'eitschnfi dar Missionare Söhne des Hist. r Japanisches Erstkommunionkind Ich bin der Weg Eine japanische Zeitung brachte einen erschütternden Bericht und fügte eine Zeichnung bei: Ein Mädchen steht an einer Weggabelung. Drei Wege öffnen sich vor ihm. Jeder ist durch ein Bild am Ende des Weges gekennzeichnet: durch ein Sektglas, durch Hammer und Sichel und durch einen feuerspeienden Berg. Die Deutung ist klar. Es locken das rauschende Leben mit immer neuen Sensationen und Genüssen, der Kommunismus, der das Paradies auf Erden verspricht, und der Selbstmord. Das Mädchen wählte den dritten Weg: Sie stürzte sich mit ihrer Freundin in den feuerspeienden Berg. Als Grund stand in einem zurückgelassenen Brief: „Ich kann die Schuld in meinem Leben nicht länger ertragen. Ich habe die Götter um Verzeihung gebeten — umsonst- Ich suche den Tod." An uns ist es, den heidnischen Völkern den vierten Weg zu zeigen, den Weg zu Christus, zur Fülle des Lebens, zur Heimat der Seele. STERN DER NEGER Zweimonatsschrift März/April 1959 INHALT Frater Josef Pfänner: Der Papst kommt auf Besuch ....... 25 Prälat Anton Kühner: Wir brauchen Euere Hilfe........... 29 Lage der Kirche in Peru .......... 32 Br. Kuno Stößer: Fahrt über die Anden .............. 33 P. Willi Kühner: Eröffnung des Schülerheims St. Anton 35 Kleine Missionsrundschau .......... 39 Wir gehören zusammen .............. 44 E. U. Mozer: In letzter Minute ................. 45 In die ewige Heimat abberufen ..... 46 Franz Braumann: Evi, das tapfere Mädchen .......... 48 Kurz berichtet ....... 3. Umschlagseite Titelbild Piéta von Ignaz Günther (1725 bis 1775) in Nenningen (Ausschnitt) Bestellung Deutschland: Missionshaus Josefstal (14a) Ellwangen/Jagst (Württemberg) Österreich: Missionshaus Maria Fatima Unterpremstätten bei Graz Italien : Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen Jährlicher Bezugspreis DM 3.-------S. 15 — Lire 400 Einzahlung Deutschland: Missionshaus Josefstal Postscheckkonto Stuttgart 540 66 Österreich: Scheckkonto 86211 „Stern der Neger“ Italien: Herz-Jesu-Missionshaus in Milland Bressanone/Brixen C.C.P. 14 / 7392 Trento Herausgeber und Verleger Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu Josefstal bei Ellwangen/Jagst Schriftleitung P. Edmund SChumm, Josefstal Druck Schwabenverlag AG Zweigniederlassung Ellwangen/Jagst Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobem Postverlagsort: Ellwangen (Jagst) V______________________________________ J Am ersten Adventsonntag 1958 besuchte der Hl. Vater überraschend das Propagandakolleg. Kardinal Agagianian, Propräfekt der Propagandakongregation, stellte ihm Studierende verschiedener Länder vor. Hier unterhält sich der Papst mit einem Vertreter der schwarzen Rasse. In der Mitte Kardinal Agagianian. Der Papst kommt auf Besuch Von Frater Josef Pfänner Kaum zwei Wochen nach der Krönung Johannes' XXIII. ging durch die Reihen der Studenten an der Propaganda-Universität das Gerücht, der neue Papst habe sich zu einem Besuch des Propagandakollegs angemeldet. Diese sensationelle Nachricht klang so unglaublich, daß wir ihr anfangs kein Gehör schenken wollten. War es doch gegen jegliche Tradition und zudem so kurz nach der Krönung, wo so viele dringende Arbeit auf den neuen Papst wartete. Einige wiesen aber darauf hin, daß er vier Janre, von 1921 bis 1924, selbst an der Propaganda gearbeitet habe und deshalb großes Interesse für die Mission zeige. Wir erinnerten uns auch an die erste Ansprache unmittelbar nach seiner Erhebung zum Oberhaupt der Kirche, in der er schon die Missionare und die Mission erwähnte und ihrer im Gebet gedachte. Und am Krönungstag selbst Der Hl. Vater beim Einzug in das Kolleg. hat er in Sankt Peter betont, daß die Sorge um die Mission zwar nicht seine einzige, aber seine erste Sorge sei. Wenige Monate zuvor hatte er als Kardinal bei einer Rede in Mailand hervorgehoben, daß unter jedem bischöflichen Brustkreuz ein Missionarsherz schlage. Mit diesem Missionarsherz hat er den Stuhl Petri bestiegen, um Hirte der großen Weltkirche zu werden. Und diese echte Hirtensorge um seine entlegensten Schäflein draußen in der Mission drängte ihn, in das große Missionsseminar der Propaganda Fide zu kommen, wo sich 250 Studenten aus 47 Missionsländern auf den Priesterberuf vorbereiten und auf deren Schultern die junge Kirche in den Missionen einmal ruhen wird. Der besorgte Hirte begnügte sich aber nicht damit, sie zu einer Privataudienz einzuladen, was schon eine große Ehre und Anerkennung für die Mission gewesen wäre und sein Interesse an ihrem Wachstum bekundet hätte. Er wollte vielmehr einmal ganz froh und ungezwungen in ihrer Mitte weilen, mit ihnen plaudern und scherzen wie ein Vater mit seinen Kindern. Aber noch mehr, er wollte mit ihnen das heilige Meßopfer feiern, sie um den Altar, um In der Kapelle des Kollegs feierte der Papst mit den Studenten eine hl. Messe. Christus scharen, von dem alles Wachstum und Gedeihen kommt. Die erste Papstmesse außerhalb des Vatikans wollte er in ihrer Mitte feiern. Dazu hatte er sich den ersten Adventsonntag ausgewählt; das neue Kirchenjahr wollte er mit ihnen beginnen. Ein verheißungsvoller Anfang für die Mission, die noch wirklich im Advent liegt und auf den harrt, der da kommen soll, um Gnade und Erlösung zu bringen- Ein strahlend heller Morgen lag über der Ewigen Stadt, als sich im Propagandakolleg hoch über dem Petersplatz ein Fenster nach dem andern öffnete und jede Nation ihre Fahne entrollte. Wélch farbenfrohes Kleid hatte da das Kolleg im Nu angelegt, das Festtagskleid, das es nur bei ganz großen Anlässen tragen darf, wie z. B. am Dreikönigsfest, weil an diesem Tag die ersten Heiden zu Christus kamen. Heute kommt sein Stellvertreter, um in diesen jungen Studenten die Mission zu segnen. War es die große Freude oder eine verhaltene Aufregung, was die Fahnen in der hellen Morgensonne so unruhig bewegte? Beides war auch zu lesen auf den Gesichtern derer, die da durch die breiten Gänge des Kollegs huschten. Der Papst auf Besuch, das ist nichts Alltägliches für einen Studenten, der vielleicht erst vor wenigen Jede Pfarrei sollte mit den aus ihr hervorgegangenen Missionaren lebendig verbunden sein. Eine Gedenktafel in der Kirche mit den Namen der Patres, Brüder und Schwestern und ihren Bildern, sowie einer Weltkarte, auf der der Wirkungsort eingetragen ist, würde lebendige Brücken schlagen. Dazu sollte öfter die Anrufung gebetet werden: Daß Du die Missionare aus unserer Heimat segnen wollest — Wir bitten Dich, erhöre uns. Wochen von einer verlorenen Insel der Südsee oder direkt aus dem Urwald kam. Wenn es aber wirklich Aufregung gewesen sein sollte, was die jungen Menschen erfüllte, dann hätte das väterlichwohlwollende Lächeln des Papstes die letzte Scheu vertrieben. Nicht zu einer strengen Visitation war er gekommen, sondern um als Vater und Hirte bei den Seinen zu weilen. Das war der erste, überwältigende Eindruck, der alle Herzen höher schlagen ließ. Das „Tu es Petrus", das der Chor anstimmte, als der Papst die hell erleuchtete Seminarkapelle betrat und zum Altare schritt, wurde zum jubelnden Bekenntnis. Der Papst betete gemeinsam mit den Missionsstudenten das Kirchengebet: „Biete Deine Macht auf, o Herr, und komm...“ Und jeder dachte dabei wohl an seine Heimat, wo noch so viele in Heidentum und Aberglauben verstrickt sind und auf ihn warten. Dann erklang die Frohbotschaft Christi aus dem Munde seines Stellvertreters, der das gemeinsame Credo und die Opferfeier folgten. Ein mehrstimmiges Ave Maria beendete die erhabene Feier. Nach einem kurzen Frühstück traf sich alles wieder im großen Festsaal zu einem frohen Beisammensein. Der Hl. Vater betonte vor allem, wie sehr er sich freue, diese Stunden in ihrer Mitte verbringen zu können, da sie die ganze Weltkirche vertreten. Er erinnerte sie an die große Aufgabe, die ihnen als Priester in den jungen Missionskirchen einmal anvertraut würde, und ermunterte sie, indem er sie auf den Obelisken auf dem Petersplatz hinwies, den der grausame Christenverfolger Nero aufstellen ließ, über dem nun aber das Siegeszeichen Christi mit einer echten Kreuzpartikel triumphiere und in dessen Sockel die unvergänglichen Worte eingemeißelt seien: Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat — Christus siegt, Christus regiert, Christus herrscht. Anschließend unterhielt sich der Hl. Vater noch mit einzelnen Studenten, die ihm etwas von ihrer Heimat und dem dortigen Missionsleben erzählen mußten. Zum Schluß erteilte er allen sowie der ganzen Mission, den Missionaren und allen Mitarbeitern in der Heimat den apostolischen Segen. Erzbischof Sigismondi, Sekretär der Propagandakongregation, überreicht dem Papst ein Geschenk. Prälat Anton Kühner mit einer kleinen Indianerin. Wir brauchen Euere Hille Von Prälat Anton Kühner Liebe Missionsfreunde! Wer Land und Leute von Südamerika kennt mit den gewaltigen Gebirgszügen der Anden, die den Westen des Erdteils von Norden nach Süden durchziehen, wo eine Höhe von 3000 Metern das Normale ist, wo Menschen in 4000 bis 5000 Metern das Erz aus der Erde holen und sich zu Gemeinden zusammenschließen, der versteht, wie schwer es bei dem obwaltenden Priestermangel, den schlechten Verkehrsmöglichkeiten und der Ungunst des Klimas und der Höhenlage ist, diese Menschen in ausreichendem Maße religiös zu betreuen. Um diesem Übelstand in etwa abzuhelfen, hat der Heilige Stuhl in Peru neue kirchliche Sprengel geschaffen, sogenannte Prälaturen. Eine derselben, im Zentrum Perus gelegen und nach der Stadt Tarma genannt, steht unter meiner Leitung. Sechs Monate bin ich nun schon im Amt, und diese sechs Monate haben mich bereits in viele Städte und Dörfer der Prälatur geführt. Ich versuchte, mir einen Überblick über die religiöse Lage zu verschaffen- Was ich fast überall feststellen mußte, war wenig erfreulich, zum Teil niederschmetternd. Mein erster Besuch galt der Stadt CerrodePasco, dem großen Minenzentrum, wo Menschen aus ganz Perii Zusammenkommen. Besonders Arbeiter, die in finanzieller Not sind, suchen hier bei harter Arbeit unter Tage ihr Verdienst. Alle diese Leute brauchen religiöse Betreuung. Die Stadt liegt 4300 Meter hoch, und wenn sie auch nahe dem Äquator liegt, so ist das Klima auf dieser Höhe doch sehr streng. Ihr könnt Euch vorstellen, wie einem Seelsorger zumute ist in dieser Höhe mit einem Wetter wie bei Euch an naßkalten Novembertagen, in der Wohnung kein Fenster, kein Ofen, das Zimmer kaum drei Schritt im Quadrat, wo das elektrische Licht das einzige Ding zu sein scheint, das Mitgefühl zeigt, weil es Licht und ein wenig Wärme spendet. In solchen Verhältnissen geht ein Priester, oder sagen wir besser, gehen priesterliche Ideale unter. So brauchen wir für unsere Seelsorgspriester zunächst einmal ein ordentliches Pfarrhaus. Denn der Seelsorgseifer läßt bald nach, wenn man in Bezug auf Wohnung auf jede Bequemlichkeit verzichten muß. Da soll nun möglichst bald abgeholfen werden. Aber wie? Die Leute sind arm und leben selbst nicht besser oder noch primitiver. Diese Menschen werden in solche Verhältnisse hineingeboren, und man versteht, daß bei den meisten das Verständnis fehlt, daß da bei ihnen und ihren Seelsorgern Wandel geschaffen werden muß. Und dabei ist die so sehr strapazierte Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Priesters in diesem Lande durch nichts zu ersetzen. In einem Dorfe, das sich T a p u k nennt, ist die Kirche in Gefahr. Nach meiner Schätzung sind schon 300 Jahre über sie hinweggegangen. Das Stroh, mit dem sie gedeckt ist, ist uralt und schon verfault; stellenweise blickt die Sonne durch die Sparren, und was noch schlimmer ist, der Regen weicht die Wände auf, die aus gestampfter Erde bestehen. Die Altäre zeugen noch von einstiger Pracht, aber um so schmerzlicher empfindet man ihre völlige Vernachlässigung. Das Pfarrhaus weist nur zwei Räume auf, der Fußboden ist aus gestampfter Erde, die Wände sind erdgrau. Es haben zwar immer Priester hier gewohnt, aber sie haben sich wohl an diese armseligen Verhältnisse gewöhnt, und nun können die armen Leute nicht allein für die Wiederherstellung von Kirche und Pfarrhaus aufkommen. In diesen Tagen besuchte ich den Distrikt Paucartambo, zu dem 20 größere und kleinere Dörfer gehören. 30 Jahre sind es schon, seit der Bischof von Huänuco, zu dem dieses Gebiet vor Errichtung der Prälatur Tarma gehörte, hier in Paucartambo seinen letzten Besuch gemacht hat. Die Gläubigen haben mich feierlich und herzlich empfangen. Die Kirche ist in gutem, oder sagen wir für hiesige Verhältnisse normalem Zustand. Den Chorraum haben sie zur Hälfte mit Wellblech tonnenförmig eingedeckt. Der Rest des Chordaches, aus normalen Sparren, liegt tiefer, so daß zwischen beiden Dächern Sonne und Regen Zutritt haben. Ich habe Bedenken, ob das Wellblechdach auf die Dauer dem Winddruck standhalten wird. Das Pfarrhaus ist an die Kirche angebaut. Es ist einstöckig und trägt ein uraltes Strohdach. Da hätte ich Euch hineinführen mögen! Im ersten Raum, der nur durch den Eingang Licht empfängt, befindet sich so etwas wie eine Küche-Emen Tisch habe ich da keinen gesehen. Der zweite Raum soll wohl das Schlafzimmer sein. Weil man zum Schlafen kein Licht braucht, gibt es hier auch kein Fenster. In der Ecke kann man ein Feldbett unterscheiden, das aber bei Regen wandern muß, um nicht dem durch das schlechte Dach strömenden Wasser ausgesetzt zu sein. Der dritte Raum ist das offizielle Amtszimmer, und da steht auf einem grob gezimmerten Podium sogar ein Schreibtisch mit Stuhl. Eine weitere Sitzgelegenheit ist nicht vorhanden. Weil ein Priester so nicht leben darf, wenn er nicht moralisch zugrunde gehen soll, habe ich mit den Leuten ein Komitee gegründet für die Wiederherstellung des Pfarrhauses. Doch das alles wird Geld kosten, und woher nehmen? Mit einigen löblichen Ausnahmen ist das der Allgemeinzustand. Wenn sich eben jahrelang niemand mehr um Kirche und Pfarrhaus annimmt, gehen auch diese Dinge den Weg alles Irdischen. Da muß nun Wandel geschaffen werden. Oder sollen wir den nordamerikanischen Sekten mit ihren reichen Geldmitteln das Feld räumen? Die armen Leute wollen gerne helfen, doch diese Hilfe wird notwendigerweise sehr klein bleiben, da sie bettelarm sind; man müßte ja erst ihnen selber helfen. Viele von ihnen können sich nur ganz selten im Jahre Fleisch leisten; Kartoffeln, Mais, Bohnen, Kürbisse sind ihre Nahrung tagaus, tagein. Brot ist für viele eine größere Seltenheit als für uns eine Bretzel nach dem Krieg. Und so wende ich mich nun an Euch, liebe Leser des „Stern der Neger“ und Missionsfreunde. Helft uns, das heißt meinen armen Priestern und Gläubigen! Ich weiß wohl, daß Ihr auch Euere materiellen Sorgen habt. Aber diese sind doch klein im Vergleich zu unseren hiesigen Verhältnissen. Die Verwaltung des „Stern der Neger" ist sicher gern bereit, Euere Gaben entgegenzunehmen und an mich weiterzuleiten. Gott, der Geber aller Gaben, der mein und Euer Leben in seinen Händen trägt, und Maria, unsere mächtige Helferin, werden es Euch sicher lohnen! Tarma, den 6. Januar 1959 (gez.) f Anton Kühner Prälat von Tarma Wir werden gerne diese Zuwendungen für den Aufbau der Prälatur Tarma, die unserer Kongregation anvertraut ist, an Prälat Kühner weiterleiten. Einzahlungen erbeten auf das Konto des „Stern der Neger“ (siehe 2. Umschlagseite) mit dem Vermerk: „Für Prälat Kühner“. Kirche in Tapo, Prälatur Tarma Prälat Kühner mit den „Festdamen“ und einigen Herren von Tapo Lage der Kirche in Peru Der südamerikanische Staat Peru ist größer als Frankreich, Spanien und Portugal zusammengenommen, zählt aber nur 9780 000 Bewohner. Das Land erstredet sich dem Stillen Ozean entlang zwischen Ekuador und Kolumbien im Norden, Brasilien und Bolivien im Osten und Chile im Süden. Ganz in der Äquatorialzone gelegen, verdankt es nur seiner Lage am Meere und seinen Gebirgen, daß es von übermäßiger Hitze verschont bleibt und die verschiedensten Klimazonen aufweist. Von West nach Ost hat man zunächst die an sich trockene Küstenzone, wo aber Bewässerungsanlagen den Anbau von Baumwolle, Zuckerrohr und Reis gestatten. Es folgt die Gebirgszone mit Höhen, die oftmals 6000 Meter überschreiten. Drei Gebirgszüge ziehen parallel von Norden nach Süden, dazwischen tief eingeschnittene Täler, die von Flüssen wie dem Maranon, Huallaga und Apurimac durchzogen sind. Zur Gebirgszone gehören auch Hochebenen mit ausgedehnten Seen wie dem Titicacasee, der eine Fläche von 6900 Quadratkilometern bedeckt. Es ist das Gebiet, wo ehedem die Kultur der Inkas blühte und wo heute neben wenig Ackerbau vor allem die Zucht von Lamas, Alpakas und Rindern betrieben wird. Schließlich folgt die Urwaldzone des Amazonasbeckens, wo vor allem der Waldreichtum ausgebeutet wird. Peru ist reich an Bodenschätzen. Als Pizarro 1527 das Land entdeckte, war er von dem Franziskaner Markus von Nizza und dem Weltpriester Alonso von Medina begleitet. An der großen Expedition Pizarros von 1532 nahmen sechs Dominikaner teil, die man als die ersten Apostel Perus betrachten darf. In dem neuen Vizekönigreich Peru wurde als erste Diözese 1536 die von Cuzco errichtet, 1541 folgte die Diözese Lima, die von Papst Paul III. zum Rang einer Erzdiözese erhoben wurde. Zahlreiche Orden beteiligten sich an der Missionierung des Landes, so die Dominikaner, Franziskaner, Augustiner, Merzedarier, Jesuiten; ihre Missionsarbeit erreichte ihren Höhepunkt zur Zeit des hl. Toribio de Mongrovejo, des zweiten Erzbischofs von Lima und größten Missionsbischofs von Spanisch-Amerika. Damals, im Jahre 1583, wurde in Lima die erste Druckerei Südamerikas eröffnet. Das erste Buch, das gedruckt wurde, war ein Katechismus. Dem gleichen Erzbischof ist die 1591 in Lima erfolgte Gründung des ersten Seminars auf amerikanischem Boden zu danken. Die kirchliche Organisation und das religiöse Leben sahen damals ihre Blütezeit, und der peruanischen Erde entsprossen Heiligengestalten wie der hl. Turibius, die hl. Rosa von Lima, der hl. Franz Solanus und die seligen Martin de Porres und Juan Masias. Die Kirche wurde Kulturträgerin durch Gründung von Kulturinstituten, so der Universidad Mayor des hl. Markus in Lima. Nachdem Peru im Jahre 1824 seine Unabhängigkeit erlangte und in den folgenden hundert Jahren die Kirche wie in andern Ländern Lateinamerikas von Seiten der Freimaurerei und anderer glaubensfeindlicher Gesellschaften sehr schwere Angriffe über sich ergehen lassen mußte, setzte dann die religiöse Erneuerung, vor allem im letzten Jahrzehnt ein. Heute sind 97 Prozent der Bevölkerung Perus katholisch. Kirchlich ist das Land in vier Erzdiözesen, 14 Diözesen, 7 Freie Prälaturen, 7 Apostolische Vikariate und eine Apostolische Präfektur eingeteilt; die 8 letztengenannten Gebiete unterstehen der römischen Propagandakongregation. Das religiöse Leben ist in der Küstenregion besser entwickelt als in der Gebirgs- und der Urwaldregion. Von den Problemen, die Peru beschäftigen, sind zu nennen; die wirtschaftliche und kulturelle Hebung der Indianer und der Kommunismus, der sich vor allem in den Gewerkschaften bemerkbar macht. Vom katholischen Standpunkt aus kommen hinzu der Priestermangel und die Gefahr der religionslosen Erziehung an den Schulen. Die Kirche hat neben anderen Unterrichtsinstituten 1917 in Lima eine katholische Universität als Mittelpunkt katho- lischen geistigen Lebens gegründet. 1956 kam dort der Kongreß der katholischen Universitäten Lateinamerikas zustande. Die Masse der Ungebildeten und Armen bietet den Sekten, vor allem den amerikanischen, Ausbreitungsmöglichkeiten. Das Gesetz über Zivilehe und Ehescheidung ist geeignet, die Grundlagen der christlichen Familie anzugreifen und damit das ganze katholische Leben, vor allem die Weckung von Priesterberufen, zu gefährden. Hier muß die katholische Gegenaktion einsetzen, um wieder Boden zu gewinnen, wie audi noch viel zu tun bleibt für die „Enterbten" der Selva und Sierra, zu denen das Evangelium jetzt besser herangetragen werden kann durch Schulen mittels Rundfunk, wie sie die Jesuiten eingerichtet haben. Die Arbeiterfrage wurde, wie die soziale Frage überhaupt, von den Bischöfen wiederholt ausgiebig behandelt, zuletzt auf ihrer großen Konferenz in Lima. Zur Weckung von Priesterberufen hat man die Serra-Vereinigung ins Leben gerufen, die auch die Familie als Pflanzstätte der Berufe erfaßt. Die acht von der Propaganda abhängigen kirchlichen Sprengel liegen im Osten der Anden, im Amazonasgebiet, und nehmen fast die Hälfte der Fläche des Landes ein. Von den 536 000 Bewohnern dieser Gebiete sind ungefähr 500000 getauft. Doch ist der Fortschritt des religiösen Lebens wie der Kultur überhaupt auch hier gehemmt durch den Priestermangel — man zählt nur 129 Priester, davon 13 Peruaner — und ebenso durch den Mangel an Verkehrsmitteln und Wegen sowie die Verschiedenheit der Sprachen. Nur San Ramon besitzt ein Kleinseminar, ein zweites befindet sich im Apostolischen Vikariat San Gabriel im Bau. Für diese acht Missionsgebiete zusammen gibt es gegenwärtig nur fünf Großseminaristen und 63 Kleinseminaristen. Seit zehn Jahren hat die Missionsbewegung im Lande an Boden gewonnen. An den Feiern des Missionssonntags vom vergangenen Jahr hat auch der Chef der Regierung teilgenommen. Die Arbeiten der Missionare fanden ihre Anerkennung durch den Präsidenten Manuel Prado, der selbst einer Gruppe von Missionaren die öffentlichen Auszeichnungen überreichte. Fides Fahrt über die Anden Von Br. Kuno Stößer Es ist 4 Uhr morgens. Mit einem letzten Händedruck verabschieden wir uns von den zurückbleibenden Mitbrüdern in Mirones- In einem eleganten Ford durchkreuzen wir Lima, die Hauptstadt Perus. Mit zunehmender Geschwindigkeit geht es vorbei an Chocica, und schon stehen wir am Fuß der Kordilleren. Damit beginnt der Aufstieg. Unzählige Kurven, Tunnels und bodenlose Abgründe machen den Weg interessant. Steinschlag, Erdrutsche und Hochwasser sind hier keine Seltenheit. Der Weg von Lima nach Huänuco, unserem Reiseziel, ist sehr strapaziös, aber auch wieder voller Abwechslung. Dieser Weg ist ein Triumph des Menschen über die widerspenstigen Naturgewalten. Während Lima auf Meereshöhe liegt, gelangt man nach 150 Kilometern Fahrt schon auf eine Höhe von etwa 5000 Metern. Schon nach den ersten 50 Kilometern gibt es praktisch keine gerade Strecke mehr. Inmitten der unzähligen Bergspitzen, zum Teil mit Schnee bedeckt, wie klein kommt sich da der Mensch vor, wie groß erscheint der Schöpfer, der diese Berge aufgetürmt hat! Eine Stelle oberhalb Matucana heißt im Volksmund „Paso del Infermilo ", Durchgang durch die kleine Hölle. An keiner andern Stelle kann man so die Kühnheit und Intelligenz der Menschen bewundern, die diesen Weg angelegt haben. Zwei senkrecht hochragende Felswände bilden einen engen Abgrund, in dessen Tiefe der Fluß tosend dahinrauscht, überbrückt von Auto- und Eisenbahnbrücke. Während sich die zum größten Teil ungeteerte Autostraße meist auf dem schmalen Grund des Tales in engen Windungen dahinschlängelt, schiebt sich die Eisenbahn in stetem Zickzack zur Höhe empor. Nach rund 4 Stunden Fahrt erreichen wir Ticlio mit etwa 5000 Metern Höhe. Zuvor durchfahren wir Anticona, mit 4843 Metern die höchste Bahnstation der Welt. Auf dieser Höhe spürt man schon die Kälte, und öfters kommt auch noch die berühmte Höhenkrankheit, die So-rotsche, dazu. Nach Meinung mancher Reisenden ist diese Höhenkrankheit schlimmer als die Seekrankheit, nur mit dem Unterschied, daß sie nur wenige Stunden dauert. Sie besteht aus einem Gemisch von Kopfweh, Ohrensausen und Erbrechen. Schlimmer wird es, wenn sich dazu noch Ohnmacht, Herzschwäche und Nasenbluten einstellen. Während man im Auto sich selbst überlassen ist, wird den Reisenden im Zug mit Sauerstoff nachgeholfen. Am besten ist es, man überläßt sich dem Schlaf, wenn man kann. Von nun an geht es wieder leicht bergab, vorbei an Behausungen von Minenarbeitern nach La Oroya. La Oroya selbst ist eine Minenstadt, und zwar wird hier das Erz des umliegenden Gebietes einschließlich Cerro de Paseo geschmolzen. Die Unternehmen sind zum größten Teil in nordamerikanischen Händen. Nur ist heute im Unterschied zu früher die ganze Aufsicht den Peruanern anvertraut. Das kommt billiger, weil sich die Ausländer nur für einige Jahre verpflichten und dann wieder gehen, die Einheimischen aber bleiben. Man macht es heute so, daß die bewährtesten einheimischen Arbeiter zur Ausbildung nach den Vereinigten Staaten geschickt werden und man ihnen dann nach ihrer Rückkehr einen führenden Posten übergibt. Kurz nach La Oroya nehmen wir das Frühstück ein und setzen dann die Fahrt fort. Nach wenigen Kilometern kommt nun eine Kreuzung, für uns seit Gründung der Prälatur Tarma von Bedeutung. Wenn man nach rechts abbiegt, gelangt man in einer Stunde nach Tarma, dem Sitz des Prälaten. Doch heute setzen wir die Fahrt linkerhand fort. Im Unterschied zur Strecke nach Tarma ist diese Straße nicht geteert. Nun beginnt die sogenannte Pampa de Junin, eine unendlich scheinende, langgestreckte Hochebene. Der größte Ort, nach dem die Ebene benannt ist, ist Junin. Hier fand am 6. August 1821 die vorletzte Schlacht der von General Bolivar geführten peruanischen Freiheitstruppen gegen die Spanier statt. (Die peruanische Unabhängigkeit wurde schließlich in der letzten Auseinandersetzung in Ayacucho im Jahre 1824 erreicht.) Ein Denkmal, wie ein Leuchtturm in der Hochebene stehend, erinnert an diesen geschichtlichen Tag. Nach 130 Kilometern erreichen wir Cerro de Paseo mit 40 000 Einwohnern. Es ist dies mit 4400 Metern die höchstgelegene Stadt der Welt. Spaßhaft erzählt man uns, daß das Hospital Daniel Carrion den höchsten Turm der Welt besitze. Die Stadt und ihr Klima machen keinen besonders erfreulichen Eindruck. Dafür ist aber das Gebiet sehr reich an Erzen wie Kupfer, Silber, Eisen, und auch Kohle wird gewonnen. Von den Bewohnern arbeiten die meisten in den Minen, die übrigen sind vielfach Viehhirten auf den unendlichen Weideflächen. Die Stadt weist zwei Kirchen auf, deren eine einer gründlichen Erneuerung bedarf, bevor sie wieder für den öffentlichen Gottesdienst benutzt werden kann. Die Pfarrkirche selbst wird seit November vergangenen Jahres von P. Andres Lechner betreut. Dieses ganze Gebiet gehört noch zur Prälatur Tarma. Die Abfahrt nach Huànuco ist sehr steil und nicht weniger kurvenreich als der Aufstieg. Infolge der Enge der Straße muß der Fahrer sich ganz auf den Weg konzentrieren. Besonders beim Entgegenkommen eines andern Fahrzeuges kann oft nur rasches Handeln die Situation meistern. Mit dem Abnehmen der Meereshöhe nimmt die Wärme ständig zu. Der Baum- und Pflanzenwuchs, anfangs sehr spärlich, wird in den tieferen Lagen immer dichter. Pflanzungen von Eukalyptusbäumen tauchen auf. Huànuco, nur noch 1900 Meter hoch, liegt am Huallaga, einem Nebenfluß des Ma-ranon, der später als Amazonas in den Atlantischen Ozean mündet. Es ist nachmittags 4 Uhr, also nach genau 12 Stunden Fahrt, als wir von unseren Mitbrüdern im Konvent San Pedro begrüßt werden. Bischof Anton Heiterer von Lydenburg mit Firmlingen der Eingeborenensiedlung von Middelburg (23. November 1958) Eröffnung des Schülerheims 8t. Anton in Pretoria Von P. Willi Kühner Der 8. Februar dieses Jahres wird als ein wichtiger Tag in die Geschichte der Diözese Lydenburg eingehen. Am Nachmittag dieses Tages erteilte der Apostolische Delegat für Südafrika, Erzbischof Damiano, dem neuen Schülerheim St. Anton in Pretoria die feierliche Weihe. Sehr viele Gäste waren aus allen Teilen Transvaals und auch der Kapprovinz herbeigeeilt, um dieses wichtige Ereignis mitzufeiern. Unter den Würdenträgern sah man den Erzbischof von Pretoria, Dr. Garner, zu dessen Kirchenprovinz die Diözese Lydenburg gehört, ferner Msgr. Christopher Ulyatt, den neuernannten Apostolischen Präfekten der kürzlich errichteten Präfektur Volksrust, und die Monsignori Watkins, Hughes und Mason von Pretoria. P. Matthias Roth von Middelburg vertrat die Kongregation der Missionare Söhne des Hist. Herzens als deren Superior, P. Demel die Stadtpfarrei Witbank- Nachdem der Apostolische Delegat das Haus segnend um- und durchschritten hatte, wobei die Christlichen Schulbrüder von der High School (= Gymnasium) nebenan den gesanglichen Teil übernahmen, zog die Geistlichkeit und das Volk in die Kapelle des Hauses, die aus diesem Anlaß durch die geöffnete Schiebetüre mit dem anschließenden Speisesaal verbunden und dadurch vergrößert worden war. Trotzdem fanden längst nicht alle Platz und mußten draußen bleiben. Vor dem einsetzenden heftigen Regen suchten sie Schutz in den Gängen des Hauses. Die Festpredigt hielt Msgr. Ulyatt, ein Franziskaner in seiner grauen Monsignore-Kleidung. Zuerst verlas er ein Glückwunschschreiben des Hl. Vaters, gezeichnet vom Kardinalstaatssekretär Tardini. In seiner Predigt ging er aus von dem Worte Christi an den Jüngling von Naim: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!" Wie unser Erlöser diesen Toten zu neuem Leben erweckt hat, so will er auch der Jugend unserer Zeit neues, übernatürliches Leben als Glieder an seinem Das neue Schülerheim St. Anton in Pretoria Der Apostolische Delegat erteilt dem Schülerheim die kirchliche Weihe. Rechts P. Demel, Pfarrer von Witbank. Kolleg der Christlichen Schulbrüder, gegenüber dem Schülerheim. Leibe geben. Vermittlerin dieses Lebens ist die Kirche. Sie, die Braut Christi, erzieht zu einem Leben, das allein Sinn und Wert hat. Ohne dieses höhere Leben ist alle Erziehung tot. Die Arbeit der Christlichen Schulbrüder sowie des Schülerheimes ist wie die Berührung des jungen Mannes durch Christus: Sie vermit- telt höheres Leben. Die Errichtung des Heimes ist der Initiative und Weitsicht eines Mannes zuzuschreiben, der hier anwesend ist: des Bischofs Anton Rei-terer von Lydenburg. Die Schüler sollen die Opfer nicht vergessen, die für sie gebracht wurden, und sich durch Fleiß und durch Benützung der ihnen hier ge- botenen Möglichkeiten erkenntlich zeigen- Nach dem Segen des Delegaten waren die Gäste in der gegenüberliegenden Halle der See-Pfadfinder von Pretoria zum Tee eingeladen. Die katholischen Frauen hatten dort eine kleine Stärkung vorbereitet, wo sich jeder bedienen konnte. Bischof Reiterer sprach während des Imbisses in der Freude seines Herzens über die Vollendung des so langgehegten Planes, der bis in die Zeit vor dem 2. Weltkrieg zurückging, warme Worte des Dankes. Er dankte vor allem dem Apostolischen Delegaten für die Unterstützung und Förderung des Planes, dann dem Erzbischof von Pretoria, der nicht nur die Erlaubnis zur Errichtung des Heimes gegeben, sondern auch seine Hilfe angeboten hatte. Die Diözese Lydenburg werde sich dadurch erkenntlich zeigen, daß sie auch Schüler der Erzdiözese Pretoria aufnehmen werde, soweit das möglich sei. Den Christlichen Schulbrüdern dankte er für die Bereitstellung der Halle und der Spielplätze für die Buben und für die Aufnahme der Schüler an ihrer so berühmten Schule. Der Bischof dankte noch dem Baumeister, den katholischen Frauen Pretorias und allen, die mitgeholfen hatten, daß das Schülerheim Wirklichkeit werden konnte. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Eltern mit dem neuen Heim zufrieden sein werden und daß es in Verbindung mit der Schule der Schulbrüder charaktervolle und gebildete junge Männer hervorbringe, zum Besten der Kirche und des Staates. Nach dem Bischof von Lydenburg sprach Erzbischof Garner von Pretoria Worte der Anerkennung. Humorvoll meinte er, jeder Bischof sähe es gern, wenn in seiner Diözese neue Einrichtun- gen erstünden, besonders, wenn sie von andern gebaut und bezahlt würden. In der Frühe hatte er in der Kapelle des Heims ein Pontifikalamt gefeiert. Zum Leiter des Schülerheimes wurde P. McNulty, ein englischer Weltpriester, ernannt, der sich schon in seiner Heimat Erfahrungen und Verdienste in der Jugenderziehung erworben hat- Er hat sich für die Arbeit in der Präfektur Volksrust verpflichtet, wurde aber von seinem kirchlichen Obern für drei Jahre für diesen Posten zur Verfügung gestellt, da die Diözese Lydenburg wegen Personalmangel die Stelle zunächst nicht mit einem eigenen Priester besetzen kann. Im Erdgeschoß des Hauses befinden sich die Kapelle, der Speisesaal und der Studiersaal, dazu die Besuchszimmer und das Amtszimmer des Rektors. Die Küche ist in dem Bau untergebracht, der das Heim mit dem Schwesternhaus, einem früheren Privathaus, verbindet. Das Obergeschoß weist zwei Schlafsäle — der eine ist dem Andenken an den verstorbenen Bischof Johannes Riegler geweiht; sein Bild schmückt die Vorderwand —, Waschgelegenheiten und weitere Einzelzimmer auf. Küche und Haushalt besorgen Schw. Michaela und Schw. Marietta, zwei Grazer Schulschwestern. Schw. Marietta ist geprüfte Krankenschwester und kann so ihre Kenntnisse in den Dienst kranker Schüler stellen. Ein junger Holländer, Vim Erkins, ist dem Rektor zur Seite gegeben. Seine Hauptaufgabe ist es freilich — er ist Spätberufener —, sich auf die Reifeprüfung und dann auf das Priestertum vorzubereiten. Und nun hoffen wir, daß mit den Jahren aus dem neuen Schülerheim eine für die Mission so wichtige Elite tatkräftiger Laien hervorgeht. Der Teufel auf dem Königsthron So hieß ein gefürchteter Negerkönig. Er hatte 100 Frauen und war durch seine Grausamkeit bekannt. Dieser Mann ist Christ geworden. Als ihn ein deutscher Missionspriester auf seiner Firmungsreise fragte, was denn das Schwerste an seinem neuen Glauben sei, sagte er: „Daß ich nur eine Frau haben darf." Und was denn das Schönste sei, fragte der Priester weiter. Die Antwort war: „Daß ich jederzeit mit meinem himmlischen Vater sprechen darf und jeden Tag zu seinem heiligen Tisch hintreten kann." Ein bekehrter Mann! Lehrerin mit Schulmädchen, Maria Trost Am 11. Januar dieses Jahres konnte Bischof Anton Reiterer diese neue Kirche in Waterfall-Boven benedizieren. Der Bau wurde von einigen weißen Katholiken finanziert. Erfreulich war die Hilfsbereitschaft von Nichtkatholiken. Vor Jahren schon hatte P. Engelhardt den Bauplatz von einem Nichtkatholiken erhalten. Den Altar stiftete ebenfalls ein Nichtkatholik, das Altarbild den hl. Christophorus darstellend, stammt von einer nichtkatholischen Künstlerin. Der Architekt Hussey ist ebenfalls nicht katholisch. Neue Kirche in Waterfall-Boven Kleine Missionsrimdschau Bekehrungsbewegung in Vietnam Bischof Petrus Maria Pham-ngon Chi, der Ap. Administrator von Quinhon (Süd-Vietnam) konnte in den ersten Monaten des vergangenen Jahres 61 000 Katechumenen buchen. Es zeichnet sich hier eine Bekehrungsbewegung ab, die an die besten Zeiten der katholischen Kirche in Vietnam erinnert. Quinhon, eines der sieben Ap. Vikariate von Süd-Vietnam, erstreckt sich 450 Kilometer weit der Pazifik - Küste entlang und umfaßt etwa 27 000 Qua- dratkilometer. Die Gesamtbevölkerung von 2 700 000 zählte vor der letzten Bekehrungsbewegung 112 000 Katholiken. Zehn Jahre, bis zum Genfer Abkommen, war die Gegend von den Kommunisten besetzt. Das gibt die Erklärung dafür ab, daß die Bevölkerung den Atheismus verabscheut und warum sie jetzt, wo die Kommunisten sich nordwärts verzogen haben, in Massen sich wieder dem Katholizismus zuwenden. Der Administrator von Quinhon verfügt über 70 Priester; dazu kommen 35 Diese drei Belgierinnen, Leiterinnen der Christlichen Arbeiterjugend, sind auf dem Weg nach Belgisch-Kongo, um sich dort der schwarzen Arbeiterjugend anzunehmen. LiriKs: Augustin Jo Wu Suk, Mitglied der koreanischen Gesandtschaft in Rom, wurde am 6. Januar dieses Jahres von Erzbischof Sigismondi in die Kirche aufgenommen. Im Hintergrund koreanische Studenten. Rechte Seite, links: Dieser Junge aus der indischen Erzdiözese Ranchi gehört zu den Ureinwohnern Indiens, bei denen die Mission große Fortschritte zu verzeichnen hat. Nun will die indische Regierung die Missionsarbeit unter den Ureinwohnern völlig verbieten. Rechts : Kleine Inderin aus dem Nordosten des Landes aus dem Norden geflüchtete Priester und eine Reihe von Redemptoristen, Sul-pizianern, Franziskanern und Dominikanern. Selbst Seminaristen wurden zur Ausbildung der Katechisten eingesetzt. Aber all diese, zum Teil überalterten Kräfte genügen nicht, da das Heilsverlangen der Leute ans Wunderbare grenzt. So sah P. Jakob Cua auf seinem Weg nach dem Muttergottesheiligtum La-Wang, wie in der Pfarrei Phu-Wang mitten in der Nacht eifrige Wahrheitssucher beim Schein von Lämpchen katholische Lehre und Gebete studierten. Der Priester bot sich an als Künder der frohen Botschaft, und nach zweistündiger Erklärung baten sie ihn, weiterzufahren. Allein in den beiden Monaten Juli und August wurden 3084 Katechume nen in Pfarreien von Quinhon getauft. Chinas Kinder sind Staatseigentum Nicht weniger als sieben Millionen Menschen, Frauen zumeist, wurden in den letzten anderthalb oder zwei Jahren in China zur Arbeit in Kindergärten und ähnlichen Institutionen kommandiert. Diese ungeheure Zahl von Kinderschwestern, Pflegerinnen, Kindergärtnerinnen und Köchinnen in den Gemeinschaftsküchen ist nötig, um sämtliche Kleinkinder des gewaltigen rotchinesischen Reiches in den staatlichen Anstalten zu erfassen. Das Personal wird zur Zeit in Schnellkursen ausgebildet, gleichzeitig bemühen sich die Behörden, durch entsprechende Propagandamaßnahmen darauf hinzuweisen, daß auch der Beruf einer Kindergärtnerin „ebenso edel ist wie die industrielle und kommerzielle Produktionsarbeit". Aus welchem Grund der Beruf einer Kinderpflegerin bei den Mädchen des kommunistischen China nicht beliebt ist, geht aus den über dieses Thema veröffentlichten Meldungen nicht hervor. Jedenfalls sah sich jedoch der Generalsekretär der kommunistischen Jugendorganisation Chinas, Hu Yao-Pang, kürzlich in einer Ansprache vor Führern der Organisation zu der Bemerkung veranlaßt, man müsse „diese Art von Arbeit als edel betrachten. Die sich dazu verpflichtet haben, besitzen ein Recht auf unsere Achtung“. Parallel mit der Errichtung der „Volkskommunen" geht auch die Erfassung der Kinder vor sich. 1957 waren von den Kleinkindern, wie die staatliche Agentur „Neues China" meldet, erst 1,09 Millionen Kinder in Kindergärten erfaßt. Ende 1958 waren es aber bereits mehr als 24 Millionen. Insgesamt sollen im Lauf der nächsten Jahre durch die Einrichtung neuer Kindergärten alle rund 100 Millionen chinesischen Kinder zwischen zwei und sieben Jahren zwangsweise staatlich betreut werden. Die chinesischen Kommunisten geben offen zu, daß die Kindergärten auch der ideologischen Ausbildung dienen. Die Zwangsbetreuung der Kleinkinder erfolgt allerdings unter den offiziellen Titeln „hygienische und er- zieherische Betreuung", sowie „Entlastung der Mutter, damit diese sich ganz der Produktionsarbeit widmen kann". Die Zeitung „Jugend Chinas“ wußte freilich vor kurzem in einem Bericht über die Kindergärten auch von einem „großen Fortschritt auf dem Gebiet der Ideologie" zu berichten. Aus dem gleichen Bericht kann man jedoch auch indirekt den entsetzlichen Zwang herauslesen, unter dem die planmäßige Zerstörung der chinesischen Familie notwendigerweise vor sich gehen muß. Die „Jugend Chinas" berichtet von dem „Widerstand feudalen und bürgerlichen Ursprungs" bei den Eltern, die erst „von den Vorzügen der Kollektivierung überzeugt werden mußten". „Man mußte gegen den Mutterinstinkt ankämpfen", wird in dem Bericht festgestellt, „der in Unruhe versetzt war, als die Mütter sahen, daß ihre Kinder andern Händen anvertraut wurden". Der Artikel schließt mit der bemerkenswert zynischen Feststellung: „Man mußte diese Mütter überzeugen, daß ihre Kinder nicht mehr Privateigentum, sondern Eigentum der kommunistischen Gesellschaft und Partei sind." KN A Die Frau braute eben Kaf-fernbier, als P. Karl Fischer mit ihrem Verwandten eintraf. Nach Landessitte unterhielt er sich sitzend mit ihr. P. Karl Fischer bemerkt zu dem Bild: „Der junge Mann war mein Begleiter und auch mein Ohr.“ P. Fischer hat seit langem das Gehör verloren. Nun verbringt er seinen Lebensabend auf der Station Maria Trost. Eine schwarze Lehrerin gibt auf einer Missionsschule Unterricht. Es ist bekannt, daß das Missionsschulwesen Südafrikas, vor allem durch finanzpolitische Maßnahmen, schwer bedroht ist. Man hofft, daß durch die Hilfsbereitschaft der weißen Katholiken Südafrikas und durch Unterstützung aus anderen Ländern, so auch aus Deutschland, das Ärgste abgewendet werden kann. Am 27. Dezember 1958 erteilte der Hl. Vater acht Prälaten die Bischofsweihe, unter ihnen Msgr. Karl Msakila, jetzt Bischof von Karema, Tanganjika Jetzt auch Rassentrennung an Universitäten Vom Parlament der Südafrikanischen Union ist jetzt auch die Einführung der Rassentrennung an den Universitäten beschlossen worden. Nach diesem Beschluß sollen auch die bisher für Studierende aller Rassen offenstehenden Universitäten Johannesburg, Durban und Kapstadt, deren Senate und Studentenvertretungen sich bisher erfolgreich gegen die Einführung der Rassentrennung an den Hochschulen gewehrt hatten, nunmehr dieser Politik der Regierung Ver-woerd folgen. Dabei ist interessant, daß die Farbigen, die Kapmalaien und andere Mischlinge sowie mehrere Millionen Inder nicht im Parlament vertreten sind. Von den weißen Parlamentariern stimmten 46 gegen die Regierungsvorlage, die mit 78 Stimmen angenommen wurde. Die Politik der südafrikanischen Regierung sieht jetzt die Einführung besonderer Hochschulen für Farbige, Mischlinge und Inder in Südafrika vor. Bisher waren an den erwähnten drei größten südafrikanischen Hochschulen außer 9000 Weißen auch 400 Farbige immatrikuliert. Neben Erzbischof Hurley von Durban haben sich andere katholische, anglikanische und protestantische Geistliche gegen diese Verschärfung der Rassenpolitik gewandt, da sie die überwiegende Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung in einem Zustand geistiger Abhängigkeit hielten, sozialen Unfrieden stifteten und unchristlich seien. KNA Ein schwarzer Minenarbeiter in Südafrika ist verunglückt und erhält erste Hilfe. In den Bergwerken Südafrikas, besonders um Johannesburg, sind Tausende schwarzer Arbeiter beschäftigt, was schwierige religiöse, soziale und politische Probleme mit sich bringt. Wir gehören zusammen Die Völker und Menschen der Erde rücken infolge der Erfindungen auf den Gebieten des Verkehrs und der Nachrichtenübermittlung immer mehr zusammen zu einer einzigen Großfamilie, alle miteinander blutsverwandt, alle Geschöpfe des gleichen Gottes. Da ist es nur natürlich, daß sich auch alle um das gegenseitige Wohl und Wehe kümmern-Die Nächstenliebe muß auch die Fernsten umfassen. Der Aufruf der deutschen Bischöfe zur Fastenaktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt bot Gelegenheit zu einem Aufbruch weltweiter Hilfsbereitschaft. Wenn die Gebefreudigkeit der deutschen Katholiken ein leuchtendes Zeichen am Himmel der Gegenwart wird und bei allen europäischen Völkern Nachahmung findet, wenn sich von diesem alten Kontinent, der das Zeichen des Kreuzes auf der Stirne trägt, ein Strom helfender Liebe auf die darbenden, hungernden, verhungernden Völker ergießt, dann wird dieser Name Europa, der bei so vielen Kolonialvölkern Bitterkeit, ja Haß erregt, wieder einen guten Klang bekommen, und das hier beheimatete Christentum gewinnt neue Glaubwürdigkeit in der Welt. Wie dringend man in der Welt unserer Hilfe bedarf, geht aus nachfolgender Aufstellung über Krankheit und Hunger in einigen Ländern, besonders Indien, hervor. Man zählt in der Welt 1,2 Millionen Ärzte. Theoretisch kommt damit auf je 2212 Menschen ein Arzt. Aber nur theoretisch. Für 16 Millionen zerlumpter Fellachen in 4000 Dörfern Ägyptens stehen von den 4000 Ärzten des Landes nur 1200 zur Verfügung. Die Kindersterblichkeit beträgt 163 pro Tausend. Indonesien hat für seine 80 Millionen Menschen nur 1200 Ärzte, meist Ausländer. Während auf 500 Einwohner der Schweiz eine Krankenpflegerin kommt, verfügen in Peru nur je 5000 über eine Pflegerin. Besonders tragisch liegen die Verhältnisse in Indien. Der rasch zunehmenden Bevölkerung entsprach nicht die Ertragssteigerung in der Landwirtschaft, ja diese ging zurück, denn der Boden wurde, wie so oft in den Tropen, zunehmend ausgelaugt oder ist dem Sand und Sumpf zum Opfer gefallen. Dieses Mißverhältnis zwischen der ungeheueren Bevölkerungsvermehrung und dem Zurückbleiben der Nahrungsmittelerzeugung muß fast unweigerlich zu einer Katastrophe führen — auch politisch! Indien ist das Land mit dem tiefsten Lebensstandard. Und dabei ist jeder fünfte Erdbewohner ein Inder. Die Mehrzahl der Inder wird geboren, lebt und stirbt, ohne je einen Arzt gesehen zu haben. In Indien kommt auf je 50 000 Menschen eine Krankenpflegerin. Von den 12 000 Pflegerinnen wohnen aber 99 Prozent in den Städten, während 85 Prozent der Bevölkerung auf dem Lande leben. 200 000 Inder gehen jährlich an der Cholera zu Grunde, 20 000 am Biß von Giftschlangen. Wie viele werden wohl von Ruhr, Typhus, Pest und Aussatz dahingerafft oder sterben einfach den Hungertod? Das Sumpffieber fordert jährlich in Indien 1,5 Millionen Opfer, die Tuberkulose eine halbe Million. Die Hälfte der Kinder stirbt vor Erreichung des zehnten Lebensjahres. Die chronisch Unterernährten in der Welt kann man auf 700 Millionen schätzen. 10 Millionen sind vom Aussatz befallen- In manchen Gegenden kommen auf 1000 Menschen 50 bis 90 Aussätzige. Im schwarzen Afrika leiden 40 Millionen Erwachsene an Blutarmut. Gewiß verdankt Europa seinen Wohlstand neben der Gunst des Klimas seinem Arbeitseifer, seiner Organisationsfreudigkeit und seinen geordneten politischen Verhältnissen. Das Wissen um diese Tüchtigkeit darf uns aber nicht zu Richtern machen über Menschen, deren Elend unsere rasche Gemeinschafthilfe erfordert. Die Worte Jesu: „Ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist, ich war krank, und ihr seid zu mir gekommen", gewinnen weltweite Bedeutung. 7fr tehztec HlùtCUe Auf der Reise von der albanischen Ostgrenze nach dem Kreisstädtchen Elbasan hatte ich meinen Pkw mit knapper Not bis zur Ortschaft Kjuks durchgeschleust. Dort mußte ich ihn beim Bürgermeister abstellen und ein Reitpferd mieten, weil es hier nicht einmal mehr das schlechteste Sträßchen, sondern nur noch Pfade gibt. Kaum ein halbes Dutzend kleiner, auf keiner Karte verzeichneter Weiler liegt auf der Strecke zwischen Kjuks und Elbasan, und die Albaner des Gebietes sind Angehörige des Stammes der Geghen, zumeist sunnitische Mohammedaner, stolz, gewalttätig und in ständigen Fehden mit der schwachen, griechisch- und römisch-katholischen Minderheit stehend. Urplötzlich, inmitten einer düsteren Schlucht, die ich durchritt, war es mir, als riefe eine innere Stimme: „Halt! Gefahr!" Die Warnung geschah so rasch und präzis, daß weder der natürliche Instinkt, noch gar eine Sinnestäuschung vorliegen konnten — ich persönlich vermag nur an einen übernatürlichen Vorgang zu glauben. Jäh parierte ich meinen Braunen, glitt aus dem Sattel, schlang die Zügel um den nächsten Strauch, entsicherte meine verläßliche Pistole und pirschte mich nach vorn zum Schluchtausgang. Da hörte ich auch schon rohes Schimpfen und gewahrte gleich darauf eine böse Szene: zwei gesattelte Pferde, einen Maultierkarren, wie ihn ambulante Händler verwenden, und zwei robuste Kerle mit wahren Räubergesichtern. Ihre Gewehre waren auf zwei wie weggeworfene Puppen am Boden liegende Männer gerichtet, von denen der eine das Priestergewand der Ostkirche, der andere Landestracht trug. Unverkennbar war das ein Banditenüberfall, bei dem Menschenleben, zumal das eines Priesters, am Seidenfaden hing. Ein kurzes Stoßgebet zum Herrgott, dann befahl ich scharf: „Stoy — Halt!" Die Burschen fuhren herum, rissen ihre Büchsen hoch — und zwei Kugeln pfiffen zentimeternah an meiner linken Schulter vorbei. So hatte ich es berechnet und erwartet. Aber nun war blitzschnelle Notwehr, und zwar erbarmungslose Notwehr geboten. Zweimal schoß ich. (Schon im ersten Weltkrieg war ich ein sicherer Schütze gewesen.) Aufbrüllend warfen die Mordbuben ihre Waffen weg und starrten auf ihre durchschossenen Arme, indes sich die beiden am Boden liegenden Männer aufrichteten und mich wie ein Wunder anblickten. Im Nu hatte ich den Banditen die Füße mit ein paar Riemen vom Maultierkarren gefesselt. Dann wandte ich mich an den Papa (Priester). Er war der Seelsorger eines Häufchens armer orthodoxer Katholiken am Stadtrand von Elbasan und wünschte nichts sehnlicher als eine wenigstens notdürftige Restaurierung seines baufällig gewordenen Kirchleins. Die Mittel dazu mangelten jedoch- Da fand der andere Mann, sein als Händler umherziehender leiblicher Bruder, in einem Seitenarm des Shkumbiflusses goldhaltigen Sand. Manche der albanischen Flüsse schwemmen solchen Sand von den Bergen herunter. Das Waschen und Sieben mit den Händen ist keine leichte Arbeit. Die Brüder hatten die Fundstelle, so gut es ging, ausgebeutet und befanden sich auf dem Heimweg, als die Wegelagerer über sie herfielen, ihnen ihr Goldsäckchen raubten und mit Erschießen drohten, wenn sie die Herkunft des gelben Metalls nicht verrieten. In letzter Minute war es mir vergönnt gewesen, helfend dazwischenzufahren. Jetzt war der Schreck eines gewaltsamen Todes von den Brüdern genommen, und sie besaßen das Goldsäckchen wieder, dessen Erlös nach dem Unzengewicht schätzungsweise etwa 4000 Mark betragen mochte. Gewiß, viel war das gerade nicht. Aber die kleine Gemeinde des Priesters wollte Mann für Mann die Restaurierungsarbeiten ohne Entlohnung leisten, so daß nur das Baumaterial anzuschaffen blieb. Die Banditen, denen ich aus meiner Reiseapotheke Notverbände anlegte, verluden wir auf den Maultierkarren und lieferten sie in der Präfektur von Elbasan mit dem nötigen Bericht ab. E-U.M. Links: P. Johann Schweiger, gestorben am 26. Januar in Unterpremstätten Rechts : P. Franz Brandlmayr, gestorben am 17. Februar in Maria Trost Im Innenhof des Missionshauses Maria Fatima werden die sterblichen Überreste P. Schweigers eingesegnet. Der Sarg mit dem Trauerzug auf dem Weg zum Friedhof IN DIE EWIGE HEIMAT ABBERUFEN In den ersten Monaten dieses Jahres hat der ewige Hohepriester zwei verdiente Priester unserer Kongregation zu sich in die ewige Heimat abberufen. Am 26. Januar starb im Missionshaus Unterpremstätten bei Graz P. Johann Schweiger, am 17. Februar in Maria Trost, Südafrika, P. Franz Brandlmayr. P. General Richard Lechner widmet den beiden Verstorbenen folgenden Nachruf: In P. Johann Schweiger hat unsere Kongregation einen seeleneifrigen und stets dienstbereiten Mitbruder verloren. Seine Regeltreue und Liebe zur Kongregation hat allen zur Erbauung gereicht. Geboren am 2. Januar 1889 in Laa-ber, Bistum Regensburg, trat der Verstorbene Ende August 1911 in unser Missionshaus Milland ein, wo er das zweijährige Noviziat machte. Theologie studierte er am Priesterseminar in Brixen. Nach vorübergehender Verwendung im Sanitätsdienst erhielt er 1916 in Brixen durch Bischof Menini OFM Cap. von Bukarest die hl. Priesterweihe. Die nächsten Jahre verbrachte P. Schweiger in Milland in hingebender Seelsorgstätigkeit. Zugleich sammelte er in den Kriegsund Nachkriegsjahren in den Bergdörfern Nahrungsmittel für die hungernden Novizen und Theologen. 1923 wurde er in das Missionshaus Josefstal berufen, wo er als Präfekt der Missionsschüler und als Verwalter tätig war — keine leichte Aufgabe, da infolge der Inflation bitterste Armut herrschte. Im Frühjahr 1926 konnte von den Missionsschülern in Ellwangen ein Haus bezogen werden. Beim Umbau und der Einrichtung dieses Hauses half P- Schweiger tatkräftig mit. Keine Arbeit war ihm zu gering, keine Mühe zu schwer. Dabei vergaß er keineswegs seine Hauptaufgabe, nämlich die Zöglinge für den missionarischen Beruf zu erziehen. 1927 wurde er Verwalter und dann Rektor des Missionshauses Josefstal. In diese Amtszeit fiel der Um-und Anbau des jetzigen Missionshauses. Von 1929 bis 1932 war er Generalökonom der Kongregation. Von 1933 an war P. Schweiger vor allem als Spiritual tätig, und zwar in Josefstal, Bamberg, Milland und Unterpremstätten. In Bamberg war er ein gesuchter Beichtvater. Hier erlebte er auch die Schrecken des Krieges. Am 2. Januar 1959 konnte er in Unterpremstätten noch seinen 7Ò. Geburtstag begehen. Was wir vor allem an ihm anerkennen und nachahmen wollen, ist sein redliches Bemühen um das Bessere und Vollkommenere, sein unermüdlicher Arbeitseifer, seine gewissenhafte Ausnützung der Zeit, seine brüderliche Hilfsbereitschaft, seine dienstbereite Sorge für die Kranken und Leidenden, seine bewundernswerte Liebe zur Armut und Einfachheit, seine Treue bis in den Tod. P. Franz Brandlmayr stammt aus Grieskirchen im Bistum Linz, wo er am 27. September 1880 geboren wurde. Seine Eltern, die dem Arbeiterstand angehörten, ließen ihren begabten Sohn am Gymnasium in Ried studieren. Es war für den hart arbeitenden, tiefgläubigen Vater ein großes Opfer, als im Juli 1900 sein Franz von ihm Abschied nahm, um den Missionsberuf zu ergreifen. Am 26. Juli 1900 trat er in unser Noviziat in Milland, Südtirol, ein. Nach damaligem Ordensrecht legte er schon nach zwei Jahren, am Feste Mariä Himmelfahrt, die ewigen Gelübde ab. Seine theologischen Studien vollendete er in Khartum, der Zentrale unserer damaligen Mission. Hier wurde er am 7. August 1910 vom Apostolischen Vikar Bischof Franz Xaver Geyer zum Priester geweiht. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs arbeitete P. Brandlmayr im Apostolischen Vikariat Zentralafrika, das damals als das schwierigste Missionsgebiet der Kirche galt- Von 1914 bis 1921 war er als Seelsorger in der Steiermark und in Südtirol tätig. Bis 1927 wirkte er in unseren Missionshäusern in Milland und in Messendorf bei Graz. Im Jahre 1927 wurde er dann in die südafrikanische Mission gesandt, wo er zunächst im Apostolischen Vikariat Ma-riannhill die Negersprache erlernte und anschließend bis 1940 als Missionar tätig war. 1940 kam er in unser Apostolisches Vikariat Lydenburg, da infolge des Krieges aus der Heimat keine Missionskräfte mehr in unser Missionsgebiet gelangen konnten. Hier war er bis zu seinem Tode Seelsorger der Schwarzen und Spiritual unserer Missionare. Infolge seiner streng kirchlichen Haltung, die er während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes durch unerschrockene Briefe an die österreichische Presse bekundete, stand er auf der schwarzen Liste der damaligen Machthaber, die ihn in großen Schlagzeilen öffentlich angrif-fen. Es war sein unermüdliches Bestre- ben, die Menschen zu bescheidener Einfachheit und tiefem Glaubensleben zurückzurufen. Nach langem, schwerem Leiden gab er auf der Missionsstation Maria Trost seine Seele in die Hände des Schöpfers zurück. Möge der Heiland den beiden Verstorbenen in der Ewigkeit die ganze Liebe und Güte seines Herzens schenken. Evi, das tapfere Mädchen Den Bach überquerte Evi auf einem umgestürzten Baum. Er war schlüpfrig, und sie kroch auf allen Vieren darüber. Eine Schar Chorros hatte die einsame Wanderin entdeckt, und die kleinen braunen Affen begleiteten sie lange mit ihrem Geschrei und Geschnatter. Bergan wurde der Weg eine unregelmäßige Treppe aus Steinen und verkrümmten Baumwurzeln. Die Vertiefungen füllte zäher Schlamm aus. Evi fühlte sich allmählich zu Tode erschöpft. Sie kauerte eine lange Weile auf einer vertrockneten Wurzel. Der Tag erschien ihr ohne Ende. „Thomas wartet auf mich, Thomas, der kranke Bub!“ Dieses Wort trieb sie wieder wie eine Peitsche weiter. Wann kam die zweite Nacht herauf? Lag noch ein Rastplatz vor Evi — leuchteten endlich, endlich die Lichter von Huancabamba auf? Ihre Augen starrten durch die schmale Sicht vor dem Pfad, bis diesen von neuem die Dämmerung auslöschte. Evi blieb stehen. Ein trockenes Schluchzen schüttelte sie. „Ich bin so schwach, so schwach — aber ich muß weiter -— weiter — weiter!" flüsterte sie. Am liebsten wäre Evi hingesunken, wo sie gerade stand- Sie schloß die Augen — da sah sie wieder Thomas vor sich. „Hilf mir, Evi, hilf mir!" Das Mädchen schrak aus dem Dahindämmern auf. War wirklich ein Laut um sie gewesen —• hatte sie so lebhaft geträumt? Der Urwald antwortete nicht darauf. Aber Evis Beine griffen mechanisch wieder aus. Tritt, Tritt, Tritt — ohne Ende... Hinter einer Krümmung des Pfades leuchtete plötzlich vor Evi ein flackernder Feuerschein. Büsche verdeckten ihn noch, aber leise knackte brennendes Holz. Wer lagerte dort? Waren es Cholos, halbwilde Indianer des Urwalds? Evi fühlte, daß sie auf einmal am ganzen Körper bebte. Der Pfad führte auf den Feuerschein zu — wie gelangte sie ungesehen an den fremden Menschen dort vorbei? ^ Dies ist ein Abschnitt aus dem Buch „Heimat im Urwald" von Franz Braumann. „Das mutigste Mädchen von Po-zuzo" nennt man bewundernd die vierzehnjährige Evi, die ganz allein einen tageweiten Marsch durch den Urwald von Peru unternommen hat, um Hilfe für ein krankes Kind zu holen. Nur ein schmaler Fußpfad verbindet die deutsche Urwaldsiedlung Pozuzo mit der nächsten Stadt. Alle Siedler von Pozuzo sind Bauern — mit Ausnahme des Pfarrers (P. Johann Pezzei) und der alten Lehrerin. Auch Evi soll einmal eine tüchtige Bäuerin werden. Aber das Mädchen hat ganz andere Pläne. Sie möchte allen Kranken helfen. Das „Heilbuch" der Lehrerin hat sie fast auswendig gelernt. Ihre tapfere Hilfsbereitschaft bringt ihr endlich die Erfüllung ihres Herzenswunsches: Sie darf Ärztin werden. Das Buch des inzwischen mit dem österreichischen Staatspreis ausgezeichneten Autors wird vor allem unsere jungen Leserinnen zwischen 12 und 15 Jahren begeistern, denn Evi ist so, wie sich jedes Mädchen seine beste Freundin wünscht. Franz Braumann, Heimat im Urwald, Ein mutiges Mädchen auf gefährlichen Wegen. Ein blaues Streifen-Buch. 144 Seiten, mit vielen Zeichnungen. Halbleinen DM 4.90, öS 32.40. Arena-Verlag Würzburg. KURZ BERICHTET Zwei Neupriester Bamberg. Am 8. März empfingen in Bamberg unsere beiden Diakone P. Vitus Gr ohe und P. Josef Hurler die heilige Priesterweihe. P. Grohe stammt aus Weigental, Gemeinde Oberkessach, Württemberg, P. Hurler aus Sechtenhausen, Württemberg. Beide machten in Ellwangen die Gymnasialstudien, in Bamberg das zweijährige Noviziat und studierten an der dortigen Hochschule Theologie. Die Primiz werden beide am Ostermontag in ihrer Heimat feiern. Einkleidung und Profeß Josefstal. Am 2. Februar wurden durch P. Rektor Eduard Weiß fünf Postulanten durch die Einkleidung ins Noviziat aufgenommen. Zwei Novizen legten zum erstenmal die Ordensgelübde ab. P. Rektor deutete in seiner Ansprache das Ordenskleid als Sinnbild der Gelübde. Prüfung bestanden Ellwangen. Am hiesigen Gymnasium haben 41 Schüler die Reifeprüfung bestanden, darunter 7 Schüler unseres Missionsseminars. In dem nach Ostern beginnenden neuen Schuljahr wird das Seminar etwa 110 Schüler ans Gymnasium schicken. Klerikernoviziat Mellatz. Das neue Klerikernoviziat in Mellatz ist soweit fertig, daß die Patres, Brüder und Schwestern am 13. Dezember letzten Jahres vom bisherigen Missionshaus hierher übersiedeln konnten. Im Lauf des Jahres werden die Klerikernovizen aus Bamberg ihren Einzug halten. Gut angekommen Lima. Am 27. Dezember trafen die Patres Lang und Starker und die Brüder Niederbacher und Pezzei wohlbehalten in Callao, dem Hafen von Lima, ein. Die Abfahrt in Genua hatte sich wegen eines Matrosenstreiks um zehn Tage verzögert. Sie brachten einen VW-Bus und eine überlebensgroße Marienstatue von Mersa, einem bedeutenden Brixener Bildhauer, mit. Inzwischen sind sie auf ihre neuen Arbeitsfelder verteilt worden. Erstkommunion und Firmung Memphis (USA). Wie P. Schmid mitteilt, konnte er mit P. Lohr, dem Pfarrer der Negerpfarrei St. Anton, am Christkönigsfest eine zahlreiche Schar zur ersten hl. Kom- munion führen. Die Vorbereitung lag ganz in den Händen der Schwestern. „Der Tag war sehr erhebend. Jedoch das Wissen um die traurigen Familienverhältnisse einzelner Erstkommunikanten sorgte für den nötigen Dämpfer. Man kann es hier hundertmal erfahren: Nichts ersetzt ein gutes Elternhaus." Bald darauf traf der Bischof zur Firmung von 42 Kindern und 42 Erwachsenen ein. „Um zu erreichen, daß alle Konvertiten zum Unterricht kamen, mußten wir mit schwerem Kaliber auffahren: Wer nicht zum Unterricht kommt, wird nicht gefirmt!" Bischofsbesuch Witbank. Nach Ostern wird Bischof Anton R e i t e r e r nach Europa kommen und dabei Gelegenheit nehmen, die große Missionsausstellung in Bozen zu besuchen. Tauf tag Burgersfort (Transvaal). P. Hornauer schreibt: „Weihnachten war ein Freudenfest, da 23 Tauf Schülern die Taufe gespendet werden konnte. Meine Seelsorgstätigkeit ist gehindert durch die behördliche Bestimmung, daß man zur Arbeit im eigentlichen Eingeborenengebiet eine besondere Erlaubnis braucht. Meine freien Stunden habe ich bisher dazu verwendet, mir die Shangaan-sprache anzueignen. Mit dem Geld, das ich während meines Urlaubs in der Heimat sammelte, konnte der ganze Missionsgrund eingezäunt und ein Wasserreservoir gebaut werden. Nun träume ich von zwei Schulen, einer Kirche, einem Schwesternhaus und einem kleinen Krankenhaus." Hohes Alter Am 6. März konnte in Proberen, Transvaal, Br. August C a g o 1 seinen 80. Geburtstag feiern. Geboren in Darfeld, Westfalen, hat er in seinem langen Leben der Mission im Sudam und in Südafrika in vielseitiger Tätigkeit unschätzbare Dienste geleistet. Am 4. April kann Br. Anselm F r i e d e 1 in Josefstal seinen 85. Geburtstag begehen. Br. Friedei stammt aus Waldauerbach im badischen Odenwald. Nach vorübergehender Tätigkeit vor Ausbruch des ersten Weltkriegs in Assuan, Ägypten, machte er sich in verschiedenen Missionshäusern vor allem als Landwirt nützlich. Seit 1938 ist er in Josefstal. Beide Altersjubilare sind noch recht rüstig. Möge ihnen noch manches Jahr im Kreise ihrer Mitbrüder beschieden sein! Unsere Bilder: K. Fischer 2, W. Kühner 3, R. Lechner 1, J. Pezzei 1, R. Stengel 3, Fides 7, Gesellschaft für Wissenschaftl. Lichtbild 1, Archiv 8. Br. G. Oberstaller, Milland Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, Und sie empfing vom Heiligen Geiste.