Illylischcs Blatt z um Nutzen und Vergnügen. Freitag den i. Octobsr il5:c^ Die Waffen. (Rus d c m W a nd e r e r.) 3ch werd/ von keinen Molen, von keinen Dolchen, «on_ecincn Säbeln, von Leinen. Heu- und Mistgabeln, »on keinen Wurfspießen,, von keinen Messen,, von, keinen Gewehren, von keinem Pfeil und Vogen , von keinen, Degen, von keinen Schwertern, von keinen, Sensen, von keinen Lanzen und Pickcn, und doch vvl» den Waffen reden. Das wird curios seyn; warum denn curios? Ich verstehe unter den Waffen alles, womit ich mich vertheidige oocr cincn angreife, uer-'wunde oder gar besiege;, und nach dicsem.Vegri'fegibt es, außer den jetzt hergezählten noch anderer Waffen genug. Wer Lust hat, der. höre, wir, wollen einige Scharmützel nebst ihren, Waffengattungen aus dem dramatischen Quodlibet des. großen. Wclttheaters ayö- heben.' ' ' Es gibt keinen Menschen in der Welt, dessen Herz man nicht erobcrnkönnte,. wenn man nur den wahren, Moment errath ,' seine schwache Seite kennt, seine Launen stndirt und (was das Eigentliche ist) die gehörigen Waffen oder "I l.u- ininom anwendet.— Was? Sie zweifln daran und glauben, der Ecitzhcls sey durch nichts zu besiegen? Mein Freund! Kennen Sie nicht das Wort Geld? Dieses ist die allmachtige Batterie, mit der man die stärksten Festung'« crod'crt, die Weisen bethört und die Tugend verführt; um Geld wurde der Heitänd verrathen, und mit dem Gelbe'macht M'n den Geihi; gen zum Scharten aller Act. Geld ist also die erste nn0 mächtigste Waffe, die alles despotisch unterjocht und zu. Sklaven, machte ^ Unter die furchtbarsten und sieggewohntesten Was- ' fen gehört auch die weibliche Schönheit. Carneades, ' einer der sieben Weisen Griechenlands, nannte sie mit Nccht eine Königinn ohne Soldaten, denn sie beherrscht alles und unterjocht alles. Wenn die Schönheit auf Execution ausgeht,, so widersteht yichts ihrem siegrei-" 'chen Schwerte, sie wirkt mehr, als die Bajonette einer ganzen Armee; ihrem freundlichen Lächeln öffnen sich freywiUig die vollen ChatouilleNz, und' schon die 5 reichsten Männer sind, von ihr besiegt, Bettler ge-worden;, die vornehmsten Herren lassen sich zu ihr in ! die niedrigsten Hütten herab; sie macht die größten ^ Helden zu ihren Sclaven und schlägt dic. Herzen der ^ weisesten Männer in Fesseln. Man sage nichts von dcmHagesiol>c der Männer! denn geht man dieser seltenen Eigenheit etwas nqher ! auf dic Kappe, so findet man^ daß er meistens eine' bloße Bizarrcrie sey, wie uns Monsieur Diogenes zur ^ Genüge beweiset, derdic Einbildungskraft eines Grön-! landers assectirte und es doch faustdick hinter den Oh;! r'eü' hatte < indem, er heimlich der schönen Lais in Athen! nachschlich. ^ Könnten wir so manche heimliche Geschichte lesen, dic ihr Daseyn dem Geschlechte, der Schönen zu verdang ' kcn hat, wir.würden wie Dcmokrit lachen und wiK^ Hcraklit weinen: Alle Arten der lächerlichsten-'Huldig gungen, alle, Nuancen der Eifersucht, Duelle, Ban5^ 'kerotte, Biedftähle, Naub und Mordthaten waren! ,58 — schon das Werk einer weiblichen Larve: sonderbar bleibt es aber immer, daß sie schon die vernünftigsten Man- i ncr in das Tollhaus, aber noch keinen Narren zur Vernunft führte. Thcocrit hat nicht ganz unrecht, da cr die weibliche Schönheit eine unter Blumen versteckte Schlange nennt: sanft wie Scylla und Charibdis lockt sie den Unerfahrenen an sich, aber unsanft, elend und nackt pflegt si< oft den Betrogenen aus ihrer Um.; armung zu schleudern; der nähmliche Pfeil, mit dem Cupido das Hcrz angenehm verwundet, sticht öfters den Blindgewordenen den Staar; der wchevolleEhe? stand des Sokratcs, das traurige Ende Samsons und tausend andere Beyspiele der Gebrüder Hiobs unserer Zeiten sprechen laut für die Wahrheit des Theoerit. Es gibt aber Weiber (wohin gewöhnlich nur die ungezogenen und verzogenen Pöbeldamen gehören), es gibtWciber, die bey einem einzigen Manöver mehrmahl die Waffen wechseln: um nähmlich ein Oerz zu erobern, pflegen sie, wie in einem Lustlager, zuerst mit süßen Schmeichelten-zu plänkeln und es mit angenehmen Bitten anzugreifen; wenn nun diese erste Attakc ohne Erfolg bleibt, dann lassen sie das grobe Geschütz vorführen und fangen an zu brummen, murren, schimpfen, fluchen und poltern; wenn aber der Delagerte auch bey diesem Angriffe einen hartnäckigen Widerstand leistet und die weiße Fahne nicht ansstcckt, so nehmen sie Zuflucht zu ihren Thränen und belagern aus dieser Batterie das eiserne Bollwerk des Gegners. Ist endlich der Angegriffene auch mit dieser sonst sieg, reichen Reserve noch nicht zur Capitulation zu bewegen , so fangen sie an Bresche zu schießen, und gehen unerbittlich mit Flaschen, Gläsern, Töpfen, Schüsseln und Tellern dem Feinde zu Leibe, legen dann die Sturmleiter an, bewaffnen ihre zehn Finger mit.spi-tzigen Krallen und zerfleischen alles, was ihnen unter die Hände kömmt, wobey manchmahl auch ein gan: Neutraler und Unschuldiger Blut vergießen muß. — Ziehen wir einen Vorhang über diesen empörenden Bürgerkrieg und dessen abscheuliche Strategie und gehen zu einer andern Scene übcr. Betrachten Sie dort jenen wohlgcfüttcrten, vor- nehm gekleideten Reichen, der mit einem Glase gefror cenen Arlequino seinen Gaumen kitzelt; er wird von einem hinfalligen Greise attakirt, der ihn mit Thra--nen im Auge und zitternd am Stäbe also anredet: Ein armer Mann, ein alter Mann« Tpricht enere Huld um Hilfe an; Habt Mitleid und Erbarmen Mit einem kranken Armen! Der reiche Mann bleibt kalt und gefühllos, denr» solche Waffen prellen von seinem stählernen Herzen ab, cr ist von dieser Seite unangreifbar. 5Ihr habt gewiß zu viel Branntwein getrunken," sagt er mit verweisenden Worten dem Greise; „wißt ihr nicht, daß das Betteln zur Ehre des Landes verbothen ist?'' —» Gleich darauf ergreift der sybaritische Prasser einxtt Zettel vom Tische und liest die Annonce einer p"«" Vnull», die mit ihrer ausländischen Gurgel um zwölf Stück Ducatcn ein <1c>1c« »moro trillert. Diese hat die wahren Waffen ergriffen, um ihn einzunehmen; er eilt alsogleich nach Hause, öffnet seine Chatouille und laßt sich um zwölf Ducatcn durch eine Stunde das Ohr kitzeln. Auch die Feder ist eine Waffe, denn es gibt eine» Fcderkricg, und ohne Waffen kann es keinen Krieg geben. In dem Federkriegewcrden zwar nur unblutige Schlachten geliefert und bloß Tinte vergossen, ab,ooaMann dem Feinde entgegen." Das Verzcichniß der Negi^ n^nter lautete aber nur auf 5a,c>oo Mann. Als der General deßhalb rückfragte, antwortete der König: »Ich zahle Sie sel bst für lo,ooa Mann.^ ausgeschütteten: Getreide vollkommen zu vertilgen. Der Verfasser dieser Nachricht,, der dieses Übel feit mehreren Jahren litt, und manches Miticl vergebens angewandt, hatte,, suchte eine Pflanze, deren Geruch diesen Insecten angenehm wäre, .um diese da; zu. aus ihren, Schlupfwinkeln hervorzulockcn.. Zu die^ sem Ende ließ er auf einen Getreidehaufen, der vot» kr Kornwürmev war, baldThynnan, baild Majoran, hald andere wohlriechende. Krauter legen,, und wechselte mit Zeder Pflanze alle 2^ Stunden in dcr Hoff^ i«ung ab,, doch eine solche anzutreffen,^die, seiner Ab-ficht entsprechen würde. Endlich? kam auch. die Nei-. he an den Hanf; man raufte eine Handvoll auf dem Felde aus, legte sie auf den Kornhauscn, und> man fand am folgenden Tag dieses Vündlcin mit Korn-würmcvn über und über bedeckt und angestroht. ^ Dieses Hanfdündlem wurde außerhalb des Korn-Mbodens ausgeklopft, und nochmahls, fluf^das Korn hin-gelegt; —der Erfolg, davon war, so erwünscht, daß man nach 5, Tagen keinen Kornw.ur.m in, demselben, Haufen verspürte. Da sich diest Korngäste im Maymonath, des fot» genden Jahres wieder etwas verspüren ließen, und zu dcr Zeit natürlich kein grüner, Hanf noch- bey dcr Hand war, so legte' man Werg in Klümpeln auf den, Getreidehaufen, und ^eß l^tte einerley Erfolg;, nuo ging die Ausrottung langsamer von Statten, weil der wilde Hanfgeruch dem Werge bey weitem nicht wehr so, scharf eigen, ist. Vlelleichtkönn^n grobe Nol« 3'enzeuge,, die man in einen Absud von''rohcm Hanf K:lsauf>'n läßt und gelinde auswindct" den "NahMii chen Dienst thun. Indessen ist es nothwendig, das Getreide täglich umzustechen,, und die Kornwürmev auf die Oberfläche des Haufens alle nach und nach zu bringen, und von, dem angelegten Faugnüttel etwelche Mahl. des Tages die aufgesessenen Würmer abzuklopfen, was am schicklichsten in ein mir.Wasser gefülltes Gefäß geschehen kann. Um, des so schädlichen Gewürmes mit einmahl los zn, werden, kann man nebcnbey das Gebälke, die Wände und hier und da den Boden des-Kastens mit VüschleiN'Hanf bestecken und belegen; man muß sich abee die öftere Nachsicht und Exccution nicht verdrießen lassen. I. Kreutz. Wohlfeile Mehlwürmer. Dieses, den Nachtigallen, und andern Stuben^ Vögeln eben so angenehme als gesunde Futter kann mau sich leicht, selbst züchten,, und braucht es nicht uM das theuere Geld> auf dem Markte zu kaufen., Einige Mehlwürmer, die den, Slamn^ znr Hecke abgeben sollen ^ wirft man in ein Aucksrglas , und versieht sie rnjt etwas, Sauerteig-, den man, mit Mehl. durch-und über.schichtet. Das. wohlveroundene, und auf einen trockenen, Platz in mäßige Wanne hingen stellte Glas wird man nach einer Zeit wimmelnd von dieser Vrut, finden,^, ,U,nd somit hat man eine immer, wahrende Wurmfabrik,, der man nur bloß, den Ab^ , gang, der Nahrung! z,u- ersetze-n brauchet'., - :.- .: Den Würmern,, die man den Pögeln,znm Futtee gibt, muß man die Kopfe adkneipM, .W.eil man Excml ^el. hat, daß sie den Magen der, Vogel durchbohren. "I. Krcutz,, l^.i :i- ^''? - O ^ ^ lt," ^ ^ nspahn e., .lÄN'der-Unverschämtheit eines Bettlers ist'derje-uige Schuld, dcr ihm zuerst.etwas gegeben hat. König Philipp von Macedonien schrieb an die Spartaner, ob er. als Freund oder Feind kommen solle ? Die Antwort der Spartaner ^war : »Gar nicht!"