Po81nins v UrLsv! 8tt8 p»vZslirrmL. Nr. 22. Erscheint am 1.^ IV. und 20. eines jeden Monates. 2. (17.) Iahrg. Bezugspreise: für Jugoslawien: ganzjährig 30 k, halbjährig 18 K. für Österreich: ganzjährig 52 K, halbjährig 26 K. für Amerika: 2 50 Doll. — Einzelne Nummern 1 K. Zur Lage der Deutschen in Jugoslawien. ii. Wie wir gesehen haben, sind die regierenden Kreise in Belgrad gewillt, den Deutschen im Banat und in der Batschka volle Bewegungsfreiheit zu gewähren, in der Voraussetzung, daß die Deutschen im Königteiche SHS nicht bloß ihrem Volke, sondern auch dem Staate die Treue halten. Sowohl die Regierung als auch die serbische Presse stehen der Gründung des Schwäbisch-Deutschen Kultur¬ bundes sympathisch gegenüber Dieser Bund stellt eine rein kulturelle und wirtschaftliche, nicht poli¬ tische Organisation dar, eine Heimstätte für die Pflege deutscher Kultur in Jugoslawien im Rahmen des jugoslawischen Staatsgedankens. Der Bund will das deutsche Erbe der Väter erhalten und bewahren und deutsche Geistesgüler fördern. Für einen Deutschen, der in Slowenien lebt, ist es angenehm überraschend, wie unvoreingenommen die serbische Presse dem Schwäbisch-Deutschen Kulturbunde gegenübersteht. So hat z. B. die serbische Zastava die mustergültige Ordnung, Selbst¬ zucht und das Sclbstbewußtscin, das- der gründenden Versammlung des Bundes in Neusatz herrschte, rühmend hervorgehoben und der Hoff- nung Ausdruck gegeben, daß der Kulturbund den Deutschen alle Möglichkeit zu ihrer Entwicklung gewähren werde unter dem Schutze der demokra- tischen Gesetze von Recht, Freiheit und Gleich, berechtigung. Das serbische Wochenblatt Duma ruft dem Bunde ein „Glück auf!" zu und schreibt, das kulturelle Programm der Deutschen könnte auch den Serben als Vorbild dienen; die Disziplin des Volkes und seiner Führer sei eine Gewähr dafür, daß dieses Programm nach und nach auch verwirklicht werden werde. Fast könnten wir Deutsche in Slowenien mit Neid erfüllt werden, wenn wir solche Äußerungen der serbischen Presse lesen. Wie ist man doch hierzulande von einem solchen Standpunkte noch weit, weit entfernt! Am entgegenkommendsten wurden die Deutschen Sloweniens von allem Anfang an in der sozialdemokratischen slowenischen Presse behandelt. Der Umstand, daß in Gottschee zu einer Zeit, wo sich das Deutschtum im allge- meinen so stark verschüchtert fühlte, slowenische sozialdemokratische Redner zu unserem Volke in seiner Sprache redeten und weil die sozialdemo¬ kratische Presse den Deutschen gegenüber eine geneigtere Haltung einnahm, führte bei uns be¬ kanntlich leider sogar dazu, daß sich ein ansehn¬ licher Teil unserer bäuerlichen Bevölkerung vor¬ übergehend ins rote Garn locken ließ. Mittlerweile ist freilich bereits die Ernüchterung eingetreten und hat man einsehen gelernt, daß man sich aUf einen Irrweg verleiten ließ. Und die bürgerliche slowenische Presse? In den demokratischen (liberalen) Blättern lebte sich in den Monaten nach dem Umsturz zunächst die nationale Leidenschaft aus. Lmäenje! Das war die Parole, das war das Fcldgeschrei des Tages und man weiß ja, was dieses Wort bedeutet. In den besonneneren Kreisen begann sich aber doch allmählich das Schamgefühl zu regen. Man fühlte, daß eine solche zur Humanität in krassem Wider¬ spruch" stehende Haltung weder der eigenen Partei¬ presse noch dem Lande zur Ehre gereiche. Es wurde damals von maßgebender Seite offen und mutig das Wort von der Pflicht der Nächstenliebe Gottschee, 1. August 1920. ausgesprochen und damit dem bisherigen Treiben ! einigermaßen — nämlich wenigstens in den besseren Blättern — Einhalt getan. Die gewissen un¬ würdigen Hetzartikel hörten im führenden demo¬ kratischen Organ auf und wurden von nun an nur mehr in den linksradikalen Blättern abge- lagert, wo wir ab und zu auch Berichte über Gott- schee zu lesen bekamen, die von Unwahrheiten, Entstellungen und Verdrehungen strotzten. Im allgemeinen hat sich die liberale slowenische Presse nunmehr doch wenigstens zu dem Standpunkt durchgerungen, daß, wie die Marburger Zeitung vom 8. Juli schreibt, anderssprachige Minder¬ heiten im nationalen Einheitsstaate so wie Schön¬ heitsfehler hingenommen und geduldet werden müssen, da eine gewaltsame Operation zu ihrer Beseitigung die Gesundheit des ganzen Staates gefährden könnte. Hiezu schreibt die Cillier Zeitung: „Es ist nicht viel, was mit diesen Worten dem Deutschtum geboten wird, kaum eine Anerkenntnis seiner Existenz, keine Würdigung seiner kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung. Aber man muß sich mit diesem Brosamen vorläufig zufrieden geben, da er wenigstens keimhaft die Hoffnung in sich birgt, daß sich die Prinzipien der Demokratie den Deutschen gegenüber allgemach im weiteren Um¬ fange auswirken werden." Die christlichsoziale slowenische Presse hat sich in nationalistischen Fragen den Deutschen gegen¬ über im allgemeinen zumeist einer gewissen Zurück¬ haltung beflissen. Umso mehr bedauerten wir seinerzeit das Erscheinen der „Gottscheer Briefe" im führenden christlichsozialen Blatte, die in einer Zeit, wo es auf uns in Gottschee ohnehin nur so herniederprasselte, ein Zerrbild unserer Heimat- lichen Zustände brachten. Wir haben auch das in Ruhe ertragen wie so viel anderes und es ist ja auch schon längst vorüber. Wir hoffen, daß das christlichsoziale Organ uns Deutschen gegen¬ über immer mehr eine gerechte und billige Haltung einnehmen wird. Christus hat die Scheidewand, die zwischen den einzelnen Völkern aufgerichtet war, nieder- gelegt. Es ist deshalb Ausgabe der christlichen Presse, gegen den übertriebenen, überspannten und ungesunden Nationalismus Stellung zu nehmen, da derselbe zum heidnischen Nativnalhaß, zum unchristlichen Hochmut und zur Auflösung der in Christus geeinten Völkerfamilic führt. Wir glauben also von der christlichen Presse erwarten zu dürfen, daß sie nicht mkr nicht Öl ins Feuer, sondern Öl auf die brandenden Wogen schütten wird, ikm sie zu glätten. Wie wird nun das künftige Schicksal von Gottschee sich gestalten? Man erwartete und er¬ hoffte ab und zu schon dies und jenes. Es handelte sich aber jedesmal nur um private Äußerungen und Inaussichtstellungen aus dem anderen na¬ tionalen Lager, denen die reelle Grundlage fehlte, also um mehr oder minder leere Luftgebilde, denen man vorübergehend da und dort mehr Ge¬ wicht bcimaß, als sie verdienten. Die nationale Zukunft Gottschees wird nach unserem Dafürhalten hauptsächlich von zwei Säulen getragen werden, nämlich von dem im Friedcnsvertrage von St. Germain garantierten Minoritäten schütz und von den einschlägigen Bestimmungen der künftigen z Verfassung. Das sind die beiden Säulen, ! . die das Gebäude unserer Hoffnungen tragen. Aber ! Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt. — Zuschriften werden nicht zurückgestellt. — Berichte sind- zu senden an die Schriftleitung. — Postsp.-Nr. 10.975. Anzeigen-Aufnahme u. -Berechnung in der Buchdruckerei. vergessen wir nicht darauf, daß solche gesetzliche Bestimmungen nur den äußeren Rahmen geben. Unsere Aufgabe wird es sein, darauf zu achten, daß dieser Rahmen auch einen tatsächlichen Inhalt bekomme. Wir werden stets des Spruches ein-» gedenk sein müssen: ViZil3Ntibu8 iurs! Wir werden, ohne hiebei in lästiges Querulantentum zu verfallen, sorgfältig darauf sehen müssen, daß die uns durch den Minoritätenschutz und die Verfassung zukommenden Rechte nicht auf dem Papiere bleiben, sondern tatsächlich zur Durchführung gelangen. In diesem Sinne liegt also unsere Zukunft in unserer Hand. Sie wird so sein, wie wir über sie wachen werden. Würden wir müßig und teilnahmslos die Hände in den Schoß legen und alles gehen lassen, wie es von selbst geht oder wie andere es wollen, dann würde uns weder der Minoritätenschutz noch die Verfassung etwas helfen. Wir werden also klugen und festen Sinnes einträchtig allezeit über unsere Rechte wachen und gegen jede Verkürzung und Schmälerung derselben eintreten müssen. Für diese Arbeittaugennichtbloße Mundhelden, Phrasen¬ drescher, Allesbesserwisser und Nichtsbessermacher, nicht die Trägen, Lässigen und Gleichgültigen, sondern diese Arbeit wird stets die aufrichtige Hingebung der Einsichtsvollen, Fähigen, Klugen und Getreuen erheischen. Wenn wir uns selbst um unsere Rechte nicht kümmerten, würde sich selbstverständlich sonst kein Mensch, keine Partei, keine politische Gruppe unser annehmen; wir würden dahin stechen und allmählich zugrunde gehen, trotz Minoritätenschutz und Verfassung. Es gibt Pessimisten, die nicht müde werden zu jammern und zu klagen: Gottschee ist verloren! Den Gottscheern ist nicht zu helfen, es ist schade um jedes Bemühen! Solchen Unkenrufen dürfen wir kein Gehör schenken. Nur wenn wir uns selbst aufgeben, sind wir verloren, sonst nicht. — Bei dem heutigen Anlasse möchten wir auch unsere auswärtigen Landsleute bitten, sie mögen unsere jetzige Lage richtig beurteilen und würdigen. Unser öffentliches Leben darf nicht durch die deutsch, österreichische Brille betrachtet werden. Man kann und darf von uns nicht mehr erwarten und ver¬ langen, daß wir deutschösterreichisch fühlen, denken und handeln. Unser Vaterland ist nunmehr Jugo- slawien. Wir haben unserem Staate in feierlicher Weise die Treue gelobt und wollen als ehrliche deutsche Männer unser Wort auch halten. Wir wissen wohl, daß von einzelnen unserer auswärtigen Landsleute über uns deshalb Kritik geübt wird, aber wer gerecht und billig denkt, wird uns recht geben müssen. Wir in Gottschee wollen die Ver¬ gangenheit abgetan wissen und der Zukunft leben, hoffentlich einer schöneren Zukunft, welche die freie Entwicklnng aller nationalen Kräfte im Staate — auch die der Minderheiten — gestattet. Im übrigen sind wir der Ansicht, daß sich unsere Lage auch dadurch allmählich besser gestalten wird, daß der nationale Chauvinismus immer mehr abflauen und der wirtschaftlichen und kulturellen Arbeit im Staate Platz ^eu wird. Nur, wie gesagt, v srct> selbst aufgibt, der ist verloren. Mut verlor n, alle verloren! Darum Kopf hoch, Augen offen uverzagt! Mehthandel und Kaufmannschaft. Wir erhalten folgende Zuschrift: Seit dem 15. Juli l. I. ist in der Stadt und auf dem Lande Veite 64. Gottscheer Zeitung — Nr. 22. Jahrgang II. das Gerücht verbreitet, daß sämtliche Gottscheer Kaufleute, insoferiie sich dieselben mit dem Mehl¬ handel befassen, ihre angeblichen Riesenmehlvor¬ räte von der Stunde an versteckt hielten, als die ersten Zeitungsnachrichten diplomatische Verwick¬ lungen zwischen Jugoslawien und Italien und einen eventuellen Kriegsausbruch zwischen beiden Staaten meldeten. Die Bezirkshauptmannschaft nahm nun am 20. Juli l. I. bei allen in Be¬ tracht kommenden Kaufleuten Hausdurchsuchungen vor, und zwar in einer ungewöhnlich strengen Weise. Jedes Geschäftslokal wurde mit einem Gendarmerieposten besetzt, dem die Aufgabe zufiel, darauf zu achten, daß bis zur Ankunft der unter¬ suchenden Kommission weder der Geschäftsinhaber noch dessen Personale das Lokal verlassen durften, damit ja kein Verschleppen möglich war. Die Uutersuchungskommission begann sodann mit allem Eifer die Untersuchung sämtlicher Räumlichkeiten, wobei sogar auch die Wohnungsräumlichkeiten miteinbezogen wurden. Es wurde jedoch bei keinem einzigen Kaufmanns verstecktes Mehl vor¬ gefunden. Alle Verdächtigungen unserer Kaufleute sowohl der ihnen angedichteten Preistreibereien als auch Warenverheimlichungen waren also nichts anderes als einerseits leeres Geschwätz, anderer¬ seits aber Verleumdungen, um den guten Ruf unserer Kaufmannschaft sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den Behörden zu schädigen. Die Kauf¬ leute haben nun eine wohlbegründete Beschwerde an die kompetenten Stellen geleitet. An die Oeffent- lichkeit müssen wir uns aber mit der Frage wenden, wieso es gerade in unserer Stadt möglich ist, daß fortwährende Verdächtigungen hinsichtlich.der Kaufmannschaft ausgestreut werden, sei es in Be¬ zug auf Preistreiberei, Riesenverdienste usw. Diese Verdächtigungen beinhalten gewöhnlich derartige Gehässigkeiten und Anzeigen, wie sie sonst in anderen jugoslawischen Städten wohl kaum vor¬ kommen. Glaubt vielleicht die Bevölkerung, daß die hiesigen Kaufleute mit größerem Gcschäftsge- winne verkaufen als andere Kaufleute, so können die heimischen Kaufleute gerade das Gegenteil beweisen, da Gotisches bekanntlich immer einer der solidesten Plätze gewesen ist. Umso unbe¬ greiflicher und geradezu eine Schande ist es da¬ her, wenn die Kaufleute von Gottschee, deren Zukunft nicht so sicher ist, wie dies von vielen angenommen wird, von übelwollenden Verleum¬ dern in ihrer kaufmännischen Ehre angegriffen und verfolgt werden. Wenn nun diese Verleum¬ dungen nur von Tratschweibern herrühren würden, so könnte mau unter Umständen über derartige Verleumderquellen ohne weiteres zur Tages¬ ordnung übergehen, nun ist aber dargetan, daß manche die hiesige Kaufmannschaft betreffenden Verleumdungen auch von angesehenen Männern herrühren, was sehr bedauerlich ist und auf das gegenseitige Sichverstehen und Zusammenhalten ein nicht mißzuverstehendes Licht wirft. Doch für heute genug davon. Für die Folge will die Kauf¬ mannschaft "darauf aufmerksam machen, daß sie nicht mehr gesonnen ist, sich wehrlos den ver- schiedenen offenen oder versteckten unberechtigten Angriffen, von welcher Seite sie immer erfolgen mögen, ausznsetzen. Ein Beweis dafür, daß die Gottscheer Be¬ völkerung mit den Preisen und besonders mit jenen der Lebensmittel, außerordentlich gut durchkommt und daß die Versorgung bzw. die Beschaffung von Lebensmitteln durch die hiesigen Kaufleute eher alles andere als Verleumdung und Be¬ schimpfung verdient, sei durch folgendes erbracht: Den höchsten Preis, den in Gottschee Weizen¬ mehl Basis 0 erreichte, war X 15'50 bis 16 X, während man nicht nur in Laibach, sondern fast an der Quelle der Produktion in Agram dieses bis auf X 20 — per 1 KZ hinaufsetzte. In Gott¬ schee waren wieder die Kaufleute die ersten, die an den hohen Preisen rüttelten und es zustande brachten, daß das Mehl Basis 0 im Kleinverkchr Lis zu X 11'— heruntergedrückt wurde. Nicht auf das Konto einer Genossenschaft, heiße sie nun 6o8pocjar8k3 rvera, Samopomoč oder Ätni ravoä, ist dieser Erfolg zu buchen, sondern dieser Erfolg gebührt einzig und allein der Kaufmann¬ schaft, die es infolge ihrer vieljährigen Praxis und ihrer Kenntnisse und der rechtzeitigen Er¬ fassung der augenblicklichen Verhältnisse und be¬ sonders mit Rücksicht auf den persönlichen Fleiß verstanden hat, die Lebensmitlelpreise im Ver¬ gleiche zu anderen Orten auf einer mäßigen Stufe zu halten. Die Beschaffung von Lebens¬ mitteln war dem Kaufmanne bis zum Monate April 1920 fast unmöglich und lag der ganze Handel und Wandel nur in den Händen weniger von der Regierung unterstützter Vereine und Ge¬ nossenschaften, die den erfahrenen Kaufmann selbst¬ verständlich zur Seite drückten, ihm einen Riegel nach dem anderen vorschoben, um ihn so von jedem Handel auszuschalten. In dieser Zeit war der Kaufmann bemüssigt, sich nur der sogenannten „Hintertürln" zu bedienen, die ihm jedoch, wenn auch im bescheidenen Maße die Möglichkeit gaben, für den allgemeinen Konsum zu arbeiten. Diese Lage hat sich seit dem Monate April l. I. voll¬ kommen umgestaltet. Ein plötzlicher Preissturz auf allen Weltmärkten, insbesonders in Getreide, machte allen Vereinen einen Strich durch die Rechnung. Bisher waren sie der Meinung, die Alleinbeherrscher der Getreidemärkte zu sein, welches Verhältnis sich aber derzeit gründlich geändert hat. Jetzt ist auch wieder der einzelne Kaufmann in der Lage, den Handel, ohne auf die Gnade einzelner angewiesen zu sein, selbständig zu be¬ treiben, was infolge der Konkurrenz zur Preis¬ regulierung und Preisermäßigung führt. Bemerkung der Schriftleitung: Soweit uns in dieser Angelegenheit ein Urteil zusteht, sind wir der Ansicht, daß der Mehlhandel auf unserem Platze hier ein solider ist. Wenn man sich im übrigen von dem Grundsätze leiten läßt: „Leben und leben lassen" und „Jedem das Seine", werden die bestehenden Interessengegensätze zwischen Kauf¬ leuten und Konsumenten immer mehr an Schärfe verlieren. Etwaige Auswüchse sollen im eigenen Kreise als solche gekennzeichnet und beschnitten "werden. Aus Stadt und Land. Hotlschee. (Vom politischen Verwal¬ tungsdienste.) Der Konzeptspraktikant bei der hiesigen Bezirkshauptmannschaft, Herr Dr. Leo Marquis von Gozani wurde zur Bezirkshaupt- Mannschaft in Gurkfeld versetzt. Der absolvierte Rechtspraktikant Herr A. v. Kappus wurde in den Dienst der politischen Verwaltung der Landes¬ regierung für Slowenien ausgenommen und der Bezirkshauptmannschaft Gottschee zur Dienstleistung zugewiesen. — (Vom d eutsch österreichisch en Ju¬ stizdienste.) Die Herren Bezirksrichter Deu und Kraus en eck wurden zu Landesgerichtsräten befördert, Herr Richter Gottfried Ja klit sch wurde zum Bezirksrichter ernannt. — (Der neue Ausschuß der Land- wirischaft sfiliale Gottschee.) In der Hauptversammlung der landwirtschaftlichen Filiale Gottschee am 18. Juli wurde die Ausschußwahl vorgenommen und brachte folgendes" Ergebnis: als Vorstand Herr Landesregierungsrat Johann Kresse in Rain; als Ausschußmitglieder die Herren Josef Jaklitsch aus Zwischlern 1, Franz Klun aus Lienfeld und Franz Schleimer aus Gottschee. Von slowenischer Seite wurden im Wege des gegenseitigen Einverständnisses gewählt: Hochw. Herr Stadtkaplan Johann Pirkovič, Herr Johann Levstik aus Grafenfeld und Herr Matthias Bencina aus Schwarzenbach. Der neugewählte Vorstand Herr Landesregierungs¬ rat Kresse betonte in seiner Antrittsrede, es sei auf jeden Fall notwendig, die Politik ganz außer Betracht zu lassen und die ganzen Kräfte allseits für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Alle Landwirte müssen aus jeden Fall Mitglieder ihrer Standesorganisation werden. Die Land¬ wirtschaftsfilialen der Gemeinden sind unbedingt ehemöglichst wieder zu aktivieren. — (Festsetzung der Fleischpreise.) Für den politischen Bezirk Gottschee sind bis auf weiteres folgende Fleischpreise festgesetzt worden: I. Qualität (Rindfleisch) 20 X per KZ, II. Qualität 18 X, Kalbfleisch 16 X per KZ. Übertretungen werden nach der betreffenden Verordnung der Landes¬ regierung für Slowenien mit Beschlagnahme der Ware, 20 000 X Geldbuße und Arrest von sechs Monaten bestraft. — (Anhaltende Dürre.) Infolge der großen Hitze' und des Mangels an Niederschlägen ist bereits eine starke Dürre eingetreten. Die Vegetation war eines ausgiebigen Regens sehr be¬ dürftig. In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli regnete es zwar kurze Zeit, doch war der Regen zu wenig ausgiebig. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli traten endlich ausgiebige Gewitter¬ regen ein, die am 28. Juli untertags noch ihre Fortsetzung fanden. Der Regen war eine wahre Wohltat, waren ja schon manche steinige Gründe ganz ausgebrannt. Den Fisolen, dem Kraut und anderen Feldfrüchten kam der Regen sehr zugute. — (Ausfuhrverbot für ausländische Valuta.) Aus Belgrad wird gemeldet: Durch einen Erlaß des Finanzministers tritt das Aus¬ fuhrverbot von deutschen Marknoten, tschechoslo¬ wakischen Kronen und rumänischen Leis in Kraft. Wer beim Übertragen der genannten Valuten im Werte von mehr als 2000 Dinars ergriffen wird, wird als Schwärzer betrachtet. Das Geld wird konfisziert und der Besitzer eingesperrt. — (Kleingeldmangel und Preisab¬ bau.) In den nächsten Tagen sollen Ein- und Halbdinarnoten im Gesamtbeträge von hundert Millionen Dinars als Staatsnoten in den Ver¬ kehr gesetzt werden. Die Ein- und Zweikronen¬ noten werden in der Folge aus dem Verkehr verschwinden. Wir hätten sonach sodann an der Stelle der Ein- und Zweikrouennoten die größeren Appoints von 2 und 4 X. Dies wäre aber für die Preisgestaltung der täglichen Bedarfsartikel von umso größerem Nachteile, als in solchen Fällen die bekannte Tendenz der „Abrundung nach oben" zum Vorschein zu treten pflegt. Es wäre daher für den Preisabbau dringend notwendig, nicht nur die Appoints zu einer Krone beizube¬ halten, sondern endlich auch einmal an die Heraus¬ gabe von Nickelmünzen, und zwar in Mindestbe¬ trägen von zweieinhalb und fünf Para, zu schreiten. — (Option und Wahlrecht.) In der 113. Sitzung der Nationalvertretung in Belgrad am 17. Juli wurde anläßlich der zweiten Lesung des Wahlgesetzes auch der Z 9 dieses Gesetzes neuerlich behandelt. Nach Z 9 wird nämlich allen nichtslawischen Staatsbürgern, denen nach dem Friedensvertrag das Optionsrecht zukommt, das Wahlrecht für die Konstituante abgesprochen. Die Abgeordneten Dr. Kramer und Lonäar stellten nun einen Vermittlungsantrag, demzufolge bloß jene Deutschen des Wahlrechtes für die ver¬ fassunggebende Versammlung verlustig gehen sollen, welche sich erst innerhalb der letzten 30 Jahre im Königreiche SHS angesiedelt haben. Dieser Antrag, für den die slowenischen Demokraten, die Sozialdemokraten und einige Abgeordnete vom Nationalklub stimmten, fand jedoch nicht die Mehrheit in der Nationalvertretung, so daß also die Deutschen bedauerlicherweise kein Wahlrecht für die verfassunggebende Versammlung (Konsti¬ tuante) haben werden. — (Das Schulgeld an den Mittel¬ schulen.) Das Unterrichtsministerium hat eine Verordnung herausgegeben, wonach für das Schul¬ jahr 1920/21 an allen Mittelschulen die Schul¬ geldbefreiung für arme, fleißige Studenten auf¬ gehoben wird. In den unteren Klaffen beträgt das Schulgeld ausnahmslos 20 Dinar (80 X), in den Oberklassen 40 Dinar (160 X). Das Studium wfrd also immer teuerer, während anderseits die Entlohnung der geistigen Berufe im Verhältnisse zur manuellen Arbeit verhältnis¬ mäßig bedeutend geringer ist. Was verlangt werden muß, ist die Möglichkeit des Aufrückens der besten, fähigsten Elemente des Volkes in die höheren Gesellschastsschichten — also „freie Bahn dem Tüchtigen!" Durch Aufhebung der Schulgeldbefreiung wird aber dieser Ausstieg nicht nur nicht erleichtert, sondern erschwert. — (Preis der Zündhölzchen.) Der Verkauf von Zündhölzchen wurde zufolge Ver¬ ordnung des Finanzministers vom 2. Juni l. I. wie folgt geregelt: Aus staatlichen Magazinen werden von nun an die Zündhölzchen zu folgenden Preisen abgegeben werden: eine Schachtel Schwe¬ denzünder 30 Para (X 1'20); eine Schachtel Paraffinzünder mit 110 Zündhölzchen 30 Para (X 1'20); eine Schachtel Paraffinzünder mit 83 Zündhölzchen 20 Para (80 li); eine große Schachtel Schwedenzünder mit 600 Zündhölzchen 3 Dinar (12 X); eine große Schachtel Paraffin¬ zünder mit 628 Zündhölzchen 1'70 Dinar (X 6'80). Für den Verschleiß von Zündhölzern werden 10"/o, von Zigarettenpapier 15°/o Rabatt gewährt. — (Erhöhung der Eisenbahnfahr¬ preise.) Die Fahrpreise werden für Personen- und Expreßzüge vom 1. August neuerdings ge¬ steigert werden. Die Frachttarife werden vom 15. August an um 100 °/o erhöht werden. — (Für Eisenbahnfahrten) sind neue Vorschriften erlassen worden. Wer den Perron ohne Fahrkarte betritt, muß 1 Dinar (4 X) Strafe zahlen; wer in einen Personenzug ohne Fahrkarte einsteigt, 10 Dinar (40 X). Wer vom Eisenbahnschaffner im Wagen ohne Fahrkarte an¬ getroffen wird, hat die doppelte Fahrgebühr zu zahlen. Jahrgang II. — (1:4endgültig?) Man trug sich in den Bevölkerungskreisen und in der Presse Sloweniens noch immer mit der Hoffnung, daß der Um¬ rechnungsschlüssel von 1:4 (ein Dinar gleich vier Kronen) noch eine Abänderung zugunsten der Krone erfahren würde. Das war aber, wie es scheint, leider eine Selbsttäuschung. Dem Parka- ment wird wahrscheinlich nichts übrig bleiben, als die provisorisch angeordnete Notenkonvertierung zur Kenntnis zu nehmen, da es zu einer Minister¬ anklage ja doch nicht kommen wird. Die führenden Blätter in Serbien erklären übereinstimmend, daß eine Valutafrage überhaupt nicht mehr existiere und daß von einer Abänderung des Umrechnungs- schlüssels zugunsten der Krone keine Rede sein könne. Eine recht betrübende Nachricht das für die Bevölkerung des Kronenbereiches I Wenn nur der Dinar auch wirklich die vierfache Kaufkraft der Krone hätte, dann könnte man sich eher damit abfinden. — (Die nicht gestempelten oder un¬ gültig gestempelten Banknoten), welche seinerzeit den Parteien abgenommen wurden, sind ihnen im Sinne der Verordnung des Finanzmini- sters vom 22. April l. I. rückzuvergüten. Die Parteien werden aufgefordert, sich zu diesem Zwecke bei jenem Steueramte zu melden, in dessen Be¬ zirk die Anstalt gehört, die ihnen die Banknoten zurückbehalten hat. Die ihnen seinerzeit über die Abnahme der Banknoten ausgestellten Bestäti¬ gungen haben die Parteien mitzubringen. — (Herabsetzung der Löhne?) In Agram will man mit Rücksicht auf den Rückgang der Preise auch die Arbeitslöhne um 10 Prozent. herabsctzen. In den Arbeiterkreisen hat aber diese Absicht großen Unwillen hervorgerufen und es ist zu befürchten, daß es zu einer wirtschaftlichen Krise kommen könnte. — (Zur auswärtigen Politik Jugo¬ slawiens.) „Slovenski Narod" vom 21. Juli l. I. bezeichnet es als eine Phantasie, wenn Wiener Blätter schreiben, daß die jugoslawische Politik der Entente den Rücken kehre und sich Deutsch¬ land nähere. — (Die Farben der Banater Schwa¬ ben.) Wie der Werschetzer Deutsche Volksfreund in seiner Nummer vom 15. Juli meldet, hat der Herr Staatssekretär Dr. Svetislav Mihailovič in Belgrad dem Herrn Dr. Franz Kuhn persönlich mitgeteilt, daß die Farben Weiß-Grün vom Innenministerium als offizielle Farben des Schwa- bentums anerkannt wurden und daß deren Be¬ nützung in jeder Form (Fahne, Abzeichen usw.) und bei jeder Gelegenheit von Regierungswegen gestattet ist. — Als Farben des Gottscheerlandes sind bekanntlich schon lange Blau-Weiß gebräuch¬ lich. Es sind dies die Farben des Wappens dec Stadt Gottschee, die sodann für/das ganze Ländchen in Gebrauch kamen. Es wäre wünschenswert, daß die Gottscheer Farben, deren Gebrauch zwar auch dermalen schon nicht verboten ist, von der Behörde in ähnlicher Weise ausdrücklich aner¬ kannt würden wie das Weiß-Grün der Schwaben des Banates. — (Neunstündige Arbeitszeit.) Tsche¬ chische Blätter berichten, daß der Minister für so¬ ziale Fürsorge Dr. Winter einen Gesetzentwurf vor¬ bereite, nach welchem- für die tschechoslowakische Republik die neunstündige tägliche Arbeits¬ zeit eingeführt wird. Durch die neunte Arbeits¬ stunde sollen die wirtschaftlichen Mittel der Re¬ publik erhöht werden und es soll aus den Ein¬ künften der neunten Arbeitsstunde sich auch eine Beisteuer ergeben für die Altersversicherung der Arbeiterschaft. — (Abstempelung der Kriegsanleihen.) Bkättermeldungen zufolge wird die Abstempelung der Kriegsanleihen im Laufe des Monates August erfolgen. — (Jagdkarte-n.) Das Ministerium für Forste und Bergwerke gibt bekannt, daß von nun an die Jagdkarten nicht mehr von den Verwal¬ tungsbehörden ausgestellt werden, sondern vom Verband,der Jagdgesellschaften. Untereinein wurden folgende Preise für die Jagdkarten festgesetzt: Für die Jagd im ganzen Königreiche 50 Dinar (200 K), für das Gebiet eines Kreises 30 Dinar (120 K), für einen Bezirk 20 Dinar (80 K). -—(Neuer Kaminsegertarif.) Wir machen darauf aufmerksam, daß vom 1. Juli an ein neuer Kaminfegertarif in Kraft getreten ist. Die gegen früher erhöhten Gebühren für das Kehren von Herdstellen, Rauchfängen usw. sind aus dem bei der Gemeinde angeschlagenen Tarife zu ersehen. Bemerkt sei, daß für Kaminsegerarbeiten zur Nacht¬ zeit um 50°/g erhöhte Gebühren zu entrichten Gottscheer Zeitung — Nr. 22. sind; ebenso für Arbeiten an Sonn- und Feier- tagen. — (Die Weltrevolution aus Indien?) Lenin äußerte sich, Rußland werde nach der Nieder¬ lage der Polen keinen Krieg gegen Westeuropa führen, da die Weltrevolution aus Indien sich ausbreiten werde, wo die irischen Soldaten an die'Inder Waffen und Munition verteilen. — (Paßgebühren nach Nordamerika. — Jugoslawische Auswanderung.) Vom 1. Juli dieses Jahres an wird von allen ameri¬ kanischen Konsulaten eine Gebühr von 10 Dollar für Fremdenpässe erhoben, und zwar 1 Dollar für das Gesuch um das Visum und 9 Dollar für das Visum selbst. — Nach Blättermeldungen findet gegenwärtig eine lebhafte Auswanderung aus Jugoslawien statt. Der größte Teil der Zwischendeckplätze von Dampfern, die allmonatlich nach Amerika fahren, ist von Südslawen belegt. — (Auffallende Ereignisse an dem ChristusbildevonLimpias.) Unter diesem Titel veröffentlicht, wie die Cillier Zeitung mit¬ teilt, Prof. Dr. Freiherr v. Kleist ein Buch, in dem er der deutschen Christenheit von folgenden merkwürdigen Dingen erzählt: In Limpias in Spanien traten seit März 1919 an einem über dem Hochaltar befindlichen, in Überlebensgröße aus Holz geschnitzten Christuskörper wunderbare Erscheinungen zutage, die in allen Zeitungen und Zeitschriften Spaniens und anderer Länder von Gläubigen und Zweiflern eifrig besprochen werden. Da diese Ereignisse immer wieder zutage treten, strömen Pilger aus allen Ländern, selbst aus Amerikaherbei; auffallende Bekehrungen und andere Wunder finden immer wieder statt. Der Hochw. Herr Bischof von Pinar del Rio schreibt in einem Hirtenbriefe über diese Erscheinung: „Die Augen des Christuskörpers find von Porzellan und be¬ wegen sich; der Mund ist von Holz und öffnet und schließt sich; auch das Haupt ist von Holz und bewegt sich; der Schweiß läßt sich nicht er¬ klären, noch weniger das Blut, das man an dem Antlitz herunterfließen und aus dem Munde hervor¬ quellen sah. Das Heben und Senken des hölzernen Brustkastens ist auf natürliche Weise nicht zu er¬ klären. Jeder Betrug ist hier ausgeschlossen." Über 5000 Personen, hauptsächlich Aerzte und Gelehrte, haben, wie in der Anzeige des erwähnten Buches versichert wird, die wunderbaren Vorgänge eidlich bezeugt. — (Die Italiener) entsandten starke Ver- stärkungen an die Demarkationslinie. In Triest sind die zwei zuverlässigsten Regimenter konzentriert. An der Demarkationslinie fanden, wie dem „Deut¬ schen Volksblatt" aus Laibach berichtet wird, neuerliche Zusammenstöße statt. Auf der Bahn¬ strecke Laibach - Bischoflack - Tolmein trafen sich eine kleinere jugoslawische Wachttruppe und Arditi, welche sdie erstere angriffen. Unsere Soldaten antworteten mit Gewehrfeuer und jagten die Arditi in die Flucht. — (Befreiung von der Dienstpflicht.) Der Kriegs- und Marineminister ordnete an, daß allen im Jahre 1899 geborenen Militärpflichtigen, welche in der österr.-ungarischen Monarchie durch zwei Jahre Dienst geleistet haben, die regelmäßige Dienstpflicht nachgesehen werde. Dieselben werden nur zu einer zweimonatigen Dienstleistung ein¬ berufen werden. — (Hinterlegung des Friedensver- träges.) Das Sekretariat der Friedenskonferenz hat die deutschösterreichische Regierung amtlich in Kenntnis gesetzt, daß am 16. Juli das Protokoll über die wechselseitige Genehmigung des Friedens¬ vertrages von St. Germain in Paris hinterlegt worden ist. — (Die heurige Ernte in Jugosla¬ wien.) Nach amtlichen Angaben verbleiben Heuer in Serbien und Mazedonien ungefähr 20.000 Waggon Weizen und Mais für die Ausfuhr. Die Batschka und das Banat weisen 22.000 Waggon Weizen und 44 000 Waggon Mais auf. Hievon sind 21.000 Waggon für die passiven Gegenden notwendig. Nus Kroatien und Slawonien fehlen noch die Daten. Slowenien, Dalmatien, Bosnien, Herzegowina und Lrna gora sind passive Länder. — (Die tragischen Ereignisse in Triest) haben auch in unseren Kreisen große Entrüstung hervorgerufen. Trotzdem hoffen wir, daß es nicht zum Äußersten kommen wird. Die slowenische Presse fordert die Bevölkerung auf, ruhig Blut zu bewahren. — (Österreichische Kriegsanleihe.) Der Finanz- und Budgetausschuß in Wien hat am 10. Juli nach einem Referat des Bericht¬ erstatters K o ll m a n n und einer Rede des Staats- 1 Seite 65. sekretärs Reisch das Gesetz über die Voraus¬ setzungen der Übernahme österreichischer Kriegs¬ anleihen als Schuld der Republik angenommen. — (Eine neue Epoche für alternde Menschen?) Die „Neue Freie Presse" ver- öffentlicht einen umfangreichen Aufsatz des Prof. Holzknecht, der darin die neuesten Forschungs¬ ergebnisse des bekannten Wiener Biologen Prof. Steinach eingehend würdigt. Steinach ist es nach langjährigen Versuchen gelungen, am Men¬ schen eine Verjüngung und Wiedererweckung gei¬ stiger und körperlicher Kräfte herbeizuführen. Er erreicht dies auf sehr einfachem und ungefährlichem operativen Wege an der Pubertätsdrüse. Also eine körperliche und geistige Verjüngung der Alternden ! Das wäre eine kolossale Errungenschaft! Was Lharlatane vor mehr als hundert Jahren den Menschen vorgaukelten, das ist nunmehr auf Grund jahrelang wiederholter Experimente als fester Besitz zunächst an Tieren gewonnen und auch schon an einigen Menschen erprobt. Die sichere Verjüngung wurde zunächst an Natten gewonnen. Ein 44jäh¬ riger, vorzeitig greisenhafter Mann mit einer all¬ gemeinen Körperschwäche, die bis zur gänzlichen Arbeitsunfähigkeit führte, wurde vollständig geheilt, in jeder Beziehung leistungsfähig und war schließlich als Schwerarbeiter befähigt, wieder die schwersten Lasten zu schi ppen. Bei Frauen trat eine auf¬ fallende Frische des Aussehens und Wesens auf. Die Zahl der am Menschen erhobenen Ergebnisse ist zwar noch gering, wie Pcof. W. Roux in der „N. Fr. Pr." („Die Pflicht Österreichs gegen Steinach") mitteilt; da aber dieselben mit den an Tieren gewonnenen Ergebnissen vollkommen übereinstimmen, eröffnen sie die Aussicht auf den wesentlich gleichen Erfolg. Wie lange diese Ver¬ jüngungswirkung beim Menschen vorhält, kann erst die Zukunft zeigen. Bei den operierten Tieren konnte das Leben bis um ein Viertel der üblichen Lebensdauer verlängert werden. Die zwei abge¬ laufenen Jahre eines im Alter von 70 Jahren verjüngten Mannes waren bisher hervorragend günstig und vielversprechend. Prof. Steinach hat seine Entdeckung der Öffentlichkeit vorbehaltlos mitgeteilt, feder chirurgisch geschulte Arzt kann die leichte Operation gefahrlos ausführen. Die Entdeckung Steinachs (eines Vorarlbergers) ruft in der ganzen Welt das größte Aufsehen hervor. Steinach war früher Professor in Innsbruck und Prag, jetzt ist er'schon seit einigen Jahren in Wien. — (Warnung vor der Arbeiteran¬ werbung für Frankreich.) Wir erhalten aus Wien folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Wie ich der G. Z. Nr. 15 vom 20. Mai entnehme (Notiz: Nach Frankreich!), beabsichtigen Arbeiter aus Gottschee nach Frankreich auszuwandern. Ich fühle mich veranlaßt, einiges hierüber zu sagen, da vor nicht langer Zeit dasselbe Thema hier in Wien einiges Aufsehen verursachte. Frankreich benötigt allerdings zu seinem Wiederaufbau Leute; doch müssen dies gelernte Handwerker (Schmiede, Tischler, Schlosser, Spengler, Zimmerleute, neben¬ bei auch Maurer) sein und ein einwandfreies Vor¬ leben haben. Dafür existiert auch hier eine Stelle, benannt „Kommission zur Wiederherstellung der zerstörten Gebiete". Diese nimmt nach Maßgabe der Verhältnisse Leute an als berechtigtes, offi¬ zielles Organ. Doch gibt es eine Anzahl meist jüdischer Agenten und Büros, die unter ähnlichem Titel Gaunereien verüben; es werden Leute unter allen möglichen Vorspiegelungen und Versprechen angelockt, bis zu den Grenzen auch gut behandelt. Doch dann blüht ihnen die Fremdenlegion! Der Name allein spricht Bände! Einige wenige haben Glück, könnte man sagen, und werden in Arbeiter¬ kompanien gesteckt, um weiß Gott wo als Werk¬ zeug verbraucht zu werden. Es ist unter Todes¬ gefahren erst vor kurzem ein paar Leuten gelungen, dem grausamen Schicksal zu entfliehen. Doch was die Rückgekehrten erzählen, ist, obwohl man doch von Kriegszeiten her Böses gewohnt ist, schrecklich. Auch lehnt die französische Mission, ebenso die Regierung jeden Eimpand ab, obwohl unter ihrem Namen solches sich ereignete! Ich glaube, da gibt es wohl kein Wählen, wenn es heißt: als Legionär in Afrika, als Arbeiter in Polen oder — vielleicht sollte es doch gehen?! — es doch nochmals zu Hause versuchen! Ich stelle Ihnen gerne Tat¬ sachen zur Verfügung. Gruß Ihnen erlaubt sich Rainold Golf, VIII., Albertgafse 7, 1/8. Wien, 22. Juni 1920. — (Die Verarmung der Welt.) In einer Pariser Abendzeitung wurden folgende in¬ teressante Daten über die augenblickliche ökono¬ mische Weltlage veröffentlicht. Die Abnahme der Seite 66. Gottscheer Zeitung — Nr. 22. Jahrgang II. Welt-Kohlenproduktion betrug 2.150,000.000 Zentner, die der Welt-Weizenernte 322,000.000, die der Welt-Eisenproduktion 140,000.000 Zentner, die der amerikanischen Baumwollernte 6,300.000 Zentner und die der Welt-Zuckerernte 6,200.000 Zentner. Die Gesamtschuld der kriegführenden Staaten beträgt 1.200 Milliarden Franks. Gegen 1913 nahm im Jahre 1919 die Sohlenproduktion ab in England um 32 Prozent, in Frankreich 32 Prozent, in Deutschland 38 Prozent, in Belgien 22 und in der Tschechoslowakei 21 Pro- zent. Die Zunahme des Notenumlaufes belief sich in den Vereinigten Staaten auf 171 Prozent, in Frankreich auf 373, in Deutschland auf 875, in England 244, in Italien auf 435, in Öster¬ reich auf 3800 Prozent. Die Lebenshaltung ver- tcuerte sich gegen 1913 in den Vereinigten Staaten um 206 Prozent, in England um 257, in Frank- reich um 330, in Italien um 330, in Deutsch¬ land um 1000 und in Österreich um 4000 Prozent. — (Europa hat durch denWeltkrieg 35 Millionen Menschen verloren.) Die Gesellschaft zum Studium der sozialen Folgen des Krieges in Kopenhagen gab das Werk Chri¬ stian Dörings „Die Bevölkerung Europas während der Weltkrieges" heraus. Diesem Werke zufolge verlor Europa vom Beginn des Krieges bis Mitte 1919 insgesamt 35 Millionen Leute, davon ent¬ fallen 20 Millionen auf die Abnahme der Geburten und 15 Millionen auf die im Kriege Gefallenen und auf die erhöhte Mortalität im Hinterlande. — (Zur Valutafrage.) Das „Agramer Tagblatt" (11. Juli) schreibt im volkswirtschaft¬ lichen Teile: „Die Liquidierung unseres ersten Wirtschaftsjahres, wie sie sich uns mit Beginn der Ernteausfuhr darstellt, zeigt uns nun alle Folgen einer verfehlten Valutapolitik, wie sie von Herrn Dr. NinLiö seinerzeit incwguriert und später als fertige Tatsache von den Nachfolgern Dr. Ninäic's übernommen wurde, um schließlich dieser Tage als definitiveLösung unseres Valuta¬ problems proklamiert zu werden. Die Folge davon ist eine dauernde, nicht infolge steigender Unter¬ nehmungslust entstandene, sondern jede Unter¬ nehmung hemmende Geldknappheit. Daß eine solche Lösung Kalamitäten für den Handel hervor¬ ruft, daß sie — wie uns die jüngste Zeit lehrt — zu Einbußen auch an solchem Vermögen führt, welches bereits nach der heutigen Geldeinheit be¬ wertet wurde, daß sie eine Geldteueruug verursacht, welche zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Serbiens selbst am wenigsten geeignet ist, daran scheint man in Beograd nicht zu. denken. Die Börse ist ein Barometer des nationalen Wirtschastsstandes; im Finanzministerium scheint man jedoch nicht lesen zu können." — Besonders unerfreulich ist die Nachricht, daß die Grundsteuer und die Gebäude¬ steuer künftighin in Dinars zu entrichten sein wird. Das wird eine viermal so starke Belastung be¬ deuten, wie sie jetzt ist. — (DasHandelsgre-mium in Laibach) wird in Kürze eine Fachzeitung „1>Zov8ki Ii8t« erscheinen lassen. Dieses Blatt wird in Laibach wöchentlich einmal herausgegeben und wird alle das Handelswesen betreffenden Verordnungen und Verlautbarungen veröffentlichen. — (Die Nachttaxe in den Apotheken), die bisher von 8 Uhr abends bis 7 Uhr früh für die Ausfertigung von Rezepten eingehoben wurde, ist nunmehr abgeschaffl worden. — (Zur bevorstehenden Erhöhung der Frachttarife) schreibt das Deutsche Volks¬ blatt (Neusatz): Was die Personentarife anbelangt, kann eine Tariferhöhung immerhin eintreten, zu¬ mal bei uns, wo ohnehin zu viel gereist wird. Heutzutage ist, von Geschäftsreisen abgesehen, das Reisen ein Luxus, und wie der Staat in der richtigen Einsicht, daß jetzt für Luxus keine Zeit ist, die Einfuhr von Luxusgegenständen ver¬ boten hat, so kann er auch durch tarifarische Maßnahmen den Reiseluxns einschränken. . . . Ganz anders aber steht es mit den Gütertarifen, deren Erhöhung um 100 Prozent eine ungeheure Belastung bedeutet, sowohl bei der Einfuhr, noch mehr aber bei der Ausfuhr. Ein Waggon von Spielfeld bis hieher (Neusatz) kostetete bisher bei¬ läufig 8000 X Nach der Erhöhung der Tarife wird er also 16.000 X kosten oder X 1'60 pro Kilogramm. Welche Ware verträgt aber eine derartige ungeheure Belastung? Wir wollen zu¬ geben, daß hochwertige Jndustrieprodukte sie aus- halten können. Aber wir fürchten, daß unsere Ausfuhr durch diese tarifarische Maßnahme zum Handkuß kommen wird. — (Taxen für Reisepässe nach Amerika.) Nach dem provisorischen Gesetz über das Budget¬ zwölftel ist vorgeschriebsn, daß für jeden Aus¬ wandererpaß nach Amerika eine Taxe von 250 Dinar (1000 X) zu erlegen ist. Die hohe Taxe ist als vorbeugende Maßnahme vorgeschrieben, wodurch man Auswanderungen Einheimischer in Ueberseegebiete einschränken will. Die Absicht der Gesetzvorschrift geht dahin, das Auswairdern unserer Staatsbürger nach Amerika und Übersee möglichst zu verhindern. — (Die Königshymne in deutscher Sprache.) Die Cillier Zeitung bringt folgende Übersetzung unserer Königshymne: Gott des Rechtes, Du hast kräftig Uns getragen m der Not, Höre jetzt dies Flehn', sei mächtig Ferner unser Hetsergott. Unsrer Zukunft Schifflein leite, Schütze es nut starker Hand. Unfern König, Herr, begleite, Segne ihn nut seinem Land. König Peter, Herr, begleite, Unfern König, unser Land! — (Ein Kulturkampf in Jugosla¬ wien?) Laibacher Blätter berichten, daß in Belgrad eine Abordnung serbischer Geistlicher beim Kultusminister Marinkovi? vorspcach und ihn um die Besserung ihrer Lage bat. Der Mi¬ nister erwiderte mit der Ankündigung, es sei ge- plant, die Trennung der Kirche vom Staate, die Zivilehe und die Sequestration des Vermögens der Klöster durchzusühren (!) — Ist das- wirklich wahr? — (Gegen denChauvinismus) schreibt „Nova Pravda", das Organ der slowenischen nationalsozialistischen Partei in Laibach unter anderem: „Aufschriften übertünchen, Denkmäler demolieren, die Nichtslawen (diese eine Million gegen 12 Millionen) in den Zeitungen schmähen, das ziemt sich nicht für einen modernen Staat. Denn wir alle haben die gleichen Rechte und die gleichen Pflichten, solange wir loyal sind. Loyalität wird aber lediglich durch eine vornehme, würdige Hal¬ tung gefördert, nicht aber durch Gegensätze." Witterdorf. -(T r a u u n g.) Am 12. Juli wurden Matthias Kleiner aus Windischdorf 18 und Franziska Pellegrini aus Windisch¬ dorf 34; am 19. Juli Johann Windischmann aus Rodine und Paula Kropf aus Kerndorf 42 getraut. — (Heimatflüchtig.) In letzterer Zeit sind hier zwanzig Personen aus Amerika heim¬ gekehrt; doppelt soviel aber packen ein, um hinüber zu gehen, und wenn nicht Mangel an den nötigen Barmitteln das Daheimbleiben erzwingen würde, stünden gar bald die Dörfer burschen- und mäd¬ chenlos da. Der Druck, unter dem die nationale Entwicklung unseres Volkes seit zwei Jahren leidet, ist gegenwärtig die Haupmrsache der Ab¬ wanderung. Daß die Ratifizierung des Friedens¬ vertrages und die ost angekündigte Verfassung bessere Tage einleiten werden, will fast niemand glauben. Ja wenn man das Ländchen einpacken und anderswohin versetzen könnte, wäre uns bald geholfen. Stockendorf. (DieFreude, alsUrurgroß- mutter) im Kreise ihrer lieben Angehörigen weilen zu dürfen, hat Maria Rom in Stocken- darf Nr. 5 erlebt. Wie das möglich ist, zeigen folgende Daten: 1. Maria Rom, geboren 29. Juni 1839, verehelicht im Alter von 22 Jahren; 2. ihre Tochter Rosalia Kramer, geboren 27. März 1868, verehelicht im Alter von 19 Jahren; 3. ihre Tochter Aloisia Luscher, geboren 20. April 1885, verehelicht im Alter von 19 Jahren; 4. ihre Tochter Johanna Stritzel, geboren 26. Dez. 1902, verehelicht im Alter von 16 Vi Jahren; 5. ihre Tochter Erna, geboren 1. März 1920. Alle hier Angeführten sind am Leben. Auf viele Jahre I Kür Österreich stud die Mexugsgekder zu senden an Kerrn Johann Kaas, Wie«, VI., Königskkostergasse 2. Verantwortlicher Schriftleiter C. Erker. — Herausgeber und Verleger Joses Eppich. Buchdruckerei Joses Pavlicek in Gottschee. stehen dem geehrten Pu- VtIKU-ViII blikum alle deutschen Zeitungen aus Wien, Graz, Marburg, Cilli und Agram zur Verfügung. Gin öesseres Mädchen für alle häuslichen Arbeiten verwendbar, wird unter guten Bedingungen und Zusicherung guter Behandlung für Karlovac (Kroatien) gesucht. Anzufragen bei Joh. Jaklitsch in Mooswald Nr. 11. 3000 Dachschindeln sind preiswert sofort abzugeben. Anzufragen in der Buchdruckerei in Gottschee. Aechtfertigung. Ich erkläre, daß die durch Witz hervorgerufene den Charakter herabsetzende Rede auf Unwahrheit beruht und weder den Herrn Kump in Büchel, noch jemand anderen betrifft. Bedauernd Kndolf Stakzer 36. Büchel, am 17. Juli 1920. Herein der Deutschen ans Gottschee in Nie». Sitz: I., Himmelpfortgasse Nr. 3 wohin alle Zuschriften zu richten find und Landsleute ihren Beitritt anmelden können. Zusammenkunft jeden Donnerstag, AamilienaSend jede» ersten Sonntag im Monate im Dereinshcime Maut Deierls Gastwirtschaft, 1., Aaöenvergerstraße Mr. 5s. Sparkasse -er Stadt Gottjchee. Ausweis für den Monat Juni 1920. Einlagen: Stand Lnde Mai 1920 . . X 14,447.799'22 Eingelegt von 362 Parteien „ 2,114.819'01 Behoben von 212 Parteien „ 558.049'35 Gutgeschr. Zins, pro 1. Sem. „ 214.338'61 Stand Ende Juni 1920 . . „ 16,218.907'49 Allgem. Reservefond Stand Lnde 1918.„ 699.45699 Kypothekar-Darlehen: zugezählt wurden . . . . „ — rückgezahlt „ . . . . „ 77.564'51 Stand Lnde Juni 1920 . . „ 1,941.092 96 Wechsel-Darlehen: Stand Lnde Juni 1920 . „ 284.470'— Zinsfuß: für Einlagen 3 '/2 °/o ohne Abzug der Rentenst., für Hypotheken 5°/o, für Darlehen an Gemeinden u. Aorpor. 4 Vs °/o, für wechsel 6°/o. Hottschee, am 3O..Iuni 1920. Die Direktion. Das Amtslokal der Sparkasse der Stadt Gottschee be> findet sich im Schloßgebäude am Auerspergplatz. » Einlagenstand Ende Dezember 1918: 1 2i it —^ßDOs^DslOÜ ZinZIub für Einlagen tohne Abzug der »päiaaoov Um mÄ. Wttümmv Nmtstage jeden Montag und Donnerstag von 8 Lis 11 Uhr und an allen Jahrmarkttagen von 9 bis 11 Uhr vormittags.