Nro. 43. LBacher Zettmg. Dienstag den 31. May 1791. Inländische Nachrichten. rvien de« 25« Ma^. Se. Majestät hab^n den böhmischen Landesprotomedlkus Thadeus Bayer, in Rücksicht M seme ausgebreiteten medizinischen Kenntnisse, und vermittelst dieser über 30 Jahre ln Mck-tär und Civil geleisteten trefilchen Dlen-ste. in den Adelstand gesammter Erblander, mit dem Ehrenworte Edler von, und mit Nachsicht der halben Tare, allergna-digfi zu erheben geruhet. — Se. ^- R. apost. Mai. haben den Devtnsischen Haupt-Mann , Grafen v. Aichelburg, in Ansehung seiner vorzüglich gut geleisteten Dienste, und in diesem Kriege empfangenen Wunden, zum Major allergnädlgst zu ernennen , und ihn bis Nl desselben anderwettl-gen Anstellung, mit einem ausserordenrll-chcn Gemiß von jährlichen tausend zwen-hundert Gulden in Pknsionsstand zu uher-setzm geruhet. — Der Prinz Hessen Rheinfels ist allhier anwesend, und hat das alt Liechtensteinisch! Haus l^ogen. — Die erleeigte Hofrathsstelle des zum Vi;e-Kammer Präsidenten pronwvirten Varol? v. Teglmann haben Se. Maj. dem in Ruhestand gewesenen Baron v. Nef^er verliehen. Der hierdurch praterirt gewordene Hofkammer Sekretair Mozart hat den Re-gierungsraths Titl und 2000 st. für seine Person erhalten. — Se. Erzcll. der alte Graf v. Pergen ist nach Spaa gereifet, um die Kur zu gebrauchen. — Vorgestern gieng ein Buchhalter eines hiesigen Handelsmann früh um halber 8 Uhr ober dem Kärntner Thor in einem Buch lesend spa« zieren, ein hinten her nachkommender Mau« rer schlüge ihn zu Boden, und nachdem er solchen fast todt geschlagen, hat er ihm sein Geld, bestehend in 3 st. 4 kr. weggenommen , der Thater ist durch eine« Schanzkorporalen aufgefangen worden, der Buchhalter lebet zwar noch, aber ist m groffer Gefahr seines Lebens. — Der Ho^ kompositor 'Mozart hat von dem hiesigen Magistrat die Erwartung auf dem 2220 fl. eintragende Kapellmeisters Stelle bey St. Stephan erhalten. — Vermög dtn neuesten Briesei, aus Dresden hat der Kurfürst von Sachsen mic großer Danrnehmigkeit die auf demselben von der Republik Poh-len und dem Könige erhaltene Wahl der Erbfolge auf erstgesagtes Königreich empfangen, jedoch um einen vierwöchcntlichell Termin zu mehrerer Uiberlegung dieses Gegenstandes mit seinen Ministern und Ständen sich ausgebcttcn, bis dahin höchstgedachter Kurfürst seine eigentliche Erklärung von sich Nl geben sich anheischig gemacht. — Die Zurückkunft Sr. Kaiserlichen Majestät ist durch*den Umstand wieder verschoben, weil sie von Mayland eine Nnse nach Turin vornehmen wollen, wovon schon langst gesprochen wurde. Der König von Sardinien hat nämlich gegen unsern Monarchen den Wunsch geäußert, Ihn zu sprechen / mit dem Ersuchen ;ur dußfalli-gen Zusammenkunft entweder Mayland oder Crcmona, oder irgend eine andere Stadt der Ocsterreichischen Lombardei zu bestimmen. Allein der Kaiser erwiederte hierauf/ daß, da er jünger sey, er dem Könige die Beschwerlichkeiten der Reise gerne ersparen, und ihn selbst in Turin oder Montkalieri zu umarmen eilen würde.— Aus Warschau wird unter dem 3 May geschrieen: " D.'r hiesige Rußische Ge« sandte, H?rr v. Bulgakow, hat slch im Namen seincr Monarchin bey dem Reichstage angefragt, welche Parthey die Republik Pohlen oey einem im Norden ent-stehenden Kriege zu ergreifen, oder ob sie mutral zu bleiben gedenke. 3a gestern, nachdem die Arbeiter oder Zuschauer abgeschafft waren, eine außerordentliche Sit- zung gehalten wurde; so glaubt man, baß die Beratschlagungen der Herrn Stande sich auf diese Frage bezog. „ Graz den 26. Ma^. Ein Schreiben aus Paris sagt: "Da wir dieVorkehrungen sehen/ die von der Rheinseite gemacht werden , so kann man nicht mehr zweifeln, daß Deutschlothringen nicht ohneVerschub werde angefallen werden. DieNbsicht unsrerFlüchtlinge ist/ inDeutschlothringen festen Fuß zu setzen , daselbst den Kern ihrer Truppen zu versammeln , alle misvergnügte Franzosen dahin einzuladen, und von dort aus mit der ganzen vereinten Macht ins Herz von Frankreich einzudringen. Gold und Sil« ber haben sie im Uiberfluß , und wir wis-seu die Quellen, aus denen es ihnen zustießt — von Adel — von der Geistlichkeit — von Aristokraten — aus Süden — aus Osten — und ein Million aus Zürch in der Schwel';. Die Zahl der E« delleute, und der Offiziere, die den Eid nicht ablegten, und ihre Regimenter verließen , vermehrt sich bey ihnen taglich und sichtbar. Schon geht das Gerücht, die Garnisonsregimenter zu Metz und Thion-ville hatten es dem Regiment Beanvoisis nachgemacht, ihre Offiziere zum T. geschickt , und sich an die Gegenrevoluzions-armee angeschlossen. Man behauptet, Prinz Conde habe selbst in Paris seine Werbungen. Sobald die Rekruten zu Q'jfenbutH bey Kehl ankommen, erhalten si? saglich ZO Sols, und zu Worms bekommt jeder Rekrut iQO französische Thaler Handgeld. Das setzt Uiberstuß an Geld voraus. Durch folgenden Zug kann man auf die Hilfsquellen schließen, die Prinz Conde das Haupt der Gegenrevoluzionsarmee haben mu6. preß bürg den 2l. Mav» Der Oberchirurgus in dem kaiserlichen Militat-spital, Namens Maximilian Braun, hat ein Krankenbett wfunben, das naher bekannt gemacht zu werden verdient. Man kann ts verandern , reinigen , .kühlen, warmen, olme daß der Paziem welchen Bäuchen aber der Mann , der zu wenig Ehrgeiz hatte, in den grossen Orden aufgenommen zu werden, auf eine nicht gar zu galanre Art ein Ende macht?. Nun nahm der Fremde seine Zuflucht mm Schreien. — Der B"l?f kam fataler Weise in des Mannes Hände; der sich keine andere Riche nehmen wollte, als ihn w besuchen , und auf seinem eigenen Zimmer derbe abzuprügeln. Der Monsieur war eben nicht zu Hause / als er diese lehrreiche Vi-' site erhielt. Da der Herr Nachbar aber die Stiegen nicht gern? steigt, entschließt er sich seine Rückkunft abzuwarten. Nachdem ihn der Bediente etwas allein ließ, plagte ihn die Niegierde , einige auf der Gchreibpult liegende Briefe durchzublättern, wo er zu seinem Erstaunen statt Liebesbriefchen sehr verfängliche Aufsaze fand« Er zeigte den Vorfall der Obrigkeit an, welche ihn des Nachts überfallen , und alle seine Papiere wegneh nen ließ. B?y näherer Untersuchung ;?ijtt es sich , daß dieser Mann em P-r Ka' inets-sekretar, und sein Bedi?nter "oü ipist aus «ben diesem Kabinett sey. Diese beiden Emissäre sind sogleich unter guter Bedeckung nach Wien a^lttsert worden. Unter ihren Habseligkeitti fcn:d mcm au baarem Gelde 69,89) st. ohne die Anweisungen, die sie auf andere Ortschaften zahlbar hatten. Man ist neugierig, was ihnen in Wien für Ehrenbezeigungen erwiesen werden dürften. Ausländische Nachrichten. Italien. ' ^ -' , Florenz den 16. Ma^. (3s. Wa/. der Kaiser hat mit den Erzherzogen Karl und Leopold M. HH. und dem Herr» Fürsten von Lichtenstein denselbigeu Tag Morgens um halb 8 llhr die Reise aus Florenz über Bologna nach ^antua an-getretten, wo Höchstl'elbe von lhrem kö" niglichen berrn Bruder, dein Gouverneur d?r österr ichischen Lambardie erwartet wurden. Sr. K. H. der Größher^og in Be» qleitung des Generals Markis Manfredi« ni gaben Sr. Maj. auf einige Encfernunq von der Hauptstadt das Geleite. Nach der nämlichen Zeitung unter der Rubrik: Mantua vom 13. May sind am 5). May Abends Se. K. H. der Erzherzog Ferdinand, Gouverneur nnd Generalkapitän der österreichischen Lombardie in Gesellschaft Sr. Exzellenz des Hrn. Fürsten D Carlo Al-bani aus Mantua eingetroffen , um daselbst die Ankunft Sr. Majestät aus Florenz zn erwarten. — Am 12. May sind Se. Heiligkeit Pabst Pius VI., welche kürzlich nach den pontonischen Sümpfen abgegangen waren / unter dem Donner der Kanonen von der Engelsburg zurück nach Rom eingetroffen, und im Vatikan abgestiegen. — Am 7. May ist zu Neapel die jahrlich gewöhnliche Ianuarius -Prozession gehalten, und das Blut dieses Schmpatrons von Neapel auf die gewöhnliche Art zum Trost des fromen Volkes wieder fließend geworden. — Se. Maj. der König von Neapel haben den zu Wien befindlichen jungen Herzog von St-liguano zu ihrem Minister am danischelt.Hof ernannt. Wirv alle DieM- und Frcytacze n lchmittaqs um 4. Uhr auf dem Platze N". l35. in der von Kleinmaycrschm Buchhandlung ausgegeben.