f ii r Vaterlands Kunst ^ Wissenschaft und geselliges Leben., N e c r o l o g. ^3^in würdiger, allgemein hochgeachteter Veteran der hochwürdigen Geistlichkeit Krain's ist in das bessere Leben hinübergegangen. ?lm verflossenen Sonntage (5. März) , um l l Uhr Vormittags starb in Lai-bach nach kurzer Krankheit Herr Lukas Bur g e r, Doctor der Theologie, infulirtcr Doinpropst, fürstbi-sä)öfiicher Consistorialrath, wirkliches Mitglied der k. k. Landwirthschaftgescllschaft und des historischen Provin-zial-Vereines in Krain, zugleich Mitglied und Obcr-Vorsteher des Sparcasse - Vereines in Laibach, im achtzigsten Jahre seines Alters. Am 7. März Vormittags nach l0 Uhr fand das sehr feierliche Leichenbegängnis; Sratt, welches dadurch verherrlicht wurde, daß in Begleitung des ganzen Domcapitels und des gesammten Clcrus dieser Haürstadr Se. fürstbischösiichen Gnaden, der hochwürdigste Herr Fürstbischof Anton Alois Wolf, selbst fungirend, dem Hingeschiedenen die letzte Ehre erwiesen. Wir hoffen in die Lage versetzt zu werden, nnsern Lesern, spater einen umfassenderen Necrolog über diesen würgen Krämer liefern zu können. Leopold Kordesch. U' m m a. Novelle nach ciner wahren Begebenheit, von Franz Nosenbain. (Fortsetzung.) "^- er Gutsherr und sein ^ohn beobachteten seir dem "erluste ihres Vermögens die sorgfältigste Zurückgezogenheit. -_ Die Stellung des Adam Stanislaus war in der 4-hat eine bodauerungswürdige, wenngleich ihn die edle ^.hat der Gräfin v. Z^'' ^on den nächsten Lebenssorgen befreite. Denn so sehr er sich in seinem Innern bewußt fühlte, das; er an dem Unglücke kein persönliches Verschulden trage, mdem das Fehlschlagen seiner eigenen Speculationen so unmöglich schien, als die Möglichkeit des Blitzstrahls beim hei- tern Himmel, so gab es dennoch Menschen, die in rücksichtslosen Angrissen seiner Ehre sich so weit vergaßen, seinen Ruin solchen Ursachen zuzuschreiben, vor welchen ihn seine practische Besonnenheit, sein bewährter Rechtlichkeitssinn, seine einfache Lebensweise ganz frei sprachen, und sonderbar, daß aerade jene Leute ihn für ehrlos zu erklären suchten, di?'vormals mit ihm in den freundlichsten, Beziehungen standen und durch sein Falliment nichts verloren hatten. Das Bewußtseyn, verkaunr zu seyn, wirkte hier empfindlicher, als ein Krebsübel. Albert begriff ganz wohl die Lage seines Vaters und truq als ein liebevoller Sohn nicht wenig bei, um ihn mit der Welt auszusöhnen. Vater und Sohn kamen dahin übereil,, daß letzterer sich ohne Zeitverlust zu einer Laufbahn entscheiden müsse. Albert trat sofort mir Zustimmung seines Vaters bei einem öffentlichen Amte als Eandidat ein. Mehrere Jahre w.ircn ;wisch>,'n;eitig vcrilosscn, doch Alberr saß noch fortan als ein unbesoldetcr Beamte ohne Hoffnung eines Weirerkommens. Jedem, der seinen ausharrenden Flciß, sein sireng sittliches Verhalten, seine kleinliche Ordnungsliebe kannte, mußte der Umstand Befremden einstoßen, daß ein solcher Geschäftsmann kein Fortkommen finde. Bei jener Branche, bei der er diente, wollte der Zufall, dasi lediglich junge, rüstige Leute angestellt waren, bei denen also eine Apertur durch den Tod nicht so leicht abzusehen war, und geschahen zeitweise durch Übertritte Vacamren, so fanden leider Einschiebungen Start, die ihm wieder jede Aussicht auf lange Zeit hinauv abschnitten. Unter diesen mißlichen Conjuncturen würde eine^ Jeden Eifer erkaltet und sich in Lethargie verwandelt hab>,n, aber Albert war übcr derlei Charakter-Schwächen erhaben. Er verhehlte sich's nicht, daß ihm sein zurückgezogenes, bescheidenes Wesen, seine Wortkargheit unmöglich empfehlen können. Indessen — es lag nicht in seiner Natur, bei Präsentationen geschmeidig und verbös zu seyn. — Das Einzige, was ihn bei seiner Verstimmung noch Muth zum Ausharren einflößte, waren die von der feurigsten Liebe durchglühten Briefe seiner im steten Briefwechsel mit ihm stehenden Emma. Dieses Herr- 82 liche Mädchen allein kannte seine stillen Leiden, seine vortrefflichen Eigenschaften, und sie allein schien die Vorsehung berufen zu haben, den Genius ihres Geliebten abzugeben. — Bei so bewandten Umständen erhielt er eines Abends von seiner E m m a folgenden Brief. »Werthester Albert'!" »Durch den Tod des Herrn L*^ hat meine Gräfin ihren tüchtigsten Verwalter verloren, und obgleich seit diesen: Todfalle nur wenige Wochen verflossen sind, so ließen Bewerber um den erledigten Verwaltersposten dennoch nicht auf sich warten. Unter andern war auch ein gewisser Herr R^* hier, den Sie vielleicht kennen dürften. Es wird Ihnen wohl nicht uninteressant seyn, wenn ich Sie mit dem äußerst lächerlichen Ausgange der Vorstellung dieses Menschen bekannt mache. Dieses kleine Männchen, mit einem grimmigen Spitzbarte, kam nämlich am vergangenen Dinstag zu unserer Gräfin, und weil die Luft ziemlich rauh war, so erschien es mit einem Mantel bekleidet. — Allem Anschein nach war dieser Supplikant mit den Schloßlocalitäten unbekannt, denn ohne sich von Jemanden anmelden zu lassen, kam er in den Audienz-Saal, und in dem Augenblicke, als er die Gräfin gewahr wurde, bemerkte er zu seinem nicht geringen Erstaunen, daß er den Mantel noch nicht abgelegt habe. In sichtlicher Verlegenheit zog er nun diesen aus, ließ ihn in der Mitte des Saales anf den Boden gleiten, und trippelte unter beständigen Kniren, die alle äußerst drollig aussahen — der Gräsin zu. Allein um das Maß seines Malheurs voll zu machen, wollte es der Zufall, daß er gerade in dem Momente, wo er sich anschickte, der Gräfin mit übertriebener Galanterie die Hand zu küssen — bei Anbringung eines neuerlichen gewaltigen Kratzfußes das Uebergewicht verlor, und — bei den ohnehin glatten Parquetten keines Trittes mehr sicher — auf den Boden fiel. Die Verlegenheit dieses Mannes war gränzenlos. Nur nach langem Sammeln, wahrend welchem die Gräfin mit seltsamer Selbstbeherrschung das von mir angestimmte laute Lachen unterdrückte — begann er in langen Tiraden seine vermuthlich vorher construirte Nede in Bezug seines Alters, seiner Dienstzeit und Geschäfrsgewandthcit herzustottern, woraus die Grasin nur mühsam den Zweck seiner Vorstellung erfahren konnte. Ich sah allem diesen aus dem anstoßenden Zimmer zu, und mußte den armen Herrn um so mehr bedauern, als er von der Gräfin nur eine sehr kurze, abschlägige Antwort erhielt." »Ich theile Ihnen übrigens dieses zu dem Ende mit, um Sie auf den vacanten, sehr einträglichen Posten aufmerksam zu machen. Nach meinem Erachten sollten Sie sich jedenfalls darum bewerben, obschon ich für einen Erfolg n!cht bürgen kann, zumal ich, unserer Abrede gemäß, der Gräfin von unserm Verhältnisse nie eine Sylbe erwähnre." »Empfangen Sie im Geiste :c. Ihre Emma." (Schluß folgt.) Schneetröpfchen. Ein Mährchcn von Marie Lilahorsky. (Schluß.) »Nun" sagte das Lüftchen freundlich, als die Geschichte zu Ende war, »lebe wohl, mein holdes Tröpfchen, fürchte Dich nicht! — weder ich, noch mein Töchterlein werden Dir etwas zu Leide thun; schlafe diese Nacht recht ruhig, morgen in der Frühe sollst Du Wunder über Wunder sehen!" »Tropfchen hatte schon halb schläfrig die Augen geschlossen nnd bemerkte gar nicht, wie das Lüftchen im Davonfliegen sich noch bei zwei schlanken, frischgrünen Blättern in der Nähe etwas aufhielt, und dann erst forteilte. Es hatte aber eigentlich zu zwei allerliebsten Blumenelfen gesprochen, die erst vor einer Stunde aus einer Höhle gekommen, wo sie ihren Winterschlaf gehalten hatten lind nun auf dem grünen Teppich der Blätter bequem die kleinen Cigarren rauchend saßen, die aus dürren Rosenblärtern verfertigt waren. Sie erhoben sich leise und behutsam, tanzten um dasj vollends eingeschlafene Schneetröpfchen in wunderlichen und komischen Sprüngen, ließen sich von ihrem Diener, einem großen Käfer, der in der Nähe umher-schwärmte, einen kleinen, weißen Schleier, ganz aus Sonnenfäden gewirkt, bringen, und bedeckten damit Schneetröpfchen und die Grube unter seltsamen Geberden." »Die Morgensonne leuchtete über Berg und Thal hin und Schneetröofchen erwachte von dem Glänze, aber wie! Sein zarter Körper war nicht mehr klar und durchsichtig schimmernd, ein hellgrünes Kleidchen umschloß seinen schlanken Wuchs und sein Haupt neigte sich fast wie eine kleine, weiße Glocke geformt, sinnend zur Erde —> es war über Nacht in eine Blume verwandelt worden und zwar durch das Früh-lingslüttchen, das es den Elfen befohlen." »Schneetröpfchen, welches dieß alles spater genau erfuhr, hatte sich kaum von seinen: Erstaunen etwas erholt, als das Lüftchen selbst wiederkam, um es zu besuchen." »Halte Dich nur hübsch gerade," sprach es zu ihm, »ich will Dich heute unseren: König Frühling, als eine Neuangekommene Hofdame seiner Gemahlin, vorstellen." »Und so geschah es. Schneetröpfchen ward der Liebling der Herrscherbraut Erde, und der König schickte es stets voraus, um ihr seine Ankunft wissen zu lassen. Mit der Apfelblüte vermählt, bekam es viele Kinder, deren Nachkommen in der ganzen Welt zerstreut leben und in England — so heißt, wie mir jetzt einfällt, das Land, wo das Erzählte geschah— noch, wie ihre Urgroßmutter, Schneetröpfchen (sll0>vl1i-lip8) geheißen werden, aber in unserm guten Deutschland in Schneeglöckchen verwandelt sind, da sie, wie Manche behaupten, an Sonn- und Festtagen der Blumen die Bestimmung haben, zu läuten. Als aber das erste Schneetröpfchen welkre und starb, da ward sein Duft zu einem Englein, das in's Paradies zurückkehrte, oft zu dem blauen See zwischen moosbewachsenen Felsen hinaufkam und uns munteren Wasserkindcrn, die es seine Urenkel .nannte, 83 zmmer etwas Schönes von dein Leben auf der Erde zu sagen wußte. Wir horchten aufmerksam zu, und daher weiß ich nun so viel; allein oft ward nur bei diesen Geschichten recht bang' zu Muthe, denn ich ahnete wohl, daß es nicht Allen so gut gehen würde. — Darum habe nochmals Dank, liebes Madchen, dafür, daß Du mich, die arme Fremde, . so freundlich aufgenommen!" — Schneetröpfchen schwieg, sichtlich erschöpft von seiner Anstrengung. »Nuhe und schlafe nun süß auf Deinem Nosenblatre, meine kleine Freundin," sprach ich zu ihr niedergebeugt, »morgen mit dem Frühesten sollst Du mir wieder erzählen. Auch ich gehe bald zu Bette und will von Dir und vom Paradiese träumen!" Das Morgenlicht war schon durch die Fenstervorhänge meines Schlafzimmers gedrungen und zog in rosigschim-mernden Streifen um mein Lager, als ich erwachte und beinahe so rasch wie mein Gedanke in mein Arbeitscabinett eilte, in dem ich Schneetröpfchen wiederzusehen hoffte. Die Rose auf dem Nähtische war seit gestern noch schöner aufgeblüht; frisch und duftig neigte sie sich mir entgegen, aber ach! auf dem großen Blatte, worauf Schneetröpfchen am vorigen Abend geruht, war nichts mehr zu sehen — der Tropfen war verschwunden. „O Rose, sprich," rief ich erschrocken aus, «was ist mit Schneetröpfchen geschehen?" »Heute Früh," sagte sie leise, lange bevor Du erwachtest, siel der erste Sonnenstrahl durch das Fenster herein auf mich. Er sah den klaren Tropfen und trank ihn, indem er ihn zu sich von der Erde emporhob. Schneetröpfchcn ist glücklich, denn es durfte auf gold'ner Brücke in die Heimat zurückkehren!" Ich öffnete das Fenster und sah in die reine, stille Winterluft hinaus. Goldig und heiter fielen die Sonnenstrahlen auch auf mein Antlitz, doch mein Leben tranken sie nicht und meine verlangende Seele konnte nicht nur ihnen himmelwärts ziehen. Eine Thräne im Auge zerdrückend, dachte ich seufzend: »Werde auch ich, ein Tropfen im Meere der Welt, einst meine Heimat finden? wird auch für mich, nach der Nacht meines Lebens, der Frühsonnenstrahl kommen, der mich zu ihr geleitet?" Brosamen aus der Vergangenheit. Um die Zeit, wo Beaumont als Dramatiker auftrat, also beiläufig um das Jahr !607—lebre in London der Schau-Weler^und Mitbesitzer eines Theaters, Eduard Alleyn. ^mes^ages, während er von London abwesend ist, erhält Wne Frau einen Besuch von einem „jungen hübschen Men-Ml,, recht gut angezogen." Er erscheint unter einem aristo-tratlichen Namen, bittet um ein Darlehen von zehn Pfund, und beruft sich auf seine Bekanntschaft mit Herrn Alleyn. -"laoam Alleyn weist ihn ab und der Theatercompagnon / '" m, " b" Mann „als einen liederlichen Strick )"> ,/^me erzählt in einem Briefe ihrem Manne diese Geschichte und daß der imige Mann ein gewisserS Hakespe are, ^chau,Pieler vom Globetheater, gewesen sey. — Ein Bauer schrieb an den Churfürsten Max. Joseph lll.: „Ich bitt' Euer Durchlaucht möchten auch mit unserem reden. Ich hab was nothwendiges. Ich werd heut Nachmittag an der Kaiserstiegen warten. Ich mag nit nauf-gehn zu den andern großen Herrn. Seid do so gnädi, und kommts runter." Als Kaiser Albert nach dem langwierigen Krieg in Baiern, von Frankfurt nach Baiern zurückkehrend, auf das Schloß Lichtenbcrg znr Reigerpeiz ging, erhielt er dort von einem Obcrlandsbauer folgende Zeilen: „Gnädigster Kaiser grüß Gott! I hab im Krieg wie ein Hund ausghalten. Oberst Trenk, der Halunk, hat mit den Panduren mein Hof rein ausplündert. Zwai Bubn hab i atA Soldaten a verloren. Mein Weib ist gstorbn. Es ist do no nir gefehlt. Aber 300 fi. muaßt ma leicha, i zahls in 6 Jahren erli zruck. Sonst bin i mit mein Hof verloren. Es ist schreckt!, wies in dein Baiern ghaust haben. Ich bitt di fuaßfelli, vergiß mi nit. Der Sarenkammer." — Hierauf erfolgte sogleich i-ttso!. 86i'6n. I^igt, und der Vicedom hat ihm drei Frcijahre obendrein zulassen. Feuilleton. Australische Frauen. — Die eingebornen Australier, bemerkt Landor, sind Polygamisten. Jeder Mann hat Anspruch auf alle Frauen, die in gewissem Grade mit ihm verwandt sind. Ein neugebornes Kind ist daher die Verlobte eines vielleicht dreißigjährigen Mannes, der sie von ihren Aeltern fordert, sobald sie heirathsfähig ist (d. h. zwölf Jahre alt, oder auch früher). — Manche Männer haben daher 4 oder 6 Weiber verschiedenen Alters, während andere gar keine haben. Die Leßtern stehlen daher beständig fremde Frauen und dieß veranlaßt fortwährend Krieg unter den Männern. Erhält der rechtmäßige Gatte sein Weib wieder, so setzt er sie nicht eher wieder in den Genuß häuslichen Glück's, als bis sie bestraft ist, und die Strafe besteht dariu, daß er ihr einen Speer durch den Schenkel stößt. Leipzigs Zeitschriften. — In Leipzig erscheinen jetzt 8l Zeitschriften, von denen sich 5 mit Theologie, 3 mit Rechtswissenschaft, 9 mit Medizin und Naturwissenschaften, 6 mit Lano- und Forstwissenschaft, 2 mit Pädagogik und Philologie, l mit Geschichte, l O mit Literatur, Bücherkunde und Buchhandel, 6 mit Handel und Gewerbe beschäftigen; außerdem erscheinen dort 3 Modejournale, l O Untcryaltungs-blätter und 8 politische Zeitungen. Gin Veitrag zu den Mysterien Prags! — Am 13. Februar Abends (so lesen wir in der „Bohemia") kam in Prag ein Frauenzimmer, etwa 26 Jahre alt, in's Wenzelsbad und verlangte ein Bad. Man wies ihr eines an und sie begab sich in das Badegemach, das sie hinter sich versperrte. Eine Stunde war vergangen, sie kam nicht wieder heraus. Die Badewärterin wartete; —vergebens, sie horchte— nicht das leiseste Geräusch ließ sich aus dem Badegemach vernehmen. Endlich blieb nichts anderes übrig, als die Thüre zu öffnen. Ein furchtbares Schauspiel bot sich dar. Die Badende lag besinnungslos im Bade und blutete aus einer Unzahl Wunden: sie hatte sich am Hals, an den Armen, an den Kniekehlen die Adern durchschnitten und einen Stich in's Herz beigebracht. Ihr Zustand bewies zugleich, daß nicht ihr Leben allein, daß auch ein zweites Leben gefährdet war. Ein schnell herbeigeholter Arzt verband sie und ließ sie schleunig in's k. k. allgemeine Krankenhaus übertragen. Dort wurden die geeigneten Maßregeln getroffen, um wenigstens das zweite Leben durch Trennung von dem ersten zu retten, denn an das Aufkommen der Unglücklichen war nicht zu denken. Das junge Wesen, das so zur Welt gefördert wurde, verschied aber schon zwei Stunden darnach, die Mutter selbst folgte ihm Dinstag früh. — Die Unglückliche hatte einen Zettel hinterlassen, in welchem sie ihre Mutter um Verzeihung ihres Selbstmordes bat. 84 Papierkorb des Amüsanten. Am I I. Febr. ereignete sich in einem Prager Gasthause, wie die dortige Zeitung schreibt, ein komischer Vorfall, der zugleich als Warnung dienen kann, sein Zutrauen nichr Je-dermain: zu schenken. Ein Gast kaufte von einem Brezelmann zwei Stück Brezeln und warf im prahlerischen Uebermu-the ein Zweiguldenstück als Bezahlung ihm auf den Tisch. Der Verkaufer entschuldigte sich, daß er nichr so viel Geld habe, um zu wechseln, doch wolle er, weun der Herr indessen seine Brezeln verwahren wolle, wechseln geh'n. Der Käufer nimmr nun den Brezelstock zu sich, der Brezelmann gehr und — nimmer kehrt er wieder. Der betrogene Prahler wurde von den Anwesenden verlachr. Zwar behauprcre er noch lange Zeit des Brezelmann's Ehrlichkeit, doch endlich vertheilte er die Brezeln zum Andenken an seine anwesenden Freunde. Den Brezclmann und den Thaler sah man niemals wieder. Die Böhmen wollen (wie die »Morgenröche" meldet) Ä tnilt pl'ix Mozart zu den Ihrigen machen, und dazu haben sie volles Recht; man höre nur, wie begründet dieser Anspruch ist: »Mozart's Urgroßmutter haue einen Enkel-neffen, 'welcher die Stiefschwester eines Mannes Heirachen wollte, dessen Taufpathin sehr leicht eine Böhmin hatte seyn können." — Auch G utrenberg wird so für das Czechenrhnm in Anspruch genommen; wenn wir unsere Hunyädy, Zrin i u. a. in. nicht gut in Acht nehmen, so machen die Herren sie uns vor der Nase weg zn Böhmen, eye wir uns noch rechr umgesehen haben. — Nächstens soll in der Berliner Oper ein neues Ballet unrer dem Tirel: »die fünf Sinne" in Scene gehen. Anderswo gibt man Ballers, die gar keinen Sinn haben. Literatur. VI. „Gedichte," von A nna von Fü q e r ' R ech t b or n , geborncn HiegerIst. Gr,iy, bci Dirnböck. 18^l6, g. 8. Seiten 175. Gedichte von einer Dame! höre ich mit doppeltem durch die ver-f.hrte Richtung unserer Z.'it molivirte» Mißtrauen manchen strengen Kunstlichter ausrufen un» am Inhalte vorübergehen, ohne den Trost zu haben, dah er hier bei diese,, Blättern doch einmal eine blumenreiche Oase im wüsten Sinde dcr neuen Lyrik, eine duftende, reich? Insel im endlosen Wasser weiblicher Maschendichtere! finde. Die edle Verfasserin, durch Abstammung, Herz und Sinn der Bteiermark angehörend, schon in früher Kindheit die glühendstcBegeisterung für das Tchöne entwick.lnb. ohne je we, dir durch eigenes Streben, noch durch die innig gemüthliche Umgebung ihres hauölich?n Kreises zum Wunderkind? verbildet zu s.yn, reprälenlirt leit einigen Jahren als Jungfrau und beglückt? Gallin auf das würdigste die weibliche lyrische Lyrik. Erst aus der in's Herz aufgenommenen Welt edlerer llnschauunaen entwickelt sich in ihr r>in und hell die Flamme des siibjeclivcn Gefühles; da schrillt kein zerrissener Weltschmerz seine Miß-löne. da bettelt kein mattes Leidgeklimper um Varnzuck.r für das heisere Hetz; rein trilt der Liederenge! zi-r Sängerin, deren Weihe sie im letzten Liede so waln bezeichnet, rein übergibt er ihr die volltönende Leier zum Trost für eigenes und fremdes Leid. und nimmt sie rein und volltönend von ihr, a>s sie seiner nicht mehr bedarf in Lieb' und Glück. Unter den 92 Dichtungen des I. E. der Gräfin Er nestine Schönbor» und den Manen ikres zu früh verblichenen Gatten, Grafen Theodor v- Schönborn, gewidmeten Bandes ist nicht eine, die am Stelzfusje der Mittel-maßigt.'it hinkl; nicht »ine, die den Leser unbefriedigt liesie durch Inhalt oder Forin; nicht eine, die mißlich berührt durch die Auszenhülle, welche unsere emancipirenden Damenkiele so gerne über Vord zu kehren pflegen. Männliche Kraft mit liefer, weiblicher Empfindung paaren sich in den Liedern: «Heimkehr," »die Nonne," „Traumglück." — Die Schlußstrophe des letzteren: Todesengcl, willst du nahen, Ach so nah' im Sonnenlicht. Friedensbote! hör mein Flehen! Nur im Traume stör' mich nicht. mahnt an die schönen Klänge der sibirischen Lira, als sie noch die Hand eines Ka Ich berg, Fellinger, Schröckinqer unt. Leitner belebte. Von unendlicher Zartheit ist das Gedicht „Mutterliebe." S. 2?. Kräftig klingt das „Lied an Becker," weich gehalten die vier Bilder: „Der letzte Vlici" mit dem gemüthlichen Schlüsse: Was nimmer auszusprechen Vermag der bleiche Mund, Das thut des Herzens Spiegel, Der letzte Vlick uns kund. Dieser Spiegel zeigt uns das reine Gemüth der Dichterin: so z, B. in „Frauenliebe," in den Worten: Frauen lieb' ich gleich dem Ton?, Der in Memnonsbusen ruht, Nur die Sonne kann i!in wecken. Nur des Himmels reinste Gluth. Herzlich und frisch sind: „Der Christbaum,« j)ux. 33, »Erste und letzte Liebe.« „der Eiche Leben und Tod/' „das träumende Kind," „Lieb und Schmer»." Letzteres Lied schließt mit dem sanften Troste: Die Li.'be heilt, der Schmerz, der schlägt uns Wunden, Doch beiden schuldet viel das kranke Herz, , Die Liebe laszt vom Kummer es gesunden. ^ Geheiligt wird es durch den Engel Hchmerz. ! An die schönsten Mährchcn des Orients erinnert uns ,,des Elfen Spruch" jinZ. 6i. während ,,mein Gnadenbild," «an Ernst Schulze" ,,König Erichs Tochter" an A. Ebect's kräftige Muse mahnt. Einem lieblichen Kindertraume gleicht, S. 83, ,.def Fl.immentod," während .,meine Wünsche" so recht wahr die treue Liebe spiegeln in den finnigen Worten: Am liebsten aber wär' ich Der Ring an ihrer Hand, T)en ihr der Theure, der verblich, Hat einstens übersandt. Das Nina.l>in li.-bt sie gar