebissen. Da» Feuer drüben wird schwächer und verstummt schließlich. In der Scheune steht die Tenne schon voller Gefangenen. Ein Leutnant und ein OffizierSstellvertreter, in einer Hand da« Lämpchen, in der anderm den Re-volver, uud der Unteroffizier, dessen Kolben jedem in die Rippe» fährt, der nicht augenblicklich die Hände hebt und in Reih und Glied tritt. Keiner von ihnen hat gewagt, zur Waffe zu greifen, alle kommen ohne Flinte und Bajonett. Sie werd.» abgezählt, hinaus» geführt und Posten davorgestellt. ES sind 125. Run die Verwundeten aufgesucht und endlich in» Stroh! Roch ein paar Augen voll Schlaf. Der Morgen ist nicht mehr weit, und e« gibt sicher einen heißen Tag. Bald siegt die Müdigkeit und Jugend über die aufgeregten Nerven. Einer »ach d«m andern fällt dem Schlaf in die Arm«. Wa« war da» — «in Stöhnen — ein Verwundeter? Die sind noch drüben Im Hause. Drückt einen der Alb — träumt er schlecht? Da ist Seite 2 Rummer 3 Gefahr vorhanden sei, nunmehr unterstützt. Sonder-zilge besördern die Flüchtlinge nach Wilna, PeterS-bürg und Moskau. Alle Z'v ibehördtn haben die Stadt bereits vor einigen Tage» verlassen. Oesterreichische Kriegsberichte. Die nun schon mehrere Monate mit wechseln-dem .Erfolg geführten Gefrch:« im karpathischen Waldgebirge dauern an. Sie kennzeichnen sich als Unternehmungen kleineren Stils in oft meitgetrenn-ten, einsamen Tälern. In den letzten Tage» durch Eintreffe» von Ergänzungen verstärkt, versucht der Feind in ein; Inen Flußoderlänfen durch Vorstöße Raum zu gewinnen. Westlich des OzsolpajjcS und in den OstbcSkiden herrscht Ruhe. Ja den höher gelegenen Gebieten ist leichter Frost und Schneesall eingetreten. Am Dunajec und in Russisch-Polen tobt stellenweise Geschützkampf. Die im Karpathenvorlande der südlichen Bukowina vorgeschobenen SicherungStruppe« wurden vor über, legenen feindlichen Kräften näher an die Hauplpässe zurückgenommen. Das Ende der militärischen Machtmittel der Dreioerdandsstaateu. In einer NeujahrSbetrachtung über die Kriegs, läge stellt der „Berner Bund" sest, daß Rußland heute, nach fünf Mnnate«, bereit« sein ganzes Feld-Heer, einschließlich aller 'abkömmlichen asiatischen KorpS und der verfügbaren Reserven der ersten und zweiten Linie, an den Feind gebracht hat, daß Frankreich alles, bis auf 400.000 Mann mit ver. mindcrter Wehrfähigkeit, unter Waffen hab«, dar-unter sämtliche verfügbaren afrikanischen Reserven weißer und dunkler Farbe, sogar Annamiten, daß England alle» eingesetzt haben dürste, was eS her-zugeben hat .England fei freilich imstande, im Früh-jähr mit neuen Truppenkörpern aufzutreten, die aber ein treffliches Feldheer an Ausbildung nicht entfernt erreichen, da eS ihnen nicht nur an Rou-tine, sondern auch an AuSbildungSpersonal sehlt. Der „Bund" resümiert: Wir können also damit rechnen, daß der Dreiverband mit seinen Aufwen-dnugen j'tzt das höchste Maß der militärischen Be» reitschaft bereits überschritten hat, sosern nicht Japan eingingt. Die Truppen Oesterreich Ungarn«, welche sich vorzüglich gehalten haben, zeigen unverbrauchte Kampfkraft Deutschland überrascht seine Gegner durch die Unerschöpflichkeit seiner Reserven. Die Feldarmee trug in den ersten Monaten die Last des Kriege» allein. Heute stehen große Truppenkörper im Felde, die auS Reserven und Landwehr gebildet sind. Noch ist im Innern deS Landes an neuen Nachschüben kein Mangel. Wir sind der Ansicht, schließt da» Blatt, daß in dieser Beziehung alle Be- e« wieder, schmerzhaft, wie au« der Unterwelt klingt e« herauf. „Wa« ist tos? Mensch, bist du verrückt? Halt doch'« Maul — du, hörst du nicht?' .Wa« — willst du denn?" .Du sollst ruhig sein; stöhnst ja wie 'ue Kuh beim Kalben." ..Ich?" Wieder da« Stöhnen. Gleich an zwei, drei Stellen. »Herr Unteroffiezier, unter mir rührt sich wa»; da« stöhnt so.' .Licht machen, HimmelkreuzMillion, wird denn keine Ruhe heut?" Einer der Leute buddelt unter stch im Stroh, packt »u, zieht «Inen Russenstiefel an« Licht und mit dem Stiefel einen Russen. Der hebt gleich bittend die Hände und schnappt nach Luft. Da« angstvolle Gesicht trieft von Schweiß. „Seht, verdammter Himmelhund. Da« ist dir gesund. Warum ist er vorhin nicht hoch-gekommen? Rau« jetzt, Ihr Bande, sonst wird mit dem Bajonett gesucht. Rau« l 1" Und wieder wird da« Stroh lebendig. Wieder er-heben stch grau« Gestalten hier, da, überall. Roch eine tweite Herde wird zusammen» und auf den Hof hinau«> getrieben. Ueber zweihundert sind e« im ganzen l Jetzt lohnt e« stch kaum noch, da« Schlafen. Einige legen sich hin, andere gehen in die Küche, um Kaffee zu kochen. Waren denn keine Offiziere dabei? Und die Bewohner?" Da neben der Küche wiren sie durch« Fenster ausgerückt. Die Besitzer mit. Verdammte Verräter I Jetzt «wen Topf Kaffee und ein Stück Brot. Dann in den frischen Morgen zu neuem Kampf. Die Artillerie hat sich auch wieder eingefunden. Freilich: 11 Tote und 20 Verwundete hatte da« Bataillon. Aber die Verluste de« Feinde« sind viel größer, von den Gefangenen abgesehen. Elf eiserne Kreuze belohnen die tapfere Geistesgegenwart de« ErfatzbitaillouS. rechnungen militärischer Kritiker hinter der Wirklich-keit zurückbleiben. Auch an Kriegsmaterial fehlt es nicht. Der Offiziersmangel wird durch den infolge Ausscheidens der Schlachtenkavallerie ermöglichten Uebertritt von Reiteroffizieren zur Fußwaffe sowie durch die verfügbaren zahlreichen, langgedienten Un-teroffizier« zum guten Teile ausgeglichen. Vom Balkankriegslchauplatz. Neue Beschießung von Belgrad. Don serbischer Seit» wird gemeldet: Beigrad ist am Donnerstag von neuem beschossen ivorden. ES wurde niemand verletzt, aber mehrere Häuser wurden beschädigt. Der Aufruhr in Albanien. Die Agenzia Stesani meldet auS Durazzo vom 4. Jänner. Gestern verlangten die Rebellen in einem mit „MuselmanischeS Komitee" gezeichneten Schreiben die Auslieferung des französischen und deS serbischen Gesandten. Um 12'/, Uhr nachts begann der Angriff auf die Stadt. Efsad Pascha begab sich zu den Ber-schanzungen und teilte der italienischen Gesandtschaft mit, daß große Gefahr drohe und verlangte jede möglich« Hilfe. Die italienische Gesandtschaft verständigte hievon die im Hasen liegenden Kriegsschiffe. Um 2*/, Uhr nachts wurden von den Kriegsschiffen „Misurta" und „Sardegna" zur Verteidigung der Stadt einige Kanonenschüsse adgeseuert, womit er-reicht wurde, daß das Gewehrfeuer der Rebellen aus-hörte. Di« italienische Kolonie ging hieraus mit dem Persvnal« der italienischen, französischen und serbi-Gesandtschaft an Bord der beide« Kriegsschiffe. Die „Hegemon!« auf dem Balkan'. Die Petersburger Börsenzeitung spricht wegen der Besetzung BalonaS die Befürchtung auS, Italien strebe die Hegemonie auf dem Balkan an. DariuS erklärten sich auch die Dissonanzen zwischen d«r zögernden Taktik Italien« und der drausgingerischen Rumäniens, das gleichfalls die Balkanhegemonie er-strebe. Die Balkanvdlker hätten sich aber nicht von der Türkei und von O«st«rreich-Ungarn befreit, um unter eine italienische Herrschaft zu kommen. Nach-dem durch den Eintritt der Türkei in den Krieg die Meerengenfrage aufgeworfen worden sei, habe Ruß-land seine Herrschaft an Konstantinopel, der wahren Balkanhauptstadt, gesichert. ES dulde weder eine rumänische, noch eine italienische Hegemonie. Die Besetzung BalonaS werde Italien viel Schwierigkeiten bereiten. Der Mailänder Eorriere della Sera bemerkt dazu: „Die Voraussetzung des russischen Blattes, Italien erstrebe eine Hegemonie, sei hinfällig. Nur daS Adriaproblem habe Italien durch die Besetzung Valonas gelöst. Zwischen Rom und Bukarest bestände volle Uebereinstimmung." Es ist übrigens erstaun» lich, mit welcher Verblendung russische Blätter dabei bleiben, die großen Fragen, um die der Krieg im Gange ist, seien bereits v?n Rußland oder seinen Verbündeten „gelöst". Jetzt wird gar behauptet, die russische Herrschaft in Konstantinopel sei gesichert. Dabei werden Rußlands Heer« überall zurückge-drängt und aus dem Schwarzen Meere wagt sein« der türkischen überlegene Flotte nicht daS geringste größere Unternehmen. Di« Belgier — billigt Arbeiter für England. Die Engländer machen große Anstrengungen, die belgischen Flüchtlinge aus Holland nach England zu ziehen, um sie dort in verschiedenen Industrie- zweigen, natürlich auch in Waffen- und MunitionS. fabriken, unterzubringen. ES sollen ungefähr 100.000-Arbeiter nach England gebracht werd««. In einer einzigen Woche seien nicht weniger als 26.000 über Vlissingen nach Folkest»«« gegangen. Am diese Weise erhalten die englischen Fabriken, die während der Krise der ersten KriegSmonate nicht arbeiten konnten und daher ihre Arbeiter sehr zum Eintritt in das Heer ermutigten, wieder neue und oillige Arbeitskraft«. Gleichzeitig geht die Rekrutenwerbung in England fort, und sie wird auch auf- die Belgier ausgedehnt. Der Krieg der Türkei. Ein Seegefecht im Schwarzen Meere. Der türkische Generalstab veröffentlicht folgende Mitteilung: Am 4. d. fand in Sinop« im Schwur-zen Meer« ein Zusammenstoß zwischen zwei ottoma-nischen Kreuzern und einem aus 17 Einheiten be-stehenden russischen Geschwader statt. Einzelheiten fehlen. JedrnsallS konnt« d«r Feind trotz seiner numerischen Ueberlegeuheit unseren Schiffen keinen Schaden zufügen. Türkische Erfolge in Persien. Nach eingetroffenen Meldungen haben die tür-tischen Truppen im Berein mit den verbündeten Stämmen außer den Erfolgen bei Miandoab weitere Erfolge in Aferberdschan erzielt. Auf ihrem Rück-zuge ließen die Russen zwei Geschütz« und zahlreiche Gefangene zurück. Südlich von Miandoab schlug eine andere türkische Kolonne den Feind uud erben-tete eine ansehnliche Menge Waffen und Munition. Das türkische Nachrichtenbureau veröffentlicht über die jüngsten Kämpfe bei Aserbeidschan Meldungen, wo» ich die türkischen Truppen am 28. Dezember, durch p rsische Stämme verstärkt, in der Gegend von Mindoab auf eine russische Kolonne stießen, die aus 4000 Mann Infanterie, 300 Kosaken und Artillerie bestand und durch Anhänger Sedje-ud-Dauleh« ver-stärkt war. welche die Dörfer der Umgebung plün-der». Die Russe« wurden vollständig geschlagen und hatten mehr al» 200 Tote. Die Türken und Perser hatten sechs Tote und einige Verwundete. In eine« anderen Kampfe iu der Gegend von Urmia wurden zwei Parteigänger Sedje>ul.Dauleh«, darunter ber berüchtigte Baghir Kan, gesangenge-nommen und 100 russische Reiter gelötet. Infolge dieser Niederlagen sei die Morol der russischen Trup-pen gebrochen. Besetzung von Urmia. Au« dem Hauptquartier wird gemeldet: Unsere von Somai und Bafchirge vorrückenden Truppen haben auch Urmia, einen wichtigen Stützpunkt der Russen, besetzt. Das Ultimatum der Bereinigten Staaten an Mexiko. Einer Drahlung der „Frankfurter Zeitung" zu-folge meldet der „Daily Telegraph', daß die Ber« einigten Staaten an Mexiko «in Ultimatum g«richt«t haben, worin erklärt wird, daß d«r erste Zusammen-stoß, der sich jenseits der Gegend von Naco und Douglas ereignen würde, zu dem Ergebnisse führe« müsse, daß die Vereinigten Staaten die Feindselig-leiten eröffnen. Letzte Nachrichten. Oesterreichischer Kriegsbericht. 8. Jänner. Amtlich wird verlautbart: Die allgemeine Lage ist unverändert; keine andauernde» Kämpse. In den OstbeSkidcn wurde ein über die Höhen östlich Czeremcha von starken russischen Kräften angesetzter Borstoß durch Gegenangriffe weit zurückgeschlagen. Hiebei wurden 400 Gesa»-gene und drei Maschinengewehre eingebracht. — Am südlichen Kriegsschauplatze scheiterte ein Nacht-angriff aus unsere Lorpostenlinie bei Avtovac voll-kommen. Die Montenegriner hatten hiebei schwere Verluste an Mann und Material. Deutscher Kriegsbericht. Westlicher Kriegsbericht. 8. Jänner. DaS Große Hauptquartier teilt mit: Der andauernde Regen sumpft das Gelände in Flandern mehr und mehr ein, so daß die Opera- , tionen stark behindert werden. Oestlich Reims ver- j suchten die Franzosen heute nacht, uns einen Vor-graben zu entreißen. Durch einen sofort angesetzte» Gegenangriff wurden sie in ihre Stellungen zurück-geworfen und verloren 50 Gefangene an uns. Ja j Summer 3 der Mitte und im Ostttil« der Argonnen machten unsere Truppen wieder Fortschritte. Ein nichtlicher französischer Angriff gegen un-sere Stellung am Buchenkopf südlich Diedolshausen (Vogeseu). wurde abgewiesen. Wiederholte Angriffe der Franzosen aus die Höhe westlich Sennheim brachen in unserem Feuer zusammen. Wir machten zwei Ossizirr« und 100 Mann zu Gefangenen. Um die Ortschaft Ober-Burnhaupt, südlich Sennheim, wird zur Zeit noch gekimpfl. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Auch im Osten herrschte ungünstige Witterung. An der ostpreußischen Grenze und im nördlichen Polen änderte sich nichts. Oestlich der Rawka schritten unsere Angrisse sort. 1600 Russen wurden gefangen genommen, fünf Maschinengewehre von uns erbeutet. Aus dem östlichen Pilicaufer fanden nur Artillerie-kämpfe statt. Der Marsch auf Warschau. Dem Stockholmer Tagblatt wird von der Front in Voten berichtet: Der Ring deS deutschen Heeres ist bereits sehr nahe an Warschau herangerückt, so daß die durch die Schnelligkeit der Deutschen über« raschten Russen eiligst Verstärkungen heranziehen müßten, wollten sie den Fall Warschaus abwenden. Die Verstärkung der russischen Kräste stieß auch in-foserne auf Schwierigkeiten, als die Russen starke Kräfte in den Karpathen festgelegt hatten und um-sangreiche Truppenverschiebungen in daS von dem türkischen Bormarsch unmittelbar bedrohte Kaukasus-gebiet vorgenommen hatten. Der türkische Kriegsbericht. Sonstantinopel, 7. Jänner. DaS HauptquaNier teilt mit: Die russische Flotte beschiß heute, evtge-gen dem Völkerrechte, die oikene Stadt Sinope, wo-bei zwei Häuser leicht beschädigt wurden, ttiu Ber-lust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Dage-gen richteten die türkischen Kriegsschiffe ihr Feuer mit Ersolg auf russische Truppen, die in Makrajall und nördlich dieses Orte» am russischen Küsten-gcstade standen. Am 5. ^n?er versuchte ein englischer Kreuzer, östlich von Mns,»a Truppen an« Land zu setzen. Da« Feuer unserer Küstenpofken zwang den Feind zum Rückzüge, wobei er vier Tote zurückließ. Der wachsende Burenaufstand. Rotterdam, 6. Jänner. Wie hiesige Handels-Häuser auS Kapstadt erfahren, hat die Regierung der Südafrikanischen Union einen großen Fehler degan-gen, daß sie die in ihre Hände gefallenen Führer de» BuienaufstandeS erschießen ließ Dieser brutale Akt sowie das ausgetauchte Gerücht, daß General Dewet ein gleiche» Schicksal drohe, hat den Buren-ausstand erst recht zum Ausflammen gebracht. Zwar ließ Ministerpräsident Botha das Gerücht, Dewet würde gleichfalls hingerichtet werden, dementieren, doch schenkt man diesem Dementi keinen Glauben. Wenn eS nun auch der Regierung gelang, mit Hilfe von Automobilen überall dorthin, wo Burenkom-«andoS sich zeigten, größere Truppenadteilungen zu werfen und auf diese Weise durch Uedermacht ver-schiedene Erfolge, wie auch di« Gefangennahme Dewet«, zu erzielen, so wmde doch der Ausstand selbst noch lange nicht niedergeschlagen. Die Buren sammeln ihre Streitkräste, wie bereit» gemeldet, in üen Watetbergen, die für Kraftwagen unzugänglich smd, und treten jetzt, wie ja schon daS siegreiche Gefecht zeigt, daS General Maritz am 22. Dezember den Uniontruppen lieferte, nicht mehr in schwachen, fliegenden Kolonnen, sondern in stärkeren Abteilun-gen auf, so daß sie aus diese Weise der Automobil-taktik des Feinde» gewachsen sind. Aus diesem Grunde sieht sich denn '.auch die Unionregierung veranlaßt, zwei Reserveklassen in Transvaal und im Nordwesten der Kapkolonie einzuberufen, woran« auch deutlich hervorgeht, wie gefährlich der Aufstand der Buren auch in Transvaal schon geworden ist. Dir Zahl unserer orientalischen Dnndesgenolsen. Bon Privatdozenten Dr. Albrecht Wirth. Allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß eS auf tie Kämpfe außerhalb Europas wenig ankomme, daß die Entscheidung doch an der West- und Ost-grenze Deutschlands wie Oesterreichs, kurz, daß sie in Mitteleuropa falle. Da» mag in der Hauptsache richtig sein; aber eS wäre verkehrt, die Entlastung durch auswärtige Kämpfe zu unterschätzen, abgesehen Kjeuisch? Wachs davon, daß die Türken, wenn sie Halbweg« Erfolg haben, auch aus europäischen Schlachtfeldern erschei-nen können. Der Abfall Indien«, eine Invasion Kanada«, der Unabhängigkeitskampf in Südafrika, Wirren auf Irland würden schon inS Gewicht sallen. Bor allem aber käme eine Besetzung AegyptenS gar sehr in Betracht; r« gibt sogar Leute, die da mei-nen, eine türkisch-deutsche Besetzung Aegypten« be-deute da» Ende deS Kriege». In jedem Fall« aber sind di« Krikger, deren Kraft durch den heiligen Krieg entfesselt wird, an Zahl nicht» weniger al» unbedeutend. Da» türkische Heer, da» jetzt für die nächsten Kämpfe verfügbar ist, wird auf 350.000 Mann und sogar noch weniger geschätzt. Bon einem hoch-stehenden »»manischen Politiker erfahre ich, daß man die Zahl auf 1,200.000 bemessen darf. Bei einer Gesamtbevölkerung des Reiches, di« ich aus 23 Mil< lionen veranschlagen würde, wären da» ungesähr 5 v. H. Allerding» ist dabei zu berücksichtigen, daß die Christ«» mehr oder wenigrr ausgeschaltet sind. So würde der Bruchteil aus 6 bis 9 v. H. steigen. Da« ist durchau» denkbar, wenn man erwägt, daß di« Serben 12 v. H., die Montenegriner 14 v. H. und die Preußen im Jahre 1813 sogar 17 v. der Bevölkerung mobil gemacht haben. Beiläufig, man male sich nur einmal auS, welche Furcht un-sere Feinde besallen würde, wenn wir das Beispiel von 1813 nachahmen sollten: dann stünden elf Millionen Deutsche auf den Beinen. Davon ist ja freilich nicht die Rede; wie gesagt, die« nur bei-läusig! Jedoch zu den Türken zurückkehrend, ist so-fort zuzufügen, daß bei obiger Schätzung die irregulären Truppen, al« da sind die kurdischen Hamidiehregimenter und die mesepotamischen Araber, nicht mitgerechnet wurden. Man kann sie ohne wei-lere» aus 200.000 Mann veranschlagen. Dazu kämen die Beduinen Jnnerarabien« und der Sinai-Halbinsel, die sämtlich vor Krieg» lust brennen. Gehe» wir j^rtzt zu Nordasrika über, so ist da zunächst in A«gypt«n allerdings nicht zu leugnen, daß die Ftllachen und Kopten kein kriegStüchtiae» Element daijttfcu »nd kaum mitzählen. Wohl aber die zahlreichen Beduinen zwischen den Fruchtgelän-den am Nil und dem Rote» Meer« sowie zwischen, dem Nil und der Kurenaika, welch letztere ja du Oberscheich der Seimssi selbst zum Kriege av'aefor-dert hat, und nicht minder die Stämme am oberen Nil, die meist zu der Nubarasse gehören, wie die langbeinigen Dinkha und Echillnk. Die Wassensähi-gen au« diesen drei Gebieten könnten wohl bis zu 100.000 betragen und mehr. In Tunis und Al-gerien beläust sich die Gesamtbevölkerung aus sieben-einhalb Millionen. Die Bewohner sind sast alle auf dem platten Lande Mohammedaner. Waffensähig ist so ziemlich jeder sünste oder sechste Menfch; e» kommt indes weniger auf die Bereitwilligkeit und Tüchtigkeit, als auf die Menge der verfügbaren Gewehre und Munition an; auf Drill und taktische Einübung müßte allerdings verzichtet werden. Wenn man im Rahmen solcher Einschränkungen eine Schätzung wagen will, so darf man «in« halb« Million nennen. Die Mehrzahl würde natürlich nicht gegen Aegyplen verwendet werden, zumal ja bei den geringen Wasservorräten der Wüste ein Transport solcher Truppcnmassen schon unmöglich ist, sondern gegen die sranzösischen Garnisonen in Nordasrika. Endlich Marokko l Die Bevölkerung wird von den eineil mit 6, von den anderen mit 13, von dritten sogar mit 21 Millionen angenom-men. Ungefähr 60.000 Marokkaner haben von neu-zeitlicher Kampfart «inen mehr oder weniger be-stimmten Begriff; auch sind Zehniausende schon nach den Gefilden Frankreichs verschleppt worden. Daß trotzdem der Gefechtswert der Zurückgebliebe-nen nicht ganz gering zu veranschlagen ist, beweist der bereits geglückte Angriff auf den wichtigen Kreuzpunkt Tesa (Tazza) und da» Unternehmen gegen Tanger, uud beweist nicht minder der Ent-schluß der Franzosen, das ganze Innere aufzugeben und sich lediglich .ruf Rabat «nd Casablanca und die anderen Hafenplätze zn beschränken. Der SuS mit dem fagcnberühmten Azadir und der ganze Atla» sind schon in Hellem Aufruhr. Fez und Marakesch werden sich auch nicht mehr lange halten. Mit einer halben Million Krieger werden wir die LeistungSsähigkeit Marokkos eher unter al« über-schätzt haben, sobald einmal durch das Bekanntwerden deS heiligen Krieges der Volksgeist sowohl bei den Berbern als auch bei den Arabern gründlich erregt ist. Summe für ganz Nordafrika: l'l Millionen. Dazu stießen ferner die mohammedanisch«» Stämme de« Sudan« und Ostasrika«; doch würden diese Horden für den Weltkrieg nicht allzusehr in Betracht kommen, außer im ägyptischen Sudan, wo Seite 3 ein zweiter Fall Karthum« doch nicht unbeträchtlich mithelfen würde, die Gesamtstellung der Engländer zu erschüttern. Niederlage» der Franzose» im West« sudan und an d«r Gtzineaküst« würden dagegen fast ohne Bedeutung aus die Grsamllag« bleiben. Wir wollen daher nur du mohammedanischen Krieger hier berücksichtige», die zur LoSreißung Darsur», Eordovan«, »o» Wadelai und der Nachbarschaft von Karthum helfe» könnten; da« wäre» immerhin an die 2- hj» 300.000 D!7. Ins. Reg. Herr Gustav Schmidt richtete an den Bürgermeister der Stadt Cilli, Herrn Dr. Heinrich von Javornegg, nachstehende» Schreiben: Im Namen der Leute, welche unter meinem Kommando stehen, danke ich für die de» 87ern gesandten reizenden Weihnacht«, gaben und sende der schönen Heimatstadt und seinen Einwohnern ein herzliches Heil 1015! — Der Zug«-führer Josef Emerfchitsch de« 87. Ins. Reg. sandte an das Stadtamt Cilli eine Karte mit nachstehen-dem Inhalte: Den lieben Gebern der Spenden, welche wir am Schlachiselde mit größter Freude er« hielten, den herzlichsten Dank von der beteilten Mannschaft der Maschinengewehrabteilun, 4 des 87. Jnf.-Reg. Wir bitten um Zusendung der Deut-scheu Wacht. Trauung. Am 6. d. wulde in der evanzelischen Kirche in Leibnitz Herr Dr. Han« Petrowitfch, Vdvo« katurZkozipieni in Gonobijz, mit Fräulein Grete Damian, GnindbesttzerStochter auf Bärenburg bei Ehrenhausen, getraut. Beistände waren die Herren Dr. Ambro« Petrowitsch, AdvokaturSkonzipient in Pettau, und Gen-darmert-Oderleutnant Dr. Tschech. Weihnachtsfeier für die Verwunde-ten in Windischgraz. Auch in Wiadischgraz iaaden erhebende Weihnachtsfeiern im BereinS-Re« onvaleSzentenhause, sowie im allgemeinen Kranken» Hause statt, wo zusammen huubtit wundere und tiui»U ftrttger >» Pflege stehen. An beiden Pflezestitten ivaren rcich.,cschmückte WeihnachtSbäume ausgestellt und aus Tischen türmten sich die Liebe«, gaben sür die Pfleglinge: Warme, wollene Unter« Neider, Backwerk und Rauchzeug. Im RekonvaleS-zentenheim des „Roten Kreuze«" hielt der Amts, leitet der Bezirkshauptmannschaft al« Vorsitzender des hiesigen Zweigvereines vom „Roten Kreuze" Baron Dr. Neugebauer eine zündende, zu Herzen dringende, patriotische Rede, welche in einem drei-fachen Hoch aus den allverehrten Monarchen auS-klang, in welches die Mannschaften begeistert ein-stimmten. Hieraus nahm Frau Baronin Neugebauer die Verteilung der Spenden vor. Mit herzlichen Worten dankte ein Unteroffizier im Namen der Sol-baten sür die reichen Gaben. Im LandeSkranken- Saufe fand dann eine zweite Feier statt, bei welcher irimararzt Dr. Harpf eine von vaterländischem leiste getragene Ansprach« hielt, in welcher er be-sonders der gütigen Opferwilligkeit der zahlreichen Spender der WeihnachtSgaben gedachte. Mit einer herzlichen DankeSrede eines Soldaten schloß die er» hebende Feier, welche besonders auf die Mannschaf, ten, welche aus Gegenden unseres weiten Reiches stammen, wo man unsere schöne WeihnachtSseier nicht kennt, sichtlich einen tiefen, nachhaltigen Eindruck machte. Die Lehrer im Kriege. Laut einer Mel-dung de« Deutsch österreichischen LehrerbundeS stehen von den Lehrern 25 von Hundert Im Felde da« find 20.000 Mann. Daß sich die Lehrer vor dem Feinde al« tapfere Streiter bewähren, dafür liegen viele ehren« volle Zeugnisse vor; e« gibt auch sehr viele, die al« Freiwillige, also ohne jeden Zwang, dienen. Bi« jetzt sind von österreichischen Lehrern nahe an 800 gefallen. Die Z,hl der au« Lchrerkieisen Verwundeten läßt stch auch nicht schätzungsweise feststellen, geht aber jedenfalls über die Zahl der Gefallenen erheblich hinaus. Noch mehr al» in Oesterreich greift der Schlachtentod in die Reihen der reichSdeutschen Lehrerschaft hinein. Da dort die Statistik von den Lehrern schon weiter ausgebaut ist als in Oesterreich, so läßt sich dort auch schon genauer feststellen wie viele Lehrer der Krieg schon »um Opfer gefordert hat. ES sind schon mehr als 2000 gefallen. Die Ziffer »st schon seit lange feststehend, wa« auf die unverändert fortgehenden Kämpfe, namentlich in Flandern, zurückzuführen ist. Haben di« Lehrer die Pflicht di« Zahl der Kämpfer für« Baterland au« ihren Reihen zu verstärken, und erfüllen sie diese Pflicht in aller Treue, so stehen sie auch daheim vor neuen Pflichten. Sie müssen sich rüsten die Not zu lindern, die in den nachgebliebenen Familien der gefallenen Lehrer ihren Einzug halten wir». Der Schutz der Wit-wen und Waisen wird ste in Anspruch nehmen. Sie zeigen ihre Hilfsbereitschaft vieler Orten auch darin, daß sie im Felde stehende Kollegen in de» Schulen vertreten, Ein Zug der Brüderlichkeit geht durch die ganze Lehrerschaft. Auch die Lehrerinnen bleiben nicht zurück; gar mancher armer Soldat, der in Nässe und Kälte vor dem Feinde steht, hat Gelegenheit, die Lch «rinnen zu segnen, die ihm mit Hilfe der Schülerinnen zu warmer Bekleidung verhelfen hat. Kriegsgefangen. Herr HanS Kullich, Ja-fanterist deS 87. Jns.-Reg., ein Sohn de« hiesigen Steinmetzmeister« Herrn Johann Kullich, befindet sich, wie er selbst mitteilt, in russischer Gefangen« fchaft. Für den gweigverein Cilli Stadt des Roten Kreuzes liefen nachstehende Epen-den ein: AuS den Heimfparkafsen de« Hotel« Erzherzog Johann 74-42, der Gastwirtschaft Gsund 8 63, der Zinkhütte 117-81, des Hotel« Stadt Wien 12-47, au« den Sammelbüchsen im Cafe Merkur 5853, im Cafe Union 1-46, bei der Firma Ranzinger u. Hönigmann 2 08, bei der Firma Gustav Stiger 3 60, bei der Firma Viktor Wogg 1-65, bei der Firma Franz Zangger 167,, in der Tabaktrafik am Bahnhofe 23 01. von Herrn Wtntny (Erträgnis des Vortragsabende« in Cilli) 57-36, vom Zugführer Zamparutti 51 25, von der LoSgesellfchaft .Glückauf' 20, von Herrn Martin Urschko 18 Kronen. Evangelische Gemeinde Morgen Sonn-tag findet in der Christu«kirche um 10 Uhr vor-mittag« ein öffentlicher Gemeindegottesdienst, am Mittwoch um 6 Uhr abend« eine KriegSbetstunde statt. Getreidehöchstpreife und Mehlmangel Die „Wiener Zeitung" enthält eine halbamtliche Mitteilung, in welcher eS unter anderen heißt: „Sine Abhilfe der jetzt zutage getretenen Erschwerung der Versorgung muß zunächst von einer Ueberprüsung der ungarischen Höchstpreise erwartet werden. In dieser Richtung hat bereits vor längerer Zeit eine Aussprache zwischen den beiden Regierungen stattge-funden, bei der von der ungarischen Regierung die ehrliche Zusage erteilt wurde, daß auf die Bedürf-nisse de» österreichischen Konsums entsprechend Rück-sicht genommen wird. Zu einer Beunruhigung der Wiener Bevölkerung ist — wie nachdrücklich betont werden muß — keinesfalls ein Aniaß vorhanden. Denn nach den AuSwcifen de« Wiener Magistrat« beliefen sich die Mehlvorräte im Wiener Stadtge-biete am 14. Dezember 1914 auf 1823 Waggon», am 28. Dezember 1914 aber auf 1934 Waggons. Die Mehlvorräte haben also in dieser zweiwöchent-lichen Periode nicht nur abgenommen, sondern sind um mehr als 100 Waggons gestiegen, obwohl sich der Verbrauch während der Weihnachtszeit sicherlich mindesten« auf der durchschnittlichen Höhe von etwa 40 Waggons täglich gehalten hat. Sollten sich trotz dieser für die Wiener Zivilbevölkerung verfügbaren bedeutenden Mehlvorräte Schwierigkeiten im Klein-Handel ergeben, so sind die Behörden jederzeit in der Lage, aus gestellte Ansuchen die zwangsweise Ueberweisung von Vorräten zu verfügen. Eine der-artige Ermächtigung ist schon im § 4 der kaiserlichen Verordnung vom 1. August 1914 enthalten gewesen, wobei der Gemeinde das Recht der An-tragstellung eingeräumt erscheint. Im § 6 der Höchst-preiüverordnung vl-m 28. November 1914 ist die Ermächtigung d r Ueberweisung noch erweitert wor» den. Im Sinne dieser Bestimmung wurde auch be-reit« die niedeiösterreichische Statthalterei angewiesen, in dem Falle, als sich die Wiener Genosfenschaftln der Bäcker und Gemischtwarenverschleißer um die Beschaffung von Mehl a > die Statthalterei wenden sollten, gemäß jenem § 6 vorzugehen. Die Regierung wird der Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigen Nahrungsmitteln auch weiterhin die vollste Aufmerksamkeit zuwenden. Sie wird hierbei auch die autonomen Körperschaften nach jeder Rich« tung hin unterstützen, falls sich diese entschließen, selbst zu praktischen Maßnahmen zu schreiten und durch eigene Käufe und ähnliche Aktionen zur Dek« kung der Bedürfnisse ihres Gebietes beizutragen. Wir zweifeln nicht an dem zuten Willen der Re« gierung, aber wäre eS nicht besser und zweckmäßiger, eine allgemeine, zwangsweise Einforderuug de« Ge-treideS und Zuweisung an die Mühlen zu veran-lassen, als diese Einfvrderunz auf Einzelsälle in-folge Anträge der Gemeinden usw. zu beschränken ? Wie können die Müller Mehl liefern, wenn sie kein Getreide haben? Obige Angaben üb'i Mehlvorräte sind doch zu allgemein gehalten und beziehen sich auch nur auf Wien; selbst in Wien aber bekommen Hausfrauen in gewissen Bezirken kein Weizenkoch-mehl, überhaupt kein Weizenmehl, in anderen nur in sehr beschränktem Gewichte und unter der Be« dingung deS Bezüge« von gleichviel Gerstenmehl. Legitimationszwang für Reifen im Banat. Bezüglich des Verkehres von Zivilpersonen im Banat wurde nachstehende Verfügung getroffen: Der Verkehr von Zivilpersonen wird sür den Raum südlich der Linie Äaranda, Torontalvafarhely. Ali-bunar, Nagykarolyfalva. TemeSmikloS, HomokSzil, TemeSvafkoc, Versec, MeszeSsalu, TemeSszöllö«, Va» radia, Gerec Oravicanya, Stajer. Lakanina, Verend, Domasnya, SomoSreve an den Besitz von Pasiier-scheinen geknüpft. Diese Passierscheine werden von den politischen Behörden unentgeltlich verabfolgt. Für Reisen in und auS diesem Raume werden Pas-sierfcheine mit Giltigkeit nur sür eine Reise (und Rückreise) ausgefolgt und eS muß der Zweck der Reife im Passierschein ersichtlich gemacht werden. Unterhaltsbeitrag für Angehörige der eingerückten Landsturmpflichtigen der Jahrgange 1890 bis 1878. Der Unter« haltSbeitrag nach dem Gesetze vom 26. Dezember 1912, R.-G -öl. Nr. 237, gebührt bei Borhanden» sein der sonstigen Voraussetzungen nicht nur den Angehörigen der mobilisierten Reservisten de« Heere» und der Landwehr und der mobilisierten, mit einer Widmungskarte beteilten Landsturmmänner, sondern auch — wie da« k. k. Ministerium für LandeSver« teidigung in den Erlässen vom 13. November 1914, Nr. 3612, Dep. 17, «nd vom 7. Dezember 1914, Nr. 4883, Dep. 17, ausdrücklich hervorgehoben hat — den Angehörigen der im Okiober gemusterten und zu» Landsturmdienste eingerückten Landsturm» Männer der Geburtsjahrgänge 1894, 1893 und 1892 und ebenso den Angehörigen der zum Land« sturmdienste mit der Waffe geeignet befundenen und für den 16. Jänner 1915 einberufenen Landsturmpflichtigen der Geburtsjahrgänpe 1890 bi« 1878 in der im 8 4 des Gesetzes über den UnterhaltSbeitrag für Angehörige der Mobilisierten vom 26. Dezember 1912 festgesetzten Höhe. Ein Feldpostbrief. In der NeujahrSnacht schrieb Herr Ferdinand Schacher vom nördlichen Kriegsschauplätze an seine hier weilenden Angehörigen Nachstehendes: „Seit 14 Tagen unter freiem Him-mel bei Schneefall am Dunajec in einer stark dese» stigten Stellung. Dreimal hat stch der Russe schon den Schädel daran eingerannt. Bei meiner Kom» pagniesront allein sind einmal 400 tote Rüsten ge-blieben. Ich lebe und werde zu wichtigen Patrouillen« gängen benutzt. Vor drei Tagen wär« mir bald an« Leben gegangen, aber ich bin doch noch mit heiler Haut und mit allen meinen Leuten wieder zurückgekehrt mit vorzüglichen Meldungen. Gruß an alle und Prosit Neujahr!" Todesfall. Donnerstag abends ist der Hau«-besitzer und ehemalige Schuhmachermeister Simon Otschko im Alter von 60 Jahren gestorben. Er war ein allgemein geachteter, gut deutscher Mitbürger. Ehre seinem Andenken. Nummer Z Deutsche Wacht Seite b Für die Reservistenfamilien liefen nachstehende Spendcn ein: Ehelcule kupka 2V K. Unge-nannt 2 R, Beamten, und Dienerschaft br« Bezirks-und Kreisgerichtes und der Staatsanwaltschaft 5 K. Für Zwecke des Roten Kreuzes spen-beten: Drogerie Fiedler statt NeujahrSgratulationen 20 St, Tarokgrsellschast mit beschränktem Haarwuchs Schloß Ainöd 12 St, Lehrkörper der Knabenvolks, schule 6 St, Beamten- und Dienerschaft des Bezirkt-und KreiSgerichte» und der Staatsanwaltschaft L44 K. Reüjahrsenthebungskarte hat nach-träglich gelöst Frau Luise PalloS 2 K. Freie Lehrstelle. An der deutschen Volks-schule in Hrastnigg gelingt auf Kriegsdauer eine provisorische Lehrstelle für die ^chulvereinSklasse (4. Klasse) sosort zur Besetzung. Bezüge nach den Bestimmungen des deutschen Schulvereines, sowie freie Wohnung und Beheizung. Gesuche sind ehestens an den Obmann deS Deutschen OrtSschulvereine« in Hrastnigg, FabrikSdireklor Franz Wieltschnigg in Hrastnigg zu richten. Frauen als Kundschafterinnen. Eine Kundmachung der Statthalterei macht auf da» Vor» kommen von Spioninnen aufmerksam, die als Eisen-bahnreisende ganz harmlos scheinen. Die weist jun-gen, hübsch und vornehm gekleideten Frauen drängen sich während der Fahrt an Truppen heran, belauschen die Gespräche und suchen Herkunft, Beftim« mung. Stärke usw. der Truppenteile, den Grad der Ausbildung der Ersatzwannschasten usw. zu ersahren. Die Kundmachung warnt vor unvorsichtigen Reden in Gegenwart und verbietet die Erteilung mililäri-scher Auskünfte an Unberufene. Gleichzeitig wird eS jedermann zur Pflicht gemacht, Verdächtige anzuzeigen und an der Flucht zu hindern. Mitteilungen üer die deutschen und österreichischen Kriegsflotten freigegeben. Dem Weyn'ichen Taschenbuch der Kriegsflotten, dem eS tither vom ReichSmarineamt »erboten war, Mit-teilungen über die deutsche und österreichische Flotte iu bringen, ist eS nunmehr wieder gestattet worden, die bezüglichen Angaben »u machen. Von allen Flotten« freunden war e< bis zur Stunde auf» schmerjlichste bedauert werden, daß der beste Ratgeber in Flottersachen, Weyer'« Taschenbuch der Kriegsflotten, nur in «erkür,ter Ausgabe bat erscheinen dürfen und dah e» verboten gewesen ist, irgend welche Angaben über deutscht Kriegs-schiffe zu machen. Infolge Aufhebung diese! V-rbote« wird anfangs nächster Woche ein ErgäntUngSband zum Taschenbuch der Kriegsflotten erscheinen, der die gesamte deutsche und österreichische Kriegsflotte enthelten wird. Nunmehr ist das deutsche Volk in den kommenden groben Entscheidungsschlachten in der Lage, sich nicht nur über die fremden Flotten, sondern auch über die eigene Kriegsflotte in eingehendster und genauester Weise orientieren »u können. Der ErgänzungSband zu Weher wird 190 Abbildungen, 6 Bogen Text und I farbige Toppeltafel mit KriegSflaggen enthalten und steif kartoniert zum billigen Preis von 1 Mark zu haben sein. Ein berühmter Stenograph gestor-den. Der RtgierungSrat Heinrich Noe, dessen Ueber-trogung deS Gabelsbergerschen Systems aus die italienische Sprache in Italien daS alleinherrschcnde Stenogrophiesystem geworden ist. starb am 29. De-zember in Wien im Alter von 80 Jahren. Er wirkte lange Jahre als Gymnasialdircktor in Graz. Von ihm stammen auch mehrere Lehrbücher. Trauung vor der Hinrichtung. Wie ,Ostrav»kt listy" melden, hatte der wegen Hschvrr rateS zum Tode verurteilte Redakteur deS Prcßmtzer „Pokrot" gebeten, daß ihm gestattet werde, vor der Hinrichtung sich trauen zu lassen. Dieser Bitte wurde auch entsprochen. Zm Kaukasus bei Beginn des Weltkrieges. (Schluß.) Wir beeilten uns, wieder nach Hause zu kom men. Aus dem Erivanplatze wurde die erste LriegS messe unter freiem Himmel xelesen. Zum erstenmale erflehten hier russ sche Popen den Sieg für die ruf-fischen Waffen und Untergang und Verderben für Deutschland. Zum erstenmale icholl hinter unS drein die russische Nationalhymne mit ihrer inbrünstig ge« tragenen, choralartigen Weife. An den Ladentüren der deutsche r Geschäfte standen die Inhaber und An-gestellten mit bleichen Gesichtern. Aber keiner von allen glaubte schon an den Ernst der Lage. Jeder war derselben Ansicht wie wir: Stimmungsmache gegen die Deutschen, um die wahre Stimmung des Volkes im Kaukasus kennen zu lernen. Und auch die viele» Russen, die sich in der Allee deS Golo- winSkij-Prospekte», der Hauptstraße im russischen Stadtteil, ergingen, schienen jenes erste Telegramm, da« sie noch in Händen hielten oder schon spöttisch lächelnd auf den Boden geworfen hatten, nicht son« derlich ernst zr nehmen. Dieselbe Stimmung herrschte im Hotel. Sowohl unter den russischen Offizieren wie unter den ausländischen Zivilisten. Nur daß die allgemeine Erregung die Menschen einander näher brachte. Die rutschen Offiziere unterhielten sich mit un», wir mit den beiden Engländer». In dem ersten Hotel von Tifli» trieb an diesem Tage di« erste Nachricht von dem nahenden Unheil, an da? im Ernst noch niemand glaubte, die Gäste der verschie-densten Nationalitäten nicht auseinander, sondcrn zu einander. Die beiden Engländer sahen in die Ferne, wie aus ein große» Geschäft, daS ihnen erst in stück-tigen Umrissen vor den Augen stand, und erwogen aü kaltblütige Kaufleute di« Chancen diese« Ge« fchäftes. Di« Deutschen hatten rote Köpfe, und ich weiß, ein jeder hatte nur einen Gedanken, mochte er nun militärpflichtig sein oder nicht, wie komme ich hier so schnell wie möglich hinaus an die Front. Ich weiß t» deshalb, weil in d«n nächst«« Tagen nicht ein Deutscher in TifliS, den ich sah, von «twaS anderem sprach und etwas anderes suchte, als her-auszukommen, zurück nach Deutschland, flm unsichersten fühlten sich an diesem Tage die Russen. Den Deutschen gegenüber benahmen sie sich herablassend, aber nicht unliebenSwürdi^. Etwa wie ein großer Bernhardiner, auf den ein kleines Hündchen einen Angiiff wagt. DaS kam damals dem großen Bern-hardiner mehr komisch alS tragisch vor, und jeden-sallS kaum glaublich. Den kühlen AuSeinandersetzun-gen der Engländer über die geschäftlichen Chancen eineS Krieges aber lauschten i>ie Rufst» mit dem scheuen Respekt lernbegieriger Kinder vor dem großen, allwissenden Bruder. Ganz and«rS würd« die Stimmung in dem Augenblick, als Englands Ariegierklärung an Deutsch-land in TifliS bekannt wur»e. Da meine Notizen bei einer Haussuchung konfisziert wurden, weiß ich den Tag nicht mehr genau. ES kann aber nicht vor dem 16. August gewesen sein. Von dem Augenblick an wurde auS dem herablassenden russischen Bern-hardiner den Deutschen gegenüber ein unverschämter Köter, der um sich biß, wie er nur konnte, denn nun hatte er nicht eine Spur von Angst mehr vor den Deutschen. Sie waren slon so gut wie verloren, und aus dem Rathaus in TifliS tanzten sie einen Freudentanz. Nun war eS aus und vorbei mit Deutsch-land, in spätestens zwei Wochen würde Rennenkampf in Berlin und der deutsche Kaiser . . ., doch daS läßt sich einfach nicht wiederholen; eS ist kaum mög-lich, auch nur zu denken an diesen Strom von Ge-meiuheit und Niedertracht, der sich vom Tage der englischen Kriegserklärung an in der russischen Presse und in den Gesprächen gebildeter Russen über Kaiser Wilhelm ergoß. Ich kann heute noch nicht daran denken, ohne daß sich wir der Magen im Leibe her-umdreht vor Ekel. Während so die Russen frohlockten und wild um sich bissen nach allem, waS deutsch war, mit einem Haß, der jeder Beschreibung spottet und in den Kreisen der Gebildet«, und lesen Könnenden bis aus diesem Tag um nichts nachgelassen hat. sieht man von ganz wenigen ab, — rauften sich unsere beiden Engländer im Hotel verzweifelt die Haare und schimpften auf Lord Grey, wie ich englisch noch nie habe schimpfen hören, weil er ihnen durch sein aktives Eingreisen ihrer Meinung nach daS schönste und größte Geschäft, da« England seit seinem Bestehen hätte machen können, verdarb. UnS Deutschen war der Anblick dieser beiden Engländer Balsam sürs ge-quälte Herz, un» heute sage ich erst recht: Wohl un«, daß GreyS Haß gegen Deutschland, daS er persönlich gar nicht kennt, größer war, als aller englische KausmannLverstand. Und hoffentlich raufen sich bald alle Engländer die Haare! An demselben 16. August war ein hoher russi scher Feiertag, an dem auch die ausländische» Kon sulate zu flaggen pflegen. Am solgenden Tage gegen Abend kam dann der österreichische Konsul zn nnS in» Hotel und berichtete, daß «r die deutsche Flaggt habe einholtn und da« Konsulatsschild habe «ntserne» lassen. Den Tag daraus muß eS gewesen sein, daß der Sekretär des deutschen Konsulat«, aus dem in diesen Tagen alle Verantwortung lag, zunächst ein« mal arretiert und eingesperrt wurde, um dann schleunigst von TifliS über MoSkau-Peterburg. Stock-Holm nach Hause geschickt zu werden. Er soll aber nicht weit gekommen sein. Man hat ihn unterwegs wieder festgenommen und Leute, die aus Balum nach Walodga verschickt wurden, haben mir erzählt, er süße jetzt im Gesängnis in Batum. Ruffisch wäre das schon. Da von einer österreichischen Kriegserklärung noch nicht« bekannt war. mußte der österreichische Konsul noch in Tifli« bleiben. Da die Deutschen dem Schutz deS nächsten amerikanischen Konsulate« »ntrrstclltH sein sollten, telegraphierte- er an den amerikanischen Konsul in Batum, er möge baldmög-lichst nach Tisli« kommen und den Schutz der Deut-schen übernehmen. Der amerikanische Konsul tele-graphiert« zurück, daS Tklegramm hab« ich selbst ge-lesen, e» sei ihm unmöglich, nach Tifli« zu kom-men, auch sei er außerstand«, etwa» sür die d«ut-sch«n Reichßangehörigen zu tun und hab« in diesem Sinne auch feine Botschaft in PtttrSburg verständigt. Am SamSiag nachmittag vrrabschiedete sich baun der österrrichische Konsul von nnS, um de« Ab«nd» um 9 Uhr über Petersburg—Stockholm nach Wien zu fahren. Wir hofften immer noch, bis zum Abend unsere Pässe zu erhalten und dann mit ihm zu fahren. Wir erhielten aber unsere Pässe nicht. Statt dkssen «schien kurz nach 10 Uhr der österreichische Konsul wieder bei uns. Man hatte ihn au» dem Zug wieder herausgeholt mit dem Be-dtuten, der Weg über Finnland sei gesperrt, er habe über Wladiwostok—China-Amerika nach Wien zu fahren. Da er sür diese etwa« umständliche Reise da« nötige Kleingeld nicht bei sich halte, waS sich denken läßt, zumal ihm Geld, das ihm gehörte, von den betreffenden russischen Stellen nicht auSgehän-digt wurde, da zudem am anderen Tag Lonntaz war, so blieb ihm nicht» andere« übrig, als sich bi« zum Sonntag abend, so gut «» gehen wollte, einige hundert Rubel zusammenzuborgen. Jedenfalls ist der österreichische BerusSkonsul in TifliS, Dr. Cor» rofatfch, dann am Sonntag abend wieder an die Bahn gefahren, um auf dem bequemen Wege über Wladiwostok—Peking—San FranciSko—New Aork nach Wien zu gelangt». Was inzwischen «uS ihm geworden, weiß ich nicht. Damals wurde auch bekannt, daß der deutsche Konsul in Erzerum in der Türkei, Dr. Anders, der von Ban denselben „bequemeren und näheren' Weg nach Erzerum nehmen wollte wie ich, nämlich durch Rußland, in Erivan festgehalten und in der Haupt-wache in Tifli« interniert wurde. Einige Tage fpä-ter wurde er von drr Hauptwacht in den »Turm", aus deutsch: da« Tisliser Zuchthau», gebracht, wo er vermutlich heute noch sitzt, wenn man ihm der« weil nicht unter irgendeinem billigen Vorwand den Prozeß gemacht hat. Bis zum Augenblick meiner Verschickung, über einen Monat lang, saß er dort völlig mittello«, ohne Kleider und Wäsche, soweit er sie nicht bei seiner Gefangennahme auf dem Leibe trug. Erst am Tage meiner Verschickung gelang e» mir, wenigst«ns d«n Versuch zu machen, ihm ein paar Rubel zukommen zu lassen. Ob der Versuch aber geglückt ist, habe ich nicht mehr erfahren kön« nen. Sein Verbrechen besteht darin, daß er, wie e« seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, in Er-zerum die deutschen Interessen zu wahren suchte und nicht die russischen. Und dann allerding» noch ein«. Die Russen sagen: Sie heißen gar nicht Ap« der«, sondern Sander», Sie sind ein Verwandter von Liman-Sander» oder wohl gar Liman-Sonder« selbst Ist e« auch Wahnsinn, hat e« doch Methode! Erging e« so den Konsuln, so kann man sich ungefähr vorstellen, wie e« den Deutschen im kau-kasuS bei Kriegsausbruch zumute war. Das beste für ansere Krieger lind die so wunderbar wirkenden Alpen-Fichtenbonbans ,Picea' bei Avthnin, Hu«ien, llrlurrkrlt. «owie auch ■■■nKeiiilftrhend in Schachteln a 20 u. &0 Heller, in fertigen Feldpostbriefen » 1 K. — Zu haben in allsn Apotheken und Drogerien. --- En groi Depot: Cilli, Kanfhaus Stierer. MATfONI'S F.INZI6 IN SEINER [ANALYTISCHEN ! | BESCHAFFENHEIT f' BESTES [ALTBEWÄHRTES FAMILIEN-GETRÄNK. 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Schriftliche Meldungen haben durch Einsendung zweier in allen Rubriken mit leserlicher Schrift vollständig und wahrheitsgetreu ausgefällter Meldeformulare an die Gemeinde zu erfolgen. Meldeformulare sind bei der k. k. Bezirkshauptmannscbaft und bei der Gemeindevorstehung unentgeltlich erhältlich. Die Einsendung der Meldungen geniesst in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern die Portofreiheit Die Meldeformulare sind derart eingerichtet, dass sie, zusammengefaltet und adressiert-, ohne Verwendung eines besonderen Umschlages der Post übergeben werden können. Mündliche Meldungen werden von der Gemeinde in beide Melde-formulare eingetragen. Meldungen, welche durch eine Mittelsperson erstattet werden, entheben den Meldepflichtigen nicht von der Verantwortung für die Erfüllung der ihm obliegenden Verpflichtung. Meldepflichtige, welche die vorgeschriebene Meldung nicht rechtzeitig oder in wesentlichen Punkten unvollständig erstatten, können mit Geldstrafe bis 50 K belegt werden. Militärtaxpflichtige, welche sich in ihren Meldungen wissentlich Verschweigungen oder unwahrer Angaben schuldig machen, verfallen — insofern die Handlung nicht den Tatbestand einer nach dem allgemeinen Strafgesetze zu ahndenden strafbaren Handlung begründet — in Geldstrafen bis£500 K, bei Vorhandensein besonders erschwerender Umstände bis 1000 K. Die verhängten Geldstrafen weiden im Falle ihrer Uneinbiinglichkeit in Arreststrafen verwandelt. Ueberdies steht es im Falle nicht rechtzeitig oder unvollständig erstatteter Meldung der politischen Behörde frei, auf Grund der bekannten oder von Amts wegen zu erhebenden Daten die Veranlagung der Militärtaxe ohne weiters vorzunehmen. Stadtamt Cilli, am 27. Dezember 1914. Der Bürgermeister: Dr. Heinrich von Jabornegg. Aerzte [ tnrinnen alt »ntt (npcamlttcl Kaiser5 Bnitf- J V Caramellen mit den ,.3 Tannen1.' Millionen % Vertreten durch: Rudolf Blum & Sohn Mriicinp- b. Morhnrn Eek® Carner,e- Speigler-fiesddfl '"dl UU> y HHarlnsstra**«. Aufträge nimmt entgegen: Peter Majdiö .Merkur* in Cilli. Pe BW ftriftttril. tcrfdUtBnng,. flctiifttaflra, | AoUrrb, Hals, leraü ole Cartctifiirn Crtolluuo«". Cf flfl not tc"1- ton Vn|kT l j l U w „„j Prjv«lk tcibütflca I flctimn GrfuI: tlvucXitciirccfübc IrtUf (ÄMMhakt 0 H«II « l» taten iri: Ctt« eifcwoTjl 4 <£»., ch«i. Kwtxtt; 3»li«nn I ftlrtlrr, Ironttw; Z>. Pi« »;il. U>>»Il> kr >»r U'Iaii.'Mlf. »osoW». Ha»« gttrrtn-I f*it, Xpo:b(>t, Kann 1 tl. Wliim«. E«I- | W>»d.-e»nd«!derz! thotiill.; Hci>. flWU.-lf, WabttMl-CMCrtlSIU Kwi« m agfn gytt t'cn Ausweis über hie im städt. Schlachthause i. d. Woche v. 28. Dezember 1914 bis 3. Jänner 1915 vorgenommenen Schlachtungen sowie die Menge und Sattung deS eingeführte» Fleische«. Name des Fleischer« ««Jltwt in ituagra goairn ch«gg Joses Sellat ftranl . Sieh» Joses . öuppan Johann Lire«! Johai n Umegg vivvols Gaslwine . . Private . . . 16 14 3 l ü 25 II 1 I 1 11 4 95 195 - ■0 2- Ü» '35 I 5 T — I — — — — 174 '/a — — " C llSmsrk. Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für Haus und Familie. $esala«90eUage Oft „Vtntf&n Wacht" in seilst. O I »Dl« Südmark" ericheml ,«d«n Sovnla^ als unentgeliltche B«ilage ftr die kieirr H . A. ~ JIT» Z t*t »Deutschen Wacht". — Siuzeln ift .Die sadmart" nickt käuflich. l| l"l0 Flachdruck verboten.) Auf dunkler Aahn. Bon S. Halm. Im unsicheren Schein der weiter vorn stehen-den Gaslaierne schlich eine Männergestalt in Havelock und Sapuze um die Ecke deS GartenzauneS an der herrschaftlichen Villa. Durch die herbstlich kahl wer. denden Büsche sah man undeutlich die Umrisse des Hause«. Dunkel, friedlich lag es da; nur in ber Mansarde schimmerte ein schwaches Licht, wohl in einer Dienstbotenkammer. Der Mann im Havelock schaute sich scheu nach rechts und links um; dann krallte er mit raschem Entschluß die Finger um das Eisengitter und schwang sich empor; noch ein vorsichtiges Spähen und er überstieg den Zaun. Nun knirschte der Silberkiß unter seinen vorsichtigen Schritten; Laub raschelte leise; sonst rührte sich nicht« Verdächtiges. Ost lauschend innehaltend schlich der Eindringling weiter. Jetzt lag daS HauS, ein einstöckiger Bau mit vielen Mansarden fei, steru, vor ihm. Im Erdgeschoß sah er undeutlich Butzenscheiben schimmern. Er schlich weiter, um die Hauvecke, und blieb wie angewurzelt stehen. AuS einem der Fenster drang hellcS, völliges Licht. Zögernd, unsicher was zu tun, stand der Mann; dann warf er sich zur Erde und kroch langsam auf allen Bieren vorwärts dis zu einer Edeltanne, hinter der verborgen er daS erleuchtete Zimmer zu über-sehen vermochte. Jetzt überfloß flüchtig der helle Lampenschein seine Züge, ehe sie sich in den Schatten bargen. Es war ein Antlitz, nicht jung, nicht alt; doch hatten Verwüstungen, Krankheit und Laster darin ihre Runen gegraben. Vielleicht war dies Ge-sicht einmal schön gewesen; vielleicht hatte« aus den dunklen Äugen Güte und Frohsinn geblickt; jetzt war der Blick unstet und sinster, die Wangen hohl und fahl. Wirr hing da« dunkle Haar iu dünnen Strähnen über die gefurchte Stirn. Etwa« Ver» kommenes lag über der ganzen Erscheinung. Drüben in der Villa, in ihrem Zimmer, faß eine Frau, Mitte der Dreißig, in ein elegante« und doch bequemes Hauskleid gehüllt, den Kopf nach-denklich in die Hand gestützt, müßig an ihrem Schreibtisch. Da« üppige Haar zur Nachttoilette be« reit, hing aufgelöst über die Schultern und verdeckte halb da« Gesicht, so daß der nächtliche Beobachter draußen von den Zügen nicht« gewahren konnte. Sein Blick hing auch nicht an dem Kops der schö« nen Frau; stier sah er aus die Brillanten an der schmalen Hund. Ein Vermögen gleißte ihm da ent-gegen. Wenn er klug war und die da ohne Ge-räusch abtat — nein, nicht mal das! — nur de« täubte — war er aus lange hinaus frei aller Sorge. Die unsteten Blicke des Verbrechers maßen die Ent« fernung, überflogen die ganze Drolligkeit; dort ging eine kleine Tür in« HauS. Daneben mußte ein klei-ner Raum sein, der i'iS Damenzimmer sührte. Wenn nun aber das Zimmer daS einer Jungfer war und die Lärm schlug? Halt, da linkS — ein kleine« Fenster, offenbar zu einem Baderau« oder Abort führend. Etwas hoch — aber gleich viel — wer nicht« wagt, nichts gewinnt! Er fühlte an sich herum. Revolver, Strickleiter, Dietrich. Alles da, auch eine elektrische Taschenlampe, also heran! DaS Hau» hatte einen Sockel, auf den man mit einigem Geschick Fuß fassen konnte; ein paar Fensterhaken boten einen weiteren Halt. Der Havelock war schnell zusammengerollt und auf den Rücke» geschnallt; nun den Filz tief in die Stirn gedrückt und an« Werk, ehe es der feinen Dame da drinnen beliebte, au« ihren Träume:! zu erwachen und sich vielleicht da-vonzumochen. Hatte er auch daS Chloroform? Rich-tig — da fühlte er das Fläfchchen, daS er neulich schlau dem Arzte im Krankenhau« entwendet. Gut, daß der Medizinmann so zerstreut gewesen und den Verlust nicht einmal bemerkt hatte. Mit affenartiger Behendigkeit bestieg der Einbrecher den Sockel, jetzt die Fensterbrüstung und hob sich zum offenen Fensterteil em;or. Ha, eben, daß ihmS gelang, den Arm fo weit hindurch zu 2 bringen, um den Hebel de» unteren Fenster» zu öffnen; jetzt gab auch da« nach; «in vorsichtige« Drücken, ein leise» Aechzen, ein Lauschen; nicht« rührte stch und aalglatt, geräufchlo« schob sich der Mann hindurch. Flüchtig blitzte die Taschenlampe auf. genug, um sich zu orientieren. Er hatte richtig berechnet. Er stand in einem Laderaum. Dort, durch die Türritze, drang leiser Lichtschein. Er schlich dort hin, bog stch zum Schlüsselloch hinab: da» Schlafzimmer der Gnädigen. Durch da» mußte der Weg in» Zimmer führen. Bon hier au« gab e« nur den einen AuSgang. Vorsichtig öffnete er und stand nun, eine seltsame Erscheinung, in dem duftenden, raffiniert «»»gestatteten Schlasgemach. Ein halb spöttische«, halb finsteres Lächeln machte da« Gesicht de« Verbrecher» nur noch abstoßender. Welche Kontraste, diese» Gemach und seine Erschei-nung, die der große Ankleidespiegel dmt zurück« wars! Flüchtig kreuzten die Gedanken durch dc» Mannes Hirn; dann schlich er sich über den weiche., Teppich vorwärt» zur ossenstehenden Tür de» Zim-mer». — Da saß sie noch, die schöne Träumerin, nichtSahnend — ob er sich hinschlich und ihr die Schlinge um de» schönen Nacken legte, sie mit ihren eigenen Haaren .. . ? — nein, nicht doch — Ehloro* form war besser — nur kein Mord, wenn« ohne dem ging! — Immer die regungslose Frau im Auge, schlich er näher; da stieß sein Fuß gegen den Kopf eine« Tigerfelle». Fast »äre er gestolpert. Mit einem leisen Fluch raffte er sich auf. Doch schon war die Frau mit einem schwachen SchreckenSrus au» ihrer Versunkenheit auf» und herumgefahren. Auge im Auge — Schrecken, Entsetzen in dem einen, wild« Entschlossenheit in dem andere», standen sie sich gegenüber. Da sank merkwürdigerweise die sich mit dem Cholosormtuch aussteckende Hand de» Ber-brecherS; starr hefteten sich seine Blicke auf da» Frauenantlitz. „Marila, Du?!* Einen Moment stand die Frau wie vom Blitz getroffen beim Klang der Männerstimme. Ungläubig forschten ihre Blicke in dem verwüsteten Gesicht; dann legte sich» wie lähmende» Entsetzen über ihre Züge- .BogiSlam! nein, nein — ei kann ja nicht sein — baß Du — Du — so vor mir — Der Mann war in sich zusammengesunken; feine verkrallten Finger umschlossen noch da» ver-räterisch« Tuch. .Wa» willst Du," murrt« er dumps — „ich hatte Hunger und . . ." „Und da wolltest Du mich morden?!!" ..Nein, nein — gewiß nicht — nur betäuben — wegen der Ringe da. Ich wußte ja auch nicht, daß Du» warst, die hier in der vornehmen Billa — Si« machte eine Handbrwegung. .Ich habe mich reich verheiratet. Aber Du! wa« ist au» Dir geworden?" «Du siehst e« ja — ein Lump!" Jetzt sand er sein gewohnte» höhnische» Lachen wieder. „Da stehst Du, wa« au» einem schwachen Menschen wird, den die Liebe belügt und betrügt." ..Schweig'!" „Warum? Es hört un« ja niemand. Oder doch? Dein Gatte etwa?" „Ist kränklich. Er schläft vorne herau«. Indeß sprich leise. Man könnte sich auch wundern, wie ich zu solchem sonderbaren Nachtbesuch komme." „Du bist wohl anderen gewöhnt?" höhnte BogiSlaw, in dessen Auge etwa» aufglomm. „Sei nicht frech!* drohte sie. .Nun, ich dachte nur an alte Zeilen." Sie hob die stolzen Schullern. „Alte Gkschich-ten, wer frägt heute danach?!" „Vielleicht der Herr Gemahl!" Sie lachte kurz auf. „Der, dem bi» ich doch so viel ..." — sie schnipple mit den Fingern. „Und doch hat er Dich geheiratet?" „Ja, in einer plötzlichen Laune, um seine Ver-wandten zu ärgern. Jetzt bin ich ihm die schöne Folie, mit der man Staat macht. Ich habe ihm au« meinen Liedschaften nie ein Hehl gemacht. Ich war ja beim Theater. Da ist doch sowas so naturlich." ..So und von.mir hast Du ihm auch erzählt?" „Nein." Die weiße Stirn der schönen Frau umwölkte sich stüchlig. .Du haft mich damals ernstlich ins Gerede gebracht. Al» mein Bräutigam hättest Du da» nicht dürfen: zu defertieren! Da» ist ge-mein!" ..Und warum tat ich»? Weil ich mich an dem vorgesetzten u»> Deinetwillen vergriff, Du herzlose Schlange." „Bitte, sprich leiser. Du weißt, wenn ich Lärm schlage. . .* „lind wenn ich Dich mit diesen meinen Hände» erwürge .. Sie zeigte ihre weißen, spitzen Raubtierzähnchen. „Renommier« nicht! Kinntest Du e» etwa?" .Vielleicht doch!' Sie lacht« leise girrend. „Sei nicht töricht. Ich will Dir etwa» sagen. Ich habe Mitleid mit Dir. Du siehst schlecht au». Wenn Du vernünftig bist — werde ich Dir wied«r auf die Beine helfen. Hast Du etwa« auf dem «erd-holz?" .Nur ein paar Haftstrafen." „Und welchen Beruf?* „Beruf? Eckensteher, Straßenkehrer. Stiesel-putzcr — waS Du willst — wa» sich gerade bietet. Ich war in Amerika: Kellner, Souffleur, Tram, bahnfchaffner und Anstreicher." „Und Deine Musik?" Bogi»law hob fchweigend die rechte Hand, an der ein Finger fehlte. „Armer Kerl" ES lag ein ehrliche« Mitleid in Maritas Stimme. Dem Mann aber gab es die Haltung wieder. .Danke für Dein Mitleid, ich will« nicht, hörst Du — vou Dir am Wenigsten. Adieu!" „palt! wohin? was soll jetzt werden. Willst Du weiter stehlen gehen?* BogiSlaw fuhr zusammen. .Nein, ich weiß etwas anderes, das man gut bezahlt. Noch wars mir nicht möglich; aber jetzt." — fein Blick umschloß hohnvoll Marila und daS ganze Gemach. „BogiSlaw, sag' mir, was willst Du tun?" ..Werde unserm Baterland nützen.' „Sie werden Dich einsperren, wenn Du zurück-kehrst." „O, das Baterland wird dankbar sein, wenn ich ihm auS der Ferne nütze, besser nütze." Da öffneten sich die Augen der Frau weit; ein dämonisches Feuer schlug darin empor. „Spionage? ! Ja, ja — ich sühlS, BogiSlaw — Du bist groß — trotz allem. Ich verzeihe Dir — alles. O, wie ich sie hasse, diese Deutschen, mei-nen Mann, diesen satten Egoisten! Alle! Alle BogiSlaw, wenn Du mich brauchst, zähle auf mich. Laß alles vergessen sein, wie auch ich vergessen will — diese Nacht — Deinen Auszug — die Bergan» genheit. Versprich mir, daß Du mich rufst, wenn unsere Zeit gekommen ist. Da — da — nimm dies!" sie riß eine Schreibtischschublade auf und reichte ihm eine Börse mit Gold. — So wie Du jetzt aussiehst, wirst Du nie Deinen Zweck erreichen. Gib Dich al» Musikschriftsteller aus. Ich selbst werde Dich protegieren; ich werde Dir die Wege bahnen. Dir helfen, wo ich kann. ES ist ja fürS Vaterland." In beider Augen glomm jetzt da» gleiche fana tische Feuer. „Marila, bedenkst Du, welche Gesahr Du auf Dich nimmst, was Du aufgibst, wenn man entdeckt, daß Du mit dem Spion im Bunde warst?" „Ich weiß e». Doch wa» ist da« im Vergleich mit Großem, da« wir leisten werden. — Mögen sie mir alle« nehmen. Mein innere« Heldentum werden sie mir nicht nehmen können." „Ueber das Heldentum wird mau hier anderer Ansicht fein." „Hier! bah, waS gilt mir das?! Doch jetzt geh'!* — Hüt einem Händedruck schied daS ungleich« Paar. Fast um «in Jahr später wanderte BogiSlaw in« Gefängnis. Sein Traum von Größe war kläg-lich gescheitert. Die Polizei hatte bald ein wachsame« Auge auf den verdächtigen Fremden. Noch ehe die KriegSfackel aufloderte, war der Spion unschädlich gemacht. Anders die schöne Marila. Es dauerte lange, bis auch auf sie. die Gattin eine« geachteten Maone«. der Verdacht de« KomplotS fiel. Doch dichter und dichter zogen sich die Fäden de» Netzes um sie zusammen. Allein mit dem Spürsinn der Frau ahnte sie ihr Schicksal. Der dunkle Weg. den sie an jenen verhängnisvollen Abend mit BogiSlaw beschritten, führte zu einem anderen Ziel. Als die Nemesis auch nach ihr die Hand ausstrecken wollte, fand sie eine, die sich selbst gerichtet. Die schöne Marila hatte Hand an sich selbst gelegt. Auf Schicksatswegen. Unter lautem Aechzen und Stöhnen neigen sich die allen Baumkronen und da« fohle Mondlicht dringt gespenstig durch die zerrissen«» Wolken. Klatschend prallen die Wellen des Teiches an da» steinige Uier und leise klirrt die eiserne Kette, die da» kleine Boot fesselt. Sonst kein Laut — nur da» Toben der Natur. Doch dies alles sieht und hört der Mann nicht, der im tiefen Schalten der Bäume steht, bloß^sein Augenpaar blickt gierig nach den erleuchteten Fenstern des Schlosses. Düster erhebt sich da» aus wächtigen Quadern erbaute Herrenhaus, wo alle» in tiefem Schlafe zu ruhen scheint. Nur manchmal hufcht ein Schatten an den Fenstern vorbri und da preßt der einsame Mann unten die Hände krampfhaft auf sein ungestüm pochende» Herz und einem Stöhnen gleich ringt sich das Wort: „Betrüger —I" von seinen bleichen Lippen- Da, ein leises Knarren, und ein Fenster wird geöffnet, aus welchem sich eine in leichte Nachl» gewänder gehüllte Frauengestalt, nach allen Seiten fvähend. neigt. Auch ihre Brust hebt und senkt sich in heftiger Bewegung Da — ein kurzer Pfiff, — at-mlofeS Lauschen nach einem erneuertem Zeichen, und leichtfüßig eilt Anneliefe, die Frau de» Hauses, die Treppen hinab. Ein feste« Stemmen geg:n die hohe, eiserne Tür, die sich laut knarrend in ihren Angeln dreht und ungehinderten Weg dem Sturme gibt, der liebkosend die krausen Haare aus der hohen Stirne hinwegküßt. Seife und v»rsichtig, wie «ine auf Beule lauernde Katze, schleicht Anneliese sich dem Herzen de» Parke« näher. Noch einmal kehrt sie sich um. noch einen Blick voll Haß und Abscheu umfaßt da» alte Hau», in dem ihr junge» Leben an der Seite eine» kranken, alten Manne» vernichtet wurde. Ein kurze», hartes Lebewohl klingt al» letzter Gruß hinüber und ein Seufzer der Erlösung ringt sich von ihren Lippen. Dann flieht sie, wie von Furien ge-jagt, in die entfernteste Ecke de» Parke«, wo sich die Gestalt des Geliebten von de» dunklen Stämmen löst. Mit einem befreienden Jubelruf schlingt sie wild und leidenschaftlich die Arme um den Hal» de» geliebten Manne«. Ach. sie ahnt nicht, daß die Liebe ihre« Leo nur Lug und Trug war. Nein, all' die finsteren und doch lüsternen Blicke sieht sie nicht, denn da« Haupt an seine Schulter gelegt, den einen Arm um ihn geschlungen, schreiten sie beide leichtfüßig den schmalen Pfad zum Teiche hinab. Wie-derwillig, doch wie unter dem Banne ihrer liebe»-trunkenen Augen, löst er die Kette de« Boote« und hebt die erbebende Gestalt wie die eine« kleinen Kinde» hinein, Wie ruhig liegt sie in feinen Armen, glaubt doch ihr armes Herz, es (ehe dem Glücke, dem Licht entgegen. Arme Motte! auch Du wirst in Dem Berber-ben eilen!-- Noch ist kein Laut über sein« fest zusammen-gekniffenen Lippen gekommen, doch sein« Brust ar> teilet heftig un) krampfhaft greifen die starren Hände nach den Rudern. Leise plätschert da« Was-fer, der Mond scheint nun vom klaren Himmel nie« der und nur von weitem noch hört man das Schreien der Nachtvögel. Weiter und weiter gleitet da» Boot, bis, von der Anstrengung ermüdet, der Mann die Ruder ein-stellt und gierig die kalte, kleine Fraucuhand an fein« Lippen führt. Wa« geht in feinem Herzen vor, welch' Kampf 1>urch!obt fein Inneres? Nein. <« kann nicht fein, er kann e» ihr nicht sagen, ihr, die rr im kurzen Sinnesrausche zu dem Schritt zwang, daß alles Lug und Trug, daß er «in Geächteter der Menschheit fei —- ein Flüchtling! Nein — nrin — tausendmal nein, lieber wollte er mit Anneliese sterben. Noch einmal übermannte ihn die Leidenschaft und ungestüm preßt er die Ge> liebt« an sich, dann ein kurze» Ring«» — «in halb« erstickter Schrei und glucksend schlagen die Wellen über einer weißen Gestalt zusammen. Starren Auge» blickt er in die Tief«, dann ein Griff — ein Schuß hallt übers Waffer und wieder schlagen die Wellen über dem neuen Opfer zusammen. Leise verhallt das Echo, die aufgescheuchten Vögel schweigen und tiefe Ruhe liegt über Schloß und Teich.-- DaZ fahle Morgenlicht dringt durch da» dichte Geäst und beleuchtet mit mattem Lichte den Ort des Jammers, wo aus ruhigem Wasserspiegel ein her-renlos«» Boot schaukelt. Roch herrscht tiefe« Schwei« gen in der Natur, nur die Zeit eilt rastlo» weiter, unbekümmert um da« Wohl und Weh« der Men-fchen — Leben gebend — Leben nehmend! Otty Pollach. vermischtes. Die neugierigen Pariser. Amster» damer Blätter bringen au« Paris folgende Nach-richt: Viele Pariser machen einen Ausflug in di« französisch« Feuerlinie, nm sich mal eine modern« Schlacht anzusehen. Man braucht dazu einen Pas-sierschein, der recht schwierig zu beschassen ist; aber e« gibt doch eine ganze Menge, die sich «inen sol-chrn Paß verschaffen, s» viele, daß es dem fran-zösischen Generalstade unangenehm wird. Ein wirk-same» Mittel, sich solcher müßigen Zuschauer zu entledigen, hat ein Arzt angewendet, wie die New« Aorker ..Time«" in einem ihrer Kriegsberichte er« zählt. Eine große Anzahl Schlachtenbummler hatte sich eine« Tage« auf einem oberhalb von SoifsonS gelegenen Hügel zusammengefunden und beobachteten interessiert da« Artillerieduell, da« über den Fluß hinüber zwischen deutsche» und französischen Kanv« nen stattfand. Da kam ein Stabsoffizier daher und fragte sie streng, wa« sie hier zu tun hätten. Ein« stimmig erklärten alle, sie wären gekommen, um sich vom Roten Kreuz beschäftigen zu lassen. Der Offi-zier nahm diese Ausflucht ernst und sandte den ganzen Trupp zu dem Oberarzt des nächsten Feld« lazarett» mit der Bitte, die Herren zur Arbeit an. zuhalten. „Da« ist aber wirklich hübsch von Ihnen allen," sagte der Arzt im freundlichsten Tone. „Wir können Sie gerade gut gebrauche». Da liegt schon seil ein paar Tagen eine Stenge toter Pferde. Hier sind Schaufeln; begraben Ste die Tiere." — Die Pferde wurden zwar nur zu einem kleinen Teil in die Erde gebettet, aber dieser Teil des Schlachtfel-des war für längere Zeit von unwillkommenen Be« fuchern gesäubert. Da» Jahr im Sprichwort. Hundert Jahr ist ein grobe« Wort, doch sind sie gar geschwind« fort, sagt da« Sprichwort l Um wie viel schneller erst »ergeht ein einzige» Jahr. Ein Jahr verschwindet wie der Blitz, meinen unsere Freunde, die Türken. Und dennoch. In mancher Hinsicht kann e« auch recht lang erscheinen. ES hat nämlich — wie kluge Laute beobachteten, viele Tage und noch mehr Mahlzeiten. Eine ganze Reih« von Wahrworten gibt diese Erkenntnis in verschiedenen Fassungen wieder, wie ,. B.: Da» Jahr hat einen großen Mund, wa» die Katze nicht frißt, da» frißt der Hund! oder: Da« Jahr ist immer länger al» die Wurst. Bei den Russen heißt e«: Das Jahr hat einen Magen, der ist 365 Tage groß, und ein Maul, da» reicht über 12 Monctc. Recht langsam vergeht also, von diesem GesichtSpunkle au», die Zeit, die unser« Erde braucht, um ihre Sonnenreise zu vollenden Nur die guten Stunden in diesem Zeitabschnitt, die dem Menschen so sparsam zugemessen sind, verfliegen be-klagen»wert schnell: Sehr treffend meint darum der Volksmund: „Ist da» Jahr auch noch so lang, Der Weihnachtsabend ist immer zu kurz." Spendet Zigaretten für unsere Verwundeten! Nuwwer 3 Srwtsiire iUrtdtt Seite 7 Kundmachung betreffend die Anzeige und Klassifikation der Pferde. Anzeige und Klassifikation der Pferde. Im Sinne des § 11 des Gesetzes vom 21. Dezember 1912, R.-G.-Bl. Nr. 235 findet in der Zeit vom 15. Februar 1915 bis 15. Mai 1915 im Kronlande Steiermark die Pferdeklassifikation statt, deren Ort und Zeit in allen Gemeinden durch bezDglicbe Kundmachungen der politischen Bezirksbehörde (k. k. Bezirkshauptmannschaft, Stadtrat, Stadtamt) seinerzeit in ortsüblicher Weise gesondert verlautbart werden wird. Zu diesem Behufe werden die Pserdebesitzer aufgefordert, innerhalb der Frist vom 11. Jänner bis einschließlich 13. Jänner 1915 die Zahl und Gattung ihrer Pferde, sowie die Zahl der zugehörigen Tragtierausrüstungen dem Gemeindevorsteher des Standortes mündlich anzuzeigen. Von der Anzeige sind ausgenommen: a) die zur Hofhaltung Seiner Majestät und der Mitglieder des kaiserlichen Hauses gehörigen Pferde und Tragtierausrflstungen; b) die zum persönlichen Gebrauche des regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein im Majoratshause zu Wien und im Schlosse zu Eisgrub in Mähren gehörigen Pferde und Tragtierausrüstungen: c) die zum persönlichen Gebrauche bestimmten Pferde und TragtierausrOstungen jener Personen, die im Sinne des internationalen Rechtes Exterritorialitätsrechte genießen; d) Zucht- und Wirtscbaftspferde der Hofgestüt«; t) die ärarischen Pferde und TragtierausrOstungen, dann soviele Pferde der aktiven Offiziere, als diese zur Versehung ihres Dienstes zu halten verpflichtet sind. Die an die Klassiflkationsorte vorzuführenden Pferde aus jeder Gemeinde müssen insoweit nicht in der betreffenden Gemeinde durch Öffentliche Verlautbarung des Gemeindevorstehers für einzelne Gruppen von Pferde-besitzein verschiedene Voifdhrungsstunden bestimmt wurden, zur gleichen Stunde gestellt sein. Die Vorführung der Pferde hat einzeln an der Hand zu erfolgen und sind hiebei auch die zu den Pferden gehörigen Tragtierausrüstungen vorzuweisen. Von den Pferden, die schon bei einer früheren Klassifikation mit einem Evidenzblatte beteilt wurden, ist auch das Evidenzblatt mitzubringen. Ton der Vorführung vor die Klassifikationskommission sind nebst den oben unter a) bis e) bezeichneten Pferden noch befreit: Soviele Pferde der nichtaktiven Angehörigen der bewaffneten Macht, als sie im Mobilisierungsfalle zu halten verpflichtet sind; die zur Beförderung der Post unbedingt erforderlichen Pferde; die für die Seelsorger, Aerzte und Tierärzte, zur Ausübung ihres Berufes auf dem Lande unbedingt erforderlichen, jedoch höchstens je zwei Pferde; die flür Polizei und Sanitätszwecke, sowie für die Feuerwehren unbedingt erforderlichen Pferde; • die zu Zuchtzwecken in Privatgestüten dauernd verwendeten Hengste und Stuten; die lizenzierten Privathengste; alle ausschließlich und dauernd zu Kennzwecken gehaltenen Pferde; jene Pferde welche in Bergwerken dauernd unter Tag arbeiten; die Pferde, die krankheitshalber oder wegen Gefahr der Verschleppung einer Seuche nicht aus dem Stall gebracht werden können oder dürfen; jene Pferde, welche im Jahre der Klassifikation das vierte Lebensjahr noch nicht vollenden; hochträchtige Stuten sowie Stuten mit Saugfohlen während einer sechswöchigen Saugzeit; die Pferde mit nachbenannten, die offenbare und dauernde Unbrauch-barkeit für jeden Kriegsdienst begründenden Gebrechen: Behhuf, Schale (Knochenneubildung um ein Gelenk) und Hufkrebs, wenn diese Gebrechen ein sichtliches und bleibendes Lahmgehen zur Folge haben, ferner Blindheit ans beiden Augen, Dummkoller und hochgradiger Dampf, endlich die bei einer früheren Klassifikation im selben Aushebuugsbezirke «gänzlich untauglich* klassifizierten Pferde. Die bezüglichen Befreiungsansprüche sind gleichzeitig mit der Anzeige geltend zu machen und nachzuweisen. , Die für die Pferdeeinberufung als normal geltenden Preise werden noch vor der Klassifikation in geeigneter Weise verlautbart werden. Die bei den Besitzern vorhandenen Reitzeuge, Beschirrungen und Tragtierausrüstungfn können durch die militärischen Vertreter der Pferde-klassifikations-Kommissionen bei den Besitzern an Ort und Stelle besichtigt werden. Die zur Besichtigung beauftragten militärischen Vertreter werden sich durch eine offene Order ausweisen. Die Besitzer von Pferden, die der gesetzlichen Verpflichtung zur Anzeige der Pferde- und Tragtierausrflstungen, sowie zur Vorführung der Pferde vor die Klassifikations-Kommission und zur Vorweisung der Trag-tierausrflstungen nicht nachkommen, werden mit Geldstrafen bis zu 200 Kroucn — bei Cneinbringlichkeit der Geldstrafe mit einer Arreststrafe bis zum Höcbstausmaße von 1 Monat — belegt. Graz, am 3. Jänner 1915. K. k. steiermärkische Statthalterei. Kundmachung. An der deutschen Volksschule in Hrastnigg gelangt auf Kriegsdauer eine provisorische Lehrstelle für die Schulvereinsklasse (4. Klasse) zur sogleichen Besetzung. Bezüge nach den Normen des Deutschen Schulvereines nebst freier Wohnung und Beheizung. Bevorzugt werden ältere, energische, männliche, militärfreie Bewerber. Gesuche sind an den Obmann des deutschen Ortsschulvereines in Hrastnigg, Herrn Fabriksdirektor Franz Wieltschnigg in Hrastnigg, ehestens zu richten. Einberufungskundmachung. Alle bei ber Musterung in bet Zeit vom 16. November bis 31. Dezember 1914 zum Landstnrmdienste mit ber Waffe geeignet befundenen Landsturmpflichtigen der GebnrtSjabrgänge 1887, 1888, 1889 und 1890 haben einzurücken, sofern sie nicht schon zum Dienste mit der Wisse herangezogen oder von diesem Dienste auS Rücksichten deS öffentlichen Dienstes oder Interesses auf bestimmte oder auf unbestimmte Dauer enthoben worden sind, und haben sich am 16. Jänner 1915 bei dem in ihrem LandsturmlegitimationSblatte bezeichneten f. u. !. Er-gänzungsbezirkskommando. beziehungsweise k. k. Landwehr-(LandeSfchützen-) Ergänzungöbeziikskommando einzusinken. Für diejenigen Landsturmpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1887, 1888, 1889 und 1890, die wegen vorübergehender Erkrankung erst zu einem späteren Termin einzurücken haben, gilt der hiefür bestimmte, au« dem LandsturmlegitimationSblatte zu entnehmende Termin als der Zeitpunkt für die Einrückung zum oberwahnten Kommando. Bei der Nachmusterung nach dem 16. Jänner 1915 geeignet Befundene der genannten Jahrgänge haben binnen 48 Stunden nach ihrer Musterung einzurücken. ES liegt im Interesse eines jeder, dieser Landsturmpflichtigen, ein Paar fester Schuhe (eventuell Stiefel, Opanken), dann warme wollene Unterwäsche, warme Kleider (wollene Weste mit Aermeln, Wolleibchen, Sweater, Pelze, dicken Wintermantel u. dgl.), Wollsocken swollene Fuß-läppen), Schneehaube, Pulswärmer, warme (Woll-)Handschuhe, warme Decke (Kotze) und einen Rucksack, jedenfalls aber ein Eßzeug und ein Eßgefäß mitzubringen, soweit er diese AuSrüstungSgegenstände besitzt. Diese werden, falls sie als brauchbar zur Benützung im militärischen Dienste befunden werden, nach ihrem Werte vergütet werden. Auch empfiehlt eS sich, Nahrungsmittel für drei Tage mitzubringen. DaS Landsturmlegitimationsblatt berechtigt zur freien Eisenbahn-fahrt bei der Einrückung und ist vor Antritt dieser Fahrt bei der Personenkassa der AuSgangöstation abstempeln zu lassen. Die Nichtbefolgnng dieses Einberufungsbefehles wird nach dem Gesetze vom 28. Juni 189V, Neichs gefetzblatt Vtr. 137, strenge bestraft. Stadtamt Cilli, am 29. Dezember 1914. Der Bürgermeister: Dr. Heinrich v. Jabornegg. Kundmachung*. Laut Beschluss des Gemeindeausschusses der Stadt Cilli vom 20. März 1914 beginnt das neue Hundeversteuerungsjahr mit I. Jänner 1915. Es ist demnach für jed^n über 4 Monate alten im Stadtgebiete gehaltenen Hund eine jährliche Gebühr von 15 K zu entrichten. Für an Ketten gehaltene Wachhunde und für im Gewerbebetriebe gehaltene Hunde ist eine Jahresgebühr von 10 K zu erlegen. Für Hunde durchreisender Fremden werden Fremdenmarken mit der Giltigkeit von 3 Monaten gegen Erla.' von 4 K ausgegeben. Die Hundemarken werden vom 10. Jänner bis 31. Jänner 1915 in der Stadtkasse gegen die betreffende Gebühr und eine Abfertigungsgebühr von weiteren 20 Hellern verabfolgt. Sämtliche im Stadtgebiete gehaltenen Hunde sind bis 31. Jiwner d. J. bei der Sicherheitswache anzumelden und es muss auch die Tötung, der Verkauf oder Verlust eines Hundes daselbst bekannt gegeben werden. Jede Uebertretung dieser Vorschriften, sofern sie nicht eine durch das Strafgesetz zu bestrafende Handlung darstellt, wird im Sinne des § 47 des Gemeindestatutes für die Stadt Cilli mit einer Geldstrafe von 2 bis 20 Kronen zugunsten des Gemeindearmfondes, im Nichteinbringungsfalle mit den entsprechenden Arreststrafen bestraft. Stadtamt Cilli, am 2. Jänner 1915. Der Bürgermeister: Dr. Heinrich v. Jabornegg. ©ehe 8 Deutsche Macht 'Jtuaime. 3 » }Superpliospliale o Nachgewiesen wirksamster, billiaster Nachgewiesen wirksamster, billigster Phosptiorsäureersatz für alle Bodenarten und Fruchtgattungen, übertrifft in verlässlicher, schneller Wirkung alle anderen empfohlenen Phosphorsäure-Düngemittel! Ammoniak- und Kali-Saperphosphate als bewährteste, höchste Renten liefernde Voll- q diingnng liefern alle KunstdQngorfabriken, Händler VZ. und landwirtschaltliche Vereine. kl Zentralbureau Ludwig Fortner, Prag, Graben 17. OD =3 co E o> 3 co CD co KÄYSER Vollkommenste WW • der Gegenwart! 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M. um 8 Uhr früh in der Stadtpfarrkirchc gelesen. Cilli, am 7. IKeiner 1915. Anna Ot«u>hko, Gattin Heinrich ßregent Ob«rl*hr«r Schwiegersohn. Karl Otschko, k. k. Postasilstent Anna Bregant Josef, Olga nnd Simon Otschko Kinder, Separate Parten werden nicht ausgegeben. Schrift leitang, 9k rroaltung, Druck unb Verlag: Vereinsbuchdruckerei „Teleja" in Eilli. — Verantwortlicher Leiter: Guids Schidlo.