Nr, 27. simMg w 8. Juli 1865. 9. IchrPng. glätter aus Arain. (Beilage zur „Laibacher Zeitung.") Die „Blätter aus Kram" erscheinen jeden Samstag, uud ist der Pränumcrationsprciö ganzjährig 2 fl. östcrr. Währ. Anerbieten. Von Andreas Kunoss. Aus dem Ungarischen übersetzt von Fanst Pachter. Warum, o Mädchen, So knmmcrreich? Das Aug' in Thränen, . Die Wange bleich? , Ist's nm den Honig, j Den ich zur Frist ! Von Deinen Lippen, ! Herabgetüßt? , Darum so traurig, ! Gleich einem Schwärm, ^ Dem Honig raubte Des Diebes Arm? ^ Beweinst Du, Mädchen, ! Die Schätze hier, Vom Noseumunde Genommen Dir? Nun, Deinen Kummer, ^ Den heitr' ich auf; j Ich leg' den Honig ! Von Nencm d'rauf. i Des Müllers Tochter. (Fortsetzung.) ! Der ersten Begegnung folgte eine zweite. Zagend vor dem i Zusammentreffen, suchte Rosa den Sohn Veronika's auf. Sie beschwichtigte ihre Bedenken mit dem verzeihlichen Streben, die Achtung eines ehrenhaften Mannes zu erringen, warum sollte ile nickt die Bewunderte des Bewunderten sein? Lag im Versuch, ein edles ManneZherz zu besiegen, ein verbrecherisches Gcbahren? Schon wandelte sie abschüssiger Bahn, während ihre Blicke über reizende Gefilde schweiften, schon pflegte sie die Schlangen >n der Brust, indeß sie nur init Nosen zu spielen meinte. Das Eis war gebrochen — rücksichtsloser, reizender, ver- l sührenscher trat Nosa auf. Unbewußt oder doch wenigstens sich ! 1elbst die Absicht nicht eingcstehend, steuerte sie nach dem Ziele > einer vcrfchmten Seligkeit. ! „Gräsin" rief eines Abends Ninger. „Sie sind schön, ^ blendend schön, doch noch fühl' ich Kraft in mir, es ist Zeit, ! höchste Zeit zu scheiden', ein Gelöbniß, das Gelöbnis; gegen ! eme Todte, haben Ihre Augen mich vergessen gemacht, ich ! scheide, um in sündhafter Verblendung nicht endlich sogar einem Lebenden ungerecht zu werden, inden ich ihn um den Besitz eineZ reizenden Weibes beneide!" „Sie wollen nicht mehr mit mir zusammentreffen. Sie suchen mich mit Schmeicheleien darüber zu beruhigen, daß ich Ihnen gleichgiltig bin." „O wären Sie es mir? Doch Sie sollen, Sie müssen es inne werden, auf die Gefahr hin, daß Sie über meine Leidenschaft lächeln, daß Sie mich ob meiner Kühnheit hassen, ja vielleicht, um Ihr Mitleid, Ihren Groll gegen mich wach zu rufen und mir selbst den Weg zu Ihnen auf ewig abzuschneiden, gestehe ich Ihnen, daß ich Sie glühend liebe, ich will meines Lehrers und Vaters, des edlen Anselms nicht unwürdig handeln, und sage Ihnen hiemit auf immer Lebewohl!" Nosa brach vernichtet im Eopha zusammen: als sie wieder emporbliäte, war Ninger verschwunden. Bald darnach begann der Graf zu kränkeln, nach Verlauf eines Monats lag er im Sarge. Nosa verschloß sich vor der Welt. Zu heftig mußte ihr Gemüth durch die Ereignisse erschüttert worden sein. Nach längerer Zeit erst trat sie wieder in Gesellschaften auf. Mehrere Versuche, Ningcr wieder zn treffen, mißlangen. Endlich lohnte sich ihr Scharfsinn. Sie hatte auf des Doktors Vefangrnheit gerechnet, sich selbst jedoch Festigkeit und Stärke zugetraut. Ninger trat ein ernst und ruhig, Rosa jedoch zitterte wie im Fieber. „Ich bedauere Sie Gräsin, von wegen des erlittenen Verlustes." „Was kein Zuspruch je vermag, vermag die Zeit." „Dann hoffe ich, daß die Zeit Ihr Urtheil über mich, wann es bis nun auch ungünstig lauten sollte, mildern werde." „Ich kann Sie nicht verstehen." „Zu gütig, gleich nach jenem Bekenntnisse, das mich vor Ihnen erniedrigt, mich selbst aber in meinen eigenen Augen hob, sind die erforderlichen Schritte eingeleitet worden, es galt noch ^ für meine Mutter zu sorgen. Morgen reise ich als Schisfsarzt ^ nach Indien." „Sie wollen — ?" „Ich muß sogar — der Vertrag ist unterschrieben, es war mein ernster Vorsatz, Ihnen niemals wieder zu begegnen, der Zufall fügte es anders, ich bin nun in der Lage, meinen Scheidegrnß zu wiederholen." „Leben Sie wobl," flüsterte die Gräsin mit tonloser Stimme. Nur durch äußerste Anstrengung gelang es ihr, der Gemüthsbewegung Meisterin zu werden. Zu Hause angelangt, überließ sie sich, keines Widerstands mehr fähig, dem Sturme dcr Gedanken und Gefühle. Zeitweise IN6 bliäte sie schweigsam, träumend vor sich hin, dann begleitete sie wieder unzusammenhängende Aeußerungen mit umheimlichem Lächeln. „Gnädige Frau, werden in eine Krankheit fallen," bedeutete die Kammerzofe: „eZ ist doch, erlaube mir schon, es auszusprechen, es ist doch Sünde, den Tod des Herrn Grafen so übermäßig zu betrauern." „Tu hast den Pater Anselm nicht gekannt?" „Pater Anselm!" „Ja so, nun ja, das war ein sehr ehrwürdiger Priester." „Ich zweifle nicht, doch —" „Ja so, nun der hat gemeint, man kann die Todten nicht genug —" „Im Gebete bedenken, ja das sind' ich schon in der Ordnung, indeß —" „Steht er nicht dort?" „Wer?" „Nun der Graf!" „Es ist sein Vild, das sollten gnädige Gräsin aus dcm ! Schlafzimmer entfernen, es erinnert zu ledhaft." „Ja wohl, aber du siehst nicht, daß es sich bewegt." „Was fällt Ihnen bei." „Ich bin eine Närrin, muß über mich selbst lachen, geh' schlafen." Das Mädchen entfernte sich kopfschüttelnd. Nosa hatte bis nun nach threm Stieffohn wenig gefragt, und auch dieser war natürlicherweise von geringer Neigung gegen seine Mutter erfüllt gewesen. Seit dem Hintritte des Grafen kümmerte sich jedoch die Witwe oft mit auffälliger Sorgfalt um den 10jährigen Alfred. Dieser aber, der an der Theilnamslosen, theilnamslos vorübergegangen war, wandte sich von der ihm Schmeichelnden mit räthselhaftem Unbehagen ab. Ihm galt nach dem Vater nur der Großvater, der, obgleich hochbetagt, die Verwaltung des gesammtcn Vermögens in feine Hand genommen hatte, während die junge Frau die ihr im Ehepatte zugesicherten Renten bezog. Der Müller kam oft zu seiner Tochter Gräftn auf Vefuch. Je hinfälliger der Leib wurde, desto hochfliegender erwiesen sich die Plane seines Geistes. „Nimm Dir den Heimgang deines Gatten nicht allzusehr zu Herzen. Gräsin bist Du — reich obendrein, dabei jung und schön, der Vater soll es freilich nicht sagen, aber ich freue mich dessen — benimm Dich klug, wer weiß, ob nicht vielleicht cin alter Fürst oder Herzog Dich reizend ftndct, dic Tochter des Müllers Fürstin! die Neutlcrin Markgräftn. — Nosa, cs ist nicht, noch nicht aller Tage Abend." „Albernes Ungeheuer!" murmelte Rosa zwischen den Zähnen. Ncutler bemerkte von diesem Unmuth nichts, sondern fuhr nach kurzer Weile in seinen salbungsvollen Ermahnungen, in seinen väterlichen Nachschlägen fort. Die Gräsin besuchte weder Theater noch Soiruen: auch der alten Veronika, dic, seit Cduard, dessen Gebahren sie übri- gens nicht recht zu begreifen vermochte, verreist war, sich angelegentlicher um ihre einstige Schülerin kümmerte, wicb sie, wo möglich, aus. Ja, es schien, als ob das Gemüth der Witwe in der Nähe der alten Matrone ein räthselhafter Schauer überkäme. Ein Jahr hatte sich abgerollt, feit Ringer über's Meer gezogen war. Das heiße, unbefriedigte Herz der Gräsin begann sich wieder geltend zu machen. Ein verhängnißvoller Zufall ließ den Baron Aichenberg ihr entgegenkommen. Den Mann zu sehen und von seiner Erscheinung geblendet zu werden, war die Sache eines Augenblickes. Rosa meinte, der Varon sähe dem Toctor Ringer ähnlich und entschuldigte die gegenwärtige Empfindung durch die Erinnerung an eine vergangene. In der That waren aber Aichenberg und Ringer in Form und Wesen grundverschieden, und nur die Aufregung Rosa's gegenüber dem Varon war der Leidenschaft verwandt, dic beim Anblicke Ringer's einst über ihr Herz stürmte. Der Baron hatte nichts von jenem schwärmerischen Zuge, der durch die Worte und Thaten des Sohnes Veronika's wehte: Aichcnberg bewegte sich einzig auf dem festen Boden der Sinnenwelt, und steuerte stets nack einem bestimmten Ziele. War aber der Doctor schweigsam, bei tiefsten Gefühlen, so hatte der Varon dagegen einen Ueberstuß an gleißenden Worten, ' während das Herz nichts von den Bethcuerungen wußte. Als interessante Erscheinung konnte er jedenfalls gelten. Gereift in der Schule des Salons, fein von Manieren, geistreich im Gespräche, nie die Rücksicht auf Personen und Verhältnisse außer Acht lassend, kühn und bescheiden zugleich, wirkte er electrisch auf die Herzen dcr Damen. Obwohl im Zenith der männlichen Kraft, hatte cr sich noch die Beweglichkeit der Jugend bewahrt und sein Antlitz würde vollendet schön zu nennen gewesen sei, wenn nicht ein stereotypes Lächeln ihm einen fast unheimlichen Ausdruck verliehen hätte. Aichenberg gefiel sich in der Auszeichnung, welche ihm Seitens dcr Gräsin widerfuhr; er war nicht dcr Mann, der eine ihm sich bietende Gelegenheit, Rosen zu brechen, unbenutzt vorübercilen ließ. Er fühlte, daß cr hoffen durfte, und in dieser Zuversicht war cr auch zu wagen entschlossen. Nosa träumte noch frei zu sein und frci zu handeln, als sie bereits in festen Banden lag. Am Rande des Abgrundes, der unter ihren Füßen gähnte, suchte sie sich aufzuraffen. „Ich bin unbedacht bereits zu weit gegangen, und wollte ich auch die Pflichten gegen mich felbst verläugnen, meine Hand kann Sie nicht glücklich machen. Ihrer Gattin Fluch wird nicht allein mein, sondern auch Ihr Leben vergiften." ! „Der kränkelnden Gattin gehört mein Name, der reizende» Gräsin von Hagen mein Herz!" „Nichts weiter, verlassen Sie mich — wenn ich liebe, will ich des Geliebten Herz und Hand, Stand und Namen, Alles, Alles, jeden Gedanken, jeden Athemzug besitzen!" „O wie sie reizend, erhaben, anbetungswürdig in dieser leidenschaftlichen Erregung sind. Nie werde ich Sie verlassen, und wenn Sie mich von sich stossen, werde ich noch in der Verbannung Ihnen gehören und jede einzelne Faser des brechenden Herzens." Rosa riß sich los, stürzte in ein Nebengemach, warf sich in einen Sammtstuhl und weinte. (Schluß folg t.) Vaterländische Denkwürdigkeiten. (Schlu ß.) Zum Laibacher Soldatentumult vom Jahre 1643.*) Mit Dekret der Erzherzogin Maria, Gräz 20. Mai 1645 an Orpheo Graf Straßoldo, Vicedom in Kram Erblandjäger-Meister der fürstlichen Grafschaft Görz und Hauptmann zu Agiern (Aquileja) und Leopold Nämbschüßl zu Schön- und Wildeneck, E. E. Landschaft in Krain Verordnete, wurde das Gesuch des Obristen Job. Vapt. Ferrario und jenes vom Bürgermeister Nichter und Nach der Stadt Laibach wegen des „neulich entstandenen gefährlichen Tumults, und darin zwischen den seinigen Soldaten und denen Bürgern theils furgangencn Entlcibung mit mehreren anbringen" übermittelt. Um jedem Theil Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, solle Bericht über Ursache und Verlauf des Tumults erstattet werden. Es ist uns jedoch blos das Gesuch des Obersten erhalten. Es lautet: Allergn. Frau und ErblandcZ-Fürstin. Euer röm. kais. Majestät haben mir Mein neugeworbenes Kriegsvolk in Kürze zu bewehren und abführen zu lassen, unlängst allergn. anbefohlen, darüber und weilen ich das Geld als den 9. Mattn von Herrn Ambasciator zu Venedig allererst empfangen, der Türk damalen stark wider die Venediger in armi» gestanden, haben E. röm. kais. Majestät zur Completirung meines Negimcnts auf mein alleruntcrth. Bitt einen Termin als bis zu End dieses Monats Mai allcrgn. ertheilt, nachdem und wie ich die in der Schweiz ! geworbene und auf denen venetianischen Confinen in die 300 allbereit befundene Soldaten habe abzuholen vermeint, bin ich intßi'im alldort zu Venedig p6r inals narraw ganz unschul-digcrweis stark vcrarrestirt in Gefängnis ohne Licht und Luft Mit Wasser und Brot zwischen dem Ungeziefer 27 Tag eingesperrt, dadurch in die 2000 Scudi, so mir hin und wieder vertragen, in Schaden kommen wie auch alle meine Mobilien, l Kleinodien, 35 scköne Pferd, und zugleich auch 500 Doppien > M Arrest genommen worden, da also die Offiziere und Soldaten ! deinem vernommenen Arrest nach an meiner Liberation und Leben gezweifelt und sich hin nnd wieder verlosten, bin aber Gottlob Ucich viel gehabter Mühewaltung und Intercession bei der i Republik Herrn Grafcns von Rabatta daselbst zu Venedig mit Marter Müh erledigt und also ohne Geld und Leut alhero > auf Laibach zu meinem Ncgimcnt also armselig doch frisch und ! gesund ankommen, in Verstreichung aber zweier Tage bin ich ! wioerumb allda bci den rebellischen Bürgern in ein so groß l *) Vcrgl. Mitth. dcö hist, Vereins für Kram. I. 1862, S. 13 ff. Unglück gerathen, daß mir nicht aNein über 40 Soldaten so theils erschlagen, erschossen und auch dadurch enlloffen und theils armseligerweis ins Wasser geworfen worden, sondern auch bei nächtlicher Weile und in der größten Unruhe und Glockenstreich der Bürger und der Gemein daselbst mein Oberlieutenant von ihnen Bürgern mit zweien Musqueten Kugeln durch den Leib nicht allein (sie) erschossen, sondern auch mit Hauen und Stechen sammt dessen Lcibvferd erbärmlich niedergemacht und ertödtet worden. Was ich nun anjetzo unter soviel erlittenen Schaden und Unglück anfangen sollte, kann ich mich derzeit nicht resol-viren und also bei so beschaffen Sachen mein Regiment zu completiren mir unmüglichen. Als gelangt an E. röm. kais. Majestät mein alleruntcrth. geb. Bitten die geruhen zu Completirung meines Negiments und so viel ausgestandener (sie) Unglücks und Schadens die in der Grafscbaf Görz 500 sammt den 600 Mann allhie zn Laibach zu Erstärlung und Completirung meines Negiments allcrgn. erfolgen zu lassen und den allergn. gegebenen Termin bei so übel beschaffener Sachen weilen mich sclbslen auch eine Kugel in dem Angesicht gestreift, allergn. zu prolongircn:c. Feierlichkeiten beim Eintreffen Kaiser Franz I. in Laibach 14. Mai 181«. Am 14. Mai 1816 ist Kaiser Franz I. aus Italien um ^12 Uhr Mittag in Laibach eingetroffen. Abends Beleuchtung der Stadt. Am Platze vor der Hauptwache war ein 36 Fuß hoher Obelisk errichtet mit Inschriften und einem Chronograph: MM5I(N 1818 I"VN 8VINNN ttNI,lNL?NNX^I8IA Der Kaiser hielt sich 3 Tage in Laibach auf, besah alle öff. Gebäude und reiste am 24. Mai (Himmelfahrt Christi) nach Tirol ab. Die Studenten errichteten beim Dorfe Schischka 2 Triumphbögen. Am 3. August beschlossen Ee. Majestät, Illyricn zu einem Königreich zu erheben. Es erschien sofort ein Chronographicon auf das wieder auflebende Königreich Illyrien: IN NOV^ II^IINI^ N^«I^ IiNttI8 N08IM I^Nci8ci 51^1681^8. Teutsch: „Im neuen Illyrien glänzt die Majestät unsers Königs ^ranoisoi." Am 10. November erschien nachstehendes Chronograph auf Bischof Grnber: ^?l8c0?0 t^INI I'OI'VI.IHVV ^WIH^IO Das Jahr 1816 war ein Mißjahr. Der Merling Weizen kostete 5 fl., Korn 4 fl., Gerste 2 fl. 40 kr., Haidcn 3 fl., Haber 1 fl. 36 kr. Zur vaterländischen Censur. Franz Anton von Stcinberg bat im I. 1758 um Nevision und Avvrobirung seines über den CirknizerSee handelnden Wcrkcs. Die tönigl. Repräsentation und Kammer bestimmte zum Censor den Benjamin Freih. v. Erberg. Dieser berichtete 10. Mai 1758, er habe das Buch revidirt und keine anderen Anmerkungen zu machen befunden, „dann allein wo der Verf. im 6. Cap. 4. Abschn. rations der im Berg 81iviQLll. befindlichen Ocffnung (die der von Valvasor das Itt8 Hexen loch nennet) meldet: Er habe in 15 Jahren! andem Orth niemals eine Hexe, wohl aber bei ! anderen Bergen, und zwar ganz nahe anZirkniz ! dergleichen gesehen, welches meines unmaßgebig gehör- ! samsten Erachtens hätte ausgelassen werden sollen, wie es dann ! der Verfasser, da ich ihm diese Passage erinnert habe, 1 selbstcn ganz wohl begriffen, auch ohne Anstand dergestalten ! abgeändert hat, daß ich weiter nichts zu bemerken finde, mithin ! meiner geh. Meinung nach dieses werklein , welches der ! Ouri6U80ii Welt angenehm sein und dem Verfasser zum Ruhm gereichen dürfte, unbedenklich zum Drucke zu befördern allergn. ! gestattet werden könnte. ^ Erledigung: aä uow und ist inliegendes Werk zum Druck zu befördern gestattet worden. 8. August 1758. ! Ncber die DchaMnng uwujsirender Weine. Es ist bereits allgemein bekannt, das; zur Vereitung von ^ Schaumweinen keine fetten, sondern junge, sehr klare und leichte Weine tauglich sind, so wie auch in der Champagne der ! flache Kreideboden nur schlechte Trauben zur grwöhnlichen Wcinbcrcitung erzeuge, wcßhalb auch der noch so gute, aus edlen ungarischen Trauben erzeugte Schaumwein zu geistreich wird, um sich zu einem leichten Champagner zu qualificireu. Obristlieutenant v. Thum, der sich aus Liebhaberei schon längere Zeit mit Champagnererzeugung beschäftigt, bestätigt ebenfalls, jcne Weingegenden wären zu Schaumweinen die besten, welche in ihrem Boden viele, Säure absorbirende Erdarten, als Kalt, Kreide, Mergel :c. enhalten, denn die Säure allein vereitle die beste Bereitungsart; sie ist mit keinem Zucker zu bändigen. Ein mit animalischem Dünger stark gemisteter Boden theile den Trauben dagegen Eigenschaften mit, die im Moussiren unangenehm hervortreten. Es sollte zu dem Ende eine eigene Anlage von frühreifendcn, süßen und lieblichen Trauben gemacht und auf vorzügliche, blaue, dünnbälPge Traubengattungen mit ganz weißem Safte Bedacht genommen werden, z. V. blaue Kap, blauer Alexander, kleine Burgunder, Portugieser, blauer Chasselas; von den weißen und rothen: weiße Burgunder, die Zierfandler Arten, die Königs- und öouigtraube :c. Die beste Bereitungsart sei folgende: Man wähle die besten Trauben und bringe sie, vorzüglich die blauen, damit man einen weißen Saft erhalte, bald unter die Presse, nehme aber nur den ersten und zweiten Preßdruck. Zur Aufnahme des Mostes muß ein sehr reines, mäßig angeschwelltes Faß in Vereitschaft sein. In diesem wird der Most gut zugespundet 48 Stunden gelassen, nach dieser Zeit aber in ein ungeschwcfeltcs Faß abgezogen, wobei es sich zeigen wird, das; man eine sehr reine, wasserhcllc, weiße Flüssigkeit erhalten hat. Eine Menge von dem schweren, groben Niederschlug bleibt im Fasse zurück und wird daher noch vor der Gährung aus dem Moste entfernt. Tiefe Klärung vor der Gähruna trägt viel zur Güte des moussircnden Produktes bei. Tcn Niederschlag filtrirt man durch leinene Spitzbeutcl, um daraus noch den übrigen reinen Most zu bekommen. In diesem reinen Zustande wird der von der Atmosphäre abgesperrte Most der Gührung überlassen. Im darauffolgenden Januar oder Februar, nachdem der Wcin seine sichtbare Gähruna, vollendet hat, wird er zweimal durch französische Gelatine geschönt und dann mit Ende April in Flaschen gefüllt, wobei in jede Vontcille ein Kaffeelöffel voll vom reinsten gestoßenen Naffinadzucker gegeben wird, und worauf die Flaschen durch eigene Mafchinen verkorkt, durä) Spagat und ausgeglühten Schlingendraht verbunden, endlich verpicht und in einem kühlen Keller in Sand gelegt werden. Im ersten nach der Füllung der Flafchen eingetretenen Winter kann die Abschwemmung und Versüßung des Mousseurwcines vorgenommen werden; doch ist es besser, bis zum zweiten Winter damit zu warten, weil sich bis dahin mehr Weinstein ausgeschieden hat, wodurch der Wein milder geworden ist. Vor der Abschwemmung werden die Flaschen, nachdem man von selben die Verpichung vorsichtig abgeklopft hat, mit dem Stöpsel abwärts in eine solche schiefe Lage gebracht, daß der im Bauche der Flasche sich gesammelte Satz nach und nach auf den Stöpsel hcrabsinken kann. Zu dieser Ansammlung und ! damit der Wcin spicgclhcll werde, müssen die Flaschen einige ! Wochen in mit Löchern versehenen Stellagen umgestürzt stehen bleiben, und zeigt sich der Wein ganz klar, so wird die Ab- ! schwemmung vorgenommen. Zu dem Ende werden die Bouteillen einzeln in eine eigene Maschine gestellt und vom Draht und Spagat befreit. Nach dem Abschneiden des Spagats wird dem Stöpsel ein leiser Druck gegeben, worauf derselbe durch die- ^ moussirende Kraft herausgetrieben und mit demselben auch der auf dem Stöpsel befindlich gewesene Satz ausgestoßcn wird. Die Flasche wird dann augenblicklich mit dem Zeigefinger der rechten Hand verschlossen und in der Maschine umgekehrt, ! worauf sich ein ganz reiner Wein zeigt, der durch das Ab- ' schwemmen allen Niederschlag verloren hat. ! Nun wird zur Versüßung geschritten. Man macht hierzu ! vom feinsten Raffinadzucker einen Syrup und gibt in jede ^ Flasche eine Portion, die sich nach der Güte des Weins richtet. ! In einem guten Weinjahre sind fünf Loth für eine Flasche ! hinreichend. Ist der Syrup glücklich eingefüllt, wobei es oft ! des starken Moussircns wegen Schwierigkeiten gibt, so wird die ! bis auf einen Zoll angefüllte Flasche mit dem alten Stöpsel ^ verkorkt, wieder verbunden, verdrahtet und uerpicht, weil im ^ folgenden Winter eine abermalige Abfchwemmung nothwendig z wird, bei welcher aber neue Stöpsel genommen werden, um ^ die Flaschen mit Staniol rein umlegen zu können, wie es der ! nun allgemein eingeführte Gebrauch ersichtlich macht. ! Beim ersten Abschwemmen wird jeder Flasche ein Vicr- telloth Cognak zugesetzt, was wegen des Vouquets nöthig ist. Literatur. Es liegen uns die Hcftc 7 und 8 dcö V. Bandes (XV. Iahr-! gang) des „I l l u st r i r t c u F a m i l i c u li u ch c s d c 5 Oesterr. ^ lo y d" zur Beurtheilung vor. — Das 7. Heft bringt eine Erzäh-z lung von Friedrich Gcrstäckcr, „daß Wrack", welche in die Gattung ! der Seeuovcllcu gehört, die von deutschen Schriftstellern nur wenig i cultivirt wird. Dcr Verfasser versteht es, seine Lcjrr in fast ängstli-! chcr Spannung zu erhalten und den glücklich geschürzten Knoten cftcct- > voll zu lösen. — Friedrich Körner's „Wald und seine Bedeutung für > das Cnltnrlcbcu dcr Völker" wird nur durch Nichl'ö Nebenbuhlerschaft einigermaßen in Schatten gestellt, da bekanntlich lein Culturhistoriker gerade diesen Gegenstand meisterhafter und erschöpfender behandelte, als eben Riehl. Dagegen heilen wir I. G. Kohl's „Os- > mancn" doppelt ivilltoiumcn. Niemand weiß Nationalitäten und ! Stammcharaktere vortrefflicher zu zeichnen, als Kohl. — Das 3. Heft ^ wird mit einer gediegenen, formell tadellosen Erzählung Adclincns ! Volkhauscu „Eine Verstoßene" eröffnet. — Der litcrar-historischc Anf-! satz „Die Geschichte'und Entstellung des Romans", von Rudolf Rost, ! wird Jedermann, der sich für die Entwicklnng dcr modernen Lite-! ratnr intcrcssirt, befriedigen. Siegfried Kappcr's Aufsatz „Die Vnl-! garen" zeigt uou feiner Beobachtung und einem nicht geringen Talent dcr Darstellung. Alles zusannucn genommen, enthalten die bei-den Hefte lehrreichere Abhandlungen nnd gelungenere Schilderungen, als ciu Dutzend anderer Wochen- uud Mouatschriften. Verantwortlicher Redacteur I. v. Äleinmayr. — Druck und Verlag vou Ign. v. Kleinmayr t5 F. Vamberg in Laibach.