VIER WEITERE NEUFUNDE FUR DIE GROflSCHMETTERLINGS- FAUNA SLOWENIENS Stanislav GOMBOC Ljubljana Abstract FOUR NEW REPRESENTATIVES OF THE LEPI-DOPTERAN FAUNA IN SLOVENIA Four species new to the Lepidopteran fauna of Slovenia were collected from the districts where the faunistic research is still somewhat sketchy. Three of them (Colias erate Esp., Scopula flaccidaria Zell. and Xestia cohaesa (Herrich-Schaffer)) were found in the NE part of Slovenia, one (Abrostola agnorista Dufay) in the SE part, all of them in the Subpannonian zoogeographical region. The finding of the Pierid butterfly C. erate is a result of the expansion of this species from the Balkans to the N, towards the Pannonian region. S. flaccidaria is a locally fairly common steppe-species; the finding of the Noctuid moth X. cohaesa is very special as the species was found far from its known area; while that of the Noctuid moth A. agnorista confirms its presence in Slovenia. This had not been confirmed until now, most probably due to the imprecise determination and the possibility of mistaking it for a similar species. In Slovenia all these species are rare and only of local importance. Izvleček - ŠTIRJE NOVI PREDSTAVNIKI V SLOVENSKI FAVNI METULJEV Štiri nove vrste v slovenski favni metuljev so bile najdene v favnistično slabo preučenih območjih Slovenije: tri (Colias erate Esp., Scopula flaccidaria Zeli. i n Xestia cohaesa (Herrich-Schaffer)) v severovzhodni Sloveniji, ena (Abrostola agnorista Dufay) v južni, vse pa v subpanonskem zoo-geografskem območju. Belin C. erate širi svoje območje z Balkana v smeri Panonske nižine na sever, S. flaccidaria je lokalno razširjena stepska vrsta, najdba sovke X. cohaesa je nadvse presenetljiva, daleč od znanega areala njene razširjenosti, najdba sovke A agnorista pa je potrditev razširjenosti te vrste v Sloveniji, kjer verjetno še ni bila znana zaradi zamenjav s sorodnimi vrstami. V Sloveniji so naštete vrste lokalne in redke. 101 ogical Society, download unter www.biolo^BßtttitfillitQmologica slovenica, 4 (2), 1996 Colias ernte Esper, 1805 Die ersten Meldungen über die Arealverbreitung der C. erate datieren aus dem Jahr 1990 (Habeler, 1992). In diesem Jahr wurde C. erate zum ersten Mal auch in Kroatien und in Österreich gesichtet. Sonst stammen die westlichsten Funde aus Rumänien und Bulgarien. Die Revision der Sammlung eines jungen Lepidopterologen Andrej Cinc aus Gancani (NO Slowenien), die ich gemacht habe, hat erwiesen, das auch in Prekmurje (Murgebiet) C. erate zu finden ist. Die Determination von C. erate hat später auch mein Freund H. Habeler bestätigt. Dieses einzige Exemplar wurde am 23. August 1993 auf einer Wiese am Waldrand im Hrascica bei Gancani (WM96, 180 m), NO Slowenien gefangen. Das Exemplar war schon etwas abgeflogen und es scheint nur auf Durchreise gewesen zu sein. Das bestätigen auch meine Versuche des Wiederauffindens. Alle Versuche waren ergebnislos, schon in den Jahren vor diesem Fund. Neben dieser Art versuchte ich auch mit dem Wiederauffinden von C. myrmi-done, die im Prekmurje (Murgebiet) vor 18 Jahren noch lebte. Aber auch diese Art scheint aus diesem Gebiet verschwunden zu sein, wie auch aus der Steiermark in Österreich. Alle solche Funde sind wahrscheinlich nur erfolglose Arealverbreitungsversuche, dazu kommt es meistens in extremen Jahren, mit der Veränderung von Lebensverhältnissen. Solche Arealverbreitungsversuche sind in der Zukunft noch zu erwarten. Scopula flaccidaria Zeller, 1852 Diese Art ist vor allem aus SO-Europa bekannt. In Mitteleuropa ist sie in Niederösterreich, Wien, Burgenland (Huemer, Tarman, 1993), Ungarn, in der Slowakischen und Tschechischen Republik (Fajcik, Slamka, 1996) meist lokal und tritt selten auf. Jetzt wurde die Art auch in NO Slowenien registriert. Je ein Exemplar der Art wurde am 10. August 1990 im Gancani und wieder am 10. August 1996, Umg. Murska Sobota (WM96, 183 m, NO Slowenien) auf dieselbe Lichtfalle mit zwei 18 W UV Röhren in einem extensiven Obstgarten nach 22.00 Uhr gefangen. Die Umgebung ist eine typisch steppenartige Stelle am Rand der Pannonischen Ebene. Die Verbreitung dieser Art in Slowenien ist wahrscheinlich nur auf östliche Teile von Slowenien begrenzt, wo diese Art jedoch lokal regelmäßig vorkommt. Zur besseren Verbreitungskentniss sind noch weitere Funddaten notwendig. Nach der Literatur hat S. flaccidaria 2 Generationen im Jahr, so scheint es auch in Slowenien zu sein. Die Art ist von den anderen in Slowenien vorkommenden Scopula-Arten nicht schwer zu unterscheiden. Xestia cohaesa (Herrich-Schäffer, 1849) X. cohaesa habe ich am 28. August 1993 ebenso im Gancani (WM96, 183 m, NO Slowenien) gefangen. Das Weibchen (Gen. Präparat Nr. 49) ist am Abend auf eine Lichtfalle mit zwei 18 W UV Röhren angeflogen. Die Ortsbeschreibung ist die gleiche 102 S. Gomboc: Vier weitere neufunde für die großschmetterlingsfauna Sloweniens szent wie bei S. ßaccidaria. Dass X. cohaesa so weit von ihren Verbreitungsgebiet entfernt vorkommt, ist erstaunlich. Dies ist nämlich der nordöstlichste Fund. Sonst gibt es Angaben von ihrem Vorkommen in Südostfrankreich, Sardinien, Ligurien, Süditalien, Sizilien, Mazedonien, Bulgarien, Griechenland und in Vorderasien (Hacker, 1989). Nach Hacker ist sie am Balkan nur auf die mediterrane Hartlaubzone beschränkt, in Kleinasien kommt sie jedoch auch in mittleren Lagen und auf den Hochebenen vor. Nach diesem Fund ist zu erwarten, das auch in anderen Gebieten zwischen der Mittelmeerküste und der Pannonischen Ebene weitere Funde möglich sind. Wieso dieses Exemplar so weit von seinen Verbreitungsgebiet gefunden wurde, ist noch unklar. Ob es sich nur um einen Irrgast oder ein verschlepptes Exemplar handet, ist unklar. Vielleicht ist das Vorkommen nur eine Folge der langen warmen Periode in diesem Jahr. Vielleicht gibt es schon mehrere Funde, von denen die Exemplare aber falsch bestimmt sind. Die Art ist nämlich X. xanthographa sehr ähnlich und war früher nur eine Unterart von dieser. Das Exemplar, das ich gefunden habe, ist auch kleiner als gleiche griechische Exemplare. Das ist für eine andere, ungünstigere Klimazone auch logisch. Nach Hacker hat die Art nur eine Generation, die von August bis Oktober ausfliegt. Abrostola agnorista Dufay, 1956 Diese wärmeliebende vorderasiatisch-mediterrane Art ist in zahlreichen Gebieten Südeuropas, im Kaukasusgebiet und im nordiranischen Elburgsgebirge verbreitet (Hacker, 1989). In Balkan wurde sie in Istrien, Dalmatien, Bosnien und Herzegovina, Mazedonien und im Griechenland gefunden. Weitere Funde werden aus der Schweiz, Italien, Sizilien, Korsika, und Österreich gemeldet (Scheuringer, 1975). Warum die Art von Huemer und Tarman (1993) in dem Buch Die Schmetterlinge Österreichs nicht einbezogen wurde, ist mir nicht bekannt. Dieser aus Slowenien stammende Fund ist jetzt der nordöstlichste in Mitteleuropa. Ein Weibchen (Gen. Präparat Nr. 48) wurde im Kostanjevica bei Krka (in der Nähe von Krsko) am 19. Juli 1994 auf eine 150 W UV Falle gefangen. Die Falle war in der Mitte einer Obstbaumplantage auf einem Hügel aufgestellt. Das ist eine warme Gegend im Bereich des Flußes Krka. Der Nachtfang an der selben Stelle dauerte vom Frühling bis zum Herbst und alle Funde sind noch nicht bearbeitet, so dass noch mehr Exemplare von derselben Art zu erwarten sind. Weil die A. agnorista leicht mit den übrigen Abrostola-Arten verwechselt werden können, meist mit A. trigémina Wemb., sind Genitaluntersuchungen fast immer notwendig, um die Art sicher zu unterscheiden. Dafür gibt es schon gute Unterlagen in Forster & Wolfahrt (1980). Vielleicht ist das der Grund, dass A. agnorista nur von wenigen Fundstellen bekannt ist. Weitere Sammlungsrevisionen werden noch zu empfehlen sein, um die Art festzustellen. Seiner Ökologie nach soll sie noch weiter nach NO verbreitet sein, sowohl in Slowenien als auch in Österreich. Nach Scheuringer bildet die Art zwei Generationen in Jahr, von Ende April bis Mitte Juni und von Mitte Juli bis Mitte September. 103 ogical Society, download unter www.bioiogteteiteurtomologica slovenica, 4 (2), 1996 Literatur Carnelutti, J., 1992a: Rdeči seznam ogroženih metuljev (Macrolepidoptera) v Sloveniji. Varstvo narave (Ljubljana), 17: 61-104. Carnelutti, J., 1992b: Popravki/errata. Varstvo narave (Ljubljana), 18: 189-190. Fajčik, J., F. Slamka, 1996: Die Schmetterlinge Mitteleuropas. I. Band. František Slamka, Concordia Trading spol. sr. o., Bratislava, 111 S. + Farbtafeln. Forster, W., Th. A. Wohlfahrt, 1981: Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Spanner (Geometridae). Band V. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 312 S. Forster, W., Th. A. Wohlfahrt, 1980: Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Eulen (Noctuidae). Band IV. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 393 S. Habeler, H., 1992: Colias erate Esp., ein neuer Einwanderer (Lepidoptera). Mitt. Abt. Zool. Landesmus. Joanneum, 46: 49-50. Hacker, H., 1989: Die Noctuidae Griechenlands (Lepidoptera, Noctuidae). Herbipoliana, Buchreihe zur Lepidopteorologie, 2, 589 S. Higgins, L. G., N. D. Riley, 1978: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. 2. Auflage. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, 377 S. Huemer, P., G. Tarman, 1993: Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die einzelnen Bundesländer. Beilageband 5 zu den Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum, Innsbruck, 224 S. Koch, M., 1976: Wir bestimmen Schmetterlinge. IV Spanner. 2. Auflage. Neumann Verlag Leipzig - Radebeul. 280 S. Scheuringer, E., 1975: Zur Verbreitung von Abrostola agnorista Dufay in Südtirol und dem südlich anschließenden Gebirgsland. Nachrichtenblatt der Bayrischen Entomologen, 24 (3): 58-59. 104 S. Gomboc: Vier weitere neufunde für die großschmetterlingsfauna Sloweniens szentrum.at SI. 1: Colias erate Esp. levo zgoraj, Scopula flaccidaria Zeli. desno zgoraj, Xestia cohae-sa (Herrich-Schaffer) levo spodaj, Abrostola agnorista Dufay desno spodaj. Naslov avtorja/Author's address Stanislav GOMBOC Biotechnical Faculty, Agronomy Department Jamnikarjeva 101, SI-1000 Ljubljana 105