Mtwoch dm 4. Aovemöer 1874. M. Zah»ga»g Die Murburger Zeitung" erscheint jeden Sanntag, Mittwoch und Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig S fi.,halbjährig 8 si., vierteljährig 1 si.5v kr; in» Haus monatlich kr. — mit Postversendung: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fl., viertel^ährlg Z fl. Insertiontgebsthr 8 rr. pr. Zeile. sarö«stell>»ß Staat md Wirthschast. Otkouomislde GruadsaKe, namentlich solche, welche da» Verholten de» Staates zur Wilth-schost betreffen, hoben ihre Geschicke, wie dir Bücher, wie alles Systematische überhaupt. Der GezenIoK rust stt hervor, und die Beziehung aus den Gegensatz macht sie selbst gegensätzlich, d. h. extrem. DaS ist die erste Phase ihreS Auftretens und ihrer Wirksamkeit. Nach einer gemefstnen Zeit, die den Spielraum zur Ersahrung gegeben, gewahrt die denkende Bernunst, von tausend Stößen und Püffen angereizt, daß man „zu weit gegangen", daß man „das Kind mit dem vade ausgeschüttet" ha», dah der Prozeß revidirt tserben muß. Dann treten andere Theoretiker auf, welche daS absolute Gegentheil vorschlage», aber nicht so, daß der frilhere Zustand hergestellt werde, sondern so, daß dieser frühere Zustand als eine bloße Andeutung, als ein schwacher Versuch deS rechten und wahren ZustandeS erschiin». der jetzt erst seine systematische Vertiksung und konsequente AuSsührung erhalten soll. Dem gegenüber steisen sich die AnHanger der weiland Reform aus ihre abstrakten Sätze, und es entsteht em Widerstreit der Unversöhnlichen, wie Tag und Nacht. Ist eS nicht wiiklich nnd'tvörtlich so gangen? Dem Zuust- und Zopfn»esen des Mittelalters gegenüber riefen die Phystotratea und Adam Smlth nach ^Freih-it der Arbeit" ; der einengenden» jede Bewegung regulirenden gesetzlichen Observanz gegenüber verlangten sie die Kreihlit der Uebereiukunft; der AlleS einschnüren den und erdrücktnden Bolsorge gegenüber erklärten sie: „Sehe Jeder, wo er bleibe!" DaS ging in den von dir noedamerikanischen und französischen Revolution beeinflußten Ländern mehr oder minder vollständig in Seene u»ld sickerte in diesem !9. Jahrhundert selbst durch die chineilschen Mauern anderer Staaten. „Machen lassen, sehen lassen l- hotte der alte Gouruay gesagt, Tltrgot wiederholt, Adam Smith ausführlich erörtert. ES war zum Evangelium geworden, bekam seine Kirche, seine Priester, seine Konzilien, solglich auch seine Bannstrahlen und Crkommunikaiiontn. ES paßte aus Alles oder mußte aus Alles passen; waS nicht biegen wollte, sollte brechen. Friß Vogel oder stirbt Die Gesellschast gelangte in eine Sackgasse, sie hatte sich verrannt wir werden später sehen, warum? Dagegen rebellirten, schon im Prinzip, noch viel eindringlicher, hartnäckiger und konsequenter bei der Durchführung im Große», olle Diejenigen, tvelche dabti zu kurz kamen, und in it>r,m Namen die lheoretifchen Krttlken andern nikdermersen und knebeln, um ihn unschädlich zu machen; denn er würde damit zugleich einen unentbehrlichen Faktor der Produk-ion knebeln, daS heißt die Produktion stille slel» ,n, die Gesellschaft selbst der Lebensluft berau-»en. Das wäre Wahnsinn. Wenn man die Freiheit gewährt, so muß man sie auch Jedem getvähren; wenn mau die Privilegien und Monopole abschafft, so muß man sie eben olle abschaffen, nicht hier eineS be« tehen lassen, dort ein neueS schaffen, und dauu wie zum Hohne auSrufen : Die Freiheit sür Alle, der Staat soll und darf sich um Nichts bekümmern! Der Staat hat sich leider um zn viele Dinge gekümmert, die ihn nach der Theorie der, Freiheit?.Apostel selbst gar nichtS angingen; der Staat hat Monopole geschaffen, die wie ein Alpdruck aus der redlichen Arbeit lasten; der Staat hat Vorsehung gespielt, oft zum Erbarmen, wie St. Ptter Mit der GnS. Er hat Zaterefsen geschädigt oder unter Auspizien schädigen laffeu, die ln aller Unschuld deS Hirzens in» Verderben t^ezogen wurden, auS lveichem sie sich schlechterdings nicht sell)ft lierauSzuziehcn vermögen. Die staatlichen Gesetzgebungen haben den Unterschleif, die U?btrvorthetlung. die Plünderung bis aus'S Hemd möglich gemacht, und die erste Pflicht des Staates besteht doch in der Gewährung deS glei« cheu Schutzes sür olle Jtlt»ress,n l Der Kulturstaat, der die Bildung und Wohl« sahrt im Sinue deS 19. Jahrhunderts vertreteu will, muß in solchen Fällen, nach solchen trauri- Ueuilleto«. Der atte Schmaggler. Von Ludwig Rosen. (Fortsetzung.) Da verlaugte ihn Winrich, der in dieses Tagen fast tiefsinnig den Kops hatte hängen lasten, allein zu sprechen, nnd mit mehr Zuversicht und Selbstvertrauen, alS er seither gezeigt, begann er; „Ich glaube, Herr Lieutenant, ich habe eine Spur l" „Hat Ihnen Henriette wieder eine Mit-theilung gemacht?" Elue kleine Empfindlichkeit unterdrückend, erwiderte Winrich: „Allerdings ist die Henriette mit im Spiele. Sie war außer sich vor Verdruß, daß sie Veranlassung gewesen ist, unS in die Dinte zu bringen, mir weine hübscheu Pläne zu verderben und Ihnen, Herr Lieutenant, Unannehmlichkeit zu bereiten. Ihr erster Gedanke ging darauf hinaus, daß der Schurke von Müller mit Absicht lhr die Geschichte vom Juden FeibeS mitgetheilt hat, weil er ihr Einverstätldniß mit mir merkte und daraus rechnete, daß sie'S mir wiedeisagen würde. DaS Ganze »var also ein wohlangelegter Plan, um an einer andern Stelle Waaren sicher über die Grenze bringen zu können, und sie habenden Plan auch pfisfig genug ausgeführt. Offenbar handelte der Müller nicht auS fich selbst, sondern in fremdem Auftrag. Nun hat die Henriette nicht eher geruht, sie hat so lange auf jeden Schritt und Tritt deS MüllerS gelauert, biS sie herausgebracht hat, daß er in heimlichem Verkehr mit dem Juden Feibes Jtzig steht, daß Botschaften zwischen ihnen hin und her gehea, daß der Jude sogar zu Zeilen in der Nähe deS WaldhofeS herumschleicht, um geheime Zusammenkünfte zu halten." „DaS ist Alles ganz richtig, Winrich, und ungefähr so habe ich mir auch die Sache zusammengereimt, aber ich sehe nur nicht ein, wie unS daS im Geringsteu dazu helfen kann, vie Scharte auszuwetzen, die wir durch dieses Komplot erlitten haben." „Hören Sie nur weiter, Herr Lieutenant. An den steheimen Zusammenkünften nimmt auch Jemand Theil, von dem Sie eS gewiß nicht er, wartet hatten." „Nun wer denn?" „Ihr HauSwirth Marx." .Marz?" rief Sch'llenberg überrascht, und ein unwillkürliches Eischrecken durchlief ihn. Winrich fuhr fort: „Ich würde den Name> hier iyl Hqufe, wo leicht die Wände Ohren habe» könnten, nicht genannt haben, wenn ich nicht ebea den ollen Sünder hätte über den Hof gehe» sehen. Marx kommt mit dem Juden zu helmliche» Zwiegesprächen zusammen -. daS mag wohl früher hier auf derr» WölfSgrunde gewesen sein, aber weil Sie nun hier sind, so haben sie sich eiuen anderen Ort suchen müssen." „Ihre Nachricht, Winrich, ist viel Werth,^ entgegnete Schelllnberg, „sie kann Vielleicht vou großem Nußen sein. Ich glaube mich nicht zu irren: Marx ist vielleicht daS eigentliche Haupt der Schmugglerbande, er ist aber so klug gelvesen, daß dt, Stkuerbeomten in Eversburg, an deren Schaifilnn ich schon längst gezweifelt habe, keine Ailnunti dc>v0ii besitzen; er hat UtiS alle hinterS Licht geführt, indem er sogar an unseren Be» spskchungen Theil nahm, und eS ist also keiu Wu'lder, daß ivir noch nichts ausrichten konnten. Wir wollen dem Burschen daS Spiel verderben!-„WaS haben wir zunächst zu lhun, Herr Lieutenant?" „Wir sprechen zu Niemand eia Wort, nicht einmal zu den Steuelbeamte»; wir vetdoppelu unsere Ausmtrkjamkeil, ohne daß eS auffalleu dars; die kluge Henriette setzt ihre Veobachtuugeu fort; ich lvarte ab, biS Marz unS wieder mittelbar oder uvmitkelbar einen Rath gibt, wir thyu gell und schaurigen Vorgangen im Namen der Kultur die Folgen deS abjtratten dürren, skiroc-coartigen RecbltS heilen; er hat die Pflicht deS ArzteS. die Pflicht der moralischen und ökonomischen SanitätS-Behörde. Dem Htaate haben »vir unS All? onver-traut, mnKten wir uns, unser Hob und Gut, unsere Ruhe und Zukunft anvertrauen; ihm und seinen Gesetzen hoben rvir Folge geltisiet, sein Gedeihen als unser eigeveA Gedeihen betrachtet. Am Staate ist eS jeßt, unser Vertrauen zu rechtfertigen; am Staate, die begangenen Fehler wieder gntzumachen ; am Staate, unserer Arbeits-fähigkert Objekte zu geben, die stockende Produktion wieder in Gang zu bringen, den tiesgesun-keuen Kredit neu zu beleben, seine eigene Lei-ftuogSsühigkeit aus dte unsertge zu bauen, seine Steuern von unS cintreibtn zu können, kurz, den Abgrund, der sich unter seinen wie unseren Füssen ausgehöhlt hat, mit aller Kraft und Macht auS-zusallen. Kur Hefchichit des Hlages. Der C ent ra l f rte d h o f in Wien ist katholisch eingesegnet woeden — ohne WtsstN uud Willen der Gemeinde. Und doch ist diese Gemeinde Eigenthümertn deS Friedhofes. DieStie Versicherung ertheilt, jeden CtnsegnungSver-suchen anderer Konfessionen mit allen geseßlichen Mitteln entgegen zu treten, lind doch sollten die averkannten ReligionSgenoslenschafteu gleich sein vor dem Gesetze. Oesttrriich zieht mit klingenden Glocken und paffen Weihtvedeln ins Luger der Klerttale«. Der HaudelSminister hat auf ein Gesuch der ^Leobever Handtlskammer um Berücksichtigung der inländischen Fabriken bei der Bestellung neuer Geschütze die krSstigste Unterstützung zugesagt. Berücksichtigung ist ein zu unbestimmter, dehnbarer Begriff ; auS-schließliche Berechtigung — unter übrigens gleichen Berhältnifsen — verlangen wir in der Ueberzcu-gung, daß Oesterreich und zumal die Steiermark die strengste Prüfung nicht zu scheuen hat. Bei der Stellung Deutschlands zu Frankreich sind die Urtheile der Pariser Blatter Über die Thronrede deS Kaisers Kaisers Wilhelm von größtem Interesse. Die Rede gilt den Franzosen als der vollständigste Ausdruck eintr mit sich selbst zusliedenen Geivalr, als die Aeußerung deS Schiedsrichters über Frieden und Krieg in Europa. Trotz aller friedlichen Gesinnung halte der Redner die Hand am Degengriffe. Kaiser dann gerade das Gegentheit»^b?r haude^ sonst den Umständen gemäß. Da wir etama! wissen, wo unser Hauptfeind steckt, so müßte es schlimm sein, wenn wir ihn reicht Mit seinen eigmeo Waffen schlügen. Aber ist die Nachricht auch sicher, daß er mit dem Juden heiinl'ch zusammenkommt ?" „So sicher, wie das Weltmeer I Die Ken-riette ist an sich klug, jetzt aber ist sie aus Aerger und meinetwegen und meiuer Pläne wegen doppelt klug; sie hat ein heimliches Gespräch des Juden mit Marx von weitem gesehen und kann darauf fchwölen. Sie könnens sicher glauben, Herr Lieutenant." „Ich glaub» auch, denn es stimmt nur zu sehr mit Allem, waS i>h mir jetzt in die Erinne-rung zurückrufe. Also vor allen Dingen reinen Mund und die allergrößte Vorsicht I" „Sorgen Sie nicht. Sie. ich und die Hen-riette wollen zusammen ein Komplot bilden, daß den verfluchten Schmugglern einen Stein in den Weg legen soll, der ihnen schwer genug zu über-springen sein wird." Am nächsten Bormittage näherte sich Win-rich seinem Vorgesetzlen aus eine geheimnißvolle, abel etwas bedrückte Welse und flüsterte ihm zu: „Ich soll Ihnen ein Kompliment sagen von der Henriette, und ob Sie nicht in Zeit von einer halben Stunde einen Spaziergang nach dem Woldhose Aachen wollten, ober ganz allein?" Wilhelm versichere, daß er auS Liebe zum Frieden rüste. Frankreich möge also den Frieden auf gleiche Art lieben. Die allgemeine Wehrpflicht müsse Soldaten, die allgemeine Schulpflicht Man» ner fchaffen. Marburger Berichte. (Wohlthätigkeits-Vorstellung in Pettau.) Diefe Vorstellung, welche gel,, gentlich der Eröffnung deS neuen Krankenhauses stattgesuvden hat einen Reinertrag von 240 fl. ergeben. (Feuerwehr.) Die freiwillige Feuerwehr in Rohitsch hat dieser Tage eine Abtheilung nach Krapina-Töplitz gesandt, um dort die neugegrüo-dete Feuerwehr einzuüben. (Selbstmord.) In Gams h^t sich der Hüttenbrenner'sche Winzer I. Löschnig erhängt — Krankheit und Noth waren seine Äcweggründe. Und sein Weib lag eben im Kindbette. (G e .'ve r b e.) Im verflossenen Monat wurden beim hiesigen Stadtamt folgende Geiverbe angemeldet: Schuhmacherei, Stadt, Kärntnergasse, Franz Wadenik Greislerei und Fleisch-selcherei, Stadt, Hauptplatz, Alexander Wehner — Greislerei, Stadt, Schwarzgaffe, Maria Mohr — Greislerei, Kärntner-Vorstadt, Theresia Gorjak — Fleischerei, Stadt, Vlktringhosgoffe, A. Deutsch-mann. Konzessionen erhielten: Josepha Ossoinik, Kaffee- und Branntweinschank, Stadt, Kärntner-gasse — Rudolf Mikujch, Fiakerei, Stadt. Herren- gösse. (Sitzung des G e m e i n d e r a t h e S v o m 2. N o vem be r.) Den Vorsitz hat der Vice-Bürgermeister Herr Dr. Ferdinand Duchatsch übernommen. He»r Simon Wols interpellirt den Herrn Bürgermeister: „I. Daß der Gasbeleuchtungs-Unternehmer Herr G. Grasf Lauten banpolizeiwidrig ausführt, habe ich bereits am 25. August d. I. angezeigt ; nun wird die zweite GaSglocke oucv schon aufgestellt. Ich ersuche um gesätligen Aufschluß, ob baupolizeilicherseits eine dringend nothwendige Ueberwachung der scheinbar eingei'Mächtigen Bauausführungen erfolgt? II. Die Klage über unreines und ungenü« gend Helles GaS ist allgemein; im GaSvertrag vom 18. März 1869 und 8. Juli 1872 ist bestimmt, daß ein Photometer oufgestellt werde, NM untersuchei» zu können, ob das GaS die vorgeschriebene Leuchtkraft (nach Z. 13) hat. Da der Preis der Flamme gut genug berechnet und sogar aufgebessert wurde, mithin bei schlechter pWill sie mir etwaS anvertrauen?" „ES muß wohl so sein, aber sie thut seli)st gegen mich so verschwiegen und zurückhaltend, daß ich ordentlich bedenklich geivvrden bln." Seine eigene Verleftenheit unter einem Scherze verbergend, sagte Schellenberg: „Sie sind doch nicht eisersüchtig?" „OsfkNherzig gestanden, ich würde eS sein, ivenn Sie eS nicht wären, Herr Lieutenant, aber ich habe zu Ihnen ein selsenscsteS Vertrauen. Warum die Henriette eS nicht durch mich ab-machen kann, sehe ich freilich nicht ein." „Nun, ich werde gehen. Bl«iben Sie so lange hier, Winrich, und sorgen Sie dafür, daß Niemand von unseren Leuten mir nachfolgt." Einigermaßen gespannt trat Schcllenberg bald darauf seinen Weg an, mit dem Anscheine als wolle er ein wenig nmherschlendern. Cr mußte sich gkstehen, daß damals bei der ersten Zusammeakunst das Mädchen einen nicht geringen Eindruck auf ihn gemacht hatte, er ging daher dieser zweiten nicht ohne eine getvisse Aufregung entgegen. Vor jeder Schwäche schützte ihn freilich der Umstand, daß er die Beziehung des Mädchens zu Winrich kannte und daß Beide ihm vertrauten, aber er schrack doch ein tvenig zusammen, als er an der engsten Stelle deS Weges, kurz vorher, ehe sich der Blick aus den Waldhof öffnete, die Qualität außer allen sonstigen Unzukömmlichkeltm vie Gemeinde seit Jahren finanziellen Schaden erleidet, so erlaubt sich der Unterzeichnete die Ansrage, bis wann der Photometer ausgestellt wird. Der Herr B ce-Bürgermeister erklärt, diese Interpellation in der nächsten Sitzung zu beant-Worten. Herr Karl Flucher stellt solgende Interpellation : „Aus mehreren Gründen wäre eS für die Stadtgemeinde Marburg erwünscht, daß der Verkauf deS ehemaligen KreiSamtS-GebändeS statt-finde; nachdem dieser Verkaus seit vielen Jahren aufgeschoben wird, erlaube ich mir anzufragen, ob der Herr Bürgermeister aus die Beschleunigung dieses Verkaufes Einfluß zu nehmen geneigt ist." Der Herr Vice-Bürgermeister verspricht sich mit der Bezirksvertretung inS Einvernehmen zu setzen und daS Juteresie der Gemeinde zu wahren. Herl? Max Baron Rast berichtet, am 8. und 9. Oktober habe daS GaS so unrein gebrannt, daß z. B. die Theatervorstellung unterbrochen werden mußte. DaS GaS sei chemisch untersucht worden (durch den Apotheker Herrn W. König) und stelle die Kontrolkommiffion den Alltrag, d,m Unternehmer wegen Unreinheit deS GaseS eine Konventionalstrase von 10 fl. aufzuerlegen; begehre Herr Graff die Liquidirung, so möge der städtische RechtSsreund Herr Dr. Lorber mit der Führung deS Prozesses betraut werde». ES handle sich hier um das Prinzip, daß die Gemeinde berechtigt ist, in solchen Fällen Kon-ventionatstrasen zu diktiren. Diesem Antrage wird beigestimmt. Herr Max Baron Rast berechnet sedner, daß der Unternehmer im ganzen Monal Oktober der Verpflichtung, dte Laternen wenigstens einmal in der Woche zu reinigen, nicht nachgekommen. Die Kontrolkommiffion habe eS au freundlichen Mahnungen und Zuschriften nicht fehlen lassen, Herr Graff habe aber trotzdem nichts gethan; eS müsse daher ihm gezei.tt werden, daß der Vertrag zu Recht bestehe und dem Publikum müsse der Beweis geliefert werden, daß AUeS gefchehe, wozu die Kontrolkommission nnd vie Gemeindevertretung berechtigt sei. Die Kommission beantrage deshalb eine Konventionalstrase von 15 fl. zu verhängen. Sollte der Un» ternehmrr die gerichtliche Liquidirung dieser Strafe oerlangen, so werde Herr Dr. Lorber als städtischer RechtSsreund znr Einbringung der Klage ermächtigt. Dieser Antrag »vird angenommen. Herr Gross weigert sich, trotz wiederholter weibliche Gestalt erblickte; sie saß wartend auf einem Steiubiock, in derselben Kleidung wie früher, doch in eine Art von Regenmantel ge-wick-lt. wie sie in dortiger Gegend bei Fcauen-zimmein der niederen nnd mittleren Stände üblich war. Als sie den Herankommenden gewahrte, stand sie auf und ging ihm einen Schiitt entgegen, seiner Anrede mit den Worten zuvorkommend : „Ich würde nicht so kühn und so anmaßend gewesen sein, Sie um eine Zusammenkunft zu ersuchen, wenn ich Ihnen nicht eine Angelegenheit von der allerhöchsten Wichtigkeit mitzutheilen hätte, welche aus keine andere Weise sicher und vollständig zu Ihnen gelangen konnle." „WaS es auch sein mag," erwiederte Schellenberg, „so freue ich mich, daß eS mir Beran-lassuug gab, Sie wieder zu sehen." Sie machte eii»e abwehi^ende Bewegung mit der Hand und sagte: „Es handelt sich um nichts Geringeres als um Ihr Leben." Mit ungläubigem Erstaunen sagte er: .DaS wäre freilich für mich die allerwich-tigste Angelegenheit." (Fortsetzung solgt.) Auffoldtkung von Seite der Könirolkommiflion, die Siuleitunft deS GaseS in die für die Konlrole adopttrteu Lokalitäten; da gütlich ein Resultat nicht erzielt worden, so stallt Herr Mo; Baron Rost im Namen der Kommission den Antrag: Herr Dr. Lorber werde alS städtischer Rechts-freund beauftragt, sofort gegen Herrn G. Graff die Klage aus Einleitung dcS GaseS in da» zur Vornahme der Koutrolmessungen im alten Kran-kenhause adaptirte Lokale anzustrengen. Dieser Antrag wird zum Beschluß erhot»en. Der Pforrhof in St. Magdalena soll durch Aussehen eines StockwerfeS erweitert werden und betrogen die Kosten 7129 st. Der Pfarrer ver^ langt, die Stadtgemeinde Marburg möge die LeitrogStheile übernehmen, welche auf die Gi-«einden Pobersch, Rothwein und Brunadors rnt« fallen und sei er dann bereit, die auf der Südseite deö SchulhaustS gelegene, jetzt alS Weg benutzte Grundfläche au die Stadtgemeinde ab« zutreten, die AnfsandungSurkuude zur grundbii» cherlichen Umschreibung deS SchulhouseS auSzu. fertigen und endlich den auf der Nordseite des PfarrhofeS gelegenen Gartenantheil zur öffentlichen Benützung (als Weg) freizugeben. Der fragliche Mehrbetrag beliese stch aus 800 fl. Herr ^r. Lorber beantragt als Berichterstatter. die Antrage deS PfmrerS abzulehnen. Hierüber entspinnt sich eine lange Debatte, an welcher sich außer Herrn Dr. Lorber noch die Herren: Max Baron Rast, Johann Girstmayr, Dr. Reiser. Mareo, R. V. Neupauer und Dr. Duchatsch betheiligen. Der SetlionSantrag wird angenommen. Wahrend der Berichterstattung war der Bürgermeister Herr Dr. M. Reiser erschienen. Der Bice-Bürgermeister Herr Dr. Duchatsch uvterbrach die Birhandlung, um demselben zur Genesung Glück zu wünschen und zu tieantragen, die Vertretung möge sich zum Zeichen der Freude von den Sltzen erheben. DuS geschah und der Herr Bürgermeister dankte. (Schluß folgt.) Theater. tiÜL Samstag den Sl. Oktober. — ^Ein glücklicher Familienvater", Lustspiel von Görner. Die Bezeichnung: Ein Ehemann ohne Frau, wäre passender. DaS Stück errang einen durchjchlageiideu Erfolg, welcher si»r den Dichter, wie siir die Darsteller gleich ehrcuvoll ist. Herr Kühle (Max Leichthin) gewann beiw Publikum ungethkiltea Beifall und tvir stimmen bei; denn dieser Schauspieler bethätigt ein unver-kevnbareS Talent und versiigt über eine große Mamgfaltigkett einschmtichelnder immer angemes-fener Modulationen der Stimme. WaS unS jc-doch schon einigemal srüher und auch diescSmal nicht gefallen hat, ist sein übertrieben lrlihaftes Geberdtn. Er hat seine Hände und Füße in ewigem Gebrauche, da eS doch ein aneikannter Satz ist, daß nur die großen BilveguNt^en deS Herzens sich äußerlich kund thun sollen, nicht aber jeder PulSschlag der Empfindung durch Zeichen der Empfindung kenntlich zu machen ist. Wir sind überzeugt, daß di'se Andrutung genügen wird, Herrn Kühle auf daS richtige Maß der Mimik zu führcn. — Frl. Strecker (Klara) war bei bester Laune, und daß Sie dann die Gabe schlecht zu spielen durchaus nicht besitzt, haben wir neuerdlngS bemerkt. Das iKH'paar „Rojen-berg" Dr. Dietz und Frl. Schubuth waren lang-weilig und lebhaft, wie rS s beSlied", komische Operette von I. Offenbach. — Absehend von jedem tjöheren Kunststreben vereinigt sich in solchen Dlchliingen Witz und Laune zur Satire und ihr einziger Zweck ist loseS Bcr-gnügen, ergötzliche Unterhaltung. Dazu gehört eine leichte Art zu spielen, ein bewegliche Gesang, dem man nicht anmerken soll, daß er eingelernt is?. — Ganz im Vet^eiisatze h.iben unsere Darsteller d«S Schicks evtbthrt, sich mühsam durch holprig gesprochene Prosa durchgearbeitet, um dann die prickrlnde Musik des Franzosen Odenbach mit aller Schwere deutscher GemilthSart wiederzugeben. Wir wollen nicht sagen, es sei schlecht gejun^len worden oder gar falsch. Im Gegenlheil, Note für Note ivar präzisirt und nur daran sanden rrir ktlNkN GesaUen, daß leicht-athmige Liebeslieder, beißende Spottge'änge mit elnem Auswand von Grfühl g«sungen tvurden, als gelte es einer tzeroischen Oper. Wir stehen nicht an, daS einzelne Gule anzuerkennen. — Frl. Berger (Friquet) «var un'.er den Sängern die einzige, wklche daS richtige Maß an Lebhaftigkeit getroffen hatte. So und nicht nnderi«, 0ls wir eS dargestellt sahen, ist sich dieses Schrttber^^ lein zu denken. — Frl. Albirti (^Zulenlin) sang mit silbekreiner Stimme gdnau nach den Noten, abik ausdruckslos und schw^ich. Sie zei^tt sich dem Publilum immer mit zugewendetem Gesichle und sprach und savg unbetve^lich an den Lampen unbekümmert um die Anderen, welche sonst noch auf der Bühne waren. Wir meinten anfänglich, eS tiiäre Schilchlernheit, w^^s dlcse Sängerin be-fanj,en machr, leider sind ivir darin »riauscht und müsse» gestehen, daß Sie als Schauspielerin ganz unvermögend ist. — Die Direktrice (Laurette) ist eine Sängerin, b,i der Stimme unv körperliche Reize vereinigt sind, um den angenehmst-n Ein. druck zu erregen. Ihr frischer Gesang wird durch keine tvelke. schmächtige Gestalt Liige gestraft, — leider, datz auch Sie in der Schauspielkunst eine Anfängerin ist. Ungelheiltes Lob verdient Herr Alberti(For-tunio). Villä. I^aQäsbvrg: VassuIivdL ^»rssäin: Usltvr,^ Die Lokalitäten der ehemaligen Filiale der steierm. Escompte-Bank am Burgplatz ivcrden sogleich im Ganzen oder auch getheilt vcrmiethet. (1067 Avis für Zagd - Zilhabcr, Wlidpreihändter, VeMgeiDlhier und Vcstllgkihändlrr! Der Oesierr. Hiiidtls- SlApproiiijiriiiigg» Vtni«, Fleischibtheilung, vormals F. Bahl, Großmarkthalle in Wien, kaust gegen Baar Wildpri^'t, alö: Hirsche, Rehe, Hasen, Fasane, Reb- und Haselhühner:c., und Gefliigel, besonders: Kapaune, Poulard und Jndiane (todt und gepiltzt), oder übernimmt auch den kommissionSweM Verkanf dieser Artikel und belehnt dieselbW mit Franco-Vorschüssen bis zum W?rth der Wnare. Adresse für Korrespondenzen und Waarenscndun-gen iliie oben. (1101 lus Nvrlist- unli V/intvl' Zaison —Ss!! likM III — von 35 tcr. u dölier, k'Isiiell uliü viimenluell in «Ile» karden, gl'osse V0U LImkävxtiiviKorQ nnÄ Vlaiü» erolsorwLssiLims. Der Gefertigte zeigt dem ?. '1'. Publikum an, daß vom 1. Oktober d. I. sowohl Vrauvkodilo als ?riks.ilvr ab Magazin pr. Zoll-Cntr. 42 Kreuzer kosten. Die Zustellung wird prompt und billig besorgt. 951) Herrengasit 102. Nl. 77S9. (lU6 Wahl-Ausschyibung. Nachdem in Gemäßheit deS Gesetzes vom 23. Dezember 1871 zum BeHufe der Erneue rungswahlcn des Gemeinderathes der Stadt Marburg für das ablaufende Jahr 1874 laut Kundmi'chung vom 5. September 1874 Z. 6559 die Wählerliften sechs Wochen hindurch zu Jeder-mannS Einsicht im Gemeindeamte ausgelegen sind, und das Protokoll der Einwendungen innerhalb der Präklusivfrist vom 19. bis 27. Okt. 1874 geschlossen ist, so wird die Vornahme der Wahlen hiemit ausgeschrieben und zwar: Für bell III. Wahlkörper mit drei Erneuerungswahlen für die austreten« den Herren Mitglieder Dr. Matthäus Reiser, Dr. Heinrich Lorber und Karl Flucher auf den I«. November 1874. Für den II. Wahllörper mit drei Erneuerungswahlen und zwar für den freiwillig ausgetretenen Herrn Karl Reuter, und für die auf Mandatsdauer der vor Ablauf deS Trienniums Ausgeschiedenen d.i. bis Ende 1874 gewählten Herren Andreas Nagy und Josef Lobenwein auf den IS. Niovember 1874. Fiir den I. Wahllörper mit vier ErncucrungSwahlen für die statuten-mäßig austretenden Herren Michael Marco und Ludwig AlbenSberg und für die auf Mandatsdauer bis 1874 gewählten Herren Ludwig von Bitlerl und Franz Perko auf den SßV. November 1874. Die Abstimmung ist mittelst Stimmzettel und wird an jedem Wahltage im Rathhause HauptplaK Nr. 96 um 9 Uhr Vormiltag beginnen und um 11 Uhr Vormitta,, geschlossen wkrdkn. —- Unmittelbar darauf wird von der Wahlkommisfion die Stimmenzählung bewirkt und das Ergebniß mittelst Anschlages am Ge» meindehause kundgemacht. Jedem Wahlberechtigten wird die Legilima-tionSkarte zum Eintritte in daS Wahllokale, welche nebst dem Stimmzettel der Wahlkommij-sion zu übergeben ist, zugesendet. Diejenigen Wahlberechtigten, denen die Le-gitimationskarte bis zum 14. November 1674 nicht zugestellt werden sollte, können dies.lbe beim Gemeindeamte selbst übernehmen. Marburg am 2. Novcmber 1874. Der Bürgermeister; Dr. M. R eiser. HsrlxirMr kmiipleliM. 8tanl! livi' Kvillvinlagvn am 31. Oktoder 1874: Os/W. S. Ein Pferd, Braun, 16 Faust hoch, guter Geher, zum Zug wie zum Reiten verwendbar, ist billig zu ver» kaufen. ^ (1115 Auskunft im Comptoir dieses BloiteS. Wem-Lizitlltioll. M't Ausnahme des eigenen Bevarfes werden an den nachstehenden Tagen die gräflich Bran-dis'schen heurigen Weinfechfungen an Ort und Stelle der nachfolgenden Besitzungen an die Meist-bieter gegen gleich bare Bezahlung mit oder ohne Gebinde verkauft und zwar: Am S. November d. I. von 10 Uhr Vormittags angefangen in Sauritfch, Bahnstation Moschganzen. Am 7. November d. I. von 11 Uhr Vorm. angefangen in RitterSberg, Bahn-station Wind.-Feistritz oder Pragerhof. Gräflich Brandissche Giiterverwaltung zu Marburg. (1112 Hmschafllicht« Arnlihch im vorigen Winter geschlagen, vollkommen ausgetrocknet, wird nach Klaftern und auch in kleinerem Quantum verkauft. Auf Wunsch wird selbes geschnitten und gehackt ins Haus gestellt. Bestellungen werden entgegengenommen und sofort esfektuirt in meinem Comptoir vis-k-vis der Glaehandlung des Herrn Wagrandl. IIIS)_e. Uul'ma^i'. Hausverkanf Ein vor 5 Jahren neu erbautes 2 Stock hohes, sehr solid gebautes Haus, woraus eine gemischte Waarenhandlung nebst Tabaktrafik im besten Betriebe besteht, sammt circa 1^/, Joch gut arrondirten Acker, Gemüse- und Baumgarten in einem sehr belebten, 1^/^ Meilen von Marburg enlferntcn Orte ist aus freier Hand zu verkaufen; das Waarenlagcr ist nach Ueberein-kommen abzulösen. — Nähere Auskunft ertheilt Herr /U. l'viiillKasko in Marburg. (1111 Ei« Lrhrjung oder Praklikant, wo möglich der slovenischen Sprache mächtig, findet unter sehr günstigen Bedingnngen sogleiche Aufnahme in der Leinen- & Currentwaaren-Handlung von s109t Josef Schrey'S Sohn in Marburg Heuriger Luttenberger Wei« die Maß um 4« kr. im Gasthause Buchsthrung. Mit 15. November beginnt ein neuer CurS der Buchführung und zw. in den Abendstunden von 7—8 Uhr speziell für Herren. Separat»Our» für Praktikanten deS Handelsstandes, der deutschen Schrift ziemlich mächtig, renommirter Firmen, gegen müßiges Honorar, mit 1. Dezember. (1102 Diesbezügliche Anmeldungen auS Gefälligkeit bis zum 12. d. M. bei Herrn E. Janschitz. Kirchenwein-Lizttation. Montag den v. November d. I. werden zu Lembach um 10 Vormittags vßV Eimer Kirchenwein, bester Pickerer heuriger Fechsung, sammt Gebinde lizitando hintangegeben. 1113)_Die Kirchenvorstehung Lembach. Ein «tU nMirttö Zimmer (^»1» im 1. Stocke gaffenseitig ist vom 1. Dezember d. I. an zu vermiethen: Obere Herrengasse Nr. 117. Errlärnng Zur Wahrung seiner Ehre erkläre ich hiemit, daß Herr Michel Loibl, Tischler am Kärntnerbahnhof, sich bei mir nie eine unehrenhafte Handlung zu schulden kommen ließ. 1117)_Alois Stanzer. Hausverkauf. DaS ehemals Kaufmann'sche HauS in St. Magdalena, Bahnhof-Straße, ist sammt dem Garten zu verkaufen. Unterhändler sind ausgeschlossen. (1120 _Johann Gschaider (Felberhos). KZI» svrtirtv» von (1110 sölir dilligeu Dreisen ömpüskit llerreußasss. sluä auvil aUo vinzvlnvn KSStanÄ-tkvilo uilä KläZvi- 2U pvtnolvum-l.ampvn dilliAst liadeu. Gin große» Gewößb am Domplahe ist sogleich zu vergeben. Anfrage bei C. Schraml. (100S de s « lU. bS s de Z »US leiaem kalmerstoii, mit LosenstoA oäer klüsvdkutter Hoektöine ^orte, »dAenäKt..... Line gute ...... xut xeküttert..... doodkeio, mit I'sI^ivÄrwsr »US Autow 8toö^ .... Vvrüiixliolie ...... in grosser . . . . ö. S. »S A« V tS 14 R« >4 R« uoo .ro/Zi/e Kelieikl in Alardur^. «V es s s s.« T.Ä> «erautVvrtltche Redaktion, Druck und Verlag tzsn Eduard 3a»schi> i» «aeburg S. «. St »