Nummer 101 Donnerstag den 23. Dezember 1920 (Franko pauschaliert.)- 11 ■ ____ Erscheint wöchentlich zweimal: Donnerstag und Sonntag früh. - «(triftlrirung und a ultca Nr 6. Telephon 31. — Ankündigungen werden in bei Verwaltung gegen Berechnung billigster «Sebüvren entgegengenommen. ' Vez»g«pr«ife: Für das Inland vierteljährift K 24.—, halbjährig K 48.—, gavzjähriq K 96.—. Kür das Ausland entsprechende Erhöhung. — Einzelne Nummern > Krone. Italien und die Kleine Entente. In Belgrader Blättern wird eine angeblich aus Rom stimmende Jnsormation »erbreitet, wonach die italienische Regierung mit der tschechoslowakischen und jugoslawischen Regierung in Verhandlungen eintreten wolle, um die Gefahren der französischen Poiiuk in Mitteleuropa zu beseitigen. Die römilche Regierung sei der Ansicht, daß der Tschechenstaat und Eüdslawien dasselbe Interesse wie Italien an der Ausrechterhaltung des Vertrage« von Trianon haben und daß dieses gemeinsame Interesse die Grundlage eines Bündnisses zwischen den drei Staaten bilden könne. Ein solch 0 Bündnis, dem schließlich auch Rumänien bei relen würde, sei die einzige Möglichkeit, die Bestrebungen zu vereiteln, welch ' die Bildung einet neuen Doi>aubutid»Sa»st:eben. Bereit« geieienUich deS Abschlusses de» Vertrages von San Mrrgherita haben wir daraus hingewiesen, daß der raiche Verlaus der Verhandlungen durch da« gemeinsame Interesse an der Abwehr «llu Donaubundpiäne bewirkt und durch die gleichzeitige Bei offen ilich» n g de? t?chechi>ch j> gv^l iwischen Bund-uisverirages (kleine Entente) d:e ^dentilät i:alien>scher Znieressen dem Zw cke der kleinen Entente untttstrichen worden sei. M.t Rücksicht daraus verdient die Meldung deS Parijer Tewps Beachtung, daß zwiicheu Iialien uns Eüdiwwien auch ein miliiätisches Gcheimbün»oiS abgeschlossen wurde, daS solgeude Punkte enthalte: 1. Die beiden Staaten stimmen darin überein, daß Deutschösterreich und Ungarn die Bestimmui'gen der Verträge von Saint-Germain und Trianoa strikte ausführen müssen. 2. Sie verpflichten sich, sich der Wiederkehr der Habsdurger ans den Thron -zu widersetzen. 3. Sie verpflichten sich weil», jeder Propaganda Deutsch. Österreichs oder Ungarns Widerstand zu leisten. 4. Sie werden diesin Vertrag der Tschechoslowakei bekanntgeben. 5. Die beiden Staaten können ähnliche Abkommen mit anderen Staaten nur nach gegenseitiger Mitteilung abschließen. Ob diese Meldung den Tatsachen entspricht, ist t::cgt so wichtig als ihre Veröffentlichung duich das Pariser offiziöse Blatt, die daraus schließen läßt, daß der französischen Regierung die intimen Beziehungen Italiens zur kleinen Entente nicht recht behagen. Nachdem ror einigen Tagen serbische Blätter gemeldet hatten, daß Bulgarien der kleinen Entente nicht beitreten werde, ist von Belgrad aus plötzlich die Einstellung alles Verkehres mit Bulgarien verfügt wo» den. Die Regierung beruft sich dabei daraus, daß Bulgarien einige Bestimmungen des Friedens verträges von Neuilly nicht erfülle, und Privatweldnngen deuten an, daß Bulgarien der Tschechoilowakei gewisse handelspolitische Porteile eingeräumt habe; es ist indessen als sicher anzu-nehmei?, daß die Belgrader Verfügung aus allgemeine politische Gründe zurückzuführen sei. Die unfähige Entente. Wiener Brief. In den letzten Tagen ist die französische und die englische Presse wi:ver »"gemein freigebig mit Tywpathi:kund!zebung'n sür das unter der bittersten Rot leideud« Diuischöstmtich. Suj die Qtssentlichkett hierzulande muchen diese «unagedungen indessen gat keinen Eindruck mehr, eS wäre denn den des Ekels. Seit dem Mai 1919 haben sich die Versuche der Pariser und Londoner Presse, den Hungerkcieg, diü Hk^iiKhyie uueniu/ijl t^ütr gegen Deutsch« österreich führen, durch „sympathische» Leitartikel zu beschönigen, zum Ueberdtusse wiederholt. Getan haben die Westmächle nichts, um daS Elend, daS sie geschaffen hoben, zu lindern; auch nicht einmal die von ihnen im Bertraye von Saint-Germain in dieser Hinsicht übernommenen Verpflichtungen haben sie eingelöst. », Die Bevölkerung erw«rlet von dort nichts mehr, zumal da auch die Ueberzeugung immer mehr Raum gewinnt, daß die Westmächle, auch wenn sie guten Willen hätten zu helfen, hiezu gar nicht im-stände sind. Das einzige Mittel, Deutschösterreich zu helfen, wäre die Abänderung des Vertrages von Sa'nt-Germain, das heißt die Beseitigung jener Bestiiiimungen, durch die alles Eigentum und alle Albeit den »Siegern* verpsändet worden ist. Aus diesen Sklavcnparagraph, der jede private Kredit. ZZostchewismus - Wettrsvotutlon. In der Eillier Zeitung vom üO. September 1920 wurde tcr Versuch unternommen, in möglichst gcdräng ter Lürze ein Bild vom Wesen de» Bolschewismus und seiner Theorie zu geben. Zweck de» h rffn Aussatzes ist e» darzustellen, wie diese Theorie in der Praxis durchaeführt wurde. LiSher können Eifahrunge» nur au« Ruhland selbst geschöpst^werdtn, denn di iMtundnng einer Räterepublik in B'hern, die schon »at> i>iei Woche» wieder verschwand, und jener in U.i..» entsendet, au« deren Vertreter wieder die Gouvernemenisvertreter Hilfe aubschlirßt, wollen die „Sieger" jevoch nicht verzichten, selbst Kredithilse zu geben sind sie aber außerstande. Diese Unfähigkeit der E.itenle zu jeder positiven organisatorischen Leistung hat aber auch ihre politischen Rückwirkungen. Die Londoner Zeitung Nation irrte, wenn sie kürzlich behauptete, daß die Autorität der Entente nur noch in Wien unbestritten sei. In der Tat ist sii es auch hier nicht mehr, denn in dem-selben Maße, als sie Deutschösterreich der Not überläßt, änsert sich auch der politische Druck, den sie hier ausübt, und je bitterer der Winter sür Deutschösterreich wird, desto weniger wird man sich hier um die Gebote, Ermahnungen und Befehle der als unfähig erkannten Entente scheren. Der lieliente Weltpoft-kougreß in Madrid. In der spanischen Hauptstadt tagt jetzt der sieben»? W^li^stkongr»^ Die Eröffnung hat in An» Wesenheit der Mitglieder dcs königlichen Hanfes in den Prcchifäle« der Senatsgebäude stattgesunden. Die Eröffnungsrede hielt König AlfonS. Wie bekannt, datiert die Wellpostunion vom Jahre 1635 und umfaßte damals 37 Millionen Quadratkilometer mit 35V Millionen Einwohner. Bis zum Jahre 1914 hat sich der Wirkungskreis der Union auf ein Territorium von 113 Millionen Quadratkilometer und aof säst eine Milliarde Menschen ausgedehnt. Ja der Union sind 77 Nati« oi.cn mit gewesenen Staatspräsidenten, Ministern, Direktoren, höheren Offizieren usw. vertreten, denen ein großes Gefolge von Technikern und Attache»» zur Verfügung steht. Der siebente Weltpostkongreß wird eine große Arbeit bewältigen messen. Nicht wenizer als 293 Paragraphen der Statuten der Union sollen ab» geändert werden. Die Abänderungsvorschläge haben Kommissionen zu unterbreiten, deren sechs bereit« am ersten Tage der Virhandlungen gebildet wurden. Bezeichnender!" :se hat man vkrgefsen, in diese Kommissionen Amerikaner hineinzuwählen. Die hervorgehen. Au« den Vertretern der städtischen und «reiSsowjet« entsteht der Prooinzialkongreß. In diesen entsenden je 25.000 Bauern und je 5000 städtische Wähler Ihre Delegierten. Jeder Sowjet wählt ein Exekutivkomitee al» ausführende Stelle. Di« Räte stnd demnach zugleich gesetzgebende, ausführende und kon» trollierende Organe. Ihre Mandate sind stet« widerruflich. Die höchste Instanz ist b«r allrussi'che Sowjet« kongreß, welcher au« Vertretern der städtischen und der GouvernementSsowjet» besteh:. Hieb.« ist, wie beim Prcvinzialkongreß, da» Uebergewicht de» städtischen Proletariat« dadurch gewährleistet, daß die Städte auf 25.0(10, die Gouvernement« auf 125.000 Wähler einen Abgeordneten entsenden. Die Räte der Fabrik und dr» Dorfe« sind neben-bei auch zusammengefaßt zu Zentralorganen der wirt« fchafilichen Leitung und zwar zunächst innerhalb de« betreffenden Wirtschaftszweige». Jeder solche Zweig er-hält einen Zen^ralwirtschast'rcu, so beispielsweise ein ZentraltextilZentraltabik , Zentralpapier-, Zentral» lederrat usw. Von diesen Zentralstellen erhalten die lokalen Räte die Anweisungen aus wirtschaft.tchen» Gebiete, von den Zentralräten auf politischem Gebiete. Die Zentral« und WirtschaftSstellen stnd endlich zusammengefaßt zu einem obersten WirtlchaftSrat, der die ganze ge-sellichaftliche Produktion und ltonfumtion nach einheit« lichen Grundsätzen zu regeln hat. Seite 2 Amerikaner haben sich kühl abgesondert und interessieren sich fast ausschließlich nur für Fragen, oie sich auch auf die überseeischen Siaaien beziehen. Ueberhaupt k»nd die europäischen Nitivnc» aus der stanzen Tagung die Wortsührer, denn der größte Teil der vorzunehmenden Abänderungen bezieht sich auf das nach dem Kriege neugestalte!« Europa. Die Statutenbestimmungen der Weltpost-Union soll den veränderten europäisch?« Verhältnissen angepaßt werden, ebenso plant man Erleichterungen für die valutaschwächeren Länder. Amerika will da aller-dingS nicht mitmache». Schon haben alle ameri« kanischen Vertreter einen „Amerikablock* geschlossen und sich für die Beibehaltung der Befchlüsfe deS im Jahre 1911 in Monieoideo abgehaltenen Weltpost» kongreffes ausge'prochen. Außerdem wollen sie sich bis zu dem in 1921 in BuenoS-AyreS abzuhaltenden panamerikanischen Postkongreß in keiner Weise durch neue Beschlüsse bezüglich der Wellpost-Union binden lassen. i Zwischen den Vertretern der europäischen Staaten wird ein überaus freundlicher Vermehr ge» pflegt. Selbst die Franzosen nähern sich lieben», würdig und zuvorkommend dm ehemaligen Feindet». An dem Ton der Debatten und des auveramtlichen Verkehre? merkt man deutlich die allerseitig« Absicht, jede politische Reibungsflüche jorglältigst auszuschalten, damit der Kongreß, dessen Dauer auf etwa sechs Wochen geplant ist, nicht durch Zwischen-fällt gestört werde. Palilisch? Rundschau. Zntand. Nachträgliche Feststellungen zum Vertrage von Santa Margherita Ligure. Der italienische Senat hat den Vertrag von Santa Margherita Ligure mit 215 gegen 29 Stia»-men genehmigt. Bei der Erörterung d«S darauf bezüglichen Gesetzentwurfes hielt der Außenminister Graf Eforza eine längere Rede, wobei er einige glatte und gleisnerische Worte an die Adresse des jugoslawischen Staates richtete, welche einen Teil unserer Presse in einen wahren Eni;ück»ngStaum«l versetzen. Wichtiger al» diese phrasenhaften Schaum-schlägereien sind die Feststellungen, mit denen er das Verhalten der südslawischen Delegierten gegen-über den italienischen Bevollmächtigren kennzeichnete. Graf Csorza sagte u. a.: Die serbischen Vertreter anerkannten freimütig, daß viermalhunderltausen» und noch mehr Slawen, die sich im Lause der Jahrhunderte dieSseitS der Alpen niedergelassen hoben, nicht von Italien abgetrennt werden Lürfen. Wir vermeinten, daß die Jugoslawen die Jsonzo» grenze verlangen würden, aber sie dachten nicht einmal einen Augenblick im Traume daran, mit unaufrichtigen Worten den Ernst und die Würde der Verhandlungen zu vermindern. — Diese Er. klärungen deS italienischen Staatsmannes bieten keine Ueberrajchung, da sie die Haltung der jugo- Der allrussisch« Sowjetkongreb wird mindesten« zweimal im Jahre einberufen. Er wählt da« allrussische Zentraltxtkutivkomite« von höchsten« 20l) Personen, welche« dem Kongresse verantwortlich ist. Diese« Ko-mit«« ist die oberste gesetzgebende, verfügende und kon» trollirrrnde Behörde. Da« Zcntralexekutivkomitee bildet den Sowjet der Volk^kommissäre, diese üben die all-gemeinen RegierungSfunktionen aus. Ihre Verfügungen können vom Zentralexekutivtomitee jederzeit aufgehoben werden. Die Bolkskvmmissäre stehen an der Spitze von 18 Volkskommissariaten wie MspielSwelse Auswärtiges, Kriegsmarine, Innere«, Justiz usw. Bürger der Sowjetrepublik stnd ausschließlich die arbeitenden Klassen. Artikel 13 nennt al» solche alle, die ihren Lebensunterhalt au» produktiver und gesell-schaftlich nützlicher Arbeit bestreUen, Bauern nur insofern«, al« sie keine Lohnarbeiter zur Erzieln», von Gewinn beschäftigen; endlich Soldaten und Angehörige de» Proletariat«, di« arb«it«unfähig geworden stnd. Da« aktiv« und passive Wahlrecht ist allen Pri« vatkaufleuten, Haadelsunlernehmern, Seisilichrn, «Sei» steskranken und schweren Verbrechern, vor allen aber Personen, die Lohnarbeiter hallen oder von a,beit«> losem Einkommen lebcn, entzogen. Der eigentliche Bürgerstand bat nach der Ver» fassnng keine Rechte, wohl aber Pflichten. Er ist nur Objekt der Gesetzgebung. Für ihn gilt die allgemeine Arbeitspflicht und die allgemein« Wehipflicht. Erster« zunächst nur für Personen eingeführt worden, die mehr al« 5000—6000 Rubel monatliche« Einkommen haben. Für den Bürgerstand wurde «in ArbeitS- und Cillier Zeitung slawischen Delegierten genau voi der S:ite beleuch-ten, wie wir sie vor und nach dem Abschlüsse des Vertrages dargestellt haben. Ungeklärt ist nur die Frage, warum die Verhandlungen, da die sachlichen Differenzen doch so geringfügiger Natur waren, sich ursprünglich so lauge verschleppien und dann plötzlich so schlagartig überstürzten. ffi'N« unsere Vertreter aber schon einmal entschlossen waren, Opfer zu bringen, so ist die Raschheil ihrer Ent-scheidung immerhin dankbar anzuerkennen: wenig-stens ist ihr Aufenthalt in Santa Margherita Ligure den Staatssäckel nicht so immens »euer zu stehen gekommen als dies bei zwecklos sich in die Länge ziehenden Verhandlungen naturgemäß der Fall ge« wesen wäre. Forderung nach exemplarischer Bestrafung d'Unnunzios In einem längeren Aufsatz- erklärt SlovenSki Narod, daß einem freundlichen Einvernehmen zwischeit Jugoslawien und Italien eigentlich bloß d'Annunzio im Wege stehe. In folgerichtiger Verfolgung dieser Ansicht stellt daher daS Blatt die Forderung auf. daß die italienische Regierung diesem Manne von StaatSwegen daS Handwerk legen müsse, un» schreibt u. a. wörtlich solgendeS: Im Jüteresse beider Völker liegt es, da» d'Annunzio als Rebell, nicht aber al? nationaler Held behandelt werde. d'Annunzio hat unsere völkische Ehre so tief beleidigt un» unsere küstenländische Bevölkerung so schwer geschädigt, daß wir in keinem Falle die Rolle des barmherzigen Lameriter« spielen können. Im Verhalten gegen d'Annunzio zeigt sich der gute oder schlechte Wille der italienischen Regierung deutlicher als in jedem anderen Akte, den sie bei der Durchsührung des Vertrages von Rapallo unternimmt. Wenn deshalb Herr Giolitti im Interesse Italiens die Jugoslawen sür eine wirkliche Verständigung mit Italien gewinnen will, dann muß eS vorher d'Annunzio exemplarisch bestrasen, bevor die Rede von einer Annäherung sein kann, soweit diese nach dem Vertrage von Rapallo über« Haupt möglich ist. — Diese Ausführungen deS führenden Organes der slowenischen Intelligenz kinnten leicht mißdeutet werden, da sie die Ver-mutung nahelegen, daß der beim Abschlüsse de» Ver-trageS von Santa Margherita Ligure zur Schau getragene Schmerz doch nicht so bedeutend gewesen sein mochte, wenn der Verlust von Hunderttausenden von Slowenen nunmehr durch die Opferung eines einzigen Italieners wettgemacht werden könnte. Aber eine solche Erwägung würde auf einer irrigen Vor-auSsetzung beruhen, da der Aufsatz nicht sür daS inländische Publikum geschrieben ist, sondern auf die italienische Regierung wirken soll. Man weiß von früheren Fällen her, daß solche anS Ausland gerichteten Artikel aus irgend eine Weise den Adressaten in die Hände gespielt werden, und kann von der Anwendung der gleichen Methode auch diesmal über-zeugt sein, obwohl der italienische Text aus begreiflichen Gründen nicht beigefügt ist. SlovenSki Narod versucht nun in dem Bestreben, daS bewunderte Vorbild der italienischen StaatSkunst nachzuahmen, Konsumbuch eingeführt. Jede Familie erhält ein Buch, in welches die Arbeitsleistung der Familienmitglieder «ingetragen wird. Die Eintragung ist von der Ort«» behörde zu beglaubigen. Fehlt die Beglaubigung, so wird die Brotkarte verweigert, eventuell sogar da« Vermögen konst«zirrt. Eine Möglichkeit, die Bestäti« gung zu erzwingen, hat der Bürger nicht. Die Per» pfleg«rationen für diese stnd viel geringer, al« für die Werkiätigen. Artikel 14 bestimmt die Beseitigung der Abhängigkeit der Presse vom Kapital, um den Werk-tätigen ein« wahr« Freiheit in der Meinungsäußerung zu gewährleisten. Alle technischen und materiellen Mittel zur Herausgabe von Zeitungen und Büchern wurden d«n Arbeitern und armen Bauern übergeben. Diese Presseerzeugnisse haben freie Verbreitung. Die Versammlungsfreiheit besteht nur für die Werktätigen. Sie erhalten vom Staate die Lokale für Volksversammlungen nebst Einrichtung, Beleuchtung und Beheizung. Da« VercinSrecht besteht nur sür die Arbeiter und armen Bauern. Auf dem Gebiete d«r Volksbildung erhalten alle Arbeiter und besitzlosen Bauern unentgelllich eine vollständige und allseitige Ausbildung. Die allgemeine Wehrpflicht gilt in der Form, dasi jeder Proletarier mit der Waffe, jeder Bürger mit sonstigen Diensten d«r Sowjetrepublik zur Ver-fügung stehen muh. Diese Entrechtung de» eigentlichen Bürgerstande» soll insolange dauern, bi» die Durch-führung de» SozialiSmuS gesichert und mit der Auf-Hebung der Klassengegensätze die Bürgerschaft ver-schwunden ist. (Wird fortgesetzt.) Nummer 101 durch die etappenweise Ausstellung von Forderungen diplomatische Lorbeeren zu erringen, wird jedoch srmen Zweck deswegen nicht erreichen, weil es tak-tisch ungeschickt ist, den Stier bei den Hörnern an-zupacken. Wenn schon Deutschland als besiegter, Staat sich erfolgreich gesträubt hat. die sogenannten Kriegsschuldigen nach dem Diktate der Sieger zu bestrasen, so wird da» siegreiche Italien feinen nationalen Hero» auf Wunsch eiaS „verbündeten Freundes" noch viel weniger zur Rechenschaft ziehen wollen. Und das schon deswegen nicht, weil die italienische Regierung mit d'Annunzio unter einer Decke steckt. Die schön gedrechselten Phrasen der römische» Staatsmänner sollten doch niemand dar-über täuschen, daß G>olittt und d'Annunzio ein Spiel mit verteilten Rollen spielen. Drohung mit einer slowenischen Los von Rom Bewegung. DaS in Cilli erscheinende Organ der slowenisch, demokratische» Partei nimmt die aufregende Tatsache, daß bei der Mifsiontbeichte in Frudau die »ortigen Sokolistinnen, um die LoSsprechung zu erdalten, angeblich versprechen mußten, aus dem Sokolverein auszutreten, zum Anlasse, um sich an den Mifsio« »ären mit der Androhung einer slowenischen Los-von-Rom-Bewegung zu revanchieren. Die zornige Grimasse richtet stch an die Adresse de» Marburger Bischoss und an die „übrigen Häuptlinge des KlerikaliSmuS', welche eine solche Verhetzung durch die Missionäre dulden, und macht ihnen den demo« kratischen Standpunkt wie solgt klar: Täuschet euch nicht! Wir haben noch einen anderen Weg, um eure finsteren Pläne zu durchkreuzen. Eure Gewalt» tätigkeit wird einen Widerstand und eine Gegen-bewegung in einer Richtung erzeugen, die euch am wenigsten angenehm sein wird, den Uebertcitt zur serbischen Kirche! Wir warnen rechtzeitig. Serd überzeugt, alle vom Bischof bis zum letzten Kaplan, daß eure Herausforderung «ine Massenbewegung zum Eintitt breiter Schichten unseres Volke» in die rechtgläubige Kirche, wo bisher der Glaube noch nicht für politische Zwecke mißbraucht wurde, herauf-beschwören kann. ES liegt an euch, dem Kampse in dieser Richtung auszuweichen. — Da» demokratische Blatt verleugnet auch in dieser Gebärde nicht den bereit» zu wiederholten Malen konstatterten Mangel an logischem Denkvermögen. Denn wenn der Mißbrauch der katholischen Religion zu kleri-taten Zwecken tadelnswert ist, so kann doch wohl die Entsachung einer LoS>von Rom-Bewegung aus demo-kratischen Gründen nicht lobenswert sein. Man kann im übrigen ganz beruhigt sein, daß die demo-kratischen Führer stch gar kein Gewissen daraus machen würden, auch daS katholisch« Weihwasser auf ihre parteipolitische Mühle abzuleiten, wenn st« auf diese Kunst so gut einstudiert wären wie in Slawe-nicn die frommen Missionäre oder in Kroatien die sreigeistigen Radicianer. DaS aber ist der springende Punkt! In den breiten Massen der Bevölkerung haben die demokratischen Häupter, wie die letzten Wahlen bewiesen haben, einen recht bescheidenen Anhang und ihre Faustjchläge gegen den KlerikaliS, muS sind Slöße in die leere Luft. DaS eigene Interesse wird es ihnen gebieten, daS religiöse Gebiet nicht zu betreten und es bei der drohenden Gedärde bewenden zu lassen. Denn «ine orthodoxe U-bertritis-bewegung würde m Slowenien die überwiegend« Mehrheit der demokratischen Wählerschaft abstoßen und von der Partei nicht mehr viel übrig lassen. Ausbruch eines Kohlenarbeiterstreikes in Slowenien. Die kommunistischen Versuche, die mitteleurv-päischen Länder für den Bolschewismus zu gewinnen bezw. vorzubereiten, äußern sich im fast gleich, zeitigen AuSbruch von ArbeiteistreikS in verschie-denen Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie. Nach Böhmen und der Slowakei ist nun auch Slo, wenien an die Reihe gekommen. Die gewaltigen Lohnforderungen, die im vorliegenden Falle auf eine 134 Prozent ige Erhöhung emporzeschraudl wurden, bestätigen die Annahme, daß es die Führer auf eine Kraftprobe abg«frh«n haben, mag n»n der Streik wie immer beendet werden. Am 17. De-zember pünktlich um 2 Uhr nachmittags stellten die Arbeiter in den Bergwerken von Trifail, Hrastntgg, Sagor, Reichenburg und Gottschee wie mit «,nem Schlage die Arbeit ein, nur die Grub« Hudajama bei Tüsfer hat sich bisher der Bewegung noch nicht angeschlossen. Der Schade», den unsere Volkswirt-schast durch den Kohlenarbeiterstreik erleidet, ist enorm, da die Bergwerke der Trifailer Gesellschaft in der letzten Zeit ein TageSquantum von 350 Wag-gonS förderten, was dem Werte von eindreiviertel Millionen Kronen entspricht. Die Regierung hat die Stummer 101 CiNier Zeitung Seite 3 in solchen Fällen üblichen Maßnahmen (militärische Bereitschaft, Alkoholverbot, GasthauSsperre, 8 Uhr-Torschluß u. a.) angeordnet und wird Ausgleich?» Verhandlungen zwischen der Trisailer Gesellschaft und den Arbeitern anzubahnen versuchen. Infolge des Streiks hat sich die Süsbahtl zu einer empfindlichen BerkehrSeinschränknng entschlossen; bei län> gerer Dauer werden auch manche Industrie zu Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen gezwungen sein. Ausland. Monarchistische Pläne in der Tschechoslowakei. Ein Präger tschechisches Blatt gibt ein Momo-rundum wieder, das der General Biskupski einer sogenannten „geheimen internationale» Monarchisten-Toitferenj" in Budapest vorgelegt haben soll. Nach die>em Memorandum soll eine politisch mtlilärische Zentral« errichtet werden, deren Ziel die Wieder-Herstellung der Monarchie in Rußland, Deutschland. Ungarn nnd in der Tschechoslowakei wäre. Ruhland soll alle Randstaaien, Deutschland da» Saargebiet, die Rheinprovinzen und Posen. Ungar» die Slo-wakei und Siebenbürgen zuiückerhalt«n und Böhmen soll mit Oesterreich einen föderalistisch'monarchistischen Staat bilden. Im großen und ganzen soll also der europäische Zustand von 1914 wiederhergestcut werden, nur daß dem General eine Monarchie nach englischem Muster vorschwebt. ES soll bereits ein detaillierter OrganisationS- und Akiionsplan au«» gearbeitet worden sein. Z» diesem Zwecke sollen die Reste der Armee Wrangel, di« ukrainischen und weißrussischen Armeen, sowie die über ganz Mitteleuropa verstreuten russischen Gefangenen und schließlich die ungarische Nationalarmee verwendet «erden. DaS Unternehmen soll durch falsch, russische Banknoten finanziert werden, dessen Herstellung in Deutsch« land bereit« sichergestellt sein soll. Der ganze Plan mutet etwa» phantastisch an, doch behauptet die Proger Zeitung, für die Richtigkeit dieser Angaben einstehen zu können. Die Prehburger Konferenz. Die Konferenz, die angeregt wurde, um hauptsächlich di« Verkehrs«! schwernngen zwischen d?n Nationalstaaten zu dcseiii^:!,, wi.d dem Benehmen nach im Jänner sta»siuden, wenn auch der Ort noch nicht feststeht. Der Anreger, der amerikanisch« Oberst Smith, weilt« kürzlich in Prag und «S soll ihm gelungen fein, den grundsätzlichen Widerstani, der maßgebenden Kreis« gegen die Abhaltung der Konferenz zu beseitigen. Zur fei' ei» Z-it weilte auch der dtUtschöst«rr«ichilche £>ani> l»minist«r Heinl in Prag, um mit der tschechnstowakiichen Regierung wegen eineS Handelsvertrages zu verhandeln. DaS Ergebnis wird ebenfalls a!S günstig bezeichnet, da die tschechoslowakische Regierung bemüht zu sein scheint, auch vor Beginn der Preßbnrgcr Konferenz mit der deutschösterreichischen Regierung zu einem hvndelSpolitischen Einvernehmen zu gelangen, Dom Völkerbünde. Die Völkerbundversammlung in Gens hat in den BölkerbundSrat, dessen AmtSdauer ein Jahr be» tragen soll, Spanien, Brasilien, Belgien (in der Stichwahl gegen China) und al» nichtständiges Rattmitglied China gewählt. Ueber Antrag vcS Kommissionspräsidenten HuucoS, eines Chinesen, wurden sodann Deutichösterreich, Bulgarien, Finn-land, Luxemburg und Cnstarica in den Völkervund ausgenommen. Von den großen Staaten gehören Amerika, Deutschland und Rubland dem Völker» bunde nicht an, Argenlinitn ist ausgetreten. Zur Ausnahme DeutschSsterreichs in den Völkerbund. Die deutschösterreichiiche Republik ist nach einer von Haß gegen Deutschland triefenden Rede VivianiS einstimmig in den Völkerbund aufgenommen worden. Mit der bitteren Empfindung schmachvoller Ernied» rigung muß Deutschösterreich sich dieseS Schauspiel gefallen lassen; trotz;«m erklären die Wiener Blätter übereinstimmen», daß dir demütige»;« Prozedur mit auseinander gebissenen Zähnni ge^uldiq hingenommen werden müsse. Denn ersten« e,halte Deutjchösterreich durch die Mitgliedschaft am Völkerbünde das Recht, die Interessen der Deutschen in anderen Staaten zu wahren, und ein Blick aus die Bedrückung der Stammesbrüder in der Tschechoslowakei beweise, daß hiezu leider anSgiebige Gelegenheit geboten sei. Und zweitens erlange imnmehr Deutschösterreich die Mög» lichkeit, den Anschluß an Deutschland im Schoße des Völkerbundes selbst zu betreiben. Der Artikel 10 des Statutes schütze, wie der Schweizer Bundes» präsinent Motta festgestellt habe, das Gebiet eln-S Bölkerbundmitgliede« nur für den Fall äußerer An» griffe, steh« daher der Ausübung des Selbstbe-stimmungsrechtes de: deutschösterreichischen Länder nicht im Wege. Wohl aber sei Dcutfchösterreich in feiner Bewegungsfreiheit durch den Bertrag von Saint-Germain behindert, dessen Abänderung an di« Zustimmung deS Völkerbundes gebunden sei. Da nun das Völkerbnndstatut nicht zweierlei Klassen von Mitgliedern kenne, solche mit eingeschränktem und solche mit uneingeschränktem SelbstbestimmangS« rechte, so werde die d«u!schöst«rreichische Regierung Aufklärung darüber verlangen müssen, ob der § 10 des Völkerbundstatutes oder die Anjchlußklausel des Friedensvertrages in Geltung sei. Argentinien und di« Völkerbund Versammlung. Nach einer Meldung deS Mssaggero aui Buenos Aires wird der Austritt dcS argentinischen Delkgicrten Pueyrredon auS der Völkerbundver-sammlung von einem Teile der argentinischen Presse mißbilligt, weil dieser Staat dadurch in Berein-samunz versetzt worden sei. In R»gierungSkreisen wird demgegenüber erklärt, daß Argentinien in der Genfer Versammlung nicht auS selbstsüchtigen Gründen, sondern zum Schutze eines hohen J)cal« der Zivilisation cijchiciuu ser, nämlich um zu verhüten, daß auch nach dem Kriege zwischen den Nationen Haß, Rachsucht und die alten Vorurteil« herrsche». Durch die von Pueyrredon verkündeten Grundsätze habe die europäische Diplomatie, die ihr« Politik noch imm^r aus Geheimnisse und Ränk« gründe, «inen schweren Schlag erlitten. Was die Nachteile der angebliche» Vereinsamung betrifft, in welch« die argentinische Republik durch ihren AuS-tritt auS der Völker^undversammlun^ geraten sein soll, so befinde >ie sich in bester G-sellschist, da viel« zivilisiert« Länder noch auzerhalb de« Völker-bundeS stehen. Schweizer Prafldentschastswahlen. Die Bereinigte Zun^esversarnnlunz Hit mit 136 von 167 gültigen Stimmen den Bundesrat Edmund Schultheiß zum BandeZpräsidenten und zum Vizepräsidenten des Bundesrates Hiad gewählt. Zim BaiidkSzerichtZpräsioeuten ist BundeSrichter Ostertag mit 148 von 155 Stimme» gewählt worden. ^ Aus LIM uui> Land. Siloesterfeier des Tillier Männer-gesangvereeS AbendeS werden i» den nächsten Blattfvlgen mitgeteilt werden. Separate Einladungen zu dieser Silvesterfeiec er-gehen nicht. Evangelische Gemeinde. Die Weihnacht«- . festgotteSdienste finden an beiden Festtagen vormit» tagS um 10 Udr, und zwar in der Christuskirche statt. Das heilige Abendmahl wird am ersten Fest? tage gespendet werden. Evangelisches. Am zweiten Weihnach!Stage, d. i. am 26. Dezember nachmittags um halb 3 Uhr, wird in P e t t a u im Betsaale der Fiiialgemeinde ein FcstgotteSdienft stattfinden und anschließend daS heilige Abendmahl gereicht werden. FranzöfisHe? Klub in Cilli. Wir wer-den um Aufnahme folgender Mitteilung ersucht: Atle jene, welche der französischen Sprache mächtig sind und französische Konversation und Lektüre pflegen wollen, werden zu der am Mittwoch, dem 22. Dezember, um 8 U^c abends im kleinen Zimmer des Kasieehanses N irodna Kavarna stattfinden-den Besprechung geziemend eingeladen. Hiebei soll die Gründung eines französischen KlubS beschlossen und die BereinSfatzungen definitiv festgesetzt werden. Meldewesen. Die Polizeiabteilung in Cilli ersucht um Veröffentlichung der nachstehenden Verlautbarung : Anläßlich der Einrichtung deS Melde-amteS und der Reklamationen bei den letzt«» Wah-l«n macht« dir Polizei die Wahrnehmung, daß »er-fchiedene Hausherren die Fremden und die Parteien, die in ihre Häuf«r «ingezogen waren, nicht vor-fchriftSmäßiz angemeldet hatten. Ob dieser Sorg-losigkeit wurden die Schuldtragenden bestraft. DaS Publikum wird deshalb neuerdings aufmerksam ge-macht, daß jede neu zugewachsene oder abgegangene Partei innerhalb 24 Stunden an- bezw. abzumelden ist. Weiler« wird wahrgenommen, daß die bezüg» lichen Scheine sür die An-» und Abmeldung nur flüchtig oder schwer leserlich auszesüllt werden. In Zukunft werden derartige Scheine auf Kosten und Verantwortung der Parteien zurückgewiesen werden. Denn solche Fahrlässigkeit erschwert oder verhindert die Ausforschung der von der Polizei gesuchten Personen. Die vorschriftsmäßige und rechtzeitige An» Meldung ist nicht nur sür die Sich«rheitSbehörd«, sondern sür die Parteien selbst von großer Bedeu-tung. da diese früher oder später ein« genauen Bericht über die BequartierungSverhältnisse in Cilli benötigen, den aber daS Meldeamt nicht ausfertigen kann, wenn die Panel nicht vorschriftsmäßig angemeldet ist. Ebenso können Anfragen betreffend die Adresse der einen oder oer anderen Person nicht verläßlich beantwortet werden, w'nn die betreffende An- bezw. Abmeldung fahrlässig vorgenommen wurde. Die Volkszählung» die'für den 31. De-zember 1920 in Aussicht g«nomm«n war, ist auf Qttaww IrtOl wnrh«n Gegen di« Deutschen ist alles erlaubte von deutscher Seit« ist schon «ft darauf hingewiesen worden, daß die widerrechtliche Weg-nah«« deutschen Eigentum« und di« Verweigerung d«S Rechtswege», die von den Organen der Rqie-rung den deutschen Bereinen gegenüber vielfach ge» übt wird, wie nicht «ind«, die verhetzende Schreib« »eis« einer gewissen Press« da« Rechtsgefühl der slowenischen Bevölkerung beeinträchtigen müssen und den, wi« di« Wahlen beweisen, keineswegs unge-sührllchen Bolschewismus züchten. Ein geradezu typischer Fall, der die Richtigkeit dieser Behauptung bestätigt, wurde dieser Tage vor de« Laid«ch«r Schwurgericht »erhandelt. Angeklagt war der Ge-nwhnheilSdicb Johann Pavlic, dem »Nter anderen auch mehrere Villeneinbrilche in Boldes zur List gelegt waren. Vom Vorsitzenden Ader diese befragt, äußerte er sich (nech de« Stricht« deS Slovtnski Narod» wörtlich: „Ich ka« zur Villa .Kajtimar' des Herrn Tribuc. Ei, war ganz von Spinn» geweben überzogen. Da dachte ich »ir: Hier wird et gut sein l Ich kroch durch «in Fenster ins Hau« und hielt «ich zwei Tage darin auf. Ich schlief darin, kochte und packte ein. Für meine Wohnung in Karlstadt raffte ich «ine riesig« Menge von Wäsche und Küchentinrichtung zusammen. Vorhänge. Teppiche, Spitzen, alle« packte ich zusammen.* Aus die Frage de« Vorsitzenden, warum er gerade di«se Villa so ausplünderte, sagte Pavlii: „Ich dachte, daß die Villa einem Deutschen gehöre. Ich fand nämlich dentsche Zeitungen und habe daraushin noch eisriger zmawm«n>«packt . . Man sieht also, der Verbrecher Pavlic führt den Umstand, daß er der Meinung war, »inen Deutschen auszuplündern, geradezu al« MilderungSgrund an. Nun, zusätllg ist «in Slowene zu Schaden gekommen. Er »ag sich dafür bei jenen bedank«», dir den Died durch di« Lehr«, daß di« Deutsch«« vogelfrri skien, in seinem verbrecherischen Vorhaben noch bestärkt haben. Gepflogenheit, deutsche Slädtenamen wie Graz, Wie» usw. mit d?n deutschen Bezeichnungen zu benenne». Er sagt, daß die hiefür «inzebürgerten slawischen Namen in der Sprache ein geschichtliche« und faktisches Recht besäßen, ebenso wie jede« andere Wort, welches im Laufe der Zeit dem sprach-lichem Wortschatze einverleibt wurde. — Das ist ein Standpunkt, der sicherlich kaum widerlegt werden kann. ES wird auch in der slowenischen Journalistik wohl niemand existieren, der dagegen irgend einen Widerspruch erheben könnte. Anders steht es freilich, wenn die Medaille umgedreht wird un» Orte, welche sich auf südflawischem Territorium befinden, mit einem historisch eingelebten deutschen Name» be» zeichnet werden. Für beschränkte Schwarmgeister bedeutet jede solche deutsch: Ortbbezeichnung schon Seite 4 Cillier Zeitung Nummer 101 ein Loch im jugoslawischen SlaatSgedäude. ES ist sür die mitteleurcpäische» Völker gewiß kein Ehren-mal, daß sie sich wegen der Benennung ron Städten und Dörfern herumstreiten, und eS läßt sich thcore» tisch ganz gut ein späterer Zeitpunkt denken, wo einmal die Menschen solchen kleinlichen Hader in die Rumpelkammer der Vergangenheit geworfen haben werden. H>e,u ist sreilich erforderlich, daß sich die gewissen Schwarmgeister außer nationaler Duldsamkeit auch eine geringsügige Kenntnis d-s andertsprachigen Luutsystevid aneignen. D'e sprach-liche Angleichung von sremden Ortdbezeichnungen war seit alterLhcr nicht ein Gegenstand völkischer Gesinnung, sondern ein Produkt sprachgesetzl>cher Entwicklung, mag es sich nun um slawische Namen für Wien, Salzburg, Innsbruck, München, Frank-surt oder um deutsche Bezeichnungen wie Laibach, jlrainburg, Mötiling, Trieft, Mailand, Ntapel usw. gehandelt Haien. Neue deutsche Briefmarken. Die AuS-gäbe der neuen deutschen Br>esmarkenjerien wird sür denMrnotJänner erwartet. Zuerst werden die kleinen Werte von 5 bis 30 Pfennig ausgegeben werden. Die Entwürfe sind fast durchwegs von Münchener Künstlern ausgeführt worden. Die große Zeichnung der Ziffern steht aus duuklcm Grunde in einer straffen Umrahmung, darübcr in goihischen Lettern: Deutsches Reich. Dir 40 Pfennig.Marke zeigt Echuuede bei der Arbeit. Die höheren Werte von 1 M. anfträrtS werden den deutschen Reichsadler im Mittelfelde enthalten. Weile,S werden bei den neuen Marken zwei preisgelrönte Entwürfe, ein Posthorn in ovaler Umrahmung und eines mit einem Oueroval zur Verwendung gelange». Millerands Kußstreik. Der Präsident der französischen Republik hat neben anderen wich-tigen Ausgaben auch die, alljährlich eine große An« zahl Küsse auszuteilen. Die Ritter der Ehrenlegion, die von ihm persönlich ihre Auszeichnung empfangen, die weibliche» Studinten der Universitäten, die mit ^pieifen bedacht werden, die kleinen Mädchen, die ihm bei Empfängen einen Blumenstrauß darbieten, und die Knaben, die zur seiner Begrüßunng pattio« tische Berie aufsagen, sie alle wurden früher von de»! Präsidenten umarmt iund geküßt. Man schätzt die Zahl der Küsie, die der Präiident so bärtigen und unbäNigrn französischen Gesichtern im Jahr aufdrücken muß, aus mindestens tausend. Mille rand aber, der überhaupt in muncher Hinstchf^von den Traditionen der Präsidentschaft abweicht, streikt! Er hat kategorisch erklärt, daß er unter keinen Umständen bei den/ Gelegenbeiren küffen werde, bei denen es bisher üblich war. und die Ritter der Ehrenlegion ebenso wie die jungen Studentinnen und die kleinen Mädchen werden sich mit diese« unwiderruflichen Entschluß ihres Staatsoberhauptes alsinden wüsten. Wirtschall irni) Verkehr. Aushebung der Sequester. Der Justiz, minister hat dem Ministerraie einen Vorschlag über die Aufhebung der Srquestcr unterbreitet, da diese der Gegenstand der Kcrruplion waren und der Volkswirtschaft unberechenbaren Süaden zugefügt haben. Die Regierung verlangt von Deutfchöirerreich, daß eS die Sequester Über daS Vermögen der füö-slawischen Staatsbürger aufhebe und ihre dort be-sindlicken Vermögenöieile ausliefere. Von der Er» füllung dieses Verlangens wird daS weitere Vor-gehen der Regierung abhängen. Ratenweise Zahlung der Kriegs-gewinnsteuer. Das Ägrawer Tagbtalt veröffent-licht nachstehende Mitteilung der dortigen Handels, kammer: Jenen Steuerzahlern, welche glaubhaft nachweisen, daß sie die Kriegsgewinnsteuer innerhalb des gesetzlichen Termines nicht zahlen können, kann der Delegierte dcS Finanzministeriums gestatten, eine günstigere Abzahlung zu bewerlstelligeu, derart, daß die Utzte Rate spätestens acht Monate anzefangen vom Tage der Einhändigung deS Zahlungsauftrages eingezahlt werden kann. Sollte aber beim Exekution»« verfahren festgestellt werden, daß durch die Besteuerung die Existenz des Steuerträgers ver« nichtet würde, so kann der Finanzminister über Bitte der Partei und über Vorschlag der Finanz« behörde einen Teil der Steuer abschreiben. Bitt-gefuche sind in der Zeit von 30 Tagen nach der Verständigung über die Exekution einzureichen. Einsuhrerlaubnis sür einige Artikel. Der Finanzausschuß genehmigte die Einfulir voa Feigen in Kränzen und lose, in Säcken. Kisten und Körben über 5 kg Gericht. Edenfo Orangen und Dochte (Schnürt) für Kandüen. Weiter ist die Ein-fuhr des Zeichen- und SchreibmaterialeS für Schul« zwecke uud Papierzubehör, mit Ausnahme der mono-poiisierten Artikel, gestattet. Neue Vorschriften über Konzessionen an Auswanderer uraus. Räch einer Mit-reilung deS Handel»m>in>uriuw» vom 23. November 19*0 wiesen die deste^euveu Vorjqrinen bezüglich des überseeische« Tranepones von Auswanderern gänzlich aufgehoben und neue herausgegeben. Alle schon überreichten Gesuche für jolche Konjeffionen werden zurückerstattet uud tonnen erst wieder ein« gebracht werden, sobald die neue- Torschriften er« schienen sind. Erhöhung der Preise sür rohen Tabak. Die Movopolveitvaltung plant im »ach. ?!en Jahre die Einlösungspreise sür Tabakblätter bedeutend zu erhöhen. Sie hiftr davuich den Tabakpflanzern einen Ansporn zu geben, die Tabattulkur in größerem Maßslade zu betreiben. Ai-gebiich 'olleu die Preise fo gestellt werden, duß der Bruttoertrag sür ein Hektar Tabik beiläufig auf 10.000 bis 20.000 Dinar zu stehen kommen wird. Bon der erhöhten Erzeugungsmenge wird natürlich auch die Monopolverwallung einen bedeutenven Rutzrn haben, weil viel mehr Tabak zur Ausfuhr getangen könnte. Nach den henngen Erfahrungen schätzt mau Liese Einnahme» (brutto) für daS nächst« Jahr auf fast eine Milliarde Dinar. Bau- u. Möbeltischlerei Joses Mihalic Celjc, Rßariborska cesta 3 (Sägewerk Jänner) erlaubt sich dem geehrten p. t. 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