Aever-Wärz. 158-159. Keft. (Seite 3837 öis 3868.) 1917. 1 Schule und Uaterland Zeitschrift für bodenständige Jugenderziehung und Volksbildung in Österreich. Schriftleiter: Pr. Zludolf H»ccrz. Inhalt: a) Schule und Hinterland. 1. Österreichs Lehrerhelden .... 3837 2. Der Weg zum Frieden .... 3838 3. Leitworte f. Österreichs Zukunft 3839 4. Zur Erneuerung des Österreich. Erziehung«- und Schulwesens 3840 5. Eiserne Iirgend..................... 3846 6. Österreichs Zukunft ...... 3847 7. Kleine Mitteilungen................. 3851 ca SS ■S' ss SS iSS csl aas ttS r/< ca b) Mlätter für den Aflteilungs-unterricht. 8. Die lieben, alten „Blätter" . . 3853 9. Gebet............................. 3854 10. Splitter.......................... 3854 11. Mehlverteilung und Schule. . 3855 12. Kriegskrone der Bl................ 3856 13. An die Jünger..................... 3856 14. Im Zeichen des Krieges . . . 3857 15. Allerlei Schulpraxis.............. 3857 16. Am heimatlichen Herd 3858 17. Die Wechselrcde................... 3859 18. Die Hauptmanns-Zwilllnge. . 3861 19. Briefkasten....................... 3865 20. Kleine Mitteilungen............... 3866 21. In der Dolomitenfront von Stellung zu Stellung 3866 22. Polack-Ecke....................... 3868 Monatlich 1 Kest. Ansgavstelle: Hierlag der „Plätter für den Afltcilungsnnterricht" ln jntflach Aahrespreis der 12 Kefte 6 K (6 M, 6 K.). Druck von Josef pavliceF in Gottschee (Krain). 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen 1 LAO.Hardtmnths I »» | I L.AC.Hardtmntha Kohinoor I )Cm I e H9rf||l||||Tn Farbstifte.. .. Zeichenstifte U- I IUI Ulli IUIII ... Pastellstifte Schulstifte etc. WIEN IX. Budweis in Böhmen. Narbige Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. Durch jede Papierhandlung zu beziehen. Hesamtauslage 200.000 Eremplare 1 Billiger für Cehrer ist die Österr. Volks-Zeitung, von Lehrern meistgelesenes deutschfortschrittliches Wiener Blatt mit hochinteressanter illustrierten Familienbeilage. veröffentlicht jeden Donnerstag pädagog. Aundschau. — BMF Ermäßigte Bezugspreise: Mit täglicher Postzusendung monatlich K 240, Viertels. K 7'—. Samstag-Ausgave (mit Roman- und Familienbeilage [in Wuchsormj) viertel,. K 2-—, halbj. K 3-80, ganzj-K 7-50. Samstag- und Aonnerstag-Ausgaven (mit pädagogischer Rundschau. Roman- und Familien-beilage) viertelj. K 3-(0, halbj. K 6-—, ganzj. K V'60. (MF* Probe-Nummer umsonst. Die Verwaltung der österr. Volks-Leitung. «Men, Ti, Scbuimtr. ib. Hoher Extra-Vorzugsrabatt für Lehrer! Piünflft Trautwein, wien, vii. ■ Mariahilferstraße Nr. 58 B. Pianinos und Klaviere von hervorragender Klangfülle und Tonschönheit, gediegendster kreuzsaitiger Eisenpanzer - Konstruktion mit leichter, elastischer §pielart und verstellbarer Harfenton-Vorrichtung. 10 jährige, schriftliche, gesetzlich bindende Garantie! — 4 wöchentliche, frachtfreie Probelieferung nach jeder österreichischen Bahnstation I MF* Ratenzahlungen ohne Preiserhöhung gestattet! Jeder Lehrer verlange umgehend kostenlos Zusendung der illustrierten Preisliste nebst Lehrer-Vorsugs-Babatt-Tabelle I Drei starke Hefte mit mehreren lausend Referenzen von Lehrern «etc, gratis zur Verfügung. Aebruar-Wärz 1917. Schule und Vaterlund Zeitschrift für bodenständige Ängenderziehnng und Volksbildung in Österreich. Bezugsgebühr einschl. der _ , ,, , „Blätter" 6 K (6 M, 7 F) Geleitet Geschäftliches ausschließlich jährl. Einzelnummer 60 h von an die „Verwaltung der (60 Pf, 70 ct.. Dr aHiibdff Veerr Blätter für den Abtetl.mgS- Postspark. Nr. 58.213. ^1IÖOlr »eerz. unterricht ln Laibach". Handschriften und Bücher an den Schriftleiter, Mies ln Böhmen. — „Schule und Vaterland" kann gesondert nicht bezogen werden. Oesterreichs Lehrerstelden in dem Großen Kriege 1914-17. 26. Ulitttit flfil oiftlirr geb. am 21. Dezember 1888 in Sofienthal bei Taus im Böhmerwald, gefallen am 'v1,119 WliipiiH) 31. Juli 1916 auf Ostgaliziens Hügeln bei Ottynia. Seine Studien vollendete er 1907 an der Lehrerbildungsanstalt in Budweis und wirkte seit dieser Zeit an der Schule der Heimat, in Sofienthal, wo sein Vater Oberlehrer ist. Nach Ablegung der Lehrbesähigungsprüfung 1909 besuchte er 1912/13 den Bürgerschullehrerkurs in Komotau und legte im November 1913 die Fachprüfung für die zweite Gruppe ab. Eingrückt am 21. Juni 1915 nach Rumburg, war er in der Rcscrveojfiziersschule zu Gablonz und zog am 28. Jänner 1916 als Kadcttaspirant ins Feld. In Horodenka machte er einen Kurs zur Aus-bildung im Gebrauche aller Nahkampsmittel mit, wurde dann Kommandant einer Minenwerferabterlung. Seine Beförderung zum Kadetten erfolgte am 1. Juni 1916. Er wurde mit der Silbernen Tapferkeilsme-daille 1. Klasse ausgezeichnet. Eine russische Granate machte ihm ein jähes Ende. Hans Gleißner war die Rechte Hand feines ..Vaters, den Geschwistern ein liebevoller Bruder, den Schülern ein wahres Vorbild. Als tüchtiger Lehrer bei den Vorgesetzten, den Amtsbrüdern, der ganzen Bevölkerung, selbst in der weitesten Umgebung war er äußerst beliebt. Im Feld hielt er sich als echter Soldat. Zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, gab er sein Leben als Held für das Vaterland hin. Er ist und wird allen unvergeßlich bleiben. Hd. Kess, Schulleiter. 3838 Der Weg zum Frieden. Die Frage „Wann wird Friede?" läßt sich, wenn nicht unberechenbare Ereignisse die Kette von Schlüssen durchbrechen, dahin beantworten, daß t9l? zweifellos den Frieden bringt. Das ist nicht ein willkürlich hingeworfenes prophetisches Wort, sondern das Ergebnis nachstehender Überlegung: (.) Die Zentralmächte hätten in einer Zeit, da sie sich einer Schwäche bewußt gewesen wären, keinesfalls ein Friedensangebot ausgegeben und die Feinde es nicht rundweg abgelehnt, wenn sie nicht unsere Stärke fühlten. „Der Friede würde ein deutscher Friede sein!" So hallte es ans allen Parlamenten des Zehnverbandes. — Nun denn, wenn wir Kraft besitzen, so werden wir das, was sich in Güte nicht erreichen ließ, mit Gewalt erzwingen. Der Friede kommt sohin auf blutiger Fährte — und er kommt bald, denn die ganze Welt seufzt unter der Last des Krieges. Alle Völker holen darum zum letzten Stoß aus. — 2.) Albion hält noch einen Trumpf in der Hand: Die Aushungerung der Mittelmächte. Za, wir sind in einer Festung, wir sind belagert, fast von jeder Zufuhr abgeschlossen. Das läßt sich nicht in Abrede stellen. Allein die Burg, um deren Wälle die Heere des Feindes stehen, birgt weite Anbauflächen, birgt reiche Vorräte. Es muß bloß eine geregelte Wirtschaft walten, und die Absicht des Gegners ist vereitelt. Dafür ist gesorgt. Ein Mann der Einsicht und der Tatkraft hat bei uns die Lösung der Ernährungsfrage übernommen — ich kenne ihn als Kraftnatur aus dem Felde; er wird, wenn das Volk tapfer mit- und aushält, die letzte Hoffnung Albions zunichtemachen. 3.) Der Feind rechnet mit Unruhen im Inneren unseres Vaterlandes und der uns befreundeten Staaten. „Die Zentralmächte sind zermürbt, sie müssen zerfallen I" Diese Phrase setzt er seinen Völkern vor. Und sie glauben an sie oder auch nicht. Wer Gelegenheit hat, ausländische Zeitungen zu lesen, wird als Unterton der Volksmeinung ein bedeutendes Mißtrauen zur eigenen Regierung und vor allem — trotz Zeter und Mordio, wie es ja der Südländer gerade dann, wenn ihn Sorge beschleicht, im Munde führt — die Friedenssehnsucht herausfühlen. Damit rechnen die Machthaber. Was hätte sie denn auch veranlaßt, das Anbot der Mittelmächte vor aller Welt zu erörtern? Sie konnten es ja durch die Zensur erdrücken lassen I Sie taten es nicht, u. zw. mit Bedacht; denn kommt der Friede anders, als sie ihn wünschten, so wälzen sie alle Schuld von sich ab, darauf verweisend, daß der Volkswille sie zur Einstellung der Feindseligkeiten zwang. Sie, die Verantwortlichen, hätten ja den Krieg bis zur Zerschmetterung des Gegners fortgeführt usw. So stehen die Dinge. Wer in unsere Kraft Zweifel setzt, kennt nicht den Troß in Stahl und Eisen, der draußen an den Fronten steht und uns schützt; wer am Durchhalten gegen den Hunger verzweifelt, ist ein feiger Wicht, ein Sklave feines Magens; wer die Phrase des Hungers fürchtet, hat sie zu wenig gewogen. Die drei Boten: Kraft, Entsagung, Ruhe, sie bringen den Frieden. — Wie nun in alter Zeit, da der Feind Monat um Monat vor den Blauer» der belagerten Burg lauerte, jeder der Eingeschlossenen seinen Teil beitragen mußte, die Hoff- nung des Grimmen zu zerstören, so wird auch derzeit, da der Krieg ganze Länder umgürtet, jeder Bürger mit dein Willen zum Ausharren bei sich selbst beginnen müssen. Es ist richtig, wir in Österreich sind durch die Schule der Scholastik nicht durchwegs für die große Zeit erzogen worden, die uns nunmehr umgibt; Entsagung, Größe der Gesinnung, restloses Aufgehen in eine Gesamtidee, Selbstzügelung und vieles andere, was die Not heischt, sind uns vielfach fremd. Indes, wie sonst das Leben das ergänzte, was die Schule außeracht ließ, so holt es der Krieg mit einem Ruck nach: er ist ein strenger, ein unerbittlicher Lehrmeister. Daß es bei seiner Methode nicht ohne Widerstand, ohne Murren ab* geht, ist nur zu verständlich; wir sind nun einmal Menschen mit haut und haar, mit Fleisch und Knochen, die zunächst auf das eigene Wohlbefinden bedacht nehmen. (Erft der durch klare (Einsicht gestärkte Wille bringt uns über die physische Linie hinweg und heißt uns so manches entbehren, hartes sonder Klage ertragen. Diese Rührung aus dem leidigen Selbst heraus muß der Lehrer übernehmen! Ihm steht es zu, den Glauben an die eigene Kraft zu nähren, ihm obliegt die Beruhigung der Gemüter, ihm die Pflicht, mit seiner aus Überzeugung quellenden Voraussicht angesichts der versammelten Gemeinde hinein in das Netz der feindlichen plane zu leuchten. Per Hlanfle an den Arieden ist schon der staffle Ariede. Zum Glauben kommt es aber erst, wenn der Geist, an unumstößlichen Schlüssen fortschreitend, den Blick in einen Komplex von Wirklichkeiten versenkt, um sich die sichere Erkenntnis herauszuholen. Was bisnun um den Friedensgedanken wob, war zunächst nichts als der Wunsch oder eine Summe haltloser Erwägungen. Der Friede kann nur aus den Beweggründen, die zum Kriege führten, ergründet werden. Der Feind (wir haben bloß einen, die anderen sind seine handlanger) erwog unsere militärische Stärke; allein er stellte ihr ein Sechsfaches gegenüber und glaubte hiemit das Verhältnis zu seinen Gunsten auszugleichen; der Feind vertraute auf den Bundesgenoß, den „Hunger"; der Feind rechnet mit unserem inneren Zerfall. Im ersten Belang ist die Hoffnung zerschellt, im zweiten kann sie zerschellen, wenn wir, „die Helden im Hinterland", es wollen, im dritten ist bereits der Erweis des Gegenteils erbracht: Österreichs Völker kennen nur einen Hort: habsburgs Thron. — Wie gut es nun auch in allen punkten bestellt ist, die vordem die pole der Hoffnung des Gegners waren, so wäre nichts so gefährlich wie die leichtfertige Meinung, es könne unmöglich fehlgehen. Ja, wir bestehen de» gewaltigen Kampf, aber eben nur dann, wenn wir mit der dreifachen Zucht bei uns, jeder bei sich selb st, beginnen. Zuvörderit die Lehrerschaft, die richtunggebend wirken soll! — Ich war einmal Zeuge, wie Amtsbrüder im Gasthause vor aller Welt ob der Nahrungssorge grollten und in lauter Rede ihrem Unmut Luft machten. Wie mag das auf die Zuhörer gewirkt haben! Frage: Wirdes darob besser? Nein! Nur schlimmer kann es werden, weil dann der, der Muster braucht, die Weise nachahmt lind die aufgestapelten Vorräte um so fester verschließt oder, so er nicht glücklicher Besitzer solcher ist, an der Zermürbung, die der Feind so sehnlich wünscht, handelnd teilnimmt. — ©ft, sehr oft habe ich es mit Stolz und Genugtuung vernommen: Die Lehrer als ©ffiziere und kämpfende Helden — herrlich, die Lehrer als treue Arbeiter im Dienste des Krieges daheim — unentbehrlich, die Lehrer als Wächter der Bildung auch in schwerster Zeit — lautere Idealisten. Trete nur noch eines hinzu: pie Letzter als Aufklärer in der letzten Wstafe des großen Krieges — Wetter des Unterlandes, Wringet des Ariedens! — . Ä'eerz. Leitworte für Österreichs Zukunft. ii. 3.) Das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht ist der Inbegriff des Glücks. Kriegsminister G. 0. Krobatin. 4.) Die beste Erziehung für den Frieden ist die Erziehung für den Krieg. F. Z. M. Kuck. Zur Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens. Von Prof. Dr. Johannes Kühnei in Leipzig. Wenn die „Blätter für den Abteilungsunterricht“, die sich seit einiger Zeit gehaltvoller nennen „Schule und Vaterland“, bei mir einkehren, so bin ich jedesmal in größter Versuchung, die augenblickliche Arbeit wegzulegen, um erst in ihnen zu lesen, denn sie haben immer etwas Beherzigenswertes zu sagen. Kein Wunder! Der Herausgeber ist nicht nur ein glühender Vaterlandsfreund, sondern auch ein ungewöhnlich klarer Kopf und ein erfahrener Praktiker, der die Welt und die Verhältnisse kennt, der die Ziele weiß und die Mittel und Wege sieht, die von den gegebenen Verhältnissen aufwärts führen. (Da das Lob aus dem Auslande kommt, mag es ausnahmsweise passieren. D. Sch.) Als nun im September, vorigen Jahres mit der üblichen Kriegsverspätung das Juliheft bei mir eintraf, war ich weniger erstaunt, als vielmehr freudig überrascht, ein ganz ausführliches Programm für die Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens darin zu finden, ein Programm, das mit seinen weittragenden und folgenreichen Vorschlägen geeignet ist, als Grundlage ttir kommende Auseinandersetzungen zu dienen. Gern hätte ich damals schon das Wort genommen, aber ich wollte erst hören, was diejenigen zur Sache sagen, die ihr noch näher standen als ich. Kurz darauf erschien im „Leipziger Tageblatt“ ein Artikel von Engelbert Pernerstorfer, der mir die Angelegenheit in neue .Beleuchtung rückte. Er vergleicht die Verhältnisse in Deutschland und Österreich, bespricht verschiedene österreichische Kriegs- und Zukunftsliteratur und sagt: „Was wir brauchen, das sind nicht glänzende oder geistreiche Worte, sondern nüchterne und ernste Gedanken“, und weiter unten fügt er hinzu: „Das bildhafte Wort erfreut uns, aber doch noch lieber wäre es uns, wenn auch nur verständlich angedeutet würde, wie wir’s machen sollen, damit alle die Volkskräfte wieder zu voller Wirksamkeit erweckt werden können.“ Diese Gedanken haben mich nicht losgelassen und haben mich ermutigt, an meinem Teile beizutragen zur „Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens“ ; mag sein, daß auch ein gewisser Zug des Herzens bei mir mitwirkt, da ich wohl an dreißigmal längere und kürzere Zeit Gelegenheit gehabt habe, die Schönheiten österreichischer Lande und die Menschen, die in ihnen wohnen, kennen zu lernen. — Ich schließe an Pernerstorfer an. Man wird sagen: Wozu eine Erziehungsreform? Wir haben wichtigere Fragen zu lösen; die Nationalitätenfrage ist es vor allen anderen, auf die sich unser Blick einstellen muß, und für deren Lösung die nächste Zukunft ohne Zweifel eine Gelegenheit abgeben wird, die sobald nicht wiederkehrt. — Ich will dem nicht widersprechen ; aber dem Außenstehenden will es scheinen, als ob gerade die Nationalitätenfrage von vielen Einflüssen abhinge, die oft unwägbar und in ihrer Wirkung vielfach unberechenbar sind; ferner von solchen, die sich noch in der Wandlung befinden. Er hat weiter den Eindruck, daß diese Frage nicht mit einem Schlage zu lösen sein wird, und er schließt daraus, daß nichts dienlicher sein dürfte, als mit allen Kräften daran zu arbeiten, für diese Lösung die beste, die geeignetste Grundlage großzügig vorzubereiten. Keine andere Frage aber möchte geeigneter sein, diese Grundlage mit schaffen zu helfen, als die Erziehungsfrage. Zunächst in dem Sinne, daß sie die Nationalitäten und Parteien zur Zusammenarbeit veranlaßt. Damit kann sie sich zu einem Sauerteig entwickeln, der versöhnend wirkt; sie kann ferner zu einem friedlichen Wetteifer führen, der der einzelnen Nationalität und Partei ganz von selbst die Früchte reifen läßt, auf Grund deren ein Ausgleich sich von selbst ergibt, oder wenigstens wesentlich erleichtert wird. Denn wer die beste Erziehung hat, dem gehört ohne Zweifel die Zukunft. Man wird ferner sagen: Unsere Erziehung hat sich glänzend bewährt. Man wird zur Begründung dieser Behauptung darauf hinweisen, wie unsere Jugend begeistert zu den Fahnen eilte, mit welcher Todesverachtung sie in den Kampf ging, mit welch rührender Teilnahme und Selbstverleugnung sie dem Kameraden beisteht; wie mit unserer männlichen Jugend die weibliche wetteifert in allerlei vaterländischem Werk, wie Millionen Hände sich regen, um Schmerzen zu stillen, allerhand Not zu lindern, um Werte zu sammeln, um Arbeit zu leisten, oft harte Männerarbeit, bei Tag und Nacht und ohne Klage. Wahrlich, so sagt man, unsere Jugend hat sich in einer Weise der großen Zeit würdig gezeigt, wie wir es gar nicht zu hoffen wagten. 3841 ln heller Erzieherfreude und in vaterländischem Glückes- und Dankesgefühl wollen wir dies voll und ganz erkennen. Aber dennoch ist es nötig, vor dem ebenso irrigen wie gefährlichen Schlüsse eindringlichst zu warnen, dem Schlüsse: Also hat sich unsere Erziehung bewährt. Denn zunächst wird man sich besinnen müssen darauf, daß nur dort das Urteil „Es hat sich bewährt“ zu Recht besteht, wo etwas unseren Ansprüchen, unseren Erwartungen, unserem Ideal entsprach. Nun waren allerdings die Ansprüche und Erwartungen der großen Mehrzahl des Volkes nicht allzu hoch gesteckt, die meisten sahen nur die rauhe und un- geglättete Außenseite unserer Jugend, viele klagten Uber Verrohung und Zügellosigkeit; sie alle waren freudig erstaunt, als sie mit einem Male Millionen junger Helden vor sich sahen, Leid- und Lastträger aus eigenem Willen. Anders diejenigen, die mitten in der Sache drin stehen, die Kundigen, welche ehrlich genug sind, den Glanz, den diese Leistungen unserer Jugend auf ihr eigenes Erziehertum werfen, von sich abzuwehren. Sie sagen mit einer gewissen Wehmut: An unserem Ideal, an unseren Ansprüchen gemessen, hat sich unsere Erziehung nur teilweise bewährt. Und dem entrüsteten Einwurf: Wollt ihr denn noch mehr als diese herrlichen Taten ? antworten sie gelassen: Allerdings noch viel mehr, vor allem Entwicklung aller der Fähigkeiten, die bisher brach liegen bleiben mußten. Dazu sind wir auch noch der Überzeugung, daß wir unter anderen, zweckmäßiger gestalteten Verhältnissen bedeutend mehr leisten könnten, als es bis dahin möglich war. Des weiteren hat das Urteil „Es hat sich bewährt“ in dieser allgemeinen Form einen ziemlich zweifelhaften Wert. Wesentlich wertvoller ist es, wenn es abgegeben werden kann in der anderen Form: Dieses eine hat sich besser bewährt als jenes andere; d.h. wenn man von Bewährung spricht auf Grund eines Vergleichs. Auch für die Erziehung gilt das. Wir zielten zum Vergleich heran die englische, französische und türkische Erziehung. Schon ein flüchtiger Überblick ergibt, daß es gar keinem Zweifel unterliegen kann, daß die Bildung des gemeinen Mannes ebenso wie des Führers von größter Bedeutung ist für die Leistungen im Felde wie im Frieden. Aber schon die Tatsache des vorhandenen oder nicht vorhandenen Schulzwanges sowie die verschiedene Länge der Schulpflicht, also die Quantität der staatlich gebotenen Schulerziehung, würde die Unterschiede, die sich zeigen, erklärlich machen. Dazu kommt noch ein anderes. Der Blick auf unsere türkischen Bundesgenossen wie auf unsere russischen Gegner, deren schulmäßige Erziehung geringer ist, zeigt unwider-sprechlich, daß wirkliches Heldentum aus noch tieferen und stärkeren Wurzeln seine Nahrung zieht. Was uns Deutsche und unsere Leidens- und Siegesgenossen, die Ungarn, Bulgaren und Türken, unüberwindlich macht, ist das Bewußtsein, daß es um Haus und Herd, um Leben und alle Heiligtümer geht, während die anderen Völker bluten für die Machtträume einer ganz dünnen Oberschicht. Dieser Geist ist der wichtigste unter den Faktoren, die uns zum Siege führen und uns triumphieren lassen Uber die zahlenmäßige Übermacht unserer westlichen, östlichen und „neutralen“ Feinde. Auf diese unsere seelische Überlegenheit und auf die Quantität der staatlich gebotenen Erziehung sind die Leistungen unserer Jugend in erster Linie und in der Hauptsache zurückzuführen, das lehrt die Durchführung eines jeden dieser Vergleiche aufs deutlichste. Aber aus ihnen "auf eine wesentlich bessere Qualität unserer Erziehung, auf eine ausgezeichnete, „bewährte“ Qualität, das ist Irrtum und Trugbild. Endlich noch eins. Gegenüber der Behauptung, unsere Erziehung habe sich so glänzend bewährt, brennt mir heute noch eine Erinnerung in der Seele. Als unsere Schüler in den ersten Wochen des großen Kampfes sich freiwillig gemeldet hatten, als es entschieden war, daß sie gehen durften, daß nichts mehr sie halten würde, da veranlaßte ich sie in einer Psychologiestunde, scharf in ihr Inneres zu blicken und nach den Motiven zu forschen, die ihren Entschluß bestimmt hatten. Und wie aus einem Munde wurde als erstes und wichtigstes Motiv genannt: Schulekel. Wohl kam noch eine ganze Reihe anderer dazu: vaterländische Begeisterung, sittlicher Zorn über den heimtückischen Angreifer, Ehrgefühl dem Altersgenossen gegenüber, der hinauszog, Selbstgefühl, das sich etwas zutraute, Tatendrang, der in unserer Jugend so zurückgehalten wurde, Abenteuerlust u. a., aber übereinstimmend wurde bekundet, die beiden erstgenannten seien die maßgebenden, und dies trotz meiner wiederholten Mahnung zu aufrichtigster Selbstbeobachtung. Und dies Erlebnis habe ich bestätigt gefunden durch hundertfältige Beobachtung, und ich muß hinzufügen: überkritische Beobachtung, denn ich wollte zunächst nicht glauben an die behauptete Stärke dieses Motivs. Freilich die Betrachtung der letzten Jahrzehnte deutscher Schulgeschichte läßt keinen Zweifel darüber, daß meine Schüler die Wahrheit gesprochen hatten und daß sie nicht bloß für sich 3842 gesprochen hatten. Als heimliche Sünde, als schleichende Seuche hatte sich der Schulekel im Gebiete der Erziehung eingenistet, eine krebsartige Krankheit, die nur geheilt werden kann, wenn man ohne Beschönigung die Tatsache als solche sehen will, ihre Ursachen erforscht und mit festem, wenn auch schwerem Entschlüsse ihre Beseitigung in Angriff nimmt. Die Behauptung, daß unsere Erziehung sich bewährt habe, ist demnach ein Urteil, für das auf keinem Gebiete Gründe der Erfahrung sich finden lassen, die einer näheren Prüfung Stand zu halten vermöchten. Umso gefährlicher wird ihre Wiederholung. Was der Urteilslose 20 und mehrmals gehört hat, das glaubt er. Von dieser Wirkung des wiederholten Eindrucks, der Reklame, machen ja heute nicht nur die Engländer, ihre Meister, einen unerlaubten Gebrauch. Umsomehr ist es Pflicht der Urteilsfähigen, dagegen scharf Stellung zu nehmen. Zumal hier auf dem Gebiete der Erziehung, wo unermeßliche Werte auf dem Spiele stehen, von dem die Zukunft der Völker abhängt. Denn aus der allgemeinen Behauptung, etwas habe sich bewährt, dringt leise und doch recht vernehmlich der mißklingende Unterton heraus: Also wollen wir dabei bleiben und nichts Neues, Besseres suchen. Verständlich ist ja diese Erscheinung. Sie liegt so sehr im Wesen des Menschen be- gründet, daß das Gegenteil unbegreiflich wäre: Die gewohnten Gänge, auch Gedankengänge zu gehen, das erfordert nicht viel Anstrengung, das geschieht mit Behagen. Aber neue .Ziele und Wege zu suchen, geschieht immer mit einer gewissen Erregung und ist überdies niemals ganz des Erfolgs sicher. Darum sinken alle menschlichen Einrichtungen, sinkt alles menschliche Denken und Tun ganz langsam immer mehr ab in die Gestaltung der Gewohnheit, in die Formen der Tradition — man vergleiche dazu das Chinesentum! Bis plötzlich eine Katastrophe eintritt und neue Grundlagen auf baut für neue Verhältnisse und neue Entschlüsse. Heute stehen wir mitten in einem solchen Weltbeben. Wollte Gott, daß die Allgemeinheit die Ohren auftun lernen möge, damit sie den Ruf der Weiterblickenden vernimmt: Auf zu neuen Zielen und neuen Wegen! In gewissem Maße und in gewissem Sinne vielleicht mag sich das Alte bewährt haben, aber den neuen Aufgaben gegenüber genügt es nicht; im Gegenteil, schon unter den früheren Verhältnissen wäre mehr zu erreichen nötig gewesen. In dieser Lage befindet sich die Erziehung. Sie genügt nicht den Ansprüchen der Gegenwart, noch viel weniger kann sie genügen den ganz bedeutend erhöhten und zum großen Teil auch andersartigen der Zukunft. Und wir Erzieher — nicht alle freilich, es gibt auch unter uns mechanische Naturen — sind der Überzeugung, daß wir unter anderen Verhältnissen mehr, bedeutend mehr, und Besseres zu leisten vermöchten, als es bis daher möglich war. Es unterliegt keinem Zweifel, daß infolge der veränderten Gesamtlage der politischen Welt schon die Erziehungsziele einer durchgreifenden Revision zu unterziehen sind. Es ist damit natürlich nicht gemeint, daß durchweg neue Ziele aufgestellt werden müßten; es kann sich vielmehr sehr wohl herausstellen, daß in so mancher Hinsicht die alten Ziele bestehen bleiben werden. Aber von vornherein sich auf diesen Gedanken der Beibehaltung der alten Ziele festlegen zu wollen, würde ein verhängnisvoller Irrtum sein. Den von „alten, ewigen Erziehungszielen“ zu sprechen, ist gleichbedeutend mit historischer Unkenntnis. Auch das, was bleibend schien in historischer Zeit, hat die mannigfachsten Wandlungen erfahren, je nach den besonderen Verhältnissen der Zeit und nach den politischen Notwendigkeiten des betreffenden Volkes. Freilich zu einer allgemein kosmopolitischen Individualbildung ist heute sowenig Veranlassung wie in früherer Zeit, obwohl die mannigfaltigsten Ansätze zu solchen Zielen zu allen Zeiten nachzuweisen sind und auch heute noch sich bemerkbar machen. In diesem Sinne hat die Formulierung der Erziehungsziele fortdauernd Angriffe von entgegengesetzten Richtungen erfahren und pendelnd sich leisen oder stärkeren Änderungen unterziehen müssen. Auch heute stehen die widersprechendsten Meinungen einander noch gegenüber. Wahre Menschenbildung im Sinne einer allgemein ethischen oder ästhetischen Erziehung, oder im Sinne einer Ausbildung der Persönlichkeit mit ihren Anlagen und Fähigkeiten, nationale Bildung zum Staatsbürger, „Verstandes- und Gemütsbildung“ im Sinne einer Vermittlung von Fertigkeiten und Gewohnheiten, Individualpädagogik und Sozialpädagogik, intellektuelle und voluntaristische, nationale und humanistische Erziehung, autoritative und kritische Bildung streiten mit einander um das jeweilige 51. Prozent des Vorrangs. Eins geht aus diesem Blick auf den Kampf der Meinungen mit aller Deutlichkeit hervor: daß die Gestaltung und Formulierung der Erziehungsziele künftig nicht mehr lediglich ab-hängen darf von unserem parteipolitischen oder berufspolitischen Standpunkte wie bisher. Denn dieser Standpunkt schätzt die eigenen Gründe weit günstiger ein für den Kampf und 3843 für die Wirkung auf die Allgemeinheit, als sie in der Tat sich erweisen; er verkleinert auch die Vorzüge des Gegners, macht blind gegen sie oder behauptet, sie selbst zu besitzen, was niemand glaubt und was den eigenen Standpunkt nur diskreditiert. Wollen wir auf dem Gebiete der Erziehungsziele wirklich vorwärts kommen, so bleibt nur ein Weg übrig: Einerseits die vorgefaßten oder gewohnten Meinungen — und seien sie uns noch so lieb —, andrerseits die Meinungen der Gegner und neu auftretende Anschauungen unter das Licht wissenschaftlicher Forschung zu stellen. Die zeigt mitleidlos, aber auch leidlos die Schwächen des bisherigen eigenen Standpunktes ebenso wie die Schwächen der anderen Meinung und in gleicher Weise die Vorzüge und Möglichkeiten beider. Solche Erkenntnis ist aber nicht bloß die erste Vorbedingung des Erfolges, sondern auch die Bürgschaft dafür. Man sollte meinen, daß dieser Gedanke so einleuchtend, so selbstverständlich sei, daß jede Partei und jede Interessengemeinschaft nichts Besseres zu tun wüßte, als in ausgiebigster Weise für die Verwirklichung dieses Gedankens zu sorgen. Daß es nicht geschieht, läßt sich eigentlich nur aus der ungenügenden eigenen wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit erklären, so bedauerlich diese Feststellung an sich ist. Schon aus dem Bisherigen ergibt sich also, daß — wenn wir vorwärts wollen auf dem Gebiete der Erziehung — nun endlich in großzügiger Weise Veranstaltungen getroffen werden müssen, welche allein die Aufgabe haben, die ganze Summe der hierher gehörigen Fragen wissenschaftlich zu behandeln. Da muß ich nun der Meinung begegnen, daß doch schon für unsere Erziehung in ausreichender Weise wissenschaftlich gesorgt sei, eine Meinung, die allerdings nicht geringe Verbreitung aufweist. Zunächst sei ihr gegenüber auf eins hingewiesen. Auf 1000—10.000 Einwohner rechnen wir einen Arzt. Die meisten nehmen ihn freilich nur dann in Anspruch, wenn dem Körper irgend ein Leid zugestoßen ist. Und gegen 30 Universitäten deutscher Zunge und an ihnen ebensoviel medizinische Fakultäten sorgen für den erforderlichen Nachwuchs. Was wollen dem gegenüber die paar Extraordinariate für Pädagogik an den deutschen Universitäten bedeuten! Zumal da auf durchschnittlich 60 Kinder und Jugendliche, d. h. auf etwa 300 Einwohner eine Lehrkraft zu rechnen ist. Man wird mir entgegenhalten, daß nicht jede Lehrkraft der Universitätsbildung bedürfe. Aber selbst, wenn man nur von jeder zehnten sie verlangen wollte — von Oberlehrern und Inspektoren zunächst, so gehörte schon jetzt an jede Universität eine ganze pädagogische Fakultät. Dabei ist die philosophische Fakultät keine pädagogische, sie kann und will es ihrer ganzen Aufgabe nach nicht sein. Wenn wir dann noch die Vertreter der Pädagogik an den Universitäten durchmustern, so sieht man — was durchaus nicht an der Person, sondern am ganzen System liegt — zweierlei: Eine im Vergleich zu dem Bedürfnis viel zu geringe historisch-theoretische Arbeitstätigkeit und ein fast völliger Mangel der Beziehungen zur pädagogischen Praxis. Ich denke dabei noch nicht an Unterrichtsmethodik und Organisation, sondern zunächst immer noch an die Gestaltung der Erziehungsziele. Denn auch ihre Formulierung kann nicht vom grünen Tische oder aus ideologischen Gedankengängen allein heraus erfolgen, sondern nur in steter Wechselbeziehung zur pädagogischen Praxis. Dies springt noch mehr in die Augen, wenn man außer den Hauptzielen die ganze Summe von Problemen ins Auge faßt, die sich mit den erzieherischen Unterzielen beschäftigt. Schon die Frage: Welches sind die Unterziele einer künftigen Erziehung? kann nicht beantwortet werden ohne genaue Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie sich dem praktischen Erzieher, der über die nötige philosophische und pädagogische Bildung verfügt, auftun. Noch viel mehr aber tritt die Notwendigkeit wissenschaftlicher Bearbeitung der Erziehungsfragen hervor, wenn wir die Unterrichts- und Erziehungsmethoden betrachten. Es wäre im höchsten Grade unwirtschaftlich, wenn wir da in der bisherigen Weise weiter arbeiten wollten. Diese läßt sich kennzeichnen als ein Konglomerat von Anlage und Erfahrung mit einem lockeren Bindemittel von hypothetischer Theorie. Das gibt zusammen eine Technik, welche auf der gleichen Stufe steht mit der des Handwerks früherer Zeiten oder mit der Landwirtschaft halb kultivierter Völker Europas oder mit der chinesischen Volkswirtschaft. Sie ist charakterisiert durch den Leitgedanken: So wird es gemacht! und wo eine Begründung hinzutritt, heißt sie: So hat es sich bewährt! Die theoretischen Begründungen aber sind oder waren meist von der gleichen Art wie die der Volksmedizin, wenn sie behauptet, Lindenblütentee „vertreibe“ das Fieber, dies „vertreibe“ ganz persönlich vorgestellt. Die letzten Jahrzehnte haben nun auf dem Gebiete der Erziehungs- und Unterrichtsmethoden einen gewaltigen Umschwung angebahnt. Er ist inauguriert worden von der experi- mentellen Psychologie. Sie hat den Erzieher eigentlich erst sehen gelehrt, hat ihm vor allem den Blick geschult für die physischen Differenzen der verschiedenen Lebensalter und Begabungen und für die tatsächlichen Wirkungen erziehlicher und unterrichtlicher Maßnahmen. Sie steht dabei nicht etwa am Ende ihres Könnens, ja noch nicht einmal auf der Höhe; sie entwickelt immer neue Zweige: die statistische, die gerichtliche, die Wirtschaftspsychologie usw. und veranlaßt ältere, wie die pädagogische, die Tier- und Völkerpsychologie zu neuem Wachstum und Blühen. Um nur einige-Beispiele aus jenem Umschwünge der Erziehungs- und Unterrichtsmethoden anzuführen: das Lesenlernen dauerte früher 2—8 Jahre; heute wird es, in der rechten Weise vorbereitet, in einem Vierteljahre erlernt. Der Rechenunterricht ist im Begriffe, sich völlig umzugestalten. Das Erlernen fremder Sprachen wird heute schon vielfach, und zwar mit recht gutem Erfolg, nach der „Reformmethode“ betrieben, welche von der neueren Psychologie sowohl Förderung wie Begrenzung erfährt. Die Naturwissenschaften sind im Begriffe, aus einem Doziergebiet in ein Experimentiergebiet sich umzuwandeln. Der Zeichen-, Turn- und Gesangunterricht hat ungeahnte Fortschritte erlebt. Der Religionsunterricht endlich wie der Deutschunterricht sucht in seinen Methoden das Herz zu fassen und nicht bloß den Verstand. In der Erziehung haben wir gelernt, die Wirkung der Ermahnung, der Behütung, der Strafe usw. ganz anders einzuschätzen, die Gewöhnung planmäßig zu gestalten u. v. a. m. Dabei stehen wir bei alledem erst in den Anfängen. Wir haben noch viel größere Fortschritte zu erwarten, falls wir uns entschließen können zu einer wissenschaftlichen Bearbeitung der Erziehungs- und Unterrichtsmethoden, einer wissenschaftlichen Bearbeitung allerdings, bei der Theorie und Praxis so Hand in Hand gehen, wie dies von den medizinischen Fakultäten in vorbildlicher Weise verwirklicht wird. Wie mit den Zielen und Methoden, so ist es auch mit der Organisation der Erziehung. Bisher rechnete jeder mit der gegebenen Organisation als mit etwas Festem. Selbst an eine leise Änderung der Grundlagen durfte eigentlich gar nicht gedacht werden. Man war der Meinung, nach und nach habe sich im Laufe der Zeit die gegenwärtige als die absolute beste herausgestellt. Von solchen Ansichten muß man sich freimachen. Alle Organisation kann nur relativ sein; andere Ziele verlangen andere Organisationen, und selbst bleibende Ziele können unter neuen Verhältnissen unmöglich mit den alten Organisationen verfolgt werden, wenn man nicht schweren Schaden leiden und dem konkurrierenden Gegner unterliegen will. Organisation ist das Wesen des Organischen; was organisch ist, lebt; Leben aber heißt Veränderung, nicht Kristallisation. Darum darf auch die Organisation der Erziehung nicht als starr betrachtet werden. Dabei sei gern zugegeben, daß auch in der jüngsten Vergangenheit mannigfache Organisationsänderungen diskutiert worden sind: Die Einführung von Schulküchen, Schulsparkassen, Schulbibliotheken, von Handfertigkeitsunterricht, von fremden Sprachen, von Schulzahnpflege, Veränderungen im Aufbau der Schulen, insbesondere der Mittelschulen, das Einsetzen irgend eines Faches und vieles andere. Aber der Anstoß zu solchen Organisationsänderungen entsprang vielfach politischen, vielfach auch zufälligen persönlichen Motiven. Und die Behandlung stand auf gleicher Stufe: irgend eine interessierte Persönlichkeit gewann seine Freunde für den betreffenden Gedanken; sie veranlaßten irgendeine öffentliche Körperschaft, jemanden an den Ort zu senden, wo die wünschenswerte Organisation schon bestand, und auf Grund des Berichts dieser Person unternahm man nun die Organisationsänderung oder vertagte sie. Das ist nun freilich kein exaktes, wissenschaftliches Anfassen einer solch eminent wichtigen Frage, eher ist es das Gegenteil. Und doch ist die wissenschaftliche Bearbeitung nicht nur aller Ziel- und Methodenfragen im Gebiete der Erziehung, sondern auch der Organisationsfragen dringend nötig. Ja, man kann ohne Übertreibung behaupten, daß dasjenige Volk zum geistigen und wirtschaftlichen Vorrang in der Welt berufen sein wird, das sich am ersten entschließen kann, die Organisation seines Erziehungswesens aus der Tradition zu lösen und sie auf wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Eine solche wissenschaftliche Arbeitsstelle, die wir uns als pädagogische Fakultät oder für den Anfang als pädagogischen Lehrstuhl mit pädagogischem Institut denken, müßte zunächst alle erreichbare Erfahrung des betreffenden Gebiets sammeln, auch die aus anderen Kulturländern stammende. Sie müßte die besonderen Umstände beobachten und feststellen, welche im einzelnen Falle die Grundlagen zu einer bestimmten Organisation gewesen sind. Sie hätte ferner die Bedingungen, Begrenzungen und Wirkungen der verschiedenen Organisationsformen zu erforschen. Endlich würde sie jede Organisationsfrage unter die großen Gesichtspunkte der allgemeinen Erziehungsziele zu stellen haben, um sie an ihnen zu orientieren, zu prüfen. Wir sind weit davon entfernt, zu behaupten, daß nun alles anders, vieles gestürzt werden müsse. Forschung ist nicht Umwälzung. Aber die Forschung, die Erkenntnis ist die erste und notwendigste Voraussetzung sowohl für Beibehaltung als auch für Änderung. Diese selbst aber kann nur in organischer Entwicklung und im Zusammenhänge mit dem Bestehenden erfolgen. Heute freilich geschieht es noch, daß sowohl Freunde des Bestehenden wie Freunde des Neuen ihre Meinung mit irrigen Gründen anpreisen. Das muß zunächst verhindert werden. Und mit ihrer Forschertätigkeit dann den gesetzgebenden Körperschaften ein zuverlässiges Material zur Verfügung stellen, aus dem die Interessenten freie Anregungen zu immer höherer Entwicklung ableiten könnten, und auf Grund dessen neue Organisationsversuche ins Leben gerufen werden könnten, die uns gestatten würden, den anderen Völkern immer eine Schrittlänge voraus zu sein. (Von der Schriftleitung im Druck hervorgehoben.) Man sieht, bei alledem handelt es sich nicht bloß um Fragen interner Natur, wie etwa nach dem zweckmäßigsten Bohrverfahren im Physik- oder Sprachunterricht, Fragen, welche die Fachleute unter sich austragen können. Hier handelt es sich vielmehr um solche, welche jeden Stand und jeden Beruf tief innerlichst an gehen, weil künftig aus allen Kindern des Volkes — auch aus denen des geneigten Lesers — das Höchste herausgeholt werden muß, was jedes leisten kann. Das kann und darf aber nicht mehr in der alten intuitiven und bequemen Weise geschehen, welche der Zeit vertraut und der eigenen Kraft des einzelnen, welche unendliche Fehlgriffe mit in Kauf nimmt und mit viel Schaden und Verlust arbeitet. Sondern unsere gesamte Erziehung, ihre Zielstellungen, ihre Methoden, ihre Organisationen ist daraufhin zu prüfen, und zwar in exakt wissenschaftlicher Weise zu prüfen, in welchem Maße sie fähig ist, die durchaus notwendige bessere Allgemeinbildung für die Stände der Zukunft zu liefern, das Kind, den Jugendlichen zum idealen Gemeinschaftsmenschen zu erziehen, für den vaterländischen Wehrdienst vorzubereiten, den beruflichen Ansprüchen des Lebens vorzuarbeiten und ihnen zu genügen. Ein Aufsatz im Heft 6 dieses Jahrganges von Reclams Universum erläutert, wo künftig überall gespart werden könne,1 und daß eine wissenschaftliche Durchforschung den höchsten wirtschaftlichen Gewinn verheißt. Er weist hin auf die reichen Ergebnisse, die das Institut für Kohlenforschung in Mülheim a. d. Ruhr schon aufzuweisen hat, obwohl es erst seit zwei Jahren besteht. Man darf versichert sein, daß in ähnlichem Sinne sich unsere gesamte Erziehung sich rationeller, rentabler und leistungsfähiger gestalten wird, wenn wir sie erst auf wissenschaftlich exakte Forschungsgrundlage gestellt haben werden. Wenn man dazu wünscht, daß in 15—20 Jahren eine Generation von Erziehern vorhanden sein soll, die der Höhe ihrer Aufgabe entspricht, so muß heute damit begonnen werden, den Erziehungswissenschaften 11 e i m e zu schaffen, in denen sie sich entwickeln können, d. h. an den Universitäten Lehrstühle und Institute zu gründen für praktische Pädagogik. Sie würden mit ihrer wissenschaftlichen Betonung und Durchdringung des Ganzen auch die geeignetsten Vermittler sein zwischen der idealen philosophischen Spekulation und der mehr erfahrungsgemäß betriebenen Unterrichtserziehung. Man hat Lehrstühle für praktische Theologie; und unsere Universitätsmediziner betätigen alle zugleich eine umfassende Praxis, meist als Vorsteher großer Krankenhäuser und Kliniken. Für praktische Forstkunde, praktische Landwirtschaft bestehen an den Universitäten besondere Abteilungen; für die wichtigste Praxis, die der Erziehung, dagegen noch nicht. Und doch sind die Menschen, die Kinder, ein ungleich größeres Kapital für den Staat als alle Ländereien zusammen. (Und die Ochsen und die Hunde, für die es Doktoren gibt! D. Sch.) In Norddeutschland ist der Gedanke der wissenschaftlichen Grundlegung der Pädagogik durch das Wirken eines Dinter, Schleiermacher, Herbart, Raumer u. v. a. stark zurückgedrängt worden. Süddeutschland hat sich oft freier gezeigt. Und Österreich könnte sich ein weltgeschichtliches Verdienst erwerben, wenn es die Initiative ergriffe in der Schaffung von Lehrstühlen für praktische Pädagogik, sei es innerhalb der philosophischen Fakultäten, sei es neben ihnen. Diese würden von solcher Gründung überdies einen ganz erheblichen Gewinn haben: sie könnten sich nach Wunsch zu Forschungsinstituten entwickeln, die nur der reinen Wissenschaft leben würden und nicht mehr nötig hätten, die Vorbereitung für das Lehramt mit zu übernehmen. — 1 Hans Eiden, Was wir sparen können. Aus dem reichen Strauß idealer Forderungen, den der verehrte Schriftleiter dieser Blätter in.seinem Aufruf zur Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens aufgestellt hat, möchte ich also ein Bliimlein herausholen, es als das wichtigste bezeichnen, und die von ihm repräsentierte Forderung als die dringlichste: den Grund zu legen für eine nicht mehr lediglich empirische, sondern wahrhaft wissenschaftliche Behandlung der Erziehungsfragen durch Errichtung von Lehrstühlen und Instituten für praktische Pädagogik. Der ideale wie materielle Gewinn wird ungeheuer sein und wird sich schon in kürzester Zeit bemerkbar machen. Kachwort der Schriff lcitung: Die grundlegenden Ausführungen des bekannten Leipziger Schulmannes treffen mit Bezug auf die in Österreich obwaltenden Verhältnisse „den Nagel auf den Kopf". — Zum ersten sei auf den Schluß „Es geht ja gut, die Erziehung Hat sich somit bewährt: Wozu also eine Erneuerung?" verwiesen. Ich habe die Wendung nicht nur ans dem Munde von Politikern und seitens hoher Beamter, sondern auch von einem führenden Schulmanne vernommen, doch niemals in militärischen Kreisen. Es ist zurzeit nicht rätlich, dieser Stimmenverteilung eine Erklärung beizufügen; allein das kann, das muß gesagt werden: Es hätte so manches besser und mit geringeren Opfern errungen werden können, wäre die geistige Rüstung so gewesen, wie wir sie wünschten und für dieZukunft wünschen. Nun tritt dazu noch der Gedanke an die neue Zeit! Glaubt man ihr mit dem zu genügen, was jetzt schon nicht mehr vollends auSreichte? Die Feinde bauen in der Erkenntnis, daß die Bildung im Weltkriege den Ausschlag gab, an einer neuen Schule — und wir, ihre Lehrmeister, sollen warten, bis sie uns eingeholt habenI — Zum zweiten möchte ich ans der gehaltvollen Arbeit Pros. Kiihnels den Hinweis auf eine dem praktischen Leben zugerückte wissenschaftliche Behandlung der Neuerungssragen bestrahlen. Das Wort „Wissenschaft" wird zumeist mit „Doktrin" gleichgesetzt; für uns muß es den Wert „Allgemeine Gültigkeit" haben. Was allumfassend ist, ist wissenschaftlich. Zumeist hat man im VerbalismnS die echte Wissenschaftlichkeit erblickt. — Zum dritten: Wir in Österreich waren auf dem besten Wege, der zur Pädagogischen Lehrkanzel mit praktischer Auswirkung führt.. Prof. Höfler in Wien schritt voran. Da tarnen die Bezopften und zeterten: „Nein, das nähme der Philosophie den goldenen Mantel!" und es kamen die Schulpotentaten und sagten: „Nein, das nähme der Praxis den strotzenden Saft!" So verdorrt denn unsere Wissenschaftliche Pädagogik zwischen Gold und Grüne. Für die Leser von „Schule und Vaterland" bedeutet der Beitrag Pros. Kiihnels ein Programm. Mögen sie, um auf dieser Grundlage zu bauen, ungesäumt daran gehen, Marmor und Mörtel herbeizuschaffen! — P. Eiserne Jugend. (Erstdruck.) Eisern den Leib! Eisern den Willen! Es gibt viel zu erfüllen! Die Zukunft will eiserne Männer haben und ihres Leibes und Geistes Gaben! Du sollst ihr Schaffer und Schützer sein, fest dich stellen in sie hinein I Und deine Seele soll sie beschwingen! Dein ganzes Sein in ihr blühen und klingen! Du bist sie und sie ist du! Bist du voll Kraft, geht’s gipfelzu! Aus der heiligen, eisernen Gegenwart leb’ dir ins Herz deine deutsche Art, von der du nie und nimmer läßt! Dann stehst du in allen Stürmen fest! Deine Jungheit nütze: Bereiten und bauen, mit hellen Augen die Welt erschauen! Halte dir Schild und Seele blank für deinen Menschen- und Kämpfergang! So blühst du der deutschen Zukunft entgegen und blühst dich in den eigenen Segen! — Auf daß dein Vaterland nimmer verderbe, sei der Heldenzeit heldiger Erbe, Eiserne Jugend! Relnhold Braun, Berlin. Österreichs Zukunft. -V !•' : f'i ' ' i.,: v.ll,' 5. Die Landeserziehungsanstalt in Eggenburg. ; i Wer auf der Fahrt Wien-Prag, bezw. Wien-Eger, von der Lehne herab, an der sich die lange Zeile der Wagen mühsam aufwärts windet, den Blick zutal streichen läßt, wird in einer Haltestelle, die dem Eisenroß Labung bietet, im Grund des weiten Bodens die Stadt mit der mächtigen Kirche, dem mittelalterlichen Giebelwerk und den guterhalteuen Burgmauern bewundert haben. Auch ich griff sdieses Stück immer wieder aus der Reihe vorüberhuschender Bilder. Nun war es mir endlich vergönnt, es näher zu besehen. Ein österreichisches Rothenburg ct. T. I Hätte es rechtzeitig seinen Sänger gesunden, es wäre zur Pilgerstätte für Verehrer der Kunst und des Wissenslgeworden. Eggenburg liegt auf dem Schwemmboden des Meeres, das vormals seine Wellen bisJtief in unsere Alpentäler warf. Stößt man hier mit dem Schuh in den Schotter, so kollern Zeugen der Vorzeit heraus. Das kundige Auge eines emsigen Forschers hat Tausende von seltenen Stücken erschaut, seine emsige Hand sie zutage7gefördert und in einend Hause, das die Stadt als Museum zur Verfügung stellte, zum geschlossenen Ganzen gefügt. Wer hier als Studierender weilt, mag sich in die Schätze schier einen Monat versenken. — Uns, die wir vor dem Städtchen haltmachten, um für Österreichs Zukunft einen Beitrag kennen zu lernen, ist nicht mehr als ein flüchtiger Blick in die Fülle aufgestapelter Reste der Vorzeit gegönnt. Wir wenden uns der Landeserziehungsanstalt, der Stätte planvoller Arbeit und zeitgemäßer Bildung, zu. In der Kanzlei ist ein Album aufgeschlagen, das uns die einzelnen Teile de- Gebäude-komplexes, der verschiedenen Beschäftigungsarten und der^einzelnen @inrichtungen'öorffl|rt, uns also im Bilde zeigt, was wir gleich hernach in Wirklichkeit sehen sollen. Die Methode ist gut: Da- Bild bereitet die ausnehmende Seele vor, es ist Anreiz zur Beschau des Konkretums. — Eine Mappe enthält Zuschriften unserer Heerführer und Widmungsbilder. Ein prächtiger Gedanke I Der Direktor der Anstalt hat an unsere Großen berichtet, daß von den zur Armee abgegebenen Schülern biSnun 42 ausgezeichnet wurden, daß die Zurückgebliebenen für den Felddienst vorgeschult werden, daß der Geist der großen Zeit durch die Räume wehe, daß darum ein Bild, ein Wort für die nachfolgenden @chülergefd)lechtet"bie*@nnnenmg"an den Weltkrieg und an die Führer unserer glorreichen Armee unauslöschlich festhalten würde. Und alle, alle, deren Name aus dem Feuerschein aufglänzt, haben sich mit Bild und Wort eingesunden: Erzherzog Tugen, Feldmarschall Conrad, die Generaloberste Köveß, Rohr, Böhm-Ermolli, Dank! usw. (Die Aussprüchc der einzelnen Kommandanten sollen im Verlaufe in unserer Zeitschrift veröffentlicht werden.) — Ein Bild an der Wand kündet den gefallenen Helden, einen 3850 Lehrer der Anstalt. Wohin das Auge blickt, überall tritt uns der Stiminungsgehalt des Tages entgegen.1 — Unser Rnndgang führt zu einem mächtigen Neubau. Er birgt Arbeitsstätten für Tischler, Schuster, Schneider, Schlosser, Binder und zeigt saubere, lichte Klassen. Beim Eintreten schnellen die erwachsenen Jungen empor; der Kommandoruf des Klassenobersten hat sie aus der Arbeit gerissen. Hci> militärische Zucht, sie hat was Bedeutungsvolles für die Zukunft- des Vaterlandes I Dieses Hindämmern und Zusammensinken schläfert den Geist ein, lähmt die Kraft und läßt niemals eine stramme Disziplin aufkommen. — Die Schüler sind just nicht durchwegs solche, denen Pallas nahegestanden, als sie in die Welt der Gedanken traten; der stiere Blick, der zusammengepreßte Mund, der harte Schnitt im Antlitz verrät bei vielen geistigen Rückstand. Nun heißt es, aus ihnen herauszulocken, was menschlicher Kunst nur irgendwie möglich ist, und das, was im Denken mangelt, durch das Geschick der Hände zu ersetzen. Sowie jeder Physisch-Invalide zur Arbeit geführt werden muß, und wenn er auch bloß ein Viertel beantragen vermag, so muß auch jeder geistige Viertelmensch in die große Wirtschaftsmaschine eingestellt werden. Dem dient die Anstalt mit ihrer ursprünglichen Aufgabe. Im Verlause ist der Hesamtanstcht der neuen Anstalt. Kreis ihrer Belange auf die gleichmäßige Ausbildung von Geist und Körper im Dienste der schaffenden Arbeit mit Bezug auf Begabte und Unbegabte ausgedehnt worden. An 800 Zöglinge haben im Frieden hier ein Schulungs- und Betätigungsfeld gefunden, darunter Besucher aus fernen Ländern, stammend aus vornehmen Familien. Pestalozzis Jfferten in Österreich. — Von besonderer Bedeutung erscheint im Hinblick auf die Zeitverhältnisse der Teil des Hauses, so er der Ausbildung fürs Feld dient. Schießscheiben, Figuren, Stutzen, Kriegsgerät aller Art, eine Sammlung von Trophäen, die die Schüler der Anstalt zugesandt, bilden eine 1 Aus der Anstalts-Kriegschronik. Das Gedenkblatt enthält: 1. Die Namen der Anstaltsangestellten und ehemaligen Zöglinge, die in dem Heldenkampfe um den Bestand unseres Vaterlandes diesem aus dem Felde der Ehre ihr Leben ruhmvoll geopfert haben: 1 Lehrer, 1 Beamter, 4 Aufseher, 16 ehemalige Zöglinge. — 2. Vermißt: 1 Lehrer, 1 Beamter und 3, ehemalige Zöglinge. — 3. In Kriegsgefangenschaft sind geraten: 1 Lehrer, 1 Aufseher und 5 ehemalige Zöglinge. — 4. Wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde wurden ausgezeichnet: Mit dem Eisernen Kreuz und Signum laudis 1 Beamter, mit Tapferkcilsmedaillen 2 Lehrer, 4 Aufseher und 42 ehemalige Zöglinge. — 5. Zur militärischen Dienstleistung anläßlich des Weltkrieges wurden einberusen: 11 Lehrer, 4 Beamte, 1 Gärtner, 32 Aufseher und 3 Kutscher, zusammen 51 Angestellte, und 302 ehemalige Zöglinge (soweit bekannt), darunter 30 als Kriegsfreiwillige. — 6. Die Kriegschronik der Erziehungsanstalt enthält alle wichtigen Daten aus dem Anstaltsleben. Von den eingerückten ehemaligen Zöglingen erhielt der Anstaltsdirektor bis jetzt 5000 Feldpostbriefe und -karten, die er auch alle beantwortet hat. Seit 5 Jahren finden in der Anstalt schon militärische Jugendvorbereitungskurse statt. 3851 Rüstkammer, aus der ein verständiges Erfassen der Not des Vaterlandes spricht. Würden alle Schulen in gleicher Weise Vorarbeiten, es bliebe der Armee viel Mühe erspart. — Baderäume mit Brausen, Schlafstätten, Speisezimmer u. a. kann uns in seiner Nettigkeit nicht mehr verwundern, nachdem wir überall strengste Ordnung wahrgenommen. Doch, da wir aus einer Loge hinausschauen ins weite Land und unser Führer erklärt: Sehen Sie, drunten die Ackerflächen sind unser Lehrsaal; hier regen sich die jungen Hände, hier schaffen sie, denn Arbeit heißt die Losung für die Zukunft unseres Vaterlandes, wird es uns klar: So manches Gymnasium im Reich wird nach diesem Muster ummodelliert werden müssen, um die Jugend zu dem zu bilden, wozu der Staat sie braucht. Die Landeserziehungsanstalt in Eggenburg im Lande Österreich unter der Enns wird für führende Männer zur Wallfahrt werden, wenn sie Güter, die das Schwert errungen und geschützt, sichern wollen. — Nachbemerkung: Wer sich über diesen Stimmungsaufsatz hinaus über Zweck und Einrichtungen Einzelheiten verschaffen will, wende sich an die Direktion mit dem Ersuchen um kostenlose Zusendung eines genauen Berichtes. Kleine Mitteilungen. 29.) Der Deutsche Bund für Erziehung und Unterricht hat in seiner Hauptversammlung zu Berlin beschlossen, einen (vierten) Deutschen Kongreß für Jugendbildung und Jugendkunde vorzubereiten, der in Berlin stattfinden soll, sobald die Weltlage eine solche Veranstaltung zuläßt. Sein Leitgedanke wird das Thema: „Erziehung und Beruf“ sein. Die Behandlung des Problems, das eine Fülle von Einzelfragen in sich schließt, ist so gedacht, daß zunächst die grundsätzlichen Fragen des Zusammenhangs zwischen Erziehung und Beruf zu erörtern sind: Welche Aufgaben hat die körperliche, geistige und sittliche Erziehung zu erfüllen, um einerseits allgemein den Menschen als Persönlichkeit und Glied seines Volkes zu bilden, anderseits ihn für seinen künftigen Beruf in bester Weise vorzubilden; wie weit fallen überhaupt die Wege zu beiden Zielen zusammen, wann und wie gehen sie auseinander? Welche Bedeutung haben gesellschaftliche, wirtschaftliche, nationale Gesichtspunkte und Ziele für das Erziehungswerk? Hieran schließt sich die wichtige organisatorische Frage: Inwieweit wird die Gliederung der Schule von unten nach oben sowie ihre Gabelung in verschiedene Zweige durch die beiden Hauptgesichtspunkte der Menschenbildung und der Berufsvorbildung bedingt? Dieses Problem steht zweifellos bereits in engster Beziehung zu dem weiteren: wann und wie läßt sich beim Kinde und Jugendlichen die Eignung für einen bestimmten Beruf oder wenigstens für eine engere Berufsgruppe mit einiger Sicherheit erkennen und welche Aufgaben erwachsen der Schule daraus? Hier haben neben dem Erzieher der Arzt, der Psychologe, aber auch der Kenner der Volkswirtschaft und die Vertreter der Berufe das Wort. Der Kongreß soll seinen Abschluß finden durch eine öffentliche Versammlung, in der die praktische Seite des Kongreßthemas in den Vordergrund zu rücken ist: Die Förderung der Begabten als Pflicht der Familie, der Gesellschaft, des Staates; das Berechtigungswesen; die Wertung der Berufe; der Kampf gegen Standesvorurteile und gegen die Überschätzung der akademischen Bildung. 30.) Aufruf. Von allen großen Pädagogen, wie Comenius, Pestalozzi, Fröbel u. a., wird die Familie rückhaltslos als die erste und wichtigste Stätte der Erziehung bezeichnet, und ganz allgemein gelten in unserem Volke die Eltern als die eigentlichen Erzieher des heran wachsenden Menschen. Die Pflege und Erziehung der Kinder — so will es nun einmal die Natur — ist für Väter und Mütter die schönste, aber auch zugleich die schwerste Aufgabe, die ihrer harrt. Kein Mensch kann sich ihr entziehen, der je die Verantwortung empfunden hat, die er seinen Kindern gegenüber trägt. Und doch wird von seiten der Öffentlichkeit fast nichts getan, um in irgendeiner Weise fördernd auf die häusliche Erziehung einzuwirken. Man überläßt die Eltern völlig sich selbst. Ohne jede Erfahrung auf diesem Gebiete und oft sogar ohne die einfachsten Kenntnisse in Dingen der Erziehung beginnt jedes junge Elternpaar die Erziehungsarbeit an seinen Kindern, als wäre es das einfachste und leichteste Geschäft der Welt. Was durch diese Sorglosigkeit an Menschen kraft und Menschenglück schon verkümmert und verloren gegangen ist, weiß jeder, der Welt und Menschen kennt. In unseren Tagen, wo infolge der furchtbaren Opfer dieses Krieges und des immer mehr zunehmenden Rückganges der Geburten die Aufzucht des jungen Geschlechts und die höchstmögliche Entfaltung aller vorhandenen Kräfte unseres Volkes eine der dringendsten nationalen Aufgaben geworden ist, muß hier unbedingt Wandel geschaffen werden. Es darf nichts Vorhandenes mehr nutzlos 3852 verloren gehen. Jedes einzelne Kind unseres Volkes stellt einen Wert dar, den wir im Interesse des Ganzen erhalten und steigern müssen, soweit er dazu fähig ist. Das kann nur geschehen durch Erziehung. Nur wenn alle schlummernden Kräfte im Volke frei gemacht, wenn möglichst die gesamte Jugend unseres Volkes von Haus aus nach Vernunft- und zeitgemäßen Grundsätzen herangebildet wird zu einem gesunden, arbeitsfreudigen und innerlich tüchtigen Geschlecht, nur dann kann unsere Nation für die Dauer bestehen in all den schweren politischen und wirtschaftlichen Kämpfen, die uns die Zukunft bringen wird. ' Die „Deutsche Gesellschaft zur Förderung häuslicher Erziehung“ will an ihrem Teil zu dieser Ertüchtigung unseres Volkes beitragen. Wohl weiß sie, daß sie nicht allein alles leisten kann. Noch zahlreiche andere Kräfte sind nötig, um eine durchgreifende bessere Erziehung unseres gesamten Volkes herbeizuführen. Aber sie weiß auch, daß in den Grenzen, die sie sich gezogen hat, gerade ihre Arbeit dringend notwendig ist, will sie doch mit allen Kräften dort einsetzen, wo bisher noch am wenigsten geschehen, wo daher Abhilfe am notwendigsten ist, nämlich in einer umfassenden Belehrung der Eltern in Fragen der Erziehung. Nur auf diesem Wege ist eine allgemeine Förderung der häuslichen Erziehung wirklich möglich. Zwei Aufgaben sind es, an deren Lösung die „Deutsche Gesellschaft“ daher vor allem herantreten muß: 1. Es ist bereits viel Gutes und Nützliches über Erziehung gesagt und geschrieben worden. Unsere gesamte praktische Erziehung könnte schon jetzt wesentlich besser sein, wenn nur wenigstens die wichtigsten der vorhandenen pädagogischen Gedanken und Grundsätze allgemein bekannt wären und befolgt würden. Die meisten derselben sind aber nur in größeren Zusammenhängen erschienen, meist in philosophisch- oder schulpädagogischen Werken und haben daher noch nicht den Weg zu der breiten Masse der Eltern finden können. Es fehlte bisher an einer großzügig arbeitenden Vermittelungsstelle für diesen Zweck. Die „Deutsche Gesellschaft“ will diese Lücke ausfüllen. Sie will mit dazu helfen, daß die reichen Gedankenschätze unserer großen Pädagogen Allgemeingut des deutschen Volkes werden. * 2. Zu erfolgreicher praktischer Erziehungsarbeit gehören aber neben allgemeinen Grundsätzen notwendig auch tatsächlich gemachte Erziehungserfahrungen. Auf fast allen Gebieten der menschlichen Betätigung besteht die Möglichkeit, daß bis zu einem gewissen Grade die jüngere Generation sich die Erfahrung der älteren nutzbar machen kann. Nur in der Erziehung geschieht dies noch nicht in dem Umfange, wie es wünschenswert wäre. Hier sinken gewöhnlich, unbenutzt von dem nachfolgenden Geschlechts, die reichen persönlich erworbenen Erfahrungen von tausend und abertausend tüchtigen Vätern und Müttern mit diesen ins Grab. Und alle jungen Eltern beginnen dann gewöhnlich wieder von vorn, wenn die Pflichten der Erziehung an sie herantreten. Die „Deutsche Gesellschaft“ will versuchen, hier fördernd einzugreifen und wenigstens einen Teil nützlicher Erziehungserfahrungen der reifen Generation vor dem Untergange zu bewahren und sie nutzbar zu machen für die neu heran wachsenden jungen Eltern und Erzieher. Zur Lösung dieser beiden Aufgaben ist folgendes nötig: 1. Sammlung und kritische Bearbeitung der einschlägigen Erziehungsliteratur sowie wertvoller Erziehungserfahrungen in einem dazu geeigneten wissenschaftlichen Institute; 2. Verbreitung gesunder Erziehungsgrundsätze und praktischer Erziehungserfahrungen in großem Stil a) durch Eltern beratungssteilen, b) durch Aufsätze und Notizen in der Tagespresse, c) durch volkstümliche Vorträge über Erziehungsfragen, d) durch eine besondere Zeitschrift für häusliche Erziehung und e) durch Herausgabe einer Sammlung billiger und guter Erziehungsschriften. Die unter d) genannte Zeitschrift für häusliche Erziehung wird allen Mitgliedern unentgeltlich geliefert. Ebenso ist für sie die Benutzung der pädagogischen Elternberatungsstellen kostenlos. Weitere Rechte der Mitglieder sind ersichtlich aus § 6 der „Satzungen“. — Um die Arbeit der „Deutschen Gesellschaft“ möglichst weiten Kreisen unseres Volkes nutzbar machen zu können, ist die Mitgliedschaft ' bereits durch Zahlung eines jährlichen Mindest-Beitrages von drei Mark zu erwerben. Pädagogische Fachleute und Eltern müssen in der „Deutschen Gesellschaft“ zusammen arbeiten. Nur wenn das geschieht, nur wenn die „Deutsche Gesellschaft“ Widerhall findet vor allem in den Kreisen der deutschen Eltern und wenn ihr damit jede notwendige ideelle als auch finanzielle Unterstützung zuteil wird, nur dann kann sie das große nationale Werk in Angriff nehmen, das auszuführen sie sich vorgenommen hat. Eingesendet. litt? (Aeörr-Märst. \ ß f f Q U4.Aa»r.» 1.158-159. für Öen flbltiliiiigstiimrricbi Monatschrist zur Förderung der österr. Landsqulwesen». e«uo«flCbiilt einschl. von „Schule und Vaterland" Schriftleiter: »eichäftttche« au«Ichlle«ttch T3 Preis <ü ■o Kasse Parteien mit Kopfzah Gesamtzahl Personen Mehlmenge Aufteilung einzeln zusammen Parteien Gesamtzahl Personen K h 70 1 70 48 33 19 29 68 68 15 10 39 X 68 31 2 62 96 66 38 58 31 62 58 X 31 30 20 1 18 18 864 594 270 338 181 519 1 18 700 673 Kriegskrone der „Bl.“ (Schlußliste.) Marianne Fraß, Lehrerin in Wien 2. — Rudolf Delpos, Schulleiter in Ragelsdorf 2. — Hans Svoboda, Lehrer in Langegg I. — Markus Koge’nigg, Obi. in Eberndorf 1. — E. Anthes, Lehrerin in Galatz, Rumänien 2. — S. Müller, Lehrerin in (jalatz 2. — K. Bliem, Lehrerin in Galatz 2. — M. Striedinger, Lehrerin in Galatz 3. — K. Wanderer, Schll. in Wetzleinsdorf I SO. — G. Meier, Obi. in Köstendorf 1. — A. Kokotek, Schll. in Riedering 1. — Zweiglehrerverein in Ottensheim 1. — K. Suchy, Oberlehrer in Groß-Engersdorf 1. — Schulleitung in Klein St. Paul 1. — J. Burgstaller, Obi. in Schönering 1. — Priv. Lehrerinnenbildungsanstalt in Bielitz 2. — Volksschule in Matzdorf bei Bielitz 1. — Ed. Forstner, Schll. 1. — Math. Schinko, Lehrerin in Alt Melon 1. — J. Brunecker in Wlasenka 1. — Hedw. Kern, Lehrerin in Graz 1. — Fr. Vojacek, Schll. in Ratsch 1. — J. Haselbach, Obi. in Wolla 1. — Lehrerverein in Eferding 1. — Ortsschulrat in Reichenau 1. — Schulleitung in Neulengbach 1. Anmerkung: Hiemit sei die von uns eingeleitete Sammlung zur Unterstützung von Witwen nach gefallenen Lehrern vorläufig abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit wird bemerkt, daß noch ein bedeutender Rest der Verteilung harrt. Anspruchschreiben mit der Bestätigung des f. k. BezirkSschulinspeklor» oder des Lehrer-Vereines an die Schriftleitung „Schule und Vaterland", Wien 8., Lange Gasse 44. D. Sch. An die Jünger. Geist-Erwecker und Geist-Erstarker, das müssen wir sein; sonst Wird uns das Lehren zur Qual, Kindern das Lernen zur Last. -rnst Krelmnt. Im Zeichen des Krieges. Lelirversuche. (4. Jahrgang.) Kämpfe der Germanen gegen die Römer. (Geschichte.) So wie heute hatten die Deutschen vor Jahrhunderten mit einem mächtigen Gegner zu kämpfen, der aus der ganzen Welt seine Hilfsvölker heranzog. — Wie wir in dem jetzigen Kriege sehen, siegt Mut und das Gefühl, im Rechte zu sein, über die Übermacht. Beurteilung. (Rechnen.) Wieviel K verdient ein Arbeiter unserer Munitionsfabrik täglich? (10 K) Warum ist der Lohn so hoch? (gefährliche Arbeit, Kriegszeit, Nachtschicht, Arbeitermangel.) Wieviel verdiente er in Friedenszeiten? (4—C K.) Teilregel. (Rechnen.) Ausgegangen wird von der Kriegsanleihe. Wem borgen wir das Geld? — Wozu? — Wer hat auf die gemeinsame Anleihe gezeichnet? Wieviel? — Wessen Eltern haben gezeichnet? Wie groß sind die Zinsen für 100 K in 1 Jahre? Grüße auf eine Feldpostkarte. (Aufsatz.) Unsere Soldaten müssen immer wieder zu hören bekommen, daß wir ihrer in Dankbarkeit und Liebe gedenken. Das stärkt ihren Mut und entschädigt sie für die vielen Entbehrungen, die sie für uns erdulden. — Sie empfinden nicht einen Gruß von fremden Menschen, die Heimat grüßt sie, die Heimat, für die sie ihr Leben hingeben . . . Schwert und Pflug. (Lesen.) Das Schloß zerfiel, das Schwert ist längst zerhauen . . . Denkt an die starken Festungen im Feindesland, die unseren „Dreißiger Mörsern“ nicht standhalten konnten ... Es wird eine Zeit kommen, da wieder der Bauer den Pflug über die heutigen Schlachtfelder zieht und vielleicht einen rostigen Säbel herausackert. — Schön ist der Friede — aber gerecht ist der Kampf für das Vaterland . . . Die Türken. (Geschichte.) Oft standen sie uns als Feinde gegenüber; wir mußten alle Kraft auf bieten, um dieses tapfere Volk zurückzuweisen. — Jetzt helfen sie uns als treue, tapfere 'Kampfgenossen, als wollten sie alles Leid gutmachen, das sie uns zugefügt . . . Der Krieg gegen Serbien und Rußland. (Geschichte.) Gegen die Serben kämpfte auch der euch vom Schießkurs bekannte Herr Ilauptmann Stolz; er starb als Held fürs Vaterland. Sein Bild ist zum ewigen Gedächtnis im Festsaale aufgehängt worden. — Bei der siegreichen Offensive befehligte auch der ehemalige Kommandant unserer Akademie F. M. L. R. eine größere Truppenabteilung. Die Karte des heimatlichen Bezirkes. (Geographie.) Kartenlesen ist sehr notwendig. Unsere Truppen sind deshalb im Vorteile, weil so viele Unteroffiziere und selbst Gemeine gut Karten lesen können. — Unsere Offiziere können auch gut Karten zeichnen . . . Ihr müßt schon deshalb trachten, die Landkarte zu verstehen, damit ihr einmal tüchtige Soldaten werdet. . . Zeichen für Orte. (Geographie.) Wieviele Einwohner zählt das Dorf? Wieviele Häuser mögen dort sein? Könnte man in den Scheunen ein Regiment unterbringen? Übungsschullehrer Josef Heitzenberger. Allerlei Schulpraxis. 15. Schreiblesen. Als Ziel des Schreibleseunterrichtes habe ich mir ein geläufiges Diktatschreiben vorgestekt. Bei jedem neudurchgenommenen Buchstaben werden die bisherigen als Diktat, zuerst mit Vorschreiben an der Schultafel, bald schon geht es ohne Vorschreiben, auf die Schiefertafel niedergeschrieben, ln, meistens vor jeder Schreiblesestunde wird durch 2—3 Minuten lautiert. Hiedurch wird das Ohr der A-B-L-Schützen geschult und jeder, welcher die Buchstaben kennt, lernt dabei lesen. Mehr noch als das Zusammenstellen im Setzkasten und das Schreiblesen an der Schultafel wird Niederschreiben von Wörtern, bald auch von Sätzen ständig geübt auf der Schiefertafel. Ein mechanisches Auswendiglesen gibt es bei mir nicht, da ich meistens die Silben in ihrer Reihenfolge von hinten lesen lasse. Anfangs geht das Lesen wohl schwerfällig, bald aber geht es spielend weiter und ich tausche dann mit keinem Elementarlehrer an einer höher organisierten Schule. Hermann Niesner, irmsdorf. 3858 Am heimatlichen Herd. (Heimatkunde.) Von Friedrich Walser, Oberlehrer in Steinbach am Ziehberge, Oberösterreich. 1. Im Tale wurden in letzterer Zeit zahlreiche Sparherdküchen errichtet, die sogenannten „schwarzen Küchen“ aufgelassen. Heute wollen wir einmal sehen, wie in früherer Zeit die Feuerstelle im Hause aussah. 2 a) Beschreibung der Sparherdküche. b) Schwarze Küche. Mauersockel in einer Höhe von etwa 70-80 cm. Offenes Feuer. Abzug des Rauches durch eine Öffnung im Dache, oft auch in der Tür oder in der Seitenwand (in Almhütten allgemein gebräuchlich). Kein Rauchfang (Kamin). Dreifuß, auf welchem Hafen und Pfannen über das Feuer gestellt wurden. Auch Vorrichtungen, welche seitwärts des Feuers oder in der Wand angebracht sind und die Kochgeschirre über das Feuer hielten (solche vorzeigen 1). Kessel wurden auch an Ketten über das Feuer gebracht. Oft wurden die Hafen auch nur „an das Feuer“ gestellt — die Wärme wirkte nur von einer Seite ein. Vorteile der „Sparherdküche“: Holz- und Kohlenersparnis, reines Arbeiten, wenig Rauch. Reinlichkeit der Umgebung und des Geschirres. Keine Schädigung des Augenlichtes. Keine Feuersgefahr u. a. Nachteile: Nachteile: Verschwendung des Holzes, große Feuers- Teuere Herstellungsweise von fach-gefahr, Schmutz und Ruß. Schädigung des kundigen Handwerkern. Augenlichtes durch Rauch und Ruß u. a. Früher freie Feuerstelle, wie heute noch bei den Wilden. Ewiges Feuer, da Zünd-mittel schwer zugänglich und schwer erhältlich. Schwefelholz, Zündschwamm durch das Kriegsleben wieder zur Geltung gelangt. Reiben von trockenen Hölzern, Feuerschlagen usw. Feuerstelle im Kamin — ähnlich der heutigen Esse in der Schmiede (sieh Bild „Im Rittersaale“!). Herd und Feuerstelle infolge der kalten Gegend und auch bei Zubereitung der Speisen von größter Wohltat. („Eigener Herd ist goldeswert!“) Abends versammeln sich die Hausbewohner um die Feuerstelle — auf der Ofenbank. Auf dem Backofen eine Liegestätte, die vom Hausvater an freien Winterstunden als Ruheplätzchen aufgesucht wird. Backofen, Küchenofen und Zimmerofen unter einer Heizung vereinigt. Leben und Treiben auf der Ofenbank: Späne machen, Spinnen Rauchen, Erholungsstunde, Geschichten erzählen (Räuber-, Geister- und Gespenstergeschichten spielen eine Hauptrolle), Stricken, Flicken, Spielen. Feuer war den Germanen heilig infolge der Wohltat, die es spendet (Sonnwendfeier, Feuerweihe am Karsamstag — „Guten Abend“, wenn Licht angezündet wird usf.). Früher bildete das Herdfeuer auch die Beleuchtung — Licht im Bauernhause heute noch ungenügend und schlecht. Gesundheitliches: fleißig lüften — frische Luft wärmt schneller als schlechte. Kleidertrocknen um den Ofen gesundheitlich von Nachteil. Richtige Temperatur. 3. Feuerstelle: Licht- und Wärmequelle, alles gemütliche Leben spielt sich um sie herum ab. Anhänglichkeit an die alte Feuerstelle daher begründet. 4. Heutige Licht- und Wärmequellen und frühere usw. Sprichwörter: „Eigener Herd ist goldeswert.“ „Eigenen Herd gründen“ — selbständig machen usVv.) 5. Niederschrift gewonnener Ausdrücke: Span, Späne, Pfanne, Esse, Kamin, Dreifuß, Spinnrocken, Backofen, Feuerstelle. Preise einst und jetzt usw. Vorteile der „schwarzen Küche“: Billige, einfache, keinen Fachmann benötigende Einrichtung dieser Küche. Jeder Maurer kann die Feuerstelle her-richten und ausbessern. Die Wechselnde. 39. Frage: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Zeichnen nach der Natur gemacht? 2. Urteil. Ferdinand Barta, Lehrer in Neumarktl, Krain. — Meine ersten Versuche im Zeichnen nach der Natur in den mittleren Klassen der Volksschule schienen so zweifelhaften Erfolg aufzuweisen, daß mir bald die Freude an den weiteren Versuchen auf diesem Gebiete vergehen wollte. Doch durch Studium einiger Werke über das moderne Zeichnen, durch Heraussuchen brauchbarer, der Altersstufe der Schüler und deren Fähigkeit und Fassungskraft halbwegs angepaßter Zeichenübungen aus den einzelnen Werken und durch stete, fortgesetzte, systematische Übungen, sich durch Mißerfolge nicht irremachen lassend, bahnte sich auf einmal der Unterricht auf diesem Gebiete einen Weg, der schließlich zu einem erfreulichen Erfolge führte. Jetzt nach fünfjähriger Praxis im Zeichnen nach der Natur, nach sorgfältiger Sichtung des Stoffes, nach Aneignung einer praktischen Methode ist mir ein anderer Unterricht im Zeichnen, der nur ähnlichen Erfolg aufweisen und das gleiche Interesse bei den Schulkindern erwecken könnte, unerklärlich, bietet uns doch das Zeichnen nach der Natur ein Mittel, das manchen Stoff aus den Realien mit dem Zeichenunterrichte verbinden läßt und den Realienunterricht interessanter gestaltet. In der ersten und zweiten Klasse soll der Zeichenunterricht Vorübungen im Zeichnen nach der Natur bringen, die den Kindern eine Anleitung bieten, welche sie auf das Zeichnen nach dem wirklichen Gegenstände (Natur) vorbereiten. Man gewöhne die Kinder schon in den niederen Klassen an eine leichte, zarte und schöne Strichführung. Bei den Übungen der mittleren Klassen sind Gegenstände in geometrischer Ansicht (in der Ebene, flach) dargestellt zu bieten, um die Kinder vorerst mit den geometrischen Elementarbegriffen und den geometrischen Flächen und Figuren in ihren verschiedenen Größen und Formen bekanntzumachen. Die Zeichnungen der oberen Klassen sollen Darstellungen von Gegenständen in perspektivischer Ansicht bringen. Bei diesem Zeichnen lernen die Schüler richtig und tüchtig sehen, schätzen, messen, vergleichen, vergrößern und verkleinern. Sie lernen vorerst die Hauptgrößenverhältnisse beobachten. Sie haben vorerst in großen Zügen mit leichten Strichen zu entwerfen. Dann folgt erst der Entwurf der Einzeln-heilen (Details) und nach diesen die Reinzeichnung. Sauberkeit, Sorgfältigkeit, Pünktlichkeit und hübsche, geschmackvolle Anordnung der Zeichnungen auf die Zeichenfläche werden angewöhnt werden müssen. Es ergab sich da eine reiche Fülle von Stoff, wie: Fahnen, Briefumschläge, Blumentöpfe, offenes Fenster, Kübeln, Schalen, Drachen, Blumen, Blüten, Blätter, Früchte; Gewehre, Bajonette, Kanonen, Mörser, Granaten, Schlachtschiffe, Luftschiffe, Soldaten, Bosniaken, Türken, Ungarn, Bauern, Katze, Hund, Bär, Fuchs, Raben, Hühner, Thermometer, Heronsball, Barometer, Wage, Druck- und Säugpumpe, Häuser, Schlösser, Ruinen, freie Landschaften und schließlich Schlachtenbilder. Farbstift, und Farben karg und richtig gebraucht, setzen dem Werke die Krone auf. Ich wiederhole nochmals: Der Erfolg im Zeichnen nach der Natur ist ein unausbleiblich sehr guter bei einigem Fleiße, genauer Vorbereitung und ein bißchen Geduld. Die Kinder zeigen das regste Interesse und sehen jeder Zeichenstunde mit Freuden entgegen. 44. Frage. Förderklasse oder nicht? 1. Urteil. Aus der „Freien Lehrerzeitung“ Nr. 40: Vor etwa mehr als einem Jahrzehnte machte die aufstrebende badensische Industriestadt Mannheim durch die grundlegende Umgestaltung des Unterrichtsbetriebes in ihren Volksschulen im ganzen gebildeten Europa von sich reden, und in der gesamten Schul- und Tagespresse meldeten sich unzählige Freunde und Gegner des neuartigen Versuches. Seitdem ist es allerdings im literarischen Blätterwalde bezüglich des „Mannheimer Systems“, wie es genannt wurde, wieder ziemlich stille geworden. Doch nicht so in den Kreisen jener Berufenen, denen die Sorge um die Pflege und das Gedeihen wahrer Volksbildung ernsthaft am Herzen liegt. Denn diese hielten ihre Blicke unausgesetzt auf die kühne Schulstadt gerichtet, um zu ersehen, ob das vielverheißende Experiment auch die auf dasselbe gestellten Erwartungen rechtfertige oder nicht. Und die Mannheimer Volksfreunde können schon heute mit Genugtuung und Stolz auf ihr vielbekämpftes Reformwerk zurückblicken, denn nicht weniger als 41 Städte des In- und Auslandes haben die Mannheimer Schulvorschläge — hie und da allerdings mit teilweisen Änderungen — zu den ihren gemacht und in Mannheim selbst ist jede Spur eines Widerstandes dagegen vollständig verstummt. Worin unterscheidet sich nun das neue System Mannheims, dessen geistiger Urheber und mannhafter Verfechter der dortige Stadtschulrat Dr. Sikkinger ist, von den Schuleinrichtungen anderer Städte? Schulrat Dr. Sikkinger ging bei seinen Vorschlägen von dem allgemein anerkannten Grundsätze „Gleiches Recht für alle“ aus. Auf die Art und Weise der Entwickelung der geistigen Fähigkeiten der Kinder in der Schule übertragen, interpretierte er ihn dahin, daß diese Gleichheit nicht darin bestehen könne, daß die geistig höherstehenden Kinder gezwungen werden, tage- und wochenlang ohne gleichzeitige eigene Förderung zusehen zu müssen, wie der Lehrer sich mit ihren minderbegabten Kameraden abmühe, um auch diese auf ein nur halbwegs erkleckliches Ziel hinaufzuheben, sondern die wahre Gleichheit bestehe hier darin, daß jede der beiden Gruppen in einer ihrem verschiedenen Kräfteausmaße entsprechenden Weise beschäftigt und ausgebildet werde. Somit gestaltete sich für ihn das „Gleichsein aller“ gegenüber der in der Schule zu leistenden Geistesarbeit in den anderen berechtigten Grundsatz um: Jedem das Seine! Und dementsprechend teilte man nach dem Mannheimer System die Schulkinder der Stadt nicht nur in zwei, sondern sogar in drei verschiedene Gruppen ein, u. zw. 1. Die guten, die normalbefähigten Kinder, die in den sog. Hauptklassen unterrichtet werden. 2. Die mindergut veranlagten Kinder, die in die sog. Förderklassen kommen und 3. die schwachsinnigen oder die nahezu schwachsinnigen Kinder in den Hilfsklassen. Doch hat es bei dieser Dreiteilung der Kinder in Mannheim nicht sein alleiniges Bewandtnis. Denn damit wäre an sich nur herzlich wenig erreicht, wenn nicht noch zwei weitere Faktoren hinzuträten. Das ist erstens die Bestimmung der Schülerzahl für jede einzelne Klasse und zweitens die materielle Hebung und Sicherstellung des Lehrstandes Denn von einem wirtschaftlich kläglich und sorgenvoll gestellten Lehrer kann im Ernste niemand erwarten, daß er auf die Dauer auch sehr gut beanlagte Schüler erheblich fördern würde, und das um so weniger, je mehr Schüler man ihm etwa aufbürden wollte. Demgemäß ging man in Mannheim vor allem daran, dem Lehrer eine seinem hohen Werte als berufenen Förderer der Geistesbildung der jungen Söhne und Töchter der Stadt unabhängige und angesehene wirtschaftliche Stellung un:er den ihnen ähnlichen Berufsarten zu sichern durch Bewilligung von Gehaltsansätzen und zeitgemäße Erhöhung derselben, an die die Bezahlung der Lehrerschaft anderer, selbst weit größerer Städte allerdings nicht hinanreicht. Zweitens wurde bestimmt: In die Hauptklassen, in denen die gut- und bestbegabten Kinder unterrichtet werden, dürfen höchstens 44 Schüler, in die Förderklassen, wohin die Minderbegabten eingereiht werden, höchstens 30 und in die Hilfsklassen nur 20 Schüler eingere ht werden. Den Lehrern bleibt es zumeist freigestellt, in welchen der drei verschiedenen Befähigungsgruppen sie sich unterrichtlich verwenden lassen wollen, so daß auch hier sowohl Neigung als auch besondere Art der Befähigung zur Geltung kommen können. Das Schulsystem ist für alle Gruppen, Knaben sowohl wie Mädchen achtklassig. Daß es in Mannheim bei den geschilderten Einrichtungen nur sehr wenige Kinder geben kann, die eine oder gar mehrere Klassen wiederholen müssen, ist selbstverständlich. Denn abgesehen davon, daß die Förder- und Hilfsklassen verhälinismäßig nur wenige Schüler zählen, ist dort außerdem noch die Einrichtung getroffen, daß auch diese wenigen in den Hauptgegenständen noch in geteilten Gruppen, u. zw. als Bessere und Geringere gesondert unterrichtet werden. Bei einer derartigen Intensität unterrichtlicher Beeinflussung kann es natürlich auch ganz gut verkommen, daß einzelne anfänglich mühevoller arbeitende Kinder sich nach und nach derart geistig hinaufarbeiten, daß ihnen der Übertritt z. B. aus der Hilfs- in die Förderklasse oder ein solcher aus dieser in die Hauptklasse gestattet werden kann. — Und ein derartiger Übertritt ist tatsächlich auf allen Jahresstufen als ein möglicher vorgesehen. Anderseits brauchen schwächere Kinder der Hauptklassen oder solche, die einen sehr bedeutenden Teil der Unterrichtszeit durch Krankheit versäumten, nicht gezwungen zu werden, in Gemeinschaft mit jüngeren Kindern das bereits einmal durchgenommene Jahrespensum wiederholen zu müssen; sie werden zu ihren gleichalterigen Genossen in die Förderklasse übersetzt, woselbst ihnen bei Fleiß oder andere Unterstützung jederzeit die Möglichkeit einer Rückversetzung in die Hauptklasse geboten wird. Für die schwächsten Schtilergruppen, die trotz aller angewendeten Sorgfalt nicht in die 8., 7. oder 6. Klasse gelangen können, sind nach der 4, 5. oder 6. Klasse besondere Abschlußklassen vorgesehen, in denen diesen Kindern noch die allernotwendigsten Kenntnisse für ihr späteres Leben beigebracht werden. Ebenso ist in den Hauptklassen für jene Schüler, welche in ein Gymnasium oder in eine Realschule übertreten wollen, ein besonderer Vorbereitungsunterricht eingeführt, in dem ein für diesen Zweck besonders gefestigtes Können in Sprache, Rechnen und Lateinschreiben zu vermitteln gesucht wird. Aber nicht das allein. Mannheim hat auch für geregelten Knabenhandarbeitsunterricht vorgesorgt, der von mehr als 50% der Kinder besucht wird, für Unterricht in französischer Sprache, sowie dafür, daß Kinder, die z. B. im Zeichnen oder in einem anderen Fache eine ganz besondere Befähigung zeigen, auch eine dieser Befähigung entsprechende besondere Ausbildung zuteil wird, wie überhaupt der Zeichenunterricht nicht vom Klassenlehrer, sondern von einem besonders befähigten Zeichenlehrer erteilt wird. Eine nicht mindere Sorgfalt wird dem Turnunterrichte und dem Jugendspiele zugewendet. Turnen wird, wo immer tunlich in Verbindung mit Musik erteilt; in jedem Turnsaale ist ein Klavier vorhanden. Daß die Stadt auch die mit der Schulerziehung im Zusammenhänge stehenden Wohlfahrtseinrichtungen mit besonderer Sorgfalt ausgebildet hat, ist wohl selbstverständlich. So hat sie Schulärzte angestellt, die neben diesem Amte keine sonstige Praxis ausüben dürfen, damit ihre gesamte Kraft der Jagend gesichert bleibe. In den neuen Schul-häusern — alljährlich wachsen 800 bis 1000 Kinder zu — sind Schulbäder und Schulküchen eingerichtet. Arme Kinder erhallen unentgeltlich Lehrmittel, sowie, wenn, nötig, auf den Straßenbahnen freie Fahrt zur Schule. Für regelmäßige Ausflüge in den Odenwald ist ebensogut vorgesorgt wie für die Aufführung klassischer Theaterstücke für die älteren Schülerabteilungen. Knaben- und Mädchenhorte für Kinder, deren Eltern tagsüber außer dem Hause beschäftigt sind, sind eingerichtet und gebrechlichen Kindern, welche die Schule nicht besuchen können, wird auf Kosten der Stadt Privatunterricht erteilt usw. Es ist selbstverständlich, daß eine Schulpflege, wie die geschilderte in hervorragender Weise die Finanzkräfte der Stadt in Anspruch nehmen muß. ln den letzten 20 Jahren ist denn auch der Schulaufwand um 829% gestiegen und beträgt nun nahezu ein Viertel sämtlicher Ausgaben des Stadthaushaltes. Die Schülerzahl stieg in der gleichen Zeit um 289% und die der Lehrer um 437%. Alles in allem: Ein Schulwesen, dem sich wohl kaum ein zweites an die Seite setzen läßt. Die hier im Dienste der Erziehung und Jugendbildung geleistete Opferwilligkeit ist eine großartige wirtschaftliche, soziale und patriotische Tat. Sie entspringt der Erkenntnis, daß sowohl im persönlichen Einzelkampfe als auch im Ringen der Völker und Staaten nur der den Sieg davon trägt, der durch Kraft, durch Bildung und Wissen den Gegner überragt. Die Herrschaft fällt überall dem Tüchtigsten zu, und der Untüchtige, sei dies geistig, sei es körperlich, unterliegt und wird in die dienende Stellung hinabgerungen. Das zeigte erst vor kurzem wieder der Kampf des kleinen, geistig regsamen Japan mit dem Riesen Rußland, das zeigt nicht minder auch der beachtenswerte Aufschwung, den die slawischen Völker in Österreich seit der Einführung des 1869er Schulgesetzes genommen haben! Ein Volk, ein Staat, eine Stadt, die zu dieser Erkenntnis sich aufgeschwnngen hat, kann nicht anders handeln, als Mannheim gehandelt. Diese Stadt ist eine Industriestadt. Einer solchen drängt sich naturgemäß der Wert des Wissens im wirtschaftlichen Daseinskämpfe weit anders auf als — Phäakenstädten. Z. B. K. Die Hauptmanns-Zwillinge. Erzählung von Josef Rößler. Lehrer Hellmut Waldkamm bewohnte seit sieben Jahren mit seiner Familie und seinen Schwiegereltern ein eigenes Heim in Hohenlauscli. Ein Schock selbstgeplianzter Obstbäumchen begann bereits mit Früchten zu beglücken. Der Erlös davon wanderte in die Ileimsparbüchsen der sechsjährigen Ingeborg und der zweijährigen Thusnelda. Ebenso durfte Frau Hella und ihre Mutter das Gemüse nicht einfach der selbstgepflegten Anlage entnehmen: Ihrer freiwilligen Übereinkunft gemäß wurde es auf seine Wertigkeit geschätzt und der gemeinsame, wohlwollend festgesetzte Preis den Kindern geopfert. Auch für jede Taube, jedes Ei, jedes Huhn — den Kukuruz kaufte bereitwilligst der Großpapa — flir jedes Kaninchen wurde ein dem ortsüblichen Preise nahekommender Betrag in die Heimsparbüchse getan. Außerdem widmeten Mutter und Großmutter monatlich von ihren Wirtschaftsgeldern ein Fünf kronensttick — die hauswirtschaftliche Tapferkeitsmedaille, wie es der Großvater nannte. Diese Art von Sparmethode machte allen Freude, nicht zuletzt den Kindern, für die das Geld einstweilen nur als Klapperinstrument in den metallenen Heimsparbüchsen Sinn — und Bedeutung hatte. Der als Mathematik-Lehrer an der Textilfachschule wirkende Großpapa aber rechnete mi; Behagen immer wieder von neuem die Zeitpunkte aus, wann Ingeborgs Sparsechser das zweite Tausend, Tuschens Münzen das erste erreichen würden. Da kam der Krieg. Selbstverständlich — die Ersparnisse der Kinder wurden zur Zeichnung von Kriegsanleihen verwendet. — Eines Tages erfuhr der als Gemeinderat tätige Großpapa, daß ein Geschoßfabrikant zur Vergrößerung seiner Werke um Nachbar-Gründe handle. Geschwind wurde mit den letzten Sparpfennigen noch eine Baustelle erworben. „So,“ sagte glückstrahlend das Wald-karamsche Familienoberhaupt, „vor die Nase kann man uns keine Fabrik mehr setzen und unsern Bäumeln die Mittagssonne verfinstern.“ „— und uns den herrlichen Ausblick auf den Lausitzer Kamm verbauen!“ ergänzte glückstrahlend die rotwangige Frau Hella. Der Großpapa aber bestieg sein Rad und fuhr ins lvaatal, Baumpfähle bestellend. Dann wurden die Preishefte der großen Baumschulen geprüft und erprobte Arten ausgesucht. Da läutete es am Fernsprecher. „Hier Lehrer VValdkaram1“ „Hier Bezirkshauptmanschaft! Sie haben in früheren Jahren öfters nach der Kreisstadt gestrebt. Jetzt ist Gelegenheit dazu. Wenn Sie gesonnen sind, an Stelle eines gefallenen Reserveoffiziers dort Schuldienste zu nehmen, so melden Sie es bis 5 Uhr dem Herrn Bezirksschulinspektor! Schluß!“ Lehrer Waldkamm hängte langsam das Hörrohr hin. Jetzt, in seinem seehzehnten Dienstjahr, da er seine ganze Zukunft auf ein stetiges Bleiben in seiner heißgeliebten Heimat eingerichtet hatte, jetzt sollte ihm ein längst aufgegebener Wunsch erfüllt werden ! — — „Das überlegt Euch nur sehr gut!“ meinte der rechnende Großpapa. „So eine schöne, große Küche mit vier Fenstern kriegt Ihr auf der ganzen Welt nimmer!“ seufzte die Großmutter. „Alles so bequem: Wasserleitung, Gaskocher, elektrisches Licht!“ „Das ist das Geringste! das kriegen sie in der Stadt auch. Aber ’s Berappen, ’s Berappen, das ist dort die Hauptsache. Jedes Quadratmeter Luft — putt, putt!“ Der Großpapa machte dabei die Geste des Bezahlens. „Ja, und wenn wir einmal fortgehen wollen, ins Gebirge, wo geben wir denn die Kinder hin?“ warf Frau Hella dazwischen. „Das schlagt Euch nur ganz aus dem Kopf!“ sagte die Großmutter trostlos. Aber bald schlug ihre Stimmung in Zorn um: „Freuen tät’s mich zwar auch etwas, wenn Du nach Miidenau kämst. Schon wegen der Dorfgrößen, die Dich mit der Fortbildungsschule so zurückgesetzt haben! Wenigstens sähen sie, daß Du auch wo anders zu brauchen bist.“ Mitten in diesen Kriegsrat kam die Frau Notnagel aus der Kreishauptstadt hereingeschneit. Sie war Vertreterin des Gisela-Vereines. „Mit der Kinderversicherung ist es diesmal nichts. Wir haben unser Geld in Kriegsanleihen angelegt und übrigens sollen wir nach Miidenau Ubersiedeln und das kostet Geld!“ So suchte Herr Waldkamm einem langen Redeschwalle vorzubeugen. Die in Seide rauschende Frau Notnagel schlug ihre drallen Händchen zusammen, daß die Handschuhknöpfe der Reihe nach aufsprangen: „Was? nach Miidenau wollen Sie ziehn?! Ich bitte Sie: bei uns kostet eine Wohnung, wie Sie hier haben, mindestens tausend Kronen! Bedenken Sie: 1000 Kronen!“ „Hört Ihr? Tausend Kronen!“ so entsetzte sich die Großmutter, lenkte aber bald ein. „Mein Sohn denkt halt auf weiter hinaus, Frau Notnagel. Die Mädel werden größer. Die Inge ist ein ganz gescheites Kind. Und Miidenau hat Schulen. Und schön ist Miidenau! Verdenken kann ich’s Euch gar nicht, wenn Ihr dorthin wollt! Diese Schaufenster! ’s Theater! Die Konzerte! Unser Schwiegersohn ist ein großer Musikfreund.“ — * Lehrer Waldkamm nahm an. Aber keinem schmeckte das Essen, keins schlief in der Nacht, mit Ausnahme der beiden Töchterlein. Ingeborg jubilierte am nächsten Tage vom Boden bis zum Keller, hinter Baum und Strauch: Wir ziehn nach Miidenau, Dort ist der Himmel blau, Dort tanzt der Ziegenbock Im grünen Unterrock. Als Echo kam gar bald aus dem zweijährigen Schwestermäulchen: Wir tiehn na’ Milbenau, Dott is da’ Himmel b’au, Dott tanz’ da Tiedenbott In tünen Unta’ott. „Ja, ja,“ seufzte die Großmutter. „Die Kinder haben doch den Himmel überall voller Geigen! Wer wird sie nur an die frische Luft führen? Du, Hella, hast doch mit der Wirtschaft genug zu tun.“ „I, es wird schon gehn, Mama! Wie viele müssen sich ohne Dienstmädel behelfen. Wenn wir nur wenigstens eine Wohnung mit Gartenbenützung bekämen, damit man die Mädel ein bissel sich selbst überlassen könnte, ohne sorgen zu müssen, daß sie Überfahren werden!“ „Da habt Ihr’s,“ warf der Großpapa ein: „Hier, wo Ihr die Bodenreformfrage gelöst habt, werdet ihr landflüchtig und tragt zur Vermehrung des Stadtproletariats bei. Und wir brauchen doch auch nach dem Kriege gesunde Menschen!“ „Na, wenn’s halt zu ihrem Glück is, Vater!“ begütigte die Großmutter — „Da kann man nichts dagegen haben, meinst Du! Hab ich auch nicht, Mutter.“--------------------------- Vor der Abreise gab es noch viel zu schlichten. Lehrer Waidkamin ordnete zuerst die Fächer seines Schreibtisches. Viel wunderte in den Papierkorb, Gereimtes und Ungereimtes. Doch der letzte Papierknäuel schien ihn förmlich anzuflehn: Heb mich auf! Vorsichtig faltete er die Knitter auseinander und dann las er: Geh ich am Feierabend Auf meiner Scholle umher, So finde ich unter den Nachbarn Fast keinen Bekannten mehr. Meine Pappeln. Und soll ich den Kindern erzählen Von meinem Jugendland, Da zeige ich ihnen zwei Pappeln, Die einzigen vom alten Stand. Die Alten sind meist gestorben, Die Jungen liebten die Welt — Und bracht's auch keiner zu Ehren, So brachten’s die meisten zu Geld. Die elterlichen Besitze, Die haben die eiligst verkauft An Sachsen und Tschechen und Juden, Getaufte und ungetauft. Zu ihnen bitte ich täglich Früh morgens, im Abendschein, Und bitte die grimmigen Blitze: Verschonet die Pappeln mein! Und doch gehören sie ändern Und stehen auf fremdem Grund, Und sind mit mir verwachsen Zu innigem Freundschattsbund. 0 Herr, erhalt mir die Pappeln und lenk des Besitzers Sinn Auf andere als Holzgeschäfte und gib ihm reichlich Gewinn! Ich geh aus meiner Heimat fort als Letzter von den Spielgenossen. Man sagte einst, hier gält’ mein Wort und fragt mich jetzt, was mich verdrossen, daß ich auf einmal weiter geh’, in zukunftsreiche Nebel seh’. 0 Freunde, laßt mich lieber schweigen! Die Heimat ist mir viel zu lieb als daß ich sollt’ ein Liedei geigen Von dem was mich nun weiter trieb. Wie sehr man mich zurückgesetzt, Die Schulgenossen hör’ ich lachen, weil ich bekämpft die Heimat-Flucht. Es schmerzt, daß man’s kann selber machen, was man bei ändern tadelnd bucht. Ein Trost: die Bäume, Haus und Feld ein rüstig Elternpaar bestellt. Doch wäre mir dereinst beschieden ein Ausruh’n vor dem Abendrot, dann bietet wohl die Heimat Frieden, denn, die mich kränkten, sind wohl tot. Dann pflanz’ ich nochmals Bäum’ ins Land ist’s wert, daß man den Schnabel wetzt? mit Kindern, Enkeln Hand in Hand. Der Oberlehrer der zehnklassigen Doppel-Volksschule kehrte noch einmal in die ABC-Klasse zurück, in die er soeben den neuen Lehrer Waldkamm eingeführt hatte: „Was ich noch sagen wollte, Herr Kollege Waldkamm. Die Frau Major Wildner war bei mir. Ihr Mann — es war ein ehemaliger Kollege, der sich aktivieren ließ — ist als Hauptmann vor dem Feinde gefallen. Seine außertourliche Beförderung zum Major hat er nicht mehr erlebt. Schad’ um den prächtigen Menschen! Das war kein Drückeberger! Seine Jungen —- es sind Zwillinge — gehen zu Ihnen in die erste Klasse. Sie stammen von der ersten Frau, die eine waschechte Polin war. Vor ihr haben die Jungen mir scheint etwas viel Temperament. Wenigstens sagt die Stiefmutter, daß sie sie manchmal nicht bändigen könne.“ „0 weh — eine Stiefmutter! Ich werde also das Märchen vom Schneewitchen nicht erzählen.“ „Na, die Stiefmutter scheint eine herzensgute Frau zu sein. Sie hegt die Kinder als das einzige Vermächtnis ihres Mannes und läßt Sie bitten, ihr in der Erziehung zur Seite zu stehen. Wie gesagt: Die Jungen sollen sehr, sehr lebhaft sein!“ — — — Nachmittag erschien an der Klassentür der Oberstabsarzt Thierfeld. „Herr Lehrer, da bring ich Ihnen meinen Jungen. Er hört und sieht gut. Es ist mir ganz gleich, wo sie ihn hinsetzen; nur möchte ich Sie bitten: Nicht zu den Wildner-Jungen, wissen Sie von dem gefallenen Hauptmann, eigentlich Major Wildner, die sind nämlich zwei Ausbunde, ich kenne sie.“ Am nächsten Morgen klopfte an der Klassentür eine englische Miß und versuchte in 8864 äußerst mangelhaftem Deutsch dem Herrn Lehrer Waldkamm verständlich zu machen, ihre Gnädige, die Gattin des Großindustriellen Silberpappel, Frau kaiserliche Rat Silberpappel, geborene von Neunteuffel, wünsche ihren Sprößling ans der Nachbarschaft der „Majorsrangen !u „Fräulein, W ü n s c h c aus englischem Munde brauchte ich eigentlich nicht berücksichtigen, aber damit Sie sehen, daß wir Österreicher ritterlich sind, will ich dem Wunsche entsprechen, wenn er in der Form höflichen Ersuchens wiederholt und — wenn der Ausdruck „Majorsrangen“ gemildert wird.“ Da sich Lehrer und Erzieherin nicht verständigen konnten, so erschien Nachmittag ganz aufgeregt die Frau Rat Silberpappel und unterbrach ungeniert ein Gespräch, das der Lehrer mit einer einfach gekleideten Frau führte: „Ich bin die Frau kaiserliche Rat Silberpappel . . . .“ „Frau Silberpappel,“ sagte Herr Waldkamm kühl, „diese Dame — er gebrauchte diesmal absichtlich ein Fremdwort — hat den gleichen Wunsch wie Sie. Als Gattin eines Heizers aus dem Stadlbade weiß sie, daß es höflicher ist, zu bitten statt zu wünschen 1“ Die Frau kaiserliche Rat Silberpappel, geborene von Neunteuffel, war zunächst sprachlos. Dann besann sie sich, daß dieser Dorfschulmeister sie einfach Frau Silberpappel angeredet hatte. Hierauf trat sie einen Schritt zurück, hielt ihr Perlmutter-Lorgnon an die Nase und als sie glaubte, den Ungehobelten genügend mit Verachtung gestraft zu haben, machte sie so energisch auf dem überhohen Stöckelschuh rechts um, daß dieser abbrach und sie zu Fall brachte. Die neugierigen A ß C-Schützen, allen voran die Wildner-Zwillinge, welche durch die offene Klassentür Zeugen des gefallenen Hochmutes waren, brachen in ein unkultiviertes Gelächter aus. Der Karl rief: „Friedei, komm nur geschwind! Da liegt die Frau Rat Silberpappel. Die ist auf den . . . gefallen, ich hab’s ganz genau gesehn. Das müssen wir unserem Muttel erzählen, die wird aber lachen.“ Als der Lehrer ihr wieder auf die Beine geholfen hatte, mußte er erst den Tumult der Jungen besänftigen. Dann bot er der Großindustriellensgattin den Arm, weil sie sich das Gelenk verstaucht hatte. Wortlos humpelte sie an seiner Seite die Stiege hinunter und ließ sich ohne Dank ins Auto bugsieren. Als Waldkamm wieder zu seiner Klasse kam, besolden die Sonne mitleidig einen hohen zierlichen Damen-Absatz. Lächelnd hob er ihn auf und drückte ihn an seinen Busen. Aber bereits nach einer Stunde erhielt die Schulleitung einen Expreßbrief, indem der kaiserliche Rat Silberpappel anzeigte, daß er seinen Sohn durch, einen anderen „Jugendbildner“ in die Weisheit des ABC einführen lassen werde. „Anderen“ war unterstrichen und „Jugendbildner“ mit Gänsefüßchen versehen. Herr Waldkamm zeigte hierauf in einem überaus höflichen Briefe der mutmaßlichen Verlustträgerin seinen Fund an und fragte, ob die gnädige Frau vielleicht gesonnen sei, den Absatz dem Schulmuseum zu widmen oder ob sie auf einer Rückstellung bestehe. Im letzteren Falle würde er ihn mit der Post senden. — — Nach Ablauf von acht Tagen wickelte Herr Waldkamm mit großer Feierlichkeit etwas Feingepacktes vor den Augen seiner Frau aus. Dann stellte er sich vor den Küchenofen, öffnete das Ofentürchen und rezitierte mit Schauspielerpathos: „Ein Schuhabsatz lag einsam auf kahlem Schulhausgang, einst stützt er eine Dame so stolz, so modekrank. Er träumt’ von einem Füßchen in einem seidnen Schuh — nun winkt dem Gedrückten, Getretnen im Krematorium Ruh — — —“ Mit einem wohlgezielten Wurf überantwortete der Lehrer den Schuhabsatz dem Feuer. Die blondlockige Frau Hella schlang, den Rührlöffel nicht aus der Hand gebend, ihren Arm um den Jüngling ohne Ende — wie sie ihren Mann oft nannte — und fragte ihn unter Lachen und Küssen: „Sag mal, Schatzei, seit wann hast Du Dich denn zum Parodiendichter degradiert?“ — „Das hat mit ihrem Absatz die Silberpappel getan 1“ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Die Ausgabe des Blattes ist infolge der vielfachen Reisen des Schriftleiters und der schlechte» Verkehrs-Verhältnisse wieder einmal ins Stocken geraten; es ist darum die Veranstaltung eines Doppelheftes notwendig geworden. Wer darob murrt, möge bedenken, daß die harte Zeit auch für den Druck und Versand viel Störungen bringt, abgesehen davon, daß die Herstellung allein mit außerordentlichen Erschwernissen verbunden ist. Überall Mangel an Arbeitskräften, überall Not an Material. Und doch wollen wir ausharrcn und die Gemüter entflammen; es laufen durch die Hand der Lehrerschaft zu gioße Güter! — Lehrer A. H in Wien: Gegen die Philosophie an sich bin ich doch nicht mit einem Worte in die Schranken getreten, sondern nur gegen d i e PH., die entweder bloß dem Kampf um Worte statt um Werte diente, und gegen die des Krämers. Die zwischen drinnen liegt, die echte deutsche Ph. der klassischen Zeit, sie soll in Hinkunft uns läutern und führen! — Lehrer A. A. in Wien: Freuen wir uns, daß in Ö. endlich ein Blatt ersteht, das sich strenger Wissenschaftlichkeit zuwendet! Ich, der ich zunächst der Praxis dienen will, habe eine solche Ergänzung immer ersehnt. — Krau A. L. in M.: Der Glaube ans Papier! Du, mein Gott, wie leicht läßt sich manches schreiben, wie schwer jedoch in der Tat aufzeigen I Mir gilt nur der Augenschein, der Eindruck. — 5>ie Sorge um das kommende Hcfchlccht. Diese für die Jugendfürsorge zielweisende Schrift ist auf mein Ersuchen hin an alle Abnehmer von „Schule und Vaterland" als Freistück gesendet worden; es ist mir eben daran gelegen, daß die hochwichtige Frage, deren Lösung ohne das kraftvolle Mittun der Lehrerschaft ausgeschlossen erscheint, von unserer Gemeinde nachdrücklich vertreten werde. Ist der Leser von dem Gedanken erfüllt, der dem Büchlein zugrundcliegt, so möge er es nicht allein bei der eigenen Überzeugung bewenden lassen, sondern bestrebt sein, sie zum Gemeingut seiner Umgebung zu machen, u. zw. entweder durch unmittelbare Einwirkung oder durch den Anreiz zur Lesung der Schrift. Bewirkt dies alles nicht den Zusammenschluß der Kräfte behufs einheitlicher Arbeit im Dienste der Jugendjürsorge, so genügt ein Ansuchen an das Kriegshilfsbüro in Wien 1., Hoher Markt 5, und ich komme persönlich — gratis und franko Das Wort aus der Front hat schon manches harte Gemüt aufgelockert. — Anschrift Als ans weiteres: Wien 8., Lange Gaste 44. — Wach Merlin: „Der General und der Lehrer" — die Karte hat Ihr Staunen hervorgerufen. Sie waren sicherlich auch der Meinung, unsere Heerführer stünden abseits von der Volksbildung. Das ist nicht der Fall. Die ich kennenlernte, priesen die Rüstung, die w i r liefern, über alles. Bei der kommenden Gestaltung unseres Schulwesens wird die Armee ein gewichtiges Wort mitzuredcn haben. — A. M. in Ziochlitz; Aus Ihrem Briefe: „Das Büchlein „Die Sorge um das Kiud" und dessen Ziele sind sehr gut. Es mutet nur eigen an, wenn vor dem Kriege jährlich Tausende aus unserer Monarchie aus-wanderten, wo doch noch so viele Ländereien sehr, sehr zurück sind und der Verbesserung harren, und besonders aus diesen Gebieten war die Abwanderung sehr stark; also auch da ist viel, sehr viel nachzuholen. Da hat die Volksvertretung viel vernachlässigt, härtere Ausdrücke vermeidend." — Sie scheinen ein Landwirt zu sein. Das freut mich, wenn cs zutrifst, denn durch die Lehrerschaft wollen wir mit großen Ideen ins Volk greifen. — Hvcrlehrer A. A. in It.; Für vaterländische Schülcraussührungcn kann das Liederspiel „Karntnerbluat" von Hohenwarter (Bestellungen nach Mallnitz, Kärnten, Preis 90 h), für Theatervorstellungen durch Erwachsene das Volksstück ,,D' Buchcnsepp" von F. Wimmer in Salzburg-Itzling (K 1-20) empfohlen werdep. — Aachlchrer K. M. in K.: Glückauf zum neuen Schassen! Vorläufig wird Sie die Bürgerschule nicht vollends befriedigen. Aber Geduld, die neue Zeit wird auch hier formend einwirken I Rückgruß allen MitgefertigtenI — Krl. J.. Sch. in . . .: Himmel, dieser Schwulst! In so ernster Zeit heißt es klar denken und stark schaffen! — Hök. /. Sch. in W. (Salzknrg); Schönen Dank für die schönen Karten! Sehen Sie, mein Lieber, das wiegt alle Würden und Titel auf, wenn man im kleinsten Dorfe draußen seine Mitkämpfer weiß. Jetzt, da ich durch die Lande ziehe, fühl' ich's, wie innig uns der gemeinsame Gedanke verknüpft. Überall Freunde, überall Helfer! — Der Staatsanwalt hat in Folge 157 ein wesentliches Stück des Leitaussatzes herausgebrochen. Trotzdem ist der Zusammenhang nicht wesentlich gestört worden. Ein guter, ein einsichtsvoller Staatsanwalt! — Ilrl. j. K. in It.: Als Ihre Anfrage kam, war die Kriegsanleihe vorüber. Hallen Sie Ihre Mitgift zusammen, wir werden sie noch brauchen! — Direktor A. S. ZS. in H.: Mit Ihrem trefflichen Beitrage „Zur Erneuerung des österr. Erziehungs- und Schulwesens" beginne ich im nächsten Hefte. — Durchhalten! Schwere Tage, heiße Kämpfe, Not, Entbehrung bringt der nahende Lenz. Da heißt es, die Zähne zusammenbeißen und alles ertragen! Es steht viel, ja cs steht alles auf dem Spiele und nicht der kleinste Teil des Widerstandes fällt uns zu. Das Hinterland soll tapfer sein wie die Front. Dazu braucht es Bringer des Muts und der Zuversicht. Die Lehrer sind es, die hier entscheidend wirken. Rust, Ihr Wackern, Euere Gemeinde zusammen und sprecht zu ihr im Ton des Lcitberichtes dieser Hestsolge! Ist der grimme Streit vorüber, so tragt Ihr was in der Brust: Die erfüllte Gewissöuspflicht dem Valerlande gegenüber. — P. 3866 Kleine Mitteilungen. 660.) Lehrerbildung. Die Vereinsleitung des Reichsvereines österreich. Lehrerbildner überreichte dem Referenten des k. k. Unterrichtsministeriums Wünsche und Forderungen betreffs der Reform der Lehrerbildung. Auch die Übungsschullehrer mögen gleichwertige Mitglieder eines einheitlichen Lehrkörpers werden. Die geplante Hauptlehrerprüsung möge eingeführt werden und die Geprüften sollen die entsprechenden Bezüge erhalten. Auch die Übungsschullehrer seien Mitglieder der Reifeprüfungskommijüon. Methodik und Praxis werden in einer Hand vereinigt. Die Übungsschulen waren wie die höchstorganisierten Schulen der betreffenden Gegend eiuzurichteu; doch ist den Zöglingen auch die Einführung in den Abteilungsunterricht zu ermöglichen. Für die methodisch-praktische Weiterbildung der jungen Lehrer ist Vorsorge zu treffen. — (Die Forderungen sind durchaus begründet und dürfen nicht länger beiseite gestellt werden, soll nicht die Anstalt, die Lehrer bildet, in allem bloß ein Zerrbild statt eines Musters bieten. D. Sch.) 661.) KeimatKunde. Der Änderung des Lehrplanes und der Lehrstoffverteilung im Geographie- und Geschichtsunterricht an Mittelschulen redet der bestbekannte Herr Dir. Dr. Julius Mayer das Wort. Seine Vorschläge sind aber auch für unsere Volks- und Bürgerschulen vortrefflich. Jeder Unterricht gehe von der Heimatkunde aus; als notwendige Voraussetzung ist die Überlassung der Spezial- und Generalkarte des Schulortes für Schulzwecke um 20 Heller. Nur dadurch werde richtiges Kartenlesen erzielt und für die Behandlung der Fremde befruchtet. Daran reiht sich die Entwicklung des Schulortes, die Abhängigkeit der Berufszweige von einander, Verkehrswesen usf., durch graphische Darstellung verdeutlicht. Der Schüler werde am besten bis zur Gegenwart geführt. (Das ist Bürgerkunde. Nicht das Ergebnis als solches ist Zweck der Geschichte, dem Schüler sei das Werden, Entstehen vorgeführt, damit er befähigt werde, Schlüsse auf die Zukunft zu ziehen, Verschlungen — unter ihnen erwähnt der Autor den Nationalitätenhader sowie den deutschen Kastengeist — zu erkennen und zu verbessern, kurz gesunde Politik zu treiben. D. Sch.) Unbedingt erforderlich seien gute Lehr- und Lernmittel sowie Lichtbildervorträge. Am Schluffe führt der Verfasser aus: „In der schweren, aber so schönen und segensreichen Kunst, die Heimat zu erforschen und darzustellen, muß besonders die zukünftige Lehrerschaft der Volks- und Bürgerschulen unterwiesen werden. Kartograph, und schulgeographische Zeitschrift. 662.) Zur Iertiesung des Ieutsch-Interrichtcs. Der deutsche Germanistenverband bittet in einer Eingabe an die deutschen Regierungen um eine Neuordnung des Deutsch-Unterrichtes an höheren Schulen. — Es gelte zunächst die Vereinheitlichung der deutschen Bildung. Deutsch, Geschichte und Erdkunde treten in den Mittelpunkt des Unterrichtes, da sie allein lebendige Anknüpfung an natürlich Gegebenes ermöglichen. Als Aufgaben des Deutsch-Unterrichtes ergeben sich: Jeder Sprachunterricht gehe von der Muttersprache aus. Der deutsche Sprachunterricht führe den Schüler durch Heranziehung der Mundart zum Verständnis für das geschichtliche Werden der Sprache. Mittelhochdeutsch werde eifrig gepflegt, ebenso mündlicher und schriftlicher Gebrauch der Muttersprache. In den älteren Schülern erwecke man das Gefühl für persönlichen Stil. Ausführlich werden Auswahl und Behandlung des deutschen Schrifttums dargelegt und für die Befreiung des Deutschunterrichtes von anderen Stoffgebieten eingetreten. Jeder fremdsprachliche Unterricht gehe von der Muttersprache aus und betone die Abweichungen vom Deutschen sowie die Übereinstimmungen. Erst nach Festigung der deutschen Sprachkenntnisse könne die fremde Sprache gedeihlich betrieben werden. Schließlich wird zum Zwecke der Neugestaltung die Vermehrung der Stundenzahl für das Deutsche gefordert. 663.) KurkosienSeiträgc 8dm ISeamtcnvereinc. Vom Ersten allgemeinen Beamtenvereine der österr.-ungar. Monarchie wurde für das Jahr 1917 ein Betrag von 25 000 K für Kurkostenbeiträge zum Besuche von Kurorten in Österreich-Ungarn ausgeschrieben. Dem Vereine stehen auch in verschiedenen Kurorten Freiplätze und Ermäßigungen zur Verfügung. Vereinsmitglieder erfahren die Bewerbungsbedingungen bei der Zcnlralleitung des Beamtenvereines in Wien, 1., Wipplingerstraße 25. 3n der Dolomitenfront von Stellung zu Stellung. 3. Unter dem Kommando des Kerrn „Muß!". 3» einer Felsenecke drinnen hauste ein Freiwilligernachgezogen und baue nun an einer biederer alter Junge. hfl *55 & u 0) E S cd 2 c V 3 c V ’S hfl C0 Q> •o u Q> s je 4> C x> < CU mm UM Schüller’s TINTEN-EXTRAKTE ergeben vorzügliche Schultinten ! , Sparsam, reinlich, bequem. „Efesin“-Extrakt, kaltwasserlöslich, Vs kg-Dose K 9 für 25—35 Liter Tinte. Flüssiger Tintenextrakt Nr. 2. I Liter K 7 50 für 10—20 Liter. — Übrige Spezialsorten laut Preisliste. Reformkreide, Schultafellack zu Originalpreisen. Tintenfabrik F. Schüller in Amstetten, N.-Ö. Wird von der Verwaltung des Blattes empfohlen. m Die Reformkreide staubt nicht, färbt nicht ab und schont die Schul-tafeln. ln den meisten Schulen Österreichs mit dem besten Erfolge eingeführt. Vom n.-ö. Landeslehrervereine empfohlen. Probesendung: 100 Stück K 2. Wiederverkäufer erhalten entsprechenden Rabatt. Franz Hoschkara, Kreidefabrik, Waidhofen a. d. Ybbs. « 8 ßrösstcs Uhren-, Sold- und optisches ttlarenversandhaus Max Eckstein Wien I, Wifdpretmarkt Wr. 5. K. F. beeideter Sachverständiger. Lieferung an alle p. T. Lehrer und Lehrerinnen in bequemen 4eitzah lungert. verlangen Sie illustrierte Preisliste gratis und franko. Schulen und Ämter decken ihren Bedarf an Stauböl Urinöl Kermit zur Imprägnierung von Fußböden gegen Staub, zur Geruchloshaltung u. Desinfektion v. Pissoirs, festes Fegemittel zur staublosen Reinigung v. Fußböden aller Art, Technische Öle und Fette für Maschinen, Motore, Zylinder, Leder, Riemen und Wagen, bestens und billigst bei ALOIS LENNAR WIEN, VI., Anilingasse 2, Telephon Nr. 7502. Kontrahent der niederösterreichischen Statthalterei. Lieferant für die meisten Mittelschulen Österreichs und vieler Behörden.