Folge 104. (Seite 2189 bis 2224.) Blätter für den Abteilungsunterricht. tHonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. o o o (Schriftleiter: Rudolf Peerz.) Inhalt: Seite 1. Ökonomie mit Menschen................................2189 2. Us der Christelehr...................................2191 3. Wie die Multiplikation mit Dezimalbrüchen auf eine wahrhaft rationelle und leichte Weise entwickelt und eingeübt werden kann.................2192 4. Die experimentelle Pädagogik im Dienste des Abteilungsunterrichtes ................................2198 5. Die Verwendung der Anschauungsbilder von Hölzel für den Sprach- und Rechenunterricht .... 2199 6. Schulhumor ......................................... 2200 7. Monatrüstung........................................ 2201 8. Die Reform des Rechenunterrichtes................... 2202 9. Das Menschenherz.................................... 2204 10. Aus dem Lehreralbum ................................ 2204 11. Lesefrüchte.................................. 2204, 2216 12. Ratschläge für die Ablegung der Gymnasialmatura 2205 13. Auskünfte, betreffend die Herstellung von Reliefkarten ................................................. 2206 14. Die Wechselrede..................................... 2206 15. Wie ich zu Lehrmitteln kam.......................... 2208 16. Pädagogische Splitter............................... 2208 17. Reiseerinnerungen aus Dalmatien..................... 2209 18. Zwei Leiden..........................................2211 19. Es weint der Wald....................................2212 20. Praktische Rechenaufgaben............................2213 21. Skizzen aus dem Schulleben...........................2214 22. Briefkasten .........................................2217 23. Kleine Mitteilungen..................................2218 24. Durch Sachsen und Thüringen von Schule zu Schule 2221 25. Beurteilungen....................................... 2224 o o o Verlag der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavlicek in Gottschee. Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). . Schulbank - Spezialgeschäft . Stefan Walter Mndeiy, Vorarlberg. Einzige vom Ministerium empfoh lene Schulbank. Vollständiger Ersah der teuren Aellig-schienc. Kataloge gratis. Umkipp- und Rollenkuppelung. Es ist und bleibt wahr, daß jeder Kollege, der die Stundenbilder von Sterlike und Pischel benützt, sehr zufrieden ist. Der Zeichenunterricht macht den Kindern und ihm Freude. Hochamtl. empfohlen. Zu beziehen: Fachlehrer Sterlike, Schluckenau, Böhmen. I. Teil (3., 4., 5. Schulj.) K 3 20. II. Teil (6., 7., 8. Schulj.) K 6. Voreinsendung franko, Nachn. 45 h mehr. Im selben Verlage: Preistabellen für Rechnen nach Fachlehrer Sterlike. 1 Exemplar = 3 Tafeln K 1 50. Voreinsendung! Hoher Extra-Vorzugsrabatt für Lehrer! T rautwein, wien, vji. BtfHH Mariahilferstraße Nr. 58 B. 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Das physisch-beste Menschenmaterial wird von der Scholle, aus der Schule, vom Handwerk, aus dem Kaufmannsladen gezogen und unter die Waffen gestellt. Man mag sich darüber mannigfachen Betrachtungen hingeben, sie ändern indes vorläufig nichts oder doch sehr wenig an der Sache, wenn wir nun damit rechnen, daß die Welt in Waffen starrt, so muß die jährliche Auslese aus dem Menschenmateriale leider gutgeheißen werden; die kräftigsten, gerad gewachsenen Jünglinge sollen rechtsum und ltnfsum üben, die Beine spreizen, mit den eisernen Hähnen knattern, paradestehen, paradereiten, paradesubordinationbezeigen lernen, nichts als ein nach höherem willen gelenkter Gegenstand werden — und das liebe Vaterland mag ruhig fein, wir sagen ja und Amen und nehmen die Ginrichtung als dermalen unabänderliche Tatsache hin. Doch eines will uns nicht einleuchten: Ist denn immer blutiger Krieg, daß der Staat nur für das Militär die besten Kräfte heranzieht? Gibt cs nicht einen anderen Kampf, einen Kampf, der im Inneren des Reiches tobt, unaufhörlich, allerorts — der Kampf ums Dafein? wie stellt sich der Staat zu ihm? wählt er hier auch die Tüchtigsten aus, prüft er fein geistiges Menschenmaterial, verteilt er es nach Eignung, übt er es, rüstet er cs aus? Nichts von all dem! wahllos kann jeder sich die Waffe fürs Leben wählen, wahllos rückt jeder in die Linie vor. Hier knickt einer zusammen, dort drängt sich ein anderer mit unlauteren Mitteln durch die Reihen, hier verkümmert ein Begabter, dort schnellt ein Mittelmäßiger empor. Ist das (Ökonomie mit Menschen? Fragen wir einmal: was ist der Staat? Doch nichts als die Gemeinschaft von Menschen, die unter bestimmten Gesetzen stehen! was liegt nun näher als der Gedanke, die Teile zu erhalten, damit das Ganze erhalten bleibe, mit anderen Worten: den Staat in feinem innigen Gefüge zu wahren I Tun das diejenigen, die dazu berufen sind? Ja, nach der einen Seite hin, nicht aber nach der anderen: da ist alles lose durcheinander gewürfelt. —- Alan fucht sich Soldaten aus der großen Masse des Volkes und läßt fürs Übrige den Zufall walten, wieviel Talente gehen darob verloren, wieviel Minderwertigkeiten werden dafür an die Mberfläche geschoben, um hier zu dominieren! Es ist geradezu ein Jammer, das Heer der künstlich Emporgetragenen in der erschreckenden geistigen Blöße vor sich zu sehen und dabei jener zu gedenken, die mit hellem Kopf und voller Kraft in der Niederung kauern müssen. Ist das ökonomisch? Wollte der Staat seine Kräfte recht nützen, so müßte er sie zunächst kennen; nicht nur zur Bestimmung der physischen Tüchtigkeit sondern auch zur geistigen Auslese sollten alljährlich Kommissionen durch die Lande ziehen. Menschen und Pferde sind doch nicht dasselbe, daß man für beide die gleiche Methode verwendet: Körpermaß, Muskel stärke, Sinnesschärfe. Auch der Geist hat seine Qualitäten; er soll darum unter das ihm eigene Maß gerückt und sodann auf den rechten Platz gebracht werden. — Das ist ein Gedanke, der gar nicht so ferne liegt, als es den Anschein haben mag. In Amerika werden die Kinder während der obligaten Schulzeit genau beobachtet, hinsichtlich der Sinnesschärfe, Aufnahmsfähigkeit, Ermüdbarkeit, Ausdauer, Genauigkeit, einer befondern Eignung gründlich geprüft und für bestimmte Berufe empfohlen. Von dieser Stufe bis zur „geistigen Assentierung" ist ein kleiner Schritt. Bei Kindern, die den Staat zum Vormund haben, könnte die Zuweisung zum Berufe unmittelbar erfolgen; der Elternwille bliebe hiebei ausgeschaltet und es wäre nur noch der des Kindes nach Umständen in Rücksicht zu ziehen. Würde man mit diesem Teile des Menschenmateriales den Anfang machen, d. H. vorerst die Lehrer des Schülers um die Meinung fragen, hernach auf experimentellem Wege die physische und psychische Qualität ermitteln, die besonderen Eigenschaften einbeziehen, so wäre das Exempel gegeben; alsbald griffe die Einrichtung auf alle Schulen über und führte zu einer rationellen Auswahl der Menschen für den Kampf im Frieden, für den Kampf ums tägliche Brot. Man denke sich die Institution in voller Ausgestaltung: Am Schulbeginn, also nach dem vollendeten 6. Lebensjahre, werden sämtliche Kinder hinsichtlich der Seh-, Gehör- und Tastschärfe, bezüglich der Reaktion auf äußere Eindrücke, mit Bezug auf Farben- und Tonempfindung, Auffassung, Dauer des Behaltens, Ausdrucksfähigkeit, Gelenkigkeit usw. exakt untersucht. Schularzt und Lehrer machen hiebei ihre Aufzeichnungen und entwerfen ein Bild von dem Ankömmling. Das „Schülerbuch" beginnt, N. N. hat dabei sein Blatt bekommen; die ersten Eintragungen beziehen sich auf die angegebene Untersuchung. Sie sind das erste Häkchen, in das der Lehrer seine Fäden legt. Was sonst erst nach Monaten und Jahren durch Zufall entdeckt wird, liegt bereits offen vor. Manches ungerechte Wort wird damit hintangehalten, mancher Mißgriff in der Erziehung vermieden. — Im Verlauf der Jahre treten neue Erscheinungen hinzu, die sich entweder nicht sogleich zeigten oder erst durch die Verhältnisse entwickelten. Das Schülerbuch enthält neue Eintragungen. Abgeschlossen werden sie durch den Austritt aus der Schule. Dieser kann schon im sO. Lebensjahre des Schülers erfolgen, sofern dieser für ein längeres Studium außerordentliche Begabung zeigt. E)ier ist der Punkt, wo der „kluge" Staat zunächst eingreifen könnte, indem er die Lehrer beauftragte, besonders talentierte Kinder namhaft zu machen, auf daß sie, wenn es fein muß, auf Staatskosten in die Mittelschule gebracht werden. Wenn die Soldaten vom Steuergulden leben, warum sollten nicht auch taugliche arme Studenten davon zehren können! Ist denn die Ausbildung der geistigen Kraft nicht der Unterstützung ebenso wert wie die Ertüchtigung zum Waffendienste? Manch fähiger Verwaltungsbeamter, manch bedeutender Arzt, mancher Gelehrte ginge aus der Dorfschule hervor, wenn man Assentierung nach der geistigen Seite hin betriebe. Doch weil es ums liebe Geld geht, bleibt der plan ein Phantom. In seiner vollen Ausführung gewiß, nicht aber in den Anfängen. Fast an jeder Mittelschule besteht ein Unterstützungsverein. Wenn ihn der Lehrer in Anspruch nimmt, kann er für seine Schützlinge viel tun. Es handelt sich oft nur um den Anfang; ist der Junge einmal in der Klaffe und bewährt er sich, so bringt er sich schon fort. Ich habe Studiosen herangezogen, indem ich bei Tischgesellschaften Geld sammelte, in Familien vorsprach, Freitische erwirkte und für Lektionen sorgte. Nach einein Jahre konnten sich die Eingclotsten in der Regel selbst helfen. Würde dieser Vorgang allgemein nachgeahmt werden, so ergäbe sich die Fürsorge durch den Staat ganz von selbst. Bei allen handelt es sich eben immer um den konkreten Fall. — Aber noch ein anderes fällt unter das Schlagwort „Staatskapital": die Zuleitung tüchtiger Kräfte zum Gewerbe, zum Handwerk, zum Bauernstände. f}ier ist der Schulaustritt am Ende der Schulpflicht maßgebend. Sowie gelegentlich des Eintrittes in Anwesenheit des Arztes experimentell (auch mit Apparaten) ergründet wurde, wie der gesamte geistige und physische Mechanismus des Kindes funktioniert, so sollte auch jetzt genau bestimmt werden, welche Qualitäten vor allem hervortreten, damit die Berufswahl von exakt festgestelltenGualitäten abhängig gemacht werde. f}cute wird weniger darnach gefragt, ob Auge, (Dhr, Tastsinn, Nervensystem, Körperkraft und Dispositionen im besonderen Zltaste zu diesem oder jenem Berufe weisen, sondern die Kalküle betreffen: Neigung der Eltern, Neigung des Kindes, Aussicht auf reichen Erwerb, wenig Arbeit usw. Die Folge davon sind die Un-tüchtigkeit, die Gleichgültigkeit, die Unzufriedenheit. Die gefährliche Truppe der „Platten" und anderer Vagabunden ist vielfach aus der verfehlten Berufswahl hervorgegangen. Ja, es gibt sicherlich Menschen, die nicht arbeiten wollen. Sollte ihnen jedoch die Arbeitsscheu angeboren sein? Sicherlich nicht! Sie haben nichts Rechtes gelernt oder wenigstens nicht das, was ihrer Veranlagung und Neigung entsprach. Im späteren Alter ein anderes Handwerk zu wählen, das behagt ihnen nicht; also geraten sie in den Sumpf. Von den Mädchen, die auf glatter Bahn dem Abgrunde zutreiben, garnicht zu reden. Und das alles ist Menschenmaterial, ein Bestandteil des Staates, des Volkes! Erwacht bei der Reproduktion solcher Bilder nicht die heilige Pflicht, soundsoviel Mitglieder der Gesellschaft vor dem Untergange zu retten, indem man sie nach gewissenhafter Prüfung jenem Berufe zuführt, zu dem sie sich eignen, dem sie daher ihr ganzes Leben obliegen könnenI Man soll nicht nur Kommissionen aussenden, um tüchtige Fäuste und flatternde Mähnen auszukundschaften, sondern auch die blitzenden Geisteslichter hervorholen und anfachen, auf daß sie hinausstrahlen ins Land und Helle spenden nach allen Seiten! — Us der Christel eh r. En würdige Pfarer im Schwyzerland Het Christelehr g’ha mit de Chinde. Er prediget vo allerhand, Vom Rechttue und au vo de Sünde. Vom Guete-n und Böse, vo Bilohnig und Straf. Wie losed die Chinder so ordli und bravl Und wo do de Pfarer usprediget het, So tuet er do d’Chind no chli frage. Die antworted so lut, und ordli und nett, De Pfarer, er cha si nüd chlage. Z’ Kunträri, er freut si und lobt alli Chind Wil alli so ruehig und flissig g'si sind. „Wohlan denn“, so seit de Pfarer zum End, „So säged mir Chinde nu weidli, Wo die guete und böse Menschen hi chän?“ Schnell b’sunne, antwortet es Maidli: „Die guete nimmt d’r Herrgott im Himmel a, Die Böse gönd alli nach — Amerika.“ M. Zwicky. Wie die Multiplikation mit Dezimalbrüchen auf eine wahrhaft rationelle und leichte Weise entwickelt und eingeübt werden kann. Zugleich eine erschöpfende Antwort auf die Frage des Frl. F. M. in T. (Vergleiche die Briefkastennotiz in Folge 102, Juni 1912, Seite 2147 unserer „Blätter für den Abteilungsunterricht“!) Von Rudolf Knilling, Oberlehrer in Traunstein (Bayern). Die „Multiplikation mit Dezimalbrüchen“ gehört zu jenen Kapiteln des Rechenunterrichts, welche trotz unserer neueren und neuesten methodischen Fortschritte noch immer in ein geheimnisvolles mystisches Dunkel gehüllt sind und welche darum vor allem erst untersucht, aufgehellt und klargelegt werden müssen. Daß die Art und Weise, nach welcher diese wichtige Rechenoperation in den arithmetischen Lehrbüchern, Anleitungen und Aufgabensammlungen seither erklärt und behandelt wurde, unmöglich zu befriedigen vermag, hat wohl die große Mehrzahl meiner Leser mit richtigem Instinkte längst gefühlt und erkannt. Besonders lebhaft aber dürfte dies von dem verehrten Fräulein F. M. in T. empfunden worden sein. Mit Recht wirft sie darum die Frage auf: Wie kann ich die Rechenaufgabe „9 708 X 0 92“ meinen Schülern als eine Multiplikation oder Vervielfachung erklären, da doch das Produkt kleiner ist als das zu Vervielfachende? Dieser Einwand meiner scharfsinnigen Kollegin aber hat mich ungemein gefreut, denn sie spricht damit ein Bedenken aus, welches sich mir ebenfalls schon vor mehr als 30 Jahren aufgedrängt und mich dann zu den eingehendsten Untersuchungen über die Natur der Multiplikation mit Brüchen veranlaßt hat.1 Außerdem gibt sie mir aber auch einen froh willkommenen Anlaß, das Ergebnis meiner Forschung nebst praktischen Anwendungen zu Nutz und Frommen meiner österreichischen Kollegen und Kolleginnen in vorliegenden „Blättern“ entwickeln zu können. Ich könnte mich nun darauf beschränken, all das, was ich in meinen früheren Arbeiten und zwar besonders in meiner „Reform des Rechenunterrichts“ (I. Teil, 1884, Seite 9; II. Teil, 1886, Seite 59—62), in der „Naturgemäßen Rechenmethode“ (1. Teil, 1897, Seite 337—348, 352—354) und in dem rechenmethodischen Streifzug „Gegen das sogenannte dekadische Einmaleins“ (Österreichischer Schulbote, Wien 1904, 1. Heft, Seite 18—23) bereits auseinandergesetzt habe, nur wortgetreu abzuschreiben. Aber wenn ich es recht bedenke, so würde dadurch den wenigsten meiner sehr verehrlichen Leser ein wirklicher Dienst erwiesen werden. Meine früheren Darlegungen waren nämlich zu abstrakt, zu theoretisch, zu wissenschaftlich. Und das ist vielleicht auch der Grund, weshalb sie nicht vollständig zu überzeugen und darum auch keinen merklichen Einfluß auf die Unterrichtspraxis zu gewinnen vermochten. In vorliegendem Aufsatze will ich es nun auf eine andere Weise versuchen. Ich will nämlich von einem Sachrechenbeispiele ausgehen und an diesem Beispiele sodann zunächst das wahre eigentümliche Wesen der sogenannten „Multiplikation mit Dezimalbrüchen“ erläutern und darauf erst werde ich aus demselben alle nur immer möglichen anderen wichtigeren Rechenfälle ableiten und so die Aufgabe, die ich mir in der Überschrift meines Artikels gesteckt habe, dennoch erschöpfend lösen, so daß auch nicht einer meiner Leser mehr im Zweifel sein kann, was er sich unter der Bruchmultiplikation vernünftigerweise zu denken hat und wie er diese scheinbar so schwierige und 1 Rud. Knilling: Naturgemäße Rechenmethode. I. Teil, V. Abschnitt, 3. Kapitel: Nähere Untersuchung der sogenannten Multiplikation und Division durch Brüche. verwickelte, in Wahrheit aber über alle Beschreibung leichte und einfache Rechenoperation in seiner Schule entwickeln und einüben muß. I. Mein Sachrechenbeispiel, welches den Ausgangspunkt und die Grundlage aller unserer Darlegungen, Erörterungen und Schlußfolgerungen bilden soll, lautet: 1 hl Wein kostet 75 K, wieviel ist darum für 001 hl zu bezahlen? Nach der überkommenen landläufigen Denk- und Sprechweise lautet die Lösung: „0 01 hl kostet 0 01 mal 75 K, d. i. 0 75 K oder 75 h.“ Dieses Lösungsverfahren, dessen Richtigkeit wohl niemals bestritten werden kann, bedarf indes einer besonderen Erörterung, Ausdeutung oder Interpretation (Verdolmetschung). Daran hat es aber die seitherige Rechenmethode bis auf diesen Augenblick ermangeln lassen. Es war das ein großer, ein unverzeihlicher Fehler. Wir wollen diesen Fehler vermeiden, wir wollen es uns also zum klarsten Bewußtsein bringen, was denn der Ausdruck „0 01 mal 75 K“ (mit Worten „1 hundertstel mal 75 K“) im letzten Grunde besagen oder bedeuten will. Wer ernstlich darüber nachdenkt, der kommt sicher mit mir zu dem Ergebnis: „0-01 mal 75 K“ rechnen heißt offenbar „1 mal den hundertsten Teil von 75 K nehmen, also die'Anzahl der Kronen durch 100 teilen (dividieren) und dann mit 1 multiplizieren“. Diese unsere Interpretation erschließt uns aber zugleich die allgemeine Einsicht, daß wir es bei der „Multiplikation mit Dezimalbrüchen“ weder mit einer reinen Multiplikation noch mit einer reinen Division, sondern mit einem zusammengesetzten Verfahren, nämlich mit einer Division und Multiplikation, also mit zwei verschiedenen Rechenarten zu tun haben. Und mit dieser einleuchtenden, überzeugenden und fast selbstverständlichen Einsicht ist das Rätsel eigentlich schon gelöst. Wir müssen jedoch bei derselben noch länger betrachtend verweilen, weil sich aus ihr wichtige Schlußfolgerungen für die Unterrichtspraxis ergeben. Erste Schlußfolgerung: Daß in jeder Bruchmultiplikation zwei verschiedene Rechenarten, nämlich eine Division und eine Multiplikation gefordert werden, das soll unser Schüler schon beim bloßen Lesen der Aufgaben richtig zu erfassen und zu begreifen vermögen. Wir lassen ihn darum jedes Rechenbeispiel ausführlich erläutern und zwar durch unsern erklärenden (interpretierenden, verdolmetschenden) Zusatz. Unser Schulkind hat also künftig etwa folgender Weise zu sprechen: „1 hl kostet 75 K, darum kostet 0 01 hl (1 hundertstel Hektoliter) 0 01 X (1 hundertstel mal) 75 K, d. i. 1 mal den hundertsten Teil von 75 K“; „Im kostet 10 K, darum kostet 0 01 m 0 01 X 10 K, d. i. 1 mal den hundertsten Teil von 10 K“; „1 kg kostet 40 K, darum kostet 0 001 kg 0 001 X 40 K, d. i. 1 mal den tausendsten Teil von 40 K“ usw. Durch diesen erläuternden Zusatz wird es jedem und auch dem schwächsttalentierten Schüler sonnenklar, daß seiner Aufgabe zwei verschiedene Operationen zugrundeliegen, und darum wird ihm die nachfolgende Lösung nunmehr nicht die mindesten Schwierigkeiten mehr verursachen; bei unserer eigentümlichen Art von Rechenbeispielen ist eben das Verständnis die Hauptsache; ist dieses einmal vorhanden, dann ist vieles, ja alles gewonnen. Zweite Schlußfolgerung: Bei und während der Ausrechnung muß der Schüler die beiden verschiedenen Rechenoperationen wo möglich noch schärfer, bestimmter, lebhafter unterscheiden und auseinanderhalten, er muß sodann zunächst die eine (also etwa die Division) und darauf die andere (die Multiplikation) wirklich ausführen, endlich hat er es sich immer und immer wieder zu vergegenwärtigen, daß es für das Ergebnis gleichgültig ist, ob zuerst dividiert und dann erst multipliziert, oder ob umgekehrt die Multiplikation der Division vorausgeschickt wird. Die vollständige Lösung unseres Musterbeispieleles durch den Schüler gestaltet sich also folgender Weise: 1. Auffassung und Erläuterung der Aufgabe: „1 hl kostet 75 K, darum kostet 0 01 hl (1 hundertstel Hektoliter) 0 01 X (1 hundertstel mal) 75 K, d. i. 1 mal den hundertsten Teil von 75 K“. 2. Die eigentliche Ausrechnung oder Lösung: „Ich muß also die 75 K durch 100 teilen (dividieren) und mit 1 vermehren (vervielfachen, multiplizieren). Dabei ist es gleichgültig, welche von diesen zwei Rechenarten zuerst ausgeführt wird. Insoferne habe ich die freie Wahl zwischen zwei verschiedenen Lösungsweisen. Ich kann nämlich rechnen: Der hundertste Teil von 75 K (75 K : 100) ist 0 75 K oder 75 h, dies 1 mal genommen (1 X 0 75 K) ist 0 75 K (1. Lösungsweise). Statt dessen kann ich aber auch sprechen und schreiben: 1 mal 75 K (1 X 75 K) sind 75 K; davon den hundertsten Teil (75 K : 100) ist 0 75 K (2. Lösungsweise)“. II. Systematische Ableitung aller möglichen Fälle der Dezimalbruchmultiplikation aus unserem Musterbeispiele. Im Vorstehenden haben wir nur den einfachsten und leichtesten Rechenfall entwickelt. Der Leser könnte darum einwenden: Das Knilling’sche Lösungsverfahren ist zwar sehr leicht, einfach und natürlich, aber es dürfte sich doch nur zur Lösung der leichtesten Beispiele eignen, die schwierigeren und schwierigsten Fälle der Bruchmultiplikation aber können durch dasselbe sehr wahrscheinlich entweder gar nicht oder doch wiederum nur auf eine höchst umständliche, schwerfällige und zeitraubende Weise gelöst werden. ) Auf diesen möglichen Einwand antworte ich nun: Gerade für den soeben behandelten einfachsten Rechenfall ist mein methodisches Verfahren, wonach zwischen der Multiplikation und der Division genau unterschieden werden muß und dann jede der zwei Rechenarten für sich und gesondert zu betätigen ist, weniger gut geeignet und zwar aus dem einleuchtenden Grunde, weil der Multiplikator 1 nicht wirklich zu vervielfachen oder zu vermehren vermag und weil wir es hier darum eigentlich nur mit einer Division, also nur mit einer Rechenart zu tun haben. Bei allen anderen der möglichen unzähligen Rechenfälle der Dezimalbruchmultiplikation dagegen müssen wir mit den verschiedensten und mannigfaltigsten Multiplikatoren vervielfachen und da muß es sich darum erst im hellsten Lichte zeigen und erproben, wie eminent zweckmäßig meine Lösungsmethode ist. Ja, dieselbe ist eben das natürlichste und eben darum auch das einfachste und leichteste Ding von der Welt. Sie wird aus diesem Grunde auch über kurz oder lang die seitherigen schwierigen begrifflichen Unterscheidungen und unnützen Künsteleien, namentlich das sogenannte „Dekadische Einmaleins“ (Vergleiche den oben zitierten und im Österreichischen Schulboten erschienenen Aufsatz!) verdrängen und die Lehrer Österreichs werden mir vielleicht einmal danken, daß ich die Unnatur der seitherigen Lösungsverfahren völlig aufgedeckt und zugleich den Weg einer neuen wahrhaft naturgemäßen Methode gewiesen habe, einer Methode, welche in ihrer überraschenden Einfachheit und Selbstverständlichkeit dem „Ei des Kolumbus“ gleichen dürfte. Und nun zur Entwicklung, Betrachtung und Lösung aller übrigen nur immer möglichen Rechenfälle. 2. Rechenfall: 75 K X 023. Sachrechenaufgabe: Wenn das Hektoliter 75 K kostet, was kosten dann 0 23 hl ? Vollständige Lösung. 1. Erfassung und Erläuterung der Aufgabe: „023 hl (23 hundertstel Hektoliter) kosten 0 23 X (23 hundertstel mal) 75 K, d. i. 23 mal den hundertsten Teil von 75 K.“ 2. Die eigentliche Ausrechnung: „Ich habe also die 75 K mit 23 zu vervielfachen und durch 100 zu teilen. Also 75 K X 23 225 K 150 „ 1725 K : 100 = 17 25 K.“ Methodische Anmerkung. Die beiden Operationen des Multiplizierens und Dividierens könnten aber auch bei Beibehaltung der seitherigen Ansatzform ausgeführt werden, nur dürfte man dann keinen Augenblick außeracht lassen und müßte es auch durch die Sprechweise hervorheben, daß die 75 K mit 23 zu vervielfachen sind und daß man dann das Multiplikationsergebnis durch 100 zu dividieren hat, indem man zwei Dezimalstellen abstreicht. Unsere schriftliche Ausrechnung würde also mit der seitherigen Darstellungsform vollständig übereinstimmen, denn wir würden dann ebenfalls schreiben 75 K X 0 23 225 K 150 „ 17 25 K Trotz dieser äußerlichen Übereinstimmung bliebe aber doch, und das glaube ich mit besonderem Nachdruck hervorheben zu sollen, der wesentliche Unterschied bestehen, daß zuerst nur multipliziert und darauf nur dividiert wurde, daß also diese beiden Rechenoperationen nacheinander und nicht, wie es unsere überkommene Methode zur unerträglichen Qual für Lehrer und Kinder forderte, zugleich und miteinander nach dem verflixten Rezepte „Zehntel mal Einer gibt Zehntel, Zehntel mal Zehner gibt Einer, Zehntel mal Hunderter gibt Zehner“, ausgeführt wurden. Wie mir von Kollegen aus dem Salzkammergute im vorigen Jahre geklagt wurde, ist die eben geschilderte naturwidrige Art des Regelrechnens, welche trotz ihres gelehrten vornehmen Mäntelchens doch nur das ödeste, trostloseste und geisttötendste Gedächtnis- und Lippenwerk ist, in ganz Österreich förmlich von amtswegen vorgeschrieben und wird darum ausdrücklich verlangt. Aber meine wackeren österreichischen Kollegen brauchen sich die Tyrannei jener Rechenregel doch nicht ewig gefallen zu lassen! Ich möchte sie darum zum Kampfe gegen die gelehrte Unnatur und Verschrobenheit aufmuntern und ihnen zugleich mit vorliegendem Artikel die scharfgeschliffenen Waffen liefern, mit welchen sie den vielleicht heftigen, leidenschaftlichen und erbitterten, aber wichtigen, notwendigen und wohltätigen Strauß fröhlich und siegreich ausfechten können und müssen. Mögen diese Worte, die mir die Empfindungen meines Herzens und der sehnliche Wunsch, zu nützen und zu helfen, aufgedrängt haben und die also der Ausdruck der wohlwollendsten, uneigennützigsten und kollegialsten Gesinnung sind, nicht ungehört, unverstanden und wirkungslos verhallen! 3. Rechenfall: 75 K X 439. Sachrechenaufgabe: Was kosten bei dem von uns angenommenen Hektoliterpreis (75 K) 439 hl? Vollständige Lösung. 1. Erfassung und Erklärung der Aufgabe: „439 hl sind 439/ioo (vierhundertneununddreißig-hundertstel) Hektoliter, sie kosten darum auch 439/ioo X (439 Hundertstel mal) 75 K, das ist (um es noch klarer und bestimmter auszudrücken) 439 mal den hundertsten Teil von 75 K." 2. Ausrechnung: „Ich habe also die 75 K 439 mal zu nehmen (multiplizieren) und dann durch 100 zu teilen (dividieren). 75 K X 439 675 K 225 „ 300 32925 K : 100 = 329 25 K.“ Methodische Anmerkung: Sobald das vorstehende, etwas umständliche Verfahren richtig erfaßt und gut geübt ist, kann man dem schriftlichen Rechnen auch die seitherige Darstellungsform 75 K X 4 39 usw. zugrundelegen. Nur muß der Schüler auch dann noch den Multiplikator 4 39 zunächst als eine ganze Zahl, nämlich als 439 betrachten und behandeln und muß sich endlich, wenn er im fertigen Multiplikationsergebnis die letzten zwei Stellen durch den Dezimalpunkt abstreicht, daran erinnern, daß dieses Abstreichen im Grunde nichts anderes ist als ein Dividieren durch hundert. Aber als wichtig, ja als unbedingt notwendig erweist sich, daß bei Inangriffnahme der Lösung der zweisortige Multiplikator (also 4 39; sprich: 4 Ganze 39 Hundertstel) stets in eine einsortige Bruchzahl (439/ioo: sprich: 439 Hundertstel) verwandelt wird. Würde man dies auch nur ein einzigesmal außeracht lassen, so ginge damit das klare Verständnis des Rechenvorganges verloren und man würde sich infolgedessen aller der Vorteile begeben, welche unser rationelles Verfahren Schülern wie Lehrern bietet; die Lösung selbst aber würde zu einem gedankenlosen Plappern und zu einem nicht minder gedankenlosen und mechanischen Anschreiben von Ziffern herabsinken. Hält man aber an den eben entwickelten zwei Unterscheidungen fest (also daß der Multiplikator als eine ganze Zahl betrachtet und behandelt werden muß und daß das Abstreichen der Stellen durch den Dezimalpunkt ein wirkliches, wahrhaftes und eigentliches Teilen oder Dividieren ist), dann darf man bei der Lösung unserer Rechenaufgaben sich ganz und gar von der bekannten allgemeinen Regel leiten lassen: Wenn der Multiplikator eine Dezimalzahl (z. B. 4 39) ist, so vermehrt (multipliziert) man wie mit einer ganzen Zahl und streicht hernach im Ergebnis so viele Ziffern ab, als der Multiplikator Dezimalstellen hat. — Diese Regel, welche seither nur gedankenlos und mechanisch gebraucht wurde, ist nämlich nur der allgemeine und völlig zutreffende Ausdruck für unser rationelles Verfahren: Zuerst vermehren, dann dividieren (d. i. stellenabstreichen). — Darum aber ist sie nun auch nichts Unverstandenes, Gedankenloses und Mechanisches mehr. — Und niemand, also weder Inspektor, noch Schulrat, noch der hochgebietende Minister für Unterricht, Erziehung und Kultus hat künftig das Recht, uns oder unseren Schülern die Anwendung jener allgemeinen, aber durch unser Eindringen in das tiefere und tiefste Verständnis durchgeistigten und veredelten Regel zu verbieten. 4. Rechenfall: 7550 K X 12 75. Sachrechenaufgabe: Das Hektoliter Wein kostet 7550 K; wie hoch kommen nun 12 75 hl zu stehen? Vollständige Lösung. I. Erfassung und Erläuterung der Aufgabe: „12 75 hl sind 127B/ioo hl (1275 hundertstel Hektoliter); wenn nun 1 hl 7550 K kostet, dann kosten 1276/ioo hl 127B/ioo mal 75 50 K, d. i. 1275 mal den hundertsten Teil von 75 50 K“. 2. Ausrechnung: „Es müssen darum die 75 50 X mit 1275 multipliziert und danach durch 100 dividiert werden. Also 75 50 K X 1275 377 50 K 5285 0 „ 15100 „ 7550 • „ 96262 50 X: 100—9626250 K — 962 63 K “. MethodischeBemerkung. Dieser vierte Rechenfall ist jedenfalls der schwierigste von allen, handelt es sich doch darum, einen Dezimalbruch mit einem Dezimalbruche zu multiplizieren. Dessenungeachtet vermögen wir (wie vorstehendes Beispiel anschaulich beweist) jede derartige Rechenaufgabe gleich den anderen auf eine ungemein leichte, verständliche und zielbewußte Weise zu lösen. Damit dürfte die eminente praktische Bedeutung und Brauchbarkeit unseres Verfahrens für alle, die Augen haben, zu sehen, und einen Verstand, um zu denken, sonnenklar dargetan sein. Ich brauchte darum dem bereits Gesagten kein Wort hinzuzufügen. Aber ich glaube, doch noch bemerken zu sollen, daß die alte mechanische Regel, wonach zwei Dezimalbrtiche miteinander multipliziert werden dadurch, daß man sie wie ganze Zahlen behandelt und dann im Ergebnis so viele Ziffern abstreicht, als die beiden Faktoren zusammen Dezimalstellen haben, durch unser Lösungsverfahren erst seine vollständige rationelle Begründung erhält und daß diese Regel darum für uns und unsere Schüler nichts Sinn- und Bedeutungsloses mehr sein kann, sondern eine durchaus vernünftige, zielbewußte, zweckmäßige methodische Anleitung, deren wir uns jederzeit und allgemein bedienen dürfen und welche wir selbst gegen den gelehrtesten Mathematikprofessor mit triftigen, klaren und überzeugenden Gründen zu verteidigen vermögen. Zum Schlüsse möchte ich noch einmal auf die Frage unserer scharfsinnigen Kollegin, Fräulein F. M. in T. zurückkommen. Nach allem, was ich in vorliegenden Darlegungen, denen jeder vorurteilslos Denkende bedingungslos und vollständig zustimmen dürfte, entwickelt habe, kann die Rechenaufgabe „9 708 X 0 95“ weder als eine reine Multiplikation noch als eine reine Division sondern nur als eine zusammengesetzte Aufgabe betrachtet und erklärt werden. Das muß auch unsern Schulkindern zum klarsten Bewußtsein gebracht werden, indem man sie zunächst auffassen und sprechen läßt „0 92 mal 9 708, d. i. 92 mal der hundertste Teil von 9 708; die Aufgabe wird also gelöst, indem man die Zahl 9 708 mit 92 multipliziert und indem man dann im Ergebnis außer den drei Dezimalstellen, welche ihr selbst zukommen (9 708), noch zwei weitere Stellen, also im ganzen fünf Stellen abstreicht, d. s. soviel als die beiden Faktoren zusammen haben.“ Wenn aber das Ergebnis, das sich zuletzt herausstellt, kleiner ist als die zu vervielfachende Zahl, so erklärt sich dies aus dem Umstande, daß nur mit 92 zu multiplizieren, dagegen durch 100 zu dividieren ist. Die experimentelle Pädagogik im Dienste des Mteilungsimterrichtes. 2. Nach bcu eingelaufenen Anfragen zu schließen scheint die neue Bewegung lebhaft in den Schulbetrieb einzugreifen. Es wäre wohl auch höchst bedauerlich, wenn die Lehrerschaft in dem Zeitpunkte, da sich ihr Gelegenheit bietet, einmal selbst die eigene Pädagogik zu schaffen, die Hände müßig in den Schoß legte und die Reformen wieder den Herren am grünen Tische oder berufsmäßigen Bücherschreibern überließe. Das war ja das Verkehrte in den letzten Jahrzehnten, daß sich auf dem Gebiete des Unterrichrswesens Persönlichkeiten breitmachten, die nicht eine einzige Stunde im Schnlbetriebe standen oder die Praxis gerade nur obenhin kannten. Sie setzten oft methodische Ware schlimmster Sorte in die Welt, verschickten fragwürdige Rezepte oder übernahmen eine Art pädagogisches Ammengeschäft. Dieses Vorkauen, Gängeln und Hätscheln zeitigte eine erschreckliche Unselbständigkeit; alle Weckrufe nach Verinnerlichung des Unterrichtes, nach bodenständiger Erziehung, nach schaffender Arbeit verhallten, weil ein Großteil der Lehrerschaft im Banne der Theoretiker stand und nach Kompendien tradierte. Das soll nun anders werden: Jede Schule, jede Klaffe wird zum Schauplatz der wissenschaftlichen Forschung und erscheint damit unwillkürlich in den Mittelpunkt der Überlegung des Einzelnen gerückt. Wer sich in den Dienst der in F. 102 und 103 der „Bl." angegebenen Untersuchungen stellt, dringt in das tiefinnerste Wesen seiner Schülerschar ein; da schießen die rechten Gedanken ganz von selbst empor. Man muß sich nur einmal von den Fesseln der Dogmen-Pädagogik losmachcn und sogleich beginnt die Arbeit eine andere zu werden. An Stundenhalter sind diese Worte allerdings nicht gerichtet. Diese Herren und Damen werden sich unter allerlei Ausflüchten und hämischen Bemerkungen in die Büsche schlagen, berührt es sie doch nicht, was in der Welt vorgeht, wie und wohin der Vildungskarren rollt. Die geistvollen, aufstrebenden Amtsgenossen jedoch, denen es klar ist, daß das, was sich die Lehrerschaft selbst zimmert, zum vornehmsten Bau werden und dem Beschauer die größte Achtung abringen kann, werden die Ferien nicht verstreichen lassen, ohne zu dem wichtigen Werke der experimentellen Untersuchung von Störungen im Abteilungsunterrichte ihren Teil beigetragen zu haben. Es brauchen ja nicht alle alles, was die Versuchsanordnung enthält, durchzuführen; jeder wähle sich das, was ihm am meisten zusagt. Etwaige Unklarheiten werden durch die Schriftleitnng ins rechte Licht gestellt. — Die Freizeit bietet reichlich Gelegenheit, die angegebenen Einzelversuche mit Muße durchzuführen. Hat Man auch nur einen Schüler zur Hand, so kann man an ihm zahlreiche Beobachtungen machen. Je nach der Unterrichtsstufe können die Beispiele verändert werden; so wird man beispielsweise einen Schüler des vierten Schuljahres statt der einfachen Addition solche mit mehrziffrigcn Zahlen versetzen, um neben dem Tempo auch die Verarbeitung zu prüfen. Ein sicheres Kalkül der nach gestörter Arbeit eintretenden Ermüdung liefert das Auswendiglernen sinnloser Silben. Man bildet solche mittelst Umklammerung eines Selbstlautes durch zwei Mitlaute z. B. ren, pin, Inch, zir. Da beim Memorieren derselben eine Gedächtnishilfe ausgeschlossen ist, so basiert die Probe auf einem gleichartigen Materiale. — Läßt man nun etwa V4 Stunde hindurch Additionen ohne Störung ausführen und hernach 7* Stunde die Silben memorieren, so wird das Ergebnis sicherlich anders sein, als wenn man in die Rechentätigkeit eine Störung eingeschaltet hat. Vorausgesetzt werden natürlich die gleichen Umstände: Zeit, Raum, Umgebung. — Ich selbst habe am Pädagogischen Institute zu München an fünf Schülern zahlreiche Versuche angestellt und daraus überaus interessante Ergebnisse gewonnen. Da ich die durch die „BI." eingeleileten Experimente in keiner Weise beeinflussen will, so werde ich die gemachten Beobachtungen erst bekanntgeben, sobald einmal die große Masse des erbetenen Untersuchungsmaterials eingelaufen ist. Es wird im Interesse der g. Leser gelegen sein, die Gestaltung des Problems alsbald vor sich zu haben; darum ergeht an alle, die mithin wollen, das Ersuchen, die Sache frischweg anzupacken, in den Ferien Einzelversuche anzustellen und zu Beginn des Schuljahres von Fall zu Fall die Klasse heranzuziehen. Man warte indes nicht, bis man die ganze Arbeit abgeschlossen hat, sondern sende umgehend alles ein, was die Untersuchung gerade geliefert hat. Da es sich um einen Zeitungsbeitrag handelt, so wird der diesbezügliche Brief als „Drucksache" behandelt; er kann daher bei Aufklebnng einer 3-Hellermarke offen abgelassen werden. Nur muß er den Vermerk „Manuskript" tragen. (Anschrift: An die Schriftleitung der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach, Krain). — P. Die Verwertung der Anschauungsbilder von Hölzel für den Sprach-und Rechenunterricht. Von Georg Punzenberger in Rosenau. Die Kinder haben bekanntlich immer eine sehr große Freude an Bildern aller Art. Sie freuen sich und jubeln, wenn ihnen der Lehrer ein Bild bietet, und zeigen offen ihr Glück, wenn sie gar ein solches geschenkt erhalten. Ob klein, ob groß, wenn sie es nur ihr eigen nennen können. Wie oft behauchen sie die sogenannten Hauchbilder, wie oft sieht man einen schmutzigen Jungen mit seiner ganzen anwendbaren Kraft der Finger reiben, um die reinen Seiten der Lese- und Rechenbücher mit Abzugbildern zu verschönern, wie oft kann man beobachten, wie ein oft später zum militärischen Drillmeister werdender Knabe mit seinen papierenen Soldaten Marschübungen auf dem Fensterbrett unternimmt, wie oft kann man einen Jungen im Kaufladen antreffen und sehen, wie er die Modellierbogen in Unordnung bringt und — aus dem Geschäfte tretend — den Bogen mit übergeistreichen Blicken betrachtend, sich schon auf dem Heimwege das Schloß, die Krippe, die Kirche, die Soldaten oder sonst etwas ausschneidet! Besondere Freude erregen auch die Bilder in den Kaffeezusatzpaketen, die oft sogar eine selbstgemachte Heftmappe zieren müssen, vom Kinde selbst hinaufgeklebt. Wie scharen sich doch die Kinder um ein Plakat, das einen großen Zirkus für die nächsten Tage ankündigt, und wie kennt doch einer die wilden Tiere und Schlangen besser als der andere 1 Daß die Kinder sich auch Sammlungen von Bildern anlegen, wird gewiß schon jeder beobachtet haben. Sie ordnen und legen der Größe nach, sie legen die grellere Farben zeigenden Bilder abseits von den mit blassen Farben gegebenen und verwahren alle in einer Schachtel, die ihnen nicht jedermann aufmachen darf. Die Buben zeigen oft mehr Vorliebe für wilde Tiere, Soldaten, Reiter, die Mädchen eine solche für schöngemalte Blumen und Muster. Dies Gesagte trifft zwar erst bei schon die Schule besuchenden Kindern zu, doch wissen wir auch ganz bestimmt, daß die Tränen der verzagten Anfänger gar oft durch ein schönes Bild gar bald gestillt werden können. Den im Kinde schlummernden Keim der Liebe und Freude an Bildern muß der Anschauungsunterricht, soweit es eben möglich ist, zur Entfaltung zu bringen trachten. Der Anschauungsunterricht, im I. Schuljahre legt auch den Grund zur genaueren Behandlung und zum Verständnis der Anschauungsbilder von Hölzel nämlich dadurch, daß derselbe nur einzelne Objekte behandelt, die auf den Bildern von Hölzel, verkleinert, zusammengedrängt und oft schwer sichtbar, vielweniger besprechbar sind. Nun zur Besprechung der Bilder! Ich beginne meine Besprechung und teile mit, daß ich das 2. und 3. Schuljahr 1. Klasse einer zweiklassigen Volksschule vor Augen habe. Die Kinder nehmen den Übergang vom Winter zum Frühlinge draußen wahr, oft früher, meistens später als der Beginn des Frühlings im Kalender angesetzt ist. Ich würde daher das Bild vom Frühlinge auch nicht schon am 21. März an die Wand hängen und, wenn oft sogar noch Schnee die Bäume drückt und kalte Winde uns nicht aus dem Zimmer lassen, von blühenden Bäumen und linden Lüftchen sprechen. Lieber warten, bis Natur und Bild übereinstimmen, so daß das Kind wirklich sieht, daß wir den Frühling auch im Zimmer haben. Wenn die Fenster offen sind, dann bekommen die Kinder eher einen Begriff vom Frühlinge, als wenn es im Ofen noch kracht und die Fenstertafeln dunst-rauschig sind. Was liegt denn dran, wenn das Bild erst im Mai aufgehängt wird, in manchen Gegenden ist ja auch der Mai nichts weniger als ein Wonnemonat. „Alles zu seiner Zeit“ ist doch auch ein erprobtes Pädagogenwort. Die Verwertung des Frühlingsbildes für den Sprachunterricht. a) Sprechübungen: Die Kinder erkennen zuerst das zu behandelnde Bild als ein Bild des Frühlings der ersten oder frühesten wohl auch jüngsten Zeit des Jahres. Alle auf dem Bilde dargestellten Gruppen zeigen Jugend und Freude. Als erste Sprechübung betrachte ich das Spiel der Kinder. Die Lust, die sie zeigen, und das Hüpfen kann von vier Kindern nachgemacht werden. Wir sprechen dann von ihrer leichten freien Kleidung, von den Blumengewinden auf den Köpfen, wohl auch von den Liedern, die sie bei ihrem Reigen singen. Nun läßt sich sprechen von den jungen Enten, von den jungen Blüten am Baume, den jungen Röslein am Strauche, den jungen Blumen auf der Wiese, den jungen Blüten am Blumenstöcke, den jungen Weidenkätzchen, den jungen Vöglein im Neste, den jungen Bienchen im Stocke, selbst die jungen Schädlinge, die Raupen, werden von den Kindern bemerkt. Der junge Wanderer und das junge Mädchen auf der Brücke, die freudige Lerche und der arbeitende Bauer geben Stoff genug zum Sprechen. An die Sprechübungen gliedern sich die Sprachübungen. Die II. Abteilung kann zuerst die Namen der auf dem Bilde sichtbaren und besprochenen Dinge aufschreiben, sie kann die Farben der Kleider, Blumen, Blüten und der Wiese angeben, sie zuerst allein schreiben und dann kurze Sätze bilden, in denen die Farbnamen aussagend und beifügend gebraucht sind. Eine gute Übung ist es auch, wenn die Kinder angeben, daß auf dem Bilde mehr Kinder, Blumen, Blüten, Enten, Hühner, Bienen, mehr Schwalben, mehr Raupen sind, ohne den Begriff „Mehrzahl“ kennen zu müssen. Die Kinder werden niederschreiben, daß die Enten schwimmen, tauchen, daß die Lerche fliegt, die Kinder spielen, der Bauer ackert, die Bäuerin gräbt, die Großmutter sitzt, das Mädchen füttert, die Magd kocht, daß es schwimmende und tauchende Enten, fliegende Lerchen und Bienen, spielende Kinder, einen ackernden Bauer, eine grabende Bäuerin, eine sitzende Großmutter, ein fütterndes Mädchen, eine kochende Magd und noch vieles andere gibt. Eine gute sprachliche Übung ist auch die Verbindung von Ähnlichkeiten nämlich: Hennen und Enten, Schwalben und Lerchen, Stare und Störche, Hunde und Schafe, Blumen und Blüten, Berge und Wälder, Wiesen und Felder usf. Nun können die Kinder jedes nach seiner Art unzusammenhängende Sätze bilden. Dann leitet man sie an, die Sätze zu ordnen nach den auf dem Bilde angeführten Gruppen. Die Kinder sagen und schreiben zusammenhängende Sätze über die spielenden Kinder, den blühenden Baum, über die Schwalben, Störche, Stare, Enten, Hühner, über den arbeitenden Bauer, über den Hund, das Schaf, über die Bienen usf. Erlaubt es die Zeit, so können kleine Diktate die sprachlichen Begriffe festigen helfen. Diese Diktate können nur Wort- oder auch kurze Satzdiktate sein. Jetzt erinnere ich die Kinder an bereits bekannte Frühlingslesestücke und Lieder und nehme nach Möglichkeit neue durch. Eine Wegnahme des Bildes für kurze Zeit und eine Wiederholung des Gelernten ohne dasselbe kann als Gedächtnisprobe vorgenommen werden. Soweit die Übungen für Sprache. Nun kann aber auch der Rechenunterricht mit diesem Bilde recht anregend betrieben werden und festigt dieser die gewonnene Beschauung des Bildes in großem Maße. Rechenbeispiele könnten folgende gewonnen werden: Wieviel sind 4 alte und 9 junge Enten, 1 Hahn und 3 Hennen, 13 Enten und 4 Hühner, 4 Hühner und 3 Spatzen, 13 Enten und 3 Spatzen, 13 Enten, 4 Hühner und 3 Spatzen, 4 Schwalben und 1 Star 4 Schwalben und 1 Lerche, 4 Schwalben und 2 Störche, Es kann zusammengezählt werden das Alter der spielenden Kinder, das Alter des Bauern und der Bäuerin, der Großmutter und des Enkelkindes. Wieviel Stunden geht der Wanderer, wenn er heute 8 und morgen 9 Stunden wandert? Der Rosenstrauch ist 1 m hoch, der Kirschbaum 9 m; um wieviel ist der Kirschbaum höher? Im kleinen Raupennest sind 40 im großen 60 Raupen; wieviel zusammen? Die Ente frißt am Vormittag 36 Würmer, am Nachmittag 40 Würmer; wieviel zusammen? Wieviel junge Schwalben, Stare und Störche sind in den Nestern? Die Preise des Hundes, Schafes, der Schaufel und der Baumschere können zusammengezählt werden. Der Wert der 4 Bienenstöcke kann berechnet werden. Welchen Wert hat der Bienenstand des Landwirtes noch, wenn ihm im Winter 1, 2, 3 Stöcke von den 4 Stöcken zugrunde gegangen sind? usw. Also auch für den Rechenunterricht geben die Bilder anschaulichen Stoff. Natürlich wird der eine oder andere Kollege noch nach anderen Beispielen suchen und sie auch finden. (Fortsetzung folgt.) Schulhumor. 100. Geschäftsgeheimnis. (Anschauungsunterricht.) Der Lehrer bespricht die Nahrungsmittel und sucht zu ergründen, welcher Art der Stoff ist, der die Füllung einer Wursthaut bildet. Niemand hat eine Ahnung. — Lehrer: „Karl (der Sohn eines Fleischhauers), du mußt es doch wissen, woraus die Würste hergestellt werden 1“ — Karl: „Ja, dös därf i ober neat sog’n, sonst haut mi da Vota.“ Eingesendet von A. Beer in Krzellowitz. Wonatrüstung.' August. 1. Monatsbilder aus den Aussatzheften der Schiller. (F. 55, Jahrg. 1908, S. 691.) 2. Der Schulgarten im August. (F. 55, Jahrg. 1908, S. 693.) 3. Ferienarbeit. (F. 67, Jahrg. 1909, S. 1033.) 4. Lehrstoffverteilung im Sinne der Konzentration für die einklasffge Volksschule. (F. 67, Jahrg. 1909, S. 1038 und 1039.) 5. Bauernregeln als Diktatstoffe. (F. 68, Jahrg. 1909, S. 1067.) 6. Der Lehrer als Bienenzüchter. (F. 68, Jahrg. 1909, S. 1081.) 7. Die Lehrstoffverteilung für den Realienunterricht an einkl. Volksschulen. (F. 78, Jg. 1910, S. 1381.) 8. Eine kleine Ferienarbeit für den Lehrer. (F. 79, Jahrg. 1910, S. 1421.) 9. Des Lehrers Takt und Schliff auf der Ferienreise. (F. 90, Jahrg. 1911, S. 1743.) 10. Rüstung. (F. 92, Jahrg. 1911, S. 1784.) 11. Die Monatrüstung für den August in F. 92, Jahrg. 1911, S. 1791 lautet: Worvcmcrkung: Die Freizeit ist eine Zeit der Rast, aber auch eine Zeit der Rüstung für das neue Schuljahr. Gleichwie der Landmann beim Nahen des Frühlings sein Ackergerät besieht und verbessert, so muß der rechte Lehrer im zweiten Teile der Ferien daran denken, für den nahenden Beginn eines neuen Arbeitsjahres alles zu beschaffen und zu regeln, wie es die besonderen Umstände erheischen. Wir wandern durch den Stoff der „Bl." und holen alles hervor, was sich bewährt hat und daher empfohlen wurde. 1. Soll der Halbtagsunterricht eingeführt werden? (Auszug 1904—1906, S. 33 bis 53.) 2. Ist im neuen Schuljahr wenigstens einige Zeit hindurch der ungeteilte Vormittagsunterricht in Anwendung zu brkngen? Welche Vorteile würde er meiner Schule bieten? (Auszug 1904—1906, S. 53 bis 65.) 3. Wie soll ich mir die Lehrstoffverteilung für 1911/12 zurechtlegen? (S. 75 bis 87. — S. 91 bis 94. - S. 97. — S. 106. — S. 122. — Auszug 1907, 4. Aufl., S. 3 bis 7. — S. 12 bis 16. — Jahrg. 1908, S. 567, 570, 599, 626, 649, 676, 729, 754, 723. — Jahrg. 1909, S. 892, 990, 1038, 1199. — Jahrg. 1910, S. 1230, 1381.) 4. Aus welche Art mache ich der Lernmittelmisere ein Ende? (Auszug 1904—1906, S. 114.) 5. Wie schmücke ich mein Schulhaus? (Auszug 1904—1906, S. 115. — S. 157 bis 161.) 6. Welche Wohlfahrtseinrichtungeu für die Schule könnten angeregt werden? Wie? Mit welchen Mitteln? (Auszug 1904—1906, S. 142. — Auszug 1907, 4. Aufl., S. 76.) 7. Sollen die Anfänger im Herbste oder im Jrühlinge eintreten. (Auszug 1907, S. 23 bis 25. — Jahrg. 1908, S. 548, 572, 600, 628, 650, 678, 700, 731, 756, 828. — Jahrg. 1909, S. 860, 990.) 8. Was beeinträchtigte bisher den Fortschritt im Unterrichte, wie werde ich es beseitigen? (Auszug 1907, S. 33. — Jahrg. 1908, S. 542, 588, 562, 770. — Jahrg. 1909, S. 882.) 9. Womit habe ich mich im allgemeinen für das neue Schuljahr zu rüsten? (Jahrg. 1908, S. 741. — Jahrg. 1909, S. 1097. — Jahrg. 1910, S. 1457. — Die Schriften „Talaufwärts von Schule zu Schule" und „Kreuz und quer von Schule zu Schule.) 10. Auf welche Art werde ich den Unterricht bodenständig gestalten? (Jahrg. 1908, S. 587, 621, 640, 663, 670, 692, 718, 749, 771, 797. — Jahrg. 1909, S. 880, 930, 943, 978, 927, 1200. — Jahrg. 1910, S. 1232, 1445. — Jahrg. 19il, S. 1583. — Die Broschüre „Der heimatkundliche Unterricht im Dienste der Volkswohlfahrt".) 11. Was ist von den Schulreformen zu halten? (Jahrg. 1908, S. 589. — Jahrg. 1910, S. 1459, 1467. — Jahrg. 1911, S. 1693.) 12. Welchen Lehrgang werde ich im heimatkundlichen Unterrichte einschlagen? (Jahrg. 1908, S. 795, 819. — Jahrg. 1909, S. 880, 943, 889, 1196. - Jahrg. 1910, S. 1228, 1415. — Broschüre: „Der heimatkundliche Unterricht im Dienste der Volkswohlfahrt".) 13. Was wird den Rechenunterricht fördern? (Jahrg. 1908, S. 538, 796. — Jahrg. 1909, S. 869, 1011, 1115, 1135, 1211. — Jahrg. 1910, S. 1351, 1422, 1423, 1462. — Sammlung: 230 prakt. Rechenaufgaben, wie sie das Leben bietet und das Leben braucht.) 14. Wie werde ich im Gesänge vergehen? (Jahrg. 1908, S. 688,639, 680, 733, 777, 625, 648. — Jahrg. 1909, S. 861, 895, 932, 961, 991, 1020, 1054, 1083, 1184, 1212. — Jahrg. 1910, S. 1357, 1407.) 15. Was ist während des Monates August im Schulgarten zu verrichten? (Jahrg. 1908, S. 693.) 16. Wie richte ich mir einen Bienenstand ein? (Jahrg. 1909, S. 847, 858, 884, 928, 947, 994, 1052, 1081.) 17. Wie könnte die Errichtung einer Fortbildungsschule bewerkstelligt werden? (Jahrg. 1909, S. 1009, 1105. — Jahrg. 1910, S. 1373, 1399, 1431, 1455, 1509, 1542, 1575. — Jahrg. 1911, S. 1596, 1631, 1658, 1689.), 18. Was wäre hinsichtlich der Schulhygiene vorzuberciten? (Jahrg. 1909, S. 1035. — Jahrg. 1910, S. 1415.) 12. Stundenplan für die ungeteilte einklassige Volksschule mit Ganztagsunterricht. (F. 92, Jahrg. 1911, S. 1796.) 13. Winke für die Verfassung des Lehrplanes mit Bezug aus den bodenständigen Unterricht. (F. 92, Jahrg. 1911, S. 1797.) 14. Die Blumenpflege im August. (F. 92, Jahrg. 1911, S. 1810.) 1 Die alten Jahrgänge können durch die „Verwaltung der Blätter für den Abteilungsunterricht in Laibach" bezogen werden. Die Reform des Rechenunterrichtes. 8. Über die Psychologie des Elementarrechnens. Franz Wiesner, Fachlehrer. Seit einer Reihe von Jahren wird über das elementare Rechnen geschrieben, gesprochen, debattiert; immer wieder bemüht man sich, den psychologischen Schlüssel zu dieser Disziplin zu finden. In F. 96 dieses Blattes erschien ein Aufsatz; ihm folgte eine Entgegnung; ihr sollen weitere folgen; jeder Aufsatz soll Aufnahme finden; also darf auch ich mich melden. Der alte Erfahrungssatz: „Unterrichte anschaulich!“, hat alle Gebiete des Unterrichtes derart durchdrungen, daß man ihn selbst in einer solchen Disziplin anwandte, wo dies eigentlich nicht mehr möglich ist, — im Rechnen. Der Anschauungsunterricht hat den Zweck, von einem Dinge, einer Reihe, Gruppe usw. von Dingen klare Vorstellungen zu erwecken; zu diesem Zwecke wird der Gegenstand gezeigt, besprochen, die einzelnen Vorstellungen werden dann vereinigt, man erhält von dem Gegenstände einen Begriff, welcher aus der Zusammenfassung aller (wesentlich hiezu notwendigen) Merkmale besteht. Diese Zusammenfassung in sprachlichem Ausdrucke gibt im allgemeinen die Beschreibung. Nehmen wir nun den Rechenunterricht I Dieser handelt von Zahlen. Was ist eine Zahl? „1“ ist beispielsweise die Bezeichnung für ein einzelnes Ding, „2“ bezeichnet dieses Ding gleicher Art noch einmal und so fort bis zur höchsten Zahl hinauf. Diese Einheiten als einzelnes Ding können wir uns getrennt denken. Z. B. Äpfel. 1 Apfel kann man sich ganz gut vorstellen, 2 nebeneinander auch, 3, 4, 5 geht auch noch ganz gut, 6? jetzt beginnt die Schwierigkeit, bis man endlich dazu kommt, sich eine größere Menge z. B. 12, 20, 30 usw. überhaupt nicht mehr als Einzeldinge, getrennt vorstellen zu können. Dieses Moment leitet uns auf die richtigen Bahnen. „1“ ist der Grundbegriff alles Rechnens, am Objekte sichtbar ausgedrückt; „2“ ist eine neue Welt. 1 + 1=2 hiebei hat das Kind eine geistige Arbeit zu leisten, die viel größer ist, als man, oberflächlich geschlossen, meint, a) den Urbegriff, b) +, als Hinzufügen, Vermehren usw. c) dann den hinzufügenden Summanden erfassen, erkennen, sodann dieses Hinzufügen (Addieren) zu vollziehen, d) „=“ d. h. ist ebensoviel, macht so viel aus: etwas für die Kinderseele anfangs Unfaßbares, wie ich noch erklären werde, e) Die beiden vorhandenen Mengen 1 + 1 in einen neuen Begriff kleiden, nämlich „2“, der eigentlich in der Anschauung nicht mehr existiert. Hieraus geht hervor, daß alle Zahlen von zwei aufwärts einerseits eine Menge darstellen, den Mengebegriff; sodann den reinen Zahlenbegriff. Z. B. Es liegen 5 Würfel nebeneinander, sie sind Einzeldinge; wenn ich aber zu zählen beginne, so werden diese einzelnen Dinge in einen logischen Zusammenhang gebracht, jede Menge 2, 3, 4, 5 bildet eine Menge für sich, dann eine Teilmenge von 5. Höre ich auf zu zählen, so habe ich eine Gesamtmenge, nämlich 5 (Mengebegriff), sodann die Bezeichnung als Abschluß des Zählens, gleichsam den Endbegriff des Zählens, die 5 als Kollektivbegriff, den abstrahierten Begriff, den Zahlbegriff. — Die Kinder der Elementarklasse arbeiten anfangs nur mit dem Mengebegriff. 3 + 2 ist ihnen nur denkbar als 3 + 2 Dinge, die man ihnen gezeigt hat, an denen man ihnen die Operation erklärte; davon kann sich jeder Lehrer in seiner Klasse sofort überzeugen. Nunmehr kämen wir zum größten Geheimnis der Kinderseele. Wie ich bereits erklärte, kann man sich den Mengebegriff größer Zahlen nicht mehr vorstellen, das Bewußtsein der Einzeldinge geht verloren. Mit dem, was seelisch nicht möglich ist, kann man füglich auch nicht operieren. In der Kinderseele geht nun jener eigentümliche Vorgang vor sich, den man Abstrahieren nennt, d. i. der Übergang, die Ersetzung des Mengebegriffes durch den reinen Zahlenbegriff. Wenn der Lehrer nun immer wieder die Menge vorführt, namentlich für solche Zahlen, wo die Einzelvorstellung psychisch unmöglich ist, also etwa über 7 hinaus, dann plagt er sich im Schweiße seines Angesichtes redlich ab, seine Erfolge im Rechnen illusorisch zu machen. Geht der Lehrer vom mündlichen Rechnen zum Ziffernrechnen über, so erstehen ihm neue Schwierigkeiten. Der Schüler muß vom Mengebegriffe unbedingt zum Zahlbegriffe schreiten. Die Ziffer ist ein willkürliches Zeichen, unter welchem sich der Schüler eine Menge, und zwar eine genau bestimmte Menge gleicher Dinge zu denken hat. Mit diesem Zeichen, dem sichtbaren Ausdruck der Zahl, soll nun das Kind operieren. Wenn dies mit Bewußtsein und mit Fertigkeit geschehen soll, dann muß der Mengebegriff nach und nach verdunkelt werden, daß z. B. 10 aus 10 Einheiten besteht, bleibt aus dem Fortsetzen der Reihe, aus dem Zählen, im Bewußtsein haften; dies allein genügt. Wie aber wird dieser höchst wichtige und notwendige Übergang in der Kinderseele hergestellt? Dies geschieht entweder durch die fortwährende Übung, so daß das Gehör vielfach mitwirkt, welcher Vorgang beim Auswendiglernen des Einmaleins besonders hervortritt, oder es geschieht durch planmäßiges Eingreifen des Lehrers, indem dieser dem Schüler zeigt, daß 111 als Menge durch 3 als Ziffer usw. jede Zahlenmenge identisch dargestellt wird. Die Ziffer ist das eigentliche Bild der Menge. Beim Rechnen kann es also keinen Anschauungsunterricht geben, höchstens einen Versinnlichungsprozeß, durch das Vorführen der Menge, sodann den eben angedeuteten Vorgang der Abstraktion, den Übergang zum reinen Zahlenbegriffe. Es dürfte sich nun empfehlen, diesen Vorgang an einem konkreten Lehrgänge 1 zu zeigen; wie sich die Sache praktisch abwickelt, hiezu stellen wir einige Leitsätze auf. 1. Zählen bis 3, sodann Unterscheiden der Mengebegriffe 2, 3; am besten an der linken Hand. 2. Zählen bis 5, Unterscheiden der Mengebegriffe 2, 3, 4, 5. 3. Das -j- als Zeichen des Hinzufügens. Mündliches Addieren. 4. Mehr und weniger, als selbständiger Begriff — Menge; sodann als Ergebnis der vorgenommenen Operation. 5. Mündliches Subtrahieren bis 5. 6. Vorübungen für das schriftliche Rechnen. Hier muß der Lehrer vor allem darauf sehen, daß der Schüler das Verhältnis zwischen Ziffer und Zahl erfasse, daß er die Menge und das Wort, — die Zahl — genau als identischen Begriff erkennt und damit operiert (das Abstrahieren). 7. Das Rechnen bis 5, als selbständige Übung. Hier tritt der Schüler bereits selbsttätig auf; er soll ein angeschriebenes Beispiel allein lösen (Begriffsrechnen § 18). Hat der Lehrer 'besonders den unter Punkt 6 angedeuteten Vorgang gewissenhaft befolgt, dann treffen die Schüler das Addieren und Subtrahieren tadellos. Von 6 an empfiehlt es sich, Zahl für Zahl vorzugehen, da die Anzahl der Operationen immer größer wird (stets um 1 weniger als die Zahl selbst, z. B. 6 — 5 Operationen. 1 5, 2 —(— 4, 3 —j- 3, 4 —f- 3, 5 —j- 1. 8. Das Ergänzen: 3 -j- . — 5 usw. 9. Subtrahieren, analog dem Ergänzen z. B. 5 — . — 2, 8 — . — 3 usw. Diese Ergänzung des Subtrahenden muß genau erklärt und an konkreten Fällen erörtert werden, sonst hinkt der Schüler selbst in den höheren Klassen noch (Begriffsrechnen § 21). Über zehn hinaus ist es eine direkte Behinderung der Erfolge, wollte man sich noch um Mengebegriffe bemühen, Zahlenbilder, Gegenstände usw. heranziehen, da sich die Einzeldinge, wie jeder an sich selbst erproben kann, nicht mehr vorstellen lassen. Zum Glück nämlich 1 Lehrer, die das tun, werden zu ihrem eigenen Leidwesen wahrnehmen, daß die Schüler sich mit Hinzumalen oder Ablöschen von Strichlein helfen, ein unfehlbares Zeichen, daß der Lehrer auf dem Holzwege ist. Hier bemühe sich der Lehrer mehr um die Ziffer, das Zifferbild, die Bedeutung der 10 fürs Leben, sodann für Rechnen selbst „1 Zehner — 10 Einer“. Über zehn läßt sich die Zahlenreihe sehr sinnig aufbauen; der Lehrer male sich auf ein Pappendeckeltäfelchen einen roten Zehner, daneben eine schwarze Null. Auf diese Null kann er die Ziffern 1—9 legen oder dann eine nach der ändern wegnehmen. Diesen Vorgang kann er mit der russischen Rechenmaschine verbinden und Addition und Subtraktion erhalten eine wertvolle Unterlage. 1 Wer sich hiefür interessiert und seine Rechenstunden erfolgreich gestalten will, der lasse sich das Werk „Begriffsrechnen“ kommen; es wird durch die Buchhandlung Bek, Pressnitz, Böhmen, jedermann auf 8 Tage ohne Kaufzwang zur Ansicht zugesendet. Eine Korrespondenzkarte genügt. Bisher mühte sich der Lehrer, dem Zahlenbilderkultus gerecht zu werden, statt den von der Natur aus gezeigten Weg zu wandeln. Die alten Ägypter hatten 10 Stäbchen; damit bauten sie sinnreich die höchsten Zahlen auf, berechneten die Schwerkraft usw. Der Eingang zum Pyramideninnern hat genau die Schiefe eines Winkels, der der nördlichen Breiten aufs Haar gleichkommt. Die Römer verwendeten zumeist eigens verfertigte Steinchen, die Gallier rechneten an der Hand; 1 immer aber gelangten die alten Völker zum ersehnten Ziele. Die moderne Schule klagt über Mißerfolge, klagt immer wieder, ohne zu bedenken, daß diese Klage mehr als in jedem anderen Gegenstände von der Beobachtung jener Seelengesetze abhängt, die wir in den vorangehenden Zeilen in allerdings nur ganz allgemeiner Weise besprochen haben. Nicht die große, philosophische Erörterung, nicht eine längst überlebte Reflexion, nicht die langatmigste Ausführung kann hier Wandel schaffen, sondern bloß die innige Bekanntmachung mit der Psychologie auf empirischer Grundlage, speziell jener Materie, welche Akzidenz, Inhärenz ausmacht, speziell jener Gesetze, welche dem Geiste des Menschen jenes so einfache und dennoch so wunderbare Reich der Zahl erschließen, von der einfachsten Addition bis zum Integral und Differential. Das trienschenherz. Du, Menschenherz bist eine Harfe. In dir ruh’n träumend Lust und Pein. Die Pein, die harte, donnerscharfe, Die Lust mit ihrem Sonnenschein. Und weißt du, wer so ganz im stillen Der Harfe ihre Töne lieh? Es ist dein Gott! Nach seinem Willen Klingst du in hehrer Melodie. Jos. Patzelt. Bus dem Cehreralbum. 50. Lehrer H. zieht alljährlich mit Kind und Kegel „aufs Land"; dort heißt er Professor und seine „Gnädige" spielt in den Kreisen der Potentaten des Städtchens eine gar gewichtige Rolle. Den Oberlehrer und den Lehrer des Ortes kennt die Familie H. nicht; find doch zu mindere Leute für solche Größen. Lehrer M., der Stadtkvllege des H., wandert auch ins idyllische Nest. Sein erster Besuch gilt den Kollegen und, wenn man nach der Frau des Biedern fragt, heißt es: „Sie ist im Garten des Oberlehrers." Dort hat sich die Lehrerschaft des Ortes zum Abendplauderstündchen eingefunden. ______________ Lesefrüchte. Eingesendet von der Fachlehrerin J. Cernivec, Wien. 5.) Ein kleines Lied! Wie geht’s nur an, Daß man so lieb es haben kann, Was liegt darin? — Erzähle! Es liegt darin ein wenig Klang, Ein wenig Wohllaut und Gesang Und eine ganze Seele. Marie Ebner v. Eschenbach. 6.) Zwei Dinge lern’ geduldig tragen: Dein eigen Leid — der Ändern Klagen. Marie Ebner v. Eschenbach. 7.) Der Mensch soll treten in die Welt, Als wäre sie sein Haus; Man geht nicht in die Schlacht als Held, Man kommt als Held heraus. Hebbel. 1 Die Rechnungsweise 60 + 10 (svixante dix = 70; quatre vingt — 80) hängt mit dem Zehent und dem Alladialzins zusammen; ähnlich unser Mandel — 15 Stück z. B. Garben. Von 120 Garben entfielen 20 für Adel und Geistlichkeit; 120 Stück — 2 Schock. Der Zehent wurde also nach dem Schock berechnet. * Ratschläge für die Äblegung der Gymnasial-Matura. i. In letzter Zeit haben sich die Ausrngen, betreffend die Vorbereitung zur Reifeprüfung an Gymnasien, aus dem Kreise der „Bl."-Leser derart gehäuft, daß ich mich veranlaßt sehe, den diesbezüglichen Abschnitt hiemit zu eröffnen. Es ist ein überaus erfreuliches Zeichen, daß die vsterr. Lehrerschaft trotz der mißlichen Umstände verschiedenster Art die Begeisterung ausbringt, der Hochschule zuzustreben und dabei das mühsame Studium der Gymnasial-Matura mit in Kauf zu nehmen. Freilich sollte es zumal dann, wenn sich der Kandidat mit dem Bürgerschulzeugnisse ausweisen kann, der Punzierung nicht bedürfen, denn es ist mehr als wahrscheinlich, daß er den 18jährigen Jüngling der Mittelschule au „Reife" überbietet und an der Hochschule wacker Schritt hält. Ja, die Professoren der reichsdeutschen Universitäten haben wiederholt darauf verwiesen, daß die Studierenden vom Lehrerseminar den Mittelschulabsolventen zumeist weit überlegen sind. Aber da es nun einmal in Österreich keinen Pardon gibt und die Form durch die Ablegung des Mittelschulabituriums erfüllt werden muß, so soll dem Strebsamen der kürzeste Weg über diesen Berg gewiesen werden. Zuvörderst möge jeder, der das große Werk in Angriff nimmt, mit sich zurategehen, ob sich ihm nach Ablegung der Prüfung die Gelegenheit zum Besuche der Hochschule bietet, ob der physische und psychische Zustand die Kraftleistuug erlaubt, ob nicht nähere Ziele wegen des Auslugens nach der Ferne übersehen werden. Man muß im voraus das eine beachten: Geschenkt wird uns nichts. Die Mittelschule ist auf ihre Spezifica zusehr erpicht, als daß sie ein Auge zudrückle; die neue Prüfungsordnung, die lediglich auf die Reife lossteuert, hat in den Forderungen, die das positive Wissen betreffen, nichts geändert. Also müssen soundsoviel tausend lateinische und griechische Vokabeln gelernt und hundert Regeln nngeeiguet werden. Wenn man dazu die Mathematik, Physik und all die übrigen Gegenstände schlägt und ermißt, daß sie sich stofflich im Rahmen der Bürgerschullehrerprüsuug bewegen, so geht einen das Gruseln an. Und doch sollte der, der Kraft und Frische in sich fühlt, nicht verzagen; bei rationeller Einteilung läßt sich in zwei Jahren das „aenügeud"-Niveau erreichen. — Nun zum Einzelnen I Die eingelaufenen Zuschriften enthalten folgende Fragen: 1.) Kann man die Prüfung in Etappen ablegen? Nein 1 Es gibt wohl eine sogenannte Vorprüfung; sie bedeutet jedoch keine Erleichterung, weil zwischen ihr und dem eigentlichen Examen günstigenfalls nur Wochen liegen können. Diese Vorprüfung bezieht sich auf Religion, Propädeutik, Naturgeschichte, Deutsch-Latein und Mathematik (schriftlich). Wer sie nicht besteht, ist von der Fortsetzung ausgeschlossen. (Näheres darüber später!) 2.) Wird man aufgrund des Volksschulzeugnisses von der Prüfung in einigen Fächern befreit? Nein! Nur die Befähigung für Religion wird anerkannt. Aber auch hiesür ist ein Ministerialgesuch einzubringen. Wer die Bürgerschullehrerprüfung für die 2. Fachgruppe mit Erfolg abgelegt hat, kann von der Naturgeschichte und Physik dispensiert werden; die 1. Fachgruppe beschränkt den Stoff der Geographie und der Geschichte auf die Vaterlandskunde. Da aber auf die V. großes Gewicht gelegt wird, so ist das Bencficium gering. Die Unterrichtssprache wird unter keinen Umständen uachgesehen, ebenso die mündliche Prüfung aus der Mathematik und der Philosophischen Propädeutik. 3.) Kann man statt des Griechischen eine lebende Sprache wählen? Ja, wenn dieselbe an dem Gymnasium als obligater Gegenstand eingeführt ist. (Refvrmgymnasium l) 4.) Ist die Wahl des Gymnasiums dem Kandidaten überlassen? Nein! Der k. k. Landesschulrat, an den man Ende April das Gesuch um die Zulassung zur Prüfung (Näheres darüber wird folgen) einreicht, bestimmt die Anstalt und den Prüjungstermin. Allfällige Wünsche werden je nach der Stichhältigkeit des Grundes berücksichtigt. — 5.) Inwieweit werden die an der Universität zugebrachten außerordentlichen Semester eingerechnet? Die Zahl der ordentlichen Semester muß überwiegeu. Das ist die Regel. Tritt jedoch die Fakultät für den Kandidaten ein und zeigt seine Dissertation ein großes Maß von Kenntnissen und wissenschaftlicher Reife, so können auch vier a. v. Semester Geltung haben. Aus jeden Fall trachte man, vor der Ablegung der Moturn möglichst viel Semester aufzuweisen. — 6.) Welche Erleichterungen können Lehrern gewährt werden? Keine! — Zu den einzelnen Gegenständen, insbesondere zu den alten Sprachen werde ich nächstens einmal Stellung nehmen. Auf jeden Fall bin ich gerne bereit, weitere Anfragen zu beantworten. — P. 2206 Auskünfte, betreffend die Herstellung von Reliefkarten.1 Von Julius Rosa, Oberlehrer, Steine (Nord-Mähren.) 1. Nach Mitteregger (Lehrbuch der Chemie ftir Oberrealschulen) werden folgende Bleiweißsorten in den Handel gebracht: Kremserweiß, Venetianerweiß, Hamburgerweiß und Holländerweiß. Kremserweiß ist reines Bleiweiß. Die übrigen Sorten enthalten Beimengungen von Schwerspat. Ich nahm zur Herstellung meines Reliefs reines Bleiweiß. 2. Die Menge des Bleiweißkittes, die man zur Anfertigung eines Reliefs von 1 m Durchmesser benötigt, ist je nach dem darzustellenden Terrain sehr verschieden. Wer eine Alpengegend darstellen will, wird vielleicht 3 bis 4 mal so viel Masse brauchen, als zu meinem in den „Bl.“ S. 1519 abgebildeten Relief erforderlich war. Es ist übrigens auch gar nicht notwendig, im voraus zu wissen, welches Quantum der plastischen Masse zur Herstellung eines Reliefs notwendig ist, da man ohnehin nicht das ganze Quantum auf einmal bereiten darf, weil ein großer Teil desselben vor der Verwertung durch Eintrocknen unbrauchbar werden würde. Man bereite den Kitt in kleinen Portionen und nehme zu jeder Portion etwa Ye kg Bleiweiß. 3. ln welchem Verhältnisse Bleiweiß und Firnis zu mischen sind, habe ich niemals mittelst der Wage festgestellt. Man gieße zu Bleiweiß wiederholt kleine Mengen von Firnis, knete und hämmere das Gemenge nach jedem Firniszusatze und setze dieses Verfahren so lange fort, bis man einen gut knetbaren, aber derben Teig erhalten hat. 4. Als Unterlage des zu hämmernden Gemenges von Bleiweiß und Firnis dient ein Brett. Besitzt dasselbe Randleisten und sind die Ritze zwischen Brett und Leisten mit Kitt ausgestrichen, so beugt man dem Abfließen des dem Bleiweiß zugesetzten Firnisses vor. 5. Die Höhenlinien der Spezialkarte sind Verbindungslinien von Kartenpunkten, welche Landschaftspunkten gleicher absoluter Höhe entsprechen. Ist die Maßzahl der absoluten Höhe solcher Landschaftspunkte durch 20 ohne Rest teilbar, so spreche ich die Verbindungslinie der homologen Kartenpunkte als „Zwanzigerlinie“ an; ist die Maßzahl der absoluten Höhe der Landschaftspunkte nicht durch 20, wohl aber durch 10 ohne Rest teilbar, so nenne ich die Verbindungslinie der betreffenden Kartenpunkte eine „Zehnerlinie“. Die Zehnerlinien sind auf der Spezialkarte im Maßstabe 1 : 25.000 nur stellenweise (bloß in den Darstellungen des flachen Terrains) ein gezeichnet; deshalb kann man keine ihnen entsprechenden (vollständigen) Höhenschichten ausschneiden. Es wäre aber gefehlt, die Zehnerlinien unbeachtet zu lassen, weil ja auch sie (gleich jedem Abschnitte einer Zwanzigerkurve) Höhenpunkte angeben, die beim Modellieren unbedingt berücksichtigt werden müssen. Ich beschlage die den einzelnen Schichten aufgezeichneten Zehnerkurven mit entköpften Drahtstiften und trage den Kitt in der Gegend der Stifte so hoch auf, daß die oberen Enden derselben in die Oberfläche des Reliefs fallen. 6. Die Spezialkarte im Maßstabe 1 : 25.000 ist nicht im Handel; doch werden aut Verlangen einzelne Sektionen dieser Karte (als photographische Kopien der Original-Aufnahms-Sektion) angefertigt. Die Herstellung dauert 2 bis 3 Wochen. Der Preis einer Sektion beträgt 12 K. Es empfiehlt sich, daß die Lehrervereine komplette Darstellungen ihrer Bezirke ankaufen und an jene Mitglieder verborgen, welche Reliefkarten anfertigen wollen. Die Kartenblätter liefert der Kommissions-Verlag des k. k. militär-geographischen Institutes (R. Lechner) in Wien, Graben, 31. Die GUecbselrede. Zur 23. Aragr. (Soll eine Vermehrung der Titel (Lehramtskandidat, provisorischer Lehrer, Lehrer, Oberlehrer, leitender Oberlehrer, bezw. Schulleiter] angestrebt werden oder nicht?) 20. Urteil. Oberlehrer und Mitglied des Bezirksschulrates Joh. Micko in Muttersdorf. Eine Ausgestaltung und Vermehrung der Lehrertitel ist zur Hebung des Ansehens der Person und des Standes sehr notwendig. Beim Offiziersstande, dem ältesten Stande, ist das Titel- und 1 Herr Oberl. Rosa beantwortet damit die an ihn gerichteten Fragen. D. Sch. 2207 Titularwesen sehr ausgebildet, aber auch durch stets erhöhten Wirkungskreis erklärlich. Im Gegensätze hiezu hat der Lehrer mit 20 Jahren und der mit 60 Jahren das gleiche Arbeitsfeld, eine Klasse zu unterrichten, bleibt aber auch als Greis nur „Lehrer“; höchstens kann ihm die Funktion als Oberlehrer übertragen werden. Auch dem Zweitältesten Stande, den Geistlichen, stehen bei gleichbleibendem Arbeitsfelde Titel genug zur Verfügung. Der Pfarrer wird Dechant, Erzdechant, Sekretär, Vikär, Notar, geistlicher Rat, Kanonikus, Monsignore, Probst, Prälat usw. Mit jeder Erhöhung steigt der Respekt des Volkes. Die Beamten, sogar die Unterbeamten und Diener aller Kategorien, sind gut ausgestattet mit Titeln. Offiziere, Geistliche und Beamte sind zur Wahrung ihres Ansehens wohlbedacht auf ihre Titel, streben sogar eine Vermehrung und Ausgestaltung an. Sie begnügen sich aber nicht damit, sondern geben dem Titel einen sichtbaren Ausdruck durch Uniformen und entsprechende Abzeichen, abgesehen von den Orden. Und der Lehrer will auf alle diese Mittel verzichten? Die Gegenwart belehrt uns über die Folgen. Nebst einem auskömmlichen Gehalte werden entsprechende Titel das Ansehen des Standes heben. Nach reiflicher Überlegung schlage ich vor: Vor der Lehrbefähigung: Schulpraktikant. Nach der Befähigung durch 8 Jahre Schuladjunkt, durch 15 Jahre Volksschullehrer, die letzten 10 Jahre Oberlehrer; als Auszeichnung den Titel Hauptlehrer. Für einklassige Volksschulen: Schulvorstand, mit 25 Dienstjahren Schulmeister. (Schrecklich, eine solche Rückständigkeit! höre ich rufen. Gemach, neben einem Postmeister, Bürgermeister, Wachtmeister, Baumeister, Forstmeister, Schatzmeister, Rittmeister, Feldzeugmeister, Obersthofmeister usw. kann auch ein Schulmeister ehrenvoll genannt werden und die gesetzliche Festlegung dieses Titels wird die mißbräuchliche Anwendung sofort verhindern oder für den Rufer schlimme Folgen haben.) Als Auszeichnung der Titel Rektor. Der Leiter 2 bis 4 klassiger Volksschulen ist der Schulvorstand, mit 22 Dienstjahren Schulmeister, mit 30 Dienstjahren Schulrektor. Als Auszeichnung der Titel Direktor. Leiter von fünf- und mehrklassigen Volksschulen ist der Schulvorstand, mit 18 Dienstjahren Schulmeister, mit 30 Jahren Volksschuldirektor. Als Auszeichnung der Titel Voiksschul-Inspektor, An Bürgerschulen bis zum 15. Dienstjahre Fachlehrer, dann Oberfachlehrer, mit 25 Jahren Hauptlehrer. Als Auszeichnung der Titel B. Direktor. Leiter der Bürgerschule ist der Direktor, mit 25 Dienstjahren Bürgerschul-lnspektor. Als Auszeichnung der Titel Schulrat. — Angenommen ist eine Dienstzeit von 35 Jahren. Die Vorrückung erfolgt nicht automatisch, sondern wird vom Bezirksschulräte im Einvernehmen mit dem ständigen Ausschüsse (der dadurch auch zu einer Bedeutung kommt) dekretiert, wobei ein Spielraum von 1 bis 2 Jahren frühere und spätere Anfallzeit frei bleiben muß, um Qualifikation, besondere Leistungen, Disziplinarfälle usw. in Betracht ziehen zu können. Die Uniformfrage möchte ich nicht anschneiden, weil viele Lehrer dagegen sind und die Uniform gerade im Dienste den Kindern gegenüber nicht am Platze ist. Folgende Fragen stehen noch in der Wechselrede: 15. Frage: Was ist an der bestehenden Lehrerbildung zu ändern? (Im Hinblicke darauf, daß im k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht die Frage behufs Festlegung eines neuen Organisationsstatutes wieder aktuell geworden ist, wäre eine rege Beteiligung in der Wechselrede der „Bl.“ am Platze.) 18. Frage: Soll der Lehrer mit seiner Klasse auf steigen oder mehrere Jahre in derselben Klasse bleiben? (Die Frage wäre mit Rücksicht auf den Schulabschluß, bezw. den Beginn des Schuljahres 1912/13 in den Hauskonferenzen zu erwägen und das Ergebnis an die „Bl.“ zu übermitteln.) 21. Frage: In welcher Hinsicht soll der Lehrer zur Abwehr gerüstet sein? (Das Ringen nach der materiellen Besserstellung läßt sich von dem Ansehen des Standes nicht trennen. Darum heraus mit den Waffen und Hieben wider den Erbfeind!) 23. Frage: Soll eine Vermehrung der Titel angestrebt werden oder nicht? (Wie oft diese Frage in den letzten Jahrzehnten auch erörtert wurde, so hat sie doch durch die Aufnahme in die „Bl.“ wieder das allgemeine Interesse erregt und in der größten Lehrervereinigung des Reiches bereits zu einem Antrage geführt. Es liegt daher nahe, den Gegenstand nicht aus den Augen zu verlieren.) 27. Frage: Welche gesetzlichen Bestimmungen sind wünschenswert, um an allen Schulen mit abnormalen Verhältnissen schlecht erzogenen Kindern die Wohltat einer körperlichen Züchtigung durch die Schule, aber außerhalb des Unterrichtes, zu verschaffen, ohne daß der Lehrer in Gefahr kommt, die Züchtigung in Fällen zu verordnen, in denen andere Erziehungsmittel wirken würden? (Eine brennende Frage, die uns bei einer glücklichen Lösung viel Kummer ersparen und einen größeren Erziehungs- und Unterrichtserfolg sichern wird. Die g. Leser werden eingeladen, sich an der Wechselrede rege zu beteiligen und vor allem auch die Ergebnisse von Konferenzen bekanntzugeben.) 28. (neue) Frage: Schulschlußfeiern oder nicht? Wenn ja, in welcher Form? 29. (neue) Frage: Wie kann die Methode auf der Unterstufe vereinfacht und dafür die Übung erweitert werden? 2208 Wie ich zu Lehrmitteln kam. Von Franz Hadle, Oberlehrer in Trofaiach, Obersteiermark. Als mein Sohn vor einigen Jahren die k. k. Handels-Akademie in Graz absolviert hatte, brachte er einen ziemlich umfangreichen Jahresbericht mit nach Hause. Bei der Durchsicht gewahrte ich die Angabe einer Menge Adressen von Firmen, die die gewiß großartige Lehrmittelsammlung der Anstalt durch unentgeltliche Beschickung sehr vermehrten. Mir kam nun der Gedanke: Wie wäre es, wenn du es auch probieren würdest? Der erste Versuch war vom Glücke begünstigt; ich erhielt als erstes Geschenk eine wunderbare Kassette, die die Gewinnung und Verarbeitung der Baumwolle in äußerst anschaulicher Weise enthält. Nach und nach ließ ich nun eine Menge von Bettelbriefen abgehen und heute habe ich schon ein ganz ansehnliches Museum beisammen. Freilich bin ich bei einigen Firmen abgeblitzt; die Mehrzahl aber sandte mit der größten Bereitwilligkeit, oft sogar portofrei mit einem sehr freundlichen Begleitschreiben. So bin ich im Besitze einer schönen Mineraliensammlung, Ceres-Produkten, einer langen Serie von Gewürzen, Kakao, Hopfen und Malz, Kaffee und Zusätze, Sämereien und Kunstdünger in niedlichen Gläsern, Marmorarten, Kokosnüsse, Farben in den allererdenklichsten Farbentönen, einer herrlichen Pelzsammlung (110 Arten), Seide, Kautschuk, Kork, Kerzen und Seifen nebst den Rohprodukten, Holzstoffe und Papier, schönen Abbildungen und Durchschnitten von Schiffen, Torf, Metallproben usw. Mein Sammeleifer wurde dem Ortsschulrate bekannt und auch die Bevölkerung begann sich dafür zu interessieren. Bald kamen Neugierige; die mußten ah er den Zutritt bezahlen, d. h. nach Tunlichkeit im Interesse der Jugend etwas für die Lehrmittelsammlung beitragen. So war nun ein zweites Feld eröffnet. Mit dem größten Entgegenkommen liefen da ein: alte Münzen, ein Hufeisen, eine Säge, das Modell eines Flugapparates, ein Fäßchcn, eine kleine Almhütte, Eisenblüten, alte Waffen, Hirschgeweihe, Gems- und Rehkrickeln, eine 3/* Geige und alle möglichen anderen Dinge. Alles ist zu verwenden! Der Forstverwalter schenkte zwei Original-Pfeile aus Polynesien, eine herrliche Schmetterlingsammlung und ein Präparat, die Nonne. Der Schlossermeister verfertigte eine nette Dampfmaschine, ein Tischler das Modell einer Brettersäge, ein Knabe, der sich beim Rodeln das Bein gebrochen, vermachte die Krücken. Mein Sohn, der auch Maler ist, spendete einige Bilder, der Wagner kam mit einem kleinen Rade, einer Leiter und einem Schubkarren usw. Ein Kollege ließ auf eigene Kosten die Veranschaulichung eines m3 anfertigen u. zw. in recht sinnreicher Weise. Die Basis bildet ein quadratförmiges Gefäß (1 m2 mit 1 dm Höhe), also ein Hektoliter. (Zwei durstige Kehlen behaupteten neulich, daß dies unmöglich 1 hl sein könne und sie ohne Anstrengung das mit Bier gefüllte Gefäß leeren würden. Sie sollen es nur versuchen!) Eine Kollegin verfertigte einen großen, sehr sorgfältig ausgeführten Plan des Ortes und ließ ihn auch auf eigene Kosten auf ziehen. Und so ist die Vermehrung noch in bestem Flusse. Aber auch eines Schabernackes darf ich dabei nicht vergessen. Stand da kürzlich vor dem Konferenzzimmer ein schöner ausgestopfter Storch. Alle Bemühungen, den Spender zu entdecken, blieben erfolglos. Will er damit vielleicht eine Andeutung machen? Erstens kommt er zu spät und zweitens hätte er mich auch früher mit diesem Geschenke nicht beleidigt. — So sammle ich nun weiter zum Wohle der Jugend und niemand ist vor meiner Anrempelung sicher. Vielleicht gelingt es dem einen oder ändern Kollegen, auf ähnliche Weise zu billigen Lehrmitteln zu kommen. Sammel-Heil! Pädagogische Splitter. 98. Ungezogen wird ein Kind, wenn der Erzieher vergessen hat, die richtigen Saiten aufzuziehen. 99. Das Neue. . ... , „Blödsinn“ — so nennt es der eine, Für „reizend“ der andre es hält; Geh’, laß doch jedem das Seine, Urteile wie dir es gefällt. 100. Das ist sicher, ein Widerspruchsgeist nach oben ist der Streber nicht. Desto mehr aber nach unten. Theodor Tauber. 2209 Reiseerinnerungen aus Dalmatien. 1. San Benedetto im Adriatischen Meere. Der Vormittagsbummel auf der Riva in Zara war abgcflaut; nur die paar Adriapilger und der Herr Rat, der gute „Fremdenverkehrsrat", standen noch in einer Gruppe und erwogen, was zu unternehmen wäre. „Einen Ausflug per mare oder per terra?" „„Am besten wäre die Verbindung von beiden."" „Gut, das können Sie haben! Wir schiffen nach Tkon und klettern von dort zu San Benedetto, dem tausendjährigen Kloster, empor. Wenn Sie's Gruseln verlernt haben, nächtigen wir in der Ruine." „„Abgemacht!"" — Schier drei Stunden währte die Fahrt auf dem Küstendampfer, ehe wir Tkon, die Aufstiegstelle, erreicht hatten. Beim Hafenwirte wurde angeklvpft; er sollte den Fremdenverkehr spüren. Da der Herr Rat als Obmann des Touristenklubs die Expedition leitete, so wurde das Auserlesenste geboten: ein Fisch in Öl, ein saftiger Jarazschinken und süßer, funkelnder Wein. Bald waren auch Honoratioren zur Stelle: die Lehrerin, der Pfarrer und der wohlgenährte Bürgermeister. Man sprach — deutsch. Das wunderte mich nicht wenig: erstens, weil ich die Kenntnis nicht voraussetzte, zweitens, weil doch so viel über Chauvinismus geschwätzt und geschrieben wird. Mein Nachbar mochte das Erstaunen gemerkt haben, denn er lispelte mir zu: „Wie fühlen Sie sich im .fremdsprachigen'Süden?" Als ich meiner Freude Ausdruck verlieh, rückte er den Stuhl näher und führte aus: „Sehen Sie, man verbreitet über uns Dalmatiner zuweilen ganz merkwürdige Gerüchte, als ob wir die Fremden haßten und nationale Unduldsamkeit förderten. Keines von beidem. Wir begrüßen die Deutschen als die Bringer des Wohlstandes und der Kultur. Unser armes Land ist ja auf den Fremdenverkehr angewiesen; seine Zukunft liegt in diesem Erwerb und niemandem wird es einfallen, böswillig den Strom des Glückes aufzuhalten. Wenn nicht jeder deutsch versteht, was kann er dafür? Hoffentlich geht der Staat bald daran, deutsche Schulen oder wenigstens deutsche Unterrichtskurse zu errichten, auf daß die kommende Generation mit dem wichtigsten Verkehrsmittel, der deutschen Sprache, ausgestattet werde." — Indes mich die vernünftige Rede in die Stimmung, die ein Gastmahl im Svnnenlande heischt, gebracht hatte, waren die Tischgenossen durch die dunkeln Tropfen ins rechte Geleise gekommen. Die Toaste begannen. Bald wurde der Herr Rat als der Vermittler zwischen Dalmatien und dem reisenden Publikum, bald der „deutsche Bruder", bald das liebe Vaterland gefeiert. Erst spät, spät, als bereits die Schatten der Nacht über die Meeresfläche huschten und der Mond dem Velebitwall entglitt, nahmen wir Abschied. Der Aufstieg begann. Voran schritt ein schwarzer Bursche mit der Laterne in der Hand. Anfangs ging es durch die Reihen der Maulbeerbäume hin, dann kam eine Runse und dann das Gerölle, der geisterhafte Felsenkegel, auf dem San Benedetto, das tausendjährige Kloster, thronte. Die Wanderung auf dem steinigen Zickzacksteiglein machte viel Beschwer und dies umsomehr, als sich der funkelnde Dalmatinerwein wie Blei in die Glieder gelegt hatte. Es war schier Mitternacht, als wir das Gemäuer erreichten. Just die Geisterstunde! „Sieh doch, blitzt dort nicht ein Licht durch die zerklüftete Wand?" „„Ei ja, der Verwalter hält Nachschau, ob sich nicht ein Marder in den Hühnerhof geschlichen hat."" „Und jetzt, es raschelt was durch die Büsche, schon ist es da!" „„Der brave Nero, des Walters treuer Schlvßhund."" Er kennt den Gebieter von San Benedetto, den Herrn Rat. Darum stört er nicht die Sülle der Nacht. — Endlich sind wir auf der Höh'. Welch bezaubernd schönes Bild I Drüben glänzt das Meer im bleichen Mvndesschimmer. Wie eine flimmernde Straße zieht die Licht» bahn durch die Wellen. Dunkle Streifen ragen gleich schwarzen Zungen in die helle Fläche: die Inseln und Jnselchen. Hier schließt der mit Schnee bedeckte Karst den Ausblick, dort flutet das Meer weit, weit fort in die Ferne hinaus, ins Reich der Nacht. . . „Holla, wer da?" „„TouristenklubI"" Das Losungswort hatte uns die enge Pforte geöffnet. Mit gutdeutschem „Grüß Gott, meine Herren!" empfing uns der Verwalter, ein ausgedienter Soldat. Seine Art verriet sogleich den besseren Menschen. Er geriet in nicht geringe Verzweiflung, daß wir ihn unvorbereitet getroffen. Des Herrn Rates Drahtnachricht war eben nicht eingelangt. 2210 Wie sollte der Arme nun die Gäste bewirten! Alles, was an Vorrat in seiner Burg zu finden war, lag dort in der Sakristei. Wir forschten nach: Bierflaschen zwischen Totenschädeln und morschen Gebeinen. Eine sonderbare Umgebung des edelnNaß'; aber es verschlug nichts. Da der Aufstieg viel Schweiß gekostet und der brennende Wein die Kehle ausgetrocknet hatte, lüstete uns nach Gerstensaft trotz der grinsenden, hohläugigen Gesichter und der bunt durcheinander liegenden Knochen. Zudem erwies sich des Herrn Rates Rucksack als Behältnis für eine Sammlung von Konserven, Selchwaren verschiedenster Art und Leckerbissen besonderer Sorte; so konnte im Refektorium eine solenne Tafel etabliert werden. Erst, als drunten am Gestade der Ruf des Frachtschiffes, das Zara in den ersten Morgenstunden mit Lebensmittel» versehen sollte, durch die Nacht seufzte und der Mond nach dem Westen quoll, dachten wir ans Schlafengehen. „Jeder wähle sich eine Zelle!" Wo vor tausend Jahren sich der Mönch kasteite, dort zieht heute der frischfröhliche Wanderer ein. Ein sonderbares Gefühl, in dem Raum zu nach» tigen, der durch sechs Jahrhunderte ein einsam' Leben einschloß, der oft dem Kugelregen der Türken trotzte, in den des Räubers blutige Hand drang und den eines Tages die Flamme umzischte, bis alles erstarb, was ihn einst mit Leben erfüllte. Mehr denn hundert Jahre haben Geier hier gehaust und die Borastürme mit den Fensterbalken ihr Spiel getrieben: San Benedeite war dem Verfalle preisgegeben. Erst der Fremdenzuzug hat aus seinen Trümmern wieder eine Zufluchtsstätte erstehen lassen. Heute kehrt nicht der Pilger im Mönchsgewande ein, sondern der Pilger mit Lodenrock und Rucksack. . . Es war am Vormittag, als uns des Hauses Hüter weckte. Heller Sonnenglanz ergoß sich in das enge Gemach, ein herrlicher Tag war über San Benedetto heraufgezogen. Ich stürzte ans Fenster und blieb bezaubert stehen. Der Blick traf ein Bild, wie es die Phantasie im Märchen nicht schöner gemalt, wie es kein Traum noch vor die Seele gestellt hatte. Mit seinem blendenden Diadem ragte der Velebit in den blauen Äther hinein und legte den grünen Saum seines grauen Mantels hin über die weite Fläche, in die des Meeres Welle schlug. Zara nuova glitzerte drüben im Sonnenglanz, Zara vecchia lag altersgrau vor mir; all die Dörflern in weiter Rund traten aus dem Dunstkreis, der mählich zerstob. Wie die Eilande sich durch den Kanal zwischen Pasmann und dem Festlande zwängten! In ihre Felsenriffe hatte der Frühling seine Blüten gestreut und mit leichtem Hauch den Rano umkost. Grüne Plätzchen und Streifen verrieten die Spuren neuer Pflanzung. — Dalmatien bestrebt sich, auf seine bleichen Felsen den Wald und die Flur zu zaubern. Die Mühen sind unendlich. Kaum ist ein Bröcklein Erde gewonnen, so bläst es der Sturm hinweg; kaum ist ein Bäumchen eingesetzt, so weht es der Windstoß um oder es fällt der Geiß zum Opfer. Dazu kommt des Sommers Sonnenbrand. Und doch zeigte die Kuppe von San Benedetto reiches Buschwerk und manch grünen Fleck zwischen kahlem Gestein. Der Herr Rat hatte es eben verstanden, jedes Stämmchen so einzupflanzen, daß es durch einen Felsblock gegen den Wind geschützt und behufs künstlicher Bewässerung leicht zugänglich gemacht war. Gegen den Einbruch der Ziegen schützte eine Mauer, die als Kegelschnittlinie an der Grenze der Kulturen gezogen wurde. Ich sah dem besorgten Hausvater von meiner stolzen Höh' zu, wie er von einem Bäumchen zum ändern schritt, jedes grüßte, jedes prüfte, jedes betreute und hätschelte. Mit zufriedener Miene hatte er seine Runde gemacht und uns beim Frühstück erklärt, daß ihn nichts mehr freue, als hier in vergessenen Landen die Vorbedingungen für einen regen Fremdenzuzug zu schaffen. Und dazu gehöre in erster Linie der Wald. Sei dieser als Schutz gegen die Sonnenglut und Trockenheit erstanden, dann werde der Gast aus dem Norden im Lande des ewigen Frühlings bald heimisch sein, fühle er doch nicht allein den Lenzesatem sondern auch die Lenzesfreude, so der Blick über sprossendes Grün, über blühende Büsche und saftige Fluren streicht. — Der Gedanke war groß, war schön; nur griff er auf Jahrzehnte hinaus. Als ich das einwandte, erwiderte der Herr Rat: „Ja, einmal muß der Anfang gemacht werden. Wir wirken eben für die Zukunft; die Gegenwart bringt schon Lohn, wenn wir merken, daß sich der Erfolg im kleinen zeigt. — Dalmatien wird so oft als Land der Zukunft bezeichnet. Wer jedoch vermeint, diese werde aus Zeitungsartikeln, aus Reklame verschiedenster Art und durch Bahnbauten allein erstehen, täuscht sich gar sehr. Man muß dem Fremden ein Fleckchen Erde bieten, auf das er gerne den Fuß setzt, eine Stätte, die ihm zur zweiten Heimat wird. Wald und Wirte brauchen wir; dann wird unser Land nicht nur eine Serie von Bildern, die an dem Eildampfer vorüberfliegen, sein, sondern ein Ziel für jene, die den Stürmen des Nordens entrinnen und am Strande der Adria den größten Teil des Jahres verträumen wollen." — 2211 Wir hatten den Tag über viel über Fremdenverkehr und Wirtschaftspolitik geplaudert und saßen gerade auf der Terrasse des Klosters, als der feurige Sonnenball ins Meer versank. Es war zu schön auf San Benedetto, als daß ich Hütte scheiden mögen. Darum gab cs noch einmal ein Gelage im Refektorium, noch einmal Gläserklang neben dem geisterhaften Bierdepot, noch einmal eine Nacht in der Klosterzelle. Doch am zweiten Tage, da hieß es wandern; denn die Sehnsucht zog mich hinab, hinab in den tiefsten Süden des Reiches. — Als ich nach Monden auf der Rückkehr in die Heimat an San Benedetto vorüberfuhr, sah ich mit Wehmut zum Kloster empor und grüßte die zum konfortablen Touristenheim um» gewandelte Ruine. Ein Fähnlein flatterte im Winde als Zeichen, daß Platz zur Verfügung stand. Hätte ich nicht eilen müssen, ich wäre wieder zur idyllischen Stätte gepilgert und würde mir eine Woche seligen Genießens gegönnt haben? —