Blätter zur Förderung des Nbterlungsuntrrrichtrs. Herausgeber: Prof. Hutmlf E. Prer;, It. It. Vezirksschulinspektor itt Laibach. «t || (v - Die -DI. z. F. v. Rhl.-Unl.» erscheinen al» Deilage zur »laibacher schul-" ' ' « « reltung- immall. ® Vezugagelmlir 2 K iiihrl. ® Einzelnummer 30 h. Dezember 1905. Inhalt: 1.) 1005—1906. — 2.) Die 3. Frage. — 3.) Aus der »Laibachcr Schulzeitmio». — 4.) Aus dem Lchreralbmn. — 5.) Die Wechselnde. — 6.) Briefkasten. — 7.) Bon Schule zu Schule. Sin jeder wird besteuert nach Vermögen. Schiller. 1905 -1906. Laibach, Christmoiiat 1905. Vielliebc Amtsgenossen! Zwei Jahre wirken wir nun gemeinsam für eine ernste Sache, für die Ausgestaltung deö Abteilnngs-unterrichtes. Schon die Arbeit au sich hat dein Worte, das man norhiit kaum kannte, Bedeutung verliehen; noch mehr soll jedoch der Erfolg unserer Mühen bewirken: Man soll allerorts einsehen lernen, das; ein Unterricht, der nach zwei oder mehreren Seiten zerfliegt, ein bedeutendes Können und tiefgehendes Erwägen heischt, daß die 80 % aller Schulen des Reiches nicht mit der billigen Phrase abgetan werden dürfen: «Setzt den jungen Mann nur auf das Pferd; er wird schon vorwärts kommen!- In einer Schule, die mit Hemmnissen mannigfacher Art zu rechnen hat, in der Landschule, gibt cs kein Humpeln und Sonntagsreiten; da müssen die Zügel stramm gefaßt werden, da muß sicher im Sattel gesessen sein. Die Stadtschule findet ihre Ergänzung in höheren Anstalten; die Landschule schließt ab, sie schickt den jungen Staatsbürger unmittelbar ins Leben. Daher gebührt ihr unser Interesse in erster Linie. Die breite Masse des Volkes bietet für das Staatswesen den Untergrund; diese Masse muß geordnet und festgckittct sein, sonst stürzt das ganze Gefüge zusammen. Und so sind ivir, die wir unsere Kraft der Landschule weihen, berufe», den großen Ban zu stützen, aber auch berechtigt, von den Meistern, die auf den obersten Balken Beobachte» und leiten, für unseren Eifer Stärkung, für unsere Arbeit Förderung zu verlangen. Beides scheint sich zu erfüllen: Allenthalben geht man daran, den Lehrer im entlegenen Tale der Sorge uni den Lebensunterhalt zu entledigen, und vielfach zeigt die Unterrichtsbehörde den guten Wille», unsere Bestrebungen zu unterstützen. Die Einrichtung eines besonderen Kurses für Abteilungs-untcrricht, der Ankauf der «Blätter» durch das k. k. Ministerium, die Anempfehlung derselben, der Wunsch, es möge die Idee durch Vorträge zur Geltung gebracht werden, das sind Anzeichen, die darauf schließen lassen, daß unsere Arbeit als wichtig erkannt und ernstlich in Augenschein genommen wird. So gewinnt das Wirken des Landlehrers an Bedeutung, so steigt das Ansehen seines Amtes, so steigt er ans der niederen Sphäre, in der man ihn unbarmherzig gehalten, indes alle ändern Schulgattnngen den Flug nach aufwärts genommen haben. Was Wunder, wenn wir unter solchen Umständen unser» Bund immer fester schließen und bestrebt sind, ihm neue Mitglieder znzuführen! Die Logik zwingt zum Ideal, doch die Praxis zeigt cs nur zum Teil: Unsere Gemeinde müßte schon größer sein und die -Blätter» sollten 24mal statt 12 mal hinausfliegen. Ich will jedoch nicht schelten; jede gute Sache muß sich selbst den Weg bahnen, so auch die unsere. Wer sie recht erkennt und würdigt, wird begeisternd nach alle» Seiten wirken; wer ihr gleichgültig gegenübersteht, wird sich auch von der Logik nicht schieben lassen. Darum nur die eine Bitte, meine Lieben: Erivägt den Zweck unseres gemeinsamen Wirkens; findet ihr ihn berechtigt, dann fördert das Werk durch Mitarbeit und durch Werbung neuer Mitglieder für unser» Bund! Etwas über die Einrichtung der -Blätter»: Sie hat sich von selbst ergeben und dürfte im Verlaufe noch manche Veränderung erfahren. Vorläufig gliedert sie sich so: Im Zentrum bleibt die Wechselrede, sie hat uns ja znsammengeführt; einleitend wird irgend eine zeitgemäße Frage mit Rücksicht auf die Sonder-verhältnisse beleuchtet werden, den Schluß bildet die Plauderei. Mit der heutigen Folge der -Blätter» erscheint meine erste Schulreife hier abgeschlossen, aber in einem Schriftchen fortgesetzt, das ich auf vielfaches Drängen demnächst, und zwar unter dem Titel -Talaufwärts von Schule zu Schule» hinanszugeben gedenke. Nr. 1 des Sammelt Gaben für das Leürerüeim i. 8. und sendet sie au Bnudesotunanu Kessler, Mannswörtli b. Wien. Jahrganges 1906 bringt die erste Folge der zweiten, größeren Schulreife -Kreuz und quer von Schule zu Schule». Zwischen die drei Hauptabteilungen «Leitbericht, Wechselrede, Plauderei» soll sich mancherlei stehlen, was die Zeit bringt und die Laune; ich lasse für die zwei Lücken vollständig freien Spielraum und werde mich freuen, wenn es immer 'was Neues gibt. Meine Lieben! Ein hoher Gedanke, der mich seit Jahren beschäftigte, der am 6. Jänner 1904 in Laibach von einer Versammlung deutscher Lehrer und Lehrerinnen Krams ersaßt wurde, der im engsten Kreise zu sprossen begann, der mit dem Wachsen unserer «Blätter» und durch sie stark wurde, der heute in der gesamten deutschen Lehrerschaft Österreichs webt, der zum Schlagwort des Tages geworden ist — das Lchrcrhcim bildet für uns ein zweites Bindemittel und soll daher durch uns mehr und mehr seiner Verwirklichung zugeführt werden. Die «Laibacher Schulzeituug», die «Blätter», sie waren zu klein, de» großen Plan zn fassen, und er wurde daher dem °Bundes blatte übergeben; aber nichtsdestoweniger sollen jene, die den beiden von mir geleiteten Zeitschriften augehöreu, des Kindes stets eingedenk sein, das sie in seinen ersten Tagen nährten und pflegten. Den Kopf der Arbeit für die Landschule, das Herz für das Lehrerheim! Mit diesem Zurufe reiche ich Euch die Hand an der Wende des Jahres als Euer getreuer Amtsbruder in der Südmark. Die 3. Frage. Ungeteilte einklassigc Volksschule oder Halbtagsschnlc? (Abschließende Berichte.) Oberlehrer W indisch in Licnfeld (Kram) ist kein unversöhnlicher Gegner der H., doch will er sie mehr als Vorbereitung zum Ausbau einer eiuklassigen V. angesehen wissen, denn als bestehende Einrichtung. Da ist der gute Amtsbruder aber fehlgegangen, denn der Halbtagsschule können nach dem Gesetze 100 Schüler, der Ganztagsschule bloß 80 überantwortet werden. Wer also eine Schule ans zwei Klassen erweitern will, muß zur Ganztagsschule übergehen; so erspart er sich die 20 zur vollen Summe. Was sonst in dem Urteile auf Seite 72 des Jahrganges 1904 enthalten ist, dünkt uns so recht die herrschende Meinung widerzuspiegeln und ich muß die klardurchdachten, in den rechten Grenzen gehaltenen Darlegungen zur neuerlichen Erwägung empfehlen. Oberlehrer Windisch tritt uns als ruhiger Praktiker entgegen, der überzengungstreu berichtet und überzeugend wirkt. — Nicht so gemessenen Schrittes kommt Oberlehrer Christoph in St. Georgen im Gailtale; ihn begleitet die Politik und die umschwärmt uns ja bekanntlich wie eine Wespe. Wer wird dem tapfern Kärntner das scharfe Urteil verargen? Es ist leider so, daß die Schule zum Tummelplatz der Politik geworden ist, und da heißt es Wache halten. Ob aber die H. in allen Füllen einen Rückschritt bedeutet — das wäre wohl zu überlegen. Ein schwacher Mann kan» mit ihr vielleicht noch leidlich weiterkommen und schöne Erfolge erzielen, wogegen er in der Ganztagsschule von Sinnen wird oder gleichgültig in jene Wasser segelt, die jedes Körnlein Erfolg von hinnen tragen. Der Rückschritt ist zwar ein dräuend Gespenst, aber in unserer Zeit nicht mehr so zu fürchten, daß sein Anblick schon uns die Haare ans dem Kopfe jagt. Wir müssen auf der Hut sein, aber deswegen nicht allzu ängstlich. (Fortsetzung folgt.) Nus der «Laibacher Schulleitung'. (Verwalter: Lehrer Bcrsin, Laibach. Preis ganzjährig 4 K. — Schriftleiter: Rud. E. Pccrz.) 1.) Das neue Reglement. (Über die neue Schul- und Unterrichtsordnung.) 2.) Der Sophist Prodikus und die Wanderung seines «Herakles am Scheidewege» durch die römische und deutsche Literatur. Von Prof. Dr. Franz Riedl. (Fortsetzung.) 3.) Die Völkerwanderung. Ein Stuudenbild aus der Geschichte. (Schluß.) 4.) Brief aus Triest. 5.) Das Turnen im Schulzinimer. Von k. k. Bürgerschullehrer Karl Endler. Bim dem Lehreralbum. 7. Wie oft hat er nun die Bürgerschullehrerprüfung am Wirtshaustische schon gemacht! Jeder Spatz pfeift es, Schulleiter I. macht im Mai die -schwere» Prüfung und wird dann Professor. Es kommt der Lenz, es verblüht der Lenz: I. ist noch immer nicht fort. Ach ja, er konnte die Reise nicht wagen, eine plötzliche Krankheit war ihm in den Leib gefahren. Aber im November, da kriegt er ohne Zweifel das Diplom; es ist ja alles nur «Formsache», denn Kenntnisse besitzt er mehr, als man überhaupt verlangen kann, hat er doch an 50 Bücher schon »durchgesehen», Spezialwerke, die der Antiquar sonst vergeblich zum Kaufe angeboten. Die Ferien sind dahin, der Nebel streicht über das Land: Schulleiter F. sitzt noch immer in Z. Er hat den grünen Tisch nicht gesehen und wird wahrscheinlich niemals die Augen in die öde Platte bohren. Die Wechselrede. A»r 5. Frage. Lehrer Alois Pötscher in Und ob Velden (Kärnten): Begabte Schüler bewältigen mühelos den Lehrstoff der Unterstufe in 2 Schuljahren und lernen bei ungehemmtem Fortschreiten auf der Mittelstufe mit großem Eifer. Bei Minderbegabten würde die Unsicherheit in den Rechenelementen, eine geringe Sprach- und Lesefertigkeit, sowie ein schlaffes, verschwommenes Vorstellungsleben sich auf den folgenden Stufen bitter rächen und oft den Gesamterfolg erschweren. Ich erkläre mich daher, obwohl ein Zeitgewinn auch für die Oberstufe vorteilhaft wäre, nur für ein teilweises Aufsteigen des 3. Schuljahres in die Mittelstufe. Die Entfaltung der natürlichen Veranlagung wird für uns immer maßgebend sein müssen. — Oberlehrer Peter Tillian in Trefling (Kärnten): An zweiklassigen Schulen rechnet der Lehrplan das 3. Schuljahr zur Unterstufe, an der ungeteilten einklassigen jedoch zur Mittelstufe. Die 2. Abteilung der 1. Klasse besteht an der ersteren Schulkategorie aus dem 2. und 3. Schuljahre. Der in dieser Abteilung zu bewältigende Lehrstoff ist jedoch sehr groß. Im Rechnen z. B. sollen die vier Grundrechnungsarten von 1 bis 100 mündlich und schriftlich, einschlägige Münzen, Maße und Gewichte, die Elemente des Bruchrechnens und Schlußrechnungen durchgenommen werden. Das ist viel! Man kann damit wohl nur in den allergünstigsten Fällen in der für diesen Gegenstand zu Gebote stehenden Zeit in einem Jahre fertig werden. Ich habe es nie zuwege gebracht. Ähnlich steht es im Lesen : Die Lesestücke der Fibel kann man in einem Jahre nicht erledigen und der Stoff des Anschauungsunterrichtes ist auch in drei Jahren noch nicht erschöpft, nicht bloß nach der materialen, sondern auch nach der formalen Seite hin. Ich habe in meiner ersten Amtszeit die Kinder schon nach dem 2. Schuljahre in die Mittelstufe aufgenommen. Was war die Folge? Die Kinder hatten im Rechnen z. B. nicht die erforderliche Übung, ich mußte auf der Mittelstufe lange und oft wiederholen, erreichte natürlich da nicht das Ziel, ja, dieses «böse Ding» warf seine Schatten bis in die Oberstufe. Selbst jene Schüler, welche im 2. Schuljahre die «besten» waren, erhielten im darauf folgenden Jahre ein schlechteres Zeugnis. Seither hat meine «Aufsteigetheorie» eine Korrektur erfahren. Den vorher gekennzeichneten Stoff in einem Jahre durchzunehmen, gelingt äußerst selten, gar nicht, wenn Krankheit des Lehrers und andere Störungen dazukommen. Die Mittelstufe kann aber nur auf einer sicheren Grundlage erfolgreich weiterbauen und Sicherheit wiederum kann nur erreicht werden, wenn das 3. Schuljahr zur Unterstufe genommen wird. Man könnte allerdings einwenden, daß die Schüler, welche 2 Jahre in derselben Abteilung sitzen, sich im zweiten Jahre langweilen müssen. Im Lesen und im Anschauungsunterrichte kann man Kurse einhalten und die anderen Gegenstände wird ein tüchtiger Lehrer so behandeln, daß jede Altersstufe angemessen beschäftigt wird. Zur fi. Frage. Lehrer A. Heider in Aiclikirchen (0. ().): Eine Verminderung des Lehrstoffes aus Rechnen wäre besonders für einklassige Schulen mit Halbtagsunterricht wünschenswert, weil dieser Schulkategorie ohnehin wenig Zeit zur Verfügung steht. Es könnte Folgendes gestrichen werden: Das schriftliche Rechnen mit gemeinen Brüchen, Kennzeichen der Teilbarkeit, größtes gemeinschaftliches Maß, manche Rechnungen mit mehrnamigen Zahlen (z. B. die schriftlichen Zeitrechnungen, oder Rechnungen wie: 21 Tge. 8 Stdn. 35 Min. X 25, 538 Tge. 19 Stdn. 39 Min. : 6 Tge. 15 Stdn. 39 Min. =•), das Dividieren durch Dezimalzahlen. Durch Ausscheidung des Genannten würde für die so wichtigen praktischen Rechnungsaufgaben mehr Zeit gewonnen werden. Das Dividieren durch Dezimalzahlen macht den Kindern große Schwierigkeiten und findet im gewöhnlichen Leben seltener Anwendung. Die Lehrpläne für den Sprach- und Realienunterricht sollten im Sinne der Anträge, die bei der 7. oberöst. Landeslehrerkonferenz gestellt wurden, einer Reform unterzogen werden. — Josef Schrnid, Lehrer in St. Daniel (Gailtal): Aus dem Sprachunterrichte soll alles ausgeschieden werden, was das Sprachverständnis und die Sprachfertigkeit nicht unmittelbar fördert, was bisher nur dein System zuliebe und wegen der Vorbereitung für die Mittelschule betrieben wird. Man vergleiche die Spraclibücher von Kahnmeyer und Schulze mit den Lehmannschon! (Ich glaube, daß man die Lehmannschen Sprachbücher nicht gebrauchen dürfte, wenn sie nicht im ScliulbUcherverlage erschienen wären.) Von dem, was die in Kärnten gültigen Lehrpläne aus dem Rechnen vorschreiben, darf nichts ausgeschieden werden. Das Rechnen braucht der Mensch heutzutage noch notwendiger als das Lesen und Schreiben. Die Erdkunde verträgt auch keine Kürzung. Der Geschichtsunterricht soll mehr die neueste Zeit berücksichtigen; Kulturgeschichte, nicht Kriegsgeschichte! Es empfiehlt sich, mit der Gegenwart zu beginnen und rückwärts zu schreiten. Langt dann die Zeit für die alten Kriegsgeschichten nicht mehr, so schadet es nicht. Aus Naturgeschichte muß auch zuerst das Wichtigste, der menschliche Körper und die Gesundheitslehre, eingehend gehandelt werden. Kommt dann der Löwe und das isländische Moos nicht mehr daran, so hat das keinen Einfluß auf das Wohlergehen der Landleute. Die Schülerzahl herabsetzen, dann wird man mit dem Lehrstoffe schon fertig werden. Einklassige Schulen mit mehr als 50 Kindern sollte es nicht geben. Wo aber die Verhältnisse es bedingen, daß mehr als 50 Kinder in ein Lehrzimmer gedrängt werden müssen, da hat der Turnunterricht zu entfallen und die dadurch freiwerdenden Stunden sind dem Sprach- und Rechenunterrichte zuzuwenden. Die Landmädchen turnen ohnedies nicht und sind trotzdem ebenso gesund wie die Knaben. Wenn ein Kind täglich 1 bis 3 Stunden auf den schlechten Schulwegen zubringt, in der Mittagsstunde ein Schneeballengefecht mitmacht, den Pfeil schießt oder sonst an einem frischen Bewegungsspiel teilnimmt, so hat es für Leibesübung gesorgt. Kränkliche Kinder, die sich an den Kinderspielen nicht freiwillig beteiligen, können die paar Turnstunden auch nicht mehr gesund machen. Unter recht ungünstigen Verhältnissen könnten auch noch die Zeichenstunden für den Sprachunterricht verwendet werden, besonders dann, wenn nur nach der Sternmethode auf punktiertes Papier gezeichnet werden muß. — Schulleiter F. Czapka, Deutsch-Haslau (Böhmen): aj A u s z u s c h e i d e n : 1.) Rechnen: Teilbarkeit der Zahlen; von den Zinsenrechnungen die Frage nach dem Kapital, dem Zinsfuß und nach der Zeit; Diskontrechnung; Alligationsrechnung; Flächenberechnungen: Berechnung des Kreisausschnittes, Kubikinhalt des Pyramidenstumpfes und des Kegelstutzes sowie des Fasses. 2.) Sprache: Die Einteilung: Gattungs-, Stoff-, Sammel- und Begriffsname; die Einteilung: männliches, weibliches und sächliches Geschlecht; die Unterscheidung: natürliches und sprachliches Geschlecht; der Ausdruck: «Geschlechtswort»; Wörter nur mit Einzahl und solche nur mit Mehrzahl; die Unterscheidung: starke, schwache und gemischte Biegung; die Bezeichnung: 1., 2. und 3. Person, ferner persönliches, unpersönliches, transitives und intransitives Zeitwort; die Unterscheidung: Nennform, Tätigkcits-und Leideform; die Unterteilung der Abwandlung als starke, schwache, gemischte und unregelmäßige; die Ausdrücke anzeigend, verbindend; die Ausdrücke aussagend, beifügend; starke und schwache Biegung des Eigenschaftswortes; regelmäßige und unregelmäßige Steigerung, Zahl und Geschlecht des Eigenschaftswortes; die Einteilung der Fürwörter, Person und Zahl derselben; die Einteilung der Zahlwörter. Das Umstandswort ist als selbständige Wortart nicht zu lehren. Der Ausdruck «Vorwort -; die Einteilung der Bindewörter; das Empfindungswort. Subjekt und Prädikat; Ergänzung, Beifügung und Umstand; die Einteilung des mehrfachen Satzes, als zusammengesetzter und zusammengezogener, ferner die Einteilung der Nebensätze. b) Zuzuschneiden: 1.) Rechnen: Das R. mit gemeinen Brüchen; der kleinste gemeinschaftliche Nenner im Kopfe zu bestimmen, daher nur die allergebräuchlichsten Nenner nehmen. Multiplikation und Division auf eine Regel zurückführen; Teilregel; einfache landwirtschaftliche und gewerbliche Rechnungen genügen; Durchschnittsrechnung, nur einfache Beispiele; Körperberechnungen, 2 Regeln genügen. 2.) Sprache: Bei Feststellung des Geschlechtes der Hauptwörter soll man bei deutschsprechenden Kindern nur um jene Wörter fragen, deren Gechlecht im Dialekt mit dem Hochdeutschen nicht übereinstimmt; genügt: gewisse und ungewisse Redeweise; das Auswendiglernen der Verhältniswörter (nützt eigentlich gar nichts); genügt: Satzgegenstand und Satzaussage. Aus der geometrischen Formenlehre wird so viel geboten, als zum Verständnis der einschlägigen Kapitel im Zeichnen und Rechnen notwendig ist. Von der Grammatik allein wertvoll ist bloß die Wortbildung und deshalb muß auf diese sowie auf die Wortbedeutungslehre ein besonderes Gewicht gelegt werden. Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung ist die Grammatik fast entbehrlich. Die Sprache muß mündlich fehlerlos gehandhabt werden. (Der Lehrer sei in dieser Beziehung ein Vorbild, statt der Regeldrillerei lebendige Sprachbildung). Wolfram von Eschenbach konnte weder lesen noch schreiben und hat die Sprache trefflich zu regieren gewußt. Rosegger sagte einmal: «Mir war die deutsche Sprache schon in der Jugend das Daheim meiner Seele. Fremd wurde sie mir erst, als die deutsche Grammatik über mich kam.» — Im Lehramtszeugnis Hamerlings steht das Urteil über die Prüfung aus Deutsch: «Der Kandidat hatte, wie er sagte, für das Deutsche die Lehrbücher von Bauer und ähnliche studiert; man hat aber aus seinen Antworten nicht entnehmen können, daß dies mit der erwünschten Gründlichkeit geschehen sei.» Hamerling verließ sich, wie er sagte, auf sein Sprachgefühl und auf die Lesung unserer klassischen Schriftsteller. Aus dem Rechtschreiben wären nur die wichtigsten Regeln zu geben und fleißig zu üben — Sprechen und Schreiben. — Jeder Schüler sollte auch das Büchlein «Regeln und Wörterverzeichnis» in der Hand haben. Was das Lesen anbelangt, so sollte für die Schreib- und Druckschrift nur je ein Alphabet gelehrt werden. — Im Stil sollten die langatmigen Beschreibungen von den verschiedensten Gegenständen entfallen. Geschäftsaufsätze sind fleißig zu üben. (Postwertzeichen u für den Schulgebrauch!) — Memorieren: Nicht nur poetische, sondern auch schöne, gehaltvolle Prosastücke wären zu lernen. Wenig, aber gut. In der Religionslehre wäre das viele Auswendiglernen zu beschränken. Von den Realien ist nur zu sagen, daß man nichts ausscheiden oder zuscheiden kann, weil z. B. an einer einklassigon Volksschule (geteilt) nur eine halbe Stunde wöchentlich für eine Abteilung entfällt, dazu Sommerbefreiung — es ist geradezu zum Verzweifeln, — dann ist es auch kein Wunder, wenn Fachschuldirektoren, die absolvierte Volksschüler zugewiesen erhalten, ein vernichtendes Urteil Uber die Neuschule fällen. — Darum Abschaffung aller einklassigen Volksschulen — Entlastung des Lehrers von den vielen Nebenbeschäftigungen, damit er sich in Ruhe auf den Unterricht vorbereiten kann, sehr ausreichende Bezahlung, daß er sich auch methodische Werke anschaffen kann, daß er frei von Sorgen für die Zukunft sei etc. etc. Zur 7. Frage. Josef Schmidt, Lehrer in St. Daniel (Gailtal): Helfer benützeich in den ersten Schulwochen bei den Anfängern, um dieselben an die richtige Griffelhaltung zu gewöhnen. Bauernkinder haben vor dem Schuleintritte noch keinen Gegenstand so angefaßt, wie man den Griffel hält. Man muß ihnen jeden Augenblick den Griffel und die Finger zurechtrichten. Hiezu benütze ich, wo es angeht, den Bruder, die Schwester^oder ein Nachbarkind des Anfängers. Die Helfer müssen vom Lehrer überwacht werden. Das Chorlesen ist für Anfänger nicht viel wert. Die Stimmführer lesen wirklich, diejanderen sprechen nach, ohne die Buchstaben richtig anzuschauen. Da ist es nun gut, wenn sich die Schwächeren unter Aufsicht großer Schüler im Lesen üben. Gerade schwache Schüler lesenjsehr leise und da stört es nicht. Die Helfer müssen für ihren Dienst früher unterwiesen werden. Manches Kind paßt nie zum Helfer. Ferner benütze ich Helfer (die Kinder der obersten Abteilung) zum Korrigieren der Aufgaben, welche die Schüler der Mittel- und Unterstufc’auf die Schiefertafeln geschrieben haben. Bei Sprachaufgaben müssen dem Helfer Hilfsmittel (Lese- oder Sprachbuch, Korrekturzettel, Tafelanschrift) in die Hand gegeben werden, sonst kann es Vorkommen, daß die Helfer Fehler in die Arbeit hineinkorrigieren oder unberücksichtigt stehen lassen. Die Helfer dürfen die gefundenen Fehler nur unterstreichen. Der Lehrer muß die Tafeln selbstverständlich auch noch durchsehen, doch geht das schnell, da er seinen Blick fast nur auf das Angestrichene zu richten braucht. Ein Helfer, der sein Amt vernachlässigt, wird längere Zeit nicht mehr verwendet. Er empfindet das als eine Strafe und nicht etwa als eine Wohltat, obwohl es für ihn eigentlich eine solche ist. Hefte austeilen, Tafelauswischen etc. gehört nicht zum eigentlichen Helferwesen. — Oberlehrer Joh. Micko in Haselberg (Böhmen): Im § 49 der Schul- und Unterrichtsordnung vom 20. August 1870 heißt es diesbezüglich: «Eine zweckmäßig eingerichtete Verwendung von Schülern zur Wiederholung und Einübung des vom Lehrer bereits durchgenommenen Lehrstoffes ist nicht ausgeschlossen, wenn sie in Gegenwart und unter Beaufsichtigung des Lehrers derart geschieht, daß sie eben nur eine Hilfe bei dem mittelbaren Unterrichte ist.» In der Schul- und Unterrichtsordnung vom 29. September 1905 fehlt dieser Absatz, ist aber auch durch keine gegenteilige Bestimmung aufgehoben, besteht daher noch zu Recht. Und das ist gut. An einklassigen Schulen mit größerer Kinderzahl ist das Ilelfer-wesen ein ausgezeichnetes Mittel zur Förderung des Unterrichtes und zur Erhaltung der Disziplin. Das 2., 3. und 4. Schuljahr bilden an der ungeteilt einklassigen Volksschule die zweite Abteilung und haben den gleichen Unterrichtsstoff zu bewältigen. Beim direkten Unterrichte legt man die ersten Fragen und die schwierigen dem 4. Schuljahre vor, läßt sic vom 3. wiederholen, während man vom 2. ein volles Verständnis nicht verlangen kann. Beim indirekten Unterrichte, der die zweifache Zeit in Anspruch nimmt, ist diese Methode nicht anwendbar. Die Aufgaben für diese drei Schuljahre sind die gleichen, müssen natürlich dem mittleren, dem 3. angepaßt sein und werden von demselben auch in der festgesetzten Zeit, z. B. in einer halben Stunde, vollendet. Die Schüler dos 4. Schuljahres, denen die Aufgaben schon bekannt sind, lösen sie spielend in einer Viertelstunde. Was mit der anderen? Eine andere Aufgabe zu geben, hat der Lehrer nicht Zeit. Sie zu zwingen, ohne Beschäftigung still zu sitzen, wäre für die Kinder eine Qual, für den Lehrer unverantwortlich ; die Schüler sich selbst überlassen, eine Störung des Unterrichtes. Der Ausweg aus diesem Irrsal ist ganz einfach : Sie helfen den kleinen Mitschülern. Diese mühen und plagen sich umsonst ab; der Lehrer kann ihnen nicht helfen, er ist ganz in Anspruch genommen mit der 1. und 3. Abteilung. Ratlos schauen die Kleinen nach Hilfe aus; freudig empfangen sie den rettenden Engel in Gestalt des älteren Mitschülers und nun setzen sie sich eng zusammen und arbeiten voller Eifer. Ist das Werk gelungen, gewährt es eine wahre Erquickung, zuzusehen, mit welcher Genugtuung sich beide zurücklehnen; der eine, stolz und befriedigt, schon so weit zu sein, einem ändern beistehen zu können, der andere herzlich froh, nun seine Aufgabe auch fertig zu haben und eines freundlichen Blickes des Lehrers sicher zu sein. Ganz ähnlich verhält es sich mit den 4 Schuljahren der 3. Abteilung, nur mit dem Unterschiede, daß solcher, die Hilfe leisten können, mehr sind, als solcher, die der Hilfe bedürfen. Das ist aber wieder von großem Vorteile, die Überzahl wird in der 1. Abteilung verwendet, die stets Unterstützung braucht. Oft muß sogar ein Anfänger den anderen beistehen. Einzelnen bietet die Ausführung der Buchstaben und Ziffern fast unüberwindliche Schwierigkeiten, während andere sehr geschickt, vielleicht zu Hause vorgeübt sind. Sie können daher helfen. Und die Kinder helfen sehr gerne. Am meisten werden Helfer verwendet beim ersten Lese- und Schreibunterrichte, beim Rechtschreiben und bei der Sprachlehre, weniger beim Aufsatz, dann beim Rechnen und Zeichnen. — Noch ist sehr zu beachten, daß Zuneigung und Abneigung im Leben der Kinder fast eine größere Rolle spielen als bei den Erwachsenen. Man wird also gewöhnlich Geschwister zusammengesellen, oder gute Freunde, oder Anverwandte und Nachbarn, wenn sie nicht gerade verfeindet sind. Die Verwendung als Helfer ist eine Auszeichnung für die Kinder; sie empfinden es als Strafe, wenn ein anderer bestimmt wird. Und das müßte schon ein recht hartgesottener Schlendrian und Faulenzer sein, dessen Ehrgeiz nicht gestachelt werden würde, wenn ihm ein jüngerer Schüler als Helfer hingesetzt wird. Man hat also in beiden Fällen ein eindringliches Disziplinarmittel in der Hand, gegen dessen Verwendung kein Bedenken obwaltet. Das Helferwesen ist daher ein gesetzliches, unentbehrliches und sehr wirksames Hilfsmittel im Unterrichte, insbesondere in der einklassigen Volksschule. Bvü'fhitlfvu. Diesmal gnbs arge Verspätung. Die Schuld trifft weder den Drucker noch mich: Die Setzer tändelten mit der Letter, bis ihre Forderungen erfüllt wurden. — Lehrerheimkarte: Jeder Tag bringt mir einige Idealbilder unseres Werkes und Namen und Grüße und Zeichen reger Arbeit. Tank und Gruß in alle Lande, wo treue Mitarbeiter im Dienste des hohen Gedankens stehen! — Tie «Lehrerheimkarte ist, wie bereits gemeldet wurde, zum Preise von 10 h von dem Bundesobmanne Keßler in Mannswörth bei Wien gegen Voreinsendung des Betrages zu beziehen. Kein Abnehmer der «Blätter» sollte von nun ab seine Neujahrswünsche durch eine andere Ansichtskarte in die Welt senden. - Obl. T. in T.: Die zweite Stimme habe ich mit der Geige so allmählich eingeschmuggelt und es ging; sie sitzt den Kindern im Ohre. Beileibe sich in der Landschule nicht erst mit Noten plagen! Die «Print» muß zunächst jeder können; die «Sekund» sei eine Belohnung. — Nach Marburg: Das ist recht, daß dort fest angepackt wird, wo die Idee zuerst vor die breite Masse der Lehrerschaft getreten ist! — Nach Selzthal: Unter den 17 Mitunterzeichneten kenne ich vier dem Namen nach. Wenn ich Ihnen doch einmal die Hand reichen könnte! — Prof. Z.: Danke für die Mitteilung. Wer einmal 30 Jahre alt geworden ist, den werden wir schwerlich mehr bessern können. Ich habe übrigens auch unter 30 schon Mißerfolge aufzuweisen, sosehr die ersten Anzeichen Erfolg verhießen. Mir war die Lehrerschaft meines Jnspektions bezirkes zu gut, um ihr einen solchen Kollegen zu geben. — Obl. I., zur Zeit iit P.: Der Nachsatz hat mich am meisten gefreut: «Am Meere Erholung gesucht und gefunden!-> Mögen bald Hunderte unserer kranken Amtsbrüder so berichten wie Sie! — In die Tauern: Sie haben mich zum «Vater» gemacht. Wenn nur das Kind auch schon zu sehen wäre! Vorläufig spricht man nur von ihm — vom «Lehrerheim». Nun, das Taufgeschenk können Sie meinetwegen im voraus eiusenden, aber nach Mannswörth! — Prof. B.t Es ärgert auch mich, daß zuviel «Stückwerk» erscheint. Aber wenn Sie wüßten, was da alles bestimmend wirkt! lind dabei der kleine Raum! Das gibt gar oft einen Widerstreit. Hoffentlich werden wir uns bald recken können. Ja so! Da erinnert mich mein Verwalter an etwas: Wer einen Abnehmer zu werben gedenkt, rühre rasch die Trommel; zu Anfang des Jahres werden nämlich die Anschriften gedruckt! — C. in H.: Sie schreiben: «Ich bin, wie fast alle Einklaßler meiner Gemeinde, .Mädchen für Alles': Regenschori, Gesangslehrer, Violinlehrer, Gemeindesekretär it. it. a. Mein Nachbar ist aber außerdem noch Schulgärtner, Bienenzüchter und Lehrer einer Abendschule. Wo bleibt da die Kraft für die Schule? Etwas muß darunter leiden, oft die Hauptbeschäftigung. Es ist geradezu widersinnig, was der Lehrer und gerade der an einklassigen Schulen leisten soll. Wenn inan dann die eigenen. Kinder auch noch unterrichten will — und das muß doch auch fein, dann weiß ich nicht, ob so ein abgehetzter Mensch noch .Probelektionen' abhalten kann.» (Bei uns will man den Anlauf dazu nehmen, indem man Eiuklaßler in die Übungsschule zu schicken gesonnen ist. Selbstverständlich habe ich dagegen geschossen.) Von Schule zu Schule. XXII. Fünf Kreuzer für die Nächtigung! So billig war ich noch nie untergekommen. Freilich war das Hotel ganz eigener Art. In der Portierloge saß eine dralle Dirne gerade am Milchtopf; nebenan knisterte das Herdfeuer und hinten gackerte eine Henne dazwischen. Man hatte mich die Treppe hinauf geführt, beim für noble Herrschaften blieb das erste Stockwerk «reserviert»; das gewöhnliche Bolk der Passagiere mußte sich mit der ungeweißten Kammer begnügen, wo das ganze Hotelpersonal in Einigkeit schlief. Ein sonderbares Ruhebett, wie ich es seit meiner Kindheit nicht mehr unter mir gefühlt hatte: Heu in Heu! «Da suachn's Jhna holt a Plahl!» Nicht mehr und nicht weniger sprach die Kammerzofe — und sie ging von dannen. So schlich ich denn auf dem Dachboden hin und her, wie weiland mein Nero, da er sich legen wollte; endlich hatte auch ich mein Plätzchen gefunden. Doch mit dem Schlafen wollte es nicht vorwärts: einerseits war daran schuld das süße, süße Mittagsschläfchen, anderseits die süße, süße Musik unter mir. Bald ließ er die Stimme erschallen, bald sang sie dazwischen — die Kuh und wo die beiden Generalpausen machten, sprang die Ziege helfend darein. Die Nachtruhe war dahin; erst der kalte Morgen drückte mir die Augen zu. Als jedoch drunten die Musikanten rege wurden, als das Tuten anging, das Rufen, das Klingen der Schellen, das Schelten, das Poltern: da stieg ich ins Erdgeschoß, berappte die Nächtigung und floh gegen den Wald. Sieh nur, was schwebt dort hinter den Zweigen auf und nieder? Eine Waldfee? Im grauen Mantel huscht sie vorüber; über dem blassen Antlitz quillt das dnnkelschwarze Haar in laugen Wellen den Nacken hinunter. Wenn ich doch einmal das Auge sehen konnte! Wagen wir's und rücken wir näher! Der Rasen ist weich, ich schleiche mich heran wie der Jäger an das Wild; jetzt bin ich hinter der Fichte. Welch reizendes Kind! Wenn doch die Rehaugen auch mich einmal träfen! Sie sind zu Boden gesenkt, denn der Wiesenteppich, der sich zwischen die Reihen der Bäume geschoben bat, ist schmal, mit allerlei Gestrüpp überwuchert und da muß die Fee ans die zarten Füßchen achten. Das Röckchen soll ja einerseits über das feuchte Gräslein, aber doch nicht über das Knöchelchen gehoben werden. Wie tief doch die Lehre der Mutter gesenkt wurde: Unbeobachtet dünkt sich das Kind und doch ist es sorglich auf Anstand bedacht. Ja, ja, Erziehung ist Gewöhnung. «Kneipp»-Schwesterlein ist hinter dem Busche verschwunden. Dort steht eine Bank, dort wird Toilette gemacht. Ich ziehe indes im großen Bogen hinüber und trällere mir ein Liedchen vor, dieweil das Waldfränlein mir entgegenkommen muß. Wir haben uns gesehen. Schulmeisterlein, Mut, einen freundlichen Gruß, eine schöne Phrase — und der Faden ist gefunden. Doch gefehlt! Kühles «Gut' Morgen» zurück, auf das Kompliment, in dem die «Waldfee» verwoben ist, — Schweigen. Das war also jedenfalls nicht ganz methodisch; 's ist ja niemand da, der mich verlachen kann: also versuchen wir's auf eine andere Art! Rasch entschlossen, rasch vollendet: «Das Fräulein wird mich für einen lästigen Menschen halten ?» Das sind Sie wohl auch? Nicht doch, nicht doch! Wie stünde das einem Lehrer an! Sie sind Lehrer? Mit ganzem Herzen, liebes Fräulein. Dann «Guten Morgen, Herr Kollege!» Ei, ei! Also hier in der Waldeinsamkeit eine Amtsschwester! Leider, leider im Walde! Wieso «leider»? Der Wald ist es ja, der uns erquickt, wenn einmal in der Schnltür der Schlüssel rasselt und uns der Freund die Hand auf glückliche Ferien schüttelt. - Ja, wenn man den Wald sucht und nicht suchen muß. Sie sind also krank? Krank, krank, Herr Lehrer, krank an Leib und Seele! Armes Mädchen! Es stand stumm Nor mir, blickte auf seine Hände, die ein Taschentuch krampfhaft znsammengeballt hatten, und weinte. Ich bot, ihm die Hand und führte es zur Bank, die zuvor als Garderobe gedient hatte. — Der Träueuguell war erstickt; allmählich schwebten über die blassen Lippen abgerissene Worte, dann Sätze, in immer rascherer Folge hervor. — Die Kollegin war halskrank; das viele Sprechen, der Staub hatten an der zarten Kehle genagt. Zn spät ward der Arzt gerufen; als er endlich mit dem Spiegel in den Rachen drang, schien eine Rettung schier unmöglich. Sofort gänzliches Anfgeben des Berufes, im Winter an die Riviera, im Sommer an den See und ans die Berge, gute Kost, keinerlei Anstrengung, Ruhe, Zerstreuung: ein grausames Rezept für die elternlose junge Lehrerin an der vierkassligen Volksschule in E. So stand es mit dem Leibe; nicht besser mit der Seele. — In ihr webte ein Gedanke, der Gedanke an ihn, den Unterlehrer von E. Wird er die Angebetete retten können? In einem Jahre ist es zu spät. Er Provisorisch, sie provisorisch: Wer wird die Fahrt »ach dem Süden bezahlen? Und später? Dabei kennt der Arzt keinen Pardon; auf Jahre hinaus, alljährlich wird das Rezept befolgt werden müssen. «Fräulein», so hat die Frau des Wirtes gesagt, «heiraten Sie doch den reichen Schloßbesitzer, der sich um Sie bemüht — und Sie sind gerettet!» Ich kann es nicht. An der Seite dieses vergilbten Lebemannes würde mich der Gram verzehren. Und doch muß ich an mein Leben denken. Wozu raten Sie mir, Herr Kollege? Kind, das ist die schwerste Frage, die je an mich gestellt wurde. Ans der einen Seite den Tod des Leibes, ans der anderen den Tod der Seele. Doch rechnen wir nicht: Folgen Sie Ihrem Herzen! Ein kurzes Glück wiegt tausend schale. Freuden auf. Aber ich will nicht sterben, ich darf nicht sterben! Fürchten Sie nicht den Tod, wenn das Herz gesundet! Es strömt doch alles durch seine Kammern. Wenn das Glück in ihnen wohnt, strömt das Glück durch alle Adern. Die Sonne war aufgegangen; ich mußte Abschied nehmen, denn drunten lagen noch einige Schulen, in die ich zu Gaste geladen ivar und die ich noch nicht gesehen hatte. . . . Jahre waren vergangen; ich weilte in Tirol. Da kroch ich einmal die Berge hinan und jenseits die Berge hinab in das Paradies von Meran. Es war kalt, sehr kalt in den Gehängen gewesen und der sonnige Tag lockte nicht nur die bleichen Gestalten ans die Promenade, sondern auch mich, den Wanderer vom Berge. Nachlässig schleuderte ich dahin und würde wohl nicht den Blick erhoben haben, hätte nicht eine heisere Stimme mir zngernfen: «Guten Tag, Herr Kollege!- — Die Waldfee! An ihrer Seite hinkte ein verdorrter Geselle. Arme Waldfee, — sie hatte sich den Reichen zum Manne genommen. Ich habe sie nicht mehr gesehen; Meran und Toblach, Nizza und Berlin haben nicht das Dörfchen G. ersetzen können, wohin sich ein junger Schulleiter mit der Todeswnnde im Herzen geflüchtet hatte. Inhalt drs Jahrganges 1905. 1.) Lcitbcrichte: Der Pulsschlag des Weltgeistes in der Landschule. Stadtlehrer — Landlehrer! Lenz und Landschule. Zur Tagesordnung! Unser Lebenswerk. Unsere Schwestern im Amte. Im Sonnenglanz von Jugenderinnerungen. Unsere Brüder im Amte. Dem Verdienste die — Kronen! Der äußere Schein. Lesen — Schreiben — Rechnen. 1905 — 1906. — 2.) Die Wechsclrcde: Zur 1. Frage (‘/3* Stunden ober Halbstniiden?) noch ein (das 31.) Urteil; zur 2. Frage (Verteilung der Schuljahre) noch 4 Urteile; zur 3. Frage (Halbtagsschule ?) zu den 13 noch 11 Urteile; zur 4. Frage (Ungeteilter Vormittagsunterricht?) noch 12 Urteile; zur 5. Frage (Das dritte Schuljahr?) 11 Urteile; zur 6. Frage (Stossverminderung?) 6 Urteile; zur 7. Frage (Helferwesen) 2 Urteile; im ganzen 47 Urteile. — 3.) «Von Schule zu Schule», 12 Fortsetzungen. — 4.) Abhandlungen: Die formalen Stufen im Abteilungsunterrichte. — Die Konzentration in der einklassigen Volksschule. — Die Unterrichtseinheit für den 9. Mai. — Ein Tag in der Einklassigen. — Das Rechnen in der einklassigen Volksschule. — Psychologische Grundlinien für den Abteilungsunterricht. — Einiges über die Kunstpflege im Schulhause. — Über Exkurrendoschulen. — Landschule und Leben. — 5.) Verschiedenes: Die Besprechung von vier Sprachunrichtigkeiten; 7 Bilder für das -Lehreralbum»; für das «Lehrerheim»; 167 Mitteilungen im Briefkasten. — Der Jahrgang ist 110 Seiten stark. Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter Rudolf E. Peerz. — Druck von Jg. v. Kleiumayr & Fed. Bamberg in Laibach.