Wahljpruch j Was wir.begehren »on der Zukunft Fernen SeS Brot und Arbeit uns gerüstet steheil, Dth. Mkere Kinder in der Schule lernen, nicht mehr betteln gehen D. Herwegh. IBERER Televlm Rr. 8885. Zer Scheckkonto 38.415. Afenba Zentralorgan des Oesterreichischen Eisenbahn-Personales. RedaMon: Wien V/i, gentagaffe Nr. 5. Redaktlonsschluh: 2»>el Tage vor dem Erscheinen des Blattes. Sprechstunden sind leben Tilg mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage von 10 Uhr vormittags bis ’/a< Uhr nachmittags. Jnsertionspreis: D!e zweimal gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 40 Heller. Bei Iahresauftrag Rabatt. Abonnements-Bedingungen: Halbjährlich...............................Kr. 2'8b Ganzjährlich............................... „ 5-78 Für das Deutsche Reich ganzjährlich Mk. 6'—. Für da« übrige Ausland ganzjährlich 9 Franken. Erscheint jeden 1., 10. und 80. im Staat. Nr. 29. , den 10. Sttober 1911. 19. Fahrs. Schüsse im Parlament. Am Donnerskag bei der Eröffnungssitzung des österreichischen Parlaments hat ein junger Mann auf den Justizminister Ritter v. H o ch e n b u r g e r geschossen. Viermal feuerte von der zweiten Galerie des Hauses ein aus Dalmatien zugereister Tischlergehilfe gegen die Ministerbank, ohne glücklicherweise jemand zu verletzen. Der Mann gab bei seiner Verhaftung cm, er sei Sozialist und er wollte den Justizminister erschießen. Die Tat, so wahnwitzig, so aller logischen Zusammenhänge entbehrend, wie sie ist, qualifiziert sich für jeden Vernünftigen als die Hairdlung eines Wahnsinnigen, mit dessen Gemüts- und Seelenverfassung sich die psychiatrische Wissenschaft noch zu befassen haben wird. Wer schon hat die Reaktion den Versuch gemacht, die Tat des Mannes, der eben erst nach Wien gekommen ist, der Sozialdemokratie an die Nockschöße zu hängen und der Ministerpräsident Baron Gautsch war jC§, der als erster die unerhörte Beschuldigung gegen die Sozialdemokratie — nein, nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern gegen Dr..Adler im besonderen erhob, die Schuld an der Tat zu haben. Weil der wahnsinnige Attentäter während Adlers Rede seine Schüsse abseüerte, erkühnte sich Gautsch, die Tat mit der „aufreizenden" Rede Dr. Adlers in Zusammenhang zu bringen! Und er hatte weiters die Dermeffenheit, zum Beweis^ dafür eine Rede zu zitieren, die Adler in Favoriten gehalten hat. Mit schreiender Stimme verlas er aus der „Arbeiter-Zeitung folgende.Sätze Adlers: „Das Bezeichnende und das Wichtige ist, daß wir leider sehen, daß Tausende und Hunderttausende von Menschen in Gefahr sind, einfach von Verzweiflung ergriffen zu werden; daß Hunderttausende von Menschen anfangen, sich zu fragen: Was ist uns das Leben wert? Bevor wir verhungern, verrecken, wollen wir wenigstens Rache nehmen an unserem Feinde!" Wohlgemerkt, nicht als seine eigene Aeußeruug hatte das Adler verbracht, sondern als die Stimmung weiter Kreise', die er ausdrücklich als Gefahr bezeichnete! Aber Gautsch glitt über die ihm nicht passenden Worte, ging über das „leider" uitd über „die Gefahr" rasch hinweg und schrie kreischend in das Haus die letzten Worte dieles Satzes. Als ob Adler geraten hätte, Rache zu nehmen. Und dann fügte er noch stolz hinzu, daß er sich nicht fürchte und daß die Autorität des "Staates nicht weichen werde. Aber sofort stellten die Sozialdemokraten in Zwischenrufen fest, daß Gautsch nicht nur den von ihm zitierten Satz entstellt habe, sondern daß er mit Bewußtsein den so entscheidenden oarauffolgenden Satz unterschlagen. Während die deutschnational-christlichsoziale Meute dem Ministerpräsidenten zu seiner Festrede gratulierte und ihm wie besessen applaudierte, schrien ihm die Sozialdemokraten zu: „Weiterlesen! Lesen Sie auch den nächsten Satz vor! Fälscher! Fälscher!" Aber Baron Gautsch war nicht dazu zu bewegen, die Wahrheit zu sagen.... Wörtlich steht nämlich im nächsten Satze: „Ich leite diese Gefühle nicht und Siesollen sie auch nicht teilen." Und dann weiter: „Denn der Verstand muß Ihnen sagen, daß mach jedem Tage der Explosion ein weiterer Tag kommt und daß mit solchen Explosionen nichts gewonnen i ft und manches mitunter eingebüßt wird an Kraft, an Bereitschaft it nd vor allem an Erziehung, d i e w ir 'am notwendigsten brauchen." Jeder, der unseren Adler kennt, Weiß, daß er nicht zu denen gehört, die selbst im Polizeisinne „aufreizen". Und weiß, daß es seine bewußte Infamie des Baron Gautsch war, die Vorstellung erwecken zu wollen, als ob die Revolverschüsse des Mannes ans Sebenico mit Adlers Rede irgenwie Zusammenhängen. Aber die Schüsse vom Donnerstag kamen der Reaktion gerade recht. Die christlichsoziale und deutschnationale Presse wütet wie besessen gegen die Partei der Arbeiter, und möchte gerne, daß die ganze Teuerungsbewegung durch Ansnahmsgesetze erstickt werde. Das ist doppelt unklug von den Leuten, in deren Reihen Fanatiker aus nationalen und religiösen Motiven wiederholt sich zu verbrecherischem Wahnwitz verleiten ließen. Ist doch erst vor wenigen Jahren der politische Statthalter Gras Potocki einem Attentat eines n a t i o n cirl i st i s ch e n ruthenischm Studenten zum Opfer gefallen. Und wie in Oesterreich, so auch anderwärts, so selbst in Deutschland. Wir erinnern nur an das Attentat, das der christlich s o z i a I e Böttchergeselle Kullmann im Jahre 1874 auf Bismarck als den Urheber des Kultur-kampfgefetzes verübte. Auch damals suchte Bismarck das Zentrum für den Attentäter verantwortlich zu machen. Hatte doch Kullmann das Zentrum als seine Partei bezeichnet und ans die Frage nach den Ursachen des Attentats geantwortet, er wollte Bismarck „w egen der K i r ch e n g e s e tz e" töten. Als damals Bismarck im Reichstag erklärte: „Ja, meine Herren vom Zentrum, verstoßen Sie den Mann, wie Sie wollenf er hängt sj,ch doch,an Ihre Rock* schoß e", da antwortete ihm das „P^ ui!" des Grafen B a l l e st r e m. Und Windhorst erklärte: „Ich bringe nun den Fall des unglücklichen Kullmann zur Sprache. (Stufe links: Unglücklich?) I a, jeder Verbrecher ist iit meinen Augen ein U »glücklicher. Jedes menschliche Gefühl, jedes deutsche Herz muh die Tat verdanpnen, denn sie ist ein (Schandfleck vor ganz Deutschland. Wenn in den schweren Kämpfen, die uns bewegen, mit solchen Waffen gefachten wird, so sage ich, i st genug des Unglücks über Deutschland gekommen, aber die Tat mit bestimmten Parteien und Persönlichkeiten in Verbindung zu bringen, das geht entschieden zu weit. Kullmanns Tat war schändlich, schändlich aber auch das Verfahren der offiziösen Presse, und die Minister des Innern und der Justiz sind gegen diese Ausschreitungen nicht nur nicht eingeschritten, sondern sie haben im Gegenteil sofort ihre berüchtigten Rundschreiben erlassen." Und noch weniger als damals dem Zentrum kann man diese Tat der österreichischen Sozialdemokratie anhängen. Der Attentäter war vor drei Tagen ans Sebenico in Dalmatien nach Wien gekommen. In dem entlegenen Städtchen existiert überhaupt feine sozialdemokratische Organisation, wie ja in ganz Dalmatien kaum Anfänge einer Parteibewegung vorhanden sind. Ein unglücklicher Zufall machte es überhaupt erst möglich, daß er eine Karte ins Parlament bekam. Der exaltierte Bursche, der den Lärm angerich-tet hat — Schlimmeres ist ja zum Glück nicht geschehen — kommt den bürgerlichen Parteien recht gelegen. Sie, die Schuldigen an der Teuerung und allen ihren Folgen, glauben jetzt eine günstige Gelegenheit zu haben, die Aufmerksamkeit des Volkes von ihren Sünden abzulenken. Es ist die alte Geschichte. Je unerträglicher die Not, je größer die Erregung im Volke, desto begieriger suchen die Herrschenden eine Hetze gegen die Sozialdemokratie, die Anklägerin und Feindin ihrer Ausbeutungsgelüste, zu inszenieren. Schuldig an dem Attentat sind allein diejenigen, welche die Not der österreichischen Bevölkerung bis zu einem Grade gesteigert haben, daß Unreife und Halbverrückte zu solchen Untaten sich verleiten lassen. Die Schuldigen möchten nun gerne die Nutznießer des Attentats werden. Aber der Rauch dieser Schüsse wird rasch verflogen sein. Das Proletariat läßt sich in seinem Kamps gegen die Teuerung nicht Beirren, weder durch die verbrecherische Dummheit eines einzelnen, noch durch die interessierte Lügenkampagne, die die Herrschenden jetzt gerne entfesseln möchten. Die Zeiten sind vor* bei, wo solche Mittel verfangen haben. Das hum gernde Volk will Brot und Arbeit,, es durch- schaut seine Feinde und weiß, daß es nur einen zuverlässigen und unerschütterlichen Freund hat, seine Partei, die Sozialdemokratie. Der „Eisenbahner", erscheint in einer Anklage von 46t000 Exemplaren« Sie Resiernngrvorlase fiit die Staatsangefteüte». Angeständnisse der Regierung an die Eisenbahner. — Die neuen Stenervorlagen als Jnnktim. Das Rezept, womit die Regierung die Erregung unter den Eisenbahnern zu meistern gedenkt, ist also fertig und liegt nunmehr der Öffentlichkeit vor. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom Freitag den 6. d. M. hat der Finanzminister gleichzeitig mit vier neuen Stenervorlagen, die als Junktim gelten, einen Gesetzentwurf über die Erhöhung der Aktivitätszulagen der Staatsbeamten und Diener dem Hanse übermittelt, durch welchen „d i c wesentlichsten 20 ü n s ch c des Staat 3 6 ahn persona l s" erfüllt werden sollen. Die „wesentlichsten Wünsche der (Staatsbahnbediensteten" sollten, wenn man den Wortlaut der Regierungserklärung vom 97. September d. I. nachliest, nach den Absichten der Regierung befriedigt werden. Wie also stellt sich die Regierung die Erfüllung dieser w e s e n t l i ch st e n W ü n s ch e vor2 Nach dem in der Regierungsvorlage niedergelegteu Plan stellt sich der beabsichtige und für das Jahr 1912 budgetierte Mehraufwand aus folgenden Posten zusammen: Kronen Für die Staatsbeamten......................... 10,045.000 Für die Angestellten der Staatsbahnen, die nicht Staatsbeamte und Staatsdiener sind.................................. 11,000.000 Für die Diener und UntcrBcnmten deä Staates einschließlich der Sicherheitswache .... Für ähnliche Maßnahmen für gewisse Kategorien von Bediensteten der Post- und Telegraphenanstalt, Kanzleioffizianten, Kanzleigehilfen, Aushilfsdiener und andere vertragsmäßig Angestellte sowie Arbeiter Für die Gendarmerie. *........................ Für die Finanzwachmarmschaft........... . . . . 480.00C Gesamtaufwand............................rund 33.000.00fl Die Bedeckung erfolgt in nachstehender Weise: 1. Durch den präliminierten Mehrertrag deS Personal-steuergesetzeS ............................. 15.000.00C 2. Gebühren von Versicherungsleibrenten und Versorgungsverträgen. veranschlagt.................. 3,400.00t 3. Gebühren von Totalisateur- und Buchmacherwetten sowie Maßregeln zur Unterdrückung des Winkelwettwesens, veranschlagt..................... 4,000.000 Gesamtertrag...................................23,400.000 Der Rest von.................................. 10,600.000 soll im Eisenbahnressort durch tar i f arische Maßregeln und Ersparungen im Betrieb und in der Verwaltung beschafft werden. Von den für das Personal der Staatsbahnen in Rechnung gestellten 14 Millionen Kronen sollen nach den Darlegungen des Finanzministeriums die Erhöhungen der Quartiergelder der Staatsbahnbeamten (veranschlagt mit zirka 3 Millionen Kronen), Unterbeamten und Diener (veranschlagt mit zirka 6 Millionen Kronen), ferner der ortsklassenmäßigen Zulagen der Bahnoffi-ziantinnen und der Taggelder der Manipulantinnen (veranschlagt mit zirka 60.000 Kr.) und schließlich da Taglöhne der Arbeiter der österreichischen Staatsbahnen (veranschlagt mit zirka 5 Millionen Kronen) zur Durchführung gebracht werden; natürlich werden die Taglöhne nicht in Bausch und Bogen erhöht werden, sondern das wird sich „den individuellen Ver» Haltnissen anpassen müssen". Daß diese 14 Millionen Kronen, die die Regierung für die Staatsbahner hergeben will, nicht im entferntesten an deren als dringlich zu betrachtende Wünsche heranreichen, ist klar. 14 Millionen Kronen sind, in ihrer Totalität Betrachtet, sicherlich eine ganz nette Summe. Aber was will man damit richten/ 2,820.009 5,100.000 560.000 (wenn es sich um die Nok von mehr als 200.000 Leulen handelt, die unter dem Drucke der furchtbaren Teuerung leiden und die sich nur durch eine entsprechende Erhöhung ihres Einkommens retten können? Das kann natürlich mit einer Gesamtsumme von 14 Millionen Kronen auf keinen Fall bewerkstelligt werden und es kann von einer Befriedigung der unaufschiebbaren Forderungen mit so billigen Mitteln keine > Rede sein. Wie unzulänglich sich die genannte Summe für die Durchführung der dringlichst notwendig gewordenen Maßnahmen erweist, mag sich an folgender Aufstellung ermessen lassen. Eine 20prozentige Lohnaufbesserung für die Arbeiter allein kostet 13 Millionen Kronen, wozu noch die Automatik für dieselben mit einem Kostenaufwand von 6 Millionen Kronen kommt. Die E r-weiterungderNebenbezügeist mit 12 Millionen Kronen zu veranschlagen, die Verbesserung der Vorrück ungsfri st en für Diener mit 1 Million Kronen, die Kosten des Ausgleichs der bestehenden Härten mit 5 Millionen Kronen und schließlich eine 26prozentige Ouartiergelderhöhung für U nt erbe a m t e und Diener mit 7 Millionen Kronen u. s. w., was zusammen weit über den eingestellten Betrag hinausreicht. Mit diesem Zugeständnis, das weit hinter den dringlichsten Notwendigkeiten zurückbleibt, kann also die sozialpolitische Einsicht der Negierung Wohl kaum erschöpft sein. Der Weg, der beschritten werden muß, wenn die Ruhe unter den Eisenbahnern endlich einkehren soll, ist in dem von den Abgeordneten T o m s ch i k und Dr. Ellenbogen int Parlament cingebrachten Antrag mit aller Deutlichkeit vorgezeichuet. Er lautet: , „Die allgemeine Verteuerung der Lebensmittel und Wohnungen hat die Lage des gesamten Personals der Staatsbahnen überaus verschlechtert. Die Erfüllung der Forderungen, die die organisierten Eisenbahnbediensteten an die Staats-bahnverwaltung gestellt haben, ist um so dringender notwendig, als eine passive Resistenz oder gar ein Ausstand auf den Eisenbahnen der ganzen Volkswirtschaft empfindlichen Schaden zufügen würde. An Mitteln, die Forderungen ver Eisenbahner zu erfüllen, kann es dem Staate nicht fehlen. Vor wenigen Monaten erst hat der Finanzminister im HeereS-auSfchuß der Delegation in Budapest auseinandergesetzt, daß daS Budget „elastisch" sei und neue Belastungen sehr wohl ertragen könne. Hat die Mehrheit der Delegatio-nen 312 Millionen für neue Kriegsschiffe b e-willigt, so kann die Regierung die bescheidenen Forderungen der Staatseisenbahn be-d i e n st e t e n nicht a b l e h n e n. Die Erfüllung dieser Forderungen wurde gewiß weniger kosten als ein einziger Dreadnought. Uebrigens ist cs — wenn die Regierung eine besondere Bedeckung für die Erfüllung dieser Forderungen beansprucht — unschwer möglich, ohne B e-lastung der Volks Massen neue Steuerquellen zu erschließen. Das Parlament wird gewiß bereit sein, zu diesem Zwecke die P er sonal einkomm ensteu er derjenigen Steuerträger, die ein Jahreseinkommen von mehr als 210.000 Kr. haben, zu erhöhen, die Befreiung der Mitglieder des kaiserliches Hauses und der Offiziere von der Einkommensteuer au fzu heben, die Gründest euer in eine progressive Steuer vom landwirtschaftlichen Ertrag zu verwandeln und aus der Mehrbelastung des Großgrundbesitzes dem Staate viele Millionen zuzuführen. Auch durch Ersparungen nicht nur im Herr° wesen, sondern auch in der übrigen Verwaltung einschließlich der Staatsbahnverwaltung selbst und durch Entziehung der den Kapitalisten und Agrariern aus dem Staatsschatz gewährten Begünstigungen' — wir verweisen nur auf die Liebesgaben an die Spiritusbrenner — könnten viele Millionen für die Erfüllung der Bedürfnisse des Staatsbahnpersonals frei werden. In keinem Falle aber kann man dem Staatsbahnpersonal zumuten, daß es deshalb auf die Erfüllung seiner gerechten Forderungen verzichten müsse, weil die Regierung zuerst in der Zeit des Konkordates die Staatbahnen um lächerlich niedrige Beträge an das Großkapital verschleudert und sie dann nach Jahrzehnten bei der Rückeinlösung überzahlt hat." Es werden dann die bereits bekannten Forderungen der Eisenbahner aufgezählt, worauf es im Antrage weiter heißt: „Wir halten die Erfüllung der Forderungen der organisierten Eisenbahner für notwendig und stellen darum den Antrag: Die Regierung wird aufgefordert, diese Forderungen der organisierten Eisenbahner vollständig, und zwar mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober 1911 ab, zu erfüllen." Mit den 14 Millionen Kronen, die die Regierung geben will, farm also nur der A n fang z u einer sozialpolitischen Tat gemacht sein. Und deshalb werden sich sowohl die Regierung wie die bürgerlichen Parteien schon jetzt mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß von unseren Genossen im Parlament die entsprechenden Verbesserungsanträge zu der Vorlage derRegierung gestelltwerden, wozu schon jetzt mit allein Nachdruck erklärt werden muß, daß es bei der in der Regierungsvorlage niedergelegten B r o-samenpolitik nicht bleiben kann und nicht bleiben darf. Bemerkenswert ist es, daß bei dieser Unzulänglichkeit einer sozialen Fürsorgeaktion für die bürgerliche Presse jetzt schon das Junktim die brennendste Sorge bildet. Die „Neue Freie Presse" voran erklärt, daß die Regierung die ihr drohende passive Resistenz zu einer Waffe benütze, um vom Mittelstand neue Steuern zu erpressen, und kategorisch fordert sie, „daß das Junktim fallen m ii f s e". Da die Regierung aber für den Fall, als die Steuervorlagen nicht akzeptiert werden, auch die Vorlagen für die Staatsangestellten zurückziehen würde, so muß diese Haltung, die nicht allein von der kapitalistischen „Neuen Freien Presse", sondern auch von dem National Utrband nahestehenden Blättern, wie zum Beispiel der „Z e i t" uud dem „Neuen Wiener Journal", eingenommen wird, zum besonderem Gedächtnis aller Staatsangestellten wohl vermerkt werden. Es ist ja wahr, daß der Regierung noch andere Quellen offen stehen, woher sie Geld für die Bedeckung nehmen könnte, und die sozialdemokratischen Anträge haben diese Quellen wiederholt auf gezeigt — aber schließlich treffen die neuen Steuer», die die Regierung für die Bedeckung der Kosten der Staatsangestellten-vorlage plant, durchaus nicht die Armen. Die P e r s o n a l e i n k o m m e n st e u c r soll von einem Jahreseinkommen von 10,000 Kr. aufwärts in entsprechend steigender Progression bei größeren Einkommen erhöht werden, wobei die Mehrleistung von einem Einkommen von 10.000 bis 11.000 Kr. ganze 7 Kr. ausmacht. Dieses Mitleid, das bei 10.000 Kr. aufwärts anfäitgt, ist also wohl doch zu verdächtig, als daß man die „neue Belastung, die dem Mittelstand droht", ernst nehmen könnte. Jedenfalls kann man nach der Haltung der bürgerlichen Presse zu schließen um so mehr begierig auf die Haltung der bürgerlichen Volksvertreter sein. Sie haben bisher mit Versprechungen und radikalen Zusicheruugen nicht gegeizt. Sie werden nun auch bald zeigen müssen, ob sie auch dafür zu haben sind, die Mittel zu beschaffen und die Regierung zu zwingen, durch eine ernste sozial* politische Tat die Notlage der Eisenbahner entw lich zu mildern! * * * Die Versammlung dev Wiener Eisenbahner vor der Parlamentseröffnnug. Es war eine ernste, eindrucksvolle Demonstration. In langen, geordneten Zügen kamen am Abend des Mittwochs den 4. Oktober, die Eisenbahner aus de# einzelnen Stadtteilen zur Versammlung in den Sofiensälen angerückt, die zu dem Kommunique der Regierung Stellung nehmen sollte. Schon um halb 8 Uhr waren Saal und Galerien überfüllt und noch immer kamen neue Scharen, die sich auf den Stiegen stauten. Von Abgeordneten nahmen Dr. Ellenbogen, R i e g e r, Max Winter und Grigorovici an der iöersamnn lung teil. liebte schon der Massenbesuch der Versammlung einen mächtigen Eindruck, so wurde er noch verstärkt durch den imponierenden Verlauf. Nachdrucksvoll, kräftig, ernst und dabei jedes Wort überlegt waren die Ausführungen der Redner, und mit sichtlichem Ernst und tiefem Verständnis wurden trotz aller Erregung die Reden von den Versammelten ausgenommen, was be4 sonders bei den Ausführungen über die Taktik auffiel, Wer diese Versammlung mitmachte, fühlte: diese erregten Leute sind sich ihrer Kraft und ihrer V e r a n wort u u g bewußt; sie werden nicht leichtfertig zum Aeußersten greifen, aber wenn man ihrem Elend nicht-rechtzeitig ein Ende macht, sind sie zu alle m e n t-j schlossen und werden den Kampf mit der Ueberlegent heit und der Schlagfertigkeit eines wohldisziplinierteir Heeres liefern. Regierung und Parlament werden gut tun, diese Versammlung mit dem ernsten Mahnruf den Eisenbahner zu beachten. Telegramme und Begrüßungsschreiben hatten! gesendet: die organisierten Eisenbahner von £>£>er< Hollabrunn, die am 3. Oktober stattgesundene Eisen* öahncrversammlung in Reichenberg, die organi* fierten Eisenbahner von Gmün d, die gleichzeitig mii derselben Tagesordnung tagende Eisenbahnerversamm-lung in Bodenbach, die oragnisierten Eisenbahner von W e i ß k i r ch l i tz und die W e r k m c i st e t bet Werkstntte Gm ii n d. Abgeordneter Tomschik begrüßte die Versammlung im Namen der koalierten Vereine und schlug für da? Präsidium vor: Karl Kühn (Lokomotivfiihrerverein)^ Johann T ö g e I (Kondukteurverein), Konrad Höf er (Werk- und Maschincnmciftcrbcrein), _ Franz Brandt (Bahnmcisterverciu), Verthold König (Zentralverein der österreichischen Eisenbahnbeamten) und Josef, Schwab (Gewerkschaft). Die Vorgeschlagenen wurden einstimmig gewählt. Als erster Redner sprach Abgeordneter Genosse Tomschik: Geehrte Anwesende! Genossen! Wie Ihnen allen ja lebhaft in Erinnerung ist, hat die sozialdemokratische Gewerkschaft und die mit ihr koalierten Organisationen die jetzige Eisenbahnerbewegung, besser gesagt Aktion zur Verbesserung der Lage der Eisenbahner, welche durch die Teuerung trostlos geworden ist, am 3. September 1911 dklrch die Reichskonferenz und am 4. Sep« tember 1911 durch die große Versammlung beim W i M-berge r eingeleitet; das muß hier konstatiert werden, da es Leute gibt, die sich jetzt, nachdem wir die Bewegung einge» leitet haben, gerne als die Herren der Situation aufspieleck möchten. (Heiterkeit bei den Versammelten.) . Wir haben Ihnen, werte Genossen, bei der 2Bim6ergcr beiter ins Land rufen. Die Gelben aus dem Süden des großen^ Reiches sind nicht gerade die besten Kinder ihres Landes. So mancher Desperado ist darunter, der daheim schon ein lange» Sündenregister hatte, viele sind Opiumraucher, alle Spieler. Doch alle sind straff organisiert in den hier im äußersten Süden des asiatischen Kontinents besonders tätigen geheimen Gesellschaften des Landes; und wenn der Weiße nur einmal die Nerven verliert oder Krankheit ihn ans Bett fesselt, st ist es aus mit ihm und seiner Autorität, alles würde druntel und drüber gehen, Zehntausend an Wert verloren sein und das ganze Unternehmen wahrscheinlich zum Stillstand ge* langen. Wenn der schwere, jungfräuliche Boden umgegrabeit wird, so stellt sich als ungebetener Gast das Fieber ein und Hunderte von Arbeitern werden oft dahingerafft. Noch heute geht die Redensart im Lande: „Unter jeder Schwelle der Koratbahn liegt ein toter Chinese." Ein Grausen vor den bösen Geistern erfaßt oft genug die Uebrigbleibenden und st mancher kehrt voll Entsetzen dem Lande den Rücken. Tag und Nacht brennen die Lampen auf den Altären in den leichten Wohnschuppen der chinesischen Arbeiter» um b« Besucht nur Lokale, in welchen der „Eisenbahner" aufliegt! “TT ß £ _rt ft der Situation aufmerksam machen und daß wir die Negierung mahnen, die Geduld des gesamten Personals nicht länger zu mißbrauch e n, d a sonst die Eisenbahner, gezwungen durch die Notlage, zum Aeußersten getrieben Würden. Ferner wurde die Zentralleitung (sowie koalierten Vereine), die gewählten Vertrauensmänner, PersonalkommissionS-Mitglieder, Arbeiterausschüsse sowie die sozialdemokratische Fraktion des Abgeordnetenhauses, Parteileitung und Ge-werkschaftskornmission beauftragt, die notwendigen Vorbedin-(jungen hcrbeiznfck,affen, damit der furchtbaren Notlage abgeholfen werde. (Lebhafter Beifall.) Der massenhafte Besuch der Versammlung beim Wim-bcrger sowie die Erregung der Eisenbahner hat damals schon der Regierung gezeigt, datz diesmal die Sache nicht so einfach ,st. Was tat die Regierung nun? Sie veröffentlichte am 16. oder 17. September in den Zeitungen eine Art Commimiquö, ut welchem sie zuerst unsere Behauptung zu widerlegen verflicht, das; sie die den Eisenbahnern schon früher gemachten Zugeständnisse trotz aller ernsten Vorstellungen, irntfi nicht vollständig durchgeführt hat, indem sie erklärte, sie habe seit dem Jahre 1905 35 Millionen (Große Bewegung und Rufe: Wir haben nichts.davon!) aufgewendet, um die gemachten Zugeständnisse durchzuführen und die Lage der Eisenbahner zu verbessern. . Was die nicht durchgeführten oder nicht eingehaltcnen Zugeständnisse betrifft, ist unsere Behauptung richtig, und zwar ist ausständig die Erfüllung der Zugeständnisse betreffend die allgemeine Einführung im günstigsten Sinne geregelter Lohnvorrückungssysteine, die Gewährung von Urlauben an Arbeiter, die Einführung von Arbeitsordnungen und Regelung der Arbeitszeit der Arbeiter, die Einführung des zwölf» bis vierundzwanzigstündigen Dieustturnnfses für Kohlen-arbeitet, die schrittweise Einführung des zwölf- bis vierund-zwanzigstündigen TurnusseS im exekutiven Dienste in größeren Stationen und für Maschinen- und Werkmeister, die Nichtverschlechterung der Diensttnrnussc des Fahrpersonals, die Errichtung von Bcdicnstetcnwohngebäuden, die Verbesserung der Postennormierung sowie die Verbesserung des Verhältnisses zwischen llnterbcamten- und Dienerposten und betreffend Die Einführung der Minimalkohlcnprämie. Nun stimmt aber auch die Rechnung mit den 35 Millionen nicht. Ich will da nur einen großen Umstand hervor-heben, und das ist eine Summe von 7*5 Millonen Kronen, welche man sofort von den 35 Millionen in Abzug bringen muh und welche die Regierung als eine Ausgabe zur Auf-bcfferung der Lage der Eisenbahner gerechnet hat. Diese 7'5 Millionen Kronen betreffen den Perfonalhäuferbau. (Rufe: Das sind doch unsere Fondsgelder! Dieses Geld müssen wir doch verzinsen!) Diese Summe wurde von der Regierung als eine Ausgabe gerechnet, obwohl sie nur eine Investition bedeutet. Der Grundankauf und der Häuserbau kann doch beim besten Willen nicht als eine effektive Ausgabe gerechnet werden. Es »erringen sich also diese 35 Millionen sofort auf 27-5 Millionen. Nach unserer Rechnung hat die Regierung im Jahre 1005 und 1906 5 Millionen, im Jahre 1908 und 1009 14 Millionen und im Jahre 1911 zur Automatik der Beamten 700.000 Kr., sagen wir also zusammen rund 20 Millionen Kronen verwendet. Es besteht also zwischen der Rechnung der Regierung und unserer Rechnung eine Differenz von 7-5 Millionen Kronen. Wir geben, zu, daß die Einführung der erhöhten Anfangsgehalte, Verkürzung der Vorrückungsfristen im» Einreihung der Wächter in die Dienerkategorie und der folgenden Avancements gegenüber dem Zustand vor dem Jahre 1006 auch einige Millionen, bei dem großen Personalstand nichts Unglaubliches, „gekostet: haben wird. Ob dies nun 7'5 Millionen ausmacht, läßt sich von uns schwer nachrechnen. Nehmen wir aber an, die Summe von 27-5 Millionen stimmt. Nun frage ich, was bedeutet da« bei dem großen Pcrfonalstand von 200.000 Mann, den die Regierung in ihrem Communique selbst anführt? Diese Auf-bcfferung beträgt durchschnittlich per Kops und Jahr Kr. 137-50. Wenn wir nun die enorme Steigerung der Lebensmittel» und Wohnungspreise ins Auge fassen, welche seit dem Jahre 1905 eingetreten ist, so muß doch jeder einsichtige Mensch sagen, das ist ein Pappenstiel. Nicht nur diese Kr. 137-50, sondern viel mehr wurde den Eisenbahnern durch die Teuerung aus dem Sacke gestohlen. Man kann ruhig sagen, das Doppelte. (Beifall und Rufe: Sehr richtig! Wir fpüren's! Wir müssen jetzt hungern!) Was ist also den Eisenbahnern von der Ausbesserung geblieben? Nichts! , Allerdings müssen wir sagen, wenn wir diese Ausbesserung nicht durchgesetzt hätten, wieviel schlechter wäre es noch um die Lage der Eisenbahner bestellt? Wenn mm die Regierung heute mit diesen 27-5 Millionen Aufbesserung in die Oeffentlikcheit rückt, als ob das ihr Verdienst wäre, so müssen wir daran erinnern, welch harte Kämpfe, wieviel Maßregelungen eS gekostet hat, bis die Regierung mit diesen wenigen Millionen herausgerückt ist. Ich erinnere hier nur an daS Jahr 1908, wo wir im Budget« auSschuß unseren bekannten 20 Millionen-Antrag gestellt hatten, wie die Regierung und die bürgerlichen Parteien int Parlament gegen diesen Antrag loSgezogen und diesen nieder» gestimmt haben. (Pfui! Schande!) Welch schwere Mühe es uns kostete, endlich anstatt 20 Millionen 14 Millionen zu erreichen. Was sagt nun die Regierung in diesem Kommunique weiter? Sie erklärt, die Staatsbahnverwaltung muß sich, da eine Aktion für das Gesamtpersonal viele Millionen erfordern würde, zunächst darauf beschränken, wenigstens den in den ungünstigsten EntlohnungSverhältnissen stehenden und von der Teuerung am empfindlichsten getroffenen Kategorien die LebeSführuna zu erleichtern. ES fallen die Arbeitslöhne ab 1. Oktober 1911 aufgebessert, die Lohn-antomatik durchgeführt werden. Nach Zulänglichkeit der Mittel wird auch weiterhin mit der Verbesserung der materiellen Lage der untersten Bcdicnstetenkategorien fortgefahren werden. Die W o h n n n g S f ü r f o r g e t ä t i g k e i t fort in großzügiger Weise und möglichst beschleunigt werde». Die Beschaffung der Lebensrnittel soll dadurch erleichtert werden, daß Sie bis zu einem bestimmten Höchstgewicht Lebensmittel frachtfrei zugestellt beziehen können. (Ruse: Wo sind denn billige Lebensmittel zu haben? Wer gibt uns das Geld für Lebensmittel?) ES foll eine Erweiterung deS BezugSrcchteS auf Freifahrtscheine zum Einkauf von Lebensmitteln eintreien. Für Arbeiter foll das Bezugsrecht von ein auf ein halbes Jahr herabgesetzt werden. Die Erholungsurlaube sollen vom stabilen Personal noch in diesem Jahre auSgenützt werden, und cS sollen E r-holungsUrlaube für Arbeiter unter Fortbezug des TaglohneS gewährt werden. Die Herausgabe der A r-b e i t S o r d n u n g e n foll am 1. Jänner 1912 stattfinden. Nun hören Sie und staunen Sie. Als wir fragten, welcher Betrag auf Grund dieses CominuniquöS für die Arbeitslohnerhöhung und Lohnautoinatik in Aussicht genommen sei, so hieß e6: 1 Milli»n Kr»nen. (Lebhafte EnirüstungSrufe.) Wenn wir nun die anderen auf Grund dieses Kommuniques in Aussicht genommenen Aufbesserungen ins Kalkül ziehen, so können wir sie, wenn wir splendid sind, ebenfalls mit 1 Million Kronen bemessen. Die WohnunaSfürsorge ist natürlich nicht mitzurechnen, da sie die Staatsbahnverwaltung so lange nichts kostet, als diese nicht aus die 4prcißcntigc Verzinsung des JnvestitionskapitalS verzichtet, respektive die Zinsen an die Fonds, ans denen die Gelder genommen werden, ans Betriebsmitteln deckt. ES war also von der Regierung vor dem 17. September nur eine Ausbesserung von zirka 2 Millionen Kronen geplant, da man vorgab, keine Mittel zu finden. Die Regierung hotte also vor dem 17. September noch nicht den Ernst der Situation erfaßt und war der Meinung, die Sache mit ein paar lumpigen Millionen abtun zu können. Nach dem 17. September ist der Regierung doch ein Licht cmfgegnngen, daß diesmal die Bewegung der Eisenbahner nicht so leicht abzufertigen ist. Die Erregung herrscht nicht mir allein bei den Eisenbahnern, sondern auch unter der gesamten arbeitenden Bevölkerung. Die Regierung mußte auch ein» sehen, daß infolgedessen die Bewegung der Eisenbahner mit Gewaltmitteln nicht so leicht zu unterdrücken ist. *m 18. September sprachen ich und Abgeordneter Dr. Ellenbogen beim Leiter de? Eisenbahnministerium» vor, um mit ihm die Vorsprache der Vertreter der koalierten Vereine (Gewerkschaft, Lokomotivführer-, Kondukteur-, Bahnmeister», Werk- und Maschinenmeisterverein, und Zentralverein der Eisenbahnbeamten) zu besprechen. Bei dieser Besprechung äußerte sich der SektionSchef Ritter v. R ö l l, daß er die Abgeordneten mit den Bedienstetenvertretern zugleich nicht empfangen könne, da der bekannte Bicnerthfche Erlaß ihm dies nicht gestatte. Er empfange die Abgeordneten allein und die Bedienstetenvertreter allein. Auf das hin erklärte ich, daß dieses getrennte Vorsprechen bei einer Vorführung durch Abgeordnete keinen Sinn habe, da c5 leicht zu Mißverständnissen Geister zu •bannen. Der skeptische Sohn des htmmlichen Reiches, der sonst fast nur zum allmächtigen Dollar betet, wird hier fast fromm, wenn sich feine Frömmigkeit auch nur in besonders krassem Aberglauben äußert. Der deutsche Ingenieur harrt aus, bis er zusammen-bricht, ein glänzendes Beispiel der Pflichttreue für alle Nationen. Unbeirrt streckt sich unter seiner Leitung der eiserne Strang immer weiter hinein ins Land. Wo noch vor kurzem das gefräßige Krokodil faul im Sumpfe lag, wo der Tiger ungestört dem Hirsch und Wildschwein nachging, wo unzählige Affen morgens und abends die Luft mit ihrem Geschrei erfüllen, wo die seltensten bunten Vogel und Schmetterlinge in der Lust gaukelten, da pfeift heute die Lokomotive. Hütten und Dörfer entstehen dort, wo noch vor kurzem unabsehbarer Urwald war, der Chinese läßt sich nieder und bleibt im Lande, in dem er ein gewisses Ansehen genießt. Er nimmt sich die landeseingeborne Siamesin oder ein Laos-mädchen zur Frau, die ihm, dein Arbeitsamen, gern von den Eltern gegeben wird, er hält sie und ihre zahlreiche Nachkommenschaft gut, wird bald bodenständig und gelangt zu einer gewissen Wohlhabenheit. Die gelbe Flut dringt auch hier unaufhaltsam vorwärts und eine neue Rasse ist int Entstehen begriffen. Wo die Klugheit und Energie des Weißen das Land erschließt, hat der Chinese den unmittelbaren Nutzen davon. Und die denkenden Führer des siamesischen Volkes sehen die erfreuliche Erschließung des bisher fast verschlossenen Landes mit Genugtuung vor sich gehen, sie wissen, daß das ständig vorwärtsdringende Dampfroß Zentralisierung der Macht, Mehreinnahmen des Staatssäckels und endgültiges Ende der SelbstättdigkeitSgelüste der innerhalb der Landes-grenzen wohnenden fremden Volksstämme bedeutet. Aber eine gewisse Besorgnis beschleicht sie doch bei dein Gedanken, daß der unermüdliche bezopfte gelbe Nachbar numerisch immer stärker im Lande wird und daß im gleichen Maße auch sein Selbstbewußtsten steigt. Nicht umsonst hat Siam im ^ergangenen Jahrzehnt ein modernes Volksheer geschaffen und eine ganze Reihe feiner Prinzen und anderer jungen Leute zur militärischen Ausbildung ins Ausland gesendet. Durch eigene Kraft ist eS ihm nicht möglich, sein an Schätzen aller Art reiches Land zu erschließen; nun gilt cs, die sich an-siedelnden fremden Elemente im Zaum zu halten. Datz ihm das gelingt, beweist die schnelle Niederschla-yung der von den geheimen chinesischen Gesellschaften als Protest gegen die Kopfsteuer int Jahre 1910 angczcitctten offenen Revolte. Der Asiate zeigte bei dieser Gelegenheit, daß er es immer noch am besten versteht, den Asiaten zu behandeln. Rührseliger Humanitätsdusel gehört nicht zu den Charaktereigenschaften des Siamesen. Der herrschende Siamese versucht in jeder Weise, den Chinesen im Lande zum wahren Siamesen zu machen; so muß der im Lande geborne Chinese seinen Zopf abfchneidett und feine Jahre im Heere abdienen. Eine sehr gesunde Maßregel. Auf seinem exponierten Posten steht heute der siamesische Gendarm dem deutschen Ingenieur treu zur Seite. ES gibt hier Zeiten, in denen der Ingenieur nicht ohne Masse daS Haus verlassen kann und wie der Soldat auf Vorposten im Feindesland auSharrcn muß, auf der Hut vor dem Chinesen. Dann fühlt man so recht den großen Unterschied zwischen China und dem kulturell diesem in vieler Beziehung überlegenen Siam. Hier hat jeder Siamese den Nutzen und Wert der Eisenbahn erkannt; hier hemmt keine Korruption und systematische VolkSverhetzimg den einmal begonnenen Eisen» bahnbau; hier wird die Eisenbahn allgemein mit Freuden begrüßt. Die Fürsten der unterworfenen Stämme des Landes, die, abgelöst durch hohe Pensionen, gleichsam als Grand» feigncitrS unter ihren ehemaligen Untertanen leben und hohes Ansehen genießen, machen gern von der Eisenbahn Gebrauch, haben die Verbilligung und die damit verbundene Annehmlichkeit der Reise voll erkannt und sind erst kürzlich in Bangkok für den augenblicklich in Frage stehenden Weiterbau der Bahn eingetreten. Vor einiger Zeit war ich Ohrcnzenge, wie der Tfchan von Schiengmai, der mächtigste der Vasallen des Königs von Siam, als er seufzend von der bequemen Eisenbahn auf feinen Reifcclefantcn stieg, dem nun schon viele Jahre als Vorkämpfer in der Dschungel arbeitenden bayrischen Landsmann I Ingenieur E. sagte: „Bitte, bringen Sie mich doch gleich j weiter nach Schiengmai!" Unaufhaltsam hält so die größte Erfindung des Verkehrswesens, die Eisenbahn, ihren Einzug in die unzugänglichen Tropengebiete, und wir können daheim stolz daraus sein, daß es deutsche Landeskinder sind, die hier in aufopfernder Arbeit Vorbildliches als Ingenieure und Träger westlicher , Kultur leisten und deutscher Gewissenhaftigkeit und deutschem Fleiß zu neuem Ruhm verhelfen. führen kann. Mir ist c$ tu diesem Falle lieber, wenn die Vertreter der koalierten Vereine allein vorsprechen. Im übrigen bin ich der Ansicht, daß die Vorführung durch Abgeordnete nicht viel fruchtet, wenn die Bedienstetenvertreter nicht imstande sind, bei der Vorsprache die Sache der Eisenbahner auch selbst zu vertreten. Die Hauptsache ist doch die Organisation, die hinter den Bedienstetenvertretern und hinter den Abgeordneten steht, ohne diese können die Bedienstetenvertreter und auch die Abgeordneten nichts richten. (Lebhafte Zustim-mungSrufe.) Entschuldigen Sie, daß ich Sie, werte Versammelte, mit solchen Nebensächlichkeiten belästige, aber es muß fein, da die nationale Kselitien nach dem bekannten Nichtempfang ihrer Deputation, der sich der Abgeordnete Buribal mit aller Macht aufdrängett wollte, in den Blättern die Nachricht veröffentlichte, daß ich dem Leiter des Eisenbahnministeriums gegenüber erklärt hätte, daß e6 mir lieber ist, wenn ich allein empfangen würde. Was mit der Absicht veröffentlicht wurde, mich bei den Eisenbahnern zu verdächtigen. Ich habe hierauf eine Notiz in der „Arbeiter-Zeitung" veröffentlicht, in welcher die Sache richtiggestellt wurde. Trotzdem hatte der Präsident der Eisenbahnbeamten, Herr Richter die Geschmacklosigkeit, diese Lüge der nationalen Koalition in der deutschnationalen Versammlung in der Volkshalle, welche vorigen Samstag stattfand, zu wiederholen. Der Zweck ist Verleumdung. (Ruse: DaS sind die nationalen Ehrenmänner! Pfui!) Die Herren wurmt es eben, daß sie nicht die Herren der Situation sind. Am 2 0. September haben nun die Vertreter unserer Koalition die Forderungen des Gcsanttpersonals überreicht. Sie haben die Sache sehr kurz gemacht, indem sie die Regierung auf den Ernst der Situation aufmerksam machten und ersuchten, daß matt den Forderungen ehebaldigst Rechnung tragen soll. Am 2 6. September hat nun die Regierung ein neuerliches Kommunique von sich gegeben (Heiterkeit in der Versammlung.), in welchem sie erklärt, daß von ihr eilte Erhöhung der Ouartiergelder der Beamten, Unterbeamten und Diener, Erhöhung der Arbeitslöhne unter gleichzeitiger Regelung der Lohnautomatik, sowie eine Aufbesserung der £) f f i z i a n t i n it e it und Manipulanti n n e tt geplant i st. Zum Schluß wird vor der passiven Resistenz gewarnt. Ueberhaupt wurde von der Regierung bisher mehr gewarnt als gegeben. Als ich und Abgeordneter Genosse Dr. Ellenbogen ttitS hierauf im Eisenbahnerminiftcriuni über die Höhe der Stimme, die zu den Aufbesserungen verwendet werden sollen, erkundigten, hieß eS, die Höhe der Summe könne vorläufig nicht bekanntgegeben werden. Es werden Vorlagen im Parlament eingebracht werden, es handle sich um viele Millionen, da auch eine Aufbesserung der Lage der Staatsbediensteten im allgemeinen geplant sei, und daher die BedeckuttgSsrage im Parlament auch zur Sprache komme. Als hierauf am nächsten Tag ich und die Abgeordneten Genossen Dr. Adler, Dr. Ellenbogen und Seitz bei dem Ministerpräsidenten vorgesprochen, erfuhren wir, sowie die Herren Nationalen, daS will ich hier betonen, über die Hohe der Du mm e nichts. AllerdinigS erklärte der Herr Minister-Präsident, daß er sich deS Ernstes der Lage bewußt sei, daß die Regierung etwa? luSgiebigeS machen wolle und daß ein Junktim zwischen Forderung und Bedeckung geplant ist. Allerdings fei damit nicht der allgemeine Finanzplan gemeint, sondern eS fei nur geplant, neben dem Aufbesserungsentwurf für die Bediensteten einige kleine Gesetzentwürfe bezüglich der Bedeckung dem Parlament vorzulegen, und zwar in der ersten Hälfte deS Monat? Oktober. Allerdings müsse er auch hinzusetzen, daß nicht alle Forderungen erfüllt werden können, da die Summe, die d« notwendig wäre, für die Eisenbahner allein 70 Millionen ariSmachen würde. Es werden nun die Forderungen der Eisenbahner im Parlament, welches von morgen an wieder Sitzungen hält, in kürzester Zeit zur Sprache kommen und da die Regierung erklärt, daß sie sich des Ernstes bewußt ist, mit dem die Eisenbahner an ihren berechtigten Forderungen festfjalteit, so erwarten wir, daß die' Regierung in ihrer Vorlage etwas AuSgiebigeS bringt, denn die Situation würde ernster als je zuvor sein, wenn sich die Eisenbahner in ihren den Verhältnissen entsprechenden Erwartun-gen enttäuscht sehen würden. (Ruse: Sehr richtig! Dann komints zur Explosion!) Darüber, daß die sozialdemokratische Fraktion im Parlament alles Zweckentsprechende Vorkehren wird, um die Forde» rungen der Eisenbahner sachgemäß und mit ganzer Kraft zu vertreten, glaube ich kein Wort verlieren zu müssen. Ob dasselbe auch vom deutschen Nationalverband sowie von den anderen bürgerlichen Parteien zu erwarten ist, wollen wir vorläufig abwarten. Die Herren haben zwar außerhalb des Parlaments versprochen, dies zu tun. WaS sie aber im Parlament halten werden, können wir vorläufig nicht sagen. Das Vertrauen zu den Herren scheint bei der nationalen Koalition selbst nicht groß zu sein. Hoffen wir, daß sich auch diese Herren des deutschen Nationalverba,ideS ihrer Verantwortung bewußt werden, und daß sie die Sache der Eisenbahner nicht verraten. Heber die Taktik der nationalen Koalition, deren Drohung mit dem Ultimatum und passiver Resistenz auf Raten und über ihr jetziges Aufblähen, als ob ihr Ultimatum die Regierung gezwungen hätte, etwas Ernstes zu tun, will ich im gegenwärtigen Augenblick, wo es die Einheit der Aktion der Eisenbahner gilt, nur so viel sagen, daß die Herren mit ihrem aufgeblasenen Radikalismus nicht das Verdienst haben, daß die Regierung sich deS Ernstes der Situation bewußt würde. Der 17. September war es, welcher der Regieruung die Erregung der Gesamtbevölkerung deutlich zum Bewußtsein brachte und sie auf den Ernst der gegenwärtigen Lage aufmerksam machte. (Stürmische Ruse: <5 o ist’s! D a war kein Nationaler darunter!) Wenn Sie sich heute so massenhaft hier versammelten, so zeigt dies, daß Sie Taten, nicht Versprechungen sehen wolle», und der Eindruck Ihrer heutigen mächtigen Demonstration wirb seine Wirkung tun. Unsere Versammlung ist eine ernste Mahnung, die den Herren die Entschlossenheit der Eisenbahner zeigt, für ihre Forderungen einzustehen. (Lang, anhaltender stürmischer Beifall.) Abgeordneter Genosse Dr. Ellenbogen führte so. dann nachstehendes ans: In dieser Eifcttbahncrbelrcgung hat die Frage, welche Taktik die Organisation zu befolgen hat, die größte Rolle gespielt. Wir meinen, daß. wenn eine Körperschaft, wie eS die mehr als 200.000 Eisenbahner darstellen, Forderungen erhebt, so sind vor allem Geschlossenheit und Einigkeit und Disziplin notwendig, mehr Disziplin noch als im Dienste. (Beifall.) Die Eisenbahner sind in einer äußerst schwierigen Lage, weil sie, wenn sie den Verkehr lahmlegen, nicht nur ihren Unternehmer treffen, sondern alle Bürger. Wer einen Krieg führen will und nicht vorher alle Gefahren erwägt, der verdient, schon vorher erschossen zu werden. (Stürmische Zustimmung.) Die passive Resistenz ist eine Blutigernste Sache und die muß überlegt werden. Wir machen ja nicht passive Resistenz um jeden Preis, und wenn sie unS erspart werden kann, so ist es niemandem lieber als uns. (Lebhafter Beifall.^ Sorget dafür, datz der „Eisenbahner" anch vom reisenden Publikum gelesen werdet Wozu haben wir beim ein Parlament? Das soll sein m -£U ^ " antwortung übernehmen. (Tosender Beifall.) Wir greifen zur passiven Resistenz, wenn er sich gezeigt hat, daß eö mit anderen Mitteln nicht geht. Aber solange die anderen Mittel nicht erschöpft sind, hat man mit ihr zu sparen. Da gibt es aber Hyperradikale, die sich in .Szene setzen möchten und die gleich mit der passiven Resistenz Beginnen wollen. Es ist ein Verbrechen an der Eisenbahner--schaft, Spaltungen herbeizufüyrcn. (Beifall und Rufe: Die werden ja dafür bezahlt!) Wir wollen, daß die Regierung aus unserem Vorgehen ersieht: Das find Leute mit . c..r a,n t w o r t l i ch k e i t s g e f ü h l, die gehen nicht leichtfertig los, aber wenn sic l o s g e h e n, dann i st ’ S gefähr--Xich. (Stürmischer Beifall.) Die Regierung muh sich über den Ernst der Situation klar sein und muh wissen, bah mit Äsungen die Frage nicht zu lösen ist und auch nicht mit Polizeisabeln und Flintenkugeln. (Bravo! So ist eSI) Wir haben unseren Zwanzig-Millionen-Antrag gestellt zu ein er Zeit, da der Staat einen Ueberschuh halte. Damals nannte I wcin ihn einen „demagogischen" und jetzt sind wir den Herren, ' die unseren Antrag niedergestimmt haben, zu bescheiden, und sie überbieten uns an Radikalismus. Gut, wir Sozialdemokraten sind die Minderradikalen und so dürfen wir den Radikalen der Nationalen vielleicht sagen: Jogele, geh du voran! (Tosender Beifall.) Hoffentlich haben sie auch große Stiefel und Nicht nur das protze Maul. Wir werden sehen; aber cs macht sehr den Eindruck, bah es den Abgeordneten vielleicht angenehmer wäre, wenn die Eisenbahner ihre Haut zu Markte trügen, damit sie im Parlament nichts zu tun brauchen. Im Parlament muh gepfiffen werden. Die Radikalen sollen nur so radikal sein als sie wollen; sie können uns gegenüber jede Schmutzkonkurrenz treiben. Nur vorwärts! Wenn sie voran stehen, wir werden schon hinten tüchtig nach schieben! (Brausender Beifall.) Wir stehen der Sache kühl und ruhig und im vollen Gefühl unserer Verantwortlichkeit gegenüber; aber sollte uns der Kampf aufgezwungen werden — ich hoffe, bah es nicht notwendig fein wird — dann werden wir ihn mit der alten Entschlossenheit, mit dem alten Opfermut und hoffentlich auch mit voller Sieg-haftigkeit führen. Jetzt aber heiht er die Verhandlung d-S Parlaments abwarten und ruhig Blut behalten. (Stürmischer, sich immer erneuernder Beifall.) Hierauf sprach das Vorstandsmitglied des Zeutral-'vereines österreichischer Eisenbahnbeamten Genosse Pröll: Unsere Vertrauensmänner haben der Regierung wiederhott die Not der Eisenbahner geschildert. Man hat sie nicht gehört. DaS Volk ist am 17. September dann wegen der Not auf die Straße gestiegen und wir mit ihm. (Stürmischer Beifall.) ES sind auch Opfer gefallen. Ehre ihrem Angedenken! (Brausender Beifall.) Die Regierung hat zuerst vertrauliche Mahregelu gegen unsere Not ergriffen: Drohungen mit Maßregelungen. (Heiterkeit und Rufe: Damit geht'« nicht!) Man witb| unsere Forderungen erfüllen müssen: es ist das Notwendigste, was wir gefordert haben, da kann nichts abgezwackt werden, wenn das Elend nicht weiter bleiben soll. (Rufe: Da gibt'S nichts zu handeln!) Zum Schluß der Versammlung ergriff nochmals Abgeordneter Genosse Tomschik das Wort/ um auS-zuführen: Der niederösterrcichische Landtag hat den LändeSeisen-bahnern jetzt Forderungen bewilligt — freilich erst, nachdem die Christlichsozialen am Wahltag geprügelt worden sind. Wir möchten die Nationalverbändler daran erinnern und ihnen ganz selbstlos raten, dah sie vor Prügeln ihre Pflicht den Eisenbahnern gegenüber erfüllen. Die Eisenbahner werden auf ihrem Rechte aufS Leben bestehen. Ich empfehle Ihnen folgende Resolution zur Annahme: Die heute am 4. Oktober in den Sophiensälen in Wien tagende Massenversammlung der Eisenbahner aller Kategorien erklärt, an den von den koalierten Vereinen überreichten Forderungen f e stz u h a l te n, und erwartet sowohl von der Regierung als auch von den bürgerlichen Parteien des Abgeordnetenhauses ihre ehebaldigste Erfüllung. Sie erklärt, daß die bisher von der Regierung abgegebenen Erklärungen, so lange darüber nichts Näheres bekannt ist, in keiner Weise als befriedigend zu betrachten sind und dah dieselben schon mit Rücksicht auf ihren unklaren und zurückhaltenden Wortlaut keineswegs geeignet find, die immer weitcrgreifende Erregung unter dem Personal irgendwie abzuschwächen. Die Versammelten erklären, dah die unausgesetzt weitersteigende Teuerung der Lebensmittel und Wohnungen rasche Hilfe zu einem Gebot u n a u S w e i ch l i ch st e r Notwendigkeit gemacht hat, und erwarten insbesondere von allen Parteien deS Parlaments, dah sie ihrem Versprechen gemäß nunmehr auch die wirklichen Taten folgen lassen. Schließlich erklären die Versammelten, in entschlossener kampfbereiter Haltung zuzuwarten und jederzeit in disziplinierter Eintracht den Weisungen ihrer Vertrauensmänner Folge zu leisten. Die Resolution wird unter allgemeinem Beifall ieinstimmig angenommen. Der Vorsitzende Schwab mahnt noch, sich auf der Straße nicht provozieren zu lassen und des Rufes der Vertrauensmänner zu späteren Aktionen gewärtig zu sein, und schließt dann die imposant? Versammlung. Der Abmarsch. Nach der Versammlung wälzte sich eine unübersehbare Menschenmenge durch die M a r x e r g a s s e. Auf der Straße war überflüssig viel Polizei Aufgeboten, die aber nichts zu tun bekam. Bei der Marxcrbrücke ließen die dort stehenden Wachorgane nur einen Teil der Abziehenden, die zwischen den locker stehenden Wachleuten durchmaschieren konnten, durch und lenkten den anderen in die Lastenstraße ab. In der Großmarkthalle allein waren dreihundert Wachleute untergebracht. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Ans der Provinz. Eiseubahuerversammlung in Innsbruck. Innsbruck ist eine der Hauptstätten der nationalen Eisenbahnerdemagogie. Der dortige Leiter der deutschnationalen Eisenbahnerorganisation, ein sicherer Ingenieur S u s k e, benützt nicht nur die' jetzige Bewegung zu selbst für unsere Verhältnisse beispiellosen Verleumdungen und Lügen gegen die sozialdemokratischen Führer, sondern hat sogar gegen den Wunsch seiner eigenen Koalition noch nach deren Abblasen am 1. Oktober als Termin für die Resistenz festgehalten. Dieser mahloS eitle, jedes Verantwortungsgefühls bare Herr kann seinen Durchfall bei der letzten Rcichsratswahl nicht verwinden und benützt nun jede Gelegenheit, um seinen siegreichen Gegner. Genossen 81 Bram, in der Öffentlichkeit herabzusetzen und für sich eine anwidernde Reklame zu machen. In einer am 2. d. M. in den Stadtsülen abgehaltenen überaus zahlreich besuchten Eisenbahnerversammlung wurde nun mit der Lügentaktik dieses Herrn gründlich abgerechnet. Nach einer die Forderungen des Personals zergliedernden Darlegung des Genossen A. Müller und einer für die widerspruchsvolle und verlogene Taktik des Suske vernichtend zerfasernden Kritik der Genossen Dr. Ellenbogen und ßlbram wurde folgende Resolution angenommen; Die am 2. Oktober in Innsbruck massenhaft versammelten Eisenbahner aller Kategorien protestieren energisch gegen die herrschende Teuerung. Sie erklären, dah es ihnen nicht mehr möglich ist, noch länger unter den durch die Teuerung herbcigcführten elenden Verhältnissen zu leben. Die Versammelten verlangen von der Regierung energisch eine entsprechende Milderung der Teuerung einer-seits, anderseits die sofortige Erfüllung der von der Organisation überreichten Forderungen. Sie erklären sich nach Anhörung ihrer Vertrauensmänner bereit, vorläufig mit dem Beginn des Kampfes zu warten, bis sie von ihren Vertrauensmännern das Signal zum Kampfe erhalten. Selbstverständlich erwarten die Versammelten, dah ihre von Verantwortungsgefühl getragene Haltung gewürdigt wird, indem die Negierung sofort bei der Parlamentseröffnung eine den Forderungen entsprechende Vorlage dem Parlament unterbreitet, und daß auch die bürgerlichen Abgeordneten im Parlament für die durch die Teuerung mehr als je berechtigten Forderungen der Eisenbahner nicht nur reden, sondern auch stimmen. Die Versammelten erwarten somit, dah Regierung und Parlament die Einsicht aufbringen werden, den Ausbruch des Kampfes unnötig zu machen. Sollte diese Einsicht fehlen, so sind die Versammelten bereit, auf Beschluß ihrer Vertrauensmänner den ihnen so aufgezwungenen Kampf furchtlos- und entschieden aufzunehmen. Eine DemonstrationSvcrsammlung in Reichend erg. Dienstag den 3. d. M. tagte im SchützenhauS eine Versammlung der Eisenbahner, deren Tagesordnung einen einzigen Punkt, nämlich „Die Teuerung und die Eisenbahner" umfaßte. Genosse Fritsch eröffnete der Versammlung und Bemühte die Erschienenen. JnS Präsidium wurden die Genossen Pannika, Fritsch und Richter gewählt. Der Vorsitzende erteilt dem Genossen Grinzner, Sekretär auS Bodenbach, das Wort, der in einer mit großem Beifall aufgenommcnen Rede die gegenwärtige Bewegung unter den Eisenbahner sowie die immense Teuerung besprach. Ein Telegramm vom Abgeordneten Schäfer ist eilige-laufen; er entschuldigt sein Ausbleiben durch dringende Sitzungen in Wien und wünscht der Bewegung vollen Erfolg. Ein Eisenbahner ergreift dann das -Wort, der in drastischer Weise das bittere Los einer mehrköpfigen Familie schildert. Genosse M a c o u n verweist die Versammlung auf die zwei Wege, auf denen das Proletariat zu einer Verbesserung seiner gegenwärtigen Lage kommen muh, den politischen und gewerkschaftlichen Kampf. Schon in der nächsten Zeit werden Lohnkämpfe von gigantischem Umfang auSbrechen, wie sie Oesterreich noch nicht erlebt hat. Er versichert die Eisenbahner der Sympathie der übrigen Eisenbahner. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende schließt die Versammlung mit dem Appell, das Gehörte zu beherzigen, an die organisatorische Arbeit zu gehen und — erschallt der Ruf — sich vollzählig zu versammeln. Oberbauarüeiterversnmmlung in Steiermark. In letzter Zeit veranstaltete die Ortsgruppe Pc Hau eine Reihe von Versammlungen, um die Oberbauarbeiter über den gegenwärtigen Stand der Situation aufzuklären. Am 8. September sprach in einer gut besuchten Versammlung Genosse Jllcschitz in Groß-Sonntag. Am 10. September derselbe Referent in Po Ist rau. Einen besonders starken Besuch und erfreulichen Verlauf hat die am 30. September in Sternthal abgehaltene Versammlung zu verzeichnen. In all diesen Versammlungen wurden die Ursachen der Teuerung besprochen und auf die erforderlichen Abwehrmahregeln hingewiesen. Bodenbach e. d. Elbe. Am 4. d. M. tagte in der Volkshalle eine von Genossen Schiller cinberufene Eisenbahnerversammlung. Der beifällig begrüßte Sekretär der Eisenbahner, Genosse Grünz-n e r, besprach in einem ausführlichen Referat die Ursachen der Teuerung und all die feit 1905 um bessere Existenzbedingungen geführten Kämpfe der Eisenbahner, die notwendig wurden, weil einerseits die Regierung und die Privatbnhnen die gemachten Versprechungen nicht hielten, anderseits aber die Teuerung das Elend der Eisenbahner fortwährend steigerte. Der Redner geißelte unter allseitiger Zustimmung der Versammelten die arbeiterfeindliche Haltung der bürgerlichen Abgeordneten bei Stellung der sozialdemokratischen Anträge zugunsten der Eisenbahner und tat dar, wie sehr die Vorschläge der Personalkommissionen bisher mißachtet wurden. Bezüglich der einzuschlagenden Taktik beschloß die Reichskonserenz der Eisenbahner vom 3. September im Einvernehmen mit der Gewerkschaftskommission und Parteileitung zuerst auf parlamentarischem Wege die Erfüllung der am 20. September der Negierung vorgclegtcn Forderung zu versuchen. Die bürgerlichen Parteien müssen nun Farbe bekennen. (Stürmische Zustimmung.) Das ist ihnen unangenehm und deshalb hat der Obmann des Reichsbundes versucht, die Sache außerparlamentarisch zu „bereinigen". Die Haltung der nationalen Eisenbahner einer scharfen Kritik unterziehend (Pfuirufe), bemerkte dann der Referent, daß die bisher seitens der Negierung bekanntgemachten „Zugeständnisse" absolut nichtz genügen. (Demonstrativer Beifall.) Wohl wissend, daß ein den Eisenbahnern aufgezwungcner Kampf die ernstesten Folgen (Arbeitslosigkeit und Hungerrevolten) nach sich ziehen könnte, werden deshalb die Negierung und das Parlament wohl ein« lenken — wenn nicht: wir stehen parad! (Riesiger Applaus.) Wiederholten tosenden Beifall erntete auch der folgende Redner Genosse Schab c, der an der Hand der in der Dresdener HygiencauSstellung bezüglich der Ernährung der Menschen aufgestellten Statistik die Unterernährung der österreichischen Eisenbahner schlagend nachwics. Die Lebensmittel allein, die der Mensch nach den Lehren der Wissenschaft jährlich verbrauchen soll, kosten 1800 Kr., wobei Butter, Eier, Gewürz, Kohle u. s. w. noch gar nicht eingerechnet sind. Die Wohnungsmiete in Bodenbach mit cinbezogen, würden für das nackte Leben allein 2143 Kr. gebraucht — der Wcrkstättenarbeiter bezieht aber im ganzen nur 1280 Kr., so daß schon hier ein Defizit Von 863 Kr. resultiert, noch ärger ists beim Taglohnarbeiter mit seinen 840 Kr. Jahresverdienst, da kommen gleich 1303 Kr. zum fehlen! Sollten die Eisenbahner nach den Regeln der Wissenschaft leben, mühten sie einen Anfangslohn von mindestens 7 Kr. statt Kr. 2-80 haben. Das Wohnungselend in Bodenbach näher schildernd, die Deutschnationalen, darunter den Bodenbacher Preßstrolch scharf geißelnd, schloß er unter stürmischem Beifall mit einem Llppell an die Geschlossenheit der Eisenbahner. Genosse Schiller erklärte unter großem Beifall, daß diese Versammlung ein letztes Warnungssignal sei und die Geduld der Eisenbahner zu Ende gehe. Von'morgen 11 Uhr vormittags an, so sagte er unter brausender Zustimmung, beginnt anläßlich des Zusammentritts des Parlaments unser Wachdienst. Die imposante Versammlung endete schließlich mit der Annahme einer im Sinne der Redner gehaltenen Resolution. St. Pölten. 8lm 25. und 26. September fanden hier gutbesuchte Versammlungen des Vcrschubpcrsonals statt, in welcher über die Forderungen der genannten Kategorie beraten und beschlossen wurde, darauf zu beharren, daß die vom Vcrschub-personal aufgestellten Forderungen unbedingt durchgesetzt werden müssen. Die Versammlung erwartet von der Regierung, daß sie diesmal angesichts der drückenden Notlage der Arbeiter und Diener, vor allem diese Kategorien, entsprechend berücksichtigen wird. Andernfalls sind die Versammelten bereit, im gegebenen Moment furchtlos in den Kampf einzusetzen und denselben durchzuführen. Saalfelden. Am Dienstag den 3. Oktober, abends 'A8 Uhr, fand im Gasthaus des Herrn Fritz Egger eine freie Eisenbahnervcr-sammlung statt, die massenhaft besucht war. 8(13 Referent war Genosse Adolf Müller aus Wien erschienen. Seine von tiefem Ernst durchdrungenen 8lusführungcn fanden stürmische Zustimmung und die zum Schluß zur Abstimmung gebrachte Resolution wuroe einstimmig angenommen. 8luch das demagogische Verhalten dieser sogenannten nationalen internationalen Koalition kam zur Sprache. Zum Schluß seiner Aus-führuugen geißelte Genosse Müller auch die schmähliche Schreibweise und gemeinen Beschimpfungen der Arbeiterschaft durch die christlichsoziale und deutschnationale Presse. Das Referat des Genossen Müller gipfelte in dem Satz: Wir wollen nicht den Kampf um jeden Preis, aber wir werden ihn führen, wenn er uns aufgezwungen wird und in diesem Sinn werden auch die Eisenbahner Saalfeldens ihr weiteres Verhalten einzurichten wissen und mit den übrigen Bediensteten Solidarität halten. Prägarten bei Linz. Am Sonntag den 1. Oktober fand hier in Herrn Lumeh-Bergers Gasthaus eine Eisenbahnerversammlung' statt, welche derart besucht war, daß viele Kollegen im Vorhaus stehen mußten. Das Referat erstattete Genosse Weiser aus Linz in sehr eindrucksvoller Weise. Der großartige Besuch zeigte, mit welchem Interesse die Eisenbahner auch am flachen Lande die gegenwärtige Bewegung verfolgen, und auS der Stimmung der Versammlung war zu erkennen, daß die Kollegen zum eventuellen Kampfe fest entschlossen sind. Der beste Agitator ist die ungeheure Teuerung, welche sich am Lande ebenso fühlbar macht, wie in der Stadt. Ja, seit der passiven Resistenz im Jahre 1905 ist in unserem schwarzen Mühlviertel gar vieles anders geworden! Unsere Organisation ist erfreulicherweise im steten Wachsen begriffen, jeder einzelne beginnt den Wert derselben kennen zu lernen. Auch auf politischem Gebiet geht es vorwärts. Unser Tagblatt „Wahrheit!" findet immer mehr Abonnenten, das hat man hei der Versammlung erfahren, wie sich die Genossen von der Nachbarschaft zwei und drei zusammeufanden und unsere Presse abonnieren, da es bei der gegenwärtigen Teuerung nicht jedem einzelnen möglich ist. Nur so vorwärts und der Sieg ist unser! Teichstatt. Samstag den 30. September l. I. fand im Gasthaus „zum Steinbruch" eine sehr stark besuchte Eisenbahnerver-sammlung statt. Trotzdem die Versammlung öffentlich war, hatten es die Herren vom Neichsbund deutscher Eisenbahner für gut befunden, derselben fernzubleiben. (Vielleicht deshalb, weil es in unseren Versammlungen kein Freibier gibt.) 8X6er trotzdem war das Lokal bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Daß Genosse Grinzner in seinem Referat allen so richtig aus dem Herzen gesprochen hatte, bewies der langanhaltende Beifall, der ihm gezollt wurde. Zum Schlüsse verlas Genosse Jackl eine Resolution, welche einstimmig angenommen wurde. Bruck an der Mur. Mittwoch den 27. September fand abends im Hotel „Post" in Bruck an der Mur eine äußerst stark besuchte Eisenbahnerversammlung statt, in der mehrere Delegierte von der Reichskonferenz in Wien und der Versammlung am 24. September in Marburg den Bericht brachten. Die Versammlung gestaltete sich zu einer erregten Kundgebung. für die ausge, stellten Forderungen. Marburg. 8lm 5. und 6. September fanden in Marburg in Busch) Gasthaus Versammlungen des ZugbcgleitungSpersonalS und der übrigen Verkehrsbediensteten statt, in welchen Genosse Reich st ädter über die Reichskonferenz vom 3. September und über die Protestversammlung vom 4. September in Wien berichtete. Die Genossen erklärten sich vollkommen mit den k. k. Staatsbahnbediensteten solidarisch und protestierten auf das entschiedenste gegen die Auffassung der bürgerlichen Blätter, denen zufolge die ganze Aktion nur eine Wiener Angelegenheit sei. Eine gleiche Versammlung fand am 5. September, abends 8 Uhr, in Spielfeld statt, in welcher ebenfalls Genosse Reichstädt« Bericht über die Konferenz erstattete. Am 12. September fand eine Zugsbegleiterversammlnng statt, in welcher ebenfalls Genosse Reichstädter über die Vorsprache der Zugsbegleiterdcputation beim Herrn Generaldirektor Ritter v. Weeber berichtete. 8luch hier kam klar und deutlich zum 8luSdruck, daß die Lage deS Eisenbahnpersonals eine unhaltbare ist und durchgreifende Reformen notwendig find, soll eö nicht zum äußersten Widerstand des gesamten Bahnpersonals kommen. Bewegung des Personals der Salzkammergntlokal» bahn. 8lm 30. September fand in Salzburg eine sehr stark besuchte Versammlung des Personals aller Kategorien der Salzkammergutlokalbahn-Aktiengesellschaft statt, die vün der Ortsgruppe der sozialdemokratischen Eisenbahnerorganisation einberufen wurde, damit das Personal zu dem vorläufigen Ergebnis der mit der Direktion gepflogenen Verhandlungen Stellung nehmen könne. Unter dem Gesamtpersonal dieser Bahn herrscht schon seit längerer Zeit eine tiefgehende Erregung, da cs die Verwaltung bisher nicht der Mühe wert fand, auf die minimalen Forderungen, die die Vertrauensmänner bereits im April dieses Jahres der Verwaltung überreicht hatten, eine befriedigende Antwort zu geben. Die Erregung über diese Verschleppungstaktik der Verwaltung kam auch in der Versammlung elementar zum 8lusbruch, so daß es der größten Anstrengung der Vertrauensmänner bedurfte, das Personal vom sofortigen Eintritt in den Kampf abzuhalten. Zu der Versammlung war von der Zentrale Genosse ?ldolf Müller erschienen. 8luS den Berichten der Vertrauensmänner war zu entnehmen, daß die Verwaltung außer einigen Aenderungen der Dienstvorschriften, die natürlich nichts kosten, von einer Verbesserung der Gehalts- und Vorrückungsverhältnisse der Unterbeamten und Diener nichts wissen wolle. Das Personal dieser Lokalbahn hat die schlechtesten Entlohnungsverhältnisse aller Lokalbahnen Oesterreichs. Es wäre daher nur billig, wenn entsprechende Reformen durchgeführt würden. Das scheint um so dringender, als die zweite Salzburger Lokalbahn, die Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft, ihrem Personal bereits im Sommer dieses Jahres in loyaler Weise nennenswerte Verbesserungen gewährt hat. Unter dem Personal herrschte grohe Not, vor allem bei den besonders schlecht entlohnten Bediensteten der unteren Kategorien. Viele leiden buchstäblich Hunger. ES ist die höchste Zeit, daß die Verwaltung endlich durchgreifende Verbesserungen gewährt, soll es nicht zum Sleutzersten kommen. Die Versammlung beauftragte die Vertrauensmänner, am nächsten Tage neuerlich bei der Direktion vorzusprechen und ihr den Ernst der Situation klarzumachen. Sollte auch dies ergebnislos sein, so werden sich die Vertrauensmänner zum Präsidenten des VerwaltungSrateS nach München begeben. Die Zentrale der Organisation wurde ersucht, eventuell dem Eisenbahnministerium nahezulegen, als Aufsichtsbehörde seinen Einfluß bei der. Lokalbahn geltend zu machen. Das Personal Nr. M ■fr* ............ Hat alles versucht, um im friedlichen Wege die Bewilligung der bescheidenen und berechtigten Forderungen zu erreichen. Sollte dies nichts fruchten, so wird es eben zum Kampfe kommen, für dessen Folgen die Verwaltung allein die Verantwortung treffen würde. * * « Girre freche deutschrmtionnle Verleumdung. Die schon zuin Ueberdrus; bekannte und bombastisch anfgebauschte Geschichte von der „nicht empfangenen Deputation" benützt der „Deutsche Eisenbahner" in keiner Folge vom 1. d. M. zu einem gegen uns gerichteten Berleumdungsangriff. Obwohl die Lüg e, Abge-geordneter Toms ch i k hätte sich geäußert, „es sei ihm lieber, wenn er im Eisenbahnministerium allein empfangen werde", schon vor dem Erscheinen des „Deutschen Eisenbahner" eingehend ihre Widerlegung in der „Ar-beiter-Zeitung" gefunden hatte, wird sie dennoch von dem Reichsbundblatt wiederholt, das also damit in b e-w u tz t e r Absicht verleumdet. I _ Geradezu blödsinnig dumm ist aber der Vorwurf, wir hätten dadurch, daß unsere Abgeordneten nicht darauf bestanden, gleichzeitig mit der Deputation des Personals empfangen zu werden, die im Jahre 1905 errungene Anerkennung der Organisation preisgegeben. Daß die Herren um die Preisgabe unseres Organisationsrechtes unbesorgt fein können, dafür dürfte ihnen schon die Tatsache genügen, daß unsere Deputation im Eisenbahnministerium aus lauter Vertretern der mit der sozialdemokratischen Gewerkschaft koalierten Organisationen bestanden hat. Daß die Herren Deutschnationalen justament auf den PLne Bükival bestanden, zeigt freilich nur, daß dieser Konflikt geradezu gemacht wurde. Die Herren Deutschnationalen hätten eben früher „ihrem" B i e n e r t h verbieten sollen, den Erlaß, der heute ge-handhabt wird, herauszugeben. Sie nahmen ihn aber damals ruhig hin und überließen den Protest dagegen uns allein. Uebrigens — die Schöpfer des Zuchthausparagraphen als Hüter des Koalitionsrechtes — auch J ein Bild zum Kranklachen! * * * Eine Versammlung des sozialdemokratischen Aktionskomitees. Am Sonntag den 8. Oktober 1911 waren die Aktionskomiteeinitglieder der sozialdemokratischen Eisenbahnerorganisation und der mit ihr koalierten Vereine im Arbeiterheim in Favoriten zu einer Konferenz zu-sammcngctrcten, um zu der von der Regierung geplanten Verbesserung der Bezüge des Staatsbahnpersonals Stellung zu nehmen. Bekanntlich hatte die mit 3. September 1911 stattgefundene Reichskonferenz, die von über 500 Delegierten aus ganz Oesterreich besucht war, aus jedem Direktiousbczirk Delegierte gewählt, denen die Stellungnahme zum weiteren Verlauf der Bewegung übertragen wurde. Die damals gewählten Delegierten waren vollzählig erschienen. Es waren anwesend: 46 Delegierte aus den Direktionen der k. k. Staatsbahnen und der Privatbahnen, der Zentralausschuß der Personalkommission und des Arbeiteraus-fchusses' der k. k. Staatsbahnen, die Exekutive der Per-Honalkommissiou der Südbahn, vom Zentralverein der österreichischen Eisenbahnbeamten 4 Vertreter und 1 Vertreterin für die Beamtinnen, vom Lokomotivführerverein 5, vom Lokomotivführerverein für Böhmen 1, tooin Bahmneifterverein 2, vom Kondukteurverein 4 und vom Werkmeisterverein 5 Vertreter. Ferner waren anwesend: die gesamte Exekutive der Gewerkschaft, die Funktionäre der Zentrale und der Sekretariate, Abgeordneter Genosse Tomschik und in Vertretung der sozialdemokratischen Fraktion im Parlament und der Pcirtcivcrtrctimg Abgeordneter Genosse Dr. Ellenbogen. Bei Eröffnung der Konferenz widmete der Vorsitzende Genosse Schwab dem durch einen Unfall vor einigen Tagen getöteten Personalkaininissionsmitglied Obervcrschicber Genossen Piras in Pilsen einen warmen Nachruf; die Delegierten drückten ihr Beileid durch Erheben von den Sitzen aus. Das Referat erstattete Abgeordneter Genosse T o m-f ch i k. Er besprach in eingehender Weise die von den koalierten Organisationen ausgestellten Forderungen und die Schritte, die bisher zur Erreichung dieser Forderungen unternommen wurden. Das Resultat der bisherigen Bemühungen ist die von der Regierung im Parlament eingebrachte Vorlage, wonach zur Verbesserung der Bezüge aller Kategorien des Ltaatsbahnpcrsonals der Betrag von 14 Millionen Kronen in Aussicht genommen ist. Von diesem Betrag sollen für die Beamten und Beamtinnen 3 Millionen, für die Unterbeamten und Diener 6 Millionen und für die Arbeiter 5 Millionen anfgewendet werden. Bei der großen Notlage des Personals ist cs begreiflich, daß das Gesamtpersonal ohne Unterschied der Meinung ist. daß dieser Betrag viel zu gering ist und daher entschieden noch weitere Verbesserungen gewährt werden müssen. Es sei Aufgabe der heutigen Konferenz, zu der Regierungsvorlage Stellung zu nehmen. Die sozialdemokratische Fraktion im Parlament werde so wie immer auch diesmal mit ganzer Kraft für die Forderungen de’1 Eisenbahner ein* treten. (Großer Beifall.) An der hierauf folgenden Debatte beteiligten sich fast sämtliche Delegierten. Ihre Ausführungen lauteten übereinstimmend dahin, daß sich das Personal mit diesem Betrag unter keinen Umständen zufrieden geben könne und an den aufgestellten Forderungen festgehalten werden müsse. Die Regierung verkenne die Situation, wenn sie glaubt mit den 14 Millionen das notleidende Personal, das ist über 200.000 Bedienstete, zufriedenstellen zu können. So groß die Summe für die Öffentlichkeit erscheinen möge, so ist sie mit Rücksicht auf den großen Personalstand und die durch die Teuerung herbeigeftihrte Notlage unter dem Personal lächerlich gering und nicht geeignet, die Ruhe unter dem Personal herbeizuführen. Das Gesamtpersonal stehe nach wie vor kampfbereit und die Vertrauensmänner müssen jede Verantwortung für die Folgen ablehnen, wenn die Regierung und die bürgerlichen Parteien nicht einsehen sollten, daß diesmal in An* betracht der enormen Teuerung mehr geschehen muß. Die Vorlage der Regierung habe unter dem Gesamtpersonal große Enttäuschung hervorgerufen und die Vertrauensmänner, sind nicht in der Lage, das er- regte Personal zu überzeugen, daß es mit einem solchen Pappenstiel zufrieden sein soll. Die Vertreter der koalierten Vereine sprachen in gleichem Sinne und versicherten das übrige Personal auch fernerhin ihrer Solidarität. Abgeordneter Genosse Dr. Ellenbogen erklärte der Konferenz, daß die sozialdemokratische Fraktion im Parlament entsprechend dem Verlangen der Eisenbahner für die Gewährung weiterer Verbesserungen mit ganzer Kraft eintreten wird. Die Regierung habe auch die Möglichkeit, noch weitere Verbesserungen zu gewähren. Die Frage stehe jetzt so, ob auch die bürgerlichen Abgeordneten ihre den Eisenbahnern gemachten Versprechungen einhalten und im Parlament emefi für die Forderungen stimmen werden. Er mache damu; aufmerksam, daß die bürgerlichen Zeitungen schon jetzt gegen die von der Regierung vorgeschlagene Steuererhebung der Einkommen über 10.000 Kr. Stellung nehme und daher die Gefahr bestehe, daß die bürgerlichen Abgeordneten auch diesmal Umfallen. Jedenfalls müssen die Eisenbahner aufmerksam den zu erwartenden Verhandlungen folgen, die sozialdemokratischen Abgeordneten werden auch diesmal, so wie immer, für die Interessen der arbeitenden Klassen zu haben sein. (Lebhafter Beifall.) Im Schlußwort reassumiert Abgeordneter Genosse Tomschik die Ausführungen der Delegierten. Einstimmig sei von der Konferenz ausgesprochen worden, das; an den gestellten Forderungen festgehalten werden müsse. Nun gilt es, die Beratungen im Parlament abzuwarten. Wir werden alles aufbieten, damit die Verhandlungen nicht verzögert werden. Wir können deshalb auch den von den nationalen Vereinigungen eingeschlagenen Weg nicht betreten. Wir dürfen im Interesse der Eisenbahner die Demagogie der Nationalen nicht mitmachen. Sie haben zuerst den 1. Oktober als Termin bestimmt, um ihren Abgeordneten im Parlament die Stellungnahme zu ersparen und mußten dann von diesem Termin zurücktreten. Jetzt haben sie den 15. Oktober als Termin bestimmt. Ihre eigenen Abgeordneten müssen im Parlament zur Vorlage der Negierung und daher zu den Forderungen der Eisenbahner Stellung nehmen, und wenn am 15. Oktober die Verhandlungen im Parlament noch nicht Beendet sind, werden sic wahrscheinlich noch einen weiteren Termin erfinden. Wir können diese widerliche Demagogie nicht mitmachen. Entweder gibt es Verhandlungen oder gibt es keine. Falls die Zugeständnisse zu gering sind und das Personal damit nicht zu-frieden ist, werden wir zusammentreten und den Kampf beschließen und ist dann das Ultimatum gegeben, wann cs nicht mehr anders geht. Wir kennen die Verantwortung, die auf uns lastet, und wir werden stets im Interesse der Sache unser Verhalten darnach einrichten. (Stürmischer Beifall.) Es wird nun folgende Resolution einstimmig angenommen : Resolution: „Die heute den 8. Oktober 1911 im Arbeitcrheim Wien X tagende Aktionskomiteesitzung des gewerkschaftlich organisierten Personals aller Kategorien und der koalierten Vereine erklärt, an den aufgestellten Forderungen festzu-halten, da die von der Regierung bisher geplanten Verbesserungen durchaus nicht geeignet erscheinen, dem Gesamtpersonal jene materielle Besserstellung zu gewähren, die unbedingt notwendig erscheint, um die durch die Teuerung her» beigeführte Notlage unter dem Personal einigermaßen zu lindern. Aus der heutigen Konferenz ist ein engeres Exekutivkomitee zu wählen, bestehend aus den Vertretern sämtlicher Kategorien, welches die Aufgabe hat, die Verhandlungen gemeinsam mit der Exekutive der Organisation, den koalierten Vereinen, mit der sozialdemokratischen Fraktion und der Gewerkschaftskommission und im weiteren Sinne mit dem Eisenbahnministerium und der Regierung zu pflegen. Diesem Exekutivkomitee wird die Aufgabe obliegen, sofern die Zugeständnisse der Regierung keine Befriedigung gewähren können, diq entscheidenden Beschlüsse zu fassen." Itotoeittoen und Fensterscheibe«. Ein Beitrag zur Erkenntnis österreichischer Rechtspflege. Am 3. Mai hat in Wintersgrün bei Karlsbad in Böhmen der Maschinenbautechniker Bettr den Arbeiter Mörtl erschossen. Sechs Schüsse aus einem Browning haben ein Menschenleben vernichtet. Und nicht im offenen Kampfe, Mann gegen Mann, ist es geschehen, sondern v o n r ü ck w ä r t s ist dem fliehenden Arbeiter die Todeswunde beigebracht worden. Am 25. September stand Bettr darum vor den Geschworenen in ©get. Und in der Verhandlung ist durch eine Reihe einwandfreier Zeugen nachgewiesen worden, das; der Angeklagte ein Revolver-heldindesWorteswahrsterBedeutung i st. Ist nachgewiesen worden, daß Bettr schon öfter Personen mit dem Revolver bedrohte, das; er einem Arbeiter zurief, w e n n e r s i ch r üh r e, l i e g e s e i n H i r n a u f d e r E r d e, daß er f e i n e rn K u t s ch e r drohte, er werde ihn vorn Bocke herunterschießen und ähnliches mehr. Allerdings wies man auch dem getöteten Arbeiter nach, daß er dein Bergverwalter „unsympathisch" war und ihn „nachlässig grüßte" und schon einmal — vor 40 Jahren — einen Raufhandel hatte. Dieser Arbeiter soll mit einem stumpfen Instrument — vielleicht mit einem Stock? — nach dem Bettr geschlagen haben, worauf Bettr nach ihm schoß und dem Fliehenden noch fünf Schüsse nachschickte. Dann ließ der Herr neue Patronen holen und meinte: „So, jetzt kann ich wieder laden." Die Tötung eines Menschen aber erfordert Sühne, selbst wenn der Getötete „nur ein Arbeiter" ist. Die Richter aus dem Volke und die gelehrten Richter kamen zu dem Ergebnis, daß für das 92 i c dcr f n aII e n eines Arbeiters drei Monate .Kerker gerechte und ausreichende Strafe sei. * * * Am 17. September demonstrierten in Wien hunderttausend Menschen gegen die Teuerungspolitiker. Diese Hunderttausend waren „nur Arbeiter"» arme Menschen, in deren Stuben das Elend Wohnlärme Menschen, die für die Millionenprofite der Grund- und Jndustriemagnaten ihre Gesundheit und ihr letztes bißchen Familienglück opfern müssen; Nur durch ihre Zahl wollten sie demonstrieren gegen ein System, das die Bereicherung Weniger und die Aushungerung der Massen bedingt. Die Regierung hatte anders beschlossen. Ein Massenaufgebot von Militär wurde an allen Ecken und Enden so postiert, daß es recht in die Augen fiel und schließlich kam cs auch wirklich zu recht stürmischen Ausbrüchen des Volkszornes. Es wurden Fenster eingeschlagen uud in einem Vororte benützten undisziplinierte Leute die Gelegenheit, um ihren Haß gegen die Stadtvertretung und die Staatsgewalt cm öffentlichen Gebäuden auszutoben. Es wurde ein Sachschaden von einigen zehntausend Kronen verursacht. Heilig, dreimal heilig ist das Eigentum. Und die Beschädigung fremden Eigentums fordert gebieterisch Sühne. • Und nun findet gegen die Beschädiger fremden Eigentums beim Landesgericht in Wien eine Reihe von Prozessen statt. Die Reihe der Verhandlungen ist noch nicht beendet. Aber bisher sind bereits viele Jahre schweren Kerkers für die Sachbeschcidiger festgesetzt worden. Ein 20jähriger Zimmergehilfe hat eine Laterne zerschlagen. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß dafür ein Jahr schwerer Kerker gerechte Strafe fei. Ein Anstreichergehilfe soll Steine geworfen haben — Strafe 15 Monate. Ein junger Mann, der die Glasscheibe einer Straßenlaterne zertrümmerte, wird dieses Verbrechen mit sechs Monaten schweren Kerkers büßen. Ein Schneidergehilfe hat das Fenster eines Tramwaywagens eingeworfen — e i n I a h r schweren Kerkers. Ein 24jähriger Schlossergehilfe soll Fenster eingeschlagen haben — 15 Monate schweren Kerker. Ein Hilfsarbeiter soll auch ein Fenster der „Elektrischen" cinqeschlagcn haben. Es ist sehr anzu-j zweifeln, daß er es getan, da Zeugen dafür vorhanden sind, daß der Angeklagte sogar zur Ruhe mahnte. Trotzdem — ein Jahr schweren Kerkers. Wozu die Liste weiterführen? Es sprechen ja die angezogenen Beispiele schon eine sehr deutliche Sprache. Die Gerechtigkeit will, daß das Einschlagen einer Fensterscheibe mit durchschnittlich einem Jahre, schweren Kerkers gesühnt werde. * * * Und dieselbe Gerechtigkeit hat die Ermordung eines Arbeiters mit drei Monaten Kerker bestraft. Eine Fensterscheibe — ein Jahr. Das Leben eines Arbeiters — ein Vierteljahr. * * * Es gibt Leute, die meinen, das komme daher, weil Frau Justitia blind sei. £), wie sie irren! Denn die Frau Justitia im Klassenstaat ist nicht blind. Nein. Sie sicht sogar sehr gut und — weiß, was sic zu sehen hat. Sie sieht genau, ob der Rock des Angeklagten aus feinem Stoffe oder aus grobem Zeuge gearbeitet— Und sie sicht dem Angeklagten bis in den tiefsten Grund der Seele und sieht genau, ob er ein verdammenswerter Umstürzler ist, oder ob ihm eine „gute" Gesinnung eignet. Sie sieht sehr hell und irrt auch nie und ist eine Grundlage des Klassenstaates. Eine sehr verläßliche Grundlage des heutigen Staates, die sehr gut beurteilt den Unterschied der Werte und zu dem sehr richtigen Ergebnis kommt, dpß die Fensterscheibe eines Reichen viermal so viel wert ist als das Leben eines Armen. Wie lange noch? Die christliche Kirche und der Kries. In diesen Tagen, wo die italienische Regierungs-Verbrecherbande _ ihren kapitalistischen Beutezug um Tripolis inszeniert hat, darf eine Meldung, die aus dem Vatikan kommt, nicht übersehen werden. In den vatikanischen Kreisen wird nämlich die Aussicht auf die Festsetzung Italiens in der afrikanischen Provinz mit Befriedigung beanißt. Man beurteilt die Angelegenheit unter dem Gesichtspunkt, daß der Uebergang von Tripolis unter der Herrschaft Italiens den Interessen der christlichen Zivilisation im genannten Gebiete und insbesondere der Entwicklung der katholischen Missionen nur große Förderung bringen kann. Der vatikanische Korrespondent des „Secolo" versichert, Papst Pius sei ein begeisterter Fürsprecher der Unternehmung von Tripolis. Er hätte seilten Gefühlen gerne öffentlichen Ausdruck verliehen, Kardinal Staatssekretär Merry Sei Val habe jedoch vermocht, ihn daran zu hindern. Der greise Papst habe aber darauf bestanden, das; wenigstens der „Osservatore Romano" das Unternehmen nicht bekämpfe, und dieser Wunsch habe ihm erfüllt werden müssen. Der Papst, das „unfehlbare" kirchliche Oberhaupt, ist also von der M e n s ch e n s ch l ä ch t e r c t in Tripolis ganz begeistert! Freilich, jenes Christentum, das noch unverfälscht die Lehre des Nazareners kündigte, das Urchristentum war ein entschiedener Widerfacher nicht nur des Krieges, sondern auch des Kriegsdienstes. Jenes Christentum' stand fest auf der Idee des ewigen Friedens. Unter derj Herrschaft des Kreuzes, des Erlösungssymbols, sollte das! Reich des Friedens errichtet werden. Aufhören sollten in-der Welt jede Gewalt und Unterjochung. Der Segens-sprilch: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" sollte den Krieg, den Streit, den Haß und die Leidenschaften der Menschheit bannen. j Zahlreiche Aussprüche der hervorragendsten Kir* chenlehrer und von der Kirche heilig gesprochenen Mein* ner bestätigen dett grundsätzlichen Widerspruch der alten Seite 6 ■ •W.---------—— f, , Kirche gegen den Krieg und als kriegerische Wesen, selbst gegen den Soldatendienst. Nur einige wenige solcher , Aussprüche wollen wir hier anführen: So sagt:, St. Irenaus (um 140 bis 202) nach Christi), daß „die Christen ihre Schwerter und Lanzen in Friedenswerkzeuge gewandelt haben, und daß sie nichts mehr Vom Kampfe Verstünden". Clemens Von Alexandria, dessen Werke am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Jahrhunderts Verfaßt sind, schreibt: „Die Anhänger Christi machen keinen Gebrauch Von den Werkzeugen des Krieges." Tertullian (150 bis 230 nach Christi) fragt: „Wie kann ein Christ in den Krieg ziehen, wie darf er Waffen tragen in Friedenszeiten, da der Herr uns das Schwert Verboten hat? Jesus Christus hatte alle Soldaten entwaffnet, als er St. Petrus die Waffe entzog." „Der 'Fahneneid und das Taufgelübde Widerstreiten sich, denn dieser ist das Kennzeichen Christi, jener das des Teufels." „Kann der Gebrauch des Schwertes als den Lehren und Gesetzen gemäß angesehen werden, da doch der Herr Verkündet, wer sich des Schwertes bedient, soll durch das • Schwert umkommen." Origines (185 bis 254 nach Christi) sagt: „Nicht länger ergreifen wir (Christen) die Waffen gegen irgendeine Rasse oder wagen wir uns in einen Krieg einzu-lassen, da wir zu Söhnen des Friedens durch Jesus geschaffen sind, dem wir als Führer folgen." Lactantius, der zu Beginn des Vierten Jahrhunderts schrieb, eifert gegen die Menschenschlächter, indem er ausruft: „Das ist also euer Weg zur Unsterblichkeit. Städte zerstören, Landschaften Verwüsten, freie Völkerschaften ausrotten oder in Sklaverei führen! Je mehr ihr vernichtet, geräubert und Menschen gemordet habt, desto mehr glaubt ihr Ehren und Ruhm erworben zu haben." * St. Augustinus (354 bis 430 nach Christi) hält dafür, daß „nur Verteidigungskriege mit der Gerechtigkeit und dem Gesetz in Beziehung gesetzt werden können; nur in solchen kann es den Soldaten erlaubt fein, zu töten und zwar dann, wenn er anders seine Vaterstadt und seine Brüder nicht schützen kann". , Jsidorus von Pelusium (370 bis 450 nach Christi) ist nicht weniger entschieden: „Ich sage euch, wenn auch das Ntedermetzeln der Feinde im Kriege euch nach dem Gesetz erscheint, wenn auch Siegessäulen errichtet werden, die von glorreichen Verbrechen erzählen, so sind sie (die Kriegführenden) nicht frei von Sünde, wenn man das unleugbare und höchste Gesetz der Brüderlichkeit aller Menschen in Betracht zieht." _ Von dem Zeitpunkt an aber, wo die Interessen der Kirche sich mit denen der weltlichen Macht verbanden und sie selbst ein irdischer Machtfaktor wurde, hat sich die Kirchenlehre in der entgegengesetzten Richtung entwickelt. Bald lehrte sie, der Kriegsdienst sei nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig. Konzilienbeschlüsse schriebe» den Fahneneid vor und verhängten über fahnenflüchtige Soldaten den Kirchenbann. Die mittelalterlich-christliche Zeit heiligte geradezu das Kriegshandwerk; das kriege-rische Rittertum wurde zu einem „christlichen Stand". Aus dem Gotte der Liebe Wurde der „Gott der Schlachten" gemacht. Gott und die Heiligen selbst kämpften mit in der Schlacht. Fahnen und Waffen wurden gesegnet. Ja, die Herrschaft der Kirche führte zu fürchterlichen Glaubenskriegen, in denen Ströme menschlichen Blutes vergossen wurden. Ein Teil unserer Zeitgenossen hat die letzten Kriege seit der Mitte des verflossenen Jahrhunderts noch mit-erlebt. Nichts haben bei diesen Kriegen die Kirchen getan, sie zu verhindern. Die katholische wie die protestantische Geistlichkeit jedes der kriegführenden Länder war stets mit ihren Gebeten zum „Herrn der Heerscharen" um Sieg auf Seite der Macht, der sie untertan und deren Interessen sie verbunden waren. Es gibt keine groteskere Aeußerung der Religiosität, als wenn die Pfaffen und ihre Schäflcin vor dem durchaus internationalen und alle Menschen mit gleicher Liebe umfassenden „einzigen Gott des Christentums" auf den Knien liegen und von ihm für die Kriegsmacht ihres Landes den Sieg und die Niederlage für die Gegner erflehen. Wenn die Heiden zu ihrem „Nationalgott" oder gar speziellen Kriegsgott um blutige Lorbeeren beten, so steckt darin noch Logik. Aber wo bleibt die Gottheitsidee und ihre Logik bei den christlichen Kirchenmännern? Die Theologen und „Diener Gottes" der christlichen K.rche sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen, durchaus „gutgesinnte, höchst patriotische", das heißt mit den herrschenden Machtfaktorcn harmonisch denkende und fühlende Leute. Solchen Patrioten würde es übel anstehen, sich gegen den Krieg und den Militarismus und seine Ursachen zu erklären. Kommt dann ein Krieg mit all seinen fürchterlichen Schrecknissen, so finden sie sich in der denkbar einfachsten und bequemsten Weise damit ab —- der Krieg ist eine „Schickung Gottes" und wider das, was „Gott schickt", soll der Mensch nicht murren; das muß er in Geduld, ja sogar freudig ertragen. Die Sozialdemokratie aber, die den Frieden will, wird von den Bckennern der Religion, deren Stifter man die Verkündigung des Evangeliums der Nächstenliebe und des Friedens zugeschrieben hat, als gottlos und unchristlich verleumdet und verfolgt. Sns Sparstzstem aus den l. k. Staatsbahnen und seine Mlkwirknna aus die Verkehrssicherheit. Am 14. Februar 1898 hat das k. k. Eisenbahnministerium unter Zahl 2725 den Erlaß betreffend die Bemessung der Dienst- und Ruhezeit im exekutiven Betriebsdienst der k. k. Staatsbahnen herausgegeben. Der Erlaß bedeutete, wenn auch viele, Halbheiten enthalten sind, gegen den früheren Zustand," der auf den Staatsbahnen herrschte, einen Fortschritt, und es ist notwendig, auf die Ursachen hinzuweisen, welche das Ministerium damals veranlaßt haben, diese Reform in Angriff zu nehmen. Wir brauchen hierzu nur die Begründung und Erläuterung anzuführeu, die das Eisenbahnministerium dem Erlaß vorausschickte und es lohnt sich wirklich, jetzt nach mehr als 13 Jahren, auf diese zurückzukommen und der Vergessenheit zu entreißen. Wir wollen sie im nachstehenden auszugsweise anführen („Arbeiter-Zeitung" 1898, Nr. 45): Die österreichische Staatsbahnverwaltung steht im Begriff, eine Maßnahme zu treffen, die bestimmt ist, die Sicherheit oes Eisenbahnverkehrs in erhöhtem Maß zu verbürgen und die zugleich das durch Rücksichten der Humanität borgezcichnete Ziel verfolgt, einer U e b e r b ü r-d u n g des im exekutiven Betriebsdienst verwendeten Personals zunächst bezüglich jener Kategorien desselben entgegen» zutreten, die vermöge der Art ihrer dienstlichen Beschäftigung der Gefahr übermäßiger d i e n st I i ch c r A n st r e n-gung am meisten ausgesetzt sind. Durch die zu erlassenden Normen über die Dicnstdauer und Ruhezeit im exekutiven Betriebsdienst der österreichischen Staatsbahnen nach dem Vorbild anderer Staaten, wo die gleichartigen Verhältnisse schon längst teils im Gesctzgebungsweg, teils durch Verwaltungsnormen genau geregelt sind, wird eine Lücke in unseren Eisenbahnvorschriftcn ' auSgcfüllt und eine Aktion zur praktischen Durchführung gebracht, deren Anfänge in frühe Zeit zurückreichen, damals jedoch an finanziellen Bedenken der Staatsbahnvcrwaltung einem unübcrsteiglichcn Hindernis bcgegnctcn. Erst der durch die Unfallspcriode des verflossenen Sommers gezeitigten Erkenntnis, daß die eigentliche Gefahrenquelle der Ucber-bürdung des Personals durch eine zweifellos mit namhaften Kosten verbundene Personalvcrmchrung beseitigt werden müsse, blieb es Vorbehalten, die entgegen-stehenden Bedenken zu überwinden und dank einer erleuchteten Auffassung der finanziellen Seite des Gegenstandes die Erlangung der materiellen Mittel zur Durchführung der geplanten Maßnahme in sichere Aussicht gestellt zu sehen. Der bisherige Mangel normierender Vorschriften auf diesem Gebiet bei den österreichischen Staatsbahnen, beziehungsweise bei den österreichischen Eisenbahnen überhaupt hat, wie wohl die einzelnen Bahnvcrwaltungen bestrebt waren, durch interne Anordnungen fallweise vorzusorgcn, für mehrfach wahrgenommene Unzukömmlichkeiten Raum gelassen. E s sind Fälle vorgckommcn, in denen die dienst-lichen an das exekutive Betricbspersonal gestellten Anforderungen zweifellos über die durchschnittliche Leistungsfähigkeit desselben hinausgingcn; teils erschien die Ruhe-zeit zu karg bemessen, teils folgte einer übermäßig langen Dien st tour, in der die Bediensteten b i s zur U e b e r m ü d u n g se st gehalten wurden, eine relativ wohl ausgedehnte, jedoch Zur vollständigen Erholung nach der voran g e g a n g e n o n Anstrengung it n g c it ii g c n d c Ruhezeit. Die im Zugsdienst verwendeten Bediensteten (Loko-mativ- und Zugbcgleitungspersonal) werden in langandauernde», ununterbrochenen Fahrten bis zur U c b e r a n st r c n g u n g beschäftigt. Kontinuierliche, durch verkommende Verspätungen noch m ehr erschwerte D i e n st t o u r e n von 18 bis 2 0 S t u n d e n g e h ö r c n n i ch t z n d e n S c l t e n h e i t e », und wenn auch eine solche D i c n st d a u e r mit einer längeren Ruhezeit ab w ech sel t, so kann hierdurch doch die während der Fahrt s e l b st mitunter ein treten de Erschöpfung des Personals nicht verhindert werde n. Oft bildet bei diesen Angestellten das Bestreben, einen ausgiebigeren Verdienst an Kilometer- oder Stundengeldern zu erzielen, den Anreiz, freiwillig und unaufgefordert größere Lei st nn gen auf sich zu nehmen. Da die internen Vorschriften einer dergestalt erweiterten, durch kurze Ruhezeit unterbrochenen Dicnstdauer keine Schranken setzen, so wird solchen Wünschen unbedenklich entsprochen, ohne der Gefahren zu gedenken, die ein übermäßig a n g e st r c n g t e r Bediensteter siir sich selbst und für die Sicherheit des Verkehrs hernufznbeschniiiren geeignet ist. Wie bereits erwähnt, gaben die zähl reichen auf den heimischen und ausländischen Bahnen im Verlaus des letzten Sommers und Herb st es in rascher Aufeinanderfolge v o r g c k o in in e n e n Unfälle den c n t s ch e Cd e n d e n Anstoß, die seinerzeit vom k. k. Handelsministerium eingeleiteten Verhandlungen über die nunmehr als unaufschieblich erkannte, als Gewähr für die Herstellung der bedrohten Verkehrssicherheit g c f o r-dcrtc Regelung der D i e n st- und Ruhezeiten wieder aufzuneh m e n und mit alle in N a ch d r » ck zum Abschluß zu bringen! Mit der fortschreitenden Verdichtung des Verkehrs mußten die dem Betricbspersonal zugcmuteten Leistungen eine um so fühlbarere Steigerung erfahren, als die Einschiebung neuer Kräfte mit dem Arbeitszuwachs selten gleichen Schritt hielt. Ihn eine feste Grundlage für die zu erlassenden Normen zu gewinnen, wurde ein höherer Fachbeamter des Eisenbahn-ministcriums nach Berlin entsendet, um dort die praktische Handhabung und den Erfolg der am 1. April 1895 erlassenen Vorschriften zu studieren. Der Grundzug der preußischen Vorschriften liegt in der Festsetzung einer zeitlich beschränkten Diensttour zwischen zwei ebenso bemessenen völlig d i e n st f r c i c n Zeitabschnitten. Diese Dienstanordnung bietet die sichere Garantie dafür, daß das Personal während seiner Dienstleistung nur innerhalb der Grenzen seiner geistigen und physischen Leistungsfähigkeit bei sorgfältigster Vermeidung jeder lieber« bürdung in Anspruch genommen wird. Mit Strenge wird darauf geachtet, daß die Ruhezeit durch keinerlei, welchen Namen immer tragende dienstliche Verrichtung unterbrochen wird. Es wird dann Weiter darauf hingewiesen, daß den herausgegebenen Vorschriften obiger Gedanke zugrunde liegt und dieses Prinzip dort anch festgelegt erscheint. Dann folgt eine Besprechung der Vorschriften selbst, welche wir nicht anführen brauchen, da die Vorschriften vom Jahre 1898 ohnehin allgemein bekannt sind. Erwähnenswert ist noch folgender Absatz. Nach der Besprechung der Vorschriften für das Lokomotiv- und Zug-begleitnngspersonal heißt cs: „Anch die diesem Personal einzuräumenden Ruhezeiten sind genau begrenzt, s o daß jede II e b e r a n st r e n g u n g im D i e n st künftighin ausgeschlossen erscheint. Vor allein anderen fällt einem an dieser Begründung und Erläuterung wohltuend ans. daß es damals beim Eisenbahnministerium,, beim grünen Tisch, doch Leute gegeben haben muß, die hübsch weit in das Getriebe hineingeblickt haben. Ob es solche heute noch dort gibt, ist recht zweifelhaft. In erster Linie gab im obigen die Staatsbahnver-waltung zu, daß nicht das Wohlwollen für das Personal, sondern hauptsächlich die Sicherheit des Verkehrs der Antrieb war, diese Vorschriften herauszugeben. Es war damals jene Zeit, wo man bereits jeden Tag von einem Eisenbahnunglück hörte oder las, und die Richter, zu ihrer Ehre sei es gesagt, die zahlreichen Eisenbahner, die als „Schuldtragende" angeklagt waren-in der Regel freisprachen, also andirekt die Verwaltungen als die Schuldigen erkannten. , Wenn wir uns nun fragen, ob die Verhältnisse auf den Eisenbahnen in Bezug auf die Ueberbürdung jetzt viel besser sind als vor mehr als 13 Jahren, so können wir ruhig sagen, nicht viel. Wenn auch Dienstzeitverkürzungen vorgenommeii wurden, so ist der Dienst selbst noch immer anstrengend genug. Zwar die Bestimmung in den Vorschriften, daß die tägliche Dienstdauer für das Lokomotiv- und Zugs-personal im monatlichen Durchschnitt elf Stunden be-tragen soll, ist einerseits, dank der unablässigen Arbeit der Organisation und der Turnusvertrauensmanner, anderseits durch ihre Undurchsührbarkeit selbst, wohl nie so recht zum Ausdruck gekommen, und mußten die Direk-tionen handeln lassen. Das jetzt herrschende Sparstzstem bringt es aber mit sich, daß überall geklagt wird. Ber jeder Neuerstellnng der Turnusse werden alle Mittel angewendet, sie zusammenzuschrauben und ist dieses dort und da schon gelungen. Aber nicht einmal die erstellten Turnusse werden eingehalten. Dort wird eine Tour hineingeflickt, da eine frühere Rückfahrt angeordnet, und das Personal wird, als ob es gar keine Vorschriften über Dienst- und Ruhezeiten gäbe, „in lang-andauernden, ununterbrochenen Fahrten bis zur lieber-anstrengung beschäftigt", genau so wie früher. „Kontinuierliche, durch vorkommende Verspätungen noch mehr erschwerte Diensttouren von 18 oder 20 Stunden , tote es oben aus dem Jahre 1898 so schön heißt, gehören auch im Jahre 1911 nicht zu den Seltenheiten, und es sind, in den Prsonalkommissionen schon Fälle vorgebracht worden, in welchen das Lokomotiv- oder Zngspersonal 24, 28, ja 30 und mehr Stunden, ohne entsprechende Ruhezeit inzwischen, im Dienst war. Das bringt alles die Sparwut mit sich. Das Personal ist zu wenig und die. Züge sollen auch nicht stehen bleiben. Wo bleibt da die Verkehrssicherheit? Auch jetzt, wo die LebenSmittelteuerung den Eisenbahnern das Mark ans den Knochen frißt, bildet manchmal das Bestreben, „einen ausgiebigeren Verdienst an Kilometer- und Stundengeldern zu erzielen, den Anreiz, größere Leistungen auf sich zu nehmen"; auch „derzeit, „-wird solchen Wünschen unbedenklich entsprochen , trotz der Vorschriften, „ohne der Gefahren zu gedenken, dm ein übermäßig angestrengter Bediensteter für sich selbst und für die Sicherheit des Verkehrs heraufzubeschtooren geeignet ist". Auch' jetzt noch kann einer fahren, so lange er will — je mehr Dienst er macht, um so „braver ist er — und die Fälle werden wohl sehr, sehr vereinzelt dastehen, in welchen man zu einem bis aufs äußerste angestrengten Bediensteten gesagt hat: „Bis hierher und nicht weiter." Heute ist Wieder alles erlaubt, man will sparen mit allen Mitteln, auch auf Kosten der Verkehrssicherheit. Meistens wird ja das Personal mit allen, auct) den verwerflichsten Mitteln zu diesen Dienstleistungen gezwungen. . , .„ Junge Beamte, von denen viele nicht einmal.eine blasse Ahnung davon haben, daß es überhaupt, so etwas, wie eine Vorschrift über die Bemessung der Dienst- und Ruhezeit im exekutiven Dienst, gibt, kommandieren Dienstleistungen, die einfach haarsträubend sind. Weigert sich das Lokomotiv- oder Zugspersonal zu fahren, dann spielt der Herr in der Regel vor allem einmal die gekränkte Leberwurst und bemerkt, daß man ihm einen Possen spielen will, bis er mit scqtocrcrcm Geschütz auffährt. Es muß unbedingt noch bis. zur nächsten Dispositionsstation gehen, dort wird von chm Abloiung sein, der Zug wird aufgelöst u. s. w. Fallt daS Persona., ans diese Versicherung hinein, dann geht das anmutige Spiel mit Leben und Gesundheit der Bediensteten m dieser Station aufs neue an. Es ist jedem Beamten nur darum zu tun, den Zug ans seiner Station, beziehungsweise Dispositionsstrecke, hinauszubringen. Geht e* dann, wie es will. Weiter denkt er gar nicht. ,. Wird die Dienstleistung im Auftrag oder mündlich durch die betreffende Dienstesstelle selbst, welcher die Bediensteten unterstehen, verlangt und sic verweigern dieselbe, so reagiert der Dienstkommandierends darauf, je nach seiner Individualität. Er spielt entweder auch, tote oben, den Gekränkten oder schimpft, srozzelt, höhnt und Vergleiches mehr. Das gewöhnliche ist dann der Gedanke, wir werden „diesen Kerlen" schon helfen, und zwar dadurch, daß man ihnen den Brotkorb höher hängt. . , . . In großen Heizhäusern und Doinizilstationen des Zugbegleitungspersonals geht es ja leicht, daß man „diesen Kerlen" schlechtere Touren ai'Ssucht, bei welchen mehr Arbeit und weniger Verdienst herausschaut. Dabei fängt man zwei Fliegen auf einem Schlag. Man kühlt sein Mütchen an diesen Rebellen und, da man die schlechten Touren von diesen machen läßt, zügelt man sich für die besseren Touren einen getreuen Stamm von Kilometer-fressern oder wie man sie heißen will. Es gibt leider noch Leute, die, Wenn es nach ihnen allein ginge, zu Hause überhaupt kein Bett brauchen würden. , . Beim Lokomotivpersonal sind diese Zustande viel' leicht noch schlechter als beim Zugbegleitungspersonal. Die verschiedenen Lokomotivserien machen verschiedene Turnilsgruppen notwendig und ist Arbeitslefftung und Verdienst dieser Gruppen manchmal auch nicht annähernd gleichartig. Tie Lokomotiven sind auch verschieden und es kann ein Führer oder Heizer leicht zu einet schlechteren kommen. Diese. Umstände und noch anders bringen es mit sich, daß eine Einigkeit unter dem Maschinenpersonal viel schwerer herzustellen ist, wie überall. Zu allem kommt noch als Hauptfaktor, der ßut Unterdrückung das meiste beiträgt, die Tantiemenwirtschaft in den Heizhäusern, an welcher die Antreiber, vom Heizhansleiter bis zum Maschinenmeister, als der Tantiemen einheinisende Teil, beteiligt sind; die Lokomotiv« führet, Heizer u. s. w. aber, bis zum letzten Putzer odet Kohlenarbeiter, bestimmt sind, so viel als möglich zu roboten, daß große Tantiemen herausschauen. (Schluß folgt.) Gelesene Nummern des „Eisenbahner" wirst man nicht weg, sondern gibt sie an Gegner und Indifferente weiter. Kein llaffenftsniüunft! Was ist nun das Programm der „Deutschen Ar-Dertcrpartel"? Drei ganze Abgeordnete sind sie im Parlament — drei von 516 Abgeordneten, oder 3 von 233 Deutschen — und mit Hilfe aller möglichen anderen Parteien haben sie 31.110 Stimmen aufgebracht — 31.000 von rund anderthalb Millionen deutschen Stimmen, das ist ein Achtzehntel der deutschen sozialdemokratischen Stimmen oder nicht einmal ein Fünfzigste! aller abgegebenen deutschen Stimmen! — also ein klei-nes Häuslern Leute, das sich wirklich, wenn es sich als ctne Partei aufspielt, unschwer auch über die wichtigsten Grundlagen ihres Programms einigen könnte. Es ist 19 wirklich nicht viel verlangt, wenn man verlangt, das; ctne, Partei, die sich eine Arbeiterpartei nennt, sich wenigstens darüber klar sei, wie sie über das Verhältnis des Proletariats zur Bourgeoisie denkt. Aber da müssen wir letzt fortwährend hören, das; selbst die drei Mann sich über diesen wichtigsten Grundsatz nicht klar sind. Eigentlich ganz genau erfährt man auch das nicht, das; sie sich darüber nicht klar sind; sie scheinen sich vielmehr nicht einmal darüber klar zu sein, daß sie sich über ,hr, Programm nicht klar sind. Bisher haben sich Herr Knirsch und Herr Fahrner seit ihrer Wahl noch nicht recht zu äußern entschlossen, ob sie ihre Partei, die „Deutsche Arbeiterpartei", für eine Klassenpartei an-sehen, als eine Partei, die die Interessen der Arbeiter-rlasse gegen die ausbeutenden Klassen vertreten will, aber immerhin gibt es einige Leute, die daS behaupten; dafür aber hören wir von den Leuten des Dritten im Bunde das; Herr Seidl „nicht auf dein Klassenstandpunkt stehe, das; er also nicht der Ansicht sei, das; die Deutsche „Arbeiterpartei" die Klasseninteressen der Ar-beiter zu vertreten habe — so daß man sich also fragen muß, warum sie sich dann Arbeiterpartei nennt Dieser komische Konflikt innerhalb der komischen ^Arbeiterpartei — der darin besteht, daß diese Ar-berterparter nicht weiß, ob sie eine Ar-m L e r P a r t e t ist —- hat nun einen noch komischeren •!/ Befunden tn einem Streit zwischen einem west-bohmlschen Gautag und einem schlesischen Vollzugsrnis-f^tefer harter. Jener westböh mische Gautag hatte nämlich vor kurzem beschlossen, die Reichsparteileitung zu ersuchen, „dem Abgeordneten Ferdinand Seidl nahe-zu legen, sein Mandat nicht mehr nameiis der Deutschen Arbeiterpartei auszuüben, da seine Haltung mit den Grundsätzen der Partei nicht in Uebereinstimmung zu bringen sei. Ganz klar war ja in dieser Kundgebung nicht ausgesprochen, was die Partei für Grundsätze habe Aber die bloße Nennung des Wortes „Grundsätze" hat genügt, um das dritte Drittel der Partei in die größte Wut zu versetzen. „Der Vollzugsausschuß der Deutschen Arbeiterpartei Schlesiens nimmt mit Entr ü st u n g gegen diesen gehässigen Ausfall einiger — be-kanntlich auf dem nacktesten K l a s s e n st a n d> Punkt stehenden — böhmischer Parteigenossen wider unseren Parteiobmann Abgeordneten Seidl Stellung " Und wetl sie schonxim Protestieren sind, so protestieren sie gleich in aller Ausführlichkeit gegen diese ganze Rieh-tung, die sich auf Grundsätze berufen möchte. Der Vollzugsausschuß erklärt, daß er heute ebenso wie gleich nach dem Teplitzer Parteitag „die Politik des Klas-senhasses unbedingt verwirst" — natürlich, wie kann man denn die Fabrikanten, die das Geld her-geben, hassen! — und „sich jegliches Diktat der Herren Dr Riehl und dergleichen in Bezug auf die schlesische Lc.ndeSpolitik im besonderen und die Haltung des Abgeordneten Seidl im allgemeinen energisch verbitten mit ß". Und nun kommt das Schönste: Darin, daß Abgeordneter Seidl auch auf seine bäuerlichen Wähler die gebotene Rücksicht nimmt, und darin, daß Abgeordneter Seidl in Sachen der Freien Schule keine den Religionsunterricht als solchen betreffenden feindseligen Aktionen zu unternehmen oder zu unterstützen sich verpflichtet — und mehr ist nicht geschehen — sieht der Vollzugsausschuß der Deutschen Arbeiterpartei Schlesiens nicht nur keine Verletzung der Grundsätze unserer Partei, sondern ein diesen vollkommen entsprechendes Verhalte n." Eigentlich haben sie ja ganz recht. Das Vorgehen Seidls entspricht vollkommen den Grundsätzen der „Deutschen Arbeiterpartei". Was hat er denn getan? Er hat in einer Frage, die eine eminenteste Arbeiterfrage ist, in der Frage der Fleischeinfuhr, das Interesse der Arbeiter auf das schmählichste verraten, indem er auf die Juteressen der Agrarier Rücksicht nahm: Wie kann jemand behaupten, daß er die Grundsätze der „Deutschen Arbeiterpartei^' verletzt habe! Verrät die Partei nicht grundsätzlich Tag für Tag die Interessen der Arbeiter, bald an die Agrarier, bald an die Fabrikanten? Nimmt die Partei nicht immer „Rücksicht" auf irgend eine Gruppe von Wählern und Geldgebern, wenn diese Gruppe auch den Arbeitern entgegengesetzte Interessen hat? Warum soll bloß das Konsumenteninteresse der Arbeitet an die Agrarier nicht verraten werden, nachdem ihr Produzenteninteresse so oft an die Fabrikanten ver-raten wurde? Und daß Seidl um ein Mandat die Arbeiter nicht nur an die Fabrikanten und an die Agrarier, sondern auch au die Klerikalen verklopft, das kann doch nicht als so bedeutsam angesehen werden, daß es den Ausschluß aus der Partei rechtfertigte! Was den „Klassenstandpunkt" betrifft, so haben die Knirsch und Fahrner dem Seidl wirklich nichts vorzuwersen. Der ist höchstens etwas offener als sie und gibt zu, daß es ein Schwindel ist, wenn die Deutschgelben den Arbeitern einreden wollen, daß sie eine Arbeiterpartei seien. Aber die schlesische „Deutsche Arbeiterpartei" wird sich das nicht gefallen lassen. Der Vollzugsausschuß der Deutschen Arbeiterpartei Schlesiens fordert daher Herrn Seidl auf, „in dem Falle, als sich die Reichsparteileitnng mit der Lichtenstädter Kundgebung identifizieren sollte, aus de Ni parlamentarischen Klub der Deutschen Arbeiterpartei Oe st erreich 5 aus-zutreten und unter Verbleib im Deutschen Nationalverband sein Mandat als selbständiger Deutscher Arbeiterpartei!«! auszuüben, in welchem Fall die Deutsche Arbeiterpartei Schlesiens auf dem diesjährigen Landesparteitag die gleiche Son-derstellung gegenüber der Reichspartei zu beziehen gezwungen wäre." Die Drohung wird Wohl wirken und die Reichs-Parteileitung wird wohl davor zurückschrecken, gleich ein ganzes Drittel der parlamentarischen Vertretung zu opfern. Wenn aber nicht, dann empfehlen wir Herrn Seidl und feiner Partei folgende Parteititel: „Deutsche Arbeiterpartei ohne Klassenstandpunkt" oder, wenn die Agrarier, Fabrikanten und Klerikalen damit nicht zufrieden sein sollten: „Deutsche Arbeiterpartei mit Rücksicht auf die andere» Wähler " Dieser Partei könnten dann auch die Knirsch und Fahrner beitreten, womit die so notwendige Einigkeit der Partei wieder hergestellt wäre. t ——------------- $ob der Eisenbahn Bkn-UW«. Wir berichteten in der letzten Nummer des „Eisenbahner" über die Vorsprache der Deputation, der Personals der Eisenbahn Wien-Aspang beim Betriebsdirektor dieser Bahn Herrn Regienrngsrat Johann Herrdegen. Der Herr Regierungsrat nahm das die Wünsche des Personals enthaltende Memorandum entgegen und erklärte, daß die Erledigung desselben in der' Personal« kommission und dettt Arbeiterausschuß stattfinden werde. Die Sitzung der Personalkommission hat bereits statt-gesunden und die Vertrauensmänner wurden bereits von der Herausgabe nachstehender Dienstverord-n u n g verständigt: Zl. 9340 vom 4. Oktober 1911. Erhöhung her Bezüge der definitiven Bediensteten, des Hilfs-personnls und der Arbeiter (mit AnSnnhme der Beamten-aspiranten, Volontäre und Unterbeamtenaspiranten) aus Anlaß der TcucrungSverhttltnisse. In Berücksichtigung der bestehenden Teuerungsverhält-niffe Hat sich der gesellschaftliche VerwaltungSrat über Antrag der Direktion bestimmt gefunden, mit Wirksamkeit vom 1. Oktober 1911 unter der am Schluß dieser Dienstverordnung ausgesprochenen Bedingung die Bezüge der definitiven Bediensteten, dek- Hilfspersonals und der Arbeiter der k. k. privilegierten Eisenbahn Wien-Aspang in nachfolgender Weise zu erhöhen: Für die B e a m t e n der Dienstklassen X bi? einschließlich VII eine Teuerungszulage von jährlich 200 Kr. Für die definitiven Beamtinnen eine Teuerungszulage von jährlich 100 Kr. Der VerwaltungSrat behält sich vor, an Stelle dieser Teuerungszulagen in einem späteren Zeitpunkt eine dem Ausmaß derselben entsprechende systemmähige Erhöhung der Bezüge der Beamten und Beamtinnen treten zu lassen. Ausgeschlossen von der Zuerkennuug einer Teuerungszulage sind die mit oder nach dem 1. Jänner 1911 ernannten Beamten, nachdem mit bereit Ernennung zu Assistenten ohnedies eine nahezu lOOprozentige Erhöhung ihrer Bezüge verbunden war. II. Für die Unterbeamten sowie für die Diener der Kategorien A und B eine 25prozen-tige Erhöhung der WohnungSgel> ühren. III. Für daS tut T a g- ob er , i nt Monatslohn stehende, der Arbeiterkategorie nicht angehö-rige Hilfspersonal sowie für die ständigen Arbeiter aller Dien st zweige eine WohnungS-zulage: Bei mindestens einjähriger ununterbrochener Dienstzeit von monatlich 10 Kr.; bei mindestens fünfjähriger ununterbrochener Dienstzeit von monatlich 15 Kr. für Wien und für die übrigen Station»-orte in der für die WohnungSgebühr der definitiven Bediensteten jeweils festgesetzten prozentuellen Abstufung. Auf die nicht in unmittelbarem Dienste der Eisenbahn Wien-Aspang stehenden Gepäcksträger und MagazinShilfS-arbeiter in den Stationen Wien und Simmering finden die vorstehenden Bestimmungen hinsichtlich einer WohnungSzulage keine Anwendung. Die Teuerungszulage der Beamten und Beamtinnen, die WohnungSzu lagen für das Hilfspersonal und für die ständigen Arbeiter sowie vorläufig auch die erhöhten WohnungS-gebühren für die Unterbeamten und Diener (Kategorie A und B), werden ab Oktober 1911 monatlich im nachhinein zur Auszahlung gelangen. Arbeiter, welche im Bezug einer Wohnungszulage stehen und aus dem Dienste der Gesellschaft treten, erhalten den auf die geleisteten Tagesschichten entfallenden Anteil der Wohnungszulagen angewiesen. Alle in den '-Punkten I bis III angeführten Aufbesserungen an Teuerungszulagen, Wo litt u n g s g e b ü h r e n und Wohnungszulagen werden vom Verwaltungsrat der Eisenbahn Wien-Aspang nur unter der Voraussetzung zugestanden, daß die anstandSlose normale Abwicklung des Dienste? in allen Dienst-zweigen durch das Personal keine Unterbrechung oder Störung erfährt, und bleibe n selbe für alle Kategorien von Bediensteten sowie für die Arbeiter auch nur in solange in Kraft, a l 3 die angeführte Voraussetzung vollständig julrifft. Außer den vorstehenden Erhöhungen der Bezüge der definitiven Bediensteten hat der VerwaltungSrat auf Grund der in der Personalkommission eingebrachten Anträge genehmigt: 1. Für die Beamten die Ausdehnung der automatischen Vorrückung auf die Dienstklaffe VIII mit Wirksamkeit vom 1. Juli 1912 für den Status I und mit 1. Jänner 1913 für den Status II, weiters mit Wirksamkeit von den gleiche« Zeitpunkten die Kürzung der VorrückungSfristett in den Dienst-klaffen IX und VIII von je drei auf je zwei Jahre. 2. Für Unierbeamte die Ausdehnung der um ein Jahr gekürzten VorrückungSfristett auf alle jene Unterbeamten, welche vor oder mit 1. Jänner 1909 zu Unterbeamten ernannt worden find, ohne Beschränkung dahin, ob sie aus dem Dtetterstattd hervorgegangen sind oder nicht, mit Wirksamkeit vom 1. Oktober 1911, unter Anrechnung der zweijährigen VorrückungSfristett vom Zeitpunkt der letzten Vorrückung. 3. Gewährung von Nachdicnstzulagen nach den hie für zu erlassenden Bestimmungen. Die Vorschriften der vorliegenden Dienstverordnung finden auf diejenigen Bediensteten keine Anwendung, welche bereits vor dem 1. Oktober 1911 das Dienstverhältnis selbst gekündigt haben oder denen es vor diesem Termin von feiten der Gesellschaft gekündigt worden ist. Die Sitzung des Arbeiterausschusses findet zu der Zeit statt, als die vorliegende Nummer des „Eisenbahner" in Druck ist mtd nach dieser Sitzung wird sofort das Personal dieser Bahn zu den erreichten Zugeständnissen Stellung nehmen. Wir wollen der Stellungnahme dieser Versammlung, über deren Verlauf wir eingehend berichte» werden, nicht vorgreifen, bemerken aber, daß obige Dienstverordimug eine Reihe gerechter Forderungen unerfüllt läßt. DaS Personal der E. W. A. ist ä u ß e r st u n g ü n-st i g gestellt. Die Arbeiter entbehren jeder Fürsorge für ihr Alter, dem Lokomotiv- und Ziigbegleitnngsper-sonal wird die Dienstzeit nicht eineinhalbfach, sondern nur einfach angerechnet, und da bei dieser Bahn immer ungünstige Entlohnung?- und VorrückungSzuftände bestanden haben, sind die Bediensteten dieser Bahn in vielen Beziehungen mit ihren Einkommensverhältnissen gegen ihre Kollegen auf den anderen Bahnen zurückgeblieben. Dabei nimmt aber der Betrieb dieser Bahn, die längst den Charakter einer Lokalbahn verloren hat, einen regen Aufschwung und dies namentlich nach der Eröffnung des Anschlusses an die Staatsbahn im Wechselgebiet. Es soll ja keineswegs verkannt werden, das; die gegenwärtige Leitung dieser Bahn de» Bediensteten Entgegenkommen bekundet, e5 ist aber auf der anderen Seite zu erwägen, ob die bisher gemachten Zugeständnisse geeignet sind, die Wirkungen der furchtbaren Teuerung und Wohnungsnot erträglich zu machen. Za« UrabiftoBinput der f. f. österreichischen Staatsbahne«. (Schluß.) Eine intensive Tätigkeit entwickelte der AuSschuß tn der Wohnungsfürsorge, und eS muß unseren Genossen hoch augerechnet werden, daß sie in dieser Beziehung auf i>ct_ Höhe ihrer Aufgabe gestanden sind. A!s wir vor einigen Jahren in unserem Blatte den Bau von Wohnhäusern auS den Mitteln de? ProvisionSsondS propagiert und die Ansicht ausgesprochen haben, daß auf diese Weise nicht nur eine bessere Verzinsung deS Vermögen? herbeigeführt werden, sondern daß mein auch den Bediensteten billigere Wohnungen verschaffen und auf diese Art dem grassierenden Zinswucher begegneil könnte, hat man für unsere Bestrebungen nicht nur in maßgebenden Kreisen, sondern auch leider bei den Bediensteten mitleidiger Lächeln, ja in vielen Fällen sogar Skepsis entgegengebracht. Und doch hat sich diese Idee glänzend'bewährt und heute haben wir die Genugtuung, daß die Frage der Wohnungsfürsorge nicht nur in vielen Kreisen Eingang gefunden, sondern sogar seitens der Regierung »nd des Parlaments ernste Schritte unternommen worden sind, um auf dieser Bahn vorwärtszuschreiten. Freilich auf eines haben wir damals nicht gedacht, eiiteS haben wir nicht vorausgesetzt. Wir haben die bureaukratische Kurzsichtigkeit und die in Oesterreich auf allen Gebieten sich geltend machende Schlamperei au5 unserem Kalkül miSge-schaltet, und daS war gewiß ein Unrecht. Anstatt beim Bau von Wohnhäusern die Bediensteten heranzuziehen, die sehr eifrig sich zur Mitarbeit melden, weil dies in ihrem Inter, esse liegt, wird von seiten deS EisenbahnministeriuinS und vorwiegend auch vom Finanzministerium die Zeit mit Verhandlungen, Kommissionierungen 2C. vertrödelt, bis der günstige Augenblick zum Ankauf von billigen Grün« den verpaßt wird und man dann später Gründe um einen horrenden Preis erstehen muß, wodurch sich der Bau verteuert und die Bediensteten um die Wohltat von entsprechend billigen Wohnungen gebracht werden. Auch die bureaukratische Arbeitsteilung im Eisenbahnministerium ist vielfach an der Verzögerung eine? BaueS schuldtragend, indem die Akte auS einem Departement in das andere wandern, wodurch vielfach Kompetenzstreitigkeiten entstehen, alle? zum Nachteil der Bediensteten und deS Provisionsfonds. Anstatt, daß man ein für dieWohnungS-fürforge bestimmtes Departement errichtet, mit entsprechenden Fachleuten und Einrichtungen ausstattet, frettet man sich trotz der drohenden Wohnungsnot weiter und der Schlendrian feiert Triumphe. Nichtsdestoweniger wurde in dieser Richtung sehr viel geleistet. Wenn man schon die ErträgniSnachweise diirchsieht, so findet man, wie viel auf diesem Gebiet geleistet wurde. Zu Ende des Jahres 1908 (31. Dezember 1908) wurden dem Provisionsinstitut gehörende Realitäten im Werte von Kr. 9,373.178-49 ausgewiesen; Ende 1910 (31. Dezember 1910) aber schon für Kr. 16,458.887-42, also um Kr. 7,085.708-93 mehr. Diese Realitäten umfassen 329 Wohngebäude mit 2978 Mietwohnungen. Gewiß eine kolossale Leistung; der Ausschuß war aber nicht müßig, und schon heute können wir Berichten, daß gegenwärtig 127 Wohngebäude mit 1058 Wohnungen im Werte von mehr als 6 Millionen Kronen im Bau begriffen sind und die Ausschreibung von weiteren 125 Häusern mit 1635 Wohnungen noch im Laufe dieses Jahres erfolgen wird. Wir können mit diesem Erfolg zufrieden sein, versichern jedoch, daß sowohl die Organisation als auch der Ausschuß nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern sich bemühen werden, beim Eisenbahnministerium dahin zu wirken, daß in Bezug auf Wohnungsfürsorge ein raschere? Tempo eingeschlagen wird. DaS sind also die Ergebnisse der Tätigkeit deS Aus. schlisse?, dessen Funktion nunmehr abläuft, und es muß besonder? noch betont werden, daß wir bloß jene Tatsachen registriert haben, die bereits mit einem Erfolg abgeschlossen haben. Der abtretende Ausschuß hat aber schon dem neuen, erst zu wählenden Ausschuß die Wege geebnet zu einer weiteren Tätigkeit, und wir müssen schon sagen, daß die neuen Männer genügend Arbeit vorfinden und daß sie alles ihr Können, alle Energie daran wenden müssen, unt'alleS daS, was durchzuführen dem alten Au?schuß unmöglich war, einem ge* oeihlichen Ende zuzuführen. Schon in der ersten konstituierenden Sitzung vom 17. Dezember 1908 hat Genosse Löwy Anträge gestellt, beziehungsweise erneuert, die sozusagen als Programm der Tätigkeit für den neuzuwählenden Ausschuß zu nennen ist, weil die Durchführung dieser Anträge in der abgelaufenen Periode trotz aller Anstrengung nicht möglich war. In erster Reihe ist es die Forderung nach A n r e i$-uung der anderthalbfachen Dienstzeit i» Seite 8 ' w. ______________ 4 r e Pro visionsbe Messung für das ge-f amte E x e k u t i t> p e r s o n a l. Nachdem sich — wenigstens vorläufig —- der Durchführung dieser Forderung unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellten, beantragten die Genossen Löwy und Kneidinger die Durchführung der anderhalbfachen Anrechnung für das Verschubpersonal. Diesem Antrag wurde von seiten des Ausschusses eine eingehende Motivierung dem Vertreter des Eisenbahnministeriums übermittelt. Diese Angelegenheit ist noch im Stadium der Verhandlungen, doch steht zu erwarten, das; dieser berechtigten Forderung in kürzester Zeit Rechnung getragen wird. , Ferner wurde beantragt die F e st s e h u n g e i n e r 9 0jährigen Dien st z eit für die Erlangung der vollen Provision. Auch dieser Antrag wurde eingehend motiviert und eine Abschrift dem Vorsitzenden übermittelt. Weiter wurde die Ausdehnuugder40pro-zentigen Q u a r t i e r g e bd q u o t e in die Provision s b e m e s s u n g für die Witwen, b e z i e-hungsweise in die Erziehungsbeiträge für die Familienangehörigen beantragt. Ebenfalls bildete die Anrechnung der vor d e r A u f n a h m e i n d e n P r o v i s i o n s f o n d s z u-g e b r a ch t e n D i e n st z e i t g e g e n e i n f a ch e N a ch-z a h l u n g in die P r o v i s i o n s b e m c s s u n g den Gegenstandes eines Antrages. Diese Anträge bilden die Marschroute für den neuen Ausschuß, und wir würden noch hinzufügen, daß es notwendig sein wird, sich dafür einzusetzen, daß mit Rücksicht aus die schwere Arbeit der Kesselschmiede sowie durch die neuartigen automatischen Werkzeuge hervorgcrufene vorzeitig eintretende Arbeitsunfähigkeit der Kesselschmiede die anderthalbfache Anrechnung der Dienstzeit neuerdings zu ventilieren. Das sind die Aufgaben, denen sich der neue Ausschuß mit aller Kraft zuwenden muß, Will er seinen Pflichten so Nachkommen, wie es die Wähler, Mitglieder des Provisionsinstituts, zu verlangen berechtigt sind. Wir wollen hoffen, daß auch die neue Tätigkeitsperiode den Mitgliedern ebenfalls so viele Erfolge bringen wird, als es in der verflossenen der Fall war. Wir wollen nun unsere Aufmerksamkeit dem finanziellen Gebaren des Provisionsinstituts zuwenden und müssen der Wahrheit Raum geben, wenn wir erklären, daß nach dieser Richtung hin der Ausschuß seine Pflicht ganz und voll erfüllt hat. Die Gebarung ist eine tadellose zu nennen und die Mitglieder können beruhigt über das Schicksal ihrer Altersversorgungsinstitutiou sein. Der Vermögensstand hat sich sehr gehoben, die Verzinsung ist eine entsprechende, und die Unken, die so heuchlerisch ihrer Besorgnis Ausdruck gegeben haben, daß die Prosperität des Fonds, weil nicht auf versicherungstechnischer Grundlage ausgebaut, in den nächsten Jahren sinken muß, haben nicht recht behalten. Ganz im Gegenteil: Die Prosperität steigt, die Ausgaben sind im durch, aus progressiven Verhältnis zu den Einnahmen, und wenn die Staatsbahnverwaltung den Unfug, noch dienstfähige Mitglieder in den Ruhestand zu versetzen und den Provisionsfonds dadurch zu helasten, abschafft, so ist für lange Jahre die Gefahr gebannt, daß das Etsenbahn-ministerium in die Gefahr kommt, vom § 11 der Statuten Gebrauch machen zu müssen. Es freut uns ganz besonders, dies konstatieren zu können, weil wir schon in unserem Blatte Nr. 19 vom 1. Juli 1905 behauptet haben, daß das Provisionsinstitut aktiv i st und auf eine absehbare Zeit aktiv bleiben wird. Das behaupten wir auch heute, und sollten in der Tat Verhältnisse cintreten, die größere Anforderungen an das Provisionsinstitut stellen würden, dann muß eben die k. k. Staatsbahnverwaltung das tun, was andere Privatbahnverwaltungen getan und noch tun: die Bei-träge der Verwaltung erhöhen. Dann ist das Gleichgewicht wieder hergestellt. Und nun einige Ziffern zur Bekräftigung unserer Behauptung. Die Zahlen, die wir bringen, umfassen die dreijährige Funktionsperiode' des Ausschusses: im Kronen 1910 Kronen + Kronen Kronen Einnahme». SmitöfienSfalbo . . Beiträge samt Nachzahlungen .... Beiträge bei Betriebe» Zinsenerträgni»'. . . Erträgni» tion Häufen, unb Qinmbslucltn . Ctrafgelber .... Sonstige (itnnalimen . 30,213.760-33 4,022.811-99 1,840.73846 1,294.194 28 207.4 97" 00 32.178*66 2.850*88 40,716.686-18 6,062.509'£3 2,622.341*5' 1,242.562 77 510.147-55 56.188-14 6.010*80 4.502.875 85 2,039.607-34 781.603 10 808.650-26 21.009 49 4.059 88 51.631 51 Summe. . Ausgaben. Provisionen an Mitgl. Provisionen an Witwen und Waisen . . . Abfertigungen. Rück-ersätze. ErziehungS-betträge, Steroe-qufirtntc und sonstige Au-gaben .... Kursverluste .... 43,614.031-88 3,654.862 20 1,520.726-53 516.096-21 308.112-10 51,223.206-82 4,837.253 75 1,650.023*24 673.003-60 289.503 85 7,609.269 44 1,282.30155 444.726-53 157.812-18 78*608*25 Summe. . 6,959.797'04 7,765.680-58 1,805.902*49 • Die Gegenüberstellung der Ein- und Ausgaben stellt den deutlichsten Beweis dafür aus, daß die Bilanz des Provisionsinstituts nicht nur nicht passiv ist, sondern daß das Verhältnis der Einnahmen zu den Ausgaben von Jahr zu Jahr günstiger wird. Der Vermögensstand hat sich gegenüber dem zu Ende 1907 um 8 8 Prozent erhöht; ebenfalls sind die Einnahmen um 8-5 Prozent, die Ausgaben aber um 7-6 Prozent gestiegen. Wenn man mit den Versetzungen in den Ruhestand etwas rigoroser Vorgehen und einem jeden Bediensteten, der noch jung an Jahren Dienst machen könnte, sofort, sei es wegen Kurzsichtigkeit, _ Farbenuntüchtigkeit, Schwerhörigkeit vder anderen leichteren Krankheiten, die den Bediensteten nach einer längeren Rekonvaleszenz zu weiteren Dienstleistungen befähigen würden oder weil der beitreffende Bedienstete gar mißliebig wurde, nicht in den Ruhestand versetzen würde, so dürsten die Ausgaben eine weitere Reduzierung erfahren. Auf den ersten Blick fällt Ans der wirklich geringe Beitrag des Betriebes auf. Wahrlich, die Ausgaben des Eisenbahnministeriums für soziale Fürsorge schauen sehr windig aus und den Herren vom Ministerium stehen die sozialpolitischen Allüren wahrhaftig nicht gut an. Sehr bemerkenswert ist die bedeutende Zunahme der Strafgeldbeträge; auch eine Bei« tragsleistung. Erfreulich ist die Steigerung der Erträgnisse aus den Häusern, die vom Provisionsfvnds gebaut worden sind; sie haben die stattliche Höhe von mehr als einer halben Million Kronen erreicht. Aus dem Vermögensausweis geht hervor, daß man in der Wohnungsfürsorge wirklich Fortschritte gemacht hat. Während im Jahre 1908 Realitäten im Werte von Kr. 9,373.178-49 vorhanden waren, stieg der Wert der Realitäten im Jahre 1910 auf Kr. 16,458.887-42, das ist um Kr. 7,085.708-93 oder um 41 8 Prozent. In diesen Ziffern drückt sich am deutlichsten die Tätigkeit des Ausschusses aus. Das VermDtzcn des Provisionsinstituts beträgt 190* 1910 _ + — -s- — Kronen in Kronen in Prozenten werwavierc . 27,809.1M’85 *6,lflS.04d-30 . 1,016.117-66 . 81 Realitäten . 9,573.178-49 10,458.887-43 7,086.708-98 . 41'8 . Sonstige» . . 471.894-50 806.875-07 333.708-57 . Summe . . 37,054.231-64 43,467.006-79 0,808.371-95 . . Es resultiert also ein Vermögenszuwachs von mehr als 8 Prozent. Die Ausrede auf die Pafsivität des Fonds ist demnach vollkommen irrelevant. * * * Diesen kurzen, aber um so inhaltsreichen Bericht legen wir den Mitgliedern des Provisionsinstituts vor und sprechen die Ueberzeugung aus, daß alle — auch die Gegner unserer Organisation — wenn sie objektiv die Tätigkeit des Ausschusses und nicht minder der Organisation überprüfen, zugeben werden, daß auf dem OSeöiete der Altersversorgung bei den k. k. Staatsbahnen ein großer Fortschritt zu verzeichnen ist und daß durch diese Tätigkeit die Stellung des Eisenbahners im Falle der Arbeits- und Dienstunfähigkeit eine bedeutend bessere würde, als sie noch vor zirka zehn Jahren war. Diese Arbeit ist uns wahrlich nicht leicht gemacht worden, aber das Bewußtsein übernommener Pflicht, Energie, Ernst und Arbeitsfreudigkeit überwanden alle Schwierigkeiten. Nun sind aber noch wichtige Dinge durchzuführen, noch gibt es eine Menge Arbeit, die den Mitgliedern des ProvisionsiustitutS neue Vorteile bringen soll. Zu dieser Arbeit gehören wieder die obenangeführten Eigenschaften und vor allem eine mächtige, starke Organisation, die den gewählten Vertrauensmännern nicht nur mit Rat 6 c i st e h t, sondern auch ihr Machtwort in die Wagschale legt und die Aktionen des Ausschusses unterstützt. An den Eisenbahnern ist es nun, zu entscheiden, ob sie auf diese Unterstützung nicht verzichten wollen, ob sie in den neuen Ausschuß Männer entsenden wollen, die, frcijedcrparteipolitischenRankune, nur an ihre Pflicht denken und nur die Interessen ihrer Wähler, ohne Unterschied ihrer Parteizugehörigkeit, im Auge haben. —d-«- Aus dem Reichsrat. Die sozialdemokratischen Anträge gegen die Tenernng. In der am Donnerstag den 5. d. M. stattgefundenen ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses haben die Abgeordneten Dr. A d l e r, P e r n e r st o r f e r und S e i tz einen Antrag betreffend Maßregeln zur Abwehr der Verteuerung der Wohnungen und der Lebensmittel eingebracht. Nach einer ausführlichen Begründung wurden folgende Forderungen gestellt: I. Zur Abwehr der Wohnungsnot und Wohnungsteuerung wird die Regierung aufgcfordert, dem Abgeordnetenhaus folgende Gesetzentwürfe vorzulegen: 1. Den Entwurf eines Enteignungsgesctzcs, durch welche? die Gemeinden ermächtigt werden, den städtischen.Grund und Boden aus Gründen des öffentlichen Wohls zu enteignen und ihn der gemeinnützigen Bautätigkeit zuzuführen. 2. Den Entwurf eines Gesetzes, durch das die Bestimmungen über die Hauszinssteuer, die HauSklassenstcuer und die töprozcntigc Steuer vom Erträgnis hauszinsfreier Gebäude abgcändcrt werden: a) Gebäude, die nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes gebaut werden, sind von allen Steuern befreit; b) die Steuer der älteren Gebäude wird schrittweise herabgesetzt; c) für Luxusbauten (Schlösser, Villen u. s. w.) wird eine besondere Luxussteuer eingeführt. 3. Den Entwurf einer Novelle zum Gebührengeseh, durch das die bisherigen Bestimmungen über die Liegen« schaftsgebühren aufgehoben werden und an ihre Stelle eine Wertzuwachssteuer und eine Bauplatzabgabe Don unbebauten Baustellen gesetzt werde. II. Zur Abwehr der Fleischteuernng wird die Regierung aufgefordert: 1. Ohne weitere Verhandlungen mit Ungarn jedes Ansuchen um Zulassung der Einfuhr des überseeischen Fleisches zubewilligen und die Einfuhrbewilligung weder der Zeit noch der Menge nach zu begrenzen. 2. Verhanolungen mit Serbien über den Abschluß eines Handelsvertrages einzulciten, und zwar in dem Sinne, daß gegen angemessene Zugeständnisse an die österreichische Industrie die Einfuhr von Lebendvieh und Fleisch von Serbien ohne Beschränkung gestattet wird. III. Zur Abwehr der Milchverteuerung wird die Regierung aufgefordcrt: 1. Aus den Mitteln des Viehvcrwertungsfonds in der Nähe großer Städte und der großen Industriegebiete staatliche Milchwirtschaftsbetricbe zu errichten, die vom Staate selbst zu betreiben sind und die die Milch zum Selbstkostenpreise unter Ausschluß des Zwischenhandels an die Gemeinden und Konsumgenossenschaften abzugeben haben. 2, Für den Transport der Milch auf den Staatsbahnen ein niedriges einheitliches Milchporto festzusetzen und Kühlwagen für den Transport von Milch zu beschaffen und sie den Gemeinden und Konsumgenossenschaften zur Verfügung zu stellen. IV. Zur Abwehr der Verteuerung des Getreides, des Mehle», der Hülsenfrüchte und der Futtermittel wird die Regierung aufgcfordert, mit der ungarischen Regierung unverzüglich Verhandlungen über die zeitweilige Aufhebung der Zölle auf Getreide, Mehl, Hülsenfrüchte und Futtermittel emiultiian. V. Zur Abwehr der Verteuerung dcS Zuckers wird die Regierung aufgcfordert, die Verordnung vom 20. April 1808, R.-G.-Vl. Nr, 59, betreffend den Verkehr mit Sacharin unverzüglich aufzuheben 'und mit der ungarischen Regierung Verhandlungen über die Aufhebung der Verordnungen vom 20. April, N.-G.-Bl. Nr. 49, 50, über die Einfuhr von Sacharin vom Ausland cinzuleitcn. VI. Zur Abwehr der Verteuerung der Kartoffeln und des Spiritus wird die Regierung aufgefordcrt, dem Abgeordnetenhaus unverzüglich einen Gesetzentwurf über die Aenderung der Bestimmungen über die Besteuerung des Branntweines vorzulegen, und zwar in dem Sinne, daß alle direkten und indirekten Prämien an die Spiritusbrennereien (Kontingentprä-mien, Erzeugungs- und Ausfuhrbonifikationen) gänzlich ab« geschafft werden. VII. Zur Abwehr der Verteuerung des Petrofeums wird die Negierung aufgcfordert, den Petroleumraffinerieck und den Rohölücrgbaucn alle zugewendeten staatlichen Begünstigungen zu entziehen, wenn sie nicht den Petroleumpreis sofort angemessen ermäßigen. VIII. Zur Abwehr der Teuerung der Kohle wird die Regierung aufgefordcrt, dem Abgeordnetenhaus unverzüglich eine Novelle zum Berggesetz vorzulegen, welche die im Antrag Reumann, Seliger, Regner, Cingr und Genossen betreffend die Enteignung der Kohlenbergwerke (21. Session, Beilage 65) vorgeschiagencn Bestimmungen zu enthalten hat, IX. Zur Abwehr des Preiswuchers der Kartelle überhaupt wird die Negierung aufgefordert: 1. Dem Abgeordnetenhaus tunlichst bald Bericht zu er-, statten, ob und inwieweit sie die Vorbedingungen für die Monopolisierung zunächst des Großhandels mit Eisen, Zucker, Bier, Petroleum, Spiritus, Kohle, Seife und anderen durch die Kartelle verteuerten Waren, in weiterer Folge auch die Monopolisierung der Produktion dieser Waren für gegeben hält. 2. Dem Hause den Entwurf eines Gesetzes über die Regelung dcS Kartellwesens vorzulegen, wobei die Regelung des Kartellwesens von der des KoalitionsrechtcS der Arbeiter vollständig zu trennen ist. Die Geltung des Kartcllgesetzes muß sich ebenso auf die industriellen wie auf die agrarischen Kartelle, insbesondere die Milchkartelle, erstrecken. Es muß einerseits die Selbstverwaltung ermächtigen, dem Preiswucher dev Kartelle entgegenzuwirkcn, anderseits aber den Arbeitern der kartellierten Betriebe wirklichen Schutz gegen die Uebermacht des konzentrierten Kapitals gewähren. 3. Solange ein solches Kartellgesetz nicht besteht, dem Wucher der Kartelle durch Entziehung aller jener gewährleisteten Begünstigungen auf den Staatsbahnen und durch die strengste Handhabung aller gewcrbe- und steuerrechtlichen Vorschriften in ähnlicher Weise entgegenzuwirken, wie die Regierung gegen die Petroleumraffinericn in Szieditz und) Limanowa vorgegangen ist. X. Zur Abwehr des wucherischen Treibens des Zwischen- handels wird die Regierung aufgefordert: 1. Dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf vorzu» legen, durch welchen die Konsumgenossenschaften von der Erwerbsteuer vollständig befreit werden. 2. Dem Abgeordnetenhaus den Entwurf eines Genosicn-schaftsgesetzes im Sinne der von der Zentrale der österreichischen Konsumvereine gestellten Forderungen vorzulcgen. 3. Die politische Landesbehörde anzuweisen, sie möge überall für die zu den notwendigsten Bedürfnissen des täglichen Unterhaltes gehörenden Artikel, die.int Kleinverkauf du Äh Preistreibereien verteuert werden, Maximaltarife nach § 51 der Gewerbeordnung festsetzen. XI. Weg mit dem Zilltarif! Die Regierung wird aufgcfordert, bei den Vorarbeiters für den autonomen Zolltarif, der an die Stelle des jetzigen bis zum Jahre 1917 gültigen zu treten hat, die Abschaffung der Zölle auf Getreide, Futtermittel, Vieh, Fleisch, Eisen, Zucker und Kaffee und die Ermäsngung der Zölle auf die anderen durch die Kartelle verteuerten Waren in Aussicht zu nehmen. Ferner wird beantragt, diese Anträge dem Teucrungs-ausschuß zuzuweiscn mit dem Auftrag, daß er sie sofort in Verhandlung zu ziehe» und über jeden einzelnen dieser Anträge sofort nach beendeter Vorbereitung, über alle aber, spätestens inerhalb 14 Tagen Bericht zu erstatten habe. Da« der Südbahn. Protokoll über die am Donnerstag den 8. Juni 1911 in Wien statt-gefundene Beratung der Pcrsonalkvmmissivn, und zwar der Gruppe des Stativnspersonals des Verkehres und der Gruppe der Lohncrhaltung der Sektion für Diener, betreffend allgemeine Angelegenheiten der Bediensteten dieser Gruppen. Anwesend: Vorsitzender Herr administrativer Direktor kaiserlicher Rat Dr. Gustav Fall. Stellvertreter Herr Ma-schinendirektorstellverlreter Dr. ing. Karl Schlöß; Sekretär Herr DirektionSsckretär und Abteilungsvorstand Doktor Moritz Leonore D o m c » e g o; von der Baudireltion Herr Abteilungsvorstand Inspektor Ingenieur Franz Berger; von der Verkehrsdirektion Herr Bureauvorstand Inspektor Franz Pölleritzer; von der administrativen Direktion Herr Bureauvorstand Bahnkommissär Dr. Albert Grabscheid. I. Von derGruppedeS Station Spersonal» des Verkehrs: A. Der ernannte Ersatzmann: Johann Krhsta, Blocksignnldiener in Wien (Südbahnhof); B. die gewählten Mitglieder: Josef Wagner, Wächter in MatzleinS« dors (V), Josef O s m e z, Portier in Bozen, Franz W e n d I, Magazinsaufseher in Graz. II. V o n der Gruppe der Bahncrhaltung: A. daS ernannte Mitglied: Josef Rainer, Wächter in Olang (E); B. die gewählten Mitglieder: Franz Herzig, Wächter in JnzerSdorf (Haltestelle) (E), Franz F a st l, Wächter in Oisnitz (E), Josef Stöcklinger, Wächter in Klagen« furt (E); Schriftführer: Bahnkonzipist Dr. Emil Th um er, Veamlenaspirant Dr. Oskar C h a r-l e m o n t. Nach Begrüßung der Personalkommission durch den Vorsitzenden stellt der Direktionssekretär die Präsenzliste fest und konstatiert die ordnungsmäßige Konstituierung der Personalkommission. Zu Verifikatoren des Protokolls werden die Personal«; kommissionsmitglieder Krhsta und Wagner gewählt. Der Vorsitzende bemerkt, die Einberufung der Personalkommission sei gemäß den Statuten erfolgt. Ein» Tagesordnung-liege nicht vor. Er ersuche die Personalkommissionsmitglieder sich hierüber zu äußern. PcrsonalkommissionSmitglied Herzig erklärt zunächst, daß die Einladung unklar stilisiert sei; cs heißt dort: „Beratung betreffend allgemeine Angelegenheiten des Wächterpersonals". Man wisse nun nicht, ob heute tatsächlich allgemeine Angelegenheiten bloß des Wächterversonals oder solche aller Kategorien der hier vertretenen Gruppen behandelt werden sollen. Der Direktionssckrctär klärt auf, daß Angelegenheiten aller hier vertretenen Kategorien zur Sprache kommen sollen; es sei immer üblich gewesen, die wichtigste Kategorie herauszugreifen und in den Einladungen anzuführen. Im übrigen würden die Einladungen in Hinkunft genauer gefaßt werden. Personalkommissionsmitglied Herzig schlägt nunmehr folgende Tagesordnung vor: Die in dem von der Gewerkschaft am 9. Mai 1911 überreichten Memorandum enthaltenen Forderungen der Wächter seien der Reihe nach zu besprechen und im Anschluß hieran die einschlägigen Forderungen der übrigen Verwendungskategorien. Da dieser Vorschlag allseitige Zustimmung findet, wird 'n die Beratung cingegangen: Punkt 1. Anderthalbfache Anrechnung der Dienstzeit der Wächter in die Pension oder mindestens Einreihung der vollen Pension nach 30 Dienstjahren. Personalkommisstonsmitglied Herzig erklärt, daß diese Forderung schon vor Jahren gestellt worden sc,, insbesondere auch von den Wächtern. Bei der stets zunehmenden Verdichtung des Verkehrs steigen auch die an die Bediensteten gestellten Anforderungen fortwährend, so daß nur selten einer 35 Dienstjahre zurücklegen könne. Solange die anderthalbfache Anrechnung nicht bewilligt werden könne, müsse wenigstens die volle Pension nach 30 Dienstjahren gewährt werden. Im Pensionsausschuß sejcn schon dem Zugbegleitungspersonal bezüglich der anderthalbfachen Anrechnung gewisse Zusagen gemacht worden und die Wächter haben infolgedessen beschlossen, daß sie dasselbe bekommen müssen. Die Lokomotivführer hätten die anderthalbfache Anrechnung schon lange und auch die ZugS-Bcglcitcr genießen eine höhere Anrechnung der Dienstzeit. Personalkommissionsmitglied Wagner schließt sich diesen Ausführungen bezüglich öer Verschieber, Oberverschieber und Lampisten an. Personalkommissionsmitglied 5krysta bezüglich der Blocksignaldiener und Personalkommifsionsmitgiied OSmez bezüglich der Portier:. Inspektor Berger fragt das Personalkommissionsmit-glied Herzig, ob diese Forderung sitt alle Wächter gelten solle, da dock' niebt alle einen gleich anstrengenden'Dienst versehen. (Schranfemoächtcr, Streckenvcgeher, Wächter im Kanzleibienst: u. 1. w) PersonalkommissionSmitglied Herzig erklärt, die Forderung sei vom gesamten Exekutivpersonal für das gesamte Exckntivpersonal gestellt worden, für bas Kanzleipersonal sei sic nicht gestellt worden. Punkt 2. Gewährung der Nachtdienstzulage, per Nacht 1 Kr. an alle Wächter, welche Nachtdienst versehen. PersonalkommissionSmitglied Herzig erklärt, diese Forderung sei schon wiederholt erfolglos gestellt worden. Es sei ungerecht, daß das gesamte Personal, welches Nachtdienst macht, eine Nachtdienstzulage von 1 bis 2 Kr. beziehe, mit alleiniger Ausnahme der Wächter. Die Wächter hätten einen ebenso verantwortungsvollen und anstrengenden Dienst, wie andere Kategorien und die Lebensmittel seien für alle gleich teuer. Der Vorsitzende fragt, ob die Wächter der k. k. Staatsbahnen eine Nachtdienstzulage haben. PersonalkommissionSmitglied Herzig verneint dies; nur die Kontrollwächter hätten diese Zulage. Personalkommissionsmitglied Wagner verlangt die Nachtdienstzulage auch für die Weichenwächter. Bei den k. k. StaatSbahnen sei die Nachtdienstzulage seit 1. Jänner 1909 für sämtliche Kategorien eingesührt, mit Ausnahme der Wächter und ZugSbeglciter. Punkt 3. . Abschaffung deS FrauendiensteS. Auf Posten mit Schran-fendienst sollen sich nur Wächter gegenseitig ablösen. Wächter, die Schrankendienst versehen, sollen zum Streckcnbcgcherdienst nicht verwendet werden und umgekehrt. Allen Streckenbegehern und sonstigen Wächtern, welche einen 16/16- oder 18/18- stündigen Turnus haben, soll allmonatlich ein freier Tag, das heißt eine freie Tour gewährt werden. Solange der Frauen-dienst nicht ganz aufgehoben wird, sollen mindestens für Frauen 45 Kr. monatlich gezahlt werden. Für Streckenbegeher soll das Pauschale (nicht Zulage) auf 360 Kr. jährlich erhöht werden. Gewährung von jährlich 50 Kr. Sticfclpauschale an alle Streckenbegeher. Nach Verlesung dieses Punktes verläßt Herr Direktor Fall die Sitzung; den Vorsitz übernimmt der inzwischen erschienene Herr Direktorstellvertreter Schloß. Personalkommissionsmitglied Herzig bespricht nun die einzelnen Petitionen. Die Forderung um Abschaffung des FrauendiensteS werde seit langer Zeit gestellt und ihre Erfüllung wäre sowohl im Interesse des Personals als auch im Interesse des Dierstes. Eine große Anzahl von Frauen versehe heute den Schrankendienst bei Straßenübersetzungen mit starkem Verkehr. Auf solche Posten gehören keinesfalls Frauen. Die Frauen können den Schrankendienst nicht mit derselben Aufmerksamkeit versehen, wie ein Mann, da sie auch die Hauswirtschaft sühren und die Kinder beaufsichtigen müssen. Wächter, welche Schrankendienst versehen, sollen zum Strcckeiibcgeherdienst nicht herangezogen werden und umgekehrt. Beide Dienste sollen getrennt werden, wie bei den k. k. StatSbahnen. Dort habe der Wächter keine Strecke zu begehen und der Streckenbegeher, der dort „ambulanter Wächter" heiße, habe keinen Schrankendienst. Der Streckenbegeher habe bei den k. k. StaatSbahnen täglich 3 bis 6 Kilometer zu begehen, und zwar dreimal innerhalb 16 Stunden, bei uns habe er 18 Kilometer einmal zu begehen. Bei uns habe er aber außerdem acht Stunden Schrankendienst, bei den k. k. StaatSbahnen nicht. Bei uns müsse er (bei manchen Sektionen wenigstens, insbesondere im Jnspektorat Klagensnrt) Bahnerhaltungs-arbciten verrichten; c5 heißt dann, er habe eine Reservezcit, in der er Bahnerhaltungsarbeiten machen müsse. 'Allen Streckenbegehern und sonstigen Wächtern, welche einen 16/16- oder 18/18stündigen Turnus haben, solle allmonatlich ein freier Tag, das heißt eine freie Tour gewährt werden. Heute hätten diese Leute keinen freien Tag, sondern nur 16, beziehungsweise 18 Stunden frei. Die ZugSbeglciter und Wächter von V dagegen könnten eine Tour dienstfrei nehmen, wenn cs der Dienst zulasse. Bei den Bahnerhaltungssektionen gebe cs daS nicht, wer dort frei haben will, muß Urlaub nehmen. Es habe einmal geheißen, daß kurze Urlaube gewährt werden können, die nicht in das gebührende Urlaubsausmatz eingerechnet werden sollen. Im Bereich der Baudirektion sei dies bisher nicht'durchgeführt worden, die Bandirektion möge diesbezügliche Weisungen Hinausgehen lassen. Solange der Frauendienst nicht ganz aufgehoben sei oder die Frauen gleich den Männern angeftellt würden, sollen mindestens 45 Kr. jeder Frau bezahlt werden. Das sei ohnedies sehr wenig für eine Frau, die Tag für Tag 12 Stunden Dienst machen müsse. Gegenwärtig seien die Frauen mit Block- und Schrankenbedienung schlechter daran, als die Frauen mit bloßem Schrankendienst. Die gegenwärtige Streckenbegeherzulage von 120 Kr. solle in ein Pauschale umgewandelt und auf 360 Kr. erhöht werden. Schon im Oktober 1910 sei eine Erhöhung dieses Pauschales zugesagt worden. Den Beamten und Unterbeamten, die ein Neisepaujchale haben, belasse man cs bei Urlaub oder Erkrankung durch zwei Monate, dem Streckenbegeher dagegen werde seine Zulage schon entzogen, wenn er einmal eine Tour nicht mache. Den Streckenbegehern solle ein Stiefelpauschalc von jährlich 50 Kr. gewährt werden, weil sie sehr viel aus sehr schlechten Wegen (Schotter u. s. w.) zu gehen haben. Die Wasserleitungsaufseher der Kommune Wien haben auch ein Stiefelpauschalc. Personalkommissionsiniiglied Stöcklingcr erklärt, die Schrankenwächterinnen hätten mit 1. April 1910 eine Erhöhung der Schrankendienstzulage um 5 Kr, erhalten; die Zugsmeldewächierinnen nicht, sondern nur jene Zugsmelde-wächterinnen, die auch Schrankenbedienung haben, haben die Hälfte dieses Betrages erhalten. Wenn die Zugsmeldcwächte-rinnen schon nicht mehr bekommen wie die Schrankenwächte-rimten, sollen sie doch dasselbe wie diese erhalten. Inspektor Berger erklärt, die vom Personalkommissionsmitglied Herzig vorgebrachten Beschwerden rührten hauptsächlich von der durch die neue Diensteinteilung einge-tretenen Mehrbelastung der Wächter ber. Diese Mehrbelastung war aber unvermeidlich, um den Wächtern die verminderte Dienstzeit und erhöhte Ruhezeit gewähren zu können. Die Bandirektion hätte gegen die Erfüllung der vorgebrachten Wünsche nichts einzuwenden, weil bei geringerer dienstlicher Inanspruchnahme die Aufmerksamkeit des Personals erhöht würde. Bei den k. k. Staatsbahnen hätte tatsächlich jeder Wächter nur bis zu 6 Kilometern Strecke zu begehen. UebrigenS werde man die bei Erfüllung aller Wünsche der Wächter erwachsenden Mehrkosten berechnen. Die Abschaffung des FrauendiensteS würde vielleicht bei manchen Wächtern Widerspruch erregen, denen dadurch ein Verdienst entgehen würde. Die Baudirektion sei bemüht, die Verwendung von Frauen auf Posten mit starkem Verkehr zu vermeiden. Er ersuche um Bekanntgabe von Posten mit starkem Verkehr, wo gegenwärtig Frauen verwendet werden, um dort Abhilfe treffen zu können. Am ehesten ließe sich ein freier Tag gewähren. Gesetzlich sei jedoch die Verwaltung hierzu nicht verpflichtet, sondern nur zur Freigabe van einmal 16 Stunden und daS treffe beim 13/16ftündigen Turnus zu. Die Umwandlung der Streckenbegeherzulage in ein Pauschale werde der Herr Sektionkchef vielleicht zugestehen. Eine Stiefelpaufchale hätten auch die Bahnmeister nicht. Die erste Zulage, welche die Bahnmeister im Jahre 1893 oder 1894 bekommen hätten, habe zwar so geheißen, sic sei aber schon längst in da? Streckenpanschale übergegangen. DaS Personalkommissionsmitglied Herzig scheine in einem gewissen Irrtum befangen zu sein, er (Inspektor Berger) habe nur die vorgebrachten Wünsche anzuhören, gegebenenfalls sofort Aufklärungen zu erteilen und im übrigen dem Baudirektcr Bericht zu erstatten. Zu einer bindenden Zusage sei er nicht berechtigt; ob die anwesenden Vertreter der administrativen Direktion hierzu berechtigt seien, wisse er nicht. Hieraus bemerkt der Direktion? sekretär, daß auch er zur Erteilung von Zusagen nicht ermächtigt sei. Personalkommissionsmitglied Herzig erwidert bier auf, die PersonalkoininifsionSmitglieder hätten gedacht, das; sie sofort hören würden, was dein Personal gewährt werden könne, sowie es Ende Oktober 1910 der Fall war. Sie hätten ihre Mandanten auf die Personalkominissionssitzung vertröstet und mm müssen sie wieder nach Hause gehen ohne zu missen, was bewilligt werde. Der SektionSches habe zugesagt, daß die Aufbesserung der Streckenbegeherzulage nicht der „letzte Schritt" sei, sondern nur „momentan" sei cs der letzte Schritt, habe er gesagt. Die Gewährung eines freien Tages sei wünschenswert, wenn auch hierzu keine gesetzliche Verpachtung bestehe, denn wann solle daS Personal eigentlich sortgehen? Kollege Stöcklingcr habe seinerzeit daraus hingewiesen, daß die Leute nicht einmal einkausen gehen können, ohne eS dem Vorgesetzten zu melden, der oft nicht da sei. Das übrige Personal habe einen bis zwei freie Tage und da»eben auch freie Turnusse, auch das Wächterpersonal solle daS- bekommen. Er bemerke übrigens ausdrücklich, daß die Wächter nicht einen freien Tag, sondern eine freie Diensttour haben wollen. Auf die Strcckencintcilnng nehmen die Wächter keinen Einfluß, das solle die Verwaltung einteilen, wie sie wolle. Redner fragt an, warum die erwähnten Berechnungen nicht schon lange gemacht worden seien. Inspektor Berger erwidert, sic seien schon gemacht, er müsse sic nur neu zusammenstellen. PersonalkommissionSmitglied Herzig meint dann, die Personalkommissionsmitglieder seien nicht nur Vertrauensmänner des Personals, sondern sie wollen auch als solche von der Verwaltung aufgefaßt werden. Sie seien cs, welche die zahlreichen ihnen vom Personal vorgebrachten Wünsche erst sichten und ordnen müßten, um sie dann der Verwaltung vorlegen zu können. Inspektor Berger verwahrt sich dagegen, daß alles, was er sage, umgedreht werde; er habe mit keinem Worte von einer Erhöhung der Streckenbegeherzulage gesprochen, sondern nur von der Umänderung des Titels „Zulage" in „Pauschale", wobei sich dann ein Modus finden ließe, daß dasselbe nicht gleich bei der Erkrankung eingestellt werde. Anlangend den Vorwurf des Personalkoinmissionsmit-glicdcS Herzig wegen der Berechnungen bemerkt Redner, daß die Berechnungen schon mehrmals gemacht und darüber berichtet wurde, daß jedoch bisher die ungünstige finanzielle Lage der Gesellschaft die Erfüllung der gegenständlichen Forderungen nicht zu gelassen habe. Er werde diese Forderungen neuerdings Vorbringen; ob sic jetzt bewilligt werden würden, wisse er nicht. Direktor Dr. ing. Schloß erklärt, die Personalkommission sei als ein Forum gedacht, welches die Wünsche des Personals entgegennimnit und nach Möglichkeit der Erfüllung zuführt. Die vorgebrachten Ansuchen könnten nicht sofort erledigt werden, inan müsse sie erst studieren und an maßgebender Stelle Vorbringen. PersonalkommissionSmitglied Herzig erklärt, er sehe ein, daß nicht alles von heute auf morgen gemacht werden könne, aber die meisten Punkte seien Urgenzen von Forderungen, die schon lange ausgestellt wurden. Die Wächter fühlen sich besonders stark benachteiligt gegenüber anderen Kategorien. Sie bekommen eine Zulage überhaupt nicht (wie beispielsweise die Nachtdienstzulage) oder nur in ganz bescheidenem Ausmaß. Bei gutem Willen wäre schon einiges durchzusetzen. Personalkommissionsmitglied Wagner wünscht die Gewährung eines freien Tages auch für die Weichenwächter. Inspektor Pölleritzer nimmt dies zur Kenntnis. Punkt 4. Für Schrankenwächterinnen allmonatlich zwei freie Tage und jährlich zehn Tage Urlaub. Personalkommifsionsmitgiied Herzig erklärt, daß die Wagcnnntcrsucher und verschiedene andere Gnippcn, die nur Tagdienst machen, mindestens zwei Tage monatlich frei haben, die Wächterinnen aber nur einen Tag. Hic und da wolle doch auch der Wächter mit seiner Frau zugleich sortgehen; das wäre nur möglich, wenn beide zugleich frei sind oder die Wächterin für den Kirchengang vier Stunden frei habe. Heute müsse der Wächter während dieser vier Stunden Dienst machen, vielleicht gegen die Absicht der Bandirektion. Auf manchen Strecken sei dies nur eine Folge des Umstandes, daß man keinen Substituten habe und solche von anderen Sektionen nicht heranziehen wolle. Man habe gesagt: Damit die Wächterin vier Stunden sortgehen kann, solle der Wächter den Dienst machen, dafür brauche er um vier Stunden weniger BahnerhaltnngSarbeiten machen. Bei den DahnerhaltüngSsektionen werde das aber teilweise so aufgefaßt, daß der Wächter diese vier Stunden Dienst machen müsse, auch wenn ein Substitut da sei. Eine diesbezügliche Weisung der Bandirektion würde dem wohl abhelsen. Die Wächter sehen ja ein, daß sie den Dienst machen müssen, wenn keine Substituten da sind. Inspektor Berger erwidert, es sei nicht beabsichtigt und auch nicht möglich, daß die Baudirektion diese interne» Sachen regele, er werde sich aber für die Sache interessieren-Punkt 5. Herausgabe der Verfügung, daß der Standpunkt des Wächters aus allen Schrankenposten bei der Diensthütte sein soll. . PersonalkommissionSmitglied Herzig erklärt, der Wächter solle auf der Seite den Schranken zu bedienen haben, wo seine Hütte stehe, sonst könne er leicht überfahren werden, wie es schon einmal vorgekommen sei. Den Wächtern sei einmal vom Bahnmeister ein Zirkular vorgelesen worden, demzufolge sie nicht auf die andere Seite hinübergehen durften, die Leute haben das befolgt und würden dann deshalb von der ScktionS-iciti'ng bestraft. Entweder habe also der Bahnmeister das Zirkular nicht verstanden oder die Sektion. Man solle die Leute nicht strafen, wenn sie dem Besehl des Bahnmeisters Folge-leisten. (Fortsetzung folgt). Auf die vielen Anfragen, betreffend die Bemessung der Dekretstempelgebühren teilen wir an dieser Stelle mit, das; für dieselbe der Dekretstempel nach Tarifpost 40 a zum Gebührengesetz stets ^ alle mit der Be-dienstung verbundenen Jahreszeugnifse, ausgenommen Reisezulage, Bergzulage, ReinigungSznlage, Akkord- zulage, Nachtzulage, Karst- und Hafenzulage :c., in Betracht gezogen werden. Wächterhauszulage wird verge-bührt. Gleichzeitig ist zu bemerken, daß bei Dienern, deren Jahresbezüge 1200 Kr. nicht erreiche», der Stempel nach Skala IT. dagegen bei allen Bediensteten, die 1200 Kr. oder m e h r beziehen, der Stempel nach Skala III berechnet wird. Im Nachstehenden folgen zur Aufklärung einige Beispiele: Ein Bediensteter war zum Beispiel auf der Pottendorferlinie stationiert und ist im 1. Oktober 1907 in den Gehall von 1003 Kr. und der Onarticrgeldzulage von 72 „ Zusammen. . 1072 Kr. reguliert worden. Im Jahre 1909 ist derselbe nach Wiener-Neustadt versetzt worden. Im Juli 1010 in den Gehalt von........................................ 1100 „ in das Onartiergeld von............................... 368 „ Zusammen. . 1468 Kt- vorgerückt. Hiervon ab der im Oltober 1907 vergebührte Betrag per ........................................... 1072 „ ergibt daher eine Differenz von. . 396 Kr. Diese Disserenzgebnhr, dreimal nach Skala III genommen, resultiert den Stempelbetrag von Kr. 7'50. Ein Bediensteter auf der Strecke Wien ist am 1. Oktober 1907 in den Gehalt von 1000 K> Ouariiergeldzulage ... ..... . ... ................i 96 „ und einer Zulage . ... 96 „ Zusammen . . 1192 Kr.. reguliert worden. Am 1, Juli 1910 ist derselbe anläßlich seiner Versetzung auf die Strecke Wiener« Neustadt in den Gehalt von........................1100 „ in das Quarticrgcld von. . . ........................ 460 „ . und einer Zulage von................................ 72 „ Zusammen. . 1032 Str vorgerückt. Wird hiervon der bereits per 1. Oktober 1907 vergebührte Stempelbetrag von........1192 „ in Abzug gebracht, ergibt sich eine Differenz von. . 440 Kr. Diese Differenz, nach Skala III berechnet, resultiert den Stempel von 10 Kr. Ein anderer Bediensteter dagegen ist im Juli 1907 in den Gehalt von 1000 Kr. Onartiergeld von................................• • • 288 „ und einer Zulage von.................................. 60 „ Zusammen. . 1348 Kr. vorgerückt. Derselbe ist am 1. Juli 1910 in den Gehalt von.............................................. 1100 „ in das Onartiergeld von . ■......................... 288 , und einer Zulage von............................ 60 „ Zusammen. . 1448 Kr. befördert worden. Zieht man den bereits vergebühr-ten Betrag per 1. Juli 1907 von. . ... . . . . 1348 „ ab, so ergibt sich eine Differenz per. . . . 100 Kr. Diesen Betrag, dreimal nach Skala III berechnet, resultiert den bemessenen Stempel von Kr. 1'88. Ein Bediensteter war zum Beispiel zur Zeit der Regulierung am 1. Oktober 1907 in der Strecke Wien stationiert. Er bezog damals einen Gehalt von 1000 Kr. und ein Onartiergeld von.......................... . 288 „ Zusammen1288 Kr. Am 1. Juli 1910 ist derselbe in den Gehalt von. .■ 1100 „ dem Quartiergeld von............'..................... 368 „ und der Personalznlage von. . . 120 „ Zusammen. .■ 1588 KL vorgerückt. Zieht man hiervon den bereits vergebühr-tetx obigen Betrag von................................ 1288 „ ab, so ergibt sich eine Differenz von • 800 Kr. Nach Skala III berechnet, resultiert den Stempel von Kr. 7'50. Es war zum Beispiel ein Bediensteter am 1. Jänner 1907 in den Gehalt von 1000 Kr. dem Onartiergeld von.. . . . ....................262 „ und einer Zulage von................................. 60 „ Zusammen. . 1312 Kr, vorgerückt. Derselbe ist aber in eine andere Station versetzt worden, wo ein höheres Onartiergeld normiert ist und die Zulage eingestellt wurde. Die Vorrückung erfolgte am 1. Juli 1910 in den Gehalt von..................n-i.s.« 1100 K und dem Quartiergeld von La .f.- i.c.n.-.*,.. .»«u.-: 322 „ ' Zusammen.-., 1422 Kr. ab der bereits vergebührte Betrag vom 1. Jänner 1907 mit *.Vi • » • .«i 1812 „ ergibt sich eine Differenz bon 110 Kr.; Nach Skala III resultiert den Stempel von Kr. 2'5Ö. Ein Bediensteter hat zum Beispiel einen Ge- hat von . i.......................iti-t.tiziwil • . . - 800 Str. eine Quarticrgeldzulagc von . .. 72 „ vnb eine Frauenzulage von. E. $.rf. . r. - 120 „ Zusammen. M 992 Kr. bezogen. Vorgerückt ist derselbe in den Gehalt von. 900 „ in die Ouartiergcldzulage von. . . .-v................- 72 „ Und Frauenzulage von ... ,-j.120 „ Zusammen. 1092 Kr. Hiervon ab der bereits vergcbührte Betrag von. 992 „ jergibt eine Differenz von.". . . . . . 100 Str. Dreimal nach Skala II berechnet, resultiert einen Stempel von Kr. 126. Ein anderer Bediensteter, der zum Beispiel einen Gehalt von 900 Kr. und eine Quarticrgeldzulagc von. ./Vrf.'iMt« 72 „ Zusammen. 972 Kr. hatte, ist vorgerückt und erhielt den Gehalt von. ., 1000 „ und eine Ouarticrgeldzulage von. . . i. -. .!>.» 72 „ eine Zulage von .i.i. . .a.g.i.iz. 60 „ Zusammen. . 1132 Str. Zieht man den bereits obig vcrgebührten Betrag von 972 „ ab, so ergibt sich eine Differenz von. ■»■*»-»-. 160 Kr. Dreimal nach Skala II berechnet, resultiert den Stempel von 64 H. Ein Bediensteter hat zum Beispiel an Gesamtbczügen 1408 Kr. gehabt. Er ist vorgerückt und bezog in summa 1388 Kr. Da er für den Höchstbetrag von 1408 Kr. den Stempel bereits gezahlt hat, so wird ihm in diesem Fall kein Abzug gemacht. Ein anderer Bediensteter dagegen hat bei seinen früheren Vorrückungen an Gesamtgebühren zusammen 1260 Kr. bezogen. Durch eine weitere Vorrückung haben sich seine Bezüge derart gestellt, das; er dieselben Gebühren von 1260 Kr. erhielt. Für eine solche Vorrückung mus; der Stempel von 1 Kr. in Abzug gebracht werden. Für Definitivbestätigun-8 c n wird kein Stempel eingehobcn. Dckretstempel nach Skala II i n 13-34 26-68 40-02 66-68 133-34 200-02 266-68 533-34 800-02 1066-68 von 6-63 13-34 2002 33-34 66-68 100-02 133-34 266-68 400-02 533-34 666-68 800-01 1066-68 1335-34 1600-02 1866-68 2133-34 2400-01 618 Kronen 13.32 26-66 40— 66-66 133-32 200-— 266-66 533-32 800— 1066-66 1333-32 Gebühr —•14 -'26 —•38 —•64 1-26 1-88 250 5— 7-50 10 — 12-10 Dekrctstempel «ach Skala III bis in Kronen 6-60 13-32 20— 33-32 66-66 100 — 133-32 266-66 400-— 533-82 666-66 800"— 1066-66 1833-32 1600"— 1866-66 2133-32 2400— 2666-66 Gebühr —-14 — 26 —•38 —•64 1-26 1-88 2-50 5— 7-50 10— 12-50 15— 20— 25— 30— 35— 40— 45— 50'- Inland. Deutschradikale Verkommenheit. Die deutschradikale Partei hat für die Verhinderung der Einfuhr billiger Lebensmittel, für den schändlichen Zolltarif, für die elenden Handelsverträge, für die unerhörten Verzehungs-steuern gestimmt, die die Lebensmittel enorm verteuern. Noch im Juli dieses Jahres haben in der Frage der Fleischeinfuhr deutschradikale Abgeordnete dafür gestimmt, daß Oesterreich auf die Gnade Ungarns angewiesen werde, sie haben die Interessen der österreichischen Konsumenten schmachvoll an die habsüchtigen ungarischen Magnaten verraten. Die Dcutschradikalen sind also in vollem Maße mitschuldig an der furchtbaren Teuerung, die das Volk zur Verzweiflung treibt, sie tragen mit die volle Wucht der Verantwortung, wenn heute der Hunger in den Gedärmen der Arbeiter wühlt. Das führende Organ der Deutschradikalen aber, die vom Zuckcrkartell bestochene „Ostdeutsche Rundschau", erklärt am 19. September 1911, daß die Arbeiter „durch ihre fortgesetzten Lohnbewegungen die Haup.tschuld an den anhaltenden Preis-st ei gerungen aller Bedarfsartikel und Lebensmittel" tragen! Die vom Kartell bestochenen Schandbuben wagen es also, dem arbeitenden Volke, das durch ihre Schuld darbt und hungert, die Verantwortung für die von ihnen selbst begangenen Verbrechen aufzubürden I Aber noch mehr! Da die Empörung des ausge-wuchcrten Volkes überschäumt, als es in Wien zu wilden Wutausbrüchen des durch die Mitschuld der Deutschradikalen gepeinigten Volkes kommt, beschimpft die „Ostdeutsche Rundschau" die sozialdemokratischen Arbeiter in der infamsten, unerhörtesten Weise. Die Teilnehmer an der Wiener Demonstration vom 17. September werden in der Nummer des Blattes vom 19. September als ,,sozialdemokratische Plattenbrüder", „auf« gehetzte, betrunkene rote Horden", „Bandit c n", rote Räuberhorden", „roter Pöbel" und so fort bezeichnet. Das Blatt klagt auch darüber, daß der Kampf des Militärs „zu spät" gegen die Demon-stranten ausgenommen wurde, daß die „un glaub-lichstc Rücksichtnahme" auf die Genossen geübt worden sei. Die „Ostdeutsche Rundschau" verlangt „unnachsichtige Schärfe", sie wundert sich, daß ,-b.loß ein Toter" am Platze blieb: 1 Toter, 90 Verletzte, 263 Per- haftete sind dem führenden Blatte der deutschradikalen Partei zu wenig Opfer_________ Arbeiter! Merkt euch den Schimpf! Dergeßt nicht den Hohn! Gedenket immer und immer wieder des blutgierigen Appells, des Rufes nach Flintenschüssen und Bajonettstichen! Vergeht es nicht, wie die Deutschradikalen den Verzweislungsschrci des ausgewucherten Volkes beantworten. „Wir wollen auch einmal einen Schab machen." Die großen Molkereien in Wien haben vom 1. Oktober angefangen den Milchpreis uni 2 H. fite den Liter, von 28 auf 30 H., erhöht. Die enorme Preissteigerung erhellt aus der Tatsache, daß Wien gegenwärtig rund 900.000 Liter-Milch täglich konsumiert, daß also der Wiener Bevölkerung aus dieser Preiserhöhung eine Mehrbelastung von etwa 650.000 Kr. jährlich erwächst. Zum Viertenmal in elf Jahren vollzieht sich diese Erhöhung des Milchpreises um jedesmal 2 H.! Den Grund der neuerlichen Milchpreis, stcigcrung in Wien hat ein christlichsozialer Landtags« abgeordnetcr jetzt im niederösterreichischen Landtag verraten. Er sagte: „W i r w o l l e n a u ch einmal einen Schab machen." Neue Lokal- und Kleinbahnen. Wie das „Eisenbahnblatt" mitteilt, läßt sich für die nächste Zeit der Einleitung von Konzessionsverhandlungen für mehrere geplante Lokal- und Kleinbahnen entgegensehen. So hinsichtlich Verlängerung der bestehenden Kleinbahn Linz-Ebelsberg von Ebelsberg nach St. Florian, da die amtliche Entscheidung über die Traun-Reichsbrücke schon erslossen ist. Ferner hinsichtlich einer schmalspurigen (1 Meter Spurweite), elektrisch zu betreibenden Lokalbahn von Vökla-markt nach Attersee am Attersee, für welche die Gemeinde St. Georgen um die Konzessionserteilung eingeschritten ist. Endlich betreffs der sogenannten Gunschna-Drahtseil-bahn bei Gries. Der Konzessionserteilung für die Verlängerung der Aussiger Straßenbahnen von Pockau nach Tellnitz sowie für eine von der Pension Germania nach Gries herzustellendc Drahtseilbahn wird für die nächste Zeit entgegengesehen. Eine schallende Ohrfeige für Gautsch bedeutet die Nachwahl in Ottakring. Der sozialdemokratische Kandidat bekam 9893 Stimmen, also um 326 Stimmen mehr als Schuhmeier bei der Hauptwahl bekomme» hatte — die Christlichsozialen dagegen verloren 867 Stimmen! Es wäre schon ein glänzender Erfolg gewesen, wenn wir unsere Hauptwahlstimnien behauptet hätten. Bei Nachwahlen ist ja die Wahlbeteiligung gewöhnlich schwächer als bei den allgemeinen, und auch in Ottakring wählten vorgestern um 442 Wähler weniger als am 13. Juni. Und dennoch ein Stimmenzuwachs! Das ist ein Vernich-tcndes Urteil der Wählerschaft über die von Gautsch verschuldeten Vorgänge vom 17. September. Verlogene Zeitnngsiinchrichtcn. Die Bewegung der Eisenbahnbedienstcten muß dazu hcrhalten, den nationalen Eiscnbahnervereinen und dem christlichsozialen Verkehrsbund ihr Ansehen anfzufrischen, und zu diesem Zwecke lancieren diese Vereine diverse Nachrichten in die bürgerlichen Blätter. Diese Nachrichten werden von der bürgerlichen Presse in vielen Fällen ohne Ueberprü-fnng ausgenommen und so wird versucht, nach außen hin den Anschein zu erwecken, cs stiinde das Gros der Eisenbahnerschaft im nationalen oder christlichsozialen Lager. Eine der verlogensten Nachrichten ist die in der „R e i ch s-post" erschienene Mitteilung aus Salzburg folgenden Inhaltes: „Die ch r i st l i ch s o z r a l e Eisenbahner-Organisation hat einen neuen kräftigen Stützpunkt erfahren, indem sie, wie uns aus Salzburg berichtet wird, in einer Vcrsainmlung im dortigen Hotel „Meiserhof" an Stelle der bisherigen Zahlstelle eine provisorische Ortsgruppe mit nahezu 200 Mitgliedern gründete. In dieser Versammlung, die unter dem Vorsitz des Oberkondnkteurs P i c s i n g c r tagte, waren Abordnungen der Zahlstellen Itzling und Ging! er-schienen, welch letztere in nächster Zeit ebenfalls in eine Ortsgruppe umgewandelt werden wird u. s. w." In Wirklichkeit ist der V e r k c h r s b u n d in Salzburg ganz heruntergekommen, so daß er dort kaum mehr vegetiert. In obige Mitgliederzahl, bei deren Anführung aber außerdem noch stark ausgeschnitten ist, find die Mitglieder aller Zahlstellen des Verkehrbundes bis B i s ch o f s h o f e n, auch Itzling und G i n g l, mitemgerechnct. Es find die Absichten des Vcrkehrsbun-des sehr durchsichtig, wenn er immer mit seiner bescheidenen Organisationstätigkeit in der Oeffentlichkcit großes Aufsehen machen will. Ebensowenig als er aber nach oben hm, wo man über die Stärke der einzelnen Organisationen sehr genau informiert ist, mit seinen Albern-Herten Eindruck zu machen imstande ist, ebensowenig der-mag er heute mehr mit diesen den Eisenbahnern etwas vorzumachen, und die Großtuerei des Verkehrsbnndes belustigt nachgerade mehr, als sie anckclt. Gerichtliche Nachspiele zum Wiener Blntsonntag. Die Wiener Gerichte, welche bereits über eine ganze Reihe am blutigen Sonntag verhafteter Demonstranten urteilten, scheinen Excmpel statuieren zu wollen. Die verhängten Strafen find einfach beispiellos: Wegen Zer-schlagen? einer Gaslaterne, einer Missetat, die einem alkoholisierten Vourgeoissöhnlein oder einem noblen Stromer, die in den feinen Bezirken Wiens oft den größten Unfug treiben, vielleicht einige Kronen Geldstrafe einträgt, wurden Arbeiter zu einem Jahr Kerker verurteilt. Weder Jugend noch Unbescholtenheit lassen die Richter als mildernd gelten. Die furchtbare Erregung, m welcher sich begreiflicherweise alle Demonstranten befanden, wird durchwegs als erschwerend zur Strafbemessung gerechnet. Am Samstag wurden beispielsweise vor dem Wiener Landesgericht 23 Angeklagte zusammen zu 126 Monaten 24 Tagen Kerker verurteilt. Ein 16jähriger Junge bekam wegen eines Steinwnrfes zwei Jahre Kerker. Fünf Angeklagte wurden wegen Stcinwürfe zu je einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. Ein Angeklagter bekam wegen des Rufes: „Hoch die Anarchie!", den er ausstieb, obwohl er selbst kein Anarchist ist, sondern diesen Ruf nur von seinem Nebenmann hörte und in ihn einstimmte, drei Monate schweren Kerkers. Ein anderer Angeklagter hat, wie er angibt, bei der Attacke der berittenen Polizei gegen ein Pferd, welches ihm ganz nahe kam, den Stock zur Abwehr erhoben. Wegen dieses Vergehens bekam er ein Jahr Kerker. Ein anderer Arbeiter hat drohend die Hand gegen einen Wachmann erhoben — 4 Monate Kerker. lieber diese Justiz, die schärfer wütet als in der Zeit des AnsnahmSzustandes, wird nicht viel zu reden sein. Besonders ein Vergleich, wie man im Gegensatz zu den drakonischen Urteilen gegen die Wiener Demonstranten mit nationalistischen Krawallmachern verfahren ist, wird die österreichische Gerechtigkeit aufzeigen. Die Hnngerprcisstcigcrnng wird fortgesetzt. In dem großen Raubzug gegen die Konsumenten sind nun auch die Znckerwucherer wieder lebendig geworden. Das Zuckerkartellbureau hat nämlich beschlossen, den Zucker-prcis von 91 auf 97 Kr. für 100 Kilogramm zu erhöhen. Der Preis ist im Großeinkauf ab Bahn zu bezahlen. Die Zwischenhändler werden nun den Preis noch mehr erhöhen, so daß man nicht einmal mehr um 1 Kr. ein Kilogramm Zucker bekommen wird. Der neue Kartellpreis galt nur bis 25, September 1911. Von da ab begann der neue Raubzug. Ein gewöhnlicher Straßenräuber ist ein Ehrenmann gegen diese Kartei« listen, die im Ueberfluß leben und kaltblütig dem hungernden Volk den letzten Kreuzer aus der Tasche stehlen. Zu Beginn der Kampagne 1910, also vor etwa einem Jahre, betrug der Znckerpreis Kr. 71-25, jetzt ist er auf die Höhe von 97 Kr. emporgeschnellt. Den Vorwand für diese Answnchcrnng liefert die andauernde Trockenheit. Die Herren Karteilisten können jetzt das Volk auch schröpfen, wie sie wollen. Durch den Einschluß der Roh-zuckcrfabriken in da§ Kartell haben sie die,bisher abseits gestandenen Raffineure zum Beitritt gezwungen — denn diese erhielten jetzt keinen Rohzucker mehr — und find nun Herren der Situation. Neben dem Zucker sind auch die anderen wichtigsten Nahrungsmittel horrend im Preise gestiegen. Mehl, das voriges Jahr in Budapest Kr. 32-40 notierte, kostet heute 36 Kr. Petroleum, das 1910 ab Wien mit Kr. 25-25 bezahlt wurde, kostet heute Kr. 36-50. An der Verteuerung des Petroleums hat auch die Negierung Biencrth ein Verdienst. Durch ihr Eingreifen ist die ausländische Konkurrenz ansgeschaltct worden und der österreichische Petroleumblock, meist galizische Millionäre, bestimmen willkürlich den Preis dieses für die Arbeiterfamilien so wichtigen Gebrauchsartikels. Eine bedeutende Preissteigerung hat auch der Kaffee in den letzten Monaten erfahren. Im vorigen Jahre notierte Santos 120 .Kr. ab Triest, in diesem Jahre 165 Kr. Dazu kommt der Zoll von 96 Kr. Auch hier ist durch künstliche Einwirkung die Preissteigerung herbeigcfiihrt worden. Die brasilianische Negierung kauft die ganze Kaffee-Ernte im Reiche auf und läßt nur zeitweise bestimmte Quanten davon auf den Markt kommen. Auf diese Weise wird der Preis des Kaffees, obwohl die Ernte eine reiche ist, in die Höhe getrieben. Das Geld hierzu haben der brasilianischen Regierung europäische Banken geborgt! So reicht sich das internationale großkapitalistische Raubgesindel die Hände selbst über die Ozeane hinweg. Auch die. Kartoffeln sind in den letzten Wochen im Preise gestiegen, seit drei Jahren steigt der Preis von ReiS, der ein ungemein wichtiges VolkSnahrungSmittel ist, jedes Jahr um 2 Kr. per Meterzentner. Für Butter wurde im vorigen Jahre noch ein Preis von Kr. 3-20 notiert, heute zahlen wir Kr. 3-56. Auch die so unentbehrlichen Hülsenfriichte sind immens teuer geworden. So kosteten Linsen im vorigen Jahre 31 Kr., gegenwärtig kosten sie 60 .Kr., Erbsen im vorigen Jahre 30 Kr., jetzt 36 Kr., Mohn kostete 76 Kr., und in diesem Jahre wird er mit 112 Kr. notiert. Kraut wurde voriges Jahr mit 10 Kr. gekauft, jetzt kostet es 18 Kr., Frühkraut gar 30 Kr. Ebenso ist cs mit Obst und anderen Früchten. Und sollen wir erst noch auf die allgemeine Milchpreiscrhöhung und Bicrvcrteucruug verweisen? Es ist kein Zweifel: diesem Zustand muß ein Ende gemacht werden. Und schon regen sich die Kräfte, die das Ende vorbcreiten werden. In Frankreich, Belgien, Deutschland, auch in Oesterreich, kommt die Bewegung in Fluß, die aufräumen muß und wird mit jener groß-agrarischen Wncherpolitik, die das Volk in Not und Elend stürzt und das Land dem finanziellen Ruin entgegen-führt. Ausland. Der 22. Kongreß der französischen Eisenbahner. Vom 2. bis 5. August l. I. fand im Saale des Pariser Konsumvereins „Bellevilloise" der 22. Kongreß der französischen Eisenbahner statt. Es kamen 119 Delegierte zusammen, die 139 Sektionen vertraten. Auf der Tagesordnung^ stand unter anderem der Bericht des Streikkomitees und die Reorganisation der L a n d e s s y n d i k a t e. Der Verwaltungsrat hatte über ein Jahr außerordentlicher Tätigkeit zu berichten. Wegen einer Resolution, die sich mit zwei Akten von Sabotage beschäftigte, kam es auf dem Kongreß zu heftigen Zusammenstößen zwischen den revolutionären und den reformistischen Eisenbahnervertretern. Die Resolution lautete: „Die Delegierten des Nationalkon- gresses protestieren gegen die von der Regierung eilige-leiteten Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern des Syndikats, um die Täter der Akte von Barentin und Pont« de-l'Arche zu suchen. Sie verwerfen diese verbrecherischen Akte, die nur die Wicdereinstcllung der gemaßregelten Eisenbahner verzögern. Der Kongreß protestiert mit aller Energie gegen die bei dem Sekretär von der Rouen-Staatsbahn gemachte Hausdurchsuchung von der Polizei, die immer die Frauen und Kinder bei Abwesenheit der Männer durch ihre Drohungen zu erschrecken versucht. Der Kongreß betrachtet die Konfiskation der Korrespondenz zwischen dem Sekretär der Sektion Ronen-Staatsbahn und dem Verwaltungsrat des Landessyu-dikats als eine gegen das Syudikatsgesetz von 1884 verstoßende Handlung." Es handelte sich hierbei um folgende Fälle: Bei Pont de l'Arche wurden die Bolzen der Schienen losgeschraubt. Ein zu erwartendes schreckliches Eisenbahnunglück des Schnellzugs Paris-Havre wurde nur durch einen Zufall verhindert. Im Falle von Barentin handelt es sich nachgewiesenermaßen um einen Arbeiter- der selbst die rote Signalscheibc entfernte, um ».Der Gis-ul»ah,ier.'» ... /€eitc'll\ Nr. 29 ............. inwiiini »» uw. »n.iir,■'>» .r, «w-v-r.~Vs-;- .Äann das Fehlen der Scheibe als einen Akt der Sabotage anzeigcn zu können und zu avancieren. Nun sind die revolutionären Eisenbahner wie die französischen Revolutionäre der anderen Berufe für die Sabotage. Es sind sich aber auch alle Saboteure, darunter die Leute der „Guerre sociale", die planmäßig die Sabotage organisieren, und Uvetot, der eine der Sekretäre der Konföderation, darin einig, jene Akte von Sabotage zu verwerfen, die Menschenleben gefährden könnten. Es war also unloyal, wenn die Revolutionären in dem Antrag, der gegen die beiden der-brecherischen Akte-protcstiertc, eine Falle.gegen die Revolutionären vermuteten. In der Frage der Wicderein-stcllung der Eisenbahner nahm der Kongreß nachstehende Resolution an: „1. In den Wahlkreisen ist die nötige Propaganda zu machen, um alle Kandidaten zu bekämpfen, die gegen die Wiederherstellung der Eisenbahner sind. 2. Mit Hilfe der Gruppe der sozialistischen Deputierten ist eine nützliche Agitation fortzusetzen. 3. Es sind Arbeitsvermittlungen zu errichten, um denen, die noch ohne Arbeit sind, Stellungen zu verschaffen. 4. Es ist ein Extrabeitrag zu erheben zur Unterstützung der Gemaßregelten. 6. Alle Mittel der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit sind anzutvendcn, um die Wicdercinstellung zu erlangen." Die Organisation der französischen Eisenbahner wurde auf eine neue Grundlage gestellt. Das angenommene neue Statut wird am 1. Jänner 1912 in Kraft treten. Die Organisation der Eisenbahner wird darnach heißen: Landessöderation des Eisenbahntransports von Frankreich und den Kolonien. Der Sitz der Organisation, der früher in einem Privathaus war, wird jetzt im Föderationsbaus, das heißt mit der Konföderation unter einem Dache fein. In den mir viel Haß und Aerger und mit ungerechter Leidenschaftu geführten Debatten wurde mancher müßige Streit ausgcfochten, manchem unrecht getan, waö wohl manche Bitternis zurückläßt. Beide Teile waren gleich leidenschaftlich blind und ungerecht. Wäre cs denn mehr als bloße Gerechtigkeit gewesen, wenn ein Revolutionär, ohne auf seine Methoden verzichten zu brauchen, anerkannt hätte, daß die sozialistische Partei durch ihr Organ, die „Humanste", und durch ihre Abgeordneten, Jaures und Albert Thomas allen voran, ihr Bestes zum Gelingen des Streiks tat? Es ist nachge-wiesen, daß Jaures und Albert Thomas sich bemühten, die Ostbahnen zum Streik zu bewegen: es ist ferner nachgewiesen, daß das erste Streikkomitee im Augenblick der nervösen Erschöpfung sehr froh war, einen Mnint wie den Parteigenossen Pierre Renaudel mit seinen Fähig, feiten und seiner robusten Gesundheit an seiner Seite zu haben; eö ist doch endlich Tatsache, daß die sozialistische Gruppe im Parlament, der ehemalige Eisenbahner Eolly an der Spitze, seit dem Streik für die Wiedcrein-steklung der Eisenbahner kämpfte. Das alles anzuer-kennen hätte keinen Revolutionär auch nur ein Haar von seinen Methoden abzugehen, veranlaßt. Aber gleich ungerecht waren die Reformisten. Ohne auf die Kritik der Sabotage zu verzichten, hätte es sich gebührt, daß ein berufener Reformist den Mut und die Kampfeslust der Revolutionär anerkannt, die unerschrocken dem Zuchthaus und dem Bagno trotzten und von denen eine Reihe sechs Mönat in Untersuchung saß und der Strafe ent-qegensieht. Gewerkschaftliche Erriingciischaftcn. Die freien Gewerkschaften Deutschlands zeigen in ihren Kampfes-resultatcn, daß sie als starker Träger der Kultur- und der menschlichen Vorwärtsentwicklung zu achten sind. Sehen wir uns die Zahl der gewerkschaftlichen Kämpfe innerhalb der Jahre 1906 bis 1910 genauer an: Jahr Bewegungen oi)ii2 Smx-it*, cinsti-llungcn Angriff*- StrclkS Abwehr- Stil*, fpemmgc 1910 6495 1514 606 1960 1909 4507 983 1060 246 1903 3607 719 1186 325 1907 5067 1721 863 402 1906 4668 2165 1048 560 Insgesamt gab cs Streiks und Aussperrungen im Jahre 1910 4110; 1909 2045; 1908 2052; 1907 2986; 1906 3874. Die Zahl der an allen Kämpfen beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen betrug im Jahre 1910 1,025.571; 1909 480.205; 1908 576.317; 1907 806.265; 1906 944.141. Im Jahre 1906 kämpften von den rund 1-7 Millionen Mitgliedern der freien Gewerkschaften (Jahresdurchschnitt) rund 0-9 Millionen, 1910 waren cs von 2-0 Millionen Mitgliedern rund 1-0 Millionen, die an den Kämpfen beteiligt waren. Für das Jahrfünft 1906—10 ergibt sich eine durchschnittliche Beteiligungsziffer von 31-3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt der Periode von 1906—10 erreichten 66-9 Prozent aller Kämpfenden 4-91 Millionen Mark Lohnerhöhung per Woche, 0-20 Millionen Mark Lohnverschlechterung per Woche wehrten 2-2 Prozent der Beteiligten ab. Also partizipierten au den Lohnerfolgcn 63-4 Prozent aller überhaupt .Kämpfenden! 27-7 Prozent aller Beteiligten erzielten 32 Millionen Stunden Arbeitszeitverkürzung per Woche, Arbeitsverlängerung wehrten 0-4 Prozent aller Beteiligten ab. Also partizipierten au den Arbeits-zciterfolgen 28-1 Prozent aller Beteiligten! Diese Durch» schnittsziffcrn, die nicht aus einem besonders günstigen Jahre gezogen sind, sondern ein ganzes Jahrfünft mitfassen, zeigen, wie gewaltig die eroberten Kulturlverte sind. Eine Petition der sächsischen Eisenbahner. Im Eisenbahudienst stehende Arbeiter an den sächsischen Eisenbahnen erreichen bei der jetzigen Lohnskala erst in 18 einwandfreien Dienstjahreil den Höchstlohn von 3 Mk. bis Mk. 3-80. Und im Bahnbewachuugsdienst, Weichen-wärterdienst, Rangierdienst und Zugsabfertigungsdienst besteht noch für die übergroße Mehrzahl der Bediensteten eine tätliche Arbeitszeit von 11 bis 16 Stunden. Diese unleidlichen Dienstverhältnisse werden noch unleidlicher durch eine ungerecht wirkende Einteilung von neun Lohnklassen, durch das Bestreben eines Akkordarbeit- und Kolonnenshstems für die in den Werkstätten und im Betrieb beschäftigten Arbeiter und Handwerker und die völlige Ausschaltung der Arbeiter bei der Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Schon im November 1909 hatten die bei den sächsischen Staatsbahnen beschäftigten Arbeiter durch den Transportarbeiterverband, Sektion der Eisenbahner, an die Staatsregierung und die sächsische Ständekammer eine Petition einge- reicht, die unter der Begründung, daß dem Unterzeichner der Petition die legale Vollmacht der Arbeiter fehle, ab-gewiesen wurde. Jetzt ist von der Reichssektion der Eisenbahner abermals eine solche Petition eingereicht worden, die eine Verringerung der Lohnklassen auf drei verlangt und als Anfangslöhne in diesen drei Klassen Mk. 3-60, Mk. 3 80 und 4 Mk. fordert. Ferner sind als wichtigste Forderungen zu nennen: Eine Lohnvorrückung derart, daß der Höchstlohn in zehn Jahren erreicht wird; eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit auf neun Stunden und für die Tag- und Nachtarbeit auf acht Stunden, für die Fahrbediensteten eine Dienstschicht von nicht mehr als zehn Stunden, für die Eisenbahnbetriebsarbeiter mindestens 30 dienstfreie Tage mit 36stündiger Dauer, wovon wenigstens zehn auf Sonntage entfallen müssen; Beseitigung der Akkordarbeit und des Kolonnensystems; bessere Ausgestaltung der Arbeiterausschüsse und Wahrung deS Koalitionsrechtes der Arbeiter und Bediensteten. Diese und einige andere Forderungen werden in der Petition näher begründet und zum Schlüsse der Petition darauf verwiesen, daß die Behauptung, die Reichssektion der Eisenbahner des Deutschen Transportarbeiterverbandes verfolge ordnungsfeiudliche Bestrebungen, irrig ist, die Organisation betrachte es als ihre Aufgabe, eine Besserung der wirtschaftlichen und der dienstlichen Verhältnisse der Eisenbahner nur auf gesetzlichem und ordnungsmäßigem Wege herbeizuführen. Aus dem Gerrchtssaal. Berschubunfall nrn StnntSlmhnhofe. Am 28. Juni 1910 ereignete sich am Staatsbahnhofe in Wien ein schwerer Unfall. Am genannten Tage war eine Verschubpartic, der der Oberverschicbcr Laurenz Lehner als Verschubaufseher ange-hörte, damit beschäftigt, den um %11 Uhr vormittags von Wien nach Bruck an der Leitha abgchenden Postzug zusammenzustellen. Hierbei muhte auch ein Postambulanzwagen, welcher zur Garnitur eines spater abgchenden Zuges gehörte, verschoben werden. Diese Verschiebung lieh Lehner in der Art ausführen, dah der Postambulanzwagcn durch Anstößen der Lokomotive abgerollt wurde. Der Postwagen rollte nun mit großer Gewalt an die stehende Wagengrttppc an. Hierbei wurde ein im Innern des Postwagens beschäftigter Post-untcrbcamter gegen den Fächerkasten geschleudert und zu Boden geworfen, wodurch er schwere Verletzungen erlitt. Wegen dieses Unfalles erhob die Staatsanwaltschaft gegen Laurenz Lehner die Anklage wegen Vergehens gegen die Sicherheit des1 Lebens nach § 337 St.-G. Die Anklage legte ihm zur Last, daß es überhaupt verboten sei, Postwagen, in welchen sich Postbcdienstcte befinden, mittels RollenlassenS zu verschieben. Lehner habe weiter die Vorschrift verletzt, daß er vor Beginn einer derartigen Verschiebung die amtierenden Postbcdicnsletcn zu verständigen habe, und schließlich habe Lehner auch seine Pflicht weiter verletzt, da er für ungenügende Bremsung des abgcjtoßcncn Wagens gesorgt habe. Die Staatsanwaltschaft hatte schon während der Voruntersuchung die Einholung eines Sachverständigengutachtens beantragt. Das abgegebene Sachverständigengutachten, auf welches die Anklage sich eben stützte, belastete Lehner auf das schwerste, indem cs ihn unter Hinweis auf die Bestimmungen der Instruktionen und Erlässe der Gencralinspektion einer ganzen Reihe von Versäumnissen (.Abrollcnlassen des Wagens, mangelnde Verständigung des Postbeamten, mangelnde Besetzung. der Bremse ec.) beschuldigt, lieber diese Anklage fand kürzlich vor dem k. k. LandcSgericht Wien, unter Vorsitz des Oberlatidesgerichtsraics Dr. Mraczek, die Hauptvcrhand-lung statt. Bei dieser Verhandlung wurde Laurenz Lehner durch Dr. Ant. Braß verteidigt. Bei der mündlichen Verhandlung beharrtc nun der Sachverständige bei seinem bereits abgegebenen und den Angeklagten schwer belastenden Gutachten. Demgegenüber stellte der Verteidiger unter Beweis, daß der fragliche Zug, bei dessen Zusammenstellung sich der Unfall ereignete, am kritischen Tage unter besonders großer Eile zusammengestellt werden mußte, so daß dem Angeklagten eine andere Art der Verschiebung nicht möglich war, um rechtzeitig bei Vermeidung von Strafe mit der Verschiebung fertig zu werden. Der Verteidiger bot weiter ausführlich Beweis dafür an, daß die Postbeamten regelmäßig erst in den Postwagen einsteigen, wenn der Zug bereits vollkommen rangiert ist, und daß daher die Verständigung des Postbeamten von der Verschiebung unterblieb, weil nach der täglichen Ucbung gar nicht vermutet werden konnte, daß Postbeamte im Ambulanzwagen sind, wenn der Zug noch nicht rangiert ist. Lehner habe daher am kritischen Tage unmöglich vermuten können, daß ein Postbeamter im Ambulanzwagen sei und daher zur Verständigung keinen Anlaß gehabt. Die Verteidigung verivicS ferner darauf, daß, wenn schon der Postbeamte wider Erwarten sich im Ambulanz-Wagen befand, cs Sache des Postbeamten, der ja die Verschiebung bemerkt haben muß, gewesen sei, nach der Vorschrift eine solche Stellung cinzunehmen, daß er auch beim An« rollen des Wagens an die stehende Garnitur nicht hätte gefährdet werden können. Dr. Bra-ß beantragte, über diese Umstände, die für die Entscheidung des Falles von großer Wichtigkeit seien, Beweise zu erheben, zu diesem Zwecke die Verhandlung zu vertagen und den Untersuchungsrichter mit der Durchführung der Beweise zu beauftragen. Trotz des Widerspruches des Staatsanwaltes, der auf die durch das Gutachten des Sachverständigen angeblich bewiesene Schuld Lehners hinwies, gab der Gerichtshof dem Antrag des Verteidigers statt! und ■ wies den Untersuchungsrichter an, die vom Verteidiger behaupteten und unter Beweis gestellten Umstände zu erheben. Die Erhebung der Beweise durch den Untersuchungsrichter bestätigte vollinhaltlich die Behauptung der Verteidigung und insbesondere die Vorstehung des Staatsbahnhofcs, daß die fragliche Verschiebung mit größter Eile vorgenommcn werden mußte und daß Lehner allerdings nicht vermuten konnte, daß der Postwagen zurzeit der Verschiebung schon besetzt sei. Durch diese Beweiserhebung erschien das den Angeklagten so schwer belastende Gutachten des Sachverständigen entkräftet und der Staatsanwalt zog, ohne die neue Verhandlung abzuwarten, die Anklage gegen Lehner vollinhaltlich zurück, worauf das Strafverfahren gegen Lehner seitens des LandcSgcrichtes Wien ohne neue Verhandlung c i n g e st e I l t wurde. Zusnmmcnstvsi in Prern». In der Nacht vom 80. auf den 31. Mai d. I. kam cs in Prerau zu einem Zusammenstoß, der dadurch hcrbeigesührt wurde, daß rechtzeitig die Abschiebung von zwei Wagen vom Geleise Nr. 11 unterlassen wurde. Die Anklage beschuldigte, konform mit der_ General-lnspektion, den Verschieber Brandt, daß er diesen ihm strikte gegebenen Auftrag nicht befolgt hatte. Herr Brandt stellte entschieden in Abrede, einen solchen Auftrag erhalten zu haben und er ließ von Amts wegen den bcantragten^Gegen-beweis zu. Auf Grund des Ergebnisses desselben wurde Herr Brandt, vertreten durch Dr. Ambros, bei der Verhandlung am 2. Oktober 1911 rechtskräftig frcigesprochcn, wobei der Richter ausdrücklich betonte, daß durch den Gegenbeweis der behauptete Auftrag sehr in Zweifel gezogen werden muß, er jedoch auch ohne denselben ivohl den Angeklagten hätte frei-sprechen müssen, da ihm die Behauptung einer Person nicht genügen kamt, um so mehr, wenn es sich um Pflichten» kollusionen derselben handelt und das Gericht erwägen muß, ob nicht deren Behauptung die Exkulpierung einer eigenen Schuld bildet. Streiflichter. Vorfprach: der ManipulationSkonbnkteure der österreichischen Nordwcstvahn im k. k. Eiscnbahnministcrium. Am Samstag den 30. September l. I. sprach eine Deputation der Manipulationskonduktcurc der Oe. N. W. B. im k. k. Eisenbahnministerium vor, um dort den Nachweis zu erbringen, daß die Manipulationskondukteurc der Oe. N. W. B., einem Usus entsprechend, bei Erreichung der Gehaltstufe von 1200 Kr. zu Unterbcamten ernannt wurden. Die Deputation wurde vom (5c$iionsrat Hermann R ö ß empfangen, Der Herr SektionZ-rat stellte sich auf den Standpunkt, daß er persönlich nicht dafür sei, daß die Ernennung bei Errrcichuug der Gehaltstufe von 1200 Kr. vorgenommcn werden solle. 'Jfach Anhörung der Darlegung der Gründe, die die Deputationsmitglieder für die Ernennung bei der Erreichung von 1200 Kr. ins Treffen führte, erklärte der Herr Sektionsrat, den Standpunkt der Deputation im Ministerium zu vertreten und schlug vor, die Angelegenheit vielleicht in dem Sinne zu erledigen, daß eventuell die bei der Uebcrnahmc der Oe. N. W. B. in den Status der k. k. Staatsbahnen als Manipulationsko.ndukteure Ein-gereihtcn nach Ablegung der Jntelligenzprüfung zu Unter» beamte ernannt würden. Die Deputationsmitglieder machten den Herrn Sektionsrat darauf aufmerksam, daß damit nicht alle Wünsche der Manipulationskondukteurc erfüllt sind, konnten aber damit den Herrn SektionSrat von seinem Standpunkt nicht abbringen. Die Deputation sprach schließlich noch beim Herrn Stationsrat K o v l i tz vor, um ihn auf Wunsch des Herrn Scktionsratcs Böck von dem Resultat der Vorsprache zu verständigen und ihn bezüglich der notwendigen Postcnnormicrung zu informieren. Damit war die Tätigkeit der Deputation beendet. Die Forderungen der Berladeschcinschreiber der Süd-bithn. Am 28. August 1911 sprach eine Deputation der 58er-ladeschcinschreibcr bei Herrn Verkchrsdircktor Ncßler wegen Stabilisierung und Gleichstellung mit den k. k. Staaisbahnen vor. Die Sprecher der Deputation verwiesen auf die wiederholten Ansuchen um Stabilisierung, die meist nach jahrelangen Erhebungen stets erfolglos blieben, da man auf den Standpunkt beharrte, daß die Verladcschcinschreiber der Südbahn keine Schreiber, sondern Stationsarbeiter wären. Da aus den Reihen der Verladcschcinschreiber bei den1 k. k. Staatsbahncn die Magazinsmcister und auch Kanzleiexpedienten hervorgehen und die Verladcaufsehcr als Unter» beamte augcstcllt werden, so verlangen die Schreiber der Südbahn, die Gleichstellung mit den Schreibern der k. k. Staatsbahn. ~ Aus der Erwiderung des Herrn VerkchrsdircktorS ging hervor, daß zwar die Stabilisierung dieser Schreiber nicht unter den für die nächste Zeit getroffenen.Maßnahmen der Südbahnsteht, dieselbe aber, lucil bei den Staatsbahnen bereits längst ciugeführt, auch bei der Südbahn nicht ausblcibcn wird. Hoffentlich läßt die Südbahn bei dieser Kategorie ihr Grundsatz: „Ja, wir machen nur das, was bei den Staatsbahncn besteht", nicht im Stich. BersctinngSnnsuche» infolge der Teuerung. Die Bedien-1 steten der Strecken E i se ncrz-H iefk au und Selztal-Reifling haben unter dem- Druck der außerordentlichen' Teuerung, die auf diesen Strecken herrscht, Gesuche um Gewährung von Teuerungszulagen cingcbracht, die aber ab*1 gelehnt wurden. Das veranlagte die Bediensteten der Strecke E i s c n c r z-H i e f l a u neuerdings zu dieser Sache Stellung zu nehmen und am 20. August wurden in der Versammlung in Eisenerz und am 27. August in der Versammlung m Hieflau diesbezüglich nachstehende Resolutionen gefaßt: „Die heute tagende Eiscnbahnerversainmlung, welche zur Er-' Wirkung einer Teuerungszulage für die Strecke Eisenerz-Hicflau cinberufcn ivurde, und von allen Kategorien der Eisenbahner massenhaft besucht war, spricht dem Allgemeinen Rechtsschutz- und GewerkschastHvcrcin für sein Eintreten m dieser Angelegenheit Dank und Anerkennung aus. Nach Verlesung der Antwort des k. k. Eisenbahnministerirnnk auf das Gesuch um Gewährung einer Teuerungszulage, beschließt die Versammlung, sich mit einer solchen Abweisung nicht zufrieden zu geben und verlangt, ein k. k. Eisenbahnministcrium wolle die im Gesuch angeführten Gründe auf ihre Berechtigung prüfen, um hierdurch zu einem gerechten Urteil zu kommen. Wenn für die Bediensteten der genannten Betriebe nichts getan wird, so sind dieselben, infolge der sprunghaften Teuerung, welche hier am meisten fühlbar ist, um Versetzung anzusuchen." Aus dem Villacher EtaatSbahndircktionSbezirk. Die Aufregung in den Kreisen der Eisenbahner ist größer denn je. Die Lebensmittel- und Wohnungsteuerung, welche das ganze Lohneinkommcn aufgehrcn, haben selbst den Indifferentesten aufgerüttelt, und cs bedarf aller Anstrengungen der Vertrauensmänner, um ihre Kollegen vor unüberlegten, voreiligen Schritten zurückzuhaltcn. Man sollte nun meinen, daß die Vorgesetzte Behörde alles mögliche tun wird, um den ange. häuften Zündstoff zu beseitigen. Wer aber unseren Bureau-traten eine solche Einsicht zumutct, der kennt dieselben noch nicht. Diese Herren gehen im Gegenteil mit der Brandfackel hemm und zünden auf allen Ecken an. Der Amtsantritt unseres neuen Direktors, Herrn ,Hofrateg Osthei m, wurde von vielen Bediensteten freudig begrüßt; dachten doch viele, daß jetzt auch in der Villacher Direktion bessere Zeiten ein-kehren werden, versicherte doch der neue Direktor im „Amtsblatt", sein Wohlwollen stets seinen Untergebenen zu schenken. Nun die Zeiten dieses Wohlwollens sind vorüber, heute herrscht Wieder die Knute. Der Herr .Hofrat zeigt, daß er nicht aus der Art schlägt und stets das befolgen Wird, was ihm seine Oberinspektoren ins Ohr flüstern. Zur Erhärtung dieser unserer Behauptung wollen wir einige Tatsachen anführen: In unserer Direktion war cs von jeher UsuS, die Verdienste des Personals, selbstverständlich mit Ausnahme der höheren Funktionäre, zu schmälern. In erster Linie müssen dazu die Kohlenprämien des Lokomotivspersonals herhalten. Es ist an der Tagesordnung, daß einmal in der, das andercmal in jener Heizhausleitung, bald für die eine oder andere Ma-schinenlatcgorie das AuSmaß reduziert wird. Diesmal traf cs die Schnellzugsmaschinen des Heizhauses Villach. Ihr Ausmaß wurde um 20 Kilogramm für 1000 Bruttotonnen, r ü ck-wirkend auf zwei Monate, reduziert. Alle, die cs trifft und die schon ihren Verdienst eingetcilt hatten, werden nun am 15. Oktober wohl weniger Geld, aber dafür das Wohlwollen der Vorgesetzten nach Hause bringen. Ein Zirkular gibt weiter bekannt, daß alle Dienstleistungen, die vom Vcrkehrsbeamten nicht bestätigt sind, gestrichen werden, und ein findiger Kopf der Direktion verlangte, daß schon auSbczahltc Beträge im Wege des Abzuges hereingebracht werden. Also für ein eventuelles Versehen der Beamten soll das Personal in seinen Bezügen geschmälert werden. Es ist jedem Betroffenen leicht, durch den von der Direktion genehmigten Turnus nachzu». Ä daß er den betreffenden strittigen Dienst faktisch gemistet l^t, und bleibt es eine offene Frage, ob man in diesem üall nicht klagbar gegen die betreffende Bahnverwaltung auf» treten kann. Der industrielle Arbeiter hat nämlich das Recht, vor das Gewerbgericht zu neben. Wir glauben, daß auch die Elsenbahner nicht schutzlos solchen Uebergriffen ausnefetzt sein dürfen. Bei unserer Direktion wird nicht mehr gespart, sondern schon geknausert. So dürfen die Werkstättenarbeiter unter keiner Bedingung Ueberstundcn machen. Wenn die Ar-Deit m der normalen Arbeitszeit nicht geleistet werden kann, wird die betreffende Reparatur einfach auf bessere Zeiten verschoben. Daß es an den primitivsten Behelfen auf allen iSeiten fehlt, wird von allen Beteiligten bitter empfunden. L .«um Schlüsse wollen wir noch ein Stück Bediensteten« freundlichkeit unserer Direktion der Allgemeinheit zur Kenntnis bringen, das dem Ganzen die Krone aufseht: Das Personal von St. Veit an der Glan petitioniert schon jahrc-lang um die Errichtung eines Bades. In der Personalrom Mission wurden diesbezügliche Anträge gestellt, wobei dem Personal diesbezüglich Versprechungen gemacht wurden. Ein Waschapparat um den Betrag von über 2000 Kr. wurde auf-gestellt. So wie er das Licht der Welt erblickte, nur etwas schmutziger, hängt er an der Wand und erwartet die Zeit, in der ihm ein gütiges Geschick seinen Platz im Eisenbahn-museuin, Abteilung: Hygiene und Fürsorge für die Be-dienstcten. anweist. Gewaschen hat sich niemand, und alle warteten in loyaler Haltung, wie c8 schon einem Eisenbahner zukommt, bis es den Direktionsgewaltigen einmal beliebt, thr Wohwollen zu bezeigen. Heuer im Monat September tnt ,;ahre des Heils 1911 nun sahen eS alle, und die Augen ivurben ihnen geöffnet. Der Vorstandstellvertreter der Heiz-yauslcitung, Herr Ingenieur Mischitz, kam nämlich auf den Emsall, cm Bad herzustellen, und ging wahrscheinlich von ^dee aus, daß die Direktion, in Anbetracht der geringen Mosten, ihre nachträgliche Genehmigung nicht versagen werde. Durch Zuwendungen verschiedener Firmen und Privatpersonen, denen hier gedankt sei. gelang es, das Bad, bestehend aus einer großen Zementwanne mit Warm- und Kaltwasser-icitung für Wanne und Brause, um den Preis von sage — jf unfundfünfzig Kronen herzustellen, welcher z cr r n0 a..u f die k. k. Staatsbahndirektion en t-v L ^ loärc. Doch der Ingenieur denkt und die Direktion Ir-J005 ®nb wurde eröffnet, Freude herrscht beim Personal, ^'ue Wohltat, die von allen am eigenen Leib im buchstäblichen Sinn des Wortes, empfunden wurde. Doch das Verhängnis reitet schnell. Hier erschien cS in Gestalt des Herrn Inspektors Lein. Er sah das Bad, ging hin und verriet c S. D i e Folge davon war, daß kurze Zeit darnach an die HeizhauSleitung der Auftrag, wahrscheinlich mit einem großen Rüffel für den Stellvertreter herablangte, das Bad fei sofort abzureißen und der Ingenieur wurde zum Ersatz der K o st e n verdonnert. Ja, Herr Ingenieur. Bedienstetensreundlichkeit ist eben eine Sachet die nur mtt dem Mund, aber nicht durch Taten dokumentiert werden m J-rr- man den AuSspruch, die Unzufriedenheit und Gehässigkeit stammt nur von einigen Aufrührern. N u n, H e r r Leiter des E i s e n b a h n in i n i st e r i u m s, wer i st in diesen F a 11 e n die Schuld? Ist das nicht Provo-Intion, auSgeübt von Organen, die Ihnen unterstehen? Wenn sic gewillt sind, solche Z u-sta n d e f u r r e ch t z u b e f i u d e n. w e n n I h n e n, Herr S e k t, o n Sch ef, der 28 e g hierher zu weit ist, dann du r f cn © t c s l ch nicht Wundern, wenn eines TageS dre Woqen der Empörung so hoch neben, daß alles Del des Wohlwollend? nicht mehr genügt, sie in ruhige Bahnen zu lenken. Versammlung der Vertrauensmänner der Wächter und Slockstgnaldiener. Am 5. Oktober fand inRibifch' Gasthaus, 13. Bezirk. Reinmasse 11, eine sehr gut besuchte VertraucnS-manncrver,ammlung aller Linien des Wiener Direktions-bezirkeS statt, bei welcher nachstehende Resolution einstimmig - angenommen wurde: „Die heute von allen Linien der k. k. Staatsbahndirektion Wien anwesenden Vertrauensmänner der iBlocksignaldiener und Wächter sprechen ihrem Haupt-Vertrauensmann Genossen Sommerfeld für sein Wirken tnt Interesse der genannten Kategorien den besten Dank aus und stellen o» ihn das Ersuchen, so wie bisher auch weiterhin ihre Interessen zu vertreten. Ferner richten dieselben an die Zentrale die Aufforderung, mit aller Kraft für die Block-|igttalmcncr und Wächter einzutreten, um die Forderungen der am weitesten zurürifgesetzten Kategorien durchzubringen." AuSglcichsavanccment! Es ist schon in vielen Versammlungen sowie auch in der jetzigen Lohnbewegung ein AuS-glcichSavancemcnt verlangt worden, und c$ ist daher unbedingt notwendig, daß dieser Forderung eine Form gegeben wird, welche den jahrelang benachteiligten Bediensteten, also allen, ivelche trotz 9-, 10-, lljähriger Gesamtdienstzeit noch immer tn den Gehaltstusen von 900 bis 1000 und 1100 Kr. stehen, daS an ihnen begangene Unrecht gutzumachen. Es ist bekannt, daß durch die Stadtbahneröffnung viele Zugsbegleiter sowie Per-schicbcr und Wächter gebraucht wurden. Kondukteure wurden iwch Hutteldorf versetzt und durch Reserve- sowie A u s-h r l f s b r e m s e r ersetzt. Während die ersteren, von der Direktion ausgenommen, zum größten Teil nach einiger Zeit zum Aushilfskondukteur ernannt wurden, erging cs den letzteren, von den Bahnämtern aufgenonimmen, ganz anders. Sie I>tie£>qi unter der Sparherrfchaft des heutigen Ehren-burgerS, des christlichsozialen Abgeordneten und ehemaligen Eisenbahn Ministers Ritter v. Wittek jahrelang Bremser. Im Jahre 1902 wurden nun die Bremser und Verschieber-substltuten zu Aushilfsbedicilsteten ernannt. Nicht genug der langen provisorischen Zeit mußten hiese Arme Teufel trotz zweier Prüfungen noch Über drei Jahre provisorisch bleiben — und wäre die passive Resistenz im Jahre 1905 nicht Gekommen und hätte des Herrn Witteks Mimsterherrlichkeit nicht geendet, hätten diese noch länger warten müssen, ehe sie angestellt worden wären. Im Jahre 1908 wurde für alle mit 700 Kr. Angestellten Bediensteten ein Jahr Kürzung der Automatik zugestanden. Von dieser Reform, welche wir sehr begrüßten, hatten aber all diese langen Jahre provisorisch gewesenen Bediensteten nichts, weil sie am 1. Jänner 1906 mit 800 Kr. angestellt wurden. Wie kraß die Verhältnisse stehen, soll nachstehend eines der mildesten Beispiele beweisen. K on d uk teu r 2l. wurde Mai 1899 als Reserve-brem ser ausgenommen. 1900 zum Aushilfskondukteur, 1911 zum Kondukteur ernannt. Dieser hat ein Jahr Kürzung der Automatik, weil er mit 700 Kr. angestellt wurde. Kondukteur A. hat nun mit 1. Jänner 1911 12 00 Kr. Gehalt, daS ist mit 12 Dienstjahren. Kondukteur B. wurde Mai 1899 als AuShilss-Bremser ausgenommen, 1902 zum Aushilfskondukteur und 1006 zum Kondukteur ernannt und bekommt mit 1. Jänner 1912, sage und schreibe 1100 Kr., das sind somit 13 Jahre. Es besteht somit zwischen Kondukteur A. und B. eine Differenz von 4 Jahren. Dieses Beispiel findet auf zirka 300 Zugsbegleiter und ebensovielen aus anderen Kategorien der Wiener Direktion Anwendung. ES gibt aber noch viel krassere Beispiele, welche wir zu jeder Zeit bringen können. Diesem soll nun ein AuSgleichSavanceinent steuern. Wir sind loyal genug, um einzusehen, daß die Ausgleichung nicht so am Schnürchen durchgeführt werden kann. Was wir aber um der Gerechtigkeit willen zu verlangen gezwungen sind, ist, daß allen denjenigen, welche zwei Jahre Bremser und über kin Jahr Aushilfskondukteur (beziehungsweise Aushilfe- I Bediensteter), somit über drei Jahre provisorisch waren, da« nächstfällige Avancement verdoppelt wird, das heißt, daß diesen anstatt 100 Kr. 200 Kr. gegeben werde. Dieser gewiß berechtigten Forderung kann sich eine einsichtsvolle Verwaltung um so mehr nicht entziehen, weil doch den Betroffenen der f i n a n-zielle sowie dienstliche Schaden, den sie erleide», nicht eingebracht, sondern durch diese Reform nur teilweise gelindert wird. Vorstehendes gilt im selben Maße bei den Verschiebern und hoffen daher beide Gruppen, daß ihnen in diesem Sinne Rechnung getragen wird, da die StaatSbahn-vcrwaltung durch diese kleine Reform sehr viel Not und Elend lindern sowie Ungerechtigkeiten beheben würde. Korrespondenzen. Herzogenbur«. (K. k. B ah n e rh a l t u n g s s e k t i o n.) STCon dort wird uns berichtet: Wie allgemein bekannt, ist die Strecke Tulln-St. Pölten für die praktische Ausbildung der Mannschaften des k. k. Eisenbahn- und Telearaphenregiments bestimmt. Die meisten Dienstesposten vom Wächter bis zum Beamten sind deshalb durch Offiziere und Soldaten des genanten Regiments besetzt. So auch bei der k. k. Bahnerhaltungssektion Herzogenburg. Ein Militär ist Vorstand, ein zweiter Vorstandstellverireter. Wir wollen uns heute nur mit dem Vorstandstellvertreter der k. k. Eisenbahnerbaltungssektion herzogenburg befassen und zeigen, wie dieser Militär mit dem Vermögen der Bahn nach seinem Belieben wirtschaftet. ' Unter der Leitung der genannten Bahnerhaltungs-fektion steht die Sckotterquetsche Meidling im Tale. In der ©chottercmetsche wird außer Schotter für den Oberbau mich Gartenriesel gewonnen, welcher für den allgemeinen Verkauf mit 4 Kr. bewertet ist. Ueberdies erhalten einige Anstalten und Vereine gegen vorheriges Ansuchen den Gartenriesel gratis. Die Direktion gibt alljährlich diese Anstalten und Vereine bekannt. Der Herr Vorstandstellvertreter der Bahn-erhaltungSsektion hält sich jedoch nicht an diese Bestimmungen und spendiert nach Belieben. Zum Beispiel das millionenreiche Stift in Serzogenburg braucht Gartenriesel für seine ausgedehnten Gartenanlagen. Man wendet sich privat an den Herrn Militär und sofort wird den hochwürdigen Herrn ein Waggon Gartenriesel gespendet. Und wie mit dem Riesel so wird es von diesen Herrn auch mit der Kohlenlösche praktiziert. Ein hiesiger Fabrikant darf die Kohlenlösche wegführen, ohne etwas zu zahlen. Kommt jedoch ein Arbeiter oder sonst ein armer Teufel und will nur ein Handwagerl Lösche haben, so muß er für die Fuhre 80 H. zahlen. Ebenso auffällig ist die Abgabe der altert Schwellen. Die Oberbauarbeiter der f. f. Bahnerhaltungsektion warten vergeblich auf die Abgabe der Schwellen und müssen sich teures Brennholz kaufen. Dafür bekommt der Fabrikant Herr Merkl 60 Stück und die Firma Gebrüder Grundmann 40 Stück Schwellen. Wir vermuten, daß der Herr Vorstand von dieser sonderbaren Manipulation seines Stellvertreters keine Kenntnis haben dürfte und erwarten, daß den Arbeitern der ihnen zustehende Bezug von Schwellen anstandslos zuerkannt wird. Passnu. Alljährlich mit Ucbergang van der Sommcr-fahrordming zur Winterfahrordnung macht sich bei den Schnellzügen der Platzmangel unliebsam fühlbar. Während bei den Pcrsoncnzügenbis 15. Oktober noch die Sonntagvcrstärkungen zu rollen haben, nimmt man bei den Schnellzügen mit 1. Oktober einfach Wagen weg ahne Rücksicht aus den bis Ende Oktober andauernden stärkeren Verkehr. Die Folge davon sind Reibereien zwischen den Kondukteuren und diensthabenden Beamten einerseits und den Kondukteuren und Reisenden anderseits. Um nun dem Platzmangel wirksam zu begegnen, hat der Bahnamtsvorstand in Passern, Herr Inspektor Kestrcmck, ein Mittel erfunden, das wirklich prämiert zu werden verdient. Er „befiehlt" einfach den Kondukteuren, den Reifenden in die total überfüllten Wagen einfach die Plätze anzuweisen. Daß die Kondukteure diesem Befehl nicht Nachkommen können, ist begreiflich. Die Hauptsache für den Herrn Inspektor ist, den Reisenden zu demonstrieren, daß die vielen Beamten mit Goldkragen auf der Eisenbahn doch nicht umsonst da sind, wie immer behauptet wird. Was für einen Effekt solche Austritte zeitigen, ist jedem klar. Schließlich muß doch ein Wagen beige» stellt werden. Dadurch werden oft unnütze Verspätungen gemacht, welche nachher wieder eingebracht werden sollen. Aus welcher Seite bei einem solchen Vorgang die Bildung zu suchen ist, beim Konduktucr, welcher dem Herrn Inspektor meldet, daß der Wagen vollkommen überfüllt ist, daher keine Plätze mehr angewiesen werden können, oder beim Herrn Inspektor, welcher die Kondukteure vor dem reifenden Publikum „alte Weiber, Nachtwächter" u. s. w. tituliert. Das zir beurteilen überlassen wir der OcffentIichfc.it. Daß sich die Reisenden über solch ein unqualifizierbarcs Vorgehen des Herrn Inspektors nicht lobend aussprechen, ist begreiflich, und es werden Steigerungen laut, die nicht gerade schmeichelhaft genannt werden können. Instruktion XX, Artikel 6, Punkt 3, bestimmt ausdrücklich, daß Befehle und dienstliche Weisungen an Untergebene kurz und bestimmt zu erteilen sind und vor dem Publikum jeder Streit, jede Zurechtweisung oder Bemerkung mit lauter Stimme sorgfältig zu vermeiden ist, auf welche Bestimmung der Herr Inspektor höflichst aufmerksam gemacht wird. Petta». Der Rettungsanker des Reichsbundes deutscher Eisenbahner in Pettau ist ein Schneidermeisterlein! Grad vom Gasthaus komme ich heraus! O, Strnad. o Reichsbund, wie schaust du aus! Unglaublich! Nicht möglich, so sagten sich die Leute, als sie hörten, daß aus dem Gedanken des Reichsbundes eine Teucrungsversaminlung hervorkam! Das wäre nichts Unmögliches! Aber (Pst! Bitte ruhig!) daß aus den Kreisen des ReichSbundes deutscher Eisenbahner der Gedanke hervorging, ein Schneiderlein zum Vorsitzenden für eine Versammlung zu wählen, das war noch nicht da! Und doch ists geschehen!! Diese so groß angelegte Versammlung war von (Bitte, keine Aufregung!) sage und schreibe 25 Mann besucht. (Das waren aber nicht alle deutsche Eisenbahner, denn mit diesen schautS sehr bitter aus.) Als das Schneiderl, Pardon der Vorsitzende, die Erschienenen, darunter auch den Herrn Regierungsvertreter Dr. Högler (O Teufel!) sowie den Stadtamtsoffizianten Schindler, welcher als Schriftführer fungierte, begrüßte, erhielt Kamerad Wunderlich das Wort, welches er eine gute Viertelstunde brauchte und welches tosenden Beifall (Das kann man sich denken!) erntete. (Montag war es aber ander? zu hören!) Hierauf kam Herr — 2 in hart zu Worte, welcher etwas länger schwefelte, aber sonst schon brav war. Nachdem auch dieser ausgesprochen, forderte der Schneider (Bitte um Entschuldigung!), der Vorsitzende Herr Anton Masten, die Anwesenden auf, sich zu Worte zu melden, doch die paar Natzi hatten sichtlich keine Schneid mehr. Aus das kam abermals Kamerad Wunderlich, und es hatte schon den Anschein, als müßte die Auslösung der Versammlung erfolgen, so stürmisch sprach dieser, doch kam es nicht so weit! Auch die Polizei brauchte nicht in Aktion zu treten. (Wohl schade, nicht wahr, Herr Zcntrich?) Eines ist [ehr bedeutend! Kamerad Wunderlich betonte, daß man dahtn wirken müsse, daß auch der Reichsbund endlich höheren Orts anerkannt werden müsse!! (Hört, so stehts?) Er gab ein Beispiel zum besten von einem schwimmenden Flösse, welches zum Sinken war (Wie der Reichsbund in Pettau!) und wo er sagte: „Es ist Zeit, eS ist Zeit! Aber auch für uns Deutsche ist die höchste Zeit, daß wir..».. Da mir von dem Schwefel schlecht wurde, f mutzte ich hinaus und überhörte die .Schlußworte; jedenfalls^ aber,sagte Herr Wunderlich: „Daß wir einmal gescheidter werden! Bei der nächsten Versammlung des Reichsbundes deutscher (??) Eisenbahner in Pettau wird ein Schuster den Vorsitz führen! So steht es in Pettau mit diesen Herren! Große Einladungen! Großer Pomp! Wenig Hirn! Kein Vorsitzender außer einen Schneider, das kann sich der Reichsbund leisten! Arm im Geiste, reich an Dummheit, sind seine Anhänger, welche kaum 15 Mann in der ganzen Station Pettau zählen. Dew Leuten die Augen auswischen (Fall Repotocnik und Lazar)., das ist sein Werk! Und noch gibt es so Strohschädel, welche' sich nicht trennen können, alles nur um des Gratisbieres und -Weines zuliebe! Heil! Mein Magen knurrt! Heil! Herr Schneidermeister Masten aber hat das eine Gute zu erwarten, daß er für seine Güte Kundschaften bekommt. Wir gratulieren nur zu solchen Erfolgen! Den ReichSbündlern, welche die meisten Slowenen sind, raten wir, sich dreimal an die Brust zu klopfen und zu sagen: „O Herr, verzeihe uns, wir wissen nicht, was wir tun! Amen!" Klostergrab. Am 20. September d. I. ereignete sich in’ der Station Klostergrab ein schrecklicher Unfall. Am genannten1 £age fuhr um 6 Uhr früh ein Bahnwagen mit elf Mann boiii Eichwald gegen Klostergrab. Als sich der Bahnwagen, welchen Bahnrichter Rudolf führte, dem Verschubpslock näherte und schon darüber hinaus war, stieß derselbe mit furchtbarer Gewalt an eine Maschine, welche einen Kastenwagen zur Mitscherlich-Fabrik schob, an. Neun Mann, darunter auch der Bahnrichter Rudolf, retteten sich noch durch Abspringen, dabei wurden mehrere nicht unerheblich verletzt. Zwei Mann konnten sich nicht mehr retten und wurden mit furchtbarer Gewalt an den Güterwagen geschleudert, so daß der eine, mit Namen Klausnitzer, gräßlich verstümmelt wurde. Es wurde ihm Arme und Beine zermalmt und auch an anderen Körperteilen' erlitt er schreckliche Verletzungen, so daß er bewußtlos! nach Klostergrab geschafft wurde. Von da wurde Klaus-n i tz e r mittels Sanitätswagens in das Settenzer Krankenhaus überführt, wo er um 9 Uhr vormittags feinen Verletzungen erlegen ist. Glücklicher kam der zweite davon. Dieser erlitt mehrere Rippenbrüche und eine Verletzung der Lunge. , Komotau. (Erholungsurlaube und W 0 h-' n u n g 5 m i s e r e der k. k. S t a a t s b a h n e n.) Unter ZaljU 621/y 16 910 vom 2. März 1911 wurde von der k. k. Staats- J bahndirektion in Prag ein Schreiben erlassen, in welchem cs im letzten Absatz hxißt: t „Außer »em Erholungsurlaub haben die Wächter die Möglichkeit, auch noch fallweise Urlaub zu erhalten und sind diesbezüglich die Befugnisse der Dienstvorstände seither erweitert worden." Und wie schaut diese Erweiterung aus? Wenn ein Wächter nach Maßgabe des § 59 der Dienstordnung seinen Erholungsurlaub beansprucht, werden ihm nur sechs Tage ge-währt, außerdem geht ihm sein dienstfreier Tag verloren, der gewöhnlich in den Urlaub eingerechnet wird, so daß derselbe anstatt sechs überhaupt nur fünf Tage erhält, da von seiten; der Vorgesetzten erklärt wird, sobald mehr als zwei Tage für den Monat, Ivo der Petent den Urlaub erhält, nicht gewährt werden. Seit Erlaß des Zirkulars sind die Urlaube nicht verbessert, sondern verschlechtert worden, weil den Wächtern der dienstfreie Tag genommen wird. Ob dieser Usus bei allen Bahnerhaltungssektioncn angeführt ist, wissen wir nicht, aber bei der k. k. BahncrhaltungSsektion Komotau besteht er. Als Herr Bauoberkommiffär Sch warzbart im Jahre: 1910 nach Komotau versetzt wurde, waren die Wächter der Mci«1 mtng, daß endlich in dieser Angelegenheit Remedur geschaffen^ wird. Es wurde von den Wächtern eine stramme Disziplin Der-; langt und es sollte den Anschein erwecken, als sollte tatsächlich] Vorsorge getroffen werden. Doch welche Täuschung! Den zweiten dienstfreien Tag hat man ihnen weggenommen. Herr Schwarzbart schaute auch im Anfang in den Wächterhäusern immer nach, ob diese rein gehalten werden und reparaturbedürftig sind. Dabei übersah er aber so manche Reparatur in den Wohnungen, obzwar ihm die Wächter aufmerksam machten. Jetzt, wo der rauhe Herbst fernen Einzug bereits ge«1 halten hat und der Winter vor der Tür steht, der Wind durch; die Fenster saust, daß der Putz von der Decke fällt, bekommen; es die Wächter mit ihren Familien wieder recht empfindlich zu* verspüren, daß Herr S ch w a r z b a r t auf alles vergessen fiat,./ auch auf das, auf das ihn die Wächter besonders aufmerksam machten. Wir werden ja sehen, ob diese Zeilen genügen, Herrn Schwarzbart zu bewegen, in den Wächterhäusern bezüg-1 lich solcher Uebelstände ctlims mehr Umschau zu halten und' auch dafür zu sorgen, daß dieselben beseitigt werden, ändern- j falls wir gezwungen wären, öfters und noch mit anderen1 Mitteln in die Oeffentlichkeit zu treten. Die Wächter sind gewohnt, ihre Vorgesetzten zu respektieren, hoffen aber auch, daß ihren Bitten und Beschwerden Rechnung getragen wird. Jenen Wächtern aber, die nach außerhalb unserer Organisation stehen und ihre Rechte vertreten haben wollen, rufen wir zu, sich zu organisieren, indem sie dem Allgemeinen Rechtsschutz- und Gewerkschaftsverein beitreten. Wnidhofcn an der Mbs. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft und insbesondere die Franenorganisation hat einen! unersetzlichen Verlust erlitten. Die frühere Obmännin der; Frauenorganisation, Frau Karoline Leopold ist eines plötz-i lichen Todes gestorben. Das Leichenbegängnis gestaltete sich' großartig. Am offenen Grabe hielten Genosse Griefe er und1 Genossin ©chnefenleiiner Ansprachen. Die Sänger intonierten einen Trauerchor. Genosse Rudolf Leopold, Ob-’ mattit der Eisenbahnerortsgruppe, dankt allen Teilnehmern1 und insbesondere den Eisenbahnern sowie den Deputationen von Amstctten und Hilm-Kematen. Briix. (S trecke nsektio n der Aussig-Tepli-tz c r Eisenbahn.) Der Herr Streckenvorstand Oberingenieur Gentner und der ©treefeningenieur Herr P o t h o r n haben sich die Aufgabe gestellt, denjenigen Wächtern, welche ihnen nicht zu Gesicht stehen, durch allerlei Schikanen den Dienst soviel als möglich zu verleiden. Nicht genug, wenn die ungeheure, Teuerung die niederen Bediensteten in der grausamsten Weise'1 heimsucht, wußten diese Herren dieses Elend durch allerlei unnötige und ungerechtfertigte Quälereien ins Unerträgliche zu steigern. Das Dienstverhältnis der Wächter ist das denkbar rückständigste. Bei dem äußerst lebhaften Zugsverkehr müssen dieselben heute noch lSstiirtdigeit Dienst verrichten, auf welchen eine 12ftündigc Ruhezeit folgt, und zwar jahraus, jahrein ohne Abwechslung. Wollen sie dc.t an sie gestellten Anforderungen gerecht werden, benötigen sie die ganze dienstfreie Zeit zur Ruhe. Doch wie ist es damit bestellt! Einmal wird der Wächter früh um 6 Uhr, einmal um 12 Uhr mittags, dann wieder um-6 Uhr abends oder um Mitternacht abgelöst. Nun stelle man sich vor, wie es einem solchen Wächter möglich ist, auszuruhen. Er müßte das Kunststück zuwege bringen, auf Kommando entschlafen zu können. Außderem sind die Wächter durch die miserable Bezahlung gezwungen, sich noch einen Zuschuß zu, ihrem Verdienst dadurch zu verschaffen, daß sic das Böschungsfutter, Felderstückchen und Obst von der Direktion pachten, um1, so durch das Halten einer Kuh oder Ziege die Wirtschaftsauslagen zu verringern. Daß sowohl die Bergung des Futters als auch die Verwertung des gepachteten Obstes dein Wächter viele Stunden seiner Ruhezeit raubt, scheinen diese Herren ebenfalls nicht zu wissen. Früher, als der Verkehr noch bedeutend-geringer war, und auch noch keine Verriegelungsanlagen irr den Stationen bestanden, ist zum 'Grasputzen stets eine größere Anzahl von Frauen ausgenommen worden. Herr Oberingenieuy .Gentner sah dies jedoch als,.eine überflüssige Ausgabe an* 5Jir. 29 ■ Sein Verdienst ist es, wenn diese Frauen heute nicht mehr zu dieser Arbeit ausgenommen werden, und zwar nur deshalb, um der Direktion zeigen zu können, was für ein Sparmeister er ist und dafür durch rascheres Avancement und außerordentliche Remunerationen belohnt zu werden. Wir lvollen dem Herrn Streckenvorstand den Rat geben, bei Hinausgabe von solchen Zirkularien bekanntzugeben, wenn die Wächter diese Arbeit eigentlich verrichten sollen, oder ob sie sich hiezu Leute aufnehmen und von ihrem Verdienst bezahlen sollen. Ebenso möchten wir ihn ersuchen, die Bediensteten wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Organisation nicht einzuschüchtern oder mit Schädigungen zu drohen, da es unserer Meinung nach ihn gar nichts angeht, welcher politischen Partei oder Organisation die Bediensteten angehören. Sollte sich der Verwaltungsrat darüber wundern, das; die Presse der A.-T. E. kein Loblied singt, wie er dies von der bezahlten „Bohemia" und anderen bürgerlichen Blättern gewohnt ist, dann mag er das — durch Herrn Enderes eingeführte „System der eisernen Faust" beseitigen und für alle Bedienstetengruppen menschenwürdige Arbeits- und Entlohnungsverhältnisse schassen. Leobersdorf. Der Herr Stationschef Oberrevident Neuss er betrachtet das ihm unterstehende Personal nicht als Eisenbahnbedienstcte, sondern glaubt, einen jeden als Stubenmädchen behandeln zu können. Da Herr N e u s s e r im Dienst sehr wenig oder gar nichts zu beanstanden findet und seine dienstliche Verrichtung nur im Unterschreiben besteht, so verlegt er sich auf die Stationsreinigung. Reinlichkeit ist die Zierde eines jeden Hauses, aber was er in diesem Fach leistet, das macht ihm so leicht keiner nach. Die abgebrannten Streichhölzchen zwischen den Schienen, Papierchen auf der Böschung zusammeuklauben, Fensterputzen der Wächterhütten (wenn auch keine Glastafeln darinnen sind) und Wechselputzen, das sind die Hauptarbeiten der Wächter. Vcrschub und Zngsverkehr sind Nebensache. Infolge des schon zehn Jahre projektierten Umbaues der Station wurde an den Wächterhütten schon seit Jahren keine Reparatur mehr vorgenommen, und Wind und Regen finden reichlich Einlaß. Für die Verschieber wurde schon yor einem Jahre ein alter abmontierter Kastenwagen in die Station gebracht, welcher noch bis heute auf seinem Abladeplatz Unberührt steht. Die Verschieber müssen sich trotz wiederholten Bitten wahrscheinlich auch im kommenden Winter in den lustigen Personenwagen Rheumatismus und andere Krankheiten holen. Kommt man erst in das Stationsgebäude, so erblickt man dort das Stellwerk, eine SichernngSanlage trotz seines fünfjährigen Bestandes, an alte Zeiten erinnernd, für jedermann zugänglich, allen Sturm, Staub und Wetter ausgesetzt, und ohne Glockensignalschlagwerk, ohne Borläutewerk, als einziges Ver-ständigungSmittel zu schreien über die Köpfe der am Perron befindlichen Reisenden, welches einige Herren Beamte besonders gut können, „aber" geputzt muß cs sein, alles andere ist Nebensache für den Herrn Chef. Nun zit den in nächster Nähe des Herrn Chefs befindlichen Eilgut- und StationSarbeitern, welche einen 24stündigcn Dienst haben und infolge des UebergangeS auf die k. k. Staatsbahn viel Arbeit haben; nun sollte man glauben, daß sie ihren kargen Lohn schon mit der normalen Arbeit verdienen würden, aber weit gefehlt; sobald sich auch nur die geringste Pause zeigt, ist der gute Herr Chef auch schon hinter ihnen her, und da heißt cS putzen und Türen und Fenster mit Petroleum anschmieren, bis die ganze Station davon stinkt. Dabei kann man von diesem Herrn auch recht schöne Ausdrücke hören, wie zum Beispiel, wenn er die Leute gerade beim Gabelfrühstück essen überrascht; da äußerte er sich vor kurzer Zeit, das Gesindel sicht man nur immer fressen, ich werde ihnen den Brotkorb schon noch höher hängen. Wir könnten auch noch andere Zitate dieses Herrn bringen, welche er gegenüber den Bediensteten gebraucht, wollen aber diesmal davon Abstand nehmen. Das Verschubpersonal scheint dem Herrn Chef ein besonderer Dorn im Auge zu sein, warum kann der Herr wohl selbst nicht sagen, da unseres Erachtens die Leute ihren gefahrvollen Dienst ordnungsgemäß versehen; auf die Einflüsterungen des Hern Assistenten Till, soll der Herr Stationschef nicht zu viel geben, da der Herr schon zur Genüge seine Unfähigkeit zum Verkehrsdienst bewiesen hat. Wir werden uns schon noch mit diesem Herrn näher befassen müssen, der Herr scheint nämlich nur im Dienst zu sein, um die Leute zu verunglimpfen und beim Herrn Chef unwahre Angaben zu machen. Die Bediensteten und Arbeiter haben das Recht, eine menschenwürdige Behandlung vom Herrn Vorgesetzten zu verlangen. Hoffen wir, daß es aus diese Zeilen besser wird. Den Bediensteten rufen wir aber zu: Hinein in die Organisation bis zum letzten Mann! Laßt euch nicht von dem Herrn zum Süd-bahnerverband zwingen, es geziemt keinem Mann, daß er aus Angst vor den Vorgesetzten Mitglied des Südbahnerverbandes wird. Billnch. (A 6 s ch i c d § s e i c r.) Donnerstag den 28. September abends fand sich im Vereinslokal der Eisenbahnerorts-Bruppe I, in Unterlassers Gasthaus in Lind, eine große Anzahl Genossen und Genossinnen ein, um den aus „Dienstesrücksichten" nach Leoben versetzten Genossen Pirk er und Heitzl Lebewohl zu sagen. Der Besuch bewies am besten, welches Vertrauen sich die beiden Genossen, besonders unter den Eisenbahnern, erworben haben, und nicht allzu leicht wird die Lücke, die ihre Versetzung reißt, wieder ausgefüllt werden können, obwohl sich alle Genossen gelobten, nicht locker zu lassen, und unter den Eisenbahnern noch eine Fülle von Kraft für die Organisation vorhanden ist. Bei der Feier hielten die Genossen Auingcr für die Ortsgruppe I, Genosse Brandt für die Dienstkollege», Genossin Pölzl für die Frauenorganisation, Genosse Ruzizka für die Ortsgruppe II, Genosse Pölzl für den Gewerkschaftsverband und Genosse Schatzmayr für die Partei kurze Abschiedsreden, die alle dahin ausklangen, auch weiterhin der Idee des Sozialismus treu zu bleiben. Es wurde von den einzelnen Rednern hervorgehoben, daß die verdeckten Maßregelungen der beiden Genossen lediglich ein Racheakt der nationalen Herren ist, die damit nur den Beweis liefern, daß ihnen alle ihre Lügen und Verleumdungen int Kampfe gegen die Sozialdemokratie nichts genübt haben. Obwohl die Nationalen über ganze Scharen von Professoren, Doktoren, Direktoren, Kommissären, Ingenieuren, Lehrern und anderen nicht als Agitatoren verfügen, obwohl sie die ganze Intelligenz auf ihrer Seite haben, sind sie an Argumenten so arm, daß sie den Kampf nur dann erfolgreich führen zu können hoffen, wenn sie unsere Genossen aus solch schmähliche Art aus dem Wege räumen. Daß sich die nationalen Herolde damit nur ein Armutszeugnis ausstellen, scheinen ihre „intelligenten" Kreuz-köpferl gar nicht zu begreifen. Alle Versuche dieser Herrschaften, unsere Organisation auf eine solche Art zu zerstören, sollen an der Tatkraft und Entschlossenheit des Personals zuschanden werden. Nach wie vor werden die Genossen und Genossinnen mit den Scheidenden eines Sinnes sein und Tiank und Anerkennung sei ihr Lohn. Die Genossen Pirker und Heiß! dankten und versprachen, auch ihrerseits sich nicht „zu bessern", sondern weiterzuarbeiten wie bisher. Damit war der offizielle Teil erledigt, aber noch lange blieben die Genossen und Genossinnen bei den Vorträgen des Eisenbahnergesangklubs „Flugrad", der geradezu Vorzügliches leistete, und den Ro-seggcr-Vorlesungen des Genossen Rothwangel in fröhlicher Stimmung beisammen. Noch einmal ein herzliches Lebewohl und ein kräftiges „Bahn frei!" den beiden Genossen, die auch in Leoben ihren Platz ausfüllen werden, so daß die Dienstesrücksichten ihren Zweck nicht erfüllen. „De» Grs-nbahuer." Kloflcnfurf. (Ein L a u S b u b e n sl ü ck.) Ein paar deutschnationale Buben haben, um sich in ihrer ohnmächtigen Wut zu rächen, folgende Tat vollbracht: Sie schickten an die Redaktion des sozialdemokratischen „Arbeiterwille" in Graz ein Schreiben, worin sie unseren Genossen in der gemeinsten Weise verleumdeten. Um nun diesem Schwindel den Schein der Echtheit zu geben, stellten sie in ihrem Schreiben die Sache so dar, als ob in einer sozialdemokratischen Vertrauens-männersitznng der Beschluß gefaßt wurde, die erdichteten Schandtaten der Genossen Florian und Wildling in unserem Landesparteiorgan, dem „Arbeiterwille", zu veröffentlichen. Um der Zuschrift den Stempel der Glaubenswürdig-kcit aufzudrücken, fälschten die nationalen Strauchritter die Unterschriften der Genossen Waidich, Pirch und H it 11 c r und freuten sich im stillen ihrer gemeinen Tat. Die Helden hatten jedoch wenig Glück. Die Sache war trotz der künstlich verzogenen Schrift so plump stilisiert, daß die Redaktion sofort Verdacht schöpfte und Erkundigungen einzog. Dadurch waren die Schwindler entlarvt. Wir haben diese Probe deutschnationaler Kampfesweise nicht deshalb angeführt, um dagegen zu polemisieren, sondern um zu beweisen, wie leichtgläubig die Redaktionen dentschbürgerlicher Blätter ihren treudeutschen Einsendern oft aufsitzen. Jetzt verstehen wir, aus welcher Quelle die „Villacher Zeitung" und die „Freien Stimmen" ihre Unratkübel füllen. Wer sich van den Genossen für die neuesten Gemeinheiten der deutschnationalen Strauchritter interessiert, der kann bei Genossen Florian Einsicht nehmen. Vielleicht gelingt cs uns, die Schreiber dieses Pamphlets ausfindig zu machen. Selzthnl. (Nachruf.) Die organisierten Eisenbahner von Selzthal rufen ihrem nach Amstettcn versetzten Genossen Obmannstellvertreter Karl Steueregger ein herzliches Lebewohl nach und beglückwünschen die Amstetter Genossen zu diesem tätigen und strammen Genossen. Knittclfcld. Es diene den werten Mitgliedern zu Kenntnis, daß sich das Vereinslokal im Volksheim, am Hauptplatz Nr. 2, befindet, woselbst jeden Sonntag Einzahlungen der Mitgliedsbeiträge stattfinden. Die Bibliothek ist jetzt zentralisiert und umfaßt 1000 Bände, welche jeden Samstag abends von 7 bis 9 Uhr und Sonntag vormittags von 0 bis 11 Uhr zur Ausgabe gelangen. Die Monatsversammlungen werden am ersten Samstag im Monat veranstaltet und werden die Kollegen ersucht, dieselben zahlreich zu besuchen. Ferner befindet sich im gleichen Haus das Arbeitersekretariat, in welchem Nechtsauskünste aller Art erteilt und Gesuche sowie Klagen und so weiter verfaßt werden. Auch eine Jugend-bibliolhek befindet sich da, aus welcher die Kinder der Genossen und Genossinnen Bücher entlehnt erhalten. Dieses alles wurde geschaffen aus der Kraft des Proletariats und ist es Pflicht der Genossen, für den Ausbau ihrer Organisation zu sorgen. Koinotnn. (K. k. S t a a 13 fi a h n c n.) Wiederholt hatten wir Gelegenheit, die Protektionswirtschaft und das Denunziantenwesen, das jetzt unter dem Regime des Vorstandes Herrn H a n l prächtige Früchte zeitigt, zu beleuchten. Früher zeigte sich der Herr Vorstand unparteiisch und cs war ihm gleichgültig, ob er einen Sozialdemokraten oder einen Nationalen vor sich hatte. Doch in letzter Zeit tritt er, wahrscheinlich gezwungen durch seinen bösen Geist, den stramm deutschnationalen Stationsmeister R u p p r i ch, der seinerzeit als Obmann bei der „Jednota" in Mähren fungierte, offen gegen die Sozialdemokraten auf. Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns erlauben, an den Herrn Vorstand die Anfrage zu richten, wer bei Personalen« gelegenheiten eigentlich disponiert. Der Herr Porst and oder der Herr Rupprich? Es wäre wünschenswert, wenn Herr Hanl der Ohrenbläsern des Herrn Rupprich nicht so viel Gehör geben würde und als streng unparteiischer Vorgesetzter handeln möchte. Das Personal läßt sich von seinen schönen Worten nicht mehr irrcsüljrcn, es hat den Wolf im Schafspelze bereits erkannt. Wie ungleich der Herr Vorstand vergeht, zeigen einige Fälle. Der Oberbauarbeiter G r ä s n c r, der 14 Tage am Oberbau arbeitete, wurde allen Bediensteten vorgezogen und in der (Station verwendet, trotzdem viel ältere Arbeiter vorhanden sind. Der Herr Vorstand ist über dessen Arbeit des Lobes voll, doch meinen wir, daß sich der Herr Vorstand von den Leistungen nur sehr oberflächlich überzeugt haben dürfte. Bose Leute behaupten, es wäre eine besondere Protektion im Spiele. Ein anderer Bediensteter, der schon einige Jahre bei der Bahn bedienstet ist und von der Direktion als Verschieber ausgenommen wurde, dem werden Hindernisse in den Weg gelegt, indem er sich noch einmal ärztlich untersuchen lassen muß, obwohl er bereits bei der Aufnahme und bei ocr Einreihung in den Provisionssotids ärztlich untersucht wurde. Durch dieses Scheinmanöver soll der Arzt einen Fehler an ihm finden, damit ihm nicht die Gelegenheit geboten ist, in die Station zu kommen. Warum wird dieser Vorgang nicht praktiziert bei solchen Leuten, die von der Station oder vom Magazin zum Fahrdienst verwendet werden? Hier scheint der Herr Vorstand dem Rupprich zu folgen, der nur Leute vom Rcichsbund in Vorschlag bringt. Hat sich der Herr Vorstand bei der Aufnahme für den Stationsdienst bei anderen Bediensteten auch so gestellt? Wurden die anderen auch noch einmal zur Untersuchung geschickt? Bei gewissen Individuen wäre es wohl gerechtfertigt gewesen, diese einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen, oder hat es bei Reichsbündlern keine Bedeutung, wenn er nur ein Auge hat und nebenbei schwerhörig ist? Was hier die Hauptrolle spielt, wollen wir vorläufig für uns behalten, hoffen aber, oaß diese Zeilen den Herrn Vorstand belehren, daß er dem Personal gegenüber als unparteiischer Vorgesetzter gelten soll. Wir hoffen, daß er den § 20 der Dienstordnung kennt und die Protektionswirtschaft beseitigt, da andernfalls die Aeußenntgen des Herrn Vorstandes geeignet sind, die Disziplin unter dem Personal zu lockern. Versammlungsberichte. Selzthal. Am Samstag den 30. September fand hier in Hubmanns Gasthaus eine äußerst gutbesuchte Eisenbahnerver-sammlung statt, zu der auch eine Deputation der Beamtenschaft erschien. Der Obmann Genosse Holub erteilte nach den Einleitungsworten dem von der Zentrale entsendeten Referenten Genossen Somitsch zur Tagesordnung: „Die Teuerung und die gegenwärtige Bewegung der Eisenbahner" das Wort. Der Referent erörterte in feiner zweistündigen Rede, die gegenwärtige Bewegung der Eisenbahner, verwies auf die herrschende Teuerung aller Bedarfsartikel, insbeson-ders des Fleisches und geißelte hierbei in temperamentvoller Weise den Hungerzolltarif, der vom alten Kurienparlament beschlossen wurde. Uebergchcnd auf die Besprechung der Lage der Eisenbahner, besprach Redner die Kämpfe der Eisenbahner in den Jahren 1905 und 1908, bei welchen die Forderungen nur zum Teil bewilligt wurden. Der Referent schilderte die Bewegung der Wiener Arbeiter und das Verhalten Der Wiener bürgerlichen Presse gegenüber den VerzweislnngSauSbrüchen der Wiener Bevölkerung. Eingehend besprach er sodann das Communique der Regierung und daS Verhalten der Gegner und berichtete über die Versprachen der Deputationen beim Eisenbahnministerium und der Abgeordneten beim Minister- Seite' 13 ^ Präsidenten. Schließlich hielt er der Versammlung die 9totv Wendigkeit der Solidarität des Personals vor Augen. (Stürmischer Beifall.) Im Namen der Beamtenschaft führte Herr Assistent Fill aus, daß die herrschende Teuerung , auch schon den Mittelstand ergreife und fprach sich sodann gegen die Aeuße-rungen des Referenten in Bezug auf die Schreibweise der nationalen Presse über die Wiener Vorfälle aus. Betreffs des Austrittes des Beamtenvereins aus der Koalition verwies Herr F i 11 auf die Einigkeit des Personals auf der Strecke. Genosse S o m i t s ch antwortete hierauf in vortrefflichen Ausführungen, daß eine derartige Einigkeit auch für weiterhin notwendig sei, nicht bloß zur Zeit eines bevorstehenden wirtschaftlichen Kampfes, daß hier nur ein internationaler Zusammenschluß helfen könne und daß die Nationalen sich nur dann solidarisch zeigen, wenn große Kämpfe bevorstehen, wenn die Not beten lernt. Herr Fill verteidigte hieraus die Vereinigung aus nationaler Basis und schloß sich im übrigen den Ausführungen des Referenten an. (Beifall.) Genosse Holub schloß hieraus um 'A11 Uhr nachts die imposante Versammlung, die zeigte, daß das Selzthaler Personal einig und gerüstet ist. Oderberg. (Eine deutsch nationale Versctmm-l u n g.) Am Freitag den 29. v. M. war ein kritischer Tag erster Ordnung für die österreichische Regierung und den Lebensmittelwuchcrern. Der deutschpolitische Arbeiterverein für Schlesien, dessen Obermacher, der Abgeordnete Seidl, ' den Agrariern verpflichtet ist, hatte den deutschsprechenden Arbeitern mittels Flugzettel mitteilen lassen, daß er sich die Teuerung nicht ittchc länger gefallen lasse. Der genannte Verein berief eine freie öffentliche Volksversammlung mit folgender Tagesordnung ein: „Die Forderungen der Eisenbahner und Stellungnahme der deutschen Arbeiter zu der Lebensmittel» und Wohnungstenerung". Referent Sekretär Franz Hcindl aus Jägerndorf. Die Geschichte ging nicht so aus, als sich die Deutschnationalen gedacht hatten, denn die bösen Sozi und darunter wirkliche echte Eisenbahner waren in starker Anzahl erschienen, um sich die Forderungen der Reichsbündler anzuhorcn. Man konnte aber alles, nur von Eisenbahnerforde-rungen keine Silbe hören. Das Herz fiel dem Herrn Hcindl in die Hafen, wie er der Sozi ansichtig wurde. Flugs sollte die öffentliche Volksversammlung in eine Vereinsversammlung umgewandelt werden, und es bedurfte der energischen Intervention unseres Genossen Pichler, um den Herren begreiflich zu machen, daß die Versammlung auf diesen Schwindel nicht eingehe. Also wurde mit schwerem Herzen beschlossen, die Vorsitzenden wählen zu lassen. In den Vorsitz wurden von dcutfchnationnlcr Seite Herr Gürtler und Genosse Rudolf L i n d o v s k i gewählt. Und nun gings los. Herr H e i n d 1 bestieg als erster Redner die Bühne und donnerte gegen die Teuerung, gegen die Kartelle und gegen die Regierung eine ganze Stunde, und brachte dabei das Kunststück zuwege, bas Parlament nicht mit einem Wort zu berühren. Er stellte die nationale Koalition als die einzige Retterin der Eisenbahner den Versammelten vor, was einige Zwischenrufe hervorrief. Das eine mußte man Herrn Hcindl lassen, schöne Worte zu drechseln und damit nichts zu sagen, das versteht dieser .Herr aus dem ff. Mer mit des Schicksals Mächten ist kein Bund zu flechten. Jetzt meldete sich ein wirklicher deutscher Arbeiter, Genosse Pichler ans Oberberg, zum Wort und dieser zeigte dem Herrn Sekretär und seinen Mannen an der Hand eines beweiskräftigen Tatsachenmaterials den nationalen Schwindel auf, den die Herren vom Nationalverband als rationelles Geschäft betreiben. Jedes Wort des Genossen Pichler war eine ticfsitzende, schmerzliche Ohrfeige. Es war dem Redner ein leichtes, den Versammelten das Janusgesicht der nationalen .Herren vor Augen zu sichren und diesen die Maske herunterAureißen. An einer langen Reihe von sozialpolitischen Anträgen, die im Parlament zur Abstimmung gelangten, wies er den nationalen Volksbctrug nach und Herr Hcindl bekam in dieser Versammlung sowohl vom Genossen Pichler als auch von unseren Teilnehmern Worte zu hören, die ihm wohl auf lange Zeiten den Appetit verdorben haben dürften, wieder nach Oderberg zu kommen. Stürmischer Beifall lohnte die Ausführungen unseres Redners und die paar nationalen Herren stimmten ein Wutgeheul an. Es war aber gesessen. Die Charakterisierung der deutschnationalen Arbeiterführer a la Seidel, Ertl, Burfchofsky, C i« hula und andere mehr war ihnen auf die Nerven gegangen und hatte sie um den Rest ihres bißchen Vcrjlanbeö gebracht. Die Versammlungsteilnehmer lauschten mäuschenstill den Ausführungen des Genossen P i ch l e r. Nach Genossen Pichler meldete sich Herr Bäcker, Gastwirt aus Oderberg, Obmann der Gastwirtegenossenschast für Oderberg und Umgebung, zum Wort. Er wendete sich gegen die Wucherpolitik der Brauercikartelle und unterzog auch die allgemeine Verteuerungspolitik der Regierung und die Kariellwirtschast sowie die Urteile der Wiener Gerichte anläßlich der Demonstration am 17. September einer scharfen Kritik. In längeren Ausführungen begründete er die Haltung der Wirte, die heute zum größten Teil von ben Brauereien abhängig seien und daher gezwungen wären, den Befehlen derselben zu gehorchen. Er meinte zum Schluß, die Bevölkerung solle den Wirten in ihren schweren Kämpfen behilflich fein, aber nicht das Bier zu zu boykottieren, da den Wirten dadurch ein großer Schaden erwachse. Herr Bäcker hatte im großen und ganzen sehr sachlich gesprochen, wenn man von einigen Entgleisungen und, den etwas weitschweifigen Ausführungen absieht. Aber das eine müssen wir konstatieren, daß für einen Teil der Wirte keine Notwendigkeit besteht, die Bierpreise zu erhöhen, da e5 auch Brauereien gibt, die nicht die Preise erhöht haben (zum Beispiel Radwanitzer Brauerei). Weiters bemerken wir, daß der einzig wirksame Kampf in diesem Falle der Boykott ist. Wir ersuchen daher die Bevölkerung von Oderberg und Umgebung, kein verteuertes Bier zu trinken. War die Debatte bis zu diesem Moment so ziemlich sachlich, so änderte sich daS mit einem Schlage, als Herr A u st, seines Zeichens StationS-nteister und RcichSbunbobmann, die Tribüne bestieg. Man glaubte bei den ersten Worten, ein verrücktes Kasperl habe zu viel Wasser geschluckt. Er gurgelte unverständliche Worte, und der ganzen Jcremiade Schluß war ein Kübel stinkender Jauche, der über die sozialdemokratischen Organisationen und deren Führer ergossen wurde. Man erkannte sofort, daß dieser Mann ein ganzer Reichsbiinbler sei. Speziell mußten die Villen der Genossen Renner und Pcrnerstorfcr und die Ringstraßenpalnis des Genossen Tomschik herhalten, nach dem alten Grundsatz: „Verleumde nur fest darauf los, etwas bleibt schon hängen!" Wir werden dem Herrn Gelegenheit geben, die Wahrheitsbeweise für feine Behauptungen bei Gericht zu erbringen. Nun kam nochmals Genosse Pichler zum Worte, welcher sich zuerst mit ben Ausführungen des Herrn Bäcker beschäftigte, und den Wirten die Hilfe der Arbeiterschaft zusichcrtc, falls der Kampf von den Wirten mit allem Ernst gegen die Brciuereiprotzen ausgenommen würde. Dann rechnete er mit Herrn Aust ab, aber gründlich, so daß dieses Herrchen Tollwutansälle bekam und sogar mit einer Klage! drohte. Zum Schluß bekam nochmals Herr H e i n d l dar Wort. Er versuchte die Anwürfe des Genossen Pichler zu entkräften, was ihm aber gar nicht gelingen wollte. Im Gegenteil: Er ließ die Nationalverbändler und Herrn Seidl falle», gab weiter» zu, daß die deutschnationalen Kandidaten mit 60.000 Kr. Wahlunterstützung ins Parlament gebracht wurden, weil sich die Herren Industriellen — gar so sehr für das Parlament interessieren und. die gewählten National« berbändler wieder für die eisernen Kassen der Herren Unternehmer. Kurz, die Erwiderung war ein Schnitt ins eigene Fleisch. Er mag das auch bemerkt haben. Es kann mit gutem Recht behauptet werden, das; für die Herren Nationalen diese Versammlung ein Kreuzweg im wahrsten Sinne des Wortes gewesen war, während die Sozialdemokraten einen starken moralischen Erfolg davontrugen. So erfolgten auch mehrere Beitritte in die politische Organisation, trotz der Lügen und Verleumdungen der Herren Heindl und A u st und trotz ihrer Phrasen und dem Wutgeheul der Herren Nationalen. Der einzige Erfolg, den die Nationalen aufzuweisen haben, ist der, daß sie den Genossen Pichler nach der Versammlung aus seiner Stellung herauszudenunzieren vermochten, in der Absicht, ihn so von Oderberg loSzubringen. Letzteres wird denselben wohl nicht gelingen und die Leute, die in der Frage der Teuerung nichts anderes zu tun wissen, als Phrasen zu dreschen, können sich also nur der traurigen Tat rühmen, einen deutschen Arbeiter um seine Existenz gebracht zu haben. Braunau am Inn. Sonntag den 17. September wurde von der Ortsgruppe Braunau in Mühlheim eine § 2-Eisen-bahncrversamml ung abgchalten. Als Referent war Genosse Chart aus Linz anwesend, welcher über die Lage des gesamten Eisenbahnerpersonals sprach. Billach. Am 9. August fand hier in Frau UnterlosserS Gasthaus eine sehr gut besuchte Wächterversammlung der Strecke Marburg-FranzcnSfeste statt, in der Personalkom-missionSmitglied Genosse Herzig, welcher eben zur Erholung in Klagenfurt weilte, referierte. Anschließend an dieses Referat entspann sich eine lebhafte Debatte, zu der viele Wächter das Wort ergriffen. Schließlich wurde dem Genossen Herzig Dank und Vertrauen für sein bisheriges Wirken ausgesprochen, mit der'Aufforderung, auch für alle Zukunft die Interessen der Wächter mit Unerschrockenheit zu vertreten. Weiter? wurden zwei Resolutionen angenommen, eine dahingehend, welche den UsuS der Lohnerhaltungssektion verurteilt, womit dieselben stets einen Urlaub von 24 Stunden für anderthalb Tage berechnen, waS im schroffen Widerspruch zu dem diesbezüglich geltenden Erlaß der Baudirektion steht; die zweite dahingehend, daß die Wächter die anderthalbfache Anrechnung der Dienstzeit in die Pension verlangen, unbedingt aber daran festhalten müsse, daß mit 30 Dienstjahren die volle Pension erreicht wird, andernfalls ihre Vertreter im PensionsauSschuh eine Reform zu gunstcn nur einer oder einiger Kategorien zu negieren hat. Zum Schluß wurde für die künftige Pcrsonalkommission einstimmig Genosse Herzig als Kandidat vorgeschlagen, weiters wurden auch noch die Genossen Luckner und Regensburger als Kandidaten in Vorschlag gebracht. Mahrisch-Schönberg. Am 30. September fand im Ar-beitcrheim eine sehr stark besuchte Eisenbahnerversammlung statt. Diese Versammlung hat die hiesige Ortsgruppenleitung zu diesem Zwecke einberufen, um die Eisenbahner über das demagogische Treiben der nationalen Vereine (die sogenannte neue Koalition) aufzuklären und cs vor unüberlegten Schritten zu warnen. Im Verlauf der Debatte wurde der Beschluß gefaßt, die Zentralleitung aufzufordern, bei der im Zuge befindlichen Aktion dahin zu.wirken, daß insbesondere auf die Forderungen der Arbeiter, die Ernennung der jahrelang im Dienste stehenden Aushilfsbremser zu Aushilfskondukteuren, respektive Kondukteuren, auf die Stabilisierung der Werk-stättenarbciter und auf den Ausgleich der durch die Regulierung ungerecht zurügcbliebenen länger dienenden Bediensteten mit aller Macht gedrungen wird. Ucberhaupt soll diese Aktion alle Kategorien von Arbeitern und Bediensteten umfassen. ES wurde die Befürchtung in dieser Versammlung zum Ausdruck gebracht, daß es wieder nur die Beamten sein werden, die den Löwenanteil davontraaen werden, für Arbeiter und Bedienstete aber nichts übrig bleibt. Verschiedenes. Aus den Organisationen. Stauding. Die hiesigen Mitglieder und Funktionäre sprechen dem langjährigen unserer Zahlstelle ungehörigen Mitglied Franz L i e b i s ch, Lokomotivführer der St. E. G., welcher infolge Versetzung in den Ruhestand ausschied, für seine Tätigkeit und insbesondere für dos Geschenk von 26 Büchern zur Ausstattung unserer Bibliothek den wärmsten Dank aus. Neu-Aigen. In der außerordentlichen Gcnralvcrsamm-lung der Zahlstelle Neu-Argen am 1. Oktober wurden folgende Funktionäre gewählt: Ferdinand Pölzinger, Obmann; Anton Nothbaucr, Kassier; Leopold Brater, Schriftführer; Johann Schlager. Bibliothekar; Ignaz Payer, Kontrollor; Franz W i r t h, Johann Ruhr, Johann Beno, Ausschussmitglieder. Alle Zuschriften in Vereinsangelegenheiten sind zu richten an Ferdinand Pölzinger, Wächterhaus 30a, Post Neu-Aigen. Technisches. Sandstreuer für Lokomotiven. Im Sommer pflegen sich alljährlich die Eiscnbähnkatastrophen zu mehren, ähnlich wie die Unglücksfälle in den Alpen. Da kommt cs denn jedem mit verstärkter Kraft zum Bewußtsein, daß auch die kleinste Verbesserung der bestehenden Vorrichtungen für die Sicherstellung von Zügen von unberechenbarem Wert ist. Mit der Verhütung von Entgleisungen in Kopfstationcn und auf toten Geleisen ist mau schon einigermaßen fertig geworden, nachdem endlich jemand das Kolumbusei gefunden hatte, daß man ja nur das Ende des GeleiseS genügend mit Sand zu bestreuen brauchte, um unter allen Umständen zu verhindern, daß die Lokomotive über die Puffer hinausfahren könnte. Gewissermaßen eine Erleichterung dieser Einrichtung ist ein von dem Franzosen Lambert erfundener Apparat, der für Lokomotiven etwa dasselbe bezweckt, wie der Sandstreuer bei den elektrischen Straßenbahnen und auch ungefähr dieselben Mittel dazu anwendet. Der Gedanke ist auch für eigentliche Eisenbahnzüge längst nicht mehr neu, vielmehr kommt eine große Zahl verschiedener Konstruktionen von Sandstreuern vor, die aber, abgesehen von einem zuweilen ziemlich hohen Preis, den Fehler haben, leicht zu versagen, wenn der Sand nicht durchaus trocken gehalten wird, weil er sonst nicht schnell genug aus dem Apparat heraus auf das-Geleise fließt. Dielen Uebclstand hat Lambert, ein Ingenieur einer der größten französischen Eisenbahngesellschaften, durch diese Erfindung zu vermeiden gesucht. Er verzichtet von vornherein auf trockenen Sand, sondern mischt ihn gleich mit einer genügenden Menge Wassers, aber doch so, daß er eine hinreichende Bremswirkung hcrvorbringt. In Frankreich sind bereits 350 Lokomotiven mit dem neuen Apparat auSgestattet worden, der sich durchaus bewährt hat, sogar bei Versuchen im vorigen Winter zur Zeit eines starken FrostcS. Die Vorrichtung soll nicht allein die Bremswirkung steigern, sondern das Gleiten der Maschinen auf den Geleisen bei zu großer Glätte, namentlich bei starkem Gefälle der Strecke, verhüten. Das amtliche Nos?. Das Wiener LandeSgcricht hat einen Demonstranten, der am 17. September mit einem Spazierstock den Pferd eines berittenen Wachmannes einen Schlag versetzte, zu einem Jahr schweren Kerker verurteilt. Die satten .Herren vom Wiener Gericht, Sitzen in zwei Senaten Und richten, wa§ am Siebzehnten, Die Wiener Hungernden taten. Summarisch schlägt ihr Verfahren ein, Auf ein und zwei Jahre, Ob Fensterscheibe, ob Polizist, Sie kennen nur eine Ware. Ich war mir, als ich alles las, Sofort über sie im Reinen, Doch ihre Spezialität Sah ich nur an dem einen: Ein Armer, dem die Polizei Kam nahe ins Gehege, Versetzte dem Pferd des ReitwachmannS, Im Aerger zwei sanfte Schläge. Hätt' er dem Wachmann sie versetzt, Sechs Monde nur braucht er brummen. Doch da er sich am Roß vergriff, Muß er ein Jahr verstummen! Ein Jahr für einen Pferdeschlag — O, Vaterland, fci'gcpriefen! Der achtundsiebziger Paragraph Entwicklte sich zum Riesen. Der Hunger tut uns nicht mehr weh, Es gibt noch gerechte Richter, Die züchtigen nach Herzenslust Das hungernde Gelichter. WaS schreien wir gegen Teuerung? Im Kerker gibtS zu essen, Da wird kein Gautsch und kein Gericht Auf unfre Versorgung vergessen. „Salzburger Wach t." Eine BahnwÜrterSfrau rettet 900 Soldaten. Für einen Militärsonderzug, der etwa 000 Mann (Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften) in das Manövergelände im Mecklenburgischen bringen sollte, war auf der Station Schönberg (Mecklenburg) ein Aufenthalt von 18 Minuten vorgesehen. Anstatt in Schönberg zu halten, fuhr der Sonderzug durch die Station hindurch und geriet hinter Schönberg auf das Geleise, das wenige Augenblicke später der D-Zug Kleinen* Lübeck-Hamburg, für den bereits freie Fahrt gegeben war, in entgegengesetzter Richtung passieren mußte. Am nächsten BahnwärterhauS» in der Richtung Grevesmühleu, hatte die Frau des Bahnwärters den Dienst zu versehen; sie hörte die fortwährenden Bremssignale der Lokomotive dcS Militärzuges und sah den Zug dann trotzde mdurch die Station Schönberg hindurchlaufen. Ohne sich lange zu besinnen, entfaltete die geistesgegenwärtige Frau ihre rote Fahne und stürmte dem D-Zuge, den sie wegen einer Kurve zwar noch nicht sehen konnte, aber bereits fernher hörte, entgegen und brachte ihn glücklicherweise eine ganze Strecke vor dem Mili-tärsonderzug, der inzwischen auch zum Halten gebracht wurde, zum Stehen. Das Unglück, wenn beide Züge ineinander hineingefahren wären, wäre unbeschreiblich gewesen. Mitteilungen des Rechtsbureaus. Den geehrten Mitgliedern diene zur Kenntnis, daß die juristische Sprechstunde nfo Dienstag den 3. Oktober 1911 von 0 biS 7 Uhr abends (anstatt wie bisher von 7 bis 8 Uhr abends) an jedem Dienstag abgehalten werden wird. Ist Dienstag ein Feiertag, so ist die Sprechstunde am vorhergehenden Montag, auch von 6 bis 7 Uhr abends. Die jetzige Ansetzung der Sprechstunde erleichtert auch den Mitgliedern aus der Provinz den Besuch der Sprechstunde, da sie noch die Abendzüge bequem erreichen können. In dieser Sprechstunde werden auch in privaten Angelegenheiten von den die Sprechstunde abhaltenden Herren Dr. Harpncr und Dr. Katz Auskünfte erteilt. Im Interesse aller Genossen ist es gelegen, von dieser Einrichtung gegebenenfalls Nutzen zu ziehen. Das Zcntralsckretariat für das Rechtsschutzüureau: D u 8 e k. Mitteilungen der Zentrale. Verrvaltungskomiteesihuna am 28. September 1911. — Entgegennahme des Berichtes des Administrators über verschiedene administrative Angelegenheiten. — Erledigung des vorliegenden Einlaufes. _______ Sprechsaal. Achtung! Bedienstete und Arbeiter der k. k. Oesterreichischen Staatsbahnen. — Mitglieder des Proviswnsinstitnts für Bedienstete und Arbeiter Achtung! Eisenbahner, Kollegen, Genossen! Die Funktionsperiode des Ausschusses des Provisionsinstituts für Bedienstete und Arbeiter der k. k. österreichischen Staatsbahnen ist zu Ende und es finden demnächst die Neuwahlen in den Ausschuß des ProvisionSiustitutS statt. In Archetracht der eminenten Wichtigkeit dieser Institution. in welcher nicht nur über die statutarischen Rechte der Mitglieder mitentschieden wird, sondern auch die besonders wichtigen Aufgaben, die der Erledigung noch harren, und deren Durchführung unerschrockene, ihrer Pflicht bewußte Männer erfordert, ist es notwendig, daß die Mitglieder dieses Instituts wie ein Mann für die von der Organisation empfohlenen Kandidaten eintreten. Kollegen, GenossenI Die Organisation, die im Verein mit den Vertrauensmännern die Kandidaten nominierte, empfiehlt euch bewährte Männer, die zum großen Teil dem Ausschuß bereits angehörten und auf dem Gebiet der Alters- versorgung bereits Erfahrung besitzen und die ihre Tüchtigkeit und ihr Pflichtgefühl Bereits betätigt haben. Denn die verflossene Tätigkeitsperiode des Ausschusses deS ProvisionSfondeS war nicht nur reich an Arbeit, sondern auch reich an Erfolgen, und die abtretenden Männer können sich rühmen, der Altersversorgung bei den k. k. österreichischen Staatsbahnen neue Wege erschlossen zu haben, und diese zum Wohle der Mitglieder auSgestaltet zu haben. In der abgelaufenen Periode ist nicht nur die Anrechnung der 40prozentigen Ouartiergeldquote, die anderthalbfache Anrechnung der Dienstzeit zur Bemessung der Provisionsgrundlage für das Zugbegleitungspersonal, die Erhöhung der Bemessungsgrundlage für dar im Taglohn stehende Personal von 70 Prozent auf fc Prozent, sondern auch eine Menge anderer ebenfalls wichtiger Angelegenheiten, die in das Gebiet der Wahrung der statutarischen Rechte der Mitglieder fallen, durchgeführt worden; ebenfalls ist es den Ausschussmitgliedern gelungen, betreffs der Aufnahme der Arbeiter Maßnahmen zü schaffen, die es ermöglichen, daß die Schikanen, denen der Arbeiter in früheren Zeiten auSgesetzt war, auf ein Minimum reduziert wurden. ES ist dem Ausschuß auch gelungen, nicht nur die Vereinigung des Provisionsfonds der Oe. N. W. B. mit dem deS k .k. Staatsbahnfonds unter günstigen Bedingungen durchzuführen, sondern auch für die Arbeiter der verstaatlichten Bahnen Begünstigungen, sowohl betreffs der Aufnahme in das Provisionsinstitut der k. k. Staatsbahnen, als auch betreffs der Nachzahlung der früher Bei den Privatbahnen zugebrachteu Jahren zu erreichen. Auch in der WohnungSfUrsorge hat der abtretende Ausschuß Großartiges geleistet und die auf de» Strecken der k. k. österreichischen Staatsbahnen stehende» Personalhäuser geben beredtes Zeugnis für die intensive Tätigkeit des Ausschusses. Eine Fülle von erfolgreicher Arbeit! Und noch harren des künftigen Ausschusses schwierige Aufgaben, die zu lösen sind, um das vom früheren Ausschuß begonnene Werk zu vollenden. In erster Reihe ist das berechtigte Verlangen nach der anderthalbfachen Anrechnung der Dienstzeit für das Verschub-personal; die Ausdehnung der Zurechnung der 40prozentige» Qnartiergeldquote auf Witwen und Waisen der Provisionsfondsmitglieder; der Reduzierung der allgemeinen Dienstzeit von 35 auf 30 Jahre; die Erhöhung der BemessnngSgrnndlage für Arbeiter von 85 Prozent auf 100 Prozent; die anderthalbfache Anrechnung der Dienstzeit für das gesamte im Exekutiv-dienst stehende Personal sowie für die Kesselschmiede durchzuführen; ebenfalls müssen die berechtigen Wünsche der Mitglieder der ehemalige» St. E. G. vertreten werden. Auch daS Verlange» nach einer Statutenänderung deS ProvisionSfonds, wodurch der Wirkungskreis des Ausschusses erweitert werden soll, muß neuerdings in Behandlung genommen werden. Nicht zuletzt ist eS mit Rücksicht auf die bereits zu einer Katastrophe nnwachfende WohnungSkalamität notwendig, daß der künftige Ausschuß mit aller Energie sich dafür einsetzt, daß die Wohnungsfürsorge, soviel es die Mittel des Provisionsfonds gestatten, in ein rascheres Tempo gebracht wird. Daß zu dieser Arbeit ganze Männer berufen werden müssen, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Und diese Männer empfiehlt euch die Organisation im Verein mit den. Vertrauensmännern der organisierten Eisenbahner Oesterreichs-zur Wahl. Lasset euch nicht durch Verleumdungen und Drohungen, die unsere Gegner, ihre Schwäche erkennend, bei jeder Wahl so gerne gebrauchen, einschüchtern! Folget dem Rufe eures Verstandes, welcher euch sagt: .... „Angesichts dieser erfogreichen Tätigkeit ist keine andere Wahl möglich, als jene zu wühlen, die so treu und so energisch für die Interessen der Mitgliedschaft eingetreten sind und etnv treten werden." Wir empfehlen euch nachstehende Kandidaten zur Wahl: Ausschussmitglieder: 1. Lampreth Rudolf, Lokomotivführer, HeizhauS Hütteldorf; T 2. Straßer Karl, Obcrkondukteur, Wien I; 3. Kneidinger Konstantin, Platzmeister, Wien II; 4. Herzog Johann, Kondukteur, Wien II; 5. Rößler Josef II, Kondukteur. Stadlau; 6. Heid er Eberhard, Schlosser, Lokomotivwerkstattei glondsbog,^^ Leopold, Aushilfswagenschreiber, Wien. Nortw &af,U’ 8. Beck AloiS, Tischler, Werkstätte Jedlcsee; 9. Neu Theodor, Werkmann, Werkstätte Wien I; 10. Schneider Ferdinand, Maurer. Bahnerhaltungs- scktion Wien III; 11. Schnobrich Josef, Blocksignaldiener, Penzing; 12. Gollerstepper Josef, Werkmanu, Hauptzollamt. Ersatzmänner: 1. Hübner Josef, Lokomotivführer, Heizhaus Hütteldorf; 2. Drevo Dominik, Heizer, Heiligenstadt; 3. Moser Matthias, Verschieber, Wien II; 4. Ruthner Leopold, Oberkondukteur, Wien II; 5. Dolczal August, Verschieber. Wien, St. E. G. 6. Pollnk Josef, MagazinSarbeiter, Wien I; 7. Deiscnhammer Matthias, GepackStrager, Wien, Nordbahn^^ @fef0„f Magazinsarbeiter, Wien, N. W. A.; 9. Vogt Johann, Werkmann, Wien I, Werkstätte; 10. Hutterer August, Maurer, Wien II, BahnerhaltungS- fektton^i. £o.bo(li Obcrbauarbeiter, Penzing, Bahn. erhaltu^f He/fleisch Blasius, Vorarbeiter, Hauptzollamt. Eisenbahner, Kollegen, Genossen! Wählt im eigenen Interesse nur die oben angeführten Kandidaten, welche von den Vertrauensmännern der organisierten Eisenbahner aufgestellt und euch zur Wahl empfohlen werden. _ Ueber jeden Wahlschwindel oder jede Wahlnötigung wolle man sofort einen wahrheitsgetreuen Bericht mit Angabe von Zeugen an die Redaktion des „Eisenbahner", W,en V, Zentagnsse 5, einsenden. Mit sozialdemokratischem Brudergruh Die Exekutive der organisierten Eisenbahner Oesterreichs. Offene Anfragen. An die f. k. Direktion der Oesterreichischen Nordwestbahn. Die Wagenputzer der Station Trautenau haben am 16. Oktober 1910 ein Gesuch um Aufnahme als AuShilfSwagen-putzer an die Direktion überreicht, bis heute ist jedoch noch keine Erledigung erfolgt. Auf das hin wollten die Betroffenen, unter denen sich Leute befinden, die sich bereits 4, 10 und 12 Jahre im «ahndienst befinden, zur Audienz gehen, um ihre Bitte nochmals mündlich vorzubringen. Doch wurde den Leuten gesagt, daß eine Audienz „derzeit zwecklos" fei. Da nun die Kategorie der Wagenputzer eine der schlecht-bezahltesten ist, so ersuchen diese eine k. k. Dierektion um Anhörung und Prüfung ihres gerechte» Ansuchens. An die k. k. Staatsbahndirektion in Prag. Die Obcrbauarbciter der k. k. BahnerhaltungSsektion in Brüx haben trotz wiederholten Bitten die den Bediensteten zugesprochenen Altschwellen nicht erhalten. Da nun der Winter kommt und die Schwellen durch weiteres Ladern im Freien Vollständig durchnäßt werden, so bitten die Betroffenen die 1. k. Staatsbahndirektion, möge veranlassen, daß die Schwellen den Oberbauarbeitern ehestens ausgefolgt werden. Allgemeiner Rechtsschutz- und GewerKs^ü,!sL:rein für Oesterreich. Zahlstelle Admont. Die Generalversammlung wird am 22. Oktober um 10 Nhr vormittags im Gasthaus des Herrn Kraus abgehalten. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen notwendig. Referent zur Stelle. Zahlstelle Auffee. Den Mitgliedern wird bekanntgegeben, daß die Monatsversammlungen ab Oktober wiederum im Vereinslokal (Hotel Schindegger) abgehalten werden. Die Versammlungen finden jeden ersten Sonntag im Monat um 4 Uhr nachmittags statt, wo auch Neuanmeldungcn und Einzahlungen entgegengenoininen werden. Die Kollegen werden ersucht, die Versammlungen stets zahlreich und pünktlich zu besuchen. Inhalt der Nummer 28 vom 1. Oktober 1911. Große, öffentliche Eisenbahnerversammlung. Artikel: Von der Parlamentseröffnung. Der Ber-* lauf der Bewegung unter den Eisenbahnern. Teuerüngs« revolten. Freifahrscheine nach Argentinien. Die Betriebszu-stände bei der Lokalbahn Wien-Baden. Strafjustiz bei der Staatsbahndirektion Wien. Die Wohnungsmisere im Selzthal. Das Provisionsinstitut der k. k. österreichischen Staatsbahnen. Das Regime der Brutalität auf der Aussig-Teplitzer Eisenbahn. D« Eisenbahncrstreik in Irland. Feuilleton: Eine gewerkschaftliche SonntagS- andacht. Inland: Die Getreideernte und die Teuerung. Frachtermäßigungen zur Bekämpfung der Lebensmittel-teuerung. Wie die Klerikalen die Teuerung „bekämpfen". Die Staatsbeamten gegen die Teuerung. Die christlichsoziale ,Reichspartei" in Konkurs. Bild: Die Wohnungsmisere in Wien. Ausland t Der britische Gewerkschaftskongreß über den Transportarbeiterstreik in England. Eine Organisation zur Bekämpfung des Streiks. Eine Verkehrsstatistik der Vereinigten Staaten. Die Streikverbote der englischen Bahnen. Aus dem Gerichtssaal: Grundlose Beschul- digung eines Vertrauensmannes. Ein Reichsbündler vor Gericht. Streiflichter: Die Macher vom Reichsbund deutscher Eisenbahner als Mendl-Agenten. Reichsbündlerische Demagogie. Wie Eisenbahner über die Verlogenheit der christlichsozialen Vcrleumderpresse denken. Ein neuer Abbröckel'uigs-versuch. Die Gcpäcksträger der Südbahn und ihre Erfolge. Eine neue „Widerlegungs"methode des ZugSexpedientenver-eines. Von der Kaschnu-Öderberger Bahn. Ein Notschrei. Ein Erlaß des k. k. Eisenbahnministeriums. Von der Strecke Lun-denbnrg-Nikolsbürg. Nach Schluß des Blattes: Zur Bewegung auf den Staatsbhanen. Korrespondenzen: Znaim. Bodenbach. Brünn. Amstetten. Leoben. Hütteldors-Hacking. Leoben. Pragcrhof. Schwarzach-St. Veit. Böhmisch-Kamnitz. Wien-Penzing. Selz-thal. Mannersdorf a. d. L. Podersani. Krems a. d. Donau. Moldau. Passau. Bruneck in Tirol. Lindau-Reuten. Klein-Reifling. Teplitz-Waldtor. Innsbruck. Brünn. Wien-Nord-bahn. Versam m lungs berichte: Die Protestversamm-lung der Eisenbahner in Villach. Unzmarkt. Wien IX. Oder-furt. Iägernoorf. Deutsch-Wagram. Zwittau. Zwittau. Fran-zensfeste. Herzogenburg. Pettau a. d. D. AuS den Organisationen: St. Pölten. Eisenstein. Letzte Nachricht: Zur Bewegung der Eisenbahner. Technisches: Eine Desinsektionsanlage für Eisenbahnwagen. Die selbsttätigen Blocksignale. Verschiedenes ; Rechts und links der Eisenbahn. Literatur: Schlechte Romane. Bekanntmachung der Administration. Freie Ei s e n b a h n e r v e r s a in m l u n g e n : Linz-Prägarten. Marcheggt St. Michael ob Leoben. S p r e ch s a a l : Bahnrichter, Partieführer und Vorarbeiter der Krainerlinie! Eisenbahner von Innsbruck und Umgebung! Offene Anfragen: An die Nordbahndirektion, an das Eisenbahmninistcriuin, an die Staatsbahndirektion Olmütz, an die Verkehrsdirektion der Südbahn, an das Eisenbahnministerium, an die Staatsbahndirektion Pilsen. Allgemeiner Rechtsschutz- und Gewerkschaftsverein : Neusattl, St. Valentin, Aßling, HannS-dorf, PurkerSdorf, Turnau, Linz, Leoben. Fllr don Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Vor* o o antwortung. o lifil Für den Inhalt der In-•ernte übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Vor-o o antwortung. o o Für Herren! Winternlster............Kr. 18 —, 3« —, 40 — Winterrock, lang . . . „ 24'—, 32'—, 48*— Wetterkragen.... »'—, 15'—, 18'— Winteranzug............... 24 —, 30 —, 40*— und aufwärts. Eigene Abteilung für Mastbestellungen. Gegen Vorweisung der Legitimation gewähre ich dem p. V. Eisenbahupersonal und beschäftigten Personal deren Werkstätte 5 Prozent Rabatt von den festgesetzten ersichtlichen Preisen. — Jllstrierte Kataloge gratis. Albert Kern, Gm, tiiftale A. m Danksagung. Gefertigter dankt hiemit allen seinen Arbeitskollegen sowie auch iedem einzelnen i» der Werlstätte i:ub im Heizhaus für die seiner Familie während seines siebenivöchigen JnhastiertleinS („gekommene UnierNühuna aus das herzlichste. Gleichzeitig spricht der Gefertigte der Leitung des Allg. Rechtsschutz, und GewerklchastsvereineL in Wien, der Ortsgruppenleitung 1 in Marburg und insbesondere den beiden Abgeordneten Genossen R e I e l und Toms ch it für tt,re Bemühungen zur Erwükung einer Strasn-ichlasseS seinen tmugsten Doüann Nirker. Die rat Um unseres Druckerel-gebeudes bitten wir genau zu beachten: Druck- und Verlagsanstalt .Vorwärts1 Telephon Swoboda & Co. I™ II, Rechte öienzelle §J JjQtJ (früher V, Wienstrass 89 a) MOREL Wlona boste und billigste Ein-Iiaufaqnolle lat die ln Elaen-balinorkrelsen altbekannte, o langjährig beatelionde o Fünfhauser üöbelniederlage 142 Eiseixlaam.mei' Wien, XV., Mariahilferstrasse Nr. (neben der Löwendrogerle Bohawerdr.) politierte Zi»li»crel»richt»»l>cn itr. 131), 150, 1701, 200 u. 840. 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Leopold Riedl, 237 Eisenbahnbedienstcter in Leipnik ober Betsch, Schriften über Bruch, Kropf, ProstatahypeHrophie BlinddarmentzÜndung/HalSdrüsen und d.Prosvektd.Austalt werden ans Wunsch vom Sanatorium Dr. Jaklin in Pilsen einzeln gratis zugeschickt. 1 i HAMMERBROT 'Vs KILO SCHWERER BEI DEN STEIGENDEN MEHLPREISEN bedeutet diese ble zum Jehreeeohlue« andauernde Gewichtserhöhung eine erhebliche Mehrbelastung unseres Unternehmens. Wir wollen Jedooh damit In den Zelten der drückendsten Teuerung eine allgemeine Brotver-bllllgung durchsetzen, und erwarten, dose die konsumierende Bevölkerung unsere Bemühungen zur Erreichung dieses gemeinnützigen Zweckes tatkräftigst unterstützen wird DER AUFSICHTSRAT DER HÄMMERBROTWERKE UND DAMPFMÜHLE SKARET, HÄNUSCH & <9 Diese Schilder bezeichnen unsere Verkaufsstellen 0 BROT Diese Schilder bezeichnen unsere Verkaufsstellen L-UL------1!—' Herausgeber Josef Tomschik. — Verantwortlicher Redakteur Franz Lill. Druck« und Verlagsanstalt „Vorwärts" Swoboda & Ea» Wien, V., Rechte Wienzeile 97. hohe Preise werden oft für Herren-tmd Damenetoffe gezahlt. Dies kann jeder Private vermeiden,wenn er seinen Bedarf in diesen als auch in schlesischen Leinen- nnd Wasohwaren direkt vom Fabri ks-platze deckt. — Verlangen Sie daher kostenlose Zusendung meiner reichhaltigen Herbet- nnd Winter - Musterkollektion und geben Sie gefl. an, ob Sie feine oder billigere Ware zu kaufen beabsichtigen. Führe nur erstklassige Erzeugnisse. 194 Tuohver a andh an» Franz Schmidt Jägerndorf Nr. 76, Oest.-Schles. Seite k... Die Weltmeisterschaft in der Uhren-Industrie Sxtraslach! enMil® erobert! Hochelegant! Kcrvakier Kold-doubke WHv prämiiertet Marke nur Mt. 4*00. Dieselbe besitzt ein gutes seftünb. Ankerwerk und ist aus elektrischem Wege mit echtem lNtorat. (Bold überzogen. Garantie für präzisen Gang 4 Jahre. 1 Stück tte. 4 00, 8 Stück kr. 0*80. Jeder Uhr wird eine sein Pergolbete Kette umsonst beigesügt. 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