-N 111 m 111 n m I m t*i \j Vi Vi 11 vvn n s s s s s f * I n i i i n n n n I n n n tent her AeAr. Katholisch HisslonWHchrM. « « bersusgegeden von der 6e$ell$cbaft der „Sobne des bist Screens 3esu“. « « Erscheint monatlich. — DreiZ jährlich mit Postversenöung 3 K = 3 Mk. — 4 Frcs. Kr. 2. Aeöruar 1904. TH. Zaßrg. Inhalt: Sch lutz unserer KMilen-Fbttcrir . . . . Kmpfnng des tzochivst. Bischofs Mver Heyer in Afrika ....................... Etwas üöcr Hefckichte und Sitten her Hchilluk-Könige ....................... Wie es in der Mission zusieht . . . . Aus bnn Wissionsleken: Gott teuft alles zum Besten. — Liebe der Neger zu Maria. — Arbeiten der Bougo. — Eine rührende Geschichte. — Leben des Missionärs. — Der Schutzteufel. — Tröstliches aus der Mission................................ Wcrschiebenes: Aus unserem Missionshänse die erste Blume. — Die Stcrbemesse einer Armen. — Menschenfresser mit belgischen Seite 33 Kongo. — Afrikas Zwerge. — Ein mir als Eremit. — Das Jubiläum der Liniermaschine. — Der Advokat und der Teufel. — Der Regenschirm. — Etwas von der Zeit, vom Leben ec. — Päpstliche Audienz. — Eine große Bitte. — Zu unseren Bildern.......................... Hebetserlsörnngen unb Empfehlungen . . Seite Kööikdurigerr $ Bischof und Missionspriester in Assuan. — König Kur mit einer Gruppe Schilluk-Neger. — Kriegstanz der Schillnk. — Im. Lande der Bongo. — Junger Akka. — Sphinx und Pyramide. — Pater Bauhölzer an der Türe seines neuen Hauses in Stil. Missionshaus Mül)laut! bei Mm (Tirol). Wriefkcrsten der WeöakLiorr. Jr. 3. E. in S. U. Wiederum tausend Dank für eingesandte Adressen, denen wir bereits Probenummern chickten. — Jtn mehrere. „Vergelte Gott" für sdie neuen uns zugesandten Abonnenten. — B. B. ill 3., OömSfemiCD. Erlagscheine können Sie zu jeder Zeit von uns haben, besonders wenn auch Gaben für das Missionshaus darauf verzeichnet werden. — 3. $Cl). in 1B., Bayern. Herzlichen Dank für den, zugesandten Artikel. — Bath (M.U., Schlesien. 28.107 gewann ebenfalls ein Kreuz. Schicket die 7 Lose mir. Gratuliere der neuen Borsteherin! Bitte um genaue Adressen nach Heinzendorf uad Hermsdorf. 5 schickten den Abonnements-f betrag. — BaCb EOfm. Wir freuen uns sehr, daß unser „Stern der Neger" so willkommene Aufnahme dort gefunden hat. — ün mehrere. Mehrere j im Dezember Zugesandte Gaben sind erst in diesem I Heft verzeichnet worden. if Zur Beachtung. 1. Jlnsere geehrten Leser und Wohltäter werden höflichst gebeten, ihre Adressen: Käme und (Uobitorf, recht deutlich zu schreiben und bei Geldsendungen stets genau anzugeben, wozu es dienen soll'. 2. Wer unser Wissionswerk in vorzüglicher Weise unterstützen will, der suche 12 Abnehmer des „Stern der Hleger" zu gewinnen; er erhält sodann das 13. Exemplar umsonst, für jedes weitere Dutzend wird ebenfalls mr Jrei-e.rcmplar gegeben. 3. Damit Sendungen richtig bei uns einlangen, mutz bei unserer Adresse lililbland bei Brisen geschrieben werden und nicht Wri.ren allein. KovresponösnZ öer Expedition. Eingegangene Geldsendungen. (Vom 1.—30. Jänner 1904.) Jür das Missionshaus- (In Kronen.) Wenzl, Beza 8.— * Arnold, Volders 7.— * Aus Pfarrwerfen —.60 * Fr. Machinnik, Graz 2.— * Kath. Meßner, Villnöß 2.— * Engert, München 2.63 * Stef. Hesse, Kaiserwalde 1.— * I. Stoggler, Kooperator, Münster, Unterinntal 1—■ * Aus Brixen 2.— * Fr. Hobicher, Expositus, Pe-droß 14.— * Peter Scheller, Villanders 8.— * Elementi Kostner 5.— * Ungenannt aus Brixen 100.—■ * Al. Knolleisen 2.— * P. Reimer, Furt in Wald (Baiern) f. 3 Heidenkinder auf die Namen: Josef, Rudolf und Maria 73.84. * Rosa Kostner, Corwarn 10.— * Ed. Hammerle, Pfarrer, Steg, Lechtal 50.— * K. Baur, Noppen 11.— * M. Soukup, Innsbruck 30.— * R. Dörfer 10.— * Jos. Schan, Krimml 5.— * Anton B. Spiritual, Odrau 28.— * I. Dörfer 10.— * Ungenannt aus der Pfarre Mähring (Oberpfalz) durch Hrn. Kümmer, Pfarrer dortselbst, 1100.— * Wieser, Professor, Brixen 2.— * Ammann, Professor, Brixen 5.— * Jochum, Professor, Brixen 1.— * I. Höfler, Algund 1.— * Rud. Seiner 1.— * Jak. Fr. Altach 19.— * M. Huber, Bierbamn 2.— * Kanonikus Oberkofler, Bozen 1.— * Pfarramt Ernsthofen 5.76 * A. M. N. Orsfeld 11.72 * Christian Sch oder, Vandans 35.45 * Unterhölzer, Bäurin, Villanders, 22.— * M. Hauber und Hugo Niedermair, Bozen 12.— * Helene Beza, Sternberg 2.— * Ungenannt Waidhofen 2.— * Ed. Borawski, Kochawina, zum Loskauf und Taufe eines Heidenkindes 17.— * Fr. Habenditz, Frohnleiten 1.— * R. I. Sterlg, Jbbs, f. d. Marienverein f. Afrika 3.— * Ed. Solderer, Lienz 2.— * Joh. Baur, Defiz., Sterzing 2.— * Jos. Huber, Regensburg 3.51 * Fr. Zobler, Trifel, Wels 2.— * Andr. David, Kaplan, Marienbad 7.— * Theresie Punz, St. Pölten 3.— * Kanonikus Schmid, Brixen 7.— * Hochw. H. Pfarrer Milland 2.— * L. Lautner, Innsbruck 4.— * I. Gruber, Sarnth. 1.— * Peter Gruber, Hollersbach 10.— * Ther. Wwe. Mapr, Imst 1.— * Fortunat Gritsch, Sand im Tauferth. 1.— * Fr. Schwaniger, Kufstein 2.— * A. Peterler, Rudolfswert 2.— * Joh. Schätzer, Bozen 17.— * M. Heindl, Langenlois 1.— * P. Hunert, GrieSkirchen 1.— * A. Federer, Atzwang 3.— * A. Streitberger, Zell et. See 1.— * A. Säubert, Biermig 1.— * Th. Kastener, Zell a. See 7.— * Bl. Stocker, Terlan 2,— * Jos. Ammer, Jortsehurig 6es Kabenverzeichrrisses. Wels 4.— * Dr. Ed. Hönigschmidt, Weistrach 2.— * Lorenz Brach, Götzis 2.— * A. Stocker, Terlan 1-— * Fr. Marim, St. Mich., Eppan 1.— * Jos. Gruber, St. Pölten 1.— * Msg. G. Mayr, Gmunden 2.— * Joh. Lechner, Bramberg 7.— * Phil. Schweiger, Saalfelden 1.— * Betty Mayr Hueber, Wien 1.— * Jos. Lachner, Ebersberg 1.18 * Pfr. Bader, Leutkirch 2.35 * M. Pfeifer, Bozen 2.— * Dr, Bert. Wegerhof, Recklingshausen 5.86 * Pfr. Schneider, Beneschau 2.35 * R. Schneider, Loser 7.— * Jos. Volger, Brixen 3.— * M. Zeilermeyr, Losenstein 1.— * I. Bachmann, Imst 2.— * I. Decker, Friesdorf 5.86 * F. Hosp. Wilt 2,— * Wilh. Jelstr, St. Val. 1,- * A. Ennemoser, Meran 6.— * F. Erbler, Wels 2.— * A. v. Gelb, Salzburg 2.— * M. Gstöttner, Linz 2.40 * E. -Kunkel, Mannheim 11.73 * I. Schweigt, Innsbruck 2.— * B. Puchreiter, Remweg 2,— * B. Platter, Schwaz 7,— * I. Luggin, Kältern 2,— I. Waill, Schlitters 2.— * P. B. Grüner, Lambach 2.— * Pfarramt Ernsthofen 5.76. * I. Fetz, Götzis 19.— * A. Brousil, Kooperator, Pöndorf 1,— * I. Rauter, St. Pölten 2,- * Pfr. Fiebig, Ohlan 3.52 * Lehrer Guski Rothfließ 8.21 * P. Rexeis, Stainz 1. — * P. Kauczor, Kl.-Strehlitz 18.76 * Kreuzschwestern Kierling 1.— * I. Nürnberger, Brixen 2. — * P. Denkhauser, Linz 7,— * Bisch. Dr. Nagel, Triest 17.— * Th. Schwinger, Salzburg 5.— * 2t. Stöcke, Salzburg 1.— * Ew. Dom-Frauen-Konv. Lienz 1.— * I. Rothauer, Ischl 6,— * L. Schaff-gottsch, Breg. 2.— * I. Stauchn«, Perg. 3,— * Allen unseren Wohltätern sagen wir ein herzliches A. Weinberger, Losenstein 2,— * I. Wappis, Klagenfurt 1,— * Dr. Brixon, Innsbruck 1,— * Kasp. Schöck, Türingen 2,— * I. Christanell, Dicran 7.- * A. Föger, Telfs 1.- * Msgr. Amudtz (Sure, Frohnsdf. 2.— * M. Wenin, St. Pankratz 2.— * S. Putzer, Mühl 1,— * K. Durinan, Gnadendorf 2,— * M. Daxcr, Hall (Tirol) 10.— * G. Gaußer, Defizient, Otz 20. — Anton Hölzl, Rosental 1,— * Durch Br. Mittermayr 2,— * P. Ägid. Gaßner, Pfr., Jmmsicn 10.— * Durch hochw. Herrn Kooperator Karl Kaseroler in Völs von Ant. Planer 10.— * Hochw. H. Ignaz Mitterer, Brixen 20.— * Marie Huber, Bierbaum 1.—. Jur heilige Messen r Kaplan Hummel, Ravensburg 67.93 * Baronin Maria v. Nagel Vornholz 79.22 * Joh. Böhm, Oberachtel 5.87 * E. Fröhlich, Lehrerin, Ahrweiler 31.64 * Andr. Bergmann, Kooperator, Welsberg 20.— * T. Aigner, Furth 117.15 * Hochw. I. Arnold, Brixen 39.60 * M. Gstöttner, Linz 2.40 * P. Fiebig, Ohlan 3.51 * Ungenannt 13.— * I. Huber, Regensburg 2.34 * Baron Witinghosf, Schell, Wien 10.— * 4. Gymnasialklasse Brixen für ihren verstorbenen Mitschüler Franz Hackl, Zögling des Missionshauses 1.47 * Wwc. Rosalia Zang, Ob. 4.69 * Durch Br. Mittermayr 8.—- * Baronin Nagel Vvrnholz 19,91 * Fr. Zeemann 3.— * Th. Fritz Schattwald 400.— Ferner sandten ein: N. Huber, Bierbaum, einen gold. Ringi I. 2lrnold, Schwaz, 1 Kiste Bücher. Vergelts Gott" und bitten um weitere Unterstützung cStferartfdpes. Die £atii$iti$$timmeit, zugleich Stimme Mariä für das Marianische Jubiläum 1904. (Preis 12 Hefte mit je 32 Seiten nur 1 Mk. 50, 1 Fr. 50, 1 K 70; Canisiusverlag Freiburg, Schweiz.) Inhaltsverzeichnis des 1. Heftes: Das Marianische Jubeljahr 1904. — Erklärung der Lehrentscheidung des Papstes Pius IX. über die Unbefleckte Empfängnis. — Pius IX., der Papst der Unbefleckten Empfängnis. — Offizielle Nachrichten ans Rom: 1. Der marianische Weltkongreß. 2. Marianische Nachrichten aus den verschiedenen Ländern. 3. Nachrichten aus dein Vatikan. — Der stlige Petrus Canisius, ein Patriarch unseres Glaubens. Sein Jugcndlebcn. — Nachrichten über die Wiedervereinigung im Glauben und den Rückgang der Sekten. — Das Vertrauen auf Gott (Gebetsmeinung). —^ Die Geschichte der Wunderbaren Medaille. — eines Lourdcspilgers (Forts.). — Tröstungen für Kranke. — Die Andacht zum heiligen Namen Jesu im Monat Januar. — Korrespondenz über die Ritter Mariä. tinier tier J<$5)ne Mariens. Zeitschrift zur Verehrung der Gottesmutter. Zugleich Sodalen-Korrespondenz fürMarianischeKongregationen. Redigiert von P. jGeorg Harrasser S. J. Monatlich ein großes, reich illustriertes Heft. Preis samt Zusendung jährlich M 2.50 — X 2.60. Man bestellt bei der Administration: Wien, I., Sonnenfelsgasse 21. Das vorliegende erste Heft veröffentlicht anerkennende Empfehlungen .der Zeitschrift durch die Oberhirtcn von Wien, Köln, Brixen usw. Aus dem reichen Inhalt heben wir heraus eine wundervoll zarte Weihnachtscrzählung, ein anziehendes Lebensbild eines Marienkindcs, die Vorbereitungen zur Feier des Immakulata-Jubiläums und die künstlerischen Original-Illustrationen. mmm* Aür Knaben, xveZdje ^röens- unö Wiffionspriefter werden wollen. In unserem werden brave und talentierte Knaben aufgenommen und zu Missionspriestern herangebildet. Bedingungen der Aufnahme sind: 1. Selbständige Neigung und sonstige Zeichen des Berufes zum Ordens- und Missionspriesterstande. 2. Gelehriger, lebhafter, offener Charakter, energischer, standhafter, opferfreudiger Wille; sittliche Unverdorbenheit. 3. Gesundes Urteil und gutes Talent, das befähigt, leicht und ohne Anstand die ganzen Gpinnasialstudien durchzumachen. 4. Gute Gesundheit und kräftiger Bau, frei von körperlichen Fehlern. 5. Alter von ungefähr 12 Jahren. Für die erste Klasse wird ein Alter nicht unter 10 und nicht über 12 Jahre erfordert. 6. Pensionsbeitrag nach Übereinkommen mit den Eltern oder deren Stellvertretern. Zur Erlangung der Aufnahme sind ferner einzusenden: 1. Kurzes, selbstgeschriebenes Gesuch und Erklärung, Ordens- und Missionspriester werden zu wollen. 2. Taufzeugnis, worin die eheliche Geburt erwähnt ist.. 3. Firmungszeugnis, wenn man schon gesinnt ist. 4. Ärztliches Zeugnis über Gesundheit, Mftigen Körperbau und Impfung. 5. Pfarramtliches (verschlossenes) Zeugnis über sittliche Unverdorbenheit, Frömmigkeit und gutes Talent. 6. Schulzeugnis (von solchen, die bereits an andern Anstalten studiert haben, sämtliche Studienzeugnisse). 7. Einwilligung des Vaters oder Vormundes, dast der Knabe Ordens- und Missionspriester werde und Erklärung, ihn wieder zurückzunehmen, wenn er für uns untauglich sein sollte. Weitere Aufschlüsse werden bereitwilligst vom Obern be§ Missionshauses erteilt. Man wende sich vertrauensvoll an die Adresse: P. Obern des Missionshauses in Mühland bei Brixen, Tirol. St. Petrus (Ocmer^Sobalität für die afrit Missionen. Rom, m 6iov. Eanza m, Maria Sorg bei Salzburg, Oesterreich. Wer einem besonderen Zuge des Herzens folgend, aus Liebe zu den verlassensten Seelen in Afrika sein Leben ganz in den Dienst der afrikanischen Missionäre und Missionsschwestern stellen möchte, wird auf die St. Petrus Claver-Sodalität aufmerksam gemacht, eine voni hl. Stuhle genehmigte weibliche religiöse Hilfsmissionsgesellschast zur Unterstützung der afrikanischen Missionen. Genannte Sodalität besitzt bereits zwei Probehäuser, das eine in Rom, das andere in Maria Sorg bei Salzburg. Fräulein mit sorgfältiger Erziehung, in erster Linie solche, welche die Kenntnis mehrerer Umgangssprachen besitzen oder in der Buchhaltung bewandert sind, finden Aufnahme. Mittellosigkeit ist, falls der religiöse Beruf feststeht, kein Hindernis für den Eintritt. Erläuternde Druckschriften stehen gratis zur Verfügung. Man wende sich um Aufnahme an die Gründerin und General-Leiterin Jr. Gräfin tffaila ElWeSia LeÜScstSMllS» Rollt, via 8isv. Eanza 12$, oder an die Edferin üss IHi$$ionsi)aii$c$ m Hlaria Sorg Dei Salzburg (Ostern). Katholische missioas-Zeltschrlft. Nr. 2. Jebrnar 1904. VII. Iahrg. Schluß unserer Effekten Lotterie. Vom 1. Februar an werben vom Misstonshause Üie Treffer ausgefolgt. Wer in üeu Besitz feines Gewinstes gelangen will, öer Kann nun fein Los eulweber mit Angabe bes gewonnenen Gegenstandes ober auch einfach hierher einfenöen, wenn ber Treffer nicht direkt im Missionshaufe abgeholt werben könnte. Ziehungslisten int Preise von £0 Heller stub noch immer zu haben. Was öen Erfolg nuferer Lotterie anbelangt, so möchten wir nur bemerken, bah nicht einmal Sie Hälfte ber Lose verkauft würbe unü somit 5er ganze Erfolg nicht so glänzenb ist. Wir sagen nun allen, welche auf irgendeine Weife, sei es durch Lin-fenben von Effekten (hier möchten wir erwähnen, bah ber weitaus gröhle Teil ber Effekten angekauft und nicht geschenkt würbe), ober durch Abnehmen von Losen ober sonstigen Beiträgen dieses gute Werk unterstützt haben, ein tausenöfaches herzliches „Vergelt's Gott!" Empfang des hochwst. Kischofs Kader Heper in Afrika. in Glückskind rote ich immer bin, konnte auch ich, rote einst das kananäische Weib wünschte, einige Brosamen erhaschen, die mir umso gelegener und schmackhafter kamen, je unverdorbener sich mein Appetit auf meiner ersten Reise nach Afrika noch erhalten hatte. Ich spreche von der Ankunft unseres hochwst. Bischofs und apostolischen Vikars Msgr. Franz Taver Geyer F. S. C. in Afrika, welchen ich bis dahin begleiten zu dürfen das Glück hatte. Nach einer glücklichen Fahrt im Mittelländischen Meere landeten wir am Montag, den 21. Dezember, morgens ö Uhr in Alexandrien, bis wohin uns schon die hochw. Patres Karl Tappi und Anton Vignato entgegengekommen waren. Gegen Mittag kamen wir nach Kairo, wo uns noch viele andere erwarteten. Die Namen der hohen Herren muß ich stillschweigend übergehen, da ich keinen einzigen derselben kannte. Und doch freute ich mich aus ganzem Herzen,. als ich sah, wie sie alle vor unserm hochwst. Bischof knieten und ihm den Ring küßten. Einige Wagen standen schon bereit und fort gings, unserem Missionshause in Kairo zu. Nachdem wir von allen zuhause gebliebenen Patres und Brüdern herzlich empfangen worden, und dem hochwst. Bischof vielseitige Gratulationen und sonstige Ehrenbezeugungen erwiesen worden waren, stärkten wir unS etwas für die Weiterreise nach der etwa ein halbes Stündchen seitwärts gelegenen Negerkolonie Gesirah. Schon im Voraus hatte der hochiv. P. Obere alles aufgeboten, um diesen Abend so feierlich als nur möglich zu begehen und ich muß gestehen, daß es ihm wahrhaft prächtig gelungen ist! Von der Kirche und dem Hause wehten mehrere bunte Fahnen. Die ganze Vorderseite der Kolonie war festlich geschmückt: fast unzählige Fackeln in den verschiedensten Farben beleuchteten Balken, Fenster und Türen. In der Mitte über betn Haupteingange befand sich eine vom hochw. Herrn Pater Sandona verfaßte und schön gemalte Inschrift, die von mehreren größeren Fackeln hell beleuchtet war. Rings herum flattern im etwas starken aber anmutigen Abendwinde von allen Bäumen und Sträuchern längs des Weges und um den Hof herum noch viele andere Fähnchen. Der Himmel selbst schien am Feste teilnehmen zu wollen, indem er alle seine Fackeln aushängt und die Sterne glitzerten und funkelten so freundlich und so lebendig, als ob er uns zuflüstern wollte: „Ja, freuet euch und frohlocket mit mir, kommt und jubelt im Herrn, denn auch für euch ist ein neues Licht aufgegangen! Sehet, da kommt er, der Gesalbte im Namen des Herrn!" Alles auf der Kolonie schien lebendig zu werden, Patres, Brüder, Schwestern, Negerknaben und Mädcheu von allen Typen und Größen, alle jedoch in hellster Freude und größter Erwartung. «Mutran-gai!» (der Bischof kommt) rief plötzlich ein kleiner Schwarzkopf, der hinaus und dem bischöflichen Wagen entgegengelaufen war. Er kam wirklich in Begleitung des hochw. Paters Heymann und des ehrw. Bruders Karl. Kaum war der Wagen sichtbar, ertönte vom Turme die Glocke: mehrere Flintenschüsse verkündeten die frohe Botschaft weit umher, und auf ein gegebenes Zeichen erhoben Negerknaben und Mädchen ein Freudcngeschrei. Ich sage Freudengeschrei, denn Gesang kann ich es nach europäischer Auffassung nicht nennen. , Gejodelt war's auch nicht; dagegen würde der Tiroler protestieren. Trillern könnte ich wohl sagen, doch da kämen mir die Musikanten an den Kragen. So fall's denn einerlei sein, was es war! Es war sudanesischer Gesang; er war schön, ja sehr schön und drückte so recht ihre innige Freude und Zufriedenheit aus. Msgr. Geyer steht in unserer Mitte; freundlichst grüßt er alle und ein neuer sudanesischer Gesang heißt ihn willkommen! Nachdem er auf dem eigens für ihn hergerichteten Throne Platz genommen, beginnt erst recht die Feierlichkeit und die Freude. Vor allen trat der hochw. Pater Obere der Kolonie vor den so sehnlichst erwarteten Hirten und hält im Namen aller seiner Mitbrüder an denselben eine rührende Ansprüche. „Noch viele Jahre," sprach er, „möge der liebe Gott Sie uns erhalten, zum Wähle und zum Segen des so schwer geprüften Negerlandes. Er möge alle Ihre Unternehmungen mit seinem Segen begleiten und auch wir wollen uns bemühen, mutig Ihren Fnßstapfcn zu folgen." Nach ihm trug ein Negerlein ein italienisches Gedicht vor und machte seine Sache so gut, daß, wenn jene dabei gewesen wären, die, ohne je einen Neger gesehen zu haben, herumschwadronieren, die Neger seien keine Menschen wie tvir und der europäischen Kultur garnicht fähig, sich sicherlich bekehrt hätten. Ein zweiter sprach arabisch; nachdem er geendigt und ebenso wie sein Vorgänger ein Bravo geerntet hatte, traten zwei andere auf. 'S war noch nicht lange Bischof und Missionspriester in Assuan. z ark her, daß sie Hosen tragen konnten, doch waren auch sie so geweckt, daß ich sie um ihre arabische Zunge wirklich beneidete. Aber auch die hochw. Patres der Negerkolonie wollten selbst aktiven Anteil an den Feierlichkeiten nehmen. Der hochw. Pater Maggio sprach, ich möchte fast sagen, wie ein zweiter Cicero. Auch die deutsche Zunge durfte nicht fehlen, zumal der hochwst. Bischof selbst ein Deutscher ist. Der hochw. Pater Vockenhuber entledigte sich der Sache aufs geschmackvollste. Auch du, o Italien, Land der Dichter und schönen Künste, ja auch du sollst dem neuen Hirten deine Lorbeeren streuen! Pater Dominions tritt hervor und schildert in Beispielen, Parabeln und Weisheitssprüchen die Schönheit und Schwierigkeit des erhabenen Berufes des Gefeierten. Nun kommen auch die glücklichen Nachkommen Chams an die Reihe. „Er ist doch eigentlich unseret-wegen gekommen," mögen sie wohl gedacht haben; an uns also ist es zunächst, ihn zu begrüßen, ihn zu feiern und ihm unsere Liebe zu beweisen — und ein vierstimmig gesungenes Lied fesselt aller Anwesenden Augen wie bezaubernd an ihren Mund. Der Chor verstummt; allgemeiner Beifall krönt seine Mühe. Auch der hochwst. Herr Bischof erhebt sich, gewiß vollkommen zufrieden mit den Leistungen seiner noch kleinen Herde. Er dankt allen von ganzem Herzen für die für ihn an den Tag gelegten Freuden und Ehrenbezeugungen, nimmt ihr Versprechen, ihn in seinen apostolischen Arbeiten stets treu zur Seite stehen zu wollen, freudig entgegen und schließt mit folgenden, eines Nachfolgers der Apostel würdigen Worten: „Meine ganze Hoffnung stützt sich nächst Gott aus euer Gebet. Wenn in irgend einer Unternehmung die Gnade Gottes notwendig ist und ohne das Gebet nichts erreicht werden kann, so ist es gewiß, daß sie noch mehr notwendig ist für das Werk der Bekehrung der Heiden, und was man im allgemeinen schon behaupten kann, das kann man noch vielmehr von den Negermissionen behaupten. Als ich vor einigen Wochen in München zum Bischof konsekriert wurde, hielt einer der hochw. Herren an mich eine kurze Ansprache, in der er hervorhob: „Wie einst Moses mit seinem Stabe auf den harten Felsen schlug, um Wasser daraus hervorzurufen, so werden auch Sie mit dem Hirtenstabe, den Sie heute empfangen haben, auf die harten Köpfe und Herzen der Neger schlagen müssen, um aus denselben Tränen der Reue über ihre vergangenen Fehler und Tränen des Dankes für die ihnen nun angebotene Gnade des Heiles hervorrufen zu können." Die Mission," fuhr der hochwst. Bischof fort, „die mir nun anvertraut ist, ist mir nicht mehr neu und ich weiß, daß wir mit vielen und großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden; doch ich vertraue auf den göttlichen Beistand und auf euer ferneres Gebet. Und wenn ich so etwas zur Ehre Gottes und für das Heil dieser Ärmsten des ganzen Menschengeschlechtes tun kann, so werde ich dies alles eurem Gebete und euren Verdiensten zuschreiben und immerdar mit ganzer Seele sprechen: „Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib die Ehre!" Nachdem der hochwst. Bischof mit dem christlichen Gruße: „Gelobt sei Jesus Christus!" gedankt hatte, begab er sich, gefolgt von seiner ganzen fröhlichen Schar, zur nahen Kirche, wo er, nachdem das hochwürdigste Gut auf dem festlich geschmückten Hauptaltare ausgesetzt worden war, ein feierliches «Te Deum» anstimmte. Begeistert stimmten die schwarzen Sänger ein und, o hätte ich damals in alle Herzen sehen können, gewiß lachten sie alle vor Wonne und Jubel. Hernach wurde das «Tantum ergo» gesungen; selbstverständlich alles von den jungen Negerlein. Ich glaube, es war vierstimmig, so allerliebst und so kunst- und geschmackvoll, daß, verzeiht mir den Enthusiasmus, ich bei mir dachte: „So was hab' ich selbst in Europa noch nicht gehört!" Aber die lieben, guten Schwarzen! Es ist doch eine Wonne, bei ihnen zu sein und aus ihrem Munde das Lob Gottes zu hören! Monsignor Geyer bestieg sodann den Altar und gab, oder besser gesagt, der liebe Heiland, der göttliche Kinderfreund, gab allen Anwesenden den hl. Segen. So waren die Feierlichkeiten für diesen Tag zu Ende. Am folgenden Morgen besuchte Monsignor auch die nebenanwohnenden und schon solange segensreich wirkenden ehrwürdigen Schwestern. Auch sie hatten die Hände nicht müßig in den Schoß gelegt, sondern regen Anteil an dem ganzen Feste genommen: Ein Negermädchen von etwa vier bis fünf Jahren trug ein italienisches Gedichtchen vor. Zum Schluffe reichte es seinem innigstgeliebten Vater, wie es sagte, noch einen schönen Blumenstrauß und machte einer zweiten Platz. Auch diese deklamierte ihr Gedicht tadellos und wurde wie ihre Vorgängerin von allen gelobt. Von Schüchternheit und dergleichen konnte ich bei alledem keine Spur entdecken. Noch ein schönes, der Feierlichkeit angepaßtes Liedchen schloß auch diesen Besuch und nachdem der hochwst. Herr Bischof noch in Begleitung seiner Mitbrüder die rings herumliegenden Negcrfamilien rc. besucht hatte, verabschiedete er sich mit der Hoffnung, uns bald alle oder doch wenigstens einen guten Teil von uns im Sudan wieder zu treffen. Auch ich will mich für diesmal von euch trennen. Ich wünsche euch allen und allen unseren verehrten Abonnenten ein glückseliges neues Jahr und hoffe auch zuversichtlich, sie und alle unsere Wohltäter, wenn auch nicht so bald, nochmals wiederzusehen und meine Gedanken mit Ihnen austauschen zu können. Ge sira, den 23. Dezember 1903. P. Bernard M. Zorn F. S. C. Apostolischer Missionär für Zentral-Afrika. Klwas über Geschichte und Kitten öer Kchilluk-Wmge. Vom hochw. P. Wilhelm Banholzer F. S. C. Hurs Gagesordnung. ist eine alte Sitte der Schilluk-Könige, bei Nacht nicht zu schlafen, sondern bewaffnet um die Residenz herumzugehen. Es ist zu wissen, daß in des Königs Residenz, zwei oder drei Diener ausgenommen, nur Frauen und Mädchen wohnen. Mit Lanze, Keule, Säbel, Gewehr und Revolver beladen, konnte ich Kur, als ich einmal in seinem Dorfe mit dem Diener unserer Mission übernachtete, umherwandeln sehen. Wehe dem, der ihm auf seinem Rundgange begegnete und sich nicht gleich ergab! Seine im Lanzenwerfen geschickte Hand war bekannt. Man erzählt von Verschiedenen, die ihre Unvorsichtigkeit mit dem Leben einbüßten. Er soll sogar einmal auf einen Verwandten gestoßen sein, der nur durch seine Flucht in den Tempel Njkangs das Leben rettete. Morgens gegen 5 Uhr begab sich Kur zur Ruhe. Um 8 Uhr erschien er im Ministerrate, der in Gegenwart eines großen Gefäßes Bier stattzufinden pflegt. Er hörte zu dieser Zeit auch Klagen an und nahm Berichte entgegen. Von 10 bis 3 Uhr war dann die eigentliche Schlafzeit des Königs, während welcher großes Stillschweigen im Dorfe herrschte. Wenn das Lachen oder Schwätzen den „Löwen" weckte, war alles. zu befürchten. Zwischen 3 und 7 Uhr konnte man Audienz haben und Klagen vorbringen. Nach Sonnenuntergang durfte kein Ungerufener mehr sich dem Dorfe nähern. Kur saß zu dieser Zeit im Kreise weniger Vertrauter und lachte und scherzte und ließ sich erzählen oder besingen. Ich bin auch zu dieser Stunde bei ihm gesessen und habe mit ihm gelacht. Als Gesellschaftsmensch war er ein ganz prächtiger Kerl und man konnte einen Spaß mit ihm machen und ihm auch ernste Worte sagen. Es war ihm aber zuviel, als ich ihm einmal sagte, daß auch er sterben müsse. In Gegenwart des Königs, sagte er, darf man nicht vom Sterben sprechen. Residenz des Honigs. Insassen,- Haushalt und Familienleben. Die einzelnen Hütten haben hohe Schilfgehege, die von beiden Seiten ausgehend, vor dem Eingang zusammenlaufen und noch ein Stück übereinander-gehcn, sodaß man von außen nicht hineinsehen kann. Die Wege und freien Plätze sind mit feinem, weißgrauem Sande bedeckt, der getreten und benetzt wie Zement sich ausnimmt. Überall herrscht peinliche Reinlichkeit. Ein beinahe klösterliches Stillschweigen möchte fast glauben machen, daß die Häuschen leer stehen. Wo das Wort nicht hilft, schlägt er auch mit der Peitsche drein. Das Dorf hat im Norden einen Zugang! kein Schilluk darf sich auf einem andern Wege nahen. Der Ort ist besonders heilig, weil sämtliche Schilluk-könige hier kleine Tempelchen besitzen, von Nykang angefangen bis Sohr. Drei große Kühställe im Hintergründe, gegen den Nil zu, in Bezug auf Bauart das Beste, was die Schillukkunst leistet, vervollständigen die Residenz. Der Gipfel des Glückes hierzulande ist der Besitz von Weib und Vieh. Je mehr, desto besser. Daher darf man sich nicht wundern, wenn die Residenz der Schillukkönige von diesen beiden Artikeln voll ist. Gegen 200 Frauen — alte und junge — mögen die Umgebung des Königs bilden! noch mehr Kühe sind die Erhalter und Nährer des' Hofstaates. Die erste vom König geheiratete Frau steht an'der Spitze der anderen. Sie ist wie eine Königin. Ihr Titel ist Diang, das heißt Kuh. Die Ordnung des Seite 38 Stern der Neger Nr 2 Hauses und die Verwaltung des kgl. Magazins liegen in ihren Händen. Kurs erste Gentahlin hieß Nykaia; sie war ein energisches Frauenzimmer. Wieviel Vertrauen er ihr schenkte, erhellt aus dem Vergleiche, den er zu ihrem Labe gebrauchte. „Setze Nykaia," sagte er, „auf die eine Seite und die ganze Masse der Schilluk auf die andere und bedenke den Gegensatz und doch schätze ich sie höher als mein ganzes Volk, denn sie hat mir noch nichts verheimlicht und noch nichts weggenommen." Die königlichen Frauen müssen arbeiten, sie bebauen das Feld rings um das Dorf, sie reinigen, rösten und mahlen die Dnrrah (Korn) und brauen das bekannte Negerbier daraus. Die Gäste des Königs sind immer so zahlreich, daß es vollauf zu tun gibt. — Sie haben Haus und Hof rein zu erhalten und bedienen ihren Herrn und seine Gaste. Die niedrigen ihrer Geschäfte lassen sich diese Hofdamen von ihren Dienerinnen verrichten, von welchen auch eine schöne Zahl da ist. Ihnen liegt besonders das Wasserholen von dem Dreiviertelstunden weit entfernten Nil ob. Das Leben der Frauen ist ein beinahe klösterliches: sie dürfen nie ausgehen; nur wenn der König ausgeht, darf ein Dutzend mit ihm gehen, die dann seine Küche besorgen. Sie dürfen sich nicht an den öffentlichen Tänzen beteiligen. Kein Schilluk, der gcschästshalber in der Nähe weilt, darf ihnen ins Gesicht schauen. Mit niedergeschlagenen Augen muß man an ihnen vorübergehen. Kinder sieht man weniger im Dorfe. Wenn eine königliche Frau nahe daran ist, Mutter zu werden, so wird sie in irgend ein Dorf hinaus-gcschickt, wo der Scheich sie zu überwachen hat. Hat sie geboren, so wird der König benachrichtigt. Natürlich ist ein Mädchen erwünschter als ein Bub. Ist das Kind etwa 11/2 Jahre alt und kaun laufen und springen, so geht die Mutter mit ihm zum König, um es ihm vorzustellen. Darauf kehren Mutter und Kind in ihr Dorf zurück. Die Mutter bleibt solange mit ihrem Kinde, bis der König sie zu sich zurückruft. Das Kind kommt in diesem Falle in die Pflege irgend einer alten Prinzessin außerhalb der Residenz. Nur ganz wenige seiner Kinder und nur Mädchen duldet Kur um sich. Die Söhne kommen von Zeit zu Zeit und machen Besuche. Der Vater tut ihnen durch Geschenke kund, daß er sie noch kennt und entläßt sie wieder. Die Leser sehen nun, daß es kein Familienleben im Sinne des unserigen am Schillukhofe gibt. Es herrscht daher nichts weniger als Friede innerhalb der Schilfmauern. Die Frauen hadern unter sich und der König ist seines Lebens nicht sicher. Durch die Frau unseres Dieners, die Zutritt im Harem halte, erfuhr ich, daß darin Alles einig war im Haß und in der Beschimpfung Kurs. Selbst die hochgeschätzte Nykaia machte keine Ausnahme. Sie machte sogar die Offenbarung, daß er eines seiner Mädchen in der Aufregung erschlagen habe. Kein Wunder: die meisten Frauen sind eben teils mit Gewalt, teils gegen ihren Willen in die Umgebung des Königs gekommen. Kur hatte jedenfalls keine Ahnung, daß seine Frauen so böse seien, äußerlich zeigten sie ihm ja große Ergebenheit und Zufriedenheit. Aber an die Möglichkeit einer Vergiftung und so etwas Ähnliches muß er schon gedacht haben, denn er ließ sich das Essen in seiner Gegenwart bereiten und ein paar Minister mußten vor ihm versuchen. meine Besuche bei Rur. — Rur übernachtet in Eul. Wenn der König cs nicht befiehlt, wagt kein Schilluk für die „Fremden" etwas zu tun. Es gilt daher zuerst den König zu gewinnen. Der verstorbene Bischof Msgr. A. Noveggio hat dem Kur bei der Gründung der Station namhafte Geschenke gemacht, auch die Schilluk um Lul herum hatten etwas bekommen. Wir waren sicher im Laude; in der Erwartung weiterer Geschenke war uns Seine Majestät äußerlich gut gesinnt. Wehe dem Schilluk, der gegen diese königliche Gunst sich vergangen und uns aus dem Lunde verwünscht hätte! Ich hatte die guten Beziehungen zu Kur aufrecht zu erhalten und machte ihm verschiedene Besuche zu diesem Zwecke. Die Schilluk haben vor ihrem König mit der roten Asche des Kuhmistes bis zur Unkenntlichkeit gepudert zu erscheinen. Wir sind glücklicherweise hievon dispensiert wie auch von andern einheimischen Zeremonien. Der Europäer läßt sich bei Seiner Majestät anmelden; hierauf folgt ein ziemlich langes Warten, das dadurch entsteht, daß der König den anmeldenden Diener ausfrägt, was für Geschenke der Besuch mitgebracht und wozu er wohl gekommen sei. Je nach den guten ober schlechten Berichten erscheint der König in Eile oder mit noch einiger Verzögerung. Kur zeigte sich mir gegenüber immer sehr höflich und liebenswürdig. Er wies mir ein Haus an, in welchem ich ausruhen konnte und sein Gast sein sollte und setzte sich auf den Boden vor mich hin, um zu plaudern. In Wirklichkeit lag ihm aber nur daran, was ich im Korbe mitgebracht hatte. Ich ließ ihn zuerst ein wenig schmachten und legte dann die mitgebrachten Sachen vor ihm auf den Boden. Es waren gewöhnlich: Zucker, Pfeffer, Salz, Perlen, Tuch und hie und da ein Messer oder Ähnliches. Kur schätzte den Reichtmn schnell und übergab ihn seinem Diener, der ihn der Nykaia zu überliefern hatte.- Die Einreihung in den Staatsschatz war sehr notwendig, damit nicht vom Diener oder sonst einem Vertrauten etwas auf die Seite geschoben werden konnte. Am Ende mußte alles wohlvcrdeckt über den Hof getragen werden, des bösen Blickes seiner Leute wegen und auch, um vor Bettlern sicher zu sein. Nach Wegschaffung der Geschenke erwartete Kur etwas zu essen. Ein höchst eigentümliches Gastgesetz. Wer sein Essen nicht mitbrachte, mußte den ganzen Tag hindurch mit Bier vorlieb nehmen. Ich brachte gewöhnlich eine gebratene Henne, Brot, Käse und etwas Süßes mit. Kur nahm lebhaften Anteil an diesen Dingen. Wenn der Vorrat zu Ende ging, rief er seine Minister, damit auch sie etwas zu versuchen bekämen. Diese aßen alles sauber auf, schleckten Papier und Messer und was sonst noch als Unterlage für die Eßherrlichkeiten diente, peinlich mit der Zunge ab und entfernten sich dann. Das tat Kur, um nicht den Neid seiner Minister zu erregen, was, wo es sich ums Essen handelte, sehr leicht möglich ist. Einmal schoß ich bei Gelegenheit eines Besuches ein paar Kraniche und schenkte sie Kur. Er schickte sie der Nykaia zur Zubereitung. Nach einigen Stunden erschienen die Gebeine, Eingeweide usw. in einer braungelben Sauce. Kur setzte sich vor die dampfende Schüssel; mich lud er ein, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Er griff als Erster zu und reichte mir, was er gerade herausfischte. Ich schleckte und biß eine Zeitlang an meiner Portion herum und legte sie dann als erledigt auf den Boden, wohin auch Kur, was er nicht verschluckte, warf. Er fischte für mich neue Stücke, alle hart wie Leder und ich bearbeitete sie wie zuvor. Nachdem beide Teile ein Häuflein Gebeine und Überreste vor sich hatten, wurde das Ministerium gerufen. Es war gleich zur Stelle. Inzwischen hatte Kur die über Bord geworfenen Sachen wieder in die Schüssel getan und sie etwas in der Sauce untergetaucht. Die Herren Minister machten nicht viel Federlesens und griffen wacker zu: Sehnen, Eingeweide, Haut, Rippen zer- flossen nur so unter ihren Zähnen. Im Nu war alles fertig; die Sauce wurde ausgetrunken, der Grund der Schüssel mit dem Finger gereinigt, bis schließlich eine Zunge das ganze Innere wie neu machte. Darauf entfernten sich die Herren. Zwischen 10 bis 3 Uhr war, wie schon gesagt, Kur nicht zu haben. Er schlief um diese Zeit. Auch ich hatte mich an diese Tagesordnung zu halten und durfte ihn während dieser Zeit nicht stören. Ich sah mir das Dorf und die Ställe an, unterhielt mich mit den Ministern und Dienern oder ging auf die Suche nach Perlhühnern. Seine Laune nach dem Schlafe war nicht immer die beste. Seine Frauen, Diener und wer sonst mit ihm zu tun hatte, konnten davon erzählen. Gegen mich strengte er sich an höflich zu sein; ich klagte ihm da meine Beschwerden, die ich mit den Schilluk in Lul hatte und erbat auch hie und da seine Unterstützung in verschiedenen Anliegen. Er sah ernstlich darauf, daß niemand uns Schwierigkeiten mache. Im Innern war er mit unsern größten Gegnern einig, wiewohl er sich selbst als einen „Fremden" bekannte. Ich wußte wohl, was ich von ähnlichen Äußerungen zu halten hatte. Er verwünschte alle „Fremden" des Landes. Nur die Geschenke der „Fremden" und die Furcht vor den Engländern hielten ihn vor Streichen zurück, denen alle Schilluk applaudiert hätten. Hievon ließ Kur nichts merken: er verstand es vorzüglich, sein Inneres zu verbergen und eine Liebenswürdigkeit zu erheucheln, die nicht Eingeweihte bezauberte. Beim Abschied von seinem Dorfe wünschte er mir alles mögliche Gute und versprach nach Lul zu kommen, sobald die Regierungsgeschäfte ihm das erlaubten. Einmal habe ich ein paar schöne Abendstunden mit ihm im Kreise der Minister und einiger seiner Frauen verlebt; er gab da Tierfabeln und Geschichten zum Besten, ich erzählte von dem Lande der Bongo (Fremden) und seinen Gebräuchen: verschiedenes machte die Gesellschaft zu Tode lachen, anderes erweckte ihr gerechtes Erstaunen. Ein Blatt einer illustrierten Zeitschrift, auf dem europäische Damen abgebildet waren und das wer weiß wie hierherkam, war ihnen besonders interessant. „Was essen denn die Frauen der Bongo," sagte Kur, „daß sie so schmächtig sind?" — und alle erwiderten im Chore: „O ja, eigentümlich, sie haben ja gar keinen Magen!" Hut und Stiefel auf dem Bilde erweckten natürlich Neugierde. Aber über alles wurde das viele Tuch angestaunt, das die fremden Frauen über sich hatten. Wenn Kur nach Lul kam, ließ er sich zuvor anmelden und sandte einen Ochsen als Pfand seiner Herkunft voraus. Er kam immer auf dem Esel, einmal in einem Anzug, den ihm unser verstorbener Bischof gegeben hatte, oder einfach in Schilluktracht mit einem Stück Tuch über sich hergeworfen, das auf der linken Schulter zusammengeknüpft war. Ein Fähnlein von Getreuen und Hungrigen folgte ihm, das sich mehrte, je näher er Lul kam. Nach der üblichen Begrüßung ließ er sich gar ins Refektorium führen, das Gefolge setzte sich unter einen Baum oder in den Schatten der Küche. Es wurde ihnen ein Schäflein zum Schlachten und Essen und etwas einheimischer Tabak zum Kauen gegeben, damit ließen König Kur mit einer Kruppe Schilluk-Keger. sic un§ ziemlich ungeschoren. Der König aß mit uns. Über dem Teller kam ihm der Humor und gute Wille und er gewährte manche Gunst. Nach dem Essen legte er sich schlafen, wobei ihm ein Vertrauter seine Füße hielt. Inzwischen lagerten sich reichgepuderte Pilger im Hofe, um den König zu begrüßen. Bevor er aber ihre Huldigung entgegennahm, ließ er spionieren, wer die Pilger seien. Das Mißtrauen und die Furcht vor einem Rächer verließen ihn eben nie. Kur hatte soviel Kourage, einmal bei uns zu übernachten. Schlafen konnte man sein Übernachten, nicht heißen, denn er fuhr bei jedem Geräusche auf und fragte unseren Diener, der an seinem Bette bleiben mußte, was es gäbe. Trotz des Opfers eines Hahnes, dem er Njkang zu Ehren den Hals umdrehen ließ und trotz dem Schafsöhrchen, das er schneiden ließ und unter sein Kopfkissen legte, fand er keine Ruhe. Er erhob sich sogar ein paarmal und ging draußen herum mit Lichtern begleitet und in einer wahren Prozession. Der Besuch endete gewöhnlich mit Betteln: er verlangte Brausepulver, da er krank sei, seine Frauen hätten keinen Pfeffer mehr, er könne kein Beil finden, sein Rasiermesser sei stumpf. Man befriedigte ihn auch hiemit noch so gut als möglich und er zog ab. Bettler, die fortwährend den König plagen. Wie die einfachen Schilluk kein Geschenk offen nach Hause tragen, so auch der König. Es ist nämlich Sitte, daß wenn ein Menschenkind sich zu Füßen eines andern wirft und um etwas bittet, der angebettelte Teil entweder das erbettelte Ding oder etwas ihm gleichkommendes geben muß. Würde er so schäbig sein und nicht geben, so würde sein Name im ganzen Schilluklande verrufen sein und er würde niemals wieder von jemand um etwas gebeten werden, was eine große Schande ist. Auch der König ist gehalten so zu tun, soll sein Name jetzt und der Nachwelt wohlklingen. Der gemachten Bitte kann man also nicht leicht entgehen. Daher sucht man den Bettlern zu entgehen und ihnen keinen Anstoß zum Betteln zu geben. Nr. 2 Stern der Neger Seite 41 Dies tut man durch Verbergung alles dessen, was in die Augen fällt. Hat doch vor nicht langem ein Schilluk sein durch Arbeit in der Mission erworbenes Stück Tuch in einem Hafen davongetragen, der mit Gras bedeckt war. Wenn der König uns etwas Honig und Butter schickte, so geschah dies auf UmwegenI was wir ihm schickten, mußte wohl verpackt sein. Kur verschenkte viel, er war kein Krämer. Einem armen Tropfe, der es mit 30 Jahren noch nicht Leute, die zu ihren Verwandten reisen1 wollen, aber nicht das nötige Festkleid haben, werfen sich vor dem Könige nieder und eröffnen ihm, daß die Kleider, die sie bedecken, geliehen seien. Er schneidet ihnen oft selbst die erbetenen Stücke Tuch. Schuldbeladene Lumpen bitten reuevoll um einen Beitrag zur Leistung einer Abschlagszahlung. Je nachdem Seine Majestät aufgelegt ist, bekommt einer eine Lanze, ein anderer ein Paar Schäflein, ein dritter eine Schnur Perlen nebst einer saftigen Predigt zur Cache. zu einer Frau gebracht hat, schenkt er eine Kuh oder gar ein Mädchen. Einem andern schenkt er ein paar Ochsen zur Veranstaltung eines Toten-schmauscs, der bis zur Stunde aus Mangel an Fleisch hinausgeschoben wurde. Da kommt ein aufgeschossenes Bürschlcin und bittet um eine Lanze, da ihm die seine bei der Jagd nach einem Elefanten abgebrochen ist. Der König läßt sich ein wenig von den Umständen der Jagd erzählen und gibt ihm dann das Eisen zu einer Lanze. Einer Frau war ihr Mann gestorben. Die Witwe ging zum König und bat um einen Ochsen, damit für ihren Gemahl eine würdige Totenfeier stattfinden könne. Der König tat den ersten Tag, als ob er die Frau nicht sehe. Diese verlor den Mut nicht, blieb den ganzen Tag auf einem Flecke und näherte sich am folgenden Tage wieder, und wieder ging der König teilnahmslos vorüber. Als er die Frau am dritten Tage noch fand, ward er gerührt und schenkte ihr großmütig den Ochsen. Neben denen, die offen um etwas bitten, gibt es noch viele und diese sind zahllos, die unter dem Vorwände der Begrüßung beim König einkehren, um sich an seiner Tafel laben zu können. Kur liebte solche Tafelfreunde: er sah es als gutes Zeichen an, wenn die Leute häufig bei ihm einkehrten. Merissa tut ja Wunder bei den Schilluk. Sie hat schon aus Feinden in einem Tage Freunde gemacht und harte Steine erweicht. Leider war Kur freigebig und gastfreundlich auf Kosten anderer Leute: er mußte stehlen. Wie wären sonst die Raubzüge und Erpressungen Kurs zu erklären ? Sie kommen von der Notwendigkeit der Selbsterhaltung. Kur brauchte einen starken Anhang, damit sein Wort Macht habe. Dieser Anhang war nur durch Freigebigkeit zu gewinnen und zu erhalten. Kurs Besinnungen gegen uns. Als Monsignor Roveggio Lul gründete, war fich Kur vollkommen klar über unser Kommen. Er beschwichtigte seine Schilluk, die fürchteten, daß wir sie bekriegten oder ihnen Knaben und Mädchen wegnehmen wollten, indem er ihnen auseinandersetzte, daß wir gekommen seien, um das Wort des Gottes, der Himmel und Erde erschaffen habe, zu predigen. So tat er für den Anfang; als er aber sah, wie die Leute Vertrauen zu uns nahmen, bei uns arbeiteten, um Eisen und Tuch und Geld zu erhalten, da begann er eifersüchtig zu werden. Er fürchtete, die Schilluk könnten von uns aufgeklärt werden über sein Treiben und von ihm abfallen. Durch die Gründung einer Schule glaubte er das Monopol der Weisheit, das er zu haben glaubte, zu verlieren. Es wurde ihm hinterbracht, daß die Schilluk, wenn sie einmal lesen und schreiben könnten, nicht mehr im Lande bleiben, sondern der Regierung dienen würden. Er begann daher gegen uns im Stillen zu arbeiten; die Schilluk sagten offen, daß sie nicht lesen noch schreiben lernen wollten, da das auch ihre Ahnen nicht gekonnt hätten. Einige verdummten die Schilluk, damit wir weggehen sollten; sie sagten: „Die Schilluk sind immer so gewesen, wie sie heute sind; Gott hat ihnen nicht viel Verstand gegeben, damit sie immer die Diener der Weißen bleiben sollten. Ein angesehener Scheich, der uns ein Gefäß voll Butter brachte, wurde beim König angeklagt und ihm zu verstehen gegeben, daß er ähnliche Freundlichkeitsäußerungen in Zukunft unterlassen solle. Unter solchen Umständen war wenig zu hoffen; wenn uns auch innerlich viele ergeben waren, so wagte doch niemand offen mit seiner Überzeugung hervorzutreten, nachdem die Sage ging, daß der König gegen uns sei. So standen die Dinge, als Kur abberufen wurde. Abreise Kurs nach Omderman. Verbannung. Die Klagen gegen die Mißregierung Kurs wuchsen immer mehr. Auf der anderen Seite zeigte er sich ungehorsam gegen den englischen Kommandanten. Es mußte daher zu seinem Falle kommen. Er glaubte, daß so etwas undenkbar sei. Ende Februar verließ ich Lul auf einem Regierungsdampfer. Ich mußte geschäftshalber nach Chartum gehen. Der Dampfer landete wie gewöhnlich in Fischoda. Ich stieg da aus und schaute mir das Nest an. Als ich so herumschlenderte, begegnete ich Kur, der auf einem Esel im Galoppe vom Hause des englischen Kommandanten hergeritten kam. Er teilte mir freudig mit, daß er nach Chartum reise, um mit dem Gouverneur dort über die Zukunft seines Landes zu beraten. Ich verstand sogleich, worum es sich handelte und gab meiner Freude Ausdruck, mit ihm zusammenreisen zu dürfen. — Mit Blitzesschnelle fuhr die Nachricht von der Abreise Kurs in die nächste Ümgebung. Nach einer Stunde, als Kur zum Dampfer ging, hatten sich schon Tausende um ihn gesammelt, um Abschied zu nehmen. Zum Dampfer aber wurden nur die „Großen" des Reiches zugelassen, von denen sich Kur 13 Reisebegleiter auslösen durfte. Als Kur schon auf dem Dampfer war, schien er noch keine Ahnung von seinem Schicksale zu haben. Das war ein Glück. Es hätte ja nur eines Wortes bedurft und der ganze Wald von Lanzen, die vor und in einiger Entfernung vom Dampfer blitzten, hätte Feuer gefangen. Kur wäre schon zu so etwas fähig gewesen. Der Dampfer fuhr ab, die Schilluk zerstreuten sich und wir zwei setzten uns zusammen, um zu plaudern. Ich muß sagen, ich habe mich mit ihm sehr gut unterhalten. Die Fahrt brachte einige Anekdoten mit sich. Kur hatte 5 oder 6 Ochsen mit sich genommen, die er vorgab, dem Gouverneur zu schenken, aber von tiefer Sehenden als zum Schnapsankaufe mitgenommen gehalten wurden. Wie dem auch sei, Kur wollte auf dem Schiffe den König spielen und schenkte einen Ochsen zum Schlachten. Soldaten und Schiffsleute waren außer sich vor Freude; die guten Stücke verteilte der König selbst unter die höheren arabischen Offiziere. Die Großmut Kurs zog natürlich gleich einen Haufen von Schmeichlern und Schmarotzern an, die alle möglichen Titel und schöne Worte auf ihn ausgossen, die ihn den Zweck seiner Seife' vergessen machten. An verschiedenen Haltstationen stieg der König mit Gefolge aus, um Merissa (Bier) zu trinken. Der Klang seines Namens und der Ruf seiner Gurgel brachten gleich viele Angebote. Auf das Schiff durfte keine Merissa gebracht werden. Das war eine weise Maßregel. Gelegenheit zum Fliehen hätte es schon gegeben an solchen Haltstationen. Die böse Ahnung schlummerte immer noch im König. Bei Nacht war es geradezu ein Elend mit dem königlichen Schläfer. Er fürchtete immer wie zuhause, es möchte ihm jemand ans Leben gehen. Eines Abends, als er von zwei französischen Reisenden gegen einige Schillukraritätcn pine Flasche Kognak eingetauscht hatte, wurde die Lage ernst. Ein Unbekannter war am Bette Kurs vorbeigegangen und scheint ihn berührt zu haben. Sofort fuhr er auf und rief seine Begleiter. Im Handumdrehen waren diese zur Stelle, bereit, jedweden mit ihren Lanzen niederzumachen. Nur der Geistesgegenwart des Schiffsingenieurs gelang cs, den König zu beschwichtigen. Von dieser Szene hab' ich nichts gesehen und gehört, da ich oben auf dem Verdecke schlief. Endlich nach 5 Tagen langten wir in Chartum an, vor einer Stadt mit Palästen und Soldaten. Da wurde Kur ernst und er fing an zu fragen, was man mit ihm tun werde; ob man ihn wohl aufhängen werde. Ich suchte ihn ruhig zu machen und hieß ihn nichts Ähnliches fürchten und er stieg aus. Gleich setzte er sich nach Schilluksitte mit seinem roten Burnus angetan, an das Ufer. Ich machte ihm klar, daß sich hier das nicht für ihn schicke, und er ließ sich einen Stuhl holen. Nach einigem Warten kam ein Beamter und hieß Kur, ihm zu folgen. Es wurde ihm ein schönes Häuslein zur Wohnung angewiesen. Er und sein Gefolge hatten zu essen und zu trinken im Überfluß. Ich besuchte ihn ein paarmal in dieser Wohnung und fand ihn jedesmal nachdenkend und ohne viele Worte. Auch die Gefährten waren traurig. Ich suchte sie zu trösten und sich in ihr Schicksal zu ergeben. Was mit ihnen geschehen sollte, könnte ich nicht sagen. Soviel gab ich ihnen als sicher, daß kein Mensch im Lande der Fremden ihnen etwas zuleide tun und daß es an Essen und Trinken nicht fehlen werde. Keiner wagte mir sein Inneres zu eröffnen, sie mißtrauten mir und meinten jedenfalls, daß ich ein Spion der Regierung sei und ihr alles hinterbringe. Eine Woche hatten sie in Ungewißheit und Furcht gelebt, bis der Statthalter sie zu sich beschied. Der König allein wurde eingelassen. Das Gefolge wartete in der Hausflur. Was Kur in dieser Audienz zu hören bekam, erfuhr sein Gefolge nicht und wird es auch nie erfahren. Die armen Leute konnten aber ahnen, daß ihm ernst zu Gemüte gesprochen worden sei und daß es etwas gebe auf der Welt, das über ihrem Könige stehe. Ein junger Mann aus dem Gefolge fragte mich, als er allein mit mir war, was man dem Könige gesagt habe und was man mit ihm vorhabe, da er so traurig sei. Ich sagte ihm, daß ich es gut mit ihm meine und daß ich in der ganzen Sache nichts tun könne. Die Schilluk von Chartum besuchten zahlreich ihren König und gaben ihm Zeichen von Anhänglichkeit in der Fremde. Kur konnte über noch Lebende oder schon Tote reiche Auskunft geben, da er ein staunenswertes Gedächtnis hat und ich darf sagen, den größten Teil der ausgewachsenen Männer seines Landes und ihrer Ahnen mit Namen nennen konnte. Eines Tages — es war nachmittags — stieg ich vom Dampfer aus in Chartum, als Kur mir mit Gefolge entgegenkam. Ich fragte ihn, wohin cs gehe und wollte noch mehr sagen, aber der Beamte, der sie begleitete, drängte auf Eile, da der Dampfer zur Abfahrt bereitstehe, und Kur konnte nur noch kurz grüßen. Ich wünschte ihm, daß Gott ihn erhalte und begleite. Der Dampfer brachte die Leute nach Halfaja, Chartum gegenüber, wo sie die Eisenbahn bestiegen, die sie, wie ich inzwischen gehört habe, .nach Haifa gebracht hat, wo alle — wie pur ein Freund von dort schrieb — zufrieden sein sollen. Ich weiß nicht, ob Kur über seine Vergangenheit nachdenkt und seine Versetzung als eine gerechte Fügung Gottes ansieht. Anderen hat er oft genug gepredigt, daß wer Böses tue, bciti Böses widerfahren werde. Bei der Leichtigkeit, mit der sich die Neger in alle Lagen fügen können, ist es möglich, daß Kur in seinem neuen Reiche, in dem er ja noch den Titel König führt und wo es ihn: sicherlich nicht an Fleisch und Merissa fehlt, sich ganz glücklich fühlt. Die Regierung hat inzwischen die Schilluk einen neuen König wählen lassen, der Fadid heißt. Dieser wird zum. Vorteil des Landes wohl mehr ein Agent der Regierung als wirklicher König sein. Gebe Gott, daß unter ihm die Schilluk anfangen, über ihr rein materielles Denken und Fühlen hinauszukommen. Bis jetzt sind sie im Glauben an die Materie ganz aufgegangen: für ihren Verstand ist alles materiell — sie kennen nur materielle Vorteile, materielle Zwecke, Mittel, Beweggründe — ein Leben nach dem Tode gibt es für sie nicht. Mit Stumpf- heit für alles Geistige, Hohe, ist ihr Verstand geschlagen. Wir wollen mit Gottes Hilfe dnrch eine fortwährende Arbeit, durch unser gutes Beispiel, durch eine selbstlose Aufopferung unser aller unsern 'Teil dazu beitragen, die Schilluk zu heben. Ihre Begriffe und Bedürfnisse müssen sich mit Wie es in htv Aus einem Briese des Lul, den 18. Oktober 1903. Vor allem Einiges über das Klima des Landes. In der Zeit, welche ich hier in Lul verbrachte, nahm ich wahr, daß dasselbe sehr unbeständig ist. Vor der Regenperiode, nämlich im Monat März und April, ist die Sonne brennend heiß und wenn sie ihre ganze Kraft entfaltet, ist die Hitze erdrückend, und obgleich wir eine doppelte Kopfbedeckung gebrauchen, nämlich unten ein Käppchen und darüber einen breit-krämpigen Hut, muß man doch vermeiden, auch nur kurze Zeit an der Sonne stehen zu bleiben, sonst könnte man den Sonnenstich bekommen. Gegen Ende April hören die Nordwinde auf und beginnen die Südwinde zu wehen und mit diesen fängt die Regenzeit an. Alsdann bilden sich ganz grauenhafte Gewitter, weil die Atmosphäre in außerordentlicher Weise erhitzt ist. Der Himmel färbt sich auf einmal dunkelschwarz; es erhebt sich ein starker Wind, Blitz und Donner folgen mit einer unglaublichen Schnelligkeit aufeinander, daß man sie kaum von einander unterscheiden kann. Die Luft enthält soviel Elektrizität, daß alles ringsum Feuer zu fangen scheint; diesem grellen Lichte folgt sofort die dichteste Finsternis; der Regen beginnt mit großen Tropfen zu fallen, wird immer heftiger und ergießt sich endlich in großen Strömen ans das bereits zu Erz zusammengeschmolzene Erdreich nieder. Vor kurzer Zeit schlug der Blitz in der Nähe von uns in eine Hütte ein, in die sich gegen acht Neger geflüchtet hatten; einer von ihnen wurde eingeäschert, ein zweiter schwer verwundet und den anderen gelang cs zu entfliehen. Wir ziehen uns der Zeit mehren im Verkehre mit uns. Mit der Erweiterung kommt die geregelte Arbeit. Die tägliche Arbeit ist oer erste Schritt zum Christentum. Die Leser sehen, daß unsere Arbeit hier eine harte und lange sein wird. Mit Hilfe Ihrer Gebete aber hoffen wir und vertrauen wir auf einen schließlichen Erfolg. Mission zugeht. Br. Jakob Giacomelli. manchmal während solch heftiger Gewitter in die Kapelle zurück, um zu beten. Diese Regen, welche auf einen Boden fallen, der seit 6 Monaten von einer brennenden Sonne durchglüht worden und in dem sich viele Risse auch bis zur Breite von 10 Zentimeter und bis zur Tiefe von 3 Metern gebildet, füllen dieselben mit Wasser an. Die oben genannten Erdrisse sind die Zufluchtsstätte vieler Tiere, aber besonders der Schlangen, von denen es hier eine Unzahl gibt, ja auch bis zur Länge von 5—6 Metern, außerdem eine ganz eigene Art kurzer Schlangen, x/a Meter lang, aber von der Dicke eines Armes, deren Biß innerhalb zwölf Stunden den Tod hervorruft. Wenn sich nun diese Gräben mit Wasser anfüllen, sind diese Schlangen gezwungen, ihre Schlupfwinkel zu wechseln und kommen in die Dörfer und selbst in die Hütten, um Schutz vor den Regengüssen zu suchen. Das in den Erdrissen stehende Wasser bringt den Boden in eine Art Gährungszustand, welches solche Ausdünstungen erzeugt, die das Atemholen beschwerlich machen. Bevor die Sonne ihren Höhepunkt erreicht hat, wird man oft von dem aufsteigenden Dunst betäubt, obwohl das Thermometer im Schatten bei der größten Hitze des Tages nur 37 Grad Celsius zeigt. Aber könnten wir wenigstens während der Nacht eine kleine Abkühlung haben! Doch auch dieses wurde uns bisher nicht gewährt, denn wir wohnen noch immer wie die Eingeborenen in Hütten, die der Luft ziemlich abgesperrt sind. Eines schönen Abends, da ich mehr als gewöhnlich müde war, erhielt ich vom hochw. Obern P. Ban- Nr. 2 Stern der Neger Seite 45 Holzer die Erlaubnis, im Freien schlafen zu dürfen. Mir schlossen sich die hochw. Patres Beduschi und Kohnen an, denn das Alleinschlafen im Freien ist infolge der Hyänen sehr gefährlich. Unter der großen Himmelsdecke breitete ich mein Bett aus, selbstverständlich nicht ohne die Vorsichtsmaßregel, mir einen tüchtigen Knüttel unter mein Kopfkissen gelegt zu haben und überließ mich sogleich dem Schlafe in die Hände der göttlichen Vorsehung. Ich war noch im ersten Schlafe, als mich irgend etwas, das sich unter dem Halse rührte, weckte; aber die Müdigkeit drückte mich so, daß ich wiederum versuchte, einzuschlafen, ohne mich darum bekümmert zu haben. Aber der Schlaf war mir wirklich unmöglich; von Mitternacht bis 2 Uhr morgens hörte ich nicht auf, mich von einer Seite auf die andere zu drehen, ohne Ruhe zu finden. Müde endlich versuchte ich aufzustehen und . . . o welch gräßliche Überraschung! Denken Sie sich, welcher Schrecken mich betraf, als ich beim Aufstehen mit der Hand über die glatte Haut einer großen Schlange strich, die sich schon seit mehreren Stunden unter mein Kopfkissen eingenistet hatte und zwar gerade in der Nähe meines Gesichts. Ich stieß einen Schrei aus uud im Nu war ich aus dem Bette gesprungen. Auf diesen Lärm hin wachte auch der hochw. Pater Kohnen, der ganz nahe bei mir schlief, auf und da er dachte, daß es sich um eine Hyäne handle, griff er sogleich nach seinem knotigen Stock, indem er ausrief: „Was gi6t’§, was gibt's; eine Hyäne?!" „Sehen Sie dort auf meinem Bette jene gräßliche Schlange, welche fast die ganze Nacht bei mir geschlafen hat." Pater Kohnen, der zum Schlangcn-töten, zum Hundeprügeln und zum Heunenerschlagen wie geschaffen scheint, tötete die Bestie sofort und ich erhob Augen und Herz zum Himmel und dankte aus ganzer Seele dem hl. Paulus, der mich so gut beschützt hatte! Bald nach dem ersten Regenfall beginnt das Gras zu wachsen, das so schnell emporschießt, daß es nach kurzem die beträchtliche Höhe vou 3 Meter erreicht hat. Wenn der Boden vom Regen, der hierauf beständig anhält, ganz durchnäßt ist, so beginnen sich Teiche zu bilden, die bis zu kleinen Seen anwachsen. Weil hierzulande keine Straßen sind, so ist es notwendig, dieses Wasser zu durchwaten, um vou einem Ort zum andern zu gehen und auch mir müssen, um uns zu unserem Garten, der ungefähr 10 Minuten entfernt ist, zu begeben, fast die ganze Strecke im Wasser durchwaten. Vom Monat September an nimmt der Regen immer mehr ab und es bilden sich ungeheure Sümpfe, wahre Sammelplätze verpesteter Luft, die auf die Europäer äußerst nachteilig wirken und es kommen deshalb in dieser Zeit Malariafieber und Rheumatismus vor. Auf unsere körperliche Konstitution wirkt das nicht wenig ein; aber nichtsdestoweniger erhält uns die göttliche Vorsehung die Gesundheit und wir Missionäre sehen darin augenscheinlich die Hand Gottes, die uns beschützt. Wenn uns irgend ein Wohltäter zuhilfe käme, könnten wir die Gefahren vermindern und die Opfer wenigstens teilweise erleichtern, indem wir sehr luftige Häuser aus gebrannten Ziegeln bauen. Wir allein können es nicht tun, denn an diesen Orten nach Europäerart zu bauen, ist ein sehr schwieriges Unternehmen, weil man hier an allem Mangel leidet. In der Hoffnung jedoch, von großmütigen Seelen in Europa Hilfe zu bekommen, haben wir die Arbeit begonnen. Wir tun alles, was uns möglich [ist und nicht selten kommt es vor, daß unsere Patres mit Händen, die durch die harte Arbeit beim Baue verwundet worden, die hl. Messe lesen! Unsere guten Schwestern sind ebenfalls unermüdlich bei der Arbeit in der Küche, Bei der Wäsche, in der Sakristei usw. und lassen uns so mehr Freiheit, anderen schwierigere» Arbeiten zu obliegen. O wenn wir zum Bauen Geld hätten und auf diese Weise die Eingeborenen zur Arbeit bringen könnten, hätten wir ein doppeltes Ziel erreicht, nämlich gesunde Häuser für die Missionäre, und die Eingeborenen wären an die Arbeit gewöhnt worden. Gut sprach vor kurzem ein erfahrener Missionär von diesen Leuten, wenn er sagte: „Wenn ihr sie an die Arbeit gewöhnt habt, so werden sie auch Christen sein." Möchte doch Gott der Herr zahlreiche großmütige Wohltäter erwecken! Wir sind alle Gott sei Dank gesund und ganz zufrieden mit unserer Lage, unsere Erholungen sind ziemlich lebhaft, voller Freude und Vergnügen. O wie schön ist es doch im Weinberge des Herrn zu arbeiten! Wir empfehlen uns sehr den Gebeten aller unserer Mitbrüder und Freunde drüben in Europa, damit uns Gott mit seiner hl. Gnade beistehe, die Laufbahn, welche wir unter diesen unglücklichen Völkern begonnen, sei sie lang oder kurz, wie es ihm gefällt, glücklich zu vollenden: uns liegt wenig an unserem Leben, denn wir haben ihm schon alle unsere Tage zum Heile dieser arme» Chamiten geweiht. Aus hm Gott lenkt alles zum Besten! Lebensbild eines Negerknaben. alb versteckt unter dem herrlichen Grün schlanker Palmen und großblätteriger Bananenbäume liegt die Negerkolonie ©estra. Reges Leben und Treiben herrscht auf dem Spielplätze vor dem Hause: es ist ja Erholungszeit. Knaben in allen Farbenschattierungen sieht man da lustig herumspriugen. Dort läuft ein pechschwarzer Dinkaknabe, hier spielen einige Schilluknegerlein und da unterhalten sich lärmend hellfarbige Buben aus Berber. Alle sind vergnügt und zufrieden. Nur Julius sitzt dort ganz abseits, das Gesicht zwischen den Händen verborgen. Armer Junge! Wieviel hat er nicht schon durchgemacht in seinem Leben. Jetzt denkt er vielleicht an seine Heimat, an seine Lieben, denen er, ach! so bald von grausamen Händen entrissen wurde. Südwestlich von Kordofan dehnt sich ein fruchtbarer Länderstrich, Dar Nuba, aus. Dieses gesegnete Land wird von West nach Ost von mehreren Bergketten durchzogen, die mitunter eine ansehnliche Höhe erreichen. In der Regenzeit kleiden sich die Täler und Ebenen in wohltuendes Grün und bilden so einen grellen Gegensatz zu den nackten Bergkegeln in der Runde. Die friedlichen Bewohner beschäftigen sich mit Ackerbau und Viehzucht. Früher wohnten sie unten im Tale auf echt patriarchalische Weise und verlebten schöne, ungetrübte Tage. Als aber die in der Nähe wohnenden wilden Baggara in ihre Dörfer eindrangen, die Häuser in Brand steckten und Männer, Frauen und Kinder in die Sklaverei schleppten, da zogen sie sich immer mehr in die Berge zurück und stiegen nur von Zeit zu Zeit ins Tal hinunter, um ihre Herden auf die Weide zu treiben. In einem Dorfe des geschilderten Landes wurde der obenerwähnte Negerknabe Julius geboren und dies gerade zu einer Zeit, in welcher die Baggara am ärgsten ihr Unwesen trieben. Er erhielt den Namen Soliman. Wie seine Eltern hießen, vermag er nicht mehr anzugeben. Fünf oder sechs Jahre alt, führte Soliman wie gewöhnlich die blökende Herde | auf den Weideplatz. Diesmal war auch die Mutter , mit ihm. Unter einem schattigen Suntbaume hatte er sich mit Hilfe seiner größeren und stärkeren Kameraden eine kleine Hütte erbaut, von welcher aus er die Herde beaufsichtigte. Da er sie aber heute unter dem wachsamen Auge der Mutter wußte, Wsswnsleben. so glaubte er sich ruhig dem Schlafe hingeben zu können. Im Traume sah er ein schneeweißes Täubchen von großen und häßlichen Raubvögeln verfolgt und umzingelt. Schon stürzten sie auf das harmlose Tier, schon hatten sie es erfaßt .... da fuhr er vom Schlaf auf. Was war das? Er meinte einen gellenden Schrei vernommen zu haben. Schnell schlüpft er zur Hütte hinaus. Schweißtriefend sieht er feine Mutter ihm entgegeneilen. „Schnell, Soliman!" ruft sie mit erstickter Stimme, „schnell nach Hause, die Baggara kommen!" Soliman blickte erschrocken um sich. In der Ferne zeigte sich, in eine Staubwolke eingehüllt, eine Schar von Reitern, die mit verhängtem Zügel und in der Sonne glitzernden Lanzen dahersprengten. Beide liefen, so schnell sie nur ihre Beine tragen konnten. Die Verfolger spornten ihre Pferde zu schnellerem Laufe an. Die Entfernung zwischen den Verfolgern und Verfolgten wurde immer geringer. Soliman fühlte seine Kräfte abnehmen. „Mutter," rief er in kläglichem Tone, „ich kann nicht mehr." In ihrer Verzweiflung nimmt die Mutter das Kind und biegt in ein nahes Durrahfeld ein, um sich dort zu verbergen. Die Baggara stutzten einen Augenblick, als sie die Fliehenden plötzlich verschwinden sahen. Schnell aber schwingen sie sich aus dem Sattel und folgen den frischen Spuren. Es dauert nicht lange und sie haben ihre Opfer gefunden. Fest hält die Mutter ihr Kind umklammert. Mit unmenschlicher Rücksichtslosigkeit suchen die' Angreifer es ihr zu entwinden. Die Mutter aber wehrt sich wie eine gereizte Löwin. Ein schwerer Schlag auf den Kopf mit einem Lanzenschafte streckt sie stöhnend auf die Erde hin. Schnell bemächtigt sich jetzt einer der Unmenschen des Kindes, verstopft ihm den Mund, hebt es auf sein Pferd und dahin geht es mit Windeseile. Nach einigen Wochen kamen sie in Fascher an, wo die Räuber den armen Soliman einem Amir zum Geschenke machten. Dieser übergab ihn nach einiger Zeit einem Freunde namens Musa. Hier fühlte Soliman die ganze Härte des Sklavenjoches. Den ganzen Tag mußte der bedauernswerte Junge arbeiten und sich mit einer Handvoll Datteln begnügen, die ihm des Abends vorgeworfen wurden. Wie oft, während er mit den Händen arbeitete, weilte er mit dem Geiste in feiner lieben Heimat. Was wird wohl aus meiner lieben Mutter geworden sein, was aus meinem Vater? O daß ich sie doch noch einmal sehen könnte! Dabei erinnerte er sich lebhaft jenes Täubchens, welches er im Traume gesehen hatte. „Jenes Täubchen war ich," sagte er dann traurig zu sich selber, „und die Raubvögel die elenden Baggara!" Da aber sein Gebieter ihn nicht zur Genüge ausfruchten konnte, so verkaufte er denselben an einen griechischen Kaufmann in Omderman. Von diesem wurde Soliman mit aller Schonung behandelt. Es war gerade zu jener Zeit, als das anglo-ägyptische Heer gegen den Chalifen Abdullahi ins Feld zog und sich der Stadt Omderman näherte. An einem Donnerstag früh rief die Ombeja des Chalifen in langgezogenen Tönen alle Glaubensstreiter zu den Waffen. Die Kriegstrommeln rasselten, Trompeten und Gazellenhörner erklangen und heulend wälzten sich die wilden Horden des Tyrannen durch die Straßen der Stadt. „Alles, groß und klein, jung und alt auf den Kampfplatz!" So lautete Abdullahis Befehl. Unbeschreiblich war die Verwirrung, das Stoßen und Drängen der tausendköpfigen Menge. Unser Soliman, der seinein Herrn zur Seite war, drohte von dem Menschenknüuel erdrückt zu werden. Auf dem Schlachtfelde angekommen, sah Soliman mit Grauen dem Kricgsschauspiele zu. Bald war die Niederlage der Mahdisten besiegelt, die sich schnell in die Stadt flüchteten. Als. bald darauf die Sieger sich der Stadt bemächtigten, wurden die Gefangenen des Mahdi in Freiheit gesetzt, unter diesen auch der Grieche mit seinem Diener. Sie reisten nach Kairo, wo Soliman bedenklich erkrankte und der Negerkolonie überlassen wurde. Dank der sorgfältigen Pflege genas er aber bald, wurde auf sein Verlangen gekauft und ist jetzt ein musterhafter Christ, was er, wie wir zu hoffen berechtigt sind, auch fernerhin bleiben wird. P. Steph. Vockenhüber F. S. C. Liebe der Neger m Maria. dem kleinen Negerdorfe Mwanga habe ich jetzt endlich eine Schar Auserwählter so ziemlich herangezogen, die uns den süßesten Trost gewähren. Von morgens bis abends sieht man sie in Gruppen von 10 bis 20 den Katechismus lernen oder die gegebenen Erklärungen wiederholen und zwar mit einem solchen Eifer und einer solchen Kraft der Stimme, daß wir sie oft mäßigen müssen. Sobald die Christenlehre beendet ist, eilen sie, besonders zur Zeit der Prüfungen, in Menge und im Sturmschritt auf die benachbarten Hügel, auf dessen Spitze sich eine kleine Kapelle der allerseligsten Jungfrau erhebt. Bei dem Altare der lieben Gottesmutter angekommen, werfen sie sich mit zum Himmel erhobenen Augen auf die Knie nieder und richten mit lauter Stimme die rührendsten Bitten an Maria. Zur Zeit meiner jährlichen geistlichen Übungen hatte ich die Sakristei, welche an diese Kapelle stößt, als Zimmer gewühlt. Von diesem Verstecke aus hörte ich täglich die liebeatmenden Seufzer und Klagen, welche aus den Herzen und den Lippen unserer lieben Katechumenen emporstiegen. Es waren Stimmen von Männern, Frauen und Kindern, welche sagten: „Maria, meine Mutter! Ich liebe dich, ich werde dich aber noch mehr lieben, wenn du mir die hl. Taufe gegeben haben wirst." — „Maria, meine Mutter! Du siehst, wie das Verlangen nach der Taufe mein Herz verkehrt, gib sie mir, erbarme dich meiner!" — „Maria, meine Mutter! Schon dreimal bin ich in den Prüfungen gescheitert. Mache, daß mich der Pater etwas Leichtes fragt." Eines Tages hörte ich eine Frauenstimme, welche voll Begeisterung und überströmender Freude einer Schar zurief: „Seht ihr, meine Freunde, die Jungfrau Maria kann alles; sie gibt auch alles, um was ihr sie bittet. Seht ihr, aus einem Dornbaum kann sie einen Fruchtbaum machen und Früchte davon sammeln. Wer hätte je glauben können, daß ich bei der Prüfung durchkomme. Ich habe zu ihr gebetet und dank ihr habe ich bei der Prüfung gesiegt." Ja, die allerseligste Jungfrau ist nicht taub gegen ihre schwarzen Kinder von Mwanga und sie erhört dieselben nicht bloß, wenn sie um Gnade bitten, sondern auch, wenn sie um Strafe zu ihr flehen. Vor einigen Tagen kam eine christliche, verheiratete Frau, welche bisher eine vortreffliche Gesundheit genossen hatte, zu mir; ihr Gesicht war durch große Wunden ganz entstellt. Da ich mich über dieses so plötzliche Eintreten der Krankheit verwunderte, antwortete sie: „Ich kniete vor dem Bilde der allerseligsten Jungfrau und sagte zu ihr: „Maria! Ich habe ehemals viele Sünden begangen und nur wenig Buße getan. Schicke mir eine Krankheit, was immer für eine du willst! Ich nehme sie gerne an als Strafe für meine Fehler." Die Christin fuhr fort und fügte bei: „Ich war schon auf der Schwelle der Kapelle, um hinauszugehen, als ich Stechen im ganzen Leibe und Brennen auf den Lippen fühlte. Unterwegs, als ich heimkehrte, spaltete ich die Haut der Lippen und ich kam mit einer Wunde nachhause. Als mich meine Freunde sahen, riefen sie aus: „Wo, Wo! Du hast den Kabatongo!" Gerührt von einer solchen Erzählung sagte ich ihr: „Willst du, daß ich dir Heilmittel gebe?" Und sie antwortete mir: „O nein! Ich kann wohl noch zwei Monate leiden, und wenn ich dann nicht geheilt bin, so werde ich eines holen. Ich kann allerdings nicht mehr in die Kirche hineingehen, die anderen jagen mich hinaus; ich kniee aber draußen nieder und sage zu mir: Der liebe Gott hört diejenigen, welche draußen sind, ebensogut wie diejenigen, welche drinnen sind, dann werde ich nicht böse, sondern bin zufrieden." Dieser kleine unter Hunderten ausgewählte Zug zeigt recht augenscheinlich, wessen unsere Neubekehrten fähig sind und wie sehr sich der Missionär ermuntert fühlt, sich für eifrige Christen aufzuopfern. * * -i- Arbeiten der Kongo. nter den zahlreichen Stämmen, welehe das große Flußbecken des Bahr et Garal, eines Nebenflusses des Nil bevölkern, ist der Stamm der Bongo einer der arbeitsamsten und intelligentesten. In dieser Gegend ist der Boden der großen Anzahl von Flüssen halber fast immer von einem sehr reichen Pflanzenwuchs bedeckt, und selbst die gewöhnlichsten Bäume erreichen eine fabelhafte Ausdehnung (siehe Bild Seite 49). Hier wird viel Eisen gegraben, welches von den Eingeborenen in verschiedener Weise zu Lanzen oder Ringen oder auch zu Ackergeräten verarbeitet wird. Fast alle Stämme jener Gegenden kommen zu den Bongo, um sich mit obengenannten Gegenständen zu versehen und besonders, um sich die für dieses von Natur aus so kriegerische Volk nötigen Waffen zu verschaffen. Der Handel geschieht durch Tausch, das Vieh ist vor allem der vorzüglichste Tauschartikel. Die Bongo beschäftigen sich mit der Bebauung der Felder, der Bearbeitung des Eisens und auch des Holzes, wenig oder gar nicht geben sie sich der Viehzucht hin, weßhalb sie sich das Vieh auf keine andere Weise als durch Handel verschaffen können. Außer den oben angeführten Arbeiten in Eisen haben die Bongo eine besondere Geschicklichkeit für Bildhaurei: und gerade die Arbeiten, die sie in Holz ausführen, geben Zeugnis hievon. Sie verstehen nicht nur aus einem Stück Holz Schemel, ziemlich schöne Behälter für Milch und andere Getränke und verschiedene andere kleine Gegenstände zu verfertigen, sondern sie bringen es sogar soweit, menschliche Figuren darzustellen. So kann man in der Nähe ihrer Dörfer nicht selten die Reste von Holzfiguren wahrnehmen, die beim Eingänge in der Reihe aufgestellt sind, um die Türe zu schmücken. Im allgemeinen sind es eine Art Denkmäler, die beim Grabe eines großen Häuptlings stehen, um sein Andenken zu verewigen. Es wird der Kopf des Gestorbenen in Holz geschnitzt und um sein Bild herum oder hinter ihm in der Reihe werden die andern Familienmitglieder desselben, obwohl noch lebend, ebenfalls dargestellt. Diese Statuen haben natürlich einen sehr relativen Wert für die Bongo, jedoch haben sie ein unvergleichbares Verdienst; nur sie sind überzeugt, daß sie jedesmal die Persönlichkeit wiedergeben, die sie vorstellen. Um ihre falsche Überzeugung noch zu vervollständigen, zieren sie dieselben off mit Halsketten und Ringen, und geben auf ihren Kopf schwarze Haare. Der Eindruck, den sie hervorrufen, ist natürlich einer der lebhaftesten. Die Alten erzählen diesbezüglich, daß in vergangnen Zeiten Bei Gelegenheit irgend eines Festes sehr häufig Totschläge vorkamen. Die Freunde des Erschlagenen nahmen es selbst auf sich, den Schuldigen zu bestrafen, und diese Sache erforderte sehr häufig nicht wenig List, denn dieser letzte war nicht immer so leicht zu erwischen. Wenn aber der Mörder nicht bekannt war, so ließ der Verwandte oder der Freund oder der Bruder des Verstorbenen ein getreues Bild des Opfers anfertigen, lud hierauf alle zu einer großen Mahlzeit ein, wo das Bier des Landes reichlich aufgetischt wurde. Wenn sie mehrmals bis zur Genüge die ungeheuren Behälter geleert hatten, führte er plötzlich unter die Eingeladenen das Bild, das er geschnitzt hatte. Auf diese Erscheinung hin verriet sich der Schuldige, indem er versuchte, durch die Flucht zu entkommen. Wenn der Verwandte oder Freund sich rächen wollte, ergriff er ihn und verfügte über ihn nach seinem Willen. Gegenwärtig jedoch gebraucht man diese List nicht mehr, vielleicht weil heuzutage berühmte Bildhauer fehlen, welche den Verstorbenen getreu darstellen können. * * -i- eine riibrende 6e§ch!cdte. ^^Pfic nachstehende Erzählung zeigt wiederum, mit s*-/ welcher Aufmerksamkeit Gott über die Seelen, die seiner Gnade treu sind, wacht. Vor nicht zu langer Zeit reisten zwei junge einheimische Ordens-■ schwestern von der Missionsstation in ihr Mutterhaus ab. An der Eisenbahnstation cmge$ommcn, lassen sie sich in einer vorbehaltenen Abteilung nieder, als eine einheimische Tochter, die ganz mit Kleinodien behängt ist, im Wagen Platz nimmt. Der Zug setzt sich in Bewegung. Nach einigen Augenblicken des Stillschweigens wendet sich die neu Angekommene an die zwei Ordensschwestern mit den Worten: „Warum dieses sonderbare Kleid und dieser Schleier auf dem Kopfe?" „Wir sind christliche, Gott geweihte Jungfrauen." „O ivie schön ist es, Jungfrau zu bleiben, um Gott zu gefallen," rief plötzlich die Tochter aus; „ich habe es in meinem Herzen schon seit langer Zeit zu mir gesagt und habe deswegen mehrere gute Anträge abgelehnt." „So kommen Sie dann mit unS?" „Nein, ich gehe nicht mit Ihnen; ich bin Protestantin. Meine Religion ist besser als die eitrige. Ihr seid wie die Götzendiener, ihr betet Statuen an; dann zeigte sie auf das Kreuz hin, das die Schwestern auf der Brust trugen und sagte: „Schauet, das ist eine Schmach; ich werde mich nie dazu verstehen, das zu tragen." Da die Ordensschwestern glaubten, sie hätten es mit einer vorlauten, übelwollenden Protestantin wie die andern sind, zu tun, so antworteten sie nichts. Die Tochter kam aber bald nachher wieder auf den Gegenstand zurück, und da die Ordensschwestern die Einfalt und Redlichkeit, die sich in ihren Fragen kundgab, sahen, antworteten sie ihr, die Protestanten lügen, wenn sie sagen, die Katholiken beten Bilder an. Sie setzten der Tochter die Wahrheit der Religion auseinander. Diese schien wohl erschüttert, aber nicht überzeugt. Als sie am Ziele ihrer Reise angekommen waren, fragten die Ordensschwestern: „Kennen Sie jemanden in der Stadt?" „Nein," sagte sie, „ich komme aus meinem kleinen Heimatsdorfe und habe diese Stadt noch nie gesehen. Ich habe einen Brief für den protestantischen Pastor, der mir eine Stelle als Schullehrerin ober Katechetin für die Frauen geben soll. Ich kenne ihn aber nicht und weiß nicht, wo er wohnt." Dann willigte unsere Protestantin auf den Vorschlag der Ordensschwestern ein, sich mit ihnen ins Kloster zu begeben. Am folgenden Morgen suchte sie den Pastor auf. Er war abwesend, aber seine Frau empfing sie gut; sie sagte ihr, ihr Mann werde gegen 5 Uhr abends heimkehren und ließ ihr ein Frühstück auftragen. Sie fühlt sich aber unbehaglich: eine innere Stimme sagt ihr: „Kehre ins Kloster zurück!" Dann steht sie auf, entschuldigt sich, dankt der Dame, sagt, sie habe Bekannte in der Stadt und werde um 5 Uhr wiederkommen. Die Tochter kehrte ins Kloster zurück. Die nämliche innere Stimme sagte ihr: „Bleibe hier, hier nur wirst du glücklich sein." „Wenn Ihr es so wolltet," sagte sie, „so will auch ich Katholikin und Ordensschwester werden. Jetzt verstehe ich alles. Gott ist gut. Er hieß mich von meiner Heimat fortreisen, um der Zudringlichkeit eines jungen Mannes, der mich durchaus ehelichen wollte, zu entgehen. Beim Wechseln der Waggons hierher verfehlte ich den Zug hieher und dieses Mißgeschick, das mir sehr zuwider war, machte, daß ich am folgenden Tage mit Ordensschwestern reiste. Ich hatte nie solche gesehen, glaubte, es seien Jüdinnen und stieg aus Neugierde bei ihnen ein, um zu hören, was sie sagen würden. So traf ich, die ich immer gewünscht habe, Jungfrau zu bleiben, christliche Jungfrauen. Seit 5 Jahren betete ich trotz all dem Bösen, was unsere Pastoren inbetreff der Verehrung der Jungfrau Maria sagten, täglich im geheimen zu ihr. Jetzt ist mein höchster Wunsch erfüllt; der liebe Gott sei ewig dafür gepriesen. Unsere Bekehrte entsagte dem Protestantismus und fing an, den Katechismus mit einem solchen Eifer zu lernen, daß man ihr verbieten mußte, zu weit in die Nacht hinein zu wachen. Während sie so zur Taufe vorbereitet wurde, wohnte sie eines Tages mit den Waisenmädchen der Kreuzwegandacht bei. Als man bei der zehnten Station, wo unser Herrgott der Kleider beraubt wurde, ankam, ward unser Katcchumene tief gerührt. Sie warf einen Blick aus ihre Kleinodien und sagte zu sich: „Was, unser Herr wollte so aus Liebe zu mir jeglicher Kleidung beraubt werden und ich sollte mit diesen Eitelkeiten geschmückt erscheinen dürfen!" Augenblicklich legt sie alle ihre Kleinodien weg und bringt sie nach Schluß der Andacht zur Oberin. Als der so ersehnte Tag ihrer öffentlichen Ab-schwörung und ihrer Taufe gekommen war, drangen die Waisen in sie, daß sie wenigstens an diesem Tage all ihren Schmuck zum Zeichen der Freude tragen solle. „Nein, nein," sagte sie entschieden, „ich will ihn nicht mehr, ich trage ihn nicht mehr; ich will künftig nur Gott gefallen und Ordensschwester werden." Nach ihrer Taufe und ihrer ersten hl. Kommunion ist sie in das Kloster eingetreten, wo sie als Postulantin unter die einheimischen Ordensschwestern auf- genommen wurde; voller Freude nimmt sie die Armut in Nahrung und Kleidung, das Joch des Gehorsams und den Verzicht auf den eigenen Willen auf sich. Als ich sie eines Tages fragte, ob sie die Kreuze und Statuen noch verabscheue, sagte sie: „O nein," und voll Liebe ergriff sie das Kreuz, das sie jetzt am Halse trägt. „Als ich Protestantin war, begriff ich diese Dinge nicht. Ich liebe dieses Kreuz, ich verehre es und hoffe zuversichtlich, daß es mich nicht mehr verlassen wird. Man bemerkt während der Kreuzwegandacht oft, daß sie die Tränen zu verbergen sucht. Maria Agatha, so heißt sie jetzt und nicht mehr Ruth, die Protestantin, hat in ihrer Heimat noch ihre Mutter und zahlreiche Verwandte. Sie hat ihnen nach ihrer Bekehrung geschrieben. Man war zuerst unangenehm berührt durch die Nachricht, daß sie katholisch geworden sei; ihre Mutter fügte sich aber in der Folge in diesen Gedanken, weil die Tochter sagte, daß sie im Kloster glücklich sei. Man hat ihr geschrieben, sie könne zu den Ihrigen zurückkehren, wann sie wolle, man werde sie stets gut aufnehmen. Hoffen wir im Gegenteil, daß durch die inständigen Gebete Maria Agathas ihre Mutter und alle die ihrigen zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen werden. * * * Eefeett des Hll$sioitär$. ^sas Leben des Missionärs ist ein Gemisch von sSy Freude, Trübsal, Bewegung und Ruhe. Es verhält sich übrigens mit jedem irdischen Leben so; Unterschied besteht nur darin, daß dies alles ein seltsames Gepräge hat. Man befindet sich in einer Umgebung, die einem fremd ist, Sitten, Gebräuche, alles fällt auf, alles befremdet, man ist nicht in seinem Lande. Missionen halten, von sieben Sakramenten sechs spenden, das ist ja doch für einen Priester das gewöhnliche. Was es aber nicht ist, das sind die Umstände. Ich nehme zum Beispiel die letzte Ölung. Hierzulande, bei mir wenigstens, hat jedes Dorf zwei, drei, vier Wasserbehälter; es kommen die starken Regengüsse; alles füllt sich, alles läuft über, Felder, Straßen, alles verschwindet, man unterscheidet nichts mehr. Das ist also nicht die Zeit, um sich auf den Weg zu machen. „Schnell, Pater, schnell, ein Kranker ist am Sterben." „Wo denn?" „Zwanzig Kilometer von hier entfernt." „Nun denn, ist Gefahr vorhanden?" „Pater, er wird den morgigen Tag nicht mehr erleben." Vorwärts also und Gott empfohlen. Man fällt in einen der Behälter; wir haben drei bis vier Meter Wasser; Pferd und Reiter schwimmen glücklicherweise wie Fische. Man macht sich hinaus, lacht und trocknet sich ab. Man reist weiter, im Trab, im Galopp, kommt an, der Iranke ist gestorben! Ein anderesmal ist es Abend; der Mond hat sich hinter einer Wolke versteckt. Das edle Tier, der Gefährte meiner apostolischen Reisen, läuft gut; mein Diener begleitet mich, wir sind ganz allein, so möchte man glauben; warten Sie aber nur. Da sind einige Individuen, die wahrscheinlich von friedlichen Absichten beseelt sind; sie wünschen nur das Pferd, den Geldbeutel und die Kleider. Ein unerwarteter guter Hieb spornt das Pferd und befreit uns von diesen Banditen. Bei einem Anlasse ist es wiederum Nacht, man marschiert weiter und weiter. Plötzlich fängt der Führer an, sich am Ohrläppchen zu kratzen, .kommt zurück und sagt schließlich, man habe sich verirrt. Man macht Halt, man wartet; es ist stockfinster, es regnet in Strömen, das j Licht droht zu verlöschen; was anfangen? Geduld haben .... Doch genug, ich würde damit nicht fertig werden. Bisweilen genießt man auch etwas Ruhe. Die Seele fühlt in gewissen Augenblicken ein Bedürfnis nach Sammlung, Ruhe und Einsamkeit; dann muß man in das Hauptdorf zurückkehren. Da besonders habe ich meine größten Tröstungen geschöpft, die Christen wandeln entschlossen auf dem Wege der Tugend und geben den Heiden der Umgegend ein gutes Beispiel. Das Leben des Missionärs ist, wie man also sieht, interessant; sein einziger Feind ist die Einsamkeit, aber dieser ist fürchterlich. Ein Mittel, um ihn zu bekämpfen, ist Gebet und Arbeit; ein anderes ist das, daß man sich unter die Eingeborenen mengt. Am Abende unterhalte ich sie gewöhnlich von dem lieben Herzen Jesu, von seiner guten Mutter, von dem hl. Josef und den Schutzengeln oder ich spreche von Europa, von dessen Herzen und von seiner christlichen Liebe. Die armen Neger, sie wissen, daß Europa es ist, welches uns die notwendigen Mittel gibt, um uns ihre Seelen retten zu helfen. * -i- * Der Scbutztewfel. ürzlich machte ich einmal nach dem Frühstück dem Scheich eines nahen Negerdorfes einen Besuch. Welch eine Rumpelkammer! Und doch nennt man es eine „schöne Residenz". Meine Aufmerksamkeit wurde auf die Götzen gelenkt. Indem ich mich stellte, als ob ich nichts von dem verstände, frage ich den Scheich, was das sei: „Vater Wohltäter, das sind die Schutzgötter meines Hauses und des ganzen Dorfes". Ich wollte dem alten Scheich nicht gleich anfangs vor den Kopf stoßen, bestand daher nicht weiter darauf und nahm mir vor, ein andermal auf die Sache zurückzukommen. Nachdem ich diese kleine Hölle des Teufels verlassen, wollte ich einen Spaziergang durch das Dorf machen. Aber wie mich die Kinder sahen, flohen sie alle davon, und so auch mehrere alte Weiber. Ich begriff denn auch sofort, daß der Augenblick, meine erlauchte Persönlichkeit zur Schau zu stellen, noch nicht gekommen sei. So zog ich mich denn in mein Haus zurück in einer etwas peinlichen Stimmung. Am Abende kamen diesmal die Zuhörer viel zahlreicher, als dies je der Fall war; es waren sogar Frauen darunter, die indessen nichts verstehen konnten, da sie kaum 3 Worte der Sprache der „Gebildeten" wußten. Doch war ihre bloße Anwesenheit schon ein gutes Zeichen für die Zukunft. An diesem Tage redete ich von den guten und bösen Engeln und zog dabei die Verehrung der Schutzteufel, die ich des Morgens im Hause des alten Scheichs gesehen hatte, ins Lächerliche. „Glaubt mir, meine Freunde, und werft alle diese Dinge ins Feuer, und betet einzig den großen Gott an, den ich euch zu verkünden gekommen bin." — „Vater Wohltäter", antwortete der alte Scheich, „was denkst du da? Würde je einer von uns zu tun wagen, was Du uns ratest, er würde auf der Stelle gestraft werden. Es vergeht kein Monat, ja keine Woche, ohne daß der Schutzgeist ein Opfer fordert; bald ist es eine Henne, bald ein Schwein, und oft sogar ein Büffel; und trotz dieser so kostspieligen Opfer belästigt uns der Schutzgeist noch auf viele andere Arten; was würde erst werden, wenn einer von uns seinen Altar umzustürzen wagen sollte?" — „Aber", sagte ich ihnen, „wenn ein Mächtiger euch unter seinen Schutz nimmt, was habt ihr dann von allen Teufeln zu fürchten? Wohlan denn, ich versichere euch, wenn ihr mir glauben wollt, so wird der Teufel euch nicht bloß nicht auf der Stelle töten, sondern nicht einmal weiter mehr belästigen." — „Vater Wohltäter", erwidert abermals der Herr Scheich, „ich fürchte mich, ich wage den Altar nicht wegzuschaffen." — „Nun, so laß nur mich machen, ich fürchte mich nicht. Hör einmal; um Dir zu beweisen, daß diese Teufelchen ohnmächtig find, will ich sie morgen da vor die Kirche bringen Seite 52 Stern der Neger Nr. 2 lassen, und zwar durch die zwei Knaben, welche mich als Meßdiener begleiten." Die ganze Nacht verstrich unter Beratungen, Ich hörte sie von Hause aus, verstand jedoch nichts davon, da sie die Sprache der „Gemeinen" redeten, welche jener der „Gebildeten" in nichts gleicht. Es muß dafür und dagegen die Rede gewesen sein, denn die Unterhaltung war sehr lebhaft. Da ich wegen des Lärmes, den sie inachten, nicht schlafen konnte, begann ich meinen Rosenkranz zu beten, und bat auch meinen Schutzengel, er möge sich mit den Schutzengeln meiner Katechumenen insgeheiine zum Untergange der Schutzteufel verbinden. Der Streich gelang nach Wünscht am folgenden Morgen kamen alle meine wackeren Neger und sagten: „Wie der wohltätige Vater will". Nach Vollendung des gemeinschaftlichen Gebetes ließ ich durch meine zwei Schelme den Altar des Teufels mit all seinem Unsinne, der sich daselbst befand, samt seinem Schmucke an Blumen, Kränzen u. s. w. holen. Gesagt, getan; in einem Augenblicke sind die Götzen heruntergeholt und in einem großen, ganz durchlöcherten Korbe, der indessen für seinen Inhalt noch zu gut ist, herbeigebracht. Während der eine das Feuer anzündete, welches die Schutzgötter verzehren soll, begnügt sich der andere damit, sie mit einem Stocke zu schlagen, wobei er die Worte spricht: „Garstige Teufeln, schnell fort mit euch, wenn ihr nicht durchgebläut sein wollt". Ich lachte dabei recht herzlich, während meine armen Schwarzen ganz bestürzt drein schauten. Nach diesem Prozesse stellte ich selbst ein Bild der allerseligsten Jungfrau an dem Orte auf, wo der Teufel solange seinen Sitz gehabt hatte: ich segnete das Haus des Scheichs ein und blieb noch eine Woche bei meinen lieben Katechumenen, um sie gegen die Furcht, daß der Teufel wiederkommen und sie plagen könnte, zu befestigen. „Vor allem", sagte ich zu ihnen, „sprecht immer wieder die Worte: „Maria, sei unsre Führerin." Ich kehrte dann an meinen Hauptposten zurück und sandte an meine Stelle meinen Katecheten, namens Werahiko, der nun den Unterricht bei diesem Stamme aufnahm und auch bereits ziemliche Erfolge zu verzeichnen hat. Der eifrigste feiner Katechumenen ist der alte Scheich, welcher dringend für sich und seine ganze Familie um die hl. Taufe anhielt, besonders seit einem Vorfall, der alle meine schönen Hoffnungen in seinem Dorfe bald zerstört hätte. Die Sache war folgende: Ganz nahe beim Dorfe befindet sich ein sehr fischreicher Teich, von dem es aber hieß, daß er oft vom Teufel besucht werde. Früher, wenn meine neuen Katechumenen dorthin auf den Fischfang gingen, unterließen sie nie, ein Opfer darzubringen; seit ich nun aber ihre Götzen vernichtet hatte, brachten sie arglos, ohne andere Verehrung gegen den Geist des Teiches, in demselben ihre Fischgeräte an. Die Heiden staunten alle darüber, daß diesen Verwegenen kein Unheil passierte. Da wird aber eines Tages der Sohn des Dorf-Scheichs plötzlich krank, er beginnt irre zu reden und wie ein Besessener auszuschlagen. Nun allgemeines Geschrei, das seien die Schutzgeister, welche Rache nähmen. Der Unglückliche blieb unter solchen Anfällen und Verrenkungen zwei Tage ohne Speise und Trank; am dritten verfiel er in eine Art gefühllosen Schlafes. Das ganze Dorf war der Meinung, man müsse dem Teufel ein Opfer bringen, sonst würde der arme Kranke sterben. Wäre mein Katechet nicht gewesen, so hätten sie dem Gerst des Teiches sicher geopfert, unb- viele wären abtrünnig geworden. Doch der Kranke kehrte, Gott sei Dank, .wieder zum Leben zurück, und sehr oft hat er dann abends beim Unterricht folgendes erzählt: Während der zwei Tage, in denen ich schlief, kamen zwei große Teufel, forderten mich auf, mit ihnen zu gehen, und sagten, ihr Herr habe sie geschickt, mich zu holen, und sie hätten die Weisung, mich mit Gewalt fortzuführen. Als ich mich mit ihnen zu gehen weigerte, wollte mich der größere der beiden Teufel mit dem Arme fassen, beide verwünschten mich, und warfen mir vor, daß ich meine Schutzgeister zerstört habe. Ich erwiderte: „Aber ich habe sie ja nicht verbrannt, sondern der Vater Wohltäter". — „Warum hast du dich nicht widersetzt? Wir wollen hier am Rande des Teiches einen neuen Altar bauen, und dich dann zu unserem Herrn führen." — „Ich verlange, zuvor den Pater Wohltäter beraten zu dürfen, wenn er es gestaltet, wolle ich diesen Altar errichten." Da traten die beiden näher heran, um mich zu packen, als ein großer ganz schwarzer Mann erschien, der sich dem widersetzt und bitter lächelnd sagt: „Laßt, laßt diesen Ruchlosen; besonders soll er den Pater nicht holen, wir würden nur um so mehr zu leiden haben." So die Erzählung meines braven Schwarzen. Wie es sich immer mit ihrer Wahrhaftigkeit verhalten möge, gewiß ist, daß seit diesem Vorfall alle mit größerem Eifer lernen als zuvor. Auch hier kann man wieder sagen, daß alles zur größeren Ehre Gottes dient. Eines schönen Tages bringt mein Herr Scheich sein ganzes Schulvölklein zu mir, 30 Kinder, Knaben und Mädchen, von .betten mehrere ein Brüderchen oder Schwesterchen auf dem Rücken trugen. Das war ein Leben. Zuerst gab ich jedem ein Stück Stoff, dann ließ ich, um das Herz dieser Kleinen zu gewinnen, mehrere Tage nur einige Gebete singen, dann lehrte ich sie das hl. Kreuzzeichen. Machten es einige verkehrt, so lachten die andern drüber. ganz Kleinen, auf den Rücken ihrer ältern Geschwister reitend, ließen sich auch hören. Kurz, mein armer Hals fand dies nicht sehr anziehend, und mein Geruchsinn hatte auch sein Martyrium. Ich tröstete mich indessen mit dem Gedanken, daß. die Seelen dieser Kinder, gereinigt durch das Wasser der hl .Taufe, bald einen lieblichen Wohlgeruch verbreiten würden. Doch bei den Kindern ging es immer noch etwas besser, als Bei den Greisen und alten Weibern. Für diese namentlich mußte ich eine Sache oft zwanzigmal wiederholen. Dazu muß man schon eine gewaltige Dose Geduld in Bereitschaft halten. Ach, wie oft Der Stoff wechselte gewöhnlich: bald ein bischen ABC, dann ein wenig Gebete und dann Katechismus. Ich bin vorderhand ganz allein unter meinen Zöglingen, die Knaben rechts, die Mädchen links. Ich mußte sie oft zur Ordnung rufen; es war oft ein unbeschreibliches Durcheinander von Stimmen. Die wendete ich mich dabei an den lieben heiligen Franz von Sales, um ihn, wenn der Geduldfaden doch reißen wollte, um ein klein wenig Geduld und Sanftmut zu Bitten. Ich weilte etwas über einen Monat unter diesem Ausbund meiner Zuhörer. Ob der liebe Gott mit mir zufrieden gewesen ist, weiß ich nicht; was dagegen mich betrifft, so danke ich ihm von ganzem Herzen dafür, daß ich diese ehemaligen Wilden dazu bringen konnte, mich anzuhören, besonders unter den traurigen Verhältnissen, in denen sie sich. damals befanden. Meine Arbeiten sind von wirklich gutem Erfolge begleitet, und ich hoffe auch zuversichtlich, in den bekehrten Negern recht gute Christen zu erziehen. * * * tröstliches aus tier mission. ir entnehmen aus dem Tagebuche eines Missionars für Afrika folgende Geschichten aus seinem langjährigen Leben unter den Negern: Die Mutter einer meiner Christinnen warf sich, da sie dem Götzendienste sehr ergeben war, jeden Morgen vor ihrem kleinen Abgott nieder, ans welchen sie andächtig einige Tropfen geronnenen Rindsfettes schüttete, indem sie einige Formeln sagte, die, wie ich annehme, denjenigen der Zauberer in unseren Gegenden gleichkamen. Da ihre christliche Tochter sie vergebens beschwor, diesem einfältigen Götzendienst zu entsagen, so drohte sie eines Tages, diesen Teufel zum Fenster hinauszuwerfen. „Was! hüte dich wohl, mein Kind," sagte die Mutter zu ihr, „du würdest in der gleichen Stunde sterben." — „Ich würde sterben! Wohlan, wir wollen sehen!" — Sie wirft den Götzen auf den Boden und speit ihn an. Die gute Alte glaubte, ihr Haus werde alsbald einstürzen und sie unter seinen Trümmern erdrücken. Es geschah natürlich nichts von dem, und diese Tatsache öffnete ihr die Augen. Am Feste der Himmelfahrt Mariä begleitete sie ihre Tochter in die Kirche und war da so entzückt, daß sie beim Hinausgehen ausrief: „Ich glaubte, ich sei im Paradiese, nie habe ich so von Herzen gebetet." „Aber du kannst ja keine Gebete, wie hast du denn beten können?" „Ich sagte: „Jesus mein Gott und mein Herr, wasche mich rein von allen meinen Sünden, und ich fühlte mich ganz glücklich. Sie zögerte nicht die hl. Taufe anzunehmen und ist nach genügendem Unterrichte durch die hl. Taufe in die Kirche aufgenommen worden. Eine andere Tochter, schon zu den wohlhabenderen Ständen gehörig, erwarb sich durch ihren hochherzigen Charakter einen wunderbaren Einfluß auf ihre Angehörigen. Ihre eigene Bekehrung führte die ihres Vaters und ihrer ganzen zahlreichen Familie herbei. Dieses wahrhaft auserwählte Kind war schon in der Wiege ohne Vorwissen der Eltern von unseren Schwestern, welche das Kind sterbend gefunden hatten, getauft worden. Es erholte sich, wuchs heran und verehelichte sich und war das vorzüglichste unter den ersten, welche um die Taufe baten. Man mußte sie nun am Tage vor der Zeremonie in Kenntnis setzen von dem, was geschehen war. Im ersten Momente schien sie sehr erstaunt, rief dann aber mit Tränen in den Augen aus: „Ist es möglich, daß Gott so gut gegen mich gewesen und ich so undankbar gegen ihn?" Von diesem Tage an nahm ihr Eifer immer zu und sie schrieb mir wiederholt, um die Gunst zu erbitten, Ordensschwester zu werden. Da ihr Vater einen schwachen Charakter hatte, so niußte er oft hören, wie die Heiden über ihn spotteten und ihn höhnisch fragten, ob er nicht bald seiner christlich gewordenen Tochter folgen werde. Auf Äußerste erbittert, geht der Mann zu einer noch heidnischen Witwe, deren beide Töchter auch das Christentum angenommen hatten. „Mit dieser neuen Religion," so spricht er, „werden uns unsere Töchter mit Schmach überhäufen; bald wird niemand mehr mit uns reden wollen. Wir wollen unseren Töchtern verbieten, in die Kirche zu gehen und es soll nicht mehr, die Rede davon sein." — „Ich meinerseits," antwortete die Witwe, „werde das nicht tun. Seitdem die meinigen die Kirchen besuchen, sind sie so gehorsam, so arbeitsam und so liebenswürdig geworden, daß ich in meinem Leben noch nie so glücklich gewesen bin." An einem schönen Abende saß ich nach Sonnenuntergang vor meinem Zelte und las in einem arabischen Lesebuche, um mir in dieser Sprache eine größere Fertigkeit anzueignen. Da vernahm ich plötzlich einen ziemlich lebhaften Wortwechsel, der, wie ich später erfuhr, beinahe in Tätlichkeiten ausgeartet wäre. Gleich darauf sah ich einen Mann ganz von Zorn entflammt in einer naheliegenden Hütte verschwinden. Es war ein Heide, der wegen seiner zwei katholischen Töchter alle möglichen Spottreden anhören mußte und diese brachten ihn soweit, daß er den Schwur tat, seine Töchter, im Falle sie katholisch bleiben, zu töten. Am folgenden Sonntage stand er früh morgens mit einem Stöcke in der Hand an der Türe seines Hauses und als sie herauskamen, ergriff er eine barsch, warf sie heftig zu Boden und versetzte ihr Fußstöße und Stockschläge. Seine Frau eilte herbei, stieß beim Anblicke ihrer ganz mit Blut überströmten Tochter einen Schrei aus und fiel bewußtlos zur Erde; die beiden Töchter aber ergreifen, da mau sich inzwischen mit der Frau zu schaffen machte, die Flucht, waschen ihre Wunden und eilen geradenwegs der Kirche zu, um die hl. Messe anzuhören. O Macht des Gebetes und des Beispiels! Der Vater ist gegenwärtig ein guter Christ. Verschiedenes. Aus unserm Missionsdause die erste Blume. Am 21. Jänner, dem Feste der hl. Agnes, hat es dem himmlischen Gärtner gefallen, die erste■ Blume unseres Missionshauses aus dem Erdengarten in das ewige Paradies zu versetzen. Es verschied nämlich nach kurzem aber schmerzvollen Leiden der Zögling des Xaverianums JraitZ KaCKl, ein hoffnungsvoller, tugendhafter und talentierter Jüngling. Er ist der erste Tote unseres Missionshauses seit dem neunjährigen Bestände desselben. Geboren am 24. September 1887 zu Hofkirchen in Oberösterreich kam er im Jahre 1900 in unser Missionshaus nach Mühland, als dessen Zögling er zuletzt die IV. Kl. des I.!. Gymnasiums in Brixen mit sehr gutem Erfolge besuchte. Er war immer ein braver, ja ein Mußerzögling im wahren Sinne des Wortes und seine Anlagen berechtigten zu den schönsten Hoffnungen. Unerwartet hat ihn Gott in ein besseres Jenseits berufen. Nach nur eintägigem Krankenlager starb er an Urämie sanft im Herrn. Kein Wort der Klage kam über seine Sippen; mnn hörte nur die Anrufungen der hlst. Namen Jesu und Mariä in Abwechslung mit dem englischen Gruße „Ave Maria". „Ave Maria" war auch sein letztes Wort. Die Beisetzung fand am Samstag, den 23. Jänner, um 4 Uhr nachmittags, unter großer Beteiligung von Personen jedes Standes statt. Der Sarg wurde unter dem ernsten Gesänge des «Miserere» der Ordensleute von sechs Zöglingen des Taverianums eine Strecke getragen, worauf unsere Kleriker im Chorrock die teure Bürde übernahmen und dieselbe auf den Kirchhof der Kirche „Maria im Sande" zu Mühland übertrugen, wo nun der Leib des Verstorbenen unter dem Schutze der Mutter Gottes der Auferstehung harrt. Möge seine Seele eine Vermittlerin beim Trone Gottes sein, möge der im Herrn Dahingegangene seine Fürbitten einlegen beim Allmächtigen für das Taverianum, damit aus demselben recht viele tüchtige Missionäre hervorgehen, die Satans Banden brechen und den armen Negern das Himmelstor öffnen werden! R. I. P. * * * Die Sternemesse einer Jlrmen. Vor 20 Jahren, so erzählt ein eifriger Seelsorger, habe ich einmal ein blutarmes, altes Jüngferle versehen, „für d' Ewigkeit glicht", wie man dortzuland sagte. Sie hatte ihr Leben lang bei andern Leuten gedient und nicht viel Gutes gehabt, und wurde nun von einer weitläufig verwandten guten Bas um Gotteslohn I unterhalten und verpflegt. Als ich fertig war mit meinen Sachen, da griff die Kranke unter das Kopfkissen und holte ein kleines Beutelchen heraus; das nestelte sie bedächtig auf und holte aus demselben 10 blanke Taler heraus „für heilige Messen, eine um eine glückliche Sterbestunde, und die anderen für meine Seelenruh nach meinem Tod". Das Geld , wollte ich anfangs durchaus nicht annehmen, das könne sie ja selber gut brauchen für sich, ich wolle „so" eine Messe für sie lesen rc. re., bis sie zuletzt ganz „granti" (bös) wurde, und ich mußte das Geld mitnehmen. Die nächsten Wochen schickte es sich noch nicht, daß ich die hl. Messe lesen konnte, fand auch die Kranke bei meinen Besuchen noch lange nicht dem Tode nahe. Da wurde eines Tages „wie durch Zufall" eine Intention frei, die ich hätte lesen müssen, und da kam mir sozusagen ungestüm der Gedanke, jetzt liest du statt dem die Sterbemesse für das gute Jüngferl in Tr. drüben. Und siehe da, mittags kamen die Leute herein in den Pfarrort und meldeten, die Kranke in Tr. sei am Morgen gestorben. Und auf die Frage nach dem Wann? stellte es sich heraus, daß sie genau in der Zeit gestorben war, als ich für sie am Altar stand und die heilige Messe für sie las um eine glückliche Sterbestunde. Ein Wunder war das nun gerad nicht, aber das laß ich mir auch nicht ausdisputieren, daß der liebe Gott da hat zeigen wollen, wie hoch er des armen Weibleins Fürsorge für ihr Seelenheil anschlug und ihr Vertrauen auf die heilige Messe, und er hat diese arme, schlichte Messe vielleicht höher angerechnet und wirksamer sein lassen, als manchen prunkvollen, umständlichen Dienst für einen Hohen dieser Welt. * * * _ iUenschenfresser am Belgischen Kongo. Der Stamm der N'Laccara bewohnt die ausgedehnten und noch wenig bekannten Gegenden des obern Ubangi und seiner Nebenflüsse. Es sind keine Wilden im eigentlichen Sinne des Wortes, denn sie haben eine geordnete Regierung und ein unter das Kommando des Sultan gestelltes Heer. Außer dem Kriege ver- Seite 56 Sir. 2 Stern legen sich die Männer aufs 3^id^t§tun; die Weiber, obgleich mit allen Arbeiten beladen, sind gut behandelt und nehmen auch an den öffentlichen Versammlungen teil. Die Speise, die von diesen guten Leuten am meisten bevorzugt wird, ist Menschenfleisch, besonders das der Europäer, der Weiber und der Kinder. Die Mahlzeiten, wo Menschenfleisch aufgetischt wird, an denen aber die Weiber keinen Anteil haben, werden für gewöhnlich nach Kämpfen und beim Tode eines Häuptlings abgehalten, denn alsdann werden auf seinem Grabe nicht wenig Sklaven abgeschlachtet. Obwohl Menschenfresser, haben die N'Laeeara doch keinen wilden Charakter. Was die religiösen Anschauungen anbelangt, glauben sie an die Seelenwanderung und an das Dasein von Geistern. Gumba, der Gott der Elemente, ist nach ihnen ein wohltätiger Geist, während Kuruba als Gott des Bösen, der Krankheiten und des Todes betrachtet wird. (Le tour du monde, Paris, n. 38, 1903). * * * Afrikas Zwerge. Gegen alle Naturgesetze kommt es in Afrika vor, daß an der Seite von starken und kräftig gebauten Menschen, die selbst die beträchtliche Höhe von zwei Meter erreichen, sich andere Stämme vorfinden, deren kleine Gestalt, etwas Neues und Sonderbares an sich hat, wahre Zwerge, wie man sie eben nennen mag. Einer dieser Stämme ist jener der Akka, welche gegen Süd-Südost vom Stamme der Mombuttu wohnenI diese Völker befinden sich in Bereiche der Mission von Zentral-Afrika. Die Akka scheinen eine Abzweigung einer langen Reihe von Zwergvölkern zu sein, welche alle den Charakter einer Rasse darbieten, die längs des ganzen Äquators Afrika durchzieht. Alle Reisende, welche ins Zentrum Afrikas vordrangen, geben zahlreiche Zeugnisse von dem Bestehen solcher wegen ihrer kleinen Gestalt eigenartigen Stämme. Fast alle schildern sie von lichterer Hautfarbe als ihre Nachbaren, das sich zum Rot und Braungelb hinneigt. Alles dieses trifft genau bei den Akka überein. Die mittlere Körpergröße der Akka ist beim vollkommen herangewachsenen Manne 1 m 30 cm bis 1 m 40 cm. Sie haben einen spärlichen Bartwuchs, kurzes und tvolliges Haar. Der Kopf ist im allgemeinen dick und in keinem Verhältnisse mit dem dünnen und schwachen Hals, der ihn trägt. Die Arme sind lang und schwach, der ganze obere Teil des Körpers hat eine unverhältnismäßige Länge. der Sieger Der Brustkorb ist platt und oben schmal, aber das Skelett erweitert sich nach unten hin und das Rückgrat ist im allgemeinen in seiner ganzen Länge krumm gebogen. Die Beine sind kurz und die Knie dick und breit, weshalb der Gang des Akka ein beständiges Schaukeln ist, sodaß er keinen Teller oder mit irgend einer Flüssigkeit gefülltes Gefäß tragen kann, ohne die Hälfte davon zu verschütten. Das was jedoch die Akka vor allem kennzeichnet ist der Kopf, sowohl wegen seiner Form als auch wegen seines gesichtsausdruckes (siehe Bild Seite 53). Auf den ersten Blick fällt die eigenartige Gesichtsbildung auf: der Gesichtswinkel schwankt zwischen sechzig und siebzig Grad. Die Kinnlade tritt im Gesichte sehr hervor, weil das Kinn, an und für sich gewöhnlich sehr klein ist und zurücktritt. Der breite fast kugelrunde Schädel hat an der Nasenwurzel einen tiefeit Einschnitt. Die Augen sind groß und weit geöffnet, sodaß sie an den Blick der Vögel erinnern. Die Ohren sind sehr groß. Die Lippen sind wie die Kinnbacken hervortretend, wulstig, jedoch weniger dicht als bei der großen Mehrzahl der übrigen Negerstämme und reichen kaunt soweit, den Mund vollkommen zu schließen. Die ungemein große Beweglichkeit des Gesichtes und noch mehr der Augenlider, die Lebhaftigkeit der Augen, die schnellen Bewegungen der Hände und Füße, welche jedes Wort begleiten, das ewige Hin- und Herbaumeln des Kopfes nach allen Richtungen tragen viel dazu bei, diesen Zwergen ein eigenartiges und sonderbares Aussehen zu verleihen. In Bezug auf die Schärfe der Sinne, aus die Geschicklichkeit und List sind die Akka um vieles nicht wenigen zunächstliegenden Stämmen voraus. Zur Jagd wie geboren, zeichnen sich die Akka in schlauen Erfindungen aus, um das Wild zu erjagen. Als Haustiere besitzen sie nur Federvieh. Sie sind überaus lüstern, und inbezug auf Speise und Trank lassen sie sich bis zum Übermaße fortreißen, indem sie zur Zeit des Überflusses alles verzehren — der gemeinschaftliche Hauptfehler aller Wilden. * * * Gin Millionär ais Gromit. Eine seltsame Lebensweise führt, wie ein Londoner Blatt berichtet, John Vanderbilt, ein Mitglied der Millionärsfamilie Vanderbilt in New-Mork, der von seinen eigenen Leuten der „Eremit vom Hexenkopf" genannt wird. Selten sieht man ihn, niemals arbeitet oder schreibt er anscheinend etivas. Er ist ein Weiberfeind und hat sich nie verheiratet und obgleich er in dem Ruf Nr. 2 Stern der Neger Seite 57 steht, ungeheuer reich zu sein, lebt er in einer einzigen mit Schlingpflanzen bewachsenen Hütte auf dem Gipfel eines Berges in Pennsylvanien, mitten in der schönsten Gegend. Er lebt Jahr für Jahr ganz allein, kocht selbst für sich und tut die Arbeit im Haus, wäscht seine Wäsche in einem nahen Bergstrom, fängt sich selbst Forellen, schießt sein eigenes Wild, zieht sich selbst Erdbeeren und Gemüse, melkt selbst die Ziege und bereitet sich selbst das Brot. Der einzige Mensch, mit dein er überhaupt verkehrt, ist ein junger Farmer, der einige Meilen von seiner Behausung entfernt lebt und der so gefällig ist, ihm Mehl, Eier, Fleisch usw. zu bringen und der alle möglichen Besorgungen ausführt, die Vanderbilt in der Außenwelt erledigt haben will. Er erhält oder schreibt nie Briefe, hat keine Zeitungen und Zeitschriften und liest nur einige Lieblingsbücher, die er in die Einsamkeit mitgenommen hat. Man sagt, daß er keine gute Meinung von den Menschen hat und daß er das Geld und die „Geldmacher" verachtet. * * -l- Das 3ut>iläum der Eimmttasebinc. Wie Kunst und Wissenschaft aus den Klöstern hervorgehen, beweisen die vielen Erfindungen, welche in denselben gemacht wurden. Eine von diesen Erfindungen ist die der Liniermaschine, die zu einem bedeutenden Fabrikationszwecke geworden ist, da das Bedürfnis nach liniertem Papier ins Angemessene gewachsen ist. Erfinder derselben ist der hochw. - Herr Siegmund Adam, regulierter Kanonikus, geboren am 28. Dezember 1776 in Warzenried. Adam widmete sich dem geistlichen Stande und wurde in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts nach St. Zeno bei Reichenhall als Lehrer der Mechanik und Physik berufen, wo er die Elementarschulen und den damaligen Unterricht im Schreiben näher kennen lernte. „Um der Menschheit zu nützen," waren seine Worte. Keine Mühe und kein Opfer war ihm zu groß. 1803 müssen wir als das Jahr der Erfindung seiner ersten Liniermaschine ansehen. Sofort gingen seine Erzeugnisse in alle Welt. Adam lieferte liniertes Papier nach ganz Deutschland, Österreich, nach Petersburg an den Hof, nach Paris, London, nach Italien, nach Schweden, ja sogar nach Brasilien. Von den Gelehrten wird die Liniermaschine als Weltersindung benannt. Dem hochw. Herrn Adam wurden deshalb ehrende und zahlreiche Anerkennungen zuteil, wie die Verleihung einer goldenen Medaille „für Wissenschaft und Kunst" durch den Herzog Eugen von Leuchtenberg, Fürsten von Eichstädt, dem Stiefsohne Napoleons I. In späteren Jahren und zwar auf der Industrie-Ausstellung 1834 wurde ihm die bronzene Medaille zuerkannt. Der offenkundige Erfolg, den Adam mit seiner Erfindung errang, hatte trotz aller Patente wiederholte Nachahmung seiner Maschine zur Folge, da Adam, dessen große Bescheidenheit und Duldsamkeit höchstens von seinem Erfindungsgeiste — er hat auch noch einige andere Erfindungen gemacht — es mit seinem geistlichen Stande unvereinbar hielt, streng gegen seine unredlichen Konkurrenten vorzugehen. Wenn auch die von diesen gelieferte Arbeit nicht im entferntesten an seine eigene Leistung heranreichte und sehr viel zu wünschen übrig ließ, so bildete dies doch für den Erfinder eine -Quelle fortwährender Kränkungen und Verdrießlichkeiten, die zu einem plötzlichen Tode führten. Er starb an einem Nervenschlage im Alter von 73 Johren am 14. Juli 1849. Der hochw. Herr Siegmund Adam war ein dem Schuldienste fleißig ergebener Mann und auf alles, was die ihm anvertrauten Kleinen betraf, achtender Gelehrte, aber auch zugleich ein von Liebe zu Gott und den Nächsten durchdrungener Ordensmann. Deshalb erwählte er zu seinem Erbteile den heiligen Ördensstaud. In seiner Nächstenliebe wurde niemand bestraft, obwohl 100 Taler Strafe im Patente standen. Tausende von Kindern erhielten unentgeltlich liniertes Papier, für die Armenschulen wurde alles umsonst verabreicht. Alle kirchlichen Dienste verrichtete er umsonst. Die Armen versperrten ihm den Weg, das Meßgeld brachte er nie nachhause. Der Herr wird es ihm ewig lohnen. Es scheint deshalb unmöglich, daß dieser edle Mann der Vergessenheit übergeben werde und daher benützen die hohen Gelehrten in München das 100jährige Jubiläum, den Erfinder der Liniermaschine ins Gedächtnis zu bringen. * * * Der JMVOHat und der Teufel. (Von Abraham a Santa Clara). Ein Advokat, welcher schon viele Jahre hindurch manche ungerechte Sache verteidigt und durchgefochten hatte, machte einmal einen Spaziergang nach seinem, unfern von der Stadt gelegenen Meierhof. Gleich außerhalb des Stadttores gesellte sich ihm der Böse als Begleiter bei, eine Gesellschaft, welche dem Doktor gar nicht gefallen wollte. Vielleicht drückte ihn jetzt sein Gewissen wegen der mannigfachen, von ihm begangenen Ungerechtigkeiten. Als sie so miteinander dahingingen, begegnete ihnen ein Bauer, der ein großes Mastschwein an einem Stricke führte, das er wahrscheinlich auf den Markt brachte. Weil nun die feiste Speckwurst nicht gehen wollte, wurde der Bauer zornig und verwünschte sein Schwein mit den Worten: „Daß dich der Teufel hole!" Der Advokat wandte sich sogleich an seinen Begleiter, dessen er gerne los geworden wäre, und sagte: „Vorwärts, Teufel, diese Sau gehört dir; warum holst du sie nicht?" — „Nein, nein", sagte der Schwarze, „der Bauer meint es nicht von Herzen, er hat es nur im Zorn gesagt; auch liebe ich das Schweinefleisch nicht besonders, meine besten Bissen sind die Seelen!" Als sie nun weiter gingen, sahen sie eine Mutter vor der Haustüre, welche ihrem Kinde die Haare kämmte, und weil der kleine Bursche sich gegen das Kämmen wehrte, wurde die Mutter ungeduldig und rief: „Halt', du Fratz, daß dich der Teufel hol'!" Da fragte der Doktor den Bösen abermals, weshalb er denn das Kind nicht hole; da habe er ja eine Seele zum besten. „Ach", entgegnete der saubere Kamerad, „dies ist nur so ein gewöhnlicher Mutterfluch, es ist ihr bei weitem nicht so ums Herz; auch ist das Kind ungeduldig und habe ich keine Gewalt über dasselbe". Endlich kamen sie in ein Dorf, in welchem einige Leute bei einander standen, welche dieser Advokat kurz vorher durch einen ungerechten Prozeß um all' das Ihrige gebracht hatte. Kaum waren diese des Dokters ansichtig geworden, als sie sogleich zu schreien anfingen: „Du Schelm, du Dieb, du ungerechter Advokat, daß-dich der Teufel mit Leib und Seele hole!" — „Ho! ho!" sagte der Gottseibeiuns zu seinem Gefährten, „hast du gehört, was die Leute sagen; sie sagen die Wahrheit und meinen's von Herzen; cs ist daher unnötig, daß wir weitergehen", packte den Advokaten sofort, entführte ihn in die Luft und hat man ihn seitdem nicht mehr gesehen. * * * Der Regenschirm. Vor nicht gar zu langer Zeit lebten in einem kleinen Dörfchen ein Paar Eheleute, die sich, bildlich gesprochen, manchmal in den Haaren lagen, sich stritten und zankten und das Wortgefecht dann stundenlang fortsetzen konnten. Oft genug hatten die Nachbarn dieses Zanken und Streiten vernommen, aber sich immer wohlweislich gesagt: „In fremde Familien-Angelegenheiten soll man sich nicht hineinmischen". Für die einzige, schon erwachsene Tochter des Hauses war der häufige Streit der Eltern peinlich. Sie war ein gutes Mädchen, und nur zu weh tat es ihr, wenn diejenigen so im Unfrieden waren, die sie doch nach Gottes Gebot achten und hochschätzen sollte. Schon oft genug hatte sie sich in innigem Gebete zur heiligen Familie, dem Vorbilde der christlichen Familie, gewandt. Und siehe da; ihr Flehen sollte erhört werden. — Eines Tages hatten Vater und Mutter wegen einer kleinen, geringfügigen Sache wiederum einen Wortwechsel bekommen, der gar bald in Streit und heftige Worte ausartete. Lauter und immer lauter wurden sie dabei, so daß sogar die Nachbarn darauf aufmerksam wurden. Mehrere der letzteren hatten sich schon vor dem Wohnhause der genannten Leute eingefunden, immer mehr und mehr Neugierige gesellten sich hinzu. Sie alle konnten es nicht begreifen, wie zwei Eheleute in einen derartig heftigen Streit geraten konnten. Da kommt auch des Weges daher der Vikar des Ortes. Er tritt näher, um zu sehen, was denn die Leute veranlaßt, in solch' großer Anzahl beisammen zu stehen. Kaum ist er aber in die Nähe des Hauses gekommen, da vernimmt er auch schon den Zank und Streit da drinnen. Kurz entschlossen, wußte er auch gleich, was er tun wollte. Er tritt in das Haus ein, da hört er, daß die Zankenden sich im oberen Stockwerke befinden. Die Tochter des Hauses tritt ihm im Hausflur entgegen und führt ihn in die beste Stube. Dann eilt sie hinaus. Im Hausgang aber ruft sie: „Vater, Vater, komm' doch einmal eben nach unten." Da dieser aber natürlich nichts vernimmt, so steigt sie schnell nach oben und teilt dem sich im größten Zorn befindlichen Vater mit, wer da unten auf ihn warte. Eiligst begibt sich dieser nach unten. Kaum hat er aber die Stubentür geöffnet, da bleibt er aber vor Staunen ganz steif stehen; denn vor ihm fitzt der Herr Vikar unter einem aufgespannten Regenschirm. Statt aller Begrüßung entfallen da dem Manne die Worte: „Aber, Herr Vikar, warum fitzen Sie denn hier unter dem Regenschirm?" Dieser aber gab die ebenso passende, als drollige Antwort: „Ach ja, es war soeben gerade ein Gewitter; doch scheint es sich jetzt ausgetobt zu haben." Mit diesen kurzen Worten klappte er seinen Schirm zusammen, stand auf und verließ, ohne weiterhin ein Wort zu sprechen, das Haus. Das hatte geholfen. Von dieser Zeit an vernahm man im Hause niemals mehr Zank und Streit. Im größten Frieden lebten Mann und Frau wieder beisammen. * Etwas von der Zelt, vom Celten und von der lWung des menschen. Nachdruck verboten. as Altertum versinnlichte die Zeit als Gottheit unter dem Namen Kronus oder Saturn und dichtete ihr an, daß sie ihre Kinder auffresse. In der Tat ist diese Mythe sehr sinnreich; denn die Zeit verschlingt sich selbst und gebärt sich doch immer wieder neu. Was geht schneller vorüber als die Zeit und dauert doch immer fort? Was ist eine Stunde? ein Jahr? ein Menschenleben? ein Jahrhundert? Welche ungeheure Kluft ist jenseits der Periode, die wir mit dem Namen der historischen Zeit belegen, d. h. derjenigen, von der uns die ersten bestimmten Nachrichten durch den Geschichtsschreiber Moses zuteil wurden? Und doch fallen mächtige Streiflichter auch in jene Zeit durch die neuern Funde von Schrifttafeln in den Ruinen von Babylon, Ninive usw. Man sagt die rollende Zeit und denkt sie sich mit Sphinx unck Pyramide. einem Rade vergleichbar; allein so treffend inan dieses Bild auch finden mag, so richtig ist es auch, die Zeit sich als ewig unbeweglich zu denken, denn eigentlich rollen nur die Ereignisse in ihr vorüber und der Wirrwarr der kleinen und großen Leidenschaften der Menschen. Die Zeit hat weder Anfang noch Ende, nur unsere Notwendigkeit hat ihr solche verliehen; wir brauchten eine Einteilung der Zeit in Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrhunderte, um gewisse Anhaltspunkte zu haben, woran unsere Erinnerung haften kann und um die Zeitpunkte genau fest- zustellen, welche für die Arbeit und Ruhe bestimmt sind. Außerdem noch, um die Grenzen zu ziehen, innerhalb welcher die Geschichte der Völker und der Welt sich zutrugen. In den frühesten Zeiten war die Sonne wahrscheinlich der einzige Maßstab der Zeit, die erste Uhr, deren man sich bediente. Die Regelmäßigkeit ihres Auf- und Niederganges (rate man sich gewöhnlich ausdrückt) diente trefflich als Zeitabmcssuug. Von der Abteilung in Tage gelangte man notwendig zur Abteilung in Wochen, Monate und Jahre. Wozu die Beobachtung der Gestirne, der Tag- und Nacht- gleichen? Sie halfen dazu eine regelrechte Zeitabmessung einzurichten. Erst lange nachher kamen die Gelehrten darauf, die Unterabteilungen in Stunden, Minuten und Sekunden zu machen. Erst durch die Erfindung der Rttderuhren erhielten diese Unterabteilungen entsprechende Genauigkeit. Die wenigen Tage, die verhältnismäßig kurze Spanne Zeit, welche das Leben des Menschen ausmachen, sind für denselben die Zeit ganz und gar. Leben auf Erden ist für die Menschen das Erheblichste und Nächste, was sie vom gewöhnlichen wie vom höheren Standpunkte aus mit Ernst ins Auge fassen sollen, um es gehörig und löblich anzuwenden; allein wie vergeht dieses Leben? Wie verwendet der Mensch die Zeit, die ihm hienieden eingeräumt ist? Welche Unzahl von Minuten opfert er auf unnütze Weise unter dem nichtigen Vorwände, daß man es auf eine Minute nicht absehen dürfe? Und doch, wie ist eine Minute so viel! Umfängt sie nicht das ganze Leben von Myriaden kleiner Tierchen, die wir nur mit Hilfe des Mikroskops wahrnehmen können? Jene sogenannten Infusorien werden geboren, pflanzen sich fort und sterben in weniger als sechzig Sekunden. Für sie hat also die Sekunde denselben Wert als für uns ein Jahr und würde es sich treffen, daß ein solches Geschöpf zu dem außerordentlichen Alter von zwei Minuten gelangte, so müßte es völlig entkräftet sein wie jene Greise unter den Menschen, die ihr Leben bis auf hundert Jahre bringen und ausnahmsweise unter den zerfallenen Trümmern ihrer Generationen erhallen wurden. Lachet nicht, liebe Leser und Leserinnen, über diesen Vergleich; er ist sehr ernst gemeint, so scherzhaft er auf den ersten Blick erscheinen mag. Sind wir denn nicht ebenfalls ein mikroskopisches Geschlecht inbezug auf die ganze Welt, wenn wir das ganze Weltall als unseren Wohnsitz betrachten? Wenn wir den Blick in einer sternhellen Nacht nach aufwärts wenden, dann werden wir uns gewiß sehr klein und unscheinbar vorkommen. Besonders wenn wir bedenken, daß jene kreisenden Welten über unseren Häuptern auch leben, denn sie besitzen die Bewegung und würden sie eine Einteilung der Zeit wie wir kennen, so würde ihnen ein Menschenleben kürzer erscheinen als uns das Leben eines Infusionstierchens. Die Zeit also verbleibt in ihrer ewigen Unbeweglichkeit, trotz unserer stets wechselnden Abteilungen derselben, die lediglich nur eine Erfindung zu unserem Nutzen und unserer Bequemlichkeit sind. Epochen, die wir als weitentfcrnte ansehen, sind in der Tat garnicht so fern als man gewöhnlich glaubt. Nehmen wir einmal eine der unbedeutendsten Unter- abteilungen unseres Zeitmaßes, eine Minute; wie überrascht wird der Leser sein, wenn er bedenkt, daß seit Christi Geburt kaum eine -Milliarde von Minuten verstrichen ist. Die ersten dieser Minuten, die seit Christus vorübergegangen sind, werden mit dem stolzen Namen „Altertum" belegt, als wenn das etwas Großes wäre in den Zeitaltern des Weltgcbäudes. Geben wir nunmehr diese allgemeinen Betrachtungen auf und versuchen wir das Zeitmaß mit dem Alter des Menschen in nähere Beziehungen zu bringen. Wie uns allen bekannt ist, sind es noch keine 1900 Jahre, seit Christus gestorben ist; mithin sind wir von der Zeit seines Todes nur durch das Leben von 38 Menschen, deren jeder 60 Jahre gelebt hätte, getrennt. Da nun aber jedes Jahrhundert wohl auch wenigstens einen Menschen hat, der hundert Jahre lebt, so brauchten wir nur das Leben von nicht ganz 19 Menschen, um die Zeit von Christus bis auf uns auszufüllen. Wenden wir dieses Maß auf die Zeit.seit Erschaffung der Welt von unserer Rechnung an, so fielen zwischen Adam und uns 117 Menschen mit einer Lebensdauer von 50 und nicht ganz 59 Menschen mit einer Lebensdauer von 100 Jahren. Zieht man aber in Berücksichtigung, daß Adam über 900 Jahre alt wurde, so hätten unsere 50 Vorfahren, deren jeder 100 Jahre alt war, noch mit Adam persönlich verkehren können. Bei diesen Berechnungen schwinden die näher liegenden Epochen, die wir auch schon „alt" benennen. Führen uns doch nur 5 Lebenslängen von je 50 Jahren bis mitten in den 30jährigen Krieg, etwa 16 zu Friedrich Barbarossa und mit 22 Fünfzigjährigen kommen wir bis zu Karl dem Großen. Gehen wir nun zu einer heiteren. aber doch ernsthaften Betrachtung über: Diese Zeit also, die wir nach Jahrhunderten, nach Jahren, Monaten, Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden einteilen und messen, was machen wir mit ihr? Wie bringen wir sie zu? Zwei Fragen, welche wir gleich in nicht ganz uninteressanter wenn auch prosaischer Weise gelöst sehen werden. Das Leben des Menschen wollen wir, wenn es auch durchschnittlich nicht so lang dauert, mit 72 Jahren annehmen. Es wäre gewiß jeder von uns mit dieser reichlich zugemessenen Lebensdauer zufrieden. Also dieser Mensch, der es auf 72 Jahre bringen soll, muß gesund, kräftig, arbeitsam und mäßig tm Essen und Trinken sein; diesem wollen wir unsere Betrachtung zugrunde legen, um zeigen zu können, welche Zeit er während seiner Lebenslaufbahn verloren hat. In einem Tage hat er 24 Stunden zur Verfügung, um der Arbeit, dem Vergnügen usw. nachgehen zu können. Wollen wir also mit dem Schlafen beginnen; 8 Stunden ist wohl durschnittlich das Minimum. Die 8 Stunden täglich machen allein bei einer Lebensdauer von 72 Jahren 24 volle Jahre aus, nicht ein Jota weniger. Unser guter Mann liegt also 24 Jahre — Vs seines ganzen Lebens im Bette, um zu schlafen und zu träumen. Bevor er sich niederlegt oder bevor er aufsteht, muß er sich aus-bezw. anziehen: hiezu braucht er einschließlich waschen, kämmen und was noch damit zusammenhängt, mindest eine halbe Stunde pro Tag; dies macht in 72 Jahren ein Jahr und 6 Monate. Gehen wir nun zu den körperlichen Bedürfnissen im engeren Sinne über. Damit der Körper solange ausdauern kann und damit immer das gehörige Gleichgewicht erhalten bleibt, muß unser Mann mindest 3 Mahlzeiten im Tage halten. Hiezu braucht er mindestens 2 Stunden im Tag, dabei darf aber der Weg von und zur Beschäftigungsstelle nicht lang sein, wie wohl jeder Leser zugeben wird. Durchschnittlich dürfte diese Zeit wohl nicht ausreichen. Es sind also diese zwei Stunden nicht zu hoch gegriffen und doch braucht unser 72jähriger 6 Jahre seines Lebens, um Speise und Trank zu sich zu nehmen. Die Mahlzeiten bringen aber auch eine andere Notwendigkeit mit sich, welche täglich doch mindest mit einer Viertelstunde anzusetzen ist; dies macht bei unserm Manne aber schon wieder volle 9 Monate aus. Außerdem hat aber der Mensch auch das Bedürfnis mit seinesgleichen Neuigkeiten, besondere Vorkommnisse usw. zu besprechen; 1 Stunde des Tages ist hiesür wohl nicht zu hoch angeschlagen; in 72 Jahren macht es aber doch 3 Jahre aus. Um aber der Wirklichkeit näher zu kommen, müssen wir doch wohl noch 3 Jahre hinzusetzen. Welche Zeit opfert wohl nun unser Mann in der Zeit seines Lebens dem Vergnügen? Er hat ebenso wie alle anderen Menschen das Bedürfnis, sich zu unterhalten, zu erholen, wie man dies heißt. Hierher wäre zu zählen der Besuch von Theatern, Bällen, Konzerten, Reisen, Gasthaus- und Kaffeehausbesuch usw. und nicht zu vergessen den allerdings am besten aufgelegten Zeitaufwand, für den Besuch des Gottesdienstes und häusliche Andachten, für all dies sind im Tag 2 Stunden wohl eher zu niedrig als zu hoch angesetzt, besonders wenn Kindheit und Alter mit eingerechnet werden. Es sind somit schon wieder 6 Jahre des Lebens abzurechnen. Das Unangenehmste des Lebens, die Krankheiten, welche uns in der Kindheit, im Leben, im Alter und in den kraftvollsten Jahren des Lebens heimsuchen, sind auch zu berücksichtigen; hiesür müssen wir auch noch 2 Stunden täglich rechnen; es erscheint dies zwar viel, aber durchschnittlich wird es eher höher anzuschlagen sein. Bleiben wir bei unseren 2 Stunden, so sind wieder 6 Jahre des Lebens dahin. Also ziehen wir das Fazit aus unserer Rechnung, so werden wir finden, daß von den 24 Stunden, die wir einen vollen Tag nennen, bereits 168/4 St. zu den unumgänglichen Lebensbedürfnissen verbraucht werden, sodaß also zur eigentlichen materiell nutzbringenden Beschäftigung nur mehr 71/4 Stunden im Tag übrig bleiben. Aber, wird mancher sagen, das ist ja Unsinn! Ich arbeite 12 Stunden im Tag; ein anderer wird sagen, ich arbeite 10 Stunden im Tag und zwar sehr angestrengt. Nur langsam! Erstens gilt die Rechnung mehr im allgemeinen und zweitens bedenke Kindheit, Alter, sowie daß der Tag, welcher dem Vergnügen, der Erholung usw. geopfert wird, ja auch 24 Stunden hat. Es hat also unser 72jähriger Mann, der stark, arbeitsam und aufgeweckt ist, von seinen 72 Lebensjahren 50 Jahre, 3 Monate, 4 Tage verbraucht, um sich seiner eigentlichen Wirksamkeit, seinem Geschäfte hinzugeben. Die Überschrift lautet: „Von der Zeit, vom Leben und von der Nahrung des Menschen." Nachdem nun die ersten zwei Themen bereits besprochen sind, kann ich es den Lesern nicht ersparen, auch die Nahrung des Menschen, bezw. unseres 72jährigen Mannes etwas näher zu erläutern, aber nicht inbezug auf den Eiweiß- oder Stickstoffgehalt usw. oder inbezug auf die allein richtige Ernährung mit Fleischspeisen oder inbezug auf die allein richtige Lebensweise der Vegetarier, Gott bewahre, ich bin weder Chemiker, noch Metzger, noch Gärtner, noch will ich eines von diesen werden. Also, was braucht der Mensch für die in der Tat kurze Lebensdauer von 72 Jahren, welche wir jedoch als hoch anzuschlagen gewohnt sind, um den hinfälligen, schwachen Körper zu stärken und bei Kräften zu erhalten, damit der Umfang und das Gewicht des lieben Ich nicht zu starke und nachteilige Änderungen erleide. Ünser Mann, der mäßig lebt und arbeitsam ist und ein Gewicht von etwa 70—80 Kilogramm besitzt, wird also in 71 Jahren zu sich nehmen: Getränke als Wasser, Wein, Bier, Milch, Suppe usw. etwa 1 Liter täglich. Dies macht 1 Liter —1 Klg. —ca. 26.280 Klg. — Brot täglich 1 Klg.— 13.140 Klg. — Fleisch, Gemüse usw. 1 Klg. täglich-^13.140 Klg. Gesamt 52.560 Klg. Seite 62 Stern der Neger Nr. 2 Ein ganz respektables Quantum. Damit sollen diese eigenartigen Berechnungen geschlossen sein. Betrachten wir nochmals kurz deren Ergebnis, so werden mir finden, daß obwohl dieselben nicht Anspruch aus Wissenschaftlichkeit machen können, doch ganz interessant sind. Oder vielleicht eben deswegen? Es wurde gesagt, daß dem gesunden, tätigen Menschen, wenn ihm 72 Lebensjahre beschieden sind, nur 21 Jahre, 8 Monate und 23 Tage für die materiell nützliche Tätigkeit verbleiben, weil er 50 Jahre, 3 Monate und 4 Tage verbraucht, um zu schlafen, zu essen usw. Denken wir uns jetzt noch die Masse der oben nach dem Gewichte angegebenen Nahrungsmittel und Getränke in festem Zustande aufeinandergeschichtet oder besser gesagt in einen Turm geschüttet, welcher innen 1,5 Meter lang und 1,5 Meter breit ist, so würde dieser Turm 23,6 Meter hoch damit angefüllt werden; oder mit einem Menschen verglichen, der 75 Klg. schwer ist, zeigen uns diese Zahlen, daß ein Mensch in 72 Jahren dem Gewichte nach ungefähr 700mal soviel Speisen zu sich nimmt als er selbst schwer ist. Zu diesem Behufe -überließ Gott dem Menschen die Herrschaft auf Erden, damit er seinen unzähligen Bedürfnissen genügen und zugleich damit seinem unersättlichen und nur zu oft grausamen Hunger und anderen Gelüsten Genüge tun zu können. 'Nach einer fremden Quelle bearbeitet von Joh. Schweiger. * * * Päpstlich? JbuHenZ. Samstag, den 19. Dez. um 11 Uhr vormittags geruhte Se. Heiligkeit Papst Pins X. die General-Leiterin der St. Petrus Clavcr-Sodalität, Frau Gräsin M. Th. Ledochowska, begleitet von deren Assistentin, Frl. v. Ernst, in Privat-Audienz zu empfangen. Die Erstere übergab Sr. Heiligkeit eine Sammlung von Werken in afrikanischer Sprache, welche in der Druckerei der Sodalität waren hergestellt worden, desgleichen die letzten Jahrgänge des „Echo aus Afrika" und der „Kleinen Afrika-Bibliothek" in italienischer Sprache. Der hl. Vater, welcher schon seit drei Jahren der St. Petrus Claver-Sodalität und deren Gründerin besondere Beweise seines Wohlwollens gegeben hatte, nahm die Bücher mit väterlicher Güte entgegen und erteilte gerne der Sodalität, deren Wohltätern und ihren Werken den erbetenen apostolischen Segen. Zum Schlüsse der Audienz erbat sich die Gräfin die Gunst, dem hl. Vater die zwei ersten Mitglieder ihres soeben in Rom eröffneten Probehauses vorstellen zu dürfen. Se. Heiligkeit gestattete es gern und richtete dann an die vor ihm knieenden Sodalinnen einige Worte voll Kraft und Salbung, worin er sie aufforderte, nützliche Glieder dieses heiligen Werkes zu werden. Bern frommen Leitete werden empfohlen; f Franz Hackl. — Mehrere verstorbene Wohltäter. — Die bereits von Chartum abgereiste Expedition ins Innere der Mission. — Andere wichtige Anliegen des Missionshauses und unseres hiesigen Noviziates. Eine große Bille. Bekannterweise lieben die Neger gar sehr Musik und Gesang. Dies macht es dem Missionär zur heiligen Pflicht, sich in dieser Kunst insoweit auszubilden, daß er ein oder das andere Instrument handhaben kann, wenn anders ihm Gott ein Talent dazu gegeben hat. Wie für jedes gründliche Studium die Jugend die geeignetste Zeit ist, so ist sie es insbesondere zur Erlernung der Musik. Dieser beiden Wahrheiten sind sich die Söhne des hlst. Herzens Jesu in Mühland sehr wohl bewußt. Doch was nützt das lebhafteste Bewußtsein einer Pflicht, wenn man aber keine Mittel hat, ihr gerecht zu werden! Da haben wir in unserer apostolischen Schule, dem Xaverianum, eine schöne Anzahl für die Musik ganz besonders veranlagter Zöglinge, lauter zukünftige Negermissionäre — doch was uns abgeht, das ist ein Instrument, ein Harmonium, woran sie sich üben könnten. So wenden wir uns denn heute an die Liebhaber und Förderer dieser schönen Kunst mit der herzinnigsten Bitte, es möge uns eine edle Seele unentgeltlich ein Harmonium zukommen lassen! Manch einer der hochwürdigen Herren Pfarrer, der hochwürdigen Herren Kooperatoren, der Herren Lehrer oder der P. T. Musikfreunde, deren es in jedem Stande gibt, hat vielleicht ein schon lange nicht mehr so ganz modernes Musikinstrument in seiner Wohnung stehen, das zur übrigen geschmackvollen und stilgerechten Einrichtung nicht recht passen will. Lange schon hat er das Bedürfnis, sich einen Packarll oder etwas dergleichen anzuschaffen, aber wohin mit dem alten? Hochwürdiger Herr, edler Musikfreund, geruhen Sie es gütigst unseren Zöglingen nach Mühland bei Brixen zukommen zu lassen, so haben Sie ein hochedles Werk von weittragender Bedeutung vollbracht, ein wahres Liebeswerk an den armen Negern in Zentralafrika, und das hlst. Herz Jesu wird nicht versäumen, es Ihnen, edler Wohltäter, zu entlohnen. Zu unseren Bildern. König Kur mit einer 0mm Scbilluiv-Ikger (Seite 40). — Der König sitzt mit seinem roten Burnus (Mantel) inmitten von seinen Landsleuten, die ihm nach Chartuni gefolgt waren. Kriegertanz der Stimmn (Seite 4i). — Unser Bild stellt im Hintergründe einen Thron vor, der für den Khediven von Ägypten bei Gelegenheit eines Besuches des Vizekonigs errichtet wurde. Vor ihm führen Schillnk, die mit ihrem König Kur nach Chartum gekommen, ihre kriegerischen Nationaltänze auf. Natürlich fehlt es auch im Sudan nicht an Zuschauern, die im Vordergründe des Bildes den Platz einnehmen. P. Banbeizer an der Stire des neuen Hauses in Cull (Seite 63). — Das neue Häuschen, au? Ziegel gebaut, steht nun in feiner ganzen Vollendung da. Einfach und schlicht, bietet es doch genügend Schutz gegen Stürme und Regengüsse. Pater Bauhölzer an der Eiire seines neuen Dauses in Eul. Spbinz und Pyramide. — Auf Seite 59 geben wir unsern geehrten Lesern ein Bild von der größten Pyramide, nach ihrem Erbauer Cheops-Pyramide genannt. Ihre Höhe, ursprünglich von 146 in, beträgt gegenwärtig nur mehr 137 m, also wie der Wiener Stefansturm, natürlich mit einer riesengroßen Grundfläche. Ganz in der Nähe dieser Pyramide ist eine sog. ägytische Sphinx, deren Beschreibung im ersten Hefte dieses Jahrganges Seite 14 wir gebracht haben. Dieselbe ist, wie dort gesagt, zum großen Teil mit Wüstensand bedeckt. Wie aus Kairo berichtet wird, ist die Freilegung der Sphinx bei den Pyramiden von Giseh von einer englischen Vereinigung geplant, an deren Spitze der mit den Verhältnissen vertraute Charles Boyle steht. In Ägyptologenkreisen legt man diesem Unternehmen große Bedeutung Bei; besonders Professor Sayce ist der Meinung, daß die, jetzt übrigens ebenfalls im Sande begrabene Stela zwischen den Klauen der Sphix auf die Anwesenheit von Gräbern unter dem Denkmale hindeute. Die zu erwartenden Funde werden möglicherweise die Geschichte deS Landes noch tun einige Jahrhunderte weiter zurück aufhellen. Gebelserhörungen unö Empfehlungen. (NB. Gebetserhörungen und Empfehlungen, bei welchen nicht der volle Name und Wohnort der Redaktion angegeben wird, werden nicht veröffentlicht. — Die Abkürzung wird durch die Redaktion besorgt.) Welsb. F. S. Dank für rasch erfolgte Versetzung. Bitte um baldigen Prüfuugsentschluß. -A P. L es ach t. I. H. dankt für Hilfe bei Wasfergefahr. Bittet um ferneres Gebet um glückliche Sterbestunde und in Familienangelegenheiten. -Jjf- Innsbruck. A. I. Tausendfachen Dank dem göttlichen Herzen Jesu, der lieben Mutter Gottes und ■ der hl. Philomena für auffällige Hilfe in großer Gefahr. ^- Waidhofen a. d. 2). Eine ungenannt sein wollende Leserin des „Stern" sendet ihre Danksagung für Erhörung in verschiedenen Anliegen. -Sfc Aus B. in Tirol. Verlassen von den Ärzten nahm ich meine Zuflucht zum hlst. Herzen Jesu und zu seiner unbefleckten Mutter mit dem Versprechen, es im „Stern" zu veröffentlichen, wenn ich gesund werde. Heute tausendmal «Deo gratias»; ich bin gesund. * * * Passeier B. B. Bittet ums Gebet zum hlst. Herzen Jesu, Maria und zum hl. Josef in schweren zeitlichen Anliegen. U n g. L o s e n st e i n empfiehlt sich dem hlst. Herzen Jesu, um in Frieden leben zu können. K. Ant. R. Man möchte für einen auf Irrwege geratenen Jüngling beten, dann um einen guten Posten und für verschiedene Anliegen. München. Eine Familie bittet ums Gebet, um glücklichen Verkauf und Befreiung aus Trostlosigkeit. Eine Abonnentin aus Bizau bittet ums Gebet zur Erlangung der Gesundheit N. N. aus $. In einem schweren Anliegen nehme ich meine Zuflucht zum hlst. Jesu und Mariä und bitte Ihr Webet mit dem meinen zu vereinen. I. K. bittet, ihn ins Gebet einzuschließen. Aus d. Ötztal empfiehlt sich jemand in einem gern. Anliegen dem hlst. Herzen Jesu. Aus Lana bittet eine Familie ums Gebet zum hlst. Herzen Jesu und Mariä und dem hl. Antonius. Lande ck. M. Th. Ich bitte für mich in einem Anliegen zu beten. G. K. aus N. bittet das hl. Herz Jesu für eine irrewandelnde Seele anzuflehen. ■$- Dorf Tirol. I. Ung. bittet, das hlst. Herz Jesu in einem schweren Anliegen zu bitten, wenn es Gottes Wille ist. ^ N. N. aus demselben Ort bittet um Erlangung der Gesundheit und eine fernere Person um Geduld und Kraft in Leiden. M. P. aus N. bittet ums Gebet zum hlst. Herzen um Erlangung der Gesundheit. Schwarzenberg. Th. G. bittet einer armen Frau um Erhörung in verschiedenen Anliegen am Herz Jesu- und Marien-Altare eingedenk zu sein, sowie auch noch für eine andere Person beten zu wollen. Schlanders. S. W. bittet um Heilung eines chronischen Leidens. N. N. aus T. bittet ums Gebet, daß sein Anliegen, das schon öfters empfohlen wurde, endlich erhört werde. Holzgau. Ein ungenannt sein wollender bittet ihm vom hl. Geist, den hlst. Herzen Jesu und Mariä, vom hl. Josef und den armen Seelen die Erhörung eines schweren Anliegens zu erflehen. A. M. aus N. bittet ums Gebet, daß sie entweder gesund wird oder geduldig leidet und eine glückliche Sterbestunde erlange. W. - M atr ei. G. U. Man möge um Bekehrung der Sünder beten. Aus O.-Ö. F. H. empfiehlt sich dem Gebete beim Herz Jesu- und Marien-Altare. ijf M. T. empfiehlt seine schwerkranke Tochter dem Gebete. $[$- <5. @. aus Ried bittet um Gebet an den Gnadenaltären um Erhörung in einem besonderen Anliegen. ■}£ Eine Frau aus Linz empfiehlt sich dem Gebete der Missionäre in einem leiblichen Anliegen. Eine Person aus P i n s d o r f bei Gmunden empfiehlt ihre kranke Schwester der Erbarmung der hlst. Herzen Jesu und Mariä. P. Lesacht. Bitte um glückliche Berufswahl. M. H. ifc I. D. Haag, N.-Ö. Bitte mein Anliegen, daß ich wieder gesund werde, doch recht dem göttl. Herzen Jesu und seiner unbefleckten Mutter Maria empfehlen zu wollen. -I <"— Für die Schriftleitung: Anton v. Wörl. — Druck von A. Weger's sb. Hosbuchdruckerei, Brixen.