Blätter zur Förderung des Nbteilungsuntrrrichtrs. Herausgeber: Prof. Rudolf E. Peer;, lt. It. VezirksschulinsPrlttvr in Laibach. 9?r 7 TI Die «m. !- F. d. Kbl.-Nnt.» rrschllnei, Sl» VeNagd zur «Laibochir Schul- ««•.. iqak “• 'f 1,1 ■x>nl)rH- jeitmid* mmurU. ® »rr»g,grb«I,r 2 K jiiljri. ® Sinzelnummer 80 h. 4,11111 ■v>,ul Inhalt: 1.) In> Somicitglniij eon Jugenderinneriinge». — 2.) Ein Taq In der >Einlla>sigen-. — 8.) Eprachnnrichtlgkciten oii der Sprachgrenze lind eiiibmuävlä. — 4.) Die formalen Sinsen im Abtcilnngsunterrichte. — 5.) Die Wechselrede. — 6.) Briefkasten. i£s zeugt von ebenso großem Unverstand, alles Unheil der Zeit der Schule aufznbürden, als umgekehrt, von ihr die Heilung aller Gebrechen zu erwarten. Rein. ihn Smmenglaiiz von Jugenderinnerungen. Für uns, die Alten, schimmert aus fernen Tage» ei» heller Glanz herüber, wenn wir hinter den Kleinen die Tür schließen und, mit dem Warte «Ferien» ans den Lippen, ermüdet in den Sessel zurücksinken. Wechselvvlle Bilder nmgankeln den Sinn, da ein sanfter Schlummer uns in Träume wiegt: Dort sucht die Mutter mit Eifer unser schönstes Festgewand hervor, da hängt der schwarze Rock des Vaters, den er sonst nur an hohen Tagen trägt, die Straße hinauf ziehen schon die Kameraden des Nachbardorfes, heute so ernst, so sittsam, manch alter Dorfsenator kommt des Weges; cs zittert ein feierlicher Ton durch die Luft: Schnlschlnß! Um die Linde, die ihren Schatten hinüber zum Schulhause wirft, lagert ein buntes Völkchen, die kleine Heerschar, umsäumend den hohen Senat der umliegenden Dörfer. Plötzlich ertönt die «Wetterglocke-, die «kleine- plaudert dazwischen und die «große» kommt mit schwerer Zunge hinterdrein. Während so die Drei in schöner Harmonie Herniederrusen, wallt die Menge zur Kirche, zum festlichen «Dankamte». Die Orgel ist verstummt und statt des erhebenden Lobgesanges im Hanse des Herrn schallt manch helles Lied ans der Schnlstnbe hinaus zu den Sängern in den Zweigen der Linde, hinaus übers Dorf, hinaus in die ganze Gemeinde. Die Wellen rauschen dahin, sie kommen nimmer, der Ton verhallt und nur der Chor der Meistersänger im Geäst dringt durch die halbgeöffneten Balken. Da tritt der Lehrer vor die versammelte Menge vv» Kindern, Eltern und Neugierigen. Was er spricht — das Traumbild will es mir nicht verraten; doch ich sehe den Ernst in seiner Miene, ich sehe den Ernst im Antlitz der Jungen und Alten und sehe manch glänzende Tauperle durch tiefgerissene Furchen in einen weißen Bart rolle». Wie die gefürchtete Trude kriecht das bange Gefühl mir über die Brust, da der Lehrer die Zeugnisse ans der Lade zieht, da er die güldenen und roten Büchlein ans der Hülle nimmt, da er mich ins Auge faßt, da er mich zur Kante ruft, da er mir das vielsagende Blatt überreicht, da er mir das gülden Büchlein .. . ein Freudenschrei... ich erwache ans dem beglückenden Schlummer. — Wo sind die Kleinen? Ja so, wir haben ja heute geschlossen. Doch wie öde war dieser Schnlschlnß! Wir gingen wie sonst zur Kirche, wir zogen in Reih und Glied zum Schulhause; wir geboten wie sonst Ruhe, teilten die Zeugnisse aus, als wären cs leere Blätter, wir waren mit dem «Geschäft- zu ende und auch mit dem Jahre. Arme Kinder! Euch wird kein heller Schein aus froher Jugend in spätere Tage hinüberglänzen. Und doch habt ihr dasselbe Recht auf die Poesie des Lebens wie wir, ja noch ein höheres, da euch doch kaum die Hälfte von jenen Schätzen beschert ist, wie wir sie in unserem Inneren verwahren. — Sammelt Gaben für das Lehrerheim i. S. und sendet sie an Bundesohmann Kehslcr, Mannswörth b. Wien! Warum hat man der Jugend das blinkende Gold geraubt? Weil es Lehrer gab, die mit der Gabe Mißbrauch trieben, weil cs Eltern gab, die sich grämten, wenn ihre Kinder nicht im Triumphzuge einherzogen, weil man befürchtete, es könnte der Ehrgeiz zu sehr gestachelt werden. Waren das triftige Gründe, treten sie heute noch so hervor wie dazumalen? Ist der Lehrer noch der «Gehilfe«, den eine fette Gans aus dem Pflichteukreise zerrt; soll man sich darüber Skrupel machen, daß der Dorfpaschn ein verdrießlich Gesicht macht, weil nicht fein «überaus intelligentes» Svhncheu, sondern der blöde Keuschlersbub den Preis erhielt; will man den Ehrgeiz in den Herzen der Kleinen ersticken, da wir alle unter seinem Szepter stehen, da nach dem Worte des geistvollen Helvctius doch alles Große nur durch ihn in die Welt kam? Die ihre Kinder über die Palasttreppe in die Schule schicken, mögen mit dem Raube zufrieden sein — sie haben oft Grund dazu —, uns aber, die wir aus dem Volke heraus Talente ziehen wollen, um sie dem Staate als Grundfesten zu liefern, brauchen das Metall, das mit seltener Zauberkraft die Geister aus dem Kämmerlein lockt; wir sind Männer der Zeit, die nicht um eine fette Gans ihr Pflichtbewußtsein opfern, wir fühlen noch den Hauch der goldenen Jugend, aber auch die Öde des Daseins und fordern darum, daß man unfern Nachkommen nicht vorenthalte, was uns in trüben Stunden so sehr erquickt, — de» Sonnenglanz von Jugenderiunerungen. — _________ Ein Tag in der „Einklassigen“. (Fortsetzung.) Auf dem Pult des Lehrers liegt ein genau detaillierter Unterrichtsplan, ein Fehlervcrzcichnis, ein Notizheft für etwa notwendige Eintragungen und ein Korrekturstift (Specksteingriffel) für die Tafeln. An der Vorderseite des Pultes hängt ein Rechenapparat. Der Lehrer hat seine Vorarbeit beendet; die Verbesserungen sind durchgesehen und die Rechnungen besprochen. Es wird 8 Uhr. Die Tafeln sind rasch gereinigt und das Zeichen zur Ruhe wird gegeben. Die Schüler stehen auf; ruhig und langsam wird das Schulgcbet gesprochen. Der Unterricht beginnt. Das erste Schuljahr muß warten ; die Oberstufe beginnt sofort die Arbeit; den übrigen Schuljahren werden die Aufgaben nach kurzer Erklärung gegeben. I. Schuljahr. Der Unterricht ist direkt. Geübt, bezw. wiederholt wird das Ergänzen und Wegzählen bei der Zahl 9. — Zur Veranschaulichung dient der Zahlbilderapparat, ein vom Lehrer selbst hergestellter Rcehenbehelf. Es ist dies eine auf einen Holzrahmen gespannte, schwarz überzogene Papptafel. Sie ist in folgender Anordnung > - - etc. durchlöchert. Die Löcher dienen zum Einstecken von runden Scheibchen, die auf der einen Seite rot, auf der anderen weiß sind. Das Einstecken geschieht in Form der bekannten Zahlbilder, wobei die Zerlegungen der einzelnen Zahlgrößen bis 10 aufs beste veranschaulicht werden können. — Einige Minuten vor Schluß der Drittelstundo findet die Behandlung der Stillbeschäftigung statt. II., III. Schuljahr. Übung im Vervielfachen benannter Zahlen von und mit 2, 3, 4, 5. Sind die benannten Zahlen Münzwertc, so werden im Resultate stets die Geldsorten angegeben, welche den betreffenden Münzwert ausmachen. Z. B. 5 X 7 li = 35 li, das sind 3 Zehnhcllcrstücke, 2 Zweihellerstücke und ein Einhellerstück oder .... Auch bei den Metermaßen , bei den Zeit- und Zählmaßen wird die Verwandlung in die höhere Benennung nicht versäumt. IV., V. Schuljahr. Prüfung der schriftlichen Arbeit auf ihre Richtigkeit. Der Lehrer hat die Resultate auf einem Zettel, sicht die Aufgaben rasch durch und streicht die richtigen an. In einigen Aufgaben des V. Schuljahres kamen unrichtige Schlußbildungen vor. Dieselben werden mündlich richtig gestellt. Im direkten Unterrichte werden drei Preisberechnungen —-Schluß von der Einheit auf die Mehrheit — ausgeführt. Die Oberstufe (VI. bis VIII.) beginnt die Antworten ihrer Aufgaben auf Zettel aufzuschreiben. — Fünf Minuten vor Schluß der Stunde werden die Tafeln an die Bankenden gegeben. Die Aufgaben des I., II. und III. Schuljahres werden einer sorgsamen, jene der Oberstufe einer mehr allgemeinen Durchsicht unterzogen. Ein besserer Schüler ordnet die Rechen-, ein anderer die Resultatzettel; die übrigen Schüler sprechen die Einmaleinszerlegungen — 50, resp.— 500 in der Reihe. Z. B. 2 = 1 X 2 ; 20 = 1 X 20 4 — 2X2; 40 — 2 X 20 usw. Lehrmittel: das pythag. Einmaleins — 100 — 1000. Schluß der 1. Stunde. Eine kleine Pause. 2. Stunde. 1. Halbstunde. Stellung der Aufgaben für das IV., V. usw. Schuljahr. Dieselben sind Unterrichtsergebnisse. Die Behandlung nimmt kaum 5 Minuten in Anspruch. Zuerst Besprechung mit dein IV. Schuljahr ; V. bis VIII. denkt inzwischen seine Aufgabe durch. I., II. Schuljahr. Anschauungsgegenstand: Die Geige. Das 111. Schuljahr schreibt die erhaltenen Mustersätze als Diktat mit. 1. Entwicklung des *g» aus dem Normalwort und Übung der Schriftform. III. Korrektur des Diktates nach einer Tafelvorschrift. II. liest für sich die Beschreibung durch. Jene Schüler, welche ohne Buch arbeiteten, bessern ihre Aufgabe nach dem Buche aus. 2. Ilalbstunde : I. übt 8, gn, gl, gr. II. schreibt ab : die Geige. Um nicht ledigliches Abschreiben zu treiben, wurde eine Anzahl von einfacheren Wörtern weggelöscht; die nun fehlenden Wörter sind zu ergänzen. Im III. Schuljahr wird das Diktat schnell durchgesehen ; von einem Schüler wird wegen leichtsinniger Fehler eine neue Arbeit verlangt. Das III. Schuljahr beschreibt im Sinne ihrer früheren Arbeit: die Orgel. Der Gegenstand ist aus dem Anschauungsunterrichte bekannt; die Sätze werden ziemlich schnell gewonnen und die notwendigen Ausdrücke aufgeschrieben. Mittlerweile ist das IV.—VIII. Schuljahr mit der Korrektur fertig. Je zwei Schüler lesen ihre Arbeit vor, wobei noch einiges richtiggestellt wird. Die Aufgaben werden in der Zwischenstunde durchgesehen. IV.—VIII. Schuljahr. Wiederholung: der reine einfache Satz. Von der Aussage. Die Schüler geben auf Grund der im Sommer behandelten Lesestücke: Die Frühlingsblumen, Die Weiden, Der Gesang der Vögel — Sätze, in denen ausgesagt wird: Was ist das DingV etc. Diese mündlich behandelte Aufgabe bildet darauf die Stillbeschäftigung der nächsten Ilalbstunde. Zwischenstunde. Durchsicht der Aufgaben des IV.—VIII. Schuljahres, wie der Schul-iihung des I. Schuljahres. 3. Stunde. 1. Halbstunde. II., III. Schuljahr. Klassenkorrektur der Aufgaben des II. und III. Schuljahres. Wiederholung: die Aussage. Die Schüler fragen in etlichen Sätzen nach der Aussage; sie suchen zu gegebenen Wörtern die Aussage und bilden Sätze. Diese Arbeit umfaßt dann die Stillbeschäftigung, wobei das III. Schuljahr die Sätze möglichst erweitert. 2. Ilalbstunde. Zuerst wieder Klassenkorrektur; dann Wiederholung: der menschliche Körper (2. Stufe der Auffassung). Das IV. Schuljahr nimmt teil. — Gegen Schluß des Unterrichtes Klassenkorrektur des II. und III. Schuljahres; dann werden sämtliche Tafeln an die Bankenden gegeben. Während der Mittagspause werden durch je drei größere Schüler die Aufgaben des II. und III. Schuljahres verbessert; die der Oberstufe (IV.—VIII.) verbessert der Lehrer. ^Fortsetzung folgt.) Sprachnririchtigkeiten ait der Sprachgrenze und anderwärts. m. 4.) Und dann Hut der König ein Fest verunstaltet nnd Hut und Hut. . . Dieses lästige «Huben» mit seinem abgeschmackten «u» ! Warum Hört man es so oft? Weil die Leute um die Mitvergangenheit einen großen Bogen machen. Und warum machen sie den Bogen? Weil die Mitvergangenheit gar oft eine starke Lautveränderung (den Ablallt) verlangt. Die Vergangenheit lehnt sich doch zumeist an die Gegenwart; darum wird nach ihr gegriffen. Während das geläufige «haben- dazwischentritt, bleibt Zeit, die Form der Vergangenheit zu konstruieren, die mit ihrem Ausklang ans «— eit» die Zunge gemächlich in ihre Ruhelage bringt. Man versteht wohl die Erzählung in der Vergangenheit, aber schon klingt sie nicht. Die Zeit verlangt Kürze, die Sprache Ton. Also heraus mit den tonenden Selbstlauten! Entschieden wie das deutsche Wesen soll mich die deutsche Sprache sein. Kein Schleichen nnd Kriechen mit langen, matten Formen, wenn »ns kurze, frische zur Hand sind. Stelzen nnd Krücken entsprechen nicht dem Wesen der Kraft. Und die Kraft — gottlob, — die nennen wir ja noch unser eigen. Die formalen Stufen tut Al'teilnngsunterrichte. Der gerettete HaudweikSburschc. (3.) (Auflösung der Unterrichtseinheit in ihre Teile.) 7.) «Wer mag den Leuten die Geschichte erzählt haben?- Wir sind bei der Anwendung aiigelangt. Ist die Frage überflüssig? Lieber Leser, erwäge! Sie zaubert noch einmal die ver-schiedenen Charaktere herauf (Beispiele für die Charakterbildung!), sie eröffnet noch einmal den Born der Gefühle, sie gibt der nun folgenden Wiedergabe einen realen Hintergrund, Natürlichkeit in Borstellung, Ton und Sprache. Es ist nicht dasselbe, wenn du verlangst: Erzähle in der «ersten Person»! oder wenn du den Schüler durch Fragen dahin bringst, das; der H. zuerst berichtet hat und daß nun das Kind denselben vertreten soll. Anschaulichkeit und Wahrheit fordert nicht mir der einzelne Begriff, fordert nicht nur das Urteil; auch der Komplex von Elementen hat ihrer nötig. Die Anwendung führt uns in die Sprachlehre. Wir zweigen darum ans die umgebenden Gebiete ab. Im vorstehenden Stnndenbilde handelte es sich um eine Erzählung, die für das Gemüt berechnet ist. Wie tvird sich die Sache bei realistischen Lesestücken gestalten? Wird man da auch von Stufe zu Stufe springen müssen? Das bedeutete unnötige Zeitvergeudung. Die Landschule hat nicht überflüssig Muße, alles in Rücksicht zu ziehen, was gut ist, sondern sic muß sich mit dem begnügen, was notwendig erscheint. Sie wird daher bei Erzählungen manchmal mitten hineinspringen, bei Beschreibungen unmittelbar an den anschaulichen Unterricht anschließcn, bei Gedichten sich mit einer kurzen Einleitung abfinden, bei Rätseln ohne viel Vorbereitungen eine Rakete ans-fliegen lassen und die Sprüche durch die besprochenen Lesestücke hüpfen lassen. Es ließe sich über die Behandlung der Lesestücke im Abteilnngsnnterrichte sehr viel sagen; allein wir gerieten in die Breite, die mit dem engen Raum der -Bl.- nickt im Verhältnisse stünde, und wir fänden kein Ende. Der denkende Schnlmann versteht »ns: Keine Schablone, kein Mechanismus, kein Schwätzen ohne Gehalt, aber auch kein Künsteln, keine Schnörkel und unnötigen Verzierungen, sonst — bricht der Bogen. — Die Wechfelrede. Zur 3. Frage. Schulleiter Lueger in St. Jakob im Walde, Steiermark: Bei mehr als höchstens 50 Schülern unbedingt Halbtagsuntcrrieht nach meiner 31jährigen Erfahrung an der Einklassigen. Ein Nachmittag soll frei sein, denn weder Schüler noch Lehrer sind von Eisen. Es kommt nicht gerade auf die Stundenzahl an, sondern auf kluge Ausnützung der Zeit. Der Ortsschulrat und die Schulleitung sollen das Bestimmungsrecht darüber haben, weil diese am besten wissen, was für ihre Verhältnisse am geeignetsten ist. Wer durchaus Lust hat, in etlichen Jahren nervös zu sein, mag auch mit 100 Schülern ganztägig unterrichten. Zur 4. Frage. K. k. Fachschullehrer M. Petsche in Gottschee: Es ist außer Zweifel, daß in den Sommermonaten im nachmittägigen Unterrichte nicht viel erreicht wird. Abgesehen von der Verköstigung der auswärtigen Schüler, ist auch für die im Schulorte wohnenden Schüler der Sommernachmittag von großer Wichtigkeit für die körperliche Erholung. Die Losung kann auf Grund der nachfolgenden Gründe nur lauten: Ganztags unterricht bis Ende oder Mitte März mit Mittagspause, von da ab bis Schluß dos Schuljahres Vormittagsunterricht. Die Jugend kann einerseits von den Frühlingsmonaten nur dann den ihr im vollsten Sinne gebührenden Genuß haben, wenn sie die Nachmittage frei hat, anderseits wird sie auch nur bei freien Nachmittagen von der drückenden Hitze der Sommermonate befreit. Aber auch der Lehrer selbst, auf den man ja meist keine Rücksicht nehmen zu müssen glaubt, wird bei einer derartigen Einrichtung mit einer viel gehobeneren Stimmung den Unterricht erteilen, was gewiß nicht zu unterschätzen ist. — Man paßt sich den Jahreszeiten durch entsprechend gewählte Kleidung an, warum sollte nicht bei der so nötigen Jugenderziehung eine so wohltuende Anpassung auch möglich sein ! Damit würde man aber gleichzeitig aus bekannten Gründen dem Städter und Landmanne einen großen Gefallen erweisen und dem Rückschrittler würde durch den berechtigten Beweis, daß bei Ganztagsunterricht viele mehrklassige Schulen in Halbtagsschulen mit Vormittagsunterricht in der einen Klasse und Nachmittagsunterricht in der anderen verwandelt werden könnten, ein kräftiger Riegel vorgeschoben werden. — Oberlehrer J. Perz in Nesseltal, Krain: Der ununterbrochene Vormittagsunterricht kann nur von den Stadt- und jenen Landschulen etwa vom Mai bis einschließlich September eingeführt werden, wo die Kinder nicht über eine halbe Stunde zur Schule zu gehen haben. Von Kindern, die einen weiteren Weg zurückzulegen haben, zu verlangen, daß sie schon um 7 Uhr, beziehungsweise 3/t 7 Uhr, zum Unterrichte kommen müssen, kann nicht ernst genommen werden und ist überhaupt undurchführbar. — Lehrer J. Horvath in Cilli: Diese sowie manch andere pädagogische Frage läßt sich nicht allgemein beantworten. Bei der praktischen Lösung müssen unbedingt die örtlichen Verhältnisse, das Sehülermatcrial und auch die Jahreszeit berücksichtigt werden. Was auf der einen Seite das einemal sich als gut und zweckmäßig erweist, kann anderwärts ein andermal nicht durchführbar, ja geradewegs unpraktisch sein (deshalb müssen und werden die Antworten gewiß sehr verschieden ausfallend. Schulfragen sind eben vielfach dergestalt, daß sie sich nicht nach einer Form lösen lassen. Ich will aber damit nicht sagen, daß man sie deshalb nicht aufrollen soll. Im Gegenteil, wer es tut, schützt die Schule vor dem Verknöchern und erwirbt sich große Verdienste um dieselbe. — Lehrer F. Koschier in Graßnitz. (Schluß aus Nr. 4.) Was sagen die Reformgegner? 1.) Dadurch, daß wir 5 Stunden ununterbrochen unterrichten, müssen wir den Kindern längere Pausen gewähren; daraus folgt, daß die normale Unterrichtszeit verkürzt wird und geringere Unterrichtserfolge zu befürchten sind. Dieses Argument ist aber, wie ich schon oben angeführt habe, nicht stichhältig; auch hätte der scharfe Beobachter Trunk auf seiner Schuireise in Deutschland die gegenteiligen Erfahrungen machen müssen. 2.) Der schulfreie Nachmittag gibt herzlosen Eltern oder deren Stellvertretern noch mehr Gelegenheit, ihre Kinder als Arbeitskräfte auszunützen, was bei unterbrochener Unterrichtszeit doch nicht so leicht der Fall sein kann. — Die aufsichtslosen Kinder (Arbeiterkinder) gewöhnen sich an das Straßenleben und machen den Eltern, den Lehrern und den Ortsschulräten wegen un-ent.schuldigter Versäumnisse Kopfzerbrechen. Die Einführung dieser Reform wäre daher in Orten mit zahlreicher Arbeiterbevölkerung vom ethisch-sozialen Gesichtspunkte entschieden zurückzuweisen. — Da allerdings sitzt der Hase im Pfeffer! Ist die Einführung des ununterbrochenen Unterrichtes berechtigt, so sind vor allem die Landschulen zu berücksichtigen (Entfernung vom Schulorte, Mittagsmahl, Mangel an Arbeitskräften usw.). Der konservative Land mann wird, wie ich schon oben erwähnt, in einer solchen Reform ein Entgegenkommen der Behörden erblicken und «sich mit den Forderungen der Neu sc hule aussöhnen und auch äußerlich eine freundliche Haltung zu ihr einnehmen». Zur 5. Z-vitße. Oberlehrer Rudolf Pensler in Pirken-Görkau: Die Unterstufe möge auch das 3. Schuljahr umfassen. Der Lehrstoff für das 2. Schuljahr bildet den Kern für den weiteren Rechen- und Sprachunterricht. Dieser Stoff kann nicht oft genug durch Übung und Wiederholung befestigt werden. Im praktischen Leben (beim Kaufmann, Gastwirt, Fleischer, am Wochenmarkt) hat der Mensch meistens Kopfrechnungen im Zahlenraume von 1 100 zu lösen. Da heißt es schnell und richtig rechnen! Ist der Schüler treffsicher im Einmaleins, ist er bewandert im Zu- und Wegzählen, Enthaltensein und Teilen, löst er mit ^Leichtigkeit die verschiedenen einfachen Schlußrechnungen, dann ist der Übergang zum Regelrechnen, zu den 4 Grundrechnungsarten gebahnt. Wohl ist dieser Lehrstoff für das 2. Schuljahr vorgeschriehen, gründlich befestigen läßt er sich aber in einem Jahre nicht. — Die Schüler der heutigen Volksschule sind im Sprechen noch immer zu wenig geübt. Deshalb ist es gut, die des 3. Schuljahres noch am Anschauungsunterricht teilnehmen zu lassen. Die aus diesem Unterrichte gewonnenen Hauptgedanken sind auch schriftlich zu verarbeiten. Der Lehrstoff aus der Sprachlehre ist für die Schüler des 2. Schuljahres grundlegend. Die Laut- und Silbenlehre, die Hauptsatzglieder und deren Aufsuchen aus Sätzen des Lesebuches, das Haupt-, Zeit-, Für-und Eigenschaftswort sind die Grundpfeiler für den Unterricht in der Sprachlehre. Wie oft werden nicht die Begriffe «Eigenschaftswort und Zeitwort» von schwachen Schülern der Mittel-, ja selbst der Oberstufe verwechselt! Warum? Weil im 2. Schuljahre (mit Unrecht von manchen nur das Lesejahr genannt) zu schnell über die Elemente des Sprachunterrichtes hinweggegangen wurde, weil die Befestigung des Lehrstoffes durch häufige Wiederholung . undjÜbung fehlte. Deshalb soll das 3. Schuljahr noch einmal diesen Stoff mit verarbeiten. Der " kin dl ich e Geist ist in diesem Alter bei den meisten Schülern zum Erfassen des Lehrstoffes der Mittelstufe zu schwach. Das Zeichnen im 3. Schuljahre soll wie im 2. in Verbindung mit dem Anschauungsunterrichte auftreten und es sollen passende, besprochene Gegenstände unter Anleitung und Verzeichnung des Lehrers von den Schülern frei entworfen werden. Das Zeichnen als solches im 1. Schuljahre ist für Schüler und Lehrer eine Qual. Zur 6. Frage. Schulleiter Franz Jakober in Oberlienz (Tirol): Aus dem Lehrpläne der Volksschule sollen, will sagen, müssen die deutschen Schriftzeichen gestrichen werden.* — Der rapid zunehmende internationale, bis in -die untersten Volksschichten reichende Verkehr kann die Lateinschrift nicht entbehren: die ebenso zunehmende Stoffülle in der Volksschule gestattet nicht eine gleich gründliche Übung von Latein und zugleich Deutsch. Dieser Gedanke ist nicht mehr neu und ich unterlasse die nähere Begründung. Wahrscheinlich bin ich auch nicht der erste, der Sie sehr ergebenst bitten möchte, sich der Sache gütigst annehmen zu wollen; denn wohl kein Fachblatt ist so sehr geeignet dazu wie ihre Blätter. — Schulleiter A. Pomesberger in Frühwärts, N.-O.: Was wir notwendig brauchen, sind Minimallehrplänc und keine Maximallehrpläne, die Forderungen aufstellen, die nie erreichbar sind. Unsere Lehrpläne verleiten jüngere Lehrpersonen zu einem viel zu raschen Fortschreiten auf Kosten der Gründlichkeit. Der vorgeschriebene Lehrstoff wird wohl behandelt, aber nicht hinreichend geübt und gefestigt, weil die hiezu notwendige Zeit mangelt. Um nun zur Einübung Zeit zu gewinnen, bleibt nichts anderes übrig, als einzelne Kapitel aus dem Lehrpläne zu streichen. Ich will für diesmal nur den Rechen unterricht ins Auge fassen: 1.) Auszuscheiden wäre das ganze Kapitel über das systematische Bruchrechnen. Für die Volksschule genügt vollständig das Rechnen mit den häutiger vorkommenden Brüchen. Aufgaben wie: 7/0 : 6/7 oder 7/n X %7 haben weder einen praktischen Wert noch einen formal-bildenden Zweck. 2.) Damit entfällt auch das Aufsuchen des größten gemeinschaftlichen Maßes durch Zerlegung in Primfaktoren. 3.) Stark zugeschnitten könnte das Rechnen mit mehrnamigen Zahlen werden. Diesbezüglich kommen in unseren Rechenbüchern Aufgaben vor, die kein Mensch im praktischen Leben brauchen kann. 4.) Die viel zu frühe Ansetzung des schriftlichen Rechnens (schon für das 3. Schuljahr) hat die Vernachlässigung des Kopfrechnens im Gefolge, was ich als einen großen Fehler betrachte. 5.) Das Dividieren mit Stellenwertbestimmung ist eine Methode, die nie volkstümlich werden kann, weil sie eben höchst unpraktisch ist und bleibt. Briefkasten. Endlich, endlich ist wieder eine ©neunte Raum für die Plauderei übriggeblieben. Die Unterbrechung war übrigens belehrend: Viele, denen der Briefkasten zuweilen Nachrichten brachte, die unangenehm berührten, weil sie «bittere» Wahrheiten enthielten, frohlockten; sie meinten, ihr Nörgeln werde den lästigen Mückenschwarm verscheuchen. Viele jedoch, die meisten Leser, «reklamierten» das «Kabinettstück-; ihnen leiste ich Folge. Es läßt sich eben im Plandertone manches sagen, was im ernsten Teile nicht Platz finden kann; von diesem Gesichtspunkte ans bedeute denn der Briefkasten mehr als ein Frage- und Antwortspiel. Der Nörgler schreckt vor keiner Gemeinheit zurück; er hat sich auch zu der verstiegen, mir zuzumuten, ich fingierte Zustimmungsschreiben. Wenn solch ein tapferer Helmbnschritter, der toll um sich schlägt, wenn ihn die Mücke sticht, den dritten Stock der städtischen Sparkasse zu Laibach erklimmen kann, so soll er kommen; er wird nicht nur für alles den Beleg finden, sondern noch hundert andere freundliche Briefe, die keine offene Antwort erhielten. Doch er grinst weiter: «Ich erwähne nur des Lobes, den Tadel schließe ich in die Lade.» Etwa 20 Abnehmer, die mit dem Beginne des zweiten Jahrganges das «Blatt- absagten, können bestätigen, daß ich mich, ohne ans den Fortbezng zn pochen, bei bezahlter Rückantwort mit der eindringlichen Bitte an sie gewendet habe, mir etwaige Mängel, die sie vielleicht zur Absage bestimmt haben konnten, rückhaltslos mitzuteilen, damit ich bessernd eingreife. Einige Abnehmer waren an Stadtschulen gekommen, einige bezogen die «Blätter» vom Lehrervereine, andere tauschen mit Kollegen, alle waren mit der Führung einverstanden; nur einer war unzufrieden, weil ich nicht «ansgearbeitete Stundenbilder» bringe. Ich kann seinem Wunsche nicht entsprechen, denn Rezepte verleiten zn geistlosem Nachbeten und das geht uns wider den Strich: Wir wollen eine freie Schule und geistig freie Lehrer. — So, meine Lieben, das ist mir eine Probe von all dem Klatsch, der manchmal in meine Stndierstube bringt; wollte ich alles erzählen, wie nationale Gehässigkeit und heimische Scheelsucht oft an unserem Bestreben nagen, so würdet Ihr gerechterweise erstaunen, daß man noch Lust hat, sich an den Schreibtisch zn setzen, während andere in der schmutzigen Rednktionsstube auf Verdächtigungen brüten oder liebe Freunde hinter dem Bierglase einen * Mein Lieber! Wenn Sie das in einer Versammlung deutscher Lehrer so freimütig aussprechen, werden Sie vom Sturme der Entrüstung übertönt. Die Zeit ist nicht für derartige Ideen gestimmt. Nichtsdestoweniger lasse ich Ihnen das Wort, denn die freie Meinungsäußerung ist die erste Vorbedingung zn einer gründlichen Aussprache. P. 'Liebesdienst- anssinnen. — 9i«ch Mähren, Schlesien und Nordböhmcn: Meine Ernennung zum Bezirksschul-inspektor hat die geplante Reise in Frage gestellt. Zunächst must ich einmal der leiblichen Erholung gedenken; dafür ist Kärnten ausersehen. Dann heißt cs in den Akten kramen und — arbeiten. Der September bringt eine Landcslchrerkouferenz; was nach derselben noch übrig bleibt, must der Bereifung meines Schulbezirke? gewidmet werden. So werden wir uns also in diesem Sonimer wohl kaum sehen können; wohl aber führt uns der nächste zusammen, u. zw. in Reichenberg. — Nach FvhnSdorf: Ein meterlanges, grünes Plakat kündet mir ein «Wohltütigkeitskonzcrt zugunsten des Lehrer-Krankenheims im Süden- an. Sangleitcr Lehrer F. Ocherbaner. So ist's recht. Wenn doch die Post öfter solche Fahnen brächte! — Schillerfcicr: Zlvei hübsche Ansichtskarten! Um die Büste des Dichters die Menge geschart, mitten drin, von, Kranz der Kleinen umgeben, der Inspektor — das must ein entzückender Anblick gewesen sein. Der Erlös für die Karten — stießt er den, Lchrcrheim z» ? Dann gefallen sie mir um so mehr. — An die Verlagsbuchhandlung uv» Pichlcrö Witwe und Sohn in Wien: Sie haben mir für die Schulen meines Anfsichtsgebietes lb Schillerbüchlein kostenlos zukommen lassen Dieselben wandern mit den nustretende» Schüler» hinaus in die entferntesten Waldgebiete und sichern dort das Andenken an den Großen. Dieser Erfolg ist schöner Dank. Ich füge hieinit noch den meinen hinzu. — K. W. in P.: Ja, so sind viele unserer Kollegen! Wenn es gilt, für das Standesansehen 1 K zu spenden, da wehren sie sich mit Füßen und Händen, selbst wenn die Schwaben es haben. — Herrn «Johannes Seli. in 8t. jirope St. in Austria inferiore scliolae vernaculae reetor-: Also auch ein Lateiner kommt zu Gaste. Schau, schau, was Sie noch ans der Ghmnasialzeit gerettet haben! Gelt, so ein paar lateinische Brocken imponieren zuweilen? Aber ein Fehler ist doch ins Pensum geschlichen: Bei Ortsbestimmungen gibt’? kein «in», mein lieber Sekundaner! — H. in Tanfkirchcn: Leider kann ich Heiter nicht weite Sprünge machen. Ja, wenn alle Zeichenkurse in so guten Händen wären, wie der in Dornbirn es war, so ließe sich schon was erzielen. Zumeist fehlt es jedoch an Methode und man könnte vor lauter Theorie zerspringen. Ein Glück, daß Sie iveit boni Sehnst sind! — Jos. G. in Anniach: Ich lande gegen den 25. d. M. am Faakersec. Da wollen wir den Tag für den Vortrag mündlich in Ectvägnng ziehen. — An den lieben Schüler R.: Bei Ihnen hat also der Funke gegriffen. Anderwärts ist er verglommen. Macht nichts; wenn nur einer treu bleibt. Übrigens der am See arbeitet auch tüchtig. Aber die ändern? Sie sind nicht vor der Welle geflohen und nun wahrscheinlich von ihr verschlungen worden. — Schilt. P. in F.: Bitte nur ansznholen; die Fragen sind von Bedeutung, sic müssen darum erschöpfend behandelt werden. Übnngsschnllchrcr R. in W.-N.: «30 ansgcarbeitcte Unterrichtseinheiten für solche, die den Geist der Zeit verstehen und ihm folgen wollen», ist mitten im Druck auf-gehalten worden, weil ich damals nach Laibach musste. Hier war an eine Fortsetzung nicht zu denken. Vielleicht komme ich in den Ferien dazu, die Arbeit abzuschliesten. — Die Oberlehrerstellc in Görz ist bereits vergeben; damit beantworte ich mehrere Anfragen. — König Ramses II. Du armer König! Einst so mächtig, heute prangst du ats Mumie auf Ansichtskarten! Besten Dank für den Mnmicngrnß! — Vom Kaiscrbüchlcin ist das 9. Tausend gedrttckt worden, nachdem das Ministerium 1000 Stück angekauft hat. Der 18. August erinnere die Kollegen an das Schriftchen und seinen Zweck! — Eine Bitte: Der Lehrerdichter Franz Wisbacher in Ainring, Post Hammerau, Oberbahcrn, leidet Not. Kollegen, verbreitet die Werke dieses talentvollen Dichters und sammelt Gaben, damit das kostbare Leben erhalten bleibe! — G. v.: Nietzsche und Boccaccio für ein Fräulein auf dem Lande... hm, hm! — St. Gertrand: Für die Junigrüße herzliche Juligegengrüße! Bekannte Namen, liebe Freunde, schöne Erinnerungen. — Dem Veilchen an der Dran: Eine herzige Karte! Und ich bin so undankbar, indem ich erst heute antworte. Sehen Sie, der Nmtsmensch sichtet seine Briefschaften so: Zuerst die großen Briefe im gelben Umschlag, die amtlichen Stücke, dann die Anfragen, bann die Beitrage für die Zeitung und zuletzt, zu allerletzt die Korrespondenz des Gemütes. Sic und viele andere, die mich mit Karten erfreuen, mögen mir darum nicht grollen, wenn ich so spät mit Dank und Gegensold komme. — Obl. Knilling in Traunstein: Wie habe ich mich ans die Studienreise im Baherlandc gefreut! Doch die Heimat ruft auch und da muß ich alles andere lassen. Kommen Sie mit Ihrer lieben Frau zu mir! Sic würden ein eigenartig Lündchen und Völklein kennen lernen! Alle, alle die lieben Freunde, bei denen ich im Vorjahre zu Gaste war, sollten Gegenbesuch machen; das gäbe Freude für mich und die Lehrerschaft des Herzogtums Gottscheel — W. in P.: Es gibt wenig solcher, die sich fragen, ob sie das Amt auch werden verwalten können, das sie anstreben. Um so mehr gefällt mir darum Ihre Bescheidenheit. Zersplittern Sic nicht die Kraft und Sic werden übers Jahr nicht mehr bescheiden sein müssen! — Di. in P.: Für meine Ferienvorträge in Kärnten habe ich folgende Themen gewählt: a) Grundlinien für den Abteilungs-Unterricht. b) Die modernen Bestrebungen in den einzelnen Unterrichtsgegenständen mit Diücksicht auf die Verhältnisse an den Landschulen, c) Eine gründliche Umkehr in der Veranschaulichung der Zahl, d) Der gute Kern in der Reform des Zeichenunterrichtes. — K. in K.: Die eingeschickten Lieder für Abcschützen hätte ich mir gerne ans dem Klavier vorgeklimpert; aber ich konnte ans dem Ehaos der verschwommenen Notenköpfe keinen festen Ton gewinnen. Also bessere Notenschrift! — Schllt. E. in Backstein: So sollten cs alle machen: Bei jeder Gelegenheit muß für das Lehrerheim gesammelt werden. Wen» die Beträge dann sogleich nach Mannswörth segeln, so bin ich der Mühe bezüglich der Verrechnung enthoben. Ich wäre für die Entlastung sehr dankbar. — Ferienadresse: Prof. Peerz in Laibach. Es wird alles nachgesendet werden. Von Schule jit Schule. XVII. Es gibt verschiedene Bergnügungsmittel für die verschiedenen Menschenkinder auf diesem Erdenrund. Für mich tvar just an dem schönen Sommertage, der unsere Reisewoche beschloß, das ein Vergnügen besonderer Art, auf einem kurzen Stück des Erdenrundes dahinznrollen. Schnell ging's mit dem Gefährte gerade nicht, denn der Gaul nahm die Sache nicht gar ernst; er trolllc in gemächlichem Schritt, als hätte er's geahnt, daß er uns damit einen Gefallen erwies, indem er das Plauderstündchen verlängerte. Wir besprachen im voraus den Unterricht, den wir heute hören wollten. Der Schulleiter in R. war einer der Besten, mit denen Freund M. aufwarten wollte. Fünf Abteilungen beschäftigte er zu gleicher Zeit, fünf in anregender Weise, ohne Störung, ohne Stockung. Ich wurde gcrcchterweise begierig, den Wundermann zu sehen. Ob sich meine Bedenken als zutreffend erweisen werden? Schon bei drei Abteilungen muß der Lehrer die fünf Sinne wohl Zusammenhalten, mit nicht in ein Gewirr zu geraten. Und nun sollte es jemanden geben, der jahraus, jahrein mit fünf Abteilungen praktisch arbeiten kann. Wir hielten vor dem Schulhanse zu R. Der Oberlehrer hatte von unserer Ankunft Kunde erhalten und darum mit der Durchführung seines Planes gewartet. Das Turnier begann. Bon oben herab wurden die Stillbeschäftigungen in rascher Folge zngeteilt, mit klipp und klapp regte es sich alsbald hier und dort und es konnte der Meister nach wenig Minuten die Kleinen an sich ziehen. Die Lektion war kurz gehalten und doch ein ab> gerundetes Ganzes; schier hätte ich den Racken gebeugt. Doch da blieb das Rädchen stehen. Die Forderung nach einer halbwegs gründlichen Durchsicht war vielleicht noch nie so scharf hervor-getreten als heute, da ein mit allen Grundsätzen der Unterrichtslehre bebrillter Übungsschullehrer in der Ecke lugte. Der gute Laudkollege wollte den Forderungen des Lehrerbildners nicht aus dem Wege gehen und so geriet er ins Gestrüpp: Die Stillbeschäftigten — oben nnd unten — waren mit der Aufgabe zu Ende gekommen, eine Erweiterung war nicht zur Hand; die Kleinen tändelten, die Großen lehnten sich über die Bank hin. Gewiß hätte der Apparat sonst -funktioniert», hätte man nicht allzulange die eine Schraube geölt nnd die andere leer laufen lassen. Sv aber klapperte die Maschine immer langsamer über den toten Punkt, bis der Techniker sie mit einem kräftigen Hebelgriff zum Stehen brachte. Der Lehrer befahl: -Hefte nnd Bücher in die Bank!« Das Turnier war zu Ende. — Ich erwog: Wenn der Lehrer für die Zuteilung der Stillbeschäftignng an die einzelnen Abteilungen nur je eine Minute verwendet hätte, so wären vier Minuten darein gegangen. Die Durchsicht erfordert zum mindesten drei Minuten, für jede Gruppe der Schüler, also zwölf Minuten; nun sollte das stündlich jedenfalls zweimal geschehen, damit jede Abteilung in dem Halb-tagc einmal zum direkten Unterrichte kommt. Wieviel fällt ihr zu? Wie steht es mit der Zucht? Wie mit der Vertiefung? Wie mit der Haltbarkeit der Erfolge? Und wie endlich mit der Gesundheit des Lehrers? . . . Oberlehrer L. sollte in kurzem die Schule verlassen, um in den Ruhestand zu treten. Er war zwar noch ein rüstiger Mann, der als ehrsamer Witwer sich recht wohl hätte ein Schätzchen küren können; aber es war ihm an die Nerven gegangen — und als «einsamer Spatz» wollte er nun in der Natur Heil nnd Erholung finden. Drüben hatte er seit Jahren ein Königreich aufgerichtet; dort wollte er als oberster Diktator über das Hcervolk der Bienen herrschen. Der Inspektor war zum letztenmal bei dem Unterrichte. Darum gebot er nach der fünfteiligen Sprach-cinheit, die wie die Recheneinheit im Saude verlaufen war, Ruhe nnd nahm das Wort zu folgender Ansprache: -Kinder! Ihr werdet eitern lieben Lehrer nicht mehr lange im Schulzimmer sehen. Er ist von all den Blühen, die er mit euch nnd den vielen, vielen Kindern in früheren Jahren hatte, krank geworden nnd muß daher Ruhe und Heilung suchen. Wieviel Gutes hat er euch und eitern Eltern und Geschwistern getan! Über 20 Jahre ist er an dieser Schule tätig gewesen; Hunderten von Menschen hat er das für das Leben mitgegeben, was jeder zu seinem Fortkommen braucht. Ihr seid die letzten von den vielen Schülern, die das Glück hatten, einen so tüchtigen Lehrer gehabt zu haben. Darum müsset ihr ihm danken in eitern Namen und im Namen aller Kinder, die seit zwei Jahrzehnten in diesen Bänken gesessen sind. — Sehr geehrter Herr Oberlehrer! Mit dem Danke, der Ihnen aus den Kinderherzen entgegenglüht, verbinde ich meinen besonder« Dank und den Dank der Regierung. Bis zur letzten Woche haben Sie unter schwierigen Verhältnissen getreu auf ihrem Posten ansgeharrt zum Wohle der Schule und des Staates. Sic haben ein schweres Amt selbst mit Hintansetzung ihrer Gesundheit als Mann verwaltet; ich wünsche, daß sich die junge Lehrerschaft an Ihnen begeistere und Ihnen nachstrebe! Mögen Sie die Tage der Ruhe im Glücke verbringen und als guter Geist im Leben noch jene lenken, die Sie erzogen haben!» Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter Rudolf E. Peerz. — Druck von Jg. v. Kleiumayr & Fed. Bamberg in Laibach.