l Zum ^NuHen und Vergnügen. ' 5o ^—---- Freytag, den i3. December 1822. Muth im S6)eiden. v^cnosscn sind die schönen Stunden, Wie Melodie sind so verhallt, Wie Abendroth hinweqqcschwundcn. Zur Trennung ruft die Glocke bald! Ich habe oft den Schmerz empfunden, Wir liebten uns durch manches Jahr; Die Zeit hat fester nur gebunden. Was eng uud fest gebunden, war. Wie slber heitre Thalesgründe Die schwarzen Wolken Trauer ziehn, llnd Säusellüfte leise, linde. Aus allen Vliitheuzweigen flieh«'. So dringt em ahnungvolles Vangen Auf den verssarrtcn Vusen eia, llnd alle Nlnthentraume hangen. Ich flihle nur die lange Pcm. Doch kommen Wetter angezogen. Wir wollen beyde muthig stehn: Bald glänzt ein heitrer Fnedensbogi'n ^ Uud doppelt strahlt die Sonne scholl' Geosch. Vom Bohon-Upas oder dem Giftbaum. (Aus dem Tagebuche eines Reisenden.) Dieser Baum, der in seinen Wirkungen fürchterlicher ist, als Hunger und Pestilenz zusammen genommen, heißt im Malayischen Bohon-Uoas. Ich musi bekennen,, daß ich anfangs an dessen Existenz zweifelte, bis mich nähere Erkundigung von meinem Irrthum überkugle. Ich erznhle nur Thatsachen, von denen ich Augenzeuge gewesen bin. Der Leser kann sich auf die Treue der Erzählung verlassen. Im Jahre 1774 staub ich als Chirurgus im Dienste der ostindischen Compagnie zu Baravia, und erhielt wahrend meines Aofenl-halts' verschiedene Nachrichten von dem Bodon-UoaK und dessen Wirkungen. Alles, wis ich davon horte, kam mir äußerst unglaublich vor, erregte aber meine Neugierde so sehr, daß ich mich fest entschlosi, selbst zu sehen und bloß meiner eigenen Beobachtung ;u trauen. Zu dem Ende wendete ick mich an den General-Gou« verneur, Herrn Petrus Albertus, wegen eines Passes durch das Land. Meine Bitte wurde mir gewährt, und nachdem ich alle nöthige Erkundigung eingezogen h^ine, beq^'b rch mich auf den Weg. Zugleich hatte ich mir ein Empfehlungsschreiben von einem alten MalayischenPrie-ster an einen andern verschafft, der jenem Baum so nahe wohnt, als es sich nur wobuen lästt, nähmlich i5 bis 16 Meilen davon. Der Brief war mir von groftem Nufteu bey meiner Unternehmung, weil letzterer Priester von dem Kaiser dorchm gesetzt ist, diejenigen zum T^de zu breiten, die verschiedener Verbrechen wegen verdammt worden stnd, sich dem Baum zli nakern, lind das Gift, das in seinem Gummi swr, zu hohlen Der Bohon-Upas befindet sich auf Java, etwa 27 Stunden von Batavia, 24 von Soura - Cbarta, dem Sitz des Kaisers, und etwa zwi'cken 16 und 2o von Tinkjoe, der jetzigen Residenz des Sultans von Java. Er ist ringsum von hohen Gedilgen umgeben, und das ganze Land umher ist auf 1a biS r2 Meilen ganzlich unfruchtbar. Kein Baum, kein Strauch, ja kein Kraut befindet sich da. Ich habe die ganze 'Gegend, etwa 18 Meilen pon dem Mittelpunct, umher umveisetz, und habe daF Land überall gleich traurig befunden. Am leichte» sien^beslel.jt man das Gebirge von der Seue, wo der alte Priester wohnt, und von seinem Hause werden daher auch die, welche daS Wft hohlen müssen, abgeschickt. Man vergiftet allerley Waffen damit, und der Verkauf desselben tragt dem Kaiser ein Betrachtliches ein. Das Gift selbst, welches man zu erhalten sucht, dringt zwischen der Rinde und dem Baum selbst heraus , und ist «her eine Art Kampher als Gummi. Kein Missethäter wirr, zu Sammlung desselben gebracht, als der dasLeben »erwirkt hat, wie man sich leicht vor< stellen kann. Nachdem ihm das Urtheil gesprochen ist, wird er vom Richter im öffentlichen Gericht gefcagt, ob er liberdlrch den Henker sterben oder eine Büchse voll Gift vom Upasbaum hohlen wolle. Gemeiniglich ziehen sie das Letztere oor, weil sie da nicht allein noch eini)?Hoff >u»g habe^i, mit dem Leben davon zu kommen *), sondern auch, wenn sie wieder kommen, auf Lebenszeit von dem Kaiser versorgt zu werden. Auch haben sie Erlaubniß, sich noch eine Gunst vom Kaiser auszukitten, die gemeiniglich auf eine Kleinigkeit hinausläuft (laufen muß vielleicht) und gewohnlich zugestanden wird. Alsdann versieht man sie mit einer silbernen ober schildpattnen Büchse, worein sie das Gift thun müssen, und sie erhalten den nöthigen Unterricht,'wie sie sich auf der gefährlichen Expedition zu verhalten haben. Nnter andern gebiethet man ihnen, sich immer räch dem Wml e zu richten, nähmlich sich jedes Mahl dem Baum mit dem Wind zu-nähern, damit die Ausdünstungen des Baumes immer vom Wind von ihnen ab-«varts Zerrieben werden; hingegen sich immer gegen den Wind, aus gleichen Ursachen, von dem Baum zu ent-fe-nen, Ferner biethet man ihnen auf, so schnell als möglich zu seyn, weil das ein Hauvtrettungsmntel ist. Wenn dieses geschehen, so werden sie nach dem oben erwähnten Priester abgeschickt, wohin sie gemeiniglich von ihren Freunden begleitet werden. An diesem Orte *) Hauptsächlich wohl auch mit, weil sie Hoffnung ha-, beu, sich neben dein Baume vorbey in eine andere Gegend des Landes zu schleichen. verweilen sie gewöhnlich einige Tage, um günstigen Wind abzuwarten, und wahrend dieser Zeit bereitet sie der Priester zu dem gefahrlichen Schritt durch Gebeth und Ermahnungen bestandig vor. Wenn endlich die Stunde der Abreise herannaht, so zieht ihnen der Priester eine lange lederne Kappe mit zwey Glasern in der Gegend der Augen über, die ihnen bis an die Brust reicht, und zieht ihnen ein Paar lederne Handschuhe an. Hierauf werden sie noch einige Meilen wei^von ihm und den Verwandten begleitet, gehörig zurechr gewiesen, hauptsächlich auf einen Bach aufmerksam gemacht, dein sie folgen müssen, weil der Upas an dessen Ufern wachst, noch ein Mahl ermahnt, eingesegnet und so fortgeschickt. Der würdigeAlte sagte mir, daß er nun in den 3o Jahren, die er hier wäre, auf 700 Missethäter so zubereitet und abgeschickt habe, und daß kaum einer aus zehn wieder zurück gekommen wäre. Er zeigte mir hierauf eine Liste der Abgeschickten und Zurückgekommene», zugleich mit der Anzeige des Verbrechens. Nachher sah ich bey dem Stockhausverwalter zu Soura-Charta eine ahnliche, die vollkommen mit jener überein kam. Ich selbst habe einige Mahl dieser traurigen Ceremonie beygewohnt und die Verbrecher gebethen, mir einen kleinen Ast oder nur einige Blatter dieses wunderbaren Baumes mitzubringen; ich habe ihnen auch seidene Schnüre mitgegeben, die Dicke des Baumes zu messen, habe aber nichts weiter je erhalten können, als einige trockene Blatter, die man aufgelesen hatte. Alles, was man mir sagen konnte, war, daß der Baum an einem Bach stunde, von mittlerer Größe wäre, und nahe bey sich noch 5 oder 6 kleine stehen hatte; derBo« den wäre ein bräunlicher Sand, voller Steine, die ihn fast völlig ungangbar machen; übrigens wüchse umher gar weiter nichts, und alles läge voll todter Körper ^). Ich fragte hierauf den Alten um die erste Entdeckung des Baums und seine Meinung darüber, worauf er mir sagt«: In ihrem neuenAlcorsn stünde, daß vor mehr als hundert Jahren das Land um den Baum her von einem Volk bewohnt gewesen wäre, das sich ganz den Sünden von Sodom und Gomorrha ergeben gr-habt hätte, worauf Mahomet sich zu Gott gewendet, 5) Wohl nicht voll silberner und schildpattner Vüchschen- " der, das schändliche Volk zu strafe,,/ diesen Baum hcitte wachsen lassen, der sie alle weggerafft habe. So viel ist gewiß, daß alle Malaye,, diesen Baum als ein geheiligtes Werkzeug Gottes ansehen, und von dessen Gift zu sterben hat nichts Unehrliches an sich. Auch bemerkte ich, daß die Delinquenten immer ihre besten Kleider angezogen hatten. (Der Beschluß folgt.) Hohes Alter und Dauer des Menschen, selbst unter dcn widrigsten Umständen. Malouet, der Verfasser der schönen M^inoii <>5 5un->'a«wiiiil5l,rülion <^5 ooluin«, erwähnt eines alten Kriegers, der in Ludwigs XIV. Diensten in der Schlacht bey Malplaquet invalide wurde. Der Mann war nach Guayana gegangen und hatte sich am Oyapock nieder, gelassen, einem Strome, der das französische Guayana an der Siidostseite begrcmzt und es von dem pomigie fischen Antheile an diesem Lande trennt. Er mag selbst erzählen': Sechs französische Meilen von dem Posten Oyapock fand ich auf einer kleinen Insel mitten im Flusse,, der hier einen prächtigen Wasserfall wacht, einen Soldaten Ludwigs XIV. In der Schlacht bey Malplaquet war er verwundet und als invalide erklärt. Jetzt im Jahr 1777 stieg sein Alter auf 110 Jahre, und seit vierzig Jahren lebte er in dieser Einöde, blind und nackt, immer noch gewandt in seinen Bewegungen, über mir Runzeln bedeckt. Abgelebtheit lag zwar auf seiner ganzen Ge-stalt, aber keineswegs in seinen Bewegungen. Sein Gang und der Ton seiner Stimme waren wie bey einem Menschen vom besten Alter; ein langer schneeweißer Bart fioß ihm bis zum Gürtel hinab. Zwey alte Nege innen leisteten ihm Gesellschaft und nährten ihn mit dem Ertrage ihrer Fischers,) und des klei.ten Gar. tens, den sie am Ufer das Flusse angelegt hatten. Dieß war noch der ganze Nest seiner ehedem ziemlich ansehnlichen Pflanzung und der schwarten Sclaven, die ihn nach und nach verlassen hntten. Jene Weiber harten ihn von meinem Besuche benachrichtiget. Wie glücklich fühlte er sich dadurch.' Sehr leicht wurde es mir, dcn guten Greis zu unterstützen; es fehlt ihm nun nichts mehr; in einer Art von Wohlstande nahet er sich dem Ende seines langen LebenS. Seit einem Viertel- Jahrhundert hatte er weder B,ot noch Wem genossen: es ist begreiflich, daß ihm die gute Mahl^il, die ich ihm anrichten ließ, sehr aogenehme Empftüdüügcu verursachte. Er erzählte mir von der schwarzen Perruqne, Ludwigs, den er für einen schönen und großen Fürsten hielt, von dem lÄegerischen Ansehen des Marschalls Villars, von dem bescheidenen Anstande deb Marschalls Catinat, vonFenelonsGutmüthigkcit, vordcssenWoh, nung er zu Cambrai Schildwache gestanden.' Im Jahre 17I0 war er nach Cayenne gekommen, war Ökonom der Jesuiten geweftn, welche damahls allein die reichsten Besil-er der Colome waren , und er selbst war wohlhabend, als er sich am Oyapock niederließ. Ich blieb zwey Stunden in seiner Hücie, erstaunt und tief gerührt durch die ,Betrachtung dieser lebendigen Ruine; tief gerührt über die große Verlängerung eines elendigen Menschenlebens in dieser Verlassenheit, Einsamkeit und Entblößung von allerHülfe des gesellschaftliche!: Lebens. Ich wollte ihn ins Fort bringen lassen; er schlug es ab. Ach, sagte er: das stete Getöse dieses fallenden Gewässers ist für mich ein schöner Genuß, der Reichthum der Fischerey eine reiche Quelle des Auskommens. Da ich'ihm eine Ration Brot, Wein und Salzfleisch zusicherte, so blieb ihm nichts mehr zu wünschen übrig. Mit^großen Freudenbezeigungen hatte er mich empfangen, aber Thronen rannen über sein, ehrwürdiges.Gesicht, als ich fortgehen wollle. Erhielt mich am Kleide zurück, und mit dem Tone des Ernstes und der Würde, die dem Alier sowohl ansteht, sagte er, als er ungeachtet seiner Blindheit meine Rührung bemerkte: Warten Sie! — Er kniete nieder, fiehte das höchste Wesen an, und gab mir unter Auflegung der Hände seinen Segen. Dcr Weinbau auf Madeira. D,e Insel Madeira hat ein herrliches Clima und einen Boden, der die Früchte und Gewächse fast aller Erdtheile hervorbringen kann. Flüchte des Nordens und der Wendekreise gelangen daselbst zur größten Vollkom^ menheit. Vorzüglich gut gedeiht der Weinstock, der die Insel reich und berühmt gemacht hat. Die Weinrebe wurde aus Cypern eingeführt. Der eigentliche Madeirawein wird aus einer Mischung aller hier wach- senden Trauben gemacht. Nur Mvloasier und Sercial preßt man einzeln; der erstere übertrifft alle süßen und der, letztere alle sogenannten trockenen Weine. Es gibt hier eine außerordentliche Art Trauben, welche bloß zum Nachtisch dient und von der Größe emer Muschel, pflaume ist; die Trauben sind so groß, das, eine derselben zuweilen zwanzig Pfund wi/gt. Die Ranken der Weinstöcke laufen an Geländern aus spanischem Rohr hin, die etwa drey Fuß über der Erde sind. Die Wein-lese fangt in den ersten Tagen des Septembers an. Man muß dann die sonderbare Behutsamkeit brauchen, alle Hunde anzubinden, damit sie nicht zu den Trauben kommen, wonach sie außerordentlich lüstern sind. Ratten, Eidechsen und Wesven sind auch große Feinde (?) der reifen Trauben. Der beste Wein nächst auf dem südlichen Theil der Insel; der Most hat die dunkler. be des Portweins und gahrt binnen sechs Wochen. Wahrlich werden an 25 bis 5o,oo« Pipen Wem gekeltert; ehe er aber trinkbar wird, mufi er entweder emigeZeit in Madeira liegen, »der nach einem wärmeren Clima verführt werden. Alle nach England bestimmten Madeira-Weine müssen erst eine Reift nach West- oder Ostindien, China oder Brasilien machen. Die Lant-ei-genchümer in Maden a bewirthschaften ihre Güter nicht selbst, sondern bestellen einen Andern dazu, der dafür die Halft« des Ertrags bekommt. M i s c e l l e n. Nutzen des Lichlputzens. Durch Wissenschaft-«iche Versuche hat sich übet die Frage: um wie viel, im Verhältniß zur Lange der Schnuppe, die Helle ei-„es LichteS abnehme, Folgendes ergeben: Deutet man die Helle eines so «den gevubten Talglichtes durch die Zahl Hundert an, so wird eben dieses Licht, wenn es ungeoutzt eilf Minuten lang fortgebrannt hat, nur noch eine Helle verbreite", die sich wie 3<) zu 1a« verhüt; «s wirb folgleich ein« Abnahme von 61 erlitten haben. Läßt man das Licht 19 Minuten lang ungeputzt, ss wird die Helle sich nur noch wie 23 zu ,0», und läßt man es 29 Mmulen lang ungepuyt, so wird die Helle gar wie'»6 zu 100 sich verhallen, also mit ei- nem sechs Mahl schwächer« Scheine lenchlen, als ;« der Zeit, wo es eben erst'geputzt war; in demselben Au^nblick aber, wo es geputzt wird, tritt auch so-, gleich die volle, oben durch die'Zahl Hundert angc-" deutete Helle wiederum ein. Aber nicht genug, daß eiil nicht zu rechter Zeit Zeputztes Licht um so viel weniger Helle gibt, so verzehrt es auch ungleich mehr, nähmlich ein und ein Drittel mehr an Talg. Der Nachlässige also, der sein Licht ungeputzt brennen laßt, hat weniger Helle und verbraucht obenem mehr als noch eii« Mahl so viel Brennstoff. Mechanisches Pferd. Ein Schuster in ?on-dnn hat ein mechanisches Pferd erfunden, das sehr schnell geht. Es wird durch zwey Arme, welche zwey Rüder bewegen und mit zwey an außen befmdlichen Hebeln in Verbindung sind, bewegt, und macht wenigstens sechs englische Meilen in einer Scunde. Man sitzt auf einem Sattel, >md die Fühe sind in Steigbügeln. DerErsinder hat an einem Ta^e sechzig Meilen damit zurückgelegt. (Bekanntlich kann man auf Stelzen in Sanoivüsten weit schneller vorwärts kommen, als mit den bloßen Füßen, und die Bauern in einig.n Sai'dgegenden Frankreichs bedienen sich daher derselben zum Gehen , und thun cs emcm trabenden Pferde oft an Schnelle gleich. — Wcre e> mcht vortheilhaft Sandbahnen anzulegen, um da»zn aufStclzen gehen zu tonnen?) Charade.