Blätter zur Förderung des Nbterlungsuntrrrichtes. Heransgrster: Rudolf E. Pccrz, It. It. Professor an der Lehrrrbildungsanlkalk in laibadj. Rr r n vas er uns am 9. Mai 1805 geraubt hat, und groß bleibt der Verlust für alle Zeiten. Doch klein ist auch jener nicht, der uns trifft, wenn ein lieber Amtsbrnder die Augen schließt; denn was der Große im großen geistig schafft, bildet der Kleine im kleinen zur Tat. Den Blick auf Schiller gewendet: so werde» wir von dem hohe» Gedanken ergriffen, der heute die deutsche Lehrerschaft des Reiches dnrchbebt. Der Gedanke, der in Weimar geweilt, fliege hinab zum Strande der Adria und werde zur Tat! So verstehen und so ehren wir unser» Schiller. Die formalen Stufen im Abteilungsunterrichte. Der gerettete Handwerksburschc. (.').) (Auflösung der Unterrichtseinheit in ihre Teile.) 4.) «Was wird mit ihm geschehen fein?» Eine Meinungsfrage! Die Antwort wird zeigen, ob der Schüler die Erzählung bisher erfaßt hat, ob er sich in die Situation hineindenkt, ob er urteilen kann. Wer vorschnell hinansplatzt, wird vielleicht den H. sterben lassen. Wie wird da bie kleine Schar kichern, wenn der Lehrer darauf verweist, daß wir diesfalls von den Erlebnissen des Unglücklichen, insbesondere von seinen Gedanken nichts hätten erfahren können. Nachdem nun srstgestellt erscheint, daß der H. gerettet wurde, so erwacht die Neugierde, wie dies zugegangen sein mag, und der Fortsetzung wird darum mit großem Interesse entgegengesehen. So ergibt sich ein Spannungsknoten, der die nächsten Vorstellungen mit Kraft anslöst. 5.) «Was hättest du an Stelle der Männer getan?» Wieder eine Meinnngs- oder — besser gesagt — eine Entscheidungsfrage! Sie greift jedoch diesmal nicht in die Urteilssphäre der Seele, sondern schnurstracks ins Gefühlszentrnm. Pestalozzi meint, auch zur Bildung der «moralischen Kraft- sei Arbeit nötig. Da haben wir sie. Das Kind soll sie im Geiste leisten, dann wird sie uuch in Wirklichkeit nicht ausbleiben. — Die weiteren Fragen, wie der halberfrorene H. behandelt wurde, zweigen ans das Gebiet der Volksgesnndheitslehre und der Behandlung bei Unglücksfällen ab; sie erheischen keine besondere Darlegung. 6.) «Welche Eigenschaften hat er an den Tag gelegt?» Da schwirrt etwas von Vertiefung und etwas von Zusammenfassung dazwischen. Wollten wir's in zwei Teile zerschneiden, so wirkte es nur halb. Lassen tvir die naturgemäße Frage als Ganzes aus der Stoffmasse schöpfen, selbst auf die Gefahr hin, daß der Pedant uns schmollt. (Fortsetzung folgt.) M i t t e i l" n n g. Die Herausgabe einer «Schiller-Nummer» der «Laibacher Schnlzcitmig» hat das Erscheinen des Hanpt-l'lattes und der Beilage hinausgcschoben und überdies den Stoff der «Bl.» eingeengt. Aus diesem Grunde "Hißte der «Briefkasten» entfallen und der Ausweis über die Spende» für das Lehrerheim» neuerdings ans-aehoben werden. Wer indes eine Bestätigung dringend benötigt, dem will ich sie brieflich zukomincn lassen; ebenso werden Anfragen, die keinen Aufschub dulden, in dieser Weise beantwortet werden. Nur einen Teil des brieflichen Verkehrs muß ich hinausschieben, bis bessere Zeiten kommen: die Dankschreiben für die zahlreichen Zurufe anläßlich meiner Ernennung zum Bezirksschulinsvcktor. Dafür vorläufig auf diesem Wege herzlichen Gegengrnß nach allen Seiten! Erster Konferenzvortrag. Hie Konzentration des Unterrichtes mit besonderer Berücksichtigung der ungeteilten cinklassigen Volksschule. (Im Aufträge des ständigen Ausschusses in der Bczirkslohrerkonforenz zu Böhm.-Leipa am 28. Juni 1904 gehaltener Vortrag des S.-L. Josef Toms in Schicßnig bei Böhm.-Leipa.) (Schluß.) Die Fibel : «Der Bär und die Birnen», paßt und kommt in den ersten und kleinsten Kreis. Dieses Lesestück soll gelesen, erklärt, und wiedorgegeben werden, und zwar unter Teilnahme aller drei Abteilungen. Ein zweites: «Bienchen summ, summ», paßt auch in den ersten Kreis, wird memoriert von der I. und II. Abteilung. Derartige Märchen und Fabeln bringen überhaupt die rechte Stimmung in den Unterricht. Uie Kinder stehen im Banne der Poesie und fühlen den Flügelschlag des Geheimnisvollen in der Natur, sie wittern den Inhalt, wenn sie auch nicht alle Worte verstehen sollten, das Interesse ist erwacht, Aug’ und Ohren aller Schüler hängen an den Lippen des Lehrers, atemlos lauscht alles den einfachen Worten der schlichten Erzählung. In solchen gesegneten Augenblicken sind wir froh, daß wir Lehrer sind. Solche Momente sollen aber auch vorbereitet und ausgenützt werden. (Wenn der Sonnenschein doch in jede Schule strahlte! D. Sch.) Das II. Lesebuch enthält das Lesestück: «Das Kinderstübchen der Blumen» behandelt die Befruchtung der Blumen durch Insekten, paßt also auch gut für den zweiten Kreis. Das III. Lesebuch enthält das naturgeschichtliche Lesestück: «Die Biene«. Bei der Betrachtung und Besprechung der Biene sind alle drei Abteilungen gleichzeitig beschäftigt. Die I. Abteilung nennt die Körperteile, die II. Abteilung sagt, wozu sie dienen, die III. Abteilung erweitert die Sätze. Jetzt war die I. Abteilung die führende, die ändern wurden nur mitbeschäftigt. Nun übernimmt die II. Abteilung die Führung, sie beschreibt das «Leben der Bienen im Stocke». Ein Stock samt Waben wird gezeigt, die I. Abteilung hört zu und sagt manche Sätze nach. Die III. Abteilung erweitert die Sätze zu zusammengezogenen oder Satzgefügen, je nachdem sie in der Sprachlehre vorgeschritten ist. In der nächsten Stunde übernimmt die III. Abteilung die Führung mit der biologischen Auffassung des Tieres. Warum hat die Biene einen langen Rüssel? Warum Bürsten an den Beinen ? usw. Überhaupt kann die Frage «warum» gar nicht oft genug gestellt werden, sie regt zum Denken an. Die Schlagwörter «Rüssel, Bürsten» u. a. werden an die Tafel geschrieben, von der I. Abteilung abgeschrieben, von der II. zu nackten Sätzen verwendet. Was für die I. Abteilung bestimmt ist, wird nur in Doppellinien geschrieben. Haben die Kleinen die großen Buchstaben noch nicht kennen gelernt, so werden die Anfangsbuchstaben der Hauptwörter ruhig klein geschrieben (? die Schrift!.), jedoch unterstrichen. Die Schlagwörter an der Tafel liefern auch Stoff für die folgende Stillbeschäftigung der III. Abteilung. Daß in derselben Woche Sechsecke und auch Kreise gezeichnet, in der III. Abteilung Kreise, vielleicht auch Kugeln berechnet werden (die Biene überwintert bekanntlich in Kugelform) — daß die Stilarbeit «Beschreibet die Biene!» und in der II. Abteilung «Bildet Sätze über die Biene!» heißt, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Die Stillbeschäftigung der II. und III. Abteilung in Sprachlehre und Rechtschreiben dreht sich in dieser Woche womöglich nur um die Biene. Daß Samstags das Einträgen in das Wochenbuch in ’/4 Stunde geschehen ist, wird mir jeder glauben. — Die Verfassung eines derartigen Hobelspanes für die ganze Woche dauert mit der Herbeischaffung der notwendigen Anschauungsmittel eine gute Stunde; es zahlt sich jedoch aus, weil die tägliche Vorbereitung dann nur 1/i Stunde währt, wenigstens bei einem Alten. Bei einem derartigen Vorgänge gestaltet sich der Unterricht einheitlicher, einfacher, leichter als sonst; die Aufmerksamkeit aller Schüler konzentriert sich auf einen Gegenstand; die Disziplin ist infolgedessen leichter zu handhaben. Bei einer derartig intensiven Bearbeitung eines einzigen Objektes durch eine ganze Woche werden auch schwache Schüler zum Reden gebracht und der Lehrer kann dabei seine Lungen schonen. Ja, werden Sie fragen, geht das auch immer so, durch alle 40 Wochen? Mit einigen Einschränkungen j a. Natürlich muß die I. Abteilung in den ersten Wochen gesondert unterrichtet werden. Der Lehrstoff aus Sprachlehre, Erdkunde, Geschichte muß von Zeit zu Zeit im Zusammenhänge wiederholt werden, und zwar für jede Abteilung getrennt. Eine Vereinigung der I. und III. Abteilung im Rechnen ist ausgeschlossen; jedoch wird mit Vorteil häufig das erste und zweite Schuljahr vereinigt, besonders im Kopfrechnen. Die Konzentrierung liegt hier mehr darin, daß man in allen Abteilungen Ähnliches lehrt, z. B. Addieren bis 10 in der I. Abteilung, bis 100, respektive 1000 in der II. und Addieren von Dozimalzalilcn in der III. Abteilung. Die stillbeschäftigten Abteilungen hören wenigstens nichts, was sie in der Arbeit stören könnte. Kurz und gut eine Vereinigung von wenigstens zwei Abteilungen ist fast immer möglich, auch fehlt es an den nötigen Unterrichts-Zentren für die ganze Woche nicht; unsere Lesebücher und unsere detaillierten Lehrpläne liefern eine Fülle davon. Ein weiteres derartiges Unterrichtszentrum will ich nur in Schlagwörtern anführen: Tirol. Berg und Tal. Das Rind, Rindviehzucht, Alpenwirtschaft, Ziege, Gemse, Zu Mantua in Banden 1809. Aus Anschauungsunterricht Kreuze- und Marterlnzeichnen. Roseggers Gstanzln. Wo man’s packt, da ist es intressant, und es wird auch nicht an einem Wetteifer unter den Schülern fehlen. Für die Wintermonate empfehle ich Hermann Wagner. Sein Lesestück «Unsere Wohnstube* gibt ein ganz brauchbares Zentrum. Robinson ist ein wunderbares Zentrum, das man nicht auf der Gasse liegen lassen sollte. Um den Dünger dreht sich nicht nur beim Bauer die ganze Wirtschaft, sondern man kann dieses Wort als Zentrum benützen, um das sich der ganze Ackerbau gruppieren läßt mit dem ganzen Rechenpensum aus Naturlehre, Naturgeschichte, Zeichnen, Rechnen, Stil und Rechtschreiben. Fehlt es jemandem an der nötigen Begeisterung für solche Sachen, so lese er etwas von Schmerz: Die Erleuchtung kommt ihm gewiß, er wird bald ein passendes Unterrichtszentrum klar vor sich sehen. Ein Hemmschuh für uns Einklaßler bleibt das I. Schuljahr. Darüber sage ich nur ein Wort, wenn auch ein recht langes: Vereinigter Anschauungs-, Sprech-, Lese- und Schreibunterricht. Wenn ich den Inhalt meiner Ausführungen zusammenfasse, so komme ich zu folgenden drei Sätzen: 1.) Am einfachsten ist der Unterricht an vielklassigen Schulen mit Fachlehrersystem, da sich hier jeder Unterrichtsgegenstand für sich in konzentrischen Kreisen wellenförmig nach außen erweitert. 2.) Schwieriger gestaltet sich der Unterricht beim Klassenlehrcrsystem, da der Lehrstoff nicht nur nach außen in konzentrischen Kreisen wächst, sondern durch Verknüpfung mehrerer Unterrichtsgegenstände in einer Stunde die nötige Gelegenheit zur Wiederholung gesucht werden muß, um dem trägen Geiste unserer Schüler durch viele Übung und Wiederholung doch etwas aufzuzwingen. 3.) Am anstrengendsten ist der Unterricht an der ungeteilten einklassigcn Volksschule, da hier zu den erwähnten zwei Konzentrationen noch eine dritte dazu kommt, nämlich die, nach Möglichkeit zwei oder alle drei Abteilungen gleichzeitig zu unterrichten; dazu ist jedoch (;ino sorgfältige Vorbereitung unerläßlich, am praktischesten ist eine Wochenvorbereitung mit Feststellung eines Unterrichtszentrums für die ganze Woche. Ich schließe mit einem Satze Dörpfelds: Den Zufall läßt nur der Gedankenlose walten; wer mit Verstand zum Ziele strebt, verfährt nach festem Plano. Die Wechselrede. Zur 1$. Frage. Oberlehrer Josef Perz in Nesseltal (Krain): Die ungeteilte cinklassigc Schule hat entschieden den Vorzug vor der Halbtagsschule. An der ersteren — ich unterrichtete zehn volle Schuljahre an einer solchen — ist zwar der Lehrer, da gleichzeitig Ober-, Mittelund Unterstufe unterrichtet werden, weit mehr angestrengt als an der letzteren; dafür sind über auch die Unterrichtserfolge — ich spreche aus Erfahrung — bedeutend bessere als an der Ilalbtagsschule. Wenn auch an der ungeteilten einklassigcn Schule meist zwei Abteilungen stillbeschäftigt werden müssen, so können sie, namentlich bei der Dreiteilung der Stunde, doch häutiger direkt unterrichtet werden als bei der Ilalbtagsschule. Und hat nicht auch die Stillbeschäftigung großen Wert? Da kann der beim direkten Unterrichte durchgenommene Lehrstoff schriftlich gehörig verwertet, eingeübt und befestigt werden und gerade das «geschriebene Wort» bleibt dauernd im Gedächtnisse. Beim Halbtagsunterrichte aber fehlt zur schriftlichen Verwertung des Lehrstoffes die Zeit, es sei denn, daß die Unterrichtsdauer täglich um 1 — 11/„ Stunden verlängert werde. Der Halbtagsunterricht sollte unter keiner Bedingung Platz greifen. Erreicht die Schülerzahl 80, dann soll die Schule sofort zu einer zwciklassigen erweitert werden. Zur 4. Frage. Oberlehrer Rudolf Buicr, T.-Schmelztal (Böhmen): Wo die Kinder weit zur Schule haben — und das ist in den meisten Gebirgsdörfern der Fall — ist der ununterbrochene Vormittagsunterricht im Winter unmöglich. Wird es doch oft neun Uhr, bevor alle Kinder versammelt sind, und doch haben sich die meisten schon vor Tagesanbruch auf den Schulweg gemacht, manche wohl gar mit leerem Magen, weil sich die Mutter nicht zu einem zeitlichen Aufstehen bequemen mochte. Und da sollen dann die Kinder vier bis fünf Stunden ruhig dasitzen und ihren Geist anstrengen? Ein voller Bauch studiert nicht gerne, ein leerer aber schon gar nicht. Man treibt es höchstens bis 12 Uhr, dann aber versagen die kleinen Maschinen — der Dampf ist ausgegangen. Haben sich die Kinder in der einstündigen Mittagspause ordentlich gesättigt, dann ist ihr Geist am Nachmittage gerade so frisch und aufnahmsfähig wie am Vormittage. Und sind die Kinder im Winter in der Schule nicht besser aufgehoben als zu Hause? Ich würde es geradezu als ein Verbrechen betrachten, die Kinder zu einer Zeit zu Hause müßig herumgehen zu lassen, da sie in der Schule am leichtesten lernen, also die größten Fortschritte machen. «Ja, aber diese lästige Mittagspause!. Je nun, ich habe noch nirgends so herzerquickende Fröhlichkeit gesehen als gerade in der Mittagspause, wenn die kleinen Knirpse, gesättigt an einem freilich oft nur bescheidenen Mittagsmahle und ausgeruht von den Strapazen des Vormittages, sich in harmloser Weise die Zeit vertreiben und einander «welterschütternde > Ereignisse aus ihrem Leben erzählen. Man muß eben nur die Dinge von der angenehmen Seite aufzufassen wissen. Also im Winter ganztägiger Unterricht! Die Kinder haben zu Hause nichts zu versäumen, und die langen Winternächte bieten Zeit genug zur Erholung für Schüler und Lehrer. Ganz anders jedoch stellt die Sache im Sommer. Da können auch die weit entfernten Schüler rechtzeitig in der Schule erscheinen, am freien Nachmittage aber ihre Eltern hei der Arbeit unterstützen. Wie wohltätig diese Unterstützung für manche Eltern ist, kann nur der Lehrer ermessen, der längere Zeit auf dem Lande gewirkt hat. Da, wie Kollege Micko in Nr. 12 eingehend dargetan hat, der ununterbrochene Vormittagsunterricht aber noch andere wichtige Vorteile bringt, wäre dessen ehehaldigste Einführung nur freudigst zu begrüßen. Er wäre im Sommer für Volk und Lehrer ein wahrer Segen. — Alois Erker, Lehrer in Mitterdorf bei Gottschee: Auf dem Lande (natürlich nur im Sommer) ist entschieden die Einführung der ungeteilten Schulzeit ein Fortschritt in der Schulverwaltung und nur mit Freuden zu begrüßen, denn: 1.) Es ist zur Verbesserung des Volkswohles von großer Wichtigkeit, wenn der Bauer infolge ungeteilter Unterrichtszeit wesentliche Ersparnisse oder größere und bessere Bewirtschaftung seines Besitzes erreichen kann; und es ist volkswirtschaftlich richtig, dahin zu arbeiten, die ländliche Jugend während der Schuljahre den entsprechenden Arbeiten, denen sie später einmal angehören werden, nicht unnötig fernzuhalten. Der Schüler soll Lust und Liebe zur Arbeit bekommen. 2.) Die häuslichen Verhältnisse auf dem Lande liegen derartig, daß die Kinder zu nützlicher Beschäftigung an den Nachmittagen angehalten werden und dem Unterricht erwächst, wenigstens in den Oberklassen, aus der ungeteilten Unterrichtszeit kein Nachteil. 3.) Der Lehrer gewinnt auf diese Weise Zeit nicht nur für seine Schule, sondern auch für geistige Arbeiten, die an ihn vielfach herantreten. Und ist er selbst Landwirt, dann kann er um so leichter der Feldarbeit obliegen, besonders wenn die Landwirtschaft einen wesentlichen Teil seines Einkommens bringt. — Prof. Peerz, Laibach: Ich wollte mich davon durch de» eigenen Augenschein überzeugen, beim nur zu oft Habe ich es erfahren, daß Lehrer für irgend eine Einrichtung begeistert sind, weil sie nun einmal eigenartig ist, nud dann einseitig berichten. Wir (der k. k. Landesschnlinspektor F. Levee und ich) waren am 30. März d. I. etwas nach 7 Uhr früh von Laibach anfgebrochen und hatten das Schnlhaus um 8 Uhr erreicht. Zn unserem Besuche hatten wir just einen Donnerstag gewählt, um zu sehen, ob nicht der freie Tag, der den umliegenden Schulen mit geteiltem Unterrichte als solcher blieb, ans den Besuch der «Ungeteilten» rückwirke. Es war ein schöner Frühlingsmorgen, der über der weiten Fläche erglänzte, und langsam, langsam schlich sich bei uns die Besorgnis ein, der Bauer werde die Jungen daheim behalten, um nach einer Reihe trüber Tage sie zu dringender Arbeit zu ziehen. Doch gefehlt! 1 Stunde vor dem Beginne (9 Uhr) ward es lebendig im Hofe. Wie auch nicht? Dort stehen Turngeräte, dort ist ein freier beschotterter Platz, dort sind Holzkugeln: «Ei, da ist's ja schöner wie daheim!» Als wir in das schmucke Schnlhaus traten, in dem uns Erinnerungstafeln und Denksprüche von den Wänden grüßten, drang ein Freudenschall vom Hofe herüber, so daß wir unwillkürlich dem Tone nachgingen. Welch anmutiges Bild! Eine frohe Kinderschar, mitten drin der Lehrer und um das heitere Getriebe der sprossende Lenz. Das war auch schon Unterricht — Unterricht zur Lust! So also hatte der Wackere die Kleinen an sich gezogen. — Das Schnlhaus hat keine Uhr, der Ton der weit entfernten Turmuhr erreicht den Weiler nicht; daher muß die Taschenuhr des Lehrers genügen. Da hat es nun nicht vieler Worte nötig: Die Kleinen hatten es gemerkt, daß der Meister ein anderes Gewand angelegt — und zogen still in die Klassen. Als erster Gegenstand rückte in der Unterklasse Rechnen, in der II. Klasse Sprachlehre vor. Es blitzte rechts und blitzte links; es konnte ja nicht anders sein in der ersten Stunde an einem frischen Lenzesmorgcn, da alle Geister durch das Spiel wachgeworden waren! — Niemand war -zu spät gekommen»; von 70 Schülern fehlten in der I. Klasse 8, von 57 Schülern in der II. Klasse 6. Die Abwesenden waren entschuldigt worden. — Es gilt bei dein vorliegenden Berichte nicht, die Methode zu schildern, sondern lediglich die Wirkung des ungeteilten Unterrichtes ans den Geist des Schülers klarzulegen; nichtsdestoweniger muß jedoch darauf verwiesen werden, daß allenthalben das entwickelnde Verfahren hervortrat, ein Verfahren also, das an den Geist der Schüler bedeutende Anforderungen stellt. Die Gegenstände glitten dementsprechend von denen, die den Verstand in Anspruch nehmen zu jenen, die in das Gedächtnis greifen oder die Muskeln beschäftige», allmählich ab. In den letzten Stunden wird gezeichnet, geschrieben, gehäkelt, geturnt. Zwischenhinein wird immer wieder ein frohes Liedchen geschmettert; das ist Würze und ein belebendes Element. Es ließe sich darüber ein Wörtlein reden, ob nicht ein froher Sang, bei dem der ganze Körper znckt, besser wirkt als die Marionette beim Zweiminutenturnen. Um 11 Uhr flog der Schwarm ans. Im Hofe wurde es wieder lebendig wie vor dem Beginne des Unterrichtes. Nach 20 Minuten blickten klare Äuglein zur Tafel, wo ein Aufsatz entstand: Bausteine wurden von allen Seiten herbeigetragen, das Gebäude zu errichten. Der Aufsatz ging ins Schreiben über, das Schreiben ins Zeichnen; allmählich wurde es stille und plötzlich war die Stube leer: Der Zeiger war gegen eins vorgerückt. Die Zeit verstrich rasch und auch in den Mienen der Kleinen lag kein matter Zug. Die letzte Stunde hatte uns besonders zur Beobachtung angeregt. Waren die Schüler müde geworden? Nicht sonderlich. — Auch die Tür ging nicht; der Lehrer meinte, er habe es den Kleinen freigestellt, ohne zu fragen, das Schill« Zimmer während des Unterrichtes zu verlassen. Die Freiheit wurde nicht ausgebeutet. War der Lehrer müde geworden? Keineswegs! Wohl hatte er zum Schlüsse mit Worten gespart. Das ist recht! Nicht er soll reden, die Kinder müssen zu Worte kommen. Zwischen halb 12 und 32 Uhr wurde ein Karten brief entwickelt und geschrieben. Die Unterrichtseinheit zeigte, wie der Lehrer dieselbe praktisch und zugleich interessant vorzuführen wußte. Das Interesse ist eben auch ein wesentliches Moment für die Belebung der letzten Stunde im ungeteilten Unterrichte. — Die Lernmittel lassen die Kinder in der Schule; daheim können sie doch keine Aufgabe anfertigen, weil es an Zeit, Behelfen und Ruhe fehlt. Übrigens werden alle Lernmittel, als: Hefte, Bücher, Federn usw. von der Schule beigestellt. So war beim die Zeit der ernsten Arbeit verrichtet und mit dem Ge-fühl der Freiheit flog alles ans der Stube. Wie uns der Lehrer mitteilte, seien die Bauern über die neue Art der Uuterrichtseiuteilung entzückt; allenthalben sei die Frage laut geworden: «Ja, wer hat denn diese schöne Einrichtung erfunden?» Zur 5. Frage. Roh. Schneider, Schulleiter in Stockenhoi: Wer den Stoff des 2. Schuljahres vollständig inncliat (ich denke hiebei an langsames, fließendes Lesen, schlagfertiges Rechnen im Zahlenraum bis 100 und an die Fähigkeit, die im Anschauungsunterrichte aufgestellten und orthographisch ungeeigneten Merksätzchen frei aus dem Gedächtnisse niederzuschreiben), gehört in die Mittelstufe. Ein Sitzenbleiben könnte solchen Kindern den ganzen Lerneifer rauben und leicht wäre es möglich, daß ein Wiederholungsjahr mehr Schaden als Nutzen brächte. Zudem erreichen die nach dem 2. Schuljahre aufsteigenden Kinder schon mit dem 10. Jahre die Oberstufe, was in Anbetracht der späteren Sommerbefreiung für die Kinder von ungeheuerem Werte ist. Im Prinzipc gehört demnach das 3. Schuljahr zur Mittelstufe, zumal nach den Reformbestrebungen der Unterrichtsstoff in der Sprachlehre und in den Realien in bedeutend leichterer und interessanterer Form geboten wird, als cs früher der Fall war. Trotzdem ist es für den Lehrer oftmals schwer zu entscheiden, ob er ein Kind aufsteigen lassen soll oder nicht; denn dabei fällt auch die Körperbeschaffenheit des Kindes gar sehr in die Wagschale. Schwächliche, blutarme, oft kränkliche Schüler lasse man nur ruhig noch ein 3. Jahr hei der Unterstufe und begründe es ihnen und womöglich auch gelegentlich den Eltern. Nur Stundenhalter klammern sich an eine apodiktische gesetzliche Vorschrift. Die -Schiller-Nummer» der »Laibacher Schulzeitung» bringt an erster Stelle ein Gedieht ans der Feder von Schillers Gattin Charlotte (ein seltenes Stück!), einen Prolog von unserem Mitgl ede Dr. A. Wallner, einen überaus geistvollen Aussatz von dem Mitglieds Dr. F. Riedl «Schiller als Mensch, Dichter und Denker-, einen Prolog vom Vercinsmitglicde Prof. W. Obrist und die (beiliegende) «Schillerrede im Gottscheer Lande» von Prof. R. E. Pecrz Die hübsch ausgestattete Nummer, die 16 Seiten umfaßt, kann von unserem Verwalter «Lehrer F. Bersin in Laibach» zum Preise von 40 h bezogen werden. Die -Laiback)er Schulzeitung» dürfte das einzige FncHblatt sein, das eine gesonderte Schiller-Nummer veranstaltet hat. Der zeitgeschichtliche Stoff erscheint in einer Beilage. __________ Von Schule zu Schule. XV. «Fräulein N., hier stelle ich Ihnen uusern Gast vor, einen übuugsschullehrer ans I.» Ein Angenniederschlag, mit dem sich das Köpfchen neigte, sagte >Sv, so!» und räumte mir den Platz neben der Lehrerin zu ... . Der Inspektor war abgezogen, während ich mit den ersten Höflichkeitsphrasen die Leere ausfüllte, die zwei Menschen trennt, wenn sie sich unvermittelt zum erstenmale sehen. Und schließlich wirkte das Fräulein erst ein Jahr im Amte und der Gast just auch nicht mehr denn ein Jahrzehnt: Es war also menschlich, daß sich zwischen die Vorstellungsmassen mächtige Gefühlsreihen drängten, die das Wort in Fesseln schlugen. Indes mußte doch das stärkere Geschlecht mit den Geschützen Vorfahren; zwar war die Festung nicht allzumächtig, doch sie wollte erobert werden. Wievielklassig ist die Schule, an der Sie wirken? Zweiklassig. Da werden Sie wohl in die Unterklasse gestellt worden sein. Freilich, freilich! Wir armen Geschöpfe haben doch immer die schwerste Arbeit zu verrichten. Nicht doch! Wer in der Oberklasse Tüchtiges leisten will, muß sich erstens gut vorbereiten und zweitens sorglich mühen, die Zeit gehörig auszunützen. Ach, Sie haben leicht reden! Mit den paar Büblein in der Ubnngsschule gibt es nicht viel Mühe. Ei, da dürften Sie sich denn doch ein wenig täuschen! Wenn Sie wüßten, ivas der Übnngs-schnllehrer zn leisten hat, wurden Sie von seiner Arbeit nicht so gering denken. Hinter jedem Schüler steht entweder ein hochgebildeter Vater oder eine geistvolle Mutter oder ein Hauslehrer, der jeden Schritt des Erziehers verfolgt. In der Klasse lugt im Hintergründe die Schar der Zensoren, gefährlicher Zensoren, die den Ruf des Lehrers ins Land tragen und nur zu leicht geneigt sind, über die beste Arbeit ein abfälliges Urteil zn füllen, wenn man es nicht verstanden hat, die jungen Leute an sich zn ziehen. Und das heischt zuweilen schwere -Opfer. Gründlichkeit wird als Pedanterie gedeutet, eingehende Kritik als Feindschaft. Der Zögling dünkt sich ja über dem Praktiker, wenn ihm der Kopf von Theorie schwirrt, — und da muß der Übnngsschnllehrer, der in einem Lehrkörper, wo etwa der Professorendünkel Schranken zieht, hübsch fein segeln können, um durch alle Klippen zn kommen. Also, sehen Sie, liebes Fräulein, gar so rosig sind wir nicht gebettet. Nun ja, 's mag schon manches stimmen. Aber mit diesem sogenannten «Abteilungsiinterrichte» haben Sie nichts zu tun. Worin liegt denn da das Schwierige der Sache? Ich weiß es vorläufig selbst nicht; allein der Herr Inspektor hat mir ansgetragen, mich den Winter über mit dem Gegenstände zn beschäftigen. Haben Sie in der Lehrerinnenbildnngsanstalt davon nichts gehört? Keine Spur! Wir haben zumeist im Buche gelesen und alle Pädagogen von Sokrates an bis ans Herbart herauf tüchtig gelernt. Also Vater, Mutter, Onkel, Schwestern und Tanten der Pädagogen, dann möglichst viel Jahreszahlen, Stndienorte, Versuchsstationen, Mißgriffe usw., recht viel Ballast, gelt, und wenig lebendig wirkenden Stoff? Ich verstehe nicht, welchen Sinn es hat, daß man jetzt von einem alten Pädagogen etwas lernt, was der andere verwirft und was wir jetzt gar nicht mehr brauchen. Wenn wir daran denken, wieviel Köstliches, Frisches in der Kammer bleiben muß, sobald wir historische Brocken zur Tafel bringen, so tut einem das Herz weh. Wer tiefer in unsere spezifische Wissenschaft dringen will, mag ja den ganzen Entwicklungsgang durchlaufen, denn im Werden wächst die Kraft; allein, wer nur gerade da und dort eine kurze Rast halten kann, fliege rasch durch die Jahrhunderte, den Blick ans die Gegenwart gerichtet, damit er ans seiner hastigen Wanderung gerade nur das anflese, was ihm bei seiner Arbeit in der Schule nützlich sein kann. Dann, wenn er die lange Leiter hinaufgehajpelt ist — verstehen Sie, »gehaspelt -, denn da heißt es ja auch immer nach aufwärts, dem Ziele entgegensehen! — halte er imte und blicke über das Land hinweg, über das Land, in dem auch jene Schule liegt, die ihm beschielten sein wird. So stelle ich mir das Studium der Geschichte für die Pädagogik vor. Wer im Altertum und Mittelalter zuviel hernmkramt, erübrigt nicht mehr Muße genug, um der Neuzeit sein Augenmerk zuznwenden. Nun leben wir aber in dieser und sollten darum bei ihr länger verweilen. Diesfalls fände denn auch der Abteilungsunterricht sein Plätzchen. Wer sollte ihn aber tradieren, Herr Übnngsschnllehrer? Jedenfalls der, den Sie soeben genannt haben. Ha, ha, ha! Sie verstehen ja selbst nichts davon. Die Übnngsschnllehrer sind ehemalige Stadtlehrer. Was würden die den Zöglingen über die Landschule erzählen?! Sie tun meinen Kollegen und mir vielleicht doch unrecht! Nein, nein, «hochgeehrter» Herr «Stadtlehrer-. Da müssen Sie schon zn uns Landschnl-meifierchen in die Schule gehen. Darf ich Ihnen vielleicht den Titel des Buches angeben, das mir der Herr Inspektor zum Studium über den Winter empfohlen hat? Es ist von einem Lehrer in Görz verfaßt worden. Vielleicht finden Sie sich doch halbwegs in die Sache, wenn Sie Lust bekommen sollten, Ihr Vorhaben als Lehrer der Pädagogik dereinst ansznführen. Ich bin begierig. Lesen Sie also die Aufschrift des Buches! Danke! Aber lesen werd' ich das Buch nicht. Warum nicht? Weil ich's selbst geschrieben habe. — — — Wenn über dem Haupte einer Dame die Siegesfahne des Mannes flattert, dann zieht die Besiegte die Schürze über das Angesicht und stürzt davon. Das Fräulein zu ... . hat es nicht anders gemacht. Es war verschwunden und nimmer Hab' ich’s gesehen. Wie mag die Winterlektüre gewirkt haben? Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter Rudolf E. Peerz. — Druck von Jg. v. Kleiuiuayr & Fed. Bamberg in Laibach.