1906 (Mai). ^ \ (X t f q Aolge 29. für * Ubitilungsuimmcbi Herausgeber: prof. Rudolf 6. Pccrz, k. F. Vczirksschulinspektor in Laibach. Die „Blätter für Abteilmigsuntcrricht" erscheine» als Beilage zur „Laibachcr Schulzeitung“ monatlich. Bezugsgcbiihr 2 K jährlich. Einzelnummer 30 h. Inhalt: 1.) Die Bejtrkslchrerkonfcrenz. — 2.) Schulen im Pharaonenreiche. 3.) Die neue (H.) Frage. 4.) Die 4. Frage. — 5.) Die Wcchselrede. — 6.) Briefkasten. — 7.) Don Schule zu Schule. Unrchtiu giihc (Gilci schaden tuot, Rcht gebite (Meile) diu ist guot. Aus Freibank« „Bescheidenheit" (1220-1240). Die GerirKslehrerKonfereu;. Nim kommen sie wieder von den Bergen herab, ans dem Tale herfür, weit über Land die Bildner des Volkes, im innigen Vereine über Standesfragen und Schale zu beraten. Ist das ein Grüßen und Händeschütteln! Mancher ist schier ein Jahr nicht mehr in der traulichen Runde gesessen, jeder lebt auf, da die Schar der Genossen ihn umgibt. Der Saal ist voll, jedes Plätzchen besetzt, heilige Ruhe eingezvgen. Ein herzhafter Zuruf des Inspektors und zerstoben ist die Schar: Die Eiuklaßler beraten im Klassenzimmer Nr. I, die Zweiklaßler daneben, die Drciklaßler sind in Nr. 3 eingezogcn, Vier- und Fünsklaßler beherbergt die Klasse 4. Jede Gruppe soll über ihre, für sie eigenartigen Angelegenheiten sinnen und Beschlüsse fassen. Stundenpläne, Lehrstvffvertcilnng, methodische Neuerungen mit Bezug ans die Verwertung in der besonder» Schulgattnng, Lehr- und Lernmittel, Erlässe und Verordnungen, Schulbefreinngen, Störungen, Erfahrungen, Wünsche: Wieviel Stoff für einen Beratungstag! Die „Sektion" wählt sich den Vorsitzenden, einen Schriftführer und arbeitet drei Stunden am Vormittag und drei nach dem gemeinsamen Mittaginahle. lind der Inspektor? Auch er hat seine Sektion — die Versammlung der Ortsschnlratsvbmänner und Ortsschulaüsseher. Das Verhältnis des Ortöschnlrats zur Schule und zum Bezirksschulräte, Schnlkosten, die Amts» gebarnng, wirtschaftliche Fragen, Wünsche, Anfragen: Die TageSvrdnnmg hat die biedern Landleute zum Sammelpunkte der Lehrer gelockt und hält sie nun im Beratungszimmer fest. — „Abends gibt die Lehrerschaft einen Festkonzert; die Bürger, die Beamten, alles, was der Schule hold ist, wurde geladen; morgen wird die Schulausstellung eröffnet: Potz tausend, wer sollte heimfahren! Da läßt man die ,gute Alte' einmal brummen und bleibt im Kreise der Herren Lehrer." — Und siehI Ehe noch der Abend seinen Schleier über das Städtchen gezogen hat, summt und surrt es schon durch den geräumigen Festsaal; ein eigenartig Volk hat sich zusnmnicngefnnden: Der Mann des Gesetzes sitzt neben dem Bildner des Volkes, der Bürger im Kreise der Genossen vom Lande, ein Hauch weht durch den Raum, ein Geist, der Geist der freien Bildung und des unaufhaltsamen Fortschritts.-------------- Verrauscht sind die vergnügten Stunden, verklungen ist der letzte Ton! Es war doch schön! Welch warme Worte da herniederflossen, wie die Augen vor Begeisterung glänzten, welch festes Band sich mit eineinmale wvb! — Der zweite Tag bricht an. In früher Mvrgen-stunde schon füllt sich die Turnhalle: Hauptversammlung! Hoher Ernst liegt in den Mienen aller, auch in dem Gesichte des Ortsschnlratsobmannes, der sich 's nicht nehmen liefe, alles mitzumachen. Das Geschäftliche ist in ein rasches Bächlein geleitet worden und cs bleibt eine geraume Frist für den Vortrag des Berichters. Der Inspektor hat ihm die Arbeiten aller zu-geinittelt, die das betreffende Thema betraf. Mehr denn einen Monat ist er über dem Stvffbündel gesessen und hat aus der wollen Garbe die Goldkörnlein gelöst. Der Titel heifet: Wissenswertes allerlei aus dem Schatze meiner Erfahrungen. Welch reiche Ausbeute, welch eine Fülle von Ratschlägen für den jungen Amtsbrnder! Alle, die mehr als zwanzig Jahre im Dienste stehen, haben sic geboten; kein Zweifel, die Früchte sind aus gutem Erdreich gesprossen!' — „Das Gesetzbuch des Lehrers, erläutert an Beispielen aus der Praxis" — das zweite Thema I Ein schneidiger Kämpe zückt das Schwert. Dem alten OrtSschulratsvbmann wird es unbehaglich, er fühlt da und dort einen Streich und gar der „Inspektor des Schnlvrtcs", cs kommt ihm vor, als hätte er nicht immer die Grenzen eingehalten, die der Paragraph gezogen. — Zuletzt schleicht zaghaft ein junger Genosse zur Kanzel. Er soll als Vertreter jener, die noch nicht ein Jahrzehnt in der Schulstube gestanden sind, das neue Reglement Punkt für Punkt dem alten gegenüberstellen und zeigen, wo die Amtsführung eine Wendung wird machen müssen. — Rasch treten noch die „Sektions-Obmänner" hervor, um ihre Beschlüsse der Abstimmung anszulicfern, Anträge bringen Wünsche und Forderungen ins Rollen, noch einmal kommt Sankt Bureaukratins mit Formeln, die Saiten klingen immer matter, bis ihre Töne in einem „Wiedersehen über Jahr und Tag!" verhallen. Der Leser staunt. Eine zweitägige Konferenz? Das gibt es ja nicht! Freund, du hast das Gesetz nicht genau studiert. („Die Dauer der Konferenz darf drei Tage nicht überschreiten." M. V. vom H. Mai 1872.) — Ergo? . . . Ei, da könnten wir's ja auch so machen! Gewiß! Der Bezirksschulrat soll die Reise- gebühr erhöhen, die Kollegen im Kvnferenzvrtc sollen für billige Unterkunft sorgen — und die Sache ist gemacht. In zwei Tagen läßt sich viel durcharbeiten; ein Tag bedeutet ein Haften und Jagen ohne Erfolg. In Schweife gebadet oder zerrüttelt in allen Knochen, kommen die Teilnehmer in den Saal; da sollen sic nach den Brocken haschen, die in wilder Flucht vvrüber-fliegen; da sollen sie sich in Ruhe sammeln; da sollen sie dem Gedanken das rechte Wort geben! Kein Ohr ist offen, kein Auge an der Lippe. Die Konferenz ivird zur Last und alles Sehnen trifft nur den einen Punkt, das Wirtshaus, wo endlich der Labe gedacht und ein Plauder-stündlein genossen werden kann. Alan ist sich nahegerückt, man erzählt sich so mancherlei aus dem „Schatze der Erfahrungen", da mahnt die Uhr zum Ausbruche — dahin ist all die Hoffnung, einen Tag geistiger Freude zu durchleben, dahin der Idealismus, dahin die Freude am Berns. Enttäuscht kehrt der junge Genosse heim; was ihm so hoch erschien, war nichts als eine eitle Form ohne Gehalt. Die zweitägige Bezirkslchrerkvnferenz allein verbürgt den ruhigen Gang der Verhandlungen und einen greifbaren Erfolg. In ihr findet der Ernst seinen vollen Raum, bei ihr ist auch die Freude zu Gaste. Wer in der Tat sehen will, was hier der Stift geschildert, der komme Mitte Juli ins Bcrgstädchen der deutschen Mark am Knlpastrand; er soll ein tapfer' Lehrer- vvlk finden, das als Freund ihn in einen cnggeschlvssencn Freundeskreis zieht. ' Die „Blatter für Abteilungsunterricht" werden ab und zu einen Teil vorn Schatze bringen; cs wäre schade, wenn das blinkende Gald in der Truhe verschlossen bliebe. Schulen im Pharaonenreiche. Von Karl Krobath, Lehrer in Klagenfurt. 2. Das Unterrichtswesen der Europäer. Mit den Missionären kam europäische Gesittung in das alte Kulturland am Nil. Missionäre waren die ersten europäischen Lehrer in Egypten ebenso, wie wohl in allen Kolonialländern. Die Schule erstellt neben der Kirche, im Dienste der Kirche. Durch den Sieg des Korsen bei den Pyramiden (21. Juli 1798) gelangte mit französischem Einfluß die katholische Religion in jenem Lande wieder zur Geltung, wo sie in den Tagen der Kirchenlehrer Origenes und Klemens, des Arius und des Bischofes Athanasius eine so bedeutsame Rolle gespielt hatte, durch den Siegeszug des Halbmondes aber bis auf die im Sturm so vieler Jahrhunderte zähe am mono-physitischen Christentume hängenden Kopten, die wir als die unverfälschten Nachkommen der alten Egypter betrachten können, vernichtet worden war. Französische Schul-brtider und Schulschwestern errichteten Schulen, in denen sehr viele Kinder in gefahrvollen Zeiten oder in dem Falle, daß die Eltern in dem unermüdlichen Hasten nach Erwerb sich nicht um deren Pflege kümmern konnten, auch Verköstigung, Wartung und Schlafstelle fanden. Der gewaltige Aufschwung, den Egypten seit Mohammed Ali nahm, welcher sich vom Sohn eines rumelischen Aghas der Straßenwächter zum tatsächlichen Herrscher des Nillandes emporbrachte und die Europäer als Lehrmeister seiner Untertanen begünstigte, führte immer mehr Anhänger der englischen und schottischen Kirche, aber auch zahlreiche deutsche Protestanten ins Land. Der Zuzug richtete sich hauptsächlich nach Alexandrien, das aus einem unbedeutenden, in nichts an vergangene Größe gemahnenden Dorfe zu Beginn des vorigen Jahrhunderts sich in wenigen Jahrzehnten zu einem wichtigen Handelsplatz des Weltverkehres entwickelt hatte. Schon seit 1853 hielt hier in seinem Hause der schottische Judenmissionär Dr. Philip evangelischen Gottesdienst. Unterricht, besonders in Sprachen, wurde damals in Kreisen der evangelischen Deutschen privat und hauptsächlich von Lehrerinnen erteilt. Im Jahre 1865 gründete die Chrischona-Mission in dem Ausgangspunkte ihrer dem Nil hinauf bis Abessinien reichenden Missionsstationen, in Alexandrien, eine Schule mit deutscher und französischer Sprache unter Leitung des Missionärs H. Rappard, eines Schwiegersohnes des Bischofs Go bat aus Jerusalem. Diese war nicht, wie etwa die Schuld derselben Mission in Kairo, für Eingeborene, sondern vorwiegend für christliche und europäische Kinder bestimmt und hatte sehr günstige Unterrichtserfolge zu verzeichnen. Noch jetzt sagt ein älterer Grieche, Italiener oder Franzose, der deutsch radebrechen kann, wohl mit Stolz: „Ich bin in der deutschen Schule gewesen.“ Zuerst nur Knaben zugänglich, wurde die Missionsschule von 1868 an auch von Mädchen besucht und zählte anfänglich 80, später 200 bis 300 Schüler. Untergebracht war sie im Hause des Ratib Pascha, in dem zugleich der „Deutsche Verein“ durch längere Zeit sein Heim hatte. Als der tüchtige, im Verkehr mit seinem national, konfessionell und sprachlich so sehr gemischten Schüler- und Elternkreis kluge Lehrer Bauder an deren Spitze trat, erfreute sie sich hohen Ansehens in allen Bevölkerungsschichten und trug u. a. dazu bei, Christbaum- und deutsche Weihnachtsfeiern selbst bei Griechen und Romanen einzubürgern. Als die Chrischona-Mission 1875 ihre „Apostelstraße“ im Egypterlande aufhob, wurde ihre alexandrinische Schule von der evangelischen Schulgemeinde übernommen, sank aber bald infolge Uneinigkeiten von der Höhe ihrer Bedeutung. Vier Jahre später wurde sie, als sie ohnedies ihren deutschen Charakter fast ganz eingebüßt hatte und den berechtigten Ansprüchen der deutschen Familien nicht mehr genügen konnte, aufgelöst. Aus ihr gingen, geleitet von ihren bisherigen Lehrern Jacot und Surbeck, zwei Schulen hervor, von denen die des Erstgenannten als französische „Ecole Suisse“ noch jetzt besteht, die deutsche Schule Surbecks hingegen einging, als der große, von dem damaligen Kriegsminister Arabi Pascha geleitete Aufstand 1882 zu großen Metzeleien und Grausamkeiten, zum Bombardement der Stadt Alexandrien am 11. Juli j. J. und zur darauf folgenden Okkupation des Landes durch die Engländer führte. (Fortsetzung folgt.) Die neue (8.) Frage. Soll bie Kinktassige eine Ächtlilasstge im kleinen sein oder eine Schulgattung besonderer Art? Die 4. Frage. Nnnntervrochener Vormittagsunterricht oder Ganztagsunterricht mit Mittagspause? (Abschließender Bericht.) Die £nnbeöfd)ulbel)tirbe kann aus wohlbcgriinbeteS Ansuchen der Vertretungen ber eingeschulten GJcineluben ober ber Ortsschul hetchrbc die Einführung bcö ungeteilten Vormittagsunterrichtes an einzelnen Volksschulen bewilligen . . . Schul nnb llnterrichtöorbnung vom 29. September 1905. War das ein lästig' Ding, so mitten vom Spiele davonzueilen in die Schule und dort, in der Sommerhitze zwei Stunden zu schreiben und wieder zu schreiben! Der gute, alte Lehrer nickte bald nach dem Beten ei» und nur der Machtvollkommenheit des Schülers St. dort von der obern Abteilung herüber gelang es, uns, kleine Rangen, drohend mit dem Stocke, in Schranken zu halten. Die Jahre der Volksschule waren dahin; in der Mittelschule ward' es mit der Plage nur noch ärger. Matt war alles: der Professor, der Schüler, der Unterricht. Ob da viel im Kopfe blieb, ich bezweifle es; ivas mir noch erinnerlich ist, das ist das Granen vor dem Sommernachmittagsnnternchte. Und mul die Bildnngsanstalt später nnd die Hochschule I Wie schleppend zog sich dort der Lehrstoff hin: Fidel», Klimpern, Singen hatte inan klugerweise in den öden Rannt geschoben. Am klügsten war man indes in den Räumen der alma mater. Die Lehrkanzeln blieben leer nnd erst, wenn die Kühle vom Berge strich, füllten sich die Säle. — Dem Größten also gönnte inan die frische Lust für frisches Denken die Kleinsten hielt und hält man in dumpfen Geistesschenken. Weiter! Kehren wir bei uns selbst ein! Wie behagt uns nach drei Stunden Unterricht, nach einer Stunde Mittagstisch, der zweistündige Nachmittagsunterricht in der Schwüle des Svininertages, in der von Dünsten geschwängerten Stube? — Weiter: Welche Wahrnehmung machen wir an unser» Schülern, wenn wir an den heißen Nachmittagen aus ihren Köpfen mich nur kleine Funken schlagen wolle»? Wie steht es mit dem Schreiben und Zeichnen, da der Schweiß durch alle Poren dringt? Und für all das, für das Totschlägen der Zeit, müssen die entferntwohnenden Schüler eine oder zwei Stunden in der Mittagspause warten und sich mit dem Nagen an der trockenen Brotrinde die Zeit vertreiben oder den Gefühlen nachgehen, die ein leerer Magen wachrnft. Die Betrachtungen streifen das Gebiet der Menschenliebe, deren man vergaß, als man die armen Kleinen zwang, nach einem einstündigen oder längeren Marsche drei Stunden dem Unterrichte zu folgen, dann ein oder zwei Stunden Hungerstudien zu betreiben und endlich nach aber- maligem Anketten im Wintersturm heimzmvaudern. Lenken wir die Betrachtungen auf das Gebiet des Unterrichtes, sv wirken sie nicht weniger beschämend auf eine Zeit, die sich die Zeit der Aufklärung, des freien Denkens nennt. Welchen Riß erzeugt die Mittagspause im Vorstellungsleben I Wie arg wird die Denkkraft geschwächt, da man an ihr zerrt, wenn sie ruht und ruhen soll! Wo steckt da die Psychologie, sv man das Kind ans seiner Gedankenwelt heransreißt und vor den Karren der Wissenschaft spannt? Des Morgens, da noch wenig Eindrücke den allmählich erwachenden Geist belasten, da frischer Tan ans den Nervenfäden liegt, mag der Unterricht tüchtig einsetzen und im einheitlich, allmählich abgleitenden Zuge seine Früchte sammeln; am Nachmittage aber, da die Speicher gefüllt sind, muß Ruhe sein, ausgiebige Rast. Den Vormittag dem Geiste, den Nachmittag dem Körper! — Diese scharfe Zweiteilung finden wir allenthalben: Nach der Reifeprüfung haben wir einmal „ordentlich ge-faulenzt"; dann ging es wieder. Wenn wir dann wieder einmal energisch ins Zeug gegangen waren, gönnten wir uns hinterher längere Nahe — und frische Kraft strömte durch die Sehnen. — „Du sollst den Feiertag heiligen!" d. H. du sollst einmal in der Woche ganz au Stichen und dann wieder tapfer ans Tagewerk gehen. Der weise Gesetzgeber wußte es recht wohl, daß es besser ist, einen ganzen Tag der Ruhe anzusctzen und nicht etwa zwei halbe Tage in der Woche. — Blicken wir hinüber nach Ungarn! Im Winter wird energisch ins Zeug gegangen, im Sommer schließen manche Schulen schon im Mai und beginnen erst Ende September. — Was sagt das Buch der Natur? Die Natur schläft im Winter und schafft im Friihlinge mit neuer Kraft. Überall, überall, wohin wir blicken, sehen wir das Prinzip gründlicher Arbeit und gründlicher Ruhe. Nur die Schule, Die sich so gerne mit ihrem „naturgemäß" brüstet, hat das Naturgesetz nicht zur Kenntnis genommen. — Endlich noch der Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse! Was hat man alles aufgeboten, dem Mangel an Arbeitskräften zu begegnen! Schulbefreinngcn, Verkürzung der Schulzeit, Ferien verschiedenster Art, Nun ist die Frage mit eineinmale aus der Welt geschafft: Wenn der Bauer weiß, daß der Bub' nachmittag zu Hause bleibt und ihm helfen kann, sv verzichtet er ans die Mittelchen, mit denen man ihn bisher beruhigte. Und der Unterricht, verliert er darob etwas? Vormals waren ihm '24 Stunden in der Woche eingeränmt zu 4 X (3-j 2) Stunden -(-1 X (3 - j 1) Stunde, jetzt sind ihm 6X3 Stunden zugemessen; 24 bleibt 24, nur mit dem Unterschiede, daß die erste Rechnung künstlich Aussicht, wogegen die zweite sich uns natürlich vorstellt. Dort zerfasert, hier einheitlich: Diese Kennzeichen deuten ans Form und Inhalt. Was moderne Pädagogik, zumal jene am grünen Tische, sonst schafft, muß mit Vorsicht ausgenommen werden — und ich bin auch der Errungenschaft des „ungeteilten Vormittagsunterrichtes" lange znwartend gegenübergestanden. Je mehr ich jedoch die Sache erwog, je mehr ich sie durch die Praxis ans mich wirken ließ, je eindringlicher ich die Wechselrede in unfern „Blättern" verfolgte, destvmehr ward ich davon überzeugt, daß wir diesmal dem Theoretiker Unrecht getan hätten, wenn wir seinen Plan vhneweiters beiseite gelegt haben würden. Mag sein, daß der Sinn auf dem Nürnberger Kongresse nicht gerade der Landschule zusteuerte; aber er hat dann unbeabsichtigt etwas Gutes für die Schule des Volkes gebracht und es wird daher Hans Sachsens Heimatstadt in der Geschichte der Landschule ein breites Plätzchen finden müssen. — Die Wechselrede kann in der vierten Frage nicht den gewöhnlichen Verlauf nehmen, weil fast alle Urteile nur znstimmend lauteten. Wer also zu den vorstehenden Erörterungen den vollen Born der Gründe wünscht, der greife zurück und lese all die Urteile nach, die seit Jahresfrist dahergeflvsseu kamen! Grundsätzlich kann sich der ernstdenkende Schulmann der Neuerung unmöglich verschließen; die Anwendung auf das Besondere soll Folge 30 bringen, nachdem ich die Beurteilung der Lehrer meines Jnspektiousgebietes, wo fast an allen Schulen der ungeteilte Vormittagsunterricht probeweise eiugeführt worden ist, vernommen habe. Die ttltcbstlrtdt. Zur 5. Krag«. (Soll das 3. Schuljahr zur Mittel- oder Unterstufe gerechnet werden?) 25. Urteil. Einklaßler Anton Weingartner, Emberg (Post Berg im Drautale.) (Mit Rücksicht auf die einklassige Volksschule.) Man sagt, die Unterstufe verlange zu wenig (aus Rechnen wohl gewiß nicht 1), die Mittelstufe zu viel. Daraus folgere ich, daß das dritte Schuljahr bald hier, bald dort mittun lassen will. Oder sollte dies nicht möglich sein etwa in der Sprachlehre, Rechtschreibung, im Lesen, Gedankenausdruck und Schreiben? An der einklassigen Volksschule gewiß, ich wenigstens wurde in meiner Schule von der Durchführbarkeit überzeugt. Dadurch werden die schwachen Kräfte der Schüler des dritten Schuljahres öfter angespannt, es wird ihnen aber auch nicht die notwendige Erholung versagt und sie werden so für die eigentliche Mittelstufe gestärkt. An dreiklassigen Schulen ist dies allerdings, nach den Normal-Lehrplänen für Kärnten wenigstens, nicht möglich; jedoch wäre es etwa nicht erreichbar und angezeigt, diese abzuändern und den kindlichen Geist nicht auf das Prokrustesbett zu spannen? Zur 6. Krag«. (Welche Stosfmassen [Änpitel] sollen aus dem jetzt bestehenden Lehrpläne ausgeschieden oder in demselben zugeschnitten werden?) 15. Urteil. Oberlehrer A. Rock in Wieselsdorf (Steiermark). Es ist unleugbar ein Verdienst, daß durch die „Blätter für den Abteilungsunterricht“ diese Frage aufgeworfen wurde; denn über kurz oder lang wird eine Revision der bestehenden Lehrpläne stattfinden müssen. Gewichtige Bausteine für neue Pläne zusammengetragen zu haben, wird das Verdienst dieser „Blätter“ sein. Die Verminderung des Lehrstoffes wird sich vor allem auf die Sprachlehre, das Rechnen und die Realien beziehen müssen, wenn auch schon im Schönschreiben insoweit eine Vereinfachung eintreten könnte, daß dieser Unterricht in den oberen Schuljahren (sechstes, siebentes und achtes) lediglich dem Sprachunterrichte diene. In der Sprachlehre herrscht trotz Hildebrand noch immer eitel Theorie, noch immer wandeln wir in den Bahnen Beckers, wie sie R. Jakob Wurst in seiner „Sprachlehre“ der Volksschule dienstbar machte. In dieser Weise wird der Grammatikunterricht an den Lehrerbildungsanstalten betrieben und so auch in den Volksschulen. Es muß aber anders werden, da tut freilich gründliche Säuberung not. Auszuscheiden wäre: 1.) Vom Hauptworte der Unterschied zwischen Konkreta und Abstrakta; der Unterschied zwischen Gattungs-, Stoff- und Sammelnamen und die Art der Biegung. 2.) Vom Eigenschaftsworte die Biegungsart. 3.) Vom Zeitworte dessen Einteilung und Biegungsart. Nur bei wirklich vorhandenem Bedürfnis zu üben ist: Die Abwandlung der Zeitwörter, die Vorvergangenheit, die Vorzukunft, die verbindende und bedingende Art. 4.) Die Einteilung der Für-, Zahl-, Umstandsund Bindewörter. 5.) Der Unterschied zwischen reinem und erweitertem einfachen Satze, bezw. zwischen Satzverbindung und Satzgefüge. Die Begriffe einfacher und zusammengesetzter Satz genügen vollkommen. 6.) Die verschiedenen Arten der Nebensätze. 7.) Jede systematische Analyse. Notwendig ist nach meiner Ansicht nur: I. Der einfache Satz. 1.) Der Satzgegenstand. Anschliessend: a) Das Hauptwort (Kenntnis, Geschlecht und Zahl); b) hauptwörtlich gebrauchte Redeteile; c) Fürwörter, soweit sie Satzgegenstand sind. 2.) Die Satzaussage: a) Das Hauptwort (wie oben); b) das Eigenschaftswort (Kenntnis, aussagender Gebrauch, Steigerung); c) das Zeitwort (Kenntnis, Zahl und Person — besonders zweite und dritte Person Einzahl —; die Hauptzeiten der tätigen und leidenden Form; die Mitvergangenheit; das Mittelwort; die Befehlsform; die Grundform; der richtige Gebrauch von „haben“ und „sein“). 3.) Die Ergänzung: a) die Fallbiegung des Hauptwortes ohne und mit näherer Bestimmung; b) die Fallbiegung des (persönlichen) Fürwortes; c) die Fallbiegung der Für-und Zahlwörter; d) die Rektion der gebräuchlichsten Zeit- und Eigenschaftswörter. Der Begriff „Ergänzung“, wenn er überhaupt notwendig ist, ergibt sich nun von selbst. 4.) Der Umstand: a) Kenntnis des Begriffes ohne nähere Einteilung; b) vom Gebrauch der Vorwörter; c) die Umstandswörter. Auch der Unterschied zwischen Ergänzung und Umstand könnte fallen gelassen werden; es dürfte genügen, beide als eine nähere Bestimmung des Zeit- und Eigenschaftswortes aufzufassen. 5.) Die Beifügung, d. i. die nähere Bestimmung des Hauptwortes: a) Wiederholung der Fallbiegung des Hauptwortes mit einer näheren Bestimmung; b) das Hauptwort im 2. Falle; c) das Zeitwort. Abschließend: a) die Arten der Sätze nach den Formen; b) die Wortfolge im einfachen Satze. II. Der zusammengesetzte Satz: a) Kenntnis; b) die Verbindung vollständiger Sätze; die beiordnenden Bindewörter; c) Haupt- und Nebensatz; die unterordnenden Bindewörter. Brauchbare Übungen sind: Das Erweitern der Satzglieder zu Nebensätzen, wie das Zurückführen solcher; d) die gerade und die ungerade Rede (Hier ließe sich die verbindende Redeweise anschließen); e) der verkürzte Nebensatz. Wie man sieht, ist in dieser Anlage so ziemlich alles weggelassen, was der Schüler praktisch nicht braucht. Die gewonnene Zeit komme einer besseren Erzielung von Sprachverständnis und Sprachfertigkeit zu gute. Ich bin dadurch freilich über den Rahmen der sechsten Frage hinausgekommen, aber wer zerstört, muß auch wieder aufbauen. (Fortsetzung folgt.) Zur 7. Krage. (Inwieweit kan» das Helferwesen int Abteilungsunterrichte Geltung haben?) 6. Urteil. Schulleiter H. Lanser in Asling (Tirol). Ein Freund hat mir die „Blätter für Abteilungsunterricht“ in die Taschen geschoben und da lese ich: 4. Urteil. Lehrer Luntper .. „Die Frau des Lehrers nimmt die Kleinen der ,Einklassigen‘ vormittags und nachmittags usw.“ — Gewiß, die Schule ist alles wert, aber sollen wir wirklich die liebwerte Frau auch noch vor den so schlecht bezahlten Schulkarrcn spannen? Nein und nochmals nein. Sie sei die liebwerte Lebensgefährtin, die Hausfrau, die Mutter, der Schularbeit bleibe sie aber fern. Selbst das Ideal des ganzen Lehrers und Mannes, Flemming, in „Flachsmann als Erzieher“, vertritt diese Ansicht und er findet Gisa (seine Zukünftige) deshalb so herrlich, weil sie keine Schulmeisterin ist. Flemming fordert von seiner Frau, daß sie ihn, sobald er aus der Schule kommt, schüttle und sage: Du Schulmeister, sei MenschI Denn das Höchste in der Kunst, so sagt er, erreiche man nur als Mensch. Wenn die liebwerte Frau uns die Grillen vertreibt, den Schulstaub wegbläst, den Kummer von unserer St rn verscheucht und uns ist, was ich oben sagte, dann, mein Gutester, hat die Frau die Helferdienste an der Einklassigen voll und ganz erfüllt. Auch ist die Sache doch etwas gar zu drollig, wenn die Frau in der warmen Küche die Kleinen um den Herd versammelt hat, das Feuer knattert, der Suppentopf überläuft, der Braten dampft und der Wissens- und noch mehr essensdurstige Erstling daneben liest, oder in der warmen Stube sitzt die Lehrersfrau, ein Wickelkind in der Rechten, und dort eins in der Ecke bei fröhlichem Spiel . . . und damit vereint die erste Abteilung. Nicht wahr, herrlicher Stoff für die „Fliegenden?“ Wenn auch die Bauern hiezu nichts sagen würden (übrigens!), was würde wohl der Herr Inspektor sagen? Der Einklassigen tun Helfer vorzügliche Dienste bei der Stillbeschäftigung z. B. in der ersten Abteilung bei den ersten Schreibübungen, beim Lesen und Rechnen in den letzten fünf, zehn Minuten, während der Lehrer die Arbeiten der zweiten oder dritten Abteilung durchsieht. Vorzügliche Dienste leisten die Helfer beim Schönschreiben. Der Lehrer kann nicht allen vorschreiben und das Muster wirkt entmutigend, denn so wie der g’studiertc Mann bringen sie es doch nicht zusammen, nach ihrer Meinung, hingegen wie der Mitschüler muß ich es auch fertig bringen.1 Da habe ich oft vier Helfer im Amte, das es eine Art hat. Bei Verbesserungen hilft auch ein Schüler mit. Ganz vorzüglich I Der Lehrer hat etwas vorgemacht, der jüngste Jahrgang der Abteilung versteht nicht alles sogleich, ein besserer Schüler hilft während der Mittagsstunde nach. Der Lehrer würdigt solche Arbeit, die er beim Eintritt in die Klasse sieht, setzt ein und es entsteht eine halbe Stunde Unterricht, wie sie der treffliche Mohaupt am „blauen Montage“ hält. Jedoch dies sei nur Ausnahme, nicht Regel I Doch ist die Ruhe durch das Helfersystem gefährdet, dann sofort weg damit! Daher entscheidet über die siebente Frage die Ruhe. Das Helferwesen hat sonach insoweit zur Geltung zu kommen und wird aufs vorteilhafteste angewendet werden, insoweit dadurch die Ruhe, der Gang des Gesamtunterrichtes nicht gestört wird. Also Obergerichtshof in Frage 7: die Ruhe! Briefkasten. An die Mitarbeiter des Jahrganges l'.iot: Der „Auszug" über die von »ns erörterten Fragen im ersten Jahre des Bestehens der „Blatter" liegt fertig vor, mir und dankbar gedenke ich Eurer Unterstützung. Da der „Auszug" den Stoff abrundet, als Ganzes vor Angen führt und so recht zeigt, was wir in der kurzen Frist aus dem Schatze der Erfahrungen gehoben haben, so wird er jedem Leser willkommen sein nnd ich lasse ihn Euch daher als Zeichen der Dankbarkeit und als Erinnerung an die Gründung der Zeitschrift 1 In dieser Annahme steckt ein gutes Korn. Die Schristeilung- kostenlos zukommen. Nehmt die kleine Gabe freundlich entgegen und vergeht des Kindes nicht, das Ihr auS der Taufe gehoben habt! — Aür das LehrerBelm im Süden: 1.) In Kärnten haben sich wackere Amtsgenossen zu einem Lehrerfünfgesange zusammengefunden, um durch den Vortrag von Kärntnerliedern für das „Lehrerheim im Süden" Mittel zu sammeln. Während der Ferien soll eine Konzertreise unternommen werden. Kollegen, bereitet den Boden, ruft die Treuen zu Euch und meldet es Herrn Lehrer Strnßer in Feldkirchen (Kärnten), so alles bereit ist, was de» Gelderfolg für de» hohen Zweck verbürgt! Den Erfolg fürs Herz bringen die guten Kärntner in den Kehlen mit. — 2.) Am 12. und 1.1. d. M. veranstalteten unter der Führung des Krainischc» Lehrervereines die Zöglinge der deutschen Lehrerinnenbildungsanstalt i» Laibach für das Lehrerheim eine Wohltätigkeitsvorstellung, die von einem glänzenden Erfolge begleitet war. — ,1.) Eine Kollegin in Kärnten hat es sich zum Ziel gesetzt, bei jeder Gelegenheit für das Lehrerheim ein Teilchen einzuheimsen. Beispiele ziehen an! — 4.) Wer will die beiden Schelme ans Folge 28 auf der Ansichtskarte? Zehn Stück samt Postgebühr eine- Krone. Da der Drucker der „Blätter" für die Herstellung nichts begehrt und die Firma Patzeli und Sohn in Wien das Klischee kostenlos geliefert hat, so fließt das gesamte Ergebnis dem Lehrerheil» zu. — Bros. M.: Weshalb ich nicht nach Wien gekommen bi»? Mich ärgert es immer, wen» man über alles Mögliche und noch mehr Unmögliche Reden hält, der Landschule aber, der 80°/o aller Schulen des Reiches angehören, nicht ein halbes Stündchen gönnt. Bei solch theoretischem Gebimmel tue ich nicht mit. — Sckiulkeiter B. in it.: War ein schöner Morgengrnß — die Ansichtskarte von der „Hochschule". Wenn Sie mir das Klischee verschaffen, so kommt die.Häusergruppe in das Reisebüchlein. — Lehrer A. tu 2*. Bei 25. (ff.: Ich werde Ihre Anregung beim Bunde vertreten. Wenn alle Kollegen so eifrig nachsinnen würden, wie der Lehrerhcimschatz zu stärken wäre, so ginge die Sache gewiß noch rascher. — Lehrer S. in Al. it. a.: Vorläufig können wir uns mit dem Lehrerheimfonde noch nicht in schriftstellerische Unternehmungen einlassen. Wer Fertiges bringt und dabei Gutes, erhält die Marke „Für das Lehrerheim im Süden". — S«lkt. (ff. in S.: „Ja" oder „nein" genügt nicht; das Urteil muß begründet sein. Ich erwarte daher Ihre Erklärung. — 2Iarii Sulfit: Den 82 Mitgliedern des „Lehrerklubs Atzenbrugg" herzlichen Gegengruß aus dem Süden. Ein Gedanke, ein Pulsschlag durch das ganze Reich: das ist doch erhebend! — Hök. K. in S.: Ihre Gabe soll Reisezehrung sein für die Jnspektionswander-fahrten — und was mich dann erquickt hat, soll hundert andere beglücken; dafür werde ich sorgen. — Dem (Linlikahker K. in it.: Ein herrliches Bildchen! Bin einmal im Prüfungsfrack vorübergesaust und habe zur Wallfahrtskirche einen inbrünstigen Blick hinaufgesendet; jetzt trifft das Auge Ihr freundliches Dörfchen und drin den tapfer» Genossen. — An die Brüder in Steiermark, Kärnten und itrain: Unlängst einmal hat es mich verdrossen, daß unser Volk für alles den Säckel öffnet, nur für den kranken Lehrer nicht, und ick, habe daher in dem „Grazer Tagblatte" einen Weckruf erscheinen lassen. Aber von selber kommen die Leute eben nicht, selbst wenn man sic von der besten Seite packt; da heißt es rütteln und schütteln allerorts und allezeit. Das „Grgzer Tagblatt" war so freundlich, nicht nur den Aufruf zu bringen, sondern für das „Lehrerheim im Süden" auch einen Sainmelkasten zu öffnen. Nim ist es Sache der Lehrer, bei jedwedem Anlässe und zivar sogleich die Bekannten an die Tagespresse zu erinnern. Wenn ich einen guten Freund treffe, so nehme ich ihn bei der Hand und sage: „Mein Lieber, Sie haben schon für allerlei etwas gespendet; opfern Sie nun einmal auch für unser« kranken Kollegen ein paar Kronen!" Die Formel wirkt, ich empfange das Geld, sende es sofort mittelst Scheck an die Verwaltung des „Grazer Tagblattes", in acht Tagen bringt die Liste den Spender, anregend andere, und die Sache geht ins Volk. — Ich lege den „Ausruf" bei. Wicht säumen, meine Lieben; ivir kommen sonst nicht vom Flecke! --- 2tadj Aaivliosen a. i». %: Ein Gruß von Getreuen, gewürzt mit der Kunde, daß dem Lehrerheim t>00 Kronen zugeführt wurden, ist köstliche Labe und ich danke allen Mitunterzeichneten von ganzem Herzen. — inlpelitor Aloro in Bi Nack: Ich muß eines Deiner Scherzgedichte einschalten, damit die Lehrer im Norden, die den Inspektor so oft als Griesgram hinstellen, sehen, daß es in Kärnten unter den g'müatlich'n Leutl'n auch gemütliche Inspektoren gibt: Mandl oder Weibl? A jede Kirch’n hat an Kirchturm a, In Peraii drunt’n Aber sein gAr zwa! „Wia waß ans Aber,“ frAgt die TrAtschn-Nandl, „Der welche ’s Weibl is, der welche ’s Mandl?“ „DAs kennt man,“ sAgt der Mesner Sturm, „Qlei am KArfreiti g’wiß: ’s Weible is dersege Turm, Wo hält die Ratsch’n is.“ Kren; und quer von Schule ;n Schule. 4. Unter den Zinnen des Mangans. (Fortsetzung.) War das ein Ökonom, gelt? Wie er im Schrein das Seine znsaininenznhaltcn verstand und draußen tut wohlgepflegten Schulgarten jedes Fleckcheit auszunützen wußte, sp war er mich sparsam in der Schnlstnbe mit dein Wvrtc und mit der Zeit. Das Wvrt „Erziehung" sei von höchster Bedeutung für die Schule! Wie oft habe ich den Satz gehört, als ich noch vor dein „Herrn Professur" saß! Damals war mir die Mahnung leerer Schall und blieb leerer Schall noch lange, sehr lange. Wohl Hab' ich viel in den Schriften der Großen unseres Amtes über Erziehung gelesen, viel über die Zcrklitterung und Grundlegung des Begriffes studiert, aber so recht überzeugt bis zum Grunde war ich erst an dem Tage, da ich den Mann, der mir persönlich schon seit geraumer Zeit naheftand, im Unterrichte und in seinem Heim beobachtete. Wenn er sonst einmal im Kreise der Genossen saß, war er karg mit dem Worte, doch immer treffend zur Stelle, da er es einmal in die Rede warf. Sein Lied war „präeis", ansgedacht und vollkommen in allen Teilen. Nun sah ich sein Hauswesen, sein Arbeitsfeld im Freien und seinen Geistesacker. Überall derselbe Zug: Gründlichkeit und Sparsin». Das Beispiel lehrte mehr als Bücher; ein und dieselbe Eigenschaft übertragt sich, so sie einmal in ein Gebiet fest eingewurzelt ist, ans alle Gebiete. Wer sich in der Schule Gründlichkeit angeeignet hat, wird gründlich bei jedweder Arbeit sein; wer im Elternhanse sparen gelernt hat, wird sparen mit Ort, Zeit und Geld seiner Lebtag. Darin steckt also der Kern der Erziehung: Wir sollen mit eiserner Beharrlichkeit im Schüler Saiten spannen, fest, sicher, Saiten bester Art, damit ihr Ton auf allen Instrumenten der Seele den verwandten Ton wecke. Ach, es sind ja der Eigenschaften nicht mehr denn ein Dutzend, die der Schule zur Sicherung zufallen, um eine gute Harmonie im Menschen zu bilden! Man kann sie mit Gründlichkeit in das Wesen des kleinen Weltbürgers einprägen, auf daß sie unverwischbar werden und im späteren Leben durch Überstrahlung die Handlungen in allen Lagen und Gebieten beeinflussen. Das erste Unterrichtsteilchen weckte also eine lange Kette von Gedanken, die sich durch Pandekten und Prüfungsgerümpel zog, aber es ivarf auch ein neues Ergebnis dem Abteilnngs-unterrichte in den Schoß: Gleichzeitiges Rechnen mit allen Abteilungen ohne Hinopferung des besonder» Lehrzieles I Jetzt schlug hier ein Funken ein, jetzt dort; immer zündete er. Während es ans der einen Seite auflvderte, glomm es auf der ändern; kurz, das Feuer ging nicht aus. Und das ist eben die große Kunst. Durchwegs werden sich indes im Rechnen die einzelnen Abteilungen niemals vereinen lassen und selbst zeitweise nur durch die Hand des Meisters. Dag gleichzeitige mündliche Rechnen zerlief in der zweiten Halbstunde in ein schriftliches u. zw. für die erste Abteilung als stille Aufgabe (Bervielfachen mit reinen Zahlen), für die zweite Abteilung als Altersberechnung. — Rechnen hier und Rechnung dort wirkt zwar störend, denn gesprochene Zahlen sind böse Geister, die die schlummernden Genossen erwürgen; aber da es sich in der ober» Abteilung in Gespräche hüllte und die störenden Gesellen nur zwischendurch zu Worte kommen ließ, so konnte es wenig Schaden anrichten. — Die Altersberechnung fuhr noch in alten Geleisen: Wann bist du geboren? Wieviel Jahre, Monate und Tage waren seit Christi Geburt bis damals verflossen? Wieviel Jahre, Monate und Tage sind bis heute verflossen? Subtraktion! Die beiden Schienenwege führten endlich zusammen und lieferten das Alter des Schülers. Die neuere Methode hat die verrosteten Eisenstraßen verlassen und fährt auf einer einzigen Fährte von der Anfangsstativn bis zum Ziele. Jene ist der Geburtstag des Schülers, dieses der heutige Tag. Wenn also die Welt am 5. Jänner 1893 das Glück hatte, den Bürger N. zu begrüßen, so waren am 5. Jänner 1903 zehn und am 5. Jänner 1900 dreizehn Jahre seitdem vergangen; vom 5. Jänner bis 5. Mai sind wir wieder um vier Monate nachgerückt und bis 15. noch um zehn Tage (oder haarscharf — neun): Demnach ist der Schüler N. heute dreizehn Jahre vier Monate und zehn (beziv. neun Tage) alt. Also auf dem Wege des Ergänzens erreichen wir das Ziel ohne Operation nnd Rückleitung. Führt inan die Berechnung an einer Linie durch, die nach links (Vergangenheit) und nach rechts (Zukunft) ins Unendliche verläuft (Zeitlinie), sv daß die Geburt mit einem Sternlein angcdeutet wird, während den heutigen Tag ein senkrechtes Strichlein fcsthält, sv ist für die Berechnung eine klare Anschauung geboten und das Kapitel „Altersberechnungen" gar bald abgetan. Die zweite Stunde galt dem „Fräulein" an der Schule unter den Zinnen des Mangarts. Das arme Schivesterlein erblaßte, als wir eintraten, und doch sahen wir sv freundlich drein, freundlich war ja der Tag, freundlich unser Aintsbrnder, den wir gerade verlassen, freundlich die Kinderschar, — warum' sollten wir da ein griesgrämig' Gesicht aufgesetzt habe»! Sv wirkte denn durch Influenz unser Frohsinn und alsbald ergriff die Königin mit Mut die Zügel der Regierung. In der Klasse waren der Völker drei versammelt: 1. Schuljahr = 1. Abteilung, 2. -s- 8. Schuljahr 2. Abteilung. Die Kleinen knusperten an dein großen Z herum; es wollte nicht recht durch die Feder. Die Schlinge, die Schlingel Bald rückte sie dein langen Gesellen an den Hals, bald siel sie unter die Linie. Die Mitte treffen und dabei in die Form das rechte Ebenmaß bringen, das ist keine leichte Sache. Wann wird man endlich ein« sehen lerne», daß dem kleinen Knirps der Elementarklasse der Fvrinensinn für die Großbuchstaben abgeht und die Biegsamkeit der Muskeln, um das umständliche Gewinde ans die Papierfläche zu zaubern. Da liegt der Wurm, der an der Schrift der neuen Schule frißt: Man geht zit früh, zu rasch in die Massen und bessert mib schilt in den oberen Klassen. — Die zweite Abteilung graste auf trockener Heide, in der abstrakten Sprachlehre. Welch saure Mienen bei der magern Kost! Nun Hab’ ich’s doch immer und überall gefunden, daß gerade das zarte Geschlecht gegen die Kleinen sv unzart ist und ihnen Brocken vorsetzt, an denen sie sich die Milchzähne ausbeißc». — Zum Glück schloß das Fräulein bald die Betrachtung über Endungen und Wendungen u. zw. mit einer Frage, die mir gut gefiel: Was habt ihr heute Neues gelernt? Wird die Antwort in der Schule nicht geschaffen, sv lautet sic zu Hause „Nichts!", denn der kleine Schelm kann das Nene vom Alten nicht ohne weiters trennen und dies umsoweniger, als wir es ja unvermerkt einführen wollen und darauf unsere ganze Kunst verwenden. Die Uhr schlug zehn; alsbald war der Schwarm ausgeflogen. Jetzt ergab sich Gelegenheit, die Einrichtung des Schnlhaiises näher ins Auge zu fassen. — Bänke mit verschiebbarem Deckel! Wollte der Schüler die Feder eintanchcn, so mußte er den Deckel vvrziehen und sich gerade anfrichten; ohne Minusdistanz keine Tinte, ohne Tinte kein Schreiben! Einrichtungen dieser Art helfen mehr als Schelten und Drohungen. — Stand der Schüler auf, klapps! war der Deckel schon wieder über dem Tintenfaß. — Thnins Zifferblatt an der Wand! Der Landlehrer kann das Lehrmitel gut brauchen. Oft mangelt es an der Stillbcschäftignng; das Zifferblatt schafft sie rasch zur Stelle. - • Der Oberlehrer führt uns in das Lehrmittel« ziininer. Keine große Schaustellung, aber alles ist säuberlich gehalten und sinnig geordnet. In der Bücherei sehe ich eine Reihe kleiner Heftchen; ich ziehe eines heraus: Die Chronik der Schule. Man hat vor kurzem das svundsvvieljährige Bestehen gefeiert; dieser Anlaß wurde vom Leiter dazu benützt, die Geschichte der Schule in ein Heftchen zu fassen. Wenn man allerorts den Anlaß merkte und fleißig sammelte, fleißig verwahrte, wie viel mehr Interesse flackerte da im Volke auf! — Wie mag das Heim des Amtsbrnders ausschen? Gewiß werden sich all seine Eigenschaften auch in demselben wiederspiegelnI Im Kämmerlein stehen Glas und Gläslein voll von süßem Hvnigsaft. Richtig, richtig, man hat uns ja den Oberlehrer unter den Zinnen des Maugarts als Imker geschildert! Was die emsigen Tierchen ihrem Herrn heimbringen und in ihrem schönen Palaste sorglich zubereiten, wandert hinaus in die Welt und schafft Segen und Wohlstand im Hause. Und wieder schallt der Becherklang: Der Sommer hat einige Amtsgenossen ans die Höh' gelockt. Einer von ihnen spendet eine Flasche Eigenbau; die Großmut wird mit edler Rede belohnt. Rasch folgt der logische Schluß: Wo eine war. werden noch mehrere zu finden sein. Die Logik hat Erfolg; der Freund aus dein Weinlande ächzt unter der Last und Klingen und Singen erfüllt die Luft, indes aus dem grünen Gehölz der grämliche Mangart auf ein frohes Schulmeistervölklein herabblickt. Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf E. Pcerz. — Druck von Jofes Pavltöek in Gottschee.