Kriegsnummer! ti 1914 (S-pt-mver). \ (X t t Q (11. Jahr.) A-lg- 129. für den flbttilungsimtwicbt Monatschrift zur Förderung des österr. Achulweseu». vezugägedühr6K(6Mark, Schriftleiter: Geschäftliche« au«schliet»ch 7Frk.)jährltch. Gtngelmim- ->n die „Verwaltung der met 60 h (60 VI, 70 ct). Tlr ttlihnlf Hem Blätter |üc den Abteilung». Voftlpatl. 9tr. 68.218. It'l. nuuui/ t r l f. unterricht in Laidach". Manuskripte und Bücher a» die Echristlcltung der Blätter für den Abte»ung«unterrlcht in MicS (Bdhmen). Zueignung. viele folge der „Blätter für den Abteilungsunterricht“ fei dem Vaterlande gewidmet! Untere Gemeinde, die feit ihrem Bettehen werktätigen Patriotismus gepflegt und fich bemüht hat, die rechte Getinnung für unser liebes örterreich einerseits in die auftproffende Generation, anderseits ins Volk zu pflanzen, darf in dem Zeitpunkte, da das Wort des Raiters die Völker des Reiches entflammt und zu einem mächtigen Bunde geeint hat, fich nicht mit der Genugtuung über die Erreichung des erstrebten Zieles abfinden, sondern muß durch eine besondere Kundgebung dazu beitragen, den Strom aufrichtiger Begeisterung für die gewaltige Cat, die im Werden ist, nach allen Seiten hin zu leiten und des Volkes unversiegbare Kraft für den hohen Zweck auszulöfen. Wahrlich, das ift ein großer Cag, der uns grüßt, da wir unter Aug’ gegen Offen wenden; aus dem Feuerschein der Kanonenblitze hebt fich eine neue Sonne für Österreich. Ift es da nicht eine üuft hoher Art, hinter den siegreichen fjeeresmasfen mit dem zündenden Worte zu wandeln und so seinen Ceil zum bedeutungsvollen Werke beizutragen! flicht dem allein fällt der Lorbeer zu, der das Schwert im Kampfgewühle zückt, sondern auch dem, der in zarter Sorge den Hinterbliebenen ein Vater ist, der mit dem warmen fjerzensworte die Gemüter aufrichtet und immer wieder an der Saite rührt, aus der der Grundton der Cagesftimmung quillt. Solcherart möge Folge 129 unterer Monatschrift mehr bedeuten als ein Zeitungsblatt, das man durchfliegt und dann gleichgültig bei-feitelegt! Sie ift berufen, glühenden Mut zu nähren, zur Arbeit im Dienfte des Vaterlandes anzueifern und den weltgeschichtlichen Augenblick feftzuhalten. Der Krieg und die Lehrerschaft. Der bedeutungsvolle Zeitabschnitt, in dem wir zeigen sollen, daß wir neben der formalen Seite unseres Amtes auch tatkräftige Arbeit im Dienste des Vaterlandes leisten können und wollen, ist gekommen. Tausende bewehrter Familienväter sind ins Feld gezogen und haben Weib und Kinder in bitterster Lebensnot zurückgelassen. Da hebt unser Samariterdienst an. Wir werden zunächst Institutionen schaffen oder beleben müssen, die den Verlassenen zugutekommen. Wie sehr wird sich in diesen Tagen meine auf dem Kinderkongresse zu Salzburg aufgestellte Forderung, das Fürsorgewesen in die Hände der Lehrerschaft zu legen, als zweckentsprechend erweisen I Wer ist dem Kinde, der Familie näher gerückt als der Lehrer! Da wäre mit juridischen Normen und mit Vielschreiberei nicht gedient. In Zeiten der Not ist nur die rasche, die unmittelbare Hilfe von Wert. Diese kann der Lehrer im Vereine mit dem Priester bieten. Er wohnt im (Orte, er kennt den Grad der Bedürftigkeit, er weiß, die Nächstliegenden Quellen zu öffnen, er reicht ohne viel Aufsehen und Kränkung die Gabe, er kommt nicht allein mit der klingenden Münze und dem gefüllten Ränzlein, sondern spendet auch das tröstende Wort, stützt die Mütter bei der Erziehung der Knaben, ist also Anwalt, Retter und Vater. Diese Aufgabe ist ihm durch die Natur seines Amtes im stillen gestellt. Ein Wicht, wer sich nur zwischen den vier Wänden derSchulstube als Lehrer fühlt und jetzt, da bas Vaterland blutet, bloß die etwa verlängerten süßen Ferien preist! Wenn je, so müssen mir in diesen schweren Zeiten unsere Äufgaöe afs Kührer, Berater und Keffer des Wokkes voll erfassen. — Mit dem Fürsorgedienst ist eine der vielen Aufgaben, die uns der Krieg vorlegt, angedeutet. Der Neuling wird fragen: „Woher die Mittel für den Zweck beziehen?" Die Lösung liegt nahe. Man veranstalte einen Vortragsabend, bei dem in der auf Seite 3043 angegebenen Art das Manifest des Kaisers erklärt wird! (Dder man nehme die auf S. 3046 gebotene Festordnung zur Grundlage für ein Konzert! (Dder man leite, wenn nichts von dem möglich ist, eine Sammlung ein und erscheine alsbald als Retter in der Not. — Ein wackerer (Oberlehrer im Salzburgischen erzählte mir in den Tagen, da die Allgemeine Mobilisierung angeordnet wurde, daß ein habsüchtiger Hausbesitzer sich nicht gescheut habe, einer Frau, deren Mann einrücken mußte und sie samt den drei Kindern ohne Mittel zum Lebensunterhalte zurückließ, zu drohen, er werde sie auf die Straße werfen lassen, wenn sie die rückständige Miete nicht binnen drei Tagen bezahlt hätte. In ihrem Jammer erschien die Beklagenswerte bei dem Leiter der Schule, und ehe der Gewaltmensch sein Vorhaben ausführen konnte, war der Frau geholfen. Der rührige Kollege berichtete, daß das Geld in ungeahnten Beträgen bei ihm zusammenfließe und er darum in der Lage sei, auf Monate hinaus zu helfen. — Wer sich anschickt, wie der „Statthalter von G.", so nennt man den (Oberlehrer,1 dessen Tat ich hier zur Nachahmung empfehle, vorzugehen, dem rate ich im voraus, die Geldgebarung in andere Hände zu legen und gerade nur der Sammler zu fein, denn die böse Zunge wetzt sich nirgends so gern als an der Arbeit des Lehrers. Besser der üblen Nachrede aus dem Wege gehen, als nachträglich sich verteidigen müssen! — Neben dem Fürsorgewesen, das hier nach der materiellen Seite hin gekennzeichnet erscheint, stellt sich als wichtige Agende, die der Krieg brachte, die Besorgung der Feldarbeit ein. Wer die „Blätter" seit Jahren aufmerksam gelesen hat, wird sich vor kein allzuneues Problem gestellt sehen. Wir haben bei jeder Gelegenheit auf die Erziehung zur Feldarbeit eindringlich verwiesen und daher dem Ungeteilten Vormittagsunterrichte das Wort geredet. Der unserem Rate gefolgt ist, braucht nicht die Schultüre zu schließen, 1 Li» fjinweis, welch große» Einfluß der Kollege in seiner Gemeinde hat. da der Kampf tobt, ist doch seine Zungmannschaft in der Betätigung beim Geschäfte der Eltern derart geübt, -aß sie am Nachmittage ausreichend helfen kann, tüo aber der Unterricht den größten Teil der Zeit aufsog und die Schüler in der Handhabung des Spatens und des Rechens ungelenk sind, da wird der ganze Tag nötig werden, den Ausfall an Arbeitskräften zu decken. Da muß der Lehrer vorerst sein Völkchen üben, um sich dem Dorfe zur Verfügung zu stellen. Auch für diesen Fall kann ich mit einem Exempel dienen: Zn meinem Znspektionsgebiete hatte ein Einklafsiger (ich habe ihn in F. 56 der „Blätter" als „König des Dorfes" charakterisiert) die Zungen der Oberstufe im Veredeln der Obstbäume geschult. Als er ihnen das Geschäft mit ruhigem Gewissen überlassen konnte, bot er sich mit seiner Schar dem Dorfe an. Was wunder, daß selbst die Mißtrauischen Zugriffen, da sie die Erfolge des Lehrers kannten, und sich ihren Obstgarten gratis bestellen ließen! So zog denn der „König des Dorfes" von Garten zu Garten, überall Segen verbreitend. Nicht anders soll es jeder Amtsgenosse auf dem Lande mit jenen Schülern und Schülerinnen machen, die nicht durch die Arbeit für das eigene Hauswesen gebunden sind. Die Keuschlerskinder mögen unter der Führung des Lehrers eine Truppe bilden, die jeder begehrt, weil sie mit kundiger Hand und mit Eifer das Geschäft auf Wiese und Acker besorgen hilft. So wird der Lehrer zum Sendboten des Himmels, zum werktätigen Helfer in der Not. — Weitere Diensie, die er dem Vaterlande während des Krieges leistet, seien nur schlagwortweise vermerkt: 2.) Beaufsichtigung und Beschäftigung von Kindern, die der Wartung seitens der Eltern entbehren. 3.) Beistand bei Krankheit und Unfällen, sowie in Rechtssachen. q.) Ausbildung von schulentlassenen Kindern, Stellenvermittlung. 5.) Hilfsaktion für das Rote Kreuz. 6.) Besorgung von Militärangelegenheiten. 7.) Ausbildung Nichtwehrfähiger zum Sicherungsdienst oder als „Letztes Aufgebot". 8.) Betätigung im Verwaltungs-, Sanitäts- und Postdienste. st.) Anregung zu Näharbeiten für die Spitäler. lO.) Labung der Soldaten in Bahnhöfen und der Verwundeten in Spitälern. (Einsieden von Obst usw.) Der findige Kopf wird noch manche Seite der Betätigung ausnntteln, und er kann uns einen Dienst erweisen, so er weitere Teile der Arbeit im Dienste des Vaterlandes aufzeigt. Man soll nach dem großen Kriege sagen können: „Die Lehrerschaft hat sich auch diesmal als wichtiger Faktor im Staatsleben erwiesen." Noch eines: Nichts schadet in diesen Tagen mehr als die Sensationsmacherei und nichts steht dem Lehrer, als dem Träger der Bildung im Volke, schlechter an als die Verbreitung haltloser Gerüchte, seien sie nun gut oder schlecht. Man glaube nur an das, was die amtliche Marke trägt! Kombinationen und Hiobsnachrichten überlaste man den Schwätzern I (Ein böhm. Kollege hat im Schulhause eine allgemein zugänglich« Nachrichtenstelle errichtet.) Zum Schlüsse ein Wort an die Lehramtskandidaten: Auch an Euch, meine Lieben, tritt die ernste Pflicht heran, dem Vaterlande die Kraft zu leihen. Zeder von Euch, die auf dem flachen Lande weilen, soll es nicht verabsäumen, sich sofort dem nächsten Schulleiter zur Verfügung zu stellen; die in der Stadt Wohnenden fügen sich unter das Kommando eines Professors und bieten sich für Verwaltungsdienste oder für Feldarbeiten an. Man wird Euch irgendwie verwenden können. Zaudert nicht, sondern zeigt, daß in Euch der «rechte vaterländische Lehrergeist schlummert 1 Wenn wir alle in den zehn oben vorgezeichneten Belangen rasch und richtig zusammengreifen, bedeuten wir eine Macht, die dem besorgten Kaiser das Ungemach des Krieges lindern hilft. — P. Zeitgenössische Kriegslieöer.' Wie vor hundert Jahren, so erhebt auch heute die Muse im Waffengeschnieid' ihr Haupt, um jene zu begeistern, die in den Kamps ziehen. Zwar ist noch kein Arndt und kein Körner erstanden, aber immerhin zeigen die Anfänge einen kräftigen Einsatz, so daß einige der in reicher Zahl erschienenen dichterischen Produkte der jüngsten Tage es wenigstens zum Teil verdienen, dem vorüberrauschenden Strome der Zeit entrissen zu werden. Eine Auslese sei hier geboten. Der Lehrer mag, stehend im Volke oder vor den Kleinen, aus ihr entnehmen, was ihm für den Augenblick geeignet erscheint! — Pmtf! Schlag auf Schlag und Hieb auf Hieb! Hei! Das ist ein kräftig Grüßen! Du Gezücht, du sollst es büßen, Das zu diesem Kampf uns trieb. Hieb auf Hieb und Schlag auf Schlag! Schon erfüllt den Feind ein Schaudern, Vorwärts, Brüder, ohne Zaudern — Strahlend naht der Ruhmestag! F. I. Z. in der „Österr. Ztg." An Österreich. Wir wollen kämpfen um den Frieden, Um unfern Stolz, um unser Brot. Wer sich nicht tüchtig wehrt hienieden, Den macht man still, den macht man tot. Was soll ein Riese hinterm Gitter, Der Zeit zu gutem Schlag versäumt? Was soll ein Parsifal, ein Ritter, Der nur von Minnezauber träumt? Erwache, Parsifal, und fasse Mit Ernst nach deinem frommen Schwert! Östreich, oerliege nicht, verpasse Nicht deinen alten Ritterwert! Alexander v. Glcichen-Rußwurm in der „N. Fr. Presse". Schwert aus der Scheide. Der Neid mißgönnt uns den Platz am Licht, Feinde umzieh'n uns wie Wolken dicht, Zehn gegen Einen im Waffenschein. Wer bleibt »ns treu? Unser Gott allein! Die Erde zuckt und der Himmel flammt, Schwert, nun tu dein heiliges Amt, Schwert aus der Scheide! I. Kurz im „Wiener Journal". I>ie große Stunde. Niemand zage, niemand klage Reih' sich Volk an Volk zur Wehre Großen Schicksals Willen an! Gegen Schmach und Barbarei, Was wir je gehadert haben, Daß im Sturmschritt starker Heere Sei vergessen, sei begraben . . . Der Kultur verlor'ne Ehre Freudig reih' sich Mann an Mann, Wieder neu gewonnen sei! Deutschland-Österreich im Bunde, Waffenstark und tatbcreit „Seid ein Schwert!" hallt's in der Runde ' „Vorwärts!" jubelt's durch die Runde Eisern dröhnt heran die Zeit. Jeremias in der „Muskete". 1 Die g. Leser werden gebeten, diese Sammlung durch Einsendung von weiteren in Zeitschriften und Büchern erschienenen Gedichten, bezw. durch Originalbeiträge zu bereichern. Per Kaiser ruft! Durch Ährenfelder und der Bäume Wipfel, Vom Tal hinauf bis zu der Berge Gipfel, Durch Stadt und Land und über Flüsse, Seen Braust es einher wie mächtig Slurmeswehen: Der Kaiser ruft! Es dringt von Haus zu Haus, von Mund zu Munde, Pflanzt eilig fort sich die gewaltige Kunde, Und überall ein lebhaft heißes Regen, Von einem tönt 's dem anderen entgegen: Der Kaiser ruft! Sie eilen zu den altehrwürd'gen Fahnen, Zum heil'gen Krieg, in neue Siegesbahnen. Dem Kaiser gilt es und fürs Reich zu siegen, Zum allen Lorbeer neues Reis zu fügen! Der Kaiser ruft! Adolf Pergier in der „Österr. Volkszeitung". Pie Wessen der ponau. Die Wellen der Donau, sie brausen und rauschen, Sie raunen sich alte Geschichten zu. Und ringsum ist's wie ein andächtig Lauschen, Kein Lüftchen störet die heilige Ruh'! Sie raunen von alten vergangenen Zeiten, Von Helden, die einst die Ufer bewohnt, Von Lieb' und Treu' der wackeren Kämpen, Die manches Ruhmeslied gelohnt. Die Wellen der Donau, sie jauchzen und dröhnen Eine Jubelkantate ins Land hinaus: Heil Österreich, heil seinen Söhnen! Der Sieg sei mit ihnen, mit Habsburgs Haus! Paula v. Quaglio in der „Österr. Volkszeitung". Ausfahrt. Wir fahren in den Krieg. Es gilt, groß ist die Zeit, Väter, Mütter, Mädls — weint nicht mehr, Wir müssen um unsere Freiheit ringen. Wir müssen kämpfen für Österreichs Ehr'. Soll der BarbarEuch zumFrondienst zwingen? Wir fahren in den Sieg! Heilig ist dieser Streit. Drum weint nicht! Trocknet das Gesicht I Nicht jede Kugel, die gegossen, Hat immer ihren Mann erschossen. Glaubt: Wir sehen uns wieder Beim Klang der Siegeslieder, Heut' aber ruft uns heilige Pflicht. Aus der „Muskete". Eine Ansprache an das Volk. Liebe Dorfgenossen I Wir sind im Kriege, mitten in einem großen Kriege, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat. Das wird ein Schlachten und Zertrümmern werden I Die Erde wird vor dem Huftritt der Rosse und dem Donner der Kanonen erzittern. Doch fürchtet Euch nicht I Wenn alle Reiche zerschellen, unser teures Vaterland und das Deutsche Reich, das uns treu zur Seite ist, sie werden aus diesem Riesenkampfe siegreich hervorgehen und weiter bestehen; denn unsere Sache ist gerecht, unser Streit ehrlich, von Gott geheiligt. Sollten wir die Missetat von Sarajewo ungerücht lassen? I Dürfen wir die Hände ruhig in den Schoß legen, wenn uns die Mörder höhnen, wenn sie sagen: „Seht, was sich das arme Österreich alles gefallen läßt! Es ist zu schwach und muß sich prügeln lassen wie ein Knabe I" Würden sie nicht immer frecher werden und schließlich in unser Land eindringen mit Sengen und mit Brennen?! Ihr werdet sicherlich von Euern Eltern und Großeltern vernommen haben, wie vor hundert Jahren die Franzosen in unserem Vaterlande hausten, und werdet Euch aus Eurer Schulzeit an die Erzählungen von dem Einbruch der Hunnen und Mongolen erinnern. Nicht anders ist eS heute. Wieder will der neidische Franzmann unsere Arbeit und unser Volkstum vernichten und wollen wilde Horden aus dem Osten, die Russen, uns berauben und unsere Städte und Dörfer unter ihre Herrschaft bringen. Bedenkt nur, welches Los uns und unserer Heimat beschert wäre, wenn wir ruhig zusähen, bis die Feinde stark geworden sind und uns durch ständige Rüstungen ausgesogen hätten! Sie würden in unübersehbaren Massen kommen und alles zertreten, was ihnen im Wege stünde. Tausende unserer Landsleute mühten nach Sibirien wandern und dort in den Bergwerken verschmachten; Tausende träfe der Mordstahl, denn aus den Balkankriegen ist bekannt, daß dem serbischen Tritt nur Tod und Vernichtung folgt; Tausende würde man zwar im Lande lassen, weil man ihre Arbeitstüchtigkeit brauchte, aber sie dürften sich nicht rühren, sie wären schlimmer dran als Sklaven. Weiber würden geschändet, Kinder erbarmungslos getötet werden. Dieses Schicksal wäre unvermeidlich gewesen, hätte unser guter und besorgter Kaiser nicht rechtzeitig zum Schwerte gegriffen. Denn wißt, das, was sich in Sarajewo abgespielt hat, war nichts als der erste Trompetenstoß zum Kampfe der wilden Horden. Sie wollten damit der Welt zeigen, daß sie vor nichts zurückschrecken; sie wollten uns reizen, indem sie glaubten: „Ha, wenn sich Österreich rührt, so werden sich unsere slawischen Brüder innerhalb seiner Grenzen sofort mit uns vereinen und wir können vhneweilers einmarschieren. Mit den paar Deutschen und Ungarn werden wir dann bald fertigwerden I" — Aber wie haben sich die Frechlinge getäuscht! Fester denn je zuvor halten die Völker Österreichs zusammen ohne Unterschied der Nation, Konfession und Partei. Die ärgsten Hetzer sitzen im Turm und die ändern, die durch sie irregeführt werden sollten, wissen recht gut, was ihrer harrt, wenn sie einmal nicht mehr unter Habsburgs Szepter stehen. Drüben in Rußland gibt es kein freies Wort, kein heiteres Lied, keine Bildung, keine Gerechtigkeit; dort lauert auf Schritt und Tritt Verrat. Wer einem der Gewalthaber nicht zu Gesicht steht, wird ohne jedwede Untersuchung aus der Familie gerissen und bleibt verschollen. Sollten nun unsere slawischen Völker sich nach einer solchen Herrschaft sehnen?! Kein Wunder also, daß sie sich von ihren Verführern wandten und Hand in Hand mit uns Deutschen in den Kampf auf Tod und Leben ziehen. Der Krieg wäre gekommen, auch wenn sich das Traurige in Sarajewo nicht ereignet hätte. Ihr mißt es ja, wie wir seit dem Jahre 1908 immer unter Waffen stehen mußten, um uns zu wehren. Aber jedesmal steckten die Widersacher das Schwert wieder in die Scheide, weil sie sich gegenüber unserem Aufgebote noch zu schwach fühlten. Ferner wollten sie uns wirtschaftlich zugrunderichten, indem sie uns zu Rüstungen zwangen, um uns zu schwächen und dann leicht zu besiegen. Ihre eigenen Rüstungen kosteten nichts, denn Frankreich bezahlte die ganze Zeche. Frankreich ist ein reiches Land und kann das leisten. „Aber was will Frankreich von uns?" werdet Ihr fragen. Von uns eigentlich nichts, aber unserem treuen Bundesgenossen, dem Deutschen Kaiser, will es die anno 1870 und 1871 verlorenen Länder Elsaß und Lothringen wieder nehmen. Weil es nun weiß, daß wir mit unserem Freunde durch dick und dünn gehen, so hetzt es uns Rußland aus den Nacken. Dieses aber schämt sich, vor aller Welt den bezahlten Lakaien zu spielen, und schickt daher das kleine Serbien als Sturmbock voraus. Und was glaubt der Knirps Serbien? Eben das, was ich vorhin ausgeführt habe, daß sofort alle Slawen Österreichs auf seine Seite treten werden und es dann über unsere südlichen Länder herrschen würde. Fein ausgerechnet, nicht wahr, aber leider ohne den Wirt, d. H., ohne die Kraft des österreichischen Heeres und den Vaterlandssinn aller Völker der Monarchie. — Jetzt werdet Ihr noch fragen: „Was hat England bei dem Streit zn tun? Wie kann es den Kampf wilder Horden-junterstützen?!" Das ist so: Das Deutsche Reich hat wie ein tüchtiger Kaufmann, der mit kleinem anfing und sich durch Fleiß und Umsicht allmählich f emporarbeitete, England im Welthandel überflügelt. Das kann nun der Großkaufmann Eng-: land nicht vertragen. Statt aber ehrlich in den Wettbewerb zu treten, wartet er das Unglück \ seines Konkurrenten, des ehemaligen kleinen Kaufmannes, ab, um ihm eines zu versetzen oder h ihn womöglich ganz zu vernichten. Ist das nobel? Gewiß nicht! Aber darum kümmert sich eine j, elende Krämerseele nicht. — Würde es nun England in der Tat gelingen, den deutschen Handel ' zu zerstören, so würden wir darunter auch ganz bedeutend leiden, weil wir allein zu schwach • wären, dem unredlichen Borgehen Englands und Frankreichs zu widerstehen. Demnach ist es ; also nicht allein unsere Ehrenpflicht, sondern auch von größter Wichtigkeit für unseren Geschäfts- verkehr, daß wir Deutschland zur Seite stehen. So seht Ihr denn, wie sich die Wolken seit Jahren zusammenzogen und daß es kein Entrinnen gab. Nur der Friedensliebe unseres gütigen Kaisers ist es zuzuschreibeu, daß der Kampf nicht schon früher begann; er versuchte es immer wieder, das Reich auf dem Wege der friedlichen Verständigung am Leben zu erhalten. Als jedoch die feindliche Kugel seinen teuern Neffen traf und er erkannte, daß seine Güte als Schwäche gedeutet werde, daß der Krieg sich nicht vermeiden lasse, da opferte er die Ruhe des Alters und griff zum Schwert. Seine Weisheit erkannte die Notwendigkeit und die Folgen des Kampfes. Darum mag jeder frohgemut dem Rufe zu den Waffen folgen. Der Kaiser weiß, daß er durch den Krieg seinen Völkern einen schönen und dauernden Frieden bringt. Sonst hätte er, der besorgte Vater seiner Völker, seine Soldaten niemals ins Feld geschickl. Kann es nun nach allem, was ich Euch vorgeführt habe und was die purste Wahrheit ist, noch eine Träne geben? Kann da noch jemand über den Krieg klagen? „Soll ich," sagte ein schlichter Bauersmann, „Tag um Tag, Jahr um Jahr ruhig bleiben, wenn hinter mir ein Missetäter schleicht und den Augenblick abwartet, da er mir eines versetzen kann?!" So ist es auch hier. Hätten wir zugewartet, bis die Feinde stark geworden wären, so würden sie uns ohneweiters erwürgt haben. Und denkt nur an eine Krankheit, bei der eine Operation nötig erscheint! Ist es da nicht gescheiter, man wagt die Operation und hat dann Ruhe, als mau wartet und wartet, bis es zu spät ist?! Freut Euch also, liebe Dorfgenossen, daß es so gekommen ist! Der Krieg ist zwar furchtbar; aber er bringt uns neuen Segen, neues Glück. Das Blut der Teuern, die wir für das Vaterland in den Kampf ziehen sahen, wird als goldene Saat aufgehen und Kinder und Kindeskinder erfreuen. Rufen wir ihnen, die für uns streiten, ein Glückauf zum Siege zu! Gott sei mit ihnen! ' H»eerz. Die Doppelernte sM- (Driginalbeitrag,) Die Senfe rauscht, die Stechei klingt, das Korn in Schwaden niedersinkt, 's ist reif, 's ist reif zum Sterben. — Noch andre Schnitter ziehn z» Feld, und was sie treffen, das verfällt dem sichern Tod, dem herben. Und Garb' um Garbe richt't sich auf, man sammelt sie in raschem Lauf, der lüagen schwankt zur Scheuer. — Was binden sie die Kreuz und (Quer? Was fährt der volle Wagen her? Gefangne wüste Schreier 1 Die Sonne brennt vom Himmelsfirn, der Schweiß tropft von der Schnitter Stirn wie wär' die Ruhe labend! — Doch eh der letzte Halm nicht liegt, der Feindesstolz zu Kreuz nicht kriecht, gibt’s keinen Feierabend. Und Tag für Tag geht's emsig her, die Scheuer füllt sich, 's Feld wird leer, wann kommt die letzte Fuhre? Geduld I 's ist nicht so rasch gemäht, was Bosheit jahrelang gesät; wir ernten nach der Schnurei Ziehn einst die Schnitter heim zum Tor, umjubelt von des Dolfes Thor, dann geht's zu Erntetänzen. Gott kröne dich, du wackres Heer, du Schnittervolk in Ehr und Wehr mit frischen Siegeskränzen! Was draußen dann mit Blut gefchlicht't, was drinnen reich ward aufgefchicht’t: Gott nehm’s in feine Hände! In sichrer Scheide ruh das Schwert, der Friede kehr zurück zur Erd' und Segen ohne Endel Schulrat Fr. polurf ln Treffurt (Thüringen). Krieg und Friede. Originalbeitrag von Ernst Freimut. Im Sonderstübchen des Gasthofes „Zur Sonne“ saßen wieder wie an jedem Samstag-Nachmittage der Pfarrer, der Oberlehrer, der Bürgermeister und der Förster des Städtchens beisammen, um einen gemütlichen Gedankenaustausch zu pflegen. Wie von selbst kam man heute auf Krieg und Frieden zu sprechen; denn man stand — das war die allgemeine Empfindung — am Vorabend eines großen, wohl gar eines Welt-Krieges. Da warf der Pfarrer die Frage auf: „Ist denn überhaupt der Krieg eine Notwendigkeit?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er voll heiligen Eifers fort: „Nur bei den Wilden, den Barbaren ist mir der Krieg erklärlich; aber zwischen gebildeten Völkern, zwischen Kulturstaaten ist der Krieg ein Verbrechen an Land und Leuten, an der Gesittung überhaupt. Deshalb sollten alle Gutgesinnten, Edeldenkenden des ganzen Erdballs in Gemeinsamkeit den Krieg aus der Welt zu schaffen suchen.“ „Ja, wenn das nur so leicht ginge, Hochwürden“, entgegnete der Oberlehrer; „aber da Sie ein echter Friedensapostel sind, so wissen Sie besser als ich, daß eine solche Bestrebung seit langem besteht, ohne bis jetzt etwas Greifbares erreicht zu haben. Die Welt, das heißt die Herren Diplomaten, streiten und kriegen weiter, ohne sich um diese edle Bestrebung zu kümmern. Die Ursache des ewigen Haders in der Welt ist im Grunde immer dieselbe und liegt in der Menschennatur. Unser deutsches Volk hat das Sprüchlein geprägt: „Durch die Wörtlein mein und dein Büßt die Welt den Frieden ein.“ Und Goethe sagt dasselbe, wenn auch in klassischer Form: „Keiner bescheidet sich gern mit dem Teile, der ihm gebühret; Und so habt ihr den Stoff immer und immer zum Krieg.“ „Wohl wahr“, nahm der Pfarrer wieder das Wort; „doch der so veranlagte Mensch ist bildungs-, ist veredlungsfähig und muß durch menschenfreundliche Erziehung endlich so weit gebracht werden, daß er freiwillig auf den Krieg verzichtet, weil er dieses entsetzliche Blutvergießen verabscheut. Und haben Sie, Herr Oberlehrer, als Ihren Gewährsmann Goethe angeführt, so gestatten Sie mir, einen Gegenausspruch beizubringen, wenn ich auch augenblicklich nicht weiß, von wem er stammt; er lautet: „Krieg, nichtswürdiges Morden! O Menschen, so lange vernagelt Alle Kanonen nicht sind, wahrlich, so lange sind wir’s!“ Unwillkürlich mußten alle über dies gelungene Wortspiel vom Vernageltsein lachen, auch selbst der Pfarrer. Doch setzte dieser ganz ernst fort: „Wohl etwas derb gesagt, aber mir aus der Seele gesprochen. Und daß Sie nicht meinen, ich hätte nichts anderes für meine Ansicht zu bieten als diese saftige Zweizeile von — Glaßbrenner, so will ich Ihnen ein Wort Bismarcks zu bedenken geben, der sagt: „Ich betrachte auch einen siegreichen Krieg an sich immer als ein Übel, welches die Staatskunst den Völkern zu ersparen bemüht sein muß“, und ich setze hinzu: „Wehe dem, der die Kriegs- fackel entzündet; er lädt ein unsühnbares Verbrechen auf sichl“ „Nur erlaube ich mir ergänzend hinzuzufügen“, meinte der Oberlehrer, „daß nicht gerade derjenige der Schuldige sein muß, der den Krieg eröffnet. Man kennt Fälle, daß der Krieg von hinterhältigen Mächten angezettelt und geschürt wird und eines Tages dem Friedfertigen die Kriegsfackel so derb an den Kopf fliegt, daß der Überraschte zum Kriege gezwungen ist“. „Das wohl!“ bestätigen alle und dem Pfarrer entfuhr das Wort: „Ewige Schmach solchen Hinterhältigen und Falschen!“ „Daß wir wieder auf den ursprünglichen Gesprächsstoff zurückkommen 1“ mischte sich jetzt der Bürgermeister in die Rede. „Ich muß Ihrer Ansicht über den Krieg beipflichten, Hochwürden! Bedenken Sie nur einmal, meine Herren, welch furchtbare Schrecken der Krieg in sich birgt und welche entsetzlichen Folgen damit verbunden sind. Ich war selbst Soldat, bin vor dem Feinde gestanden und habe Schlachtfelder gesehen; ich kenne also aus eigener Anschauung die Greuel dieser Völkergeißel, kenne des Krieges schauerliche Begleiter: Verheerung, Hungersnot und Seuchen. Wer den Krieg kennt, verabscheut ihn.“ Dieses zeitgemäße und lebhaft geführte Gespräch der Männer hatte auch die Wirtin in die Nähe des Herrentisches gezogen, und als sie die Worte des Bürgermeisters vernahm, da konnte sie sich nicht mehr zurückhalten und fiel nun jammernd ein: „Um des Himmels willen; wenn wir Krieg bekommen, da müssen am Ende meine beiden Buben auch mit einrückenI Ich darf nicht daran denken; mir krampft sich jetzt schon das Herz zusammen! Da zieht man mit Mtih’ und Sorge die Kinder groß und dann muß man sie hergeben, damit sie totgeschossen werden.“ „Nur ruhig, Frau Wirtin!“ besänftigte der Förster; „der Krieg ist keine Hasenjagd und nicht jede Kugel trifft. Und da wir — weder ich noch Ihr, noch selbst der Kaiser — den Krieg nicht aus der Welt schaffen können und unser Vaterland damit rechnen muß, so saget selbst: was täte der bedrohte Staat und was müßte aus ihm werden, wenn er nicht auf seine Bürger zählen könnte, insbesondere auf die waffenfähige Jugend? Also nicht geklagt, Frau Wirtin; im Kriegsfälle muß jeder, muß alles Opfer bringen!“ „Wacker gesprochen, Herr Förster“, rief der Oberlehrer und setzte lebhaft fort: „Ich bin überzeugt, Frau Käthe, daß Ihre beiden Söhne frohgemut in den Krieg ziehen, wenn sie hören, das Vaterland sei in Gefahr, und wenn sie ihr Oberster Kriegsherr ruft. Wozu hätten sie bei mir Heimatkunde, Geschichte gelernt? Wer seine Heimat liebt, opfert sich freudig für sie. Meine Schüler lieben ihre Heimat und werden sie auch nach allen ihren Kräften verteidigen, verteidigen bis zum letzten Blutstropfen!“ „Sie sprechen ja ganz begeistert für den Krieg!“ kam es fast vorwurfsvoll aus dem Munde des Pfarrers. „Für den Krieg? Keineswegs; für das Vaterland!“ entgegnete der Oberlehrer und setzte begründend fort: „Denn das ist zweierlei. Den Krieg an sich zu lieben, ist verwerflich, unmenschlich; verwerflich ist aber auch der Friede um jeden Preis. Es gibt einen schmachvollen Frieden wie es einen verbrecherischen, ja teuflischen Krieg gibt. Und wenn uns, wie es jetzt der Fall ist, der Krieg aufgedrängt wird, so ist es eine Ehrensache, ihn mannhaft und mutig aufzunehmen. „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht Ihr alles freudig setzt an ihre Ehre“ läßt Schiller in seiner „Jungfrau von Orleans“ den Grafen Duwis zum König Karl sprechen. Und da ich schon einmal bei meinem Lieblingsdichter angelangt bin, so kann ich Ihnen durch die Beispiele, die ich mir aus Schillers Werken gemerkt habe, allein schon ein nach meinen Begriffen richtiges Bild von Krieg und Friede geben. In seiner „Braut von Messina“ stehen die herrlichen Verse: „Schön ist der Friede! Ein lieblicher Knabe Liegt er gelagert am ruhigen Bach, Und die hüpfenden Lämmer grasen Lustig um ihn auf dem sonnichten Rasen; Süßes Tönen entlockt er der Flöte Und das Echo des Berges wird wach, Oder im Schimmer der Abendröte Wiegt ihn in Schlummer der murmelnde Bach — Aber der Krieg auch hat seine Ehre, Der Beweger des Menschengeschicks;... Denn der Mensch verkümmert im Frieden, Müßige Ruh' ist das Grab des Muts . .. Aber der Krieg läßt die Kraft erscheinen, Alles erhebt er zum Ungemeinen, Selber dem Feigen erzeugt er den Mut.“ „Das sind wirklich schöne Worte“, mußte der Bürgermeister bemerken und auch der Förster setzte hinzu: „Es ist doch etwas wahrhaft Erquickendes, wenn man solche Worte unsrer Dichter zu hören bekommt. „Aber“, fiel der Oberlehrer wieder ein, „daß mir der Herr Pfarrer nicht wieder wie vorhin mit gegenteiligen Worten komme, so darf ich auch solche Aussprüche Schillers nicht übergehen, welche die Greuel des Krieges andeuten: „Ein furchtbar wütend Schrecknis ist der Krieg; die Herde schlägt er und den Hirten . .. Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben .. . Der Krieg verschlingt die Besten ... Im Kriege selber ist das Letzte nicht der Krieg“. „Sie kennen Ihren Schiller gut“, ergriff jetzt wieder der Pfarrer das Wort, „das muß ich gestehen; aber auch ich kenne unsern Schiller und kann Ihnen, Herr Oberlehrer, sogar ein Wort von ihm anführen, das Sie nicht gebracht haben und wogegen wohl nichts einzuwenden ist; in seinem „Teil“ steht’s und lautet: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ „Sehr gut, ganz vortrefflich!“ stimmte der Oberlehrer befriedigt bei; „aber das ist Wasser auf meine Mühle, Hochwürdenl“ „Tut nichtsI“ sagte schmunzelnd der Pfarrer darauf und setzte in entschiedenem Tone fort: „Deshalb ändere ich doch meine Überzeugung nicht und wiederhole, wenn auch mit ändern Worten: gegen den Krieg sollte alle Welt den Krieg erklären!“ Ein zweitesmal unterbrach helles, herzhaftes Lachen das ernste Gespräch, das der Oberlehrer rasch wieder auf nahm: „Einverstanden, Hochwürden! Aber sobald es dem bösen Nachbarn einfallen sollte, uns in beleidigender oder unverschämter Weise herauszufordern, sobald auch wollen wir einig zusammenstehen wie ein Mann. Darin sind wir gewiß alle eines Sinnes, auch der Pfarrer; und selbst unsere gute Wirtin wird ihre beiden Söhne opfermutig ins Feld ziehen lassen, wenn es die Zeit gebietet.“ „Gewiß, gewiß!“ riefen alle, füllten die Gläser, stießen an und tranken auf das Wohl des Vaterlandes. Der Helden Erwachen. Mriginalbeitrag. Kamt nach der Meise „Mir sind vereint zur guten Stunde" oder nach der des Bismarckliedes gesungen werden. Allvater reitet durch die Lüfte; Er schwingt de» Speer, er winkt dem Zwerg. „Nun öffne mir die Königsgrüfte — Erwache, Helb im Nntersberg!" Gleich regt darauf am INarmeltifche Sich König Karl und streicht den Bart, Hub ruft mit voller Iugendfrifche: .Mein Volk, hervor zur Waffenfahrt!“ mit feinen alten Paladinen Sprengt Barbarossa gleich heran. „Darf ich dir, König Karol, dienen? Der große Tag des Sieg's bricht an!“ Sie reichen sich die Hand zum Bunde, Gar mächtig braust der mannen Thor; Die Erde bebt im tiefsten Grunde. Walhalla, öffne uns dein Tor! Dann werken sie im Dom zu Speier Der Helden dritten aus dem Schlaf. „Es geht zu einer lichten Feier — Sollt Freude haben, SchweizergrafI“ All' Dreie heben hoch die Klingen, Die Sonne spiegelt lustig drein, Lin Adler weitet seine Schwingen. Fließ' ruhig hin, du deutscher Rhein! Und bald gesellt sich bei Prinz Eugen, Es wird ihm frohen Grußes Hauch: „Dem Übermut den Nacken beugen, Das war von je dein guter Brauch!“ Das hört er gern, der edle Ritter, Er ist ein guter Kamerad; Er lächelt fein ins Ungewitter: „Lieb' ©streich, auf nach Beigerad!“ Nicht minder heißen sie willkommen Den Karl, der einst bei Aspern rang. „Wohl mag's in unsrer mitte frommen Dem, der den Herrn der Welt bezwang!“ wie einst, so jetzt: ein Spiel um Kronen! Zum Kampfe vor! Drometenschall! Ls brüllen grimmig die Kanonen, Der Franken Hochmut kommt zu Fall. So wallt die Schar zum Sachsenwalde, Der alte Kanzler steht bereit. „Ihr fragt, warum so rot die Halde, warum die Waffen blank zum Streit? wir hauen drein! Kam’ auch geschnoben Die Höll' und was sich ihr gesellt, wir Deutsche fürchten Gott da droben, Sonst aber nichts auf dieser Welt!“ Das ist das rechte Wort zum Segen. Der Kanzler führt die Helden hin, wo rings auf rauhen Todeswegen Die purpurroten Röslein blüh'n. © wie es dröhnt! Die Feinde weichen! © wie es blitzt und Wunder schafft! Und in verklärter Ahnen Zeichen Siegt ewig neu die deutsche Kraft. Molfsberg in Kärnten, im August J9W» Karl Krobatt}. 3043 Das Manifest des Kaisers als Anterrichtslektion. Worvtmerkung: Das in der Weltgeschichte einzig dastehende Manifest unseres Kaisers vom 29. Juli 4914 eignet sich wie nicht bald ein Text, als Sammelpunkt patriotischer Gefühle und der Ausdruck des politischen Empfindens unserer Tage zu gelten. Dabei wohnt ihm eine derart vornehme Gesinnung inne, daß es schade wäre, bloß den ersten Eindruck wirken zu lassen. Zweifellos ist dieser bedeutend, u. zw. auch bei Lesern mit primitivster Bildung, denn selten ist eine Kundgebung ins Volk gekommen, die neben dem hohen Schwung der Sprache doch wieder Stellen in so schlichter Einfachheit enthält, daß sie auch das Kind erfassen kann. Weil aber das bedeutsame Schriftstück nicht für den Bauer und den Handwerker allein geschaffen wurde, sondern sich an alle Stände wendet und darum in Inhalt und Form stellenweise aus der allgemeinen Basis mächtig hervorspringt, um sich als historisches Monument von gewaltiger Plastik Zu enthüllen, heischt es mit Rücksicht auf die Jugend und die breite Masse des Volkes eine Erklärung und gedankliche Analyse. Diese soll im nachfolgenden als Unterrichtslektion geboten werden. — I. Stimmung. Hiefür dürfte sich die Ansprache an das Volk (S. 3038) eignen. Da zur Weckung des rechten StimmungSgehaltes jeweils auch die Ausstattung des Raumes, in dem der Vortrag gehalten wird, wesentlich beiträgt, so sei für den vorgedachten Zweck folgendes Arrangement empfohlen: Festlich geschmücktes Schulzimmer. Über dem Lehrtische an der Wand das mit Eichenlaub geschmückte Kaiserbild. Die Schüler (die Dorfbewohner) sind im Sonntagsstaate erschienen. Lautlose Stille. Der Lehrer tritt ein. Alles erhebt sich. (Gewandung des Lehrers selbstverständlich schwarz.) — a) Rede an das Volk. (S. 3038.) Nach derselben wird das Zimmer abgednnkelt, nur das Kaiserbild erscheint durch eine an der Decke des Zimmers angebrachte Blendlaterne (Azetylenlaterne eines Radfahrers) beleuchtet. Dieser Lichteffekt zaubert die Gestalt des Monarchen vor die Zuhörer und jedes Wort, das nun der Lehrer, unter dem Bilde im Dunkeln sitzend, spricht, scheint aus dem Munde des Kaisers zu fließen. (Man übersehe dieses Moment der Einflußnahme auf die Kinder und das Volk nicht; ich habe die Wirkung bei Vorträgen aus meinem Büchlein „Sechzig Jahre auf dem Kaiserthrone" erprobt.) — b) Das Manifest des Kaisers. Es muß frei gesprochen werden, dann können ihm der rechte Ton und ein tiefes Gefühl eigen sein. Also lerne es der Lehrer auswendig! Will man der Natürlichkeit möglichst nahekvmmen, so rede man mit weicher Tenorstimme. Könnte ich doch jedem den herzgewinnenden Ton des Kaisers, mit dem er anno 1900 zu mir sprach, in die Kehle legen! Ich habe eine ähnliche Sprechweise im Leben nicht wieder gehört. Auf jeden Fall beachte der Redner den milden Anschlag! Und nun rede er langsam, akzentuiert, mit allmählich steigender Begeisterung! Im nachfolgenden Wortlaute sind vier Graduierungen angegeben: a) Der gewöhnliche Druck kennzeichnet den Grundton, b) der gesperrte die halbhervor-gehobenen Stellen, c) der Fettdruck die mit Pathos vorzutragenden Worte, d) der gesperrte Fettdruck deutet auf besondere Emphase. „Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschicken sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen. Die Umtriebe eines haßerfüllten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen. Mit rasch vergessendem Undank hat das Königreich Serbien, das von den ersten Anfängen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestützt und gefördert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Österreich-Ungarn betreten. Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Herzegowina Meine Herrscherrechre auf diese Länder erstreckte, hat diese Meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche zügelloser Leidenschaft und erbittert st en Hasses hervorgerufen. Meine Regierung hat damals von dem schönen Vorrechte des Stärkeren Gebrauch gemacht und in äußerster Nachsicht und Milde von Serbien nur die Herabsetzung seines Heeres auf den Friedensstand und das Versprechen verlangt, in Hinkunft die Bahn des Friedens und der Freundschaft zu gehen. Von demselben Geiste der Mäßigung geleitet, hat sich Meine Regierung, als Serbien vor zwei Jahren im Kampfe mit dem türkischen Reiche begriffen war, auf die Wahrung der wichtigsten Lebensbedingungen der Monarchie beschränkt. Dieser Haltung hatte Serbien in erster Linie die Erreichung des Kriegszweckes zu verdanken. Die Hoffnung, daß das serbische Königreich die Langmut und Friedensliebe Meiner Regierung würdigen und sein Wort einlösen werde, hat sich nicht erfüllt. I in m e r höher l o d e r t d e r H a ß g e g e n M i ch u n d M e i n H a u s e m p o r, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Österreich-Ungarns gewaltsam loszureißen. (Rascheres Tempo.) Ein verbrecherisches Treiben greift über die Grenze, um im Südosten der Monarchie die Grundlagen staatlicher Ordnung zu untergraben, das Volk, dem Ich in landesväterlicher Liebe Meine volle Fürsorge zuwende, in seiner Treue zum Herrscherhaus und zum Vaterlande wankend zu machen, die Heranwachsende Jugend irreznleiten und zu frevelhaften Katen des Wahnwitzes und des Kochverrates aufznreizen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen Mich und Meine treuen Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden. Diesem unerträglichen Kreiben mutz Hinhakt geboten, den unaufhörlichen Kcrausforderungen Serbiens ein Hnde bereitet werden, soll die Hhre und Würde Weiner Monarchie unverletzt erhalten und ihre staatliche, wirtschaftliche und militärische Entwickln ngvorbeständigenHr schütter ungen bewahrt bleiben. (Wieder langsameres Tempo.) Vergebens hat Meine Regierung noch einen letzten Versuch unternommen, dieses Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen, Serbien durch eine ernste Mahnung zur Umkehr zu bewegen. Serbien hat die maßvollen und gerechten Forderungen Meiner Regierung zurückgewiesen und es abgelehnt, jenen Pflichten nachzukommen, deren Erfüllung im Leben der Völker und Staaten die natürliche und notwendige Grundlage des Friedens bildet. So mutz Ach denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerlätzlichen Bürgschaften zu schaffen, die Weinen Staaten die Muhe im Annern und den dauernden Arieden nach antzen sichern sollen. In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtig en voll bewußt. Ich habe alles geprüft und erwogen. Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg, den die Pflicht Mir ivei st. Ach vertraue auf Weine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Kreue um Weinen Khron geschart haben und für die Ehre, (Hrötze und Wacht des Vaterlandes zu schwersten Äptern immer bereit waren. Ich vertraue auf Hesterreich-Ilngarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht. And Ich vertraue auf den Allmächtigen, datz er Weinen Waffen den Sieg verleihen werde." Die letzten Worte sind in Emphase verklungen; allmählich erhellt sich das Zimmer und die Zuhörerschaft setzt sich bequem, um den Erklärungen des Lehrers zu folgen. Die Kommentierung eines derart erhabenen Stoffes soll auch im Unterrichte nicht in ein den Schüler quälendes Abfragen ausarten, sondern in erster Linie mitteilend sein. Da das Manifest zunächst zweifellos dem Volke vorgeführt werden wird, so lassen wir die diesbezügliche Erläuterung folgen; jene für die Schüler wird sich aus ihr unschwer schälen lassen. — II. Erläuterungen. Wir haben im August des Kaisers 85. Geburtstag gefeiert. Unser Kaiser hat also ein Alter erreicht, wie es wenig Menschen beschicken ist. Es ist nun bekannt, daß alten Leuten nichts lieber ist als die Ruhe. Diese kann der gewöhnliche Mann aus dem Volke finden, der Beamte, wenn er in der Pension lebt, nur der Kaiser nicht. Ihn drückt die Sorge 3045 um seine Völker vom frühen Morgen bis in die späte Nacht. Allein das hätte ihn, der die Arbeit von Jugend aus gewohnt ist, niemals verdrossen, würde es ihm nur vergönnt gewesen sein, seinen Lebensabend ohne Krieg zu verbringen. Aber leider hatte es das Geschick anders gefügt. Und das schmerzt den guten Kaiser, der die Leiden des Krieges kennt, vor allem, da er zum Schwerte greifen muß. — Wo und wie hat er den Krieg kennen gelernt? Schon mit 17 Jahren stand er im Kugelregen u. zw. bei Santa Lueia, da es 1848 gegen die Italiener ging. Dann gab es Kriege in den Jahren 1849, 1859, 1864, 1866, 1878 und 1879. Mit Schaudern gedenkt der Kaiser der Wunden, die diese Kriege dem Reiche geschlagen haben. Und doch kann er nicht anders, er muß als Greis noch einmal seine Soldaten zu den Waffen rufen. Was veranlaßt den Kaiser zu diesem Entschlüsse? Wir vernehmen, daß es vor allem die Ehre der Monarchie ist. In der Tat, wie stünden wir da, wenn wir uns von einem Zwergstaate jede Beleidigung gefallen ließen I Wie könnten wir auf ein Vaterland stolz sein, dem gegenüber man sich alles erlauben darf I Ein Staat, der nicht aus seine Ehre hält, zerfällt in seinem Innern und wird von anderen Staaten gering geachtet. Dadurch leidet seine Macht. Der Feind ließ sich nicht genügen, uns stets zu reizen und zu verunglimpfen, nein, er war überdies bestrebt, die im Vaterlande lebenden slawischen Völkerschaften, hauptsächlich jene in Bosnien, der Krone Habsburgs abwendig zu machen. Konnte nun unser Kaiser, der Träger dieser Krone, dem Treiben ruhig zusehen! — Der Kaiser spricht auch vom Undank Serbiens. Damit berührt er ein trauriges Kapitel. Serbieii war seit mehreren Jahrhunderten in den Händen der Türken und erst durch die Mithilfe Österreichs wurde es vom türkischen Joche befreit. Als hierauf die Türkei das Land immer wieder zurückgewinnen wollte, hielt unsere Monarchie die schützende Hand über den jungen Staat. Und für alles das nun das vorhin geschilderte vergehen I Das ist grober Undank, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Am meisten zeigte er sich sich vor sechs Jahren, als unser Kaiser erklärte, daß nunmehr Bosnien mit der Herzegowina, wo wir 30 Jahre hindurch viele Millionen Kronen aufgewendet hatten, um Straßen und Eisenbahnen zu bauen und in allem Ordnung zu schaffen, ganz und gar zu Österreich-Ungarn gehöre. Da schäumten die Serben vor Wut; sie wollten nichts weniger, als die beiden Länder, die mir, wie gesagt, mit allem Notwendigen versehen hatten, für sich in Anspruch nehmen. Ist das nicht verrückt? Unser guter Kaiser ließ die Leutchen toben und schreien. Wie leicht hätte er sie vor zwei Jahren, da Serbien mit der Türkei Krieg führte, züchtigen können I Allein, er war zu vornehm, sich zu rächen. — Man hätte meinen sollen, der böse Nachbar werde diesen Edelsinn schätzen. Doch nichts von allem I In seinem Übermute glaubte er, nun könne er an uns sein Mütchen kühlen, wie er es an der Türkei getan. Allein er sollte sich irren. Als die serbischen Mordbuben, die vor Jahren ihren eigenen König wie einen Hund niedergeschlagen hatten, die Waffe auch gegen ein Mitglied unseres Kaiserhauses wandten und das Attentat vom 28. Juni d. I., das uns ja alle so furchtbar erschüttert hat, vvllführt hatten, da gab es keine Rücksicht mehr, da mußte endlich einmal gründlich abgerechnet werden. Der Mörder von Sarajewo war nichts als das Werkzeug einer großen Verschwörung, der die höchsten Herren der serbischen Gesellschaft angehörlen. Unser Kaiser verlangte nun am 23. Juli d. I., daß diese Herren, als die Rädelsführer des Attentates bestraft werden sollten. Das wollte jedoch die serbische Regierung nicht zugeben. Was blieb sonach übrig, als gegen eine solche Regierung mit den Waffen vorzugehen! So ist der Krieg als Rache für ein Verbrechen entstanden. Freilich wäre er auch sonst gekommen, denn der Schutzherr Serbiens, Rußland, harrte schon seit Jahren auf einen günstigen Augenblick, über uns herzufallen. Darum sagt auch der Kaiser gegen das Ende seines Manifestes: „In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewußt", d. H. der Kaiser sah in seiner Weisheit jill das voraus, was sich als Folge seiner Kriegserklärung an Serbien bis zum heutigen Tage ergeben hat. Er betont ausdrücklich „Ich habe alles geprüft und erwogen". — III. Ausklang. Die Hoffnung, die der Kaiser ganz zum Schluffe ausspricht „Ich vertraue auf Meine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Treue um Meinen Thron geschart haben und für die Ehre, Größe und Macht des Vaterlandes zu den schwersten Opfern immer bereit waren", hat sich glänzend erfüllt. Wie ihr wißt, haben sich alle Österreicher ohne Unterschied der Nation und Religion freudig die Hände gereicht und bereit erklärt, alles, was sie haben, dem Vaterlande zu weihen. Mit Jauchzen sind die Soldaten in den Krieg gezogen und die Zurückgebliebenen haben nicht gemurrt und nicht geweint, sondern gesagt: „Es muß sein, der Kaiser will es l" Und so wie wir dem Kaiser vertrauen, so vertraut er Gott, dem Allmächtigen. Flehen wir den Segen des Himmels auf den Kaiser und das 3046 Vaterland herab, indem wir unsere Versammlung mit den hehren Klängen der Volkshymne beschließen: (1. und 2. Strophe.) Nun Verteilung von Flugblättern, auf denen das Manifest des Kaisers gedruckt ist.1 — Damit schließt die Unterrichtslektion für das Volk. Ein Herumklügeln an einzelnen Ausdrücken störte den Gesamteindruck; selbst im Unterrichte sollte wenigstens bei der ersten Darbietung eine allzu eingehende Worterklärung entfallen. 1 Hestordnung 3 k für eine Siegesfeier. A 1. Eröffnungsmarsch. (Patriotischer Marsch.) J /D 2. Ein vaterländischer Chor. k 3. Mitteilungen über die Waffentat. M § 4. Musikstück. J zs 5. Austria und Germania. (Ein lebendes Bild). « k 6. Scharlied. v? js 7. Ansprache. (S. 3038.) n) ^ 8. Vortrag zeitgemäßer Gedichte. (S. 3036.) S; k 9. Volkshymne. K ^ 10. Schlußmarsch. ^ Sammlung für die Hinterbliebenen der Eingerückten k oder für das Rote Kreuz. F M Verkauf von patriotischen Ansichtskarten. ® An die Lehrersoldaten. (Originalbeitrag.) Einst lehrtet, ihr Braven, mit mildem Wort die Jugend, zu lieben den besten Hort, die Heimat, und treu ihr zu bleiben; nun zöget zum Kampf ihr mit blanker Wehr, ein todesmutig begeistertes Heer, den argen Feind zu vertreiben. Dem argen Feind, der die Heimat bedrängt, barbarisch wütet und mordet und sengt, ihm wollt ihr sein Treiben verwehren; o helfe euch Gott in dem heiligen Krieg, o gebe euch Gott einen glänzenden Sieg, einen Sieg mit Ruhm, mit Ehren! Ihr gäbet der Jugend einst Lehre und Rat, ihr gäbet ein Beispiel von rühmlichster Tat mit unverbrüchlicher Treue; o Herr, laß gelingen die Ruhmestat, o Herr, laß reifen die edle Saat, daß Österreich stolz sich erneue 1 22. August 1914. Anton Haubner. 1 Wenn sich eine größere Anzahl von Abnehmern findet, läßt die Verwaltung der „Blätter" solche Flugblätter Herstellen. 100 Stück ----- 2 K. (Selbstkostenpreis.) Ein Stück dieser Flugblätter wird unter Glas und Rahmen im Schulzimmer für alle Zeiten aufbewahrt. Die Lehrerschaft soll daraus dringen, daß dies mit Bezug auf die Privathäuser und vor allem auf die öffentlichen Lokale nachgeahmt werde. Ein Dokument, wie es das Kciegsmanifest des Kaisers ist, gehört zum Hausbestande des Volkes. 3047 Die Kriegsereignisse vom 25. Juli bis zum 18. August 1914. Forüemerkung: In der Flucht der Meldungen tritt das Kaumvernommene nur allzubald zurück und heute weiß schon so mancher nicht mehr, wie sich der Große Krieg entwickelt hat. Um nun dem Vergessen vorzubeugen und die Ereignisse festzuhalten, soll in der Form einer Chronologie alles ausgezeichnet werden, was von Belang ist. Solcherart folgt der Historiker mit seinem Stift der dahinstürmcuden Zeit, aus daß sie in der Hast das Gedenken an bedeutungsvolle Daten nicht zertrete. — Bei Vorträgen und im Unterrichte wird unser Tageskalender sicherlich gute Dienste leisten. 23. Juli: Österreich-Ungarn überreicht an Serbien eine Note mit 48stündiger Befristung, betreffend die Umtriebe gegen die Monarchie und die Verfolgung der Mordanstifter von Sarajewo. 4. Juli: Das energische Auftreten gegenüber Serbien wird von allen Parteien des Ungarischen Reichstages gebilligt. Der Präsident v. Beöthy schließt die denkwürdige Sitzung mit den Worten: „Geehrtes Haus! Ich kann die heutige Sitzung, die ich vielleicht als ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung bezeichnen möchte, nicht schließen, ohne daß ich der Ansicht Ausdruck verleihe, daß die ungarischen Parteien im schärfsten Gegensätze zueinander stehen können; wenn aber wirklich eine ernste, die Lebensinteressen der Nation berührende Frage auftaucht, dann hört jeder Parteikampf, jeder persönliche Gegensatz auf.“ (Hiemit war der Grundton für das einmütige Vorgehen aller Nationen und Parteien der Monarchie angeschlagen.) 25. Juli: Ausbruch des Krieges zwischen Österreich-Ungarn und Serbien. Unser Ge- sandter Baron Giesl hat um halb 7 Uhr abends Belgrad verlassen, da ihn die Antwort der Serbischen Regierung nicht befriedigen konnte. Der Krieg ist unvermeidlich. 26. Juli: Begeisterte Kundgebungen in der ganzen Monarchie. Bewachung der Eisenbahnlinien, teil- weise Mobilisierung angeordnet. — Maßregeln im Innern, betreffend die Militärstrafgerichtsbarkeit über Zivilpersonen, die Aufhebung mehrerer Befugnisse der Zivilbehörden, die Schließung der Reichsratssession und mehrerer Landtage. (Man merkt die treffliche Vorbereitung auf den Krieg.) Serbische Truppen eröffnen bei Temes-Kubin einen Angriff auf einige unserer Donauschiffe. Der Russische Ministerrat hat unter dem Vorsitz des Zaren eine teilweise Mobilisierung beschlossen. Bedeutungsvolle Rede des Bürgermeisters von Wien. (Sieh 8. 30511) 27. Juli: Rußland und England versuchen, das Einschreiten Österreichs aufzuhalten. Deutschland lehnt jedwede Vermittlung ab. (Die Bremser wollen für ihre Rüstungen Zeit gewinnen.) Die Ungarische Nation fordert in einem feurigen Aufrufe das Volk zum Kriege auf. 28. Juli: Die Kriegserklärung an Serbien. Sie lautet: „Da die königlich serbische Regierung die Note, welche ihr vom österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad am 23. Juli 1914 übergeben worden war, nicht in befriedigender Weise beantwortet hat, so sieht sich die k. u. k. Regierung in die Notwendigkeit versetzt, selbst für die Wahrung ihrer Rechte und Interessen Sorge zu tragen und zu diesem Ende an die Gewalt der Waffen zu appellieren. Österreich-Ungarn betrachtet sich daher von diesem Augenblicke an als im Kriegszustände mit Serbien befindlich. Der österreichisch-ungarische Minister des Äußern Graf Berchtold.“ Deutschland erklärt feierlich, daß es bei einem Eingreifen Rußlands in den österr.-ungar.-serbischen Konflikt nicht untätig zusehen werde. (Nibelungentreue des Deutschen Reiches.) Feierliche Schlußsitzung beider Häuser des Ungarischen Reichstages. Ministerpräsident Tisza, der Vertreter der Opposition und der Fürstprimas Csernoch halten bedeutungsvolle Reden. (Sieh S. 3052 und 30531) Die Serben haben die Brücke zwischen Semlin und Belgrad zum Teil in die Luft gesprengt. — Mehrere serbische Munitions- und Minenschiffe werden abgefangen. 29. Juli: Das Kriegsmanifest des Kaisers „An meine Völker“ erscheint. (Sieh S. 30431) Kundgebung des Wiener Gemeinderates. (Rede des Bürgermeisters S. 3054.) 30. Juli: Rückkehr des Kaisers aus Bad Ischl nach Wien. Festlicher Empfang. Auf die Ansprache des Bürgermeisters Dr. Weiskirchner erwidert der Monarch: „Ich glaubte, in Meinem Alter nur Jahre des Friedens zu erleben, und der Entschluß ist Mir gewiß schwer gefallen. Aber aus den allseitigen Kundgebungen gewinne Ich die Überzeugung, daß Mein Entschluß der richtige war.“ — Auf die Worte des Abgeordneten Dr. Groß „Wir haben uns verpflichtet gefüllt, Euerer Majestät unsere Huldigung und das Gelöbnis der Treue darzubringen, und wir wünschen und hoffen, daß Euere Majestät in der nächsten Zeit viel Freude erleben werden“, antwortete der Kaiser: „Ich habe schon jetzt Freude, weil Ich sehe, daß Mein Entschluß von allen Seiten gebilligt wird!“ Bedeutungsvolle Kundgebung des Deutschen Nationalverbandes. (Sieh S. 3055!) Heldentat der Grenzjäger Hlousek und Sin aus Mähr.-Schönberg. (Sieh S. 30491) 31. Juli: Der Kaiser ordnet die Allgemeine Mobilisierung des Heeres an. Rußland hat bereits vorher die gleichen Maßnahmen getroffen. Dadurch ergibt sich die Proklamierung des drohenden Kriegszustandes in Berlin. Befristete Anfrage an Rußland. Ansprache Kaiser Wilhelms (Sieh S. 3056!) und des Reichskanzlers (Folge 130) an das Volk.; 1. Aug.: Kaiser Wilhelm ordnet die Allgemeine Mobilisierung an. Kriegserklärung Deutsch- lands an Rußland. — Mobilisierung der französischen Armee und Flotte. 2. Aug.: Das Manifest König Ludwigs an sein Volk (Folge 130) und sein Telegramm an Kaiser Wilhelm. (Folge 130.) — Korpskommandobefehl des Freiherrn v. Appel. (Folge 130.) Bedeutsame Kundgebung des Polenklubs. (Folge 130.) 3. Aug.: Abbruch der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutsche Armee besetzt Czenstochau, Kalisch und Bendzin. 4. Aug.: Die denkwürdige Sitzung des Reichstages in Berlin. Kaiser Wilhelm hält seine Kriegsrede und nimmt durch Handschlag den Parteivorständen das Gelöbnis ab. (Folge 130.) Der Reichstag bewilligt fünf Milliarden Kriegskosten. Große Rede des Reichskanzlers. (Folge 130.) Der Depeschenwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren Nikolaus wird dem Reichstage mitgeteilt. (Allgemeine Entrüstung über die Hinterhältigkeit Rußlands.) Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Belgien, das den Durchmarsch deutscher Truppen nicht gestattet. (B. wollte für Frankreich den Weg nach dem Niederrhein freihalten.) Kriegserklärung Englands an Deutschland angeblich wegen der Neutralitätsverletzung Belgiens. (Wie sich später herausstellte, hat England den ganzen Krieg inszeniert, um Deutschland zu vernichten.) 5. Aug.: Der Monitor Körös wirkt bei der Beschießung Belgrads tätig mit. Auf die Meldung, daß England an Deutschland den Krieg erklärt habe, sagt König Ludwig: „Ein Feind mehr, damit ein Grund mehr, uns bis zum letzten Atemzuge zusammenzuschließen. Unsere Sache ist gerecht, Gott wird uns nicht verlassen.“ Große patriotische Kundgebungen in Österreich-Ungarn und Deutschland. 6. Aug.: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Rußland. Wortlaut: „Im Hinblick auf die drohende Haltung Rußlands in dem Konflikte zwischen der Österreichisch-ungarischen Monarchie und Serbien sowie angesichts der Tatsache, daß Rußland infolge dieses Konfliktes nach einer Mitteilung des Berliner Kabinetts die Feindseligkeiten gegen Deutschland eröffnen zu sollen glaubte und dieses sich somit im Kriegszustände mit der genannten Macht befindet, sieht sich Österreich-Ungarn gleichfalls als im Kriegszustände mit Rußland befindlich an.“ Die russ. Truppen verlassen Warschau und geben damit Russisch-Polen vorläufig preis. Die englischen Minister Morley und Burns nehmen Stellung dagegen, daß England den Kampf der Barbaren gegen die Kultur Europas unterstütze, und treten daher aus dem Kabinett aus. Manifestationen gegen Englands Kulturschande. Erlaß des Deutschen Kaisers an das Heer und die Marine. (Folge 130.) Serbien erklärt Deutschland den Krieg. 7. Aug.: Einnahme Lüttichs durch die Deutschen. Verbindung unserer Armee mit der Deutschen Armee bei Czenstochau. Heldentat eines österreichischen Marineunteroffiziers an der Drina. (S. 3050.) Ein montenegrinischer Einbruch bei Trebinje wird abgewiesen. Montenegro erklärt an Österreich den Krieg. Aufsehenerregende patriotische Kundgebungen in Prag; Verbrüderung der beiden Nationen. Unterrichtsminister Dr. R. v. Hussarek ordnet die Heranziehung der Schuljugend zu gemeinnütziger Tätigkeit an. 8. Aug.: 800 galizische Jungschützen überfallen 1000 Kosaken und bringen ihnen schwere Verluste bei. (S. 3050.) Unter dem Oberkommando des Oberleutnants v. Manowerda wird eine überlegene russische Patrouille bei Podwoloczyska zurückgeworfen. Weitere Heldentaten an der Grenze der Bukowina und an der Drina. (S. 3050.) Aufruf unseres Oberkommandos an das Polnische Volk in Rußland. (Folge 130.) Dank des Kaisers an die Presse. , 3049 9. Aug.: Untergang des englischen Kreuzers Amphion und des deutschen Dampfers „Königin Luise“. Kundgebungen in England gegen den Krieg. Aufruf des Fürsten Thun, Statthalters von Böhmen. (Folge 130.) Neuerliche Verbrüderung der Deutschen und Tschechen in Prag. Die Engländer besetzen Lome, die Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo. In Petersburg wird ein Beamter der deutschen Botschaft erschlagen. Gräfin Christallnig von einem Wachtposten erschossen. 10. Aug.: Österreichischer und reichsdeutscher Boden von russischem Militär gesäubert. Niederlage der Franzosen bei Mühlhausen. Zar Nikolaus und sein Minister Sasonow verteidigen den Fürstenmord in Sarajewo. Ihre Lügenberichte ernüchtern selbst die eifrigsten Panslawisten. H. Aug.: Abbruch der Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich. Sieg der deutschen Truppen bei Lagarde. Blockade der montenegrinischen Küste. 12. Aug.: Kühne Fahrten der deutschen Dampfer „Goeben“ und „Breslau“, die am 5. nach ihren er- folgreichen Unternehmungen an der algerischen Küste aus Messina verschwanden. Ein deutsches Unterseebot ist längs der englischen Küste gefahren und hat Minen gelegt. In Deutschland haben sich bereits 1,200.000 Kriegsfreiwillige gemeldet. Sven Hedin fordert zum Kampfe gegen Rußland auf. Kriegserklärung Montenegros an Deutschland. 13. Aug.: Unsere Truppen sind bereits 70 km weit in Rußland eingedrungen. Mobilisierung in der Türkei. Der französische Generalissimus Joffre erläßt eine Proklamation an die Elsässer. Kriegserklärung Englands und Frankreichs an Österreich-Ungarn. Der Lloyddampfer „Baron Gautsch“ zwischen Lussin piccolo und Triest gesunken. (131 Personen verunglückt.) 14. Aug.: Die Eroberung von Schabatz durch unsere Truppen. Einmarsch in das Innere Serbiens. 15. Aug.: Neuerlicher Sieg über serbische Truppen an der Drina. Hiebei heldenmütiges Vorgehen des Warasdiner Regimentes. 16. Aug.: Kaiser Wilhelm verlegt das Hauptquartier nach Mainz. Abschiedserlaß an die Bürger von Berlin: „Der Fortgang der kriegerischen Operationen nötigt mich, mein Hauptquartier von Berlin zu verlegen. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, der Berliner Bürgerschaft mit meinem Lebewohl innigsten Dank zu sagen für alle Kundgebungen und Beweise ihrer Liebe und Zuneigung, die ich in diesen großen und schicksalsschweren Tagen so reichlich erfuhr. Ich vertraue fest auf Gottes Hilfe, auf die Tapferkeit von Heer und Marine und auf die unerschütterliche Einmütigkeit des Deutschen Volkes in Stunden der Gefahr. Unserer ge- rechten Sache wird der Sieg nicht fehlen.“ 17. Aug.: Die serbischen Truppen wurden bis Valjevo zurückgeworfen. Vordringen unserer Truppen über Zalosce, Brody und Sokal hinaus in russisches Gebiet. Bewunderungswürdige Heldentaten. 8. Aug.: Das 84. Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers wird im ganzen Reiche mit besonderer Innigkeit gefeiert und zeigt so recht, wie der große Krieg alle Völker der Monarchie geeint hat. (Wird fortgesetzt) Österreichs Helden. (Ruhmestaten aus dem gegenwärtigen Kriege, dargestellt für die Jugend und das Volk.) 1.) Die tapfern Grenzjäger. Gleich zu Beginn des Krieges zwischen unserem Vaterlande und dem Königreiche Serbien sollte der Feind erfahren, daß die österreichischen Soldaten vor keiner Gefahr zuriick-schrecken. Es war am 30. Juli 1914. Unsere Grenztruppen waren diesseits der Drina; jenseits des Flusses lagerten die feindlichen Scharen. Man wußte, daß sie sich telephonisch mit einander verständigten. „Wenn man das verhindern könnte!“ dachte so mancher von den Unsern. Aber wie? Der Draht, der die Telephonstellen, verband, lief ja am feindlichen Ufer. „Wer wagt es, hinüberzuschwimmen und ihn zu durchschneiden?“ — Sofort meldeten sich zwei wackere Grenzjäger, namens Josef Illousck und Johann Sin aus Mährisch-Ostrau. Sie warfen sich in den reißenden Fluß und erreichten alsbald die Drähte. Hei, gab's da ein Hailoh im Lager des Feindes! Schuß auf Schuß prasselte in den Fluß. Umsonst! Die tollkühnen Grenzjäger waren untergetaucht und langten unversehrt bei ihren Kameraden an. 3050 2.) Die Heldentat eines Marineunteroffiziers. Als sich am 6. August 1914 die Serben anschickten, an der Drina Befestigungen zu bauen, um unsere Schilfe zu beschießen, nahte sich der Stelle eines unserer Kanonenboote. Allein es konnte nicht bis zu dem Punkte gelangen, wo die Mauern aufgeführt wurden. Da lud sich ein beherzter Unteroffizier rasch 3 kg Sprengstoff auf den Rücken, sprang aus dem Boote in den Fluß und schwamm mit seiner Bürde zu der Befestigung. Dort legte er die Sprengmittel in eine Vertiefung und band eine Schnur an, die er später von unserem Boote aus entzünden konnte. Aber der Weg zurück war gefahrvoller als jener hinüber, denn die Feinde hatten den kühnen Schwimmer bemerkt und schossen nun von der Höhe herab aus hundert Läufen nach ihm. Zum Glück traf ihn keine Kugel. Er langte heil im Boote an und im nächsten Augenblick flog die gewaltige Schutzmauer in die Luft. 3.) Der kühne Ritt eines Gendarmen. Ehe es noch zum Kriege zwischen Österreich-Ungarn und Rußland gekommen war, sah man schon russische Reiter an der Grenze. Sie wollten die Stellung unserer Schutz- truppen erspähen, um dann, wenn der Krieg begann, tüchtig losschlagen zu können. Das wußte unsere wackere Gendarmerie. Ein Postenführer, namens Baranek, ritt denn nun auch am 2. August just ein wenig nach Rußland hinein. l)a bemerkte er, wie eben vier feindliche Reiter im Begriffe waren, Uber unsere Grenze einzudringen. Rasch wandte er sich um und schoß den Anführer vom Pferde. Die drei Begleiter packte der Schrecken und sie ergriffen eilends die Flucht. Aus den zurückgelassene» Landkarten erkannte der tollkühne Gendarm, daß die Russen auskundschaften wollten, wo sie später am besten in unser Vaterland mit Heeresmacht einfallen könnten. 4.) Die Tat polnischer Jungschützen. • Bei Miechow an der galizischen Grenze lagerten am 8. August 1914 sorglos 1000 Kosaken. Plötzlich gab es in der Nacht großen Lärm; es waren 800 galizische Jungschützen, tapfere österreichische Jünglinge im Alter von 18 Jahren, eingedrungen und hatten den Feind überfallen. Ehe sich die betrunkenen Russen den Schlaf aus den Augen reiben konnten, waren 400 niedergemacht. Die übrigen retteten sich nur durch schleunige Flucht. Was werden sie wohl ihren Landsleuten von unsern Jungschützen erzählt haben ? Der Kaiser ruft. (Originalbeitrag vom Direktor Wamprechtsamer in Gröbming.) Der Sturm erbraust und Österreichs Fahnen flattern, ein Volk in Waffen kämpft für unser Recht. Geschütze dröhnen und Gewehre knattern und Herr und Diener, sie eilen ins Gefecht. Vernichtungskrieg den Schlangen und den Nattern, die aus uns machen wollten ihren Knecht. Wir wollen kämpfen, wie s die Alten taten, nicht lange sinnen und nicht lange raten. Durch „Not und Tod“ wird Heer und Seemann gehen, und „Mann und Roß“ zieh’n freudig in den Streit, Der Feldherr wird auf seinem Platze stehen und der Soldat nicht weichen fingerbreit. Zu dir, o Schlachtenlenker, laß uns flehen in dieser harten, schicksalsschweren Zeit. Und mag das Feindesblut in Bächen rinnen es gilt, ein großes Ziel mit Kraft gewinnen. Heil Österreich I So tönt es durch die Gassen und „Heil dem Kaiser!“ jubeln Kind und Greis. Und „Heil dem Heere!“ schallt es durch die Massen und alle opfern gern und gält’s den höchsten Preis. Denn heißt’s den Feind mit Eisenkraft zu fassen, dann schließen alle Völker sich zum Kreis, dann fließt das Gold aus tausend offnen Händen, um Österreichs Waffengang in Ehr’ zu enden. 3051 Was für alle Zellen festgehallen werden muß. (Goldene Worte mis den Tagen des Krieges.) Die auflohende Begeisterung anläßlich der Kriegserklärungen hat in zahlreichen Ansprachen und Aufrufen würdigen Ausdruck gefunden, so daß der Historiker einige der Reden schon heule als unauslöschlich verbuchen muß. Im nachstehenden seien die wichtigsten in jenen Teilen wiedergegeben, die den herrschenden Gedanken packend zum Ausdruck bringen. Die Reihung folgt dem Datum; Rücksichten auf Partei, Nation und Konfession fallen bei der Auswahl selbstverständlich weg, gilt es doch das einige, starke Österreich als Ganzes vorzuführen. — Den Lesern der „Blätter", die im Dienste des Vaterlandes stehen und bestrebt sind, die Begeisterung für den Krieg im Volke und bei der Jugend zu nähren, wird die Sammlung sicherlich willkommen sein. Worte, wie es die nachfolgenden sind, wirken bei Volksversammlungen und im Unterrichte besser als platte Lesestücke, die sich von Generation zu Generation vererben und nichts als längstbekannte, inhaltslose Phrasen bergen. Solcherart stellt unsere Sammlung ein Kompendium des Lesebuches dar, ein Nachhang für die Stimmung unserer Tage. — 1. Ansprache des Bürgermeisters Dr. Weiskirchner. Am 26. Juli fand vor dem Rathanse in Wien eine begeisterte patriotische Kundgebung statt. Auf eine Rede des Gemeinderates Dr. Mataja antwortete der Bürgermeister Dr. Weiskirchner wie folgt: „Meine lieben Wiener und Wienerinnen! Ernste Stunden sind über Österreichs Völker hereingebrochen. Nach Jahrzehnte langem Frieden stehen wir vor dem Krieg. Krieg, du herzbeklemmendes Wort, das Männerbrust erbeben und Frauenherzen zittern macht,! Mußte es sein? Ja es mußte sein! (Stürmische Zustimmungsrufe.) Das Maß war voll und Österreichs Langmut erschöpft, ln diesen Tagen wird Europas Schicksal für Jahrzehnte entschieden. Meine lieben Wiener, Ihr lebt eine große Zeit mit, seid würdige Enkel jener Männer, die vor einem Jahrhundert den großen Korsen besiegt und die Freiheit Europas geschaffen haben! Gott schütze und segne auch unsre ruhmreiche Armee! (Stürmische Heilrufe.) Unsre heißesten Wünsche folgen unsern Söhnen und Brüdern auf die Schlachtfelder Serbiens. Wir vertrauen auf unsre Armee, daß sie Österreichs alte Fahnen zu neuem Siege, zu neuem Ruhm führen wird. In unentwegter Treue huldigen wir unserm geliebten alten Kaiser. (Brausende Hochrufe.) Wir dürfen aber in dieser ernsten Stunde nicht nur unseres erhabenen Monarchen gedenken, wir gedenken auch des Bundesgenossen in schimmernder Wehr (stürmische Heilrufe) und heute war der italienische Botschafter bei unserm Minister, um die feierliche Erklärung abzugeben, daß Italien in Treue Österreich zur Seite stehe. (Stürmische Rufe: Hoch Italien! Evviva Italia!) Daher bitte ich Sie, auch der Dreibundmonarchen zu gedenken. Das eiserne Mitteleuropa wird den Feinden des Friedens, diesen gehässigen Feinden, zeigen, daß die Armeen des Dreibundes mit ehernen Schritten der Weltgeschichte ihren Lauf vorschreiben. So lade ich Sie ein, in den Ruf einzustimmen: Die drei Monarchen, sie leben hoch! (In die stürmischen, unaufhörlichen Hochrufe mischten sich die Klänge der Volkshymne, die von allen Anwesenden entblößten Hauptes mitgesungen wurde.) Bürgermeister Dr. Weiskirchner schloß: „Es lebe unser Vaterland Österreich und seine Armee!“ 2. Aufruf der Ungarischen Regierung an die Nation. Am 27. Juli wurde in Budapest folgender Aufruf der Ungarischen Regierung an die Nation durch Maueranschlag veröffentlicht: „Serbien hat auf die besonnenen, wohlerwogenen und berechtigten Forderungen der Monarchie mit der Mobilisierung geantwortet. Wir stehen an der Schwelle kriegerischer Verwicklungen. Wir werden zeigen, daß jene sich täuschten, die in ihrer tollkühnen Selbstüberhebung glaubten, vermessen und beleidigen zu können. Wir werden zeigen, daß wir für unsere bedrohten Interessen, für unsere Ehre ohne Zaudern die erprobte Kraft der Nation und unseres ruhmreichen Heeres in die Wagsehale werfen. Wir stehen vor Zeiten, in denen es der opferbereiten Vaterlandsliebe und der von den Ahnen ererbten Mannestugenden der ganzen ungarischen Nation bedarf. Wir sind auf die Wag-schale der Geschichte gelegt worden. Jetzt müssen wir zeigen, daß jeder Bürger dieses Landes bereit ist, seinen letzten Blutstropfen auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern und daß die Vaterlandsliebe, treue Ausdauer und Entschlossenheit der Nation aus der Feuerprobe der kritischen Ereignisse siegreich hervorgehen. Jeder muß seinen Mann stellen. Die Regierung tut alles zum Schutze der Ordnung und Ruhe des Landes und zur Sicherung des Lebens und Eigentums der dem Vaterlande treuen Bürger. Sie wendet sich mit vertrauensvollen und beruhigenden Worten an jedermann ohne Unterschied der Abstammung 8052 und des Glaubens, sie bietet jedermann Stütze und erwartet von jedem Unterstützung, auch von den Bürgern nichtungarischer Zunge. Der Staat wird unter allen Umständen so viel Kraft besitzen, um jene zu zermalmen, die auf die Worte verbrecherischer Hetzer hören und sich gegen die Pflichten der staatsbürgerlichen Treue vergehen würden. Er wird jede Ruhestörung im Keime ersticken; aber es wäre sehr traurig, wenn es zu solchen Zwangsmaßnahmen käme, traurig, weil es jene brandmarken und an den Pranger stellen würde, die in der Treue gegen das Vaterland wankend werden, und weil es die für sie gehegten segenbringenden Gefühle der Liebe und des Vertrauens von Grund auf erschüttern und das Schicksal sowie die Zukunft jener Nationalitäten auf lange Zeit vernichten würde, die in den Tagen der Krise vom wahren Wege abweichen. Wir wenden uns mit der Stimme des Vertrauens und der Liebe, gleichzeitig aber auch mit ernster Warnung an jeden Bürger des Vaterlandes, vor allem an jene, die ihre Stellung oder ihr persönlicher Einfluß zu natürlichen Führern der Mitbürger macht. Die Stunde des Handelns hat geschlagen. Taten der opferbereiten, patriotischen Treue können den Grund zu einer schöneren, besseren, glücklicheren Zukunft legen. 3. Rede des Ministerpräsidenten Grafen Tisza. (Gehalten im Ungarischen Abgeordnetenhause am 28. Juli.) „Geehrtes Haus! (Hört! Hört!) Ich habe die Ehre, dem Hause einen Bericht zu unterbreiten, betreffend die Durchführung von Ausnahmsmaßnalimen für den Fall eines Krieges. Ich bitte, diesen Bericht in Druck legen, verteilen und dem Welirausschussc zuweisen zu wollen. Geehrtes Haus! In der Unterbreitung dieses Berichtes ist die Charakterisierung der heutigen Lage gegeben. Es ist dies eine Lage, welche notwendigerweise für eine Zeitlang die Tätigkeit des Abgeordnetenhauses suspendiert. Wir leben in Zeiten, wo an die Stelle von Reden, Debatten und Beratungen Waffentaten treten werden, und eben deshalb richte ich in diesem verantwortungsvollen Augenblick von historischer Bedeutung einige Worte namens der Regierung an das geehrte Haus. Mit Begeisterung und Stolz blicken wir auf die gehobene Seelenstimmung unserer Nation, blicken wir auf die männliche Entschlossenheit, die sich in der ganzen Nation kundgibt (Zwischenruf: So ist es recht!), und zwar sich kundgibt ohne Unterschied der Nationalität .... (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Abgeordneter Gideon Dungiersky (serbisches Mitglied der Arbeitspartei): So ist es! Ministerpräsident Graft Tisza .. . und nehmen die Gelegenheit wahr, um zu konstatieren, daß Gott sei Dank, die vereinzelten beunruhigenden Nachrichten, die in allerletzter Zeit in Umlauf gekommen sind, sich als zumindest mit sündhaftem Leichtsinn aufgegriffene und verbreitete absolut unwahre Nachrichten erwiesen haben. (Lebhafter Beifall, Eljenrufe und Händeklatschen.) Die gesamte Nation eilt, zu Taten bereit, auf den Ruf des Königs unter die Fahnen und wir, die Mitglieder der Ungarischen Regierung, fühlen die großen und heiligen Pflichten, die mit der gesteigerten Kraft der Begeisterung auf unseren Schultern ruhen. Unsere Pflicht ist cs, dafür zu sorgen, daß diese Begeisterung nicht vergeblich sei, sondern daß sie auf dem Felde in erfolgreichen Taten zur Geltung komme. Unsere Pflicht ist es, die Ordnung und Ruhe im Lande aufrechtzuerhalten und zu sichern, alle Regierungsmaßnahmen zu treffen, um den Operationen des Heeres Nachdruck zu verleihen (Beifall rechts und im Zentrum) und unseren Regierungseinfluß in der Weise auszuüben, daß dieser Kampf, der uns aufgezwungen worden ist, und zu welchem wir uns mit viel zu weit getriebener Friedensliebe (lebhafter Beifall rechts und im Zentrum) und nach Erschöpfung aller Versuche entschlossen haben, sein Ende nicht erreiche, ehe wir die Ehre der Ungarischen Nation und der Monarchie gewahrt sowie ständige Bürgschaften für die künftige Ruhe und Sicherheit und für den Frieden geschaffen haben.“ (Stürmischer Beifall und Eljenrufe rechts.) 4. Rede des Grafen Apponyi im Ungarischen Abgeordnetenhause am 28. Juli. „Geehrtes Haus! Ich bin von sämtlichen oppositionellen Parteien betraut, in ihrem Namen mich zu äußern. (Hört! Hört!) Meine Äußerungen schließen sich vollkommen der Erklärung an, welche vor einigen Tagen gleichfalls namens sämtlicher oppositionellen Parteien mein geehrter Freund Graf Julius Andrassy abgegeben hat. Wir empfinden aufs tiefste die historische Bedeutung dieser Stunde. Wir sind vollständig davon durchdrungen, daß die Abrechnung, die jetzt eingelcitet wurde, unvermeidlich war (Lebhafter Beifall auf allen 3053 Seiten des Hauses) und daß wir mit derselben nicht das Gebiet der Offensive betreten, sondern eine elementare Defensivpflicht erfüllen. (Langanhaltender Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Auf den Beginn dieser Abrechnung können auch wir mit einem Worte antworten, mit dem Worte, welches auf den Lippen der gesamten Bevölkerung schwebt, und dieses Wort ist: Nun endlich! (Allgemeiner lebhafter Beifall.) Sehr geehrtes Haus! In diesem Augenblicke ruht jede Kontroverse und nur ein Gedanke, ein Gefühl ist es, welches auch uns leitet (lebhafte Zustimmung im ganzen Hause), daß auch wir unserseits alles tun, damit in diesem uns aufgezwungenen, für unsere nationale Zukunft so unendlich wichtigen Zusammenstöße die ungeteilte Kraft zur Erkämpfung des Erfolges in Aktion trete. (Langanhaltender lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Die Ungarische Nation bietet in diesem Augenblicke vor Europa einen erhebenden Anblick. Wir sehen, daß alle Söhne dieser Nation tatsächlich ohne Unterschied und ohne Schattierung, dem Rufe folgend, bereit stehen und nur eines fordern, daß die Aktion den Erfolg bringe, den zu fordern wir ein Recht haben, daß nämlich der zehrenden Krankheit ein Ende gemacht werde (langanhaltender Beifall und Eljenrufe), welche uns zwang, sozusagen in jedem zweiten Jahr eine Mobilisierung anzuordnen und welche, wenn wir dies weiter dulden, es dahin gebracht hätte, daß Europa uns den kranken Mann genannt hätte. (Lebhafter Beifall.) Geehrtes Haus! Diese Nation, die auf ihre staatliche Selbständigkeit eifersüchtig ist, geht im Augenblicke der Gefahr in vollständiger Solidarität mit der Aktion des anderen Staates der Monarchie vor. (Beifall.) Sie hofft, daß die Notwendigkeit der Abrechnung sich auf ein enges Gebiet beschränken werde. Sollte sie sich aber in dieser Hoffnung täuschen, dann schreckt sie vor nichts zurück (langanhaltender lebhafter Beifall und Händeklatschen), vertrauend auf ihre eigene Kraft, vertrauend auf die militärische Tüchtigkeit unserer Wehrmacht und vertrauend auf die Bundestreue (langanhaltende Eljenrufe und Applaus), die sich schon in den ersten Augenblicken der Gefahr manifestiert hat. Das Ende dieser historischen Tatsachen kann mit Hilfe Gottes kein anderes sein als die Befestigung des Ansehens der Monarchie (lebhafte Zustimmung) sowie die Befestigung der Verfassung, der Würde und der Einheit Ungarns.“ (Langanhaltende lebhafte Eljenrufe und Händeklatschen.) 5. Rede des Fürstprimas Csernoch. (Gehalten im Ungarischen Magnatenhause am 28. Juli.) Mit traditioneller Treue und homagialer Huldigung empfangen wir in diesem ernsten Augenblicke das allergnädigste Reskript Sr. Majestät, ln der Geschichte des Ungarischen Magnatenhauses suchen wir vergebens nach einem dem heutigen ähnlichen ernsten Augenblicke. Aber nicht nur in der Geschichte unseres Vaterlandes, sondern in der Geschichte der ganzen Welt suchen wir vergebens nach so schändlichen Ereignissen, wie es jene sind, die uns vor diesen ernsten Augenblick gestellt haben. Die Ehre ganz Europas hat einen Makel davongetragen, welcher beseitigt werden muß. Die in der Note der Monarchie angeführten traurigen Daten sind derart, daß die den Frieden und die Grenzen der Monarchie sowie das Leben der Mitglieder unseres Herrscherhauses und der leitenden Männer des Staates stets gefährdende Anarchie, welche eine lange Reihe von Jahren hindurch unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt hat, zur Verantwortung gezogen werden mußte. Die Erfüllung der in der Note enthaltenen gerechten Bedingungen hätte eine friedliche Erledigung möglich gemacht. Die Note war ein neuerlicher Beweis der Friedensliebe und der Geduld der Monarchie. Serbien hat jedoch diesen berechtigten Forderungen gegenüber Hartnäckigkeit gezeigt, und bewiesen, daß es mit der uns gegenüber bisher befolgten Politik nicht brechen will. So entstand unser Recht und unsere Pflicht, die Brandfackel an den Grenzen unseres Vaterlandes zu beseitigen, für die verletzte Rechtsordnung Genugtuung zu nehmen und das unschuldig verflossene Blut zu ahnden. (Lebhafte Zustimmung.) Täten wir dies nicht, würden wir ein Zeugnis von Feigheit und Unfähigkeit geben. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen keinen Krieg, wir wollen den Frieden, aber nicht den Frieden, welcher zur Erschlaffung und zum Tode, sondern zum Leben führt. Und wenn wir diesen Frieden bisher auch durch neuerliche Nachgiebigkeit nicht sicherzustellen vermochten, dann dürfen wir, so sehr cs uns auch schmerzt, vor den Schrecknissen und Opfern eines Krieges nicht zurückschrecken. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn das Wort: „Si vis pacem, para bellum!“ je wahr gewesen ist, so ist es jetzt wahr. Wenn je ein Krieg gerecht war, so ist ca der jetzige, welcher nicht nur dem strikten Recht, sondern auch den rigorosesten Anforderungen 3054 der Moral entspricht. Im vollen Bewußtsein der wahrhaftigsten Gerechtigkeit unserer Sache erflehen wir den Schutz des Himmels auf Seine Majestät und auf unsere ruhmreiche tapfere Armee, in deren feste Hand wir mit Vertrauen die Ahndung der in der Weltgeschichte beispiellos dastehenden Beleidigungen, die Verteidigung des Vaterlandes und die Sicherstellung des Friedens niederlegen. In diesem ernsten und feierlichen Moment fallen die Schranken der verschiedenen politischen Meinungen und gegensätzlichen Auffassungen und wir alle sind einig, wie wir stets einig waren, in der festen Treue zum König und in der Liebe zum Vaterland. (Langanhaltende Eljenrufe.) Es lebe der König 1 Es lebe das Vaterland! (Langanhaltender stürmischer Beifall.) 6. Das Kriegsmanifest unseres Kaisers vom 29. Juli 1914. (Wortlaut auf 8. 3043.) 7. Rede des Bürgermeisters Dr. Weiskirchner in der Sitzung des Wiener Gemeinderates am 29. Juli 1914. Verehrte Kollegen! In tiefernster, geschichtlicher Stunde habe ich die freigewählten Vertreter der Reichshaupt- und Residenzstadt im Sitzungssaale zu außerordentlicher Tagung versammelt, um den Gefühlen Ausdruck zu geben, die heute das Herz jedes Wieners, jedes Österreichers aus dem Innersten bewegen. Schon seit langem hat ein hartnäckiger und haßerfüllter Feind unsere Grenzen beunruhigt und uns trotz aller langmütigen Friedensliebe zu Schutzmaßnahmen gezwungen, die nicht nur den Völkern unserer Monarchie schwere Opfer auferlegten, sondern in ihrer steten Wiederkehr auch unseren wirtschaftlichen Wohlstand schwer zu gefährden drohten. Noch mehr, er hat in seinem Innern verbrecherische Agitationen geduldet, die auf unser Reich Ubergegriffen haben und gegen unser erlauchtes Kaiserhaus gerichtet waren. Nun geschah das Äußerste! Schaudernd erlebten wir und mit uns die ganze gesittete Welt die beispiellose Untat, die an unserem Thronfolger und seiner Gemahlin verübt wurde. Des alten Kaisers Brudersohn, dem die Zukunft des mächtigen Reiches anvertraut werden sollte und der fest entschlossen war, Glanz und Herrlichkeit der alten Habsburgerkrone zu sichern —, er lag ermordet auf der Bahre. Das Maß war voll, die Langmut ist zu Ende! Des Kaisers Wort hat die Völker zum Kampfe gerufen und vorbei ziehen die Bataillone und Regimenter mit den stolzen Namen, die an die vaterländischen Helden erinnern, welche für die Ehre Österreichs und Deutschlands und so manchmal für den Bestand der gesamten europäischen Kultur gekämpft haben, und vorbei werden getragen die im blutigen Streite in Fetzen zerrissenen altehrwürdigen Fahnen, deren Träger auf allen Feldern des europäischen Kontinents ihre Tapferkeit bewiesen haben. Wenn sie entrollt wurden, Österreichs Fahnen, und dem Feinde entgegenflatterten — dann lauschte Europa den Ereignissen, die der Weltgeschichte ihre Wendung gaben. Auch heute sind Europas Augen — des Freundes und des Feindes — auf sie gerichtet: sie ziehen in einen gerechten Kampf, in einen Kampf der nicht gilt den Gütern dieser Erde, in dem vielmehr das Heiligste — die Ehre und das Vaterland — mit dem Schwerte geschützt wird. So hat denn der Krieg begonnen, der Krieg mit allen seinen Schrecken, die Elend, Schmerz und Tränen bringen. Ihn suchten wir zu vermeiden mit aller Besonnenheit und Langmut, deren Menschen und Völker jemals fähig waren. Aber was immer hingeopfert worden ist, den Frieden zu erhalten -— es war fruchtlos. Nun da er nicht mehr vermieden werden konnte, dieser gerechte, heilige Krieg, so wollen wir im Bewußtsein unserer ernsten Verantwortung die Geschäfte der Stadt weiterführen und die Schwierigkeiten, die der Kriegszustand der Verwaltung unserer Stadt aufbürdet, in rastloser Arbeit mit voller Hingabe an unsere Mandatspflichten überwinden. Auch in dieser schweren Zeit soll das Rathaus Stütze und Hort der Wiener sein. Und so bitte ich alle Mitbürger, fern von jedem Parteigetriebe, den Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung mit allen Kräften und in allen Belangen zu unterstützen, verständnisvollen Gemeinsinn zu betätigen und nach ihrem Vermögen den Bedrängten beizustehen. Mit den innigsten Segenswünschen begleitet die k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien unsere ruhmvolle Armee in den Krieg. Gottes Schutz und Schirm wird über unseren Kämpfern und ihrer gerechten Sache walten, und der Doppeladler wird, indem er seine Fittiche erhoben hat und zur Sonne blickt, in seinem Fluge bald die Schatten verscheuchen,, die der unholde Schwarm auf seine Bahnen wirft. Und dann wird die Sonne — so Gott will — wieder in vollem Glanze leuchten auf 3055 ein glückliches Österreich, das frei von drückender Ungewißheit seine Kräfte aufs neue zu kulturellem und wirtschaftlichem Aufschwünge entfalten kann. In dieser schweren Stunde aber, da unser Kaiser seine Völker ruft, wollen auch wir mit innigster Liebe der erhabenen Person des Monarchen gedenken, dessen unermüdliche Arbeit und väterliche Fürsorge stets darauf gerichtet war, seinen Völkern die Segnungen des Friedens zu bewahren, und der nun im hohen Alter, aber ungebrochen an Kraft, nochmals zum Schwerte greifen muß. Ihm schlagen heute die Herzen aller seiner Völker entgegen mit dem heißen Segenswunsche : Gott erhalte, Gott beschütze unseren guten Kaiser, Gott lasse ihn nach diesen schweren Zeiten noch viele glückliche Jahre genießen im innigen Vereine mit seinen Völkern ! Ich lade die Gemeinderäte ein, mit mir auszurufen: „Se. Majestät unser Kaiser und unsere ruhmreiche Armee leben hoch!“ 8. Aufruf des Unterrichtsministers Dr. R. v. Hussarek an die akademische Jugend. An die akademische Jugend! Der Krieg ist erklärt! Ein ebenso erbitterter als ränkesüchtiger Gegner der Monarchie hat in jahrelanger Wühlarbeit unter Verachtung des Hechtes und mit Hintansetzung der Gebote von Sitte und Kultur seine Kräfte aufgeboten, um den territorialen Bestand des Reiches zu mindern, trotzdem auch er denselben längst international anerkannt hatte. Zur Erreichung seines Zieles sollte ihm die Verführung der unbesonnenen, fanatisierten Jugend, sollte ihm Frevel und Gewalttat, sollte ihm eine Reihe politischer Attentate dienen. Seinen mörderischen Kugeln ist die Person des Erzherzog-Thronfolgers zum Opfer gefallen. In flammender Entrüstung über die enthüllten Umtriebe und ihr verletztes heiliges Recht greift die Monarchie zum Schwerte. Sie zückt es in einem gerechten Kampfe zur Sicherung ihres durch jahrzehntelange Kulturarbeit erworbenen unantastbaren Besitzes für alle Zukunft. Akademische Jugend! Ein Teil von euch ist dem Rufe des obersten Kriegsherrn gefolgt, kämpft in den Reihen der Ileere unseres Kaisers und wird ihren Lorbeerkränzen manch neues Reis antügen. Mögen auch jene, die nicht unter den Fahnen stehen, um an den kriegerischen Operationen aktiv teilzunehmen, hinter ihren Kommilitonen an patriotischer Hegeisterung nicht Zurückbleiben. Auch dem nicht ins Feld Gezogenen ist vielfach die Möglichkeit geboten, werktätig für sein Vaterland zu wirken, sei es, indem er seine Kräfte der freiwilligen Krankenpflege widmet, sei es, daß er sie der öffentlichen Verwaltung zu Diensten für das allgemeine Wohl zur Verfügung stellt, um die Lücken auszufüllen, welche durch den Abgang von Streitern zur Armee entstanden sind, sei es in sonstiger sozialer Hilfsarbeit. Was in jedes Kräften steht, möge er leisten für Gott, Kaiser und Vaterland! Jeder sei opferwillig, fest, treu und schaffensbereit auf seinem Platze. Denn auch um sein und seiner Zukunft Heil wird gerungen, und die eisernen Würfel des Krieges fallen für oder gegen ihn. Akademische Jugend! Sei in schicksalsschwerer Stunde eingedenk der erhabenen Größe der Vergangenheit, der Pflichten und der Arbeit des Tages, des Glückes und Segens der Zukunft! Danach handle! Dann ist die Wiedergewinnung und die Sicherung des Friedens, die Ehre und der Ruhm des Vaterlandes auch deine Tat! 9. Aus dem Aufrufe des Rektors Hofrat v. Wettstein an die Studenten. Studenten in Waffen! Euch begleiten die Wünsche und Hoffnungen von uns allen, die wir durch geistige Interessen mit euch verbunden sind, die wir in euch die Blüte des Volkes erblicken, dessen Führer zu werden Erziehung und Ausbildung euch bestimmen wollte. Bleibt dieser Bestimmung treu dadurch, daß ihr den Platz, den euch der Dienst für Kaiser und Vaterland zuteilt, in einer Weise ausfüllt, die geeignet ist, beispielgebend zu wirken. Euch anderen, die zu einer militärischen Dienstleistung nicht herangezogen wurden und die den Ruf zu den Waffen nicht zu gewärtigen haben, gelten die Worte des oben wieder-gegetfenen Aufrufes, die Aufforderung, nach Kräften mitzuwirken — jeder auf' seinem Platze — an der Hilfsarbeit, die zur Wiedergewinnung und Sicherung des Friedens, zur Ehre und zum Ruhme des Vaterlandes führt. Diese Worte sollen insbesondere auch den studierenden Frauen gelten, denen sich nun Gelegenheit bietet, ihre weibliche Hilfsbereitschaft zu betätigen. 10. Eine Kundgebung des Deutschen Nationalverbandes. (Entschließung vom 30. Juli 1914.) Der Ruf des Kaisers hat stürmischen Widerhall gefunden. Und wenn auch das, was alle unsere Volksgenossen in Österreich bewegt und erhebt, nicht an der berufensten Stelle, 3056 im Parlament, zum Ausdruck kommen konnte, so ist der Deutsche Nationalverband doch überzeugt, daß es heute nur einen Willen und eine Auffassung gibt: Es ist die volle Zustimmung zu dem entscheidenden Schritte, der unerträglichen Zuständen ein Ende macht. Es ist das freudige Bekenntnis zu Kaiser und Reich. Es ist die Entschlossenheit, jedes Opfer zu bringen für das Vaterland, für seine Ehre und seine Zukunft. Es ist der Dank an unsere Bundesgenossen, deren Eintracht den Frieden so lange erhalten hat und deren Treue sich in der Stunde der Gefahr glänzend bewährt. Es ist ein Gruß an unsere herrliche Armee, an deren machtvollem Aufbau mitgearbeitet zu haben, unser Stolz ist. Es ist das Vertrauen auf einen Sieg, der dem Reiche und unserem Volke neue Bahnen friedlicher Arbeit sichert. Dem Kaiser und dem Vaterlande Ileil! 11. Erste Ansprache des Kaisers Wilhelm am 31. Juli. Eine schwere Stunde ist heute über Deutschland hereingebrochen. Die Neider überall zwingen uns zu gerechter Verteidigung. Man drückt uns das Schwert in die Hand. Ich hoffe, daß, wenn es nicht in letzter Stunde meinen Bemühungen gelingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen und den Frieden zu erhalten, wir das Schwert mit Gottes Hilfe so führen werden, daß wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können. Enorme Opfer an Gut und Blut würde ein Krieg vom deutschen Volke erfordern, den Gegnern aber würden wir zeigen, was es heißt, Deutschland anzugreifen. Und nun empfehle ich Euch Gott; jetzt geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer! (Fortsetzung in F. 130.) Die Welt in Waffen. (Originalbeitrag für die „Bl.“) Von allen Seiten droh’n der Feinde Scharen, Im Norden, Süden, Osten und im West, Weil nach den langen, schönen Friedensjahren Der Kaiser streng greift in das Mördernest. Und er, den einst man nannte Friedenszaren, Der feiern ließ so manch Versöhnungsfest, Er zückt das Schwert zum Schutz für’s Mörderland Und reicht dem Freund „perfid“ die Friedenshand. Da starrt ganz Deutschland stolz im Waffenschimmer, An Öst’rreichs Seite tritt 6s rasch und treu. „Wir bleiben fest, mag kommen, was auch immer!“ Die Nibelungenlieder klingen neu. Hinaus ins Feld! Zieht Brüder, ohn’ Gewimmer Zum blut’gen Kampf, ohn’ Zagen, ohne Scheu 1 Zwei Kaiser führen euch in diesem Krieg! Zwei Kaiser führen euch zu neuem Sieg! Und wenn die Welt in Waffen uns umdroht Und hundert Feinde stürmen übers Feld Und wenn der Städte Brand zum Himmel loht, Das Kriegsgeschrei durch alle Länder gellt Und wenn die reichste Ernte hält der Tod, Zusammenbricht die ganze alte Welt, Die deutsche Treue könnt ihr nicht zerbrechen, Von deutscher Treue wird man ewig sprechen! Karl Cornelius Rothe. 3057 Unsere „Glätter" und der Krieg. Die Pädagogik kann heute, will sie bodenständig und zeitgemäß sein, unmöglich mehr abseits vom Weltgetriebe und vor allem nicht unter Ausschluß der politischen Entwicklung betrieben werden. Die Zeiten sind vorüber, da man sich ausschließlich mit klingenden Lehrsätzen und mit der Konstruktion von Theoremen begnügte; was wir in unser» Tagen brauchen und daher anstreben, ist der lebenswarme Puls des Welt» geistes in der Pädagogik. Eine Äußerung desselben ist nun vor allem das Emporringen von Partei- und Volksinteressen. Das große Lexikon nennt dieses Aufundniederwogen „Politik", das kleine hingegen „Hader und Zanksucht". Mit der letzteren Deutung wollen wir uns nicht befassen, denn sie führte auf den Schmutz der Straße. Wohl aber war uns jederzeit daran gelegen, den Blick des Lesers auf den weiten Plan der Tagesgeschehnisse zu lenken und ihn an ein reifes Abwägen derselben nach Ursache und Wirkung zu gewöhnen. Erst im Jänner dieses Jahres erschien ein Artikel mit der Aufschrift „Ein bißchen mehr Staatspolitik". Dort heißt es unter anderem: „Der Lehrer ist der berufene politische Interpret in der Masse des Voltes; daher soll er den ganzen Komplex der Ereignisse ergreifen und mit seinem Geiste in ein geordnetes Schema dringen." Am Schlüsse des Artikels wird auf die aufsehenerregenden Enthüllungen des „Matin" mit Bezug auf die Balkankrise erinnert, welche Enthüllungen mit der Monate zuvor von den „Blättern" ausgestellten Prognose vollends übereinstimmten. Damit sollte gezeigt werden, welcher Art die politische Perspektive sei» müsse. — Dieser Grundgedanke der „Blätter" findet sich bereits im 1. Jahrgange. In dem Artikel „Der Pulsschlag des Weltgeistes in der Landschule" (S. 97 des Auszuges 1904—1906) steht: „Ein neuer Geist schreitet durch die Welt. Wir treten an seine Seite und geleiten ihn bis ins hinterste Tal hinein. Man muß mitten im Nahen des Heros ausgewachsen sein . ..., dann wird man von ihm erfaßt.. .." — Ein deutlicher Fingerzeig, wie der Lehrer die einzelnen Ereignisse auf der Weltbühne betrachten muß, enthält der vielverlästerte, aber später allerseits in der Praxis haargenau beachtete Artikel „Donnernde Schollen" lF. 62, S. 877). Dort ist zu lesen: „Man ist gewohnt, alles zufällig, alles episodenhaft zu nehmen, weil man zu wenig den Werdegang der Dinge verfolgt, weil man nicht nach den tiefinnersten Gründen forscht, weil man nicht erwägt, daß das, was im Zeitenwandel auftaucht, naturgemäß kommen mußte nach den Gesetzen, die draußen im Forst und auf der Heide walten." Wenn wir diese Zeilen heute lesen, so erscheint alles, was sich dermalen abspielt, als ihre Erfüllung. Der Kampf des Frühlings mit dem Winter, des Tages mit der Nacht, der Kultur mit der Barbarei; das und nichts anderes ist das Ringen zwischen uns und Rußland, der Streit Zahn um Zahn um den fetten Bissen — der Krieg zwischen Deutschland und England. So trifft also die durch den zitierten Artikel erörterte Analogie in allen Stücken zu. — Der Jahrgang 1912 tritt mit den Forderungen behufs zeitgemäßer Erziehung der Jugend angesichts der immer deutlicheren politischen Gestaltung der Dinge noch schärfer hervor. Auf S. 2086 (F. 101) findet sich die Stelle: „Nicht Verweichlichung, nicht Schwächung, nicht überquellender Humanitätsdusel soll erstrebt und erreicht werden, sondern mannhaftes Eintreten für die Güter des Volkes mit den Waffen des lichten Jahrhunderts!" Nun denn, der Tag ist da; er soll zeigen, ob unser Postulat gewirkt hat! — In Folge 97 V TASGHEN;WANDrWECKERjT' r u PENDELUHREN A- IäIeJUWELENE fff L COLD-u.SILBERWAREN [ | [ Optische Erzeugnisse^^^ IWrhofografische ApparateZx) pJh Grammophone rfäsfa ■ ADOLFJIRKA i ^UHRMACHtn ü. JUWELIER KRUMMAU a/dMOLDAU JH. Kataloge gratis. Auswahlsendungen auf Verlangen