Sloveniens Blatt. Verantwortlicher Redacteur: Franz Pol^k. ^ 4. Dienstag den 25. Inli «^4^. zc^ Erscheint jeden Dienstag. Abonnement in loco halbj. 1, fl. ganzj. 2 st. Vei PostVersendung halbj. 1st. l5 tr. gan;j. 2 fl. 30 kr. Conv. Münze. Die Revolution im Jahre R848. ^Fortsetzung^ Schon während des Krieges mit Napoleon hat der österreichische Minister Fürst Mcttcrnich, als Beschützer des autokratischen Principes, ein ansierordentlichcö Talent entwickelt; ihm sselang cs dann den Zeitpunct zu benutzen, als die Macht Frankreichs an den rnßischen Elrmenten erschüttert ward; er wußte Rußland und Preußen auf die Nothwendigkeit einer innigen Verbindung mit Oesterreich aufmerksam zu machen, und machte den Vorschlag zur Stiftung der heil. Alliance, nämlich des bald zu Stande gekommenen Bundes Nußlands und Preußens mit Oesterreich, zu der aus Furcht vor Nepublikanismuö auf 20 Jahre auch Großbrittanicn licitralt. — Die einzelnen Staaten oder Länder wurden in den deutschen Staateubuud vereint; da diese Gebiethsthcile eine vorgerücktere Intelligenz zeigten, versprach man ihnen zur Schirmung der Nuhe Freiheiten, uutcr Andern ständische Verfassungen, welche in der Vorzeit ohnehin schon bestanden, inzwischen aber durch die um sich greifende Selbstherrschaft vernichtet wurdeu. Auch war er, Metternich, der moralische Lenker der Theilungen der wicdcrcr-oberten GcbicthSthcile; er frug hiebei weder uach den frühern Hcrrscherdynaslien, noch nach Völkerschaften, kurz nach keinem bekannten Völkerrechte; — man theilte die Terraine zwar ziemlich nach dem Alten, doch nicht ganz darnach, sondern, genau gesagt, lediglich nach der Prlitik der heil. Alliance; diese verfolgte den dem Naturrcchtc fremden Grundsatz „strafen, Fürsten absehen, oder ihnen wider Willen Gcbicthsthcile abnehmen zu dürfen" — einen Grundsatz, der dadurch wirken mußte, daß Ulan den Einen schreckte, die Andern aber durch wohlfeile, nämlich aus fremden Eigen-thumc gezogene Spenden an sich fcßelte. Die Macht Oesterreichs war durch seine ausgedehnten Besitzungen, uud durch die zahlreich gehaltenen Truppen bedeutend; übrigens erhielt cs bei dem Umstände, als es die größte deutsche Macht war, und durch die Erinnerung an das, daß dessen Herrscher durch Jahrhunderte die deut' sche Kaiserkrone trugen, und solche die Letzen ver> thcidigten, im deutschen Vunde den Vorsitz. — Mcttcrnich blieb uncrmüdet und unerschütterlich bei seinen Marimcn; er war den allirtrn Großmächten, an die sich die von diesen wiedereingesetzte ältere Linie der Bourboue in Frankreich auS Liebe zur Sclbsterhaltung anschloß — unentbehrlich; seine Ideen griffen durch mit dilatorischer Wirkung, wenn sie auch in ministeriell geruudeter Form vorgebracht worden waren; die größcrn Mächte hielten ihn sür unfehlbar; die kleinern aber zitterten vor ihm; denn sie wußten er sei der will-kührlichc und inappellable Schiedsrichter über Europa. Frankreich blieb bei der erwähnten Theilung so ziemlich in seinen Sprachgränzen; von Italien aber fielen die Lombardic und Venedig an Oesterreich; Deutschland sah sich unter viele, mitunter kleine Fürsten getheilt; die Freiheiten, die man ihm zusicherte, bliebeu aus; die deutsche Bundes-vcrsammlnng war zn einem willenlosen Werkzeuge Oesterreichs, mitunter des mitwirkenden Preußens, im Ganzen, Mettcrnichs herabgesnnkcn. Das Bewußtsein, daß durch Theilung des Volkes dessen Kraft geschwächt werde, weckte in dem Italiener und dem Deutschen die Idee der Einheit des Volkes ; bei Diesem erregte sie den Wunsch, bei Jenem äußerte sie sich im Bunde der Carbonari offen ; bemerkenswert!), der Italiener hungerte nach keinen fremden Völkern, um sich auf deren Schultern zu stemmen; mit seinen Stammesbrüdern, und bloß mit diesen, wollte er unbeirrt den traulichen Familienkreis errichten; der Deutsche hingegen schwang sich zu der geläuterten Idee des Völkerrechtes noch nicht; er zählte zu Deutschland noch Alles, was seine llrväter mit Gewalt genommen haben, wag er aber schon mit seinem Reiche verlor. ^Fortsetzung folgt.^ R4 Die Vornahme der Schätzungen durch Verichtsdiener! Ein speciell vorgekommener Fall, daß ein Gericht im summarischen Verfahren zu einer cre-cutiveu Mobilar-Schätzung den Gerichtsdicner als Schätzungs-Commissc^r abordnete, veranlaßt ge« genwärtige Erörterung: Der §. 7 der über das summarische Versah« ren erflossenen a. h. Entschließung vom 18. Oct. 1845 ordnet an, daß in so ferne diese keine nähere Bestimmung enthält „die über das gerichtliche Verfahren ertheilten allgemeinen Vorschriften auch im summarischen Processe zu befolgen sind." Will man also im summarischen Verfahren für die Vor« nähme der erecutiven Schätzung eine Ausnahme haben, so muß man solche in gedachter a. h. Gnt« schließung finden; — dort aber kommt keine vor. — Wahrscheinlich wird der §, 53 dem Betroffenen die Irrung beigebracht haben; die Wortlaute des § sind ,dem Gläubiger steht es frei mit der Pfändung beweglicher Sachen zugleich die Schätzung derselben anzusuchen." — Ansuchen und Vollziehen sind sich verschieden; die mchrgedachte Vorschrift wollte dießfalls das Verfahren in so weit erleichtern, daß man ohue die Pfändungsrelation abzuwarten, und ein besonderes Schätzungsgesuch zu verfassen, schon mit dem Pfändungsgesnche die Schätzung begehrt. Dadurch schon ist der ere« quirenden Parthei viel Zeit gewonnen. Wie aber kann in solch' einem Falle die Schätzung geschehen? — Leicht. — Nach der all-gem. Gerichts-Ordnung sind die Pfändung und Schätzung nicht zugleich vorzunehmen. Der Richter setzt im Bescheide die Tagsatzung zur Schä-tzuug auf so weit hinaus, daß inzwischen die Pfän-dungsrelation einlaufen kann; dadurch schont er oft dle Parthei; denn im Falle keine Gegenstände zur Pfändung vorgefunden werden sollen, ist die Remuneration der Schätzleute crsparrt; auch fin« den oft zwischen der Pfandungs und Schätzungs-Vornahme Sistirungcn statt. — Nach der allgcm. Ger. Ordn. hat die Schätzung nur der Richter, oder sein Abgeordneter vorzunehmen; wollte man dcn Gerichtsdiencr unter die Classe derjenigen zäh« len, die der Richter für sich abordnen kann, so müßte es dem Richter auch unbenommen bleiben jeden andern, z. B. einen Schustcrbubcn abzuordnen. Dieses « im Wege, welcher sich nunmehr in die Geschichte zu« rückziehen will. — Auf diese Art fand der arme Student, wenn er kein Stadtkind aus einem besseren Hause war, in eine bessere Gesellschaft kei-nen Zutritt. Was Witteriche vou Professoren nicht zu vollführen vermochten, beendete der unglückliche Ton einer kleinen Hauptstadt. So erzieht Krain seine Priester und Staatsdicncr, so bildet es seine Jugend aus für das bürgerliche Leben; — bei solchen Umständen soll es sich selbst anklagen, wenn die Schule für practischc Männer, betreffend die Conversation und die Menschlichkeit so wenig Früchte trägt; kein Wunder, daß die Nachbarbe-wohncr in Ost und West, und Nord und Süd klagen, das Leben in Krain sei crstorbcn; oder vielleicht habe es nie eines gegeben; — kein Wunder, wenn mehrere Leute, die Menschenliebe und Sittlichkeit zu verbreiten bestimmt sind, theils aus Vorsaz, theils aus Unwissenheit, Unfrieden und Unglück aussäen. Man lasse dem Studirendcn den Zutritt in solide Gesellschaften, so wird er sich für den Umgang bilden; er wird die für die Behandlung der Menschen nothwendigen Verhältnisse nach und nach erforschen; Kneipen und Gemeinheiten wird er aus dem sich geweckt werdenden feineren Ehrgefühle meiden, und wird da stehen, wie man ihn für das Leben braucht. (5s bedarf nicht der Mann in ernstem Alter mit der Schuljugend den vertrauten Umgang einzugehen; nach solchem könnte es ihm nicht gelüsten,er verlöre auch ander Achtung der Jünglinge; aber er beseitige Alles, was den Zutritt der Swdirenden in die gebildetem Kreise erschwert, und behandle sie als Menschen, von deren Ansbildung das Wohl der bürgerlichen Gesellschaft bedeutend abhängt. Man brancht die Devise der Zeit nicht anzuführen, daß Alles frei und gleich sei; daß eS also zwischen einem Studirendcn, und einem hohen Provinziali-sten keinen großen Unterschied gebe; der meiner, in einer kleinen Kreisstadt erschallenden Stimme nicht glaubt, der frage nach, wie sich in den Residenzstädten gegen die Academic« benommen wird; Provinzialstädte sollten sich häufig nach Residenz-stadt'Gcbräuchcn umsehen; sonst laufen sie Gefahr zu verbauern; sie sind zwischen Bauern uud großen Herren das Mittelding. Theuere Schwester, lieber Schwager! Schon lange wäre es mein Wille gewesen Euch zu schreiben und meine gegenwärtige Lage bekannt zu geben; aber die verschiedenen Umstände und Verhältniße erlaubten mir es nicht. Auch jetzt ist die Zeit sehr beschränkt; jedoch muß man sich nichts daraus machen, wenn auch die Kugeln herumfliegen und wir sind es schon gewohnt. Auch muß man immer denken, daß kein Fe«nd im Stande sei, uns das Leben zu uchmcn, wie eS uns keiner gegeben hat; sondern nur der, der es uns Allen ertheilte, es den Kriegern, so wie allen Menschen, nehmen kann. Ist es sein heiliger Wille, meinen Lebenslauf in diesem Tumult zu enden, so sei eS in seinem Namen. Ist er'S nicht, so kann ich mich in jedem Kugelregen stellen und er wird mich beschuhen. Ich bin Gottlob gesund; ich habe zwar, seit ich Euch verließ, jehr viel Beschwerden ertragen müssen, bin auch mchrmahl im Kanonen- und Ge-wchrfeuer gestanden; aber durch Gottes-Macht noch immer g/inz unbeschädigt herausgekommen. Seit der Zeit als ich von Laibach fort bin, war ich zwar in keinem Bette mehr; aber man schläft anch auf jedem Steinpflaster und auf der Erde sehr gut, wenn nur Zeit dazu ist; aber oft müßen wir die ganze Nacht lauern und paffen, auch oft feuern, bei all dem unordentlichen Leben bin ich aber doch Gott lob ganz gesund. Des Kriegers Pflicht ist, stets zu denken, „für Gott und Vaterland muß man Alles gutwillig ertra-gen!" Die größten Attaquen wobei ich gewesen, waren bei Udine, Belluno, Eorcndo(^), Feltre, Gucra, Treviso; unser Verlust war niemahls groß; der des Feindes war größer; auch haben wir niemahls verloren. Jetzt sind wir seit einigen Tagen in Mestre, und besetzen seit vorgestern die Meeresufcr bei Venedig und der Festung Mal-ghera. Wie lange wir hier verweilen weiß Niemand; denn am Wasser lst es viel beschwerlicher als am Lande; jedoch mit Gottes-Hilfe geht Al< lcs, und so werden wir auch hier gewiß nicht verlieren. Meine Lieben, macht auch den übrigen Gc-schwiestcrn bekannt, daß ich noch am Leben bin, und daß es mir gut geht; sie sollcu um mich und mein Leben nicht bekümmert sein, der Allmächtige wird mich schon schützen, damit ich wieder unbeschädigt und gesuud Euch Alle wiedersehen und umarmen kann. Ihr dürft mir keine Antwort schreiben; denn ich weiß keine Stunde wo ich bin. Indessen empfehle ich Euch dem Schutze Gottes, als Euer Bruder und Schwager. Mcstra am 28. Iuui 1848. Folgendes, aus dem Briefe elneS braven, schlichten Kraincrs, — Corporal bei der Artillerie— an seine in Kaibach im Arbcitcrstande lebenden Verwandten, dürfte wegen der darin ausgesprochenen, guten und muthigcn Gesinnung, die Veröffentlichung verdienen. Martin Schokcr. Liefert das einfache Schreiben, daß mir eine arme Nachbarin mittheilte, nicht einen rührenden Beweis, daß - Kft - ,s dem Menschen in allen Lagen, und auf jeder Bildungsstufe wohl sein könne, wenn er christlich gesinnt ist, und das Her; am rechten Flecke hat? i»Me?, HauptmaM. Neustadt! in Illirien. Druck und Verlag von Maria Tandlcr 6 Sohn.