Blätter jitr Förderung des bteilungsunLrrrrchtes. Herausgeber: Prüf. Rudolf E. Peerz, k. k. Bezirksschulinsxektvr in Laibach. M- fl II nlll,mf1(,r itißK vu. 11, Ai. icifung. tnonaft. ■© Bt|ug»gtbiibt 2 K jährl. ® Eiiirrlnummrr 30 h. viuuniiuii wuj. Inhalt: 1.) Lesen — Schreiben — Rechnen. — 2.) Psychologische Grundlinie» für den Abteilungsuntcrricht. — s.) Die 3. Frage. — 4.) Die Wechselrede. — 5.) Briefkasten. — 6.) Bon Schule zu Schule. Aach das härteste Lager ist weich für den, der mit gutem Gewissen zur Ruhe geht. lhauss. Lesen — Schreiben — Rechnen Das römische Trivimn «Grammatik, Rhetorik, Dialektik» war im Lause der Zeiten aus dem Boden von Mitteleuropa in «Lesen, Schreiben, Rechnen» übergegangen und bildete das Umundaus der Wissenschaft des gemeinen Volkes. Bis hoch in das 19. Jahrhundert reichte der Glanz der goldenen Dreiheit und alles übrige erschien an ihm nur gerade als Flitter, als Zierat. Da kam die Zeit der idealen Weltauffassung und in die drei Ringe griffen noch andere Reifen, so daß sich eine Kette von Gegenständen ergab, die an Wichtigkeit als gleichwertig erschienen; in ihre Öffnungen schoben sich die Lettern für das Wort «Nenschnle». Der Zeitgeist war eben vorgeschritten und — wollte man nicht Zurückbleiben, so mußte man sechs-und achtspämiig fahren. Doch da wurde es dem Lenker und dem Fahrgast schwindlig. Die Volksschule wurde zur Mittelschule: Man griff nach allen Seiten und tradierte und erpreßte und prüfte und klassifizierte. Der kleine Weltbürger schwatzte über Naturgeschichte, Geographie, über Geschichte und Physik: Gott, wieviel Gelehrsamkeit mit einemmale! Das Entzücken war groß. Schoß jemand dagegen, so hieß es: «Ha, dem paßt die Nenschnle nicht, er will den neuen Geist vernichten!» Alles stand eben unter der Herrschaft des Schlagwortes; erinnerte nur ein Ton an dasselbe, flugs war es da, um mit seinen Fittichen alles zu verdecken, ohne Forschen und Überlegen. Endlich gelang cs dem praktischen Zuge der Zeit, sich durch den Streit politischer Ängstlichkeiten und Vorurteile zu schlagen, um die Dinge bei hellem Tageslichte zu betrachten. Jetzt ward auch der Volksschule manch ein Ballast abgenommen; was an die Mittelschule erinnerte, sickerte zu Boden und nur das tatsächlich Elementare, das was so recht der Volksschule gehört, das alte Trivinm -Lesen — Rechnen — Schreiben» stieg wieder empor, indem es seine Wnrzcln in jene Stoffmassen schlug, die es ehemals zu erdrücken drohten. — So zu lesen in der Geschichte der Pädagogik — um das Jahr 2000. Wo stehen wir heute? Mitten im Chaos von Gegenständen und Methoden. Unsere Volksschule ist noch immer eine Mittelschule, was den Stoff betrifft, ein Experimentierfeld, wenn wir an die Methoden denken. Man muß mit der Erwerbung des Vvlksschnlmüßigen hasten, um dem Mittelschulmäßigen Rechnitiig zu tragen, denn nur dieses vermag so recht zu blende». Rechenfehler ärgster Art wuchern in die höchsten Stufen hinauf, ja bis ins Leben hinüber; dabei wird mit Prozenten, Proportionen und Berechnnngsformeln geflunkert. Die Lesestücke durchfurcht der fünfmesserige Pflug kreuz nnd quer; doch lesen, lesen können die Leutchen nicht so, daß man ihnen gerne zuhört. Vom Schreiben gar nicht zu reden! Und nun kommt der Flitter: Satzanalysen, physikalische Experimente, natnrgeschichtliche Klassi- Saninielt Gaben für das Lehrertieim i, S, uM sendet sie an BnMesoMann Kessler, Mannswörtti ü. Wien. fikatiouen, Namen, Zahlen, Malerei, Musiktheorie, Turnen mit der Kreide usw. usw. Das Trivium erstickt. Dabei nagt der Wurm an der achtjährigen Schulpflicht und frißt ihr in der Form von Schulbesuchserleichterungen, Wiederholungsschulen und Pausen Stück um Stück ab. In diesem Widerstreit stürmt der Methodiker daher, um mit seiner Kunst das wettzumachen, was durch die geschilderten Umstände verloren geht. Er glaubt zu helfen, schadet aber mancherorts; was der Lehrer heute als gut erkannt hat, erschüttert schon das Morgen, so eine neue Schrift durch die Fenster flattert. Die Methode ist ja frei und «Freiheit- ist eben ein süßes Wort, das man ausnützen will. So sieht es im allgemeinen. Schlimmer ist die Sache noch, wenn wir an die Landschule denken. Alle Hindernisse, die in der Stadtschule bloß angedeutet erscheinen, treten hier in festen Formen heraus. Schulvcrsäumnisse, Schulbesuchserleichterungen, mangelhafte Erziehung und keinerlei Nachhilfe im Elternhause, schlechte Wege, Krankheiten, Überfüllung der Klassen und noch manches andere sind Merkmale, ohne die der Begriff -Landschule- dermalen unvollständig wäre. Dazu kommt noch der Abteilungsunterricht, der von der zugemessenen Zeit jeder Stufe mindestens die Hälfte nimmt. Und bei alledem soll der Lehrer Mittelschule spielen! Er tut es. Was ist die Folge? Erschreckende Unwissenheit im Trivium. — Soll nun dieses wieder allein zur Herrschaft kommen? Keineswegs! Aber es soll über allem stehen, wie drei Tannen sich aus dem Moos erheben. Es muß ja Erdreich da sein, das Saft liefert und Leben; aber es soll nicht so üppig sein, daß Schmarotzer am Stamme hinaufkriechen und an seinem Marke zehren. Das Lesebuch greift auf viele Stoffgebiete und hält das Wesentliche fest; man wird darum Gelegenheit genug finden, den Realien gerecht zu werden, ohne sich von dem Hauptziele zu entfernen. Die Zahlen brauchen Sachen — und leere Worte will auch der Schrciblehrer nicht auf die Fläche werfen lassen. Doch genug davon! Die Leser werden wissen, wohin alles zielt, und auch verstehen, daß mit der Beschränkung und praktischen Gestaltung des Stoffes nicht der Weltgeist verbannt, sondern nur ein gefährlicher Dämon in längstvergangene Tage zurückverwiesen werden soll. Schleudert jemand die «Bl.» unwillig zur Seite, so steckt er eben noch in der Zeit des Schlagwortes und wir blicken mitleidig auf ihn zurück. Ob er uns jemals einholen wird? Psychologische Grundlinien für den Abteilungsunterricht. (Schluß.) Darin liegt nun das Kunstvolle im Unterrichte mit Abteilungen, daß man die erörterten Momente täglich in Rücksicht zieht und einen Plan entwickelt, der jedwede Störung, sei sie nun äußerlich oder innerlich, hintanhält. Denken wir vorläufig nicht an drei Abteilungen (sie sollten nur dem Meister erlaubt sein), sondern an zwei! Die eine soll rechnen. Welche? Jedenfalls gebührt der direkte Unterricht zunächst den kleinsten der Kleinen, Ivenn wir au die Verbindung des 1., 2. und 3. Schuljahres denken, also dem 1. Schuljahre. Es werden beispielsweise einige Rechensätzchen entwickelt und eingeübt; dabei soll auch im Chore gesprochen werden. Kann die 2. Abteilung (2. und 3. Schuljahr) als Stillbeschäftignug gegebene Rechenaufgaben in Ruhe ausfertigen? Stürzt nicht immer und immer wieder die Reihe, die laute Reihe der Kleinen herein und zerreißt gewaltsam den Faden, an dem die arbeitende Abteilung fortschreitet? Wenn also der Lehrer für die l. Abt. im Uuterrichtsplane mündliches Rechnen festgesetzt hat, so muß er der 2. Abt. eine Arbeit geben, die durch die lautgesprochencn Zahlen nicht behindert wird. Wir denken dabei etwa an eine Sprachübung. An ihr läuft die Rechenreihe ohne Eingriff vorüber. — Zweites Zeitteilchen! Was fordert die allgemeine Unterrichtslehre? a) Die erörterten Rechensätzchen der 1. Abt. (zweifellos hat sie der Lehrer ohne Beigabe des Ergebnisses an die Tafel geschrieben) sollen nun vom Schüler abgeschrieben und selbständig ausgerechnet werden, d. H. sie werden zur Aufgabe; b) die Sprachübung der 2. Abt. muß besprochen und durchgesehen werden. Kanu der Abteilungsunterricht dem entsprechen? Gewiß! Die l. Abt. geht ohne weiteres zur Stillarbeit über, die 2. Abt. ist losgelöst; sie widmet sich ohne Störung der Durchsicht ihrer Aufgabe. Behindern sich die Reihen? Nein! Die Sprach- lehrreihe birgt luenig Interesse, steht vom Gedankenkreise der Kleinen weitab und führt nicht Zahlen mit sich, die sich in die Rechensätzchen bohren würden. — 3. Zcitteilchen! Die Ausarbeitung der 1. Abt. wurde rasch durchgesehen, die Aufgabe der 2. Abt. ist richtiggestellt; es kann ein 2. Turnier beginnen. Wer soll das Wort des Lehrers erhalten? Die 1. Abteilung! Sie verträgt nicht viel indirekten Unterricht; auch bringt sie noch wenig Kost in ihrem Wägelchen mit, um sich ohne neuen Zuschuß zu nähren. Das Wort des Lehrers gilt also ihr. Soll wieder gerechnet werden? Das brächte Langweile. Wird man in der 2. Stunde, da der Geist des Kindes noch frisch ist, etwa schon die leckere Speise Anschauungsunterricht auftischen? Das hieße die Würze verschwenden. So rückt denn die Entwicklung eines Lautes, bezw. Lesen heran. Ohne Bedenken kann mittlerweile die 2. Abteilung zum Rechnen geführt werden. Ans dieser Stufe muß nicht jedesmal die Aufgabe besprochen und dann zu Papier gebracht sein, wie es bei der 1. Abt. der Fall ist; da genügt ein Hinweis und die Federn zirpen. Indes kriecht drüben der Laut ans einem Worte und zeigt sich gar bald als Zeichen auf der Tafel. WaS fordert die allgemeine Unterrichtslehre? Einübung des Lantzcichens, Besprechung der Rechenaufgabe. Wird der Abteilungsnnterricht dem entsprechen? Ach ja, mit Vergnügen! Die 1. Abt. schreibt den Buchstaben, die 2. Abt. vertauscht die Hefte und kontrolliert mit scharfem Ang', dieweil ein Schüler laut vorrechnet, ob auch alles stimmt. Ein Bock, ein Strich, ha, welche Lust! — Die Schul' ist ans, die Schul' ist ans! Die Kleinen klappern mit den Ranzen, die Großen stürzen zur Tür hinaus, — Panse! Sie kehren zurück, indes die winzigen Mitbürger schon die geschäftige Mutter umschwärmen; die 2. Abt. ist allein. Was nun? Ohne Bedenken das, tvas die 1. Abt. ans jeden Fall herübergezerrt hätte, die Reihe des starken Interesses. Also Realienunterricht oder, wenn wir für den vorliegenden Fall nicht so hoch sprechen wollen, Einführung in ein Lesestück, Anschauung! Wären die Kleinen da: Was müßte dann geschehen? Verbindung der Abteilungen! - Meine Herren! Das sind bloß Andeutungen, in ihnen liegt nur ein Vormittag; aber sie zeigen, daß die Arbeit des Landlehrers Geist erfordert und Geschick. Der Mann, dem sie zufällt, muß die allgemeine Unterrichtslehre, wie man sagt, im kleinen Finger haben und nebstbei einen scharfen Blick für das Zunächstliegende besitzen. Da hilft keine Marschroute ans der Klemme, da hilft kein Rezept. Selbstüberlegen, Selbstdenken sichern der Arbeit Erfolg. Dies alles liegt aber in der Vorbereitung. Ohne sie verläuft der Unterricht ins Planlose und die Arbeit wird für Schüler und Lehrer zur Qual. Darum, meine Herren und auch meine Damen, wollen Sie, daß die Land-schule im Schrittmaß des Zeitgeistes nicht znrückbleibe, so lassen Sic keinen Unterrichtstag ohne Unterrichtsplan entschwinden. Er ist sonst ein verlorener Tag. In der Vorbereitung liegt der Geist des Landlehrers. Trachten Sie, daß unsere Arbeit nicht ein Handwerk sei, sondern eine Kunst! Die 3. Frage. Ungeteilte einklassigc Volksschule oder Halbtagsschule? (Abschließende Berichte.) Zusammenfassung: Wir sind bei der 4. »formalen Stufe. angelangt. Es braucht darob niemandem gruselig zu werden; die Erörterung fließt nichtsdestoweniger im rnhigplätschernden Gcsprächstone weiter. Eines ist vor allem in das Gesichtsfeld zu rücken: das Ziel. Sollen wir im ganzen und großen dem idealen Apparate einer ungeteilten einklassigen Volksschule für alle Fälle znstenern oder grüßt uns am Ende der Fahrt die Halbtagsschnlc? Schon der Zweifel macht den Stürmer rasen. Im Zeitalter der Aufklärung, des Fortschrittes die Halbtagsschnlc überhaupt noch in Erwägung ziehen?! Ich fühle die Schläge, die hernicderprasseln, wiewohl schon der Leitbericht den Gegner der «rückschrittlichen Institution, milde zu stimmen suchte. Meine Herren! Setzen wir uns mit männlichem Ernst, frei von allen Phrasen, die ans politischen Strömungen schießen und uns um die Köpfe schwirren, an den Tisch und erwägen wir die Sache mit Ruhe, in durchaus objektiver Weise! Herr Oberlehrer PenSler in Pirken meint, das für die Obergruppe bestimmte Lehrziel könne mit der H. unmöglich erreicht werden. Das ist richtig. Aber auch bei der ungeteilten V. trifft es zu. Man hat der Volksschule viel zu viel Lasten auferlegt und daher muß unsere nächste Sorge darauf gerichtet sein, ein paar Säcke losznwerden. Die 6. Frage faßt bereits die Zipfel; bald wird der unnütze Kram in jene Kammer gehören, in die er gehört. Die Quantität an Zeit spricht freilich für die Ansicht des Herrn P., aber die Qualität, die Auswertung nimmt ihr viel an Bedeutung. Wer die Stillbeschäftigung so zu gestalten versteht, daß sie in allen Fällen als notwendiger Bestandteil des Unterrichtes erscheint, bei dem bedeutet der Gewinn an Zeit ein wesentliches Für; uw man aber in der Stillbeschäftigung, wie das Wort es anSdrückt, eine Be schäftignng zum Stillsein erblickt, die mir gerade die Zeit anSfüllt, in der sich der Lehrer einer ändern Abteilung zuwenden muss, dort ist sie von Schaden: Sic führt zur Langweile, zur Oberflächlichkeit, wegen Mangels an Zeit für eine gründliche Durchsicht zum Erwerb von fehlerhaften Wortformen, zur Tändelei usw. Wieviel Meister des Abteilungsunterrichtes gibt es aber? Solange ein Gegenstand in seiner Theorie noch nicht völlig geklärt ist, kann man von einer durchgreifenden Meisterschaft fast gar nicht reden. Doch zngegeben, der Scharfblick, der Fleiß, das angeborene Geschick hätte einen nahe an das Ideal gebracht: Wieviele sind es, die mit ihm soweit vor-gedrungen sind? Verhehlen wir uns da nichts! Je mehr wir unserer Sache an den Leib rücken, desto mehr fühlen wir's, daß wir vielfach noch in den Kinderschuhen stecken. Und in einem solchen Stadium dürfen wir etwas, was für die große Masse in die Ferne gerückt erscheint, noch nicht zur Regel erheben. Es verhält sich ähnlich wie mit dem -freien Stundenpläne-. In der Hand des Meisters führt er zum Erfolge, in der des Dnrchschnittslehrers oder gar des Stümpers kann er den gänzlichen Mißerfolg zeitigen. — Wenn also die Stillbeschäftignng nicht ans dem Unterrichte heranswächst, genau dnrchgesehcn wird, als notwendiges Rädchen in dem ganzen Getriebe erscheint, dann weg mit ihr, dann zur Halbtagsschnle, wo sie auf ein geringes Maß beschränkt erscheint! Hier gilt die Qualität des Unterrichtes, der direkte Unterricht. Alle bedeutenden Schul- männer, mit denen ich über den Gegenstand zu sprechen Gelegenheit hatte, wiesen immer vorerst auf das Ideal, die ungeteilte V., hin, daun aber auf den Dnrchschnittslehrer, der bei den bestehenden Gehaltsverhältnissen zumeist gerade den Eiuklassigcn bestimmt ist, und kamen nach reiflicher Überlegung zu dem Schlüsse, daß bei aller Rücksichtnahme ans Individualitäten eine allgemeine Bestimmung dem erwähnten Umstande Rechnung tragen müsse. Wie sich also ans der Wechselrede über die Einteilung der Stunde als Norm die Halbstnnde ergeben hat und dem Meister der freie Stundenplan zngcteilt wurde, so wird in der vorliegenden Frage noch manches für die Halbtagsschnle abfallen, doch keineswegs in der Weise, daß damit dem Rückschritt eine Komponente beigegeben werden würde. Schlagwortpolitik kennt nur Extreme; wir werden dnrchznschiffen wissen. (Fortsetzung folgt.) Die Wechsel rede. Zur 4. Frage. K. k. Lehrer Pfurtscheller in Pola: In meinem früheren Wirkungskreise, einem größeren Gehirgsdorfe, unterrichtete ich mit Bewilligung des k. k. Bezirksschulrates in den Monaten Mai, Juni, Juli, August (Sommerschule) täglich (auch am Donnerstag) von 7 bis 12 Uhr vormittags. Von 7 bis 9 Uhr wurden nur die Schüler der II. und III. Abteilung unterrichtet. Um 9 Uhr hatten diese eine halbe Stunde Pause und um 9 Uhr begann der Unterricht mit der I. Abteilung (Anfänger). Dem Ortsschulrat und den Eltern gefiel diese neue Einrichtung sehr gut und der k. k. Bezirksschulrat sah darin so viel Vorteile, daß in den meisten Schulen des Bezirkes dieselbe Unterrichtseinteilung eingeführt wurde. — Welche Vorteile hat diese Einrichtung? Die größeren Schüler der II. und III. Abteilung brauchen nicht so viel Zeit und Ililfe zu Hause und auf dem Schulwege, können daher leichter um 7 Uhr in der Schule sein, als die Schüler der I. Abteilung. Die können dann länger schlafen und die Mutter hat mehr Zeit, die Kleinen «schulgerecht > zu machen. Die Schüler der II. und III. Abteilung können in den ersten zwei Stunden ordentlich «hergenommen» werden, weil die ersten Schulstunden, die kostbarste Zeit, nicht den Anfängern gewidmet zu werden brauchen. Die II. und 111. Abteilung hat zwei Stunden angestrengt gearbeitet und daher um 9 Uhr eine halbe Stunde Pause, die meisten haben auch einen weiten Schulweg, sind daher um 9 Uhr schon wieder hungrig; sie sind ja gewöhnt, um diese Zeit zu «neunern Bei guter Disziplin verhalten sich die Kinder im Schulhofe während der Pause ruhig.* Die Schüler der II. und III. Abt. hinaus in den Schulhof, die Kleinen der I. Abt. herein in die Klasse! Die Kleinen sind ordentlich gewaschen und gekleidet, keiner kommt «zu spät . Nun habe ich die Anfänger eine halbe Stunde allein; diese muß ausgenützt werden. Nach der halbstündigen Pause habe ich wieder sämtliche Abteilungen; jedoch alles ist frisch. Um 11 Uhr wieder für alle eine kleine Pause! Übermüdung in den letzten Stunden ist nicht zu befürchten. Zeichnen, Handarbeit, Turnen, Gesang (die letzten Gegenstände) wirken eher erfrischend als ermüdend und Lehrer und Schüler wissen, daß das die letzte Schulstunde ist; der Nachmittag ist ja frei. Sehr angestrengt ist dabei der Lehrer allerdings; jedoch eine * Ob die Tyrannis sich allenthalben bewährt? D. Sch. gründliche Vorbereitung, die schon deshalb notwendig ist, weil der ganze Unterricht auf einen halben Tag eingeschränkt wird, erleichtert dem Lehrer die Sache. — Andere pädagogische Vorteile: besonders im Sommer haben die Vormittagstunden mehr Wert, als die heißen Nachmittagstunden. Der Schulbesuch bessert sich, da die Kinder vormittag zu Hause nicht so notwendig sind; daher sind auch weitere Schulbesuchserleichterungen nicht begehrt worden. In hygienischer Beziehung ist diese Art des ungeteilten Unterrichtes wohl auch besser. I)ic Kleinen brauchen nicht allzufrüh aufzustehen. Lehrer und Kinder können ordentlich und ungestört die Mahlzeiten einnehmen. Das Schulziramer kann besser gereinigt und gelüftet werden. Lehrer und Schüler werden nicht so angestrengt. Der Schulweg ist nur zweimal, statt viermal zu machen. Die Bevölkerung ist mit dem ungeteilten Unterricht auch zufriedener, da das Kind nur vormittags der Schule gehört und nachmittags dem Elternhause. Im Winter wird sich leider diese Art der Unterrichtseinteilung in den meisten Orten nicht durchführen lassen. (Eine ähnliche Einteilung habe,ich in Württemberg vorgefunden. Peerz). Sur 5. : Ihre Entschuldigung für das lange Stillschweigen ist so diplomatisch geordnet, daß id) sie wörtlich bekanntgebe. Sie schreiben: -1.) wurde ich an die 5flässige Mädchen-Volksschule nach T. versetzt, 2.) legte ich in diesem Jahre die Bürgerschullehrerprüfung für die 2. Gruppe ab (Tapfer! D. Sch.) 3.) verheiratete ich mich. Also Gründe genug, um so lange geschwiegen zu haben.- In der Tat! Die Sünde sei Ihnen verziehen. Ich wünsche aber auch, daß keiner Ihrer Gründe eine Buße bringt. — Schilt. S. in P.: Sie halten mit Ihrem Namen zurück, weil Sie befürchten, daß Sie sich durch die freimütige Meinungsäußerung in unserer «Wechselrede» den Tadel des Vorgesetzten zuziehen könnten. Diesen Inspektor möchte ich kennen, der in pädagogischen Erörterungen mir seine alleinseligmachende Ansicht duldet, wofern es sich darum handelt, allgemeine Fragen zu lösen! Sie werden sich natürlich seiner amtlichen Anordnung fügen müssen, werden aber keineswegs die Strafe zu fürchten haben, wenn Sie in unserer Beratung frei sprechen. Nennt er darob Sie dumm, so gehört er ins Panoptikum. — Schllt. E. in W.: Gottlob, es gibt auch in Wirklichkeit ideale Schulzustände! Was ich mir in stillen Stunden so schön ausgemalt habe, finde ich bei Ihnen und Ihren Amtsbrüdern der Einklassigen in der Tat. Sagen Sie allen, die Beiträge geliefert haben, in meinem Namen herzlichen Dank! Wenn ich zum Lehrertag nach Reichenberg fahre, kehre ich als Gast in Ihrem idyllischen Waldwinkel ein. Lrhrcrhrim: Kollege Bersin bittet, die Beiträge für das Lehrerheim unmittelbar an den Bundesobmann Keßler nach Mannswörth bei Wien zu senden, da die doppelte Verrechnung Kosten verursacht. Herr Keßler gibt »Lehrerheiniansichtskarten», das Stück zu 10 h, ab. Braucht es da noch Worte der Aufmunterung? — Dem freimütigen Einklaßler in Kärnten: Sie haben keck losgeschossen; Ihr Inspektor wird es nicht übelnehmen. In Kärnten weht frische Alpenluft. — Obl. P. in R.: 20 Jahre in der GemeindeI Darum gilt auch Ihre Persönlichkeit etwas in derselben. — Lehrer Zd. in W.: In den Papierkorb? Ach nein! Ich lese aus allem die guten Körnlein und streue sie dann aus. Mühe macht es freilich zuweilen, aber sie wird reichlich gelohnt. Ihre rege Mitarbeit bezeugt es ja am besten. — »Bildung -: Wenn ich jetzt Ihrem Wunsche entspreche und Ihnen die von mir herausgegebenen Schriften nenne, so wird gleich ein Kläffer aufstehen und sagen: «Seht, wie er die eigene Ware zum Markte trägt!» Blättern Sie in alten Nummern nach, Sie werden etwas finden! P. in P.: Ich habe über Sie nachgeforscht: Alles Geschwätz! Reifen Sie sich aus und dann melden Sie sich wieder einmal! — Bohrmaschine: Gelt, das war ein lustiger Abend in der Reichshauptstadt nach der neunstündigen Sitzung? Nur fleißig weiter bohren, die Säumigen packt man bei den Ohren! — L- >» K.: In Ihnen steckt noch etwas von der tiroler Geradheit. So was gefällt nicht nur mir, es wird allen Lesern ein Vergnügen bringen. — Wach Triest: Der große Artikel kommt nächstens. Die Wespen sind heute ausgeflogen. Nur rüstig weiter! - Wieder ein Erfolg unserer gemeinsame» Arbeit: Das f. k. Ministerium hat mich mit der Einrichtung eines Freiknrses für Theorie und Praxis des Abteilungsunterrichtes an der k. k. Lehrer» u Lehrerinnen bilditngSanstalt zu Laibach betraut. Über Jahr und Tag ist der Einzelfall hoffentlich Regel geworden. Mit der Bedeutung des Abteilungsunterrichtes wächst das Ansehen der Landschule. — Fabriksbesitzer A. Gaßner in Nenmnrktl (Obertrain) schreibt: »Direktor Rieger hat mich von Ihren Bemühungen zur Gründung eines Lehrerheimes im Süden, welches für die Aufnahme erholungsbedürftiger Lehrer bestimmt ist, unterrichtet und auch mitgeteilt, daß ein Betrag von 2500 lv (nämlich durch die »Bl.» D. Sch.) hiefür bereits aufgebracht wurde. Ich übergebe Ihnen nun für dieses schöne Unternehmen anruhend einen Beitrag von 200 K mit dem Wunsche, daß die Verwirklichung des Unternehmens bald gelingen möge.» Wo finden sich noch solche Fabriksbesitzer? Von Schule zu Schule. XXI. Auf die E . . . . alm, ins Reich der Bergfee, über das Getriebe der Menschen! Wer einmal von dem Zauber der Hochalpe genossen hat, den lockt es immer wieder über die Waldgelände hinauf. Auch in mir lvar die Sehnsucht nach dem stillen Plätzchen erwacht, seit der Freund die Erinnerung an dasselbe geweckt hatte; die Vorstellungen gaukelten mir immer wieder vor dem Auge, wiewohl ich des Fahrplanes, des Ränzels, der Abreise hätte gedenken sollen. «Wer reisen und dabei genießen will, soll nicht eilen! > Die freundliche Hausfrau hatte recht: Das Jagen durch Länder bringt wenig Vergnügen und keinen Gewinn. Man fliegt an den hundert Schönheiten vorüber, wird der Eindrücke müde, wird von Vorstellungen belastet und fühlt den Druck auf der Seele. Abgespannt, mit zitternden Nervensträngen kommt man zurück und preist sein trautes Heim, wiewohl man vor zlvci Wochen eine «Lustreise» angetreten hat. Wie man in unserer Zeit der Hast durch Bücher jagt, so jagt man durch die Welt und so jagt man — durch den Lehrstoff. — — Ich wollte also die Studienreise methodisch beschließen und war nun bei der dritten formalen Stufe angelangt, bei jener Stufe, ans der auch das Gemüt ein Teilchen ziehen kann. So war ich denn schon über Feld, ehe noch die Sonne den Morgenschleier gelüftet hatte. Der Teppich von üppigen Äckern lief in einen Rasen ans und dieser verlor sich in eine grausige Schlucht. Mit weit-geöffnetem Rachen gähnte sie mich an, indem sie in der Tiefe mit der Zunge an die Felstrümmer schlug; das Wasser stürzte bald mit Fletschen, bald mit Donnern unter mir weg. Armes Menschenkind, was bist du gegen solche Gewalten! Ein Ruck am Geländer, ein Plätschern — und dein Leben sinkt in den Strudel. Je lveiter ich kroch, desto höher krochen diese Gedanken an mir hinauf; in das Vergnügen mit Großartigen mischte sich das Grausen und ein Sonnenstrahl wäre mir schier lieber gewesen als die ausgenagten Gesellen rechts und links, als der Donnerhall und die grinsenden Geister, dieweil der Steg mich sicher trug. Wie es da im Busen wogte! Die Menschen sind an die Lüge so sehr gewöhnt, daß sie sich in solchen Augenblicken die Furcht nicht einmal vor sich selbst eingestehen wollen. Und doch ist sie da. Der mächtigste aller Triebe, nämlich der der Selbst-erholtung, ruft sie ans der Seele und es gehört viel Willenskraft dazu, sie znrückzndrängen. Ja, ist man wieder im sicheren Port, am Tische, wo die Gläser klingen, da freilich preist der Mund den Ritter Ohnefurcht und statt des Schänders spielt ein geringschätziges Lächeln ans den Lippen. Ob selbst dann nicht noch die Spinne über den Rücken krabbelt, ich möchte es nicht gerne erforschen, so ich selbst anders redete, als ich fühlte: Vorstellungen, die als Kern ihres Inhaltes die Sorge um das eigene Leben anfweisen, bringen selbst bei ihrer Wiedererweckung noch einen so starken Gefühlston mit, daß er unwillkürlich die Muskeln durchströmt. Es gibt nicht allein eine konventionelle Lüge im Kreise der Mitmenschen, mich ein Selbstbelügen gehört zu den Merkmalen unserer Zeit. Ich mochte mir's vorsagen, wie ich wollte: «Dn bist ein schöner Hasenfuß, der Steg hat nun tausend Menschen getragen, er wird wohl auch dein Knochengerüst ans Licht führen, der Fels wird ja nicht gerade auf den Zeitpunkt gewartet haben, um dich in die Tiefe zu schlendern -: es half nichts, die Sehnsucht nach dem Tageslichte wurde immer stärker. Arme Menschen, die Tag um Tag des Sonnenstrahls entbehren müssen! Der Steg drückte sich jetzt tief in die ausgewühlte Wand und schwang sich dann kühn über den Strudel, der zornig unter mir hinwegschoß und mir mit den letzten Stanbtröpfchen seines Gischts verhaltenen Groll zuspritzte. Ich setzte mit langem Schritt zur jenseitigen Fährte und stürmte nach vorne. Als ich um die Ecke bog, traf ein scharfer Pfeil mein Auge — ein Sonnenstrahl. «Gold'ne Morgensonne- so griff die jubelnde Seele ans dem Jugendborn ein Liedchen, das in längstvergangcnen Tagen der «Abendsonne» galt, aber noch nie so viel Gehalt aus meinem Innern gesogen hatte wie heute. Der Schritt wurde schneller, die Luke größer, plötzlich lag eine grüne Mulde vor mir, in die manch stolze Fichte von der Höhe herniederstieg. Wie hell in diesen stillen Winkel der Bach hernnterrauschte, wie er lustig über das Gerölle sprang! Ich sah ihm nach, sah ihn im finstern Schlunde verschwinden und hörte ihn donnern durch das schwarze Felscntor. Immer dumpfer ward der Schall, immer lieblicher das Geplauder meines Begleiters, bis er verstummte und sich im tiefeingefressenen Rasen verlor: Ich war auf der Höhe des saftigen Talbodens angelangt. Ein merkwürdiges Bild! Ans den üppigen Rasen war ein Dorf von Sennhütten gebettet, eine Siedlung mitten auf einem weiten Plane, den der stämmige Wald umstand. Zur Linken blickte ein ernster Fels herab, zur Rechten kletterten Kuppen übereinander hinauf; ganz im Hintergründe sah ein breiter Gebirgsstock, umwallt von einem faltenreichen Mantel, herüber, ernst, als wollte er diese kleine Welt ans der Bergeshalde schützen. Das Dörflcin war still, denn der Senne war mit dem Vieh auf die Höh' gezogen; nur ein paar alte Weiblein kramten am Herd. Gab das heute einen eigenartigen Mittagstisch! Mit Milch begonnen, mit Milch geschlossen, dazwischen ein bißchen ländliche Mehlspeise. Dafür folgte jedoch ein Mittagsschläfchen, wie ich noch keines genossen. Es war mir, als deckte die Waldfee den Schleier über mich, da die Sonne ihre Goldfasern herniedersenkte und das Lüftchen von den Schnee-rnnsen herüber seine Fäden dazwischen spann. Als ich erwachte, war es schon spät am Nachmittage; der Anstieg hatte mich eben müde gemacht. Bon allen Seiten ertönte der Glockenton des heimkehrenden Rindes, dazwischen ward gerufen, gejodelt und getutet, daß es mir im ersten Augenblicke vorkam, als sei das Heer der Berggeister über mich geraten. Dort, wo der alte Hüter mit seinem Faltenwurf die letzten Kuppen berührte, floß der rote Glanz hinab und nur sein Schimmer strahlte noch auf den fernsten Wänden im Rot, im Rosa, im Violett, im Lila, immer schwächer, immer matter, bis er ins tote Grau entschwand. Das Sennervolk hatte sich vor den Hütten versammelt und scherzte, koste und sang wohl auch manch lustiges Lied. Ich war den Hang hinaufgeeilt, um noch einmal die Sonne der Berge zu grüßen. Umsonst! Sie war dahin. Vielleicht, daß mein Lied, ans den Schwingen von Kindes-tränmen getragen, sie noch erreichte — die ewig schöne -Goldene Abendsonne- — — Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter Rudolf E. Peerz. — Druck von Jg. v. Kleinmanr & Fed. Bamberg in Laibach