Stern Öer Neger Katholische Missions-Zeitschrift Herausgegeben von ver Kongregation: Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu Heft 7 Juli 1938 41. Jahrgang Zur Erholung — ein Ritt durch die Mission. Von P. Karl Fischer, Centocow-Mission in Natal. Der Missionär hat auch von Zeit zu Zeit Entspannung und Erholung nötig. Er hat wohl immer Bewegung bei seinen fast täglichen Ausritten in die Außenschulen, aber diese Ritte und besonders der darauffolgende Religionsunterricht der Schwarzen ist eine anstrengende Arbeit, die alle seine Kräfte in Anspruch nimmt. Da mag auch er sich einmal Erholung gönnen, um seine Kräfte wieder aufzufrischen und sich neu zu stärken. Man sucht so oft das Gute und Schöne in weiter Ferne, obgleich es uns fast immer ganz nahe ist, und daher hatte ich mir vorgenommen, meine kurzen Ferien zu einem Ritt in die Umgebung meiner Missionsstation zu benützen. Von der Außenstation Mayehle, wo ich am 4. Juli Sonntagsgottesdienst gehalten -hatte, ging die Reise nachmittags um 2 Ahr zuerst nach Mariathal, das etwa 16 Meilen von Centocow entfernt ist. Daß ich mein Rößlein zuerst nach Mariathal lenkte, hatte seinen Grund darin, weil ich dort meine Exerzitien machen wollte. Auch für den Missionär ist das erste und wichtigste Geschäft die Selbstheiligung, und daher braucht er jedes Jahr notwendig eine Erneuerung seines religiösen Eifers, eine geistige Auffrischung und Echolung. Den inneren Menschen zu erneuern, dazu ist Mariathal sehr geeignet. Seine abgelegene Lage in einem stillen Tal ladet den Missionär ein, zu Füßen der Schmerzhaften Gottesmutter in der schönen, ihr geweihten Kirche zu beten und zu betrachten. Mariathal wurde gegründet im Jahre 1887 von Abt Franz Pfänner, dem Begründer der Mariannhiller Mission. Die Lage war für eine große Missionsstation wie geschaffen. Ai er kreuzen sich die Wege, die nach Marih-burg, nach dem Griqualand, nach Polela und in verschiedenen Richtungen zum Meer hinabführen. Die Mission machte gute Fortschritte, die Station weist heute, 50 Jahre nach ihrer Eröffnung, sieben schöne Außenschulen auf, wo die Kinder unterrichtet und die Erwachsenen auf den Eintritt in die heilige Kirche vorbereitet werden. Die Gesamtzahl der Getauften betrug am 12. Juli 1937 5300. Mariathal ist eine der bestausgebauten Stationen. Im Schatten der geräumigen Kirche mit dem hohen Turme, beides aus Ziegelsteinen gebaut, liegt ein schönes Klösterlein für die Missionäre und daran reihen sich dann das Schwesternhaus, die Schulgebäude, das Spital für die Kranken und das Marienhaus zur Erziehung der erwachsenen Mädchen. Mariathal ist auch die Wiege des großen Seminars für eingeborene Priester. Aier kamen die ersten mutigen Jünglinge zusammen und begannen sich auf diesen hohen Beruf vorzubereiten. Der kleine hoffnungsvolle Anfang führte zur großen Tat. Auf einem Aügel wurde ein großer Bau aufgeführt, das St.-Maria-Priesterseminar für eingeborene Priester. Vor wenigen Jahren wurde es feierlich eröffnet und am 28. November ging bereits der zweite Priester aus demselben hervor. Der erste Priester war am 8. Dezember 1936 geweiht worden. S t. Isidor unten im Tal gehört auch noch zur Station Mariathal. Ein kleines, hübsches Kirchlein lugt herauf mit einigen Gebäuden. Es ist die Mühle von Mariathal. Daneben steht die Ziegelei, wo die Ziegel gemacht und gebrannt wurden und deren Betrieb auch heute noch eine Einnahmequelle für die Mission darstellt. Das Sanatorium der Missionsschwestern vom kostbaren Blut ist ein weiteres sehenswertes Gebäude wieder auf einer andern An- höhe von Mariathals großer Farm. Es war ein Gedanke echter Nächstenliebe, für die vielen Schwestern, die in langen Jahren angestrengter Arbeit in der Mission alt und gebrechlich geworden waren, einen angemessenen Ruheort zu schaffen; es entsprach aber auch bestem Missionsgeiste, daß diese Schwestern trotz Alter und Gebrechlichkeit ihre letzten Kräfte noch betn' Missionswerke weihten, indem sie vor ausgesetztem Allerheiligsten täglich von 6 Ahr morgens bis 6 Ahr abends abwechselnd Anbetung halten und Segen und Gnaden auf die Missionsarbeit herabflehen. Das ist Missionsgeist: arbeiten, soviel man kann, und seine Kräfte opfern bis zum letzten Atemzug zur Ehre Gottes und zum Keil der unsterblichen Seelen! Kier in Mariathal machte ich also meine geistlichen Abungen, und nachdem ich im Geist erneuert und durch den Anblick all der verschiedenen Werke, die der Eifer begeisterter Missionäre hier geschaffen, mit neuem Mut erfüllt war, ssattelte ich am 12. Juli morgens meinen Gaul, um meine Erholungsreise fortzusetzen. Mein Gaul schien schlecht aufgelegt zu sein. Im Stall zeigte er mir seine Kinter-beine, was er sonst nie tut, und als er endlich doch gesattelt und bepackt war, ließ er seinen Kopf hängen, als ob er Regenwetter spürte. Ich mußte ihn aus seinem Traum aufrütteln, klopfte ihm den Kals und sagte: „Mein lieber Gaul, sei nicht faul; schreit fest aus, dann sind wir bald zu Kaus. 32 Meilen sind nicht lang, und wcnn's gut gcht, hängst du um 2 Ahr Wieder am Strang." Der Morgen war herrlich und die Sonne erwärmte gütig meine in den Exerzitien erstarrten Glieder. Die Straße war in bestem Zustand und führte bergauf und bergab und wand sich wie eine Schlange um die steilen Berge herum. Ab und zu machte ich eine Abkürzung, dem Fußwege der Eingeborenen folgend. Nach etwa zweieinhalb Stunden kam ich an einer Kühnerfarm vorbei. Auf einer weiten Grasfläche von einigen Kektar Größe waren im Abstande von etwa 200 Meter viele kleine Kolzschuppen, ich zählte über 60, errichtet. Am jeden Schuppen tummelte sich eine Schar Kühner mit ihrem Kahn. Ein Farmhaus war nicht da. Der Besitzer der Farm kam gerade mit einem Wagen angefahren und so konnte ich alles Interessante erfahren. Der schlechte Boden dieses Teiles seiner Farm hat ihn veranlaßt, hier eine Kühnerzucht zu be- treiben. Dieselbe ist aber nach seinem Arteil nur dann einträglich, wenn sie großzügig be-trieiben wird. Daher habe er die vielen Schuppen errichtet und in einen jeden eine bestimmte Zahl von Kühnern gesetzt. Das soll folgende Vorteile haben: Aufzucht einer großen Anzahl von Kühnern, rationelle Fütterung, leichte und sichere Kontrolle über die einzelnen Kühner und zuletzt im Fall einer ansteckenden Krankheit ein nicht zu großer Verlust. Der Farmer wohnt eine halbe Stunde weit weg und kommt täglich zweimal hieher gefahren, bringt Futter und holt die Eier. Er schien mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Nun, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Ich dankte ihm für seine freundlichen Erklärungen und verabschiedete mich von ihm. Ich mußte mich beeilen, um wenigstens bis 12 Ahr in Kighflats zu sein. Mein Magen knurrte und der Sattel ist auch kein Sofa, und mein Gaul wollte doch auch etwas rasten. Ich war noch nicht lange geritten, da wurde mein Gaul stutzig und scheu, er stellte sich auf und schnaubte mit den Nüstern. Was gibt's denn? Da ich furchtbar schwerhörig bin, höre ich wie gewöhnlich nichts, auch wenn ein Auto hinter mir ganz gewaltig tutet. Ich schaute daher um, ich schaute rechts und links, doch nichts war da. Die Straße machte eine Krümmung um einen Bergvorsprung. Oh, jetzt gewahrte ich die Arsache, die Straße wurde auf der andern Seite des engen Tales mit Schotter belegt und gewalzt. Jetzt begriff ich auch, warum dieselbe sich in so gutem Zustande befand. Bisher war es ja nur ein Schmutzweg, besonders nach einem Regen. Nach 12 Ahr kam ich dann in Kighflats an. Kighflats. Eine Stadt, ein Dorf, ein Weiler oder was soll es sonst sein? Es ist etwas von allem und doch nichts Rechtes. '66 ist eine Eisenbahnstation der schmalspurigen Bahn von Jxopo im Innern des Landes nach Amsindisi am Meer. Also eine Eisenbahnstation mit den allernotwendigsten Gtbäuden, in der Nähe ein kleines Postamt, dann weiter weg ein Kaufladen, ein modernes Kotel und etwa zehn Blechhäuser. Das alles ist Kighflats. Es ist ein Sammelpunkt der weißen Farmer aus bei" Amgebung zu Geschäft und Anterhaltung. Kier sattelte ich nach allda geübter Gewohnheit meinen Gaul beim Geschäftsladen ab und ließ ihn sein Futter suchen. Nach einer Stunde-Aufenthalt, gestärkt durch das Butterbrot, das ich bei mir hatte, und eine Tasse Kaffee aus betn Lotet, ging es weiter. Kalter Wind blies vom Meer her und nasser Nebel senkte sich herab. Es ging voran, bald schneller, bald langsamer, je nach den augenblicklichen Regungen meines Lerzens. Dann ging es hinab und vor meinen Augen entwickelte sich, soweit es der Nebel gestattete, bas gewaltige Lügel-panorama des Hinterlandes, in dem ich vor Jahren gearbeitet hatte. Ich mußte meinen Mantel anziehen, es wurde immer kälter und nässer. Während ich so dahinritt und mit Adleraugen nach meinem Ziel suchte, kam mir ein Schwarzer nachgesprengt und grüßte: „Baba, sakubona!" „Grüß Gott, Vater! Woher? Wohin?" Es war ein bekannter Katholik von Llalwane, vom Amzimkulutal herauf, wo ich damals immer Gottesdienst hielt. Er hatte dasselbe Ziel, und so kürzte die Unterhaltung die Zeit äb. Etwas nach 3 Ahr stiegen wir bei den Franziskanerbrüdern von Mhlabatshane ab und ein herzliches Begrüßen und Ländöschütteln begann, da nach langer Zeit ein Wiedersehen gefeiert wurde. In Mhlabatshane. Diese Missionsstation als solche ist erst wenige Jahre alt. Die Farm war schon 1908 käuflich erworben worden, aber erst im Jahre 1932 wurde sie besiedelt. In jenem Jahre kamen Franziskanerbrüder in diese Mission und ihnen und den Svlanusschwestern wurde die Farm zugeteilt, um hier die Missionsarbeit aufzunehmen. Rüstig griffen die Brüder zu Picke und Schaufel, zu Lämmer und Kelle, und geführt von kräfti- gen Länden zog der Pflug die langen Furchen. Trotz der sehr beschränkten finanziellen Mittel erhob sich rasch eine kleine Kapelle, wo jetzt täglich von den Brüdern das Lob Gottes gesungen wird. Daneben sind die einfachen Wohnungen der Brüder, ihre Werkstätten und alles, was noch zu einer Landwirtschaft gehört. Für die Schwestern haben sie ein kleines Klösterlein gebaut, nebendran eine geräumige Schule für die schwarzen Kinder. An Sonntagen dient dieselbe als Kirche, weil die Kapelle die Gläubigen nicht mehr fassen kann. In regem brüderlichem Schaffen entstand so in wenigen Jahren eine ganz hübsche Niederlassung. Der Priester, der die Seelsorge versieht, konnte bereits die 560. Taufe spenden, und es ist Aussicht, daß sich diese Station zu einem Mittelpunkte des religiösen Lebens entwickeln wird. Es waren auf der Station drei Brüder, vier Svlanusschwestern und fünf eingeborene Schwestern, nicht zu vergessen den einen Priester. Dieser Priester hat Arbeit genug, es bestehen schon zwei Außenschulen mit regelmäßigem Gottesdienst einmal in der Woche, und es wunderte mich nicht, als er gleich nach meiner Ankunft mit einer Bitte an mich herantrat. Für den nächsten Tag ■ war eine Versammlung angesagt und ich sollte dabei die Predigt halten. Ich mußte annehmen. Die Versammlung war gut besucht, die meisten empfingen die heiligen Sakramente, und es freute mich wirklich, da zu predigen. Am nächsten Tag abends kam der im vorigen Jahre geweihte schwarze Priester P. Ma- Missionsstation Mariathal, Natal. (Photo: P. Fischer.) Mariathal. Sanatorium d. Schwestern vom kostbaren Blut. (Kongreg.Mrchiv.) lachias von einer Außenstation zurück. Es ist seine Heimat und er hielt sich hier vorübergehend auf. Es war mir lieb, ihn zu treffen, so konnte es nicht mehr an Zerstreuung und Unterhaltung fehlen. Die Tage gingen auch wirklich nur zu schnell vorüber und am Sams- tag wollte ich weiterziehen. Die Rechnung aber war ohne den Wirt gemacht. Ich mußte über den Sonntag dableiben und sollte den Sonntagsgottesdienst halten. Doch es kam noch einmal anders. (Schluß folgt.) Gevetsmeinung lm Monat Juli: ,9aß das MMonSwerk unter den 4L Millionen Einwohnern von Java größere Fortschritte machet Die Insel Java ist ihrem Umfang nach zwar nur ber 16. Teil von Nieöerlänüisch-Ostinbien, sie übt aber infolge ihrer günstigen geographischen 'Lage, ihrer alten Kultur und fortgeschrittenen Zivilisation auf die übrigen Inseln im Malaiischen Archipel einen großen Einfluß aus. Daher kommt ihrer Gewinnung für das Christentum eine sehr große Bedeutung zu. Die Bevölkerung der Insel besteht aus Malaien, von denen besonders die in Mittel-Java ansässigen eigentlichen Javaner durch ihre hochentwickelte Kultur bekannt sind. Sie bekennen sich zum Islam, der die herrschende Religion darstellt. Unter der eingeiwanberten Bevölkerung der Insel nehmen die Chinesen der Zahl nach die erste Stelle ein, sie zählen nämlich eine Million. Sie eignen sich ohne große Mühe die einheimische wie die niederländische Sprache an und übernehmen die 'Sitten und Bräuche der Javaner. Dann leben aus Java noch viele Japaner und nichtkatholische 'Niederländer. Die Zahl der Katholiken beträgt 103.8128. In ihre Seelsorge teilen sich 191 Priester sdavon 9 einheimische) in fünf kirchlichen Sprengeln. Auf froher Fahrt. Von P. Pius Zeifang. (Fortsetzung.) Samstag, den 11. Dezember — 25. Tag. Wir nähern uns Walfifchbai. Man merkt es schon am Hasten und Treiben an Bord. 56 Personen verlassen den Dampfer. Für sie alle werden Kisten und Koffer mittels Kranen auf das Oberdeck gebracht. Das rattert und stöhnt und lärmt. Um ein Uhr zeigt sich am Horizont ein weißer Streifen. Wird bald deutlicher, wird zur Hügelkette. Um drei Uhr legten wir an. P. Klebing, P. Koch und ich verließen mit den anderen das Schiff, da wir nach Swakopmund fahren wollten. Also hinüber zum Bahnhof. Schon wateten wir im Sand. Nein, hier sind Bretter gelegt. Wie fein! Am Bahnhof stehen die Wagen schon da. Hinein in die erste Klasse. Ja, hier reist man nobel. Die dritte Klasse ist P. Karl Fischer auf !einem Ritt durch das Mis-sionsgSbiet. (Photo: P. Fischer.) nur für die Neger, die ungepolstert fahren müssen. Das Züglein fährt. Zwei Wagen sind es nur. Weit stehen die Fenster offen, wir schauen hinaus. Aber bald müssen wir wieder schließen. Sand, feiner Dünensand wirbelt herein. Dringt auch durch die Ritzen. Bald sind die Polster überzogen. Draußen wechselt die Szenerie beständig. Freilich nur Sand. Aber immer andere Formen, andere Höhenzüge, andere Seitentäler. Dazwischen — man glaubt es kaum — etwas Grünes, wie ein Pilz, im Durchmesser von einem Meter. Was es ist, weiß ich nicht. Dann steigen die Hügel an, versperren die Aussicht, bilden einen Bahndamm, der vielleicht einmal gefährlich werden kann, wenn er unverhofft den kleinen Schienenstrang unter sich begräbt und dann in leise singendem Ton weitec-weht und irgendwo in der Einsamkeit seine Triumphe feiert, über 200 Meilen zieht sich die Sandwüste hin. Zur linken Seite haben sich die Hügel wieder verflacht, das Meer ist sichtbar geworden. Die Sonne spielt mit den Wellen, die sich nur leise kräuseln. Das Auge wird geblendet von diesem verführerischen Spiel. Wendet sich wieder zur anderen Seite. Aber dort ist- es trostlos und öde, so daß man weinen könnte vor innerer Qual und Verlassenheit. Und doch ist dieses schweigende stumme Land auch eine der Ideen Gottes. Swakopmund taucht jetzt zur linken Seite auf. Nun werden wir wohl bald dort fein. Eine Stunde sollten wir fahren, davon fehlen noch 20 Minuten. Und so lang brauchten wir tatsächlich noch. Die Bahn machte einen großen Bogen, führte uns nochmals in die Wildnis hinein. Dann waren wir angelangt. Der Bahnhof kann sich in jeder Kleinstadt sehen lassen. Hinein in die Stadt. Da kommt die Rote-Kreuz-Schwester unseres Schiffes daher. Ein Kranker wird vom Zug weggetragen, ein Passagier. Blinddarmoperation notwendig. Armer Kerl, muß nun zurückbleiben. Wir kommen an das katholische Kirchlein. Komisch, daß man nie nach großen Kirchen sich umsieht, wenn man die katholische Kirche sucht. Dann gehen wir weiter. Die Straßen sind nichts anderes als verwehter Sand. Lautlos eilen Autos vorbei. In den Gärten schimmert es grün. Wenigstens etwas, an dem sich das Auge erfreuen kann. Halt, an noch mehr kann es sich erfreuen! Dort steht eine Straßenbezeichnung: „Wasserfallstrahe." Sonderbar, diese sandige Straße so zu nennen. Dann gewahren wir deutsche Zeitungen, deutsche Bücher, sehen deutsche Plakat-anschläge, welche die Ziehung einer Lotterie ankündigen und Trostpreise versprechen usw. usw. Deutsche Laute treffen unser Ohr. Wir grüßen, werden wieder gegrüßt in deutscher Sprache. Auch Neger sprechen deutsch. Wir gehen dann in das Hotel „Kaiser- hos", weil dort zwei Kinder zu Hause sind, die mit uns von Deutschland kamen, vom Besuch bei ihren Großeltern in Schlesien. Sind katholisch. Sie haben hier einen wirklich schonen Garten voll blühenden Lebens. Wir besuchen dann noch den Orts-geistlichen, einen Pater. Heißt auch Koch. Er führt uns in das katholische Spital und zeigt uns die Räume. Kommen zuletzt in die Kiiche. Treffen dort Schwestern. Ich frage die eine, woher sie ist. Aus Württemberg. Woher? Vom Schönenberg. Ich war mehr als erstaunt. Heimat, nun stehst du wieder vor mir, da ich am wenigsten an dich gedacht habe! Der Schönenberg! Das ist das Heiligtum, das droben steht auf der Höhe. Das Ellwangen beschützt und krönt und hinübergrüßt ins traute Geburtsdörflein, das ich so liebe. Du, meine Heimat, deinen Namen kennt man hier, dein süßer Laut wird geflüstert am Rand der Wüste. Ein Menschenkind denkt deiner in stiller Stunde und an einsamen Tagen. Zu deinen Hügeln steigt oft ein Menschenkind empor und kniet sich nieder — im Geiste nur — vor der Hochgebenedeiten im Halbdunkel des Gnadenkirchleins und betet. Heimat, ein Tor ist wieder aufgegangen in meiner Seele und froh und heiter und holdreich lächelnd bist du eingetreten und hast mich gesund gemacht. Hast die wirren Bilder vertrieben und verscheucht, die öder Sand und wehende Dünen in mir ausgeworfen. Heimat, du bist mir strahlend entgegengetreten in der kleinen Küche von Swakopmund. Noch stehen wir einander gegenüber. Die Schwester lächelt und strahlt. Sie ist aus Schönau. Heißt Schwester Regula Fuchs. Sie möchte, daß ich länger bleibe. Es geht nicht, der Zug fährt gleich ab. Wir müssen gehen. „Es ist bestimmt in Gottes Rat,..." P. Klebing fragte sie noch, ob sie nicht heim wolle. „Nein", meinte sie. Höchstens dann, wenn sie nach einem halben Jahr wiederkommen dürfe. Zurück in diese Sandstadt! Nun geben wir uns die Hand zum Abschied. Es war ein fester Druck. AIs ob ich ihr die Heimat geben müßte. Am Bahnhof treffen wir zwei Iungens. Der eine ist hier geboren, der andere in Deutschland. Wir reden mit ihnen. Schon längst sollte der Zug abgefahren sein. Aber hier kommt es auf eine halbe Stunde oder noch mehr nicht an. Endlich fährt der Zug ab. Diesmal haben wir die Fenster geschloffen. Wir singen ein Lied um das andere. Die Hitze trocknet die Kehle aus, so daß man bald heiser ist. Aber so vergeht die Zeit. Einmal sehen wir in einem ausgetrockneten Flußbett drei kleine Esel. Die Kerle sind in der heißen Zeit, wenn es nicht viel Futter gibt, lächerlich billig. Ein Glas Bier kostet mehr. Im Sand tummeln sich einige Kinder, rutschen den Abhang herab, lachen und lärmen. Ein Ein südafrikanischer Kaufladen, wie man sie in den Siedlungen der Schwarzen oder bei Eisenbahnstationen antrifft. (Photo: P. Fischer.) Die Missionsstation Mhlabatshane. Das weiße Geibä-ude rechts ist die Schule. Links steht das Schwesternhaus, in der Mitte ist die Kapelle und das Wohnhaus der Brüder. (Photo: P. Fischer.) alter Neger tappt mühsam seiner Hütte zu. Der Zug fährt langsamer. Was ist los? Wir öffnen die Fenster. Da draußen steht an einer „Station" ein Zug. Viele Wagen sind es. Alls voll von Reisenden, von Passagieren der Njassa, die nach Windhuk oder sonst irgendwohin ins Innere des Landes fahren. Ganz langsam rollt unser Zug an ihnen vorbei. Ein gegenseitiges Zurufen und Zuwinken. Ein Glückwünschen für die Zukunft. Die beiden Kinder sind mit ihrer Mutter auch dabei, doch sehen wir sie nicht. Auch zwei Schwestern fahren mit. Sie winken. Noch lange sind sie in ihrer weißen Tracht zu sehen. Dann hat uns der Sand wieder aufgenommen. Die Sonne steht glutrot im Westen über dem Meer. Verklärt alles ringsum: den Sand, das Wasser. So endet unsere erste Bahnrahrt in Afrika. Montag, den 20. Dezember — 34. Tag. Der Morgen ging vorbei wie sonst auch. Gegen Mittag kamen wir in Port Elizabeth an. Schön liegt die Stadt am Meer, im Hintergrund von grünen Wäldern umsäumt. Oder ist das nur Busch? Genau weiß ich es noch nicht zu unterscheiden. Jedenfalls ist es etwas Grünes. In Port Elizabeth befindet sich der berühmte Schlangenpark. Zu dem zog es uns hin. Ist etwas außerhalb der Stadt. Auch hier wieder Autos, Autos und Verkehr. — Der Schlangenpark selbst ist nicht groß. Wie ein kleiner Garten mit einigen Beeten und Sträuchern. Das Ganze ist mit einer niederen Mauer umgeben^ der man entlang geht. Die Mauer ist natürlich ganz glatt, so daß es den Schlangen unmöglich gemacht ist, daran hochzukommen. Außerdem ist rings ein Wassergraben angebracht. Wie wir hineinkamen, sahen wir eigentlich zuerst nichts. Bis der Neger, der sie betreut, mit einem Stock die Kerle aus ihren umgestülpten Körben herauswarf. Puh! Da quollen sie hervor, die grünen und schwarzen und gesprenkelten und sonstigen Schlangen. In allen Größen waren sie vorhanden. Noch waren es nicht alle. Er ging auf die Büsche zu, griff mit seinen dicken Lederhandschuhen hinein und zog eine um die andere heraus. Oft hatte er zehn Stück in der linken Hand. Wie die zischten und ihre Zungen bewegten! Andere wieder hatten sich am Boden ausgerichtet und schnappten nach ihm, schlugen mit dem Kopf auf den Boden. Dann hackten sie gleichsam auf sich selbst los oder sie blieben unbeweglich in dieser aufrechten Stellung, daß sie aussahen wie dürre Stecken. Andere schwammen irrt Wasser, züngelten zu uns herauf und versuchten beständig, hochzukommen. Wie die aber schnell schwimmen konnten! Nun faßte der Neger eine Anzahl und legte sie auf seinen Hut, so daß sie auf allen Seiten herunterhingen. Das war schrecklich anzusehen. Wenn sich dann eine um den Hals schlang oder im Gesicht herumkroch, dann kreischten die Negerfrauen auf. Denn die Neger haben Angst vor Schlangen. Nun ergriff er eine größere Schlange und öffnete ihr das Maul. Mit einem Stäbchen drückte er gegen die Giftzähne und fchon tropfte das Gift heraus. Dann bohrte er einen Giftzahn in feinen Handschuh, um zu zeigen, wie tief er dringt. Zuletzt spülte er der Schlange das Maul aus, da es voll von Gift war. So machteer es öfters; er nannte uns auch die Namen der Schlangen. Seine Pflegebefohlenen find alle äußerst giftig. Hier im Park wird ja den Schlangen das Gift immer wieder abgenommen und ein Gegengift daraus bereitet. — Auch eine Riesenschlange war da und ein Krokodil. Wurde das aber böse, wenn er mit dem Stab nach ihm stieß! Da fuhr es mit einer Schnelligkeit herum, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Dabei schrie es und schaute über die Maßen böse darein. — Anschließend besuchten wir noch das Museum. In einem Gebäude waren die Wunderdinge des Meeres, im anderen die des Landes zu sehen. Da sahen wir unter anderem das Skelett eines Wales. War doch an die 20 Meter lang. Schon der Kopf allein ist etwas Ungeheures. Man könnte beinahe ein Zimmer daraus machen. Von so einem Kerl sah ich im Meer gerade noch die Schwanzflossen und einen Wasserstrahl. Auch Delphine oder Schweinsfische sahen wir hier. Auch diese waren sehr groß. Dann die Kleinwelt des Meeres und all die verschiedenen Muscheln usw. Der andere Teil des Museums beherbergte die Tiere Afrikas und die verschiedenen Steinarten des Landes. Man wird ganz müd vom Sehen und vom Gehen. Plauderei aus Südafrika. Br. A. Cagol. über b i e Schule hierzulande. Zn der Union von Südafrika sind eigenartige Schulverhältnisse. Die Buren, die etwa die Hälfte der weißen Bevölkerung ausmachen und heute die (nationale) Regierung stellen, waren durch ihre Weltabgeschiedenheit zweifellos in vieler Hinsicht rückständig geblieben. Ihr Volksbewußtsein hieß sie, das Versäumte mit Riesenschritten einzuholen. Die Schule gilt dazu als eines der wirksamsten Mittel. Um den Unterricht mundgerecht und wirksam zu machen, ist die Schule kostenlos, d. h. die Eltern der Schulkinder, die Regierungsschulen besuchen, haben kein Schulgeld zu entrichten. Aber nicht nur der Besuch der Volksschulen, sondern auch jener von Stätten höherer Schulbildung ist kostenlos. Da kann man denn beobachten, wie selbst Kinder begüterter Eltern in prächtigen Automobilen am Schulpalast vorgefahren werden, während der Steuerzahler alljährlich für diese kostenlose Schulbildung in Bausch und Bogen zu bezahlen hat. Wie in allen Schulen der Welt, treibt auch in Südafrika unfreiwilliger Humor oft sein In Mhlabatshane. In der Mitte P. Theoph. Barer, CMM., der Seelsorger d. Station. Rechts: P. Malachias, eingeborener NeUPriester. Links: P. Fischer, F. 8. C. Im Hintergrund 3 Solanus-schwestern, eine schwarze Schwester und ein schwarzes Mädchen. (Photo: P. Fischer.) Wesen. Li er einige Schulantworten und Aufsatzblüten: Wie lautet die weibliche Form von Junggeselle? — Altjungfer. Was ist der Mittelpunkt der Schwerkraft? — Der Buchstabe „r". Was hatte Archimedes gesunden, als er im Bad ausrief: Keureka!? ■— Die Seife. Longfellow wurde in Amerika geboren, während seine Eltern Europa bereisten. Johanna d'Arc war Noes Weib. Die königliche Münze ist ein Gewürz, das nur auf der königlichen Tafel erscheint. Mandolinen sind hohe chinesische Beamte. Die Römer legten ihre Straßen geradlinig an, damit die Briten sich nicht an den Biegungen verstecken konnten. Julius Cäsar war berühmt wegen feiner Stärke; er warf eine Brücke über den Rhein. Wer hat zuerst von der verbotenen Frucht im Paradies gegessen? — Eva. — Eva allein? — Nein, auch der Adam aß davon. — Kätte Adam sich weigern können, von der verbotenen Frucht zu essen? — Nein, denn er dachte, wenn Eva allein von der verbotenen Frucht ißt, so stirbt sie allein. Ich werde allein zurückbleiben und eines schlimmeren Todes sterben, des Hungertodes, da niemand da sein wird, der mir den Kirsebrei kocht; daher ist es besser, wir sterben zusammen. Welches ist die größte Pein, die die Verdammten in der Kölle zu erdulden haben? — Die größte Pein muß es sein, an Künden und Füßen gebunden zu sein und einen Schwarm von Stechmücken um sich zu haben, ohne sie verscheuchen zu können. Ein Kandel. Ein Mann in Johannesburg wollte sich einen Kraftwagen anschaffen. Er hatte 50 Pfund Sterling für diesen Zweck. Er ging zu einem Automobilverkäufer und fragte ihn, ob er bei Anzahlung von 50 Pfund Sterling und monatlichen Abzahlungen ein gewisses Modell erstehen könne. Der Motormann spreizte im Schrecken seine Künde und rief aus: „Das geht nicht; die Anzahlung ist zu klein." Der Kauflustige ging unverrichteter Dinge seines Weges. Ein Freund gab ihm einen guten Rat. Demgemäß begab er sich in ein nahes Landstädtchen und erstand mit seinen 50 Pfund Sterling ein gebrauchtes Auto. Mit diesem fuhr er zu dem Automobilverkäufer in Johannesburg, mit dem er kein Geschäft hatte machen können, und sagte ihm: „Ich möchte dieses gebrauchte Auto gegen ein neues einhandeln; geht das?" — „Aber gewiß", sagte der Motormann nun, „wir nehmen Ihren gebrauchten Kraftwagen zum Werte von 120 Pfund Sterling in Zahlung und den Rest werden Sie in monatlichen Abzahlungen von je 10 Pfund Sterling abtragen." Auf die Schliche gekommen. Ein von der Kultur noch unbeleckter Afrikaner fand ein Stück Spiegelglas. Er erblickte darin ein Gesicht. Da er fein eigenes Antlitz nicht kannte, jedoch eine gewisse Ähnlichkeit feststellte, glaubte er, er sehe das Gesicht seines Im Schlangenpark von Port Elizabeth. Photo: P. Zeifang.) vom großen Geist abberufenen Vaters. Er trug das Zauberglas in seine Lütte und versteckte es im Dachstroh. Von Zeit zu Zeit zog er es hervor und betrachtete staunend das wieder zum Loben gekommene Antlitz seines Vaters. Seiner Frau fiel das veränderte Wesen ihres Mannes auf. Sie beobachtete ihn genauer und überraschte ihn, wie er etwas iin Stroh der Lütte verbarg. Als sie allein war, suchte und fand sie das Spiegelglas. Aus demselben blickte sie ein weibliches Gesicht an. Da geriet sie in Zorn und ries aus: „So, das ist also das häßliche Weibsbild, dem er jetzt nachläuft!" Kundig. Eine weiße Frau fragte einen Schwarzen, wie lange die Esel lebten. (Sie wünschte zu wissen, wie alt sein Esel sei.) Der dunkle Weise erwidert: „Jener Bambuszaun lebt drei Jahre; ein Lund lebt dreimal die Jahre des Bambuszaunes; ein Esel oder Pferd lebt dreimal die Jahre des Lundes, Und das Leben eines Menschen dauert dreimal die Jahre eines Esels." Umschau. Die Stunde der Bewährung für den Katholizismus in China. Rom. An Versuchen, den Fremdenhaß zu schüren und vor allem die Missionäre als Send-linge eines feindlichen Auslandes und Bundesgenossen des Angreifers hinzustellen, hat es seit Beginn des Krieges in China nicht gefehlt. Kein Wunder, wenn sich teilweise Anzeichen von .Fremdenfurcht bemerkbar machten, wo es dem Volke an der nötigen Unterscheidungsgabe gebrach. Aber die Antwort auf die verleumderischen Anklagen ließ Nicht lange auf sich warten, oder vielmehr sie war ja von Anfang an schon gegeben. Man sah die 'Missionäre auf ihren Posten ausharren, man sah, wie sie der -Gefahr trotzten, um Verwundeten und Flüchtlingen beizustehen. Wie der rühmlich bekannte Pater Iacginot in Schanghai erschöpften sich auch in allen anderen 'Missionen die Missionäre in Linderung der Not und des Elendes. Hatte doch der Apostolische Delegat Exz. Zanin von Anfang an die Parole ausgegeben, die Missionsoberen sollten ihre Schulen, Residenzen, Seminarien, selbst die Kirchen für die Kriegsopfer zur Verfügung stellen. Die chinesischen Behörden wußten diese Haltung und den Beistand der Missionäre wohl zu schätzen und drückten öfters ihre Dankbarkeit aus: einen tiefen Eindruck hinterließ auch der Seelengottesdienst für die Kriegsopfer, den der Apostolische Delegat in allen Kirchen des Landes auf den gleichen Tag und auf dieselbe Stunde des 18. Jänner 1938 ansagte. In Hankow wurde die Totenmesse in der Kathedrale abgehalten: der Apostolische Delegat nahm die Absolution vor in Gegenwart des vollzählig erschienenen Diplomatischen Korps und der Zivil- und Militärbehörden. General Tfchang-kailschek, der von der Front nicht abkommen konnte, hatte im Flugzeug einen Stabsoffizier als Vertreter geschickt. Hunderte von Telegrammen liefen beim Avöstolischen Delegaten ein, und Behörden und Bolk wetteiferten, die Kathedrale mit Blumen 'auszuschmücken. Nach einigen Tagen kam aber auch ein Brief des Generalissimus mit folgendem Inhalt: „Höre und überlege wohl, was ich Dir schreibe, Erzbischof Zanin. Die chinesischen Katholiken, 'über das ganze Land hin zerstreut, haben seit langer Zeit unter Deiner Führung und Weisung, ehrwürdiger Apostolischer Delegat, ihre Werke der Barmherzigkeit, Liebe und Erziehung ins Vielfache gesteigert und viel in der Vergangenheit getan/ Jetzt sind viele Offiziere und Soldaten im Kampf um die Verteidigung und Behauptung Chinas gefallen, bereit, für und mit dem bedrohten Vaterland ihr Leben hinzugeben, während das unschuldige Volk allem Unheil preisgegeben ist. Unter fotanen Umständen hast Du im Namen der Pietät ein feierliches Gebet angeordnet, um der Toten zu gedenken und den Frieden für die Lebenden zu erbitten. Das ist wirklich Sinn für Recht und Gerechtigkeit, das heißt Liebe und Erbarmung, die nie zwischen Himmel und Erde ausstirbt! Als oberster Heeresbefehlshaber muß ich die Truppen an der Front führen und konnte darum nicht persönlich der Totenfeier beiwohnen; das tut mir tief in der Seele leid und diese meine Abwesenheit läßt auch den Stachel b-es Mißvergnügens und der Traurigkeit in meinem Herzen zurück. So steht mein Herz dem Gefühl der Hochachtung und des Dankes offen; ich danke Dir, dem Erzbischof, im Namen der Heerführer und der Soldaten, wie auch des Volkes der Republik. Ich wünsche Dir Glück und Wohlergehen. Tschangkaischek, 22. Jänner 1938.“ Neues Gesetz über die Arbeitspflicht der Eingeborenen in Südafrika. Lydcnburg (Transvaal, Südafrika). Bisher waren alle Eingeborenen, die auf Farmen der Weißen in selbsterbauten Hütten wohnen und dort Weideplatz und 'Ackerfeld benützen, gehal-ren, an Stelle einer Bezahlung des 'Pachtes in Bargeld, drei Monate für den weißen Herrn zu arbeiten. Die vor zwei Jahren eingebrachte „Native Service Contract Bill" will die 'Schwarzen nunmehr für eine Arbeitsdauer von vollen sechs Monaten verpflichten. Trotzdem der Gesetzentwurf auch bei vielen Weihen Kopfschütteln und Entrüstung hervorrief, gelang es den burifchen Abgeordneten, feine Annahme im Parlament, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, Der Segen des Neupriesters. Der erste Priester aus dem Stamm der Khafsi in der Diözese Shi^ong-A s s a m, die den Salesianern Don Boscos untersteht, erteilt Großmutter, Bruder und Schwester den Primizsegen. Die Diözese zählt unter fünf Millionen Einwohnern 26.000 Katholiken. (Fides-Foto.) durchzudrücken. Zunächst hat der Generalgouverneur das Recht, in .gewissen Fällen die sechsmonatliche Arbeitspflicht auf vier Monate herabzusetzen. Seiner erlangt die neue Maßnahme erst dann in einem Distrikt Gesetzeskraft, wenn die Farmer in ihrer Mehrzahl für deren Einführung in ihrem Bezirk gestimmt h>aben. In Lydenburg liegt nun die Sache jo, daß die Farmer mit Majorität sich für die Einführung der neuen Bill ausgesprochen haben. Der Genera tgouver neu r setzte seinerseits die Arbeitspflicht auf vier Monate herab. Die Folge ist Unzufriedenheit auf allen Seilen. Viele Schwarze, denen die Neuerung mitgeteilt wurde, erklärten geschlossen, sie würden lieber andere Wohnsitze aufsuchen, alls sich dem neuen Gesetz fügen. So bleibt mir deren Ausweisung und Neuansiedlung in angrenzenden Distrikten, wo der neue Gesetzentwurf noch nicht in Kraft getreten ist. Die Farmer aber laufen Gefahr, alle ihre eingeborenen Pächter und damit ihre billigen Arbeitskräfte zu verlieren, übrigens sind manche Farmer schon auch deshalb mit der Verfügung des Generalgouoerneurs unzufrieden, weil sie am liebsten auf einer sechsmonatigen Arbeitspflicht der Eingeborenen bestehen möchten. Die Missionäre hoffen, daß die Angelegen-heit noch eine für die Eingeborenen 'günstige Wendung nimmt. (Fides.) Der Krieg und feine Folgen in einem Apostolischen Vikariat der chinesischen Provinz Shantung. Taikiachwang (Penchowfu, China). Nachdem Anfang Jänner auch Penchowfu Kriegsgebier geworden war, suchten Christen und Heiden Zuflucht in der Katholischen Mission. Die Bischofs-residenz bot zeitweilig 15.000 Flüchtlingen, Tai-kiachwang sogar 30.000 dieser Armen Unterkunft. Selbst die bischöfliche Kathedrale beherbergte während vierzehn Tagen 2000 Menschen. Dazu kamen die größeren und 'kleineren Zelte im Freien, auch dann noch, als die Temperatur auf —14 Grad lank. Bald fanden sich auch die Strahenhändler ein, um ihre Waren anzupreisen, und so bot die Mission den Anblick eines groben Lager- oder Fahrmarktlebens. Kaufleute, Beamte und andere vornehmere Familien, die früher kaum eine Annäherung an die Mission gesucht oder gefunden hatten, sind jetzt durch die Not der Zeit in die Mission gedrängt worden und haben ihre Liebestätigkeit näher kennen gelernt. Eine gewaltige Bewegung zum Christentum hat -daraufhin unter ihnen und in der ganzen Umgebung eingesetzt. Es wurde den Heilsbegierigen in der verschiedensten Weise Gelegenheit geboten, mit unserm heiligen Glauben bekannt zu werden. Fn Penchowsu wurden vor kurzem 500 meist den oberen Ständen ungehörige Chinesen feierlich als Taufbewerber aufgenommen. In Taikiachwang meldeten sich bis jetzt über 40 Gemeinden mit über 2000 Familien geschlossen zum Christentum. 'Sie wollen selbst das Gebetslokal stellen und den Glaubens-lehrer 'unterhalten. Fn der Mission Dsining, die zeitweise zirka 10.000 Flüchtlinge betreute, erhalten u. a. 200 heidnische Schülerinnen, die wenigstens die Wolksschule absolviert haben, regelmäßigen Religionsunterricht. Bis jetzt haben beide kämpfende Parteien das Mifsionseigentum geflissentlich geschont, so daß uns kaum nennenswerter Schaden zugefügt wurde. Auch die Missionäre selbst sind, soweit es die Verhältnisse gestatten, von keiner Seite in ihren Arbeiten gehindert. (Fides.) Mota Saheb? Von Erlebnis zu Erlebnis im Wunderland Indien. Von Johann Baptist Müller, S. J. (Fortsetzung.) Er war ein breiter, -schwerer Geselle und über vier Meter lang. Der Kollektor zog den Oberkiefer hoch, und aus dem Rachen des Mnggurs kam ein höchst widerlicher Gestank. Vor dem schauerlichen Gebiß, das sich da zeigte, konnte man schon Respekt haben. Am Oberkiefer starrte jederseits eine Reihe von 17 oder 18 kegelförmigen, etwa 4 Zentimeter langen Zähnen und ebenso am Unterkiefer. Die Zähne waren an der Wurzel dunkelgrün, und mein Freund meinte, -der Muggur sei ein gar alter Sünder. Nun hieß es, den Muggnr aus dem Flußbett hinaus ans Ufer zu Bringen. Es wurde ihm deshalb ein dickes 'Seil hinter den Vorderbeinen um den Leib gebunden, und eine Reihe von Männern zogen ihn so Lurchs spärliche Wasser und über den Felsen hin zur V-erladnngsstelle am Ufer, während wir zwei Sahebs wieder hinübergetragen wurden. Mit großer Mühe wurde das schwere Tier auf einen langen Ochsenkarren gehoben und dann zum Lager des Herrn Kollektors gefahren. Beim Ausweiden dort fanden sich im Magen des Muggurs zwei daumendicke silberne Armringe, ein sicherer Beweis oajür, daß derselbe eine unvorsichtige Hindufrau wahrscheinlich beim Wasserschöpfen oder Waschen weggeschnappt und verzehrt hatte. — Wer weiß, wie viele andere Menschenleben außer diesem einen der „alte Sünder" noch auf dem Gewissen hatte! Meinem hohen Freunde aber war ich für seine freundliche Einladung zu dieser Kroko- * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Eo. in Freiburg (Breisgau), Baden. dilsj-agd sehr dankbar, und die dabei gewonnene Erfahrung hat mich für meine späteren Gänge zum Tapti noch vorsichtiger gemacht. 18. Heil dir, Monsun! Es gibt kaum etwas in der ganzen Welt, was Menschen und- Tiere mit solch verzehrender Ungeduld- ersehnen, mit 'solch fieberhafter Spannung erwarten und mit solch jauchzender Freude begrüßen, wie die Menschen und Tiere in Indien nach all den Schrecken der heißen Jahreszeit den Monsun ersehnen, erwarten und begrüßen: die Ankunft der kühlenden- und erfrischenden Regenzeit. Wer den indischen Tropensommer kennengelernt hat, findet das auch ganz natürlich und erklärlich. Wenn die Sommerhitze, von Sktfl zu Tag zunehmend, die ga-nz-e Umgebung gleichsam in einen Backofen verwandelt und sich im letzten Monat vor dem Monsun geradezu zur Unerträglichkeit gesteigert hat, wenn -das ständige Schwitzen, der quälende Durst und die schwülen, schlaflosen Nächte die Nerven geschwächt und schier den letzten Rest von Energie und Lebensmut verzehrt haben, — dann steigt in j-edem fast leidenschaftlich der große Wunsch aus: „Ach, käme -doch endlick einmal der erlösende Monsun!" Dann bildet überall der kommende Monsun den Hauptgegenstand -des Tagesgespräches. Dann fragt man sich überall:,,Wann wird er wohl in diesem Jahre losbrechen? Sind noch keine Anzeichen von seinem Kommen bekannt geworden?" Dann läuft man viel mehr als sonst ans Barometer, ob es noch nicht ein wenig gefallen ist und den ersehnten Wetterwechsel meldet. Dann schaut man so oft nach dem Südwesten, -ob sich noch keine Wolken am Horizonte zeigen. Dann sucht man in den Zeitungen am frühen Morgen mit größter 'Spannung nach der wichtigsten und allerbedeutendsten Nachricht, ob in Colombo oder -in Cochin der Südwestwind noch, nicht eingesetzt habe, der Monsun noch nicht losgebrochen sei. So steigert sich das ungeduldige Sehnen und Harren und Ausschauen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Und wenn einmal endlich die sichere Meldung kommt: „Der Regen hat in Colonibo eingesetzt!" dann wird es allen leichter umZ Herz, dann weiß man: in ein paar Tagen ist er auch bei uns! Endlich fällt 'auch wirklich das Barometer ganz gewaltig. Der östliche Himmel färbt sich gelb und L'Unkelgelb. Es wird kühl und kühler. Ein starker Luftdruck setzt ein, der Vorläufer vom Sturm. Die himmelhohe gelbe Wand kommt näher. Es ist der massenhafte Staub, den der Sturmwind vor sich hertreibt. Jetzt heißt es, alle Fenster und Türen fest verschließen. Ehe man ftch's versieht, ist der Sturm auch schon da und verstärkt sich zum wütenden Orkan. Was nicht niet- und nagel- fest ist, fegt er fort und reißt er mit sich. Man meint, er wolle an den Bäumen nichts mehr heil lassen, Blätter und Zweige wirbeln dahin, baumdicke Äste krachen unter seiner Wucht herunter und schlanke Palmbäume biegen sich mit ihrer Krone bis auf den Boden. Der Himmel hat sich schwarz verdunkelt, Blitze zucken sonder Zahl und rasselnde Donner krachen, daß es einem ordentlich bange wird. Es ist ein Getöse und ein schauriger Tumult, als ob die Welt unterginge. Ein sintflutartiger Regen setzt ein, daß es klatscht. Äiach einer Stunde ungefähr hat der Orkan ausgerast, aber mächtig und energisch strömt fast seildick der Regen weiter, unaufhaltsam weiter. Ha! Jetzt ist der Monsun wirklich da und in vollem Schwung. Gott sei Dank! Heil dir, Monsun! Ha, welch angenehme Kühlung! Welch wohltuende Erfrischung! Welch erauickender Regen- und Erdgeruch! Wie atmet mau da erlöst, froh und zufrieden auf! Wie rege wirld's jetzt in den Bäumen! Wie lebhaft schwätzen jetzt die vorher halbtoten Krähen miteinander! Wie toll vor Freude Wißbegierige junge Insulaner. Die Cook-Inseln, eine kleine, 1775 von dem berühmten Seefahrer enldeckte Gruppe westlich von Tahiti, haben heute eine katholische Christengemeinde von 1100 Seelen, nahezu ein Zehntel der Gesamtbevölkerung. Die Schwestern St. Josephs von Clunp haben dort Schulen eingerichtet; auf dem Bilde sieht man eine von ihnen beim Lese- und Schreibunterrichr unter der glühenden Tropensonne. (Fides-Foto.) schwirren die Schwärme rotgeschnäbelter, grüner Papageien tat kreischend von einer Baumkrone zur andern und verüben einen Mordsspektakel. Das letzthin in den heißen Tagen so bescheiden gewordene Volk der Spatzen treibt sich jetzt voll wilder Ausgelassenheit überall herum un& gibt mit seinem endlosen Zwilch-Zwilch-Zwilch,-Geschrei allen zu verstehen, daß es sich wieder lohnt, sich des Lebens zu freuen. In der Nacht, wo die Vögel schweigen, übernehmen die Frösche tausendstimmig das Freudenkonzert. See alle übertönt aber mit seiner tiefen Stentorstimme der Ochsenfrosch, dessen Weise mehr ein regelrechtes Blöken als ein Quaken ist. In meinen ersten Jahren in Indien kannte ich diesen ,Sänger noch nicht. AIs ich einmal noch, um Mitternacht im Kolleg zu Bombay an meinem Schreibtisch saß und dem prasselnden Regen draußen zulauschte, hörte ich- plötzlich ein lautes, markantes Blöken. Ich meinte bestimmt, es würde eine Herde Kälber vorbeigeführt. Um darüber Aufschluß zu haben, klopfte ich meinem Zimmernachbarn, 6er auch noch auf ivar, an der Bretterwand: Sagen Sie einmal, was ist das für ein Blöken? Werden wohl hier Kälber zur Nachtzeit ins Schlachthaus gebracht?" „Ach was!" «sagte ntettr Nachbar lachend, „das Blöken kommt nicht von Kälbern, sondern von den riesigen Ochsenfröschen, die jetzt aus allen ihren Verstecken herauskommen und sich am kühlen Naß freuen. Morgen früh können Sie deren genug im Grase drunten herumhopsen sehen." Obschon nun, wie ich mich selber überzeugen konnte, die Ochsenfrösche gut sechs- bis achtmal größer sind als die >größten gewöhnlichen Frösche, so steht doch ihre mächtige Kälber-ftimme in keinem Verhältnis zu ihrer Größe. Immerhin ist es ergötzlich, ihrem -mpomeren-den Baß-Solo zuzuhören, und ich habe noch oft bor dem Einschlafen darüber gelacht. Wer aber mehr, unvergleichlich mehr als alle Vögel und Frösche die Ankunft des Monsuns würdigt und genießt, das ist der durch die lange furchtbare Hitze fast zur Verzweiflung getriebene Mensch. Die mit den: mächtig einsetzenden Regenfall verbundene wohltuende Erfrischung kommt ihm vor wie eine glückselige Erlösung aus dem Fegefeuer. Ja, so ist es in aller Wahrheit und Wirklichkeit! Man war ja völlig erschöpft und zu nichts mehr aufgelegt, nicht ei»mat mehr zum Essen. Nichts wollte einem mehr schmecken. Alles Warme und Fettige widerte einen an. Man wurde ganz schlapp und oBgeta. — Und nun endlich, endlich diese unbeschreibliche Labung, die den ganzen Organismus unsäglich wohltuend durchdringt und den nicke rge schlag enen Geist neu belebt uUd freudig umstimmt. Wie dankt man da aus Herzensgrund der gütigen Vorsehung, die allem, auch der Hitze und dem schweren Dulden, ein Ziel gesetzt hat! Man lebt wieder auf und fühlt sich- als Mensch. Man freut - ficO wie ein getröstetes und beschenktes Kind über den glücklichen Umschwung, und man wundert sich nur, wie man die anhaltende Quäl der letzten Monate ausgehalten hat. Nun läßt sich's Wickler leben. Jetzt kaun man wicker erfrischt und froh an die Arbeit gehen. Jetzt kann man wieder mit Appetit essen. Jetzt kann man wieder die ganze Nacht hindurch eines erquickenden Schlafes sich erfreuen. Jetzt braucht man nicht mehr draußen zu kampieren, man hört kein Stöhnen und Seufzen mehr und- braucht nicht mehr halb verzweifelt bis nach Mitternacht auf den ersehnten Schlaf zu warten. O selige Regenzeit! Kein Wunder, daß sich die armen Menschenkinder wieder freuen und guter Dinge sind. Das merkt man besonders abends. Da herrscht in allen Bungalows (Wohnungen) ringsum reges, fröhliches Leben. Vorher lagen sie in tiefem Dunkel — wer wollte denn auch im Haufe sein? — Dazu hatte man das Gefühl, als ob alles Licht, selbst das Mondlicht, die Hitze vermehre. Nun aber sind sie alle licht und hell und freundlich. Vorher war es in den Häusern tot, — jetzt aber sind die Familien wieder toergnügt beieinander und vertreiben sich angenehm die Zeit. ■— Fremde und Bekannte kommen wieder zu Besuch, überall ertönt lebhaftes Geplauder, fröhliches Lachen, Musik und Gesang, Grammophonleierei und Klaviergeklimper. Zu lange jedoch dehnt man die lauten Abendfreuden nitin aus. Mau begibt sich zeitig, wenigstens bald nach zehn Uhr, zur Ruhe und überläßt sich dem sehr geschätzten erquickenden Schlaf, während draußen der Regen unverdrossen weiterplätschert. Nun muß man aber ja nicht meinen, die Regenzeit in Indien sei eine Periode ungemischter Freude und ungetrübten Glückes. Denn auch in Indien gilt die Wahrheit: „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil!" Zwar fühlt man sich durch des Regens Kühlung und die .ungestörte Nachtruhe wie neu geboren; — zwar freut man sich an dem ringsum neu erwachenden Leben in der Natur; — zwar schwelgt das entzückte Auge beim Anblick all des zarten, frischen Grüns, das sich wie ein Teppich überallhin ausdehnt, sowie des fabelhaft üppigen Wachstums und saftigen Glanzes, in dem die vielen Palmen- und Musengewächse, die baumartigen l®Täfer und überhaupt die ganze Welt der Tropenvegetation wie in paraüiesischer Fülle und Verklärung dasteht: — und doch bringt eben diese herzerquickende Zeit auch vieles mit sich, was weniger erquicklich ist. Oft genug nämlich kommt es vor, daß der Regen zu spärlich fällt und tagelang aussetzt, oder aber, daß er zu massig und ununterbrochen herniederströmt. — Im ersten Fall wird die wicker einsetzende Hitze durch die Feuchtigkeit der Atmosphäre ja ft noch drückender und unerträglicher bei Tag und Nacht, als sie in der Sommerzeit war. Zudem schlüpft gerade zu der Zeit besonders -die Brut der ganzen Jnsektenwelt aus, so daß tausenderlei Arten von Ungeziefer, Motten, Faltern, Schmetterlingen. Fliegen, Schnaken, Moskitos usw. die Luft durchschwirren, im Hause berumfliegen und- dem armen Menschen keine Ruhe lassen. — Wollte ich ein wenig un-be-belligter zu Mittag oder zu Abend speisen, dann mußten erst Fenster und Türe des Speisezimmers geschlossen werden. Und felBft so konnte ich mich der im Zimmer umhersau-senÄen Motten, Fliegen und Heuschrecken kaum erwehren. Um nichr gleid)- den Teller-voll Insekten zu haben, mußte ich ein dünnes Leintuch über mir und den Speisen über den Tisch hin ausbreiten. — Auch wenn ich abends spät am Schreibtisch arbeitete, war ich toon allen möglichen Insekten umschwärmt, so daß ich die ganze Zeit um mich schlagen mußte und kaum vorwärts kommen konnte. Viele indes von ihnen begingen Selbstmord, indem sie sich verwegen auf die grelle Lampe stürzten und verbrannt auf den Tisch sielen. Ein großer Teil wurde auch von den Zimmer-Eidechsen, den sogenannten Fliegenfängern, weggeschnappt und verzehrt. Diese grauen Eidechsen sind ganz harmlose Tierchen, gut 20 Zentimeter lang, und halten sich hinter den Büchern, den Schränken und den Bildern an der Wand auf. Eine besonders zutrauliche Eidechse, die meinen Schreibtisch zu ihrem Heim erkoren hatte, kam mir beim Schreiben sogar bis an die Feder und schnappte mir die Moskitos von den Fingern weg. Diese Fliegenfänger hatten jetzt eine goldene Zeit und brauchten sich wegen Mangels an Futter nicht zu beklagen. Wo ich sie nur sah; hatten sie gut gespickte Bäuchlein. Eines Abends kam zu guter Letzt noch eine große, langbeinige Heuschrecke zum offenen Fenster hereingeschossen und setzte sich gerade vor mir aus den Rücken eines Buches, schaute sich die Umgegend an unb wars auch mir einen verdächtigen Seitenblick zu. Da kam aber auch schon meine Eidechse aus ihrem Versteck heraus und postierte sich einige Bände vor der Heuschrecke. -Sie war bereits trommelvoll, und ich war gespannt, ob sie den Fraß des grünen Besuchers auch noch unternehmen Unaufmerksame Rechenschüler. Die Consolata-Misstonsschwester müht sich buchstäblich im Schweiße ihres Angesichtes, ihre kleinen Schwarzen in die Geheimnisse der Rechenkunst einzuführen. Nicht alle scheinen mit der nötigen Aufmerk-samkeit zu folgen und tatsächlich ist auch der „Schulsaal" zu groß, um nicht die verschiedensten Ablenkungen zu rechtfertigen. (Fides-Foto,) werde. Ja. wahrhaftig! ©ie macht Ernst. Nachdem sie sich ein paar Mal mit dem Zünglein ums Maul herumgefahren', macht sie dnin energischen Frontangriff, schießt auf die verdutzte Heuschrecke los uüd reißt ihr wie nichts das rechte Vorderbein ab. Dann flugs wieder auf ihren Posten zurück. Empört reckt sich die Verstümmelte >aus, als ob sie protestie-renid sagen wollte: „Was für eine Unverschämtheit das!" Gleich folgt ein zweiter Angriff, und auch das linke Heuschreckenbein fällt auf den Tisch: Wie gelähmt bleibt der grüne Springer sitzen und zittert. Wiederum macht sich die mutige Eidechse heran, beißt der Heuschrecke in den Kopf und bemüht sich, sie hinabzuwürgen. Allerdings eine ungeheure Arbeit, denn sie ist ein „'schwerer Junge". Die Eidechse dreht und windet sich, um sie hinunterzukriegen. Aber es gelingt ihr. Immer mehr von ihrem langen Leib verschwindet, bis nur noch die Enden ihrer Hinterbeine aus der 'Schnauze der Eidechse herausragen. Eiidlich hat sie dieselbe ganz binnen. Jetzt hat sie aber übergenug. Sie kann sich kaum mehr bewegen. Langsam schleicht sie wieder hinter die Bücher, um dort in aller Muße ihre reichlichen Einnahmen zu verdauen. Glücklicherweise dauert diese Belästigung von seiten der herumschwirrenden Insekten nicht lange, denn teils werden sie von Vögeln, Fledermäusen und Eidechsen aufgezehrt, teils gehen 'sie im neu einsetzenden Regen zugrunde. Fällt aber, im zweiten Falle, der Regen zu massig und unausgesetzt, so hat das andere Übel zur Folge. Die Nässe und Feuchtigkeit dringt überall ein, so daß selbst das Bettzeug flammig und muffig wird. Schuhwerk und Weider werden schimmelig und verderben leicht. Schreibpapier wird so feucht. Laß die Tinte sich gleich verbreitet und man kaum etwas ordentlich schreiben kann. An den feuchten Wänden, besonders in den 'Ecken, bilden sich kleine gelbliche Pilze, die dem Zimmer ein unreines Aussehen verleihen. Da mau wegen der Nässe kaum ausgehen kann und gezwungen ist, sich im feuchten Hause aufzuhalten, und weil es kaum mehr möglich ist, sich trocken und rein zu fühlen, so kommt es einem vor, als ob die Verhältnisse während der heißen Zeit und auch des aussetzenden Regens trotz allem dennoch günstiger wären. So bekommt man wegen der anhaltenden Nässe und deren Begleiterscheinungen und des schwer bewölkten Himmels auch die so gepriesene Monsunzeit satt, und man sehnt sich wieder nach der lieben Sonne. In den meisten Jahren jedoch hat man während des ganzen Monsuns kaum irgendeinen Grnnd zur Klage, und meist hinterläßt diese Jahreszeit nur die angenehmsten Erinnerungen. 19. Kleine Tierchen — große Plagen. Die Tropenländer, gleichviel ob in Asien, Afrika, Amerika oder Ozeanien, mit ihrer grandiosen, überwältigenden Vegetation und ihrer überreichen und eigenartigen, dem Menschen vielfach gefährlichen Tierwelt, sind nicht wie ein großer botanischer und zoologischer Garten, in welchem man ungeniert, sorglos und unbehelligt herumspazieren kann, um all die fremdartigen, aus weitester Ferne hier in nächste Nähe gebrachten Tiere und Pflanzen genau zu sehen und zu bewundern, und dann wieder guter Dinge und höchst befriedigt mit all dem Geschauten heimzugehen. Nein, durchaus nicht. Wohl mag man von gesicherter Stellung aus beim Anblick der üppigen, färben- und formenreichen, paradiesischen Blumen- und Pflanzenwelt dort in Ekstase geraten und, von der trunkenen Begeisterung auf den Pegasus gehoben, die herrlichsten Lobgedichte auf Palmenhaine und Orchideenpracht hervorzaubern, — gegen alles aber, was in der dortigen kleinen und großen Tierwelt kreucht und fleucht und herumschleicht, heißt es, sich in acht nehmen, heißt es: Aufgepaßt! Ach ja, es ist leider nur zu wahr, daß man im Tropenlande, also auch in Indien, immer auf der Hut sein und sich wehren muß gegen die verschiedensten Arten lästigen Tiergesindels. Dabei denke man aber nicht gleich an die gefährlichen großen Tiere, an Tiger, Panther und Schlangen. Mit diesen kommen ja die allerwenigsten Europäer jemals in nähere Berührung. Die allermeisten von ihnen, auch wenn sie viele Jahre in Indien verlebt haben, müssen, wenn 'sie ehrlich sein wollen, bekennen, daß sie niemals eines dieser gefährlichen Tiere in der Freiheit draußen gesehen haben. Womit aber alle in Indien zu rechnen haben, das ist die fast ständige Plage von seiten der viel zahlreicheren kleinen und kleinsten Quälgeister aus dem Tierreiche. Die kleinsten Unholde, mit denen jeder Ankömmling aus Europa von ivornherein Bekanntschaft machen muß, und aus deren Gesellschaft er nie herauskommen wird, isolange er in Indien weilt, sind die Moskitos. Was sind das nun für Dinger, diese Moskitos? Eine Moskito ist mal sicher kein Buffalo, wie eine junge Dame meinte, die, als sie kurz nach ihrer Ankunft einer Herde dieser vorsintflutlichen, schwerfälligen, friedlichen Haustiere begegnete, bestürzt fragte, ob diese nicht die schrecklichen Moskitos seien, von denen sie so viel gehört habe. Das Wort „Moskito" ist die Verkleinerungsform des spanischen Wortes „mosca", d. h. Fliege, und bedeutet daher: kleine Fliege. Sie ist nichts anderes als eine Stechmücke und gehört zur Ordnung der Zweiflügler. Außer den zwei Flügeln zum Fliegen hat sie sechs haardünne Beine, von denen sie vier zum Gehen braucht, und die zwei langen Hinterbeine, die mit dem Saugapparat vorn am Kopfe verbunden sind, als Pumpenschwengel dazu benützt. (Fortsetzung folgt.)