190(5 (Mtover). \ (X t t Q Jokge 34. für Mteillingzunlemcht Herausgeber: prof. Rudolf 6. Pocrz, k. k. Bezirksschulinspektor in Laibach. Die „Blätter für Abteilungsuntcrricht" erscheinen als Beilage zur „Laibacher Schulzeitung" monatlich. Bezugsgebühr 2 K jährlich. Einzelnummer 30 h. Geschäftliches an die „Verwaltung der Blätter für Abteilungsuntcrricht in Laibach". Inhalt: 1.) Vergalopplert. — 2.) Die neunte Frage. 3.) Landschule und Leben. — 4.) Das Gesetzbuch des Lehrers. — 5.) Des Lehrers Takt und Schliff in der Gesellschaft. — 6.) Ratschläge für die Vorbereitung zur Bürgerschullehrerprüfung. — 7.) Kleine Mitteilungen. — 8.) Die Wechsclrede. — 9.) Briefkasten. — 10.) Von Schule zu Schule. Wer mit Besonnenheit vereint Begeisterung, Kommt sicher schnell und weit und hält das Maß in Schwung. Rtlckert. Vergaloppiert! Münchhausen jagt in wilder Hast durch die Lande mit einem bunten Gefolge toller Genossen und bringt uns wunderbare Mär, wunderbare Versprechungen — zum Schlüsse große Ernüchterung. Kam er doch unlängst über das Atlantische Meer, erzählte von einer neuen Methode im Zeichenunterrichte und pries sie über die Maßen. Hui, wie stürzteil da die Männer des Pinsels aus allen Winkeln, wie wurden sie groß, die man zuvor nicht gekannt! Und sie blieben groß, gebläht, und haben cs verstanden, sich an die Großen zu drängen. In, was man ihnen nie zugetraut hätte: — sie wurden über Nacht Pädagogen, Methodiker von Fach mit) predigten über die Kopfe der alten Schulmeister hinweg. Ihre Kunst ging auf hohen Stelzen einher und stapfte mit denselben auch vor die Volksschule, vor die Landschule. Hier gab's manchen Stein im Wege, sie stolperten, sie wankten und . . . stürzten. Nun liegen sie ans dem Boden, nachdem sie des Unheils genug angerichtet haben. — Reden wir deutsch, sprechen wir deutlich: Mit dem „Zeichnen nach der Natur" hat man in der Landschule ein gründliches Fiasko erlebt. Wie auch nicht? Es wurde dem Lehrer mir nichts dir nichts etwas zngeschoben, was er nicht ausführen konnte, eben das „Zeichnen nach der Natur"; es wurde dem Kinde eine Forderung gestellt, der es in den paar Stunden der Woche und bei der mangelnden Fertigkeit nicht entsprechen kann; es wurde aus dem Chaos heute die, morgen jene Methode genommen, der Wirrwarr ward König im Reiche der Schule und nun ging's an ein Probieren, Experimentieren, Imponieren und Schwadronieren, das einem Sehen und Hören vergingen. Die arme Landschule! Nicht genug, daß sie durch den Abteilungsnnterricht, den schlechten Schulbesuch, die überfüllten Klassen, die Feinde der Schule an einem geregelten Fortschreiten gehindert wird, nein, nicht genug an dem, sie mußte auch die Münchhausiade noch über sich ergehen lassen und sich mit ihr befassen. Das hätte man ihr ersparen sollen! Wenn für sic das Beste gerade gut genug ist, so muß eben dieses Beste zunächst auch vollständig erprobt, geläutert, geordnet sein, ehe es zur Ausführung kommt. Wohl wurde die neue Methode mit dem Vermerk hinausgegeben, daß die Ausübung nur einzelnen Lehrern erlaubt sei. Die Zeit der Liedertafeln nabt: Denkt an das Eebrerbeint int Süden! Aber, du mein Gott, wer hätte da nicht ein bißchen zum Speck gerochen ohne Recht und Pflicht! Keiner wollte rückständig erscheinen und jene, die zu den Auserwählten gerechnet wurden, fühlten sich zur Fortführung des Gedankens berufen, und so schossen neben dem Dutzend von Systemen hundert Systemcheu in die Höhe, kurz: Wir sind am Ende, bei dem Mißerfolge angclangt. Ich habe ihn in sechs Kronländern gesehen, habe von ihm in vielen Zuschriften gelesen und habe die Klagen aus allen Teilen des Reiches gehört. Ist deswegen der Gedanke an sich schlecht? Keinesfalls! Nur sein Gewand war schlecht, seine Einführung, seine Begleitung. Der marktschreierische Impresario hatte leider willige Ohren gefunden; hätte man den schlichten Lehrer der Landschule an den Beratungstisch gezogen, wahrlich, die Sache würde einen ändern Verlauf genommen haben. Was tun? Von vorne beginnen, zurück mit dem verrückten Gaul und auf einem heimischen ruhig weiter getrabt von der Reichshauptstadt in die Landeshauptstädte, in die Märkte und Dörfer, hinein in das hinterste Tal! — Wir sind schon einmal im rasenden Galopp dahergestürmt — mit der Steilschrift und sind schmählich ins Gestrüpp geraten; wir werden wieder galoppieren (leider!) mit der einseitigen Sprachübung, mit dem Kausalnexns in der Geschichte, mit der begründenden Erdkunde, mit dem biologischen Verfahren, mit Lernausflügen und ändern Dingen und werden, in den Staub gestreckt, beschämt aufblicken, wie wir so sinnlos den tollen Ritt wagen konnten. Ach, diese unselige Einseitigkeit, die Neigung zum Extrem! Würde man doch alles, was in die pädagogische Welt hereingestürmt kommt, besonnen aufnehmcn und erst nach gründlicher Erprobung der Landschule zuschieben! Sie, die mit hundert hemmenden Geistern zu rechnen hat, findet nicht Zeit zur Pflege von Treibhauspflanzen ans der Großstadt. Laßt doch das Gute im Hellen Sonnenlicht keimen und — ausreifcn! Die neunte Frage. Kausaufgaven in der Landschule oder nicht? Landschule und Leben? 3.) Der Lehrer und die Wereine. Wer das Volk hat, hat die Macht. Wie aber das Volk gewinnen? Etwa durch die Arbeit in der Schule? O ja: Zehn von hundert zollen ihr Achtung, zehn verstehen sie nicht, zehn würdigen sie nicht, zehn betrachten sie als Pflicht, zehn wollen sie besser verstehen und die übrigen kümmern sich nicht um sic. Sv wird also der Lehrer nicht zum Potentaten. Eine „gute" Heirat wirkt besser; aber sie macht noch immer nicht mächtig genug. Die volle Herrschaft sichert nur die einflußreiche Stellung in den Vereinen. Der Lehrer ist Chormeister: Ohne ihn gibt es kein Konzert. Der Lehrer ist im Turnverein Vorturner: Ohne ihn ist's aus mit den Turnstunden. Der Lehrer ist Schriftführer bei der Feuerwehr: „Jesses, Jesses, wer wird die vielen Briefe und Gesuche schreiben, wenn er nicht mehr mittut?" Da liegt das Ministe! Der Ortsschulrat will das Quartiergeld streichen: „Hab' nichts dagegen; aber es fehlt mir dann das Geld für die Vereine." Ha, wie geschwind ist die Zulage wieder zur Stelle! — Zur Liedertafel werden der Herr Bürgermeister, der Herr Apotheker, der Herr Förster, der Herr Kaufmann £ persönlich eingeladen. „Der Herr Oberlehrer nicht?" . . . Gut, dann Hab' ich als Lehrer bei der Liedertafel nichts zu suchen. Aha, das wirkt: Am nächsten Tage ist der Obmann in der Schule. — Wer dem Vereinsleben fernsteht, ist arm an Freuden und an Machtmitteln; wer in denselben wirkt, hat zwar zuweilen viel Verdruß, aber auch viel Genuß und hat — ein Wort in der Gemeinde. 1 Vgl. Folge 8 Jahrgang 1905 (Fürsorge für anstretende Schüler) und Folge 25 Jahrgang 1906 (Das Gesetzbuch — des Schülers Rüstung)! Das Gesetzbuch des Lehrers, erläutert an Beispielen aus der Praxis. (Vom Schulleiter Matthias Primosch in Unterdeutschau, Krain.) (Schluß.) 5.) Bei mir kam der Fall vor (und wahrscheinlich steht er nicht vereinzelt da), daß die von mir ausgewiesenen ungerechtfertigten Schulversäumnisse vom Obmanne des Ortsschulrates entschuldigt wurden. Manchmal tut es der Obmann dem Lehrer zum Trotz, manchmal aber, um sich Arbeit zu ersparen, die Parteien vorzuladen und einzuvernehmen. Was tun? Ich habe die vorgebrachten Entschuldigungsgründe eingehend geprüft und mit den Eltern darüber Rücksprache gepflogen; dann aber habe ich mich unmittelbar an den k. k. Bezirksschulrat gewendet. Es hat geholfen. — 6.) Ebenso hatte derselbe Obmann zwei schulbesuchende Kinder, von welchen eines sehr unregelmäßig in die Schule kam. Der Obmann war wahrscheinlich der Meinung, er könne machen, was er wolle. Ich habe die ungerechtfertigten Schulversäumnisse ausgewiesen; sie sind aber vom Obmanne entschuldigt worden. Wieder berichtete ich über dieses Vergehen dem k. k. Bezirksschulräte und der Herr Ortsschulratsobmann mußte wie jeder andere Strafe zahlen. 7.) Nur zu oft trifft man auf dem Lande Schulen, denen es an Lehrmitteln fehlt. Der Ortsschulrat hat zur Anschaffung kein Geld. Herr Kollege Tschinkel führt diesbezüglich nachstehendes Beispiel an: „Ein junger Lehrer kommt an eine Schule, die mit Lehrmitteln schwach ausgerüstet ist. Er jammert und bittet; doch umsonst: Der Ortsschulrat schützt vor, kein Geld zur Verfügung zu haben. Ein Lehrer der Nachbarschule findet die gleichen Übelstände. Schnell wird eine Ortsschulratssitzung veranlaßt und hier beruft sich nun der Tapfere auf den § 18 der Schul- und Unterrichtsordnung. — Das Übel ist bald behoben.“ In diesem Sinne führt auch Herr Kikel ein Beispiel an. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, daß trotz des Hinweises auf den angeführten Paragraphen ein Ortsschulrat doch nicht Lehrmittel anschaffen wollte, obwohl er auch noch vom k. k. Bezirksschulräte dreimal aufgefordert wurde, dies zu tun. Deshalb möchte ich hier den Herrn Vorsitzenden bitten, er möge bei Prüfung des Voranschlages für die Schulerfordernisse, falls er in demselben für Lehrmittel keinen Betrag angesetzt findet, einen solchen einsetzen, damit dem Ortsschulrate das Mittel zur Ausrede genommen werde. (Kami geschehen und soll geschehen! D. Sch.) Aus der Arbeit des Herrn Kollegen Maurin habe ich nachstehende Beispiele gewählt: 8.) Es kam ein Vater zu mir, dessen Knaben ich in der Schule zurückbehielt. Den Vater hatte ich von der Bestrafung verständigt. Er kam recht grob und meinte, daß ich seinen Knaben bloß aus Vergnügen einsperre. Ich machte ihn aufmerksam, daß der Schüler die Aufgabe nicht gemacht habe und sie nun unter meiner Anleitung machen müsse. Daß ich das Recht habe, den Knaben zurückzubehalten, sagt der § 82. Der anfänglich erregte Vater, der bisher die Schule immer als eine überflüssige Last angesehen hatte, war nach längerer Debatte über die Notwendigkeit der Aufgaben und deren Wert bald beruhigt, ging, eines Bessern belehrt, nach Hause und dessen Sölin-chen war von nun an ein viel fleißigerer Schüler als früher.“ — Angenehm für den Lehrer, wenn die Geschichte so glatt abgeht; ich und Herr Kollege Kikel und wahrscheinlich auch andere wissen davon etwas mehr zu erzählen. Auch ich behielt einmal Kinder in der Schule zurück. Die Eltern kamen und führten sie aus der Schule fort. Selbstverständlich ließen die Parteien ihrer Zunge freien Lauf, weshalb auch Worte zu hören waren, die einen ehrlichen Mann beleidigen müssen. Ich klagte die betreffenden Eltern und es erhielt bei mir ein Mann 48 Stunden, im Falle Kikel eine Frau eine Woche Arrest. Die Beispiele wirkten. — Was früher nicht immer anerkannt wurde, ist jetzt in dem § 118 der Schul- und Unterrichtsordnung festgesetzt, nämlich: „Die Lehrer genießen als Amtspersonen den vollen gesetzlichen Schutz der Behörden.“ 9.) Bald nach Beginn des Schuljahres hatte ich mit einem Herrn zu tun. Er, ein sonst ziemlich bemittelter Grundbesitzer, weigerte sich, seinem Kinde die notwendigen Lernmittel anzuschaffen. Ich ersuchte ihn auf schriftlichem Wege, zu mir zu kommen, ohne ihm den Grund anzugeben. Er kam und sogar sehr freundlich. Als ich ihm nun sagte, er müsse seinem Kinde die erforderlichen Schulbücher usw. kaufen, war es mit der Freundlichkeit sofort aus. Es dauerte lange, bis ich ihn beruhigen konnte. Nachdem wir nun längere Zeit über den Wert und die Notwendigkeit der Schule und der aus ihr für das spätere Leben erwachsenden nutzbringenden Folgen gesprochen hatten, entschied er sich, seinem schulbesuchenden Kinde die notwendigen Lehr- und Lesebücher, Schreib- und Zeichenrequisiten anzuschaffen, und ich hatte es gar nicht notwendig, auf den § 19 der Schul- und Unterrichtsordnung hinzuweisen, nach welchem er verpflichtet ist, dies zu tun.1 Noch zwei Beispiele aus der Praxis des Herrn Kollegen Kikel: 10.) Am Anfänge des Schuljahres kam ein Vater mit seinem Sölmlein, das bereits schulpflichtig und auch körperlich vollkommen entwickelt war, zu mir und bat, ich solle den Knaben, da er zu klein sei, noch ein Jahr zu Hause lassen. Mit Bezug auf die § 33 und 36 der Schul- und Unterrichtsordnung sagte ich ihm, daß dies nicht angehe, und wies ihn an den Arzt, der ein Zeugnis ausstellen wolle, woraus hervorgehen werde, ob der Knabe für den Schulbesuch tauglich sei oder nicht. Dieses Zeugnis sei dem Befreiungsgesuche an den k. k. Bezirksschulrat beizulegen. Der Mann meinte, bevor er solche Scherereien habe, wolle er das Kind lieber in die Schule schicken. Der gleiche Fall ereignete sich bei mir mehrmals und es ist mir durch den k. k. Bezirksschulrat mitgeteilt worden, ich solle die Parteien unterrichten, wie sie in solchen Fällen vorzugehen hätten.2 11.) Wie oft kommt es vor, daß der Vater oder die Mutter zum Lehrer mit folgenden Worten kommt: Herr Lehrer, Streichens meinen Buben nur gehörig, ich werde Ihnen nie etwas in den Weg legen; nur einsperren tun’s ihn nicht, weil ich ihn dringend bei den Feldarbeiten, beim Weiden usf. benötige. Der kluge Lehrer geht nicht auf den Leim; nach § 82 der Schul- und Unterrichtsordnung ist die körperliche Züchtigung eben unstatthaft. Kachwort der Schrislkcituug: Zweifellos werden die elf Fälle aus der Praxis besser wirken als die einschlägigen gedrechselten Paragraphen und die Schristleitung ist daher gerne geneigt, die Sammlung gelegentlich sortzusetzen, sobald ihr eine Anzahl Beispiele zur Verfügung gestellt werden. Ei» Leser fragt, ob auch Mitteilungen ans ändern Kronländern ausgenommen werden. Selbstverständlich, vom Herzen gerne! Nur herein mit der reisen Frucht I 1 Wenn er's aber nicht getan hätte, was dann? Anzeige an den Bezirksschulrat! Hat der Mann Geld und trotzt er, so werden die Bücher vom Ortsschulrate beschafft und der Störrige wird exekutiert. Auch ein probates Mittel. D. Sch. 2 Anschließend noch etwas: Ist das Kind sechs Jahre alt und wollen es die Eltern irgendwie vom Schulbesuche loskriegen, so mache man sie darauf aufmerksam, daß sie das später werden bereuen müssen: „Andere Kinder werden mit dem 14. Lebensjahre die Schule verlassen, das Ihrige erst mit dem 15., denn die Schulpflicht währt acht Jahre. Davon läßt sich nichts abhandeln. Wann brauchen Sie nun das Kind notwendiger zur Arbeit — jetzt oder später?" D. Sch. Des Lehrers Takt und Schliff in der Gesellschaft. 1.) Die Kleidung. (Fortsetzung.) Ein steirisch Hütleiu mit der kühngebogenen Feder, ein Lodcnrock, Kniehvsen und bunte Strümpfe sind gewiß kleidsam, vertragen sich aber nicht mit dem Ernst des Amtes in der Schule. Da heißt es, in der Geivandnug erscheinen, die unter Gebildeten üblich ist. Auch das Kleid des Radfahrers darf nicht in die Schnlstube. Erfordert schon die Sammlung auf den Unterricht eine Rast vor dem Stnndenlänten, so gebietet auch die Umkleidung rechtzeitiges Heimkommen. Nicht anders fordert es die Gesellschaft: Auch hier erscheine der Lehrer weder in der Joppe des Älplers, noch im Kostüm des Spvrtsmannesl Mir hat es immer in der Seele weh getan, wenn ich einen Kollegen in „leichter" Tracht das „Extrazimmer" oder den Saal betreten sah; es kam mir vor, als sei nicht der Lehrer, sondern der „junge Mann", der „halbe Student" gekommen. Freilich, es ist unbillig, daß wir in den Jahren, da andere, die von voller Krippe kamen, bei wüsten Gelagen zechen und das Leben in vollen Zügen genießen, den Ernst des Mannes anfsetzen müssen; allein wir können es nicht ändern: Wir sind nun einmal die Vertreter eines ernsten Amtes und müssen darum Den Ernst auch äußerlich zur Schau tragen, wollen wir verhüten, daß inan uns nicht ernst nimmt. — Noch etwas zum Abschnitte „Kleidung": der fleckenlose Rock! Benzin ist billig und konnte so leicht die Signatur des „armen" Lehrers verscheuchen. Warum läßt man das Mittel nicht kommen? Den Rock, den man in der Gesellschaft trägt, muß man ja nicht dem Staub der Schule aussetzen; so bleibt er immer neu, ohne die Spuren des Handwerks. Eine gute Hausfrau wird ein Schn l-kleid und eine Gesellschaftsrobe für den Gemahl im Kasten verwahren; wer die Sorgende noch nicht fein eigen nennt, mag sic in dieser Beziehung selbst vertreten. Das Spieglein an der Wand soll dann kontrollieren, wo sonst das scharfe Auge der Frau Kritik übt. Bose ist der Rückschluß, den man von dem verheirateten Lehrer ans die bessere Hälfte zieht, wenn den Rock ein Landkartennetz übertüncht und Wvlken über Hemd und Kragen flirren. Da fallen dann die Streiche nicht auf ihn, sondern auf sie, die des Hauses Mutter ist. — (Fortsetzung folgt.) Ratschläge für die Rorbereitung zur Gürgerschullehrerprüfung. i. Hat es je einen jungen Lehrer gegeben, der die gefürchtete Prüfung, das Doktorat des Volksschullehrers, nicht hätte machen wollen; gibt es indes zwanzig von hundert, die sich zum grünen Tische wagte», haben zehn Prozent die Prüfung bestanden? Woran fehlt es, daß die Früchte nicht zur Reife kommen wollen? An den ins Klare gezogenen Grenzen, an den Behelfen, an der Ausdauer der Studierenden, an der Regel bei der Vorbereitung. Dafür sollen von jetztab die „Blätter" Sorge tragen; sie werden den jungen Freund im Weltwinkel draußen anfrütteln, ihn führen, ihm zur Seite sein, wenn er Rat braucht und Unterweisung. Wie die Anfrage» bezüglich der Bürgerschnllehrerprüfung, die nun Fachlehrerprüfung heißen soll, den Anlaß gaben, diesen Abschnitt zu eröffnen, so mögen auch künftighin Anfragen dort zur Klärung drängen, wv sic nötig erscheint. Die Zeit, da ich selbst an den Büchern knusperte, ist schon in die Ferne gerückt und ich könnte möglicherweise zu rasch schreiten; bitte, diesfalls die Zügel anzuziehen. — Sv, und nun wollen wir miteinander durch die verschiedenen Wissensgebiete reiten: Fest im Sattel gesessen, das Ziel in klarer Sicht und ohne Unterlaß drauf los! Aber noch eines, lieber junger Amtsbruder: Die Vorbereitung zur Bürgerschullchrerprüfnng soll dir Würze sein in deiner stillen Einsamkeit, soll dich die Weltabgeschiedenheit vergessen lassen, dir die freie Zeit ausfüllen, aber ja nicht die Zeit des Dienstes! Den armen Kleinen, die Stunden auf dem Schulwege verbringen, darfst tut nicht einmal die Minute abstehlen; sonst versündigst du dich an der Pädagogik und nimmer kamt sie dir Segen bescheren. — Nun heißt cs tief in die Tasche greifen, gelt? Beileibe nicht! Der Bücherhauff erschreckt dich. Arbeiten wir uns einmal durch ein Buch hindurch; sagt es dir zu, so nehmen wir's gründlich unter die Lupe. Dieses Buch heißt „Psychologie", wurde seinerzeit von Lindner verfaßt und später von Lukas wesentlich umgearbeitet, mit modernen Forschungen durchsetzt und anziehend gestaltet. Preis 3 K, erschienen bei Gerolds Sohn in Wien, zu beziehen durch jede Buchhandlung. Wir werden es nicht sogleich bis zum Knochen abnagen, sondern zunächst nur eifrig betrachten. Nimm es zur Hand, denke, es sei ein Roman, und lies und lies von Blatt zu Blatt, von Abschnitt zu Abschnitt, damit sich dein Sinn kläre, damit für das eigentliche Studium des Buches die Grundlage geschaffen werde! Soviel für heute! Nach Monatsfrist sehen wir uns wieder;■ bn muß die flüchtige Wanderung beendet sein. — (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. 11.) Der böse Winter. Er grinst schon von den Bergen herunter. Die armen Büblein! Nun werden sie wieder, mangelhaft gekleidet, im Frost zur Schule pilgern müssen. Kann man da nicht helfend eingreifen? O ja! Reiche Eltern, die Ettern der Stadtkinder, werden gebeten, abgelegte Kleider für die armen Landkinder zu spenden. Gute Worte der Stadtkollegen tun da Wunder; mir haben sie int Vorjahre sieben Kisten voll Kleider zur Stelle geschafft. 12.) Auch ein HKämium! Vor alters bekam der austretende Schüler ein Büchlein mit ins Leben, das Prämium; dann ward damit Unfug getrieben und der Schulschluß geschah sang- und klanglos. Dabei ist's geblieben. Die Schweizer haben sich indes daran nicht gekehrt; sie haben ihr Prämium weiter in Ehren gehalten — nur in anderer Form: Heute erhält dort ein Schüler ein Bäumchen, das er im Schulgarten pflegte, pflanzt es zu Hause ein, sein Bäumchen, das liebe Schulbäumchen und hält es als Kleinod das ganze Leben hindurch. 13.) Zur Nachahmung! Nicht nur in Österreich, auch in Schweden braucht man neue Lehrpläne für die Volksschulen. Wie faßt man die Sache im nordischen Staate an? Ein Stadtlehrer und ein — Landlehrer werden nach Deutschland entsendet, um dort die diesbezüglichen Einrichtungen zu studieren und dann Vorschläge zu erstatten. Unterricht-minister wird bei uns ein Landlehrer wohl niemals werden, aber an dem Tische sollte er Platz finden, wo über seine Angelegenheiten beraten wird. 14.) Die halbe Aahrliarte bekommt der Herr Hofrat, der Professor, der Direktor, nur der Lehrer, dieser mit Gütern gesegnete Mann, kann sich die ganze zahlen. Das sollte uns mit Stolz erfüllen, wür's nicht Ironie. Wie oft wurde diesbezüglich schon angeklopft! Vergebens! Bei dem Volksschullehrer muß man auch in dieser Hinsicht zu sparen beginnen. Die Bukowinaer Kollegen haben trotz allem das Glück aufs neue versucht, sind bei dem Eisenbahnminister v. Derschatta erschienen und haben als Beute das „Versprechen" heimgetragen, es werde geschehen, was möglich ist. Leider kommt man mit dem Versprechen nicht weit weder mit Wagen noch mit Bahn. 15.) gemischte Klaffen gibt es in Württemberg sogar an den Mittelschulen. In den Realschulen sind durch alle Klassen an 700 Mädchen gleichzeitig mit den Knaben unterrichtet worden und es hat keinen unangenehmen Vorfall, keine Lockerung der Disziplin gegeben, wohl aber haben die Knaben sich vielfach bemüht, im Fleiß und in der Ordnungsliebe den Mädchen gleichzukommen. Wie nimmt sich das aus, wenn man dagegen die Ängstlichkeit bezüglich unserer Volksschule vergleicht — und beispielsweise in Ärain verlangt, in der Wiederholungsschulc müssen Knaben und Mädchen getrennt unterrichtet werden. Für den Lehrer doppelte Arbeit und doch keine Gewähr, daß die Befürchtungen Wirklichkeit werden. Ja in Tirol geht man noch weiter: Gibt es im Orte zwei Klassenzimmer, so werden in eines nur die Mädchen, in das andere nur die Knaben gesteckt, von der Elementarstufe angefangen. Statt der Zweiklassigen, in der etwas Rechtes gelernt werden könnte, sind dann im Dorse zwei Einklassige. — Und der Erfolg? 1<>.) Kudkich! Der Ausschuß des Gleichenberger und Johannesbrunnen-Aktienvereines hat beschlossen, den Lehrern in der Zeit vom 1. Mai bis 15. Juni und vom 15. August bis 30. September jedes Jahres hinsichtlich der Zimmerpreise, Bäder, Kuren und Taxen bedeutende Ermäßigungen zu gewähren. Der Beschluß sollte allen Kurvorstehungen „präsentiert" werden. 17.) Nersumpfung. Dem, der drinnen steckt oder am Rande des Sumpfes steht, ins Stammbuch: Verstummen will in meiner Brust Das Ringen und das Streben — Und heiter werd' ich mir bewußt: Ich leb' nur, um zu leben. (Saar.) Die (Uechselrede. Die fünfte Z-rage. Soll das dritte Schuljahr )»r Mittet- oder lliitcrstnfc gerechnet werden? (Abschließender Bericht.) Es war vorauszusehen, daß die Frage eine allgemein gültige Lösung nicht wird finden können, hangt dach die Verteilung der Schuljahre zunächst von der Schulkategorie und außerdem von vielen ändern Umstanden ab. Was aber die Frage trotz allem bezweckte, ist erreicht worden: Man hat die Sache an sich erwogen. Und das ist ja mich schon wertvoll. Die zahlreich eingelansenen Urteile halten sich so ziemlich die Wage; der Grund dazu ist eben in der individuellen Auffassung zu suchen. Sichtet man genauer, schätzt man die Gründe nach dem wohlkalkulierten Preise ein, nun da neigt sich die entscheidende Stimme wohl der Ansicht zu, das dritte Schuljahr solle im großen und ganzen zur Unterstufe gehören. Ich.will die Ansichten, die hicfür aufgebracht wurden und die aus der Zilsammenstellung in Folge 32 neuerlich ersehen werden mögen, nicht wiederholen; es liegt so im Gefühl des einzelnen, der einmal volle Klassen vor sich hatte, daß jene Stufe, die zum Regelrechnen, zum Aufsätze, zur Einzelbetrachtnng der Realien, kurz: zum Ausblick von höherer Warte leitet, in zwei Jahren nur mit Gefährdung einer sichern Grundlegung erklommen werden kann. Vielleicht liegt gerade in der diesbezüglichen Hast ein schwerer Verstoß der Reitschule, vielleicht eine Ursache, daß das junge Geschlecht oberflächlich denkt und handelt, daß die Elemente so schlecht sitzen. Hat jemand in der Volksschule nicht gründlich vorgearbeitet, so gibt es Ach und Weh in der Mittelund Hochschule; hat jemand die Unterstufe in Eile durchlaufen, so gibt es Ach und Weh in der Mittel- und Oberstufe. Ich denke, dieser Vergleich wird so ziemlich allenthalben zntreffen. Wer offen und ehrlich sagen kann, er habe in zwei Jahren das vollends erobert, was seine Schüler als Elemeutarschatz brauchen, der mag sich im dritten Jahre in die abstrakteren Massen stürzen; wer aber darüber nur den geringsten Zweifel hegt, der treibe noch ein drittes Jahr Elementarunterricht, d. H., er übe, übe, übel Diese Selbsterforschuug wollte die dritte Frage bringen. — Die Verteilung der Schuljahre hängt natürlich mich von der Neuregelung der Lehrpläne ab; wir werden daher zu der hiemit besprochenen Frage gelegentlich der Lehrstoffveränderungen neuerdings znrückkommen müssen. Zur 7. Krage. (Inwieweit kann das Helferwesen im Abteilungsunterrichte Geltung haben?) 10. Urteil. Schulleiter Josef Pietschmann in Röhrsdorf (Böhmen). Das Helferwesen eignet sich fast ausschließlich nur für das Rechnen und Zeichnen. Aus Rechtschreiben finde ich es nach meinen Erfahrungen sehr gewagt, ein Helferwesen auszubilden. Sehr häufig entsteht bei diesen Schiilerkorrekturcn die Anzeichnung richtig geschriebener Wörter als fehlerhaft und umgekehrt. Auch der tüchtigste und verläßlichste Schüler kommt da oft in Verwirrung. Habe ich die Aufgabe bereits durchgesehen, d. h. den Fehler angezeichnet, so unterliegt es gewiß keinem Zweifel, auch die schwächeren Schüler zu einer richtigen Korrektur anzuleiten. Ich betone deshalb nochmals: die erste Korrektur nehme nur der Lehrer vor. Da die Sprachaufgaben nach den neueren Ansichten auf das geringste Maß herabgesetzt werden sollen, finde ich, daß bei geeigneter Auswahl des Stoffes nur dann eine Hilfe notwendig erscheint, wenn es sich wiederum um die Rechtschreibung handelt; also lege auch hier der Lehrer seine leitende Hand ein. Im Zeichnen jedoch habe ich gefunden, daß. der talentierte Schüler eine bedeutende Hilfe des ungeübten Schülers sein kann; nicht daß er ihm die Zeichnung selbst macht, sondern daß er ihm bei der Einteilung behilflich ist. Da das Stigmenzeichnen gänzlich in Wegfall gekommen ist, was ich im Interesse der unbegabten Schüler sehr bedauere, wird es solchen Schülern ungemein schwer, die Richtlinie zu zeichnen. Da ist man angewiesen, die besseren Schüler zur Hilfe hcranzuziehen. Zur 8. Krage. (Soll die Einklassige eine Achtklassige im kleinen sein oder eine Schulgattnng besonderer Art?) 6. Urteil. Schulleiter Franz Klein in Mörtersdorf. Ich würde die Einklassige für eine Schulgattung besonderer Art erklären u. zw. aus folgenden Gründen: 1.) Besteht sie meistens in Bauerndörfern, selten in Orten mit Fabriken, überhaupt in Arbeiterorten. 2.) Ist sie in den Bauerndörfern der einzige Ort, in dem sich die meisten Kinder das für das Leben des Bauern nötige theoretische Wissen aneignen können. 3.) Muß infolgedessen von dem Schulleiter der Lehrplan derart modifiziert werden, daß er den Bedürfnissen der Bevölkerung des Ortes entspricht. 4.) Muß in den Lehrplan einer solchen einklassigen (Bauern-) Schule oft ein Stoff eingeschaltet und ausführlich behandelt werden, der den Kindern einer Achtklassigen ein Ballast wäre, z. B. Erzeugung, Behandlung und Verwertung des Düngers, Anlage einer geeigneten Dungstätte, Drainage usw. 5.) Wird durch Zusammenziehung der Abteilungen bei manchen Stoffpartien der Charakter einer Achtklassigen ohnehin nicht rein erhalten. Briefkasten. Kür die kranken Amlsvrüder: Wer den Winter über nach dem Süden wandern maß und dort noch nidjt heimisch ist, wende sich an mich, damit id) ihm für die Gebiete von Görz, Triest, Pola, Abbazia, Lnsstn und Portore Kollegen bezeichne, die ihm bei der Wohmingssud)e n. bergt behilflich sind! — chlif. H. jt. K.: Graphische Darstellungen, etwa in der Art des heutigen Vorbereitungsschemas, können, sofern sie nicht gar zn große Kosten verursachen, in den „Blättern" rcdjt wohl Aufnahme finden. Ich bin ein Freund von derartigen Gerippen; sie schaffen Übersicht und sichern den Stoff. — Für die gelieferten „Sprach-nnrichtigkeiten" herzlichen Dank! Gelegentlich will ich sie zerzausen. — Vielwisser, die nichts mehr lesen wolle», gibt es auch anderwärts. Ja, der Dünkel, das ist ein fd) Ummer Feind; man muß die Leute bedauern, die ihm verfallen seind. — „Die zehn Gebote unter Glas und Rahmen": Ein köstlicher Gedanke! „Folge 33 sollte man an die Bezirkshauptmannschaften schicken." Hab' nichts dagegen. Wer die Folge zu diesem Zwecke wünscht, kann sie haben. — 5dilti. <£•. ). in S.: Jedes Örtchen hat fdjon sein Ansichtskärtche»; ihres ist das schled)teste nicht und was mir daran gefällt: Das Schulhaus tritt mächtig hervor. Jeder Lehrer darf verlangen, daß auf Ansichtskarten dein Schulhause ein breiter Raum gewährt werde; man soll die Burg des Volkswissens in den Vordergrund rücken. — R.-Sch.-Ansp. M.: Also das dritte Gebot wurde von den Lehrern ohne nähere Erklärung sofort beherzigt? Wie auch nicht, da sie das ganze Jahr hindurch die verschiedenartigen Truppen führe» mußten! Hat der Feldherr im Felde acht Monate Urlaub, so gebühren wohl dem in der Schule die zwei mit harter Mühe errungenen. — Lehrer L. dzt. in H. M.: Ihre Vorschläge sind ausgezeichnet. Doch eines, lieber Freund: Ich bin leider nur ein Mensch mit Haut, Knochen und Haaren wie jeder andere und kann zn den vielen Arbeiten nicht noch eine neue übernehmen; aber Sie, der glühende Anhänger, könnten alles, was Sie so trefflich sinnen, zur Tat werden lassen. Packen Sie an, die Lehrerschaft wird Ihnen Dank wissen! Die nötigen Fachblätter, die einschlägigen Artikel, alles, alles erhalten Sie von mir; nur machen Sie sich sofort ans Werk! ES duldet nicht Aufschub; wir müssen, wie ei» Leser begeistert ausruft, „gegen den Himmel stürmen". — SchM. Zt. in A. r Wär' id) ein Kärntner, so würde ich singen: Der Zlaner, der is aner, wie sunst Inner, a gnater Vetter für die „Blätter". Wenn Sie als Einklaßler das neue Kapitel als einen „Schuss ins Zentrum" bezeichnen, so ist das Kost für die Fortsetzungen. — Interk. H.; Die viel mit Bescheidenheit flunkern, sind oft sehr unbescheiden; sie decken halb mit dem Mäntelchen die Stelle, die sie zeigen wollen. Man sieht, daß Sie noch „grün" sind; sonst hätten Sie mir den Bären von Ihrer Bescheidenheit nicht anfgebnnde». Übrigens, wer was kann, mag sick) rühmen; die Welt ist eher gelaunt, Verdienste zu verdunkeln als ans Licht zn bringen. — SchM. Sl. in W.: Ihr Aufsatz „Lernausflüge" kommt, nur muß der Lenz erst kommen. — 2»ros. W.: Als Antwort ans Ihren Brief sende id) Ihnen den Leitbericht „Vergaloppiert". Diese närrischen Leute von heute! — Krf. <£. in K.: Daß Sie, das 20 jährige Dingelchen, auch in den Ferien an die Schule denken — wer das glaubt?! Vielleid)t so: „Wenn sie doch nie mehr begänne!" Hab' ich recht? — HdilTt. W. in Kt. Ma. 3.!r.: In Ihrem Anerkennungsschreiben freut mich besonders die Mitteilung, daß auch „andere Stände (Beamte) die .Blätter' lesen". Ein zweiter Abnehmer sagt, er hätte die „Blätter" den Dorfzensoren unter die Finger geschoben, ein dritter wußte sie dem Ortsschulrate als ständige Mahnung znfliegen zn lassen, damit man sehe, was die Lehrer in der Landschule zu bewältigen haben und wieviel Kunst in ihrer Arbeit liegt. — chüf. jp. in 3\-0>.: Gelt, dieses „Talaufwärts" wird manches Bäuerlein stutzig machen? Der neue Abnehmer wurde verbucht. — #6f. A. I. in K.: Sie kommentieren „Talaufwärts" dahin, daß das Büchlein dem Leser in der Tat aufwärts ziehe. Eine hübsche Deutung! Ich habe sie zwar nidjt beabsichtigt; wenn sie aber zutrifft, umso besser. — tW. A. zR. in M.: Ihr Bildnis als Zeichen der Anhänglichkeit — wie sinnig! Wie würde es mich freuen, wenn alle, die treu zu mir stehen, in gleicher Weise meiner gedächten! Das gäbe dann meinem trauten Heim neuen Schmuck, eine Galerie lieber Freunde. — Schulleiter Kranland in Waierke: „25 K für das Lchrcrheim im Süden gelegentlich des Übertrittes in den Ruhestand" — ich danke im Namen aller, die mit »ns fühlen. Gleichzeitig teile ich mit, daß die „Blätter" nun wieder Lchrcrhcimspcnden sammeln und zu den 2000 K, die sie als Gründungsfond dem Bunde znmittelten, bringen werden. — KchM. Ar. Kp. in M.: Der Zweifel ist behoben: Niemand ist gegen die Erweiterung, in zahlreichen Zuschriften wurde sic mit Freude begrüßt. Mit neuem Jahr kommt also das Blatt im neuen Gewände. Nun heißt es aber nicht nur werben, sondern auch zur Feder greifen, daß auf unserm großen Acker gute Früchte reifen. lircin und quer von Schule zu Schule. 6. Die Drelklasslgc hart am Scbiencnstraitg. (Fortsetzung.) Alte und neue Zeit in zwei verschiedenen Klassen! Der Ober war eine knorrige Tanne mit frischem, jungem Nadelkleid, der Unter ivar ein schmales Stämnichen, das keck durch die Zweige schoß. Und cs ivar nicht nur der saftige Trieb eines Schmarotzers, der ans fremdem Grunde keimt und über kurz oder lang zusaminenknickt, sondern cs saß in gutem Erdreich, schwoll mit eigener Kraft und trug üppige Äste der junge Amtsbruder ivar ein tüchtiger und ein — fleißiger Lehrer. Es quillt an Talent in jungen Köpfen sonst wohl viel, aber es fehlt die emsige Ableitung und durchgreifende Läuterung. Was nützt nun der springende Quell, wenn das Bächlein über unfruchtbares Erdreich regellos stürmt und dann schließlich versiegt?! Wie wohltuend wirkte dagegen der frische Tau in der dritten Klasse der Volksschule zu T.I Das Völkchen war in zwei Gruppen geteilt; das dritte Schuljahr bildete die erste, das vierte Schuljahr die zweite Abteilung; ein schweres Stück Arbeit, zwei so wichtige Schuljahre straff an der Schnur zu halten. Im Vorbereitungshefte lag indes ein wvhldurchdachter Arbeitsplan, der die gute Führung erraten ließ. Die erste Stunde zeigte folgendes Bild: 8 — 1/29 1/29 — 9 1. Abt. Entwicklung des Kitfszeitivortes Mitschreiben bei der Satzzergliederung 2. Abt. Eintragung in die Merkhefte Sahzergtiedcrnng Was hier fett gedruckt ist, war in das Vvrbereitungsheft mit roter Tinte eingetragen; so trat der direkte Unterricht wirksam hervor und ein Blick genügte, die Gliederung des Unterrichtes zu erfassen. Unter dem Gerüst waren methodische Erörterungen: Das „Hilfszeitwort" erschien in die formalen Stufen gezwängt, die Satzzerglicdernng hatte sich ins Gewand der Sezession geworfen und lag, modern gekleidet, fertig vor. Wie leicht war es da für den Lehrer, mit den Abteilungen zu manövrieren, nachdem alles sorglich zubereitet worden war! Wie muß sich ein Stümper herumfangen, der ohne Plan und Ziel zwischen Szylla und Karqbdis segelt! — Der junge Freund wußte jedoch nicht nur gut zu verteilen und den Stoff zu packen, sondern er ivar auch darauf bedacht, der Stillbeschäftigung ein ehrenvolles Plätzchen zu sichern; sie sollte nicht allein eine stille Beschäftigung, sondern eine stille Arbeit sein, also eine Beschäftigung mit Gehalt und Nutzen. Was das vierte Schuljahr am vorigen Tage in der letzten Stunde mündlich erörtert hatte, lag nun sauber znsammengestellt auf der Tafel und mußte in die „Merkhefte" eingetragen werden. Hier wurde es also verankert, durch die Schrcibvvrstellung gefestigt, als Gerippe übersichtlich geformt und im Geiste wie im Hefte auf einen engen Raum znsammcngedrängt, von störenden Apperzeptionsmasscn abgeschlossen. Die Stillbeschäftigung der ersten Abteilung (drittes Schuljahr) klammerte sich an die Satzzergliederung, die drüben bei den Großen alsbald daherklapperte — ein Knochengerüst aus den Tagen der Scholastik. Mir lief's kalt über den Rücken, als der Totentanz begann. Wie öde, wie düster klang der hohle Ton sprachlicher Gebeine! Daß sich eine Zeit des Sprossens und Blühens an solchem Spiel vergnügen kann I Laßt doch die frische, schmucke Maid herein, die echte, die schöne Mutter« spräche, wie sie uns im Leben grüßt, und reißt ihr nicht Gewand und Fleisch vom Leibe; laßt sie leben, leben die traute Muttersprache! — Unser Kollege zu T. war nicht von Herzen ein Sezierer, aber er mußte es sein, denn soundsoviel Schüler sollten in die Mittelschule übertreten und es mußte für sie ein Schah vergilbter Scholastik geschaffen werden. Die Armen, die daran Freude fanden! Wie lange werden sie noch den mittelalterlichen Plunder verwahren? — Die Jungen mußten also gerüstet werden, wozu aber alle, die in der Klasse versammelt waren?! Wenn drei oder vier Kameraden in die Stadt wandern, warum sollen dann alle den Grammatikflitter sammeln, der in der Lateinschule gefordert wird! Die Volksschule ist doch keine Vvrbereitungsschnle für Gymnasien; sie ist eine Schule für sich, eine Universität im wahrsten Sinne des Wortes. In ihr darf nur das Platz finden, was dem Volke gilt und frommt; wer sein Kind aus frischer Waldcsluft in den Kerker der Wissenschaft schicken will, mag es für den Leidensgang außer der Schulstube wappnen lassen obu- sende es in eine eigene Vvrbcreitnngsklasse, aber er zwacke nicht der Landschule, die ja ohnedies durch Parasiten verschiedenster Art geschwächt wird, ein Stück ab, ein Stück von der kostbare», knapp zngemcssenen Kost! — Hatte also der Gegenstand, der dem vierten Schuljahre zngeteilt worden war, in mir langvcrhaltencn Grimm wachgernfen, so konnte die gute Verteilung der Arbeit mich wieder versöhnen: Beide Abteilungen fanden mit demselben Mittel passende Beschäftigung. Die Obergruppe lieferte Material, die Untergruppe las es ans und sammelte es in das Heft. Ab und zn flog eine Frage auch herab, so daß die Schläfer nicht Zeit fanden, in mechanisches Abschreiben zu versinken. Die Seele der „Analyse" war das Prädikat. Kern hatte also auch in dieses Tal Einzug gehalten. Schon der Gedanke an den Neuerer machte die Sache verdaulicher und benahm ihr die bekannte Trockenheit. In den Reihen der Schülerinnen saß mich ein Mädchen, das unlängst aus Prag gekommen war. Der Lehrer fragte nach dem Zeitwort im Satze: Schweigen! Das Stadtkind konnte es nicht heben. Hm, hm, 's ist nicht alles Gold, was aus dem goldenen Prag kommt, und nicht alles Edelstein, was die Kaiserstadt in die Provinzen versendet........ Schade, daß der grammatische Totentanz den frischen Eindruck gestört hatte und das schöne Bild der Klasse verunstaltete! Es war sonst alles so vernünftig, so modern, so wohl-überdacht, daß mein Schnlmeisterherz in Wonne schwamm: Farbige Kreiden brachten Leben ins Tafelbild, vor der Dnrchackerung wurde das Lesestück überschaut, damit der Schüler ohne das ständige Hineinmethodisieren sich an selbständiges Erfassen gewöhne, im Gesänge half das Harmonium die Weise erobern, das Zeichnen verriet die Mnsterzeichnung im Vvrbereitnngs-heft als in klugen Grenzen gehalten, die Rückseite der Schultafeln zeigte die Vorschrift für die Stillbcschäftigung der folgenden Stunden, das Wvchenbnch war ein treuer Spiegel des Unterrichts, alles, alles war musterhaft, barg Begabung, Geschick und großen Fleiß. Welch schöner Dreiklang aus einem „neuen" Instrument! Es war zehn Uhr geworden, wir brachen auf. Schwer war die Trennung; indes der Reiseplan mußte eingehaltcn werden wie jener für den Unterricht. „Wenn ich nur das Mädchen von gestern abends noch sehen könnte!" „„Ist schon ausgeflvgen!"" „O peccato, molto peccato!“ „„Ach so, Sie denken an die malende Italienerin? Und ich an das blasse Kind in der Laube. — Welch ein Gegensatz! Blühender Lenz und welkendes Blümchen, sprossende Gegenwart und trockene Scholastik! — Wenn doch der Vater das Fräulein nicht mehr in die Anstalt schickte! Es wird in der Schnllnft verderben oder später im Beruf. Die schlimmen Buben werden es durch die Klasse Hetzen, der Staub wird an seinen Lungen fressen, das Studium wird das Mark aus seinen Knochen saugen, es wird verderben, das arme Kind, wie das Blümlein im Frost des Herbstes. . ."" * (Fortsetzung folgt.) Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudols E. Pecrz. — Druck von Joses Pavliick ln Gotischer.