Blätter zur Förderung des bteilungsuntrrrrchtes. Herausgeber: Rudolf E. Peerz, k. k. Professur an der Lehrerbildungsanstalt in Laibach. »X Q Die - Malier I. ». Hbt.-Mnt.» erscheinen nla Beilage zur -laibacher Schul- ,r c*nUnth»r 1004 ÜJV. >7. jtilnng* monatlich. @ Bezngogebichr 2 K täljrlich. @ Einzelnuinmer 80 h. ' • * * Inhalt: l.) Rückblick — Ziel. — 2.) Der Stundenplan. — 3.) Die formalen Stufen im AbieilungSunterrichte. — t.) S. Frage: Uugctcille eintlaffige SJoltt» oder Halbiagsschule? — B.) Wie fammclt man fürs -Lehrerheim im Süden»? — 6.) AnS der Laibacher Echulzeitnng. — 7.) Briefkasten. — 8.) Bon Schule zu Schule. Allmächtig wird in seiner Gemeinde nur der Lehrer, der in ihr alt wird. Hinter. Rückblick - Ziel. Der Herbst zieht ins Land mit Früchten reich beladen und beglückt den emsigen Sandmann. Was die Hand des Obstzüchters nicht von den Bänmen pflückte, schüttelt der Wind aus dein Geäst — und die süßesten Früchte sind es, die im Graseliegen, verdeckt von gvldschinnnernden Blättern. Da raschelt es im Laubwerk!... Die Knaben suchen nach den verborgenen Früchten. Ob sie ihrer gewahr werden? Sv fragt sich der Vater, der von der Ferne zusieht; so frage ich mich heute, da meine -Blätter-, vom Herbstwind getragen, hinausflattern. Werden die jungen Leser die Früchte finden; werden die Früchte so köstlich munden wie jene, die sich im Laube verbergen? Wie schade, wenn sie verdürben! Die Alten, die mit vollen Körben heimtrugen, freuen sich; nun sollen auch die Jungen sich ergötzen! Wer sagt mir's, daß die Alten ihre Speicher füllten? Die reiche Zahl der Zuschriften kündet es und manch schönes Dankeswort, das ein inniger Händedruck begleitete, hat es mir gesagt, da ich über die Berge zog — -von Schule zu Schule-. -Die Bl. z. F. des Abteilungs-Unterrichtes- (hieß es) seien so recht für die Zeit geschaffen, so eigenartig, so anregend, daß sie jeder Lehrer besitzen sollte. Sv sagte es mir der -Einklaßler-, der Zweiklaßler, Drei- und Vierklaßler; so sagte es der Stadtlehrer, der Bürger- und Mittelschullehrer; so sagte es der Bezirksschulinspektor und so der Landesschulinspektvr. Wie sehr das k. k. Ministerium der Sache, die wir vertreten, zugetan ist, beweist ein Erlaß, nach welchem die Direktion der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Laibach beauftragt wurde, int 4.Jahrgange eine» einjährigen theoretisch-praktischen Probe-Kurs für den Abteilnngs-unterricht zu eröffnen und denselben unter meine Leitung zu stellen. Damit kann das Übel an der Wurzel gefaßt werden. Der Unterricht in diesem Kurse wird sich ganz eigenartig gestalten; ich habe ihn zum Teile als Übnngsschullehrer in Innsbruck durchgeführt. Jedenfalls werde ich bestrebt sei», soweit das Blatt Raum bietet, den Fortgang zu kennzeichnen, und lade darum die Amtsgenossen von der Übungsschule ein, den -Bl.- die Fenster zu öffnen. Die Ergebnisse, die unsere -fliegende Konferenz- bisher geliefert hat, müssen nicht erst näher beleuchtet werden: Die vielumstrittene Frage wegen der Einteilung der Stunde wurde gründlich durchbesprochen und — wie es die zahlreichen Zustimmungen bezeugen — zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst. Die 2. Frage (Verteilung der Schuljahre) ist im Flusse und wird voraussichtlich noch in diesem Kalenderjahre zu Ende geführt werden. Über die 3. Frage ist ein heftiger Streit entbrannt; wir sind auf den Ausgang begierig. Wer tiefer blickt, wird Sammelt Gaben für das Lehrerheim im Süden und sendet sie an den Amtsbruder „Bersin in Laibach“! r. 8 finden, daß die Urteile nicht nur zu dem Zwecke eingeholt werden, um ein brauchbares Ergebnis zu liefern, sondern daß der Weg, der vom gefundenen Satze zu ihnen z nrü ck führt, in seinen Verzweigungen die individuelle Auffassung eines und desselben Gedankens kennzeichnet. Es soll jeder die Hauptstraße kennen, aber auch die Nebenstraßen, damit er nicht ein blinder Pflastertreter werde! Die Artikelfolge über «das Rechnen im Stundenpläne der Schulen mit Abteilnngs-nnterricht- ist einem Ideal zngestenert, das in der strengen Durchführung nur dem «Meistererreichbar sein wird. Ich will eben jedem etwas bieten. Der Anfänger wird die Ausgestaltung wohl erst anstreben können, wenn er über gröbere Dinge hinaus ist. Recht gefallen hat, wenn ich der freundlichen Zuschriften neuerdings gedenken darf, die Plauderei «Von Schule zu Schule-. Mit dem Gefallen allein wäre ich indes nicht zufrieden; ich wünsche und hoffe, daß die Erzählung eine ähnliche Wirkung erzielen werde, wie ich sie bei der Lesung von Polacks -Brosamen- an mir wahrgenommen habe. Vielfach meinte man unter Schmunzeln, es schaffe die Phantasie viel wunderbar Ding' zutage; doch dem ist nicht so. Wohl flicht sie einen Kranz von Rosen, doch das Bild — das schafft sie nicht. Einen wesentlichen Bestandteil des Arbeitsplanes bildet das Lehrerheim im Süden. Daß gerade die «Bl. z. F. des Abteilnngsunterrichtes- diesen Gedanken hinaus in alle Gaue getragen haben, liegt nahe: Durch die Gründung der neuen Zeitschrift sollte dem Armen, der unter schwierigen Verhältnissen wirkt, nicht allein die Bürde erleichtert und der Erfolg als Geschenk in die Hand gegeben, sondern es mußte auch daran gedacht werden, daß gerade die Vielgeplagten, am meisten dem Siechtume verfallen, nicht die Mittel besitzen, demselben zu entgehen und daher einer Heilstätte im Süden bedürfen. -Hilfe dem Geist und Hilfe dem Körper!- Das mußte die Losung für ein Unternehmen sein, das einer aufrichtigen Gesinnung entsprang. Das «Lehrerheim- wird bald erstehen, tausend Hände regen sich — eine Tat, die das Acht-Seitenblatt angebahnt hat. Ein hochstehender Schulmann meinte: -Wenn Ihre Blätter nichts anderes erzielt hätten, als daß sie den Lehrer an der niederorganisierten Schule zum Überlegen, zum Schreiben, znm Urteilen anregen, so haben sie schon unendlichen Segen gestiftet; denn, wer einmal überfeine Arbeit nachdenkt, verrichtet sie mit (Seift.- Wollte ich alle zustimmende» Urteile znm Abdrucke bringen, die mir im Verlaufe eines halben Jahres zugekvmmen sind, so wären wir bis zum Christmonate mit Stoff versorgt. Doch das darf nicht der Zweck unserer Ausführungen sein! Wer selbständig ist, kann ja selbst wägen und nach allen Seiten begeistern. — Die -Bl.- verfolgen keinen Gewinn an Geld. Vermehrt sich die Abnehmerzahl, so werden sie wachsen oder sie werden in Freistücken abgegeben werden. Beide Wünsche haben ihre Freunde. Sobald sich eine wesentliche Zunahme zeigt, werde ich die Frage zur Entscheidung vorlegen. Hiemitsind wird zur -Zielangabe- gekommen. Die Abnehmerzahl soll zunehmen; kostbare Früchte müssen allen zugute kommen! Da in vielen Fälle» die Probennmmcr -nn-ervffnet- zurückgesendet und nachträglich bestellt wurde, sobald man ans das Blatt aufmerksam gemacht worden war, so lasse ich diese Folge allen Bezirksschulinspektoren, von denen dermalen kaum ein Zehntel in unsere Erörterung Einsicht nimmt, znkommen und ebenso an die Lehrerbildungsanstalten senden, damit auch diese den Schritt verfolgen können. Für die Förderung wurden mir von meinen Freunden folgende Wege vorgezeichnet: 1.) Anwerben von Abnehmern; 2.) Besprechung in Lehrerversammlungen; 8.) Ankauf durch den Ortsschnlrat; 4.) Ankauf durch den Bezirksschulrat; 5.) Ankauf durch den Landesschulrat; 6.) Einstellen in die Bezirkslehrerbüchereien; 7.) Ankauf durch die Lehrervereine. Mit acht Seiten werde ich wohl kaum mein Auskommen finden; darum dürfte das Blatt schon von jetztab in der Stärke von zehn Seiten erscheinen. Die Mitarbeit ist rege. Möge sich niemand erst bitten lassen! Da alles durch meine Finger läuft, so soll man auch keinerlei Besorgnis hegen, einmal gar zu keck neben das Ziel geschossen zu haben. In der Tagesordnung für unsere Beratungen finden sich dermalen noch über dreißig ungelöste Fragen. Welche Fülle von Stoff! Kann da der einzelne entscheiden? Genügt es, daß ein Bezirk darüber urteilt? Nein, das ganze Reich muß eine Sache erwägen, die das ganze Reich angeht! So gewinnt das Urteil an Gewicht. Die Erledigung der ersten Frage hat am besten gezeigt, wie zerfahren der Unterricht in geteilten Schulen ist, wie sehr es an einem einheitlichen Systeme mangelt und wie vielfach sich die Meinungen kreuzen. Diese Frage hat aber auch den Beweis geliefert, daß draußen in den Bergen viele geistvolle Männer wirken. Also heraus mit dem Talent, heraus mit der Kraft zum Nutzen der Allgemeinheit! Die Urteile, das sind die Früchte, die verborgen im Geäste reifen, bis sie der Herbstwind von den Bäumen schüttelt. Laßt sie nicht Verdorren und verfaulen! Peerz. Der Stundenplan. Der Baumeister braucht einen Bauplan, der Lehrer einen Stundenplan; sonst arbeitet er in den Tag hinein. Über de» Stundenplan wurde bei der Behandlung der 1. Frage viel gesprochen; ein neues Schuljahr beginnt; nun soll er angefertigt werden. Man kann ihn in vierfacher Art zusammenstellen: 1.) Halbstunden-Wechsel ohne Trennung der Rechenstunde; 2.) » » mit » > » 3.) Freier Stundenplan ohne Trennung der Rechenstunde; 4.) - » mit » » » 2 und 3 sind auf dem Bei blatte entworfen, soweit sich dies «allgemein» tun läßt; in den beiden Stundenplänen spiegeln sich gleichzeitig 1 und 4. Wähle jeder, was ihm paßt und was er bewältigen kann! Wer nur mit zwei Abteilungen zu rechnen hat, wird die Laubsäge zur Hand nehmen und das herausschneiden, was er braucht. Die nähere Erklärung und Begründung für den Stundenplan mit dem Halbstundenwechsel findet sich in meiner «Kurzgefaßte» Anleitung für den Unterricht an Landschulen». — Wo die Schiller auch vormittags gleichzeitig schließen, werden die Realien in die Lesestunden gezogen. Die Turnstunde wird nach Bedarf angefügt. Im freien Stundenpläne erscheinen die Sprachfächer nicht getrennt; tatsächlich soll man auch nicht allzuscharf abtrennen, was einnnddemselben Zwecke dient. Anschauungsunterricht wird natürlich nicht eine ganze Stunde unmittelbar betrieben, sondern es ist in die Stunde auch das nachfolgende Zeichnen einbezogen gedacht. — Der freie Stundenplan erfordert eine freie Auffassung, die sich nicht bis ins Einzelne einimpfen läßt. Die formalen Stufen im Abteilungsunterrichte. ii. (Volkstümlich — wissenschaftlich.) Wenn ich im Unterrichte etwas darbiete oder entwickle, so verfolge ich damit jedenfalls einen bestimmten Zweck; dabei platze ich mit dein Neuen nicht so ohne weiteres heraus, sondern bestrebe mich, es mit dem bekannten Alten zu verbinden, d. H. ich gehe vom Bekannten aus und zum Unbekannten über. So hat man vor zweitausend Jahren unterrichtet und so unterrichtet man heute, ohne hochgelahrte Pädagogik mit großen Löffeln eingenommen zu haben. Die Dreieinheit «Einführung, Erklärung, Anwendung» ist zu alt und zu bekannt, als daß man darüber erst noch viel Worte machen sollte. — Das gäbe also drei formale Sülsen! Man spricht aber von fünf Stufen. Wie werden sich die zwei fehlenden hineinzanbern lassen? Außerhalb können sie nicht liegen/ denn vor der Anknüpfung an das Bekannte kann es nichts geben und nach der Anwendung wird man wohl auch nichts weiter betreiben können. Das Wort -formal», also geistbildend, deutet darauf hin, daß die zwei Stufen nicht vor der Darbietung sind, sondern derselben folgen: Ehe ein Stoff geistbildend wirken soll, muß er dargeboten und begriffen sein. Also zwischen Darbietung und Anwendung steckt das blaue Wunder. Was mag's denn da wohl geben? Wenn ich Altes hervorgeholt habe und Neues vor mir sehe, so liegt es nahe, die zwei Dinge zu vergleichen. Das ist wohl jedermann verständlich, daß ich von einer Sache, die mir zum erstenmal entgegentritt, nur dann ein klares Bild gewinne, wenn ich sie genau betrachtet und mit Ähnlichem oder Verschiedenem in Vergleich gezogen habe. Amsel und Star muß ich den Kindern einmal, nebeneinander gestellt, zeigen, damit sie nicht den einen Vogel mit dem ändern verwechseln. Was für dieses Beispiel gilt, hat bei dem Erwerb von neuen Vorstellungen allgemeine Bedeutung. So sind wir um eine Stufe reicher geworden: die Vergleichung, Verknüpfung, Vertiefung, Apperzeption oder wie sie sonst heißen mag. — Zwischen der neuentdeckten und letzten Stufe muß die vierte sein. Ihrer vergißt man leider allzuoft; deswegen fehlt es dann an der Dauerhaftigkeit des Erworbenen. Man schafft nicht die Übersicht, wiederholt zu wenig und -faßt selten zusammen». Jeder praktische Schulmann wird jedoch zugeben, daß der Lernstoff nur dann bleibendes Eigentum des Schülers wird, wenn der Darbietung und dem Vergleiche eine kurze Zusammenfassung, eine Abrundung folgt, die das Auge leicht überblicken kann. Jeder Redner ist dieser Stufe eingedenk, indem er zum Schluffe seiner Ausführungen in Punkten kurz wiederholt, worüber er gesprochen hat. Der Redner hat es mit großen Leuten zu tun, der Lehrer mit kleinen; also erwächst für ihn um so mehr die Pflicht der «Zusammenfassung». — Wenn wir nun «zusammenfassen-, was unsere Entwicklung ergeben hat, so bekommen wir nachstehende Stufenfolge: 1.) Wiederholung des Bekannten (Anknüpfung, Einführung usw.); 2.) Darbietung (Entwicklung, Erklärung usw.); 3.) Vergleich (Verknüpfung, Vertiefung usw.); 4.) Zusammenfassung; 5.) Anwendung (Verwertung). Die Gelehrten haben dafür natürlich «gelehrte» Namen erfunden; ein bißchen Lateinisch und Griechisch durcheinander gemischt, klingt ja viel vornehmer als unser einfaches Deutsch; indes der Inhalt der Erörterungen ist derselbe. Sehen wir zu, wie der Psycholog die formalen Stufen aufbaut! Der Zweck des Unterrichtes im eigentlichen Sinne des Wortes besteht zunächst darin, den Borstellungsinhalt des Schülers zu klären und zu bereichern. Die neue Vorstellung, die wir soeben herbeischaffen wollen, bezeichnen wir mit einem Quadrate: □ Wir bieten sie dem Geiste dar — entweder durch eine kräftige Anschauung oder durch die Beschreibung. Die Vorstellung ist lose und zieht als solche in den Geist ein. (PerzeptionI) Findet sich in demselben kein Häkchen, das sie festhnlt, so entschwindet sie alsbald und hinterläßt gerade nur ein schwaches, verschwommenes Bild. — Wer bietet nun die Häkchen? Die alten Vorstellungen sind es, und zwar jene alten, die mit der neuen verwandt sind; sie reichen der angekommenen Schwester den Arm. Wodurch werden sie geweckt? Jedenfalls durch das Gesetz der Ähnlichkeit! Die Zeichnung veranschaulicht diesen Vorgang folgenderweise: Die unabsichtliche Wiedererweckung von Vorstellungen reicht jedoch nicht aus, ihnen jene scharfe Abgrenzung zu verleihen, die der Vorgang der sogenannten Apperzeption verlangt. Grau in Grau könnte niemals Klarheit schaffen und alte Tanten, die ans Krücken daherhnmpeln, würden der jungen Verwandten wenig Halt bieten. Daher muß ich darauf bedacht sein, die alten Vorstellungen schon früher, ehe die neue in den Kreis tritt, derart aufznfrischen, daß sie ihr mit kräftiger Stütze an die Seite treten, sobald sie gerüstet dasteht. Es ist daher notwendig, daß der «Darbietung (D)> die Wiedererweckung (Reproduktion) der alten Vorstellungen von derselben logischen Einheit voransgeht. Danach gewinnt die bildliche Darstellung folgende Gestalt: Die alten Vorstellungen bringen bei ihrer Erneuerung auch jenen Stimm»ngsinhalt mit, der für die neue Vorstellung günstig ist und bieten vielfach Fäden, die unmittelbar zur Darbietung hinüberleiten. Fassen wir diese Fäden und verknüpfen wir sie mit jenen, die uns die neue Vorstellung in die Hand gibt, so ist das Wort -Anknüpfung» erklärt und begründet. Damit das Neue mit um so größerem Eifer begehrt werde, hängt sich der Wiedererweckung der alten Vorstellungen die «Zielangabe» an. Sie ist etwas ganz Selbstverständliches und wurde von jedem Kanzelredner berücksichtigt, ohne daß man deswegen ein philosophisches Kolleg hätte besuchen müssen. Sie wurde nur stärker betont, seit man das Interesse im Unterrichte in höherem Maße zu schätzen begann. Die «Zielangabe» ist der Knoten, welcher die alten Vorstellungen mit den Enden der neuen verbindet. Zwar sind es vorläufig nur wenige Fäden, die überleiten; aber sie reichen hin, im Geiste des Schülers ein unbewußtes Hinübergleiten herbeiznführen und das Interesse zu spannen. Vollends findet dieses erst dann seine Befriedigung, wenn der angestrebte Erwerb bewußt, also das Ziel erreicht ist. Dieses Gefühl äußert sich in der Zusammenfassung. Sie ist nichts anderes als die Antwort ans die Zielangabe. Vor einer gegebenen Frist kündigte der Lehrer an: -Heute wollen wir das oder jenes kennen lernen»; jetzt sagt er: «Wir haben also das oder jenes gefunden.» Die Zeichnung sieht so aus: 1.) Anknüpfung 4.) Zusammenfassung Reproduktion Perzeption Apperzeption System 5.) Anwendung. Soweit reicht die unabsichtlich herbeigeführte Wirkung des Unterrichtes in formaler Hinsicht. Als eigentlicher Zweck erscheint äußerlich die Gründlichkeit im Unterrichte; innerlich jedoch webt es emsig am Webstuhle des Geistes. Beide Wirkungen sind von unendlichem Werte. Die letzte Stnfe «Anwendung» liegt offen zutage -- entweder nach der praktischen oder ethischen Seite hin. Wenn wir die «wissenschaftliche» Erklärung mit der -volkstümlichen» in den Vergleich ziehen, so finden wir, daß sich keinerlei Unterschiebe ergeben. Andere Redewendungen, andere Namen, aber derselbe Inhalt! Man hat die Idee von den formalen Stufen im Gewände der Wissenschaft hinausgeschickt und damit ein -Gespenst- geschaffen, das vielfach Schrecken verbreitete. Unser Zwiegespräch hat das Gespenst bereits entlarvt; noch deutlicher dürfte sich die Gestalt in Fleisch und Blut vor uns stellen, da wir nun ihr Wesen von zwei Seiten gekennzeichnet haben. In neuerer Zeit ist mancherorts der Streit entbrannt, ob es vier oder fünf formale Stufen gebe. Der Hader ist müßig; unsere Betrachtungen werden es lehren, sobald sie vom Allgemeinen ins Besondere einlenken. — 3. Sntßc: Ungeteilte cinklassige Volksschule oder Halbtagsschnle? Die Frage klingt wohl etwas verlockend. Wer würde da nicht in Versuchung kommen, die Schwierigkeiten des Unterrichtes in der ungeteilten einklassigen Volksschule vor Augen haltend, für die Halbtagsschule zu stimmen? Man hätte sodann wenigstens nicht alle Schuljahre auf einmal zu unterrichten. Auch die Art der Unterrichtserteilung wäre weniger schwierig, da man immer nur mit zwei Abteilungen beschäftigt wäre. Doch sind auch schwerwiegende Bedenken in Betracht zu ziehen, die gegen die Halbtagsschule sprechen: Wir haben in Österreich ohnehin einen erheblichen Prozentsatz von Schulen mit Halbtagsunterricht, bedingt durch die große Schüleranzahl, den Mangel an Lehrkräften und andere örtliche -Verhältnisse, so daß wir die Einführung der Halbtagsschule an Schulen, wo die unbedingte Notwendigkeit derselben nicht vorhanden ist, nicht zur Regel machen sollen. Das wäre nur Wasser auf die Mühle der Rückschrittler, deren sehnlichster Wunsch ja schon seit langem die allgemeine Einführung des Halbtagsunterrichtes ist. Nun sollen wir ihnen vielleicht auf halbem Woge entgegen kommen? Oder meint man, das Lehrziel an der einklassigen Volksschule mit Halbtagsunterricht eher zu erreichen, als an der ungeteilten Schule? Mit nichten! Die Halbtagsschule wird die ungeteilte Volksschule niemals ersetzen; der Bildungsstand würde dadurch nur herabgedrückt werden. Man wird wohl nicht im Ernste glauben können, daß mit einer kaum mehr als halben Schulzeit, die die Halbtagsschulo in sich birgt, das gleiche Auskommen gefunden werde wie mit der ganzen Schulzeit. Die geringen, oft nur scheinbaren Vorteile des Halbtagsunterrichtes wiegen bei weitem nicht die Nachteile desselben auf. Also das Gespenst der Halbtagsschule, das uns oft genug als Hemmnis einer gedeihlichen Entwicklung der Volksschule ungerufen entgegengrinst, nur nicht heraufbeschwören! Dies gilt jedoch nur bei normalen Verhältnissen, bei einer Anzahl von 40 bis höchstens 60 Schülern. Sobald diese Zahl überschritten wird, hat die Halbtagsschulo jedenfalls den Vorzug. In einklassigen Volksschulen, in denen die Schülerzahl 60 und darüber beträgt, wäre bei ganztägigem Unterrichte, wo derselbe gleichzeitig in drei oder vier Abteilungen erteilt werden muß, der Erfolg mehr als fraglich. Nur ein erfahrener Schulmann dürfte hei strammer Zucht und gewissenhaftester Pflichterfüllung unter solchen Verhältnissen noch das Durchschnittsmaß erreichen. Doch stellt ein derartiger Unterricht an den Lehrer die größten Anforderungen, denen man für die Dauer kaum gerecht werden könnte. Aber wohlgemerkt! Auch hier ist die Halbtagsschule nur ein Notbehelf und ist für die Erweiterung dieser Schulen ehetunlichst Sorge zu tragen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit überhaupt die Frage aufwerfen, ob es denn nicht endlich an der Zeit wäre, die Forderung nachdrücklicher anzustreben, daß die Höchstzahl der einem Lehrer zuzuweisenden Schüler von 80 auf 60 herabzusetzen ist? Was nützt alle Schulweisheit, was fruchten alle Methoden, wenn einem Lehrer 100 und weit mehr Schüler aufgehürdet werden?! Kein Wunder, wenn dann der Berufseifer frühzeitig schwindet und das ganze Schullialten nur mehr schablonenmäßig betrieben wird. Es wäre wohl dringend nötig, daß hier Wandel geschaffen werde, soll das Volkssclmlwescn wesentlich gehoben werden. Josef Windisch, Oberlehrer in Lienfeld. lUic fummelt inan fürs «Lehrerheini im Süden»? «Beispiele ziehen an.« — Ein vielgebrauchtes und viel mißbrauchtes Wort! Ich benütze es für unsere gute ©ache, indem ich von jetzt ab Einzelsälle anführe, wie sie mir mitgeteilt wurden. Muß ich erst bitten, die Liste zu bereichern? Für den edeln Zweck wird wohl jeder die paar Minuten gern opfern, mir ein neues Beispiel, sobald es gewirkt hat, sogleich mitzuteilen. Mutter eines Schülers: Wie ich Ihnen dankbar bin, daß Sie meinen Jungen so gut vorbereitet haben! Denken Sie, er hat die Prüfung mit Vorzug bestanden! Was für einen Gefallen könnte ich Ihnen erweisen? Darf ich Ihnen zur Erinnerung etwas schicken? Lehrer: Liebe Frau G., Sic wissen, daß wir Lehrer unfern schönsten Lohn im Erfolge sehen. Der freut mich über alle Maßen. Mutter: Aber eine Kleinigkeit darf ich Ihnen doch anbieten? Lehrer: Nein, nein! Für unsere Mühen wird uns — wenn auch nicht reichlich —gezahlt. Wir dürfen nichts annehme». Wenn Sie jedoch ihrer Freude mit einer Gabe Ausdruck verleihen wollen, so können Sie ja für das -Lehrerheim im Süden» etwas spenden. Wir wollen nämlich für unsere kranken Amtsbrüder in A. ein Haus bauen. Erfolg: Am nächsten Tage liefen von Frau G. bei uuserm Zahlmeister 200 Kronen ein. Der Obmann des deutsch-österreichischen Lehrerbundes, Herr Oberlehrer F. Keßler in Mannswörth, hat für das Lehrerheim im Süden 20 K gespendet. 4. Frage: Unnntcrbrochcner Vormittags-Unterricht oder Ganztags-Unterricht mit der Mittags» pause? Bits der Laibacher Schnlzeilung? 1.) Schulanfang! Augeublicksbilder zeigen den Lehrer in der Fibelklasse, den in der 2., jenen in der 3. und 4. Klasse, endlich den Gymnasial-, Realschul- und den Hauptlehrer in der ersten Stunde des Jahres. 2.) Winke für die Gesundheit und Pflege des kindlichen Auges. Von Dr. Emil Bock. 3.) Musterbeispiele für Sab,Zergliederungen. Bon Franz Bersin. (Fortsetzung.) Die Vicl-artigkeit führt z» reicher Abwechslung und Anregung. 4.) Ein gefährliches Experiment. Der Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht, betreffend das Zeichnen nach der Natur, hat viele zaghaft gemacht. Nur ein einjähriger Kurs in jedem Kronlaude kann zu dem Ziele leiten, das die Unterrichtsbehörde anstrebt. Der Artikel begründet den im Wortlaute wiedergegebeneu Erlaß und weist die Wege zur Verwirklichung. 5.) Pädagogisch-didaktisch-lhrischcr Vortrag. Eine gewürzte Probe aus dem Büchlein «Humoristisches zum Vorlesen und Vortragen» von Oberlehrer Krall. Briefkasten. Dank: Auf meiner Wanderfahrt traf ich einen Lehrer, dem «der Geleitschein fürs Lehrerheim im Süden» deutlich in die Wangen geschrieben war. Mir zerriß es das Herz, daß unser Lehrerheim noch nicht in der Tat besteht. «Der Mann muß gerettet werden!» so sagt' ich's mir und schrieb an den Landesschulrat des Kronlandes * Erscheint monatlich. Bezugspreis 4 K jährlich. — Leiter: Rud. E. Peerz, Verwalter: F. Bersin in Laibach. und schrieb an Vereine. Der Landesschulrat half postwendend (lfiO K), von den Vereinen war einer sogleich mit 200 K zur Stelle: die «Südmark» in Graz. Der Behörde gebührt Anerkennung, dem Vereine Dank, herzlicher Dank! Und drunten im Süden, am Strande der Adria, in Abbazia öffnete dem kranken Amtsbruder Herr Klein, Besitzer des Hotels «Wiener-Heim», kostenlos ein gastlich Dach. So kann der Wackere gesunden, -dem der Beruf ein schweres Leiden gebracht hat». Dank den Edeln, die für unsere Standesgenossen fühlen, und Genesung dem, der ihrer bedarf! Möge er sie finde»! — Mitteilungen: Nun bin ich wieder daheim und die mir ob der Saumseligkeit im Antworten grollten, werden bald beruhigt sein. Das war ein fröhlich Wandern! Von Villach, wo Freund Moro mir die Herzen der Teilnehmer am Hochschulkurse für das Lehrerheim öffnete, nach Lienz zu Inspektor Pertmer und seinen Getreuen, die meinen Worten über das «Zeichnen» und den «Abteilungsunterricht» lauschten, nach Ober-Lienz im Abendsonnenglanz, dann zur schönen Stadt am Inn, ins alte Heim, in die Waldeinsamkeit des Volderer Wildbades, an die Ufer des Achensees, hinüber ins Ländle zu unferm geistvolle» Mitarbeiter, Inspektor Fleisch, nach Bregenz zu meinem Lehrer, dem dortigen Inspektor Mätzler, zum Zeichenkurse nach Dornbirn, hinein in den herrlichen Bregenzer Wald, in das Schweizerland, ins Bayerland, ins Land, das seinen Schiller preist, durch einen Zipfel Preußens, dann zum Rechenmeister Knilling nach Traunstein und endlich nach Wien: das war eine Wanderfahrt, die Herz und Ränzlein mit reichen Gaben füllte. Wenn mich der Winter in meine stille Klause bannt, soll Ernstes und Heiteres durch die Feder fließen, damit jene, die mich im Geiste begleiteten, auch im Geiste all das Schöne empfinden, was niir in Wirklichkeit zuteil geworden ist. Herzlichen Gruß ans dem Krainerland hinauf ins Land der Berge, wo die Liebe» wohnen, bei denen ich zu Gaste war! — Lehrer Laurcm'ak in Dobova: Sie möchten alles lesen, was ich je veröffentlicht habe. Ja, wenn ich’s selbst besäße! Die Schrift über das «Rechnen» und jene über die «Landschule» verlegt die Vereinsbuchhandlung in Innsbruck (ä, 1 K). Den «Abteilungsunterricht» hat Pichlers Witwe u. Sohn in Wien (2 K). Das «Zeichnen nach der Natur in der Stadt- und Landschule- habe ich im Selbstverläge (1 K). Das Kaiserbüchlein verkauft der Krainische Lchrerverein (20 h). Aufsätze finden Sie in Frisch' »Einführung», im «Öftere. Schulboten» und in der -Zeitschrift für das österr. Volksschulwesen», — viel Jugendliches, Unausgegohreites, nicht der Rede wert, auch anderwärts. — Den Sendern von Grußkarte» herzliche Gegengrüße! — R. in Z. (St.): Ich habe aus der Schulwanderung so viel Menschen kennen gelernt, daß ich mich Ihrer nicht erinnern kann. Bitte um nähere Mitteilungen über die «bewußte Angelegenheit». — Sch. in Rbl. und ändern: Das Dampfroß führte mich einen andren Weg heim; ich bedarf nun auch etwas der Ruhe. Vielleicht im Dezember; im nächsten Jahre bestimmt. — Kaiserbüchlein: llnserm Verwalter geht es schlecht: die erste Auslage der Jugendschrift -Ein Tag, ein Jahr im Leben des Kaisers» ist vergriffen, die zweite erscheint in der nächsten Woche; dann werden alle Bestellungen sofort erledigt werden. Nachdem die öffentliche Beurteilung das Wort gesprochen hat, wird der Versand von kostenlosen Probestücken eingestellt. Von Schule |U Schule. VII. -Volksschule!» Ich trat ein. Es rnor still in den Gängen, totenstill. Nur rückwärts im Dunkel des Hausflurs krabbelte etwas umher. Ich ging dreist näher, klopfte an eine Tür und wartete ans Einlaß. Doch vergebens! Ein Stimmlein trug die Worte durchs Schlüsselloch: «Wer ist's?» Ein Herr aus fremdem Land! Wie heißt der Herr? Das will er Ihnen unter vier Angen sagen. Nu also, sag' er's! Ja, aber es fehlen noch zwei Augen. Und er sah sie, die Blauäuglein des frischen Bergkindes im hellen Glanz der Küche, durch die die Sonne, schimmernd auf den blanken Tellern, ihre Strahlen warf. Wie schmuck war doch das achtzehnjährige Kind in seinem Reich! Schier hätte ich ob der Küchcnrevision jener der Schule vergessen. Das Mädchen merkte es, und in meine Rede, die feinsäuberlich dahinglitt wie der Sonnenstrahl über die blanken Löffel, schob es schüchtern die Antwort -ohne Frage» ein: -Der Vater ist in der Kanzlei.» In der -Kanzlei»! Das -imponiert». Die Achtung vor dem Worte steckt dem Bauer in den Knochen und war auch bei mir erwacht. Als ich in jungen Jahren draußen in dem Gebirgsstädtchen am Wirtshaustische saß und den Herrn Steneramtspraktikanten, den geehrten Herrn Tierarzt, den sehr geehrten Herrn Kommissär und den hochgeehrten Herrn Bezirkshanptmann von der «Kanzlei» sprechen hörte, lief mirs vor lauter Hochachtung kalt über den Rücken. Was war unsere -Schule» gegen das -Amt» und was unser «Konferenzzimmer» gegen die -Kanzlei» ! lind NUN gabs auch im Schnlhanse eine «Kanzlei»! Recht so! Der Bauer hängt an Formeln und Äußerlichkeiten. Wenn wir darauf verzichten, so verzichten wir auf die Wertschätzung der Schule. Der Bescheidene war unter gewissen Verhältnissen noch immer der Benachteiligte. Der Lehrer macht der großen Menge gegenüber zu wenig ans sich; darum macht sich die Menge zu wenig ans ihm. Nicht jeder erkennt den inneren Wert der Person; darum darf das Äußere nicht ans dem Auge gelassen werden. Wenn der Oberlehrer» und nicht der -Herr 36» sagt: -Kommen Sie morgen in meine ,Kanzlei'!», so wird den Bauer ein Respekt überkommen, als gälte es, dem «hochgeehrten Herrn Bezirkshanptmann» oder mindestens dem «sehr geehrten Herrn Kommissär- einen Besuch abznstatten. Was tun aber die Lehrer zumeist? Hinter dem Glase Bier stehen oder «sitzen» sie vielmehr Rede und geben willig und in zuvorkommendster Weise Bescheid über amtliche Dinge. Damit schrauben sie ihr Ansehen zum Riillpiinft herab und keiner nimmt sie dann als -Amtsperson» ernst. Es soll damit nicht der Unhöflichfeit das Wort geredet, sondern nur darauf verwiesen werden, daß die Schule auf jene Mittel nicht verzichten darf, die ändern zugute kommen und ihr gleicherweise in die Hand gegeben sind. Das Wort -Kanzlei- war mir also in die Glieder gefahren und unwillkürlich hatte die Hand das Taschentuch über die verstaubten Schuhe geführt. Auch der Rock wurde gefegt, die Hals- binde zurechtgerichtet, das Angenglas geputzt, der Schweiß von der Stirne gewischt und das Gesicht im Spiegel betrachtet. So, jetzt war man kanzleimäßig» hergerichtet. Was nun? Gliederung der Ansprache! Junge Kollegen vergessen oft darauf und reden dann wirres Zeug durcheinander, ans dem der Angeredete keinen festen Gedanken schälen kann. Damit ist der gute Eindruck, den man doch immer erzielen will, im voraus verwischt. Also die Gedanken sammeln, ordnen und in eine logische Folge bringen, ehe man an die Tür klopft, sonst gibt cs regelloses Geschwätz! Was wollte ich? 1.) mich vorstellen, 2.) den Zweck meines Kommens klarlegen, 3.) die Schnlzimmer besichtigen, 4.) über den Abteilnngsnnterricht und die Methode plaudern. So stieg ich denn langsam, langsam die Treppe hinauf, um mich nicht zu erhitzen. Oben blieb ich stehen, bis sich die Lungen wieder regelmäßig hoben, so daß die Rede frei fließen konnte. Auch in dieser Beziehung wird vielfach gefehlt: Der junge Lehrer stürmt über die Stufen, kommt in Schweiß gebadet oben an, pfaucht wie ein Dampfroß und stößt dann ein paar unverständliche Worte heraus, die natürlich keine andere als eine nachteilige Wirkung erzielen. Anstand und Klugheit mahnen also an Ruhe, an Sammlung und an das Opfer an Zeit, wenn man Opfer an Geld oder Fürsprache erlangen will. Noch einmal zog ich das Spieglein ans der Tasche, besah mich von oben bis unten, wiederholte die Gliederung meiner Rede: dann klopfte ich mutig, nicht zaghaft wie ein Leisetreter an. Ein kräftiges «Herein!» sagte mir, daß ich im nächsten Augenblicke vor einem -Manne- stehen werde. Er war ziemlich hochgewachsen, so daß ich den Nacken drücken mußte; in seinem dunklen Barte zeigten sich bereits Silberfäden; doch der Blick war frisch, der Gesichtsansdrnck entschieden wie der Ruf - Herein!». Ei der tausend, da wäre ein unvorbereitetes Schulmeistertem schlecht an gekommen! Meine Ansprache hatte gewirkt: Wir waren in der 1. Klasse. Welch angenehmer Eindruck! Das Zimmer war groß, licht, mit einem matten Gran getüncht, peinlich gesäubert: ein Schmuckkästchen. An den Wänden hingen Bilder für den Anschauungsunterricht, gleichmäßig geordnet, in eine sinnvolle Folge gebracht; die Bänke waren rein und auf dem Fußboden war nicht ein Papierschnitzelchen oder Überbleibsel der Mahlzeiten zu sehen. Auf dem Schreibpnlte des Lehrers lag alles in schönster Ordnung wie auf dem Tische einer Erzieherin. An der Vorderkante war ein wagrechter Stab mit 20 Strichen befestigt: «Was soll das bedeuten?» so war es mir unwillkürlich entschlüpft. «Das ist mein Rechenapparat», sagte gleichzeitig der Oberlehrer, als hätte er mir die Frage von der Lippe gelesen. «Die russische Maschine habe ich längst auf den Dachboden bringen lassen. Wozu soll das Kind die 100 Kugeln sehen, wenn es nur 10 oder 20 das ganze Jahr hindurch benötigt? Wie kann ich etwas als verschiebbar darstellen, was in der Tat fest ist — die Zahlenreihe ? Warum soll ich die Zahlenreihe bei 10 abbrechen, da sie doch gleichmäßig fortlänft? Weshalb soll ich mir durch das schwarze Gerüst den Platz verstellen, wenn meine Leiste einen viel besseren Dienst tut? Sehe» Sie, hier rechnet das Kiud mit Leichtigkeit; es schreitet bald vorwärts, bald rückwärts, je nachdem es die Rechnung erfordert, und nur da erprobt es seine Anschauung, nicht an zwanzig anderen Dingen. Das sind vernagelte Geselle», die da glauben, dann werden sie für die Zahl eine feste Anschauung schaffen, wenn sie mit Würfeln, Stäbchen, Kugeln, Nüssen, Äpfeln, Sternleiu, Kreuzchen, Strichen und dergleichen Kram anrücken. Je mehr Anschauungsmittel für denselben Begriff, desto unklarer wird die Vorstellung. Ja, sie sagen, sie wollten dadurch die Zahl ,abstrahieren'. O du einfältige Welt! Das Kind soll abstrahieren, da wir, die Großen, ohne die konkrete Vorstellung nicht anskommen. Eines erzielen die klugen Herren bestimmt: Inhaltsloses Gerede, Ziffernrechnen statt Zahlenrechneu. Sehen Sie, da sollten Sie als Übungsschullehrer dreinfahren und wenigstens den Jungen unseres Standes die Augen offnen, denn die Alten lassen sich nicht mehr bekehren. Ich hab's versucht, doch schade um jedes Wort! Mocnik & Ko. haben das Patent und dagegen läßt sich nichts machen.» Wie gern hätte ich den Mann unterbrochen; doch wie von der Welle hinweggeschwemmt war jedes Wort, das ich dazwischen warf. Der Mann, der mich so ernst und gemessen empfangen, war in die Hitze geraten, daß der Schweiß auf der Stirne perlte. Nun war er zu Ende gekommen und ich konnte ihm die Papierrolle, die ich schon lange aus der Tasche gezogen hatte, zwischen die Finger schieben. Er faßte sie, indes ich in den ändern Schnlzimmcrn Umschau hielt. Als ich znrückgekommen war, stand der Mann, der vorhin wie Jupiter auf dem Olymp gedonnert hatte, auf, reichte mir die Hand und drückte sie innig. »Also gibt es doch noch einen Menschen, der so denkt wie ich?» stammelte er und sah mich freundlich an. »Ach es gibt ihrer wohl mehr als einen; aber sie werden in ein Dunkel gehüllt, aus dem kein Strahl dringen kann. Draußen tut Reiche sitzt einer, nicht weit von hier; der hat ntit Geist umwoben, was uns der gesunde Sinn ciugab. Aber die kostbare Ware ist mit hohem Zoll belegt und wehe dem, der sie kommen läßt und verwertet! Er wird von der unverständigen Menge verlacht, vom Vorgesetzten zur Nniversalfirma Mocnik & Ko gewiesen. Vor dem Machthaber zittert der Schulmann und klappert der Verleger. Schier ein Dutzend Reisen hat diese Handschrift bereits angetreten; immer kam sie zurück mit dem höflichen Vermerke: »Uns dünkt es zwar, als sei die Idee gut und natürlich; aber sie ist im vollsten Gegensätze zu dem Bestehenden und wir würden wohl nichts anderes als nur Mißerfolge und Unannehmlichkeiten einheimsen. Wir bedauern daher, die Schrift auch ohne Honorierung nicht annehmen zu können.»* «Da sollen doch alle Wetter dreiuschlagen!» donnerte Jupiter vom Throne. »Auf uns, mein Lieber, schlagen sie ein, wenn wir uns rühren! Doch wir wollen sachte schreiten; dann kommen wir doch einmal auf die Hol/ und sehen herab auf den Strom, der die Erzeugnisse der allgewaltigen Firma von dannen trägt.» Die Stirne des Herrn Oberlehrers ivar wieder heiter geworden, das Auge blitzte hell und in die Wangen hatte sich statt des Ernstes ein freundliches Lächeln gelegt. Als wir über die Treppe hinabschritten, scherzten wir über den Krämerladen in der Rechenstuude und über die Leutchen, die an ihm Gefallen finden. Der Begleiter wollte mir die Haustür öffnen; doch ich zog ihn zurück. Dort rückwärts im Dunkel des Hausflurs wollte ich noch einmal dem Sonnenschein ins Antlitz sehen und die Prinzessin in ihrem Reiche begrüßen. * Das Büchlein: -Der kürzeste und sicherste Weg im Rechenunterrichte» hat seinen Verleger (Vereins- buchhandlung zu Innsbruck) erst gefunden, nachdem ich es selbst hatte drucken und beurteilen lassen. Es ist wie eine Bombe in den rechemncthodischen Krämerladen geflogen und hat viel von dem Plunder vernichtet. Die Fachblätter haben den Wurf überaus freundlich begrüßt, ja einer der Beurteiler hat ausgerufen: »Der hat's gefunden!» — und nun wirkt die Schrift in allen Teilen des Reiches, so daß ich mich der Aufforderung zur Ausgestaltung kaum mehr erwehren kann. Wie gern griffe ich wieder zur Feder, lägen nicht andere, wichtigere Arbeiten vor! Eines beruhigt mich: Wer die Idee erfaßt hat, wird selbst den rechten Weg finden; wer sie noch nicht kennt, kann sich mit ihr leicht befreunden: das Schriftchen kostet nur 1 K. -Dabei bietet es» — wie ein Beurteiler schmeichelhaft schließt — »auf den 54 Seiten mehr als manches Buch auf einigen 100 Seiten.» Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf E. Peerz. — Druck von Jg. v. Meinmayr & Fed. Bamberg in Laibach. «Jo 00 S a- ' a- ft0 to S to a os uVirtuaqunM aam£ Beiblatt nt Nr. 9 der -Blätter zur Förderung des Mteilumisunterrichtes. von Rud. E. Perr; in Batbath. Stundenplan für die ungeteilte entwaffnte Volksschule? 8cilagc äu der uom 11 Ministerium empsdhlene» .«atzten Anleitung zum Unterrichte -n Landschulen. v°t. Rnd. <$. P-erz. Verlag der Bereinsbuchhandlung in Jnt.sbrnch Preis 1