Feber. Neunter Jahrgang. 1912. Folge 98. (Seite 1977 bis 2008.) Blätter für den Abteilungsunterricht. tllonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. (Schriftleiter: Rud. E. Peerz.) o o o o o o Inhalt: Seite 1. Antrag, betreffend eine Konferenz zur Förderung des österr. Landschulwesens..........................1977 2. Lose Gedanken.........................................1980 3. Lesefrüchte .........................................1980 4. Für den Februar ......................................1980 5. Die Sprechlehre im Abteilungsunterrichte . . . 1981 6. Sprachunrichtigkeiten der Schulsprache . . . 1982 7. Schulhumor ...........................................1982 8. Die Selbstregierung der Schüler — die beste Hilfe bei der ethischen Erziehung.....................1983 9. Schul- und Lebensfragen des jungen Lehrers . 1986 10. Die innere Anschauung beim Rechnen .... 1987 11. Pädagogische Quellen.................................1988 12. Zur Abwehr ........................................1989 13. Von der Hohen Schule . ..........................1992 14. Die kurze Methode .................................1994 15. Die Wechselrede....................................1995 16. Zur neuen (27.) Frage .............................1996 17. Der kranke Lehrer und das kranke Kind . . . 1997 18. Eingabenverzeichnis für Schulleitungen u. Lehrer zum Amtsgebrauche....................................1999 19. Lesefrüchte ........................................ 2000 20. Briefkasten ........................................ 2001 21. Kleine Mitteilungen............................ . . 2002 22. Durch Sachsen und Thüringen von Schule zu Schule.................................................. 2004 23. Blätter für landw. Fortbildungsschulen .... 2006 Verlag der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavlicek in Qottschee. Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). . Schulbank - Spezialgeschäft. Stefan Walter Gluden), Vorarlberg. Einzige vom Ministerium empfoh-lene Schulbank. Woststandiger Ersah der teuren Ztettig-schiene. — Kataloge gratis, ct.-b Umkipp- und Rollenkuppelung. Es ist und bleibt wahr, daß jeder Kollege, der die Stundenbilder von Sterlike und Pischel benützt, sehr zufrieden ist. Der Zeichenunterricht macht den Kindern und ihm Freude. Hochamtl. empfohlen. Zu beziehen: Fachlehrer Sterlike, Schluckenau, Böhmen. I. Teil (3., 4., 5. Schulj.) K 3 20. II. Teil (6., 7., 8. Schulj.) K 6. Voreinsendung franko, Nachn. 45 h mehr. Im selben Verlage: Preistabellen für Rechnen nach Fachlehrer Sterlike. 1 Exemplar = 3 Tafeln K P50. Voreinsendung! Hoher Extra-Vorzugsrabatt für Lehrer! Pl9n(lfi Trautwein, wien,vji. H Mariahilferstraße Nr. 58 B. 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Einen günstigeren Leitfaden zur wirklich modernen und behaglichen Ausschmückung unseres Heims kann man sich gar nicht wünschen. Die Tatsache muß also freudig begrüßt werden, daß sich Herr Hof- und Kammerlieferant S. Schein in Wien bereit erklärt hat, sein Album auf Bestellung mittelst Postkarte allen unseren Lesern auf Wunsch kostenlos und franko zuzusenden. V. 385.) „Meteor“ und „Chondrit“-Radiergummi der Firma Josef Simon in Wördern, Post St. Andrae vor dem Hagentale, Niederösterreich, empfehlen wir unseren p. t. Lesern wegen der guten Eigenschaften und Vorzüge alljährlich zur Anschaffung — Besonders heben wir die vorzügliche Eignung des Chondritgummi für rein zeichnerische Zwecke hervor, da dessen Zartheit ein überraschend leichtes Radieren ermöglicht. V. 386.) Franz Schüller’s Tintenextrakte. Die p. t. Schulleitungen werden liöfl. aufmerksam gemacht, daß die flüssigen Tintenextrakte der Firma F. Schüller in Amstetten auch im Winter zu beziehen sind, da dieselben durch frostsichere Verpackung vollkommen geschützt sind. V. Empfiehl sich von selbst! Eine Probe genügt! Universal Gallus-Tintenpulver. Zur sofortigen Erzeugung einer vorzügl. schimmelfreien, nicht stockenden, tiefschwarzen oder farbigen Schreib- oder Kopier-Tinte. Spezialität: Schul-Tinte. In Dosen per 1 kg 4 K zur Herstell, von 20—25 I. Preisblatt über sämtliche Präparate zur Herstellung von tiefschwarzer oder farbiger Schreib- oder Kopiertinte sowie Anthrazentinte, Alizarintinte, Karmintinte oder anderfarbiger Tinte, sowie Zeugnisabschriften von P. T. Schulleitungen, Behörden etc. gratis und franko. K öpp'schc Tintenpräparate-Erzeugung W. LAMPEL, Bö hm.-Lei pa. früher (Jicin). Einige Zeugnisse zur Probe: Unter den verschiedenen Tintenpulvern und Teigen habe ich Ihr Tintenpulvcr als das Beste erkannt und werde Ihr Produkt, wie schon in früheren Jahren, verwenden. G. N., Oberlehrer. Ihr Tintenpulver verdient unstreitig den Vorzug vor allen ähnlichen Präparaten. A. J. F., Oberlehrer. Ich verwende seit 14 Jahren Ihr Tintenpulver und bin stets zufrieden Schulleitung M. Auf obiges Inserat machen wir unsere Leser besonders aufmerksam. Die.Verwaltung der „Blätter“. Inländische Erzeugnisse. „Meteor“- u. „Chon-drit“-Radiergummi (gesetzlich geschützt) von der Firma Josef Franz Simon Guminiwaren-ManufaKtiir Mördern, Zkost St. Andrae vor dem Kagentale, Mederösterreich. wurden von Fachautoritäten (Österreichs - Ungarns Deutschlands und der Schweiz als die besten Radiergummis anerkannt. v „Meteor" radiert leicht und schnell, ohne das Papier merklich anzugreisen oder zu beschmutzen: Blei, Tinte, Tusche, Farben, Druck rc. rc „Hhondrit" ist besonders für rein zeichnerische Zwecke geeignet bei Kreide, Blei und Kohle. Seine Zartheit ermöglicht besonders leichtes Radieren. Muster auf verlangen gratis und franko. 387.) Erster allgemeiner Beamtenverein der österr.-ungar. Monarchie in Wien. Vergleichen wir die Versicherungsbedingungen mit jenen anderer Anstallen, so ersehen wir folgendes: Das Respiro für die Prämienzahlungen beim Beamten-Vereine drei Monate, bei anderen Anstalten ein Monat und weniger. Die Prämienzahlung erfolgt beim Beamten-Vereine terminlich, ohne Haftung für die volle Jahresprämie bei Eintritt des versicherten Ereignisses; bei anderen Anstalten besteht diese Haftung. Reaktivierungen verfallener Polizzen können beim Beamten-Vereine innerhalb eines Jahres nach Erlöschen der Gültigkeit der Polizzen erfolgen; bei anderen Anstalten beträgt diese Frist nur 6 Monate. Der Rückkaufswert einer Ablebens- oder gemischten Versicherung beträgt beim Beamten-Vereine 90 °/o der Prämienreserve; bei anderen Anstalten 75% und weniger. Der Beamten-Verein akzeptiert auch minderwertige Leben gegen Entrichtung der Prämie einer höheren Gefahrenklasse; bei anderen Anstalten besteht diese Einrichtung nicht. Ein Lehrer, Beamter, Arzt, Professor usw., welcher beim Beamten-Vereine eine Versicherung abschließt, ist nicht nur Versicherter, sondern auch noch Vereinsmitglied und genießt als solches alle statutarischen Rechte. Hiezu gehört auch das Recht, nach Maßgabe der vorhandenen Mittel in den Wohlfahrtseinrichtungen des Vereines (Unterrichts- und Kurstipendien, Lehrmittelbeiträge, Unterstützungen usw.) beteilt zu werden. Die Lehrer partizipieren hieran mit einem bedeutenden Betrage, und zwar mit 50%, obschon sie nach der Mitgliederanzahl nur mit ungefähr 20 % beteilt werden sollten. Eine gleiche oder ähnliche Wohlfahrtseinrichtung besteht bei keiner anderen Anstalt. — Die Lehrerschaft handelt im eigenen Interesse wenn sie korporativ an den Einrichtungen des Beamten-Vereines teilnimmt. Denn an dem Beamten-Vereine hat die Lehrerschaft eine Anstalt, welche nicht nur mit den Lehrern Geschäfte zu machen geneigt ist, sondern zur Genüge bewiesen hat, daß sie in der Verbesserung des Loses der Lehrerschaft eine ihrer Hauptaufgaben erblickt. V. Watgcver. 35.) Als Antwort auf die 34. Frage teilt Herr Lehrer Julius Haberl mit, daß für die Volksschule in Siuabelkirchen bei Gleisdorf in Steiermark ein prov. Lehrer gesucht wird. Der Einreichungstermin war zwar am 20. Jänner vorüber; allein es ist möglich, daß sich niemand gemeldet hat. Also bei dem genannten Herrn Kollegen mit einer Karte anfragenl — Bei dieser Gelegenheit ersuche ich die Herren Bezirksschulinspektoren und Lehrcrvertreter im B. Sch. R., Stellen, sür die noch nicht ein bestimmter Bewerber in Aussicht genommen ist, rech tzei t ig namhaft zu machen. Ein summarisches Verzeichnis nützt wenig; zumeist ist der Posten schon sür ein Her- Verlag von Aug. R. Hitschfeld, Sternberg (Mähren). -Lehrstoff-Verteilung (mit Stundenplan) für die erste Klaffe einer zweiklasstgen oder für die Unterstufe einer einFlassigen geteilten Volksschule mit drei Schuljahren, von denen das erste Schuljahr die erste Abteilung, das zweite und dritte Schuljahr die zweite Abteilung bilden. Die Lehrstoff-Verteilung für das erste Schuljahr kann überhaupt von jeder Schulkategorie als Klassenbuch (Wochenbuch) benützt werden. Die Lehrstoff-Verteilung bezieht sich auf die von den hohen F. F. Landesschulräten für die ersten drei Schuljahre durch die Normallehrpläne vorgeschriebenen Unterrichtsgegenstände : Deutsche Unterrichtssprache, Uechnen, Schreiben, Zeichnen, Gesang, Turnen und weibliche Handarbeiten, vom Oberlehrer 3oh. <£. Hruby, preis broschiert K 1, geb. K ('20, porto (0 h. Das vierte Schuljahr. (Ein Wochenbuch; Stoffverteilungen und meth. Anleitungen. 208 S. Preis brosch. 3 K, geb. 3 60, von Kottrab (Eidam. Kinaus ins Ireie. Zweite Folge des Veilchenstrauß. 100 ausgewählte DcFlamationen für Schulfeste und Schülerausflüge, nebst einem Anhang von Gedichten für Weihnachten und Neujahr, patr. Feste, den Schulschluß und den damit verbundenen FestlichFeiten, gesammelt und geordnet von )oh. wotke. 2(2 5. preis brosch. K ( 60, geb. K 2. Ausführl. prospeFte, evenk. Ansichtssendungen stehen zu Diensten. PT Praktisch "WWW sind Siegels Schuldrucksorten zum Ausfüllen durch die Schüler, wie Briefumschlag und Briefpapier, Postkarte, Postanweisung und Begleitadresse, Rechnung, Erlagschein usw. Die Sammlung A für ein- bis dreiklassige Schulen kostet 16 (12) h, Sammlung B für vier- bis sechs-klassige Schulen 24 (18) h. Ab 30 Stück gilt der eingeklammerte Preis, dazu die Versandkosten. — Die „Blätter“ schreiben darüber im Oktober 1908: „Das nenne ich ein praktisches Lehrmittel 1 Kein vernünftiger Lehrer wird es heute entbehren können ... Die „Bl." stehen im Dienste des bodenständigen Wirklichkeitsunterrichtes und müssen daher mit allem Nachdruck auf dieses Lehrmittel verweisen“. Eingeführt bereits in mehr als 2500 Schulen. Proben sendet umsonst die Verwaltung von Siegels Schuldrucksorten, Reichenberg i. B. 1912 (Zievcr). V ä f t Q ^ (9. Iayr.) Jolge 98. für den jibteilungsuntemcbt Monatschrift zur Förderung des Landschulwesens. VezugSgebtthr S K (v Mark, Schriftleiter: »eichästlicheS ausschließlich 7 Frk., jährlich Elnzelnuw- " an die „Verwaltung der mer 60 h (60 Pf, 70 ct). tttthnlf ÖF tlreri Blätter für den AbreilungS. Postspark. Nr. 68.218. IVUUlllf JUKI}. unterricht In Laibach". Manuskripte und Bücher an die Cchristleitung der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach (Krain). „Die öffentlichen Bildungsanstalten für Lehrer und Lehrerinnen haben sich in steter Verbindung mit dem Volksschulwesen und dessen Entwicklung zu erhalten. Die Landes- und Bezirksschulbehörden sowie die Landesund Bezirksschulinspektoren haben diese Verbindung auf allen geeigneten Wegen zu vermitteln und zu fördern.“ § 10 des Org.-Salutes für L. B. A. Antrag, betreffend eine Konferenz zur Jördernng des Zlnterrichtes an Schulen mit Abteilungen. Uber die Wichtigkeit einer Regelung des indirekten Unterrichtes dürfte gerade zurzeit kein ernster Schulmann mehr im Zweifel fein, da ja die „Arbeitsschule" damit in unmittelbarem Zusammenhänge steht und darum auch die sogenannte hochorganisierte Schule dem Gegenstände Beachtung schenken muß. (Es fragt sich nur, wie die Sache angepackt und durch-gcführt werden soll, damit sie nicht dem Schicksale der neuesten Reformen verfalle, d. H. als überstürzte Neuerung zu einem Fiasko führe und dadurch in Mißkredit gerate. Man wird sich demnach, sofern man darangcht, dem allgemeinen Bedürfnisse Rechnung zu tragen und die in das Ehaos von (Erfahrungen grob eingczeichneten Linien fein und dabei sicher auszuziehen, bezw. zu einem klar gegliederten Systeme zu verbinden, zunächst die mißglückten Versuche auf ändern Gebieten zunutze machen müssen, warum brauchte es beispielsweise solange, bis der Zcichcnrummel zu einem festen Ergebnisse gelangte? weil sich Männer darcininischten, die zwar als Künstler mit Recht geschätzt wurden, von der Methodik des Volksschulunterrichtes jedoch wenig verstanden oder zum mindesten nicht die Gabe besaßen, sich in die bestehenden Verhältnisse zu finden. Dabei sollte alles im Handumdrehen, mit Schnellzugsgeschwindigkeit in die große Blasse gebracht werden. Der Effekt war eine heillose Verwirrung und nur der besonnenen Haltung unserer Schulbehörden ist es zu danken, daß sich schließlich ein greifbarer Gedanke ergab, der in fruchtbringende Arbeit umgesetzt werden konnte. — Ein zweites Excmpel liefert der Sprachunterricht, Hier wirkte das Schlagwort: „Freier Aufsatz!" Das wurde zur Losung; jeder, der das Zeug in sich fühlte, ließ zügellose Freiheit walten. Dabei erstickte er in Korrekturen und trotz aller Blühe gab es wenig reellen Gehalt. Das Fieber ist noch nicht vorüber, wer weiß, welche Krankheit sich ergeben wird I — Die Biologie im Naturgeschichtsunterrichte, der entwickelnde Unterricht in der Erdkunde und Geschichte, das moderne Rechnen: sie alle verschlangen den positiven Erfolg, sobald ihnen die vernünftige Gestaltung mangelte. — Fassen wir zusammen, so muß als gemeinsame Ursache des Defizits in erster Linie das allzuhastige Vorrücken der Reform festgestellt werden. Diesem Grundfehler müssen wir, so wir daran sind, dein Unterrichte an Landschulen eine sichere Basis zu bieten, aus dem Wege gehen. Lines ist in der Frage nun allerdings bereits gesichert: ein ausreichendes Lrfahnmgs-material. Seit Jahren sammelten die „Blätter für den Abteilungsunterricht" aus allen Teilen des Reiches die Ergebnisse der Praxis, läuterten sie durch eine rege Wechselrede und gewannen solcherart wertvolle Substrate, die nunmehr ohneweiters übernommen werden können. All das bedeutet indes bloß eine Borarbeit; zu einer allgemein gangbaren Formulierung kann man erst durch die mündliche Aussprache gelangen. Line solche wäre von allen Faktoren, die im Schulleben stehen, zu beschicken. Weil jedoch dieses Arrangement auf äußere Schwierigkeiten stößt, so muß ein Nodus gefunden werden, der radial einerseits auf die Lehrerschaft einwirkt, anderseits jene beeinflußt, die in den Anstalten für den Lehrberuf geschult werden. Nit ändern Worten: Ls wird eine länderweise Konferenz, an der sich die Schulinspektoren, Lehrerbildner und einzelne Vertreter der Lehrerschaft beteiligen, zur Klärung einzuleiten sein. Dieselbe hat sich in einen theoretischen und in einen praktischen Teil zu gliedern. Durch geeignete Vorträge über die Sonderheiten des Unterrichtes mit Abteilungen (Gruppierung der Schüler, direkter und indirekter Unterricht, Helferwese», Verbinden und Trennen der Abteilungen, die Stillbeschäftigung, u. v. a.) wird eine Wechselnde eingeleitet und zu einer endgültigen Festlegung geführt. Diese Vorarbeit beansprucht etwa drei Halbtage. Natürlich müßten vorher geeignete Thesen versendet werden, so daß jeder Teilnehmer gerüstet zur Beratung kommt und die Erörterung in einem festen Geleise verläuft. Beratungen mit allzuweiter, unbestimmter Spannung führen zu einem Gewirr von Reden und Anträgen. Fragt man zum Schlüsse nach dem brauchbaren Ergebnis, so ist cs zumeist recht gering. Auch ein Fehler, um den wir einen Bogen machen. — Die zweite Stufe stellt das Überführen der gewonnenen Ideen in die kombinierten Klaffen der Übungsschule dar. Wollte man sogleich den kunstvollen Apparat der ausgesprochenen Landschule mit all ihren Nebenumständen ins Auge fassen, so fände der Blick aus der Vielheit von Erscheinungen nicht das grundlegende Prinzip. Darum folgt der Theorie das Nodell: die ad hoc gebildete Klaffe a) mit zwei Abteilungen, b) mit drei Abteilungen. Zwei Halb* tage zu je zwei Stunden Unterricht reichen aus; die übrige Zeit wird der Besprechung des Wahrgenommenen gewidmet werden. Damit erhebt sich das Ergebnis um eine Stufe: um die der „angedeuteten" Praxis. — Die dritte Phase führt zum natürlichen Typus der Drei-, der Zwei- und der Einklaffigen. Für die ersteren Kategorien zwei halbtags, für die ungeteilte Einklafsige einen Halbtag. Nit diesem Ausmaße erscheint die Konferenz in vollkommenster Weise durchgeführt, ausgehend von der rein sachlichen Erörterung, übergreifend auf das einfache Experiment, angewandt im Leben, in der nackten Wirklichkeit. Selbstverständlich käme es in letzterem Falle weniger auf ein Vorführen von Paradepferdchen als vielmehr auf ein durchaus natü rliches Auf zeigen der Technik des Betriebes mit Abteilungen an. Aus diesem Grunde müßte das Vorbereitende Komitee, das seinen Sitz an der zentral gelegenen Lehrerbildungsanstalt des Landes hätte, sich mit den Leitern der Umgebungsschulcn ins Einvernehmen setzen, auf daß die Beratung in allen Teilen bis ins einzelne vorbereitet und einheitlich geregelt werde. Es müßte sozusagen vom Komitee eine Informationsreise durch alle drei Stadien unternommen werden; denn da bei allem Entgegenkommen der Anterrichtsbehörde die zur Verfügung gestellten Nittel nicht allzu reichlich sein würden, wäre cs geboten, die Konferenz auf einen kleinen Zeitraum zu beschränken. Der obige Plan beansprucht int ganzen acht Halbtage, also vier Tage. — So nutzbringend diese Zeit nach dem Vorstehenden ausgenützt erscheint, so erschöpft sie dennoch nicht den zu erhoffenden Gewinn; es bliebe nämlich bei allem noch Nutze zur 1979 Besichtigung von Lehrmittelsammlungen, zun: Besuche des Theaters oder eines Konzertes, zur Einsichtnahme in den Betrieb der Lehrerbildungsanstalt und endlich zur Erörterung von aktuellen methodischen Fragen, die sonst ihren Weg in die entlegensten Täler erst nach langem finden oder vielfach entstellt, mißdeutet, in schlechter Pose ankommen. Manches Buch könnte besehen und behufs Anschaffung vermerkt werden. Auf der Wanderfahrt zu den Schultypen griffen der naturkundliche Unterricht und vor allem die Heimatkunde ein. Wieviel fruchtbare Ideen, die zu Papier gebracht, trocken aussehen, zögen nach den vier Tagen gemeinsamer Beratung ins Landl Sie könnten mit einemmale in hundert und hundert Gärtlein eingepflanzt und rasch zur Entwicklung gebracht werden. — Verhehlen wir uns eines nicht: Jeder Bezirk hat seine Methode, jeder Bezirk sein Kolorit« Ist das gut, ist es natürlich? Soll nicht, da die Schulverwaltung eines Landes einheitlich ist, auch die Arbeit, über die sie wacht, im ganzen und großen denselben Zug verraten, ohne deswegen des bodenständigen Spezifikums entraten zu müssen? Können Erlässe, Anordnungen, isolierte Bezirkskonferenzen, Zeitungsaussätze hierin durchwegs richtunggebend wirken? Wohl vereinigt die Bezirksschulinfpektoren seit 3 Jahren ein Bund; allein er kann, solange die Stellung der Herren vage ist, sich nicht den methodischen Belangen zuwenden, nimmt ihn doch begreiflicherweise das Streben nach endlicher Regelung der Standesfrage voll in Anspruch. Verweist man auf den Landesschulinspektor als den pädagogischen Pol des Landes, so mag das in der Form zutreffen, in Wirklichkeit bedeutet es jedoch wenig, denn der Inspektor höherer Potenz kann mit den Bezirksschulinfpektoren, so es seine vielfach in Anspruch genommene Zeit erlaubt, nur von Fall zu Fall in Eile gemeinsame Linien entwerfen. Somit heilt jeder nach seinem Rezept. Es mag ja manches Gute enthalten; aber eben deshalb sollte es zum Gauzen geschlagen werden, damit es auch nach ändern Seiten wirke. Die reiche Erfahrung der AezirfrsfchuNnfpektoren und der tüchtigsten Lehrer muh herein an die Anstatt, die den Nachwuchs bildet, und die Urform hinaus aufs Land, nachdem ste an der Musterfchnle erprobt und durchleuchtet worden ist. Dieses Zusammenwirken ist ein Gebot, das auch daun feine Erfüllung heischt, wenn es sich nicht gerade um einen besonderen Fall handelt. Lehrerbildner, Inspektoren und Lehrer müßten zum mindesten einmal im Jahre an demselben Tische sitzen und methodische Einheitlichkeit schaffen/ ohne natürlich die Befugnis der Bezirks-schuliuspektoren oder die -er Bezirkslehrerkonferenzen zu schmälern. — Die Zerfahrenheit in Unterrichtssachen ist eine überaus beklagenswert e Erscheinung unserer Tage. Jeder Inspektorcnwechsel bedeutet ein Umsatteln des Verfahrens, jede Versetzung in einen ändern Bezirk einen Sturz in neue Verhältnisse. Wie sieht es nun gar im Kopfe des neugebackenen pädagogikers aus, so er von der Bildungsanstalt ins Leben schreitet und völlig andere Methoden und Ansichten vorfindet, als sie ihm bisher eingeimpft wurden? Der Arme beginnt zu zweifeln, zu verzagen. Die Folge ist ein regelloses Tasten und Forschen, der Effekt null. Diese Umstände drängen zu einer Aussprache der maßgebenden Faktoren. Man hält heute Enqueten über dies und jenes, oft über ganz Unbedeutendes, und vergißt dabei ganz der Hauptsache, der Regelung des Verfahrens an jenen Schulen, die stO°/o aller Schulen des Reiches ausmachen. Soll es nüt dem Wirrwarr nicht weitergehen, soll all den Hindernissen, mit denen die Landschule zu rechnen hat, eine ausgereifte, bis ins kleinste durchgearbeitete, einheitliche Methode entgegengestellt werden, soll alles, was die Zeit an Neuerungen bringt, als ein, hohe Zinsen tragendes Kapital angelegt fei», so muß jedes Kronkand fein „pädagogisches Jorum" 1 vgl. hiezu den an die Spitze gestellten § ;o des Hrganisationsstalulcs für Lehrerbildungsanstalten! Man sehnt sich sosehr »ach einem neuen Statut und hat das alte noch nicht erprobt. Es steht in Frage, ob was Besseres nachkommt. 1980 haben und das Reich von Fall zu Fall die gewonnenen Ergebnisse zum festen Ganzen verdichten. Vom babylonischen Turmbau in der Pädagogik hätten wir nachgerade genug. Nachwort: Die g. Leser der „Bl." werden ersucht, zu dem vorstehenden Antrage Stellung zu nehmen und etwaige Vorschläge an die Schriftleitung gelangen zu lassen. Lose Gedanken. 26. Die Konzentrationsstunde an der Bürgerschule. Neben seinen Vorzügen hat das Fachlehrer-System auch eine Schattenseite. Die so notwendige Verbindung des in den verschiedenen Lehrgegenständen behandelten Stoffes wird schon in der Volksschule zu wenig gepflegt. Wieviel näher liegt dieser Mangel beim Fachlehrersystem der Bürgerschule! Selbst wenn die Lehrpläne nicht an didaktischem Materialismus, der Stoffüberfülle, krankten, würde die gegenseitige Hereinziehung des Lehrstoffes der verschiedenen Fächer nicht in dem notwendigen Maße gepflegt werden. Eine, wenn auch nur unvollkommene Abhilfe könnte die Einführung einer eigenen Konzentrationsstunde, die abwechselnd den verschiedenen Lehrgegenständen weggenommen werden würde, bieten. Ein erfahrener Fachlehrer müßte sich wöchentlich eine Stunde in jeder Klasse der Aufgabe unterziehen, den behandelten Lehrstoff der verschiedenen Fächer so weit als möglich zu einer Einheit zusammenzudrängen und auf das praktische Leben anzuwenden. Freilich kann man gegen diesen Vorschlag auch manches einwenden. Insbesondere wird man befürchten, daß dann die Konzentration in den einzelnen Fachlehrstunden mit Rücksicht auf die Konzentrationsstunde ganz eingestellt werden würde, während anderseits die Konzentrationsstunde allein doch nicht zur Verquickung des Lehrstoffes hinreichen könnte.1 Ferdinand Zenz. Lesefrüchte. Aus Odhins Trost von f Felix Dahn: Die Schrift. Stumm, doch verständlich, mit schweigenden Schritten, ein heiliger Herold, schreitet die Schrift: Ein beredter Bote von Volk zu Volk trägt sie getreulich köstliche Kunde, wachsende Weisheit pflegend und pflanzend von Geschlecht zu Geschlecht. Wie des Feuers Flamme selbst nicht versiegt, ob sie auch anderen oftmals Segen sprühend spendet. Könnte jeder Mensch seinem inneren Drange folgen, dann geschähe viel weniger Böses; aber diese ewige Bevormundung, dieses Gängeln am Erziehungsbande, das plötzliche Freiwerden, d e wirtschaftliche Not, die Unduldsamkeit der Mitmenschen bringt so manchen vom Wege zum Guten ab und drängt ihn auf die Bahn des Bösen. Dürfen wir daher die schlechte Tat eines Mitmenschen, eines Kindes nur diesem allein zur Last legen? Müssen wir uns da nicht sorgfältig hüten, den Mitmenschen so ins Verderben zu drängen? Müssen wir daher nicht unentwegt an der sittlichen Vervollkommnung aller arbeiten und uns zuerst emporhehen? Eingesendet von H. N. Aür den Aeöruar: a) Die Monatriistung findet sich S. 1610 (Jahrgang 1911). b) Die Schulgedenktage sind auf S. 1613 (Jahrgang 1911) vermerkt. c) Die Garten- und Blumenpflege ans S. 1588. 1 Das Thema kann allenfalls in die Wechselrede gestellt werden. D. Sch. Die „Sprechlehre“ im Abteilungsunterrichte. Von Konrad Lindenthaler. Vielen Kollegen an ein- und zweiklassigen Schulen erscheint die Pflege der „Sprechlehre“ für den Abteilungsunterricht eine Unmöglichkeit. Sie fürchten, keine geeigneten Stillbeschäftigungen herauszubekommen, welche sie ja unbedingt brauchen, um sich in der Zeit der Ausfertigung mit einer anderen Abteilung beschäftigen zu können. Sie mögen das Sprachbuch für die Hand des Schülers nicht missen — und wenn sie sich auch keineswegs verhehlen, daß auf dem Gebiete des Sprachunterrichtes Reformen unbedingt nötig sind, so glauben sie doch, es müsse jedwede Reform in einer Änderung der „Sprachbücher“ zum Ausdrucke kommen. Daher der Ruf nach einem geänderten Sprachbuche, welcher in zahlreichen Zuschriften, die nach dem Erscheinen meiner „Deutschen Sprechlehre“ (Wien, Verlag Pichler) an mich gerichtet wurden, immer und immer wieder herausklingt. Am eindringlichsten wurde das Verlangen von Lehrern, welche Abteilungsunterricht zu erteilen haben, gestellt. Ich anerkenne die Gründe ihrer Forderung im vollsten Maße; aber es jst mir unmöglich, diesem Drängen nachzugeben. Weder die Wünsche und noch weit weniger verlockende Anerbieten von Verlegern können mich bestimmen, von meinem Plane, den ich nach mühsamer Arbeit, nach zahlreichen teils geglückten, teils verunglückten Versuchen entworfen habe, abzugehen. Meine „Sprechlehre“ würde nämlich sofort aufhören, eine Sp rech lehre zu sein, wenn ich all die Übungen, die ich zusammenstellte, den Schülern in die Hand gäbe. Der Lehrer wäre dann nicht mehr verhalten, diese Übungen aus den Schülern heraus zu entwickeln, es wäre gar kein Grund mehr vorhanden, besonders viel zu sprechen; die Schüler brauchten nicht selbständige Sätze zu bilden; dieser Arbeit wären sie durch den Text, den sie in Händen hätten, überhoben. In dem selbständigen Sätzebilden der Schüler sehe ich jedoch die Hauptaufgabe des Sprachunterrichtes. Freilich muß der Lehrer unablässig Hilfen und Anregungen geben, — er muß den Schüler an der Stange halten wie ein Schwimmeister, der die einzelnen Tempi solange üben läßt, bis der Zögling frei schwimmen, — in unserem Falle, bis der Schüler frei sprechen kann. Ich sehe tatsächlich in der Kunst der freien Rede das höchste Ziel des Sprachunterrichtes, denn wer frei sprechen kann, kann auch einen Aufsatz schreiben; es vermag aber nicht jeder, der gute Aufsätze schreibt, auch frei zu sprechen. Bis jetzt hieß es, der Aufsatz sei die Krone des Sprachunterrichtes; ich glaube, wir müssen diese Krone der Fertigkeit der freien Rede überreichen. Das moderne Leben fordert es gebieterisch. Denn, wie der Prorektor der Wiener Universität, Hofrat Professor Dr. Bernatzik, in seinem Memorandum über die Aktion zur Hebung der Kunst der öffentlichen Rede sagt, „sind wir in einer Zeit, in der die politische Struktur sich rasch und fortwährend demokratisiert.“ Das heißt mit anderen Worten: Der einfachste Mann aus dem Volke kann durch das Vertrauen seiner Mitbürger in irgend einen Vertretungskörper gewählt werden und dadurch in die Lage kommen, öffentlich reden zu müssen. Diese und noch viele andere Gründe ergeben somit die Notwendigkeit unausgesetzter systematischer Redeübungen vom Tage des Schuleintrittes an bis zu jenem der Schulentlassung und der wahrhaft zeitgemäßen Forderung werden sich auch die Schulen mit Abteilungsunterricht weder entziehen können, noch wollen. Es ist nun eine unbestrittene Tatsache, daß der Abteilungsunterricht die schwierigste Form des Unterrichtes darstellt. Unleugbar werden die Mühen des Lehrers einer solchen Schule (ich kenne sie aus eigener fast fünfjähriger Tätigkeit und habe sie noch sehr lebhaft in Erinnerung), durch die Einführung der „Sprechlehre“ noch vergrößert. Wann aber hat sich die Lehrerschaft gegen erhöhte Mühewaltung gesträubt? Nie! So werden auch die Lehrer der Schulen mit Abteilungsunterricht, unter denen ich viele Freunde und Bekannte habe und noch mehr zu finden hoffe, sicherlich nicht aus Bequemlichkeitsrücksichten Widersacher meines Verfahrens sein. So erlaube mir denn, in großen Zügen das Wesen meiner Methode zu skizzieren; hiezu wähle ich ein praktisches Beispiel aus meiner „Sprechlehre“ und schildere dessen Durchführung im Abteilungsunterrichte. Es mag gleich von vorneherein bemerkt werden, daß meine Sprechübungen systematisch angeordnet sind. Nach meiner Ansicht geht es nicht an, die Kinder nach Belieben plaudern zu lassen und nur gelegentlich Korrekturen ihrer Sprechweise vorzunehmen. Nein, jede Sprechübung muß nicht nur die Sprechfertigkeit heben, sondern auch ein Glied jener langen Kette sein, welche die einfachsten sprachlichen Gebilde des Kindermundes mit den, von den Schülern selbstgefundenen Gesetzen der Sprache verbindet. Die Übung muß dermaßen angelegt sein, daß sich eine schriftliche Arbeit anschließen kann — eine Hauptforderung, welche insbesondere der Abteilungsunterricht stellen muß. Wir nehmen also an, die Schüler der dem zweiten Schuljahre entsprechenden Abteilung hätten in den ersten Wochen des Schuljahres bereits die Entdeckung gemacht, daß die „Namen“ (Hauptwörter) Wörtchen bei sich haben, die von den Schülern mit der selbstgefundenen Bezeichnung „BegleitWörter“ (Artikel) belegt werden. Der Lehrer beabsichtigt nun, die von den Kindern aus der Mundart her übernommenen Begleitwörter, welche von den Formen der Schriftsprache abweichen („der“ Butter, „das“ Honig usw.) bewußt als für die Schriftsprache unrichtig empfinden zu lassen und gleichzeitig deren richtige Formen (die Butter, der Honig usw.) den Schülern in das Ohr (Klangbildvorstellung), in die Sprechwerkzeuge (Sprechbewegungsvorstellung), in das Auge (Schriftbild) und in die Hand (Schreibbewegungsvorstellung) zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Spracbtmrkbtigkcltcn der Scbulspracbe. 39.) Aoch amak. — Ja, wir müssen „noch nmal" auf einen Sprachschlendrian zu sprechen kommen, der allüberall zu finden ist. — „Noch einmal" erfordert ein Absetzen; daher überbrücken es die schncllzüngigen Menschen, denen die Rede nicht rasch genug hervorsprudeln will, mit dem „a", dem Sprach-„Mädchen-sür-alles". Wie häßlich klingt sodann der zweimal gebrachte, abgegriffene Saut 1 — Der Lehrer, dem es zur Pflicht gemacht werden muß, langsam zu sprechen, gewöhne sich und die Schüler an das richtige „noch einmal" u. zw. mit der Betonung des „ein", weil ja darin das Typische des Wortes liegt 1 Ans „noch nmal" sollten wir nicht „noch einmal" verweisen müssen 1 — Schulhumor. 92. Vorsichtig. Lehrer: Wenn i dem Hansli nen Öpfel gibe und dem Köbi einen, wie vil öpfel mueß i usteile? Hansli: Gimm mer einen, i wül drs de säge? Aus der Schweiz. Lehrerztg. Die Selbstregierung der Schüler — die beste Hilfe bei der ethischen Erziehung. (Vom Schulleiter Hans Soukup.) (Schluß.) Ich selbst aber überzeugte mich von dem Fortschritte meiner Schüler in der Willensbildung, denn die stets genau und auf die Zeilen geschriebenen Buchstaben merzten schlechte Schriften fast vollständig aus, die stramme Körperhaltung beim Sitzen, Stehen und Gehen verringerte die Möglichkeit des Verwachsens des kindlichen Körpers. Der überall zutage tretende Reinlichkeits- und Ordnungssinn ließ keine Vernachlässigung des Körpers, der Kleidung, der Schulräume und Schulgegenstände aufkommen. Lüge, Trotz, Renitenz, Rauflust und Unfleiß verschwanden gänzlich. Solch erzogene Kinder können wir wohl getrost hinausschicken in das Leben, ohne fürchten zu müssen, daß sie arbeitsscheue Müßiggänger, Verschwender, Trunken- und Raufbolde und noch viel Schlimmeres werden. Welch ausgezeichnete Dienste wir aber durch eine solche Erziehung der Familie, der Gemeinde, dem Lande und dem Staate erweisen, die nicht genug Geld für Armen-, Kranken-, Irren- und Strafhäuser auf bringen können, brauche ich nicht eigens zu erwähnen. Manche von den g. Lesern werden einwenden, daß durch Aufnahme dieser ethischen Erziehungsmethode der Unterricht verkürzt werde. Diese lade ich ein, Versuche anzustellen und sie werden die Erfahrungmachen, daß die scheinbar verloren gegangenen Weilchen durch eine früher nie gekannte Aufmerksamkeit ersetzt werden, welche nicht allein hervorgerufen wird durch äußere, drohende Gesetze, sondern sich immer mehr der vollkommensten Aufmerksamkeit, nämlich der willkürlichen nähert. Überdies ergibt sich bei diesem Unterrichte eine Fülle von Themen speziell für den freien Aufsatz, von denen ich beispielsweise folgende anführen will: 1. Wie kann man Selbstbeherrschung üben a) beim Erwachen, Aufstehen, Ankleiden, Beten, Essen, b) auf dem Schulwege, c) in der Kirche, d) beim Lernen, Aufgabenschreiben, Sprechen, in der Pause u. s. w.? 2. Wie bilde ich meinen Willen in der Schreib-, Zeichen-, Turn-, Rechen- und Sprachstunde ? 3. Wie beherrsche ich mich im Frühlinge, wenn die ersten Blumen, Käfer und Schmetterlinge erscheinen? 4. Wie vermeide ich Lügen, Schelten, schmutzige Reden unter meinen Kameraden? 5. Wie lerne ich Hunger und Kälte, Hitze und Durst ertragen? Diese Themen treffen die Schüler ohne jeden Wegweiser, denn sie haben nicht bloß ihre eigene Seele bis auf den Grund kennen gelernt, sondern verstehen auch in fremden Seelen zu lesen und begreifen fremde Seelenzustände. Dieser Unterricht ist dann wirklich ein erziehender und einer von nachhaltender Wirkung. Wird das so erzogene Kind einst selbst zum elterlichen Erzieher, so werden nicht polternde Ermahnungen und unbedachte Strafen seine einzigen Erziehungsmaßregeln sein, sondern es wird bei dem so wichtigen Erziehungswerke mit Verständnis vergehen, denn es war in seiner Jugend schon ein Seelenkenner und Seelenheiler. Wir haben im Verlaufe der Darlegungen gesehen, daß der Mensch es zur sittlichen Freiheit nur durch stete Selbstbeherrschung bringt, daß der einzelne aber oft viel zu schwach ist, um den Kampf gegen die inneren Kräfte siegreich zu bestehen und daß wir uns deshalb um Helfer, die wir im ersten Beispiele „Ortsaufseher“ nannten, umgesehen haben. Da diese Einrichtung an meiner Schule so gute Dienste geleistet hatte, so ging ich auf der eingeschlagenen Bahn weiter und übergab die Erhaltung der gesamten Schulzucht den Schülern selbst unter meiner Oberaufsicht. Zu diesem Zwecke ließ ich von den Schülern aus ihrer Mitte folgende Beamte wählen: 1. einen, dem die Reinhaltung der Stiegen und des Fußbodens obliegt. Jedesmal nach dem Unterrichte hält er unter den Bänken Nachschau, ermahnt die Schuldigen auf gütige Weise und sucht sie dahinzubringen, daß sie sich die Füße abstreifen, keine Papier-, Brot- und sonstigen Reste auf den Boden werfen. (Von mir in der Übungsschule mit großem Erfolge erprobt. P.) 2. einen Aufseher über die Lehrmittel der Schüler. Er geht kurz vor dem Unterrichtsbeginn durch die Bankreihen. Die Schüler haben ihm ihre gespitzten Griffel, gereinigten Tafeln und nassen Schwämme zu zeigen. Er sorgt dafür, daß unsaubere Bücher stets reine Umschläge haben, durchsieht wöchentlich einmal die Armenbücher und hat alle zurückgegebenen Bibliotheksbücher auf ihren unversehrten Zustand zu prüfen. Ein sehr wichtiges Amt ist 3. das des Gesundheitswächters. Ihm ist die Haut-, Haar-, Mund- und Zahnpflege anvertraut; er wacht auch über die Reinlichkeit der Kleider seiner Mitschüler. 4. Der Rechtsanwalt oder Pfleger bringt Disziplinarfälle zur Anzeige und • untersucht genau, ob und wieweit der Angeklagte einer Verteidigung würdig sei. Jeder von diesen Beamten hat die Aufgabe, über alle Beobachtungen einer eigens hiezu einberufenen Versammlung Bericht zu erstatten und Vorschläge zu machen, wie den Obeiständen abzuhelfen wäre. Wenn nun die Schüler schließlich außer den gewählten und von mir bestätigten Beamten noch einen Vorsteher wählen, der die Versammlung einberuft, sie leitet, indem er die Beamten zur Berichterstattung einladet, zur Besprechung der Berichte auffordert und gestellte Anträge zur Abstimmung bringt, so führe ich annähernd das Bild einer amerikanischen Schule vor, in welcher die Reform der Schuldisziplin auf Grund der Selbstregierung durchgeführt wurde. Wer die Reform näher kennen will, der vertiefe sich in ein zweites Buch von Foerster: „Schule und Charakter“ und lese namentlich den zweiten Teil desselben. Dort findet er, daß dieses Erziehungssystem „einem Bedürfnisse nach neuen Methoden der Disziplin in gänzlich verwahrlosten Volksschulen entstanden ist, in gewissen Quartieren der Großstädte, in denen die Schulen von einer derart verwilderten Jugend bevölkert werden, daß in den Zwischenpausen in dem Schulhofe ein Polizist stationiert werden mußte, um das Ärgste zu verhüten.“ Zweifellos wird die Selbstregierung bei einer künftigen Reform unseres Erziehungswesens eine große Rolle spielen, hat man doch auch schon in Europa u. zw. in England, in der Schweiz, in einigen Provinzen Deutschlands — da auch in den Mittelschulen — erfolgreiche Versuche angestellt. In Österreich hat diese Idee Dr. K. Prodinger zuerst aufgegriffen und am Gymnasium in Pola zur Einführung gebracht.1 Er hat bei der vorvorjährigen Mittelschulenquete und an dem zu Ostern stattgefundenen Mittelschullehrertage in Wien darüber referiert und ein Schriftchen .herausgegeben: „Was ich mit der Schulgemeinde will?“ Der Inhalt desselben zerfällt in vier Abschnitte: 1. Wesen und Einrichtung der Schulgemeinde. 2. Disziplin und Charakter. 3. Gerichtswesen. 4. Schlußbetrachtungen. Ihm diente ebenfalls das amerikanische System als Vorbild, das er aber durch Abänderungen dem heimatlichen Boden in jeder Weise anzupassen suchte u. zw. in richtiger Anwendung folgender Worte Foersters: „Wir in Europa müssen vorsichtig sein, denn die Schuldisziplin in Amerika steht unter dem Zeichen des konsequenten demokratischen Geistes. Jeder Schüler der großen Republik fühlt sich schon als freier Bürger, dessen Selbstachtung sorgfältig geschont wird.“ Meine Ausführungen haben verraten, daß ich an meiner einklassigen Schule die Kinder in einer Gemeinde organisiert habe. Alle Disziplinarfälle werden mit den Kindern behandelt, die Fortschritte über das Verhalten der Schüler mit ihnen selbst entwickelt, so daß das fremde Schulordnungsgesetz von den Kindern selbst aufgestellt erscheint. Auch mir schwebte hiebei das amerikanische System vor den Augen; nur habe ich dasselbe meinen Schulverhältnissen angepaßt, so daß meine Schulgemeinde zu einer bodenständigen wurde. Wie diese Einrichtung im gegebenen Falle gehandhabt wird, möge noch folgendes Beispiel zeigen: Ein Schüler des dritten Schuljahres schrieb die letzten fünf Wörter der Schönschreibübung, weil er nicht umblättern wollte, unter die letzte Zeile (natürlich ungeschickt) hin, da er keine Linie hatte. Vormals bezeichnte ich derartige Vergehen als Schlamperei und ahndete sie mit dem nochmaligen Schreiben der Übung nach der Schule. So erwartete denn der Schüler dieStrake, weinte bitterlich und versicherte mich, daß es nicht Nachlässigkeit, sondern das Bestreben war, die neue Seite unbeschrieben für eine neue Übung aufzusparen. In seinem heftigen Tränenausbruche vermutete ich begründeterweise Trotz, da er — wie man sagt — ein „Stützkopf“ ist, und das Vergehen für so viele Tränen mir doch zu gering schien. Auch diese meine Vermutung zerstreute er mit folgenden Worten: „Ich habe erst heute meiner Mutter versprochen, daß ich gewiß keine Strafe mehr bekommen werde, und da fürchte ich mich, wenn ich später heimkomme.“ Ich übergab den Fall dem Vorsteher. Dieser trug das Vergehen nochmals vor und fragte die Schüler, ob sie die Einwendungen resp. Rechtfertigung des Angeklagten anerkennen. Die Urteile der Schüler lauteten: 1. Man hat immer eine Freude, wenn man eine neue Übung auf einer unbeschriebenen Seite anfangen kann. 2. Ich ärgere mich stets, wenn ich eine Übung nicht auf eine Seite bringe. 3. Es tut dem Auge wehe, wenn auf der neuen Seite noch einige Wörter der früheren Übung stehen. Die Furcht vor seiner Mutter begriffen alle als Grund des heftigen Weinens, weil sie seine Mutter oft mit ihm zanken hörten. Der Pfleger machte daher — da nach der Meinung der Schüler nicht Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit und später nicht Trotz Ursache seines Verhaltens waren — den Vorschlag, der Angeklagte möge mit einem Verweise davonkommen. Ich ging auf diesen Vorschlag gerne ein, denn ich war froh, nicht strafen zu müssen; die Schüler 1 Vgl. die Aufsätze Dr. Prodingers in F. 91 und 92 der „Bl."I D. Sch. freuten sich, einem der Ihrigen geholfen zu haben; der Angeklagte empfand aber die größte Freude über die glückliche Lösung der Angelegenheit und alle hatten den großen Nutzen, in ähnlichen Fällen sich der Verhandlung zu erinnern und das Ordnungsmäßige dem Angenehmen vorzuziehen. Der Ernst und die Gründlichkeit, mit der auch so leichte Disziplinarfälle behandelt werden, überzeugen die Kinder von der Wichtigkeit des Erziehungswerkes und erwecken in ihnen das soziale Interesse, das unentbehrlich ist im Betriebe einer wahren Sozialpädagogik. Aber noch andere Vorteile erlaube ich mir aufzuzählen. Da die Vergehen den Schülern bekannt gemacht, die Ursachen des Handelns genau erhoben und alle Milderungsgründe geltend gemacht werden, so sind voreilige Entschlüsse gänzlich ausgeschlossen; der Lehrer steht nämlich hiebei über allen, nimmt die Sache viel ruhiger auf, denn er beschäftigt sich nicht allein mit dem Angeklagten, sondern er beachtet insbesonders die Einwendungen der Schüler. Dadurch verstreicht einige Zeit, die Erregung und der Ärger des Lehrers schwinden und machen einer ruhigen, sachlichen Beurteilung des Vergehens Platz, was leicht erregbaren Naturen unter den Erziehern gewiß nicht zum Schaden gereicht. Wenn aber einerseits rasche, im Affekt vollzogene Aburteilungen und Strafen nicht verkommen, anderseits sogar die Selbstverteidigung und die Verteidigung durch die Schüler gestattet sind, so wird auch die Furcht, jenes häßliche Gespenst, das die meisten Schullügen als Ursache haben, aus der Schule verbannt sein. Ich kann mir eine kräftigere Förderung der Wahrheitsliebe nicht leicht denken. Betrachten wir einmal bei einer Verhandlung die Schüler, wie schneidig sie einem Angeklagten das Wort reden, wie entrüstet und schonungslos sie einen Verstockten verurteilen, wie plötzlich manchem, aus dem nie etwas herauszubringen war, die Zunge zum freien Ausdruck gelöst ist; diese Erziehungsmethodeallein tiberwand unbewußt seine Redescheu und brachte ihn zu fließend er, freier Rede. Wahrhaftig ein erziehender Unterricht! Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Vorwurf, daß eine solche Methode die Kinder zu Spitzeln heranziehe, damit entkräften, daß man von Angeberei wohl nur dann sprechen könne, wenn der Angeklagte rücksichtslos verurteilt und bestraft werden würde. Wenn aber ein Angeber von Beruf seine Opfer nicht strafen, sondern bessern hilft, so wird er dieses wenig einträgliche Amt niederlegen oder es schließlich sogar im guten Sinne fortsetzen. Denn wie aus den früheren Beispielen zu ersehen ist, war das Ergebnis einer jeden Anzeige fast nur Besserung. War aber die Strafe in einem Falle notwendig, so wurde sie diktiert von dem guten Geiste unter den Schülern und von dem Angeklagten als vollkommen gerechtfertigt hingenommen. Gar nicht selten stellt sich heraus, daß Kinder bei der Bestimmung der Strafe viel strenger mit den Gebrechen und Fehlern ihrer Mitschüler zu Gericht sitzen als der Lehrer. Dieser ist oft gezwungen, eine mildere Strafe festzusetzen. Dadurch wird das Vertrauen des Kindes zum Gerechtigkeitssinn des Lehrers gehoben, denn es sieht in dem milder urteilenden Lehrer nicht den Selbstherrscher in der Schule sondern jenen wahrhaften Freund, an dessen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sich der Unglückliche auch dann noch vertrauensvoll wenden kann, wenn ihn alle seine Freunde, ja selbst Geschwister — letztere sind oft gerade die strengsten — schonungslos verurteilen. Während der langen sieben- bis achtjährigen Schulzeit sind es gewiß nur sehr wenige, die nicht wenigstens einmal auf diese Weise des Lehrers Milde und Gerechtigkeit an der eigenen Seele verspürt haben, und ich bin überzeugt, daß der Erzieher den Weg zum Herzen des Kindes gefunden. Und nur so ist es möglich, Gediegenes bei der Erziehung und beim Unterrichte zu leisten. Hat der Lehrer das Herz des Kindes gewonnen, so wird dieses auch nach der Entlassung (ich betone das ausdrücklich) seinem einstigen Freunde in der Regel achtungsvoll und mit herzlicher Freude begegnen. Dieser letzte Punkt scheint mir geeignet zu sein, auf folgende zwei Bücher aufmerksam zu machen: 1. „Der Weg zum Herzen des Kindes“ von Dr. Weimer, erschienen bei Beck in München, und 2. „Mehr Freude“ von Dr. v. Keppler, erschienen bei Herder in Freiburg. Und nun zum Schlüsse! Die in meinen Ausführungen besprochene Art der ethischen Erziehung in der Schule ist nicht allein schön und von tiefgehender Bedeutung, sondern auch ungemein mühsam und erfordert: 1. ein gründliches Studium der zu verwirklichenden Idee, damit der Erzieher „den gesamten Unterricht zur Belebung der Selbsterziehung verwerten kann.“ (Foerster.) 2. muß der Lehrer an sich selbst das höchste Maß von Selbstzucht üben. 3. muß ihn ungetrübte Berufsfreude erfüllen. Können wir diesen drei Punkten gerecht werden, dann haben wir bei der Mitarbeit an der ethischen Kultur unser Möglichstes getan und es müßten endlich alle Vorurteile, welche Erziehungsarbeit oft tief unter jede andere Berufsarbeit setzen in ein Nichts zurücksinken. Wir Lehrer müssen eben selbst stets mit äußerster Kraftanstrengung, mit idealen Waffen — ich sage nicht zuviel — die förmliche Ächtung bekämpfen, die unseren Beruf umkleidet, indem jeder einzelne durch Arbeit, Fleiß und Tatkraft sich zu einer Persönlichkeit emporringt, damit einst unsere Nachfolger im Erziehungsamte sich ihres Berufes freuen können, wie es jetzt die Glücklichen jener Berufe tun dürfen, die bedingungslos von demjenigen Nimbus umgeben sind, der den einzelnen nicht zwingt, sich die allgemeine Achtung mühvoll und doch noch oft erfolglos zu erringen, sondern der ihm diese Achtung gleichsam wie eine Gewandung schon beim Berufseintritte um die Schulter wirft. Noch aber sind die Wege, auf denen die Schar der Erzieher als derartige bahnbrechende Mitarbeiter wandeln müßte, mit rückstauenden Hindernissen verlegt, die zu beseitigen nicht Aufgabe der Lehrerschaft, sondern anderer, mächtiger Faktoren ist. Diese Hindernisse können wir gleichfalls aus Foersters „Schule und Charakter“ indirekt kennen lernen, wenn wir uns seine „Grundbedingungen einer ethisch vertieften Pädagogik klar machen“. Sie lauten: 1. Eine starke moralpädagogische Erweiterung der Lehrerbildung und ein gründliches Aufräumen mit dem übermäßigen abstrakten Gedächtniswerk der Bildungsanstalten. 2. Eine Entlastung der Schule von dem übermäßigen Detail von Kenntnissen und Fertigkeiten, eine Verweisung dieser Einzelheiten in die Stätten der besonderen Fachausbildung und eine Ersetzung der Detail-Pädagogik durch eine Lebenspädagogik, die alles Wissen in einleuchtende Beziehung zum wirklichen Leben und zur Entfaltung und Befestigung des Charakters setzt und damit die feste Grundlage schafft, auf der alle spätere Fach- und Einzelausbildung vor unfruchtbarer Entartung bewahrt bleibt. Gerade solche grundlegende Erziehung zur Arbeit wird heute verhindert durch die zu große Vielheit der Ansprüche, die keine Gründlichkeit mehr aufkommen läßt und die Schule aus einer Stätte der Bildung zu einem „Betrieb“ macht, in dem eine raffinierte Technik der Stoffbewältigung bei Lehrern und Schülern die Oberhand gewinnt und allmählich alle tieferen Bildungsbedürfnisse in den Hintergrund drängt. 3. Eine materielle Besserstellung des Lehrerstandes im großen Stile, damit dem Lehrer nicht durch Sorgen, Nebenarbeiten und übermäßige Belastung diejenige Muße, Sammlung und geistige Frische genommen werde, ohne die man wohl ein Schultechniker, aber kein Schulscelsorger sein kann. Schul- und Lebensfragen des jungen Lehrers. ii. 4. Frage. Mit welchen Mitteln könnte ich den Schnlvesnch bessern? Antwort: 1. Würze den Unterricht mit Bildern, mit Erzählungen, mit Experimenten, mit passenden Tagesnachrichten aus den Zeitungen, lege ihm einen durchaus praktischen Stoff zugrunde I Die Schüler kommen heim, berichten über das Gesehene und Gehörte und der Bauer horcht ans. Damit ist schon viel erreicht. Vergiß nicht der Wendung: „Was habt ihr heute in der Schule Neues gehört und gesehen?", denn diese Schlnßsrnge bildet den Anfang des Gespräches zwischen den Ellern und dem Kinde. — 2. Bcwerlstellige eine Elternbespre-chnngl Lade dazu nach dem SonntageNachmittagsscgen die Bauern in das Schnlhaus ein I Thema: Was lernen die Kinder in der Schule? — 3. Laß irgendeinen Hellen Ortsschulrats-sunklionär hospitieren! Er trägt den Eindruck ins Volk. — 4. Versäume keine Gelegenheit, den Dvrspvtentaten die praktische Seite des Unterrichtes zu zeigen I — 5. Bereite Dich auf den Unterricht vor, arbeite an Deiner Fortbildung, trag Begeisterung für das Amt zur Schau! 5. Frage: sts will der Zeljncrübergang nicht gelingen. Mas soll ich tun? Antwort: Binde zwei Meterstäbe zusammen und laß den Nechengeist ans den Dezi- meterstrichlcin ans- »nd nieder steigen! Ist Dir dieser „Apparat" nicht zur Hand, sv projiziere die Meterstäbe ans einen Papierstreifen, der an der Wand hinanläuft, oder bring die Einteilung unmittelbar an die Wand an! Daneben setz später die Ziffern ein! Nun muß das Werk gelingen. Beispiele: a) Von 9 um 3 weiter! Zuerst bis zum Übergänge von einem in das andere Meter. Dann noch um 2 hinauf. Jedesmal muß der Stock die Reise machen. — b) von 13 um 5 herunter I Zuerst bis zum Übergänge (zur Vcrbandstelle), dann noch um 2. Die Rcchenbüchlein heißen das 9 + 3 = und 13 — 5 —. 6. Frage: ßin Weaterverein iß in Bildung begriffe». Soll ich mithin? Antwort: Ja, wenn die Gesellschaft zu Dir paßt! In der schauspielerischen Betätigung kann der Lehrer hinsichtlich des Vortrages und der Sprachbildung viel gewinnen. Sichere Dir jedoch das Versprechen, daß Schulkinder vom Besuche des Theaters ausgeschlossen sind; sonst leidet die Autorität. (Für diesen Abschnitt können weitere Fragen cingesendet werden.) Die innere Anschauung beim Rechnen. Eine Entgegnung von Ludwig Wagner, Garmisch (Bayern). Der bekannte Rechenmethodiker Knilling, Oberlehrer in Traunstein, sandte mir den Aufsatz „Vom Rechenunterricht“, welcher in der Dezember-Nummer 1911 dieser Zeitschrift erschienen ist, mit dem Ersuchen, mich darüber zu äußern. Da auch der Schriftleiter in einem Nachwort zu diesen Ausführungen eine sachliche Gegenrede herbeizuführen wünscht und ich auf der Suche nach Wahrheit meine geringen Kräfte gerne zur Verfügung stelle, so erlaube ich mir Folgendes zu bemerken: In der Methode des grundlegenden Rechnens stehen sich seit langem zwei Parteien gegenüber, die Vertreter der schlußfolgernden Zählmethode und die der anschauenden Zahlbildmethode (Zahlbild im weitesten Sinne zu verstehen). Das große Heer der Rechenlehrer steht wohl zwischen beiden mehr zur einen oder anderen Seite hinneigend. Trotzdem sich nun Herr Stibitz, der Verfasser des zu besprechenden Artikels, als Gegner der Anschauung bekennt — die Methode der äußeren sinnlichen Anschauung, die heute im Elementarunterricht Alleinherrscherin ist, bedeutet ihm, da sie die innere Anschauung zurückdrängt, keinen Gewinn, sondern einen großen Verlust — steht er in der Praxis doch nicht strenge auf Seite der Zählmethodiker, sondern gelangt auf dem Wege der äußeren Anschauung bis zur Zahl 3 und läßt auch darüber hinaus noch die Benützung von Fingern, Strichen und Punkten, ja sogar Zahlenbildern zu. Hierin sehe ich einen so großen Widerspruch, daß ich sagen muß, ich hätte es im Interesse einer sachlichen Auseinandersetzung viel lieber gesehen, wenn Herr St. seine theoretisch entwickelten Grundsätze in der Praxis strenge durchgeführt hätte, denn der Gegner käme dann nicht in die Gefahr, offene Türen einrennen zu müssen. Und wie will der Verfasser den Erfolg seiner „inneren Anschauungsmethode“ beweisen, wenn er neben ihr fortwährend die äußere Anschauung betreibt? Ich glaube, durch diese Art des Unterrichts gesteht Herr St. im vorhinein zu, was zu beweisen meine Aufgabe wäre, in seinen Ausführungen aber nirgends angedeutet ist: Daß eine innere Anschauung ohne äußere nicht möglich ist. Innere Anschauung ist eben nichts weiter als der bloße Abdruck der äußeren und wir nennen sie besser und kürzer „Vorstellung“. Ich will nicht leugnen, daß es möglich ist, auf die äußere Anschauung auf vorgeschrittener Stufe und bei geweckten Schülern mehr oder minder zu verzichten und daß es im Geiste gelingt, auf Grund der vorhandenen Vorstellungen neue ohne äußere Anschauung zu bilden. Jedoch die Grenze — zeitlich und räumlich verstanden —, hinter welcher dies, ohne geistigen Raubbau zu treiben, geschehen kann, dürfte bedeutend höher hinaufzurücken sein, als man gemeinhin annimmt. Ich wenigstens habe mich immer wieder überzeugt, daß die innere Anschauung um so rascher und sicherer gebildet wird, je gründlicher und liebevoller die äußere gepflegt wird. Ich kann mir die Tatsache, daß es immer noch Verächter der Anschauung im grundlegenden Rechnen gibt, nur dadurch erklären, daß diese die richtige Anschauung nicht kennen. Denn das dürfen wir offen aussprechen: Die Art und Weise und der Umfang der Veranschaulichung im ersten Rechenunterrichte ist heute wenigstens in der breiten Öffentlichkeit noch in keiner Weise geklärt. Auch ich wurde infolge der ganz verfehlten Anschauungsmethode im Rechnen sofort nach meinem Seminaraustritt auf die Bahn der reinen Zähler gedrängt und habe mich jahrelang mit ihrer Methode abgemüht. Das Merkwürdigste ist, daß ich trotz des vollständigen Verzichtes auf Anschauung Erfolge erzielte. Wie ist das zu erklären? Sehr einfach, die Anschauung fehlte eben gar nicht. An Stelle der Kugeln, Finger, Striche traten die Zahlwörter, welche zwar nicht gesehen, aber gehört werden, was bekanntlich auch eine Anschauung, die des Ohres, ist, aber im Vergleich zu der des Auges eine äußerst dürftige. Lassen sich doch sogar Zahlbilder, Zahlgruppen, -typen durch das Ohr aufnehmen, wie das in konsequenter Ausbauung der Zählmethode von Fährmann erfundene „Rhythmische Rechnen“ beweist. Aber ebensoweit als ein nur auf sein Gehör angewiesener Mensch, also ein Blinder, hinsichtlich seiner Geistesentwicklung hinter dem Sehenden zurückbleibt, geradesoweit steht das nach der reinen Zählmethode ausgebildete Kind dem durch Zahlenveranschaulichung unterrichteten nach. Daraus ergibt sich auch, daß die Meinung, bei Kindern, welche nach der reinen Zählmethode unterrichtet werden, würde die innere Anschauung besonders gepflegt, 1988 ein Selbstbetrug ist; ja es ist leicht einzusehen, daß bei ihnen die innere Anschauung sogar dünn und wässerig sein muß gegenüber den mit Hilfe der richtigen Anschauung ausgebildeten Schülern. Noch einen Grund erkenne ich in den Ausführungen des Herrn St., der das Zählen „vor und rückwärtsschreitend“ als Grundlage des Rechenunterrichtes fordert. „Die Zahlen werden durch das Zählen bedingt“ sagt St. Wenn das wahr wäre, dann hätten die Zähler recht. Hier ist nicht mehr Platz, auf die etwas umständlich ausfallende Widerlegung dieser Behauptung einzugehen; aber ich bin gerne bereit, sie in einem eigenen Artikel zu bringen, wenn es die Schriftleitung gestattet. Es dürfte sich verlohnen, da meines Wissens die so viel Schaden stiftende Irrlehre noch nie widerlegt wurde.1 Pädagogische (Duellen. 2. § 29. Unreinliche, mit Ungeziefer geplagte Kinder sollen nach Hause geschickt, und die Ältern an ihre Pflicht geziemend erinnert werden. Wer wagt es, Rittersmann ober Knapp', heute so zu sprechen? Ober erscheint es etwa nicht notwenbig? § 30. Kinder mit einem ansteckenden oder ekelhaften Ansschlage an Händen oder am Kopfe, Kinder, die geblättert haben und den Schorf noch am Leibe tragen, müssen bis zur völligen Genesung von der Schule ausgeschlossen werden. Wer Gelegenheit hat, einen Blick in entlegene Dorfschulen zu machen, wirb wahrnehmen, baß bcr Forberung nach 100 Jahren nicht allerorts Rechnung getragen wirb. § 31. Ucberdicß fordert die Sorge für die Gesundheit der Jugend, daß das Lehrzimmcr nicht übermäßig warm gcheitzet, nach jeder Schulzeit gelüftet, und jeden zweyten Tag von Staub und Unrath gereinigt werde. Nr. 1: In vielen Fällen wirb zu stark eiugefeuert. — Nr. 2: Das Lüften ist bis heute eine vielfach unbekannte Sache geblieben. — Nr. 3: Jeber „zweyte" Tag Schulreinigung? Da streikt ber Schnlbiener ober bie „Frau Schulbienerin" wirb böse. Unb bas hat was zu bebeuten! § 32. Um Zucht und gute Ordnung in der Schule zu handhaben, muß der Lehrer bey der Jugend in Ansehen stehen. Dieses erwirbt er sich nicht etwa durch ein finsteres, mürrisches Aussehen, durch den Gebrauch der Ruthe und des Stockes, durch Ruhmredigkeit und dgl.; sondern durch seine Kenntnisse und moralisch guten Eigenschaften, durch ein männliches, anständiges und sich immer gleiches Betragen. Solche Worte aus bet KorporalszeitI In bet Tat — reiches Wissen unb Können, bazn ein aufrechter Charakter: bas stnb bie besten Zuchtmittel. § 31. Oeftere Entfernung des Lehrers aus dem Schulzimmer, Mangel an Aufmerksamkeit und Lehrmethode, an Fleiß, an Geduld und Sanftmuth sind die gewöhnlichen Ursachen einer schlechten Schulzucht. „Der Mann hat recht!" — so muß sich's mancher sagen, ber biescr Eigenschaften vergessen hatte unb bann als gepeinigter Zeteret mitten im Chaos stanb. s 34. Der Lehrer sey von zu großer Gelindigkeit und Härte gleich weit entfernt, wie ein liebender, aber verständiger Vater. Er sehe der Jugend bey ihren Fehlern nicht durch die Finger; er mache aber einen großen Unterschied zwischen Fehlern jugendlicher Unachtsamkeit, und Fehlern der Boßheit. Er gebrauche so lange keine harten Strafen, als gelinde noch Besse' rung hoffen lassen. Er sey im Belohnen und Strafen weise und ohne Parteylichkeit gerecht' 1 Im Interesse einer Klärung in der Rcchenmcthode, die in den lebten Jahren durch die Reform auf dem Gebiete des Zeichen- und Sprachunterrichtes vernachlässigt wurde, wird weiteren Ausführungen gerne Raum gegeben. Was verschlägt's, wenn wir einmal einen „Rechenrummel“ kriegen! Zum Schaden der Sache wird er gewiß nicht sein. D. Sch. Zu große „Gelindigkeit" führt zu großer Lebendigkeit, zu große Härte zum-Trotz. Beides ist von Übel. § 35. Es ist eine schliinmc Sache, wenn der aufgebrachte Lehrer den fehlenden Schiller mit Schimpfnamen belegt, oder sogleich zur Ruthe seine Zuflucht nimmt. Noch schlimmer macht er es, wenn er unerlaubte Strafen und Strafiverkzeuge anwendet. Ohrfeigen und Backenstreiche, Reißen bei) den Ohren oder Haaren, Schläge und Stöße auf den Kopf oder andere zarte Theile, Knie» mit und ohne Verschärfung, der Gebrauch des Patzenferls, des Ochsenziemers und ähnlicher Instrumente sind ihm strenge verbotheil. Zur Bestrafung wichtiger Fehler ist nur die Ruthe und bey größeren Schülern höchstens ein dünnes Stäbchen zu gebrauchen. Die Züchtigung ist von den Älter» selbst oder in ihrer Gegenwart vorzunehmen, damit diese nicht, wie es oft geschehen ist, klagen mögen, daß ihr Kind zu seiner Besserung zu gelinde bestraft, oder durch eine empfindliche Züchtigung grausam mißhandelt worden sey. Ein nettes Verzeichnis von StrafwerkzeugenI Die reinste Waffenkammer für Torturen I — Im zweiten Teil bietet übrigens die Bestimmung einen Beitrag zu der neuen Frage unserer Wechselnde. § 37. Da Müßiggang und Armuth die Quelle vieler Vergehen, Fleiß und Arbeitsamkeit hingegen der Grund eines ehrlichen Auskommens und rechtschaffenen Wandels sind, so ivird sich der Lehrer ein besonderes Verdienst um die Schuljugend erwerbe», wenn er sich angelegen seyn läßt, die Unterweisung und Gewöhnung derselben zu Handarbeiten, zum Spinnen, Stricken, Nähe» usw. Wirtschaftspädagogik I Da haben mir die Ansätze zu einer wichtigen sozialen Einrichtung, die heute, wo die Teuerung zum Erwerbe drängt, mehr als seinerzeit nötig erscheint, aber nicht zur Wirklichkeit werden will. Wir brauchten einen „Kindermann". Das Schlagwort „Arbeitsschule" ändert noch wenig. § 39. Den Ältern der Schulkinder begegne der Lehrer höflich und freundlich. Hat er ihnen wegen der Unarten ihrer Kinder etwas zu sagen, um sie zur genaueren Aufsicht und Mitwirkung aufzufordern; so spreche er mit ihnen ohne bittere Vorwürfe mit Gelassenheit und Teilnahme. Er schicke ihnen in solchen Fällen keine mündlichen Nachrichten oder Aufträge durch Schulkinder oder fremde Personen. Dadurch entstehen leicht Mißverständnisse und Feindseligkeiten. Ist der Fall wichtig, oder besorgt der Lehrer von Seiten der Ältern eine üble Aufnahme; so wende er sich ... ... an den OrtSschnlrat I Hinsichtlich der Mitteilungen an die Eltern wird noch vielfach gefehlt. Aufträge durch Schulkinder führen nicht nur zu Zerwürfnissen sondern auch zu Unklarheiten. Da heute doch die meisten Eltern lesen können, beuge man durch schriftliche (geschlossene) Nachrichten dem Übel vorl Zur Abwehr. (Schluß.) Aur meine Kosten spinnt sie daher den Faden wieder an: „Aber glauben’s, Herr Lehrer, müssen deswegen nit liarb sein, icli bin nur fünf Jahr in d’ Schul gangen, in die alte Schul, zu meiner Zeit liat’s ka „Neu-Schulu noch nicht geben . . .“ „Gott sei Dank, mußt sagen, Frau Kock“, wirft der Hochkogler ein. „Also daß ich sag, ich bin nur fünf Jahr in d’ Schul gangen, aber meinen Töchtern hau iclis allen aba (herunter) im Briefschreiben!“ Nun wußte ich recht wohl aus eigenem Augenschein, daß auch hier wie immer das Selbstlob ungerechtfertigt war, aber ich dachte mit Mephisto: „Den Teufel spürt das Völkchen nie und wenn er sie beim Kragen hätte. “ Ich hätte auch recht leicht replizieren können: „Sie hatten jedenfalls bessere Eltern!“ Aber ich fechte mit so massiven Wallen ungern; dünnere, feinere, kitzeln, ritzen, ritzen oft tief und wirken nach. „Frau Kock, vor Ihrer Erfahrung hab’ ich immer einen gewaltigen Respekt gehabt. Nicht wahr, Sie sind eine erbgesessene Kirchschlagerin ?“ „Das will ich moanen!“ „Da sind sie also nach meiner Rechnung beim alten Wiglitz in d’ Schul gangen, vor zirka fünfzig Jahrn?“ „Na freilich, beim alten Wiglitz. Wie Sic das wissen, Herr Lehrer?“ „Aus den verteufelten Büchern!“ „Ja is nu was da aus der-selbigen Zeit?“ „Ja, ein Zehenthüchel liegt in der Lehrerbibliothek, ein Büchel, wo der alte Wiglitz für siel» und seine Nachfolger den Zehent aufg’schrieb’n hat!“ „A siah!“ „Ich könnts da gar manchem Bauern ausrechnen, um was ihn die verd Neuschul billiger kommt. Aber davon reden wir ein andersmal. Jetzt sagen Sic einmal, Frau Kock, zu Ihrer Zeit müssen doch oft so an ein hundert bis hundertfünfzig Kinder in der Schul g’scssen sein?“ „War nit extra arg. Eppa sechz’g.“ „Das sind aber nit alle g’wesen, die hätten in d’ Schul gehen können?“ „Baiei, die armen Leut und die klein Bauern, die sich haben kein’ Dienstboten ver- zahl’n können, haben die großem Kinder dalieimg’halten.“ „Also waren nur die Kinder von bessern Leuten, wie man sagt, in der Schul?“ „Versteht sich,“ sagt sie mit dem protzigen Ausdrucke des Bewußtseins, daß die „Bültung“ ja doch nur für die besitzende Klasse „gemacht“ wurde. „Na ja, das ists ja eben und Sic werden sicher noch eine von den Besten, vielleicht gar die Erste gewesen sein?“ „Ich war alleweil die Erste, da liats nichts geben!“ „Wissen Sie was, Frau Kock, kommens morgen in die Schul und hören Sie uns ein wenig zu, ich frag die Kinder aus, da könnens dann auch sehen, was die Ersten und was die Letzten können.1 Wissen Sie und die zu Ihrer Zeit haben daheimbleiben dürfen, die müssen jetzt halt auch in die Schul geh’n und wenn es auch nit allweil is, so gehen sic doch hie und da und hängen dem Lehrer wie weiche Erdschollen an den Schuhen und halten das flotte Weitergehen auf. Aber trotzdem lernen die Tüchtigen hübsch viel und die Ganz-Schwachen auch noch was — Lesen lernt heutzutag schon jeder. Schauen Sie, gestern hab ich in der Gemeindekanzlei g’arbeit und die Zahlungsaufträge für die Umlagen g’schrieben. Ileut’ hab ich in der Schul eine Rechnung machen lassen: Der Hopfenbichler zahlt im ganzen K 47'58 und zwar 29*6 °/o Gemeinde- und 25‘4 % Schulumlage. Wieviel zahlt er also Schulümlag und wieviel zahlt er direkte Steuer?“ Ui, da springt sie fuchsteufelswild auf und meint, alle Kinder würden doch nicht Ge-meindeschreiber. Sie weiß aber recht gut, daß sie geschlagen ist, denn mit derlei Sachen weiß die gute Frau nichts anzufangen. Ebenso hat sie’s immer beim Kragen, wenn sie Klafter in Meter umrechnen soll, und es kommt ihr ganz zauberhaft vor, wie die Verzinsung der Einlagen ihrer Töchter in der Postsparkasse vor sich geht. Sie kann’s nie begreifen und die Ki-ankenkasse, bei der sie ihre Dienstboten cinschreiben lassen muß, ist ihr ebenso ein Mysterium. „Ja also,“ ergreife ich wieder das Wort, „Arbeit haben wir freilich mehr als die alten Herren und noch dazu ohne Dank!“ „Aber dafür seid’s Ihr jetzt wirkliche Herrn und mit ein’ sehreckbarn Gehalt ang’stellt!“ „Den niemand zahlt als wir Bauern! Zahlt ja sonst niemand eine Steuer, gar nit a !“ „Und die Ferien! Kein Mensch, nit einmal der Kaiser hat soviel freie Zeit!“ „Und wenn er fünfzig Jahr alt ist, geht er in die Pension und hat a Villa!“ „Derweil sind bei uns fünf Bauern abg’haust.“ — Da hab ich gleich ein ganzes Geschwader von An- und Vorwürfen. Nun mit dem Geld ists eine eigene Sach. Da muß man den Bauer von Grund aus keimen. Man muß nur das richtige Mittel wirken lassen, damit die gewünschte Reaktion erfolgt. Der Bauer sagt: Dem Prahler muß man schenken, was ja bloß eine Modifikation des Sprichwortes ist: Prahler sind schlechte Zahler. Ich weiß ja recht wohl, daß die Zensoren jetzt nicht reden, was ihnen selber wahr und klar ist, sondern sie wollen mich in ihrer sauren Weinlaune ärgern, „aufkibitzen“ wie man in Niederösterreich sagt. 1 (Sin probates Mittel! D. Sch. löot „Wahr ists, mit dem Gehalt sind wir jetzt gilt dran! Da tausch ich nit gleich mit einem. Komm ich da unlängst zu einem, ich mag den Namen nit nennen, nra’s Assekuranz- geld. Denk mir, wie ich hingeh zum Hof: Herrschaft noch einmal, a so ein Hof und der Stall voll Vieh und die 8tadle bummvoll. Most hat er mir gleich ein’ Krug voll bracht und d’ Bäuerin nach einer Weil ein G’selchtes rot wie a Rosen, und ein’ Speck, zweifingerdick, weiß wie Schnee. Nun ich eß, was ich mag, und trink und das hat die guten Leut g’freut, denn das sag ich alleweil, der schöne, alte, deutsche Brauch, daß man einen nicht fort- gehen läßt mit hungrigem Magen und durstiger Zunge, den findet man nicht bald wo so schön wie bei uns da. Alles was wahr und recht ist. Aber wie ich den Zettel von der Assekuranz herausnehm’, da schneid’t der gute Mann ein G’sicht. Siebenundsechzig Kronen, achtundvierzig Heller hat’s ausg’macht. — Mußt mir halt noch a bißl zuwarten, Herr. Nächste Wochen holt der Fleischhauer ’s Kalberl. Aft kimm ich am Sonntag g’wiß — — Ist schon wieder recht! —“ Da räuspert sich der Fuchsenbauer. „Wissens, Herr Lehrer, da ist gar nichts dabei. Der rechte Bauer braucht kein Geld. Ich sag’s, wie's ist. Mein’ Haus und Wirtschaft ist 20.000 ti. wert — aber — aber — ich hab oft keine fünfzig Gulden im Haus. Ich brauchs ja nit.“ „Nun, das mein ich auch,“ fall ich jetzt ein, „wozu auch? Ich sag’s, den größten Wert haben der Grund und Boden und die Naturalien. Ihr wißt schon, wie ichs mein! Geld schaut viel gleich und ist nichts wert. Vor fünfundzwanzig Jahren hat ein Lehrer von meinem Alter ein bißl mehr als d’ Hälfte von dem g’habt, was mein Gehalt ausmacht, aber die Lebensmittel waren auch grad halb so teuer; ein Paar Hendl hat, wie ich ein kleiner Bub war, sechzig Kreuzer kost’t, heut zahlst zwei Kronen vierzig Heller; das Rindfleisch hab ich als Bub noch mit vierundfünfzig Kreuzer zahlt, heut kostet es zwei Kronen und das Kälberne gar schier vier. Seht ihr, eure Sachen sind im Preise gestiegen, wir haben scheinbar einen hohen Gehalt, aber wir kommen doch alleweil hintennacli. Bald’s eine Aufbesserung gibt, ist schon lang früher alles teurer geworden, so daß man die Gehaltsregulierung, wie sie’s nennen, gar nimmer spürt. Was so ausschaut, als wenn man mehr bekommen tät, ist eigentlich nur die gerechte Draufzahlung, weil eben alles teurer worden ist.“ Da kann niemand widersprechen. „Und, meine lieben Leut, Steuer zahl ich so gut wie ihr. Bildet euch nit ein, daß ihr allein Steuer zahlt. Steuer zahlt ein jeder. Da müßt ihr die blauen Bilderl anschauen, die auf meinem Anstellungsdekrete picken. Ich werd euchs einmal vorrechnen, wieviel ich schon Stempelsteuer zahlt hab, seit ich Lehrer bin.“ Erste Anstellung als provisor. Lehrer 15 K, erste definitive Anstellung nach etwa drei Jahren 50 K, und so rechne ich fort alle Gehaltserhöhungen und Vorrückungen. Da schauen sie. Sie können das in der Geschwindigkeit gar nicht zusammenzählen. „Ja, und wißt ihr, was ich da Gehalt bezogen hab, wie ich für das Dekret 50 IC gezahlt hab? 500 Gulden! Keiner zahlt eine Steuer, der ein so geringes Einkommen hat, aber der Beamte muß zahlen. So schreibt’s das Gesetz vor. Und die Personal-Einkommensteuer extra. Also glaubt nur nicht, daß ihr allein Steuer zahlt. Und d’ Pension ? Ja wüßt ihr denn nicht, daß wir uns die zum großen Teile selber zahlen? Ich zahl jetzt alle Jahr 78 K ein; das wird aber natürlich alleweil mehr, je älter als ich werd’. Und wieviel Lehrer erleben ihre Pension? Und wenn schon, wie lang können s’genießen? Unser alter Oberlehrer, ihr wüßt ja, liats ein einziges Jahrl genossen. So kann ich viel nennen, ein paar Bekannte: Der Wendl von Hartschlag ist drei Jahr nach der Pensionierung g’storben, der Reuter von Winklzell zweiunddreiviertel Jahr, na und der Koller von Grafenberg ist gestorben ein Jahr vor der Pensionierung und wißt ihr, daß er volle 39 Jahr eingezahlt hat? Vor 60 Jahr wird keiner mit voller Pension in d' Ruh g’setzt. Und wenn ihr glaubt, für euch gibt’s keine Pension, so sag ich euch nur, habt ihr schon g’hört von der Rentenversicherung? Heutzutag kann jeder, wie er sein Haus versichert, auch sein Leben versichern. Wenn er 30 oder 35 Jahr einzahlt hat, kriegt er den bedungenen Betrag auf einmal auszahlt. Er kann es aber so ausmachen, daß ihm alle Jahr ein gewisser Betrag, sagen wir 500 Gulden auszahlt werden; das nennt man dann eine Rentenversicherung. So eine Versicherung ist freilich ein bißl teurer als unsere Pension, weil bei uns von vorüber zu dem bestimmten Zweck, daß die Zinsen davon zur Pension der Lehrer verwendet werden, ein großes Kapital angelegt worden ist und weil die Versicherungsgesellschaft eben auch ein Geschäft machen will. Dieses angelegte Kapital nennt mann den Pensionsfond. Da sind verschiedene Gelder, mit denen er immer wieder ergänzt und vergrößert wird.“ „Zum Beispiel die Schulstrafgelder,“ fällt giftig der Hochkogler drein. „Ja, ja,“ pflicht ich ihm bei, „davon kriegen die Pensionisten das Zigarrengeld für die ,Kurzen*, die sie rauchen. Die Schulstrafgelder sind soviel ausgiebig. Im vorigen Jahr sind von unserer Gemeinde 30 K eingehoben worden. Könnt euch denken, was da im ganzen Lande zusammenkommt. Die Menge Geld! Doch Spaß beiseite, uns Lehrern ist das gar nicht recht; das Geld soll in den Armenfond fließen, wir brauchen’s nicht. Wird auch noch so geschehen!“ Nun wissen sie eine Weile nichts. „Aber die viele freie Zeit, Herr Lehrer, das können’s doch nit bestreiten!“ „Ich denk da nur an die Ferien, denn sonst haben wir keine freie Zeit, und die ist nicht für uns! Wißt ihr, wieviel Stunden ich heut gearbeitet hab? In der Früh um 7 Uhr lmb ich ang’fangen, da war in der Kirche ein Requiem. Bis 11 Uhr hab ich Schul, nachmittags von halb 1 Uhr bis halb 4 Uhr, dann Singstund mit den kleinen Chorsängern, sind acht Stunden, dann bin ich zwei Stund’ in der Gemeindekanzlei g’sessen, macht 10 Stund ; wann habt ihr zu arbeiten ang’fangt und aufg’hört? Wer spielt euch die Orgel, wenn nicht der Lehrer? — Und d’Ferien? Wißt ihr, was der Inspektor geantwortet hat auf das Ansuchen eines Lehrkörpers wegen zweckmäßiger Teilung der Ferien? ,Zu dem Zwecke ist nur das Interesse der Jugend und der Umstand in Betracht zu ziehen, daß die Kinder der bäuerlichen Bevölkerung zu gewissen Zeiten den Eltern zur Verfügung stehen, weswegen dem Ortsscliulrate der Vorschlag zusteht. Ein Recht der Lehrer auf Ferien besteht nicht.* So war’s Schwarz auf Weiß geschrieben. Der Lehrer muß sichs gefallen lassen, wenn er während der Ferien wo andershin zur Aushilfe berufen wird.“ „A da schau her, das hab ich nit g’wußt!“ „Ja, ihr wißt gar viel nit und so ists bei allen, die an der Schul und den Lehrern was z’henzen hab’n 1“ „Na, na, Herr Lehrer, es ist nit so bös g’meint, daß man halt was z’reden hat.“ „Ich red’ mir den ganzen Tag genug.“ „Und da muß man sich im Wirtshaus a noch plagen und giften, gelt, Herr Lehrer?“ „Na, Frau Kock, bringen’s mir noch ein Achtel, da hab ich mich wahrhaft durstig g’redt!“ „Das sag’ ich wohl, das Giften mit den Klein’, das war mir das Z’widerste, ich, ich derschlagerts allsamt,“ meint der drollige Katzenbichler, der selber schier ein Dutzend Rekruten stellt. Das „Giften“ ist in den Augen der Leute das Schrecklichste am Lehrberufe und damit beweisen sie so recht, daß sie gar nichts von unserem „Geschäfte“ verstehen. Mich „giften“ immer die Erwachsenen mit ihrer dreisten Dummheit, die Kinder nicht. E. D. U. B. Nachbemerkung: Weitere Beitrüge für diesen überaus wichtigen Abschnitt sind sehr erwünscht. (Vgl. den Leitartikel „Unsere Waffen" in F. 90!) D. Sch. Doit der Hohe» Schule. (Thema: Biologie im Unterrichte und bei der Erziehung.) 4.) In den Vorlesungen des k. k. Regierungsrates Dr. Wilhelm Jerusalem fand ich vielfach bestätigt, was wir seit Jahren im Unterrichte und bei der Erziehung als Agens festhiellen: die Erarbeitung der Lektion ans dem realen Bedürfnisse heraus. Hätten wir hiebei den Idealismus ausgeschaltet, so würde man uns Materialisten genannt haben. Das ist indes keineswegs geschehen. Unser Streben war lediglich darauf gerichtet, dem Unterrichte durch das Moment der biologischen Betrachtung eine durchaus praktische Färbung zu verleihen. Zusainmenhängend gelangte die Tendenz in dem Leitartikel der F. 95 zum Ausdrucke. Die Biologie ist nun einmal in den Schulbetrieb gewachsen und hat bis in die entlegendste Einklassige hinaus dem naturkundlichen Unterrichte ein bestimmtes Kolorit gegeben. Es fragt sich nun, ob das Zweckniäßigkeitsprinzip bei dem Menschen als physischem Lebewesen ansgeschaltet sein soll. Ist er nicht den Einflüssen der Natur in ganz 1993 außerordentlichem Maße unterworfen? Erscheint nicht sein ganzes Wirken als ein Kampf, für den er gute Waffen braucht? Die besten Waffen schafft die Bildung des Geistes; denn der Intellekt ist es, der den Menschen vom Tiere unterscheidet, der ihm die Herrschaft über dasselbe verschafft hat. Damit ist die Richtung der neueren Pädagogik gekennzeichnet. Diese Einleitung kommentiert nachstehende Stellen aus einer der bedeutungsvollsten Borlesungen des genannten Professors im voraus. „Der Hunger veranlaßt das Kind, alle Dinge zum Munde zu führen; ebenso treibt der Hunger die Menschen an, nach fernen Gebieten Eisenbahnen zu bauen. Die Kenntnis der Dinge ist ein Mittel zum Kampfe um das Dasein. Die Erkenntnis ist ein Oberbau, der sich auf dem Unterbau der Triebe und Gefühle immer feiner aus bildet. Je mehr Hindernisse eintrctcn, desto geistvoller ist der Prozeß."1 — Über das Sprechenlernen äußerte sich der Gelehrte folgender-weise: „Die einzelnen Empfindungen lassen Spuren in der Seele zurück; das Gleiche wird wiedercrkannt und bei der Entstehung der Sprache mit einem Namen bezeichnet." Diese Festlegung führt zur natürlichen Methode im Unterrichte fremder Sprachen. Betrachtung des Gegenstandes unter Beigabe der Bezeichnung; dadurch Assoziation zwischen Anschauung und Wort, bezw. Reproduktion des einen durch das andere. — Weiter: „I n jedes Ding ivird eine Kraftquelle verlegt und alles wird als Kraft-äußerung betrachtet. Wo man nur die Wirkung sieht (Wind), denkt man sich ein Wesen dahinter. In Gebieten, wo kein Wind weht, ist auch kein Name, keine Personifikation dafür. (Fundamentale Apperzeption.)" Das Beispiel führt zu der Erklärung der griechischen Gvtter-welt. Alle elementaren Gewalten, die dem Menschen nützliche oder schädliche Auslösung von Natnrkräften, führten zur Personifikation, bezw. Vergöttlichung. Man wollte für alles, was sich nur in seiner Wirkung äußerte, eine Form, ein Analogon. Darin liegt eigentlich nichts anderes als das Streben nach Veranschaulichung, um sich mit der unsichtbaren Kraft irgendwie abzufinden. Die höchste Stufe der Konkretisierung, eine wesentliche Erweiterung der vorgenannten Personifikation, stellen die Gleichnisse dar, durch welche Christus dem niederen Volke den Inhalt der höchsten Begriffe „Rene, Barmherzigkeit" usw. nahezurücken verstand. — 5.) In den Vorträgen über „Vergleichende Völkerkunde" (Prof. Dr. Haberlandt) treten die unter 4 erwähnten biologischen Momente im Leben des Menschen bei der Betrachtung der auf der niedrigsten Kulturstufe stehenden Weddas (Ceylon) deutlich hervor. Der Selbsterhaltungstrieb des Individuums äußert sich beispielsweise u. a. auch darin, daß jeder der Herren Weddas ans den Speisengerichten das Beste nimmt, sich in ein Versteck zurückzieht und dort sein Fleisch in Ruhe verzehrt. Der schwächere Teil, das Weib, muß mit den Überresten vorliebnehmen. — Allgemein wird bei den Ürvölkern im weiteren festgestellt, daß sie beim Aussuchen neuer Wohnsitze dem Zuge der Vögel folgen, weil sie hiebei sicher sind, in Gebiete mit trinkbarem Wasser zu kommen. Könnte nicht auch bei unserer Schulerziehung manches von den Tieren genommen und als bildendes Moment benützt werden? (Ameise, Biene!) — Die Kollektivwirtschaft äußert sich bei den Naturvölkern darin, daß sie vorerst gemeinsam Schutz« maßregeln gegen den Feind treffen und die Ernährung als vereinigendes Moment betrachten. Eine Kvchgrube für das ganze Dorf: das ist der Typus für diese Stufe. Eine bis zur idealen Gestaltung ausgebildete Kollektivwirtschaft, die, im Grunde genommen, aus denselben Motiven entstanden ist wie die unsrige, finden wir im modernen Staate wieder. Es ist darum geboten, im Unterrichte der Bürgerkunde den Stoff aus dem Prinzipe der Zweckmäßigkeit heraus zu entwickeln und nicht etwa ans dem Wege des Dozierens, der trockenen Mitteilung vollendeter Tatsachen beizubringen. — 6.) In überaus geistvoller Weise erklärte nach den unter 4 und 5 angedeuteten Grundsätzen Universitätsprofeffor Dr. Dop sch in seinen Vorträgen über „Österreich ische Verfassnngs-lehre", wie die allmähliche Machtentfaltung der Ministerialen und der Landtage als ein Ringen nach Selbständigkeit sich aus der Schwäche von verschiedenen Herrschern, ans Zerwürfnissen in den Regentenhäusern, aus unglücklichen Kriegen u. a. ergab. Solcherart stellt also der moderne Parlamentarismus nichts anderes vor, als das vorläufig letzte Stadium des Kampfes der breiten Masse des Volkes mit bevorzugten Ständen. Der Kampf ist noch nicht zuende und alles, was die Politik des Tages bringt, ist eine kleine Einzelphase der Entwicklung. (Grundtendenz für den Betrieb der Bürgerknndel) 1 Ein wohlgeordnetes System der Grundsätze findet sich in der ans Seite 1760 der „Bl." besprochenen „Psychologie" Dr. Jerusalems. Die „kurze Methode“. (Gedanken eines sogenannten „Rückschrittlers“.) Mach es nur recht kompliziert, recht schwerfällig, dann hast du es schon recht gemacht! Plag dich, daß dir der Schweiß von der Stirne rinnt, und rede dich heiser, dann wirst du belobt! Aber wehe, wenn du es einfach und selbstverständlich machst! Dann verstehst du keine Methodik, du bist ein „Rückschrittler“. Zum Besonderen! Beispiel: Schreibleseunterricht! Nimm ein Bild, umspinn es mit einer Erzählung, erkläre und frage eine halbe Stunde, laß einen Mustersatz herausspazieren (Welche Freude hat das Kind daran!), zerhacke diesen Mustersatz in Wörter, zerhacke die Wörter in Laute (Einige Kinder gähnen schon lange!) und reite auf dem Laute und mit dem Laute auf den Kindern wieder eine halbe Stunde umher (Du bist ja ein vorzüglicher Methodiker!) und jetzt bezeichne diesen Laut durch einen Buchstaben (Welch große Kluft in der kindlichen Auffassung, denn es weiß nicht, wie ein Laut zu einem Bilde desselben kommt). Jetzt hast du endlich den Buchstaben und nun soll dieser erst mit den anderen verbunden werden (Womöglich auch wieder mit methodischer Langweiligkeit). So wird der ganze Vorgang in das kindliche Gehirn gepreßt, statt daß sich derselbe von selbst gebildet hätte. „Selbst gebildet hättet“ Geht denn das? Ja freilich geht es! Und zwar ganz einfach. Aber „einfach“ ist ja die größte Sünde in der Methodik! Und ich weiß auch nicht, ob ich von dieser Sünde losgesprochen werde, wenn ich sie hier beichte. Aber mir drückt sie das Herz ab, wenn ich zuschauen muß, wie andere die Sünde der Einfachheit nicht begehen. Also beichte ich: Nach dem Vorbereitungskurse sagte ich eines schönen Tages zu meinen Abc-Schützen: „Schaut, da habe ich ein Buch. In diesem B. ist etwas gedruckt, das will ich lesen. (Und ich las ein einfaches Geschichtlein vor.) Die Großen in der III. Abteilung können auch schon lesen; komm mal her, N., und lies ihnen vor, daß sie es glauben! (Und der Schüler der III. Abteilung las ihnen ein Stückchen vor.) Die aus der II. Abteilung können auch schon lesen, aber noch nicht so gut; komm, M., und lies etwas vor! Seht ihr, die können lesen. Das wollt ihr auch lernen, gelt? Schaut euch einmal das Buch an. (Und ich zeigte ihnen den Druck.) Da sind viele und viele kleine schwarze „Mander!“ drin. (Auf diesen Gedanken kam ich durch „Dreizehnlinden“, wo es heißt: „Trutziglich wie schwarze Krieger standen Glied an Glied die Runen auf dem weißen Pergamente.“) Schaut, das ganze Buch voll und jeder von diesen kleinen schwarzen „Gesellen“ hat seinen Namen. Da habe ich ein Kistchen; da sind auch solche „Löda“ drin; nur sind sie viel größer als die im Buche, aber sie schauen gerade so aus. Wir werden lernen, wie alle diese schwarzen Männer heißen, und wenn wir es wissen, dann können wir lesen. Ich nehme gleich einen „Loda“ heraus, er hat einen spitzen Hut auf und über seinem Kopfe fliegt ein Vogel. Der „Loda“ heißt „i“.1 Wie heißt der „Loda“? usw. Malt den „i“ ab! Ich werde ihn auch abmalen, aber groß auf die Schultafel. Auf den Vogel dürft ihr nicht vergessen. Da haben wir einen anderen „Loda“. Schaut, es sind eigentlich zwei „Löda“, die halten einander bei den Händen. Und die zwei Löda heißen „n“. Wenn ihr diesen Namen sagen wollt, müßt ihr die Zunge an die oberen Zähne legen. Die zwei Löda halten sich oben fest bei den Händen. (Zwei Schüler kommen heraus, fassen sich bei den Schultern und die anderen sagen „n“). Abmalen (wie beim i). Nun wollen wir lesen. N., komm heraus, du bist der i, halte das (Buchstaben-) Täfelchen auf die Brust. (Alle lesen: i.) M., komm du heraus, du bist der n. Halte auch das Täfelchen auf die Brust. (Alle lesen n.) Stellt euch nebeneinander, aber ganz zusammen; wenn ich auf dich zeige, sagst du deinen Namen („i“) und wenn ich auf dich zeige, sagst du deinen Namen („n“). Ich zeige von dem einen zu dem anderen (Und es klingt wie „in“). Zeigt nun ihr auf sie und sagt ihnen ihren Namen, aber sie stehen ganz eng beisammen, ihr müßt es auch so lesen (und es klingt wie „in“). Nun stelle ich die zwei schwarzen „Mander“ (Buchstabentäfelchen) auf die Leiste an der Tafel, zeigt darauf und sagt ihnen, wie sie heißen.“ So wird ebenfalls gebildet: ni, ini, inin, inini, nini, ninin, ninini. 1 Ich sah einer Lautentwicklung des i zu, die so verlief: „Seht Kinder, da steht ein Büblein. Das wirst den Hut in die Höh' und ruft: ,Das bin t!"' War kurz und — wirkte. P. Jetzt geht es an das Abschreiben! Ich nehme wieder das Buch: „Ich werde das Geschichtlein abschreiben, schaut her! (Und es wird einiges auf der Tafel vorgeschrieben.) Die Großen in der III. Abteilung können es auch schon. (Und so weiter, wie bei dem gedruckten Buchstaben.) Die schwarzen Manderl können wir auch schreiben. Seht, der da (z. B. das „r“) wird so geschrieben, der da so (usw.). Jetzt wollen wir den i schreiben. Habt ihr das schon einmal geschrieben? Ja, wir haben den Sägezahn dazu gesetzt. Und der Vogel drauf? Also schreiben wir den i.“ (Und so geht es weiter, wie sich wohl jeder selber ausmalen kann.) Bin ich mit dem einen fertig, so sage ich: „Wir wollen uns ein anderes schwarzes „Manderl“ anschauen, wir haben ja noch ein ganzes Kistchen voll. Schaut, da ist das neue „Lödal“, es heißt. . . D und t, b und p, f und v, g und k sind Brüder. F der lange Bruder und v der kurze. Wenn mir die Sünde, die ich jetzt gebeichtet habe, vergeben wird, so beichte ich ein andermal wieder eine „Einfachheit“-Sünde. Ludw. Korn. Nachbemerkung: Die drastisch geschilderte „kurze" Methode dürfte nicht ohne Widerspruch entgegengenommen werden. Wenn sie indes nichts anderes bewirkt als einen Ausgleich von Extremen, so hat der Aufsatz seine Schuldigkeit getan. Da-s Lautier» durch Anreihen von Schülern habe ich an der Übnngs-schule mit Erfolg betrieben. P. Die Oleclmlrede. Zur 19. Krage. Militärisches Turnen in der Volksschule oder nicht? 6. Urteil. Lehrer F. Schatzmann in Gisingen. Hierüber ließe sich gar vieles sagen. Ich bin für das militärische Turnen, weil ich es schon drei Jahre mit Erfolg praktiziere. Den Wert dieses Turnens lernte ich beim Militär kennen und ich verdanke unserem damaligen, sehr lehrerfreund-, liehen Leutnant, sehr viel. Vorteile des militärischen Turnens: 1. Der kleine Staatsbürger ist, wenn er einen Soldaten sieht, ganz entzückt und äußert oft den Wunsch, auch einmal Soldat zu werden. Erzählt der Lehrer nun von dem, was die Soldaten tun müssen, wie das erlernt und geübt wird und daß er diese Tätigkeiten und Übungen nun auch ihnen (den Schülern) zeigen wolle, so erwacht großes Interesse, das sich im fleißigen Aufmerken, im Bestreben, die Übungen richtig auszuführen, kundgibt. So hat also der Lehrer gewonnenes Spiel. (Den Spielen sei darob nicht Einhalt geboten.) 2. Beim militärischen Turnen wird es dem Lehrer, besonders dem, der viele Schüler hat, leichter, Disziplin in die Schar zu bringen. In den kurzen, militärischen Schlagwörtern (Befehlen) allein liegt, möchte ich fast sagen, schon ein schneidiger Zug. Auf Haltung, Ton und Sprache des Lehrers kommt es dabei sehr viel an. 3. Beim militärischen Betriebe der Übungen kommt man leichter und schneller zum Ziel. 4. Die Schüler werden gewandter und gewöhnen sich im Gehen und Benehmen an eine schöne, stramme Haltung. Sie gewöhnen sich auch leichter an jede andere Ordnung und befolgen unverzüglich weitere Anordnungen. 5. ln hygienischer Beziehung dürfte das militärische Turnen dem ändern ebenfalls vorzuziehen sein. 6. Nicht zuletzt wird durch das militärische Turnen die Vaterlandsliebe im Kinde geweckt. Zur 20. Krage. (Sollen wir in der Elementarklasse mit dem Schreib-Lcsen, mit dem Lesen allein oder mit dem Schreiben allein beginnen?) 3. Urteil. Eman. Ad. Horejschi in Wudingrün. Sollen wir nach entsprechenden Vorübungen, die doch dem eigentlichen Unterrichtsanfange vorangehen müssen, nur mit dem Lesen beginnen? Da werden wir lesen, lesen, lesen und als Stillbeschäftigung, welche doch auch sein muß, Strichlein ziehen und Kreuzlein malen lassen. Nun, wenn das Kind Strichlein machen kann, so wird es auch ganz gewiß ein i und ein n schreiben können und von diesen Lauten und Schreibbuchstaben geht die Fibel aus. Werden wir aber nur schreiben und schreiben und nicht lesen, so weiß ich nicht, ob die Sache in kürzester Zeit nicht schrecklich langweilig und tot sein wird. Bleiben wir dabei: Was wir gelesen haben, schreiben wir und was wir geschrieben haben, lesen wir. Da gibt es interessante Abwechslung und Übung, da greift eins ins andere wie die Zahnräder der Uhr und langsam, aber sicher rückt der Stundenweiser weiter. I0OG 26. Kragt. (Soll in der Elementarklasse mit der Lateinschrift oder mit der deutschen Schrift begonnen werden?) 5. Urteil. Ed. B. Da fällt mir ein, was einst unser Dcutschprofessor sagte, nämlich: „Bedienen Sie sich womöglich der Lateinschrift, denn die sogenannte ,deutsche Schrift' ist ganz undeutsch. Heute geht das Streben dahin, die Lateinschrift zur Weltschrift auszugestalten, alle Kulturvölker benutzen sie; warum sollen wir eine chinesische Mauer um unseren Kulturschatz aufführen?“ Anderseits verlangen die deutschen Schutzvereine geradezu die liebevolle Pflege unseres Charakteristikums in der Schrift und ich sage es gleich heraus: ich möchte mich nicht von ihr trennen, sie ist mir ans Herz gewachsen und sie hat sich diese liebevolle Fürsorge verdient, sie hat sich, wiewohl sie nicht deutschen Ursprungs ist, durch ausschließlichen Gebrauch im Laufe von Jahrhunderten sozusagen das deutsche Ehrenbürgerrecht erworben. Es ist bei der Gelegenheit nicht uninteressant einzuschalten, wie sich unseres Größten Mutter, Frau Rat Goethe, zu dieser Schrift verhalten hat, sie, eine Frau von echt deutscher Art, die in die Seele ihres großen Sohnes hinüberfloß. In einem Briefe, den sie an ihren Wolf nach Rom richtete, ermahnt sie ihn eindringlich, seine Werke nicht in den ihr unsympathischen Antiqualettern drucken zu lassen, und erwähnt, Schillers „Jungfrau von Orleans“ könne sie gar nicht lesen, weil sie nicht gotisch gedruckt wäre. „Wallenstein“ mit gotischen Lettern lese sie gern und mit Behagen. Es ist gewiß auch mit Rücksicht darauf Pietät gegen die gotische Schrift am Platze, weil unsere großen Denker und Dichter sich alle dieser Schrift bedienten. Wie prägt sich der graziöse Geist Wielands und Platens in diesen zierlichen Lettern aus, wie schwingt in mächtigen Kurven in ihr Schillers Feuerseele, wie äußert sich Goethes gemäßigte Kraft in ihr! Jeder unserer Klassiker hat sich so scharf in ihr abgebildet, daß man fast zu behaupten versucht ist, es ist gerade diese Schrift mehr der Individualisierung fähig als die gleichmachende lateinische. Und bekanntermaßen besteht eine Reziprozität zwischen Schrift und Charakter, es hat also auch die Schrift auf den Geist einen Einfluß, nicht nur der Geist auf die Schrift und — vielleicht entsetzt sich mancher, wenn ich behaupte, daß die gotische Schrift mehr auf unsere Volksseele gewirkt hat als die gotischen Dome, denn diese sind den breiten Massen zu wenig zugänglich und die Dauerwirkung der Schrift ist der Riesenwirkung dieser hehren Monumente entgegenzustellen. — Aber was hat das alles mit der Elementarklasse zu tun? Soviel: Die Schrift der Elementarklasse wird wohl dann die herrschende bleiben müssen und, daß dies die lateinische werde, wollen wir verhindern. Sie ist aber nicht nur aus nationalen, sondern auch aus pädagogischen Gründen abzuweisen. Es ist gewiß leicht zu zeigen, wie sich die gotische Schrift trotz der deutlichen Unterscheidung der einzelnen Zeichen von einander auf viel weniger Schriftelemente zurückführen läßt als die lateinische, welcher Umstand sowohl dem Lesen (Differenzierung erleichtert dasselbe) wie auch dem Schreiben zugute kommt. Die Schriftformen des kleinen Antiqua-Alphabetes beginnen sofort, beim einfachsten Zeichen schon, mit zwei Schriftelementen, dem Winkel und dem Bogen, während beim gotischen Alphabete vom Bogen ein ganz geringer Gebrauch gemacht wird (a-v-Gruppe). Führt man für die Antiqua-Schrift die unleugbar leichtere Bindung und daher bedingte Schreibflüchtigkeit ins Treffen, so muß ich bemerken, daß gerade dieses Argument im Zeitalter der Stenographie und der Schreibmaschine keine Wucht mehr besitzt. Also halten wir uns an unsere Großen, die haben gewiß auch alle die Antiqualettern gekannt und doch nicht benutzt, wahren wir unserem Volke ein äußeres Zeichen der Eigenart und Einigkeit! „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, das dauernd wirkende Gut deutscher Kultur. Zur neuen (27.) Frage. Vorbemerkung. Die Frage wurde von einem treuen Mitarbeiter der „Bl." aufgeworfen.1 Ehe sie zur Verhandlung gelangt, stelle ichdie„Uuterstüßungssrage": Soll das Thema in die Wechselrede eingestellt werden oder nicht? Hiebei muß ich bemerken, daß in politischen Kreisen der Wunsch laut wird, behufs Erhöhung der Autorität die Suchtmittel der Schule zu verschärfen. Wie denkt die Lehrerschaft darüber? Welche gesetzlichen Bestimmungen sind wünschenswert, um an Schulen mit abnormalen Verhältnissen schlecht erzogenen Kindern die Wohltat einer körperlichen Züchtigung durch die Schule, aber außerhalb des Unterrichtes, zu verschaffen, ohne daß der Lehrer in Gefahr kommt, die Züchtigung in Fällen zu verordnen, in denen andere Erziehungsmittel wirken würden ? 1 Es steht jedem Leser frei, Fragen einzusenden. D. Sch. Der kranke Lehrer und das kranke Kind. 23. (Thema „Winterkrankheiten“ für Elternabende.) Zu den häufigsten Heimsuchungen des mit Krankheiten aller Art so überreich gesegneten Kulturmenschen gehören die zum Glücke größtenteils nur selten lebensgefährlichen, dafür aber sehr verbreiteten und öfter wiederkehrenden Halskrankheiten, namentlich Husten und Heiserkeit, welche insbesondere im Vereine mit einem ausgiebigen Schnupfen durchaus nicht zu den Annehmlichkeiten der irdischen Pilgerfahrt zählen. Die lästige Quälerei des „Winterhustens“ ist zur Genüge bekannt und wird von den meisten mit mehr oder minder polternder Resignation als förmlich unvermeidliches Übel angesehen, wie eine unabänderliche Tücke des Schicksals, welcher wir rettungslos ausgesetzt sind, namentlich infolge des sehr oft jähen Witterungswechsels in unserem „nordischen“ Winter. Welche Angst haben die Leute vor jedem frischen Luftzuge! Die Fenster werden fast verstopft, und es kommt den ganzen Winter keine gute Luft in die verschlossenen Räume. Beispiel: Die Bauernstube. D. Sch. Diese Angst ist unbegründet; die Winterluft schadet nicht. Unsere Stubengetangenschaft in der trockenen, heißen Zimmerluft trägt vielmehr die Hauptschuld an dem weit verbreiteten Winterhusten und meistens werden lungenschwache Menschen von ihm befallen. Das häufigste dieser Übel ist der dlcute Katarrh der Nasenschleimhaut, der allbekannte Schnupfen. Die Schleimhaut ist gerötet und geschwollen, der Kranke hat in der Nase das unangenehme Gefühl von Trockenheit und Verstopftlieit sowie einen heftigen Reiz zum Niesen; dazu kommt späterhin die Entleerung einer mehr oder weniger reichlichen, zuerst wässerigen, dann schleimigen oder eitrigen Absonderung. Häufig gesellt sich dem Schnupfen ein Katarrh des Rachens, des Kehlkopfes und der Luftröhren; bei nicht wenigen beginnt jede Erkältung mit einem Schnupfen und endet oft mit einem Luftröhrenkatarrh. Noch weit schlimmer und verhängnisvoller ist die Fortsetzung der Entzündung von der Nase durch die Ohrtrompete auf das Mittelohr. Diese Komplikation ist bekanntlich bei Kindern besonders häufig und kann sehr schlimme Folgen für das Gehör haben. Mag nun oder muß sogar zugegeben werden, daß selbst recht wetterfeste Naturen nicht allen Unbilden und Schwankungen der Temperatur ungefährdet zu trotzen vermögen, so hat doch sicher der Grundsatz Geltung, daß die Schleimhäute um so seltener von Entzündungen heimgesucht werden, je kräftiger und abgehärteter die äußere Haut ist. Würde überdies daran stets gedacht werden, daß die Nase ihren wichtigen Dienst als Riech- und als Atemwerkzeug hat und wäre diese Doppelaufgabe der Nase ganz allgemein gewürdigt und würde die Nase dementsprechend schon von allen Kindern als natürlicher Respirator richtig benutzt werden, dann könnte so manche Erkältung gar nicht zustande kommen. (Atemübungen! D. Sch.) Die Dauer des akuten Schnupfens oder Nasenkatarrhs beträgt in der Regel nur wenige Tage, kann sich aber in vernachlässigten Fällen auch bis zu vierzehn Tagen erstrecken. Der chronische Schnupfen (Stockschnupfen) entsteht entweder aus einem akuten oder tritt Sogleich von Anfang an in schleichender Form auf und bildet namentlich auch ein hervorragendes Symptom der Skrofulöse im kindlichen Alter. Die Behandlung ist in der Regel recht einfach: kräftige Haut- und Lungenpflege. Nächtliche Hals-, Brust- und Beinnm-schläge (18 bis 20 Grad Reaumur), denen früh, nach ihrer Entfernung, eine 18 bis 20 Grad Reaumur Ganzabreibung des Körpers mit darauffolgender Bewegung sich anschließt, genügen sehr oft zur Beseitigung des Schnupfens in wenigen Tagen; nötigenfalls werden bei kalten Füßen auch Fußdampfbäder angewendet, letztere nicht mehr als zwei in einer Woche. Möglichst viel Aufenthalt im Freien, täglich mehrmalige Mund- und Nasenspülungen (etwa 22 Grad Reaumur) sowie öfteres Tiefatmen (Zimmer- oder wenn tunlich, Freiluftturnen) sind vorzügliche Unterstützungsmittel, deren ein widerstandsfähiger Körper allerdings ganz entraten kann, da dieser einen einfachen Schnupfen auch zumeist ohne jede „Kur“ leicht überwinden kann. Ist mit dem Schnupfen Fieber und Mattigkeit verbunden, so wird er Grippe genannt; diese tritt zu Zeiten epidemisch und besonders heftig auf und führt alsdann die schon bei Goethe sich findende Bezeichnung Influenza. Über den eigentlichen Ansteckungsstoff der Influenza, über seine Vermehrung, seine Verbreitung durch die Luft und sein Eindringen in den menschlichen Körper herrscht keine Klarheit. Eins aber steht fest: die Erkrankung befällt, wie alle ansteckenden Krankheiten, nur denjenigen, dessen Organismus durch auf-gespeicherte Selbst- und Fremdgifte hiefür besonders empfänglich ist. (Contra Alkohol! D. Sch.) Ein Hauptkennzeichen der Influenza ist bekanntlich der ganz unvermittelte, gleichsam urplötzliche Krankheitsausbruch; ein Vorläuferstadium pflegt zu fehlen, weshalb auch der Name „Blitzkatarrh“ gebraucht wird. Der Verlauf vollzieht sich folgendermaßen: Zuerst ein Schlittelfrostanfall oder mehrere, hierauf Fieber von verschiedener Höhe, begleitet von starken Kopfschmerzen, welche sich von der Stirne bis zum Hinterhaupte herabziehen. Je nach der besonderen Körperbeschaffenheit des Erkrankten und je nach dem Grade der Erkrankung, je nachdem Kopf, Brust oder Bauch hauptsächlich angegriffen sind, zeigen sich noch nachstehende Allgemeinerscheinungen: große Mattigkeit und Schwäche, empfindliche Zerschlagenheit in allen Gliedern, Gelenksschmerzen, große Apathie, Unlust zu allem, trockener und quälender Husten, Heiserkeit, schleimiger, eitriger, auch bisweilen blutgefärbter Auswurf, Atembeschwerden, die Empfindung des Wundseins unter dem Brustbeine, Aufstoßen, Magendrücken, Erbrechen, Appetitlosigkeit und anderes. Die Dauer der Krankheit schwankt zumeist zwischen sechs und vierzehn Tagen. Tritt der Tod ein, so ist er in der Regel die Folge einer akuten Entzündung der Lunge, wozu Personen mit geschwächter Widerstandskraft, namentlich Lungen-, Herz- und Rückenmarksleidende, besonders stark neigen. Erwiesene Tatsache ist es, daß „Trinker“, selbst recht „mäßige“, der Influenza am leichtesten zum Opfer fallen und am schwersten genesen, bezw. am meisten unter den bereits genannten Nachkrankheiten zu leiden haben. (Ist beim Vortrage doppelt zu unterstreichen! D. Sch.) Die Behandlung ist im allgemeinen nach der Fieberhöhe zu bestimmen. Bei nur geringem Fieber genügt ein Kasten-, Rohrstuhl- oder Bettdampfbad mit darauffolgender 20— 22 Grad Reaumur Ganzwaschung der mit einem 23—25 Grad Reaumur Halbbade von fünf Minuten Dauer bezw. mit einem Rumpfbade von derselben Wärme und Dauer. Diese Anwendungen nehme man ein- bis zweimal des Tages vor, wozu noch in der Zwischenzeit erregende Leib- und Wadenpackungen von 18—22 Grad Reaumur kommen; auch empfiehlt es sich, fleißig mit zimmerwarmem Wasser zu gurgeln und schluckweise Wasser zu genießen, welches mit Zitronen- oder sonstigem Fruchtsaft gemischt ist. Selbstredend muß für frische, reine Zimmerluft möglichst gut gesorgt werden. Höhere Fiebergrade erfordern eine eingreifendere Fieberbehandlung, so namentlich Ganz- oder Dreiviertelpackungen mit zwei feuchten Einlegetüchern (20 bis 22 Grad Wasser), und zwar können sogar 3 bis 4 und noch mehr Packungen nacheinander notwendig werden, da bei neueintretender Ruhe und Hitze des Kranken sofortiger Wechsel der Packung nötig ist; heiße Körperteile sind in der Packung mit kühlenden, dicken Extrakompressen zu belegen. Zumeist tut man gut, eine solche Extrakompresse auf den Unterleib vom Nabel abwärts sowie an die Füße, welche man nicht in die feuchten Einlegetücher einschlägt, eine feucht umwickelte Wärmflasche anzulegen. Nach Abnahme der letzten Packung hat eine 20 Grad Reanmur-Abwaschung, oder ein Halbbad von 22 bis 25 Grad, Packungen mit zwei feuchten Einlegetüchern (20 bis 22 Grad), bezw. die nötige Abkühlung zu besorgen. Von außerordentlicher Einfachheit ist die Behandlung nach Pfarrer Kneipp: Dem Kranken werden im Bette Hals, Brust und Rücken rasch mit ganz kaltem Wasser abgewaschen, dann wird ein trockenes leinenes Handtuch um den Hals gebunden und der Patient gut, aber ohne Belästigung zugedeckt ; dieses Verfahren wird stündlich wiederholt. Die Waschung soll sehr rasch vor sich gehen, längtsens 10 Sekunden ; abgetrocknet wird der Kranke nicht. In der Regel tritt schon nach einigen Stunden ein solcher Schweiß ein, daß der Patient förmlich in Schweiß gebadet ist. Dieser starke kritische Schweiß bricht die Krankheit und brin gt die Genesung. „Innerlich“ verordnete Pfarrer Kneipp stündlich einen Löffel frischen Wassers. Ein höchst lehrreiches Beispiel raschester und einfach ster Überwindung eines Influenzaanfalles gab der berühmte Wiener Hydropath und Universitätspfo-fessor Winternitz durch folgenden Vorgang: Anläßlich einer Influenzaepidemie mitten auf der Straße von Schüttelfrost ergriffen, hüllte sich Professor W. fest in seinen Pelz und begann, alle Mattigkeit mit eiserner Willensstärke niederkämpfend, so lange rasch durch die Straßen zu eilen, bis er in Schweiß geriet. Zu Hause angekommen, ließ er sich mit einem trockenen Tuche abreiben, legte Wollunterkleidung an und verzehrte sein^Abendessen mit großem Behagen, da Fieber, Kopfschmerzen und Mattigkeit ganz verschwunden waren. Es ist entschieden die einfachste Art, die Krankheit sofort im Entstehen zu überwinden, und in vielen Fällen hat ein sofortiges Schwitzen im Dampfbade oder im Bette rasch und für immer Hilfe gebracht. Bei Bettlägrigkeit sei schließlich auf die Notwendigkeit einer möglichst reizlosen Diät hingewiesen. Am besten eignen sich Schleimsuppen, gekochtes Obst, Gemüse, Milchspeisen, Milch und Wasser mit Fruchtsäften. lim Eingaben-Verzeichnis für Schulleitungen und Lehrer zum Amtsgebrauche. Zusammengestellt von Therese Grünwald, Oberlehrerin in Villach.1 Am 1. Jänner: Schulversäunmis-Ausweis. (§ 70 der Sch.- u. U.-O. Auch Fehlanzeige. An den O.-Sch.-R. 1 Rare.) Am 5. Jänner: Tabelle, betreffend die Enthebung vom Landsturmdienste. Am 15. Jänner: Gesuche behufs Geltendmachung des Anspruches auf Militärdienstbegünstigung stellungspflichtiger Volksschullehrer. (Im Wege der Gem.-Vst. bei der polit. Beh. einzubringen) Am 15. Jänner: Vorlage des Fragebogens zum Jahreshauptbericht. Formular A. Ende Jänner: Revision der Schulbeschreibung. An den k. k. Bezirksschulrat. Von allen Lehr- personen, die über 1200 K Einkommen haben, sind die Bekenntnisse über die steuerpflichtigen Dienstbezüge behufs Bemessung der Personaleinkommensteuer zu überreichen. Bei der k. k. Steueradministr., bezw. bei der k. k. B.-H.-Sch. Sechs Wochen vor Ostersonntag: Gesuche um Befreiung vom Sommer-Schulbesuch und um vorzeitige Entlassung. Zu Ostern: Statistische Tabelle über Fortbildungskurse. Am 1. April: Verzeichnis über die neueingetretenen, aber eines Impfzeugnisses entbehrenden Schüler. Auch negativ zu berichten. Am 30. Mai: Ansuchen um Flüssigmachung der Remuneration für Parallelschulen usw. Am 31. Mai: Vorlage des Erfordernisses für das nächste Schuljahr und Ansprechen eines Pauschalbetrages zur Erhaltung und Erweiterung der Lehrmittelsammlung. Am 10. Juni: Nachweis des Fortbestandes der Militärdienstbegünstigung seitens der der Armee angehörigen Lehrer. Durch die Gem.-Vorst. bei der politischen Behörde einzubringen. Am 1. Juli: Verzeichnis der im abgelaufenen Halbjahre erteilten Religionsstunden. Am 20., 21. und 22. Juli, anläßlich des Schulschlusses: Schulversäumnis-Ausweis pro Hälfte Juli. Bericht über Schulschluß. Bericht über Prüfungen von Privatisten. Auch negativer Bericht. Vor Schluß des Schuljahres: Gesuch um vorzeitige Entlassung jener Schüler, welche im nächsten halben Jahre das 14. Jahr vollenden. Drei Tage vor einem Schülerausfluge: Meldung des Schülerausfluges. Am Schluß des Schuljahres: Schulschlußmeldung. Bericht über die bei den Schülerausflügen gemachten Wahrnehmungen. Einzelberichte der Klassenlehrer und -lehrerinnen beizulegen. Anläßlich des Schulschlusses: Bericht über grobe Vernachlässigung des häuslichen Unterrichtes oder der Erziehung des Kindes, die sich bei einer nach dem § 206 und 208 der Sch.- und U.-O. abgehaltenen Prüfung ergeben haben. (§211 der Sch.- und U.-O.) Am 25. Mitte September anläßlich des Schulbeginnes: Bezeichnung aller jener Kinder der Schulmatrik, welche zur Aufnahme nicht angemeldet worden sind, und Verzeichnung jener, die im Verzeichnis des Matrikenführers nicht angegeben sind. (§ 41 der Sch.- und U.-O.) Am 26. September: Bekanntgabe der Zweifel hinsichtlich der Zugehörigkeit des Kindes zu einer bestimmten Kirche und Religions-Genossenschaft. (§ 49 der Sch.- und U.-O.) Am 27. September: Mitteilung über jene Kinder, die zu Hause unterrichtet werden sollen. (§ 94, Abs. 3 der Sch.- u. U.-O.) Am 28. September: Bericht über Schuljahrsbeginn. Am 29. September: Verzeichnung der Schüler nach dem Religionsbekenntnisse der der Minderheit angehörigen Kinder. Am 30. September: Verzeichnis der Schüler nach dem Religionsbekenntnisse und Bericht über die Frequenz. (§ 50 der Sch.- u. U.-O.) Zu Beginn des Schuljahres: Verzeichnis der Schüler, welche wegen eines geistigen und körperlichen Gebrechens oder wegen des Besuches einer anderen Schule oder wegen des häuslichen Unterrichtes vom Besuche der Schule befreit sind. (§ 24 der Sch.- u. U.-O.) Vorlage der fertiggestcllten Stundenpläne. (§ 135 der Sch.- u. U.-O.) Vormundschaftsbestellung für verwaiste und uneheliche Kinder. (§ 40, Abs. 3 d. Sch. u. U.-O.) Ausweis über Blinde. An die Blindenanstalt; auch negativ zu berichten. Acht Tage nach Schulbeginn: Schulbeginnsbericht. Vierzehn Tage nach Schulbeginn: Schulbeschreibung. In zwei Exemplaren ohne Vorlagebericht. 13JZit Erlaubnis der Verfasserin ans dein Kärnt. Lehrer-Kalender entnommen. Lesefrüchte. Der sechste Tag. Eine Zeit hing lag ich an einer hartnäckigen Halsentzündung im Bette und als nach den ersten Tagen die Umflorung des Geistes gewichen war, kam mir ein Buch in die Hand — was für ein schönes Buch! Es ist geschrieben für euch alle, liebe Kameraden, ein Buch, verfaßt nach den Briefen einer siebenbtirgisch-sächsischen Lehrerin, ein Buch eines tiefen, reifen Geistes, ein Brevier besonders für Landlehrer. „Dreierlei lernt sich draußen, weit vom Banne der Stadt, und läßt sich für Körper und Geist leichter vereinigen als dort, dieser Dreiklang lautet: Lesen, Sinnen und Arbeiten. Das städtische Leben schiebt das letztere durchaus in den Vordergrund, namentlich für den Mann. Die beiden ändern treten bescheiden in den Winkel, und doch, wie wichtig sie sind, erkenne ich jetzt.“ „Du gehörst nicht auf das Land! Das Wort ist ein wahres Armutszeugnis und keine Auszeichnung. Das einzige, was ich bei meiner Übersiedlung ablegte, war Glockenrock und Lackschuhe.“ Es ist das Buch wie die Bibel oder ein anderes weltbedeutendes Werk, etwa Goethes Gespräche mit Eckermann, auf jeder Seite findet ihr Bedeutendes: „Heute hat es die erste Ohrfeige gesetzt. Ich bin den ganzen Tag über mit einem starken Gefühl des Ekels umhergegangen und habe mir mehrmals unwillkürlich die Hand gewaschen. Warum eigentlich? Solange die Strafe nicht Ausfluß heftiger Erregung und Übereilung ist, sondern Notwendigkeit, tue ich doch nichts, wozu nicht jede Mutter ihren Kindern gegenüber verpflichtet ist.“ Vor einigen Tagen besuchte mich ein entfernt wohnender, um zehn Jahre älterer Kollege. Er ist in seinem neuen Dienstorte noch nicht daheim und klagte bitter über äußere und innere Vereinsamung. „Sag mir,“ fragte er, „hast du nie, als du einen neuen Dienstposten bezogst, das wie erstes Heimweh stürmische Sehnen nach deiner alten Gesellschaft, nach einem guten Freunde?“ — Ich muß schon gestehen, daß ich mich selbst arrogant fand, als ich ihm sagte, daß ich überhaupt dieses Bedürfnis nach Menschen seit Jahren schon nicht mehr empfinde. Mag sein, daß meine Verheiratung die Ursache ist, ganz gewiß aber ist es die hohe Schule der deutschen Geisteskultur, die mich ausreifen ließ. Ein deutscher Lehrer, auch und vor allem der Volksschullehrer muß die deutschen Klassiker der Dicht- und Denkkunst in sich verarbeitet haben.“ — So ähnlich Wittstock S. 53 und 83. „Wer heißt so viele von uns kritik- und verständnislos an den besten Geistern vorübergehen, die das deutsche Volk gebar und die wir alle zu unseren Volksgenossen, Lehrern, Freunden jederzeit machen können, wenn wir sie in ihrem Heime aufsuchen ! Daß sie bei uns nicht im großen Volkstempel thronen, sondern mancher in der Rumpelkammer liegt, ist unsere Schuld. Wer lieber in gehaltlose Vorträge läuft, statt die größten Menschenkenner aufzusuchen, mag sich selbst die Folgen zuschreiben.“ „Mit Anschauungen, die auf Marlitt’schen Romanen fußen, findet man sich hier draußen nicht zurecht, wohl aber mit Hilfe Goethes und Shakespeares.“ Ich habe meinem Kollegen das Büchlein angeraten. Es greift an vielen Stellen auch sehr kräftig in das Lehrergewissen und wirkt so auch charakterbildend auf werdende Menschen. „Ich habe gar zu oft gesehen, wie eigentlich der Mensch am beliebtesten war, der die Dinge gehen ließ, wie sie wollten.“ — „Auch habe ich gesehen, welch entsetzliche Armut die Folge ist, wenn der Lehrberuf zur weltlichen Hantierung wird, mit einer klägliehen Stufenleiter des Ranges Eitelkeit und Streberei weckt, ein Tummelplatz niedriger Leidenschaften.“ Der Autor gehört allem Anscheine nach, damit komme ich auf den Grundton des Werkes, zu den Modernisten. Das sind jene Leute, man weiß nicht, gehört ihnen die Zukunft, weil sie den Mittelweg gehen, oder sind sie als Halbe verloren. Es ist etwas an ihnen von einer Renaissance, ja wirklich Renaissance. Der „modernistische“ Pastor Larsen trägt im Zwiegespräche mit der Lehrerin die ganze Lehensgeschichte des Heilandes vor. Die Auslegungen sind von verblüffender Einfachheit, die Beziehung des Lebens des Erlösers zur heutigen Wirklichkeit so klar dargelegt, die Ewigkeit, Göttlichkeit der christlichen Lehre so rationalistisch wie begeisternd vorgetragen, daß jeder, ob Heide, Modernist, Protestant oder Katholik, das Buch mit dem Gefühle weglegen wird, daß er dem Geiste des „Einzigen von Nazareth“ durch dieses Werk näher getreten, daß wie der Lehrerin auch ihm dämmert — edelstes Menschentum — der sechste Tag. E. B. Briefkasten. Der für manches Lehrerleben so kritisch.- Monat „Feber" legt dem Fcenndc der Jungmannschast die Pflicht auf, nor nHjurasch geschlossenen Herzensbündiüsseu zu warnen. Nur zu oft stellt sich in dem Zweibuude der eine Teil zum ändern derart, daß man nach zeitgemäßen politischen Mustern ständig ans der Hut sein und im Sinne der diesmaligen Beschickung des Abschnittes „Von der Hohen Schule" die Waffen bereithalten muß. Ist das ein „Leben voller Wonne"? Wo ist da „der Himmel voller Geigen", den sich so mancher erträumt, so er im Karnevalstaumel ein Schätzchen erkürt? Der lockende Ton der Fiedel, der verführerische Dreivierteltakt, die Lampions und Zieraten anderer Art mögen vielleicht die Phantasievorstellung erzeugt haben; aber es war eben nur ein Gebilde des Augenblicks, das uiit dem Schnee in der Märzsonne zerrann. Ich mag gar nicht das Schillersche „Drum prüfe..." hercinzerren, weil ich überhaupt gegen die allzusruhe Abgabe der Freiheit bin. Die Teuerung bestärkt mich in meiner Ansicht. Wieviel Leid konnte in Lehrerkreisen hintangehalten, wieviel Kummer erspart, wieviel Bildung dagegen gefordert, wiet i l kostbares Metall aus unserem Schachte gehoben werden, wenn die jungen Kollegen mit der Gründung des Hausstandes warteten, bis die Verhältnisse ein sorgenloses Familienleben sichern! Wer heute als 24 jähriger ein armes Mädchen heimführt, ist ein geplagter Mann, wer eine reiche Braut gesunden hat, in den weitaus meisten Fällen für den Stand und die Bildung verloren, weil mit den paar Groschen in der Regel nicht die ebenbürtige Genossin in das Schnlhans einzieht. — Da wimmert nun mancher: Ja, wie soll ich denn ohne Frau in dem Dorfe leben? Ich verderbe mir mit der schlechten Kost den Magen!" Das sind Schlagivorte, die bei dem heutigen Stande der Dinge ihre Geltung längst eingebüßt haben. Wie hilft sich der einsame Offizier im windverwehten Bergnest, wie der Finanzbeamte an der Reichsgreitze, wie der Vorgesetzte des Lehrers, der Inspektor, so er mehr denn, die Hälfte des Jahres sich außerhalb des eigenen Heimes verköstigen muß? Das Argument ist also überaus schwach. Und träfe es auch bisweilen zu, es mag den Satz „Lieber einen verdorbenen Magen als ein verdorbenes Leben!" nicht ins Wanken zu bringen. Wenn wir den Gründen für allzufrüh geschlossene und dadurch zumeist unglückliche Ehen »achgingen, so kämen wir auf drei Momente: a) Feigheit im Kampfe ums Dasein, b) eine augenblickliche Schwäche, c) das Einfangen der Kandidaten durch die mit Töchtern gesegneten Kostfrauen. — Ha, da verkriecht sich so mancher und zetert. Als ob ich ein Feind der Lehrerehe märe! Keinesfalls! Nur die Vcrfrühung ärgert mich, weil sic unfern Stand in jeder Beziehung lahmlegt. Wir stünden im Lohnkampfe ganz anders da, wenn nicht hinter jedem Genossen eine Familie wäre! Als Devise gelte: Der Lehrer heirate dann, wenn er in der Lage ist, eine Familie standesgemäß zu erhalten. Weiteres im Leitartikel „Lehrerehen — Lehrerelend!" (Seite 107 des Auszuges 1904—1906) und tu dem Vermerke des verstorbenen Hofrates Palla (S. 545 der „Blätter".) — Iirk. $6. N. in St.! Die „Blätter für Lehrerinnen" werden voraussichtlich mit der Märzfolge ausgegeben werden. Sie können also Stoff einsenden. — Direktor A.Sch. in £.: Importiertes Gift! Die Wirkung mußte kommen. — A. St. in Sch.: Für den Glückwunsch zur „Wendung im Lebenskurse" Dank! Kann ich mich auch bald als Gratulant einstellen? — Mach Sachsen: „Fuhrt auf die Höh'!" Sie erinnern mich mit diesem Motto an einen der schönsten Tage des Lebens. — Krk. Z. K. in tz. und vielen anderen: Das Prosit-1912 in herzlicher Weise zurück! — Hverk. I>. W. in K.: Daß cs in der Welt noch Dank gibt, mutet mich ganz sonderbar an. Wenn ich mir die Briefe derjenigen, die zum Schlüsse mit dem „Ihr ewig dankbarer N. N." den Buckel machten, besehe und dann ihr erbärmliches Handeln in Vergleich ziehe, so denke ich immer: „Das muß ja so fein!" Darum hat mich Ihr Brief eigentlich überrascht. — Intlilutsvorstehung in jl\: DaS Erscheinen verzögerte sich wegen einiger Fahrten im Interesse unserer Bestrebungen. Im März dürsten wir wieder ins Tempo kommen. — Hverk. W. L. in K.: Die ersten drei »Briefe an die Leser der „Blätter"' können nachbestcllt werden. (20 h pro Stück. Zuschrift an die Verwaltung.) Der 1. (der grüne) Brief behandelt den Aufbau der „Bl." als Vertretung der Landschnlinteressen; der 2. (der gelbe) Brief betrifft die Ausgestaltung derselben und die Einordnung in den Organismus der Lehrerschaft; der 3. (der rote) Brief beschäftigt sich mit der Jnspektorensrage und der politischen Stellung der Lehrer. — Dir. der in S.: Nichts ist bei der Ausbildung des Nachwuchses so zu bedauern, als daß die Übungsschule ausschließlich eine Nobelschule ist, eine Vorstufe zum Gymnasium. Wo bleibt da bas praktische Moment? — Hverk. Zö. W. in K.: Ihr Glückwunsch glich an Gewicht dem des Herrn B. (S. 1916 der „Bl."), so daß ich 20 h Strafporto 2002 bezahlen muhte. Als ich jedoch den Inhalt wog, war mir um den Zoll nicht leid. — Lehrer L. K. in A.: Ans Ihrem Briefe: „Wozu soll ich ein langes Geleite schreiben! Läßt der Redaktions-Cerberns, vulgo Papierkorb, beiliegende Zeilen passieren, so ist dasselbe nicht nötig! andernfalls nicht auch ein umständliches Geschreibsel nichts." — So ist es! Der Cerberus machte zwar ein verdrießlich Gesicht, denn groß durste der Sturm sein, der über die „Anregung" wehen wird. Aber das ist eigentlich gut, denn aus dem Streite der Geister steigt die gute Idee als Phönix empor. — Institut H. K. in Jara: Das Album habe ich mit großem Interesse durchgeblättert; es zeigte mir eine durchaus musterhafte Einrichtung. Ja, wenn man einen reichen Onkel hat, kann man leicht schöne Kleider tragen. — Pie g. Mitarbeiter werden ersucht, in den Beiträgen stets aus einschlägige Abhandlungen der früheren Jahrgänge der „Bl." zurückzugreifen, damit der ganze Stoff ausgenützt und bereits Erörtertes kurzerhand einbezogen werde. — It.-Sch.I. Ii. S. in II.: Der Mann ist krank; man muß ihm das zugute halten. — IKof. L. in '£.: Die „Blätter für Lehramtskandidaten" werden auf Ihre Wünsche Rücksicht nehmen. Das Hineinstellen der jungen Herren in die Wirklichkeit wird zur Männlichkeit, die vielen der Neugebackenen noch abgeht, beitragen. In keinem Stande wird eben vom Neunzehnjährigen soviel verlangt wie in dem unseren. — Lehrer It. jj. in G.: Na, gar zu einfach dürfen Sie sich die Sache nicht vorstellen! Vergessen Sie nur nicht, daß bei der Reifeprüfung über das Gymnasium neben den alten Sprachen die Mathematik und Physik schwer ins Gewicht fallen! Und hiefür ist die Vorarbeit in der L. B. A. zumeist sehr gering. — Per Artikel „Itom Iteihennnterrichte" in F. 96 der „Bl." führt, nach den Einsendungen zu schließen, zu einem regen Meinungsaustausche. Das ist sehr zu begrüßen, denn das Rechnen ist mit Bezug auf die Biologie des Menschen der wichtigste Gegenstand und sollte darum zu einer treffsichern Methode geleitet werden. Wir wollen über das Thema eine Art „Wechselnde" eröffnen. — H.-L. It. in Zt.: Erst unlängst wollte ein Kollege auf seine Widersacher einen Scharfschuß abgeben. Ich ließ jedoch den Hahn nicht knattern, weil wir den kostbaren Raum für was Besseres als für Zeitungsfehden, die in der Regel wenig Genuß und Erfolg bieten, ausnützen wollen. — 1?rof. It. in W.: Der Arme konnte nur durch den Wechselbalg seine „Werke" unterbringen. — Lehrer I. H. in H.: Sie schreiben: „Durch Nebenverdienste bekomme ich jeden Monat ein hübsches Sümmchen, so daß ich in der Lage bin, mir so manches brauchbare Buch anzuschaffen." Zur Nachahmung! Doch eines: Wollen Sie gef. die Art der Nebenverdienste mitteilen und damit den Abschnitt „Geldquellen für den jungen Lehrer" bereichern! — Lehrer K. It. in K. II.: Ihre Vorschläge sind zeitgemäß; sie werden zweifellos zu einer Erörterung führen. — IS. Sch. I. I. I. P. in K.: Die zahlreichen Zustimmungen aus dem Buchenlande lassen mich an die begeisterte Zuschrift glauben. Vielen Dank Ihnen und den Getreuen! — Schlkt. M. Lt. in Kalken: Die von Ihnen angegebene Stoffsammlung wurde bereits des öfteren als zü breit bezeichnet. F. 97 nannte Bücher, die Ihnen trefflich dienen können. — Lehrer I. W. L. in Ä.: Sie berichten von einem Lob persönlicher Gegner über die „Bl." Sehen Sie, das sind „ehrliche" Gegner. Nur, wer die Sache von der Person nicht zu trennen vermag, ist zu bedauern. Darum mögen Sie dem „vornehmen Feinde" meinen Respekt vermelden! — Lehrer W. H. in A.: Ich soll Ihnen meine Meinung über die Friedensbewegung und was damit zusammenhängt, mitteilen. Nun denn: Im Grunde genommen bin ich selbstverständlich für den Frieden; insolange jedoch nicht alle Staaten die Waffen niederlegen, dürfen wir es auch nicht tun. Und dem muß die Erziehung Rechnung tragen. Es wäre falsch, die Kampflust zu nähren, aber dermalen ebenso unangebracht, das junge Volk zu entnerven und ihm den Mut zu rauben. Ein gebildetes, selbstbewußtes Geschlecht ist des Staates beste Wehr. — Mrgerschukdirelitor Zv. K. in It.: Die Verwaltung meldete Ihre Grüße und den Zuruf für die „Bl." Schönen Dank! — I°. A. H. K.: Das zu-gesendete Büchlein hat mich sehr interessiert. Ein bewegtes Leben mit segensreichem Abschluß! Ja, wenn das Talent in die rechte Bahnen kommt, so wirkt es zum Wohle. Doch wehe, wenn ihm eine falsche Fährte eröffnet wird! — 2000 Seiten haben die „Blätter für den Abteilungsunterricht" mit der vorliegenden Folge erreicht und überschritten. Eine Fülle von Stoff, der zum großen Teile heute noch so wirkt wie im Verlauf der 9 Jahre, da wir ihn in gemeinsamer Arbeit zusammenrafften. Möge sich im 3. Tausend mancher einfinden, der bisnun noch fernestehend oder mir empfangend zu uns gehörte! Kleine Mitteilungen. 300.) Pie Kinema-Kchuke. Am 9. Dez. 1911 fand im großen Bürgersaale des Berliner Rathauses der Eröffnungs-Vortrag der Kinerna-Schule, veranstaltet von dem „Ersten deutschen Bund für wissenschaftliche und Unterrichts-Kinematographie" statt. Der Saal war überfüllt; die Vorführungen fanden begeisterte Aufnahme bei den Besuchern und glänzende Besprechungen in der Berliner Presse. Der Bund beabsichtigt: 1.) Die Kinematographie dem Schulunterricht nutzbar zu machen und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Fach- und Fortbildungsschulen. Natürlich kann das nur bei Vorträgen geschehen, wo bestimmte Vor- 2003 gänge im Bilde dargestellt werden sollen, so 3. B. bei Vorträgen über technische, industrielle und gewerbliche Themen, bei Vorträgen aus der Biologie, Anthropologie, Ethnologie, Medizin usw. 2.) Die Kinematographie in ausgedehntestem Maße bei der Beratung der Berufswahlen beiderlei Geschlechts in Anwendung zu bringen. Eine uneigennützige Vereinigung non Freunden der Kinematographie und des Unterrichtswesens hat den Bund geschaffen und finanziert ihn. Die Bundesleitnng ist sich nun klar darüber, daß sie ohne Mitwirkung aller Erzieher von Beruf und Neigung ihr großes, sozialpädagogisches Werk nicht so gut zur Ausführung bringen kann, wie cs im Interesse der großen Sache notwendig ist; sie laßt deshalb an alle Erzieher, besonders aber an die Herren Direktoren, Rektoren und Lehrer aller Schulgattungen, sowie an die Herren Schulinspektoren, Seminardirektoren, Schulräte usw. die hofl. Bitte ergehen, sich als außerordentliche Mitglieder der Vereinigung anznschließen und ihre Adressen zwecks Eintragung in die Mitglieder-Liste der Zentralstelle des „Ersten deutschen Bundes für wissenschaftliche und Unterrichtskinematographie", Berlin, Oranienburgerstr. 58 einzusenden. Von der Zahlung eines Mitgliedsbeitrages sind die betreffenden Herren befreit, da dem Bunde ihre treue Mitarbeitcrschaft und freiwillige Hilfe wertvoller erscheint als nur die Zahlung eines Jahresbeitrages. Den Herren, die ihre Adressen mitteilen, gehen dann sofort nähere Mitteilungen über Zweck, Ziel und Arbeitsplan der Vereinigung zu. 301.) Zeitgemäße Aphorismen von K. Winden. 1.) Wohltuu trägt Früchte, aber manchmal recht bittere. — 2.) Originale werden immer seltener, die meisten Menschen sind nur mangelhafte Kopien. — 3.) Selbstüberschätzung ist ein Fehler, Sclbstunterschützung ein größerer, denn sie hemmt das tatsächliche Können. — 4.) Je mehr man sich über alles Gute freut, desto weniger Zeit bleibt, sich über das Nichtgute zu ärgern. — 5.) Wer sein Herz verhärtet, begeht seelischen Selbstmord. — G.) Nicht nur die Liebe macht blind sondern auch der Haß. — 7.) Die Feigheit versteckt sich gern unter der Maske der Bescheidenheit. — 8.) Man sollte die Eitelkeit nicht zu streng verurteilen, denn sie ist häufig die einzige Triebfeder zu ganz tüchtigen Leistungen. 302.) Mitte an die Mer». Diese Aufschrift trägt die letzte Seite des Jahresberichtes der Volks-und Bürgerschule in Böhm.-Leipa (Direktor Franz Mohaupt). Da die „Bitte" vieles enthält, das allerorts Geltung hat, so setzen wir sie hier ein. Sie lautet: „1. Dieser Jahresbericht wünscht gelesen zu werden. 2. Wenn eine Schülerin während der Ferien von Leipa wegzieht, so hat sie sich vorher beim Direktor abzumelden und die letzte Schulnachricht mitzubringen; Bürgerschülerinnen das letzte Halbjahrszeugnis. 3. Wer für sein Kind eine Schultasche kauft, wähle eine Rückentasche, keine Handtasche! 4. Wenn Ihr nicht wisset, wohin mit nicht mehr benötigten Schulbüchern — Rückcnränzchen — Schleifschuhen: wir haben Verwendung dafür! 5. Wer von Euch noch nicht dem Schulfreundevereine als Mitglied angehört, der versäume nicht, baldigst beizutreten! 6. Zum Schluffe noch eine sehr wichtige Elternfrage: „Sollen wir unfern Kindern ein bescheidenes Taschengeld zubilligen? Wenn es die Verhältnisse der Eltern erlauben, ja! Aber die Eltern müssen Rechenschaft über die Verwendung desselben verlangen und sollen nicht dulden, daß das Geld für süße Schleckereien hinausgeworfen werde, denn Süßigkeiten werden im Munde zu Säuren und verderben unfehlbar die Zähne. Nichts für ungut! F. Mohaupt." 303.) Mundart ober Schriftsprache. In Norwegen nennt man erstere „landsmaal", letztere „riksmaal". Eine Versammlung der Vertreter für „riksmaal" hat letzthin beschlossen, an die Regierung heranzutreten, es seien Lehrer, die ihre Arbeiten in „landsmaal" verfaßt haben, von der Anstellung auszuschließen. — Eine solche Maßregel ist zwar bei uns nicht nötig; allein ein bißchen contra-landsmaal würde da und dort nicht schaden; sonst wächst ein Geschlecht heran, das sich im Schriftdeutsch nicht auszudrücken vermag. 304.) Könngsschukeu für Wittelschulkeljrer. Die Frage wird zurzeit bei uns immer mehr und mehr in den Vordergrund gedrängt. Mit Recht! Die Mittelschule ist sozusagen ohne jedwede festgegliedertc Me-thodik. Als Beitrag fei eine Stelle aus dem Nachrufe F. Polacks auf Dr. Muff (Vgl. Päd. Warte von Beetz und Rüde, S. 1174) hier wiedergegeben: — Polack: „Mir ist es immer ein jammervoller Anblick, wenn ein Lehrer die Lernstoffe gleichsam nur aus einem Gefäß in das andere gießt. Lernstoffe müssen lebendige Bildungsstoffe werden, sonst liegen sie nutzlos, ja schädlich wie ein Stein im Magen." — Dr. Frick: „Das ist just das Geheimnis der Brotverwandlung, die Umbildung des Stoffes in lebendige Kraft, das vielen Lehrern lebenslang verborgen bleibt. Mich jammert und verdrießt dabei der Mut der Unwissenheit, ja die Unverfrorenheit vieler gelehrter Herren, die auf den unfehlbaren Stoff, auf den Straußenmagen der Schüler und die Macht ihrer Lehrerautorität pochen. Wenn nur recht viel Stoff aufgegeben, eingeprägt und abgehört wird, so ist das Werk getan. Last muß das Lernen und Plage das Lehren sein! Nur recht schwer muß der Weg zum Weisheitstempel gemacht werden! Daß sich eine Last durch Liebe und Verständnis in Kraft verwandeln läßt, daß die zerstreuten Totengebeine sich zusammenfügen und leben, wenn der rechte Geist sie anweht, davon steht nichts in ihrem didaktischen Katechismus. Würde die Lehrkunst die Lernlast besser erleichtern, dann würden.die Klagen wegen Uberbürdung verstummen. In der Schule muß das Jnweudiglernen dem Auswendiglernen im Hause vorausgehen und recht Vorarbeiten. Die Seele muß angerührt, beteiligt und in Bewegung gesetzt werden, wenn das Lernen zur Bildung führen soll." 2004 305.) Worein ^ehrcrakademie in Hraz. Am 7. Jänner b. I. wurde in Graz ein Verein gegründet, der die geistigen Interessen der Lehrerschaft in ganz hervorragender Weise zu fördern gedenkt. Es ist der Verein „Lehrerakademie". Derselbe bezweckt einerseits die reine, wissenschaftliche Fortbildung der Lehrer, anderseits die Ermöglichung der Vorbereitung ans die Lehrbesähignngsprüsungen. Die diesbezüglichen Fachknrse begannen schon mit 1. Februar. Die Stnndeneinteilnng wurde derart festgesetzt, daß sich auch außerhalb Graz wohnende Lehrpersonen zum großen Teile an den Vorträgen beteiligen können. Der monatl. Kursbeitrag wurde laut Beschlusses der am 14. Jänner stattgehabten Vercinsoer-sammlung mit 3 K pro Mitglied und Gegenstand bemessen. Es werden jedoch von der Vercinsleitnng Subventionen angestrebt, nach deren Bewilligung sofort eine Herabsetzung dieses Beitrages erfolgt. Lehrpersonen, die noch kein LehrbefähigungSzcugnis besitzen, kann über Ersuchen schon jetzt eine Ermäßigung des monatlichen Kursbcitragcs auf 2 K pro Gegenstand gewährt werden. Ebenso können Befreiungen vom jährlichen Mitgliederbeitrage (6 K) bewilligt werden. Als weitere Unternehmungen des Vereines sind Kurse für Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, für pathologische Psychologie und Pädagogik, sowie ein Ferialkurs zur Vorbereitung für die Bürgerschul-prüsung geplant. Außer diesen Fachkursen, die lediglich die Vorbereitung auf Prüfungen bezwecke», wird den Mitgliedern auch Gelegenheit zu weitgehender, zmeckfreier wissenschaftlicher Ausbildung geboten werden. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist für alle Mitglieder kostenlos. Zu besagtem Zwecke gliedert sich der Verein in Sektionen. Die pädagogische Sektion und die Sektion für experimentelle Psychologie werden dank der Bereitwilligkeit der llniversitätsprofessoren Dr. Martina! und Dr. Witasek, die ihre Kräfte in den Dienst des Vereines stellen, schon in nächster Zeit ihre Sitzungen abhalten. Die Gründung weiterer Sektionen steht bevor. Endlich wird eine Reihe bedeutender Schulmänner zu Einzelvorträgen gewonnen werben. Es ist somit gewiß nur im Interesse der Lehrerschaft und der Schule, diesen Verein, der sich so ideale Aufgaben gestellt hat und empfundenen Mängeln Abhilfe schafft, in tatkräftigster Weise zu fördern. (Wir schließen uns dem Wunsche lebhaft an. D. Sch.) Anmeldungen zum Beitritte sind an den Obmann des Vereines, Prof. Dr. Binder an der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Graz, zu richten Eingesendet vom Ü.-L. Pokorn. 306.) Wem Zunickgesehteu ins Stammvuch. Das fliicht'ge Lob, des Tages Ruhm Magst du dem Eitlen gönnen; Das aber sei dein Heiligtum: Vor dir bestehen können. Fontane. Durch Sach feit und Thüringen von Schule )n Schule. 21. An Leipzig. Dresden mit Umgebung hatte uns soviel geboten, daß mir von Leipzig mit Bezug auf moderne Schnleinrichtnngen nicht wesentlich Neues erwarten konnte». Der Besuch galt darum mehr der Handelsstadt als der Schulstadt. Da wir just zur „großen Messe" gekommen waren, so stürzteil wir uns zunächst in den Trubel der engen Kansuiannöstraße. Der Eindruck entsprach den Erwartungen nicht. Sollten die hundert Plakatenträger, die übervollen offenen Bazars, die pfeifenden Jungen, so sie sich durch das Gewühl wanden, die krächzenden Krämer, die Dienstmänner, die Marktweiber alles sein, was man „Leipziger Messe" nennt ? Höchstens eines redete zn uns in besonderer Sprache: Drunten in der schmalen Gasse ein Stück Mittelalter, — droben in den modernisierten alten Bauten der Glanz des Jahrhunderts. Da lagen Kostbarkeiten, daß einem die Augen übergingen. Alles en gros! Uns schwindelte vor den Preisen. Der Blick traf nur Nullen und wieder Nullen, man hörte von nichts als von soundsoviel Tausenden reden. Kein Aufenthalt für Schulmeister I Wir flohen ans dieser fremden Welt hinab auf die Tingeltangel-Wiese. Ein „Prater" 1 Wer in Wien war und im Phäakenviertel hinter dem Tegetthoffdenkmale einen Nachmittag verlebt hat, wird von der „Leipziger Messe Nr. 2“ nicht sonderlich entzückt sein. Möglich, daß wir es schlecht getroffen hatten, denn ein kalter Negeufchauer ward unser Begleiter; er trübte den Ausblick und lähmte das Leben und Treiben. Dabei mußten wir haften, weil wir am nächsten Tage in Weimar sein wollten. Am Nachmittage machten wir der bekannten Verlagsanstalt Neclam einen Besuch. Da gab es eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Wer das unscheinbare 20 Pfennig-Heftchen liest, macht sich feine Vorstellung von der Größe des Betriebes. Die weiten Säle, die unübersehbare Menge von Büchern, das Heer von Beamten, die gewaltigen Maschinen, die prächtigen Farbendrucke, die verwickelten Manipulationen vom Manuskript und der Skizze bis zum Heft, das dann in tausend und tausend Stücken hinansfliegt: das alles war für uns von hohem Interesse. Der freundliche Cieerone, ein Mitglied der Honptleitnng, erklärte in liebenswürdiger Weise alle Einrichtungen und gab uns schließlich eine Anzahl Dreifarbendrucke als ErinnernngS-blätter mit. Es war mir ganz eigens zumute, als ich mitten in dem Reiche der Bücherarbeit stand und der Zeit gedachte, in der das erste braune Bändchen durch meine Finger glitt. Schillers Wnllenstein 1 In der Wohnung des Hufschmiedes, dessen Sohn, ein überaus begabter Lehrer, einiges von seinem Ballast zurückgelassen hatte, gab es allerlei anfzuslöbern, was den lesehungrigen Quartaner reizte. Die pädagogischen Zeitschriften und Lehrbücher blieben liegen; das zerfaserte Bändchen jedoch, in dem von Krieg die Rebe war, schlüpfte sogleich in die Tasche und wurde mit Heißhunger verschlungen. Zwar konnte ich es nicht begreifen, weshalb man die Sache nicht frischweg erzählte und jedesmal eine Person sprechen ließ; allein das hinderte nicht, die 20 Pfennig-Kost samt und sonders anfzuzehren. In späteren Jahren wurden Hunderte von solchen Portionen genossen. Und heute! Da war ich nun an der Quelle, von der aus sich meine Jugend labte, von der ans Taufende und Abertausende ihre geistige Nahrung beziehen. Man mag gegen die Neelam'sche llniversnlbücherei Verschiedenes ins Feld führen: das eine wird man jedoch nicht in Abrede stellen können, daß sie zur Verbreitung des schönen Schrifttums viel beigetragen hat. 20 Pfennige, 12 Kreuzer, 24 Heller entbehrt man leicht, entbehrt man gern und steckt das handliche Büchlein mit Behagen ein. Man häuft im Verlaufe Schätze auf, ohne daß man es merkt. Und die Schätze werden geistiges Eigentum, weil das kleine Schriftchen sich einzuschmeicheln versteht, weil es sich ans Reifen, auf Wanderungen mitnehmen läßt, weil es in einem Zuge genossen werden kann, kurz, weil es gar so niedlich ist. Der dicke Band wird zur Schau gestellt; man sieht ihn wohlgefällig von außen an, ins Innere dringt man selten. Wir kennen den Geschmack der großen Masse. Sie ist verwöhnt; große Mahlzeiten behagen ihr nicht. Und unsere Jugend, ist sie anders? Nein! Auch sie wird bald müde, wenn man allznbreit und allzulang tradiert. Einheiten mit enger U in-g re n zun gl Das ist die Losung im Unterrichte, — Kürze, Knappheit'die Losung der Zeit. — Der Leipziger Buchhandel! Wenn man durch die Straßen wandert und bekannte Aufschriften liest, Aufschriften, die die gesamte Welt der Gebildeten kennt, weil sie ans den Titelblättern der Bücher immer wiederkehren, so beginnt der Geist große Gedanken aufzuwerfen. Hier also ist das Zentrum der Vermittlung des geistigen Schaffens! In diesen Kreis strömt ans allen Teilen des Erdenrunds die Arbeit der Gelehrten, der begeisterten Sänger und der um schmalen Sold Band auf Band türmenden Skribenten zusammen. Von hier wandern ungezählte Bücher hinaus in die Lande, hinein in die Paläste und auch in die Hütte der Armen. Wer mit solchen Reflexionen Leipzig überschaut, wird sich des Welt ge fühl es bewußt und hohe Ideen tauchen auf, um leider wieder zu verschwinden, so man in die enggezogene Grenze zurückgekehrt ist. — Leipzig ließ trotz allem in uns eine Reihe unerquicklicher Bilder zurück: Die gestikulierenden Bänkel im Kristallpalaste, der nasse Morgen im Gewühl des Kaufmannstrnbels, das träge Lustigsein in der „kleinen Messe", die schlechte Verköstigung in einem Zentral-Restaurant, znguterletzt die hohe Miete und dann noch der Droschkenkutscher, der uns auf allerlei Umwegen zur Bahn bringen wollte, um ein hübsches Sümmchen vom Taxameter abzulesen. Unser Orientierungssinn verdarb ihm jedoch das Geschäft und ein Fingerzeig ans den Wachmann kürzte die Fahrt ganz wesentlich. — Zwei Merks für die Jnngmannschast, so sie in die Weite ziehen will: 1. Der Zimmerpreis ist im voraus abznmachen. Erscheint er zu hoch, so kann die Wendung „Ich werde mich halt um ein anderes Hotel umsehen" reduzieren. — 2. Das Studium des Stadtplanes, um nicht den geheimen Künsten des Taxameters zu verfallen. — Es war gegen Abend, der Regen hatte nachgelassen und ein sonniges Rot schimmerte im Westen unter den grauen Wolken hervor. Da fuhren wir — leider nicht mehr im bequemen D-Znge — über das Schlachtfeld von anno 1813. Unter uns das Gerassel der Räder, voran das Donnern der Maschine, drüben der blutige Schein, ausgegossen über das weite Feld, dazwischen huschende Gestalten: gehörte viel Phantasie dazu, um das grause Bild jener Zeit herauszuzaubern, da das deutsche Volk auf diesen Gefilden um seine Freiheit rang? . . . Blätter für landw. Tortbüdungsschulen. Das Rechnen an landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen in den Alpenländern. Von Oberlehrer F. 8. Wamprechtsamer in Gröbming, Steiermark. Das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht hat vor fünf Jahren die Reform des landwirtschaftlichen Fortbildungsschulwesens in Angriff genommen und zu diesem Zwecke eine größere Anzahl österreichischer Schulmänner in das Deutsche Reich, nach Schweden und Dänemark entsandt, um die Einrichtung ähnlicher Anstalten zu studieren. Auf Grund daselbst gemachten Wahrnehmungen wurde in den österreichischen Kron-ländern in rascher Folge eine größere Anzahl von staatlichen landwirtschaftlichen Lehrerfortbildungskursen abgehalten, in welchen wir uns an die bewährten preußischen Lehrerkurse in Westfalen und an die hessischen Lehrerkurse (Dr. Klopfer, Hagen, Westfalen; Dr. Gisevius, Gießen) anlehnten. Die nächste Folge war eine zeitgemäße Umgestaltung der Lehrpläne dieser Schulen und wir können mit Befriedigung konstatieren, daß der von uns eingeschlagene Weg sich bereits bei einer großen Anzahl von Neugründungen derartiger Anstalten bestens bewährt hat. Mittlerweile sind auch mehrere fachliche Werke erschienen, die die Reformbewegung lebhaft förderten. Es bedarf wohl keiner weiteren Begründung, daß es mit Rücksicht auf unsere ungemein heterogenen wirtschaftlichen, kulturellen und nationalen Verhältnisse nicht möglich ist, einen allgemein gütigen „Normallehrplan“ zu konstruieren, der für alle Verhältnisse paßt und von Bodenbach bis Cattaro zur Durchführung geeignet erscheint. Die Lehrpläne dieser Anstalten müssen sich vielmehr streng an die örtlichen Verhältnisse anschließen, denn nur dann, wenn die Stoffe bei den Kursisten Interesse aus-lösen, kann auf einen geregelten Besuch und auf Erfolg gerechnet werden. Aber nicht nur der landwirtschaftlich-naturkundliche Lehrstoff soll sich eng an die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Gegend anschließen, sondern auch der Rechenunterricht muß diesem Prinzipe folgen. Es müssen also in der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule im Rechenunterrichte solche Stoffe zur Behandlung kommen, die die Kursisten in ihren wirtschaftlichen Betrieben anwenden können; so z. B. sind in Obst- und Weinbaugegenden besondere Berechnungen über die Erträglichkeit der Obst- und Weinkultur, Berechnungen über die Vorteile der künstlichen Düngung in Obst- und Weingärten, ferner Berechnungen über die Kosten der Anschaffung von Gebinden zu üben. In Waldgebieten müssen unbedingt die Rundholzberechnungen mit Hilfe der ortsüblichen Waldtafeln (Holzmeßtabellen) so intensiv geübt werden, daß diese Fertigkeit unverlierbares geistiges Eigentum der Schüler wird. In Gegenden mit reicher Viehzucht muß besonders diese im Rechenunterrichte berücksichtigt werden, u. zw. durch Berechnung der Kosten der Aufzucht, der Erträglichkeit der Milchnutzung, durch Berechnungen über das Lebend-und Schlachtgewicht usw. In Gegenden mit intensivem Getreidebau dürfen Berechnungen über die Vorteile der Anwendung künstlicher Düngemittel, die Vorteile des gemeinsamen oder genossenschaftlichen Ankaufes landwirtschaftlicher Maschinen nicht übergangen werden. Kurz gesagt: Auch der Rechenunterricht in den landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen muß sich an die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölkerung anschließen, oder wie ein geläufiges Schlagwort sagt: er muß „bodenständig“ sein. Eine zweite Hauptbedingung für den Rechenunterricht ist die, daß das „reine Rechnen“ und insbesondere das Bruchrechnen tunlichst eingeschränkt werde. Rechnungen mit nur formalem Werte zu üben, dazu fehlt es in der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule wirklich an Zeit; auch würde das Interesse der Kursisten bald erlahmen, wenn ihnen nicht praktische Rechenbeispiele vorgeführt werden würden, die sie sofort in der väterlichen Wirtschaft verwenden können. Unbedingt verwerflich ist die breite Behandlung des Bruchrechnens. Dieses ist nur insoweit zu pflegen, als es zum Verständnisse der Prozent-, Zins- und Zinseszinsrechnungen, für die Rechnungen mit Münzen, Maßen und Gewichten notwendig erscheint. Wenn die Kursisten mit Halben, Vierteln, Achteln, Dritteln, Sechsteln, Fünfteln, Zehnteln, Hunderttein und Tausendtein umzugehen wissen, so ist das für den landwirtschaftlichen Beruf überreich genug. Die zeitraubenden Rechnungen mit allen möglichen Brüchen, deren Nenner im wirtschaftlichen Betriebe des Kleinbauers keine, aber schon gar keine Anwendung finden, ist einfach ein grober pädagogischer Unfug und es wäre die höchste Zeit wenn solch geistreiche Rechenbeispiele wie: 1B/n X3Vsb, 28 19/24X V8> 120/s43 : 24, °3/125:9 u.v.a. endlich auch in den Volksschulrechenbüchern verschwinden würden. Solche Spielereien haben vielleicht für den späteren Chemiker, Arzt, Apotheker, Mechaniker und Ingenieur eine Bedeutung, für die Millionen, die von der Bearbeitung der harten Scholle leben, sind sie zwecklose Gehirnquälereien. Übrigens werden Brüche, die im geschäftlichen Verkehre verkommen, fast stets in Form von Dezimalbrüchen ausgedrückt. (15 1 Wein, 375 kg Kaffee, 4 25 % Skonto, 4 2 % Zinsen.) Ebensowenig gehört das Quadrieren und Kubieren, das Wurzelziehen in die landwirtschaftliche Fortbildungsschule; ferner sollen Rechnungen nie auf Grund eingedrillter Regeln gelöst werden, sondern einzig und allein auf Grund der Urteilskraft, also durch das Schließen. Auch halte ich es für sehr wichtig, daß im Rechenunterrichte dem Geldwesen, den landwirtschaftlichen Genossenschaften, Versicherungen und wirtschaftlichen Vereinen die gebührende Beachtung geschenkt werde, um in der landwirtschaftlichen Jugend den Sinn für genossenschaftlichen Zusammenschluß zu wecken und zu fördern. Dies läßt sich besonders schön bei der Behandlung der Zins- und Zinseszinsrechnung durchführen, wie ich weiter unten zeigen will. Endlich erscheint es mir wünschenswert, daß die jungen Leute auch im Rechenunterrichte so viel als möglich zur Selbständigkeit erzogen werden. Daher sollen die Preise von landwirtschaftlichen Produkten, von künstlichen Düngemitteln, die Löhne der Dienstboten, die Steuern nicht vom Lehrer genannt werden, sondern die Burschen und Mädchen müssen selbst die Preise bilden und nur wenn sich ihre diesbezüglichen Erfahrungen als zu gering erweisen, soll der Lehrer die nötigen Angaben machen. Ich habe an diesem Prinzipe seit Gründung meiner Anstalt festgehalten und bemerkte, daß die jungen Leute Jahr für Jahr sich mehr um das landwirtschaftliche Rechenwesen interessieren. Und gerade beim Rechnen und Aufschreiben fehlt es in unseren kleinbäuerlichen Wirtschaften noch sehr und nicht mit Unrecht sagt Dr. Michael Hainisch in seinem Berichte über die im August 1906 mit 40 steirischen Bauern nach der Schweiz unternommenen Studienreise: „Wären alle steirischen Bauern durch Schule und Beteiligung am öffentlichen Leben so gut erzogen wie ihre Schweizer Standesgenossen, hätten sie vor allem ebenso gut rechnen gelernt als diese, so brauchte uns um ihr Weiterkommen nicht im geringsten bange zu sein.“ Und nun möchte ich mir erlauben, auf die Frage näher einzugehen, wie ich den Rechenunterricht an meiner landwirtschaftlichen Fortbildungsschule behandle. Wir beginnen alljährlich mit einfachen Schlußrechnungen, in welchen auf den Nutzen des Vogelschutzes, auf den Segen der Sparsamkeit und den Fluch der Verschwendung, auf die Notwendigkeit einer fürsorglichen Bodenbearbeitung und Düngerwirtschaft und auf die Erträglichkeit des Obstbaumes und der Bienenzucht hingewiesen wird. Wenn die Kursisten im Schließen eine hinreichende Sicherheit erlangt haben, beginnen wir sofort mit einfachen Prozentrechnungen, bei welchen wir insbesondere das Steuerwesen, den Nutzen der Barzahlungen (Skonto) und die Berechnung von Gewinn und Verlust behandeln; daran schließen wir einfache Zinsrechnungen mit Berechnung der Zinsen auf Monate und Tage. Der Tagesverzinsung wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da sich gegenwärtig die meisten Geldinstitute darauf einrichten. Dagegen behandle ich den „Wechsel“ in der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule gar nicht u. zw. aus folgenden Gründen: Der Wechsel ist für den Kleinbauer kein geeignetes Hilfsmittel, um sich die Wirtschaft zu verbessern; denn abgesehen von der hohen Verzinsung (6 %) und der kurzen Rückzahlungsfrist ist der Wechsel für den Bauer viel zu gefahrvoll. Die Einnahmen des Landwirtes ergeben sich bei uns aus dem Viehverkaufe, der Heuernte und dem Erlöse des geschlägerten Holzes. Wenige sind so glücklich, auf weitere Einnahmen (Mietzinse, Fuhrlöhne, Steinbrüche) rechnen zu können. Da kommt es nur zu oft vor, daß der Verkäufer mit der Veräußerung seiner Produkte zuwarten muß, bis sich eine günstige Verkaufsgelegenheit einstellt. Der Wechsel ist aber ä tempo fällig, u. zw. mit dem ganzen Betrage und wenn der Schuldner nicht zahlen kann, wird der Betrag schonungslos eingeklagt oder es erwachsen dem Bauer arge Unkosten und Aufregungen. Meist hat aber der Betroffene argen Schaden oder es bringt ihm gar den wirtschaftlichen Ruin. Ich warne meine Kursisten alljährlich vor der Aufnahme von Wechselgeldern und sage: „Hütet euch vor dem Wechsel und jeder Wechselbürgschaft, denn er ist ein „brennendes Papier“ und kann einen rüstigen Mann in kurzer Zeit in den Besitz grauer Haare bringen! Seid ihr in Geldnot, so klopft zuerst bei menschenfreundlichen Nachbarn, Freunden oder Verwandten an! Gelingt cs euch nicht, das erforderliche Darlehen zu erhalten, dann macht ein Ansuchen bei der Raiffeisenkasse, u. zw. unter Angabe der Gründe, wozu ihr das Geld benötigt. Verdient der Darlehenswerber Vertrauen, so wird er wahrscheinlich das Darlehen erhalten, u. zw. in der Regel zu recht billigen Zinsen (4 1/2 oder 4 6 %). Auch wird ihm meist bewilligt, das Kapital in Raten zurückzuzahlen, so daß er nicht leicht in Bedrängnis geraten kann. Freilich, ein ortsbekannter Taugenichts, ein Säufer, ein Spieler, ein Händelsüchtiger wird vergeblich bei einer solchen Kasse anklopfen, denn sie ist auf dem Prinzipe christlicher Nächstenliebe aufgebaut und will erreichen, daß mit dem Darlehen etwas Nützliches geschaffen werde“. Hierauf gehe ich zur Berechnung der Schuldscheine, zur Amortisation von Passivkapitalien und zur Zinseszinsrechnung über. Bevor ich den Vorgang erörtere, führe ich zum Gesagten folgende Beispiele an: a) Schlußrechnungen; Vogelschutz. Der große Waldkauz vertilgt jährlich etwa 3000 Mäuse; welchen Nutzen schafft eine Familie von fünf Käuzen, wenn man den Schaden einer Maus jährlich auf 4 K schätzt? (Ebenso für 2, 5, 7 und 10 Jahre.)1 Ein Mäusebussard vertilgt jährlich bis zu 8000 Mäuse, welchen Nutzen schaffen drei Bussarde in einem Jahre, wenn man den Schaden, den eine Maus jährlich ver- ursacht, nur mit 3 K bewertet? Ein Rotschwänzchen verzehrt stündlich 600 Fliegen, Mücken u. a. Kerfe; wieviele Insekten sind das in einem Halbjahre bei täglich zehnstündiger Flugzeit, wenn man den Monat mit 30 Tagen rechnet? Eine Meise verzehrt jährlich etwa 250.000 Insekten und Larven, wie groß wäre der Schaden, den diese Tiere anrichten würden, wenn man das Futter eines Insektes im Jahre auf 10 h schätzt? Der Kuckuck verspeist stündlich 100 der schädlichsten Raupen; wieviele in vier Monaten, wenn man seine tägliche Flugzeit auf 11 Stunden schätzt? Eine Wachtel braucht täglich 1000 Heuschrecken und Würmer; welchen Nutzen schafft der Vogel in 6 Monaten, wenn man den Schaden, den eine Heuschrecke in dieser Zeit anrichtet, auf einen Heller schätzen würde? Ähnliche Beispiele folgen über das nützliche Wirken der Spechte, Schwalben u. a. Vögel. b) Segen der Sparsamkeit: Ein 28 jähriger Landwirt versicherte sich für den Todesfall und für den Fall des Erlebens des 60. Lebensjahres auf 8000 K und zahlte hiefür monatlich 18 8 K ein; wieviel hatte der Mann bis zu seinem nach 9 Jahren erfolgten Tode eingezahlt? Ein Mann war durch Unglücksfälle in Schulden geraten; um sie zu tilgen, schränkt er das Rauchen und den Alkoholgenuß ein und erspart so wöchentlich 2 3 K; nach 2J/2 Jahren war die Schuld bezahlt. Wie groß war sie? (Ohne Zinsen.) Ein sparsamer Keuschler legte jede Woche für seine Kinder 12 K beiseite; wieviel hatte er in 13 Jahren erspart, u. zw. ohne Zinsen? (Fortsetzung folgt.) 1 „Der naturkundliche Unterricht an landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen“, v. F. S.Wamp-rechtsamer, erschienen bei Graeser, Wien IV/2, Joh. Straußg. 22; 3 4 K. 6ttau»flcb« unb verantwortlicher Schriftleiter: HiiWlf «. Peer». — DtiiJ von Joses Pavlloe! ln »oltschee. zenskind aufgehoben und es wird durch die Ausschreibung lediglich der Formalität genüge getan, bzw. dem armen Kandidaten ein R-Stempel abgenommen. Das wollen wir vermeiden. — Wir müssen zu einem Modus gelange», der den Lehrerüberschuß ausgleicht. 36.) Ein junger Kollege möchte während der kommenden Ferien als Präfekt in einem Institute, das ihm Gelegenheit zur Erlernung der französischen Sprache bietet, Unterkommen. Näheres durch die Schriftleitung. 37.) In Kolonieu-Mariahilf (Bukowina) ist eine Jndustriallehrerinstclle (deutsch) mit 360 K Gehalt, freier Wohnung und bei Kenntnis des Klöppelns mit einem Zuschuß von weiteren 360 K zu besetzen. Zuschriften an Obl. I. Reingold in K.-Pl. V. Mitteilungen der Verwaltung. Wir bitten um rege Werbearbeit, damit es uns möglich werde, die vielfach erwünschte vierzehntägige Ausgabe der „Blätter“ ehestens ins Werk zu setzen. Eine Erhöhung der Bezugsgebühr darf, nicht stattfinden. — Schilt. F. E. in B.: Wir führen in unserem Verlage grundsätzlich nur eigene Werke. Die Schönschreibhefte von Hausmann, Lehrer in Marburg a. d. D., wollen Sie daher direkt beziehen 1 — Lehrer R. H. in Sch.: Alles geordnet. — Löbl. Schulleitung in Eppan (Tirol): Wir bestätigen auf Wunsch den Empfang von 6 K. — Da durch die Beigabe des Inhaltsverzeichnisses das Gewicht von 100 g überschritten worden wäre und hiefür die doppelte Postgebühr hätte entrichtet werden müssen, so wurde das Hauptblatt diesmal eingeschränkt. — Mappen (ä 60 h) und „neue“ dauerhafte Einbanddecken (1 K 10 h) versenden wir zum Selbstkostenpreise. Auch besorgen wir das Einbinden (1 Jahrgang 1 K), wenn es erwünscht wird. — Alle Jahrgänge der „BL“ in 2 Bänden (Lexikonformat), elegant gebunden, um 32 K. Für Lehrerbibliotheken sehr geeignet, sind zu beziehen. 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! L.&C.Hardtmuths I #■ | 8 xl-f-an/TL m L-ßC-Hardtmuths Kohinoor 1 ly § HQ| flTITlIITrl Farbstitte ..Zeichenstifte XX I IUI UliilUlll .,.Pastellstifte Schulstifte etc. WIEN I. BUDWEIS Farbige Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. 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Es sind nur wenige Exemplare noch am Lager. Zu einer Neuauflage werden wir uns nicht entschließen, da der Abschnitt in den „Blättern“ fortgeführt wird. — 2.) Das Zeichnen nach der Natur in der Landschule. 3. Auflage. Preis 1 K 50 h, geb. 2 K. Die Schrift kennzeichnet den Mittelweg, auf dem sich die Reformer getroffen haben. Die Theorie wird an einem Beispiele entwickelt und führt sodann zur Praxis über. Lehrplan, Lehrbehelfe, Stundenbilder, stufenmäßiger Aufbau, Stoffsammlung. Für Prüfungskandidaten unentbehrlich; für den Lehrer an Landschulen ein „gemäßigter“ Führer. — 3) Lehre sparen! 40 h. Ein Muster für eine Unterrichtslektion nach modernen Grundsätzen. Die Einrichtungen für das Sparen werden methodisch vorgeführt. — 4.) Anleitung zur Ausarbeitung von Prüfungsthemen. 40 h. Grundsätze, auf drei Beispiele angewendet. — 5.) Kreuz und quer von Schule zu Schule. 2. Aufl. 1 K 50 h, geb. 2 K. Eine Schuireise durch Kärnten, Steiermark und Salzburg. Die j verschiedensten modernen Einrichtungen werden in der Form von Erzählungen und Schilderungen vorgeführt. — 6.) Talaufwärts von Schule zu Schule. 3. Auflage. 3 K. Elegantes Bändchen, Bildschmuck. Für jene, die „Talaufwärts“ in 1. oder 2. Auflage besitzen, wird „Die Reise nach 7 Jahren“ besonders interessant sein. Es wird in dem Abschnitte die Wirkung der getroffenen Einrichtungen geschildert. Für Anfänger im Lehramte ist „Talaufwärts“ ein Mentor. — 7.) Die Heimatkunde im Dienste der Volkswohlfahrt. 1 K. Eine sozialpädagogische Studie. Die Gestaltung der Heimatkunde im Sinne der Konzentration und Nationalökonomie bildet einen Unterrichtsgegenstand von besonderer Wichtigkeit. Der moderne Pädagoge wird sich durch die Broschüre in das Streben der Neuerer einführen lassen. V. Die Wäsche derZukunft Die Original-Dauer-Leinenwäsche ist unerreicht! Bester Ersatz für Plattwäsche. Kalt abwaschbar. Stets sauber. Kein Gummi. Nicht lackiert. Elegant. Praktisch. Unbegrenzte Haltbarkeit. Groß. 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