Hmn Jgnaz Staudinger, Lederer. WkiistrMrdiri Monat . 40 kr. vierteljährig 1 fl. 20 „ ^lbjährig L „ 40 „ iGvnzjährig 4 „ 80 „ Mit Pillotrstidllig. (Ein Monat . 50 kr. Gietteljährig 1 „ ü0 „ Halbjährig . 3 „ — „ «Paiizjährig. 6 „ — „ Einzelne Nummern « kr. Tonntag de« S. Zvetover. iftwchzeit und Todtenmahl am Lande. II. (Schluß.) Wenn wir die maßlose Verschwendung bei den HochKeiten mißbiUigen muffen, so kann man doch iu d«! Jrrgängen der Sophismen wenigstens einen s<^i«baren Grund wenn nicht zur Rechtfertigung, so dach zur Beschönigung eines solchen heillosen Aürgculges auffinden, indem der Tag, an ivelchem sich zwei Liebende am Altare die Hände MM ewigtiU Bunde reichen, nicht nur für die Brautleute stlbst, sondern auch für ihre nächsten Anver-wandtLR, ja bei beliebten oder geldgewichtiaeu Persönlichkeiten manchmal sizr den ganzen ört ein Tag d-er Lust und der Freude ist. sollen wir aber zu der Art und Weise sagen, die wirklich oder scheinbar Leidtragen-den bei dem sogenannten Todtenmahle ihrem ' Schmerze Ausdruck geben? Wie können wir Momente Nachdem sich die dies-fäv^en Ansichten geklärt haben, beeilt man sich, dieselben nebst obligaten Zusätzen seinen Nächten bekannt zu geben und versammelt sich sofort an der Schwelle des Leichenzimmers, um für die Seele des Abgeschiedenen ein mehr oder minder andächtiges Stoßgebetlein zu sprechen. -Bis hieher geht alles gut. - Doch kaum hat man sich gegenüber dem Abgeschiedenen seiner Pflicht -ais Christ halbwegs entledigt, als schon dienst- willil^e Verwandte mit Wein, Gugelhupf' u:id Glbanzen zc. erscheinen, um bei den Besuchern den Schmerz über den theuren Verlust durch die dargebotenen Gaben vergessen zu machen. Bettler beiderlei Geschlechts umlagern das HauS und trachten durch jämmerliches Kreischen und monotones Geschnarrt, - das man, je gräulicher es klingt, für desto andächtigere Gel)cte hält, - die ! Kelil^en zu trocknen, um selbe ja recht bald wieder !mit dem bisweilen in ungeheuren Gefässen angebotenen Weine anfeuchten zu können. Fast möchte i man sich fragen, ob die gedungenen Leichenweiber !der heidnischen Römer nicht erträglicher wären, ^alS das sinnlose thierische Geplärre betrnnkener Bettler - das man Beten zu nennen wagt - bei mancher Leichenfeier unserer Zeit! - Wir wollen übrigens von den Seenen, - welche sich manchmal zwischen diesen Unglücklichen abspielen und bei denen der rollen Sinnlichkeit die Hauptrolle zu-getheilt ist. - hinwcgeilnl und an der eigentlichen Leichentafel mit den nächsten Anverwandten des Verstorbenen ilnd mit der Imnte des Or-tes Platz nehulen. - Da sehen wir 0en schwerbeladenen langgedehttten Tisch, auf welchem Massen! von Fleisch und Gebäcke in den verschiedenartigsten culinarischen Formen die zahlreich versammelte Menge einladen. Der Sol)n vom Hause, als sofortiger Uebernelmer des Grundes, nimmt bereits eine etwas herrische Physiognomie an und versteht es schon ganz qut. gegenüber den Honoratioren des Ortes in Demuth nnd Zerknirschung zn zerfließen, lvahrcnd er den Dienstleuten in einem Tone Befelile ertlieilt, als würde er schon seit jeher das Seepler des HanStyrannen geschwungen haben. Der Rachbaren töchtergesegnete Schaar umkreist den neuen Gebieter und läßt im Ge spräche - scheinbar zufällig - wohlberechnete Worte )nstr!il»>sgtt»ühr: Die piermal ^lespal-tene Druckzeile wird bei einmaliger Einschliltnng mit 5, bei zweimaliger mil ö, bei dreimaliger mit 10 Kreuzern beregnet. Er'.heint jeden Zein'.-lt..' und Donnerstag m Einem halben Vogen (die Beilagen ungerechnet). e der Aussteuer, die dieses oder in sogleich bar zu gewärtigen lial^.' -man mit Kennerblicken die Mienen des zukünftiaen Bräntigams firirt, um die Wir-tung zu beobachten, welche bei ihm der Sirenen-gesang vom Heiratsgute hervorbringt. Wahrend solche Manöver auf der einen Seite vorgehen, schen '.vir die größere, sich lediglich Eß- und Trinklnst hingebende Menge der ^«eintragenden ihren Schmerz in der Tiese der Krüge und der dampfenden Schüsseln ersticken und bal^d glänzen aus einer Ecke die broneefarbenen Gesichter lveinseliger Leichenträger dem stillen Beobachter entgegen. Allmälich werden die Leute munterer und gesprächiger, die geistigen Getränke und die wolilschmeckenden Speisen haben jedermann zur Lust und Freitde gestimmt - und den Schmerz über den Verlust eines vielleicht von allen lwch-geachteten ??tannes verschencht, noch ehe die kalte den Leichnam umhüllt. Um die Ironie vvli'tändig zu machen, pflegt in solchen Momenten der Vorbeter aä majorem Oei Kloriam auch noch eine Nede mit lallender Zunge zu li Ilten, iv'lche bei der (ScdiMketlverlvirrung des weinvollen Sprechers an nr^vilchsigem Unsinn aU.'c' übertrifft nnd zum offenen Seanc^ale und Aeraer-niß der Zuhörer dient. - Wir könnten der grellen St-enen noch viele malen und fügen nur noch hinzu, daß unsere keineswegs pessimistische Schilderung freilich nicht ans alle Leichenbegängnisse am Lande paßt. jed^i7.^ hinsichtlich einer großen Anzahl solcher Leichen-schmause naturgetreu gegeben ist. - Kommt nun der Verlaß zur gcrichrlichen Amtshandlung, so werden die Kosten des Todten-Mahles manchmal mit dem Betrage von 10(l bis 200 fl. angemeldet, bei deren Liqnidirnng am Humoristische Hartberger Chronik. Von Theodor Koch. III. (Schluß). Bei dieser Gelegenheit muß mit Bedauern erwähnt werden, daß die destrnctivsten Freigeistler und Neuerer in loco sich bereits bis zu der Frechheit verstiegen haben, das altconservative Palladium der Polizeiordnung, das Institut der Lumpenglocke anzutasten, welches allnächtlich mit Hellem Klang, wenn auch ohile Posaune, die Schafe von den Böcken scheidet, die guten, welche bereits die Schlafmütze über die Ohren gezogen haben, belohnt und die Bösen, die noch im WirthShause Fraß und Völlerei treiben, bestraft. Ohnedieß ist man heutzutage gegen den Durst viel toleranter, als vor 100 Jahren. In der alten Hartberger Stadt-chronik von 1752 ist ein am 23. August gefaßter Magistratsbeschluß folgenden Inhalts zu lesen: „Item ist denen samentl. (sämmtlichen) wür-then in und Bor der Statt Vermög kireulare i anbefolhen worden, daß sie Ueber die zeith, alß Nemblich in Sommer biß 10Bhr, im win-> jter aber bis ^ Vhr, sodann aber Keinen wein!sondern gar Bon der Statt Erpedirt wer-iMehr l)ergeben iolten. wer aber doch Vber dieselben soll." ! zeith wein geben wurde, solle ohne weitern schluß^ Dieser hochkomische Terrorismut in Privat-j das Erste malü 2 fl., daß andertmahl aber 4 fl. sachen stellt der damaligen Gemeilldeautonomie Straff zu gericht Erlegen." ^ ' ! das Zellgniß eines perfekten Absolutismus aus, Ehedem riskirten auch die „Lumpen" außer j der vermutblich d.uln nachließ, ivenn der jewei-den strafenden Tönen der Lumpenglocke noch eL- lige Herr Stadtrichter etwa höchsteigenhändig stär-tra. vom „löblichen Statt-Magiitrat im gerichts-^ ker zu „biberln" beliebte. hauß" polizeilich abgewandelt werden, wiej Noch energischer, wenn gleich sublim mora-z. B. folgende Stelle der Chrontt 1?^. Ä.ii lisch, klingt Folgendes: 1745 beweist: „Den 11. Jänner 1746 in ghrtßl)auß in' „In gerichts hauß in beysein Eines beyseyn Hrn. Stattrichter. Hrn. Bernliard Vnrue, löbl. Mag. seindt beede Burger. der Wiener schncio-j Hrn. Ferd. Wolneffer. Hrn. Math. May, Hrn. ter und Mathias Schmölzl wegen Borgehabten! Ärenz Miltner und Hrn. Mich. Mayr ist dem Rauf imndel Berglichen lvorden, nachdeme selbe Math. Thurner lettmallig Ernstlich aufgetragen einer dem andern die handt gegeben haben, wo- ^ worden, daß Er sich Eines beseren lebens wand! bey aber dem Mathias Schmölzl Untersaget wor-> befleise daß herumb Vagirell, Veble geselschafft den. die Burger nit mehr so grob m tractiren. ^daß Spillen nnd lncder leben (xinstölle. mit dem Wiener schneidter aber ist ein absonderlicher! weibßbildern nicht mehr herumb ziehe, sondern, Berweiß gegeben worden, einen besseren Lebens! wie Eß Einen burger zuesteher, bei seinen weib Wandel zu führen absonderlich sich hinführoi und Kindern bleibe, sich lvohl auffihre und auf nit mehr in denen Wirths Heusern so lang^seine seeligkheit gedenke, alß im widrigen fahl: aufzuhalten, von denen er kinführo nit so bald sich Bon ihme was Beblcö Mehr Eraig-allein alsogleich auf daß Rathaus zeführt.^net Man ihme Thurner ohne febrern anstandt ersten Streitigkeiten unter den Erben entstehen, da hintennach jedem derselben die wahnsinnige Verschleuderung des Verl^ißvernlögens mißfällt und sich keiner die oft ohnehin geringe ErbSpor-tion schmälern lassen will. - Hinweg mit diesen, den ernsten religiösen Act der Leichenbestattung entwürdigenden Schmau-sereien. welche demoralisirend auf das Volk wir-ten und in manchen Gegenden nicht der letzte Grund seiner Verarmung sind. Mögen unsere schlichten, wohlgemeinten Worte insbesondere von jenen zgewürdiAet werden, denen es vor Alien zukommt, die Fuhrer in der Ge-meinde zu sein und ge«n solche verrottete Sitten und Gewohnheiten durch Beispiel und Belehrung anzukämpfen. --»o»»- Graz ?. 2. October. (Der Herbst; Ankunft der Studirenden; Gymnasium; Universität.) Der liebe Sommer hat sich Heuer sehr kalt empfohlen; weiß nicht, wodurch wir das verschuldet. Doch sei ihm wie ihm wolle, wir miissen's jetzt empfinden und in aller Eile unsere Bärenhäute hervorsuchen. Es muß auf eine Fopperei abgesehen sein. Gestern erst sali sich der boshafte Schalk ein paarmal um und warf leuchtende Blicke zurück; - die Leute erklärten es für Blitze; - auch brummte er ganz ordentlich, - da sagte man, es sei Donner; -aber heuk' früh rieb man sich gar sauber die Hände und war erstaunt, als das Thermometer ->5^ Neaumur zählte. Nun sind auch die Studirenden wieder ein-getroffen, um sich am Borne der Weisheit voll-zutrinken; mich dünkt, die Armen müssen wohl auch viel Wasser mit hinabschlürfen! Doch wer kann das so schnell ändern. Wir Deutsche sind einmal eigenthümliche Käutze, wir leben von und in Systemen und sel)en aus das wirkliche Leben vornelM herab; - so geht's aber nicht nur im Unterrichtswesen, so geht's auch im gesellschaftli-chen und staatlichen Leben. Das ist eine traurige Geschichte und wer in dieselbe tiefer eindringen wollte, der müßte krank werden vor Aerger. Doäi wir wollen uns nicht als Schwarzseher verschreien lassen, sondern das Beste hoffen; -wir haben aucl) einigen Grund dazu - wenigstens was das Gymnasium betrifft, denn da sind Heuer wieder mehrere ganz achtbare Kräfte angekommen, ihren segensreichen Wirkungskreis theils sich zu eröffnen, theils den anderweitig begonnenen hier fortzusetzen. Nun möchten ivir ein paar Worte über uu-sere Universität sprechen, das ist aber eine gar heikle Sache. Warum? - Das wollen wir Ihnen gleich sagen. Wir sollten so ncich Wunsch nur ------------ .'ll Slü " « mitlß anzaigung an geHörde, Bon der Statt EM'diren wirdet." Nach diesen Proben zu nrtheilen, diufte sich der löbl. Magistrat stark mit Ejpeditionsgeschäften befaßt haben. - Nachdem der Komet seine lichtvollen Dar-stellungen zum Besten gegeben, hat uns auch die dramatische Muse einen Besuch abgestattet. Es ist nämlich die Schauspielgesellschaft des Directors Mayer in unseren Mauern eingezogen, die mehrere ganz anständige Kräfte, darunter in erster Linie den Direetor selbst aufzuweisen hat. Von einigen Mitgliedern gilt freilich das „ets! cie-jivt vires" und „U0v omuia pvssuwus vwues" > indeß, wer wollte unbillig genug von einer ambulanten Bühne fordern, daß alle Mitglieder der-selben von der Weihe echter Kunst durchdrungen seien? Nach der ersten Borstellung: „Eingebildeter Hausknecht" zu urtheilen, - in welcher, wie es hier schon so zum dov ton gehört, die dsute volee des schönen Geschlechtes sich durch Abwesenheit auffallend bemerklich machte - ist Irau Raimann eine erquisite komische Alte und Frau Krosek eine Localsängerin mit angenehmer Stimme Gutes und Erbauliches darüber berichten »ud können dies, um historisch treu zu sein - doch wahrhaftig nicht thun. ES gab eine Zeit «»d sie ist noch nicht gar weit hinter uns, - wa ««-sere Universität ganz tüchtig bestellt war; jcht ist'S anders geworden und leider nicht beffer. Mamhe tüchtige Lehrkraft, so manche Zierde der deutschen Wissenschaft hat uns „Lebewohl" gesagt. Es war dies stets ein schmerzlicher Scheidegruß und was das Schmerzlichste ist, wir konnten Niemand ein herzliches Willkommen entgegenrufen. Was zur Waise »vurde, blleb verwaiset. - Es ist wirtlich unbegreiflich, daß, da wir uns doch alle erdenkli-che, wirklich ausopfernde Mühe geben, unsere Uni-versität soviel als möglich vervollständigt zu sehen -daß, sagen wir, dennoch von anderer Seite dem allgemeinen Wunsche so ganz ohne Theilnahme Hohn gesprochen wird. „Wissenschaft ist Macht" - soll denn dieser Ausspruch eine ewige Ironie bleiben? - Wir wollen es nicht hoffen. «Mi. 1. October. Dieser Tage wurde ein jugendlicher Falschmünzer mit Gensd'armeriees« corte hieher gebracht. Es ist ein Hirtenjunge von beiläufig 17 Jahren aus der Gegend von Sulz« bach, der, ohne schreiben und lesen zu können, die gefährliche Kunst künstlicher Notensabrikation betrieb. Er soll ziemlich gelungene 10 uud 100 fl. Noten verfertigt haben und machte sich in der Gegend von Praßberg durch einen mit seiner sonstmen Stellung wenig harmonirenden Ueberfluß an Geldmitteln bemerkbar, welcher Umstand zu seiner Beanständung und Aufgreifung führte. - Die Weinlese ist hier im vollen Zuge. Von den die Stadt beherrschenden Anhöhen donnern in gemessenen Pausen die Weingartengcschütze herunter. Sie bedeuten Heuer nicht blinden Lärm, sondern volle, ergiebige Ernte. Die meisten Wein-! aartenbesitzer sind zufrieden und dies will viel ! jagen. Durchschnittlich wird das Zweifache, hie uud da selbst das Dreifache vom Ertrage des Borjahres gelesen. Da man auch von anderen Seiten, namentlich von Ungarn günstiges hört, so dürften die Weinpreise sich hener niedriger stellen. Einem hiesigen Geschäftsmanne ist von Ungarn aus der Wein mit 18 fl. pr. Startin angeboten worden. Aber nicht bloß zu trinken, sondern auch zu beißen wird es Heuer mehr geben als im vorigen Jahre, was im Interesse der vielen „kleinen Leute", die von einem ziemlich entwertheten Fireinkommen leben mi'lssen, sehr erfreulich ist. Erdäpfel waren am hiesigen Platze um 13 Groschen pr. Schaff - man rechnet hier noch immer nach Groschen zu 5 kr. - zn haben. und verständigem Spiele, dessen Feinheit und > maßhaltender Bortrag sie auch ganz gut zur An-standsdame qualisicirt; eine Mischung contrasti-render schauspielerischer Gaben, die minder häufig vorkommt. Der Gesangskomiker, dem es geradt nicht an vis wohl aber an Frische und Redelust zu mangeln schien, dürfte an diesem Abende vergessen haben, daß nicht einmal ein „ungebildeter Hausknecht" im Zimmer seiner Dienstherrschast die Kappe aufbehalten wird, geschweige, daß es ein Erforderniß der „Bildung" war, in den Zwischenpausen des Eoupletvorttages dem Publicum, ohne alle seenische Nothwendigkeit mehrmals den Genuß zu bieten, mit Muße das malerische Panorama seines - Hintertheils betrach-ten zu können. Ueberhaupt hatten die choreogra« phischen Lazzi nach den einzelnen Coupletstrophen einen stark ordinären Anstrich; etwas weniger in dieser Richtung wäre mehr - natürlich für das gebildetere Publicum. Hoffentlich bringt dieser Darsteller in ferneren Rollen sein unverkennbares komisches Talent in entsprechenderer Weise zur Geltung; die Rüge ist nur eine wohlgemeinte. - Unsere Stadtrepräsentanz hat sich in nem rer Zeit wieder etwaS gerührt. DaS Hundsteu er-sta tat ist einer endlichen Beschlußfaffuo^ zu ge-fichrt worden und steht allen vierbeinigen Bewi sh-nern Unserer Stadt auS der Familie der Hu« de eim gleichmäßige Besteuerung von 2 fl. pr. «o Pf ohne Unterschied der Gebutt und deS Standes beve»r, sobald das erwähnte Statut die behördliche Be-stätignng erlangt hat. Alle Hunde müffen mit Besteuerungsmarken am H^bande verse^n sein, sonst verfallen sie dem - Msenmeister, wenn auch nicht »ur Vertilgung, so doch zur nachttäglich m honorirenden Bequartierung. Die bedeutendste That unserer Gemeinderepräsentanz aus der letz-ten Zeit ist aber der Beschluß, auch w unserer Stadt eine Sparkasse zu gründen.' Bei der Einrichtung derselben sollen die Marb«rger Sta-tuten zur Norm gelegt werden. Auch ein Turnverein ist allhier in der Bildung begriffen. Der hiesige Buchhändler Herr Waeek hat im Vereine mit einige» Freunden der edlen Tnrnsache die nöthigen Schritte zur Coustituirung desselben gethan und im Schooße des Gemeindeausschusses haben die Herren Faßel und Dr. Neckermann die Anstellung eines eige-nen Turnlehrers für die hiesigen Lehranstalten und den Turnverein bevorwortet.' Die ganze Angelegenheit ist noch in der Schwebe. Das Schuljahr hat hier begonnen und die Stadt durch die Ankunft der vielen großen und^ kleinen Studirenden eine belebtere Physiognomie erlangt. Auch eine Theatergesellschaft hat sich seit einigen Tagen hier etablirt und Borstellungen gegeben. Ihr Korrespondent war jedoch bei der herbstlich schönen Witterung so pflichtvergessen, daß er der Eoulissenwett bis dato keinen Besuch abstattete. Er wird den Fehler nächstens gut ma-chen und von der neuen Theaterunternehmung so viel Gutes, als möglich berichten. V.?. Maria-Nast, 1. October. Heute Nachmittag um halb 3 Uhr ging in der Nähe von Rast eiu Wolken-brnch nieder, welcher nicht unbedeutenden Schaden angerich-tet haben dürfte. In »venigen Minuten stand die Kirche im Wasser, welches sich auch in den Pfarrhofkeller ergoß. Marburg, October. Anläßlich des allerh. Namensfestes Sr. Majestät des Kaisers wurde gestern in der Dom-kirche ein solennes Hochamt abgehalten, welchem die Spitzen der Behörden, das k. k. Offizierskorps und die Gemeinderepräsentanz und eine große Menge Andächtiger beiwohnten. Bei der Spareasse der Gemeinde Marburg wurden im Monate September 1862 von 93 Parteien 17,332 fl. 51 kl. eingelegt; wird die srühere Einlagssumme pr. 277,070 fl. 88 kr. Unsere Landwirthschaftsgesellschafts - Filiale, deren Vorsitz zweimal rasch nach einander durch Todesfälle erledigt wurde, hat in der Person deS Hrn. k. k. Bezirksvorstehers Georg Strach einen neuen Vorsitzeuden erhalten; die Wahl konnte nicht leicht glücklicher ausfallen. In den Felsen. Waldesschweigen — Wafferrauschen — Heiligthum der Felsennacht! Sinnend laß mich hier belauschen Deines WaltenS Zaubermacht. Felsenblöcke — Traumgestalten Aus verscholl'ner Märchenwelt Blicken durch die VergeSspalten Starr empor zum Himmelszelt. llnbekilmmert um die Welle, Die fie ewig kosend nej^t, Wachen fie an heil'ger Stelle, Daß kein Fußtritt sie verletzt. Geister dieser Tempelstätte l Wahrt mir fiirder dies Asyl, Daß das Herz. daS nimmer stete, Lei Euch finde Rast und Ziel! — Eilli im September 1862. L.....r. hiujugejählt, - so ergibt sich eine Gesammteinlage von 294,403 fl. 39 tr. Der Erzbischof von Salzburg hat für den durch den Tod deS Bischofes Slomschek er-ledigten Lavanter F. B. Sitz zu Marburg den hochw. Herrn Dompropst Friedrich zum Administrator m smntuaUkug bestellt. V. In ver Nacht vom 27. auf den 28. wurde in daS dem Herrn M. F. gehörige Wein-garthaus zu Frauheim eingebrochen; was daraus entwendet worden, ist noch unbekllnnt» weil der Eigenthümer abwesend ist. -ll- In der Nacht vom 21. auf den 22. v. M. wurde dem St. W.. Pächter deS Jäger« wirthshauses in der Magdalenavorstadt, während er vor dem Hanse sah und auf kurze Zeit ein-schlief, aus der Brusttasche seines Rockes die Brieftasche mit einer Barschaft von wenigstens 25 ft. nebst mehreren Scheinen ilber geleistete Fuhren zur Kürntnerbahn - entlvendet. flheater.) Wir haben diesmal nur über Einen Theaterabend zu berichten und bedauern, unser günstiges Urtheil über die beiden erste« Vorstellungen nicht ganz wiederholen zu können. Unser Tadel trifft jedoch weniger die Darsteller, als die Regie, welche sowohl in der Wahl d«r Piecen, als in der Besetzung der einzelnen Rollen von ganz eigenthümlichen Principien auszugehen scheint. Wahl der Piecen. Betrachten wir das Repertoir der uns bis jetzt vorgeführten Stücke, so finden wir auf drei Theaterabende am ersten eine Posse mit 3 Acten, am zweiten und dritten je zwei kleine Plecen, daS ist denn doch, wie n»an eS eben nimmt, zn wenig oder zu viel. — Donnerstag gab man: „Ich werde mir den Major einladen" und „Ein Mädchen ist'S und nicht ein Knabe", Blüetten von je einem Acte. Gedenkt die Direktion uiiö immer nnr mit so leichter Kost nnd diese noch in so geringem Maße — "abznfertigen? In ganz Deutschland rechuet man einen Thea-abend von 7 bis wenigstens 9 Uhr, — Herr Director v. Radler meint, es müsse auch mit 8'/, Nhr genng sein. Wir beztveifeln, daß daS Publicum derselben Anficht ist nnd bitten also für ein nächstes Mal besseres Maß. — Die erste der vorgenannten Piecen, ein beliebtes Repertoirstück der besten Bühnen, ließ uns in Herrn Baner den rontinirten Schauspieler wiedererkennen, zn dessen Aqnisition wir uns gratnliren können. Wir loben an ihm seine schöne nnd richtige AllSsprache und sein elegantes lind maßvolles Spiel. Das Spiel der übrigen Mitwirtendcil ließ Manches zu wlinschen übrig. Doch davon später.—Die zweite Picce war ein tranriges französisches Fabricat unter der Firma Lnstspiel. Der Herr Direktor scheint dies alberne Machwerk ohne Witz der Situation oder des Dialogs - nnS vorgeführt zu haben, NM seiner kleinen Tochter Velegenl)eit zu geben, sich dem Publicum als Wunderkind zn präsentiren. Wir wollen nicht ungerecht sein und dem kleinen Mädchen gerne Talent in reichem Maße zugestel)en, al'er ein Kind zum ansschließ-lichen Träger einer Hanptpartie zu niachen, ist denn doch eine gewagte Sache. Das kleine Frälilein entledigte sich seiner anstrengenden Aufgabe mit Geschick, doch mußte es seine Stimmmittel zn sehr forciren, wodurch der Effect mit der Länge der Zeit ein peinlicher wurde. Herr Röder, Herr und Fran Beringer gaben ihre nichtssagenden Partien nnt lobenSwerther Aufopfern»^. Bei der Besetzung der Rollen scheint die Regie von der Idee auszugehen, daß auf unserer Bühne Alle Alle» spielen müssen nnd können. Nach der ersten Vorstellung vermntheten wir in Herm Schulz den jugendlichen Helden ultd Liebhaber; wie erstaunten wir, als wir Dienstag und Donnerstag wieder in der ersten Piece Herrn Schulz die Partie eines Bedienten, eine sogenannte Anmelderolle spiele,! sahen. Vielseitigkeit ist eine schöne Sache, aber — sie soll nicht zu weit gelM. In GrandjeanS Lustspiel war die Besetzung der beiden Partieen des Julius und des Ma-jorS mit den beiden Herrn Männel eine ganz verunglückte. Ton und Spiel im ConversationSstück ist den Herrn nicht geläufig. Diese Rollen hätten ncich unserer.Meinung Herr« Schulz und Skriwanek gebührt. — Fräulein Bretsch endlich scheint ebenfalls sehr vielseitig zu sein-, denn wir sehen im-mer sie und nur sie. DaS Fräulein besitzt glückliche Anlagen, muß jedoch noch viel Fleiß und eifriges Studiilnl anwenden, nm daS zu erlangen, was man Tonrnnre nennt, auch würden wir ihr rathen, auf ihre Toilette mel)? Aufmerksamkeit zu verwenden. — Schließlich bleibt nnS nur noch zu liemerken ükirig, daß unser ganzes Referat nur den guten Zweck im Auge hat, kleine llebelstände, die den im Ganzen guten Tottil-eindruck schwäche» würden, im Anfange beseitigt zu sehen und mit Hilfe deS gewiß sehr bereitwilligen Hrn. DirectorS unsere Bühne zn einem wahren Kunftinstitut zll erhellen. Publicum unv Kritik werden ernstliches Strel'en zn schätzen und zu lohnen wissen. Erl>eiterndeS. ^ Als in einer Gesellschaft an einen Engländer die Frage erging, wie eS doch komme, daß sich in unseren Tagen die Lust zunl Heiraten so sehr vermindere, erwiderte der Gefragte: „Nichts ist leichter zn erklären, wenn mir nur nnsere jungen Franenzimmer näher betrachten; sie sind jetzt wie die Lilien ans dem Felde, sie nähen nicht, sie spinnen nicht, sie arbeiten nicht und silid doch herrlicher gekleidet, als Salomou in aller seiner Pracht." * Als in einer gelelirten Sitzung ein auSfiihrlicher Bortrag über das auf der südlichen Hemisphäre in nenerer Zeit beobachtete „Schwanken der Sterne" gehalten wurde, versicherte ein alter Professor auf Cercvis! daß er schon als Studio diese seltsame Erscheinung öfter bemerkt habe, absonderlich, wenn er in später Nacht vom Commerce zurückgekehrt sei. * Anzeige. Vergangenen Montag ist meine Magd, Rostna Reibeding, mit einer Kuh verschwlluden. Hinter deu Ohren hatte sie rothbraune Schildkrottüpfelchen und große schwarze Flecke» auf denr Niicken. Wer nur dieselbe so nachweist, daß ich sie gerichtlich belangen kann, erhält zwei Thaler Belohnnng. * Ein Weinhändler unterliielr seine Gäste vielfältig mit Anekdoten auS deni letzten deutscheu Kriege, die er bei Besuchen von Militärpersonen geliört hatte. Einer seiner Gäste fragte ihn daher: „Sind Sie mit im Felde gewesen ?" Ehe der Befragte noch zur Antwort kommen konnte, versetzte ein alter Gast: „DaS eben nicht, aber bei ilnn gebt eS doch inlmer recht kriegerisch zu. Er selbst hat einen Schuß, seine Gäste gewöhnlich einen Hieb und feine Weine einen Stich." (Eingesendet.) « Herr Redaeteur! Heute fand ich beim Besuche der Pfarrkirche zu mei-ner fteudigen Ueberraschnng zwei große kostbare h. Botiv-bilder an den Hochaltar gelehnt, die ein unbekannt sein wollender Wohlthäter (wahrscheinlich aus den biederen Bewohnern Marburgs) der Raster Kirche verehrte. Ich fühle micl» angenehm verpflichtet, diese schone Gabe deshalb zur öffentlichen Kenntniß zu brinaen, um dadurch dem edlen Spender meinen wärmsten Dank im Nan»en der ganzen PfarrSgemeinde auszudrücken. — Genehmig Sie ic. Valentin Fraß, Pfarrer. Maria-Rvst, 30. September 1862. Marburg, 4. Octob. (Woche n ni a rkts - Preije.) Weizen fl. 4.3l), Korn si. 3.53, Gersle fl.—.—, Hafer fl. 2.5, Kuknrntz fl. 4.10, Heiden fl. 8.50. Erdiipfel fl. 1.40 pr. Metzen; Rindfleisch 2(i kr., Kalbfleisch 26 kr., Schwein-fleisch jung. 30 kr. pr. Pfund ; Holz 18" hart fl. 5.57, detto weich fl. 4.25 pr. Klafter; Holzkohlen liart 50 kr., detro weich 40 kr. pr. Metzen; Heu fl. 2.10, Snoh, Lagerst. 1.50, detto Streu- fl. 1.10 pr. Centner. Pettau, 3. Oktober. (WochenmarktS - Preife.) Weitzen fl. 4.45, Korn fl. 3.40, Gerste fl. 3.—, Hafer fl. 2.25, Knrnrntz fl. 4.—, Heiden fl. —, Erdäpfel fl. —.— , pr. Metzen; Rindfleisch 23 kr., Kalbfleisch 27 kr., Schwein-fleisch jung. 26 kr. pr. Pfilud; Holz 18" hart fl. 9.50, detto lveich fl. 6.80 pr. Klafter; Holzkohlen hart 80 kr., detto weich 60 kr. pr. Metzen; Hen fl. 1.80, Stroh, Lagerst. 1.25, detto Stren- st. 1.15 pr. Centner. Gr.Kanischa, 2. Octob. (Originalbericht von Die GeschäftSstille machte anch in dieser Woche ihre Fortschritte, so daß Weizen abermals mit 20 kr. pr. Metzen gewichen ist. Die Zufuhren sind noch inmler sehr spärlich; sobald die Arbeitszeit volleudet seiu wird, ist nach aller Walm'cheinlichkeit noch ein weiteres Fallen zn l)offen. Daß alle 'ZIicke auf die Eröffnung der Slii.ker Balm gttichl.t sind, mag auch fiir jetzt der Grund sein, daß sich Steiermark und Krain znrücklialtet. Korn nnd Gerste nnver-ändert. Gegenwärtige Platzpreise: Weizen (62—86 pfd.) fl. 4.25--, Korn (76 — 80 psd.) fl. 2.60 — 60, Gerste (69-71 pfd.) fl. 2.20 — 80, Hafer (46—48 pfd.) fl. 1.60 -70, Knkunltz (61—63 pfd.) fl. 3.20—40. Heiden (70— 71 pfd.) fl. 3.40—50, Winterreps fl. 3.25, Sommerreps st. 6.51.)—7, Leinsamen fl. 6.50, Hanfsamen fl. 4, nene weiße Fisolen fl. 3.20—50. Magazinöpreise nm 15 kr. liöher. . Prodnctengeschäft. In Knoppern hat sich diese Woche mehr Lebhaftigkeit gezeigt, so daß Prima neue und alte Waare mit fl. 8.50—75 tr. nnd II. mit fl. 7.50 kr. leicht verkauft wurden. Honig ist im Anfange der Woche, bienenfreie Waare, mit fl. 23 verlangt N'ordeii, zu »velchen Preisen sich die Eigner nicht einverftehen wollten; seit zwei Tagtll aber ist über fl. 20 nicht zn erreichen. Rohleder st. 63—64. Weinstein st. 3.', pr. Ctr. Von allen Seiten laufen Berichte ein, daß eine überaus gesegnete Weinlese stattfindet, so daß sich bei nnS sel)r leicht fiir fl. 2.50 kr. der Eimer bekommen ließe. Echter niiqarischer Slivovitz ! st. 1^, 20 Grad. l Aiigeü'imiieile in Marburg. ! Vom 26. September bi^ 4. Octodev. „Zum Mohren." Die Herren: Martcl, Kfm. v. Graz. ! Pallans, k. k. PostamtSdirector v. Padu.i. Gcüesa, Commis. Seeligmann. k. k. Ministrerial-Officilü v. Wien. Grol)-mann, Ä.^erwalter v. (^t?enöscld. Roschter, Schnliehrer von St. Johann. „Znm schwarzen Adler." Die Herren: Nakusch, Bemnter v. St. Barkiara. Edl. v. Scherb v. MatterSdors. Mo^ena, Lehrer v. St. Loren^en. Delakarde, Lebrer v. Gonobih. Nansrliel, Lclirer d. Radkersinirg. Roiko, Lel)rer v. Pettau. Panpotitsch, Lelirer v. Ankenstein. Arinansoni, Baiinntern. v. Szegedin. Schrei, Commis v. Malirenbcrg. Fnchs, Bnrqer St. ^