poSInins plaLans v Lvlovini. Hinzekne Wummer 150 Diu Nr. 27. Erscheint jeden 1., 10. und 20. 10. (25.) Jahrgang. Organ der Gottscheer Deutschen. Bezugspreise: Jugoslawien: ganzjährig 30 Din, halbjährig 15 — Din. D.-Oesterreicb: ganzjährig 6 Schill., halbjährig 3 Schill. Amerika: 2 Dollar. — Deutsches Reich 4 Mark. Kočevje, Montag, den 10. September 1928. Briese ohne Unterschrift werben nicht berücksichtigt. — Zuschriften werden nicht zurückgestellt. — Berichts sind an die Schriftleitung zu senden. — Anzeigen-Aufnahme und -Berechnung bei Herrn Carl Erker in Kocevze Die Sanierung der städtischen Spar¬ kasse. Nach längerem Stillstände und langwierigen Verhandlungen ist es vor wenigen Tagen endlich zu einer Neuwahl des Sparkasseausschusses ge¬ kommen und ist damit zu rechnen, daß in dieser Anstalt nunmehr endlich der normale, der gesetz¬ liche Zustand wieder Einzug halten wird; der Herr Gerent wird die Funktionen dem neuen Aus¬ schüsse, bezw. dem neu zu wählenden Direktorium übergeben. In den Ausschuß der Sparkasse der Stadt Gottschee wurden in der Gemeindeausschußsitzung vom 5. September nachstehende Herren gewählt: Josef Pavlicek, Gemeinderat und Buchdruckerei¬ besitzer, Robert Ganslmayer, Gemeinderat und Handelsmann, Gustav Verderber, Gemeinderat und Gastwirt, Josef Kropf, Gemeinderal und Eisenbahner i. R., Dr. Rom Richard, Advokaturs¬ kandidat, Jng. W. Biskupski, Bergwerksdirektor, Jng. Franz Štiglic. Forstmeister, Josef Schober, Prokurist, Jakob Ciglar, Bergarbeiter, Raimund Erker, Gastwirt und Besitzer, Ferdinand Perz, Prokurist, Prof. Ignaz VvStar, Bezirksschulinspek¬ tor Alois Peterlin, Oberlehrer B. Betnani, Ed. Schubitz, Prof. Johann Sivec. Wie aus dieser Liste ersichtlich ist, wurden neun Gottscheer und sieben slowenische Mitbürger gewählt. Es wird mithin im neuen Verwaltungs¬ apparat die Mehrheit aus Gottscheer Bürgern zusammengestelll sein* was auf jeden Fall eine Wiederholung derartiger Mißstände ausschließen wird, wie sie sich unter der Verwaltuügs- und Bürgermeisterzeit des Dr. Sajovic zum Schaden der Sparkasse und zu nicht geringen Aufregungen der Einleger eingebürgert hatten. Dem neuen Ausschüsse wartet eine ungeheure Arbeit. Vor allem wird er sich nicht wenig Mühe zu geben haben, um das verloren gegangene Ver¬ trauen der Einlegerschaft wieder zurückzuerobern; er wird alle seit dem beispiellos dastehenden Zu- sammenbruche dieser verunglückten Geldwirtschaft entstandenen Fehler festzustellen und die Schuld¬ tragenden zur Verantwortung zu ziehen haben. Der neue Ausschuß wird Mittel und Wege zu suchen haben, um mit Mithilfe der Regierung, der Gebietsverwaltung, der Gemeinde Gottschee und der Vermögensverwaltung unserer alten städ¬ tischen Sparkasse wieder zu ihrem früheren Ansehen zu verhelfen. Im Laufe der nächsten Monate wird mit dem Verkaufe der Kajfez-Realitäten begonnen werden. Der Ausfall dieser Verkäufe wird den endgiltigen Verlust, den die Sparkasse erleidet, zutage fördern. Erst dann wird eine genaue Feststellung über den Stand der Sparkasse möglich sein. Bis dahin empfehlen wir der Bevölkerung in Stadt und Land mit Rücksicht darauf, daß der neugewählte Sparkasseausschuß gewiß alles auf- bieten und unternehmen wird, um den genauen Stand der Sparkasse zu prüfen und die Einleger vor jedem Schaden zu bewahren, mit der Be¬ gebung ihrer Einlagen vorläufig zuzu¬ warten und so dem neuen Sparkasse- ausschusse die Arbeit zu erleichtern. Über die weitere Entwicklung unserer städtischen Sparkasse werden wir die Bevölkerung jeweilig auf dem laufenden erhalten. Dr. Sajovic, die „Wahrheit" und die städtische Sparkasse. In der letzten Nummer der „Wahrheit", der Ablagerungsftätte der geistigen Arbeit des Dr. 'Sajovic in deutscher Sprache, hat ein „Mitar¬ beiter" an diesem Blatte es wieder einmal not¬ wendig gefunden, die Wahrheit über die Schuld¬ tragenden an dem krisenhaften Zustande der Spar¬ kasse in bekannter Weise zu verdrehen. Dieser „Mitarbeiter" schreibt so, als ob die führenden deutschen Männer unserer Stadt es sind, die Schindluder mit unserem alten Geldinstitute und mit dem eingelegten und anvertrauten Gelde ge¬ trieben hätten und nicht Dr. Sajovic, Ilc und Dr. Maurer. Erst der unter der Bürgermeisterei des Dr. Sajovic eingerissenen Schlamperei ist das Ver¬ trauen zur Sparkasse geschwunden, weil in dieser Zeit scheinbar Recht und Gesetz keine Giltigkeit für uns hatten. Infolge scheinbar absichtlich schlechter Infor¬ mierung der Regierung hat man die ihrer Ver¬ antwortung voll bewußten Gottscheer Bürger aus dem Verwaltungsapparat der Sparkasse hinaus- geworfen, aus dem bis dorthin mustergiltig verwalteten Institut wurde eine Anstalt geschaf¬ fen, in welcher statt der Vernunft, lediglich die Politik und eine Verwandtschaftskligue maßgebend waren. Natürlich wurde das Institut in recht zahl¬ reichen, der breiten Öffentlichkeit sattsam bekannten Fällen mißbraucht und Gelder leichtsinnig ange- legt; daß die Bürger einer solchen Mißwirtschaft, einer derartigen Paschawirlschaft nicht mit ver¬ schränkten Armen zusehen konnten, ist jedermann vollständig klar, nur nicht einem Dr. Sajovic, der jetzt nichts unversucht läßt, um nach allen Rich¬ tungen sich als den Unschuldigen aufzuspielen; der Mann stellt sich so, als ob er überhaupt kein Gedächtnis hätte, oder hält er die hiesige Bevölkerung für derart naiv, daß sie ihm solche gewöhnliche Verdrehung der Tatsachen glauben wird. Ein Mann von Charakter, der einen so ungeheuren Fehler begangen haben würde, wäre froh, wenn andere die Wiederherstellung des status quo gute in die Hand nehmen würden, wie dies jetzt hier der Fall ist; aber Dr. Sajovic glaubt, das Gegenteil machen zu müssen. In seinem Zweiseitenblättchen „Wahrheit" versucht er immer und immer wieder unseren Leuten seine Aufklä¬ rungen aufzudrängen, in der Erwartung, daß ihm wirklich irgend jemand glauben könnte; als Wunder muß man es bezeichnen, daß sich die Druckmaschinen beim Drucken von so „dicken" Wahrheiten nicht verbiegen. Es'gehört überhaupt recht viel Unverfrorenheit dazu, in einer derartig komplizierten Situation, wie es diejenige der Sparkasse ist, als Haupt¬ schuldiger dieses Kraches sich den Witz und den Sport zu leisten, anständige Leute zu besudeln. Gerade die Angegriffenen sind in allen diesen Fällen den wirklich einzig richtigen Weg gegangen und können diesem einflußlosen Stürmer und Polterer ruhig entgegentreten. Ganz umgekehrt aber sieht es mit jenem Mann aus, der Gottschee seit seiner Anwesenheit fortwährend herausgefordert, der das ganze Elend mit verschuldet hat; wenn wir heute schon seit nahezu zwei Jahren Tausende von Ein¬ legern beunruhigt und an AmtStagen die Türe der städtischen Sparkasse wie zu Kriegszeilen die Fleischhauereien belagert sehen, so wissen wir, daß daran nur die Schlamperei jener Zeit schuld ist, während welcher Dr. Sajovic Bürgermeister der Stadt Gotlschee und Obmannstellvertreler der Sparkassedirektion war. Und weil dafür Sorge getragen wurde, daß diese Mißwirtschaft auch zur Kenntnis der Gerichte gelangt ist, des¬ halb ist dieser' Mann heute scheinbar etwas auf¬ geregt und mit ihm sind auch jene Herren, wie sein Schwager Jlc aufgeregt, weil die Wertpa¬ pierverkäufe in Wien und das Wertdepot-Lom- bardieren kein anständiges Geschäft war; ebenso¬ wenig waren auch manche andere Geschäfte nicht so harmlos und deshalb, Herr Dr. Sajovic, haben die Gottscheer Einleger zu dieser einst so kräftigen Sparkasse das Vertrauen verloren. Un¬ sere Gottscheer haben sich an solche Paschamethoden nicht gewöhnen können. Herr Doktor, Sie und nur Sie und ihr Schwager Jlc sind die Haupt¬ schuldigen an diesem ganzen Elend. Wegen Eurer Machlpolitik ging das Vertrauen zur Sparkasse verloren; nicht der Hetze jener Wölfe im Schafs¬ pelze müssen wir dies alles zuschreiben, sondern nur ganz allein Ihnen und Ihrem Schwager Jlc. Es bedurfte nicht erst großer Hetzereien, sondern lediglich bloß jener beschränkten Einbildung einiger Leute, die da meinten, daß man mit dem Gelde anderer gegen diese anderen herrschen kann. Das hätten Leute, die Jus studiert hatten, eben früher bedenken müssen. Die neue Sparkasse war also nicht das Werk der Bauernpartei und, wie Dr. Sajovic immer wieder behauptet, das Werk des Herrn Abgeordneten Skulj, sondern. lediglich die selbstverständliche Folge jener Unbesonnenheiten, die einige übergescheite Leute hier begangen haben. Was den Gotlscheern niemals eingefallen wäre, das haben andere Leute direkt heraufbeschworen. Und wenn auch heute die neue Sparkasse deshalb sich nicht in ihren Arbeiten stören lassen wird, so ist trotzdem kein Grund vorhanden, zu behaupten, daß nicht beide Anstalten hier existieren könnten; was in Reisnitz selbstverständlich ist, kann auch hier in Gottschee der Fall sein, nur gehören vernünftige, wirtschaftlich denkende Per¬ sonen in solche Anstalten und nicht Persönlichkeiten, wie sie im bekannten Doppelausschuß vorgekommen sind. Man brauchte kein Prophet sein, um das Unlück zu erkennen; wo konnte man es gut heißen, daß der Obmann der Vermögensverwaltung, Kauf¬ mann Josef Röthel, gleichzeitig auch Direktions- Mitglied der Sparkasse und Verwaltungsrat der Merkantilbank sein kcunte, nebenbei war er Kom¬ pagnon des Bankpräsldenten A. Kajfez in der Tex- tilana und bei der Nakupovalna; Dr. Maurer war Direktionsmitglied hier und in der Merkantilbank, Dr. Sajovic war Direktionsobmannstellvertreter hier und Rechtskonsulent dort und nebenbei Schwa¬ ger des Bankpräsidenten A. Kajfez. Der Schwager des Dr. sajooic und des A. Kajfez, Bankprokurist Jlc, war nebenbei auch in der Direktion de^ Sparkasse. So allerdings mußte das Vertrauen der Einleger schon von Anfang an erschüttert werden und im Laufe der Zeit, nachdem man immer mehr und schönere Dinge dieser glänzenden. Verwaltung hörte, schließlich ganz schwinden. Seite 2. Gotlscheer Zeitung — Nr. 27 Jahrgang X W SNt^ÄIt csss i<>S!N6 5^s!