„.._----------MMM»»----------"' M-^ Dienstag den 22. Vrachm. 179^ Inländische Nachrichten. ' niginn besucht wöchentlich ?weymal das Nazionaltheater. Höchstdiesclbe bezeiget ein besonders Wohlgefallen für das unter^ Broekmanns Direkzion stehende Schauspiel ; dagegen ist sie mit der italiänischen Opcr, bis auf wenige Sanger höchst unzufrieden. Das deutsche Schauspieler« personale wird daher mit dem berühmten Hrn. Ifland, und M!le. Witthöft aus Mannheim vermehret; der italiänischen Trupp° aber soll eine grosse Reform bevorstehen. — Es haben verschiedene fremde Kaufleute durch ihre Sachwalter um die Wiedereinführung d» außer Handel gesetzten Waaren angesucht, und vo« dem Könige die Antwort erhalten, daß Se. Maj. von dem angenommenen System nie abgehen, sondern vielmehr alles mög-liche beytragen werden, die innlandischen Manufakturen, und Fabriken bey bessern und vom Krieg bcfreyten Zeiten, durch machtige Unterstützung noch lnehr anzu-eifern, und empor zu bringen. — Der Hr. F. M. Gr. v. Pellegrini hat sich zur grossen mährischen Armee begeben, um die Grenzfesiungen zu untersuchen.— Der am 9. b. aus Berlin angekommene Kurrier hat sogleich eine Hofkonfercnz, der Se. Maj. vorsaßen, verursachet. Man spricht nun von einem Kongresse, der auf den Vorschlag des Königs aus Preußen in Breslau gehalten werden sollte. Von unserem Hofe find der Sage nach der F. M. Gr. Lacy, Gr. Philipp Co-ben;el, und Spielmann dazu als königl. ^Kommissare ernannt; sie werden dieser ! Tagen dahin abgehen; indessen sind alle ^Feindseligkeiten eingestellt; sollte sich aber ^dieser Kongreß zerschlagen, dann wird das - mährische, schlesische, böhmische, und gallische Heer sogleich in Feindes Land vorrücken. — Der G. F. M. L. von Petnenstcin des ersten Artillerieregimentes ist den 4. d. mit dem ganzen Regiments-stabe, dann 2 Kompagnien vom ersten Artlllenercgimcnte und dem Kanzleiperso^ , nale nach Könlgsgraz abgegangen.— Die z! Sorge und Liebe Ihrer Majestät für die !!junge Erzherzoginn, Dero Enkelin, ist - außerordentlich. Tcglich zwey, auch jdreymal wird sie besucht/ und auf das "innigste umarmet. Das Lustschloß Hezen-^ dorf wird itzt für dieselbe zugerichtet. ^7 !Im Fall der König Leopold zum röml-jschen Kaiser gewählt wird, soll die ganze ^ungarische Leibgarde den Monarchen nach l! Frankfurt begleiten. Da weder Katzel Franz, noch Joseph der Zwenke zur Zeit ihrer Krönung regierende Könige in Un gärn waren, so konnte besagte Leibgarde noch nie dabey erscheinen. — Der Herr Kardinal Migazzi vom heil. Eifer angefeuert , hat dem König eine Vorstellung überreicht/ in welcher er seinem Amte gemäß verlanget, daß die unbeschuhten Mönche, welche bey dem Pfarrgottesdien» ste angestellt sind, wieder nach lhrer Ordensregel Sandalen tragen sollten: ,,^ie. ber Kardinal, war die Antwort des Königs , ich wünschte im Gegentheil, daß die Reform der Mönche nicht be? den Hüssen, sondern be? den Röpfen angefangen würde." Ingleichen wurde der Hr. Erzbischof mit der Klage gegen Spitt-lers Kirchengeschichte, und Herrns Petz Trauerrede auf Joseph den Zweyten abgewiesen. — Schon durch 2. Tage sind stark? Geldtransporte, nebst andern Bedürfnissen für die grosse ungarische Ar-Mee abgegangen. — Der letzte angelangte Kurrier kam eigentlich von Konstanttno-ptl, ihm folgte einer cuis Berlin. Nun ist hier die allgemeine Sage, die bisheri-g unter welchen sich der belgische Löw eine berühmte Kanon? befindet. Ein Haufen österreichischer Dragoner, und der leichten Reite« r y ist bis an die Thore von Namur qe« sprengt. Der Insurgenten General Schönfeld fioh sammt den Generalen GrafLan-noy, Vikointe von Dam, und von Dierix. Lezterer ward auf der Flucht von seinen eigenen Leuteu erdrosselt. Die ! Zerrüttung unter den Insurgenten wird ! mit Mm Tage grösser. Es sollen bereut von drey Provinzen Deputirte auf dem i Weg nach Wien seyn; auch ist die Trans-'portirung der von Wien nach den Niederlanden bestimmten Kanonen'gestern eingestellet worden. Ein grosser'Theil der bessern Bürger wartet nur auf die Er- Meinung der österreichischen Truppen , um sich mit ihnen zu vereinigen. Seit die Rebellen Ernst sehen, stimmen sie den Ton gewaltig herab. Viele Grosse sind nur durch Umstände gezwungen zu den Rebellen übergegangen, und wenn mal? dann bedenkt, daß die Großen selten aus Patriotismus, sondern nur immer nach den Grundsazen der Politik handeln, so scheint es ziemlich erwiesen, daß sie wieder auf die Seite ihres Königes tretten, und also die Parthey ergreifen werden, von der sie die meisten Vortheile zu erwarten haben. Man sagt,, dasi die kö-nigl. Truppen bereits vor Brüssel stehen. Rarlstadt den ?8. Bvachm. Nach Verlaßlichen Briefen von der untern Grenze ist den 16. d. auf Befehl des komman-direnden Hrn. F. Z. M. de Vins das unter ihm stehende Korps in zwen Theilen mit Zurücklassung des Lagers aufgebrochen ; wovon einer nach Zettin, der andere nach Bihaz vorgerückt ist , um! die Belagerung dieser zwey Platze zugleich! anzufangen, und dadurch des Feindes Macht zu zertheilen. ' Auslandische Nachrichten. - Deutschland. ! Stuttgart den n.Vrachm. Zu unserm ersten Volksfeste der Kaiscrwahl, Werden die glänzendsten Anstalten gemacht.^ Man behauptet/ daß bereits alle Stimmen , für König Leopold sind. Nach der golde-! nen Bulle soll ein deutscher Kaiser Mu^ .dnnu3 , milil! , iäonüNä seyn , und wie !schön vereint Leopold alle diese Eigenschaften in sich. Für seine Gerechtigkeit bürgt seine bisherige Regierungsart ; für seine Nüzlichkeit, und Tauglichkeit diej! weite und glückliche Laqe seines Reichs, so wie die Weisheit und Stärke seiner Macht. Leopold taugt für Deutschland, und Deutschland für ihn. Es ist also ganz ungegründet, daß Leopold, gegen seme^ Hauses sonstige Art, und Sitte, sich gar nicht um die deutsche Kaiserkron bewerben werde. Die deutsche Krone ist minder drückend als andere, nnd giebt dem / der sie tragt , vor allen Erdherrschern den Rang. Oesterreich hat sich nicht allem durch Heyrathen, sondern auch dadurch zu der gegenwartigen Macht aufgeschwungen, daß, da die Kaiserwürde beynahe erblich wurde, und — man erlaube mir dies mit Stolz auf meine Naziou zu sagen, — welche Ehre ist's für jeden Monarchen der Welt, der Deutschen Oberhaupt zu seyn. Aus deinen Adern, Germania, fioß seit vielen Jahrhunderten das Bluc der meisten Europaischen Regenten! Was gleicht deinen Fürsten, und Fürstinnen? Was deinem Reichsadel an Aller und Würde? Und obgleich kleinliche Nachaffung fremder Art und Kunst deiner Selbsiheit schadete, so bist du doch, deutsches Volk, noch immer großmüthig, tapser, bider, redlich, maßig und treu. In deinen Röhren stro;t Mark; du scheuest nicht die Arbeit; kämpfst sür Ehre und Ruhm; bist sinnreich in Erfindung, biegsam zur Zucht; hoch am Geiste; fühlbar für das' Schöne; warm für das Vaterland. W«r gründet Kolonien, der nicht deutschen Saamen sucht? Deine Söhne graben das Gold aus dett Schuchten "Peru's, bauen in beyden Indien, machen die Wüsten zu Siena Mor-rera urbar, defrnchcen die Steppen zll Kasan, und Astrakan: Ja groß bist du, Vaterland, fürchterlich, lendenmachtig, knlkreick. Wird alle Dienstage nachmittag um 2. Uhr auf dem Platze Nro. 185. in der von Kleiumayerschen Buchhandlung ausgegeben.