(Franko pauschaliert.) Erschein! wöchentlich zweimal: Donnerstag und Sonntag früh. Echnslleilung und Verwaltung: Prciernvra ulica Nr. S. Telephon ZI. — Ankündigungen nimmt die Verwaltung gegen Berechnimg billigster Gebühren entgegen. ÄezagsvreiS: vierteljährig K 24.—, halbjährig K 48.—, ganzjährig K 96.—. gar« Ausland entsprechende Erhöhung, — Einzelne Nummern l Krone. Nummer 5l> || Sonntag den 27. Juni 1920 || 2. [45.] Jahrgang ZUM Listtch des Lhronfolger Rrgrntc» Alrrandrr. Der neue Regent unserer Heimat besucht in den nächsten Taxen unsere Stadt. Fast alle», wohin da« Avge des hohen Gaste» sollen wird, zeugt von der Vergangenheit, zeugt von jahrhundertelang.'? Arbeit und dem Schaffen der Deutschen in den Städten dieser Gebiete. Diese unzerstört^n Me,kmale von vergangenen Mühen und Sorgen und von früherer Freude am Ausbau und am Wohlergehen der Ge» meinwren, sie find der Hintergrund, aus dem wir heravsiretcn in den Kreis der großen Schar, welch« den neuen Herrscher begrüßt. Da wendn, sich alle Blicke auf uns; und jeder im festlichen Gepränge gewinnt auch etwas Zeit, um daraus zu achien, was wir tun und sagen. Wir wifs'N, daß allzu viele mit vorgefaßter Meinung unS begegnen »nd daß keine Worte und keine Taten von unsere! Seile sie heute oder später wohl werden ändern können. Umso freier und echter können wir auftreten. Wir haben im Namen der Deutschen in diesem Gebiete vor allem zum Herrscher und zu feiner nächsten Umgebung zu reden. Ein wahrer Regent — und eine» solchen sehen wir im hohen Gaste unserer Sladt — erwartet von uns nicht glatte, unterwürfige Worle: deren hat er genug. Er sieht vielmehr daraus, wie jener ist, der vor ihn tritt, was er kann und was er geschaffen hat. Wir weisen auf die Zeichen der Vergangenheit, welche unlrüg- Aeiseskizzen. IV. Im Reiche der Inka. Von Alma M. Karlin. Silli.*) Hoch oben in den kahlen, kahlen Bergen, über die der Wind den losen Sand wirbelt, zu Füßen des feuerspeienden Berge? Misti, 2305 Meter über dem stillen Ozean, liegt Ue zweitgrößte Stadt Peru«, Arequipa, wirtlich „Jenseit« der Berge", wie da» indisch« Wort besagt. Lieber Leser, der du mir geduldig folgst, sei ge« faßt, hier alle» ander« zu find«»: Die M:nschen, die Häuser, die Pflanzen, die Tiere, die Vögel — ja, noch mehr: die Sterne, die Luft und die Zeit. Um die letztes Behauptung gleich ,u beweisen: Der große Bär hat un« verlassen, der Polarstern ist längst »erfunken und im Südosten steht klar da« berühmte Kreuz del Süden». Giob« Flächen d«» Himmel» find sternmleer, andere überfüllt mit seltsamen Sterngruppen. Die Luft ist heiß am Tage, wenn die Tropensonne ihre senk-rechten Strahlen durch die wolkenlosen Aethermassen Hernleder sendet, denn wa» immer einen auch in Arequipa erwarten mag im Lause de» Tage» — einer Sache ist man sicher: Regnen wird e» nicht. ES reg» net im Dezember, im Januar, Februar und März und dann steht man keinen Regentropfen, bi« da» Jahr neurrdinz» herum ist. Um 12 Uhr mittag» erhebt sich ein starker Wind, der um 5 Uhr abflaut und die Nächte find sehr kühl, geradezu kalt. Auch die Zeit ist anderS : Wir haben bald Winter urfd bei un» daheim naht der *) Dgl. Cillier Zeitung vom IS. Z«bruar (I. Genua), vom 28. Mär, (ü. Santa Cruz de Teneriffa) und vom C. (TII. stuf T.e). lich dar!»?, daß wir allezeit nach bestem Können und Verstehen'zum Wohle der Gesamtheit ausbauend gewirkt haben; wir weisen besonders daraus, waS wir getan und unterlassen haben, seitdem das Szepter deS König« der Serben auch hier regiert. Kein Vorwurf kann uns treffen, daß wir störend waren, und kein Beweis kann unS belasten, daß wir aus eigenem mißwollend sind. DaS Eine aber steht unerschütterlich fest, daß wir in unserem Wesen und in unserer Kultur Deutsche bleiben wolle». Wie unseie Städte jetzt ans südslawischem Boden stehen, so stehen auch deren deutsche Menschen mit ihrem Wohnsitz und mit ihrer Arbeit auf diesem Grunde. Es st»he» auch alle mit ihrem H«rzen da. wenn ihnen Gerechtigkeit widerfährt: und die Ge-rechtigkeit «warten wir alle vom neuen Herrscher-hause. Wiederholt ist von höchster und veranlwort-Itcher Stelle den Nichtflawen in diesem Reiche die Gerechtigkeit versprochen und unseren Brüdern in anderen Teilen des Staates sind bereits sichtbarste Zeichen deS Wohlwollen« gegeben wo,den. So bauen auch wir darauf, daß wir in diesem Lande Schutz sür uns-.r völkische» Leben und für unsere Arbeit finden werden. Wie das Bolk der Serben über das Deutsch.' tum denkt, bezeugt folgende kleine wahre Geschichte Vor einigen Monaten fuhr die Witwe eineS alte» deutschen Ansiedler« in Serbien mit ihren Kindern ans der Bahn gegen Belg'ad. Sie saß im vollbefeyteu Wagen unter lauter Soldaten und eS ging lärmend zu. Die Frau fürchtete einen rohen Angriff und die Kinder suchten wrinend bei der Mutter Zuflucht. Da fragte sie ein deutsch sprechen« der Soldat nach der Ursache ihrer Traurigkeit und Sommer; und wenn meine lieb«n Eillier die Geschäfte schließen und au« Abendbrot denken, läuten die Glok-ken von Arequipa die Mittagsstunde ein. Lab un« durch die Stadt wandern und mit de» Eseln beginnen. (Welch' uvpoetischer, unhöflicher Anfang l) Ja, mit den Eseln, teurer Leser, mußt du vertraut «erden. Du stehst st« hier überall I Nicht etwa die zwelbeiuigen, die man allerorten findet, selbst b«i un» daheim, sondern die echten, vierbeinigen, mit schwarzem Kreuz als Z«ichen ihrer Stamme«echth«it auf dem Rücken. Du kannst nicht zwei Schritte In Ar'quipa machen, ohne auf einen Esel (oder selbst gegen ihn) zu stoßen. Sie stnd zahlreicher al« die Pflastersteine und da für die kleine Sladt die Ein-wohnerzahl sehr hoch angegeben ist, fürchte ich, man zählt die Esel mit. Da sie in den meisten Fällen mit ihren Herren da» Zimmer teilen, ist diese Aufmerk-samkeit auch ganz gerechtfertigt. Ich will nicht behaupten, daß die Esel hier ckwa mehr Verstand besäßen al« die unsrizen, wa» immer die Zahl ihrer Bein« auch sein mag, aber steiniger find ste ohne Zweifel. Man sieht sie beladen mit Säcken, Steinen, Holzbüudeln und am häufigsten mit dreieckigen, rohgeflochtenen Körbchen, die zu jeder Seite niederbaumeln und in denen Gemüse, Brot, Obst oder andere Einkäufe liegen. Zwischen den Körben sitzt zumeist ein sehr jugendlich«! Reiter mit einer geknoteten Schnur in der Hand. E» gereicht dem Esel zur Ehre, daß er in vielen Fällen besser weiß, wo er zu Hause ist, al» fein Besitzer, we«ha>b dieser häufig mit dem Gesicht dem Schwanz zugekehrt sitzt. Er tut die« nicht etwa, weil ein Eselschwanz hier schöner «der betrach-ten«werter al« bei un« ist, sondern weil e« sich so mit • 4*1 v .......Iri.l-. f «.••»» V | t V •> Jl •'<>» mit Zögern entgeginte die Frau, sie besorge, daß ihr und ihren Kindern, weil sie Deutsche seien, an» Rache ein Leid angetan werde» könnte. Da lachten die Soldaten insgesamt und ihr Lachen übertönte daS G«iöse der Fahrt. Ein einfacher Soldat aber versicherte der Witfrau in deutscher Sprach?, daß die Serben den Krieg vom Friede» wohl zu unterscheiden wisien und daß mit serbischer Tapferkeil und Helden« hasligkeit auch Eselmut verbunden fei. Als die Frau an ihrem Ziele angelangt war, stiegen viele Soldaten mit ihr aus und kauften in der Bahnwirtschaft Obst und Süßigkeiten für die Kinder und beschenkten sie damit reichlich. So sehen auch wir Deutsche die Serbe»; topfer, heldenhaft und, im Bcwußifcin ihrer Kraft, edelmütig. Wenn'während drs Kriege? im serbischen Heere daS Wort die Runde machte, daß der Serbe der erste und beste Soldat der Welt ist, daß nachher die Deutschen kommen uud dann erst die anderen, so sind wir sicher, daß der oberste Führer diese« Heere«, der Regent der Silben, von uns nicht blinde Unterwürfigkeit verlang«, sondern aufrechte, tapfere Bürger. Wenn die Deutschen, also denkend, sest u»d ausrecht uach den sch.veren Schlägen, die sie erlitten habeu, vor den Herrscher hintreten und sagen: »Nur dann, wenn wir Deutfchi bleiben, sind und bleiben wir auch vollwertig für den Staat"; und wenn sie mannhaft erklären, daß sie bei Wohlwollen und bei gerechter Behandlung auch auf deutsche Art dem Staate und dem Herrscher treu sein werden; und wenn sie die Worle anfügen: „Hier stehen wir, hier fallen wir, Gott helfe uns, wir können nicht ander«!" Grautier einmal gar zu langweilig, so ruft fein Reiter nur, die Schnur schwingend: „Vorwärt«, Esel!" Und ohne sich beleidigt zu fühlen, setzt sich der Angeredete in eine etwas raschere Bewegung. Unmittelbar nach den Eseln kommen die Hund«. Sie sind einem tot od«r lebendig im Weg, wo man geht und steht. Ihre Aufgabe ist e«, die »ur Nachtzeit auf die Straße geworfenen Haufen von Slxifeüberresten, fettbeklebten Papirr schnitzeln, Stoffabfällen u. f. w. bi« »um Morgen aufgefressen zu haben und jeden Fremden anzubellen. Sie entledigen sich beider Aufgaben mit Pflichtbewußtsein. In ihrer Freizeit beißen sie sich gegenseitig die Ohren ab oder verüben Harikiri, statt an stch selbst, immer an anderen und der Gefalle»« bleibt so lange inmitten d«r Gasse liegen, bi« d«r Ge-ruch einen überempfindlich«» Hausherrn zwingt, die Leiche zwar nicht zu bestatten, aber immerhin vor die Stadt >n werfen. Dort besorgen die Gallinaz»«, eine Art Geier, die Bestattung, indem sie da», wa« ver-gänglich ist, in ihrem Magen aufbewahren. Da« Ge» rippe bleicht die Sonne und philosophisch veranlagte Menschen können auf ihren Spaziergängen den Unbe-stand alles Irdischen mit Muße erwägen, ohne sich deshalb einen Totenkops anschaffen zu müssen. Die Menschen — e» sei mir verziehen, ihrer erst jetzt Erwähnung zu tun, aber sie verschwinden unter Eseln und Hunden — zerfallen in zwei Gruppen: In die Weißen (die hier auch braun gebrannt find) die überall auf der Welt, dem Aeußern nach einander so ziemlich ähnlich sehen und in die Mischlinge oder Chol»«, die an malerisch-m Reiz unmittelbar hinter den Eseln stehen. Die Männer haben einen Poncho »mge« worse», da» ist ein große«, viereckige« Tuch, da« in Ur m": c!r. skr ff1*?? fit. ?? tritt Stile 2 dann, davon sind wir überzeugt, wird uns dcr Rcgcnt und sein Hofstaat am besten verstehen. In di fcm Sinne entbieten wir dem königlichen Gaste unseren ergebensten Gruß; und weil wir an das Heldentum und damit an den wahr« haften Edelsinn glauben, schließen wir mit dem Rufe: Heil Alexander! Itiitiunalfntbrn nnd UHöftm Dcr Besuch des Throvsolger-Rexenten im slo wenifchen Staate wird es mit sich bringen, daß zu seiner Begrüßung auch von deutschen Häusern Fahnen in den serbischen und slowenischen Farben flattern. Wenn es Leute geben sollte, die den Krieg und dcr. Umsturz verschlafen ha!en, so kann man sich vor-stellen, wie diese sich die Augen reiben, wenn sie beim Erwachen plötzlich dieses ihnen erstaunliche Ereignis gewahren. Und doch würde jemand, der bihaupten woll c, daß sich die Deutschen in diesem Staate gewandelt haben, nu? di« halbe Wahrheit sprecht« ; denn nicht nur die Zeiten und die Menschen haben fiq geändert, io'tdem auch die Farben haben eine andere Bedeutung erhalten. Weiß Blau-Rot und Schwarz>Rot>Gotd tonen in Friedens-zeiten hierzulande die Symbole großer nationaler Feierlichkeiten und bildeten zuweilen Anlaß zu mehr oder minder harmlosen Meinungsverschiedenheiten. Während des Krieges haben sich diese scheinbar unversöhnlichen Farbengruppen schiedlich und friedlich miteinander vertragen, Beim Abmarsch von Marsch, formationen, bei der Feier der österreichisch ungari-scheu S>ege waren Weiß>B!au Rot und Schwarz-Rot-Gold bei aller Verschiedenheit des VolkstumS doch der sichtbare Ausdruck gemeinsamer wehr oder minder echter Gefühle. Nun aber ist hierin ein wesentlicher Wandel eingetreten. Da« Dreifarb Weiß-Blau-Rot. das früher die Farbe dcS Herzogtums Krain» war und gleichzeitig dem slowenischen Volk« als nationales Hüligtum galt, hat sein Machtbereich vergrößert, ist zur Staatsflagge geworden, und in seiner ursprüng« lichen Bedeutung verblaßt. Der deutsche Staats-bürget in Slowenien hat sich gewöhnt, in dieser Farbenzufammenstellung den Inbegriff des Staats-wesenS zu erblicken, dem auch er angehört, ebenso wie er in der serbischen Nationalflagge die Reichs- Reiten unentbehrlich sein. Zumeist ist der Poncho grell-gelb mit hellroten Läng«streifen. Die Frauen tragen «inen weiten, bandlolen Strohhut, ganz gleich, ob da-heim oder auf der Gasse. Bet den Männern fällt da« schwarze, straffe Haar oft bi« auf die Schullern; den Frauen und Mädchen hänge» futi zwei oder drei Zöpfe über den Rücken herab. Ihre kindliche Ursprüng-lichkeit hat die Zivilisation von vier Jahrhunderten nicht zu vernichten vermocht. Sie leben heute noch, wie wir im Mitlelalter. Angeeif.rt durch da« Beispiel ihrer viersilbigen Freunde, spielen Männer und Knaben aller-orten Fontänen und die Frauen kauern sich in den be-lebtesten Gaffen (im mer hübsch auf der So inensette!) nieder, wenn natürliche menschliche Gefühle sie dazu veranlassen, und während ein verräterischer Bach dem Rinnsal »ustrebl, handeln sie — d» Zeit ja Geld ist — um Bananen oder besprechen mit einem vorüber-gehenden Bekannten die Ereignisse de« Tage«. Da« Einzige wa« meinen Gerechtigkeitssinn verletzt, ist die Betrachtung, daß e« sie wundernehmen würde, wollte ich von der Einfachheit dieser ihrer Sitten einmal für mich Gebrauch machen. Die« beweist, daß die Ideen von Gleichheit und Brüderlichkeit hier noch nicht ganz durchgedrungen sind. Di« Häuser sind vorwiegend ebenerdig, fetten ein-stöckig und da« einzige zweistöckig« Hau« i» Arequipa wird von mir bewohnt. ZedeS Gebäude bildet ein Viereck, in deffen Mitte ein Hof oder Garten liegt, in dem Palmen, Rosen und Geranie», seltener Astern oder Bognovillia da« Auge erfreuen. Die Dächer sind flach und diene» zur Promenade. Die Zimmer haben keine Fenster und da man ohne Licht selbst in den Tropen nicht« sieht, läßt man die Zimmert!!« weit offen Jeder, der vorübergeht, darf hineinschauen und Cillicr Zcitun -> sahne anerkennt. Dcsglcichen ist daS deutsche Dreifarb Schwarz-Not Gold von dcr ursprünglichen nationalen Bedeutung zu einer staatlichen aufgerückt. Weiß B!an>Rot und Schwarz-Rot-Gold wcrscn so-nach in Hinkunft wohl kaum noch den Anlaß zu privaten Auseinandersetzungen bieten und wir wollen hoffen, daß auch die staatlichen Gegensätze nicht in blutigen Kcnflcklcn anSgctragcn werden, in denen Schrvarz-Rot Gold und Weiß-Klau Not gegeneinander im Feld; ft>h:n werden. Jene, welche auf den Straßen und Gaffen unter dem Schatten ihrer Nationalfahne Lorbeeren zu pflücken gewohnt waren, mögen diesen Wandel bedauern. Solche Menschen aber, die aus eine Ber» söhnung und Verständigung dcr Kullurnatio-ien hin-wiiken, werden es nur begrüße» sönnen, daß ber nationale Wettkampf nicht mehr um farbige Sym-bole, sondern um kulturelle GiUcr geführt wird. Dadurch wird sich die Menschheit über daS Niveau gewisser Tiere erheben, welche beim Anblick farbiger Tücher in rasende Wut geraten können. Und dies mag eine der guten Folgen des Umsturzes sein. Viel-leicht ist auch die Hosfnu.rg berechtigt, daß in ab-sehbarer Zeit die Völker Mitteleuropas, welche durch so und so viele gemeinsame Bande der Kultur und der Wirtschaft miteinander verbunden find, sich zur gegenseitigen Achtung und Würdigung anders» nationaler Eigenart durchringen werden. Insbesondere könnte «S von großem Vorteile sein, wenn unsere heranwachsende Jugend sich nicht in der Aufbauschung äußerlichen FormenkramS er-schöpf», um nach ihrer Auffassung ihr Volkstum nach außenhi» zu betonen, sondern daß sie ihren Zdea-liSmuS auf höher menschliche Ziele einstellt, welche dauerhafter sind als die unschuldigen historischen oder zufälligen Farbenzufammenstellungen. Nationale Arbeit leistet, — so sollte man meinen, — nicht derfenige, der bei völkischen Feier-lichkeiten irgend einen kraftvollen Schlachtruf aus-stößt oder bei nationalen Festlagen feine Brust mit nationalen Bändern behängt, sondern derjenige, der an seiner körperlichen und geistigen Ertüchtigung redlich und eisrig arbeitet. Sich selbst zu einem nützlichen Mitglied« der menschlich«» Gesellschaft heranbilden, sich eine ehrenvolle Existenz schaffe», fei e» geistiger, sei es manueller Natur, und sein Können und Wissen in den Dienst seiner Familie, seiner Nation und' im weiteren Sinne der gesamten Menschheit stellen, das sollte das Ziel fein, um die Bewohner lassen sich au« solch nichtigem Grund« auch nicht in ihrer Beschäftigung stören. Sie handeln nach dem Grundsatz: Wessen Auge sich be-leidigt fühlt, der schaue «bei, weg! Selten — sehr selten — ist der obere Teil der Tür au« Gta« und so ein 'Gemach ist «in unerhörter LuxuS. Ich bin ju< fällig im Besitze von »»ei solchen Tür«» und da ich sie ntid'.icherwtise stet« »e,schlössen halte, flehe ich im Geruch« einer Alchimistin oder Spionin, denn wozu sonst den Mitmenschen den Einblick in sein Reich verwehren? Manch ehrsamer, neugieriger Mitbürger liegt geduldig auf der Schwel!« und starrt dinch da« Schlüsselloch in mein verschlossenc« Zauberreich. Die Häusrr außerhalb der Stadt und teilweis« schon in d«r Sladt und in den Vorstädten, erinnern an da» Steinalter. Runde, vom Zahn der Zeit zur«chlg »bissen« und schön gtichliffln« Steine sind kunstlos übereinander-getürmt, ohne Zement, ohne Katkanwurf. Der Bo?en der Hütte ist srstgtstampft, di« Dach au« Stroh, manchmal mit «in«r Lehmschicht« verstärkt, und ein winzige« Loch dient als Rauchfang. Fenster gibt e« kein«, denn wozu hat man ein« Türe? Der Sparherd besteht au» einigen Steinen, auf denen ein Reisigfeuer brennt, über dem ein schwarzer Kessel hängt. In der Ecke steht manchmal ein Stuhl, ein wackeliger Tisch und auf dem Boden einige Hadern, da« gemeinsame Bett. Dies«n Raum teilt die Famil;« mit Hund, Katze, den vielen Meerschweinchen, die hier gerne gegessen werden, den Hühnern, oft mit dem Schwein und dem Esel, von den kleineren Bewohnern auf Zopf und Kleidung erst gar nicht zu reden. Der Hof ist um-friedet von einer Steinmauer, die da« Hochwasser dahin ge-werfen zu haben scheint und um ein feindliche» Ein dringen zu verhindern, wachst« stachelig« Kakt««n auf N-irwer 50 d«ss«n Errtichung die Angehörigen der Kultur nationen miteinander wetteifern sollten. Gegenwärtig leiden die Zeilgenosfen noch immer unter der Erbschaft, d'e sie auS den Nrlionaliläten-streitigkeiten der früheren Monarchie und Mittel-europas überhaupt übernommen haben. Wer ein Straßenschild stürmt oder eine anderSnat onalt Auf. fchrift mit Farbe übertüncht, der dünkt sich als ei» großer Held und läßt sich von gl-ichgesinnie» Kol-legen und gleichgksinntcn Zeitnugen als Retler des Vaterlandes lobpreisen. Und wenn gar Vertreterinnen des zarten Geschlechtes, ihr Nationalgefühl, daS sich zuwiile« über die Kenntnis geschichtlich verbürgter Schreibweise hinwegsetzt, an einer vermeintlich orthographisch anstößigen Firmevtafel c-proben, so werden sie von einer gewissen Presse in Weihrauch gehallt und i» übermenschliche G.öße emporgehoben. Doch wa? sind all die Kleinigkeiten und A-uß rlichkeitcn, gemessen an den großen und edlen Aufgaben, deren Erfüllung die zivilisierte Menschheit zustreben soll'.« l Nichtigkeiten und nichts als N>cktigke:teal Solche und ähnliche Erscheinungen sind bei allen Völkern zu konstatieren, welche aus den Trüat-mern der Monarchie ein neue? StaalSgebäuöe auf-gerichtet haben. Die einzelnen Menfch.n sitzen sozusagen aus flacher Erde und sehen nicht hinaus übet die Ruinen, die «och nicht weggeschafft st-id und deren Ueberreste jedenfalls noch eine Zeitlang den Ausblick verhindern werde». Wen» aber einmal dcr Schutt und das Geröll, das als Wahrzeichen an eine düster-traurige Vergangenheit fortbesteht, weg-gcränmt sein wird, dünn wird sich auch der Gesichts-kreis weiten nnd dann wird auch die Erkenntnis ausdämmern, daß wir alle zusammen arme Mcvsch-lein sind, schwächlich und gebrechlich, die sich ihr Leben wesentlich erleichtern köanle», wenn sie sich gegenseitig hülfen, statt sich wegen solcher Nichlig-keiten zu b«f«hd«n rnd zu kränken. Mancher, der mit diesen Gedanken nicht übcr-einstimmt, mag die Redlichkeit dieser AuSsührunM in Zweifel ziehen oder sie auf Rechnung deS dem Deutschtum in diesem Staat« auferlegten Lose» setzen. Aber wessen Gemüt nicht von der Schale selbstgewollter Verbitterung verhärtet ist, der sollte versuchen, diesem Gedankengange mit Ernst und vor-Urteilslosigkeit zu folgen. Und er wird erkennen, daß gerecht und gut nicht das ist, waS der Glück-liche als solches empfiade«, sondern waS der Leidende fühlt und denkt. ihrer Oberfläche. Di« einzig«» Bäume sind rundblält-rig«, chinesisch« Weiden, di« hochaufschieben und wenig Schatten gebt», und daneben die langblätlrigen perua-nisch«n Weiden, dt« in d«r Form an mrser« Papp«ln «rinnern, aber rundwüchstger sind. Kapuzinerrose» wachsen an den spärlichen Bächlein und werd«» gegen Erkältungen angewandt, indem mau Blätter und Blüten über der Glut röstet und damit Beine und Fußsohlen dr« Kranken reibt. Einzig flud di« sogenannten P eanterra« oder Herberg«schenken. Sie sind die «igenttichen Gasthäuser «requipa«, denn die wenigen Hotel» dienen fast nur den Durchrrtsend-u. ®« sind die« häufig «ben dies« «Und««, halbverfallenen Hütten au« Stein, dir al« Zeichen ihrer Würde ein rote« Tüchl.in an langer Stange beim Dach heran« oder über die Mauer hin-weg zeigen, in deaen man statt den Liegestätten «ine Reihe meierhoher Ehichatöpf« an den Längstwänden stehen si-ht. Die Ehicha ist ei» von Mama Oello Huaeo, der Frau des ersten Inka, Mar.eo Qapje, 1043 eingeführte« Gclränk, da« au« Ma« bereitet wird. Dt« Körn«r werden abgelöst, in ein Srdloch getan, mit Stroh zugtdtckt unb mit Steinen beschwert, und dann unter Wasser gesetzt. Sobalz die Gärung begonnen, werd«n die Körner herausgenommen, zu grobem Mehl vermahlen, nochmal« befeuchtet und der Gärung unlerworfen, gekocht und tag«darauf getru iken. E« ist «in Labetrunk der Einheimischen, da« Bier vau Peru. In früheren Zeilen solle» die Maiskörner von emsigen Hausfrauen gekaut und dann in ein gemein-same« Gesäb gespuckt worden sein. Da der Fortschritt ziemlich langsam ist, empfiehlt sich der Ehichagenuh höchsten« im Stadtgebiet, wenigsten« für jene, die sich von europäischen Vorurteilen nicht schnell genug be- Nummer 50 Nur wenige der im anderen Lager stehenden Zeitgenossen, werden imstande sein, solche Erwägungen zu beherzigt», die in dcr Erinnerung an die Ver» gangenheit keine Resonnanz finden. Darum soll aber die Zuversicht doch nicht aufg'gcbc» werden, daß spätere Geschlechter für ihre leidenden Mitmenschen mehr Verständnis und Mitgefühl ausbringen werden a!S die Gegenwart. Und in unsere Kinder laßt u»S den Same» senken der menschliche Liebe und alles daraus entfernen, was an Haß und Rache gemahnt I Aus drr National-vkrlrclung. Zum Berichte über die 104. Sitzung der Na tivnalvertretung am 19. Juni, dkn wir in unserer letzten Blatifolge auszugsweise veröffentlicht haben, seien aus G.unv des feiiher eingelaufenen amtlichen Sitzungsberichtes noch nachstehende Einzelheiten nach-getragen: Noch Erledigung der einleitenden Formalitäten stellt der Abgeordnete Eeda Gavii an den Bizeprä- freien köunen. Dieser Göitertrunk wird auS sehr großen, gegen ob«nzu sich stark weitenden Gläsern getrunken und jeder Gast zahlt 10 Centavo«. Wer den tiefsten Zog tut, kommt am besten auf seine Rechnung. Zu eflin erhält man mancherlei. Rationalspeisen find da« Meerschweinchen, da« Pikante, da« ist irgend et» Fleisch, dermaßen t» Ehilepfeffer gebucht, daß der Essende auch det Tage die Sterne steht, und gerösteter Mai«. Kartoffel, die erst Im Schnee liege« gelassen «urdeo, «m «ehr .Kraft" zu »«kommen, »erden hoch-««schißt und gepfefferter Rei« wir» viel geböte«, »ine »elonder« Artigkeit besteht darin, jedem Gast« »in be sondert gute« Stick persönlich zu überreiche«, aklerbing« immer «U einer und derselben «abel. Wurde der Teller »«rsthentlich zu sehr gefallt, streift der Hand« riefe« da« unerlaubt« Uebermaß i« den Topf zurück. Wa« tut'«, wenn zufällig ei«« Lau« mitrutscht? Es «st ja nicht jede« Tag Freitag. Schi«, aber zu stnckülerladenZ sind die Kirchen. Dir Heiligen haben alle kostbar«, steifabstehend« Seiden« kleid«? an und Edelsteine an alle« Finger«. Die Frauen dürfen die Kirche nur mit der Mantilla, einem großen, schwarzen Tuch betreten, da« anßer de« Kaps, den e« festumrahmt, auch den ganze« Oberkörper «er-birgt. Die braune« Gesichter der Singebarene« mit ihren tief» liegende«, meist wimperlofe« Eugen, den starken Backen-kaochen und dem eingeschrumpft«« Mund« »irk«« wi« Mumie« au« vorinkaischer Zeit, di« plötzlich ihr, Srabflitte verlassen habe«. Eülier Zeiiunq daß die Ablehnung deS FrauenwahlrechteS ein Merf-mal politischer Rückständigkeit sei. Denn auch Frank-reich und die amerikanisch« Union hätten bisher daS Wahlrecht den Frauen noch nicht zugestanden. ES sei nicht richtig, daß hiedrrrch die Hälfte der B-völkerurg vom Wahlrecht ausgeschlossen werde. Denn wie könne jemand «in Recht verlieren, das er noch gar nicht besessen habe? Zuerst müßten, sährt der Minister fort, den Frauen die wichtigeren Rechte aus sozialem und wirtschaftlichem Gebiete erkämpft werden, fodaß dann das Wahlrecht als Krone aller politischen Rechte darüber gesetzt werden könne. Mi» nister Protic erörtert sodann die Gewährung deS Wahlrechte« an jene jugoslawischen Staatsbürger, welche nach dem Frieden«vertrage innerhalb eines bestimmte« Zeiträume? sich sür die Zugehörigkeit zu einem anderen Staate entscheiden können. Der Redner erklärt, daß sich unter der Zahl dieser Staatsbürger viele befinde!!, welche bei uns schon alteingesessen seien und sich mit den hier bestehenden Verhältnissen abgefunden und befreundet haben. Es wäre ungerecht, diesen Staatsbürgern das Wahlrecht zu entziehen. Minister Protic stimmt auch mit dem Abgeordneten Todorovi« überein, welcher das Wahlrecht sür jene Bewohner SüdserbienS verlangt, die im Jahre 1915 für Serbien gestimmt haben, später auSgewaudcrt und nun wieder zurückgekehrt seien. Da sich zur WahlrechtSsrage niemand mehr zum Worte meldet, leitet der Vizepräsident Dr. Ribar die Abstimmung über den § 9 ein. welcher im Sinne der AuSsüh-rungen deS Ministers Protiä mit großer Stimmen« Mehrheit angenommen wird. Beim §11, demzufolge die in Armenpflege befindlichen und invaliden Staats-bürger nicht wahlberechtigt fein sollen, schlägt der Abgeordnete Todorov'c vor, daß sich diese Bestim« mung aus die KriegSinvaliden und di« von «inem Unfall betroffen«» Arbeiter nicht be;i>hen solle. Minister Protic erklärt, daß diese Klausel sich nur aus die Gemeindearmen erstrecke, deren Wahlstimme ohnehin bloß dcr Willkür der jeweiligen Gemeinde-Herrschaft auSgliefert wäre, nicht aber auf die In« »aliden und unfallSverficherte» Arbeiter, welche auf ihre Rente.« gesetzlichen Anspruch haben. Der Ab-geordnete Hubotii erkundigt sich, wie sich die Be« stimmung im Wahlgesetz, daß jeder voll-, d. i. 21 jährige Staatsbürger das Wahlrecht besitze, mit dem dalmatinischen LandeSgesetze werde in Einklang bringen lassen, demzusvlge in Dalmatien die Volljährigkeit erst mit dem 24. Lebensjahre beginnt. Auf den Zwischenruf eineS Abgeordneten, daß ein« Landesregierung, di« sich nicht dem StaatSgefetze füge, verjagt werden müsse, schüttelt Minister Prot-k daS Haupt und antwortet, zuerst müsse Dalmatien daS erhaltene Geld rückerstatten, dann werde man schon Wetter sehen. Der §11 wird sodann über Antrag deS Ministers Protic zur Neuredigierung an den WahlreformauSschuß zurückverwiesen. Die KZ 12 und 13 werden mit dem Zusaxe angenommen, daß alle jene Staatsbürger daS Wahlrecht haben, welche bereits zehn Jahre nach Jusoflawiea heimatzuständig sind. Der nächste Redner, Abgeordneter Jasa Pro-danovic, bekämpft die Bestimmung des § 14 über die „qualifizierten" Abgeordneten. Er sagt, Milosch der Große und Karagjorgjevik seien keine besonderen Erwähnung verdient «och der Rinnsal. Ein kleiner Bach stießt durch jed« Straß« und in ihn wird alle« geleert, wa« zu HSn«lichem Ueberfluß gehört. Kltin« Kind«r schwanken mit unnennbaren Gefäßen zum Hau«tor herau« und versenken ihr« Schätz« In ihre« Wellen; sterbende Hund« werdtn, wi« «inst «larich im vusento, in d«n Fluten zur letzte« Ruh« gebettet; klein« Jung«« sorgen dafür, daß di« Wasscrmrng« nicht abnimmt, und all« Abfälle der Stadt versinken ln seinen lris« gurgelnden Waffer«, Ab«r der menschliche Forschung«geist ist unbezwingbar nnd «ehr al« einmal, gegen Abend, sah ich solch einen unerschrockenen Far-scher mit beiden Händen in die Tiefen tauchen, um unergründliche, darin verborgen« Schätz« an da« sch«i-dend« Acht de« Tage« zu ziehen. Ich bewundert« seinen Opfermut von weitem — t«id«r v«rbat mir m«in« europäische empfindlich« Ras« jidwedc Annäherung. . . Außerhalb von Erequipa gibt rt nur Sand, unendlich viel Sand und den mächtigen Misti mit seinem schneegekrönten Haupt. Er rüttelt die Stadt z« seinen Füssen ungefähr einmal jeden Tag und wenn er'« gar zu heftig tut, schreien die Leute, heulen di« Hund«, weinen die Kinder und läute« die GUcken. Rur die Esel schweigen . . . S« ließe stch von Arequipa «ach viele«, viele« sagen, dach lieber Lesrr leb' wohll .Galant ich schweigen muß . . ." Seite 6 Buchgelehrten gewesen und hätten dennoch den Staat geschaffen. ES geb« eben einen Unterschied zwischen natürlicher und politischer Intelligenz. Minister Protiü entgegnet, daß er gerade auf diese Bestimmung ein großes Gewicht lege. Staatliche Notwendigkeiten rechtfertigen diese Klausel, die ja, wenn sie sich einmal als entbehrlich herausstellen sollte, von einer späteren Nationalvertretung wieder gestrichen |Cevt)tn könne. Der Minister ersucht daher, den § 14 in der vorgeschlagenen Fassung anzunehmen, die Natio-nalvertretung spricht sich aber^ür dessen Rückver-Weisung in den WahlreformauSschuß zur nochmali-gen Beratung aus. Der Vizepräsident Dr. Ribar schließt sodann die Sitzung dcr Nationalvertretung und beraumt mit Rücksicht darauf, baß mehrere Minister den Thronfolger-Regenten auf feiner Reise nach Agram und Laibach begleiten und andere ffli« nister zu den Sokolfeierlichketten nach Prag fahren werden, die nächste Sitzung auf den 1. Juli um 4 Uhr nachmittags an. Dit Lage in Rußland. Noch immer gehen die Meinungen über die voraussichtliche Entwicklung der Dinge in Rußland weit auseinander. Die nichtrussische Presse beurteilt die Geschehnisse der letzten Zeit ganz nach ihre», Parteiinteresse; jeder stellt die Dinge so dar, wie er sie gern sehen möchte. Zuverlässige Quellen gibt eS so gut wie gar nicht, denn Reisende fremder Nationalität sind infolge der VerkehrSlage in Ruß» land nicht imstande, mehr als einen kleinen AuS-schnitt unter Augen zu nehmen und Russe» sind sämtlich mehr oder weniger an der Verbreitung einer bestimmten Ansicht interessiert. Zieht man nun gar noch englische Zeitungen zu Rate, so verwirrt sich das. Bild nur noch weiter. England verfolgt in Rußland eine Politik deS Hin« Haltens. Ihm ist nichts daran gelegen, im gegen-wältigen Augenblick die russische Frage zu lösen, weil eS ganz genau weiß, daß mit einer Festigung der russischen Verhältnisse ein neuer beachtenswerter Gegner in den Kreis der Feind« deS englischen Im-perialiSmuS eintreten würde. England hat alle Hände voll zu tun. um daS noch lange nicht gelöste Problem der Neugestaltung der Welt nach dem Kriege in seinem Sinne zu beeinflussen. Dazu kommt die Sorge vor der aujstrebenden Macht A«erikaS und Japans, die Schwierigkeiten mit Mohamedanern und Iren im eigenen Reich« und di« Heilung der Wunden, die der Krieg dem eng-lischen Wirtschaftsleben geschlagen hat. Die englischen Staatsmänner glauben, daß die Verhältnisse in einigen Jahren günstiger sein werden und daß eS dann vielleicht gelungen sein wird, die öffentlich« Meinung Rußlands zum zweiten Male Entschwunden« Boot«. Bon Slma M. Karl in, Silli. Wie «in «indgepeitfchte« Schisslein schaukelt auf d«« Leben« E«« Mein« traumumkost« S««l« einsam stet« in Glück ««d weh; Doch zunxile« wirft dcr Sturmwind «« dai mein« «ach ein Baot, Da« e« sacht und flüchtig strrisit, wie »erglutend Abcndrit; Wie ki»^Harf«»to«, d«r lris« in der Frühling«-tust dnklingt: Wi« «in Wind, der Li«be«grüße au« dem Rosen-gartrn bringt; Wit (in Stern, d«r gegen Morgen in dt« Dämmerlicht erbleicht, Kreuzt «« meine Bahn d«8 Leben«, kreuzt sie flüchtig — und entweicht l Einsam auf den großen Wellen, von den T räumen nur gewiegt, Schaukelt sacht mein Seelenschifflein, ungekannt und unbesiegt; Doch sobald die Abendschatte« drohend sinken um mich h«r, Wein' ich «m e«tschwund'n« Baot« nnd mein Herz schlägt bang nnd schwer. — Are««»,. S. Mai 1920. sidevtcu Dr. Ribar die Anfragt, was er wegen der Neubesetzung jerer Mandate, deren Inhaber durch den Tod abgegangen oder auf ihre Stelle Verzicht geleistet haben, zu unternehmen gedenke und warum jene Abgeordneten, deren Mandate nicht beglaubigt wurden, roch immer die Taggelder be-ziehen. Der Vizepräsident Dr. Ribar entgegnet, daß er die erste Angllegenheit dem Obminn d«S Beglaw bigungSauSschusseS zur Erledigung abtrete» und den zweiten Mißstauv im eigene» Wirkungskreise einstelle» werde. Der Abgeordnete Gjorgjevi? fragt den HandelSminister Ni> c (, ob e« wahr fei, daß die Stadt Agram die Erlaubnis zur Ausfuhr ter - ihr übrig gebliebenen Mehl- und Getreidemengen in» Ausland erhalten habe. Minister Dr. NinW erwidert, daß sowohl die Stadt Agram als auch die Getreideverkehrtanstalt in Laibach mit Ermächli-gung der Zentra^regierung jene Mehl- und Getreide-mengen, die sie zu hohen Preisen eingekauft haben, inS Ausland ausführen, um aus deren Erlöse andere für den Bedarf der Bevölkerung wichtige Lebens-Mittel zu angemefseneren Preisen im Jnlande befchaf-fen zu können. Der Abgeordnete Dzamonija interpelliert den BerkehrSminifier Dr. Koros?c, welche Borkehrun-gen er zu treffen gedenke, um die in'.BoSnisch-Brod schon seit Monaten angesammelten Kohlen« rnd Warenladungen abzutransportieren, für die anscheinend keine Waggons aufzutreiben feien, während das für Italien bestimmte Holz immer aufS rascheste weg-expediert werde. Der Berkehrsminlster antwortet, daß die Eisenbahntransporte je nach ihrer Wichtig« feit in Klasse» eingeteilt seien und daß die Kohle erst an sechster Stelle stehe. Nach dem Uedergange zur Tagesordnung ergreift der Minister Protik das Wort, um in längeren Ausführungen seinen Stand-punkt in der WahlrechtSjrage klarzustellen. Er spricht sich gegen die Gewährung de« Wahlrechtes an die Frauen aus und wehrt sich gegen den vorwnrs, Seite 4 Stilist Zeitung für England einzusangen. Denn hcute ist cS sicher, daß ein in dem bürgerlichen Staat»gedanken wieder« gewonnenes Rußland ein scharser Gegner Englands sein würde. DaS russische Volk hat begriffen, daß eS England zuliebe vier Jahre lang im Kampfe gegen Deutschland geblutet hat und daß England absichtlich seine LeidenSzeit unter der Herrschaft der Bolschewiken verlängert. Man «innert sich, daß Lloy» George Judenitsch und Dcnitin schmählich im Siiche gelassen hat und die Entziehung der britischen Hilfe in öffentlicher Rebe damit begründete, daß sich die Lage so sehr zugunsten der antibolschewikischcn Trupp.'n verschoben habe, daß sie englischer Hilfe nicht mehr bedürften. Mau weiß auch, daS England eS war, das die Hilfsaktion der deutsch-baltische» Truppen gewaltsam verhindert hat. Nach dem Zu-sammenbruch aller gegen die Sowjetregierung gerichteten Unternehmungen Hit England als erste Macht Verhandlange» mit den Moskauer Gewalt» hadern angeknüpft und ihnen dadurch da» Rückgrat gewaltig gesteift. Nun ist allerdings der Augenblick gekommen, in dem Englau» darauf bedacht sein muß, eine weitere Stärkung dcr bbischewikischen Macht zn ver-hindern. Wir haben i:r den lrtz'en Wochen bereits einen neuen Umschwung dcr englischen Rußlands-Politik erlebt, der in Wirllchkeit natürlich nichts anderes ist, als eine Fortsetzung der Gleichgewichts-Politik. Im Innern Sowjetrußlands hat sich inzwischen ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Die Formen dcr inneren Verwaltung und der Arbeiteordnung ist von der eines sozialistischen oder kommunistischen Staates weiter entfernt al» zur Zelt JwanS deS Schrecklichen. Die sogenannten roten Arbeiterheere sind Zwangöarbeitslinrichtuugen im Großen. Die zwölf', ja vierzehnstündige Arbeitszeit ist fast über-all wieder durchgesührt worden, ja sogar die Sonn« und Feiertage werden zwangsweise herangezogen. Aus Streik steht Todesstrafe. Alle Machtmittel des gewissenlosen Terrors werden rücksichtslos gegen die Arbeiter angewandt, während Betriebsleiter und Unternehmer, Ingenieure und Kaufleute, sowie die Kapitalisten, die zu den Trägern dc» künftigen Außenhandels auSersehen sind, große Vergünstigungen und Freiheiten genießen. In der roten Armee haben die allen Offiziere de» Kaiserreiches die volle Kom-mandogewalt wieder in den Händen. Kriegsminister ist der General Poliwanow, der bereit» unter dem Zaren diesen Posten einmal bekleidet hat. Diese Umstellung im Innern, die nicht etwa aus einem Wechsel der politischen Ansichten der leitenden Kommunisten, sondern unter dem Zwange einer harten Notwendigkeit erfolgt ist, hindert natür-lich nicht, daß daS erste Ziel der Sowjetregierung nach wie vor die Weltrevolution ist. Noch immer «erden ungeheure Summen zum größten Teil ge-fälschten Gelde» in» Ausland, insbesondere nach Deutschland verschoben, um dort die Elemente de» Umstürze» zu unterstützen. Die Herren Moskaus glauben auf diesem Wege leichter zu ihrem Ziel zu kommen, al» durch die bisher stet» vergeblichen ver-suche kriegerischer Operationen. Solange hierin kein Wandel geschaffen wird, und das könnte nur durch ein« gewaltsame Beseitigung der Moskauer ver». brecherherrschast geschehen, bleibt sür Europa, ganz besonder» sür Deutschland die bolschewikische Gefahr bestehen. Die Möglichkeit eine» gewaltsamen Um-sturzes im Innern besteht natürlich jederzeit. Doch tut man gut, allen Meldungen über sein Bevorstehen mit einigem Mißtrauen zu begegnen. Schon allzu oft sind solche Gerüchte al» Manöver irgend eine» Interessenten entlarvt worden. Bald war e» Eng-land, das eine neue Schwenkung seiner Politik durch die Jrnfiihrung der öffentlichen Meinung einleitete, bald waren cS Börsenkreise, bald die Sowjetregie-rnng selbst, die dadurch glaubte, die Angriffsfreudig-seit ihrer Gegner zu lähmen. Schon heute ist der russische Bolschewismus im hohen Grade nationalistisch. Je stärker das Element der Reaktion in der roten Armee an Boden gewinnt, um so stärker wird auch der nationalistische Ein-schlag in Erscheinung treten. Man dars darüber nicht im Zweifel sein, daß daS nationale Rusientum die Wiedergewinnung der alten russischen Grenzen ans seine Fahne geschrieben hat. Polcn und die Randstaatcn sind ständig in der Gefahr, von einem rnssischen Angriff getroffen und ilberrannt zu werden, einerlei, ob ein bo'.schewikischeS oder ein reaktionäre» Regime in Moskau herrscht. Zu einem Feldzu.;e gegen ein wiedererstarktes und gesuudeteS Rußland zum Schutze der Rand-siaaten wäre» aber weder England noch Frankreich in der Lage, so wenig, wie sie bis jetzt imstande waren, dem Räterußland ernsten Schaden zuzufügen. Auch würden sich beide Mächte voraussichtlich scheuen, dem ausgesprochenen russischen Willen feindlich entgegenzutreten, weil sie ganz genau wissen, daß sie damit das russische Bslk um so sicherer in die deutschen Arme treibci würden. Neben den Ver-suchen, daS Erstarken der ruffischen Großmacht nach Möglichkeit zu hemmen, werden die Bemühungen gehen, der deutschen Konkarre»; den Rang abzu. lausen, nnd die öffentliche Meinung Rißlands er-neul in den Dienst der eirglisch-sranzösischen AuS-beutungSpolitik zu stellen. Der Völkerbund, der alle Nationen mit dem Band brüderlicher Liebe umschlingt, der den Krieg auS dem Katechismus deS Politiker» streicht und dcr leidenden Menschheit da» Paradies aus E^den ver-schaff«, der lebt vielleicht in dem Gehirn eines Pazi. fisten und Demokraten, aber er ist leider nicht von dieser Welt. Der Völkerbund findet vorläufig bloß bei den besiegten und kleinen Staaten, die sich von einem Weltforum die Stützung der eigenen Schwäche und Hilflosigkeit verspreche», mehr oder minder aufrichtige Anhängerschaft; in London. Paris und New Uork wird er heute kaum noch ernst genommen. Polnische Rundschau. Inland. Huldigungsdepeschen des Schwäbisch Deutschen Kulturbundes. Bei der gründenden Hauptversammlung des Schwäblsch-Dcutschen Kulturbundes, über deren glän-zendcn und eindrucksvollen Verlauf wir in den nächsten Nummern nähere Einzelheiten bringen werden, wurde über Antrag des Festredners Dr. Georg Graßl je eine HuldigungSdepesche an den Thronfolger-Regenten Alexander und an die Belgrader Regierung abgesendet. Die erstere besagt: Die am 20. d. M. in Neusatz abgehaltene gründende Versammlung des Schwäbisch-Dentschen Kulturbundes entbietet Eurer kgl. Hoheit den ehrerbietigsten Dank der deutschen Bevölkerung unseres Staatsgebietes sür die Genehmi-gung der Bundessatzungen.... Das Lebensprinzip unseres Vaterlandes ist unS eine volle Bürgschaft dafür, daß auch wir Deutsche, die wir treu und unentwegt zu unserem Vaterlande wie zu unserem Volkstnm halten auf unserer heimatlichen Scholle Freiheit Gerechtigkeit und kulturelle Entwicklung«-möglichkeil finden werden. Der Wert der Muttersprache. In einer bemerkenswerten Polemik gegen die von slowenischen Wissenschaftern vertretenen sprach-lichen Einigungsbestrebungen führt Dr. V. Korun im Laibacher Naprej u. a. au»: Zn Jugoslawien gibt eS in Wahrheit keine Sprachensrage und darf »S keine geben. Keine südslawische Mundart hat Ursache, sich in nichts aufzulösen und die Allein-Herrschast einer anderen anzuerkennen. ^Wer.n der Wert einer Sprache in erster Linie von deren Ver-breitung abhängig ist, wozu war denn dann der langjährige Kampf gegen die Aermanifation in Altösterreich nütze? Dann hätten wir doch kurzerhand da» Deutsche al» unsere Sprache annehmen sollen! Zagegeben, da» Deutsche ist keine slawische Sprache. Warum entscheiden wir un» sodann nicht sür da« Ruffische, das dereinst bestimmt noch eine Welt- Nun.urcr 50 spräche sein wird, was man vom Serbokroatischen schwer behaupten kann. Die Muttersprache läßt sich nicht so leichthin aufgeben, wie ein alter Rock abge-legt und ein neuer angezogen wird. Denn hier spielt daS psychologische Moment eine große Rolle. Die Muttersprache ist enge mit dem Gefühlsleben jede« einzelnen Menschen verbunden; mit ihr sind unsere schönsten und heiligsten Erinnerungen vcrknüpst. Ich liebe meine Muttersprache, mag sie im Vergleich mit anderen Sprachen noch so dürftig und ungefügt sein, bloß deswegen, weil sie meine Muttersprache ist. Die Ranke des Dr. Ioiea Frank. Der Berichterstatter der Era Ruooa hatte dieser Tage ein Gespräch mit Dr. Jvica Frank, welcher sich seit einiger Zeit mit seiner Gattin Aglaja in Wien aushält. Dr. Frank erklärte, daß die Adria-f>age am besten im direkten Einvernehmen zwischen den Kroaten und Montenegrinern einerseits nnd den Italienern anderseits gelöst werden könnte. Die Serben seien ein Gedirgevolk, daS nicht am Meere wohne, und die Slowenen als solche kämen in dieser Frage überhaupt nicht in Betiacht. Kommunistisch verseuchte Jugend. Wie Bürgermeister Dr. Tavcar in einem Leit-aussatze im SlovenSki Narod mitteilt, spukt unter der slowenischen Zugend das kommunistische Phantom. Die ganze Laibacher Oeffentlichkeit, sagt der Ver-fasser. weiß e», daß unter den Studenten und Stu-dentinnen, mögen sie dem Studium am Gymnasium, an der Universität oder an d?r Technik obliegen, die größten Kommunisten sich verbergen. Diese Stu« dierenden streuen den Samen des unvernünftigsten Kommunismus au« und verseuchen unstte Jugend; e» ist zu befürchten, daß unser Nachwuchs in Wahr -helt die Begriffe von nationaler Begeisterung und von JdealiSwus einbüßt. Kommunistische Eseleien — da» ist alles, was einigen im Kopse steck«. Dies zum Bessern zu wenden, verlangt ein Fülle von Arbeit. Eine Marburger Bestechungsaffäre. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. D. Loncar und Genoffcn haben den Innenminister nach-stehende Interpellation gerichtet: In Marburg ist Rechtsanwalt Dr. LcSkovar RegierungSkommiffär. al» Gemeindebeirat fungiert Herr Zebat. der am 2. Zuni l. Z. vom KreiSgerichte Marburg wegen Bestechung des Magistratsbeamten Zerko. den er unter Anbietung einer hohen Geldsumme zur AuS-folgung der Wählerliste verleiten wollte, zu 40 Tagen Arrest verurteilt wurde. Herr Z?bat ist als ftävti scher Gemeindebeirat gleichzeitig Vorgesetzter desselben Beamten, den er bestechen wollte. Ich frage daher den Herrn Minister: Ist er bereit zu veranlaffen, daß Marburg, welches seiner Mehrheit nach eine Arbettcrstadt ist, eine dem politischen Verhältnisse der Bewohnerschaft entsprechende Gemeindevertretnng erhält ? Ist er bereit, den Fall de« Gemeinde bei. rateS Zebat zu untersuche» und anzuordnen, daß diese Ernennung ungültig erklärt werde? Internationale Eisenbahnberatung in Cilli. Unter dem Borsitz des Direktor-Stellvertreter« der Südbahn de« Herrn Andrea« Brecko, finden gegenwärtig «n Eilli Verhandlungen statt, welche hauptsächlich die direkte Abfertigung der Reifende» und deS Gepäcks im Uebergangsverkehr zwischen Jugoslawien, Deutschösterreich. Italien und der Tschechoslowakei bezwecken. Die Beratung, an welcher Vertreter aller genannten Staaten teilnehmen, werden vom Geiste allseitigen Entgegenkommens getragen und nehmen einen günstigen Verlauf. Ausland. Die neue deutsche Regierung. Nach längeren Parteiverhandlungen ist eine neue deutsche Regierung gebildet worden, die zu dem bisherigen MehrheitSdlock (Zentrum, Mehrheit»-sozialisten, Demokraten) noch die Deutsche Volkspartei (ehemalige Nationalliderale) gewonnen hat. Durch den Eintritt dieser recht» stehenden Partei ist der bürgerliche und nationale Flügel in der Regierung verstärkt worden. Zum deutschen Reichskanzler wurde der ZentrumSmaun RechtSanwalt Fehrenbach ernannt, auf daS Außenamt soll Geheimrat Simon berufen werden, der BerufSdiplomat ist und sich bei den v-rsailler FriedenSverhandlungen einen Namen ge-macht hat. Tumultszenen in der tschechoslowakischen Nationalversammlung. In der letzten Sitzung der tschechoslowakischen Na!ionalversammlung erklärte ein tschechischer Redner, daß da» tschechische Volk die deutsche Nation stet» Kxmmci 50 gehaßt habe und daß der Haß gegen das Deutsch-tum allen tschechischen Parteien, und mögen die Unterschiede auch noch so tiesgchend sein, gemeinsam sei. Diese Worte löste» bei den deutschen Angkord, neten eine» Sturm der Entrüstung aus. Sie trom-melien mit den Pultdcckel», einige pfiffen mit Signal-Pfeifen, so daß bei dem ohrenbetäubenden Getöse jede geordnete Debatte unmöglich war. Da der Präsident die erregten Gemüter nicht beruhigen und ein in der Mitte des Saales entstandenes Hand-g^menge nicht verhindern tonnte, unterbrach er die Sitzung auf eineinhalb Stunden. Es zeigte sich auch bei dirfer Gelegenheit wieder, daß Allösterreich in tschechischer Verzerrung «eiterlebt. Das französische Marineprogram«. Im französische» Mariueprogramm ist der Bau von 6 AufklärungSkreuzern. 12 Torpedozer-siöiern und 12 Unterseeboleu, mit deren Kiellegung im Jahre 1920/21 begonnen weiden soll, vorgesehen. Der Marineminister e» klärte, daß sich Frankreich beim Bau von diefeu schissen an die in «»deren Staaten üblichen Typen anlehne» wird. — Man sieht, mit der allgemeine» Abrüstung ist eS nach der Nieder-ringnng des deu-fche» rMilitarismus" ia den Ententestaaten merkwürdig still geworden. Dreibund zwischen England, Amerika und Japan. Amerikanischen Meldungen zusolge werden zwi. schen England, Amerika und Japan Verhandlungen zur Errichtung eineS Dreibundes geführt. Besonders England bemüht sich, durch Beseitigung der zwischen Amerika und Japan bestehenden Gegensätze dieses Bündnis zu ermöglichen, welches den ganzen Erd-ball seinem Diktat unterwerfen würde. Aus Stadt und Zanö. Für den Empfang des Thronfolger-Regenten Alexander hat der Festausschuß in Eiüi einen Aufrus an die Bevölkerung verlautbart, dem wir folgende ergänzende Einzelheiten unserem letzten Berichte entnehmen. Die Ankunft deS Thron-folger-Regenten in Eilli wird, ebenso wie die Abfahrt, durch 21 Kanonenschüsse angekündigt. Die Reichs-straße bleibt am 29. Juni vzn 8 Uhr vormittags angefangen solange für jeden Verkehr gesperrt, bis der Regent die betreffende Strecke passiert ha». Die an der Straß« gelegenen Ortschaften mögen Flaggen-schmuck anlegen und die Fenster mit Blumen und Pflanzengrün zieren. Die Bevölkerung jener Orte, die abseits von der Reichsstraße liegen, wird aus-gefordert, sich am Cmpsange de« Thronfolger-Regenten In Eilli zu beteiligen. Entbehrliche Flaggen mögen gegen Bestätigung und Ersatz allsälliger Auslagen beim Stadtmagistrat Eilli leihweise abgegeben werden. Tannenreiser, Pflanzengrün und auch Fahnen zur Ausschmückung der Häuser und der Stadt über-Haupt sind beim Stadtmagistrat erhältlich. Die Festordnung, die für den Empfang deS Thronfolger-Regenten In Eilli zusammengestellt wurde, enthält folgende Bestimmungen. Die Vereine und Personen, die sich am Empfange zu beteiligen gedenken, mögen sich schon um 9 Uhr vormittags auf de» Empfangsplatze einfinden, damit ihnen ihre Plätze von den Ordnern rechtzeitig zugewiesen werden können. Die Sokol- und Orelvereine treten in Bereinstracht, die Feuerwehren in Paradeuniform an. die Frauen und Mädchen sollen Nationaltracht anlegen. Alle Vereine werden ausgefordert, ein Ver. zeichuiS der am Empfange teilnehmenden Mitglieder unverzüglich an den Festausschuß einzusenden, und am 29. Juni auf dem Festplatze mit Ihren Vereins-sahnen zu erscheinen. Dem Publikum wird strenge zur Pflicht gemacht, den behördlichen Weisungen Folge zu leisten und durch ein rechtes und würdiges Benehmen dem festlichen Gepräge deS Tages sich einzuordnen. Da» Reiseprogramm des Thron folger-Regenten nach dessen Abfahrt von Eilli wird sich, wie amilich mitgeteilt wird, wie folgt ab. wickeln. In Gonobitz und Aindisch Feistritz werden ihn di« Bürgermeister namens ihrer Gemeinden, in Marburg der städtische Gerent names der Stadt Marburg »or dem S'adtmagistrat begrüßen. Im großen Saal der Stadtgemeinde werden sodann »er-schiedene Abordnungen, darunter auch eine Vertretung der Slowenen aus Prekmurje, dem Thronfolger« Regenten huldigen. Da« Mittagmahl wird um 1 Uhr nachmittags im Narodni Dom eingenommen ; hiebe! wird Fürstbischof Napolnik eine Ansprach« halten. Der Hofzug. der dem Thronfolger-Regenten bis Marburg entgegenfährt, verläßt bereits um 3 Uhr die Station wieder. Der Chef ter floweni- Cillier Zeitung schen Landesregierung begleitet den Herrscher bis an die Gemarkung des slowenischen Staates und ver-abschiedet sich in Rann vom Regenten, welcher die Reise über Agram nach Semlin fortsetzt. Der Deitstag (Vidov dan) am 28. Juni wird als StaatSseiertag als Erinnerung an die Schlacht aus dem Amselseide (Kosovo polje) im Jahre 1389 im ganzen Königreiche SHS festlich begangen. DuschanS Kaiserreich. daS nach dem Tode s«i»eS Begründers und Schöpfers, des Zaren Duschan, im Jahre 135,5 sich unter seinen unfähigen und streitsüchtigen Nachfolgern immer mehr auslöste, empfing an j?»em geschichtlichen Datum von den Türken den Todesstreich. Zwar hatten die beiden letzten Teilsürste» des serbische» Reiche», Knez Lazar und Vuk Brankovic, auch die umliegenden Slawen-staaten und Fürsten. Bulgare». BoSnicr und Kroaten zur gemeinsamen Äbwehr gegen den okmanischen Ansturm zu einige» vermocht, aber der Ausgang der Schlacht besiegelte den Untergang der Freiheit nicht nur der Serben, sondern auch dcr übrigen Balkanslawen. Erst nach viereinhalb Jahrhunderten, im Jahre 1830, erstand der serbische Nationalstaat zu neuem Leben, indem Serbien unter internationaler Garantie zu einer autonomen Provinz deS ottomanische» Reiches erhoben wurde. Da mit der Schlacht aus dem Amselselde die Verschmelzung deS serbischen Volkes zu einer soziale», kulturellen und sprachlichen Einheit anhebt, ist dieser Tag der tiefsten Erniedrigung für die Serben gleichzeitig auch der Beginn der Erhebung aus den Zustand der heutige» Macht und Größe. Die (BeschSstssperre am Veiistage (Ndov dan) als einem jugoslawische» StaatSfeiertage ist über behördliche Verfügung wi» an sonstige» Feiertagen ein-zuhalten, d. h. die Geschäfte müssen am 28. Juni gesperrt bleiben. Evangelische Gemeinde. Diese» konntag fällt der Gottesdienst aus. Dagegen findet Montag, d. 28., am VeitStage, ein öffentlicher Gottesdienst um 10 Uhr in der Ehristuökirche statt. Die Liedertafel des Cillier Männer-gesangoereines findet am SamStag 3. Juli im großen Saale des Hotels Union statt. Die Vertrags-ordnung besteht aus einer Reihe wertvoller Ehöre. Darunter befinden sich auch die btrühmten altnieder, ländischen Volkslieder mit Orchesterbegleitung. Zwi-schen den GesangSvorträgen wird die Kapelle deS Eillier Musikvereines spielen. Erfreulicherweise hat sich Frau Dr. Jofefine Hoifel, deren herrliche Stimme vielen Teilnehmern des Jagaballe« noch in Erin-nerung ist. bereit erklärt, den Abenv durch den Bortrag einiger schöner Lieder wesentlich zu ver-schönern. Das Sekretariat der KreiS-GenossenschaftS-Organisation der Arberterverbände Ist von der Preserngasse Nr. 6 in die Vodnikgasse Nr. 3. eben» erdig, übersiedelt. Dortselbst wird auch die sozial-demokratische Partei Sloweniens di« Kanzlei er« richten. ^ Fuhballwettspiel zwischen dem (-portni klub Eelje und dem Vthletiksportklub Eilli. DienStag, den 29. Juni (Peter und Paul), treffen sich die beiden genannlen Bereine zum erstenmale auf dem Sortplatz beim „Felsenkeller". Ueber die Stärke heS nischen Kreisen wird uns geschrieben: Die Kauf, Mannschaft und die Gewerbetreibenden im SHS-Staate sind laut Verordnung gezwungen worden, ihren Warenbedarf durch die Zentralvcrwaltung in Laibach zu decken und zwar aus Grund des Kompensationsvertrages. Jeder einzeln» weiß, welche Qual es war, mit diesem Amte zu arbeiten, weil eine schriftliche Eingabe kaum «ine Erledigung ge-funden hat und wenn eS der Fall wir, so durfte man froh fein, wenn man innerhalb zw.'ier Monate di« Bewilligung zum Bezüge erhalten hal, und den« noch hatt« man die Ware noch immer nicht. TranS-Portschwierigkeiten gesellte» sich hinzu uud so ist heute noch eine große Anzihl vo i Kaufleuten und Gewerbetreibend«» vorhanden, deren Waren seit dem lieben August ISIS ausständig sind. Z>l allen diesen schwierigen Warenbezügen reiht sich eine nene au» jing-st«r Zeit an, welche die Einsuhr für Luxusartikel ver-fchiedener Waren (Ruderleibch'ii, Möbelbefchläge e!c.) verbietet und es heiß', daß nur jene Waren, welche vor dem 31. März 1920 im Auslande zur Aufgabe gelangt sind, anstandslos auSgefolgt werde» können. Alles was nach dem 31. März 1920 aufgegeben wurde, mag auch der Eiltkaufsschnn aus früheres Datum lauten, geht unbedingt zurück, uud käme die Ware aus weiß Gott welchem Weltteile. Angezeigter wäre «S gewiß gkwcfen, wenn cS geheißen hätte, daß alle jene Waren, welche durch Kompensation in der Tschechoslowakei, in Deutschösierreich und solche außer Kompensation im Deutschen Reiche vor dem 31. März eingekauft wurden, auSgefolgt werden müssen. Lange wartet man auf die Ware und nun, wcnn die Ware endlich anlangt. wo man froh ist, daß die Ware da ist, maß man sie wieder zurück-gehen sehen. Gelder müssen für den Ankaus lange vorher angelegt werden, fressen Zinsen und zum Schlüsse ist alle Mühe, Plage and Sorge umsonst. Bei dieser Gelegenheit wäre es wünschenswert, zu erfahren, auf welchem Wege man dann die bereits ein Jahr lang bezahlten Gelder für die gekauften Waren, die nicht ausgefolgt werden, zurück bekommt. Verordnungen zum Besten dcS Kaufmannes, wie auch zum Beste» der gesamten Bevölkerung wären dringend vonnöten. Brandlegung. Am 24. Juni um halb «If Uhr nachts brach auf der HigerSperg'schen Realität in Bordernberg, welche Eigentum der Sladtgemeinde Eilli ist, ein Brand auS, den der jetzige Pächter des Weingartens, iur. Dr. Eäiar Bobijut, im Zustande der Geistesverwirrung selbst gelegt hatte. Die Rea-lit&t wurde bis auf den Grund eingeäschert; auch ein Teil deS angrenzenden Waldes fiel dem beut«-gierigen Elemente zum Opfer. Richt nur alle Ein-richlungSgegenstSnde sind vernichiet, selbst die not-dürftigsten Kleidungsstücke von Dr. Bobifut und Frau sind in deu Flammen aufgegangen. Der Brand-legn, der in früheren Jahren in wechselnden Be-rufen in Tirol und Säriiten tätig war und seit kurzer Zeit als Privatmann i« Cilli lebte, hatte, wie alle, die mit ihm zu tun hatten, bestätigen, schon bei wiederholten Anlässe« Spuren de« in ihm ausbrechenden Irrsinns bekundet. Er wurde ia die LandeSirrenanstalt nach Laibach überführt. Landwirtschaftliche Kurs« für Volksschule lehrer veranstaltet da« SlaatSamt sür Landwirtschaft in der Zeit vom l9. Juli bi« zum 2Z. August an der landwirtschaftlichen Schule in G?m und vom S. September bi« zum 10. Oktober an der land-wirtschaftlichen Schule in St. G.wrgen a. d. Süd-bahn, ferner HaushaltungSkurf« für VolkSschul-lehrerinnen in der Zeit vom 19. Juli bis zum 22. August im Laibacher Marianum. Bewerber bezw. Bewerberinnen vom flachen Lande genießen den Bor-zug, da eS wünschenswert ist, daß vorerst landwirt-schastliche bezw. HauShaltungskurs« im Anschluß an die VolkSschul« eingeführt werden. Wirtschajl und verkehr. Die Frage der Ausfuhrzentrale. Im Finanz- nnv Wirtschaftsausschuß deS Ministeriums hat der Finanzminister Kosta Stojanovic seine Ar-gumente gegen die AnSsuhrzentrale dargelegt. Haupt-sächlich führt der Minister ge,en die AuSsuhrzentrale a». daß diese über ein Kapital von bloß 30 Mil-lione« Dinars versüßen wird, während sie Geschäfte im Auslande von über 3 Milliarden abzuwickeln hätte. Von den sanken und der Staatskasse könn« die Zentrale keine finanzielle Hilfe erwarten. Ferner verfügen wir nirgends über genügend große Maga-zine, um größere Getriidemengen aufnehmen zu können. Auch werden durch diese Institution die Seile 6 Havplursachen dcr ErnährungSschwierigkeiten in un« jerem eigenen Staate nicht beseitigt, da bisse in den VerkehrSfchwierigkeiten liegen, welche vor allem be-feitigt werden müßten. Die« kann die Zentrale nicht durchsührin. Der Gewinn des Staates werde bei dem riesig teuren Betriebe sehr gering sein. Schließ« lich sei eS sinnlo», eine neue Institution zu errichten, während wir schon eine entsprechende Anstalt besitzen, welche bei entsprechender Reorganisation diese Funk-tion sehr gut verrichten könnte. Dies ist die nun in Liquidation begriffene Warenverk«hr»zentrale. Die nun errichtete NnSiuhrzentrale sollte die passiven Gegenden und die Armee mit Lebentmitteln ver-sorgen und au» dem Auslande die nötigen Industrie-artitel für unsere öffentlichen Anstalten und Mini-siericn beschaffen. Wie verlautet, wird die Ausfuhr-zentrale wesentlich umgestaltet und ihre endgültige Form und Funktion bereits in der allernächsten Zeit festgesetzt werden. Der Ausfuhrzoll für Frühobst ist, einem Beschlusse der sinanz-wirtjchaftlichen Kommission in . Belgrad zusolge, aus zwei Dinar für 100 kg herab-gesetzt worden. gur Hebung der guckerinduftrie hat die Zentralregierung in Belgrad den unter Sequester stehenden Zuckerfabriken die Ausnahme von Dar-lehen im Betrage von 20 Millionen Dinar be-willigt. DaS G-ld soll ausschließlich für den An-kauf von Zuckerrüben verwendet werden. Mit der Aufhebung der Zwangs-wirtschaft besaht sich, reichSdeutschen Blättern zufolge, da« deutsche BolkSernährungöwinisterium. Es wurde ein Programm aufgestellt, nach welchem der Abbau der Zwangswirtschaft bis zum 1. Oktober durchgeführt werden soll. Drahtnachrichten der Cillier Zeitung. Meldungen des taibach» Nachrichtenamtes. Eine bedeutungsvolle Rede des Thron« folger Regenten Alexander. (Feierliches Gelöbnis der Gleich-berechtigung für alle jugoslawischen Staatsbürger ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit und des Blau-benSbekenntnisseS.) Agram. 24. Juni. Beim Festmahle hielt der Thronsolger-Regent eine Ansprache, in welcher er u. a. ausführte: Ich danke in erster Linie der Bor-sehung. daß mir daS Glück verliehen wurde, im Namen meines erhabenen BaterS, des Königs Peter, zum erstenmale den Herrfchergniß de« König« der Serben, Kroaten und Slowenen, den Bürgern, Sol-daten und Bauern in Kroatien und Slowenien über-bringen zu können. Weiter« sagte er: Mich dünkt, daß in diesem Augenblicke, wo unser ganze« Bolk dreierlei Namens, aber eine« Herzens und eine« Sinnes, um uns versammelt ist, daß in diesem Saale die frohen Manen unserer gemeinschaftlichen Alt-vorderen auf un« niederschauen. Sehnten sich nicht unsere Borsahren nach diesem Momente, wo alle unsere Brüder dreierlei Namens sich werden ver-einigen und umarmen können? Nach einem geschicht-ichen Rückblick auf die jahrhundertelangen Kämpfe ür die nationale Bereinigung fuhr der Regent in einer Ansprache fort: Wa« wir erreicht haben, ist unserer Ahnen und unser selbst aemeinfchasllichcs Werk. Die Arbeit für unsere nattonale Befreiung und unsere restlose Vereinigung werden wir und unsere Nachkommen zu End« führen. Wir werden die« ohne große Schwierigkeiten vollbring«» können, wenn wir un» im öffentlichen und privaten, im kul« turellen und wirtschaftlichen Leben der Arbeit widmen «erden, und zwar mit jener Begeisterung, mit der un« unsere Helden unterstützt haben, welche ihr Lebe» auf dem Altar de« hundertjährigen nationalen Gedanken« geopfert haben. Die Zeiten unserer Sklaverei und der Emmischüiiz von Fremdlingen in unsere Angelegenheiten sind für immer vorbei. Mit dem teuere,» Leben haben wir unser Recht erfasst und nach unserem Wissen nnd Können werden wir unser eigene« Haus baue» können. Allen unseren LandSleuten sind ihr« Recht« Verbürgt; alle unser« Arbeiter können auf Unterstützung und Schutz bei ihrer Arbeit rechnen. Alle Staatsbürger ohne Unter« schied der Volkszugehörigkeit und de« Glauben«-bekenntnisse« »iss«>«, daß ihnen alle politischen Rechte Cillier Zeitung für immer gewährleistet sind und daß die Gleich-berechtigung allgemein sein wird. Ich kann versichern, daß der König des Staates SHS allen unseren Staatsbürgern gleich geneigt ist. Untere unvergleich-lichen Erfolge auf den Kriegsfchanplätztn haben neue Gebiete für unsere Tätigkeit erschlossen, neue Gesichts-punkte für unser ganze« Leben eröffnet und un» ebensolche neue Pflichten auserlegt. Ich und meine Regierung werden eingedenk sein aller am historischen Gedenktage am 1. Dezember 1918 gegebenen Ber-sprechungen und alles offen unterstützen. waS den Wohlstand und den Fortschritt unseres Volkes fördern kann. Ich schätze mich glücklich, daß ich aus den ersten Eindrücke» in Agram die Ueberzeugung ge-wonnen habe, daß alle unser« Brüder dieser Gegen-den von demselben Gefühle beseelt und von dem gleichen Glauben erfüllt sind. In diesem Sinne erhebe ich das Glas auf die Ehre und das Glück unsere« lieben Kroatien! * Besichtigung der Stadt A^ram durch den Thronfolger Regenten. Agram, 24. Juni. Der Thronfol««r-Regent besuchte heute vormittag« di« orthodox« Kirche, wo ihn der Bischof Miren Nikolik mit zahlreicher Geistlichkeit begrüßte. Nachher fand auf dem J«llac öplatz« eine große Militärparade mit Defilierung statt. Hieraus besichtigte der Regent di« Kaserne, di« nach ihm den Namen trägt. Nachmittag« besuchte er die Akademie der Künste und Wissens rasten, wo er vo« Protektor, dem Erzbischos Dr. Bauer, begrüßt wurde, ver Thronfolger legte vor der Büste de« Bischof« Stroßmayer einen Blumenkranz nieder. Sodann be-sichtigte er die Bildergalerie und den archäologischen Teil de» Nationalmuseunis. Darnach begab er sich auf die Universität, wo ihm ein UniversitilShörer im Namen der ganzen versammelten Schuljugend und der Studentenschaft die Huldigung darbracht«. In der Aula begrüßt« den Regenten der Rektor der Universität an der Spitze der Professoren aller Agramer Hochschulen. Hierauf besuchte der Thron-fotger-Regent da» SokolhauS und wohnte den Bor-führungen der Sokolisten bei. Abends war Festvor-stellung im Theater. Durchreife des griechischen König« durch Agram. Agram, 24. Juni. Heute fuhr der griechische König inkognito durch Agram. Da der Thronfolger-Regent infolge seiner Teilnahme am Festprogramm verhindert war, den Kinig zu begrüßen, so über-trug er diese Aufgabe dem Hofmarschall-Obersten Damianovic, welcher aus dem Bahnhose dem Griechenkönige die Grüße seine» Herrscher« entbot. Au» der Sitzung des Verwaltungsrates der Südbahn. Wien, 24. Juni. Heute fand hier die Sitzung de» verwaltnng«raie» der Südbahn statt. Der Bor« sitzende begrüßte die neu zugewählten Mitglieder de« BerwaltungSrateS. nämlich den Präsidenten Dragotin Hribar und den Hofrat «aklje. ES wurde festgestellt, daß wegen der Ungeklirtheit einiger grundlegender Fragen der Rechnungsabschluß jetzt noch nicht «»glich sei und daher der Hauptversammlung, welch« Ende Juli oder ansang« August einberufen wird, vorbehalten bleiben müsse. Ja dieser Hauptversammlung wird auch der Bericht über die Ergebnisse der vergangenen Geschäftsjahre sowie über dir allgemeine finanzielle Lage vorgelegt werden. Vermischtes. Schlangen al» Hautwächter. Sir Emerson Tenneny erzählt in seine» Werke über Eeylon, daß aus dieser Insel häufig die Kobra« schlang», ein notorisch gistige» Reptil, al» Wächter und Hüter de» Hause« verwendet werd«, geradeso wie bei un» die Hoshund«. Die Schlangen gehen ungehindert au« nnd ein, umkreisen da» Hau», da» sich unter ihrem Schutze befindet, ohne jedoch die Insassen de» Hause« i« geringste»: zu verletzen. Wie ein in Ceylon erscheinende« Journal erzählt, hat ein singhalesischer Missionär in Negomba erst kürzlich Gelegenheit gehabt, sich »»n der Wahrheit dieser Tatsache zu überzeugen. Er übernachtete i« Hause eine» Herrn Marco Fernandd in Katane, sechs Meilen von Negomba. Wählend der Nacht wird durch den Lärm einer Henne, die im selben Gemach brüte», aus de« Schlafe geschreckt. Sr springt auf »nd sieht eine riesige Kobra, die eben daran ist, der brütenden Henne «in Ei z» ranben. Nummer 50 Er eilt hinaus, um einen Stock zu holen und dainit den gefährlichen Gast zu töten aber die Hausbewohner lassen eS nicht zu und beschwören ihn, daS treue Tier zu schonen, eS werde ihm gewiß nichts zuleide tun. Derselbe Missionär sah dann später die Hau»« schlänge ungehimdert und »»belästigt ab und zu schleichen. Sie kam nicht jeden Tag aus ihrem Ber-steck, sondern gewöhnlich nur dann, wenn etwa» Ungewöhnliches im Hause vorging oder wenn ein größerer Lärm sie in ihrer Ruhe ausstörte; so z. B. wenn ein Kind geschlagen wurde und infolgedessen schrie, da pflegte die Kobra zu erscheinen und durch Zischen ihr Mißfallen mit der unliebsamen S.ü.ung an den Tag zu legen. ES war klar, daß die Schl.mge alle Hausschlangen genau kannte und diese schonte, so wie sie selbst geichont wurde. Die Singhalesen glauben an die Seelcnwanderung und wenn daher eine Kobra bald nach dem Tode eines Berwandten im Hause selbst oder indessen Nähe ihren Ausinlhalt nimmt, so glauben die Verwandten, daß der eben Verstorbene nach einem kleiren Kostümwechsel als Schlange zurückgekehrt sei. Im erzählten F.ill« wurde die Kobra, die den Missionär so erschreckte, von den Huusbewohnern al» der selige Großvater geehrt und geschätzt. Nach vielen vergeblichen Mühen gelang eS dem Missionär durch Hinweisüng auf eine Brüt junger Kobras den Leuten begreiflich zu machen, daß, we»m die Schlange schon irgend jemand sei, sie als Schlangenmutler >n keinem Falle der Großvater sein könne. Der Mann im gesährlichen Alter. Daß auch die Männer ein gefährliches Älter habe», ist eine Feststellung, di« dem Scharfsinn eines englischen Psychologen, A. E. Manning Foster. vorbehalten blieb. Mannig Foster will festgestellt haben, daß der Mann im sogenannten „Mittelalter", also in den vierziger Jahren, nicht selten seine Lebensgewohnhei« ten ändert und die seltsamsten überraschendsten Dinge vollführt. Die Freunde und Bekannten wundern sich dann, wenn sie hören, daß ein Mann, der bi« da« hin das korrekteste Leben von der Welt säbrte, einen tollen Streich begeht. Aber der Grund dafür ist eben, daß er sich im gefährlichen Alter befindet. „Ein Mann von tadelloser Lebenssührung", schreibt der Bersasser, „an dem niemal« auch nur daS ge-ringst« ausgefallen ist, der tagaus, »ageia seinem Beruf nachgeht, in der Mnßezeit Porzellan oder Briefmarken sammelt, der immer Flanell aus der Haut getragen hat, findet sich auf einmal vor die Tatsache gestellt, daß er mit reißender Schnelligkeit alt wird. Er denkt dieser Erscheinung nach und er findet, daß das Alter ihn so rasch übersällt, weil sein Leben zu einsörmig, so dumpf und trüb« da-hinfließt. Ein Tag vergeht wie der andere und je« den Morgen weiß er genau, iva» heute fein wird und waS morgen und übermorgen. Da erfaßt ihn eine wilde Wut gegen diese unerträgliche Langweile seines Dasein» ; ein Aufruhr geht in feinem Innern vor sich und er kann e» nicht länger ertragen; er muß die selbstgeschmiedeten Fesseln brechen und ir« gend etwas tun. ganz gleich was. aber irgend et»»a«, wa« ihm dem öden Einerlei seiner Tage entreißt. Dieser Borgang kann sich plötzlich vollziehen oder allmählich. Viele kämpsen dagegen an, manche wi-derstehen. Andere aber finden sich jählings fortgeris-seit von dem Strudel de« Leben«, den sie solange teilnahwSloS betrachtet. ES ist unmöglich, im allge-meinen anzngeben, in welcher Weife sich da« ge-jährliche Alter bei» Manne äußert. Mancher, der all seine Tage ohne Glauben vollbrachte, wird plötzlich fromm. Au« einem krassen Materialisten wird ein leidenschaftlicher Anhänger de« Spiriti«»u», der seine Abende mit Medien und Tischrücken v«r-bringt. Der Mensch der nüchternsten Prosa v«rwan« bett sich auf einmal in einen Dichter, «nd der ledernste Börsenmakler entdeckt seine Lieb« zur Mnstk. Einer, der immer am liebsten zu Hause blieb, wrrb von einer unbezwinglichen Eehniucht nach Reisen befallen und will seltsame Länder und Bilker sehen. Diese plötzliche Revolution i» Männerleben zieht natürlich auch di« Gattin de» Betreffenden in Mit« leidenschast, und wenn der Mann plötzlich bet» Frühstück feinen Entschluß äußert, eine Reife nach Rocky Mountai n« oder nach Timbuktu zu unterneh« men, so wird die Frau daraus schwären, e« stecke eine andere Frau dahinter. Die zahlreichen Ehe-scheidungSfälle aber, zu denen da« gefäh.liche Alter de« Manne« Anlaß gegeben hat, zeigten sehr häufig, daß kein weibliches Wesen dahinter steckt. E» ist eben vielfach nur daS Erwachen de« Juogeuinstinkt» in Manne, der ihn zu irgend einer Tollheit ansta-chelt. Ich kenne einen fönst sehr ensthaften und soliden Herrn, der plötzlich auf den Ginfall kommt, auf der Straße Luftballon» steigen zu lassen, an de, Türen zu klingeln oder die Fenster einzuwerfen. Nummer 50 Teile 7 Der Herr ist nicht verrückt, sondern nur im "ge-jährlichen Aller". Ist Ihr Anruf wichtig? Diese Frage jedem Telephonierenden erst vorzulegen, bevor er verbunden wird, hat der Präsidenten der Newyorker Tel phongesellschast I S. Culloch vorgeschlagen und damit einen Sturm der Entrüstung erregt. DaS Tclcphovwisen, worauf die Amerikaner früher so stolz war.ii, Ist nämlich in Newyork und auch in anderen Großstädten der Vereinigten Staaten so völlig zusammengebrochen, wie kaum in einem der anderen Länder, wo man doch ai:ch so sehr unter „Trltphonschmerzen" leidet. Die Anklagen waren kürzlich in verstärktem Maße hervorgetreten, als de! einer Fencrsbrunst eine Frau und zwei Kinder verbrannten. weil tö ihnen nicht möglich gewesen w.ir, telephonischen Anschluß zu erhalten, um die nächste Meldestelle der Feuerwehr zu alarmieren. Mit seiner Verteivignng aber goß er nur O-l in das Feuer der allgemeinen Entrüstung. Er gab zu, daß Uebclstände vorhanden wären und daß eine Besserung für die vächste» Monate zu erwarten sei. D e Schuld daran gab er aber in erster Linie dem „endlosen Gequatsche" der Frauen. Die durchschnitt-liche Zahl von Anrufen am Tage in Newyork, die vor dem Kriege zwei Millionen betrug, hat so zu-genommen, daß s-e am 1. Jänner d eseö Jahres mit vier Millionen tuzRett wurde. DaS kommt nach der Ansicht deS Präsidenten »um größten Teil daher, daß die Damen immer mehr das Telephon als Ersatz sür den „Kaffeeklatsch" benutzen, sich gegenseitig bei den unwichtigsten Anlässen anrufen und mit ihren Gesprächen kein Ende finden. Ec richtet daher an die Frauen Newyorks die dringende Bitte, ihre endlosen Telphongespräche zu verkürzen und schlug eine Kontrolle dcr Gespiäche durch die Tele-phonistinnen vor. Ein Kamm, der die Haare schneidet. Der technische Markt in England wurde vor einiger Zeit mit einem Apparat überrasch», den die Barbiere 21) (Nachdruck verboten.) ll)er war es? Vriginalroman von Erich Ebenstein. „Unsinn,- sagte Herr Moders, wenn Frau Wawra ihm daS immer wieder überschwenglich wiederholte, „es ist Ja selbstverständliche Christen. Pflicht, daß einer dem anderen hilft, wo er kann. Lassen Sie doch das ewige Danken dafür!' Immerhin wurde es ihm wohl und warm »mS Herz oben in der Mansarde mit den zwei Kranken, und er brachte immer öfters ein Stündchen dort zu. Dankbare Menschen sind gute Menschen. Und gute Menschen lernt man doppelt schätzen, wenn man so viel mit schlechten zu tun hat, wie ich," dachte er auch heute, al« er em paar Rosen für Hedwig und ein Buch sür Franz in der Hand, die Treppe zur Mansarde emporstieg. Oben wurde er wie immer freudig begrüßt, hoffte im stillen, daß Sie heute kommen würden Herr Moder« " sagte Franz Wawra aus einem Karion »eben seinem Bett weisend. „Mutter wußte mir endlich alle Bilder au« den Schränken zusammensuchen und ich ordnete sie dann in den Karton hier. Sie sollen doch sehen, daß ich mehr kann, al« den Fleischermeister Schulze oder ein Brautpaar photographieren!" Hempel setzte sich neben daS Bett. „Ach, das sind wvhl die Liebhaberbilder, die Sie gelegentlich auf eigene Faust aufnehmen? ' „Jo. Denn sehen Sie. das Photographieren von Personen im Atelier, wie der Atltag sie uns zufällig bringt, betrachte ich eigentlich nur als Handwerk. Meine Leidenschaft aber sind künstlerische Photographien. Genrebilder. StimmungSlandschafte« besondere Lichtifsekie. Daran« läßt sich etwas machen — kein Geld vielleicht, aber viel mehr . . . Bilder, die erheben und dem Beschauer Freude be-leiten! Ach, wenn ich rüch wäre, ich würde nichts tun. als d'e Welt durchreisen und alle« Schöne in ihr festhalten im Bilde!" „Sie gerate» ja ganz in Begeisterung! Sie hätten Maler werden sollen!" .Ja. wenn ich das Tale»» dazu hätt«! Aber bannt jehlts. Solch ein GoUbeguadeter bin ich nicht. Aber ein bischen .Blick" habe ich, und den ver-werte ich eben auf meine bescheidene Weise." „Na ich habe mir sagen lassen, die künstlerische Photographie s*i jetzt Mode nnd habe eine Znkunst. Sie sollten mal was an Zeitschriften einsenven." kaum willkommen heißen werden. Es handelt sich bei der neuen Erfindung um eine kleine Maschine, die gleichzeitig die Haare kämmt und schneidet. Die Erfindung hat in ihrem Heimatlande einen ganz außergewöhnlichen Erfolg davviigetragin. Alle Ec-wachfenen, ja schon die Schuljungen besitzen heute eine „Uneeda"-Maschine. Selbstredend sind auch in England die Barbierläden nicht mehr so billig wie früher, und wie die Erfindung des SelbstrasiererS vor nahezu zw:i Jahrzehnten begrüßt wurde, so wird jetzt .Uneeda" als Eclösung betrachtet, da die Gebühren der Barbiere als kaum mehr erschwinglich bezeichnet werden. Der Apparat hat im Gegensatz zu den Rasierzeugen !en Vorzug, daß seine Hand-habuug ungemein leicht ist. selbst ein Kind weiß damit umzugehen und kann sich vergnüglich damit gleichzeitig daS Haar kämme« und schneiden. Durch die Maschine wird überdies daS Hrar stets in der-selben Länge gehalten, je nachdem man die Maschine einstellt. W i n s e n S wörtlich w a h r cS We lt w u n-der. Wilhem Werner war wohlhabender Weber, Wiederverkäufe! wollener Waren. Wanda Wieland war Wäscherin, Winter« Wärterin, während weniger Wochen WinsenS Wickelfrau. Wilhelm wie Wanda waren Waisenkinder. Wanda wurve wegen Wilhelm« Werbung Wilhelms Weib. Wilhelm war warmblütig, weichherzig, wonnetrunken, WandaS Weiberlaunen willfahrend. Wanda wußte, Wein, Weib, witzig Wort waren Wilhelm wahrhaftig Wohltat. Welcher Wechsel, w.lche Wandlung waren Wanda wiedersahren' Wäh-rend WandaS Wonnemonaten waren Wanda Wil-Helms Wünsche wohl willkommen. Welche Wonne, welche Wollust wähnte» Wilhelm WandaS weiche Worte. Wenige Wochen weiter wetterte Wanda, wie wenn Wüsten Winde wehten, wütete Wanda wie wahnsinnig. Wild wurde« Wanda« Wortgefechte, Wut wurde WandaS Wurfgeschoß, WeibertrSnen wurden Wanda« Waffen. WandaS Worte wurden wahre Wespen.Wunden. Wanda war Wilhelm« Wahl. WaS Wunder, Wilhelm wurde wehmütig, wander- ..Dazu habe ich nicht den Mut." Hempel hatte den Karton inzwischen auf ein Tischen gestellt und begann, die sauber aufgezogenen Bilder mit Interesse zu besehen. „DaS ist wirklich überraschend schö.,1 Wie sie nur die Motive aufgestöbert, und mit sicherem Griff gepackt haben! Do inerwetter. junger Mann, ich be-komme Respekt vor Ihnen! Sind ja in der Tat ein Künstler in Ihrem Fach!" „Glauben Sie?" stammelte dcr junge Photo-graph, vor Freude errötend. „Jawohl! Da« ist ji, als wenn jed-S einzelne Bildchen einem eine ganze Geschichte erzählte! Und die Stimmung, die überall darin liegt! Zum Bei. spiel hier dieser weiterharte. knorrige Eichbaum bei Sonnenuntergang mit der L-char Raben darüber und dem einsamen Mann darunter, der so scharf in die Ferne späht, als erwarte er irgend ein Schicksal von dorther." ..Er erwartete auch etwa«! Seine Liebste nämlich, die denn auch bald kam! Jh habe die beiden später »och einmal zusammen auf einem Bild. Natürlich ahnten sie »ich,, daß da drüben am Waldsaum ein schönheitsduistiger Photograph mit seinem Apparat stand, der sich glücklich pric». eine so schöne Staffage in sein Bildchen zu bekommen!" Franz Wawra lachte. Hempel betrachtete immer noch das B.ld. „Na — schön ist der Man» ja gerade nicht." sagte er. nun gleichfalls lächelnd. „Im Gegenteil, er hat etwa« RaubvogelartigeS in seinem Gesicht. Durch die zurückliegende Stirn und die stark entwickelie untere Gesichtspartic sogar das waS wir Verbrechertypus nennen!^ »Möglich. Aber eben deshalb schien er mir eine schöne Illustration zu der grell düsteren Abend-stiwmnng mit dcn UnglückSvögeln oben. Schöa nach meinem Empfinden ist ebm. wa« harmonisch wirk» und einen Eindruck nicht zerreiß» sonder» verstärk,. Sie sehen ja — eS ist kein friedlicher Abend! Die grellen Strahlen dcr versinkenden Sonne, die speergleich aus golbumsäumten Gewitterwolken dringm. erzeugen eher da« unheimliche Gefühl irgend eine« »och verborgen lauernden Unheil«. Eden da, um schien mir der Mann ja so gut in da« Bild zu passen! Denn auch ec hat etwa« unheimlich Lauerndes an sich und ich fürchte fast, er ist ein recht licht, scheuer Geselle!* ^ „Sie kennen ihn persönlich?" »Nein nur vom Sehen. Aber es war an jenem Abend, wo ich ihn so znsällig erblickte, das einzigemal daß ich ihn bei Tageslicht sah und seine Züge erke»»en konnte. Sonst huschte er stet» nur wie ein Schalt'» an mir vorüber, »r wohnte nämlich hier lustig; wahnsinniges Weib, Wetlerhexe! war Wil-Helms Wehzcschrei; weit, weit weg! war Wilhelm« Wunsch. Wilhelm wurde Wandersmann, Wilhelm« Webstuhl wurde Wilhelms Wanderstab. Wilhelm wanderte, weltumsegelnd, weite, weite Wege; Wien wurde Wilhelms Wcndlpunkt. Weil Wilhelms Wert-fachen während weiter Wanderschaft wertlos wurden, ward Wiens winzigster Winkel Wilhelms Wohnsitz. Wilhelm wiederstand willig Wiens Widerwärtigkeiten, wurde Wiener Wursthändler, wirtschaftete, waltete weise, wirkt« wehmutsvoll, wie wenn Wilhelm Witwer worden wäre. Während.'ss:» wurde Wanda windel-weich, we'nle, winselte, wimmerte, wehklagte. Wenn Winters Wolken weiterzog?», wenn Winde wehten, wenn Wanda wirk!?, Wanda wachte, wiren Wanda« wenige Worte: Wo weilt Wilhelm? Wann wird wohl Wilhelm wiederkehren? Wiedersehen war Wanda« wonniger Wunsch. Winter, Wolken, Wetter, Winde wechselten, Wanda wartete, Wilhelm würde wiederkommen. W.lk, welker wurde Wanda, wenige Wochen weiter war Wilhelm Witwer. Allerlei ästiges Kleine« Zeitbild. Der Neuzugezogene: „Ach bitte, wo kauft man hier vorteilhaft?" — „Fleisch bekommen Sie beim Uhrmacher. Stiefel kaufen Sie billig beim Schlächter und Zuck» im Handschuhgeschäft!" Dankbarkeit. Rechtsanwalt Krause vertei-digt eine» Uhrendieb so geschickt, daß der Klient freigesprochen wi^d. Nach Schluß der Behandlung nähert sich der Angeklagte seinem Verteidiger und flüstert ihm zu: „Sie habe« mich gerettet — Geld habe ich leider nicht — hier, nehmen Sie wenigsten« die Uhr!" Fatale Frage. „Du ahnst nicht, Lueie, wie verliebt mein Mann noch ist." — .In wen?" „Heute Morgen bin ich deiner Frau begegnet." — „Meiner Frau?" — „Ja." — Sagte sie wa«?" — „Nee." — »Dann, lieber Freund, war sie e« nicht!" im Hause, u. zw. in Ihrer Wohnung, Herr Moders." Hempel ließ das Bild jäh sinken, und starrte den Sprecher grenzenlos überrascht a». „In — meiner Wohnung? Ich dachte, da wvhnle ein alter Herr namens Sparbach?" „Ja. Der war der eigentliche Mieter, uuv ich glaubte außer mir wußte auch kein Mensch im Haus, daß auf Nr. 1(1 zwei Männer wohnten. Wenigsten« lachte mich Frau Grangl auS, al« ich einmal mit ihr darüber sprach. Sie sagte, ich träumte wohl. Sie kannte eben nur den alten Eparbach, der allerding» bei Tag sichtbar war. Denn der andere, viel jüngere, ging erst au«, wen» es dunkelte nnd da niemals vorne durch das Haustor, sondern immer rückwärt«." »Gibt eS einen rückwärtigen AuSgang im Hause?" „Eigentlich nicht. Aber ein Lichthos an der Hinterseite stößt an den Hof de« Nachbarhauses und ist durch ein Pfürtchsn mit diesem verbunden. Dort gibt e« eine kleine Schankwirtschaft, ia der ich zu-weilen abends ein Glas Bier trinke. Bei dieser Gelegenheit sah ich den geheimnisvollen Rotblonden öfter aus unserem Lichlhof treten, sich verstohlen zwischen allerlei Gerümpel, da» den Hos füllt, durchschleichen, und an der Küche der Schankwirt-schast vorüber in den Flur des Nachbarhauses huschen, dessen Eingang in eine Seilengasie mündet." „Rotblond ... er war rotblond!" murmelte Hempel, ta Gedanken versunken. .Und zwei wohnten dort! Zwei: Sind Sie sicher, daß Sie sich da nicht täuschen, Herr Wawra?" «Ganz sicher. Den allen Sparbach sah ich doch oft genug au«- und eingehen! An dem war nicht» Interessante«. Aber der audere, von dem niemand im Hause etwas wußte, der so bemüht war, sich nicht sehen zu lassen, der interessierte mich allmählich sehr, und ich war sroh, ihn wenigsten» einmal auch deutlich bei Tageslicht gesehen, und sogar auf mein Bild gebracht zu haben! Wenn er eine Ahnung be-kommen hätte, diß ich ihn damals beobachtete und photographierte, als er wartend unter der Eiche stand, ich glaube, er hätte mich umgebracht. Denn er mag ja wohl seine Gründe gehabt haben, sich so verborgen zu halten, nicht wahr! Und wenn Sie sein Gesicht genau betrachten, werden Sie wie ich, den Eindruck bekommen, daß eiwas Gewalttätige« darin liegt. Darum hütete ich mich auch sehr, irgend-»ie seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken." Sila« Hempel griff wieder nach dem Bild, und vertiefte sich in dessen Anblick. Ja, es lag etwas Gewalttätiges in diesen kalten, entschlossenen Zügen. Und alles, was er über den Mann soeben erfahren hatte, drängte ihm die Ueber-zengnr.Z auf, daß nicht Sparbach, wie er bisher Seilt 8 geglaubt, sondern dieser Unbekannte der Mörder Helene WildtmolhZ war. Er hielt daS Bild deS Mörders in Händen. Der Gtdarike überwältigte ihn sörwlich. Wer war dcr Mm,»? Woher kam er, wohin war er ver« schwundcn, und welche Beziehungen verk»üpslcn ihn mit der Zoten und Hardy?" Denn euch mit diesem mußte sein Lebensweg sich irger.wie kreuzen, sonst hätte er den Mord »rohl nicht mit so viel schlauer Benchnurg gerade in dessen Wohnung begangen. Dafür gab eS nur eine Etklärrng: Er war ein Todseind HardyS, der ihn dadurch vernichtend treffen wollt« ... ^ HtNipel tofftc sich endlich gewaltsam auf und sagte, Franz Wawra fest anblickend: „WaS Sie mir 'da soeben erzählten, ist sehr interessant und bringt «inen unwillkürlich ans sonderbare Ideen. In diesem Hause würd« t>och kürzlich ein Mord verübt. Ist Jhne» nie der Gedanke gekommen, dieser geheimnisvolle Mann, von dessen Dasein niemand außer Ihnen etwa« wußt«, und der so sorgfältig Cillier A e i! u « g bemiiht war, sich in Verborge, heil zu haltiv, tonnte etwas damit zu schaffen hoben?" '^ranz Wawra rückte unruhig auf dem Lage» herum. »Ja." sagte er dann nach einer Pause. „Ich dachte anfangs daran . . . aber dann kam ich doch wieder zu dem Schluß, daß es nicht möglich ist. Sparbach reiste ja den Tag vor dem Mord ab, und der rotblonde verschwand mit ihm zugleich." „Sind Sie desstn sicher?' .Jawrh'. Die Wohnung drüben war ja leer. Ich sah, wie Fran Grangl am Samstig adend die Läden schloß und die EingangStüre versperrte. Es war gerade als ich vom Atelier heimkehrte, und ich traf auf der Treppe mit ihr zusammen. Dabei sagte sie mir auch, daß Herr Spardach eben abgereist sei." „Wenn d«r rotblonde aber einen zweiten Schlüs-sel besaß, was ja sehr wahrscheinlich ist, kann er am nächsten Tag zurückgekehrt fein? Besonders, da er. wie Sie sagen, immer vom Nachbarhaus aus durch den Lichthof kam und ging, wodurch er ja auch allen HauSgencsien »»bekannt blieb. Eigentlich wäre es übrigens Ihre Pflicht, der Behörde Ihre Beobachtungen über den Rotblonden mitzuteilen . Kunstgewerblerin Nummer .'.0 „Um Golteswillcu nur das nicht! Mit der Polizei mag ich nn» einmal durchaus nichts zu schaffen haben. Nicht etwa, daß ich sie zu scheuen hätte." fuhr tr auf einen lächelnden Blick HempelS eifrig for». »Ich habe niemals «twrS unrechte» getan und werd« e» auch nie. Aber die Laufereien nnd das Eecede hier im Hause wären mir peinlich.' „Na, dann lassen Sit'S «ben. Wahrscheinlich würde man Sie.ohnehin dort süc «inen Phantasten ansehen." Wilder starrte Hempel aus das Bild nieder. Ec sah Wawras Bericht durchaus nicht als Phan-tasterei an. Im Gegenteil. Je mihr er sich in dcn Anblick des Bilde? vertiefte, desto sicherer sagte ihm sein Instinkt, daß er das Bil» deS Mörders in Händen hatte. DeS Mörders, von dem er nichts wußte, als daß er aus dem Dunkel auftauchte, die Tat beging und wieder verschwand . . . Sonst war es immer umgekehrt, wenn er einem Verbrecher aus den Fersen war; Da wußte er immer eine ganze Menge über ihn oft — die ganze Lebensweise. N^imen. Herkunft und Verdachtsmomente, nur nicht, wie er aMah . . . (Fortsebuna folgt) Wein 1919er K 14 —, 1917..r K 35 —, Riesling 1917er K 28*—. Burgunder rot 1917er It 27*—, 48% Slivovitz echt K 76— verkauft per Liter J. Kravagna in Ptuj. Besichtigung und Kostprobe nur vorn Fass. Ausführung aller Arten von feinen Stickereien besonders Kleiderstickereien, nach eigenen Entwürfen. Austräge übernimmt die Modistin Mary Smolniker, PreSernova nlica Nr. 24. schönes Madotinenbild zwei Fensterkarniesen ZU verkaufen. Anzufragen in der Verwaltung des Blattes. 26077 Salon für feinste Damen-Moden Ivana Reich Celje, Presernova ulica Nr. 18 = Den verehrten Damen von Celje und Umgebung diene zur gell. Kenntnis, dass ich durch das Engagement eines erstklassigen, viele Jahre im Auslande tätig gewesenen Zuschneiders in der Lage bin den verwöhntesten Ansprüchen zu genügen und übernehme die Anfertigung von englischen u. französ. Kostümen und Toiletten, Mänteln, Mantelkleidern, Sport- n. Reisekleidern nach neuesten Modellen« Anfertigung von Schnittmustern nach Mass für Hans-schneiderei. — Erteilt wird auch Unterrieht Im Nähen nnd Zuschneiden. •: Amtliche Kundmachung Zl. 221 pr. in deutscher Uebersetzung. Das Publikum, besonders aber di« Hausbesitzer, werden aufgefordert, anlässlich der Ankunft Sr. kgl. Hoheit des Thronfolgers in allen bei der Ankunft und Abfahrt dea Thronfolgers sichtbaren Gassen Staats- and Nationalflaggen zu hissen. Weiters ergeht die Aufforderung, alle Fenster in den Gassen Ljub-Ijanska cesta, Preäernova ulica, Prestolonaslednika Aleksandra ulica, Krekov trg, Cankarjeva ulica, Kralj Petrova cesta und Mariborska cesta zu schmücken und zwar nicht nur mit Fahnen, sondern auch mit Pflanzengrün, Blumengewinden (Girlanden) und allenfalls auch mit schönen Teppichen. Die Stadtgemeinde stellt wenigstens zum Teile Pflanzengrstn zur Verfügung, das im Hofe des Stadtmagistrates gegen Entrichtung der Anschaffungskosten und eines Scherfleins zugunsten der Stad tarnen erhältlich ist Stadtmagistrat Celje, 24. Juni 1920. Der Regierungskommissär: Dr. Au!ek, e. h. Wirtschafterin die gut kochen kann, der sloweni-schei, und deutschen Sprache mächtig und in allen wirtschaftlichen Zweigen gut bewandert ist, wird auf einem Gute nächst Celje aufgenommen. Näheres in der Verwaltung dieses Blattes. 26o«i Bessere, junge Fran mit schöner deutscher Aussprache, sucht Stellung zu Kindern (ohne Klaviet?piel). Offerte unter A. Matejek Ljubljana, Strelecka ulica 26, 1. St. Schneiderin bittet nm Heimarbeit. Gest. Zuschriften an Fefi Ritonja, Unterkötting Nr. 42 (Majdtömühle). Alle Arten Stickereien als Weiss-, Bunt- und Kunststik-. kerei, sowie auch Häkelarbeiten werden prompt und billig ausgeführt. Aufträge weiden in der Vordruckerei Müller, Celje, Gosposka ulica (Herrengasse) übernommen. Bäckerei wird su mieten gesucht. Gefl. Anträge an Otto Arsenschek, Rochusberg. Smarje pri Jel&ah (St. Marein bei Erlachstein). Suche Sommerwohnung zwei Zimmer möbliert, allenfalls mit Küche in Celje oder nächster Umgebung nahe der Sann. Auskünfte erteilt die Verwaltung diese« Blattes. 26087 Sommerwohnung von zwei Damen für 2 Monate am Lande gesucht. Zuschriften unter .Ruhe 26075* an die Verwaltung des Blattes. Möbliertes Zimmer für einen Herrn wird ab 1. Juli zu mieten gesucht. Gefl. Zuschriften an TajniStvo okr. strok. komisije Celje, Vodnikova ulica Nr. 3. Leere Flaschen 7,o Champagner T/,# Kognak Via Wein-Bouteillen kauft jedes Quantum Alois Fabian, Celje, Cankarjeva cesta Nr. 4. Altes Gold und Silber Gold- und Silhermünzen, Edelsteine und Perlen kauft zu den höchsten Preisen die Gold- und Silberwaren-Fabrik Franz Pacchisffo in Celje, Gledaliska ulica Nr. 4. eventuell auch Hose, fast neu, preisweit zu verkaufen. Ivan Taiek, Ozka ulica (Bogengasse). Murinsulaner schwere, starke Arbeitspferde (Stuten, Wallachen) Wagen- und Kalesch-Pferde Einspänner sind ständig billig zu haben durch Julio Hoffmann, Cakovec (Medjimurje). Telegr.-Adresse : Julio Hossmann, C'akovee Schöne weisse u. braune Möbel sind wegen Abreise sofort zu verkaufen. Adresse in der Verwaltung des Blattes. 26032 Gartenmöbel ganz neu, 1 Kredenz, 3 Tische, 6 Sessel, ferner einige Weinfässer, 1 Sofa billig zu verkaufen bei Franz Karbeutz, Celje. Mäuse, Ratten, Waozen, Russen Erzen jung und Veriand erprobt radikal wirkender Vertilgangsmittel, (Ur welch« tSglich Dankbrios« einlaufen. Gegen Ratten u.Mäu&e 8 K; gegen FcldmSuf«) 8 K; gegen Hunnen n. Schwaben 10 K; extrastarke Sorte'20 K; extrastarke Wanientinktur 10 K; Motten-tilger 10 K; InnektenpulTor 6 u. 12 K; Salbe gcgfli Men«chenl5u»e !> u. 10 K; Lamaalbe filr Vieh 6 u. 10 K; Tulrer gegen Kleider-n. VTSüchelSuao 6 u. 10 K; Pulrer gegen Ge-ilOgellluaa 10 K gegen Ameiften 10 h ; h'rät-teuialb« 10 K. Versand per Nachnahme. Ungeiiefervertilgnngiiamtalt M. J tt n k e r, Petrinjtka ulica 3, Zagreb 118, Kroatien. Neue Frühkartoffeln Versende taglich per Eilgut jedes Quantum gesunder Frühkartoffeln zu jeweilig billigstem Tagespreise per Nachnahme. Oskar Moses, Ptuj. Telephon Nr. 38. Lehrjunge aus besserem Hause, der slowenischen u. deutschen Sprache mächtig, wird aufgenommen bei Firma Cajetan Murko, Kurz-, Wirk- und Modewarengeschäft in Ptuj. Sch.isll.ltM.,. rnaliung, T'uck und v«..in.buchdr«ck.»i .«tltja" in - v.r-nlw.nlich.r L-il.r: Guido Schidlo.