f ü r 1 Vaterland, Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. M^ KK. 8it«»8t«3 Ä^i» <>. ^okrnar. 1847« Menschliche Bestimmung. stach einer altdeutschen historischen Sage. Mitgetheilt von Carl Wilhelm. (Fortsetzung.) N " "A-aum graule dcr Morgen, so erschien Conrad mit rrübem, finsterem Blicke vor seinem Wirthe. Um doch einigermaßen Erkenntlichkeit zu zeigen, erkundigte er sich nm die Verhältnisse seines Hauses und die Zahl seiner Kinder. Wohlgemut!) unterrichtete ihn der Müller von seinem Hauswesen und erzählte, wie ihn Gott diese Nacht mit einem Enkel gesegnet habe; denn gegen Fremde gab er stets Frau Mathilde als seine Tochter aus. Mit jedem Augenblicke verfinsterten sich des Kaisers Züge mehr und mehr; er dankte endlich kurz für die Herberge und schloß mit den Worten: Er müsse fort, um den Iagdzug des Kaisers zu suchen, er könne nicht langer weilen. Bedenklich schüttelte dcr Wirth das Haupt und bemerkte, daß noch Nacht liege in den tiefen Waldern, er wolle ihm einen treuen Knecht mitgeben, um ihn zu leiten, aber Conrad lehnte das Anerbieten ab und stieg zu Pferde. — Sein plötzliches Verschwinden erregte dcr Hausgenossen Argwohn, man befürchtete Uebles und konnte sich doch die Ursache nicht deuten. Seltsames war nämlich dem Kaiser im Schlafe widerfahren. Als er im tiefsten Schlummer lag, erblickte er seine kleine Tochter und als seinen künftigen Eidam ein neuge-bornes Knablein, welches Landleute pflegten. Hoch fuhr er empor aus dem Schlummer, rieb die Augen und dankte Gott, daß es nur ein Tranm sey; — denn Conrad's Stolz empörte sich, sein liebes Kind einem Bauerr.knaben als Gemahlin zu Theil werden zu sehen. — Vergeblich suchte er sich wieder in ruhigen Schlummer einzuwiegen, er fioh sein Auge, und lang und schlaflos verstrich ihm die Nacht. Beim frühesten Morgen forschte er, gleichsam durch inneres Gefühl getrieben, bei seinem Gastwirthe nach, wie viele Kinder er zähle, und erfuhr zu seinem höchsten Schrecken, der Enkel sey vielleicht in derselben Stunde, wo jenes böse Traumgesicht ihn quälte, dem Alren geboren worden. Deßhalb eilte er so rasch von bannen, im Herzen Schlimmes brütend, um dem ihm angedrohten Unfälle noch bei Zeiten zu begegnen. Nach Verlauf einiger Stunden zog eine Rciterschaar den Thalweg herauf, und ehe sich die Bewohner der Hütte es versahen, war dieselbe umringt. Der Anführer derselben,-der angesehene Graf Erlfried von Va hingen, edler aber durch seine Abkunft, als wahren Rittersinn, ließ den zitternden Müller vor sich trcten und begehrte seinen Enkel zu schauen. Dcr Alte bebte und zögerte, der Ritter stieß Drohworte aus, und einige Mägde rannten in die Scube zu Frau Mathilden. Still und leise nahmen sie den Knaben aus den Armen der schlafenden Mutter und reichten ihn dem Führer der Reisigen hin. Der Graf ersah ihn kaum, so entriß er ihn den Händen der bestürzten Mägde und jagte mir dem ganzen Trosse im gestreckten Laufe davon. — lll. Der G:af von Va hin gen war der Erste gewesen, der dem Kaiser mit seinem Haufen begegnete und den Auftrag empfangen hatte, in eigener Person den vermeintlichen Bauernknaben zu rauben und ihn nach vollbrachter That durch zwei kaiserliche Diener in das Kloster Lorch mit dem Auftrage an den Convent zu senden, der Knabe sey zum geistlichen Stande vom Kaiser bestimmt und somit der sorg? samsten Obhut des Klosters anempfohlen. Aber die Treulosen fanden es, als sie mit dem Knaben hinwegritten, für besser, unter dem Scheine, als hätten sie das Gebot ihres Herrn erfüllt, ihn in dem Walde auszusetzen, als eine solche, beschwerliche Reise mit einem hilflosen Kinde anzutreten. — Diepold's Söhnlein schien hier eine sichere Beute der Thiere des Waldes werden zu müssen; doch ein günstigeres,., Geschick, das über die Bestimmungen der Menschen sichtbar.^ waltet, schützte das unschuldige Opfer. — Von ungefähr ritt Hermann, Herzog von Schwaben, mit seinem Gefolge am Waldpfade, indem er, so wie die Uebrigen, den Kaiser suchte. Da vernahm er ein leises Gewimmer am Wege. Besorglich schaute der schon bejahrte Fürst vom Rosse und gewahrte ein Kind. Schnell stieg er ab und jubelte des schonen Fundes. Hermann war ein edler Hcrr, groß und reich an Gütern, aber kein glücklicher Gatte; denn Jahre lang hatte er umsonst gehofft, seine Gemahlin würde ihn mit Nachkommenschaft erfreuen ; scin Wunsch war jedoch unerfüllt geblieben und die Hoffnung hierzu nahm mit jedem. 42 Tage ab. Der Findling däuchte ihm daher ein Geschenk des Himmels zu seyn; mir einer Thräne im Auge nannte er ihn seinen Sohn und gab ihm den Namen Eggilo (so viel als Heinrich). Einige Herren seiner Begleitung mußten den kleinen Eggilo sonder Weile Hermann's Gemahlin überbringen. Er selbst brannte vor Begierde, den Kaiser bald zu sehen, sich von ihm zu beurlauben und wieder heim zu seinem neuen Söhnlein zu ziehen. Mit wehmüthige!» Gefühle empfing die Fürstin das Geschenk ihres Gemahls. Mir wahrer Muttersorge pflegte und wahrte sie den schönen, schwarzlockigeu Knaben, der ihr, als sey sie seine wahrhafte Mutter, entgegenlächelte. Her» mann's Freude war groß und innig, er träumte sich, Vater zu seyu und erfüllte alle Pflichten eines solchen gewissenhaft. Als Eggilo kräftiger heranzublühen begann, beschloß der Herzog, seinen Pflegling an den Kaiserhof zu senden, damit er dort in Zucht und Rittersinn aufwachse und sich zu einem rüstigen, wackeren Manue bilde. Bald fiel dort der stattliche Jüngling dem Kaiser auf und dieser erkundigte sich näher nach seinen Verhältnissen, denn Hermann hatte ihn als einen Verwandten seinem Herrn empfohlen. — Eggilo gestand dem Kaiser auf sein Befragen offen, er kenne seinen Vater und seine Mutter nicht, der Herzog Hermann habe ihn einst auf einer großen Jagd im Schwarzwalde gefunden ; er liebe und ehre aber den Fürsten so innig, wie nur ein Sohn es vermöge. Conrad erschrak heftig; denn kaum horte er von einer großen Jagd im Schwarzwalde, so trat ihm Alles, was dort sich ereignet hatte, lebhaft vor die Seele. Er hatte es für unnöthig erachtet, sich späterhin in dem Kloster Lorch nach dem Knaben zu erkundigen, denn er glaubte seine» kaiserlichen Befehl treu erfüllt. Jetzt erwachte tiefer Argwohn in des Monarchen Brust. Noch lebte einer der Diener, die den Auftrag erhalten; — reumüthig gestand dieser die verübte That. — Völlig licht wurde es jetzt in des Kaisers Seele. Die alte Besorgnis;, der Knabe werde seinem Hause Unheil bringen, wuchs mir doppelter Stärke. Der ausgesetzte Knabe Eggilo war bereits zum Jünglinge herangereift. Mit guter Art seiner log zu werden, ohne Herzog Hermann zu kränken, war jetzt Conrad's eifrigstes Bestreben. Oft dachte er, ihn durch einen verschwiegenen, treu ergebenen Ritter aus der Welt für immer zu entfernen; aber ihu dauerte doch seine Jugend und Hermann's Zorn und Rache setzte ihn etwas in Sorgen, es schreckte ihn selbst solch feiger Mord. Nach langem Sinnen und Berathen mit einigen Vertrauten beschloß er, ihn unter einem schicklichen Vorwande nach Aachen, wo sich damals die Kaiserin Gisela und ihre Tochter aufhielt, zu seuden, ihn aber unterwegs durch seiue Getreuen aufgreifen, auf eine Bergveste am Rhein führen und so mls der Welt verschwinden zu lassen. Hermann wurde von der bevorstehenden Reise seines Pflegesohnes unterrichtet und freute sich darob herzlich; denn er glaubte ihn groß in des Kaisers Gnade und weissagte für die Zukunft sich vieles Gute. — Eggilo empfing aus des Kaisers eigenen Händen ein verschlossenes Schreiben, beurlaubte sich bei Hofe und zog seiner Bestimmung entgegen. (BHluß folgt.) L a b l a ch e. Künstlerskizz? aus dem „s!alü»il'e-8»lun." Von P. A. Fiorentino. In Paris, Straße Taibout Nr. 14, 2. Stock, zwischen 5 und halb 6 Uhr, noch bevor der Glockenzug berührt wird, öffnet sich die Thüre uud ein italienischer flinker und höflicher Diener nimmt dem Eintretenden mit einer Bereitwilligkeit den Mantel, den Hut und den Stock ab, welche anzeigt, mit welchem Vergnügen von den Hausbewohnern der Besuch angenommen wird. Beim Durchgang durch ein Vorgemach und einen prunkvoll eingerichteten Salon gelangt man in ein anderes Appartement, wo die Familie und einige Freunde die Speisestunde erwarten. Ein herrlicher Paolo Verouese, beleuchtet von einer Lampe, jeneu sehr ähnlich, womit die Pariser Goldschmiede ihre schimmernden Edel-stcingeschmeide erhellen, steht am Ende des Zimmers. Diesem Gemälde gegenüber, zwischen zwei Fenstern, befindet sich der Schrank, welcher gegen 200,000 Franken an Dosen jeder Form, jeglichen Geschmackes, jeder Epoche, von Gold, Schildpadde, aus Porzellan, Achat, werthvollem Holze, reichlich mit Diamauten, Rubinen, Smaragden besetzt, geschmückt mit Porträts, Landschaften imd schönen G.nippen, enthält. Alle Monarchen, Minister, alle berühmten Personen haben ihren Tribut mit einer Dose zu dieser ungeheuren Sammlung gezollt. Lablache hat nie ein Präsent, ein Andenken oder Erinnerung, außer iu Form einer Dose, erhalten. Dessenungeachtet har er die reichsten Und schönsten bei öffentlichen Versteigerungen gekauft, von welchen er meinte, daß sie mehr kosteten uud einen Mehrbietendeu zu fürchten hatte. — Lab lache's älteste Tochter, eine Frau von hoher Schönheit, mir einem für Damen ungewöhnlichen Harzen begabt, in ei'ster Ehe an Bouchot, einen der ausgezeichnetsten Maler Frankreichs, vermählt, und in zweiter Ehe au Thalberg, den ersten Pianisten Europa's, macht mit aller Anmuth die Honneurs, während ihr Gatte in einem Winkel des Salons am Piano das letzte Räthsel auf diesem Instrumeure zu lösen versucht. Heinrich, Nikola, Do-minik, die Nannina und Mimi (zwei herrliche Köpfchen) und wenn Friedrich (Lab lache's ältester Sohn) mit seiner Gemahlin und Kindleins London verlassen kann, ist diese schöne und zahlreiche Familie vollständig. Cottereau, ein rühmlich bekannter Maler, der Dichter Giannone, Ac-corsi, der beste Freund des unglücklichen Do n izetti, Ga-rofalini, ein liebenswürdiger und sehr verdienstlicher Professor , der Doctor Moroncelli, Bruder des Begleiters von Silvio Pellico, und mehrere andere, welche hier nicht genannt seyn wollen, sind die gewöhnlichen Gäste des berühmten Sängers. Man bespricht sich, lacht, verhandelt über alle möglichen Gegenstände, macht Musik. — Aus besonderer Bescheidenheit und hoher Selbstvcrlauguung werden von den Hausbewohnern die Worte: »Musik, Gesang und 43 — Theater" nie in Anregung gebracht. Bezüglich der Hausfrau Lab lache's ist diese überall und nirgends. Sie überwacht mit Umsicht und unermüdet die Vorbereitungen zur Tafel, empfängt die Theaterzettel, reicht den Freunden die Hand, ertheilt den Dienstleuten Anordnungen, Rath dem Koche. Lab lache hat sein Vermögen zum Theil dieser einsichtsvollen und würdigen Frau zu verdanken, welche selbes mit ihrer eigenthümlichen Umsicht zu verstärken und zu erhalten verstand. Man gebe Don Bartolo, Geronimo und Lepo-reUo eine schwerfällige und brummige Frau, und Rossini, Ci^ marosa und Mozart hätten noch «keinen würdigen Dolmetsch. — Nun schlägt es 6 Uhr. Sogleich ertönt die me-tallige und donnernd, Stimme des großen Künstlers über die Stiege. Er erstattet seinen Dank dem Portier für die Uebergabe der Journale und Briefe, aber eine Kanonade ist weniger erschütternd, als diese Erolosion. Lablache wird in seinem Hause wie im Theater emvfangen, mit lärmen, den und aufrichtigen Zurufungen. Er tritt eiu, ohne auf etwas anderes zu sehen oder zu hören, mic dem Hut am Kopfe uud mit lächelnder Miene. Er ist ganz voll von seiner Lieblingsidee. Beide Taschen seines Paletots sind so angefüllt, das; man sagen könnce, nicht ein, sondern drei Lablache treten ein. So oft er die Hand aus den weit geöffneten Cisteruen zieht, kommt eine Statuette, ein Becher, eine Vase, eine Medaille, eine Eouchilie oder eine andere Seltenheit zum Vorschein, die er im Hotel Bullion oder irgendwo gekauft hat. — O! wie schön dieß ist! — Herrlich, wahrhaftig! — Schön, sehr schön! rufen einstimmig die Kinder und Freunde des Künstlers. Frau Lab lache lächelt nur, indem sie die Augeu gegeu den Himmel erhebt. -— Nun? Thsrese, was sagst Du dazu? — Eine neue Dose, Luigi! wohin werden wir sie legen? Wir werden noch ein Mal in den Louvre ziehen müssen. — Sie liegt am Tische, Madame, sagt der Hausherr, indem er die Thür des Salons öffnet. — Teufel! ruft Lab lache, indem er mit Heftigkeit sich von der Betrachtung seiner Kleinigkeiten entfernt. Gehen wir zu Tische. Die Maccaroni werden ungeduldig werden. Alle Neapolitaner in Paris sind oft mehr oder weniger aezwungen, den narionellen Leckerbissen die Ehre des Essens angedeihen zu lassen, welche unverdienter Weise mic dem Titel italienischer Maccaroni bezeichnet werden. Die wirklichen Maccaroni ißc man in Paris nur im Hause Lab lache, und da beinahe immer: und schr häusig mußte der arme Koch, der, der alten Vestalin sehr ähnlich , nie das Feuer ausgehen läßt, am Ende eines Ballfestes, um 4 Uhr Morgens die Butter zerlassen und Par. mesankäs reiben! Es gibt nichts Fröhlicheres, Angenehme-res und Unterhaltenderes, als eine Tafel im Hause Lablache. Dieser kosmopolitische Künstler, der so viele Lander gesehen, sa viele ausgezeichuete Personen gekannt, so viele Sprachen spricht, versteht oder nachahmt, erzählt in seiner Familie erheiternde Geschichtchen, kurze Sprüchleins und eigenthümliche Anecdocen, welche heutigen Tages für 20 Journalisten hinreichen würden, um beim Lesepublikum ihr Glück zu machen. Von dem Tage an, als er noch auf einer Bank hinge- streckt, die Schnüre der Marionetten in San Carlino zog, bis an jenen Tag, an welchem ihn Könige und Kaiser freundschaftlich auf die Achsel» klopften, wie viele Ereignisse! welche Begebenheiten! Nie hörte man Neuigkeiten mit so vieler Anmuth, Fröhlichkeit, Grazie, Geist und Eleganz in der Sprache erzählen. Man wird nie müde, ihn zu hören und zu bewundern. ^ (Deschluß folgt.) ^ Feuilleton. Hauptgrund der vielen Bankerotte. —^ Im „L»<1»l'^!i lliVuilo" vom 12. Jänner wird berichtet : Vchou wieder fallirteu hier mehrere Großhändler und, wie man ,agt, stehen noch einige Falliments bevor. Es gibt mehrere Ur-fachen dieser Unglücksfälle und es läßt sich nicht läugnen, daß ein großer Theil dieser Ursachen sich kaum vermeiden ließ; aber es gibt auch einen Grund, der sich leicht vcr. meiden ließe, und dieser ist — der ü b ertrieb ene Lu x u s. Wir sind nicht so engherzig, zu verlangen, daß der Handelsmann stets mit dem grünen Vorruch einhergehen und keine der Bildung entsprechende Genüsse suchen soll, aber Alles muß seine gehörige Gränze haben. Ein großer Theil des Handels-standes führt jetzt ein großes Haus, als wenn er große Herrschaften besäße; die Dienerschaft, Kutschen, Pferde stehen auf dem prächtigsten Fuße; dazu kommt eine theure Sommerwohnung, kostspielige Badereisen u. s. w. Daß man bei einein solchen Lurus keiuen Sparfond sammeln kann, und daß der kleinste Unfall das ganze Handelshaus plötzlich über den Haufen wirft, ist eben so natürlich, als daß ein cr-erbcer Grundbesitz auch bei einen, größeren Lurus nicht so leicht falliren kann, da Grundbesitzer auch mit erborgtem Geld Luxus treiben und Schuldner bleiben können, was bei Handelsleuten nicht so leicht angeht. ^ Angestellte Theaterdichter. —Die deutscheu Theater »vollen wirklich, wie es scheint, im neue» Jahre einen rüstigen Schritt uach dem Besseren thun. Seit Gutzkow iu Dresden Dramaturg geworden, soll Prutz eine gleiche Anstellung in Hamburg gefunden haben. Sogar die Magdeburger Bühne har in Fedor einen Dramaturgen angenommen. In Stuttgart ist bekanntlich Dingelstedr an der Leitung der Bühne becheiligr, in Oldenburg M o s e u. Wenn sich auch die größten deutschen Bühnen, Wien, Berlin, München entschließen werden, diesen Beispielen zu folgen, dann müssen die deutsche Schauspielkunst und die deutsche dramatische Literatur gewiß bald die Früchte davon crnren. Gin wahrhaft edler Zng. — In einer Ortschaft (Apüthi), neben Scein am Anger, beschäftigte sich ein dreizehnjähriger Müllerbursche mic den Rädern einer dein gräflichen Schlosse (des Grafen Paul v. Sz6chl;nyi) gegenüberstehenden Mühle. Er glitt aus, kam unrer das Rad uud siel in die halb mic Eis bedeckten Wellen der Gyöngyös. Der junge Graf Julius v. Sz«ch«nyi öffnete in demselben Augenblicke sein Fenster, er sah das drohende Unglück, eilte an's Ufer, sprang angekleidet in den Fluß und rettete den Burschen, der im nächsten Augenblicke gewiß seinen Tod in den Wellen gefunden hätte. Er trug den Geretteten in's Schloß, ließ ihn pflegen und derselbe wird nun bald hergestellt seyn. — Ist das nicht ein Edelmann? Der Pesther Frauen-Verein— hat am 2l. v. M. angefangen, jede Woche an drei Tagen in verschiedenen Localitären 600 Armen warme Speisen verabreichen zu lassen; auch hat der Verein die Veranstaltung getroffen, daß Obdachlose in geh.eizten Localen die Nacht über Unterkunft finden werden. Ein wahrhaft göttlicher Verein! - 44 - Grausamer Ntord. — Del- »Liptauer Slaven-Beobachter" bringt folgende Begebenheit ans Neu-Sandec in Galizien: Zll einen, dorrigen Wirth brachte eine ziemlich wohl gekleidete Frau einen alten Dlicaren mit dem Offerte, ein volles Kistchen solcher Münzen, welches sie in ihrem Kel-ler unterm Schutt gefunden zu haben vorgab, ihm abzutreten , wenn er von ihr das Stück vr. 1 fi. C. M. übernehme nnd sogleich bar bezahle: nach ihrer Allssage dürften 600 Stück solcher gelben Dinger in dem Kästchen vorhan-den seyn. Dem Wirth schien das Geschäft convenabel, er nahm sogleich die 600 fi. mir sich lind folgte der Eoacoch-ter. Sie mochten kaum 15 Minuten gegangen seyn, als sie zu einem Gehölze gelangten, aus welchem noch zwei weibliche Amazonen hervorbrachen, den Wirth anfielen, ihm die Hände festhielten, unterdessen die Schaßgraberin ein verstecktes Messer hervorzog und >vie eine Iudich dem Wirth den Kopf abschnitt, ihn des Geldes und seiner Kleider beraubte und dann im Schnee begrub. Der Dienstknabe der Mörderin fand den andern Tag in dem Scalle, wo er das Vieh wartete, blutige Kleider, wovon er seinem ^ater, der eben nicht weit wohnte, Bericht abstattete. Der Alte säumte nicht, dein Gerichte sogleich davon Anzeige zu machen. Das Halls der Judith wurde mir Wachen umzingelt, die Mörderin in Verhaft genommen und vor Gericht gestellt, wo sie bekannte, bereits den dritten Mord begangen zu haben, sie hoffte aber, ihrer Aeußerung nach, völlige Erlassung der Strafe, weil die Opfer, die sie sich erkor, nur — Juden gewesen seyen. Verzweiflung. — In einer der letzten Nächte ist in Teifersdorf in Schlesien ein Act der Verzweiflung ausgeübt worden. Ein sonst unbescholtener Mann hat nämlich seine Frau und sein Töchterlein mir der Holzart im Bette erschlagen, weil er keinen Ausweg mehr mußte, sich und die Seinigen zu ernähren. Der Unglückliche hat sich am 6. v. M. dem Criminalgcrichte zu Neisse gestellt und sein Verbrechen mit allen Einzelnheiten erzählt. Er ist vollkommen gefaßt, hofft recht bald hingerichtet zu werden und gibt außerdem an, das; er sich nur deßhalb nicht selbst entleibt habe, weil ihm sonst der Himmel verschlossen gewesen wäre. Der Verzweifelte traf, gänzlich abgehungert, in einem höchst beklagenswerthen Zustande zu Neisse ein. Auswanderung der Bewohner eines ganzen Dorfes» — An der hessisch-preußischen Gränze ist ein ganzes Dorf, Volkinarsen, mir Mann und Maus nach Amerika ausgewandert: der reiche Gutsbesitzer, der Pfarrer, der Schullehrer, der Richter, bis zum Nachtwächter und Todtengrä-ber herunter. Sie wollen eine eigene Stadt gründen. Papierkorb des Amüsanten. In den ,/I>nv<,>8 m Irßlimd" liest man: „Ich miethete eine Chaise zu Galway, die mich einige Meilen weit auf's Land bringen sollte. Wir waren noch nicht weit gekommen, als wir am Fuße einer Anhöhe still hielten. Der Kurscher kam an die Wagenthür und öffnete diese. »Was bedeutet das? Hier solltest du nicht anhalten!" — »Still, Ew. Gnaden, still!" rief Paddy, »ich will nur dem Vieh was weißmachen. Wenn ich mit der Thür klappere, so wird es denken, Sie seyen ausgestiegen lind wird den Berg hinaufrennen, wie der Teufel." Jemand verlor in der Schlacht ein Bein. Bei der Operation sagte er zu seinem weinenden Diener: »Weine nicht, künftig brauchst Du nur einen Stiefel zu wichsen." Ein Reisender, der von Leipzig nach Berlin fuhr, sagte zu seinem Begleiter: »Ich trenne mich von Leipzig mit centnerschwerem Herzen." — »Still, still!" fiüstertc ihm dieser zu, »wenn Jemand etwas von der Schwere Deines Herzens erfährt, dann mußt Du am Ende noch 27 Neugroschen für das Ucbergewichr bezahlen." Noch ein Ball im Eolisenm! Wie ein electrischer Schlag zuckte die Ankündigung des Herrn Wilhalm, 0asj er nächsten Mittwoch noch, einen -Lall in seinem prachtvollen Mariensaale veranstalten werde, durch die jugendlichen Herzen, und auch den Papa's und Mama's sah man ls an , daß sie nicht un-ger» den Bitten der tanzlustigen Jugend nachgeben und den letzten N i t-h a l m'schen Vall besuchen werden: es I ebt sich ja so g e m üthlich da draußen! llnd nun vollends, da der unermüdlich für das Vergnügen des Publikums sorgende Herr Withalm dcn Rath unseres neuli-cken Samstags - Blattes alsogleick befolgt und durch ein? zweckmäßige Verschließung den kalten Vorsaal ganz abgesperrt hat, so dasj kein Luftzug mehr Statt finden kann und eine neue Gallerie das Ganze noch verschönert. Hecr Withalm ist ein wahrer Tausendkünstler, immer wa6 Neues, immer was G.'schmackoolles, Könnte er uns noch die flinken „Wiener Kellner» in diese Räume zaubern, da»n hätten wir den lebhaften Sperl-Saal vor uns. Großartigkeil der Lokalität, reiche Beleuchtung, reitzende Musik, ungezwungener und hockst anständiger Frohsinn in allen Ecken, unten und oben, im großartigen Tanzsaale, wie in den gemüthlichen , niedlichen Nebenzimmer!», treffliche Eonditorie lind Laffelerie und eine gute Traiteurie (nur noch ohne Wiener Kellner); was bleibt uns da »ock zu wünschen übrig? Dazu ein gewähltes Publikum, ein Flor schöner Danien und eleganter Herren — Herz. was willst du mehr? — Und so ist Withalm's (öoliseum die Parole des heurigen Faschings. dem ohnehin nur noch wenige Tage des irdischen Daseyns zugemessen sind. Theater in Laibach. lieber das Montag am 1. Februar aufgeführte »eue Oriainallust-spiel: „Ein toller Tag,» von Heinrich Vörnstein. kann Referent aus einer sehr triftigen Ursache nichts sagen, er wohnte nämlich d.»r Vorstellung nickt bei. Dinstag am 2- Februar: »Doctor und Friseur.» Posse mit Gesang in 2 Acten, von F. Kaiser- Diese Posse wurde schon im verflossenen Jahre zwei Mal aufgeführt und gerne gesehen- Die erheblichsten zwei Rollen. die des Damenfriseurs Keck und seincr Frau, waren in den besten Händen; Herr Moldt und Dlle. Antonie Lalliano theilten sich in die Veifallsspende; ersterer übertrieb wohl hie und da in etwas, aber der Carneval entschuldige das.' unser Moldt bleibt dennoch überaus ergetzlich, Dlle- Calliano war besonders in der Scene mit Lieschen vor der Forstmeisterswohnung ganz allerliebst, der italienisch-deutsche Jargon i>: dieser Rolle kann nickt besser, nickt glücklicher vorgetragen werden, und daß sie auck gut sang, braucht man davon etwa auch noch besonders zu erwähnen? — Herr S ch n i tze r. als Forstmeister Finster, war dießmal gar nicht disponirt. sei» Gedächtniß ließ ihn schauderhaft im Stiche, welcke fatale Eigenschaft seines Gedächtnisses wir seit einiger Zeit schon bei mehreren Anlässen bemerken konnten, weil er sonst gut memorirle Rollen stets recht brav darstellt. Herr Blumeüfelb war ein reckt gelungener Forstsckreiber Hörner. Dlle. Kohrner (Nina), Dlk. Mayerhoffer (Lieschen) und Herr Buchwald