Kr Annst, Wissenschaft und geselliges Leben. «-V"3>< Nedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. ^ G4. Freitag am Z.G. Derember Ä84Ä. Vl^H ' Von dieser Zeitschrift er,che>nen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mol ein halber Bogen. Der Breis des Blattes ist in Laibach gan!>»dri»ü> ^"^"^ holbiährig 5 n. Durch die l. l. Post unter Onuverr mn portofreier Zufendung aanzjädrig », halbiäbrig 4 fl. C.M., und wir« oalbjädria »»rau<­be. In La,b»w pränuinerirl man bei!» Verleger am Raan, Nr. >YU, »» ersten Sloele. Ver Tatarchan. *) Von I. 2. Hannusch. l. 3! n den Quelle» dort des gelben Flußcs, Wo die Höhen sich von Nclurktllg Und die Sleppen sich von Issm hinzieh'n » Ritt der edle Chan der Karakalpoks, Segcb M »Helen,. Den Iagdgefährtcn Weit vorausgeeilt, verirr! und ferne Von der Lirasse, trabt er langsam vorwärts. Sieh', d» steht ein einsam still Gehöfte. Recht willkommen ist's dem durst'ge» Jäger. Segcb Mohelcm hält vor dem Hause, Eine Labung frischen Wassers heischend. Kau,» erschaut den Chan der Herr des Hauses, Wirft er vor des Fürsten Roß lich nieder, Ruft die Tochter Nah» rinn, die Schone, ' Seinem hohen Fürsten sich zu zeigen. Vegeb Mehelem steigt ab vom Rosse, Geht dem Mädcke» lächelnd dann entgegen. Hebt den Schleier, ficht und — steht betroffen Von der Fülle feingeformter Züge, Ihrer Äugen wundervollem Glänze, Und demstillbcscheid'ncn Rosenschimmer, Dessen frischer Hauch die W»»g' ihr rölhct. Und der Fürst faßt ihre Hand und tritt dann Mit der Jungfrau in des Hauses Garten, Zu beschau',, den Garten und die Früchte, Und die schönst« Frucht des Gartens: Naharinne , Und sie brach mit ihren schönen Händen Selbst vom Zweig herab die faft'gen Früchte, Sie dem Fürsten als Erfrischung reichend. Als der Chan darauf mit Naharinne Aus dem Garten trat, war das descheid'ne Schöne Mädchen seinen, dunklen Auge Vcköner nur, bescheid'ncr noch erschienen. Freundlich zog er an des Hauses Schwelle, Wo so freundlich er empfangen wurde. Einen reichen Ring Von seinem Finger, Ihn der Mutter mit den Worten reichend: «Morgen sich den, Hasnadar zu zeigen.« II. Als die Mutter d'rauf am nächsten Tage, Dem Befehle ihres Herrn gehorchend, Nor dein Hasnadar steht, hört sie Dieses: ') Metrische Bearbeitung eines de» geehrten Lesern aus de» Nummern 52 und 2i des vorige» Iahrgangls dieser Zeitschrift bekannten Stoffes. «Also spricht durch mich zu Dir der Chan: Ferne nicht Von Isim, wo man Hof hält. Will ich Dir ein großes Grundstück geben. Steht darauf «in schön gebaut' Gehöfte. Das soll Euer sein und Nah »rinnen«. Dort sei fürder Euer Aller Wohnung. Dazu sollst Du auch den Beutel haben Mit den hundert blanfen Zecc» - Stücken, Und fünf Stlaven, Euch im Haus zu dienen. Also will's der Chan der Karatalpats.« III. Schnelles Glück macht oftmals unbescheiden. Dies erwiesen auch Naharinn's Eltern. Scgeb halt' es bald genug erfahren; Denn, er hat gar oft, Was er nicht wollte: Ueberläst'gem Dringen auszuweichen. Und sie rühmten d'rauf des Fürsten Gunst sich, Ehrfurcht heischend von den edlen Koskins, Freien Tatarhelden; überhoben Sich durch Pracht und hochgcmuthe Reden Also ihres Standes, daß die Diener Scgeb's, dil, dem edlen Chan zu Liebe, Gern dem schönen Mädchen, das er liebte, Lich ergeben zeigten, endlich trotzig Stolzen Uebermuth mit Haß erwiedcrn. Haß jedoch muß schlimme Früchte tragen! Naharinn e sollte Dies erfahren. IV. Eines schönen Morgens ritt der Chan Nach de», Hause Naharinn's. Da sprengen Zwei Tataren mit Verhängten Zügeln, Die des Fürsten Kommen melden sollten, Ihm entgegen. >>H»lt! nicht weiter, Herr!« Rufen sie und stocken. »Geh' nicht weiter, Soll Dein Auge nicht Entsetzen schauen! Denn das Haus Naharinn's steht in Feuer; Ihre Sklaven und die schönen Rosse Liegen todt, wie Naharinn e.<> — „Todt Nahorinn! « schreit entsetzt »er Chan. Welche Hand, verflucht von unscrm Gölte, Hat verletzt mir ihren schönen Busen?« Und er setzt dem edlen Roß die Sporen I n die Flanken, daß es Hochauf bäumet. Auf das Haus zujagend seines Mädchens. Wen'ge Krieger keuche» nach dem Fürsten^ 354 v. Nur zu wahr ist. was dir Reiter sprachen. «auch und Schutt—die schone, reiche Wohnung! Mit der warmen Asche mischt das Blut sich Der erschlag nen Sklaven »nd der Rosse. Segeb Mohelem wirft sich vom Pferde. Slürzt sich in die Trümmer, sucht Nah »rinn. Und — d^ll liegt Nahari n »! rauchgeschwurzet, Frevelhaft verstümmelt. I m Entssiehen Aus der Flammengluth, der Feuerlohe» Hat ein Votagon mit scharfem Hiebe Wohl das schone «Haupt vom Rumpf gelrennet! VI. Und der Chan denkt blutig sich zu rächen! An dcnistlben Tage »och befühlt er: Daß der Amred-Fariz sich versammle. Um die furchtbar Schuld gen zu entdecken Und zu strafe»!« Die steinerne Hochzeit, Krainische Volkssage. Von Michael He int» . I n den Gebirgen, welche das anmurhige reifnitzer Thal gegen Südwesten bcgränzen, und, mir dichten Bu­chenwaldern bewachsen, unter der Benennung vell.-l 8'«-» in bedeutender Hohe sich erheben, befindet sich eine Stelle, welche der Schauplatz der Sage von der „steinernen Hech­zeit" ist. Einige Schuh von der Oberfläche der Erde em­porstehende, an den Obercheilen schwarz gebrannte Baum­stamme bewahren die Erinnerung an einen Brand, der eine ziemlich ausgedehnte Strecke des Waldes verheert hat. Minen in dieser Brandstätte stehen mehre Felsen­blocke von sonderbarer Gestalt, und erregen, von weiterer Entfernung schnellen Blickes angesehen, unwillkürlich das Bild einer Gruppe in verschiedenen Stellungen daselbst verweilender Menschen, obgleich diese Ansicht im Näher­kommen als Täuschung sich erweist, und die Felsenblocke nur unförmliche mannshohe Stücke grauen und schwärzli­chen Gesteines darstellen. Der Landmann aber vermeidet, bei dieser Felsengruppe vorbei zu gehen, und wohl auch der Jäger weicht jenen unheimlichen Sceingenossen gerne aus, denn das ist die »steinerne Hochzeit." Es war beiläufig im Jahre 14Z0, da lebte in dem Dorfe 8l»6ule, am Fuße jenes Gebirges, der reiche Jung­geselle Gregor M .. . I n seinen jüngeren Jahren hatte er durch das Saumtragen, ob Mangel an fahrbaren Stra­ßen damals die einzige übliche Verfrachcungart für Wein und andere Güter, bedeutendes Vermögen erworben. Er war dadurch sehr hochfahrend geworden, dünkte sich über alle seine Nachbarn weit erhaben und mächtig, und sah Jedermann über die Achsel an. So kam es auch, das; er sich nicht entschloß, irgend einem Mädchen das seiner eigenen Meinung nach unschätzbare Glück zu bereiten, als seine Ehegattin sein Vermögen und sein Ansehen, wel­ches er in Folge dessen genoß, mit ihm theilen zu dürfen. Allein — die Zeit ändert Alles — und so kam es denn, daß Gregor, der ohnehin von der Natur in kör­perlicher Beziehung sehr stiefmütterlich bedacht war, alt und gebrechlich wurde, und nun, vollends aller männlichen Und zwei Tage nach Naharinn's Tode Sammeln auf der weiten Lb'ne Nopals» Nach des Cban's Befehle, sich-die Richter, Zwanzig sieben chrenwerthc Männer, Weist durch Erfahrung, landeskundig. Rechtlich Alle, und von scharfe» Sinnen, Vielerprobt, die Besten ihres Allers! Den» Geburt und reich' Nesitzlhum reden Nicht das Wort bei richterlichen Wahlen. Und der Hasnadar des Fürsten Sege b Hatte wohlvertraute treue Diener Rund »»»hergesendet. Diese fände,» Bald drei Bruder, edlem Stamm entsproßen, Jener Unthal dringend schwer verdächtigt. Rasch gefangen, führt man sie zur Statte, Da die Alten im Gerichtshof sitzen; Und mit ihnen kommt ei» zierlich' Mägdlein» Tiichtcrchen des Aeltesten der Brüder, Fast,ein Kind, im Alter von zehn Jahren. (Fortsetzung folgt.) Reize ledig, den Mädchen zur Zielscheibe des Spottes dience. Indessen aber hatte die Laune der Zeit auch in seinem Innern eine Veränderung hervor gebracht, und zwar diese, daß er nun alle Mühe sich zu geben begann, den Mädchen liebenswürdig zu erscheinen, da es ihm end­lich beigefallen war, eine Ehegattin, und zwar eine solche zu erkiesen, um die und deren Schönheit er allgemein be­neidet werden sollte. Lange waren alle seine Bemühungen vergebens, und gaben nur zu Neckereien und argen Strei­chen, welche ihm gespielt wurden, Anlaß; endlich aber schien er vom Glücke nicht nur begünstiget, sondern voll­kommen entschädiget werden zu wollen. I m Gebirge an der Saumstraße, welche damals aus Croatien und von Fiume her nach Krain führte, lag ein von Säumern und dort passierenden Fußgängern stark be­suchtes Gasthaus, oder eine sogenannte Herberge. Weit und breit aber war des Wirthes Tochter, allgemein die schöne Lenka genannt, wegen ihrer wirklich seltenen Reize bekannt, obgleich die Burschen der Gegend sich nicht sehr ernstlich um ihre Liebe bewarben, weil Lenka ebenso als höchst bösartig berüchtigt, wie als schön berühmt war. Gregor aber ließ sich von dem ungünstigen Rufe der schönen Lenta nicht abschrecken, und war häufig in besagtem Wirchshause anzutreffen, wo er nicht ermangelte, seine Wohlhabenheit auf das Beste hervor zu heben, und Lenla nicht nur mit süßen Liebeblicken, sondern auch mit werthvollen Geschenken an Putz' und Schmucksachen zu ködern. Diese fand zwar keinen Anstand, die Geschenke des alcen zudringlichen Gecken anzunehmen, vergalt ihm je­doch dafür nur mit Spott und Neckereien. ^ Grego r hatte den Grund dieser schnöden Behand­ lung bald ausgefunden. Lenka hatte nämlich ein Lie­ beverhäliniß mit einem Menschen, welcher in der Gegend unter dem Namen »der schwarze Ianko " bekannt war. Es war ein stattlicher Bursche, kräftig und schlank gebaut, dunkler Gesichtsfarbe und schwarzer krauser Haare, daher sein Beiname^ Er wohnte an dem Czubrankabache, der jetzt Krain von Croatien scheidet, in einem abgelegenen Häuschen. Ueber seine Beschäftigung und Lebensart war nichts Gewisies bekannt, wohl aber das Gerücht im Um­ 255 lause, »der schwarze Zank? " sei vornehmlich ein Wild­schütze, und befinde sich außerdem noch in anderen gehei­men Verbindungen sträflicher Arr, weßhalb man mit ihm nicht gerne Umgang hatte, obgleich, wie gesagt, mit Ge­wißheit Nichts, also auch nichts Nachtheiliges, von ihm behauptet werden tonnte. Lenka'Z Eltern ihaten, obgleich ihnen da? Verhältnis; ih^er Tochter mit dem »schwarzen Ianko" bekannt war, Nichts gegen die Sache, weil letzterer aus diesem Anlaße häufig im Wirthshause zusprach, und ziemlich viel Geld fahren ließ. Gregor hatte sorgfältig der Begegnung mit dem »schwarzen Ianto " ausgewichen, zumal ihn Lenka oft, obgleich nur immer scherzend und neckend, vor demselben gewarnt hatte. Plötzlich aber blieb Ianko, zu Gregor's nicht geringer Freude und Beruhigung, gänzlich aus, und Lenka's Blicke fingen an, viel freundliHer gegen Gregor sich zu wenden, bis sie ihm einst vertraulich ge­stand, sie habe den »schwarzen Ianko " gänzlich abgedankt, und sei gesonnen, den Bewerbungen Gregor's , den sie als einen Mann von allgemeinem Ansehen hochachte und ehre, Gehör zu schenken, und seine Gaccin zu werden. Gregor geriech fast außer sich vor Freude, brachte bei den erstaunten Eltern Lenta's nach Landessitte mit­tels eines Abgesandten die Brautwerbung vor, und rüstete, als er das Jawort erhalten hatte, Alles zu einem glän­zenden Hochzeilfeste. Vergeblich waren die Warnungen seiner Freunde, die ihm den Abstand der Jahre, den üb­len Ruf seiner Erwählten und den Umstand zu Gemüthe führten, daß die Trennung des Liebeverhälcnisses seiner Braut mit dem »schwarzen Ianko« nicht ernstlich se,n könne, nachdem man die Beiden, schon nachdem Lenka Gregor's erklärte Braut war, an einem abgelegenen Orce nachts im heimlichen Gespräche gesehen haben wollte. Gregor ver­lachte alle diese wohlgemeinten Nachschlage als Einflüste­rungen des Neides und der Mißgunst, und hielt kurze Zeit darauf mit der schönen Lenka Hochzeit, wobei es toll und voll zuging, wie es Gregor seinen Geldumständcn angemessen hielt. Es war kaum ein halbes Jahr verflossen, als Grego r mit den vielen Lobsprüchcn und Prahlereien bezüglich sei­ner Ehegattin sparsamer zu werden begann, und nach nicht, gar langer Zeit flüsterte man sich die Nachricht zu, daß der reiche Gregor sehr viele Gründe habe, die Verbin­dung mir der schönen Lenka bitter zu bereuen. Daß der Ehefriede gestört sei, war bald offenkundig, zumal sich der »schwarze I anko« häusig, und besonders zu Zeiten, in Gregor's Hause einfand, wenn letzterer in seinen Ge« schäften über Land war. Gregor , dem diese Besuche von schadenfrohen Men­schen mit boshaften Beisätzen hinterbracht wurden, gerieth in heftigen Zorn; es kam zwischen den beiden Ehegatten wiederholt zu Auftritten, welche endlich in Gewalichätig­leiten ausarteten, wobei Grego r einst von dem dazu gekommenen »schwarzen Ianko» gröblich mißhandelt wurde. Hierauf trat für einige Zeit Ruhe ein, und es hatte den Anschein, als habe sich das Ehepaar versöhnt, zumal Gre ­ gor von Zeit zu Zeit namhaft kränkelte, und man diesem Umstände Mitleiden von Seite seiner Ehegattin zuschrieb. (Beschluß f°Igt.) Gine Griminal-Geschichte. Aus dem Anfange des l». Jahrhunderts. (Beschluß.) Das Gericht fand es noch zu seiner Beruhigung not­wendig, wiederholte Verhörssitzungen anzuordnen. Der Angeklagte machte bei jeder derselben das näm'iche Ge­ständnis; der That und der Umstände, welche sie begleitet hatten. Jetzt wurde ihm ein Vertheidiger ernannt, dessen Schrift mit großem Wortaufwand vornehmlich auszuführen suchte, daß die königl. preußische Halsgerichtsordnung die Strafe der Uebelthat von dem Geständnisse oder von der Überweisung des Thäters abhängig mache, was im Pro^ ceße des Christof Eggerc, ohne dem Wortsinne dieser beiden gesetzlichen Forderungen Gewalt anzuihun, nicht vorhanden sei; das Verfahren mit Taubstummen sei über­haupt nicht geregelt, daher ermangle jenes der beiden Un­tersuchung-Commissäre jeder Rechtfertigung auf dem Bo­den des Gesetzes; ein Taubstummer ohne Erziehung sei überhaupt nicht fähig, den Begriff eines Verbrechens und seiner sittlichen und rechtlichen Folgen in sich aufzunehmen und zu begreifen, was sich auch in der vorliegenden Un­tersuchung durch die naive Forderung des Christof Eg­gert erwähre, ihn nach dem abgelegten Geständnisse ei­nes verübten Raubmordes seiner Haft zu entlassen, u. s. f. Das Stadtgericht des Amtes Sandau zu Arnsburg sandte nun die Acten an die Juristen-Faculiät zu Halle, welche vorzugsweise aus dem doppelten Beweggrunde, daß die Aussagen des Untersuchten aus Vermuthungen herge­nommen werden müßten, und ein ausdrückliches, allen Gliedern des Gerichtes deutliches Geständnis; überall nicht zu finden sei, das folgende Urtheil schöpfte: »Inquisit sei zwar mit der ordentlichen Strafe des Todcschlagcs zu verschonen, nichtsdestoweniger aber Zeit seines Lebens in ein Zuchthaus oder eine andere gleichmäs­sige Verwahrung zu bringen, und daselbst zu leidlicher Arbeit anzuhalten. T. R. W. Von Rechtswegen." Jetzt gingen die Acten im Wege der Revision an das königl. Criminell-Collegium nach Berlin, welches, den Fall für noch nicht spruchreif erachtend, nachträgliche Erhebun­gen über das Alter, die Erziehung, das Leben, den Wan­del des Inquisiten,über den Grad des kundgegebenen Ver­standes und Vernunftkräfte abverlangte, und die eidliche Vernehmung jener Zeugen anordnete, welche die bei dem Untersuchten gefundenen Sachen für ein Eigenthum der Gemordeten erklärt hatten. Es liegt auf, daß unter den Forderungen des Criminal-Collegiums die eine, wegen der Beurtheilung der Verstandeskräfte des Untersuchten, große Schwierigkeiten machte. Um eine zureichende Antwort auf diese schwierige Frage zu finden, zog die Rathskammer des Stadtgerichtes auch renommirte Geistliche ihren Sitzungen bei, und suchte sich besonders zu versichern, ob Eggert die Schändlichkeit seiner That und die möglichen Folgen 256 derselben, insbesondere ob er eine Hinrichtung begreife;") dann erhoben sie, daß derselbe nicht taubstumm geboren sei, aber schon im zweiten Jahre seines Alters, als er im Garten spielte und von einem Schirlingkraute aß, eine langwierige höchst schmerzliche Krankheit machte, von wel­ cher er taubstumm erstand, daß er später weder eine Schule besuchte, noch sonst einen Unterricht genoß, sondern nur zum Vieh hüten, zum Bedienen der Gäste und Kegel­ aufsetzen in den Schenken, und zu Votengängen verwen­ det wurde, und wenn das zu seinem Unterhalte nicht zu­ reichte, gebettelt habe. Ueber diese Erläuterungen fand das königl. Criminal- Collegium das Erkenntnis; der Juristen-Facultät mu dem Beisatze zu bestätigen, daß Eggert vor seiner Abführung in ein Zuchthaus am Pranger scharf mit Ruthen gestri­ chen werden soll. König Friedrich Wilhelm glaubte sich mit diesem doppelten Urtheile noch nicht befriedigen zu dürfen, und forderte dem geheimen Raths-Collegium, so wie einer Commission dreier, damals berühmter Gottesgelehrter, ein Gutachten ab. Die Herren Geheimräthe machten den König offenbar nicht viel klüger, denn, nachdem sie bemerkt hatten, daß ein Mensch, der taub und stumm ist, also eine That nicht gestehen kann, derselben auch nicht völlig überführt erachtet werden dürfte, und daß aus den Acten eine völlige Ge­ sundheit des Geistes des Verbrechers nicht hervorgehe, stellten sie Sr. Majestät anHeim, ob dieselbe bei diesen Umständen das Unheil des Criminalgerichtes zu confirmi­ ren geruhen wolle. Das geistliche Collegium erklärte, das ihm nach sei­nem Amte eiss Urtheil in der Sache nicht zukomme, riech dem König auch auZländische Rechtsgelehrte zu vernehmen, und schloß mit den Worten des Apostels (Ioh, 4, 40.): «Haben dich Diese nicht verdammt, so verdammen wir dich auch nicht!« — Das Letzte schien am geratensten; der König trug daher der Regierung zu Magdeburg auf, die Acren der IuristewFaculcät zu Wittenberg zuzuschicken. Diese schloß sich dem Urcheile des Criminal-Collegiums an, rieth aber, das Streichen mit Ruthen und die Ausstellung auf dem Pranger als unnöthig, und durch die Natur der Sache nicht gerechtfertigt, wegzulassen. Jetzt erst bestätigte der König und befahl den Vollzug des Spruchs. Ioh. Mor. Stern. Neues. (Neue Mode.) Ein Dienstmädchen hatte sich kürz­lich von der hohen Blackfriarsbrücke zu London in die Themse gestürzt. Sie wurde gerettet, aber als Ver­brecherin vor Gericht gestellt. Der Magistrat Sir Lau­ ' ) Wovon sse sich, beiläufig gesagt, überzeugten, weil er auf die bildliche Hmstcllung eines Menschen, der unter Zittern den Todcsstreich des Hen> fers erwartet, ein großes Geheul erhob. rie trug auf strenge Strafe an, weil das Ertränken so sehr „Mode " geworden, daß seit einiger Zeit auf der genannten Brücke allein manchmal 3 — 4 Fälle der Art in einer Nacht vorkommen. — (Ein juridisch-politischer Leseverein) hat sich in Wien gebildet. Zum Director der Anstalt ist der k. k. Hofrath und staatsräthliche Referent, Baron Somaruga , erwählt werden. Mi t 1. Jänner 4 842 wird das Locale des Leseoereines eröffnet werden. Jedes Mitglied verpflich­tete sich, jährlich den Beitrag von 20 fi. zu entrichten.—> (Klöster in Frankreich.) Nach einer Berechnung des ^Constitutionel« übersteigt die Zahl der seit der Iuli ­revolution errichteten Klöster jetzt schon die der im Jahre 4789 vorhanden gewesenen. Seit dem Jahre 4835 wur­den jährlich 35 Klöster eingerichtet und eröffnet, und im gegenwärtigen Jahre sind in sechs Monaten schon mehr als 30 neue Kloster entstanden. — (I n Rom) sind mehre Abendschulen errichtet worden, welche meist unter der Leitung von Geistlichen stehen; zu­gleich ist man in allen Bezirken der Scadt mit der Er­richtung von Schulen und Anstalten für die nieder» und ärmeren Volksclassen beschäftigt. Es scheint, die Regierung wolle der Jugend einen gewissen Grad von Bildung bei­bringen, um dadurch dem eingerissenen Müssiggange zu steuern. — Mannigfaltiges. Drei Ja. Auf einem Rückzuge während des Bürgerkrieges !n der Vendie be­rief General Klebe r einen Ofsseicr — d>'r Name dieses Heide» ward uns nicht überliefert —und gab ihm die Ordre: »Sie werden mit 2uc> Mann die­se» Paß decken,« —»Ja, mein General", antwortete er. — »Mit zwei Ca: nonen werden Sie den siegende» Feind aufhallen", fahrt Klebe r fort. — «Ja, mein General", erwidert der Ofsscier. — »Ihr werdet hier Alle, Mann und Maus, zu Grunde gehen", schließt der General. — »Ja, mein General", schließt der Officier.— Und so geschah es. Herr de Nois. Ich habe einen ehrlichen Mann gekannt, erzählt Alfons Karr , der etwas wie Deboi s hieß; es ist auch sonst ein braver Junge, und ich will ihn nicht beschämen. Lieben Jahre brachte er damit zu, die erste Sulbe seines Namens von der zweiten zu trennen, und ich habe seine Bemühungen »uf den Nisittarten bemerkt, diese beiden unglücklichen Buchstaben D c zur Selbstständigkeit zu erheben. Die ersten Versuche waren schüchtern, er schrieb Debois, und trennte das De kaum merklich von bois, dann wurde der Zwischenraum großer, dann risquirte er ein großes B bei b » is , und heute nennt er sich ganz ruhig Herr de Nois . Historisches Tagebuch. Zusammengestellt von einem Landpriester. ?. Deccmber i»c>2 wurde Erzherzog Franz Karl, Bruder des Kaisers Ferdinand I., geboren. ». Decembcr 1006 hielt der Fürsterzbischof von Laibach, Michael Freiherr Vrigid » von Marenfels und Nresoviz, in der Domtirche zu Laibach seine Abschiedsrcde, in welcher er mit richtigem Blicke in die Zukunft sagte, daß die eben erst im Frühjahre von Laibach abgezogenen Fran­zosen wieder kommen werden, und reiste dann auf sein neues Bis­thum Zips in Ungar» ab. 9. Decembcr l7l5 langte Gregor Carlonarius (Voglar) von Wiesencgg, des röm. Reichs Ritter, aus Naklas bei Krainburg gebürtig, zu Laibach an. Er hatte 2« Jahre bei dem Czar von Rußland als Leib­lnedicus gedient, Reichthümcr gesammelt (5unn ss. bcstimmle er für die Errichtung einer noch gegenwärtig in seinem Geburtorte bestehen« den Wasserleitung), und reiste nach Rom, um, wie man sagt, die Vereinigung der römischen und griechischen Kirche zu bewirte». « . Decembcr I8lc> hat Napoleo n mit einen, Decrctc die deutschen Länder zwischen der Nord« und Ostsee dem französischen Reiche einverleibt. Laibach. Druck und Verlag des Joseph Vlasnik.