für Vaterlands Künste Wissenschaft und geselliges Leben. Die Hafen - Insel. Humoreske von Dr, Nudolpl) Vustnu Puff. I. ^Vie spielende Kinder hüpften und tanzten die grünen Wellen des Attersceö, bald neugierig die spitzen Häupter über die lange Fläche hebend, bald wie neckisch sich verbergend und im schimmernden Lenzstrahle einander verfolgend und haschend. Das Ufer enrlang aber, unbekümmert um Wasserspiel und Sonnenglanz, um Fliederduft und Wiesen-schmnck, wandelten bedächtigen Schrittes der wohlgenährte Brauer von Artersee, Meister Michael Breitkop f und sein Schwiegersohn m «po, Herr Augustin Gotthelf Putzig, hochnothpeinlicher Gerichtöschreiber im Schlosse zu Kammern, außer dem gestrengen Psieger und drei Pfarrherren in der Nunde, der einzige Honorarior von Schärfiing bis Mondsee, allinsbcsondere aber der stärkste Lateiner von den stolzen Höhen deö Hangerberges, wo man die Holzklötze sägt, bis zum Ausflüsse des Acter, wo man sie hinabfloßt in die Flächen des Unterlandes. Herr Augustin, oder wie er sich zu nennen pflegte, Augustus l)«i liaculu» 5'ot-wl'iu», von den Bauern schlechtweg Theewakl Putzweg geheißen, trug am besagten Tage, der, wenn wir nicht irren, in den Monat April etwas vor oder nach dem siebenjährigen Kriege fiel, zu pcrlenfarbigen Strümpfen, etwas breiten, schnallenschweren Schuhen, ein surrogacfärbiges Beinkleid mit gleichem Rocke und gleicher Weste, so daß nur die bleischneidige Kopfbedeckung ihn von dem Verdacht einer angebrannten gelben Rübe retten konnte, etwaige Zweifel aber an seiner werthen Person das gewaltige Spanischrohr, so er in seiner Rechten hielt, an deren Zeigefinger ein breiter, vergoldeter Ring mir böhmischen Steinen saß, wie sonst bei ernsten Gerichtsquästionen leicht zu lösen drohte. Vater Michel, im grünen Sammtkäppchen, mir der pelz. verbrämten Jacke, den zierlich ausgenähten Lederhosen, an welchen, wie zwei Zeigergewichte an doppelter Kette, zwei silberne Uhrperschafce nicdcrbaumelten, rieb sich von Zeit zu Zeit ungeduldig bald die krause Stirne, bald die breite Nase, die jedem Naturforscher zum hellrothen Telegraphen diente, daß der wohlgenährte Meister außer Hopfen und Malz auch ganz häufig den Wein zu seinen freien Studien zähle. — »Aber indes heiligen Gambrinus Namen," rief er endlich, unwirsch die Schritte beschleunigend, «Ihr kommt, ja gar nicht zum Ziele, Herr Gerichtsschreiber, und schwatzt so kauderwälsch Zeug, daß ich aus Eueren vielen Worten nichts anderes ersehe, als Eure oft wiederholte Liebe zu meinem Lieschen und Euren Groll auf Annerl, meinen lustigen. Brauknechr, eine Geschichte, für welche ich den alten Bescheid habe, nämlich: Lieschen soll Euer werden bis Pfingsten, wenn ihr mir versprecht, das Blitzmädchen, das so frisch und munter ist, wie ihre Mutter selige vor fünfundzwanzig Jahren war, mit keinem watschen Worte zu quälen. Der Annerl soll mir nicht aus dem Hause; ist er auch ein armer Findling, den ich mitleidig aufnahm, so versteht er doch die. Fässer zu veipechen und das Lagerbier zu brauen, wie kein Meister in ganz Oesterreich und Baier-land; und kurz, fügt es sich nun, daß meine Tochter einen vornehmen und gelehrten Herrn heirathen soll, so darf mein schönes Brauhaus nicht in ungelchrte Hände kommen." —»Ei!" schmunzelte der Gerichtsschreiber, indem er die buschigen Augenlider hoch über die listig grauen Aeuglein zog und das melirte Haar hinter die Ohren strich; »ei, ei, wenn nun der gelehrte Bräutigam, wenn der Dicier, wie ihn Horaz vor siebzehnhundert Jahren nannte, die Themis allein ihre Orakel spenden ließe, wenn er der irdischen Pandora zu Liebe Priester im Tempel der Cerevisia würde! Hat man ja doch Beispiele, daß ein Consul den Pslug ergriff, — sollte nicht ein gelehrrer Gerichtsschreiber einen gelehrten Bräuer geben ?" — »Faselt nicht so albern ," polterte Herr Breitkopf, mit weniger Ehrfurcht, als er sonst dem wichtigen Manne zollte, »es wäre doch jammerschade um meinen neuen Märzenkeller, jammerschade um die großen, von meinem Vater noch benamseten Fässer, denen Ihr weiß Gott welche heidnische Namen geben würdet. — Der Mann von der Sohle, von dem ihr spracht, konnte immerhin noch ein Bauer werden; aber der Mann von der Feder trinke lieber kräftiges Bier, und lasse das Brauen erfahrneren Leuten. Daß dem Annerl das Mädel gefällt, ist kein Verbrechen, gefällt fie doch Euch selbst, der ihr gewiß jedes Verbrechen von der Tugend so genau unrerscheidet, als ich Sebenbau und Saazer Hopfen; gefiel doch ihre Mutter mir 238 und war sie nur lieber, als alle Königshasen, die ich von meinen Kinderjahren an bis zur Stunde gepflegt! Also liebt in Gottesnamen meine Tochter, verunglimpft aber den wackeren Burschen nie, gar nie! habt ihr verstanden?" — »Rce« lupus in pip«>s6m intslicom mit Beil und Ruthenbündel an Dir mein Urtheil vollstrecke, nichtswürdiger Knecht?" — »Ich bin ein ehrlicher Braukuecht, aber nicht der Eure," tobte Annerl, keck an den Schreiber tretend, der sich hinter Michel's breiten Rücken zurückzog; »was wollt Ihr sagen mit dem Ruthenbündel, Meister Gänsekiel?" — »Mir diese Metapher!" eiferte Aug u siin; »IlInnilial »nt« porta» ! Warte, bis erst Lieschen mein Weib ist, dann soll es Dir enge gehen, verstockter Hasenmarder!" — »Euch habe ich noch nie am Fuße gefaßt," lächelte Annerl durch Lieschens flehende Blicke besänftiget; »mir Euch, Vater Michel, werde ich daheim in der Stube sprechen, wir zwei aber, gestrenger Theewackl, an dem Hopfen und Malz verloren sind, rechten auf dem Wege nach Kammern." — »^inpavilllim l'ßi'iknt l'lii'n8 mehrere Preisaufgaben einrücken lassen. Obwohl der unbekannte Herr Preisstifter keine Belohnung für die Lösung seiner Fragen ausgesetzt hat, so will ich es dennoch versuchen, dieselben zu beantworten: 1! In Laibach hat man darin studiert, unter die Lanvesfarben ein „Zoll» zu bringen; wie viel ist dadurch dem Ackerbaue und der Viehzucht entgangen ? »cl I. Die Frage ist zwar kaum verständlich, kann aber einfach mit „Nichts»! beantwortet werden; weil die Oeconomen weder auf ihren Feldern Gold anbauen, noch ihr Vieh damit füttern werden! ') 2. Wie viel kann durch solches,.Gold», zumal im Dunkeln, wo man „blau" von »schwarz» nicht zu unterscheiden weiß, Deutschland gewinnen? «ci 2. Nichts! den» die Deutschen spielen nicht um fremdes Gold; auch lassen sie sich weder im Dunklen, noch im Hellen blau anlaufen ! 3. Warum dringt man in Laibach auf Tragung der Farben des Landes, wahrend man in Niederösterreich und Steiermark Farben der Nationalität trägt? ')AnHeu und Stroh kann so bald noch kein Mangel eintreten, da in den Köpfe» der Taa,6 - Scribler (wie diese Preisfrage» zeigen) noch größere Vorralhe sind. ncl 3- Weil in Laibach und in ganz Krain überhaupt die Färbung buntschackig ist, und min doch wissen möchte, ob seine Bewohner auch noch Krämer bleiben wolle», wen» sie Slovenen sind? >3o wie die Oesterreicher und Steiermärker mit ihrem deutschen Anstrich ') doch das bleiben, was sie sind und waren! 4. Auf welche Art wird Deutschland auf das Königreich Jerusalem und die Grafschaft Jericho Anspruch stelle», auf diese Gebielstheilc, die unter Friedrich Barbarossa ein integrirender Theil Deutschlands geworden sind? a<1 k. Auf di« nämliche Art, wie die Slaven auf ihre Stammbe-sitzthümer in Asie» ! 3. Um wie viel ist der Pangermanismus unschuldiger, denn der Pansla-vismus? ucl 5. Um gar nichts! denn beides ist Unsinn. Wir sind leider alle in der Erbsünde geboren! 6. Um wieviel ist jener diesem voraus? nll 6, Um ein Jahrhundert in der Ausbildung seiner Sprache und Literatur! 7. Worin unterscheidet sich ein Bund von einem Etricke? ucl 8. Weil der Schwächere das Kürzere ziehen musz! F. Local - Interessen. Mthnlms CMiscum und die Durchmärsche. Zeit dem Herbst des vorigen Jahres ist Laibach bekanntlich die Hauvtpforte für die durchziehenden Kriegcrschaaren nach Italien. Wer nur halbwegs den so häufigen großen Durchmärschen Aufmerksamkeit geschenkt hat. wird gern der allgemeinen Sage beipflichten, daß die ältesten Leute in Laibach sich nie so häufiger, so ununterbrochener Truppen-Durckzüqe erinnern können. Seit den letzten 10 Tagen aber folgt gar jeden Tag Bataillon auf Bataillon . jedesmal 12 — 1500 Mann stark, und bis zum 31. Juli ist vorläufig ununterbrochen für jeden Tag wenigstens ein Bataillon transener Truppen angesagt, der fortwah» rend durchpaffirenden Artillerie gar nicht zu gedenke». Wackere Bürger und Hausbesitzer von Laibach, Männer von Einsicht, laßl mich hier ein zeitgemäßes Wort aussprechc» ! Kann es Jemanden geben , der jetzt, bei dieser Zeit noch nicht ei»si,ht. das WitHaims riesiges (Zolliseuui eine unberechenbare Wohlthat für Laibach sey? Nein, einen solche» Jemand gibt es nicht, denn selbst tie ärgsten Wider, sacher dies«s großartigen Bequartirungs - Unterehmeos sehe» jetzt ein, dasi die dießfäiligen Verdienste des Herrn Withalm um Laibach nicht zu be> str.iten sind. Gegenwärtig welden jeden Tag 1(XX> Mann in Eolliseum und 500 Mann im Nallhause untergebracht, bis der neue Ausbau gestattet, die trani'enen Truppen ganz im OollisruM zu bequartiren. Die Hand an's Herz und unpartbeiisch gesagt: Ist eine solche Anstalt beson» dcrs bei dem Umstände, als jetzt die Truppen Abends oder gar in der Nacht anlangen, nicht eine große, anerkennenswerlh? Erleichterung für die Bewohner Laibachs? Die Sache selbit spricht dem Unternehmer das Wort — er bedarf des Lobes nicht. Die Hauptstadt Krains war für wirkliche Verdienste niemals laub. Wenn sie nun bedenkt, welche Opfer Herr Withalm »urck diese Jahre h,r. besonders aber seit dem unglücklichen Brande, für Laibach gebracht hat, in deren Detiilirung ich nicht näher einzugehen brauche, weil sie auaenfällic, sind. so möge sie die Anerkennung , die sich für ihn in allen Schichten der Gesellschaft ausspricht auf diese Art an de» Tag legen, daß sie durch Beitritt aller Militär, quartielräger zu dem ohnehin für diese Zeit sehr mäßig gestellten Nequarti-rungs ^ Abonnement einen Mann unterstützt, der sichcr einst unter jenen Männern genannt werden wird, deren Andenken für Laiback nickt untergeht. Leopold Kordesch. ') Treue und Redlichkeit. — Verleger: Igu. Gdl. v. Kleinmayr. — Verantwortlicher Nedacteur: Leopold Kordesch.