1906 (Dezember). ^ \ (X t t Q Aokge 36. für ^ flbteilungsuimrhcbf Herausgeber: Prof. Rudolf €. Poorz, k. k. Bezirksfchulinspektor in Laibach. Die „Blätter für Abteilungsunterricht" erscheinen als Beilage zur „kaibachcr Schulzeitnng" monatlich. Bezugsgebützr 2 K jährlich. Einzelnummer 30 h. Geschäftliches au die ^Verwaltung der Blätter für Abteiluugsunterricht in Laibach". Inhalt: 1.) Pädagogische Fabrtksware. 2.) Hausaufgaben in der Landschule oder nicht? — 3.) Ratschläge für die Vor- bereitung zur Bürgerschullehrerprüfung. — 4.) Die Wechsclredc. — 5.) Kleine Mitteilungen. — 6.) Briefkasten — 7.) Bücher- und Zeitungsschau. — 8.) Von Schule zu Schule. — 9.) Inhalt des Jahrganges 1906. „Nicht die Talente, nicht das Geschick zu diesem oder jenem machen eigentlich den Mann der Tat: die Persönlichkeit ist’s, von der alles abhängt. Goethe. pädagogische Fabriksware. Noch seh' ich es vor mir das Bild in der Stube des ehrsamen Schuhmachermeisters, dem wir Buben alltäglich unfern Besuch abstatteteu. Es trug die Bezeichnung „Altweiber-fabrit". Wie uns die grellen Farben gefielen und gar die lustigen Berslein am Rande des Kunstwerkes! In der Mitte war eine vielrädrige Maschine mit Schlvtt und Röhren zu sehen, links spazierten alte runzelige Weiblein hinein, das eine hager und verzerrt, das andere kugelrund, geschrumpft im Gesichte, ein drittes mit einer Warze ans der Nase und dem einzelstehenden gewaltigen Zahne im Kiefer; rechts hüpften sie als junge, blühende Mädchen heraus, Mädchen mit rosigen Wangen und lockigem Haar, Mädchen von gleichem Schnitt — Fabriksware. Jahrzehnte sind über diese Eindrücke hinweggcranscht und die Vorstellung war unter die Bewußtseinsschwelle gesunken, lag erstorben, begraben. Nun, da der Geist aus dem Ringen in die behagliche Breite abgleitet und das Auge beobachtend die Verhältnisse mustert, weckt die „ähnliche" Erscheinung das verblaßte Bild; ans der Betrachtung unseres Schulwesens steigt das Bild der Altweiberfabrik, mit neuen Farben nnsgestattct, empor, frisch, wie es einst in die Seele des Kindes eingezogen war. — In unscre Fabrik, in die pädagogische Fabrik, wandern nicht die runzeligen Matronen, um neugeboren in die Welt der Lust zu treten; durch unsere' Pforten ziehen links die kleinen Figürchen hinein, Persönchen, das eine mit verschleiertem Auge und herabhängender Lippe, das andere mit offener Stirne, klarem Blick und lächelndem Munde, ein drittes mit dem scharfen Blitz und dem Trotz im Gesichte — und rechts schleichen sie heraus gebrochen, blaß, geschminkt mit nnnatürlichein Ernst, gemessen, junge Greise, einer wie der andere, — Fabriksware. . . Die Individualität! Ein verzwicktes Wort! Es will nicht recht über die Lippe und noch weniger ins Leben. Seht Euch den Tyrannen hinter dem Pulte an! Unbarmherzig schlendert er seine Donnerkenlen herab, nicht achtend, wen sie treffen. „Gleiches Recht für alle und gleiche Pflicht!" venüm rum Hcujahrszuruf nur Ecbrcrbcimkartcn! Hat der lebhafte, geweckte Justi, der nie eine Antwort schuldig bleibt, unter der Bank nach seinem Ringelspiel geluckst, kriegt er Strafen wie der bleiche Gusti, so er sich einmal muckst; weiß gleich dem geistes-,,armen Heinrich" die Lektion der talentierte Franz, so wird um die Schläfen ihm gewunden der „wohlverdiente" Lorbeerkranz. — Mein Gott, wie doch die Verknöcherten, die Flachsmänner, in die Hitze geraten, wenn ein kleiner Schelm einmal ein lustig' Schelmenstücklein verübt 1 Da wird der „Störenfried, der Nichtsnutz, der . . . ." in Acht und Bann getan, gefoltert, gepeinigt, gerichtet. Knickt er ein, schließt er die Türchen des Geistes, durch die der Schelmengedanke sprang, dann ist er brav, dann gefällt er dem Präzeptor, dann paßt er so recht zur „wohlgesitteten" Schülerschar. Welch' ein Vandalismus an dem herrlichsten Kunstwerke wird da begangen! — Die Klasse hat denselben Schnitt bekommen; man kann von ihr auf den Lehrer schließen. Trauriger Ruhm! Mit Tortur und Spangen habt ihr die kleinen Geister in Fesseln geschlagen, und darauf wollt ihr stolz sein?! — Der Junge wird Mittelschüler. Der geknechtete Geist erwacht und will die Ketten zerreißen. Es gelingt ihm; er ist frei. Auf wielange? Dort an der Wand hängt ein bedrucktes Blatt Papier; dorthin weist der gestrenge Professor; der Direktor kommt, die Konferenz kommt, in feierlichem Schritt marschieren sie herein die Oberponzen und Ponzen: „Noch ein einziges Vergehen gegen die Disziplinarvorschriften — und Sie werden ausgeschlossen!" Wie das in die Seele hineinklirrt und rasselt! — Drüben in der Anstalt, die Lehrer heranbildet, ist es nicht anders. Der Gymnasiast mag noch seine Wege finden, wenn das Schreckliche über ihn kommt; wohin soll aber der Sohn armer Eltern, der Sohn der Witwe, das Waisenkind? Also schlummere ein du freier Geist, leg dich hin und stirb; dann wird dein Haus ungefährdet auf dem Meere des Lebens dahinsegeln I---------- So steht es um unsere Erziehung im zwanzigsten Jahrhunderte — und diejenigen, die erziehen sollen, sind in der Regel nicht besser dran als jene, die von ihnen erzogen werden. Das ist auch ganz erklärlich: Wäre der Lehrende eine Person, so würde er Persönchen heranbilden; so ist er aber nur das Machwerk der Fabrik: Folglich liefert er nichts als Schrauben und Winden von selbem Muster. — „Die Methode soll frei sein!" wie stolz das klingt: Man könnte vor Entzücken nach dem Charlotten-Walzer singen und tanzen, wäre es wahr in der Tat. So aber kommt der Bureaukrat und schnürt die schöne Phrase ein, bis sie erstickt. Prüfte man in der Schule statt des verkünstelten Apparates und statt der wechselnden Methode die Individualitäten und freute inan sich über die Mannigfaltigkeit der Persönchen, dann würde der Lehrer zur Individualität, zur Person und könnte von innen heraus, aus seinem Wesen sich jenes Verfahren selbst schaffen, das zu seinem Wesen paßt, das tausendfach wirkte, weil es durch die Überzeugung getränkt wäre. Ein Inspektor, der innerhalb bestimmter Grenzen seinen Lehrern freien Spielraum läßt, braucht nicht den Krain methodischer Schriften und das Rezept bewährter Heilmittel; er braucht nur den freien Blick, sich in den Charakter des Lehrers zu vertiefen, um aus dieser Beobachtung einen Maßstab für den Untemchtsbetrieb zu gewinnen. Herrscht Einklang, besteht zwischen Lehrer und Schüler das natürliche Weben, sprießt der Erfolg, dann weg mit der richtenden Hand! — Warum entzückt uns die bunte Wiese? Weil sic tausend Blümchen trägt und doch jedes anders bietet. So mögen denn auch jene Geschöpfe der Natur, die wir Menschen nennen, im ganzen zwar sich eng zusammenschließen, im einzelnen jedoch mit besonderer Eigenart uns grüßen, damit wir uns ihrer freuen wie an den Kindern des Frühlings! — Hausaufgaben in der Landschule oder nicht? (Ein Einleitebericht zur neunten Frage vom Schulleiter Ernst Jager in Siebing.) (Schluß.) 3.) Die Beobachtungsaufgaben. Bei diesen wird das Kind nicht in die Stube gebannt, braucht nicht beim Tische zu sitzen, um mit Ach und Weh seine Tafel mit starren Buchstaben oder Ziffern zu bedecken. Da kann es hinaus in die freie Natur, wo es am liebsten weilt. Wie oft weilt es im Freien und doch kennt es so wenig die Natur; es freut sich unbewußt. — Der Mensch ist von seinem Schöpfer mit dem Gesichtssinne ausgestattet worden, auf daß er die Herrlichkeiten der Schöpfung schaue, die Allmacht des Schöpfers bewundere und zugleich erkenne, welch große Liebe im Wesen Gottes eingeschlossen sein muß, daß Gott soviel des Schönsten und Besten in die Welt gesetzt hat. Mitten in diese Pracht aber schuf er den schwachen Menschen, daß er aus allem Nutzen ziehe und sich freue. Und dafür verlangt der Schöpfer nichts zur Gegenleistung, als nur ein bißchen Verehrung und dankbare Liebe. Schließt das nicht den ganzen Inhalt der Religion in sich? — Nach alldem möchte ich behaupten, daß, wenn die Eltern und die Schule, obige Betrachtung vor Augen haltend, die Kinder schon vom zartesten Alter an zur Betrachtung der Natur im obigen Sinne anleiten würden, die Erde bessere, frömmere und gemütsreichere Menschen trüge. Nachdem ich mir nun diese kleine Abschweifung erlaubt habe, glaube ich, wohl annehmen zu können, daß jeder einsehen muß, inwieferne eine tiefgehende Naturbetrachtung einen bedeutenden erziehlichen Wert bietet. Die Gelegenheit, die Schüler nach dieser Richtung zu betätigen, ist dem Lehrer in den Beobachtungsaufgaben gegeben. (Besser für diesen Zweck wären allerdings Spaziergänge mit den Schülern, weshalb es wohl für die moderne Schule eigentlich unerläßlich ist, regelmäßig wiederkehrende Exkursionen obligatorisch einzuführen.) — Selbstredend muß sich der Lehrer auf solche Beobachtungsaufgaben beschränken, die ihm unmittelbar beim Unterrichte dienlich sind. Das Hauptkommando führt dabei der Unterricht in der Naturlehre. Da läßt sich fast alles, was in der Volksschule gelehrt wird, beobachten. Aber auch die Naturgeschichte bietet reichlich Stoff zu solchen Aufgaben. Zu den naturlehrlichen Beobachtungsaufgaben möchte ich auch rechnen, daß man die Schüler dazu anhält, solche in der Schule gesehene Versuche, die keiner speziellen Apparate oder besonderer Materialien bedürfen, daheim wieder zu machen. — Bei den Beobachtungsaufgaben lasse man auch nicht das Gewöhnlichste in der Umgebung des Kindes außer acht, denn es ist ja eine allbekannte Erfahrung, daß die Kinder sehr häufig selbst von Dingen, die sie vielleicht alle Tage sehen, die Einzelheiten nicht angeben können. Wohl wird der Lehrer stets achten müssen, die Schüler so gut als möglich anzuleiten, wie sie die Beobachtung anzustellen haben; andernfalls wissen sich ja die Kinder nicht zu helfen und die Beobachtung unterbleibt. Um den Kindern auch wirklich Zeit und Gelegenheit zu bieten, müssen die Aufgaben mindestens zwei bis drei Tage in der Schule vorher angegeben werden, ehe man das Betreffende besprechen will. — Des großen Wertes der Beobachtungsaufgaben wegen wäre es wünschenswert, daß der Lehrer von solchen Aufgaben oft und oft Gebrauch macht; denn so lernen die Kinder erst schauen. Wenn sie aber in diesem Sinne schauen können, bekommen sie immer mehr Lust und Freude zur Sache, die Sinne werden regsamer und die Schüler verfolgen dann in der Schule die Erklärungen zu ihren Beobachtungen mit regem Eifer; damit ist dann alles, alles gewonnen. Was sich das Kind in der Schule angewöhnt, das wird es auch im späteren Leben treiben. Nach all dem Gesagten, will ich der aufgeworfenen neunten Frage näher an den Leib rücken. — In Städten und Märkten erkennen die Eltern den Wert der Schule; außerdem sind sie um die geistige Ausbildung ihrer Kinder besorgt und trachten daher, daß die Kinder auch daheim ihren Schülerpflichten nachkommen, was natürlich der Schule zu großem Nutzen gereicht. Da werden die Kinder überwacht, damit sie ihre Hausaufgaben sorgfältig machen. Aber auch die Kinder selbst sind frischeren Geistes und lerneifriger und Eltern wie Kinder, wenn auch nicht durchgehends, sehen die Hausaufgaben als etwas Selbstverständliches, wirklich Gutes und Notwendiges an. Da können die Hausaufgaben Segen bringen für Schule und Schüler. — Anders, ja ganz anders, ich möchte sogar sagen, ganz konträr sieht es auf dem Lande aus. Da heute Arbeitskräfte schwer oder nur um hohe Löhne zu haben sind, so verlassen sich die Landbewohner auf die Mithilfe der Kinder. Außerdem kümmert sich mancher blutwenig um das zukünftige Wohl derselben oder wenigstens muß man es glauben, wenn man es so häufig hört: „Was brauchen die Kinder so viel zu lernen, wenn sie Bauern werden! ’s ist ja vollends genug, wenn sie den Katechismus, ein bißchen lesen und ihren Namen schreiben können. Mehr brauchen sie nicht.“ Darum ist manchem Bauer die Schule an und für sich ein Dorn im Auge. „Wenn mein Bub nur schon bald 14 Jahre alt wäre, daß er von der Schule loskommt!“ kann man des öfteren hören. Ist solchen „Schulfreunden“ schon die tägliche Unterrichtszeit zu viel, was sagen sie dann erst, wenn das Kind nun noch daheim auch lernen oder schreiben soll? Was sie sagen? Einer brummt etwas in den Bart, ein anderer schimpft über Schule und Lehrer, ein dritter zetert und schreit und sagt es deutlich genug, was auch die anderen denken: „Zu Haus’ hat der Lehrer mit dir nichts zu schaffen, zu Haus’ gehörst mir. Schau, daß aufs Feld kommst! Die Aufgab’ brauchst nicht zu machen!“ So bringen die Schüler entweder keine Aufgabe oder eine, die sie erst vor dem Schul-hause in aller Eile von einem Mitschüler schleuderhaft abgeschrieben haben, oder nur einen Teil. Wenn die Kinder also von Haus aus die Aufgabe nicht machen dürfen, kann man sie da strafen ? Unter solchen Umständen bringen die Hausaufgaben statt Nutzen Schaden, indem die Schüler auf diese Weise zur Nchtbeachtung der Anordnungen des Lehrers oder zum Betrüge angeleitet werden. Da der Lehrer gegen die Zeterer sozusagen machtlos ist, so ist es unter allen Umständen besser, die Hausaufgaben so viel als möglich zu beschränken. An ein- und zweiklassigen Schulen, wo die Schüler ohnedies in der Schule viel schreiben müssen, also da genug üben, könnten die schriftlichen Hausaufgaben gänzlich entfallen. (Ich selbst lasse sie schon längst weg.) Dafür aber sollte man sich mehr auf die Beobachtungsaufgaben verlegen, die der Schüler während seiner häuslichen Tätigkeit leisten kann und dazu also keine besondere Zeit benötigt. Ratschläge für die Vorbereitung zur Gürgerschuttehrerprufung. (Fortsetzung.) Du fragst erstaunt: In, werden wir nicht konzentrisch in mehreren Fächern zu gleicher Zeit fortschreiten? Siehst du, das ist der erste Fehler, der die tausend Vorhaben vernichtet: Man stürzt sich sogleich in die vollen Massen und erstickt dann darin. Nur gemach die Psychologie durchgearbeitct mit ganzem Sinn ohne Stockung und Abschwenkuugl Haben wir einmal durch gründliches Studium des einen Gegenstandes den Blick geschärft, so werden wir mit derselben Gründlichkeit und mit tiefgehendem Verständnisse auch die anderen Fächer durchblicken; die genaue Kenntnis des Seelenlebens wird uns schulen, wird uns für unsere Arbeit die beste Methode bringen. Dächten alle daran, sie könnten alle getrost an den Prüfuugs-tisch treten. — Wir sind bis zur „Wahrnehmung" gekommen. Das Wort ist uns der Form nach ans dem zweiten Jahrgange der Lehrerbildungsanstalt bekannt, aber nicht dem Inhalte nach, wie ihn die moderne Psychologie festgelegt hat. Da taucht z. B. in dem Kapitel der Ausdruck „Lokalzeichen" in Fettdruck auf. Was soll das heißen? Ist etwas ganz Selbstverständliches, du hast es an dir und anderen oft beobachtet. Unmittelbar daraus ergibt sich die Isolation der Empfindungen, für die Sinnesempfindungen von großer Wichtigkeit. Das alte Mens sana in corpore sano wird immer klarer, immer deutlicher, immer tiefgründiger und der Anschauungsunterricht, der sich sonst nur mit wichtiger Miene in Phrasen hüllte, erhält allmählich eine Helle, allseitige Beleuchtung. Du greifst an die Stirne und sagst zu dir selbst: „Ah so, jetzt erkenne ich erst die Wichtigkeit der mehrfachen Anschauung!" — Die VorstellungI Das wurde doch seinerzeit tüchtig eingepaukt! Aber wie studiert? Hast du damals etwas von Phantasie-, Denk- und Gefühlsvorstellnngen gehört? Für letztere bietet unser Buch leider auch nicht die nötige Erklärung; laß dir für diesen Abschnitt Dittes' „Schule der Pädagogik" ans der Bezirkslehrerbücherei kommen und lies das einschlägige Kapitel! Da ivird dir so manches klar werden, das wir im alltäglichen Leben mit Sympathie und Antipathie, mit Zn- und Abneigung, mit Wohl- und Mißbehagen bezeichnen. (Fortsetzung folgt.) Die ttlecbselredc. Zur <>. Krage. (Welche Stoffmassen [Kapitel] sollen aus dem jetzt bestehenden Lehrpläne ausgeschieden oder in demselben zugeschnitten werden?) 23. Urteil. Lehrer Hans Wiegele in Rinkendorf bei Blei bürg (Kärnten). Aus dem Rechenunterrichte wäre folgendes auszuscheiden: 1.) Rechnen mit gemeinen Brüchen, deren Gebrauch im praktischen Leben nie oder nur sehr selten vorkommt. Man beschränke sich auf die einfachsten Arten von Brüchen und verbinde das Bruchrechnen mit dem Schlußrechnen. Deshalb sollen die Rechenbücher mehr praktische Aufgaben mit benannten Zahlen enthalten. 2.) Verwandeln der Dezimalbrüche in gemeine Brüche und umgekehrt. Die Antwort jeder angewandten Aufgabe, wenn deren Resultat eine benannte Dezimalzahl mit mehreren Dezimalstellen ist, muß entweder abgekürzt oder verwandelt werden, z. B. 3 4678 K = 3 K 47 h; 48 6734 ha = 48 ha 67 a 34 m*. 3.) Berechnen des Alters, der Geburt und des Sterbetages bis auf die Tage genau. Dieses Rechnen ist eine Zeitvergeudung und nicht zweckentsprechend. Dagegen soll auf das Schluß- und Kopfrechnen mehr Gewicht gelegt werden. 4.) Dividieren durch Dezimalzahlen mit Stellenwertbestimmung ist überflüssig und geisttötend. Die meisten Kinder werden dabei verwirrt und bekommen eine Abscheu vom Dividieren. Besser ist es, wenn man Dividend und Divisor mit 10, 100.. ., je nachdem der Divisor I, 2 . . . Dezimalstellen hat, multipliziert, um dann durch eine ganze Zahl dividieren zu können. — Sprachlehre: Im allgemeinen soll man im Sprachunterrichte nicht zuviel Regeln lernen oder besser gesagt eindrillcn lassen, sondern mehr praktische Sprachübungen pflegen. Auch soll die Anfertigung von Briefen, Gesuchen und der wichtigsten Postdrucksorten mehr Berücksichtigung finden. Überhaupt muß der Aufsatzunterricht in den Vordergrund des Sprachunterrichtes treten. Gänzlich auszuscheiden wäre: Die Arten des Hauptwortes; die Wort- und Satzanalyse; die ateinische Benennung der Satzglieder und die trockenen Beschreibungen von Tieren und Sachen. Zur 7. Krage. (Inwieweit kann das Helferwesen im Abteilungsunterrichte Geltung haben?) 12. Urteil. Schulleiter Ernst Jager in Siebing. Obwohl so mancher Schüler der oberen Schuljahre als Helfer gut zu verwenden ist, so möchte ich doch meinen, man sollte das Helferwesen so wenig als möglich in Verwendung nehmen. Ich würde dasselbe mit einer zwar nutzbringenden, aber sehr gefährlich zu handhabenden Maschine vergleichen. Wer mit einer solchen Maschine gut umzugehen versteht, dem wird sie zum Segen; wer sie aber nicht handhaben kann, dem wird sie zum Verderben. So geht es dem Lehrer-Maschinisten bei der komplizierten Helferwesen-Maschine. Natürlich denke ich dabei an ein ausgedehntes, den ganzen Unterricht durchwehendes Helferwbsen. Zur wirklich nutzbringenden Verwertung eines solchen gehört aber ein umsichtiger, tüchtiger, ganzer Mann, ein Schulmeister im edelsten Sinne des Wortes. Von jedem ändern sei es lieber gemieden* Drum schreibe man die Einführung des Helferwesens niemanden vor. Wer den Mut und die Kraft in sich fühlt, kann es immerhin tun. Helfer bei den Fertigkeiten, insbesondere beim Zeichnen, könntet! jederzeit Verwendung finden, denn warum sollten fortgeschrittenere Schüler, die fast immer schneller fertig sind, nicht in der übrigen Zeit die Schwächeren unterstützen? iir> (©oft die Einklassige eine Achtklafsige im kleinen sein oder eine SiHulgKttung besonderer Art?) ' 8. "Urteil. Lehrer Hans Wiegele in Rinkenberg bei Bl ei bürg (Kärnten). Wenn man in Mittelschulen die Landkinder mit Stadtkindern vergleicht, so bemerkt man, daß erstere viel intelligenter sind als letztere. Der Grund liegt wohl darin, daß vom Lande nur die besten Schüler in Mittelschulen geschickt werden, während in der Stadt jeder halbwegs gute Schüler studieren „muß“. Und wenn so ein Muttersöhnchen nicht durchkommt, so ist ja nicht der Zögling, sondern immer nur der Instruktor schuld!? Die gesunden Landkinder sind durch Entbehrungen abgehärtet, zum Studieren sehr geeignet und viele von diesen haben sich hohe Stellen erworben und sind in der menschlichen Gesellschaft angesehen und geehrt. Das ist ein Verdienst der Landschule, und die einklassige Volksschule ist nicht die letzte, welche da in Betracht kommt!1 Die Erfolge derselben kommen aber auch den Kindern zu statten, welche nicht ins Studium geschickt werden, aber doch für das spätere Leben vorbereitet und so zu tüchtigen Staatsbürgern erzogen werden. Deshalb soll an einklassigen Volksschulen so viel geboten werden, als eben möglich ist. Das wird man aber nur dann erreichen können, wenn man den Kindern auch diese Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, welche den Kindern einer höher organisierten Schule zuteil werden. Selbstverständlich kann der Wissensstoff nur ein beschränkter sein; dafür wird aber das Wenige, das geboten wird, um so gründlicher behandelt und zum geistigen Eigentume der Schüler gemacht. Ich stimme mit dem ersten Urteile überein: „Die einklassige sei eine achtklassigc Schule im kleinen.“ 9. Urteil. Oberlehrer A. Berlinger in Rehmen (Vorarlberg). Die Einklassige ist eigentlich schon vermöge ihres Schülermaterials eine eigene Schulgattung, indem d-eselbe alle acht Schuljahre vereinigt. Als Achtklassige im kleinen müßte notwendig eine große Zersplitterung der Unterrichtszeit eintreten, da mit den verschiedenen Abteilungen und den vielen Gegenständen gar oft gewechselt werden müßte. Einklassige Schulen sind auch nur in kleineren, abgeschlossenen Orten, deren Bewohner in der weitaus größeren Mehrzahl Landwirtschaft und Viehzucht treiben und zvvar die Jungen wie die Alten, deren Schulbildung mit der Einklassigen endet. Infolgedessen sollen die Schüler jn den acht Jahren eine Schulbildung erhalten, die fürs Leben taugt. Läßt man in der Einklassigen aus allen Gegenständen der Achtklassigen löffeln, so wird damit wenig geholfen sein; dagegen wird kräftige Hausmannskost in Religion, Lesen, Schreiben Rechnen den Schülern eine gute Grundlage für den künftigen Lebensberuf zu bilden imstande sein. Kleine Mitteilungen. y2 22.) Angetcikter Dormittagsiintcrriiht, zwei Monate Serien, (krliurfloncn — langsam, langsam; meine Herren! Das Bäuerlein greift zur Feder: „Sperrt lieber gleich die Bude zu!" — Man sollte eins nach dem ändern bringen. Warum die Köpfe unter den Zipfelmützen erhitzen, wenn es ohne Geschrei auch-geht? 23.) Straßeneinräumer — Porilsschuklehrcr! Dieser Leitbericht (Folge 33!) scheint nach unten und nach oben gewirkt zu haben: Man hat sich die Folge kommen lassen, hat den Artikel nachgedruckt und hat darüber viel gesprochen. Das sollte von Dauer sein, denn nur dann wird der Ruf wirken! Folge 33 kann jederzeit bezogen werden; der Bericht sollte in alle Lehrerblätter und müßte für Lehrerversammlnngen einen wichtigen Punkt bilden; sonst schläft die Sache ein und in einigen Jahren muß wieder jemand kommen, der sic ans kurze Weile weckt, um sie sodann in umso tieferen Schlummer zu senken. — Als Ergänzung diene nachfolgende „Konkursausschreibung": „Jn .... ist eine Straßeneinräumerstelle mit dein Gehalte der dritten Gehaltsstufe der Dicnerkategorie jährlicher 1000 Kronen, mit einer 20 prozentigcn Aktivitätszulage, einem Dienstkleid - Äquivalente jährlicher 100 Kronen und einem angemessenen Straßenbegehungspauschale, dann mit dem Ansprüche auf zwei Dienst--------------- . an: 1 Ein tapferes Wort, das uns mit Stolz erfüllt! Die Schrift!. ms altersznlagen von je 100 Kronen für je fünf in definitiver Eigenschaft im Zinilstaatsdienste vollstreckte Dienstjahre sowie mit dem Vorrückungsrechte in die zweite Gchaltsklasse von 1200 Kronen zu besetzen." — Mein Liebchen, was willst du noch mehr? 24.) Anlieimtiili I Unlängst erhielt ich einen Brief mit folgender Anrede: „Hochwohlgeborener, ver-ehrtester Herr P., gnädigster Herr k. k. Bezirksschulinspektor!" Mir lief's kalt über den Rücken, anstatt daß cs mir hätte warm werden sollen. Solche Phrasen sind eines Lehrers unwürdig. — Ich hatte des Über* höflichen schon vergessen, da kam ein zweiter Tusch und zwar in einer Tageszeitung. Dort war folgendes zu lesen: „Öffentlicher Dank. Die gefertigte Schulleitung gestattet sich, im Namen der armen Gebirgskinder Ihrer Hochwohlgeboren der gnädigsten Frau .... Edlen v , Gemahlin des k. k. Bezirkshauptmannes von ...., Herrn .... Edlen v , für die der gefertigten Schulleitung gnädigst übermittelten 50 K zu Gunsten der hiesigen Suppenanstalt, sowie für die weitere gütige Spende von achtzehn Paar Winterstrümpfen und zwölf Paar Pulswärmern hieinit öffentlich den herzinnigsten Dank auszudriicke» und ein tausendfaches Bergelt's Gott! zu sagen. P., Oberlehrer und Schulleiter." — Alle Achtung vor der „Edlen v." und vor dem „Edlen v." ob der Spende; aber der Dank hätte sich einfacher, männlicher, würdiger geben lassen. Diese allzutiefe Untertänigkeit erinnert an die .Höflingszeit, da der „Schulmeister" mit Scheu den Rocksaum des Adeligen küßte. — Und was soll das heißen: Oberlehrer und — Schulleiter? 25.) Pein Zaghaften ins Stammbuch: Weh dein Manne, der, verzagend, Auf verfloff'nc Stunden schaut, Der, die Gegenwart verklagend, Nicht der eigenen Kraft vertraut. Der mit Wehmut und voll Bangen Rückwärts hält den Blick gewandt: Glänzend liegt, Du rnußt's erlangen, Vor Dir das gelobte Land. Heinrich Zeise. Briefkasten. Schilt. M. in 2*.: Die „Urgenz" vorn 4. Dezember hat den Brief vorn 28. September rasch ans dem Schriftenhanf gezaubert uud ich antworte nunmehr „postwendend": 1.) Wir dürfen den armen Herrn „Sch." nicht mit einemmale non allen Seiten zwicke», sonst wird er böse und bietet nicht mehr würzige Kost. Die „Polemik" tut, wenn sie nobel ist wie Ihre, nur gut. Also die menschliche Rücksicht hat das Urteil aufgehalten. — 2.) Der Beitrag über „Das Schreibenlehren und -lesen" wäre mir sehr willkommen. Legen Sie ihn mir auf den Weihnachtstisch! — tdlil'. Sch. in 28.: Ihre» Plan, statt wöchentlich jeder Abteilung Va St. Erdkunde und Geschichte, bezw. Va St. Naturkunde zu bieten, diese Zeit auf 2/a St. zusammenzuziehen, so daß diese Woche nur Geographie und Geschichte, die nächste nur Naturkunde behandelt werden soll, damit etwas Ganzes, Abgerundetes geboten werde, kann ich trotz der richtigen und guten Absicht nicht billigen. Fürs erste: Der Stoff wird dadurch zerrissen. Fürs zweite: Wozu die ängstliche Ab-grenzung? Bei Einhaltung eines Turnuffes können Sie die Abteilungen mit ein und demselben Stoffe recht wohl verbinden; das gibt eine volle Stunde, also Abrundung. Dazu das Lesebuch! Es soll den Realien dienen, soweit sie dort berührt werden; andernfalls muß der Aufsatz das Gewonnene sesthalten, es ergänzen, läutern, klären. Würden doch die Lehrer statt der Fehlerjagd in den Diktaten den Stoff aus den Sachgebieten niederschreiben und so mit dem Wachsen neuer Begriffe und Vorstellungen den Wortschatz in Rede und Schrift wachsen lassen! — So, mein Lieber, findet der Gedanke sein Hintertürchen, das kein Inspektor vermauern kann, wogegen er Ihnen die Änderung des Stundenplanes arg verübelte. — Schilt. 2?. in H.: Lassen Sie sich durch die Nörgler nicht irremachen! Man hätte viel zu tun, wenn man es allen rechtmachen wollte. — Geradeaus vorwärts auf geraden Strecken, in die Ohren Wachs, in die Hand den Stecken! — Amtsbruder Aantnr in 2'atcrgafse» hat fünf neue Abnehmer angemeldet. Würde jeder in gleicher Weise die Gemeinde vergrößern helfen, so schritten wir bald zur zweimaligen Ausgabe im Monate. — Lehrer H. in Z.; Urteilen Sie mit dem Blick auf die Sache oder mit dem Blick auf die Person? Wenn letzteres nicht der Fall ist, dann müssen Sie mir beipflichten, daß nur ein „Lehrerheim" das Ideal u. zw. das nahe sein kann, nicht aber der Fond. Wenn wir jetzt schon verteilen wollten, sind wir in kurzer Zeit um eine schöne Hoffnung ärmer. — Lehrer (£•. in K.: Ihre eifrige Mitarbeit zeigt, daß Sie nicht rasten sondern die Liste jener, die wir mit Stolz die Unseren nennen, um einen Tüchtigen bereichern. — E. P. S.: So habe ich es als Übungsschullehrer auch gemacht, nur die „Übersicht", die ich voll anerkenne, fiel mir nicht bei. Das ist entwickelnder und anschaulicher Geschichtsunterricht, der seine Schütze nicht allein im Gedächtnis, sondern hauptsächlich im Verstände ablagert. Bringen Sie mir die angekündigte Arbeit möglichst bald; die Kärtchen freilich müssen leider wegbleiben, sie verwickelten uns mit der Entwicklung in — Schulden. — Umfrage: Wer will aus den für die sechste Frage gelieferten Urteilen die übersichtliche Darstellung an-legen und mir einsenden? — Schilt. Sch. in It.: Ihr Humor gefällt mir; ich schätze ihn höher ein als die Gehaltsaufbesserung. Was gäbe mancher darum, ließen Sie ihm ein Quentchen ab! Eine Stelle aus Ihrem Briefe wird für ihn eine Belebungspille sein: „Es heißt zwar: Wer nichts hofft, wird nicht enttäuscht; allein Glaube, Hoffnung und Liebe sind die einzigen drei göttlichen Tugenden, ohne deren fortgesetzte Übung das Geschlecht der Lehrer längst schon ausgestorben märe. Es wäre trostlos, nichts hoffen zu dürfen; lieber erleide ich eine Enttäuschung und fange von neuem an zu hoffen: Besser ein Wahn, der uns beglückt, als eine Wahrheit, die uns niederdrückt. Und wenn ich nach der Lehre der „Wiederverkörperung" wieder auf die Welt kommen sollte, was ich übrigens lebhaft wünsche, — ich werde wieder Lehrer. Nur ein klein bißchen klüger möchte ich's dann doch gerne anstellen, um nicht mehr gar so sehr auf die Übung der zweiten göttlichen Tugend angewiesen zu sein." — Ihre Geistesburg präsentiert sich vornehm. Dem „Amateur" bitte ich übrigens meinen Respekt zu vermelden; wenn er als Volksbildner auch so Tüchtiges leistet wie als Lichtbildner, daun ziehe ich den Hut vor ihm zweimal. Wie wär's, wenn er Sie einmal in die Kamera steckte und Ihre Kleinen und wenn mir die Post den lustigen Mann und sein Völkchen brächte? — chliC. H. in <£.: „Man sollte die .Blätter' für die Bezirkslehrerbibliothek abonnieren lassen!" Der Wink ist gut; wenn er nur auch wirken tut! Ungleichen sollte die Lehrerbücherei jeder einzelnen Landschule das Blatt der Land schulmethodik beherbergen; denn kommt ein Junger ins Amt, so findet er nichts vor, was ihm die bisherige Arbeit für sein Feld andeutete. — Schlkt. K. in M. (St.): Ein „Musterstundenplan" für den ungeteilten Vormittagsunterricht ist keine leichte Sache. Da werde ich schon das neue Jahr abwarten müssen; die heilige Sieben bringt mir vielleicht die nötige Erleuchtung. — Zur Jahreswende: Zum drittenmale komme ich als Gratulant für jene, die von allem Anfänge an treu zu mir standen und beitrugen, der Landschule eine Methode und eine bedeutsame Stellung im System des Staates zu schassen, — zum zweitenmal für jene, die uns 1905 brachte, zum erstenmal für die jüngsten Mitglieder der Landschulgemeinde. Den Alten gilt der Händedruck, den Jungen das begeisternde Wort. Die Tore stehen offen: Nicht drücken und nicht schleichen; heraus mit der Wertschätzung der Landschule und mit ihrer eigenen Methode! Die Wertschätzung bringt den klingenden Lohn, die Methode die Liebe zum Berufe, den Erfolg, die Kunst des Lehrers. Darum greift tätig zusammen, holt Arbeiter aus allen Winkel», baut an dem Hause, das uns eine Burg, unsere Burg werden soll! Will's Gott, so wird man einmal in der Geschichte der Pädagogik lesen: Die österreichische Landschule hat sich ihre Methodik selbst geschaffen. — Frohes Wiedersehen im neuen Jahre zu neuer Arbeit mit erneuter Kraft! Bücher- und Zeitungsschau. 1.) „Daivacher Schukzeitung": Diese von mir geleitete Fachzeitschrift beginnt mit dem neuen Jahre ihren 35. Jahrgang, zählt also zu den ältesten Schulblättern Österreichs. Engt auch der Titel sie auf einen kleinen Verbreitungsbezirk ein, so ist sie doch im Laufe der Jahre weit über ihren Bestimmungskreis hinausgewachsen u. es kann der Name »urmehr aus Pietät aufrecht erhalten werden. — Seit der Gründung des „Deutschen Lehrerverbandes für Kram und Küstenland" ist die „Laib. Schulzeitung" Fachblatt für das Gebiet des Verbandes geworden, sie ist größer geworden, ernster u. in allgemeine Stoffmassen eingerückt, so daß auch die Berufsgenossen anderer Kronländer aus ihr manch Wertvolles gewinnen können. Eine kleine Auslese möge davon zeugen: Briese, die sie, die jungen Lehrerinnen, erreichen sollen (Nr. 2 u. Nr. 11) — Unsere völkischen Schutzvereine im Dienste der Schule. (Nr. 4) — Anastasius Grün-Nummer. (Nr. 6) — Anastasius Grün (Nr. 6 — 10) — Die Landkarte in der Volksschule. Über Autorität. (Nr. 11) — Lockt nicht alles die Außenstehenden, was die „Schulzeitung" fassen muß, so könnten doch wohl einzelne Nummern, die auf die Allgemeinheit übergreifen, auch in u. über die Alpen fliegen, um Früchte des Südens in nordische Erde zu senken. (Verlag des Kram. Lehrervereines, Verwalter: Lehrer F. Bersin in Laibach. Preis der Einzelstücke 40 h.) — 2.) Itücherverzeichnis v. Franz Wiesenberger. — Dieser Herr Amtsbruder W. ist ein überaus fleißiger u. scharfblickender Mann u. hat nun u. a. mit dem B. den Verwaltern der Bezirkslehrerbüchereien einen verläßlichen Führer an die Hand gegeben. Das Flugblatt wird zweifellos kostenfrei verschickt; also eine Postkarte mit der Aufschrift „Franz Wiesenberger in Mauthausen a. d. Donau" ablassen! — Ären) nnd quer von Schule zu Schule. 7. Die zweisprachige Zwelklasslge in der Lehne des Berges. (Fortsetzung.) Gewöhnlich wählt sich der Oberlehrer die Oberklasse und läßt die „untere" dein Kollegen. Das hat seinen guten Grund, ist doch der Bauer gewöhnt, das Oben immer oben zu sehen, das Unten unten. Steigt einmal der „Ober" herab, hu, wie raunen sie sich da in die Ohren: „Seg'ns, seg'ns, i Hab's ja g'wußt, daß er nit viel versteht: jetzt muaß er in der Taferlklaß lehr'nl" Schwingt sich dann der Lehrer zum Dozenten empor, schleppt er in die Schule tausend Dinge, all sein Wissen und Können, sv ist der bescheidene Leiter gerichtet, vernichtet. Ich höre den Zwischenruf „Abivechseln, mit der Klasse aufsteigen"! Das hat auch zwei Seiten. Der Schüler soll nicht immer dasselbe Beispiel vor sich sehen, nicht die Kopie eines einzigen Lehrers werden. Das sogenannte Kennenlernen der Schülernatnren heischt nicht ein Studium von Jahren. Wer ein offenes Auge hat und nach Individualitäten hascht, hat gar bald die verschiedenen Seelchen gesondert; wer es nicht hat und wer nicht forscht, wird auch in acht Jahren die Charaktere nicht scheiden. Und wie oft kommt es vor, daß eines der Kinder dem Lehrer „nicht zu Gesichte steht", ihn beleidigt, ihm Verdruß gebracht hat! Soll es nun die ganze Schulzeit hindurch die Abneigung fühlen? Freilich darf der Lehrer das Mißfallen nicht zeigen. Allein aus seiner Haut kann niemand und so bleibt der herbe Geschmack doch immer im Munde, wenn man auch die Miene nicht verzieht. Das Mitrennen mit der Klasse hat noch andere Nachteile: Ist es nicht möglich, daß der eine Lehrer sein Schwergewicht auf dies oder jenes legt und so das Wissen nicht harmonisch gestaltet? Kommt nun die Schülerschar unter den Kollegen, so werden die Lücken ausgefüllt, der Stoff wird von ändern Seiten betrachtet, in Bewegung gebracht, gesichtet und geordnet. Wer Jahre hindurch nur immer denselben Lenker vor sich stehen hat, wird zum Rädchen im Räderwerke und dreht sich von selbst, sv das Schwungrad zu sauseil beginnt. Und endlich ist ein Vertiefen in das Wesen und die Methode einer Unterrichtsstufe nur dann möglich, wenn man Jahr für Jahr an ihr das Geschick erprobt, heuer bessert, was ihm Vorjahre nicht gelang, es jetzt sv, übers Jahr anders versucht, das einschlägige Schrifttum zurate zieht, die Erfolge vergleicht und prüft, wenn man sich in die Arbeit versenkt, in ihr aufgeht. Dann wird sie immer mehr erquicken, immer mehr gedeihen und in die Tiefe dringen. Wäre sie ein Handwerk, sv brächte sie Langweile; so aber ist sie eine Kunst, die höchste von allen, und verlangt darum den ganzen Geist nnd das ganze Herz des Meisters. — Der Oberlehrer an der zweisprachigen Zweiklassigen hatte also gut gewählt, gewählt den schwereren Teil, aber eben darum auch den schöneren Lohn geerntet — zwar nicht vom Volke, aber in seinem Innern. Die Arbeit bei den Großen würde zwar seine kranken Lungen weniger angestrengt, aber ihn nicht sv beglückt haben wie jene bei den Kleinen; da war er Meister, da war er daheim. — Die zweite Klasse hatte zwei Abteilungen; das vierte nnd fünfte Schuljahr bildete die erste, das sechste, siebente und achte Schuljahr die zweite u. zw. in der Weise, daß das achte Schuljahr „isoliert" erschien; es müsse, sagte der Lehrer, dein ersten Schuljahre gleichgestellt werden. Dort dränge der notwendige unmittelbare Verkehr dazu, hier fordere der Blick auf das praktische Leben die Lvslösung. In der Zeit, da die Schüler bereits in die Freiheit hinüberschielen, müsse man sie noch tüchtig rüsten, müsse man das, was man als Frucht aus dem Volke einst ernten wolle, anbauen, gut düngen und pflegen, damit es wachse und uns dereinst erfreue. — Es ergaben sich damit eigentlich drei Abteilungen. Jede hat ihre eigene Wandtafel, sv daß es an Raum für die Angaben der Stillbeschäftigung nie fehlte. Die Tafeln liefen auf Rollen und ließen sich wenden; das deutete auf weise Ausnützung des Raumes. — In der ersten Abteilung wurde gerechnet. „Eine Lokomotive legt in einer Sekunde 11 63 m zurück; wieviel in einer Minute?" Die Aufgabe war dem Rechenbuche entnommen worden; sie „mußte" also gut sein. Im Tale drunten pfauchte auch sv ein schwarzes Ding, das man Lokomotive nennt, aber das machte in einer Sekunde ivvhl nicht 11'63 m Weges, nachdem es für die 31 km der Strecke 88 Minuten brauchte. Die Rechnung war demnach nicht vrts- gemäß. Drüben von Nord nach Süd flog der Schnellzug gen Italien; er schoß in der Stunde mit 33 km durchs Feld. Wie wäre es gewesen, wenn man ihn auf die Minute oder meinetwegen auf die Sekunde mit der Sackbahn in Vergleich gezogen hätte? Oder würde nicht das Verhältnis des Fußgängers, des Lastenwagens, des leichten Gefährtes mehr praktischen und bildenden Gehalt geboten haben als die Umrechnung von der Sekunde, die kein Fahrplan, keine Erfahrung liefert? Zeigte also die Schule abseits vom Weltverkehr auch in manchem den Einfluß des modernen Geistes, so war sie im angewandten Rechnen noch alt, noch gefesselt, noch ungelenk. Man hatte über die „Kaffeemühle" im Talbvden schon oft das Spvttlied gesungen und das junge Geschlecht hatte dabei niitgepfiffen. War das recht? Hätte der Lehrer den Vorteil mit der „vrtsgemäßen" Rechnung gezeigt, jung und alt würde die Segnung des dampfenden Rvßleins erkannt und gewürdigt haben. Die Wertschätzung der neuen Kultur, das ist's, was wir gar so oft über dem alten Kram vergessen. In der obern Abteilung (im achten Schuljahre) wurden Divisionen mit Dezimalzahlcn ansgeführt; das Stellenwertbestimmen fraß hiebei die Hälfte der Zeit. „Was geben Zehner durch Zehntel dividiert?" Ich denke, solches Ausklügcln sollten wir füglich der Mittelschule überlassen, die sich am luftigen Formalismus sosehr ergötzt. Wer wirb im Leben draußen erst lange an den Zehnern, Zehnteln usw. herumdrechseln? Da muß die Rechnung flott durch die Sachverhältnisse schlüpfen ohne Hemmung in der Operation, auf daß die ganze Aufmerksamkeit sich der Schlnßbildnng znwende. Dessen war die alte Schule eingedenk: Sie rüstete den Schüler mit einem gründlichen, geläufigen Rechnen in angewandten Beispielen, sie rüstete ihn mit ganzen Zahlen ganz; die Ncnschnle hängt dem jungen Bürger mancherlei Werkzeug um, aber das Werkzeug ist nicht immer fest, nicht immer handlich. -— Die Schule, zu der uns der „Fisch" gelockt hatte, war ein Mittelding zwischen alter und neuer Zeit; das zeigte sich besonders im Rechnen. Das Stellenivertbestimmcn roch nach der modernen Wunderblume, die Ausführung von angewandten Aufgaben floß in alten Gewässern. Ein Schüler fragte seinen Nachbar: 1.) Was ist in der Aufgabe gefragt? — 2.) Was ist gegeben? — 3.) Was für eine Rechnung ist das? — Der Schüler als Lehrer: nicht schlecht! Ein festgegliedcter Plan bei Schlußrechnungen: auch nicht schlecht! — Es halte nach allem die alte Schule noch das Gute in der zweiten Klasse der Zweisprachigen gelassen, indes die neue Schule erst verstohlen zum Fenster herein« lugte. Vorfrühling! Uns war es ähnlich zumute wie in den Tagen, da vom Berge noch die letzten Grüße des Winters herniederwehen und da der Lenz uns zwischendrein einen Kuß auf die Stirne drückt. Wir zogen bald fröstelnd, bald lächelnd im Sonnenstrahl des jungen Frühlings, dahin, blickend hinab in das üppige Tal, wo der Holde gewiß schon zur vollen Blüte erwacht war. Inhalt des Jahrganges WOG. 1.) berichte; Lehrerehen — Lehrerelend. Die Dorfzcnsorcn. Frühlingszauber hinter Kerkergillern. Unser Gold. Die Bezirkslehrerkonferenz. Wieder eine Entlastung für die Landschule. Zwei Schulen. Die Nichtstuer. Straßenemräumer — Volksschullehrer. Vergaloppicrt j Die Lehrkanzel für Volkswissen und Volkserziehung. Pädagogische Fabriksware. — 2.) Pie Zöcchsetrcdc: Zur 3. Frage. (Ungeteilte einklassige Volksschule oder Halbtagsschule?) noch zwei Urteile das 25. und 26.; zur 5. Frage. (Soll das dritte Schuljahr zur Unter oder Mittelstufe gerechnet werden?) Die Urteile 15 bis 26; zur 6. Frage (Änderung der Lehrpläne) die Urteile 7 bis 24; zur 7. Frage (Helferwesen) die Urteile 3 bis 12; zur 8. Frage (Soll die Einklassige eine Achtklassige im kleinen sein oder eine Schulgattung besonderer Art?) 0 Urteile; im ganzen 55 Urteile. — 3.) Kreuz und quer von Schute zu Schute: Sieben Bilder in zwölf Fortsetzungen: a) Die beiden Wanderer, b) Die Einklassige zwischen Stahl und Stein, c) Die Öffentliche zwischen Stahl und Stein, d) Unter den Zinnen des Mangarts. e) Zur Einklassige» über dein Torbogen der Eisenstraße, f) Die Dreiklassigc hart am Schicnenstrang. g) Die zweisprachige Zweiklnssigc in der Lehne des Berges. — 4.) Abhandlungen; a) Leiden des Einklnßlers. b) Schulen im Pharaonenreiche, c) Ein Arbeitstag in der Einklassigen. d) Der ungeteilte Vormittagsunterricht, e) Das Gesetzbuch des Lehrers, f) Hausaufgaben in der Landschule oder nicht? — 5.) Verschiedenes: a) Aus dem „Lehreralbum" fünf Bilder, b) Sechs Sprach-uurichtigkclten. c) „Landschule und Leben" in drei Fortsetzungen, d) Des Lehrers Takt und Schliff in der Gesellschaft in drei Fortsetzungen, e) Ratschläge für die Vorbereitung zur Bürgerschullehrerprüfung in zwei Fortsetzungen, f) Die zehn Gebote des Landlehrers, g) Zwölf Lcitwortc. b) 25 „Kleine Mitteilungen", i) 131 Briefkasten-Mitteilungen. — Die zwölf Folgen sind 122 Seiten stark. — An dem Jahrgauge beteiligten sich 43 Mitarbeiter. — Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf E. Peerz. — Druck von Josef Pavltiek in Gottschee. Iv