^------ ,«' II ^^°»---------- Freytag dcn 18. März 1825. Die Luftfahrten auf dem Laibachflusse. (Beschluß). Dritter Gesang. Dcr dortige Aufenthalt. ^ier wird ein Feuer angezündet. Im Grase, unter einem Baum, Nüd Alles, was im Schiffesraum, Von Lebensmitteln sich vornndet. Von Schiffern schnell herausgebracht, Das Schiff nun wieder fioct gemacht; Denn eiu Theil der Begleiter, Dcr segelt plätschernd weicer De» Fluß hinauf, »lm dorten »och Links an das Land zu steigen; Im stillen, ernsten Schweige», Erblickt man hier drey Kirchlein hoch; Sr. Anna, Joseph/ Traueroerg, Andacht'ger Menschen Händewerk:- Man will doch eine hier besuchen. Der Weg führi steil dcn Berg hinan,- Beschwerlich ist die Klivoenbahn, Nur hie und da beschallet noch von Blichen. Doch an dem Orte, wo man sich Die off'ne Küche aufgeschlagen, Wo alle Vivres Hingerragen, Da schürzen Frau'n und Mädchen sich. Das Fleisch wird schnell zum Sud gebracht, Das Feuer öfters angefacht, Und große Scheiter aufgeleget. Und blitzschnell sich herum beweget. — Am Feuer stehen große Topfe, Man putzt Salat, man schneidet Köpfe Von Kohl für Zuspeis, und zum ReiS Sind durch zuvor gehabten Fleiß Die Hennen schon geputzt gekommen. Die Hühnchen auch schon mitgenommen, Tranchirt zum Packen schon bereit. Man staunt hier über Schnelligkeit,- Mic der sie all' zusammen greifen. Sich mühsam auf dem Boden schleifen; Und doch sieht ma» es jeder an. Daß, was sie chac, sie gern gethan. — In Pfannen prasselt Schmalz indessen, Die Stückchen werden wohl gemessen, Bestreut, in selbes nun gebracht. Ein Theil derselben eingemacht. Die Braten dreh'n sich an dem Spiest, Indessen auch das Zugemüse Schon eiiigebrennt. Die Saucen sind Bereitet, wie der Reis. — Geschwind, Eh' man eZ noch gewärtig. Ist Aüeö siugs und fertig. Indes;' verkündet Jubelten, Aus weiter Ferne, daß sie kommen. Die eine Wallfahrt unternommen; Man rufc sich zu: Sie kommen schon! — Und schnell wird nun der Tisch gedecket, Voil Pflocken in die Erd' gestecket, Darüber Brerer angebracht. Und eben so die Bank' gemacht. Es wird nun hurtig aufgetragen. Man setzt sich frohen Sinn's zusamm'. Und der nur immer seinen Magen Verdarb, was ihm die Eßlust nahm, Der mache diese Fahrt: ich wette, Wenn er nicht bald zu effen hatte, Er ging, was er sonst nie gethan, Gleich Wölfen seinen Nachbarn an. So zehrend ist die W^sserlufc, Und die Bewegung, die man machet; Denn Morgens schon, wenn man erwachet. Die Stunde bald zur Abfahrt ruft. Hat man noch dieß und das zu denken. Die Schritte schneller einzulenken. Und eh' vom Schiff' an's Land man stritt, Hat man schon besten Appetit. Die Suppe, Fleisch mit Saucen pflegen Dem Essen erst den Grund zu legen: Gesatteltes Gemüse ißt Man stark, weil m^n noch hungrig ist; Gebackene und eingemachte Jung Hühnchen ißc man wohl schon sacht«/ Sallat mir seinem Braten Könnt' man beynah' entrathen; Denn Zuckerstrauben stehen da, Wie noch kein Ang' sie schöner sah. Und schon gezierte Schinken, Die laden ein zum Trinken. Die Confcccuren, Obst und Torten, Gebackenes, von allen Sorten, Bleibt unberührt, doch späte? dann Kommr ?ll!es dieses noch daran. Nun geht Kassel) hernm die Runde, Der trinket schwarz, der trinket weiß; Und wenn liuch um die Mittagsstunde Die Sonne schiene noch so heiß. So sitzt man unier grünen Lauben, Die die Nacur dahin gepflanzt; Und jeder ist geneigt z» glauben. Daß, — regen sich die Zuckerstraubi», —' Gin Chor der Winde ihn umtanzt» Und wahrend man so schwatzt., genießet — Erquicket Musik sanft das Ohr; Und wer nicht all's Gefühl verlor Für solche Freuden, de^ln verfließet Die Zeit so rasch, wie schöner Traum« Der schnell entflieht. — Doch aber kaum Sind Schiffer und das Dienstgesinde, Sammt Musikanten abgespeist. Als man auch schon den Platz ausweist Zum Tanz bestimmt — notz Sonn' und Winde. — Die Kleider legt man ab im Au Und Hopsasa! — jetzt geht's erst zu — Die jungen Leute fliegen Hin über's Gras, das kurz nur steht/ Weil Tag's zuvor ') spielen lustig auf; Inzwischen hat vollbracht den Lauf , Die Sonn'. Es schweiget das Gesieder, Und reitzend sinkc der Abend nieder. — Nun gehi's in's Schiff: — die Schiffer bringe» Di« Überoleibsil all' hinein / Und jeder will geschäftig seyn: Man hört nur jauchzen, hört „ur singen, Sich noch ein Mahl Gesundheit bringen: „Gott wolle All' erhalten"! — Man trennt sich von dem ?llten. Und sieht sich noch sorgfältig uin, Ob nirgendswo etwas herum Wohl liegen ist geblieben? No Scherze man getrieben, Wenn Alles nun in Ordnung ist, Längst schon der Abend niederstießt, So geht man da»n zu Schiffe, lind rings herum herrscht tiefe Geheimnißvolle Stille schon Man hört nur noch den Klageton Der Uhu's, Kauz' und Eulen Her von Gebirgen heulen. — Vierter Gesang. Die Rückfahrt. Nun wlrd das Schiff denn losgemacht-, Vom Lande abgestoßen, Gesundheit allen noch gebracht, Und über manchen Schwank gelacht, Den man gehabt. — Verflossen Ist nun ein Tag recht froh gelebt. — Es fliehen Berg' und Büchel; Und an dem Abendbimmel schwebt Des Mondes gold'ne Sichel. Indeß' das Schiff im sachten Lauf Auf stiller Fluch hingleitet, Wird schon im Ncbenschiff darauf Das Feuerwerk bereitet ^<). Man ißc, man trinket, scherzet ringt Herum ist Alles guterdings. Und dem der Schlaf gekommen. Hat auch schon Platz genommen. So geht es immer plätschernd fert. Man singt, man musiciret; Indessen man punschirec, Gesellen sich schon hier und bort , Viel' Schiff' hin;u, die hier vor Anker liegen, ^lnd da schon an das Land gestiegen '^). Auf jeden^, Schiffe lebt man froh, Man hörc nur singen, lachen; Guitarren, Flöten, und jetzt krachen Pistolenschüsse eben so, Als wollte man durch Schrecken Die Schlafenden zur neuen Freude wecken. Die Schisse fahren nun gedrängt, Zehn, zwanzig und darüber: Man gehc von einem in das and're über '^) Und überall wird eingeschänkt, Gesundheit überall getrunken, Bekannt^ und Freundschaft schnell gemacht. Ein Glas frisch wieder zu gebracht; In Freude ganz versunken Lebt Alles hier, und ist vergnügt, Man wird geküßt, man wird gedrückt. Man ist ganz wonnetrunken. — Nichts ist, was das Vergnügen stört. Kein Zwist, kein Zank, kein Hader; Denn Alles, was man sieht und hört, Ist lustig zwar; doch fader Und schmutzig abgeschmackter Scherz Beleidigt hier kein zartes Herz. — Indessen sind am Himmelsboge» Die Sterne schon heraufgezogen, Man kommt schon nah' der Stadt, Aus der — das Feuerwerk zu sehen — Sehr viele Menschen, die da stehen, Die Lust heraus gelocket hat. Schon steigen zischend die Rackeren Hoch in die Lnfr empor, und schnell Wird jetzt die ganze Gegend hell Von Sternen, die gleich den Planttt« In Lüften glänzen, die Nacketen, Leer stürzend, pfeifen durch die Luft i Und «vie man wieder „Feuer" ruft. Zerbersten Schwärmerbüchsen brausend. Wie Sturmwind in den Ohren sausend. Die blanen Sterne der roman'fchen Kerben, Erfreuen und belnsi'gen die Herzen. Und Feuerrader aller Art Sieht mit Fontainen man geparkt. Mit Blitzesschnelle Funken sprüh««. Sich drehen, und das Aug' onjieHzM, Und wirbelnd t>ünzt das Nad vom Neuen, Um Funken neuerdings zu speyen. —> ^ Nun heben die Touibilionen Sich majestätisch hoch empor, Und tausend, tausend Bravo lohnen Den Künstler '"), der sich ohne Schooeil Begibt in diesen heißen Kampf, Umringt vom Feuer und vom Pulverdampf. — Und auf den letzten Feuerruf Zick zack, knick knack, piff, p^ff, piff, puff. Hört prasseln man. — In einem Flug Entwickelt sich ein Nahmenszng In gelb-, roth«, grünen Feuerstrahlen. — Und Vivat, Anna '") tönt es hoch; Daß Iubelruf und Vivat, noch Von nahen Bergen wiederhallen. — So langt man in der Prula '9) an, Wo Menschen in der Menge stehen, Das schöne Schauspiel anzusehen. — Die Schiffe landen, u»d noch dann Tönt Iubelruf hoch durch die Luft, Wenn man sich — gute Nacht! — schon ruft 2°). Anmerkungen zu dcm vorhergehenden Artikel: 12) Ein wohlhabender Landwirth in Podpetsch, mit dem Vulgarnc.hmen M a r g a. 13) Eine hier ansässige Musikbande, die für derley ländliche Unterhaltungen recht gut geeignet ist, und diesen Nahmen führt. ^ »4) Schiffe, wie das hier beschriebene, aus zwey Schiffen / nähmlich zusammen gesetzet, habeil gewöhnlich noch ein einfaches bey sich, um Lebcnsmittel uni) andere Requisiten, Feuerwerksstücke, auch Dicustbothen u. s. w. mitzuführen. 15) Die hier beschriebene Luftfahrt, wo man den ganzen Tag auf dein Moraste bleibt, machen nur wenigeFami-lien, weil den andern ihre'Häuslichkeit keinen ganzen Tag vom Hause wegzubleiben erlaubet; die meisten fahren also erst nach dem Mittage weg, führen daher nur kalte Küche mit sich, fahren nur eine Strecke von ungefähr einer stunde hinauf, landen irgendwo, untc>-hal- ' ten sich herrlich, und fahren dann in Gesellschaft Mehre rer, so wie sie nach und nach ankommen, uach Laibach zurück. 16) Bey Wasserfahrten, die Laibach Hohen oder sonst ausgezeichneten Standespersonen gab, wo sich Alles bemüht die Feierlichkeit und Fröhlichkeit zu vermehren, sah man eine bedeutende Strecke lang gar kein«u Fluß mehr, so dicht fuhren die Schiffe au- und nebeneinander. Alle schemen m die em Falle nur einer Familie anzugehören' denu um etwaige Kekanute aufzusuchen, muß man wie wenn es eine Schiffbrücke wäre, über eine Menqe au-oerer Schisse hinweggehen, ohne sich darum viellciclit geuireu zu müssen. Im Gegentheile erreicht man selten scmen beabsichtigten Zweck; denn in welches Schiff ma, tommt, ist mau willkommen, und wird auffordert an der dortigen Unterhaltung Theil zu nehmen. Und wenn auch iemaud einen Fehlcritt macht, so hat er — außer ein Vischen durchnäßt zu werdeu — nichts n, ve-sorgen, deuu hundert Hände strecken sich zu seiner Net' tuug aus; daher cs auch kommt, daß diese Uinerhal-tuugen noch uie durch ein Unglück iu ihrem Veranüaen gettört wurden. ^ ^ l?j Dilettanten, die nach allen Regeln der Kuust die schön- > steu Heuerwerksstücke verfertigen. ' iu) Wie sich die Nauctten aller'Orteu einer besondern Aus-zeichüung erfreuen, so auch hier in Laibach. — Soun° tags darauf wird ihnen zu Ehreu gewöhnlich eine recht lu,nge Wafferfahrt mit Feuerwerk gegeben. '9) (5ine augeuehme Wiese, die diesen Nahmen führt, lieat am dießseitigen llfer der Laibach fest au der Stadt, m,d wird von Spatzicrgängcrn stark besucht. 20) ^elcen geschieht dieses vor 11 Uhr Nachts. .,---------- ,««--------- Fresco-Anekdote. Die Urlaubszeit eines Soldaten ging zu Cnde, er sollte beym Regiments einrücken, wurde aber so krank, daß keine Hoffnung mehr zur Wiederherstellung übrig blieb. Händeringend beschwor seine Mutter, eine Klein-hauslerinn, den Arzt, ihren Sohn herzustelleu. Den. ken Sie nur, schluchzte sie, dag Unglück, wenn mein Sohn stirbt, längstens binnen acht Tagen muß er b.'ym Regimente erscheinen, sonst wird er als Deserteur behandelt und muß Spießruthcn laufen. M i s c e l l e n. ^ Nahe bey Brownsuille, einer Stadt im westlichen Theile Penfyloaniens, riß r>or einigen Jahren ein heftiger Sturm eine große Eiche nieder; durch daz Um, stürzen derselben mit den Wurzeln, wurde die Oberfläche eines Sandsteinfelsens entdeckt, auf der ebenen Fläche dieses Felsens fand man verschiedene Figuren eingegraben, uiner andern zwey menschliche (Manu und Weib), zwischen welchen ein Baum stand; dann Hirschen, Bären und wälsche Hühner. Die Eiche war wenigstens 5oobl's 600 Jahre all; diese Figuren waren also lange vor der Entdeckung Amerika's durch Columbus, eingegraben. Gedruckt bey Ignaz Al 0 ys Edlen von Kleinmayr.