Laibach Wochen b l a t t zum N u ßen un d Vergnügen. Kl-0. 16. HW Freytag den »8. April 13,7. Die Reise anf dem Aetna. (N a ch Bryd 0 ne.) ^en 27ten May reisten wir, bey M-bruch des Tages, von Cattania ab, den ehrwürdigen Vater der Berge, den Aetna, zu besteigen. Sein ,5uß, und seine ungeheuern Seiten sind mit einer zahlreichen Menge kleinerer Berge bedeckt, denen jeder seimn^ Ursprung ein:m großen Ausbruche des Aetna zu danken hat. Man theilt gewöhnlich das ganze Gebirge in drey Regionen ein, davon die unterste die Frucht-bave, die mittlere oieWaldigte, und die oberste die Wüste heißt. Diese drey Regionen sind, ihrem Klima und ihren Produkten nach, so wesentlich verschieden, als die drey Erdzonen. Die erste umgiebt den ganzen Fuß des Aetna, ungefähr 14 bis 25 englische Meilen in die Höhe, und bildet die schönste und fruchtbarste Landschaft von der Welt. Sie besteht fast ganz aus Lava, welche sich durch die Länge so vieler Jahrhunderte in den tragbarsten Boden verwandelt hat. Zu Cattania stand der Barometer auf 29:8^2. Aber zu wcilosi fanden wir es schon auf 27 : 1 i/b gefallen, und (unerachtet die Höhe wahr. schemlich nicht Über 3000 Fuß betrua) Ichon das Klima ganz verändert. Zu Cal" tama war die Aernte ganz vorüber, und die Hitze unerträglich, hier war sie qe-noch^grü"^ ^ ^'" "" ""en Orten ' Unser Fuhrer war ein Mann, der in der ganzen Iusel am besten den Aetna 57"e; vermuthlich haue ihm dieß d n der Cyclop/ unter we^ chen er b kannt war , erworben. Mit diesem ver leßen wir Nicolosi . «nd nack d! I" '^werlichen Wege' von an^thalb 5n ?i n " ^'^' ""d Lava kamen wir ""^Gränze der waldigten Region. »..?-« l"" " diesen a.geneh,nen Wal-^""5" "«langten, schienen wir in einer .".^rn Welt zu seyn. Die zuvor heiße und schwule Lust war nun kühl und er-l"Aend; der ganze Boden mit den vor-trefflichsten aromatischen Pflanzen bedeckt «nd jedes Lüftchen mit tausend Wohlge- rächen beladen. Verschiedene Theile die-' ser Region schienen in der That das herrlichste "Paradies zu seyn, das sich die lebhafteste Einbildung nur schaffen kcnn. Gewiß, es ist eine sonderbare Beobachtung, daß sich an diesem Gebirge die größten Schönheiten und die größten Schrecken, kurz die unähnlichsten und entgegengesetztesten Dinge in der Natur vereinigen. Hier ist ein Schlnnd, der ehedem Feuevströme, Nauch und Asche ausspie, nun recht wohl< lüstig mit den schönsten Pfianzen und Gewachsen der Erde geschmückt. Hicr wachsen die wohlschmeckendsten Früchte auf einem noch vor kurzem schwarzen, tvästen Felsen. Hier ist der Boden mit Blumen bedeckt, und man wandert über und durch alte diese Schönheiten , ohne zu bedenken, daß die Höü'e mit allen ihren Schrecken, unmittelbar unter unjern Füssen ist, und vielleicht nur ein Paar Lachtern tief unter uns Seen von stießenden Feuer brausen. Grösser wird noch das Erstaunen, wenn man einen Blick auf die höhern Gegenden des Berges wirft. Hier steht man zwey Elemente mit einander auf immer vereinigt und auf immer im Kriege; einen unermeßlichen Feuere schlund mitten im Schnee, den er nicht schmelzen kann, und ungeheuere Schnee-selder um dielen Vchlund her, den sie nicht löschen können. Die erste Nacht reisten wir nicht viel über die Hälfte der waldigten Region , indem wir kurz vor Untergang der Sonne in unsere Herberge kamen, welches eine große Höhle war, die sich in in einem der ältesten Lava's gebildet hatte. Im Lande heißt sie die Geißhöhle, von d>. wilden Ziegen, welche bey schlechten Wetter dahin ihre Znfiucht nehmen. Die Aussicht von hier war rund um uns her unermeßlich , und wir vergnügten uns aufferordeit-lich an dem Anblicke so vieler großen und schönen Gegenstande. Nicht wett von unserer Höhle waren zwey der schönsten Berge, von denen kleineren,' die man am Aetna so zahlreich findet. Ich bestieg das beste unserer Maulthiere, und kam mit vieler Mühe auf den Gipfel des höchste« davon, wenige Winuten vor dem Untergang der Sonne. Hier rührte mich der edelste Anblick ausserordentlich. Ganz Sicilien mit dem weitumfassenden Meers und allen seinen Inseln laa vor meinen Augen. Die Bahn des Flusses Semcttus, die Ruinen von Hybla und viele anders alte Städte, die reichen Kornfelder "Nv Weingärten am untern Theile des Oebw ges, und die erstaunliche Menge schöner Berge unter mir, machten die angenehm^ ste Scene, die man nur sehen kann« ^7 hohlen Schlünde dirser Berge sind bey^ größer, als der Schlund des Vesuvs- JA sind sie mit den schönsten Eichen bew"^ sen, und tief h'nein mit dem besten ^ " den bedeckt. Ich bemerkte, daß dl^ ganze Region des Aetna sowohl, als , erste aus Lava bestehe, die aber ft^ mit Erde bedeckt ist, daß man sie "^.«/ den Betten der Flüsse entdeckt- I« "^ chbn war die Erde 50 bis 60 F"ß ".«? ausgewaschen. Was für einen Oegm, von dem erstaunlichen Alterthume der ^ bruche dieses Berges gibt uns dieses "cy Sobald ev finster geworden war, b^^hs wir uns in unsere Höhle zurück, der ^l ^ zn genießen, die uns aber durch das ^ rausch eines benachbarten Berges, ^ uns zur Rechten lag , gestört wurde. ^ stieß eine große Menge Iampfaus, ^ gab verschiedenemal den dumpfe« ^"" h„r nes Kanonenschusses von sich;^,'"" en^ aber war es, daß wir.kein Feue ^ deckten. Dieser Berg entstand dey ^ Ausbruche im Jahre 1766; ^^"nun war noch nicht ausgebrannt, und ^ '^ch schon vor vier Jahren ausgegossene z." nuht kalt« An manchen Orten hat- sie liefen von zweihundert Fuß ausgefüllt, und an eben dicftn Ottcn hat sie noch ihre größte Hitze, Nachdem wir einige Stunden auf dürrem Laub in unserer Geishöhlc geschlafen hatten, erwachten wir des. Nachts um il Uhr, n hmen ein gutes Mahl von dem was wir hatten, zu uns , und machten zur Fortsetzung unserer Reise uns fertig. Nun fing unser Cyclop erst an , seine große Kenntniß des Gebirges recht zu zeigen, und wir schenkten ihm unser unumschränktes Zutrauen. Er führte uns über unge; heuere Höhlen und wüste Einöden, die vielleicht nie eines Menschen Fuß betreten hatte; zuweilen ging der Weg durch düstere Walder, die zwar am Tage ganz angenehm waren, worinnen uns aber jetzt die allgemeine Dunkelheit, das Rauschen der Bäume, das dumpfe Brüllen des Berges und der unermeßliche unter uns ausgespannte Ocean eine Art von heiligen Schrecken einjagte. Zuweilen befanden wir uns auf großen Felsen von Lava, von welcken wir, wenn unsere Maulthiere nur einen falschen Schritt gethan hämn, in den tiefsten Abgrund würden gestürzt seyn. Doch mit Hülfe unsers Cyclops überwanden wir alle diese Schwierigkeiten, und er machte, seine Sachen so gut, daß wir uns innerhalb zwey Stunden schon in der dritten Region befanden, und die Wälder des Aetna weit hinter uns gelassen hatten, welche uns nun wie ein finsterer Abgrund um den Berg her vorkamen. Die Aussicht vor uns war aber ganz anders beschaffen , denn wir sahen nichts, als eine unermeßliche Fläche Schnee und Eis, die uns ausserordentlich bestürzt machte, und fast unsern Entschluß umkehrte. Mitten in diesen Schneeseldern , aber noch ferne von uns erhob sich der höchste Gipfel des Aetna und stieß ganze Ströme von Dampf