^? 34. ^ZAH^ R84R. 3^c^H^^.^,^^^^3'^-theilt werden s verdanken wir einigen- ausländischen Gelehrten s die selbe mit sorgfältigem Fleiße aus den in den würtembergischerr Bibliotheken nach vorge-fundenen Documenten gesammelt, und in ein Gan» zes gebracht haberr. Das Haupt und der Begründer des slavischen Bücherdruckes im Würtembergischen war Primus Trüber, ein von Nazhiza', eincm3 Meilen von Lai« bach gelegenen Dorfe,, gebürtig« Krämer. Im Jahre tö53 kam er nach Kempten als Pastor, und hier war es, wo er die Mbersetzung verschfedener geistlicher Werke ins Slavische begann. Das erste> was hier Trüber verfaßte, war ein Katechismus, unv ein doppeltes ABCdarium; dils eine mir lateinischen Buchstaben> das andere mit Deutscher?. Den, Katechismus schickte er als Manu-script in sein Vaterland zur Einsicht Der Versuch erhielt Beifall, die Schrift kam mit der Ermunterung) und Bitte an> ihn zurück,, er möchte sie, und auch andere Schriften durch den Druck bekannt machen. Der Verfasser sand aber mit feinem besten Willen vicle Schwierigkeiten- Zu Nürnberg,, und nachher zu Schwabisch-HaU, wmde der Druck verweigert,, vorgeblich wegen des Interims«. Trüber ließ also die Schriften heimlich drucken. Dieß- geschah zu Tübingen im Jahre 1550. Er selbst war abwesend, cs wurde alles dem Drucker und emem Prediger überlassm; der Einc wie der Andere rc>sto8ll<»i gedruckt. Die ganze Auflage, sie war wohl nicht ansehnlich, ging nach Kram, mit geringer Ausnahme. Es ist nicht bekannt, daß ein Exemplar von dem größern oder kleinern Katechismus, oder von dem einen oder dem andern ABCdarium irgendwo noch vorhanden seyn sollte. Trüber hatte das Mögliche gethan. Freilich wurde von seinen Freunden im Vaterlande vorzüglich eine Postille in windischer Sprache verlangt. Er hatte aber so viele Schwierigkeiten bei dem Dluk« ke erfahren, auch die erforderlichen Kosten mußten ihm so bedenklich werden, daß er sich berechtiget glauben konnte, die Sache nun ruhen zu lassen. Neues Regen und Leben gab der Sache Pet. Paul Vergerius. ehemaliger Bischof von Capo d'Istria, im Venetianischen Gebiet. Dieser hatte den Truder ausgekundschaftet, welcher zu Trieft als win« discher Prediger sich einige Zeit aufgehalten hatte. Als er nun von Vergerio schriftliche Anfrage erhielt, ob er sich getraue, die Bibel in die windig sche und croatische Sprache zu übersetzen, wozu er selbst nach allen Kräften mitzuhelfen versprach, auch von einigen Fürsten und Herren Beihilfe zu erhalten hoffte, so wurde der Antrag freilich nicht abge< wiesen. Jetzt veranstaltete Vergerio eine mündliche Unterredung mit dem Pfarrer von Kempten. Ulm war der Ort der Zusammenkunft. Der Erfolg war dieser: Trüber verfertigte eine windische Uebersetzung von dem Evangelium Matthai, und Vergerio be» wirkte, daß der Herzog die nöthigen Kosten bewil» ligte. Die vorläufige Nachricht davon erregte in Kram eine lebhafte Freude, vornehmlich war der Freiherr Hans Ungnad derjenige, der sich für die Sache herzlich interessirte. Die Morhard'sche Druk» kerei zu Tübingen übernahm den Druck; weil Vcr« gerio zu Tübingen wegen der leidigen Pest Sorg? hatte, so mußte eine Presse nach Heutlmgcn verlegt werden; der Druck nahm den wirklichen Al>-fang in der Mitte des Augusts 1555. Trüber mußte von Kempten nach Reutlingen kommen, um die Correctur zu besorgen. So erschien vermuthlich noch vor Ende des Jahres 1555 das erste Evangc« lium in windischer Sprache. Trüber gab ihm als Beilage eine Auslegung über den Katechismus, und ein AB(5darium. Dieses Buch ist, nicht weniger als die frühern, vorher beschriebenen Bücher ganz verschwunden- Schwerlich ist es noch in irgend einer Büchersammlung vorhanden. Gegen den Herbst 1557 wmdc der erste Shell des neuen Testamentes im Druck vollendet. Der Titel ist: »o u«i 8?lt)'ri VviMA6li»ll, mu tu lliiuno lik.)o- mostlH 1'rul)6ria svßltu pröoiißi'nsn. Xnr Ho v«/.k per tim, iml ^9<1« liokousli, tybi ta 6ru^2 ltran leli^a pap^ria povni. Der erst halber Theil des newen Testaments, darinn seind die vier Evangelisten, und der Apostel Geschicht, auß den fürnembsten und approbirten 3a? teinischen, Teutschen und Wälschen, alten und ne< wen Translationen, in die gemeine Windische Spracl> jetz und zum erstenmal fieissig verdolmetscht. Uno was mehr dabey, und warum nur dieser halber Theil jetz und gedruckt worden, darvon würdl dir die erste Teutsche Vorred dieses Buchs sagen. Tü-dingen, 3l.VI.VlI 4. Die Vorrede an K. Maximilian hat die Unterschrift : Datum, Tüwmgen am ersten Tag Ianuani. äuuo M.V.IiX. E. K. W. vnderthenigster Caplan. Primus Trüber Creiner, der Christlichen Kirchen zu Kempten Pastor. Was ihn bewogen habe, — schreibt der Verfasser in dieser Dedication __ daß er vor wenigen Jahren angefangen, auch die wmdische Sprache mir lateinischen und deutschen Buchstaben zu schreiben, und etliche christliche Büchlein in dieser Spracbe drucken zu lassen, nicht weniger, was ihr Inhalt sey, das möge aus der von ihm beigelegten dem» schen Vorrede zum (ersten Theil des) windischen Neuen Testament, und aus der Copie seines Schreibens an den Herzog Christoph ersehen werden.. Bis-, her habe er sich des Dedicirens enthalten; da aber Seine königliche Würde der Böheim König, und der Windischen und Crobatischen Länder gebogner rechter Erbherr sey, so habe er diesen andern Theil (wiewohl jetzt nur diese Epistel in der Eil, a»ä wichtigen Ursachen, die hicr zu erzählen unfüglicl), gedruckt worden, es soll aber das Uebrige bald, wills Gott, nachfolgen) Sr. K. Würde zueignen wollen, mit U. Bitten, „E. K. W. wolle sammt dcn gottseligen und verständigen Creinern, Understey-rern, Kärnern, Karschnern, Histerreichern und Wim dischen Märckem (denn dieser Länder Völker verstehen gründlich meine Sprach und Schriften), dieser und aller meiner vorigen und künftigen Schriften gnädigster Pacron, Beförderer, unparteyischer 107 Arbiter und Nltbfer seyn." — Wo er gefehlt habe, wolle er sich willig belehren lassen. Dagegen gelobte er, wenn unleidentliche, ärgerliche und verführe-rische Opinionen oder Irrthümer in seinen Schriften wahrhaftig befunden werden sollten, dieselben in öffentlichem Druck, in der deutschen und in der «indischen Sprache, vor Jedermann zu bekennen und zu widerrufen. — (Fortsetzling folgt.) Der alte Grenadier. (Aus d»m Portcftllill« «ines Neisenden.) Eine leichte Unpäßlichkeit hatte mich auf meinet Tour durch Frankreich in einer kleinen Stadt der Provence aufgehalten. Ohne Beschäftigung, wie ich war, ohne Bücher, ohne Bekannte, stand ich, de« tödtlichen Langeweile zu entfliehen, stundenlang am Fenster, und betrachtete, was sich auf dem Markt« platze regte und bewegte. — Bald siel mir ein In. valide auf__ an den Ueberbleibseln der verwitter« ttn Uniform erkannte man den Grenadier — der vom Morgen bis zum Abend auf der Steinbank vor einer Wirthshausthüre meinem Hotel gegenüber faß und sich aller Kinder der Nachbarschaft mit be-sonderer Liebe anzunehmen schien. Er war kaum einen Augenblick ohne einige schmutzige Jungen, die sich bald auf seinem Schooße wiegten, ohne seinen dicken Schnurrbart ungcrupft zu lassen, bald von ihm angewiesen, allerlei Spiele aufführten. Er war augenscheinlich Aller Liebling; auch gab er ihnen noch andere materielle Beweise seiner Zärtlichkeit, er machte ihnen Schwerter, Peitschen, pavicrne Mützen, bisweilen vertheilte er Pfeifen, Marmor, kugeln, Obst und Kuchen. Die Nachbarinnen schie, nen s«ine Liebe zu den Kindern zu kennen; denn sie beehrten ihn nicht selten mit dem sehr unmartiali-schen Amte einer Kindermagd. Ich sah ihn Säug-linge in den Windeln stundenlang auf dem Arme halten, durch Schaukeln und Singen beruhigen. Auffallend war mir bei dieser so deutlich ausgespro« chenen liedreichen Gcmüthsstimnmng ein schmerzhaft tcr Zug von Melancholie, der die Slimc des Gre^ naoierö, wie der Reflex einer schweren Schuld, ver, düsterte. Eines Morgms, als er eben mit einer Schaar kleiner Jungen spielte, rasselte ein Wagen mit schreck' lichem Gepolter durch die Straße. Die Kinder er-schracken, die einen schmiegten sich enger an den Gre» nadier an, die andern flohen in die nächsten Häuser. Ein Bubc von 5 Jahren lief über die Straße, um in feinem väterlichen Hause Schutz zu suchen; mitten auf dem Wege aber strauchelte er und siel. Alle Zuschauer standen starr vor Entsetzen: denn schon berührten die Hufe sein Kleid. Da warf sich der Grenadier mit einem Sahe vor die Pferde und riß das Kind bei Seite; ihm selbst aber gingen die Hufe und di? Räder über die Brust; es war un^ möglich gewesen, die Pferde zu bändigen. — Nie werde ich den Ton vergessen, mtt dem er, als man ihn blutend in seine Hütte trug, freudig ausrief: «Gott sey gelobt! das Kind ist gerettet.« Wenn ich Alles, was ich an ihm bemerkt hat» te, zusammensaßte, so wurde es m>r immer klarer, daß ein Geheimniß über dem Leben des alten Grenadiers schwebe, und ich beschloß daher, ihn des andern Morgens in seiner Hütte zu besuchen. Als ich zu ihm kam, lag er blaß und matt auf dem Bette, sein Gesicht war ruhig und ergeben, jener melancholische Zug war verschwunden. Nach den gewöhnlichen Redensarten leitete ich das Gespräch auf seine Liebe zu den Kindern und die edle That von gestern. Bei den Lobsprüchen, die ich ihm ertheilte, rötheten sich seine Wangen, seine Augen flammten ungewöhnlich. Eine Weile schwieg er sinnend, dann sprach er: ..Ich weiß wohl, daß ich sterben muß ii, wenigen Stunden; darum will ich mir ein Vergnügen nicht versagen, nach dem ich schon viele Jahre schmachtete, einem menschlichen Wesen meinen Schmerz zu vertrauen, meine gepreßte Brust, mein Gewissen kurch ein freies Geständniß zu erleichtern» Ich habe mehrere Jahre in Spanien gedient. Sie wissen, wie der Krieg geführt wurde? — Ich nickte bejahend. Einst erreichten wir nach ermüdetem Marsche eine kleine Stadt in Andalusien. Die Einwohner hatten sich alle geflüchtet, die Häuser waren leer. Wir suchten allenthalben nach Lebens-mitteln. Meine Kameraden fanden in einem Keller einen Schlauch Wein und Lammfleisch. Wir thaten uns gütlich, aber der Wein ging zu Ende. Von dem südlichen Getränke erhitzt, verlangten wir noch mehr. Wir durchstöberten die Straßen. Plötzlich gewahrte ich einen Spanier, wie er eben, etwas verborgen unter dem Mantel schleppend, in ein zerfallenes Haus schlüpfen wollte. Ich eilte ihm nach, ergriff ihn bei der Schulter — der Mann war schwach und klein, wie ein Zwerg wand er sich unter mei-ncn Händen, ohne seine Last loszulassen — und rief: gib her, was du trägst __ ich glaubte, es scy ein Weinschlauch — gib den Wein her. Der Spa- 108 mer zitterte; no s« viuo, ächzte er, 68 nlnuo. Es > ist kein Wein, es ist ein, Kind____Gib her, rief < ich wieder und suchte vergeblich meine Beute zu fassen , die er mir durch» krampfhafte' Bewegungen geschickt entzog. Dieser. Widerstand reizte mich. Schur- ! ke, schrie ich ihn an, soll ich ihn. nicht, trinken,, so mag ihn die Erde trinken,. Mit diesm Worten, durch-stieß ich den vermeinten. Schlauch mit dem Säbel. , Aber es floß kein Wein, sondern Blut. Entsetzt breitete er den Mantel auseinander; es war ein. Knabe, kaum zwer Jahre alt- Der Anblick vernichtete mich. Ich kniete aus, den Boden^ und nahm das> Kind in meine Arme,, er kauerte sich an. meine Seite und fuhr mit der Hand nach der Wunde des Kleinen. Ich ffuchte^ ich betete,, suchte das> Blut zu sti> len, ich bedeckte das Kind mit Küssen; das arme Kind konnte keinen Laut. von. sich geben,, doch schien, es zu fühlen ^ daß wir. ihm wohl. wollten 5 bald sah, es mich,, bald. den. Vater mit flehenden- Blicken, an,, dann. schloß es.» matd dieAugen^__Herr!, den. Blick dieser Augelr hab" ich nie vergessen. — Ich raffte mich auf, trug, das Kind. zum Feldschere^ als> ich'ö vom. Arme nahm,, athmete cs. nicht, mchr^ Der Grenadier, schwieg;, ich wußte nun, Nlles^ Nach' einigen- Worten, des Trostes schied ich- — Nicht wahr,, rief er. mir nach, hätt' ich mich nicht den Pferden, in, den WeA geworfen, wäre.' der klei^ ne Andr« verloren gewesen. __ Sie haben. ihn. ge- nttet, sprach, ich mit. gepreßter Brüste Drei^ Tage darauf schauten die Kinder des Städtchens einem einfachen Lelchenzug nach, wie er sich langsam nach delw Kirchhof! twvegte. Der altk Grenadier war. nich.t. in ihrer. Witte- (Göth e^.) In, den, letzten. Jahren seines Le^ LsnV fühUe sich Göthe durch die Menge der. ihn be.^ suchMden Fronden: sehr belästigt, unv er begann oft. die Unterhaltung, mit ihnen' auf eine seltsame Weise: — Einst ließ' sich eiw Engländer bei ihm, anmelden. Die- Engländer fürchtete, er. am- meisten,, weil. er sicher seyw konnte> daß jedes Wort,, das er spreche, aufgezeichnet,. und in> einend Journale gedruckt erscheinen würde: Er nahm. sich, also. vor, so wenig als möglich z«! sprechen,' und besonders nur von ganz gleichgültigen Dingen, zu reden.. Der Engländer erschien, und Göthe begrüßte, ihn, ohne ein Wort zu sagen; der Engländer, verbeugte sich und schwieg. Göthc zcigte mit der Hand. auf einen. Stuhl, und der Engländer setzte sich, ohne den Mund zu öffnen, indem er ohne Zweifel erwartete, Göthe würde das Gespräch anfangen. So vergingen fünf Minuten in dem tiefsten Schweigen, und Göth< deutete, indem er aufstand, seinem stummen Gaste das Ende dieses seltsamen Besuches an. Als er in« deß den Engländer durch das Vorzimmer hinausbegleitete,, fühlte Göthe einigermaßen Neue; er zeigte dem Engländer eine Marmorbüste, welche dastand, und sagte: „Walter Scotc.« __ »Ist todt," ant« wortete der Engländer, und so endigte der Gesuch. (Die angeweißten Dreizehn.) Folgender Schwank? den ein Schauspieler aus Detmold an. der Gasttafel zu Pyrmont erzählte (S. „Psingst. serienreife" in Kode's hum. Blättern), dürfte einen guten Stoff zu einer Posse oder wenigstens zu einer possenhaften Scene liefern.__ »»Voriges Jahr," so erzählt der Schauspieler ^ „logirte ich zu Frankfurt im Weidenhofe.. Ich hatte damals Geld, und wenn lch Geld habe> sticht mich der Haber. Nun hatte ich kurss zuvor in Wiesbaden einen alten Barbier ge« spielt, und war nut Allem ^ was zu dieser Rolle gehört^ versehen^ So klopfte ich denn eines Morgens, vollständig als Bartkratzer ausgerüstet, in dkm Stockwerke, wo ich wohnte, rechts und links an zwei Thu.-rew an^ ,>Kcin Barbier, gefällig? Wünschen der Herr rasirt. zu werden?"^. Ein Dutzend Herren nahmen mich an;! ich seifte sie kunstmäßig,, ein» »Mein Gott!" rief ich dann,. »ich habe- auf Nummer so und so mein. Messer liegen lassen,, in. einer Minute bin ich wieder hier."' Nachdem s. eilten, herbei,, ja. sogar die Barbiere, die im Wei» , denhof die Barts abzunehmen, pflegen,, stellten sich/ ihre. Unschuld betheuernd.- Ein. unvergeßliches Ge» lächter erhob sich bel dem Anblick der dreizehn Ein-gcseiflen. Der Wirth bemühte sich vergebens, mich . zu. besänftigen. Man fragte und forschte hin und . y?r, aber die Sache blieb ein Geheimniß", das ich Mi, da sie verjährt ist , zum ersten Male an's Lich! ziehe."' Verleger5 Ignaz AloiS Edler v. KÜelumayD.