83. Dienstag den 15. October 1836. N a i b a ch. <^ie Landcsstclle'hat sich bewogen gefunden, die bei derselben in Erledigung gekommene letzte Guber-. nial-Concipistcn-Stelle, dem bisherigen Gubernial. EoncepW. Practicanten Eduard Fischer von Wi l-denser, zu verleihen. Laibach am 13. October I836. Königreich beivcr Kicilien. Neapel, 24. September. Nach Briefen aus Malta vom Ende Augusts hat der englische Gcncral-consul Waninglon in Tripoli berichtet, daß er von dcn arabischen Häuptlingen in Misurata an^egangen worden sey, die Vermittlung zwischen ihnen und dem Capudan Pascha zu übernehmen, um den Feindseligkeiten ein Ende zu machen. Die Hauptbcdmguna, welche dem türkischen Oberbefehlshaber vorgelegt wurde, ist dic unvcrzögcrte Abberufung des türkischm Geschwaders längs der Küste, gegen Bezahlung einer sehr bedeutenden Summe in barem Gelde. Bis jetzt war noch keine Übereinkunft zu Stande gekommen; auch schien wenig Hoffnung dazu vorhanden. __ Unsere Regierung hat Nachrichten aus Tunis vom 27. August erhalten, welche melden, daß wegen Mangels an Regen die Getreide-Ernte dort gänzlich mißrathen sey. Man besorgte bei Annäherung des Winters ci-ncn fernern Aufschlag. Am 29. September um ^ auf 7 Uhr Abends verspürte man zu Modcnacme kleine ErdersclMtenmg, welche wellenförmiger Art zu seyn schien. (W. Z.) ' In unserm Hafen werden zwei Fregatten aus. gerüstet/ die unverzüglich nach Spanien segeln sollen. Ter Zweck der Reise ist noch nicht bekannt; man ver- muthet, daß sie eventuell bestimmt seyen, die Körn-' ginn von Spanien Hieher zu bringen. (Mg. Z.) Am 23. September ist nach einem langen Kran. kenlager der Generalissimus der neapolitanischen Armee, Marchesc Nunziante, in einem Alter von 77 Jahren mit Tode abgegangen. Derselbe hat während der Negienmg dreier Könige die seltensten Beweise einer unwandelbaren Anhänglichkeit an sein Fürstenhaus abgelegt; er genoß aber auch diese ganze Zeit hin-durch cines unumschränkten Vertrauens seiner Sou-Vcraine. Der König, kaum zurückgekehrt von seiner Reise, besuchte ihn auf seinem Landsitze in der Nähe von Torre dell' Annunciata am Fuße des Vesuvs, wo er sich mährend seiner Krankheit aufhielt, und die neu entdeckten warmen Badcr (Thermen) gebrauchte, die er auf das Eleganteste auch zum öffentlichen Gebrauche hat einrichten lassen. Nunziante wa^ es, der den König Joachim Murat nach seiner Landung in Calabrien gefangen nahm. Der Vesuv sing am 23. Abends an etwas Feuer auszuwerfen; die Flammen stiegen zuweilen sehr hoch, nur konnte man es wcgen des hellen Mondscheins nicht deutlich sehen. Man erwartet eine baldige große Eruption. (Ost. B.) Sardinien- U Aus Genua meldet die dortige Zeitung unterm 1. October- Am gestrigen Tage ist eine dem Vl'ce.-Ki> mg von Ägypten gehörige, und von dem Capitän Hassan befehligte Knegsbrigg von 18 Kanonen u,?d 12» Mann Besatzung, von Alexandrien kommend, nach 30 Tagen im hiesigen Hafen eingelaufen. Am Bord derselben befindet sich Hr. Nayler, Bci crstec Gasse, und General in Diensten Er. Hohcit. 332 Schweiz. Der allgemeinen Schweizer Zeitung vom 4. d. M. zufolge hat der eidgenössische Staatsrath in Folge der französischen Note beschlossen: 1) die Tagsatzung außerordentlich aus den 17. October eir.zurufen; 2) alle Stande einzuladen, ihre Deputationen zu ernennen, und sie mit hinreichenden Instructionen zu versehen- . und 3) dem schweizerischen Geschäftsträger in Paris den Auftrag zu geben, jcde Verbindung mit der fran«' zösischen Regierung abzubrechen, und das Ministerium durch eine Note davon in Kenntniß'.zu setzen. <Öst. B.) Frankreich. Unter den zu Algier aus Eingebornen gebildeten Truppen zeichnen sich die Zoaves als Infanterie und die Spahis als Reiter aus. Erstere tragm, außer dem Turban, eine blaue, herabhängende orientalische Jacke von leichtem Tuche, mit rothen Schnüren geziert? weite rotye Beinkleider, welche aber nur bis zum Knie reichen, weiße Kamaschen und eine hell.-Naue Schärpe. Die Spahis tragen rothe türiische Anzüge, und haben eine glänzende Bewaffnung. Die Farbe ihrer Turbane, ^so wie ihrer seidenen Leibbinden, wechselt nach den verschiedenen Schwadronen. Sie tragen rothe Mäntel mit Kapuzen, und si»d tref-lich beritten. Sowohl durch ihren reichen Anzug, als durch ihre Thätigkeit aus dcn Vorposten, errinn-crn sie an die napoleonischen Mamelucken und an die russischen Tscherkessen. Sie werden von dem Obristen Marey> einem der ausgezeichnetsten französischen Kavallerie-Offiziere, commandirt, der die orientalischen , Sitten gut aufgefaßt zu haben scheint. Schweigsam und zurückgezogen in der Gesellschaft, ist er immer der Erste in der Schlacht. Um auch im Äußern in angemessener Übereinstimmung mit seiner Mannschaft zu stehen, ist sein Reitzeug mit echten Perlen reichlich geschmückt, und sein stolzes Pferd trägt ein Diadem von Edelsteinen. , (Allg. Z.) Spanien. , Ein königliches Decret vom 21. September erhebt die kleine Stadt Requena zum Rang einer «sehr Od^en und loyalen Stadt" zum Üohne für die von deren Einwohnern bei dem Angriffe des Gomez bewiesene Tapferkeil, und gewähr! ihr ein neues Wappen. (Ost. V.) Madrid, 27. Sept. Es ist durchaus kein Ge. heimniß mehr, daß es der Plan der Negierung ist, die Constitution völlig in monarchisch-aristokratischemSinne zu modisiciren und besonders die erste Kammer beizubehalten. __ Die Zeitung gibt ein pompöses Itinera- rium des Generals Nodil, ader sie hütet sich wohl, das Itinerarium der Carlisle« gegenüber zu stellen. Man weiß hier schon seit drei Tagen, daß Gomez über Puer-tollano und den Paß von Montizon in Andalusien ein-gerückt ist; daß der Schrecken sich bis nach der Carolina verbreitet hat, welche Stadt von den Autoritäten verlassen worden ist, ungeachtet man so viel Aufhebens von den Anordnungen Quiroga's gemacht hat. Seit gestern sagt kkan, d'aß Gomez in Ubeda eingerückt sey, und ich wüßte in der That nicht, wer ihm nicht nur dieses, sondern ^uch dasEinrücken inGranada verwehren könnte^ denn nach all dem Verlust, den erwirklich in dem Gefechte von Villarobledo erlitten haben mag, zählt seine Division doch 6 bis 7000 Mann zu Fuß und 7__800 Pferde. Das Resultat wird scyn, daß man in Andalusien etne neue Opkrationsarmee wird ausrichten müssen. Auf diese Art wird die Hauptarmee immer me.,r geschwächt. ___ In Catalonicn, wo jetzt der Marescal de Campo Marotto den Oberbefehl über die Carlisten führt, vereinigen sich wieder Massen von 6 ^_ 7000 Mann, und man sagt, auch Cabrera werde mit 3000 Mann in das Innere des Landes vorrücken. Die Viancha ist von Insurgentenhaufen überschwemmt, und einige zeigen sich schon in Estrcmadura; alle Posten und Diligence« sind unterbrochen oder wenigstens un^ sicher, und ich weiß wirklich nicht, wie es noch möglich ist, die Eorrespondenz mit den Provinzen zu unterhalten. (Allg. Z.) Das Journal des Debars vom 6. October enthält folgende telegraphische Depeschen: »Ba-yonne, 5. October 1836. Der Hr. Botschafter des Königs der Franzosen ist heute Morgens zu 2x> yonne eingetroffen. Er ist Willens, diesen Abend nach Madrid abzugehen." __ »Bayonne, 3. October 1836. Die Geschäftsträger von Neapel, Österreich und Sardinien haben Madrid verlassen und sind am 29. in Saragossa angekommen; die v?n Preußen und Rußland sollten ihnen folgen. ^__ Sanz ist am 27. auf dem Marsche nach Asturien durch Cabuerniga passirt. Ein neues Bataillon ist von S. Sebastian nach Gijon eingeschifft worden; die Carlisten benutzten dieß, um die Linie anzugreifen; es wurde am 1. sehr heftig gefeuert, aber ohne Resultat. Villareal ist nach Sali» nas zurückgekehrt." __ „Navonne, 4. October'1836. Die Carlisten, welche die Communicationen zwischen den Engländern und den Spaniem abschneiden wollten, haben am, 1. d. M. die Stellung von Alza, zwischen dem Hafen von Passages und S. Sebastian, angegriffen; sie sind aber zurückgeschlagen worden. Der Verlust war beiderseits beträchtlich. Man spricht von 5 bis 690 Mann auf Mr S-eite. — Der Ge. neral Sodil ist am 24. in Buendia angelangt. Der 333 Brigadier Alaix war am 23. noch in Villarobledo und schickte sich an, seine Gefangenen nach Chartha-gena zu führen." »Perpignan, 3. Oct. Abends. Der Brigadier Borso hat sichBeceyte's bemächtigt,welches geplündert und ganz verbrannt worden ist. Die car-listische Garnison, 4 bis 5U0 Mann stark, hat sich im Fort gehalten. Borso ist nach Tortosa zurückgekehrt. __ Die Wahlen der 21 Devutirten haben am 2. dieses Monats in Barcelona begonnen." (Öst. B.) Ein Journal hatte angekündigt, daß ein Schrei-ben von Madrid vom 25. Sept. von einem zweiten über Gomez durch den General Alaix errungenen Siege, wobei dieser neuerdings 600 Gefangene gemacht habe, spreche. Diese Nachricht ward auf der Börse durch mehrere Briefe bestätigt. iMan hat auch von einem andern über die Carlistcn von Rodilpersönlich davongetragenenSicge gesprochen, die ein Courrier aus Madrid vom 27. mitgebracht habe. Die dem Nodil als Obergeneral anvertrauten Vollmachten find sehr ausgedehnt. Er ist ermächtigt, Commando's zu ändern, abzunehmen und zu geben. Er kann alle Grade cnhcilcn; seine Befehle sollen die Kraft königlicher Ordonnanzen haben. Die spanischen Patrioten, welche die Thätigkeit und Energie Rodils kennen, hoffen die besten Folgen von dieser temporären Dictatur. In Navarra suchen sich die Carlisten auf mehreren Puncten zu befestigen. Die Arbeiten sind zu Elisondo und Urdach begonnen. Die Negierung hat von Pcrpignan folgende Depeschen erhalten: »29. Sept. 1836. Gestern um 7 Uhr Abends hat Maroto mit 3000 Mann Infanterie und 200 Pferden Alp bei Puycerda besetzt, wo man die Sturmglocke lautete. Die Bewohner der spanische« Cerdagna flüchten haufenweise auf unser Gebiet." .- »30. Sept. Maroto hat Alp am 29. Morgens mit WU0 Mann bei Annäherung des Gurrea mit 2000 Mann und zwei Attlllcriesiückcn geräumt. 600 Christines und Soldaten von Puycerda, die auf dem Col de Vosas zu früh angegriffen hatten, wurdm von den Carlistcn zurückgeschlagen, und dei Ankunft, Gurrca's wieder außer Gefahr gebracht; Gurren verfolgte den Maroto bis nach Molina, und kam Abends nnt seinem Haufen nach Puycerda zurück. Die letzten Eourriere von Valencia sind nicht in Barcelona angekommen." (Mg. Z.) D o r t u ss a l. Mit dem Dampfboote »Liverpool" sind neuere Nachrichten aus Lissabon in London angelangt, welche in Lond. Blättern mitgetheilt werden: Die Kö- niginn ist erkrankt, doch scheint^D-e Krankheit nicht von Bedeutung zu seyn, da kei^Büttetins ausgegeben werden. Sie hat sich ge^lgert, einer Anzahl Ossiziere, welche gekommen waren, um ihr Verfahren bei dem jüngsten Aufstande zu rechtfertigen, Audienz zu ertheilen, und scheint bereit zu seyn, ihren Pallast zu Brlem unverzüglich zu verlassen und sich an Bord des vor demselben ankernden brittischcn Linienschiffes »Malabar" zu begeben, sobald die Verhältnisse Be-svrgniß einzustoßen geeignet wären. Am Bord jenes Schiffes hatte bereits der Herzog von Terceira ei-ne Zufluchtsstätte gefunden, doch ist derselbe bald darauf in seine Wohnung am Lande zurückgekehrt. Der Gemahl der Königinn, Prinz Ferdinand, bat seinerseits gegen die der Königinn abgezwungene Annahme der Constitution protestirt. Die Herzoginn Vraganza hat auch unter den ge, gcnwärtigen bedrohlichen Umständen ihrem edlen Charakter gemäß gehandelt. Obgleich die Königinn sie nicht immer mit der gehörigen Rücksicht behandelt bat, und obschon es nicht cn Personen fehlte, welche sich bemühten, bei dieser Gelegenheit die Interessen der Mutter und der Tochter von einander zu trennen, su hat die Witwe Dom ^rdro's doch auf das Bestimmteste erklärt, sie werde die Königinn unter keinen Um, ständen verlassen, sondern ihr Schicksal, welches es auch seyn möge, theilen. Diese Erklärung hat sie schriftlich abgegeben, und ihr Beispiel wurde durch die Infantinu Dona Isabella Maria, die frühere Re-gentinn von Portugal, befolgt. (W. Z.) Lissabon, '19. September. Die Pairs beschäftigen sich in diesem Augenblick damit, eine Proteste tion zu unterzeichnen, deren näherer Inhalt im Pu-blicum noch nicht bekannt ist. Alles deutet darauf hin, daß eine Reaction binnen kurzer Frist wahrscheinliche Aussichten auf Erfolg böte, besonders wenn dieselbe von 2000 Engländern unterstützt würde. Man vcrsi.-chert, das Cabmett von St. James habe sich gegen die Regierung erboten, 2000 Mann von seinem Ge-schwader landen zu lassen, sobald eine Achtung gebietende Abtheilung Nationalmiliz sichM dieCyartc und die Königinn erklärt haben werde. Der Prinz, dcr bei einer solchen Combination eine bedeutende Rolle spielen könnte, hat einen Tagsbefchl an die Armee erlassen, der zugleich sein politisches Glaub msbckcnrtt-niß und seinen Abschied an die Truppen enthält. Abschriften desselben sind in der Stadt vertheilt worden. Dieses noch nicht ossiciel bekannt gemachte ActeiistüL lautet: »Am Morgen des 14. Portugiesische Solda- 334 - tm! Mit VedaMn nehme ich Abschied von euch. Mit Stolz hatte Mdie Ehre des Oberbefehls über diese tapfere Armee^Menommen, die ihr edelstes Blut für die Eroberung der konstitutionellen Charte vergost sen hatte __ jener freiwillig von der Krone ausgegangenen Charte, die der Nation so sichere .Bürgschaft bor__jener Charte, für welche der Vater eurer Königinn , der Held von Oporto, sein Leben ließ — jener Charte, welche euch als Banner diente, um das ;hr euch in der Stunde des Leidens und der Schlacht schaartct, die von dem letzten Athemzuge der Märtyrer der Azoren, von Cordello, Almoster und Asserceira angerufen ward, und die euch den für den Sieg dc^' gerechten Sache eurer Königinn über Druck und Tyrannei erforderlichen Muth einflößte. Diese Charte ward in der Nacht vom 9. unter die Füße getreten? und am Vorabende der Versammlung der Vertreter der Nation Gewalt an ihre Stelle gefetzt. Ich maße nur nicht an, Richter über das Verdienst der verschiedenen Constitutioncn zu seyn; aber empörend ist cs für mein Gefühl, zu sehen, daß die bis jetzt unter dem ein'' stimmigen Zuruf eines dankbaren Volkes angenommene Charte Don Pedro's für das wahre Glück von Portugal nicht mehr genügen sollte. Ich will warten, bis die Nation sich selbst erklärt hat, und werde das Commando über die tapfern Waffcngefä'hrtcn des Kaisers __derer, die sich nebst ihm zu Oporto und Mantello mit Lorbern bedeckten, die unsterblich und unbefleckt bleiben sollten __ nicht eher wieder übernehmen, als bis Disciplin, Gehorsam und Ordnung in der Armee wieder hergestellt sind, und sie wieder zu den Traditionen Don Pedro's zurückgekehrt seyn wird." (Öst. B.)