Illyrisch es Blatt Nutzen und Vergnügen. Nr», 3. Freitag den i 5^ Ja n n e r 1619. An die Freunde vaterländischer Wissenschaft und Kunst. < (Vom Herrn Hofrctth Freyherr« von Hormayr.) ^»»^urch ein güngee Geschick, der historischen Muse, bem Werth und dem Ziele seines Lebens ganz hin-gegeben, glaubt der Unterzeichnete wahrend der bey» ben letztucrfiossencn Sommer die unerläßlichen Vehcl-fe gesammelt, manche Vorfragen und Steine des Anstosses beseitiget, überhaupt in seinen Arbeiten jene Fortschritte gemacht zu haben, die ihn berechtigen, im Laufe des eintretenden Jahres, an die lange gewünschte „Hcrausgab/scincr sämmtlichen Werke" wirttich Hand anzulegen. Resultate aus neucntdcckten, lange verborgenen, ^"nge bezweifelten Quellen, aus mehreren tausend, Urkunden und Parallelstellen gleichzeitiger oder in anderer Weise vollgütiger Gewährsmänner gezogen, ^c,ultaie, durch langjähriges Mühen im Inlande, ^'e durch die liberalsten Mittheilungen gelehrter For-'-^ Ul Baicrn, Schwaden und Sachsen, in der. ^"hwciz, in Oberitalien und England aufgesammelt, durch das epge Gitter historischer und archiva-'scher Kritik gesiebt und von jeglicher Spreu streune gesondert, Resultate dieser Art, schreiten nicht 'wt der flüchtigen Ferse der Journalistik, sie machen Lilien Anspruch auf den chamäleontischcn Farben-Hlanz der Literatur des Tages. Dafür brauset aber "Uch in demjenigen, was sich aus dc:n sturmbcwcg-^'n Mittclalter, durch diednanchcrlcy Gu.tesnrthe»-lc von Feuer und Wasser, von Verwesung und ^andalism zu Uns herüber gerettet hat, der Gcist "nd die Kraft jenes eisernen Holsteincrs, dcr yo? Edwards Hl. spottenden Schranzen, dem Löwen «n Zwinger seinen Hut aufsetzte, mit drohendem Finger verbiethend, ihn abzuschütteln — der Geist und die -Kraft des Mannsfelder Grafen am Wölfcsholz, als er mit starrer Faust, zum Vorzeichen des Sieges, in den Wchrstein hincingriff und der Stein dem S'.msonsgruße sich bog, wie weiches Wachs'. Der Unterzeichnete ist gesonnen, diese Samm-lung mit der historischen Kritik zu beginnen, der er, vom neunten Lebensjahre an, seine einsame arbeitsvolle Jugend gewidmet und in welcher er im drey-zehnten Jahre, durch eine genealogische Abhandlung, den ersten schriftstellerischen Versuch gewagt hat. — Diese Forschungen umfassen die meisten Zweige dcr Archivbwisscnschaft; insonderheit auch die Geographie des Mittelalters, von der Wiedererweckung des .abendlandischen Kaiserthums durch den großes Karl, bis znm Nntergang>dcr Hohenstauffen und zum doppelten Zwischenreichc in Oesterreich und in Deutsch-, land. Sie gehen von den liburnischcn und adriaci-schen Küsten, (wo deutsche, slavische, magyarische, italienische und byzantinische Gränze, Sprache, Sit, te und Sahung sich begegnen,) über die dinarischen, julischen, carnischen und norischen Alpen hinauf in die rhatischcu und tridcntinischen Berge, bis h^ab an die paradiesischen Sceufcr, ob dem altgallischetl Mayland, bis wo sich Vur^ndienö und Alleman-niens Marken berührten und Schwaden und Vaiern, an Donau und Lcch in einander stoßen. Ncben der Geographie, war auch die Ge-,ealo-gie des Unterzeichneten Hauptaugenmerk. Es ist einmahl Zeit, daßzwirOesterreichcr aufhötcn, manch« ia StemmatograpHis ^!n eine alterthFmliche Nebelwelt hinaufzuschrauben, welcher dic Geschlechtsnahmen noch ganz fremde, welcher höchstens einigs schwankende Ueberlieferungen eigenthümlich sind, Urkunden aber und Denkmahle durchaus fehlen. — Es ist Zeit, daß Graf Vabo von Adensbergmit, seinen zwey und dreyßig Söhnen und acht Töchtern, daß Azo von Kuen-ring und Gobatsburg, vermeintlicher Ahnherr acht-, zehn adelicher Geschlechter/ganz unbedingt den Herkules bey Thespis fünfzig Töchtern überbiethen, — daß alle vom Rhein und Nekar eingewanderten Familien, von jenen Schwaben hergeleitet werden, die nut Albrecht I. nach Österreich gekommen seyn sollen !?. — Dessen ungeachtet werden gerade des Un-terzeichneten Arbeiten, aus dem Gebiethe der Stam> Meskunde bezeugen, wie liebend er wahren Glanz des Alterthums aus den sumpfigen Untiefen der ' Schmeichele»), aus der trügerischen Schneewelc will-kührlicher Vermuthungen und bloßer Wahrscheinlichkeit emporzuheben trachte, wie el so gerne eine Pö'cile vaterländischem Großthaten hingestellt hätte, auf daß die Einen, wie im Schauspielhaus, das He«» liche ergreife, wenn sie eü auch nicht sogleich zu erreichen vermögen, die Enkel solcher Heroen aber, darauf hinsehen, freudig, jedoch ohne Erstaunen: sich des Willens und der Kräfte bewußt, wie Kaiser «nd Vaterland rusen, unverzüglich ein Gleiches zu thun! Die vorzugsweise Beziehung der meisten Schriften des Unterzeichneten auf sein, in jeder großen Ge» ,fahr Österreichs und noch in der letzten, langen Nacht des Fremdlingsjoches, durch treuen Muth, gleich seinem Ortles und Glockner hervorragendes, tyrolisches Vaterland, hat diese Arbeiten auch mit den Geschichten Vaierns und Schwabens und der Schweiz, wie Salzburgs, In'lerösterrcichs und des obern Italiens enge befreundet. — Seit der Erschei-, nung seiner »Tyroler«. Allmanachc, " seiner »Beiträge zur Geschichte Tyrols imMittclattcr«, seines/Archivs für Süddcutschlano «, haben sich ihm ganz andere Fundgruben eröffnet, dadurch aber auch seine Forschungen nothwendiger Weise eine ganz andere Gestalt gewonnen. Jene vielseitige Berührung mit den Nachbarswa ten seiner .Heimath, war es auch vorzüglich, was ihm häufig solche Schwierigkeiten in den Weg führtt, deren völlige Hinwegräumung durch dic wicderhohl-teu Preisfragen der hochverdienten Münchner Akademie und des durchlanchtigsiett Erzherzogs Johann bisher vergeblich beabsichtigt wurde, deren genug« thuende Lösung sohin, für das gesammtc südliche Deutschland gewiß nicht gleichgültig ist. Ungerne verzögert der Unterzeichnete bis zu jener Herausgabe seinen innigen Dank, für so manches schöne Zusammenwirken, das ihm in den meisten Pro; vinzen des Kaiserreiches und in manchem auswärts gen Staate hülfreich entgegen trat. Mögen seine Forschungen über die frühen Einwanderungen und spätern Colonisationcn in Oesterreich, insonderheit über die ältesten Wohnsitze der Slaven und über Sa» mos wcit verbreitete Herrschafi, gleich freundliche Mitwirfung der Literatoren an der Weichsel und Moskwa, längs der Karpathen, and der Moldau und Schwarzawa finden. Aber n^cht einmahl bis zu jener nahen Heraus« gabc, vermag es der Unterzeichnete seine Gefühle darüber zu ^ersparen, wie fruchtocingend ihm vok allen, die urkundlichen Mittheilungen des regieren«» den Herrn Landmanns der schweinischen Eidgenoft scnschaft, Grafen Friedrich Müttmcn, Freundes de« großen Hallcrä und Johannes Mütter gewesen seyen, dem Unterzeichneten ein theures Vermächtniß jenes letztgenannten'großen Meisters für seinen, lernbegi^ rigen Schäler! Eben so wenig kann er es aufschieben, mit Wallungen des Stolzes und mit Verpflichtungen der Dankbarkeit, des neu entglül>endcn Forschergeistes in den österreichischen Abtheycn zu erwähnen.-- ^"^ er hicr nur des Herrn Adccn Ladislav von Lilienfe gedenket, der durch die Herausgabe des inhaltschwer ren Hanthale.ischen Nachlasses, zugleich sich s^ber das ruhmwürdigste Denkmahl gesctzt hat; wcnn nur die hochwürdigcn Herren, FranzKurz in St. F ona nennt, Xav.MiUauer v.Hohenfurt,Ambros E.chho" von St.Paul. FriedrichVlumbergcrvon Gött.vech, M^ xirmlian Fischer von Kloster-Neuburg Albert Mu.M von Admont, IohannFrast von Zwettl,so ist es für «y «t beruhigend, diesen, bereits'MS seinen bisherigen Schriften wohlbekannten Nahmen noch viele andere beyfügen zu können, und Erinnernngsdlüthcn zu streuen auf den noch frischen Grabeshügel des Herrn Äbten von Molk, Anton Nenberger, welcher, ein« yodcnk, daß die großen Petze, daß Kröpf, Schramb u.:d Huber seinem Stifte angehörten, mit dem Un-te^eichncten, den Plan eines historischen Vereins 'Mischen den österreichischen Abteyen entworfen hatte, Äu,r möglichsten Förderung altcrthümlichen Q-uellsn^ ftudiumZ und zur Rettung der ohnehin, schon so hau-flg verkümmerten Denkmahle der Voeweltl Was einst, zugleich mit dem brausenden. Saitenspiel seines verewigten Freundes Collin, des Tyr« leos uuicer Landwehre, dem unvergeßlichen Kampf Von 1809 gleichzeitig, mit Mängeln und Eigenheiten, wie sie der große Augenblick gebar, im „öster-leichischen Plutarch" zu Tage kam, erscheint jetzt Wit mehr geschichtlicher und staatsrechtlicher, als nur biographischer Tendenz, als Historie des gcsammttn Kaiserstaates und Kaiserhauses, sammt seinen Linien und Ncdenrclchcn, nie sie den Hauptstamm aUmäh« ^ch vergrößerten, episodcnweise eingereiht; — die Herrsche alle in ununterbrochener Folge, — nach U)nen, in strcng Monologischer Ncche und mit genau« Kaiserstaates gebildet und ausgebreitet hat, besitzt es gleichwohl zur Stunde noch gar keine, auch nur der lobensw-rthcn Neugierdc erlauchter oder wissenschaftlicher Reisender genügende, geschweigedenndes hehrets Gegenstandes würdige Darstellung. Nach den oben aufgezählten kritischen Verarbeitung gen, zum Theile wahren Bedürfnissen der National bildung und des Nationalgeistes, möge das eigentliche Werk seiner Liebe, VitFrucht sechszehnjährigerSamm-lungen und Studien, Alles beschließen: »Maximilian I. und Carl V., ihre Helden und ihre Zeit." Über de» Plan, das Colorit und die Mittel dieses Unternehmens, das'den, die wichtigsten Angelegenheiten der euro» päischcn Menschheit entwickelnden Übergang des Mit» tclaltcrs in die neuere Zeit umfaßt, habender Unter> ;cichnctc selbst und fragmentarisch mit seinen Vorbei reitungen vertraute Freunde, an andern Orten, mehr? mahls gesprochen. — Der Vorsatz ist groß, das »na-nurupi-«iu,»wriu2uuuni", eben darumunerläßlichePfiicht^ Aber es gilt der ganzen Mühe s«nes Bebens, und ss bleiben ihm zu diesem Werke, (dem ersten, in wel: chcm ihm nach vielen, mühevollen Jährender Geschichts; sorschung, endlich enimahl vergönnt seyn wird, mit un^ getheiltem Streben, den höhcrn Flug Hes Geschieht» schreibers zu wagen) a-^ch beym vollsten Bewußtseyn des Umfanges und der Schwierigkeiten, auch bey ei^ ncr sehr erschütterten Gesundheit, dennoch immer, glühende Wünsche, unverzagter Muth und bescheidenes Hoffen I! So wie in früheren Jahren durch seine Tyroler Almanache, bedielte der Unterzeichnete von i8ic> Hit iöi3, durch sejne „Taschenbücher für die vaterländische Geschichte", den gehörigen Spielraum zu gewinnen, für die Bearbeitung einzelner Vorfragen, für die Auf« spcichcrunS der Materialien, für dcn Ideentausch über dieselben, bis sie gehörig vervollständigt und geläutert seyen, zu prodclMigen historischen Lehrsätzen. — Dcc 1b Unterzeichnete ist gesonnen, diese Taschenbücher für die heimathlicke Historie wieder fortzusetzen, jedoch aus ,inem andern, höhcrn Gesichtspunkte, als jenen frohern, vere>nzel»lter kritischer Sammlung und Untersuchung. — Eben diese veränderte Fortsetzung, ist auch der nächste Anlaß gegenwärtiger Ausforderung an die Freunde vaterländischer Wissenschaft und Kunst. Die in allem geschichtlichen Streben des Unterzeis,-uctcn, gleich dem rothen Faden in der brittischen Ma« rine, überall durchlaufende Idee ist: die »beständige Verbindung redender und bildender Kunst mit berge: schichtlichcu-Composition und die vorzugsweise Anwendung der Kunst auf nationale Gegenstände." Da-durch wird die Historie erst recht populär, dadurch erst , das Gemeingut, der Nothpfenning, der Lieblings-schmuck und die unaufi)örliche Reminiscenz des Volkes, dadurch wird sie auf den Toiletten wie auf den Itu-dicrpulten einheimisch, dadurch tritt sie erst recht ins leben-und in den Staat, erwachst zur bewegenden Triebfeder, zur patriotischen Handlung! Der Muth erzeugc dcu Sieg und der Sieg hinwieder den Muth. ^- Eine gleiche Wechselwirkung liegt auch in jener Hdee. In der zunehmenden Blüthe der Künste fühlen Wir am untrüglichsten, den jugendlich kräftigen Pulsschlag der Nationalitat. Mit kindlicher Liebe ehret >ie aus der nationalen Gediegenheit, (wie Minerva nur aus Jupiters Haupt) entsprungene Kunst ihr Hei' mathland — Alles Große und Schimc aus Pallasten And Hütten, Hochschulen und Lagen:, aus der Vor-zeit und Gegenwart, stellt sie verherrlichend auf den Altar des Vaterlandes, tritt jedem widrigen auswärtigen Streben siegend gegenüber und wie oft war sie ^icht, warnend oder drohend, crmuthigcnd oder beklagend, ein mächtiger Stachel gegen das Fremd-lingbjoch? Diescs bezweckte der a/g/nwirt'gen Zeitschrift stehende Rubrik: „Ob denn Österreichs Geschichte wirklich arm sey an Ballade, Legende, und Roman"? dieses die oftmahls^, und wahrlich nicht vergebens erneuerten Aufforderuw gen an Mahler und Pildner. Denn jegliche Kunst, die nicht in Nachahmung und Eintönigkeit verfallen,, die einen edleren Zweck haben soll, als die Befriodv HUttH der Zaune» und des Pünkeltz geschmackvoller Müßiggänger oder seynwollender Kenner, muß ,»ft 'dem Boden zeugen, dem sie angehört! Und wo drangt sich diese innige Vermählung del Historie mit der Kunst, von selbst unwiderstehlicher auf, als in den Jahrbüchern der vielgeliebten, ritter- -lichen Habsburger, die in der That von NudoiphS Begegnung mitdem Priester auf der Jagd und vö» Maxens Rettung aus der Martinswand, bis auf den 25jähvigen Orkan unserer Tage, nur ein einziges, fortgesetztes Wunder sind, der Habsburzer, denen die Vorsicht die erbliche Rolle aufbewahrte, die furchtbar» sten Zeiten nicht nur zu überleben, sondern auch noch/ die aus chren Angeln und Ingen gerissene Welt, wieder in dieselben zurück zu führen!! — Anf dieses Boden ertönte zuerst der N.bclnng-n Sang, Mcistex Kli'ngsohrö Heinrichs von Ofterdmgen,dcs Tannhusers, -des Nithartö,des Herrn Pfeffels, Walters von der Vogels weide, W>ldons,Hardects, Ulriche von Lichtenstein, der Reimchroniken und so vieler Mümc-und Meistersalsger niemahls verwelkende Lieder. Jedes Jahr überzeugt uns ein neuer merkwürdiger Fund, anzufangen von Vc-n Bemühungen dcs erlauchten Prinzeß, der uns in so mancher Beziehung den ritterlichen Thcuerdank zurück^ ruft, bis auf die Königinnhofer Handschrift und auf Mcinerts Fyclgic,' wie heimisch bei uns Nittergesang und Volkspoesic jederzeit gewesensey! Welcher Flug nimmt seit einer Reihe von Jahren die savische Literatur? Doch zuvörderst sollen die im Leben und im Lied, in Gebrauch und Gesetz, ihren ursprünglichen Einrichtungen so treuen Magyaren, ihren deutschen Brüdern viel bekannter werden, in ihrer ganzen ehrwürdigen Nationalität, in den zahlrei cn, wahrhaft dichterischen Zügen alterthümlicher Rntcrtagend und begeisterter Gluth für iljrcn Honig, für ihre healge Krone! (Der Beschluß folgt.)