Vereinigte Laihacher Zeitung. Gedruckt mit Edlen von Kleinmayer'schen Schriften. Dienstag den 12. September i8i5. Kriegsschauplatz. (3cnera!Rapp erhielt von Paris den Befehl die Linicntrupven von Stratzburg ln V^eta-fcheraents von 3 bis 400 Mann ohne Nassen zn entlassen nnd selbe unter Eskorte von Cavallerie-Abtheilungen der aMnten Trnp-pen an ihren Bestimmungsort zu bcglelten. Indessen sollen die Bürger den ^lenst der Festung versehen. ^"'H^ , Das vrcuß. Armeekorps unter General Tanenzien ist in der Gegend von 'pans em-getroffcn. Nach gehaltener Musterung wnd dasselbe nach Bretagne in Cantonnirnngs-quarticre abieben. Ein Freykorps hatte sich bey Saarbrücken organisirt, um zu rauben und zn plündern. 1^ Gemeinden, von einem ruß. Regiment unterstützt, verfolgten selbes, und waren so glücklich den Anführer, nebst mehreren seiner Gesellen gefangen zu nehmen. Vier bis fünf Regimenter frischer englischer Truppen sind auf dem Montmartre angelangt, um die gegenwärtige Besatzung dieses Forts abzulösen oder zn verstärken. (G. Z.) Bey dem 8 stundlgen Bombardement von Mezieres sind 71 Personen umgekommen, und is3 der Hauser zerstört worden. Erst am 1. September sollte die Zitadelle den Ver- bündeten übergeben werden. Die Blokade von Vinccnncs wird aufgehoben, sobald der russische Antheil von 10,000 Flinten wird abgeliefert seyn. Zn Toulon sind österreichi-sche Truppen eingerückt. Auch Antibes wird von den Verbündeten besc>;t. In den von den österreichischen Truppen besetzten Gegenden werden die so drückenden O.otts l i-unis abgeschast. Zu Lyon, wo die tiefste NuhK herrscht, wird an der Zerstörung der dortl-gen Batterien und Befesiungswerke gearbeitet. Durch die österreichischen Trnppen ist zu Nimes und Avignon die öffentliche Ruhe wieder hergestellt; allein zn Marseille und Cahors, wo nbch keine alliirten Truppen stehen, finden noch Volksbewegungen Statt. (W. Z.) Zu Alencon wurde am 20. Aug. der F. M.Blücher samt seinem Gen. Stab von wenigstens 100 Offizieren, von Caen aus erwartet. Von den Bedingungen, unter welchen die Neber?,al>e von Huningcn Statt gefunden , weiß man bis jetzt nur Folgendes: Allun Mann aUiirter Truppen. Ein königl. Dekret bestimmt die Starke der neapolitanischen Truppen in' Friedenszeiten auf lln,ooo Mann. (W. Z.) S ch w e i tz. Herr Märet (Bassano), der nach Frankreich zurückgeschickt werden sollte, hatte sich vou Bern na: der dortigen Kantons - Schule, Doktor Mirer, auf bischöflichen Vcsehl, plötzlich, mit in dem angefangenen Lchrkursc seine Vorlesungen unterbrechen , und seine Wohnung im bischösti-cben Hause verlassen, weil der dortige Bischof es ansiössig fand, daß Dokor Mirer, als katholischer Priester, Zuhörern von verschiedenen Glaubensbekenntnissen unterricht crtüeil« te. In gleichem Geiste hat kürzlich der Bischof von Lausanne auf die Aufrage des katholischen Stadtpfarrcrs in Freyburg, nur unter der Bedingung erlauben wollen, den sechsjährigen Sohn eines resormirten Kauf- manns zu beerdigen,, wenn diese Beerdigung des Nachts geschehen würde. Der Kaufmann ließ daher die Leiche seines Kindes auf einem drey Stunden entfernten Kirchhof einer protestantischen Gemeinde bringen. (W. Z^ F rank r e i.ch. Das Ionrnal des Debats vom 17. Aug. entfalt zur Widerlegung der von Englischen Blättern angeführten Aeußerung des Generals Bertrand , ,,er habe Ludwig dem XV l l!. nie' Treue gcsi-hworen", ein schreiben desselben an den Herzog v. Fitzjammes, datirt 5 oittainebleau den i9> April! 18'^, worin er denselben ersucht, sein Untcrwcrfungsschrei-beu, wovon die Abschrift beyliege, ocmKö-ntge zu^ überreichen. Diese Abschrift indessen, erklart der Herzog, nebst zwey andern Bricsen von dem General und dessen Frau, worin sie ihm für seine Verwendung bey dem Kö:lne gedankt, wären cnn 19. März aus Verüben verbrannt worden. (W. Z.) Eine svnigl.Verordnung befiehlt die schleunige Entwaffnung der an den Küsten gelegenen Forts und, Batterien., so w« eine andere den Vclagerungssland aller Festungen in der 3., 9-, !«., 11., ^2., 13., 1/,., i5., nnd 1«. Militär-Division aufdcbt. — Am 20. August Abends 9 Uhr begab sich der Poli-zey-Prcfekt in das Gefängniß des Gericktts-bofes und selbst in das Zimmer des Mar-Aalls Ney, und begonu, mit demselben das Verhör, dessen erste Sitzung beynabe 5 Stuu-deu wahrte. An: 22. hatte das zweyte Verhör Statt gckabt. Der zu Air-les-Vaius unter Oberaufsicht gcsiellt Gen. Flahaut, ist au dem Orte seines Bestimmung, der vom König zur Rechenschaft veruftü? Marquis de >. ViUeneuve aber zu Paris angekommen. Eiu grosser Theil der Anhänger Vonapar-te's wollte lange nicht glauben", daß dieser sich an die Englander ergeben habe, nnd nach St. Helena gebracht werde. Man l'iclt dieses alles fnr ein von den Nvyalisten ersui>d?^ ncs Mahrchen, und meinte, Bouaparte bc-fande 1,ch noch jenseits der Loire. Die Auf-loluna jener Armee wird ibnen wohl diesen Glauben benommen haben. (W Z ) Aus Hessen-Kassel ist der Kammer'-Prc-sident von Karlshausen, mit 2 Assistenten zu Paris eingetroffen; er hat Kopien der Inventarien mitgebracht, die in den Iabren 1806 und 180? von Hrn.Dcnon un.d den Kas: selschen Kommissaricn abgeschlossen wurden, rnd dürste wohl einige hundert der schönsten Gemähide (unter dielen den berühmten grosse» Paul Polter) zurüekuehmcn. Um der. Tnnmpbbogcn anfdem Carrous-selplatze werden Gerüste aufgerichtet, um die Basrcliefes, welche die Kapi ulation von Ulm, den Einzug der Franzoseu in Wien u. s. w. vorstellen, wegzuhauen. (W. Z.) Nach Berichten aus Toulouse ist daselbst am i5. August um 9 Uhr, der General Ra-mel, Konuncndant des Departements der Ober-Garonne, in fttner Wabnullg auf ei^ nc grausame Weise ermordet worden. Der Hürgang dnser gräßlichen Erinordun g war folgender: Am i5. d. M. zwischen 8 und 6 Uhr Abends, eben als sehr viele Personen sich auf dem Carmeliter Platze mit Tanz belustigten, kamen aus einmahl eilige zwanzig Individuen singend heran, stellten sich vor der Wohnung des General Ramel, Connuan-danten des Departemcitts auf, und schrieen drey bis vier Mabl laut: "fort mit Namel, wir wolleu ihn nicht mehr." Ein abnlichcr Austritt battc sich schon am i^. zugetragen." - Der General war nicht zu Hause; sein Bedienter benachrichtigt ihn, worauf er sogleich nach Hause kommt. Kaum war er daselbst angekommen, als sich nocy mehr Volk vor seinem Hause sammelt und dasselbe Geschrey vernehmen ließ. In dem Hause, My.dcr General wohnt ist eine Schenke, worin'sich mehrere Chasscurs befanden. Es wurde darin gcruseu: viv^ i ^,ii^«l^,l.l! ! Man geht darauflos, mit dem Rufe :v've l^.oü Ramel glaubte, daß man ;u ibni hereinbrechen wolle, zeigt sich mit dem Degen in der Hand und sagt: ,,W'as wollt ihr von ^amel? bier ist er." Man droht ihm; er bcncblt der Schildwache Feuer zu geben , da diese sich weigert, sticht er sie uiedcr. Mehrere Soldaten krenzten ihre Bajonette, das Volk zieht sich zurück; der Gcueral vom Zorne ganz hingerissen, stürzt sich auf die Menge, sticht um sicb herum, verwundet 9 bis ia Men-und würde noch mehr gestochen 5aben, wenn er nicht von einem Flintenschuß, man weiß nicht, woher er kam, getroffen worden wäre. Nnn denkt.er bloß an seine ^cttnng, geht in sein Haus und läßt die Tbüre schließen. Ein Dctaschement dcu' städtischell Garde kommt und besetzt Has Haus. Der Aussauf mehrt sich von allen Scitcu; wütbcnd schreyeu einige: „er hat mlsdas Volk geschossen." Wah- rend d?ß hatte mMtffn tn einem Dachz:m-mcr, vom Blute triefend, gefunden, in sein Zimmer gebracht und verbunden. Die Menge fordert seine Auslieferung und schreit: „ Wenn man ihn ins Gefängniß setzt, wird er nicht bestraft. Einige Menschen bemächtigten sich eines großen Balkens, der auf dem Platze lag, um die Thüre damiteinzurenncn. Zie Vorstellungen mehrerer Beamten sind fruchtlos: die Behörden, die Offiziere werden nicht geachtet, nach langer Anstrengung drinat alles durcheinander ein. Die Personen, welche den unglücklichen General umgaben, retten sich mit einer Leiter in das Nachbarhaus; er wird mit Sadelbieben auf seinem Bette ermordet. Man verlaßt ihn nicht eher, als bis man ihn todt glaubt." ,,Diese schcusliche Scene dauerte 2 is2 Stunde. Der General lebte noch bis zum 17. Abends um 6 Uhr. Die Beerdigung geschah am 18: Mittags , mit allen sewcm Nange gebührenden Ehrcnl; sie machte tiefen Eindruck; das Volk, so wie die Militärs waren zur Besinnung gekommen und in Bestürzung; Jedermann vergoß Tbränen." „Inder Nacht, welche dieser Catastropbe folgte, fuhren mehrere Wägen ab; man vermuthet, daß es vornebme versteckte Personen waren, die sich fürchteten, entdeckt zu werden. Bis jetzt sind keine wetterten Unruhen gewesen; dock ist in der letzten Nacht mehrere Mahle auf ^childwachcn qcschosscn worden." (G/Z.) Man sagt allgemein, die englischen Truppen werden Kraft Uebcreinkunst vier Jahre in Frankreich bleiben, von der französischen Regierung besoldet, und vcrpfiegt werden. Es ist gewiß, daß Vonaparte unter dem Vorwande Munition abgehen zu lassen, mehrere Wägen mit Kostbarkeiten ans den Tuillerien und den zuletzt von ihm bewohnten Pallast Elysee Bourbon nachHavre de Gracc gesandt, und allda auf ein amerikanisches Schiff laden lassen. (P. Z.) Großbritannien. Was in den englischen Zctnngen von der Entwaffnung Vonavarte's bey seiner Ankunft Niederlande. Der Hirtenbrief, den der Bischof von Gent an die Mitglieder seiner Diözese erlassen hat, um die Artikel in der Niederländischen Verfassung nicht anzunehmen, die sich auf die Duldung aller Neligions-Partheyen beziehen, findet überall die 'höckste MißbMi--aung. Der Haager Staats-Courant sagt bey Erwähnung desselben: „Indem wir diese Schrift lesen, hätten wir gewünscht, daß der Hr. Bischof derselben zur Üebörschrift den Eld der'Treue fur die Konsiitt:zionen des ehemcchllgcn Französischen Kaiserreichs beygefügt hatte, den er keinen Anstand nahm, vor wenigen Jahren abzulegen." Der Bi-schaf von Gent ist der Graf v. Broglio (W. Z.) Wechsel-Cours inWien am 6. Sept. 1815. Augsb.sür,