rvaistspmch, Was wir begehren von btt Zutuns! Ferne»» Saft Brot und Arbeit uns gerüstet stehen, Saft unsere Kinder in der Schule lernen Und unsere Greise nicht mehr betteln gehen. ffl. Herwegh TeleMll Rr. ttll 1026 v. K.M. Der MkSkonto mm Uevbahlm Zentralorgan des Oesterreichifchen Eisenbahn-Personales. NedaMon: Wien VA, Stöuhatisgoffc 84. Rebnktlonsschlnß: Zwei Tage vor dem Erscheine» de« Blatt«». Sprechstunden flnfc jeden Tag mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage von 10 Uhr vormittags bis 7,4 Uhr nachmittags. Insertionspreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Saum 14 Heller. Bei Iahresauflrag Rabatt. Abonnements-Bedingungen: Halbjährlich............................. Kr. 2-88 Ganzjährlich............................., 5.7g pr das Deutsche Reich ganzjährllch Mk. S-—. Für das übrige Ausland ganzjährlich 8 Franken. Erscheint jeden 1», 10. und 20. im Monat. Wien, de« 26. August 1914. 22. gahrg. Sie Msenbshner und der Krieg. Ein offenes Wort zur Beherzigung an alle Nicht-einberufenen. In diesen drangvollen und sturmbewegten Tagen, wo die Völker Europas großen geschichtlichen Ereignissen entgegenschreiten, lastet auf allen eine doppelte und harte Pflicht. Von diesen Pflichten und Aufgaben, die an den einzelnen wie an die Gesamtheit herantreten, und denen sich keiner in der großen Volksgemeinschaft zu entziehen vermag, lastet vor allem ein großer Teil auf den Eisenbahnern und den Angestellten des Verkehrs überhaupt, an deren Arbeitskraft, Pflichteifer, Willigkeit und Unverdrossenheit Anforderungen gestellt werden müssen, die über das in ruhigen und normalen Zeiten übliche Maß weit hinausgehen. Niemand, der in diesen Tagen der Aufregung und der Nervenanspannung die Ereignisse mitversolgt und insbesondere die klaglose Ahwicklung des gewaltigen Eisenbahntransports mitangesehen hat, wird den Eisenbahnern, wo immer sic dienstlich an ihren Platz gestellt waren, das e h r e n d e Z e u g-nis versagen können, daß sie nicht ihre Pflichten ganz und vollauf u n d g e w iß auch z.u r Z.n frie-, den heit der Staatsverwaltung erfüllt hätten. In der Zeit, wo dieser Krieg einmal als unabwendbare Tatsache alles und alle in Mitleidenschaft zieht, ist, wie die gesamte aufstrebende Arbeiterschaft überhaupt, auch die Eisenbahnerschaft von dem Bewußtsein erfüllt, daß der Feind, der in dm Zarischen Rußland und seiner im menschlichen Aberwitz Verbündeten abgewehrt werden muß, der Feind aller Kultur, alles Fortschritts und aller menschlichen Gesittung ist. Wie jeder, der an dem Wirtschaft-l i ch e'n und politischen Aufstieg der Arbeiterklasse und an dem Kulturfortschritt überhaupt irgendwie interessiert ist, klarer empfindet, was ein Sieg des fi n stere n, reaktionären Rußlands gerade für die Arbeiterklasse bedeuten müßte, so weiß auch die Eisenbahnerschaft nur zu gut, daß die Reaktion und die U n f r e i h e i t, die mit einem solchen Siege über sie kommen müßte, alle Früchte der bisherigen Erfolge zerstören und alle weiteren EitttoitiEIungs Möglichkeiten unterbinden m ü ß t e. Diese Erkenntnis hatte ihr bisheriges Verhalten bestimmt und wird weiterhin auch ihre Pflichttreue leiten und bestimmen. Den österreichischen Eisenbahnern, soweit sie nicht zur Dienstleistung unter die Fahnen berufen wurden, obliegt in diesen schweren Tagen aber auch noch eine zweite Pflicht: ihre mühsam aufgebaute Organisation zusammenzuhalten und sie über die Zeit der Krise, die über alle Gewerkschaften gekommen ist, hinüberlenken zu Helsen. Die Organisation, als der Hort und Stützpunkt aller bisherigen Erfolge, muß vor allen Schäden und Gefahren bewahrt bleiben, denn es gilt, sie für die Zukunft aktionsfähig zu erhalten, damit sie in normalen Zeiten wieder für die guten Rechte und zum Schutze ihrer Angehörigen wirke. Gerade jetzt muß daher auch getrachtet werden, keine Rückstände an Mitgliedsbeiträgen anwachsen zu lassen, damit die Organisation ihre allseitigen Pflichten erfüllen könne und den Mitgliedern selb st ihre Rechte undBenefizien gewahrtbleiben. In diesen Tagen der e r h ö h t e n Anforderungen und der vollen Sorgen gedenken wir hoffend einer lichteren Zukunft, wo ans dem Düster des Heute der neue Tag geboren wird. Lassen wir u n s e r e Z u k u n f t nicht im Stiche und erhalten wir unsere Organisation stark, indem wir ihr gegenüber unsere Pflicht ebenso treu wie dem Staate gegenüber erfüllen! Nie Sozialdemokratie und der europäische Krieg*). Dom Abgeordneten Dr. Wilhelm Ellenbogen. Unsere Stellung zum Krieg im Prinzip haben wir wiederholt an allen zuständigen Stellen gekennzeichnet. Wir betrachten ihn als einen Ausdruck des Eifersuchtsverhältnisses der kapitalistischen Staaten, die miteinander um die Beherrschung des Weltmarktes streiten. Auch die nationalistische Note, die dieses Verhältnis der Staaten zueinander gegenwärtig angenommen hat, täuscht uns darüber nicht, und wir sind uns keinen Augenblick darüber im unklaren, daß die serbische Mord- und Komi- tatschipolitik nicht nur ein Ausdruck des wirtschaftlichen und nationalen Ausdehnungsbedürfnisses der Serben, sondern in noch höherem Grad des kapitalistischen Ex-pansionsverlangens Rußlands ist, das Serbien und die Balkanstaaten überhaupt als Figuren in seinem Schachbrett benützt und die Unruhcpolitik gegen Oesterreich-Ungarn als ein Mittel seiner Machtvergrößerung betreibt. Und wenn sich aus dem Sarajevoer Attentat in rasender Eile der ungeheure Brand des europäischen Krieges entwickelt hat, so sind wir dadurch nicht überrascht, da wir vielmehr unzähligemal vorausgesagt haben, daß die furchtbaren Rüstungen, die alle kapitalistischen Staaten in den letzten Jahrzehnten betrieben haben, die Spannung der Feindseligkeiten auf eine solche Höhe gebracht haben, daß der leiseste Anlaß zu einer Explosion führen mußte. Nicht die Sühne des Verbrechens von Sarajevo ist die Ursache des europäischen Krieges; solche Auffassungen von weltgeschichtlichen Ereignissen waren kindische Oberflächlichkeit. Sondern es handelt sich um die Weltvormachtstellung der Deutschen, der Eng-länder oder der Russen. Es ist der Entscheidungskampf zwischen dem deutschen, dem englischen oder dem russischen ^mperalismus. Es ist also ein Krieg der bürgerlich-kapitalistischen Klassen der verschiedenen Staaten, den ihre Wirtschaftsordnung und die Gesetze ihres Produktionsmechanismus notwendig gemacht haben. Das internationale Proletariat hat diesen Krieg nicht gewünscht, nicht hervorgerufcn, es ist für ihn nicht verantwortlich und nicht für seine Folgen. Nun ist aber der Krieg da. Ohne unser Zutun, ohne unsere Verantwortung. Und unsere Aufgabe ist nun, unsere Stellung zu der gegebenen Tatsache zu präzisieren. Und wie immer, wenn man ohne eigene Wahl in eine Situation des Zwanges versetzt wird, müssen auch wir die Richtung unserer Auffassung und unseres Handelns nach der Frage des verhältnismäßig größten Uebels und des für das Proletariat verhältnismäßig größten Vorteils Bestimmen. Und da ist das Entscheidende für uns, daß der größte, der Hauptgegner in diesem Krieg zugleich sein eigentlicher Urheber Rußland ist. Nicht das russische Volk hat diesen Krieg gewünscht, das russische Proletariat hegt mit dem österreichischen gleiche Bedürfnisse des Friedens. Und wer weiß, ob nicht das russische Proletariat seine Gegnerschaft gegen diesen Krieg und seine Urheber in einer sehr deutlichen und wirksamen Weise noch zum Ausdruck bringen wird. Wohl aber ist es der russische Zarismus, diese blutigste und grausamste aller Herrschaftsformen, der in seiner unersättlichen Machtgier vor keinem Verbrechen zurückschreckt, um seine Gewalt zu vermehren. Die Ermordung Stambulows und Franz Ferdinands, sind beide in letzter Linie russische Machenschaften, die Ermordung Jaurös entspringt zumindest ihrem Geist. Und diesem barbarischen Ungeheuer verschlägt es nichts, die ganze Menschheit in das grauenvolle Elend eines Weltkrieges zu stürzen, wenn seine kalte Rechnung einen Profit dabei herauszuschlagen glaubt. Ohne die anderen kapitalistischen Staaten damit etwa besser machen zu wollen als sie sind, muß man doch sagen, daß der russische Zarismus der gefährlichste, unaufhörliche, gewissenloseste Störer des Weltfriedens ist, weil er keine Schranken kennt, kein noch so scheußliches Mittel ihm zu schlecht ist. Aber für das europäische Proletariat bedeutet der Zarismus noch mehr als den Friedensstörer. Er ist der Hort, der Schutzwall der gesamten europäischen Reaktion. *) Wir entnehmen diesen hochaktuellen Artikel der Nummer 32 der „Volkstribüne" vom 12. August I. I. Was sich an Fortschrittsfeindlichkeit in dem übrigen, fortgeschritteneren Europa vorhanden ist, das baut und hofft - vuf dem Zarismus. Die europäische Demokratie schreitet ' vorwärts, durch die Entwicklung gefördert. Wer in allen 'Staaten, auch den republikanischen, stellt sich ihr bald brutaler, bald vorsichtiger die Reaktion der herrschenden Klassen, hier geschlossen, dort geteilt, gegenüber, überall aber gedämpft durch einen mehr oder minder dichten Schleier von Zivilisation, durch Rücksicht auf öffentliche Meinungen und politische Machtverhältnisse. Nur in Rußland waltet die Reaktion in ihrer schamlosesten Form, nackt, unverhüllt, mit allen Instinkten roher barbarischer Grausamkeit, wie sie eben nur ein entmenschter Absolutismus hervorbringt. Und die europäische Reaktion, welchen Namen sie immer haben möge, flüchtet sich in ihren Kämpfen; gegen den Fortschritt, in ihrem Haß gegen die Entwicklung, wenn sie sich in ihrer Macht bedroht sieht, immer wieder als zu ihrem ideellen Mittelpunkt, zum Zarismus. In ihm sieht sie, wenn alle Stricke reißen, das letzte Mittel der Besiegung der Vokksrechte und Volksansprüche. So ist der Zarismus der furchtbarste Feind der Völkerfreiheit, seine Niederlage ist ein Sieg des Aufsteigens der breiten Volksmassen, seine Ueber-windung bedeutet die Eröffnung der freien Bahn für die Entwicklung der europäischen Demokratie. Was aber würde ein Sieg des Zarismus bedeuten? Man muß sich, um das zu begreifen, nur vor Augen halten, was des Zaren Herrschaft in feinem eigenen Land bedeutet. Man muß sich die bestialischen Folter-quälen der russischen Freiheitskämpfer, das ganze Blut-befleckte, von tierischer Grausamkeit erfüllte System der Katorga vorstellen, man muß an Sibirien denken. An die rn Ketten schmachtenden politischen Gefangenen in den Bergwerken, an die Auspeitschungen, an die Vergewaltigungen weiblicher Gefangener; an den gräßlichen Tief-stand der russischen Volksbildung: an die Verwahrlosung ungeheurer Gebiete; an die alles in der Welt über-bietende russische Korruption; an die furchtbare Fäulnis des ganzen russischen Staatswesens: an die schamtzse Verfolgung der größten russischen Geister, vor allem Tolstois u. s. w. Und man wird begreifen, daß ein Sieg des Zarismus eine Verödung Europas bedeuten würde. Die russischen Kosaken würden die hochentwickelte deutsche Kultur niederstampfen, und nach ihr die übrige europäische. Ein geistiges Leichenfeld würde Europa darstellen. Auf Jahrzehnte wäre jede Regung des europäischen Proletariats unmöglich. Europa wäre ein Grab der Völkerfreiheit. Die unmenschlichen Qualen, die heute das russische Proletariat erdulden muß, würden das Schicksal aller Völker Europas sein. Das System der Pogrome wäre die Antwort auf alle Regungen der Völker. Dieser Gefahr kann auch das österreichische Proletariat nicht gleichgültig gegenüberstehen. Und es muß gesagt werden, daß auch das französische und englische Proletariat, vom russischen ganz abgesehen, sie in'ihrer vollen Große erkennt, und daß daher diese gemeinsame Erkenntnis über alle Gegnerschaft der Staaten im Krieg hinweg die Proletariats geistig vereinigt. Und darum gilt heute von uns österreichischen Sozialdemokraten noch immer dasselbe, was der alte Bebel einst gesagt hat: wenn es gegen Rußland gehe, sei er der erste, der das Gewehr auf die Schulter nehme. In diesem Krieg, welches immer seine Ursachen sein mögen und wie wenig sie mit den Interessen des Proletariats sonst zu tun haben, werden die Proletarier ihre Pflicht tun. Es gilt die europäische Freiheit, es gilt die Entwicklung und den Fortschritt des internationalen Proletariats, und wir wissen, daß wir mit diesem Kampf dem russischen Volk, dem russischen Proletariat den größten Dienst erweisen. Inland. Der Kriegszustand und die Gewerkschaften. Die Gewerkschaftskommission veröffentlicht folgenden an alle gewerkschaftlichen Vertrauensmänner Oesterreichs gerichteten Aufruf: , Der K r i e g S z u stä n dPinMchem'sich'Oester^ reich-Ungarn gegenwärtig befindet und die in Lessen Gefolge- in Oesterreich erfolgte Verhängung des Aus-nahmszpstandes hat auch für die Gewerkschaften eine überaus ernste Situation geschaffen. Eine Reihe sehr wichtiger gesetzlicher ^Bestimmungen, auf denen die Tätig- Der „Eisenbahner" erscheint in einer Auslage von 53.000 Exemplaren. feit unserer Organisation beruht, ist suspendiert und durch die freien, durch keine gesetzlichen Schranken behinderten Verfügungen der Behörden ersetzt. Die Verfassung ist cmtzer Kraft gestellt, desgleichen die Gesetze über das Vereins- und Versammlungsrecht, über das Briefgeheimnis und die Preßfreiheit. Wenn nun auch offenkundig der AuZnahmszustand lediglich nur als Folge des Krieges zu betrachten ist und deshalb voraussichtlich nicht dazu verwendet werden wird, um die gesetzmäßige Tätigkeit unserer Organisationen zu erschweren oder gar zu unterbinden, so ist es doch Pflicht der Vertrauensmänner, mit der so gründlich geänderten Situation zu rechnen und ihre Tätigkeit danach einzurichten. Eine beabsichtigte und aus der Verhängung des Ausnahmszustandes abzuleitende Behinderung unserer organisatorischen Tätigkeit ist schon deshalb nicht anzunehmen, weil insbesondere die Gewerkschaften in derartig ernsten Zeiten, wie es die gegenwärtigen sind, eine Reihe von Aufgaben erfüllen, die sie in nicht zu verachtendem Umfang der Staatsverwaltung abnehmen. Ohne die Unterstützungstätigkeit der Gewerkschaften würden die ohnehin nur allzu berechtigten Ansprüche der durch die Kriegsereignisse besonders in Mitleidenschaft gezogenen Arbeiterbevölkerung an die Staatsverwaltung noch eine erhöhte Berechtigung erfahren, welcher mcht Rechnung zu tragen dieser nur sehr schwer möglich wäre. Trotz dieser Annahme jedoch ist immerhin die strikteste Aufmerksamkeit am Platze, weil in derartig aufgeregten Zeiten mancherlei Zwischenfälle nicht außerhalb des Bereiches der Wahrscheinlichkeit liegen. So wenig aber anzunehmen ist, daß die Absicht Besteht, mit Hilfe der durch den Ausnahmszustand gesteigerten behördlichen Macht die gewerkschaftliche Organisationsarbeit systematisch zu behindern, so sehr muß mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden, daß dies in einzelnen Fällen versucht werden wird. Um alle diese etwaigen Versuche nun im vorhinein unwirksam zu machen, ist die genaue st e Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen und der behördlichen Verfügungen dringendst zu empfehlen. Nebst diesem natürlich aber auch die streng st eBesolgung der behördlich genehmigten Statuten. Unsere Zentral-und Zweigorganisationen sollen strenge im Rahmen der ihnen zukommenden Arbeiten bleiben und sich um nichts kümmern, was außerhalb dieses Rahmens liegt. Die Versammlungen sollen genau nach den Bestimmungen des Gesetzes bei der Behörde an gemeldet und möglichst öffentlich abgehalten werden, so wie überhaupt die ganze Organisationstätigkeit sich im zulässigen Umfang vor der Oeffentlichkeit absprelen soll. Die Gewerkschaften haben nie und auch jetzt nicht die Kontrolle der Oeffentlichkeit zu fürchten, und je mehr sie diese zum Zeugen ihrer Tätigkeit aufrufen, um so mehr sind sie vor unliebsamen Störungen ihrer gegenwärtig mehr denn je gemeinnützigen Tätigkeit geschützt. Bei den Versammlungen ist ohne jede Rücksicht darauf, ob diesen ein behördlicher Vertreter beiwohnt oder nicht, strenge darüber zu wachen, daß ü b e r n i ch t s v e r-handelt werde, was außerhalb des Rah-mens der gewerkschaftlichen Tätigkeit liegt. Zwar kann nie eine Organisation für irgendeine Rede eines jeden Mitgliedes verantwortlich gemacht werden: Immerhin ist aber auch auf diesem Gebiet größte Vorsicht am.Platze«, Als selbstverständlich erachten wir es, daß alle unsere gewerkschaftlichen Organisatio- Feuiüeton. Abschied. Still — alles still. — Verstecktes Weinen, Ein abschiedne^nend Schluchzen und dann — nichts. Hier geht ein Vater zögernd von den Seinen. „Zum Krieg!" — der eine jubelt's, jener spricht's Mit nassen Augen. — Kinder, Frauen Umdrängen einen, Kiffen seinen Mund, Vielleicht zum letztenmal in dieser Stund', Dort geht ein anderer, seine Augen leuchten. Der Liebsten drückt er noch einmal die Hand. Er blickt ihr in die Augen, in die feuchten: Leb' wohl! es gibt dort drüben auch ein Land." Der Brüder hält die Schwester lang umfangen: „Gott sei mit dir im Kampf und Streit!" Dort hält die Mutter ihren Sohn mit Bangen: „Geh' hin — vielleicht auf ew'ge Zeit." Verstecktes Weinen. — Ahnungsbange Herzen. Dort eine Alte, die ins Jenseits träumt. Da frohe Burschen, die beim Abschied scherzen, Und hier ein Jüngling, in dem Kampflust schäumt. Die Männer gehen. Noch ein letztes Wenden — Ein weher Blick, der nochmals Wschied winkt. Ein letzter Gruß noch mit den harten Händen — Und eine Heimstatt, die schon fern versinkt. Rußlands Aufmarsch und seine Eisenbahnen. Das dichte Netz von Kleinbahnen, das sich in Ost- und Westpreußen, in Posen und Schlesien, längs der ganzen Grenze hinzieht, und das auch die Hauptbahnen sämtlich miteinander auf zahlreichen Wegen verbindet, dieses Netz fehlt jenseits der deutsch-russischen Grenze vollkommen, wie schon ein ganz flüchtiger Blick auf eine große Eisenbahnkarte zeigt. Selbst in dem dicht bevölkerten und industriellen, regsamen Russisch-Polen ist da» Eisenbahnnetz überaus weitmaschig und es gibt dort manche Gebiete, die fünfzig bis hundert Kilometer von der nächsten Bahnstation entfernt sind. Man kann sagen, daß das westrussische Eisenbahnwesen heute ungefähr so weit ist, wie das Eisenbahnnetz Ostpreußens vor vierzig bis fünfzig Jahren war. Und dabei sind gerade im Westen Rußlands die Verhältnisse noch am günstigsten. Hier nen rhre'bish erige Tätigkeit in aller Ruhe f o r t s e tz e n. So ernst auch die Zeit sein mag und so sehr sie auch die größten Anforderungen an die Opferwilligkeit eines jeden einzelnen von uns stellt: ein Grund etwa für die freiwillige Einschränkung unserer Tätigkeit darf sie nicht sein! Im Gegenteil: Je ernster die Zeit, je größer die Opfer, die sie von uns gebieterisch fordert, um so größer für uns die Pflicht, an die Zukunft zu denken, die mehr denn je starke und leistungsfähige Gewerkschaften für die Arbeiterklasse nötig haben wird. Inwieweit die Tätigkeit der einzelnen Gewerkschaften im bisherigen gewohnten Umfang in den verschiedenen Tätigkeitszweigen fortgeführt werden wird, hängt wohl von den einschlägigen Verhältnissen ab. Ob die Agitation Stätigkeit, so wie bisher, fortzusetzen ist; ob das U n t e r st ü tz-u n s w e s e n keine Einschränkung erfahren muß, um den so außerordentlich gesteigerten Ansprüchen gerecht werden zu können; inwieweit es möglich ist, bereits in Angriff genommene Lohnbewegungen fortzusetzen: Dies alles und noch so manche andere interne Organisationstätigkeit wird Wohl in den einzelnen Verbänden je nach den Verhältnissen geregelt werden. Bloß bezüglich der Lohnbewegungen glauben wir unsere Ansicht dahin aussprechen zu müssen, daß die gegenwärtige Zeit für solche am allerungünstig-sten ist und deshalb die Einleitung und Fortführung von solchen möglichst unterlassen bleiben soll. Genossen! Eine überaus ernste Zeit ist es, die vor uns liegt. Ihre Ueberwindung und die Sicherung unserer gewerkschaftlichen Kraft wird nur durch die sorgsamste Gewissenhaftigkeit und die weite st gehende Opferwilligkeit aller unserer Mitglieder, hauptsächlich aber unserer Vertrauensmänner ermöglicht Werden. Besonders schwierig gestaltet sich die Sachlage auch deshalb für uns, weil wir ganz ohne jede Erfahrung in die Ereignisse eintreten. Seitdem es in den Industriestaaten eine Gewerkschaftsbewegung in der heutigen Art und in dem heutigen Umfang gibt, hat noch keiner von diesen einen Krieg solcher Art geführt, wie er gegenwärtig uns heimsucht. Wir haben demnach keine eigenen Erfahrungen, auch nicht solche ausländischer Bruderorganisationen, die uns etwa als Gradmesser dafür dienen könnten, was alles uns noch bevorsteht. Um so mehr müssen wir alles daransetzen, um die österreichische Gewerk-schaftsbeweguug ungeschwächt in eine bessere Zukunft zu retten. Alles Heil, aller Fortschritt der österreichischen Arbeiterklasse in der Zukunft hängt davon ab, inwieweit uns diese so überaus wichtige und, wie wir sehr gern zugeben, auch schwierige Aufgabe gelingt. Wir erwarten von dem proletarischen Pflicht-bewußtsein,unserer Vertrauensmänner, daß jeder einzelne von ihnen sein bestes Wissen und Können dafür einsetzt, um dieses wichtige und bedeutungsvolle Ziel zu erreichen. Es lebe die österreichische Gewerkschaftsbewegung! Für die Reichsgewerkschaftskommission:. \Anton H.ue6er, Sekretär., sind verschiedene Strecken ausschließlich für die Zwecke der Landesverteidigung gebaut worden, wie zum Beispiel die erst während der letzten Jahre fertiggestellte Bahn von Warschau nach Kalisch, mit Anschluß an die preußische Staatsbahn Skcrl-mierczhce. Daß eine erheblich größere Ausdehnung des strategischen Bahnnehes in Westrutzland geplant ist, ist allgemein bekannt; erfreulicherweise stehen diese Bahnen bisher noch auf dem Papier. Die bestehenden Verhältnisse schildert ein Artikel der „Kölnischen Volkszeitung" also: Der Gsenbahnbau in Rußland wurde überhaupt erst nach'dem Krimkrieg energisch in Angriff genommen. Französisches und deutsches Geld finanzierte die Privatgesellschaften, .die die großen Linien in Rußland etwa seit dem Jahre 1866 gebaut haben. Später ging Rußland zum Staatsbahnsystem über, und die Mehrzahl der großen, durchgehenden Linien, des Reiches befindet sich heute in Staatsbesitz. Auf diesen entfallen gegenwärtig etwa 36.000 Kilometer, während rund 18.000 Kilometer im wesentlichen sieben großen Aktiengesellschaften gehören. Als zentraler Knotenpunkt des ganzen russischen Eisenbahnnetzes kann Moskau betrachtet werden, von wo neun bedeutende Linien strahlenförmig nach allen Richtungen führen. Für den Aufmarsch der russischen Armee im Kriegsfall mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn kommen natürlich nur die nach Westen führenden Linien in Betrachts Nach Osten gehen auch nur drei Hauptlinien, und zwar die Bahn von Moskau nach Tscheljabinsk, die hier in die Sibirische Bahn über-geht, dann die Bahn St. Petersburg-Wologda-Wjatka-Perm-Jekatarinburg-Tscheljabinsk, die übrigens mit Moskau nur durch eine unbedeutende Nebenbahn nach Wologda verbunden ist, und die große Südostlinie über Rjäsan-Woronesch-Rostow-Wladikawkas nach Baku am Kaspischen Meer. Es sind das die drei einzigen Linien, auf denen Rußland seine im Osten und Südosten des weiten Reiches stehenden Truppen an die Westgrenze bringen könnte. Alle anderen Linien stellen eingleisige Nebenbahnen von nur geringer Leistungsfähigkeit dar. Wesentlich anders liegen die Dinge freilich im westlichen Rußland, wenngleich auch hier nur verhältnismäßig wenige Hauptlinien in Frage kommen. Am bedeutsamsten ist hier unstreitig die Linie Moskau-Smolensk-Brest-Warschau, mit ihrem Anschluß nach Alcxandrowo an der preußischen Grenze. Die zweite Hauptlinie verläuft von St. Petersburg über Dünaburg-Wilna nach Wirballen und steht in unmittelbarem Anschluß an die Preußische Ostbahn über Königsberg nach Berlin. Eine weitere wichtige Zufahrtslinie zweigt von dieser Strecke bei Wilna ab und geht nach Warschau. Weiterhin führt diese Linie über Petrikau-Czenstochau nach Sosno-wice; sie stellt nächst der Linie Skierniwice-Alexandrowo den -wichtigsten Teil der Warschau-Wilna-Eisenbahnlinie dar. Von Eine Anerkennung für die Eisenbahner. Die offiziöse „Wiener Allgemeine Zeitung" vom 3. August 1914 schreibt: „In diesen Mobilisicrungstagen gibt es eine Klaffe von Menschen und Staatsbürgern, von welchen man nur mit g r ö ß t e r H o ch a ch t u n g s p r e ch e n k a n n, das sind die Bahnbeamten. Wer in die fatale Lage geraten war, gegenwärtig eine Reise unternehmen zu müssen, wer die fabelhaften Ansprüche wahrgenommen hat, die an die Nerven, die Geduld, die Umsicht, das Wissen und die Ausdauer dieser Männer gestellt werden, der muß den hohen Pflichteifer und den Patriotismus unserer Beamten mit Dank anerkennen. Der Bahndienst gehört in normalen Zeiten des Friedens, die der Himmel uns bald wieder schenken möge, zu den v er-antwortungsvollsten, die es überhaupt gibt. Ob ein Signal gegeben wurde, ob es wahrgenommen worden ist, ob die Weiche gestellt, die Einfahrt gesichert, der Zug gedeckt, das Geleise frei ist, das sind alles Dinge, von welchen das Kleinste, Nebensächlichste, von solcher lebensgefährlichen Wichtigkeit ist. daß dem gewöhnlichen Zivilisten sich das Haar sträubt. Ein Fehlgriff, ein Uebersehen, eine Vergeßlichkeit und das Unglück ist nicht mehr aufzuhalten. Doch normale Zeitläufte — wo sind die? Es übersteigt alle Begriffe, was der Bahnbeamte jetzt zu leisten hat. Doch jeder Reisende wird es bestätigen, die Beamtcngeduld ist wahrhaft grenzenlos. Antwort zu stehen, Auskunft zu geben und wieder zu erklären und abermals aufmerksam zu machen und zu wachen und den Dienst versehen und den reisenden Frauen beistehen, und all die tausend Dinge in Ruhe zu verrichten, für deren Verrichtung der Mann doch nicht bezahlt wird. Täte er nur seinen Dienst, nur dar, was er zu tun verpflichtet ist, dann wäre jede Bahnfahrt unmöglich, aber weil er mehr tut als seine Pflicht, weil er ein fühlender Mensch, ein wahrer Patriot und ein Ehrenmann obendrein ist, deshalb geht alles glatt und ohne Stockung vonstatten. Dies soll in diesen schweren Tagen nicht ungesagt bleiben. Ehre dem Ehrenhaften." Wiewohl das offiziöse Blatt schlechtweg nur von Beamten spricht, darf man wohl als s e l b st v e r st ä n d-lich annehmen, daß darunter alle Angestellten, Bedien st eten und Arbeiter des Eisenbahn-Betriebes zu verstehen sind. Denn der Dank und die Anerkennung gebühren in diesen Tagen der gesteigerten Anforderungen und des erhöhten Pflichteifers allen, ohne Ausnahme. Registriert müssen aber die anerkennenden Worte des bürgerlichen und noch dazu offiziösen Blattes schon deshalb werden, weil es eine Zeit gab, wo man in der bürgerlichen Presse über die Eisenbahner anderes zu lesen gewohnt war. Man wird sich also dieses Urteil ins Gedächtnis zu schreiben haben, denn es kann leicht sein, daß man zu anderen Zeiten wieder daran wird erinnern müssen. Weitere Einberufungen. Die „Arbeiter-Zeitung" meldet: Wir erfahren von verläßlicher Seite: Die im Kriegsfall vorgesehene vorzeitige Einberufung der Rekruten und Ersatzreservisten dieses Jahres wird, insoweit sie noch nicht erfolgt ist, i n acht bis zehn Tagen verfügt werden. Ebenso erfolgt für einen etwas späteren Zeitpunkt die E i n-Berufung aller noch nicht eiuberufenen gedienten Landsturmleute, da deren Zu-sammenziehung zu größeren Abteilungen infolge des Abmarsches der Feldtruppen aus den Garnisonen er- erheblich strategischer Bedeutung ist auch die Linie von Pertit-schev nach Brest-Litovsk, mit ihrem unmittelbaren Anschluß an die große Linie Moskau-Warschau-Alexandrowo. Alle anderen im weiten Umkreis der deutschen Grenze verlaufenden russischen Eisenbahnen haben nur den Charakter von Neben-, Ver-bindungs- und Lokalbahnen; sie sind fast durchwegs eingleisig. Für eine gegen Oesterreich gerichtete Mobilisierung erscheinen bedeutungsvoll vor allem die Südwestbahnen, deren wichtigste die Linie Odessa-Woloczyska,- mit dem Anschluß an Tarnopol und Lemberg. In die Nähe der galizischen Grenze führt auch die Strecke Wilna-Rowno, die die vorhin genannten drei Hauptlinien miteinander und mit einer Reihe anderer Bahnen zweiten Ranges verbindet, um die bei Brodny gleichfalls Anschluß an das österreichisch-ungarische Bahnnetz hat. Im Kriegsfall würde Rußland feine aus dem Innern des Reiches herangezogenen Truppenmassen Wohl in erster Linie auf der Strecke Mosiau-Kursk-Kiew und Pertitschev heranbringen, um sie von hier an die österreichisch-ungarische Grenze zu dirigieren. Fragen der Mobilisierung werden selbstverständlich in allen Ländern geheimgehalten, am allermeisten in Rußland, so daß man über den etwaigen strategischen Aufmarsch an seiner Westgrenze nur Vermutungen hegen kann. Aber die vorhandenen Eisenbahnlinien im Reich des Zaren selbst können nicht verheimlicht werden, und da man genau weiß, welche von diesen Bahnen auch nur annähernd die Leistungsfähigkeit der großen deutschen und österreichischen Eisenbahnlinien besitzen, so kann man mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß den vorstehend angeführten Bahnlinien Westrußlands und Polens die Hauptaufgabe bei der Mobilisierung zufällt. Von den vier zunächst mobilisierten Militärbezirken liegen zwei, Kiew und Odessa, in unmittelbarem Bereich der Grenze Oesterreich. Ungarns. Die beiden anderen, Moskau und Kasan, liegen im Innern des Reiches, und besonders Kasan ist weit von den Westgrenzcn des Riescnreiches entfernt. Bevor die in diesem Militärbezirk liegenden beiden Korps auf Kriegsfuß gebracht und in die Grenzgebiete gebracht sind, werden sicherlich viele Wochen vergehen. Freilich stehen im Kiewer Militärbezirk fünf, in dem von Odessa zwei Armeekorps, und diese sieben Korps werden Wohl in erster Linie gegen die österreichisch-ungarische Grenze vorgeschoben werden. In den der deutschen Grenze zunächst gelegenen Militärbezirken St. Petersburg, Wilna und Warschau ist die Mobilmachung noch mehr als in Südwest-rutzland auf die Zuhilfenahme der in Rußland gleichfalls in schlechtem Zustand befindlichen Landstraßen angewiesen, da das Netz der Nebenbahnen in Nordwestrutzland noch weniger dicht ist als im Südwesten. HT Sorget dafür, dah der «Eisenbahner" auch vom reisenden Publikum gelesen werdet leichtert ist. Da schließlich auch die Erntearbeiten dem Abschluß nahegebracht sind, werden unter einem die zu diesem Zweck verwendeten Mannschaften wieder zur militärischen Dienstleistung rückberufen. Eisenbahnsicherung in Kriegszeiten. Die Wiener Staatsbahndirektion erläßt folgenden Aufruf an das reisende Publikum: In diesen Tagen, da unsere Truppen an die Grenze eilen, liegt es im höchsten Interesse des Vaterlandes, daß nicht verbrecherische Hände den Eisenbahnbetrieb durch Anschläge auf die Objekte und Einrichtungen der Bahn gefährden. Reisende!UnterstützetdieBahnbewachungs-truppen und Bahnbedien st eten bei der Abwehr der Uebeltäter! Beobachtet verdächtige Elemente in den Zügen und auf den Bahnhöfen! Beim Befahren HonBrücken undTunnels darf kein Fenster offen sein und soll auch niemand am Fenster stehen. Auch der Aufenthalt auf den Plattformen und in den Gängen ist nicht zuzulassen. Verdächtige Personen, die eurer Ausforderung, sich diesem Gebote zu fügen, nicht Folge leisten, zeiget sofort dem Bahnpersonal an. Ausland. Rußland. Wie der russische Arbeiter wohnt und lebt. Die Lage des russischen Arbeiters hat das Gewissen einsichtiger Kreise wach-gerufen und sie zu Untersuchungen der sozialen Verhältnisse in der Arbeiterbevölkerung Rußlands veranlaßt. Im verflossenen Jahr nahm die Kiewer ökonomische Gesellschaft eine solche Untersuchung der Arbeiter in Kiew vor, deren Ergebnisse jetzt in einem Buch veröffentlicht werden. Die erhobenen Daten und Ziffern geben ein Bild der sozialen und wirtschaftlichen Lage des russischen Arbeiters, dem das „Vaterland" Knechtschaft und Verfolgung, aber keine soziale Hilfe angedeihen läßt. Nach dem vorliegenden Bericht hat Kiew an 10.000 Arbeiter. Die Zahl der Untersuchung umfaßt jedoch nur 572 Arbeiter. Immerhin spiegelt sich in dem Resultat der Erhebungen, in welche mehrere Arbeitergruppen mit einbezogen wurden, deren ökonomische und soziale Lebensweise. Zu den untersuchten Gruppen gehören Metallarbeiter, Schuhmacher, Typographen, Juweliere, Schneider, Tischler u. s. w. Von diesen 572 Arbeitern haben 99 überhaupt keine Wohnung. Sie „nisten" sich in Werkstätten, wo sie arbeiten, ein, sie schlafen auf den Werktischen oder Bänken, auf welchen sie tagsüber arbeiten. Hiesür zahlen sie dem Besitzer der Werkstätte 1 bis 2 Rubel monatlich. Etwas besser daran sind 89 Arbeiter, die in der Lage sind, sich einen „W i n k e l" eines Raumes einer fremden Wohnung zu mieten. Sie schlafen auf dem Boden, zahlen monatlich 3 Rubel Zins. Man nennt sie die „Winkelbewohner", aber sie haben doch ihr „eigen Stückchen" Boden und stehen schon um eine Sproße sozial höher als ihre Kollegen, die in der Werkstätte schlafen müssen. Unter den 89 „Winkelbewohnern" waren drei Familien, die einen Winkel eines Zimmers „bewohnen". Ein gewisser Grad von Wohlstand zeichnet solche Arbeiter aus, die in der Lage sind, sich ein Bett zu mieten. Von den 572 Arbeitern waren 13 solcher „Beitgeher", ferner 37, die einen gemieteten Raum mit einem Arbeitskollegen teilen oder auch mit einer zahlreichen Familie. Eine nur halbwegs hygienische Wohnung zu mieten, ist für den russischen Arbeiter ein unerschwinglicher Luxus. Von dem geringen Lohn muß er dennoch soviel für die Wohnung ausgeben, daß ihm zum Leben nicht viel übrig bleibt. Um Ädtese Tatsache zu erhärten, wird der Bericht eines Fabrikinspektors angeführt, der Untersuchungen über die Ernährung der Arbeiterinnen in den Moskauer Seidenwebereien angestellt hat. Diese Arbeiterinnen sind durchwegs unterernährt gewesen; Wurst, Zwiebel, Wasser bildeten bas Mittagessen von Arbeitern einer mechanischen Werkstätte. Die Metallarbeiter mit einem durchschnittlichen Lohn von 943 Rubel jährlich — 1260 Kr., werden als die Aristokraten der Arbeiterschaft bezeichnet; sie haben eine lange Lehrzeit durchzumachen, ihnen müssen teure Werkzeuge oder kostbare Maschinen anvertraut werden können. Unvergleichlich schlechter sind natürlich nicht qualifizierte Arbeiter gestellt; unter den 572 gefragten Arbeitern gab es 67, die weniger als 11 Rubel monatlich für das Essen ausgeben können. Ein Rubel ist Kr. 240. Viele von den Arbeitern dürfen täglich nur 20 oder 10 Kopeken, also ungefähr 50 oder 25 H. für das Essen verbrauchen. Der Hinweis der Ueberklugen und Satten, daß der russische Arbeiter zuviel Kinder in die Welt setzt, wird durch die nackte Tatsachen widerlegt, daß er gar nicht imstande ist, sie zu ernähren. „Die Fruchtbarkeit — so heißt es — wird durch den Arbeitslohn bestimmt. Der arme Arbeiter will keine Armen zeugen." Zudem sorgen die schlechten hygienischen Wohnungsverhältnisse, die mangelhafte Ernährung und Kinderkrankheiten dafür, daß der russische Arbeiter keine zu große Familie hat. Die Höhe der Löhne bestimmen auch die Knlturbedürs-nisse des russischen Arbeiters. Theater, Bücher, Zeitungen und Gewerkschaftszugehörigkeit ist nur bei de» besser entlohnten Arbeitern zu finden. Bei den „Winkelbewohnern" herrschen Alkohol und Tabak vor. Die Untersuchung stellte dies zahlenmäßig fest: Die unverheirateten Arbeiter, die in Werkstätten und Winkeln wohnen, geben 8 Prozent ihres Lohnes für Alkohol aus: Arbeiter, die ein halbes oder ganzes Zimmer bewohnen, 314 Prozent. So zeigt sich hier wie überall der Einfluß der wirtschaftlichen Lage auf die Lebensbedingungen der Arbeiter. Diejenigen Arbeiter Rußlands, die von dem Orgamsationsgedanken des aufgeklärten Proletariats noch unberührt geblieben find, sie wehren sich von Zeit zu Zeit instinktiv durch Streiks, um ihre Sklaverei abzuschütteln. Möge eine günstige Wendung in dem von dem Henkerzaren hcraufbeschworenen Weltkrieg den russischen Arbeitern die Freiheit bringen, für die sic schon so viele Opfer gebracht haben. Rumänien. Große Eiscnbahnkatastrophe. Nach einer Bukarester Meldung hat sich auf der Strecke von G a l a tz nach Bukarest, in der Nähe der Station Piscu, eine Eisenbahnkatastrophe durch Entgleisung eines Zuges ereignet, der sechs Menschenleben zum Opfer fielen. 19 Personen wurden schwer verletzt. Die Katastrophe trug sich gegen 12 Uhr mittags zu. Der Zug hatte zwei Lokomotiven, die eine vorn und die andere rückwärts. Bei einer starken Krümmung zwischen den Stationen Jndependenza und PiScu fuhr der Zug mit starker Geschwindigkeit, und da der Bahndamm durch die letzten Regengüsse unterwaschen war, erfolgte die Entgleisung. Die vordere Lokomotive grub sich tief in den Boden ein und die Waggons kamen einer auf den anderen zu liegen. Bier Waggons wurden gänzlich zertrümmert. Vier Männer nnd zwei Frauen wurden aus der Stelle getötet, fünfzehn Männer und vier Frauen lebensgefährlich verletzt. Bei vier Personen konnte die Identität nicht festgestellt werden. Streiflichter. Die Treue zur Organisation. In der jetzigen schicksalsschweren Zeit ist es die doppelte Pflicht der Arbeiterschaft, fest und treu zusammenzustehen und an der Organisation mit zäher Kraft festzuhalten. Ob auch die Ereignisse, denen wir entgegengehen, drohend vor unseren Augen stehen, jetzt darf keinerlei Verzagtheit unter den Kreisen der Arbeiterschaft Platz greifen. , In diesen bangen Stunden muß sich jeder Arbeiter selbst dessen bewußt werden, was die Organisation in den letzten Jahren für ihn geleistet hat, als die Arbeiterklasse verlassen und verfolgt dagestanden ist. Trotz allen Feinden, die in den letzten Jahren die Arbeiterklasse bekämpft haben, ist cS den Organisationen gelungen, manche Vorteile für die Arbeiterschaft zu erringen. Trotz der ungünstigen Zeit, die wir in Oesterreich in den letzten Jahren durchgemacht haben, ist es den Organisationen gelungen, den erkämpften Besitzstand zu erhalten. Die Not und das Elend wäre in den letzten Jahren für die Arbeiterschaft noch größer gewesen, wenn die schützende Macht der Organisation nicht vorhanden gewesen wäre. Und diese Kraft, die in dem Zusammenschluß der Arbeiter vorhanden ist, diese Kraft wird uns auch über die furchtbare Zeit hinweghelfen, die so drohend vor uns steht. Steht der Arbeiter in der Organisation, so ist er nicht verlassen, seine Brüder und Sckiwestern sind bereit, mit ihm die Last g e-m e i n s a m zu tragen, unter der der einzelne Mensch zusammen-brechen müßte. Die Solidarität der Arbeiterklasse geht über alle Landesgrenzen hinaus, die Arbeiter stehen hilfsbereit zusammen, um die Menschheit und die gesamte Kultur vor dem Untergang zu retten. Bleibe sich jeder Genosse und jede Genossin in dieser gefahrvollen und schlimmen Zeit selbst treu, erfülle jedes Mitglied in seiner Organisation seine Pflicht, dann werben die schlimmsten Gefahren vorübergehen und die Organisationen werden nach dem Krieg mit neuer Kraft für die Interessen der Arbeiter wirken können. Bahiliirzte — ans der guten alte» Zeit. Dnrch die Blätter geht die Nachricht, daß sich ein Medizinalrat und ein S a n i t ä t s k o n s u I e n t, also zwei durch medizinische Ehrentitel auch noch ausgezeichnete Aerzte, nämlich der Chefarzt der Nordbahn Dr. Horn und dessen Stellvertreter Dr. Mergler, in „menschenfreundlicher und patriotischer Weift* dadurch betätigen, daß sie täglich die Züge mit Reservisten mit Freibier bewirteten und den Soldaten diese „Erfrischungen" sogar persönlich in die Züge reichten! Den guten Willen lassen wir gelten, aber das, was sie tun, ist unverantwortlich und widersinnig. Es erscheint uns aussichtslos, bei einem solchen Grad von R ti ck st ä n d i g k e i t auf die genannten Herren einen Einfluß durch Argumente ausüben zu können — aber wir hoffen, durch diese Zeilen wenigstens viele Reservisten dazu zu bringen, ihnen angebotene geistige Getränke — und würden sie sogar vom Herrn Medizinalrat persönlich in den Zug gereicht — unbedingt z u r ü ck z u w e i f e n. Wir begnügen uns damit, neuerlich die Tatsachen festzustellen, daß in ganz Deutschland — sogar im bierfeuchten Bayern — mit dem ersten Mobilisierungstag jeglicher Verkauf geistiger Getränke aus allen Bahnen vollständig sistiert war I Man bedenke doch, was da am Wiener Nordbahnhof geschah, geschieht in „menschenfreundlicher" Weife nun an vielen, vielen Stationen aus dem weiten Weg bis an die russische Grenze, und die „Kleinen" unter den Bahn-ärzten in der Provinz werden sich bemühen, das nachzumachen, was die »Herren Chefärzte" in Wien vormachen! Man kann sich leicht vorstellen, in welchem Zustand bei der jetzt herrschenden Hitze, der Ermüdung und unter dem Druck der Sorgen, der auf vielen Einberufenen um das Los der Ihren lastet, die so „G e labten* ihren Bestimmungsort erreichen! Wasser, gut gekühlte Mineralwässer, Fruchtsäfte, kalten ober warmen Kaffee und Tee (ohne Rum!) reiche man den Dürstenden, man wird sie dadurch wirklich erfrischen und laben und ihnen nicht das Wichtigste verludern, was sie jetzt im Felde brauchen: ihre Gesundheit und Widerstandskraft. So wie man dem Soldaten nicht erlaubt, mit verrosteter Büchse ins Feld zu ziehen, sondern sein Gewehr in einwandfreiem Zustand sein muß, so sorge man doch auch dafür, daß jene Organe unbeschädigt und in bestmöglicher Verfassung bleiben, mit denen er sein Gewehr gebraucht, das sind feine Muskulatur, fein Nervensystem, seine Sinnesorgane. Aus den Amtsblättern. Maßnahmen der Siidbahntierwaltung für eiugerückte Bedienstete. Nr. 8837/A. I. Nr. 33. 15. August 1914. 879. Behandlung der zum Militärdienst ciiigerücktc» Bedienstete». An alle Herren Dienstabteilungs-, Bctriebs-Jnspektorats- und Lokalvorstände der österreichischen Linien der Südbahn samt Nebenlinien. Die Verwaltung behält sich vor. in berückfichtigungS-würdigen Fällen Bediensteten, welche im Zusammenhang mit den gegenwärtigen kriegerischen Verwicklungen zum Militärdienst eingerückt sind oder in Hinkunft einrücken werden, Zuschüsse zu den ihnen nach dem III. Abschnitt des Anhanges XIII zur allgemeinen Dienstordnung für Beamte und Diener gebührenden Bezügen und dem auf Grund des Gesetzes vom 26. Dezember 1912, R. G. Bl. Nr. 237, zustehenden Unterhaltsbeitrag, beziehungsweise den auf Grund der Gebührenvorschrist für das k. u. k. Heer znstehendcn Vorsorgen für die Familien über begründetes Ansuchen zu bewilligen. Derartigen Ansuchen sind jene Belege beizuschließen, auS welchen die Höhe des flüssig gemachten Unterhaltsbeitrages, beziehungsweise die Höhe' der flüssig gemachten Vorsorgen für die Familien zu entnehmen ist. Die gedachten Ansuchen sind unverzüglich vom Lokalvorstand direkt der administrativen Direktion A/5 zuzumitteln. Die Auszahlung der auf Grund dc8 III. Abschnittes des Anhanges XIII zur allgemeinen Dienstordnung für Beamte und Diener nach erfolgter Einberufung flüssig zu machenden Bezüge sowie der etwa bewilligten Zuschüsse erfolgt gegen Beibringung der vom Unterabteilungskommandanten (bet Militärbehörden, Kommanden und Anstalten vom betreffenden Vorgesetzten) des Bezugsberechtigten frühestens am Letzten jeden Monates ausgestellten Leben?bestätigung an jene Person, welche vom Bezugsberechtigten zur Behebung der Bezüge bevollmächtigt wurde. Die Auszahlung erfolgt gegen skalamäßig gestempelte, von jener Person unterfertigte Quittung, welche der Bezugsberechtigte zur Behebung bevollmächtigt hat. Können die angewiesenen Beträge bis zum 8. eines Monates nur wegen Mangels der LebenSbestätigung noch nicht erlangt werden und ist dadurch der Unterhalt der zurückgebliebenen Familienangehörigen gefährdet, so ist vorläufig die Hälfte der angewiesenen Beträge an den seinerzeit namhaft gemachten Bevollmächtigten gegen skalamäßig gestempelte Quittung auözusolgen. Besondere Erhebungen darüber, ob der Unterhalt der zurückgebliebenen Familienangehörigen gefährdet ist, haben nicht stattzufinden. Sobald die Lebensbestätigung vorgelegt wird, ist die zweite Hälfte des angewiesenen Bezuges an die bevollmächtigte Person gleichfalls gegen skalamäßig gestempelte Quittung auSzuzahlen. Von dem Inhalt dieses Zirkulars sind sämtliche in Betracht kommenden Bediensteten und die Familien der bereits eingerückten Bediensteten in geeigneter Weise in Kenntnis zu setzen. Wien, am 12. August 1914. Der General-Direktor; Weeber m. p. Nr. 8838/A. 880. Staatlicher Unterhalt-beitrag für die AngehSrigen von Mobilisierten. An alle Herren Dienstabteilungs-, Betriebs-Jnspektorats- und Lokalvorstände der österreichischen Linien der Südbahn samt Nebenlinien. 1. Laut Gesetz vom 26. Dezember 1912, R. G. Bl. Nr. 237, steht den Angehörigen der nicht präsenzdienstpflichtigen, infolge einer Mobilisierung (Ergänzung aus den Kriegsstand) oder Einberufung des Landsturmes zur aktive« Dienstleistung in der bewaffneten Macht heranaezogenen österreichischen Staatsbürger nach Maßgabe der in diesem Gesetz enthaltenen Bestimmungen der Anspruch auf einen Unterhaltungsbeitrag mtS staatlichen Mitteln zu. i Mit Rücksicht auf die im § 3 des zitierten Gesetzes enthaltene Bestimmung, laut welcher dieser Anspruch dann nicht besteht, wenn der zur aktiven Dienstleistung tzerangezvgene feinen Gehalt oder Lohn fortbezahlt erhält, erscheint es möglich, daß von den staatlichen Unterhaltsbeitrag anweisenden Behörden die Beibringung einer Bestätigung des DienstgeberS über die Höhe der während der aktiven Militärdienstleistung von diesem gewährten Bezüge verlangt wird. x i Wir weifen Sie daher an, den Angehörigen Von solchen eingerückten Bediensteten, welche unter die Bestimmung des Nachtrages XIII zur allgemeinen Dienstordnung für Beamte und Diener, III, § 4, Punkt I a, fallen, über Verlangen eine Bestätigung nach nachstehendem Muster auszufolgen: (Gebührenfrei laut § 12, alinea 2 des Gesetzes vom 26. Dezember 1912, R. G. Bl. Nr. 237.) ES wird hiemit bestätigt, daß dem Herrn......................................... der k. k. priv. Südbahn«Gesellschaft in ..............infolge seiner am............... -----------erfolgten Einrückung zur aktiven Militärdienstleistung vom Tage der Einrückung der JahreSgehalt per...............Kr. im Sinne der Bestimmungen der Dienstordnung aus die Hälfte reduziert wurde. o Stampiglie. (Dienststelle.) '"(Ünin^ist der LÄä^ Vorstände».) 2. Die Angehörigen von als Militärgagisten .Fähnriche ober Praktikanten einrückenden Bediensteten bedürfen dagegen zur Geltendmachung der ihnen nach der Gebührenvorschrist für da3 k. und k. Heer zustehenden Ansprüche keiner Bestätigung seitens des DienstgeberS. 3. Von dem Inhalt dieser Zirkulares sind sämtliche in Betracht kommenden Bediensteten und die Familien der bereits eingerückten Bediensteten in geeigneter Weise in Kenntnis zu setzen. Wien, am 12. August 1914. Die administrative Direktion: Fall m. p. Die Rechte der zum Kriegsdienst einberusenen Hilfs-bediensteten gegenüber dem Provisionsinstitut. Die k. k. Staatsbahndirektion verlautbart unter Zahl 1918/5 I folgenden Erlaß: An alle Direktionsabteilungen und exekutiven Dien st es stellen. Diurnisten, Aushilfsunterbeamte, AushilfSdienec und Arbeiter, welche zur Zeit ihrer Einrückung zum Kriegsdienst volle zehn Jahre dem Provifionsinstitut angehören, erhalten gemäß 8 88 der Dienstordnung für die Zeit ihrer Einrückung die statutenmäßige Provision. Die Namen solcher Bediensteten sind im Einrückuugsfall unter Anführung des Einrückungstaaes, der Teilnahmszeit am Provisionsinstitut und des letzten Taglohnes der hierortigen Abteilung I telegraphisch bekannizugeben. Zugleich ist zu berichten, ob der Betreffende die Auszahlung der Provision zu seinen Händen (genaue Adresse) oder zu Händen seiner Gattin oder eines anderen Bevollmächtigten wünscht. Der Name und die genaue Adresse der zum Bezug bevollmächtigten Person ist anzuführen. Hat der einrückende Bedienstete noch nicht zehn Teil-nahmSjahre am Provisionsinstitut vollstreckt, so hat er Anspruch auf Rückstellung seiner Fondseinzahlungen samt Zinsen bis zum Austrittstag. Solchen Bediensteten ist der Rat zu erteilen, ihre Einzahlungen im Fonds zu belassen, weil ihnen dann die im Militärdienst verbrachte Zeit im Falle des Wiedereintrittes in den Eisenbahndienst gegen statutenmäßige Nachzahlung augerechnet wird. Wenn aber ein solcher Bediensteter dennoch die Rückzahlung der Beiträge verlangt, so ist nack IMF" Besucht nur Lokale, in welche» der »Eisenbahner" anfliegt l "WA den im vorhergehenden Absatz getroffenen Anordnungen vor. zugehen. Sollten zur Kriegsdienstleistung Diurnisten, Aushilfsunterbeamte, Aushilfsdiener oder Arbeiter einberufen werden, welche eine längere, sehr gute Dienstleistung aufzuweisen hoben, und sollten sie infolge großer Familie oder anderer besonderer Gründe in Notlage geraten, so sind die Dienstvorstände ermäch. tigt, sofort eine Unterstützung für die Betreffenden unter kurzer Anführung der Gründe in Antrag zu bringen. Hinsichtlich der Auszahlung wird auf die vorhergehenden Bestimmungen verwiesen. Es wird besonders hervorgehoben, daß behufs Anweisung der vorgedachten Provisionen, Provisionsfondsbeiträge (Rückerstattungen) und Unterstützungen seitens der Bediensteten keinerlei Gesuche einzubringen sind, sondern diese Anweisungen auf Grund der Berichte der Dienstleistung erfolgen werden. Jene Personen, welche zur Behebung der obgenannten Bezüge der zum Militärdienst einberufenen Bediensteten während ihrer Abwesenheit bevollmächtigt sind, werden ausdrücklich auf ihre Verpflichtung aufmerksam zu machen sein, die Dienstleistung von der Rückkehr oder vom Ableben ihrer Vollmachtgeber unverzüglich zu verständigen, widrigenfalls sie für die zuviel ausbezahlten Beträge ersatzpflichtig wären. Die Dienststellen haben eine solche Verständigung unverzüglich der hierortigen Abteilung I telegraphisch bekanntzugeben. Der k. k. Staarsbahndirektor: K o l i s k o m. p. Zur Kenntnisnahme und strikten Befolgung. Die Arbeiter sind zu verständigen. Die einzelnen Fälle sind unter Beigabe aller verlangten Angaben mit der Dienstpost hieher zu melden. K. k. Bahnerhaltungssektion Wien II, Kaiser-Franz-Josefs-Bahnhof. Am 30. Juli 1914. Bahnerhaltungss ektionsvorstand: (Unleserlich.) Härtenausgleich der Arbeiter des Stations- und Fahrdienstes. An alle BahnstationSämtcr! Der bereits angekündigte HärtenauSgleich für die Taglohnarbeiter des Stations- und Fahrdienstes wird mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 1914 durchgeführt. Von Organen der Staatsbahndirektion in die Personalblätter als Härtenausgleich eingetragenen Lohnerhöhungen sind daher mit Rückwirkung auf den 1. Jänner 1914 auszuzahlen, sofern sic nicht in einzelnen Fällen ein späterer Termin für den Eintritt der Lohnerhöhung ausdrücklich im Personalblatt vorgeschrieben ist. Bei der Durchführung des Härtenausgleiches treten auch die bei vielen Arbeitern vorgenommenen Aenderungen der Vorrückungstermine in Kraft. Die Nachtragslisten sind unverzüglich anzulegen, damit die Auszahlungen des Härtenaus-gleiches und der am 1. Juli 1914 neu hinzugekommenen Vorrückungen mit Ende des laufenden Verrechnungsmonates erfolgen kann. Wien, am 26. Juli 1914. KoliSIo m. p Nacktdienstzulage für die «18 Weichcnkontrollore bei der Aicher-bctriebsetzung von SicherungSanlagcn verwendeten Bediensteten. DaS k. k. Eisenbahnministerium hat mit dem Erlaß vom 25. Mai 1914, Z. 14.844/4, eröffnet, daß in jenen Fällen, in welchen bei der Außerbetriebsetzung von Sicherungsanlagen eigene Weichenkontrollore aufgestellt werden, den den Dienst als Weichenkontrollore versehenden Bediensteten für die Dauer dieser Verwendung die für Weichenkontrollore festgesetzte Nachtdienstzulage von 1 Kr. zuzuerkennen ist. W i e n, am 26. Juni 1914. Der k. k. Direktor: Banhans m. p. Aus den Organisationen. TövpeleS. Die Mitglieder werden ersucht, die Monatsbeiträge stetS rechtzeitig zu begleichen, damit der Kassier bis 10. jeden Monats mit der Zentrale abrcchnen kann. Attnang. AlS Subkassier für die Zugsbegleiter wurde Genosse P e trits ch bestellt. Derselbe ist berechtigt, die Monatsbeiträge entgegenzunehmen. Böhmisch-Kamnitz. An Stelle des eingerückten Kassiers hat dessen Stellvertreter Genosse Morche diese Funktion übernommen. Für die Strecke Hillemühl bis Böhmisch-Kamnitz fungiert als Vertrauensmann Genosse K. R i t s ch l. Verschiedenes. Serbische Fürsten und Fürstenmörder. Beide Dynastien, die bisher in Serbien geherrscht haben, könnte man als die der Fürsten und Fürstenmürder bezeichnen. Die Familien Obrenowitsch und Karagjor-g j e w i t s ch, die an der Befreiung des Vaterlandes vom Türkenjoch gleich großen Anteil hatten, gerieten nach dem Gelingen des Werkes in blutigen Hader um die Macht und verdrängten abwechselnd einander durch Verrat und Mord. Aus dem Hause des Karagjorgje, des schwarzen Georg, stammte der erste freie Fürst des neuen Serbien. K a r a G j o r g j e, der Stammvater, ward am 21. Dezember 1762 im Dorfe Wischewzi als Sohn eines Bauern geboren. Als junger Bursche erschlug er einen Türken, und er mußte in Oesterreichs Zuflucht suchen. 1788 bis 1790 machte er als Feldwebel der Strmee Josephs II. im serbischen Freiwilligenkorps den Türkenfeldzug mit. Als 1804 der allgemeine serbische Aufstand gegen die Türken losbrach, sammelten sich die Scharen der Haiducken, jener von Haus und Hof vertriebenen Männer, die sich in den Wäldern zusammenrotteten und mit Mord und Raub über die türkischen Unterdrücker her-sielcn, unter Kara Gjorgje als ihrem Führer, der sich aus eigenen Gnaden Fürst nannte und den Titel bis 1813 führte. Nach achtjährigem wechselvollcm Kampf gelang es Kara Gjorgje, im Frieden zu Bukarest seinem Land eine gewisse Selbständigkeit zu erringen. Seine Erfolge verstärkten sein Ansehen und seinen Einfluß derart, daß er an die Zentralisierung Serbiens schreiten konnte und die großen Wojwod-fchaftcn in siebzig kleine zerschlug. Im Jahre 1813 aber schon war der Stern des Kara Gjorgje erblichen. Als Europa mit Napoleon beschäftigt war, machte sich die Pforte an die Rückeroberung Serbiens, das hilfslos dastand, Niederlage auf Niederlage erlitt, bis Kara Gjorgje am 3. Oktober 1813 wiederum nach — Semlin flüchten mußte. Er wurde zuerst in Graz interniert und erhielt später seinen Wohnsitz und eine Pension in Chotin angewiesen. Mittlerweile war in Serbien an die Stelle des Kara Gjorgje der erste Obrenowitsch, M i l o s ch, gelangt. Der Ahnherr dieser Dynastie war ebenfalls ein Bauer namens Obren aus Brusnitza im Kreis Rudnik gewesen, dem seine Gattin Wischnja einen Sohn Milan schenkte. Milan, der 1810 starb. war unter Kara Gjorgje ein bedeutender Wojwod gewesen, hatte aber sonst keinen politischen Einfluß. Milans Mutter Wischnja hatte nach dem Tod ihres Gatten Obren schon im Jahre 1779 einen Bauern namens Tescha (Theodor) aus Dobrinja im Kreis von Ufhize geheiratet; diesem gebar sie drei Söhne, als ersten am 11. November 1780 den Milosch. Diese drei Söhne der zweiten Ehe Wischnjas nahmen merkwürdigerweise nicht den Namen ihres Vaters Tescha an, sondern führten als Familiennamen den ihres allgemein bekannten Halbbruders Milan, des Wojwoden Obrenowitsch. Nach der Flucht Kara Gjorgjes im Jahre 1813 zog sich Milosch Obrenowitsch in die Wälder von Schumadja zurück und bereitete dort auf eigene Faust einen neuen Entscheidungskampf gegen die Türken vor. Der Kampf begann 1815 und dauerte bis 1831. Nach den ersten Erfolgen des Milosch Obrenowitsch kehrte Kara Gjorgje in die Heimat zurück, um seine Macht wiederzugewinnen. Er gelangte bis in die Gegend von Semendria. Kara Gjorgje war töricht genug, zu glauben, daß Milosch ihm zur Macht zurückverhelfen würde. Er forderte ihn zur gemeinsamen Arbeit auf und gab ihm sein Versteck bekannt. Milosch hatte nichts Eiligeres zu tun, als dem Pascha von Belgrad das Versteck des Rivalen zu verraten. Der Pascha schickte an den Knjäs Wujsa, bei dem Kara Gjorgje sich versteckt hielt, diese Botschaft: „Entweder deinen Kopf oder den des Kara Gjorgje!" Knjäs Wujsa überlegte nicht lange. Zwei seiner Panduren überfielen den Kara Gjorgje und hieben ihm den Kopf ab. Als sie mit dem abgeschlagenen Haupt zu Milosch Obrenowitsch kamen, überfiel diesen zu späte Reue. Tränen flössen aus seinen Augen, und seine Gemahlin Ljubiza bedeckte den Kopf des einstigen Rivalen ihres Gatten mit ihren Küffen. Dann wunderte der Kopf des Kara Gjorgje nach Stambul und wurde am Tor des Serai ausgestellt und dazu ein Zettel mit folgender Inschrift: „Kopf des berühmten serbischen Räuberhauptmanns, genannt Kara Gjorgje." Das war der erste Mord an einem serbischen Fürsten, der erste Verrat, der erste blutige Zwist zwischen den Familien Obrenowitsch und Karagjorgjewitsch und seither sind Verrat und Meuchelmord in Serbien Sitte geblieben bis auf den heutigen Tag, als furchtbare Tradition von Geschlecht zu Geschlecht. Nach der Ermordung seines Nebenbuhlers erklärte sich Milosch Obrenowitsch zum Fürsten Serbiens. Er mußte aus dem Land 1839 flüchten. Ihm folgte sein Sohn Milan I-, der aber schon nach wenigen Tagen starb und einem Sohn Kara Georgs Platz machte, dem Fürsten Alexander. Der wollte sich von der freien Fürstcnwahl unabhängig machen und rechnete auf die Hilfe — Oesterreichs, um das Erbrecht für sein Hüus zu sichern. Aber es erging ihm schlimm: die von ihm selbst cinbernfene Skupschtina forderte seine Abdankung, und als er Widerstand leistete, wurde er des Thrones verlustig erklärt: man rief den 78jährigen Milosch Obrenowitsch aus dem Exil zurück und machte ihn zum erblichen Fürsten. Das geschah 1859. Milosch lebte nur noch zwei Jahre. Sein Erbe wurde sein Sohn Michael, an dem sich das Haus Karagcorgs rächte. Am 16. Juni 1868 wurde Fürst Michael im Park von Topschidcr ermordet. Mit ihm tötete man auch seine Cousine, die sich an seiner Seite befunden hatte. Die Mörder verstümmelten die Leichen in gräßlicher Weise. Es blieb kein Geheimnis, daß Alexander Karageorgewitsch der Urheber des Mordes war. Doch der erhoffte Lohn der blutigen Tat blieb aus: Nicht er gelangte auf den Thron, sondern Michaels Nachfolger wurde der letzte damalige Sprosse der Familie Obrenowitsch, Enkel des Ephraim Obrenowitsch, eines Bruders von Milosch. Fürst Alexander sah seine Hoffnung getäuscht, erst seinem Sohn Peter gelang cs, nach der furchtbaren Abschlachtung des letzten Obrenowitsch, den serbischen Thron nun dank den Obrenowitsch einen Königsthron — wieder für das Haus der Karagjorgjewitsch zu gewinnen. Literatur. „Der heilige Ring." Von Alfons P e h o l d. (Neue Verse) 1912/13. Anzengruber-Verlag Brüder Suschitzky, Wien. — Petzolds Kunst entspringt — gleich der Verhaerens, mit welcher sie auch in anderem manche Berührung aufweist — aus dem Enthusiasmus, dem inneren Sturni und Feuer, ihr Gegenstand ist die Zeit, der Tag, das Leben und die Landschaft. Und wie Lyrik, der rechte, einzige Ausdruck für sein Schaffen ist, hat er seit seinen früheren Gedichtbänden Reiches hinzugewonnen. Vor allem einen freien, an die gewählte Stimmung schon ganz anschmiegsamen Rhythmus. Dadurch strömen seine Verse eine unsägliche Spannkraft aus, die sich aus der prachtvollen Wucht und Gesinnung der Bilder ergibt. Die Welt in Waffen. Kriege und Kriegsgeschichte von Hugo Schul z. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten. 60 Hefte ä 20 Pf. Das Werk ist durch alle Buchhandlungen, Spediteure und Kolporteure zu beziehen. Probehefte auf Verlangen vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer, G. m. b. H., Berlin SW. 68, kostenlos. Briefkasten der Redaktion. Magazinsaufseher: Die beim Militär zugebrachte Zeit wird bei der Vorrückung nicht gerechnet. Nach Ihrer Darstellung ist demnach die Anstellung vom 1. Juli 1913 an zur Vorrückung zu rechnen und Sie rücken normal am 1. Jänner 1916 in die 1100 Kr. vor. (315/1. M. 914.) — Bärn. Wenn der Genosse elf Jahre im Bahndienst steht, dann hat er Anspruch auf elf Tage Urlaub. Siehe Tabelle der Dienstordnung Seite 56 und 59. (641/1. M. 914.) — Nr. 69 61. Wenn Sie am 1. Juli 1902 nach dem neuen Gehaltschema angestellt worden wären, hätten Sie die 1000 Kr. am 1. Juli 1904 erreicht. Sie erreichten sie am 1. Jänner 1912, haben demnach eine Differenz von 7 XA Jahren und damit Anspruch auf einen Härtenausgleich. Für zwei Härtenausgleiche müßten Sie zehn Jahre Differenz haben. (611./1. M. 914.) — Ludwig Wabnig. Sie haben keinen Anspruch auf einen Härtenausgleich. (633/1. M. 914.) Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Ver-o o Entwertung, o o Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Ver-o o Entwertung, o o H. »WIM.«! Bitte sofort, ohne Nachnahme, STuS* Wahlsendung hygienischer (Summt» Spezialitäten verlange». Karle genügt. Weisselberger, Wie» VI,