Nro. 55. Laibachcr HU^ Zcilmg.' Dienstag den i^.Heum. i79^. Inländische Nachrichten. Trirst den n. Hcum. Heute um 2 Uhr frühe sind Se. Maj der Kaiser mit beiden Erzherzogen KK. HH. glücklich Mhicr zu Wasser angelangt. N!)tcn den 6. H?nm. Am abgewichenen Sonntage war in dem Lustschlosse zu Larenburz eine Turniernbung, womit Se. K. H. in Gesellschaft einiger Kavalire so glaubt n,an, daß es zu keinem Krieg mehr kommen werde. Indessen vernehmen wir doch aus guter Hand, daß auf dcr preußischen Sette eine unerhörte Rekntti-rung vorgenommen und 35,000 Nckruttn aufgehoben wordcn sind. — Die Kom-mißioli iu Bukarest , welche daselbst zu Unttrsuchllng der unter dcr vorigen Verwaltung verübten Unterschlagungen niedergesetzt war , hat ihre Arbciteu nummh? geendiget, und ihren Blrislu hi?her gesandt. Die meiste Schuld von dieser Veruntreuung fallt auf einen der VoMen, Namens Corncskul, dcr aber noch mch» rere Mitgenossen zählt, indem die qan-^ Summe zwey Millionen und ttugeWr 8 ^3) Piaster beträgt. Was für eine Strafe die Mitglieder dieser untreuen Ge« ellschaft treffen werd? , steht zu erwarten. Agr.m den 16. Brachm. Am 3. d. sind Se. Erzellenz der Nanu8 (^roaÜN, Gr v. Erdödy, vom ungarischen Landtag zurück hier angekommen. Bis 7. Brachm. sammelten sich die Deputirten von Kroa-zien, Dalma^im, und Sklavonnn, und wurde am nämlichen Tag nach Anrufung des heil. Geistes und gehaltenem Amte in der Pfarrkirche der Landtag gemeldter z Königreiche unter Vorft; des Ban und Grafen v. Erdödy eröfnet. In den eisten Si ungen erslatttten die vor einem Jahr i,u den ungarischen Landtag abge-, schickte Landesdeputirte ihren Bericht von den Verhandlungen des Landtags in Absicht auf das Wohl der dreo Königreiche cb. Nachhin wurden wieder Beschlüsse gefazt, welche die Deplüinm zu den ungarischen Aongregazlonen mltnehmen und behaupten sollen. pancsova den 26. Brachm. Gestern hat der Bascha von Passarowaz einen Vornehmen Türken nach Semendria an den kaiserlichen Fortskommandanten mit der Nachricht geschickt, daß nach einem aus Konstantinopel erhaltenen Fcrman des Waffenstillstand auf 4 Monate, sohin bis Ende Herbstm. verlängert worden sey. So ist uns berichtet worden, und scheint auch nicht ungegründct, indem unser? C'.lizre-gimenter, welche schon vorgerückt waren, einsweilen wieder nach ihren Häusern entlassen worden sind. Einzig die Grenz-scharischüzen haben mit allen ihren Feldrequisiten nach Orsova abrücken muffen. Indessen ist bey uns hier noch nichts von einer solchen Verlängerung publizirt, jedoch auch nichts Feindseliges unt.rnym-men worden. Aelgvad den 29. Brachm. Man hat hier Nachrichten , daß die Türken bey Vraila von den Russen wieder eine ziemliche Schlappe bekomme«/ und selbst Braila verloren haben sollen. Bey uns sieht und hört man nichts Kriegerisches, ausser daß zu Waffer uud zu Land bestandig Truppen herunter ziehen. Auch Kanonen wer« den eine Menge herunter gebracht, wovon viele nach Schabaz und Orsova abgeliefert werden. — Die erste Anzeige von besserer Gesinnung der Muselmänner kam von dem K. K. Bevollmächtigten, Baron v. Herbert. Dem Vernehmen nach. hat nämlich gestern der Hr. Feldmarschall Graf v. Wallis eine Staffele von ihm erhalten, mit der Nachricht, daß die türkischen Deputirten in Szißtow den erst gegedachten K. K. Minister auf das freundschaftlichste zu neuen Unterhandlungen eingeladen , und ihm die Versicherung gegeben hätten, alles, was ihnen nur immer möglich wäre, benzutragen, damit der Vergleich endlich einmal zu Stande kommen möge. Andere Berichte fügen noch bey, daß es dem Großwesyr nie Ernst gewesen wäre, bey Silistria über die Donau zu setzen, und von da in die Walla-chey einzudringen. Allein für das, was die Türken im Sinne haben mögen oder nicht, kann sich wohl niemand verbürgen. — Es sind hierauf auch sogleich (Ztassetten von hier abgegangen , besonders an jene Regimenter, dle auf dem Mar-schr aus den obern Gegenden begriffen sind, mir dem Befehle, bis auf weitere Order Halt zu machen; denn aus Preßburg und Oedcnburg an, bis Hieher, hätten wohl noch 14 Regimenter Fußvolk, und vier von der Kavallerie nach den untern Gran-zrn marschiren sollen. Was aber diejenigen Truppen betrifft, die bereits einen beträchtlichen Weg, bis Weiskirchen ober noch weiter zurück qelegt haben, diese bleiben nun, wo sie dermalen stehen. — Mit einigen Anstalten wild indessen doch nicht inne gehalten. So sind hier seit ein Paar Tagen bey 150 Kanonen angekommen , indem alle Artillerie, die bloß zum Vorrathe dienr, hier in Semlin auf-' bewahrt wird. Eben so sorgt man auch für Belgrad , weil heute noch Kanonen hier transportier werden. Nächst Scha-baz wird oie zwrme Brücke geschlagen; und so sehr man sich auch mit der Hoffnung schmeichelt, daß die Türken dieses--mal mit mehr Ernst zu Werke gehen werden, so wird doch die Vorkehrung, hie «nd da auch Spitäler zu errichten, nicht aus der Acht gelassen. Bukarest den 27. Brachm. Nach glaubwürdigen Berichten soll der so sehnlichst gewünschte Frieden wirklich bereits zu Stande gebracht worden seyn , und wan vermuthet, daß selber nach erfolgter Ankunft Sr. Maj. des Kaisers, Höchsi-welcher von seinen Reisen in Wien zurück erwartet wird, allgemein bekannt gemacht werden soll. Man will bereits zuverlässig wissen, daß wir Orsova , dann Chot-zim mit der Raja, und alle diesseits der Una eroberte Besitzungen behauptet hätten, wovon nächstens das ausführlichere zu er» warten stehet. L,embcrg den 28. Rrachn:. An das Reftrvcartillerie - Korps - Kommando ist die Ordre gekommen , binnen dreymal 24 Stunden gegen Chotzim zu marschiren. Der Marsch geht kompagnilweis. Sie Nehmen zugleich Kanonen von hier mit sich fort. — Eine Kompagnie ist vorgestern abmarschieret, heute mußte eine halbe Division von dem schweren Fuhrwesen ebenfalls gegen die Moldau abziehen, die andere wird morgen ihr nachfolgen. — Von Wien aus hat die k. k. Feldapotheke allhier den Befehl erhalten, sich in einen den Umställdttl angemessenen Vorrach der Medikamente zu setzen, damit ma« hiermit die Feld - Kriegs - Apotheke mit allen Nothwendigkeiten versehen könne___ Zufolge eingelangten Nachrichten aus der Bukowina von 8. Vrachm. hat das Kavallerieregiment Levenöhr das in diesem Lälldchen Winterquartiere hielt, in die Moldau vorrücken müssen , am^z. dieses hat es den Marsch angetrettln. — Die Russen unter dem Kommando des General Zo^ow marschiren ebenfalls über Hals unv Kopf und werden sich mit den obgedach-ten Regimenteen der Deutschen und Ungarn vereinigen, und wie in den vorigen Feldzügen miteinander gtlrunschastliche Sache vor dem Feind machen. — Am 19. Brachm. sind 15. Wagen mit grossen und kleinen Patronen von hier abgefahren. Auf der sogenannten Türkcnschanz,. wo ein grosses Pulvermagazin sieht, arbeitet die Artillerie an großen »md kleinen Patronen Tag und Nacht. Dos in Garnison hier liegende Regiment Dcvins lruß alle Tage Leute zur Aushilfe dir Attille-rie dahin beordern. — Der General Ka-raczay , der seiner Heldenthaten wege» bey den Türken so rühmlich bekannt ist, dann der General Schncidauer erwarte» alle Tage die Ordre nach der Moldau abreisen zn müssen. Ausländische Nachrichten. Schweiz. Brundrut im Risthume Vasel den 21. Brachm. Die hier befindlichen österreichischen Truppen, die nur 500 Mann stark waren, sind durch noch 209 verstärkt worden, unb der daselbst angelangte kai-serl. 'Kommissar hat auch iso Mann mitgebracht. Es sollen auch von Zeit zu Zeit noch Detaschements von 12 bis 20 Mann eintreffen, und besonders werden die Grenzn und engen Defileen nach Frankreich zu, besezt gehalten. Der Kanton Bern hat auch Anstalten getroffen, 8 bis 5OOOI MüM Truppen auf den Kriegsfuß zu sezen. Und in der Nachbarschaft ^der Schweiz, in Savojen, zog sich auch eine klnne Armee von 8c>oo Mann zusammen, die mit 32 Feldstüken und aller nöthigen Munizion v-rsehen war. Zu Chaindery wir die dasige Artillerie mit 12 neuen Kanonen verstärkt . worden, und allenthalben herrschte eine kriegerische Vorsicht' und Veranstaltung gegen die französische Grenzen, welche um ft nöthiger schien, da die saubere Pro« paganda gern in allen Landern Rebellion stiften möchte, und die Religion untcr dem Vor.vande der Aufklärung, und a^le Staatsverfaffung und Ordnung unter dem Vorwande von Rechten der Menschen zu Vernichten sucht. Moldau. Iasiv den 12. Rrachm. Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland, welche dem Printen Karl von Ligne wegen seiner bey Ismail bewiesenen Tapferkeit den ^)rden von St. Georg überschickten, haben dieses Geschenk mit folgenden Schreiben zu begleiten geruht ; " Herr Fürst von Ligne ! Man hat gut sagen, daß alle Menschen qleich ü'nd ; und do b beweiset die tagliche Erfahrung, daß eö St>rke und Schwache unter ihnen giebt. Was mich aber noch mehr davon überzeug , ist dieß , dast ich berühmte Geschlechter, kenne, in welchen Tugend und milttärWe Tapferkeit von Vater auf Sohn beständig fortgepflanzt werden. Gebohre« von einem so liebenswürdigen und einsichtsvollen als tapfern Vater, haben die Söhne auch dessen glückliche Talente geerbt. Sie selbst Prinz, haben die Ihrigen vor den Augen jener berühmten Kriea/r glänzen lassen , und Theil an den Gefahren derselben genommen , welche ohne geöffnete Laufgraben / ohne geschossene Bresche, die furchtbaren Wälle Ismails erstiegen, wo sich eine ganze Armee der Feinde ^s christlichen Namens eingeschlossen fand. Das rußi-sche Korps, welches sich dieser Festung be-timfttrce, war zwar kleiner, ais jenes der Feinde; aber nicht geriiiger an Muth und Elfer. Den Orden oes heil. Georg, welcher unmer aufmerksam ist, seinen Staaten, die sich auf die Gesetze der Enre und der Tapferkeit b^iehen, nachzukommen, und diejenigen zu seinen Mitgliedern aufzunehmen, welche Beweise solcher Tapferkeit zu Tage legen : diesen Orden werden Sie, Hr. Fürst v. Ligne, durch die Uibcrsendung erhalten, die ich Ihnen mit den, Hrcu,e und dem Bande desselben mache, und werden ihn, wenn es Ihnen beliebt, zum Zeichen Ihrer bey meiner Armee bewiesenen Tapferkeit am Halse tragen. Empfangen Sie ihn auch als ein Zeichen meiner Achtung, die Ihre Handlungen Ihnen erworben haben, undIhneu Ihre rühmliche Wunde verdienet hat. Fahren Sie fort, der Welt das besonders zu dieser Zeit nützliche Beyspiel zu geben, wie sich die Tugenden in Hausern verewigen, die seit langer Zeit durch jene Dienste berühmt geworden sind, welche ihre Vorfahren dem Durchlauchtigsten Hause des Oberhaupts des deutschen Reichs, meines Freundes und Vungsgenos-sen , erwiesen haben. Womit ich Gott bitte, daß er Sie, Hr. Fürst v. Ligne, in semen heiligen und würdigen Schutz nehme. Katharina»