Juki-August. 163-164. Keft. (Seite 3937 Bis 39V».) 1917. Schult und Uattrland Zeitschrift für bodenständige Jugenderziehung und Volksbildung in Österreich. Schriftleiter: Dr. Rudolf Rcerz. Inhalt: a) Schule ,»nd Aaterland. 1. Österreichs Lehrerhelden .... 3937 2. Das neue Ministerium .... 3938 3. Der Kronschatz unserer Kaiserin 3939 4. Österreich......................... 3940 5. Die Lehrerschaft im Dienste de« kämpfenden Vaterlands .... 3943 6. Unsere Übungsschule 3944 7. Für treue Pflicht wird's niemals Nacht........................ 3947 8. Staatsschule und Volkswirtschaft ........................... 3848 9. Zur Erneuerung des österrei-chifchen Erziehungs- und Schulwesens .............................. 3949 10. Kleine Mitteilungen.............. 3952 r-r -S' SS o SS <*> "3 r« -SC w iss tu (M b) Plätter für den Aötcilungs-unterricht. 11. „Die Staatsvolksschule" — das Geflügelte Wort des Tages . 3955 12. Pädagogische Reimpaare . . . 3956 13. Vom menschlichen Denken . . 3957 14. Über die Pflege der Beredsamkeit in der Volksschule .... 3959 15. Preis der Arbeit ................. 3961 16. Die Hauptmanns-Zwillinge . 3962 17. Zuspruch an die Jugend . . . 3964 18. Gedanken über den gekürzten Unterricht........................ 3965 19. Briefkasten....................... 3966 20. Kleine Mitteilungen............... 3966 21. Polack-Ecke....................... 3968 Monatlich 1 Kest. AusgaSflesse: Mcrlag der „Plätter für den ASteilungsunterricht" in Lnivach Aahrespreis der 12 Kette 6 K (G M, 6 K.). Druck von Josef Pavlicek in Gottschee (Kram). 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! LÄC.Hardtmuths I Q F$ | I 11 11 L.AC.Hardtmuths Kohinoor I I e HfllMlITIIITri Farbstifte., ..Zeichenstifte Ul UellUI UIIIIUlll ...Pastellstifte Schulstifte etc. WIEN IX. Budwels in Böhmen. Farbige Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. Durch jede Papierhandlung zu beziehen. WWZWWWNNMZMVBMWZIEUMENNMZNWZNNNZIMZMVMNEMWMZWIZMZIIZNWMZWlZZWMZWVWNW IPcr 26. Jahrgang Begann am 1. Hktoöer v. A. Ocstcrr. Illustrierte Leitung XXVI. Jahrgang. Erscheint wöchentlich. Modernes Familienblatt mit den Monatsbeilagen: „Kunst-Revue, Galerie österr. Maler und Moden-Revue". Verlag Jakob Philipp vormals Philipp u. Kramer, Wien. Redaktion und Administration: Wien 6, Barnabitengasse Nr. 7 u. 7a. Solange der kleine Vorrat reicht, erhalten neueintretende Jahres-abonnenten auf Wunsch das „Kriegsbilderalbum mit 52 mehrfarbigen Kunstblättern von ersten Künstlern" um 10 K statt 30 K nachgeliefert. Österreichs Astnstr. Zeitung ist das bevorzugte Famtlienblatt des Bürgertums! Unübertroffen an künstlerischer Vollendung seiner Illustrationen, in der Reichhaltigkeit und Gediegenheit seines Lesestoffes. Es erscheinen von ersten Autoren jährlich 0—8 spannungsvolle Romane, etwa 150 Novellen, Skizzen u. Humoresken sowie etwa 100 illustr. Artikel belehrenden Inhalts aus dem Gebiete der Kulturgeschichte, Länder- und Völkerkunde usw., Spezialrubrtken, Aktualitäten und Neuigkeiten aus aller Welt, Natur- und Volksereignisse, Zeitgeschichte, Theater, Literatur, Gesundheitspflege, Photographie, Hauö und Küche, Preisrätsel usw. Hoher Extra-Vorzugsrabatt für Lehrer! PlfllKIfi Trautwein, wien, vii. ® Mariahilferstraße Nr. 58 B. 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Handschriften und Bücher an den Schriftleiter, Mies in Böhmen. — „Schule und Vaterland" kann gesondert nicht bezogen werden. Oesterreichs Lehrerhelden in dem Großen Kriege 191417. 27. Jakob Feßler geboren zu Rieden bei Bregenz am 7. Juni 1889, war nach Absolvierung der Volksschule seiner Heimatsgemeinde durch mehrere Jahre Zögling des Saftes Mehreran und genoß als solcher das besondere Wohl, wollen seiner hochgeschätzten Lehrer und Erzieher. Im Alter von 18 Jahren wurde ihm die Leitung der Nottchule Rucksteig (Gemeinde Möggers) übertragen, wo er durch zwei Jahre zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten verblieb und sich die Liebe der Schüler und Eltern erwarb. Da ihm der Lchrerberus besonders zusagte, entschloß er sich zur völligen Ausbilouug in demselben und machte seine Studien an der Lehrer, bildungsanstalt in Bozen, legte 1911 die Reife- und im Jahre darauf die Lehrbefähigungsprüfung mit gutem Erfolge ab. — Von 1911 bis zu Beginn des Krieges bekleidete Lehrer Feßler eine Supplentenstelle an der Volksschule in Bregenz Kurz vor Ausbruch des Krieges wurde ihm eine definitive Lehrstelle an genannter Schule verliehen. Bei der allgemeinen Mobilisierung rückte er zum 2. L. Sch. R. in Bozen ein, machte zuerst die Kämpse am Sann, dann beide Belagerungen von Przemysl mit und kam beim Falle der Festung am 22. März 1915 als Korporal in russische Gefangenschaft nach Krasnowodsk (Turkestan) und starb am 21. Juli 1916. Seine Kollege» liebten ihn als heiteren, gemütlichen Freund und seine Schüler bekundeten ihm große Anhänglichkeit. Für alles Edle und Gute war sein Herz empfänglich und mit seiner Heiterkeit verband er eine ernste Lebensauffassung. Aus den Kartengrüßen, die der Gefangene in die Heimat gesendet, leuchtet sein gewohnt-goldener Humor, die Freiheit des Geistes blieb ihm, dem guten Jokl. Kein Harn, durste sie ihm rauben und immer ließ sich der Wackere die Freude des Herzens fesseln. „Die Hoffnung macht stark," schrieb Jakob Feßler zu Weihnachten 1915. Sie hat ihn nicht nur stark gemacht, sondern auch froh erhalten, froh im harten Leben des Gefangenen, froh gewiß auch im Sterben. — Sein letztes Schreiben langte am 25. Mai 1916 an: „Bin seit 2 Wochen mit 10 Magyaren aus einem Eiland bei Krasnowodsk. Es geht mir gut; täglich bade ich im Meere. Salas y Gomez Idylle. Die Einsamkeit tut mir sehr wohl. Bin oft stundenlang zu Hause am schönen Bodensee und schmiede Pläne für die Zukunft. Meine Buben werden paff sein ob meiner Geduld und Liebe. Sic bilden nicht in letzter Linie einen Grund meiner Sehnsucht, die lieben Kerle." Trauernd gedenken wir seiner, aber nicht trostlos. Gebet und Liebe finden auch den Weg zum fernen Grab. Ios. AinK, Lehrer in Hörbranr bei Bregenz, Vorarlberg, Das neue Ministerium. Jedem Schulmanns, der sein Amt nicht im Beibringen des vorgeschriebenen Lehrstoffes erschöpft sehen wollte, war es auch vor dein großen Kriege bereits klar, daß der Erziehungserfolg vom Schicksal der Familie nicht zu trennen sei. Zwar konnte die Lehrerschaft, sosehr sie auch bestrebt sein mochte, die Vorbedingungen zu einer gedeihlichen (Entwicklung des Kindes nach der geistigen und sittlichen Richtung hin zu fördern, weiter nichts tun, als mit Ratschlägen auf die Eltern einzuwirken und hiebei vor allem Fingerzeige für die richtige Emporziehung des Sprößlings zu geben. Elternabende dienten dem Zwecke. Anfangs wandten sie sich vor allem der Körperbildung des Kindes zu; dann dienten sie mehr der Moral; schließlich liefen sie in spezifische Schulweisheit aus; das Ejaus sollte die Schule unterstützen. Das war einseitig; die Elternabende bekamen ein echt schulmeisterliches Gepräge und hörten wie alles, was pomphaft in die Welt tritt, mählich auf. — Der Krieg hat der Sache eine bedeutsame Wendung gegeben. Es soll rechtzeitig vorgesorgt werden, daß die Volkskraft erhalten bleibe, daß die Zugend nicht verderbe, daß in sie nicht vom Anfänge an der Keim des Siechtums gelegt werde. Diesem Streben dient das Ministerium für Volksgesundheit und soziale Fürsorge. — Wenn ich zuweilen draußen im Feld gefragt wurde: „Was hat Sie denn zur Zn-validen- und Zugendfürsorge gebracht?", so legte ich die Schlußreihe vor: Alles Lernen mit dauernder Auswirkung fetzt physische Tüchtigkeit voraus; diese kann unter den gegebenen Verhältnissen in den weitaus meisten Fällen lediglich durch die Familie erzielt werden. Leidet nun diese Not, so hungert das Kind und nimmer kann der welke Körper kraftvolles Erfassen, Behalten und verarbeiten oder gar Selbstschaffen verbürgen. Sohin erscheint es geboten, die Erhalter unserer Zugend in den Stand zu setzen, daß sie die nötigen Mittel aufzubringen vermögen. Demnach ist der Kriegsinvalide allsofort je nach Eignung einem Geschäfte zuzuführen. Daraus ergibt sich naturgemäß die Arbeitsvermittlung, bezw. als Vorbau die Behandlung, Kräftigung und Schulung der verwundeten. Zst der Vater wieder Verdiener und ergänzt der Kaiser das, was wegen des Mangels der vollen Krafteinheit in Abzug kommt, so ist die erste und notwendigste Lebensbedingung für die Familie getroffen und damit eine vaterländische Voraussetzung für wirkungsvolle Schularbeit gegeben. Will daher die Lehrerschaft den Maßstab des Schaffens mit dem des Wollens ins Niveau bringen, so muß sie, wenn der Ruf an sie ergeht, willig die f)and bieten, die mit Gebrechen Heimkehrenden ehestens in einträgliche Arbeit bringen zu helfen. Das Zweite, was den Schulmann zur sozialen Fürsorge drängt, ist die Erwägung, daß der Niedergang unserer Zugend den Lern- und Erziehungserfolg bedenklich in Frage stellt, wenn nicht vollends vernichtet. Diese Erkenntnis hat in einigen Kronlän-dern bereits zur Friedenszeit Schöpfungen, u. zw. unter der Hauptmitarbeit der Lehrerschaft, hervorgerufen, die der unbetreuten Zugend galten und sowohl der Schule als auch der Öffentlichkeit manchen Kummer ersparten. Die geradezu mustergültigen Zugendfürsorge-Einrichtungen in Böhmen und Mähren sind Zeugen für die hervorragende Beteiligung der Lehrerschaft im Dienste sozialer Fragen. — Ein Drittes, das im Titel des neuen Ministeriums naturgemäß vorangestellt erscheint — die Volksgesundheit — gibt gerade jetzt, da der Krieg mit seinen (zu allen Zeiten gefürchteten) moralischen Folgeerscheinungen die Seiten der Schrecken dem Hinterlande zukehrt, viel zu denken. Krankheiten der Eltern werden auf die Kinder übertragen und haften den armen Geschöpfen zeitlebens an oder wuchern als Gift aus den jugendlichen Körpern, nachdem sie sie zersetzt haben. Wie schmerzlich muß es die Mutier berühre», wenn die Sünde des Krieges aus dem Antlitz des Kindes spricht! Wir haben dieser Seite sozialer Fürsorge bisher viel zu wenig Augenmerk zugewendet. Darum die große Kindersterblichkeit, darum der Kretinismus in vielen Gebieten, darum das dumpfe Hindämmern mancher Schüler. — Ls ist zwar mit der Sexualbelehrung aufklärend zu wirken versucht, hiebei jedoch mancherorts derart taktlos vorgegangen worden, daß die Angelegenheit alsbald in Mißkredit geriet. Nun wird diesbezüglich sowie mit Rücksicht auf andere Erkrankungen, die das Wachstum des in die Welt gesetzten Wesens behindern, eine staatliche Einrichtung getroffen und systematisch durchgeführt werden. — In der kaiserlichen Entschließung vom s. Juni d. I. ist ausdrücklich vermerkt, daß die Aufgaben des neuen Ministeriums nur unter Mithilfe der Gesellschaft zu lösen sind. Man wird in erster Linie an die Lehrerschaft herantreten müssen, ist sie doch Wächterin für Volkswohl und Volksaufklärung in den äußersten Enden draußen und fällt ja der Hauptteil des Erfolges ihr unmittelbar in den Schoß. Gesunde Eltern — gesunde Kinder — Verdien ft — Erstarkung des Körpers: das sind Schlagworte, in denen die Zukunft der Schule liegt. — Das f. k. Ministerium für Volksgesundheit und soziale Fürsorge umschließt Belange, die in unserer Zeitschrift wiederholt mit Nachdruck vertreten wurden. Überdies sind Schriften, die sich auf den Gegenstand beziehen, den Lehrern als kostenfreie Stücke zugesprochen worden. Wer sich in der Sache noch nicht orientiert hat, dem feiert sie neuerdings vor-geführt: j.) J>ie Sorge um die Kriegsinvakideu. (Verlag des „Silbernen Kreuzes" in Wien, f. Bäckerstraße 8. — Ansuchen unter Beruf» ng auf den Schriftleiter.) 2.) Won der Jsront bis zum schaffenden Leben. (Zuschrift an die Leitung der Zeitschrift.) 3.) J>ie Sorge um das kommende Geschlecht. (Ansuchen an das Kriegshilfsbüro des f. f. Ministeriums des Innern, Wien, (. Hoher Markt 5.) H.) Rechenschaftsbericht des Kriegsstilssvüros. (Anschrift wie bei 3.) H>. Der Kronschatz unserer Kaiserin. (Erstdruck.) Nach gehst Du trauernd, holde Frau, Ein Erbstück ist’s, von Greisenhand In düstren Florgewändern, Am Totenbett empfangen, Trägst nicht Juwelen noch zur Schau Ein Kleinod, wie im Erdenland An Gold- und Silberbändern; Kein schön’res zu erlangen. Nicht fühlst Du sehnend Sinn noch Lust Ein Perlenband, so leuchtend weich Noch rauschend starrer Seide — Wie milde Himmelskerzen — Und doch schmückt Deine zarte Brust Der Reichtum von ganz Österreich Das kostbarste Geschmeide. Erstrahlt an Deinem Herzen. Du trägst das Erbe stolz beglückt, Holdseligste der Frauen, Es ist Dein Kronschatz, der Dich schmückt „Das Kind“, aus allen Gauen. Marie Rudofsky. „Oesterreich“. Vom Kaiscrl. Rate und emerit. k. k. Bezirksschulinspektor Johann Korger in Mähr.-Schönberg. Der Österreicher hat ein Vaterland, Und liebt’s, und hat auch Ursach’, es zu lieben , Schiller. Durch unser ganzes Leben klingt ein Ton, der stets die süßen Erinnerungen an unsere Jugendjahre und gleichzeitig an unsere traute Heimat aufs lebhafteste in uns wachruft. Welche Fülle lieblicher Gedanken schließt das eine Wort „Heimat“ ein! Es versetzt uns in jenes trauliche Gemach, wo unsere ersten Schritte von der Mutterliebe geleitet” und behütet wurden ; es leitet uns in das Vaterhaus, wo der Frieden unsere ruhige Kindheit beschützte; es zeigt uns jenes freundliche Dörfchen oder Städtchen, das unserer Kindheit Spiele sah; es führt uns jene Auen und Felder vor, welche Zeugen unserer ersten Freude oder unserer ersten Schmerzen waren. Aus der Mächtigkeit dieses Zuges entsteht eine Anhänglichkeit an alles, was die liebe Heimat birgt: für die Quellen, Täler, Berge, Fluren und Wälder. Mögen auch Weltbürger einherschreiten, die uns mit Pfeilen des Spottes überschütten: uns blinkt aus dieser Umtrübung stets des Dichters leuchtend Wort entgegen: „Es ist das kleinste Vaterland Der größten Liebe nicht zu klein: e enger es dich rings umschließt, ' e näher wird’s dem Herzen sein.“ Bedarf es hierzu noch eines Beweises, so fragt den Wanderer, der im hohen Norden geweilt und den Kampf der Sonnenstrahlen mit dem Nebel gesehen hat; oder fragt den, der im sonnigen Süden gelebt, den unter ewig heiterem Himmel Blumen in bunter Farbenpracht begrüßt haben; ihn, der das blaue Meer und das farbige Spiel des Alpenglühens geschaut, der das geräuschvolle Leben der Großstädte kennen gelernt, fragt ihn nur und ihr werdet erfahren, wie keine jener lieblichen Gegenden, keine jener herrlichen Städte sein Herz in dem Maße auszufüllen vermochte, wie das Bild der Heimat I Rasch entschlossen eilt er zurück. Klopfenden Herzens zieht er seinen Weg; da lichtet sich der Wald, überrascht hält er inne — wie oft hat er dieses teure Fleckchen Erde im Traume gesehen! Hier, am Fuße des waldgekrönten Berges liegt das einsame Dörfchen im Glanze der scheidenden Sonne. Freudentränen feuchten seine Augen: er hat das Ziel seiner Sehnsucht erreicht und begeistert stimmt er ein in die Worte des Dichters: „An Ländern — reich gesegnet an zaub’rischem Gefild, Verdunkelt ward doch alles von einem Wanderbild. Ein fast verfall’nes Häuschen erblickte ich im Tal, Doch Gold bedeckt die Lehmwand — der Abendsonnenstrahl. Ich sah’s und mußte weinen, wie seit dem Abschied nie, Die Freude macht mich zittern, und Ehrfurcht beugt mein Knie. Ich sah, nach später Heimkehr, vom Bergesgipfel aus Mein kleines, armes, altes — mein teures Vaterhaus!“ Diese Sehnsucht nach der Heimat folgt dem Menschen, wohin ihn auch das Schicksal führen mag. Die Liebe zur Heimat ist demnach ein Naturtrieb, der in jedem unverdorbenen Herzen wohnt und bei manchem Menschen so mächtig ist, daß er den Gedanken nicht ertragen kann, seine Heimat verlassen zu sollen. Mit ganzer Seele hängt er an ihr, so wie der Baum in seinem Erdreich wurzelt; wer ihn gewaltsam losreißen wollte, würde ihn vernichten. Vielen ist daher die Vorstellung, in fremder Erde einst ruhen zu sollen, durchaus unerträglich und ihr einziges Streben ist dahin gerichtet, sich diesem Lose zu entwinden. Und warum sollte uns auch die Heimat nicht lieb und wert sein? Hat uns doch die Heimat so viel Gutes getan I Hier ist der Ort, in dem uns die liebe Sonne zum ersten Male schien, hier ist der Ort, wo wir unsere Kindheit verlebt und so viele glückliche Tage genossen haben. Wir sehnen uns daher mit ganzem Herzen an den Ort zurück, an den sich unsere schönen Jugenderinnerungen knüpfen. Wenn es uns 3941 auch in der Fremde noch so wohl geht, wenn wir es dort auch noch besser haben als in der Heimat — wir ziehen doch die Heimat vor. Ein Gefühl, das mit solcher Mächtigkeit im Menschen wohnt, ist wohl wert, von dem Erzieher beachtet zu werden. Ein Gefühl von solcher Stärke wird auch eine Tragkraft besitzen, die bei der Lösung des Erziehungsproblems in Rechnung zu ziehen ist. Das hat die deutsche Volksschule auch getan. Indem sie dabei von der psychologischen Erfahrung ausging, daß man sich nur für das zu begeistern vermag, was man zu würdigen weiß, hat sie die Heimats- und Vaterlandskunde unter die Lehr-gegenstände aufgenommen und sich dabei das Ziel gesetzt, in die Herzen der Kinder den frischen und kräftigen Trieb der Vaterlandsliebe zu pflanzen, ihn sorgsam zu pflegen, damit er herauswachse zu dem Hochgefühle, Angehöriger eines schönen und mächtigen Reiches zu sein. Wie jedes Gefühl, so muß auch das Gefühl der Heimats- und Vaterlandsliebe auf sinnlicher Grundlage beruhen. Wer daher Liebe für seine Heimat und für das Vaterland erwecken will, muß dem Geiste des Kindes Kenntnisse über solche Dinge zuführen, die angenehm und zusagend, dem Gemüte wohltuend sind. Hiermit ist auch die Richtung gegeben, in welcher beim Unterrichten vorzugehen ist. Das Kind, dessen Gesichtskreis noch eng ist, soll zunächst die engere Heimat achten und lieben lernen, bevor es auf Fernestehendes sein Auge richtet, es muß an dem Lande, in dem es lebt, sein herzliches Wohlgefallen haben. Die Kenntnis des eigenen Landes ist die Hauptsache. Den ethischen Wert der Liebe zur Heimat und zum Vaterlande anzweifeln zu wollen, hieße den Nutzen der Anschauung selbst und der eigenen Erfahrung in Frage stellen. Wenn auch die Szenerie der Natur in manchen Gegenden weniger großartig ist, so bietet doch jedes einzelne Kronland unserer Monarchie landschaftliche Schönheiten in genügender Fülle, um die Herzen der Jugend zu entzücken und sie mit Liebe zum Heimatsboden zu erfüllen; dort aber, wo es der Gegend an landschaftlichem Reize mangelt, bieten sicher die reichen Schätze der Industrie und der Kunst, die ehrwürdigen Stätten der Geschichte und der Sage eine nie versiegende Quelle der Belehrung und der Begeisterung für die Heimat. — Wird der jugendliche Geist durch solche Bilder gehoben, so wird das Kind mit Stolz auf seine Heimat blicken und sich glücklich preisen, dieselbe als sein „Heim“ bezeichnen zu dürfen. Durch geographische und Kulturbilder wird die Liebe zur Heimat und zur Monarchie sehr gefördert; in bezug auf dieselben bietet wohl kaum ein zweiter Staat Europas so viel lehrreichen Stoff zur Besprechung, wie unsere Monarchie, da jedes einzelne Kronland ein Edelstein in der strahlenden Kaiserkrone Österreichs ist. Lebhafte Schilderungen vermögen unsere Herzen für die Reize und Schönheiten unseres Vaterlandes zu entflammen. Allerorts findet man Objekte, die ein längeres Betrachten angenehm erscheinen lassen, überall ist Stoff vorhanden, der unseren Geist fesselt und unbemerkt das Behagen großzieht, mit dem wir freudig das Gelernte überblicken. Während der ganzen Schulzeit wird dafür gesorgt, in den empfänglichen Herzen der Jugend den Sinn für Religiosität, Sittlichkeit und gesetzliche Ordnung zu pflegen, dieselbe mit den deutschen Geistesheroen und den Perlen deutscher Dichtkunst vertraut zu machen, auf daß sie unserer herrlichen deutschen Muttersprache treu bleibe. Man ist bestrebt, die unwandelbare Verehrung und Anhänglichkeit an das Allerhöchste Kaiserhaus zu befestigen und den echten Patriotismus zu wecken, der sich nicht nur bei feierlichen Anlässen in Worten kundtut, sondern jederzeit bereit ist, für Österreichs Bestand den letzten Heller und den letzten Blutstropfen hinzugeben, wenn das Vaterland oder unser altehrwürdiges Kaiserhaus in Gefahr kommt 1 In weihevoller Stunde dringt dann aus Millionen Herzen unsere einzig herrliche, von heißem Flehen für Kaiser und Reich erfüllte „Volkshymne“ als tiefempfundenes Gebet zum Lenker der Menschengeschicke empor, jenes Lied der Lieder, das oft in bangen und gefahrvollen Stunden so manchen Österreicher zu hochauflodernder Begeisterung entflammt hat und mit Zaubergewalt unsern überströmenden Gefühlen beredten Ausdruck verleiht, wenn es gilt, unserem erlauchten Monarchen und seinem Hause in deutscher Treue zu huldigen. Die Heimats- und Vaterlandsliebe wird sich nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten äußern, ob dies nun im stillen bürgerlichen Kreise oder durch Teilnahme an öffentlichen Angelegenheiten der Fall ist. Glücklich ein Volk, das sein Vaterland liebt! Es wird nicht nur blühen und gedeihen in den Künsten und Wissenschaften, in den Tugenden des Friedens, sondern auch opferwillig und kampfesmutig herbeiströmen, um mit feuriger Kraft das Vaterland gegen den zu verteidigen, der es anzugreifen wagt. Es wird in treuer Liebe selbst sein Leben opfern und in höchster Not entschlossen einstimmen in den Ruf: „Gut und Blut für unsern Kaiser, Gut und Blut fürs Vaterlandl“ Der gegenwärtige Weltkrieg hat wieder den Beweis dafür erbracht, daß die Söhne aller Nationen unseres teuren Vaterlandes, dem seit jeher große weltgeschichtliche Aufgaben gestellt waren und noch sind, dasselbe mit vereinter Kraft und siegreich verteidigen, ihr Leben für Groß-Österreich diesseits und jenseits der Leitha einsetzen; mit unerschrockenem Mannesmute und jugendlicher Begeisterung zogen und ziehen die Söhne aller Volksstämme unter dem glorreichen Zepter der angestammten Dynastie, zurückolickend auf die errungenen Siege der Vorfahren, eingedenk der Bedürfnisse der Gegenwart und der Zurunft, entschlossen in den Krieg, angespornt durch die Anhänglichkeit, Treue, Opferwilligkeit und Vaterlandsliebe aller Bewohner des weiten, großen und mächtigen Reiches in freudiger Betätigung des deutschen Sanges: „Ans Vaterland, an’s teure, schließ’ Dich an, Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen 1“ Diese heldenechte, heilige Liebe, welche auch jene Vaterlandsverteidiger beseelte, die beim Ausbruche des Krieges im Auslande weilten, beweist, was das Lied begeistert singt: „Warum hab’ ich wohl heim verlangt, Als Krieg mein Volk bedroht? Warum hab’ ich mit ihm gebangt, Da fern mir selbst die Not? Ob nah’, ob fern, — erkannt hab’ ich, Eins bleibt sich immer gleich: Ich sehn’ nach Deiner Schutzhand mich, Mein teures Österreich!“ Eine solche echte, tiefe Vaterlandsliebe ist das feste Band, welches die Kronländer unseres Staates dauernd zusammenhält und seine Größe und Wohlfahrt für alle Zukunft sichert, welche uns jene Heldengestalten, die uns als Ideale aus der Schulzeit vorschweben, verkörpert und zur Nachahmung anspornt. Wenn die Völker Österreichs sich ihr treffliches Heer vor Augen halten und ohne Unterschied der Sprache für Kaiser und Reich treu zusammenstehen, dann wird auch durch die Liebe zum gemeinsamen Vaterlande und durch die angestammte Kaisertreue das Land, welches alle Völker unseres Staates verbindet und eint, noch inniger geknüpft, denn erhebend ist es, einem solchen Vaterlande anzugehören. Auch im derzeitigen Völkerringen scharen sich — wie immer — huldigend Österreichs Völker voll Begeisterung um den Thron Sr. Majestät und im Schlachtendonner besiegeln neuerdings unsere heldenhaften Truppen mit Blut und Leben die Jahrhunderte hindurch bewährte und erprobte Treue und Anhänglichkeit für das Allerhöchste Kaiserhaus, wodurch die Feinde zur Erkenntnis kommen, daß Altösterreichs Heldengeist auch unter dem Zepter des neuen Führers, Sr. k. u. k. Apost. Majestät Karl I., in gleicher Glut fortlebt. — 3943 Die Lehrerschaft im Dienste des kämpfenden Vaterlands. 7. Z>ie Kriegskonstante. Ob nun das große Ringen bald zuendegeht oder nicht, es wird riitlich erscheinen, sich auf eine lange Dauer des Krieges einzurichten. Hätten wir dies von allem Ansange an bedacht, wir stünden heute mit so manchem besser da. England hat noch jedesmal durch Zähigkeit gesiegt; es ist klar, daß es auch im Weltkriege mit diesem Mittel das Endergebnis zu seinen Gunsten zu lenken versucht. Zwar ist es spät, sehr spät, sich auf eine unbegrenzte Kriegsdauer — also auf eine Kciegskvustante — einzustellen; allein eS ist für uns noch nicht zu spät. Besännen wir uns jedoch nicht in nächster Zeit und wirtschafteten wir so, als ob die Prophezeiungen der Optimisten, die ein baldiges Ende Voraussagen, in Erfüllung gehen, so könnte der Tag des Zusammenbruchs, auf den es England abgesehen hat, mit all seinen Schrecken und Folgen kommen. Unsere weitblickende Kriegsverwaltung rechnet nicht mit dem Wünschenswerten, sondern mit dem Möglichen; sie trifft daher Maßnahmen, die die Kriegskonstante zur Grundlage haben. Bor allem wird das Ernährungsprvblem breit gefaßt. Das Reich wird gemessen und gewogen, wieviel es liefert, damit man die Nation für jeden Magen bestimmen könne. Dieser Eingriff in das Eigentum des Einzelnen verstimmt die Besitzer, sofern sie nicht das Ganze überschlagen. Der Mißmut löst sich in Ärger und in Abwendung von der Kriegsanleihe aus. Wäre jemand da, der Aufklärung brächte, es würde so manches williger entgegengenommen, ja als^sebstver-ständlich erachtet werden. Der Jemand ist der Lehrer. Ihm soll es als eine der vornehmsten Aufgaben gelten, die aufgeregten Gemüter zu beruhigen, indem er aufs große Ganze verweist. Würde der Staat die Nahrungsmittel nicht mit Beschlag belegen, um sie gerecht zu verteilen, so hätten die Einen alles, die Änderen nichts. Wäre das gerecht? Sollen nicht alle im Hinterland gleichmäßig die Leiden des Krieges im selben Maße ertragen wie die draußen im Feld« Mann für Mann, ob hoch, ob niedrig? Der Bauer ist der Meinung, denen in der Stadt fehle es ohnedies an nichts, die seien reich, sie könnten sich was kaufen. Ja, wenn es was zu kaufen gäbe! Mau erinnere ihn nur einmal daran, daß in der Stunde, da er noch im Traume liegt, Frauen des Mittelstandes bereits in den Straßen der Großstadt stehen und auf die Aussvlgung von Nahrungsmitteln harren. Dem Bauer wächst der Bissen in den Mund hinein; er ahnt gar nicht, mit welcher Not die Städter ringen. Mancher weiß es zwar, aber er denkt bei sich im stillen: „'s ist schon recht, sie soll'ns nur einmal spüren I" Solche Schadenfreude ist unehrlich, in harter Zeit verwerflich. Der Lehrer soll sie tadeln. Zudem führte sie in der Ausübung, d. h. in der Zurückhaltung von Lebensmitteln, zu inneren Wirren; dann hätte der Feind leichtes Spiel, uns über den Haufen zu werfen. Alle angeführten Gründe bestimmen den Staat, die Speisekammer des Reiches zunächst unter strenger Aufsicht zu füllen und hiebei niemanden erst um seine Zustimmung zu fragen, und aus ihr sodann nach allen Seiten hin die Portionen gerecht auszuteilen. Wenn einmal alles geregelt ist, wird auch der Millionär nicht mehr und nicht Besseres auf seine Tafel bekommen, wie der Arbeiter in der Borstadt. Wenn das dem Landmanne vorgeführt wird — und es ist Ziel der Verteilung —, so wird er nicht anstehen, die behördliche Anordnung willig hinzunehmen. — Ein anderes, was die Kriegskonstante hinsichtlich der Ernährung erfordert, ist das Sammeln von Früchten des Feldes und des Waldes. Man beutet Busch und Dorn noch viel zu wenig aus. Nur der Karstbeivvhner, dem der steinige Boden wenig trägt, fahndet im Forst und in den Hecken nach Früchten, dörrt sie und spart sie für den Winter auf. In der Sache sollte jeder ein Hamster seinl Sowie ich es dem Raunzer in der Großstadt vergönnte, im nassen Schützengraben, für den just die Zufuhr abgeschnitten ist, 14 Tage zu verbringen, weil er dann gründlich geheilt werden würde, so möchte ich auch jeden, der die Erträgnisse des Bodens noch nicht durch die des Waldes und der Heide zu ergänzen versteht, nach Unterkrain .entsenden. — Der Krieg sollte ein Lehrmeister sein und als solcher genommen werden! Mit dem Poltern ist nichts getan; sich umsehen und in die Lage finden, das ist die einzig richtige Lebensweisheit für die Tage der Not. Wenn der Lehrer die Parole von Haus zu Haus trägt, von Dorf zu Dorf, so wird das unnütze Gezeter bald ein Ende nehmen und uns keine der Möglichkeiten unvorbereitet treffen. — P. Unsere Übungsschule. Zeitgemäße Ausgestaltung der Ü.-Sch.1 Geistige und soziale Hebung des Ü.-L.-Standes. Von einem Übungsschullehrer. „Die Schulreform steht und fällt mit dem Lehrer." ä.i , Llchtwarck. Die künftige Neugestaltung unseres Vaterlandes bedingt auch eine Neugestaltung der Lehrerbildung und damit einen zeitgemäßen Ausbau der Ü.-Sch. Unsere Ü.-Sch. war in den letzten Jahren vor dem großen Kriege Gegenstand eines heftigen Widerstreites. Wenn nun unter dem Eindrücke welterschülternder Ereignisse das Interesse für sie etwas erkaltet zu sein scheint, so ist das in Wirklichkeit nicht der Fall. Im Gegenteil. Denn in fachlichen Kreisen beschäftigt man sich mehr denn je mit dieser für das Wohl und Wehe der Lehrerbildung hochwichtigen Angelegenheit, aus verschiedenen Gründen allerdings mehr oder weniger „hinter verschlossenen Türen“. Wenn ich mir nun erlaube, im nachstehenden zu dieser Frage auch das Wort zu ergreifen, so geschieht dies keineswegs aus eitler Schreibseligkeit, sondern in dem aufrichtigen Bestreben, Klarheit in die aufeinander prallenden Gegensätze zu bringen. Meine Ausführungen gründen sich auf die Erfahrungen einer 15 jährigen Dienstzeit an der Volks- und Bürgerschule und auf eine 10jährige Praxis als Ü.-L. 2 und stellvertretender Hauptlehrer. Zu allererst will ich mich in Kürze mit der Frage beschäftigen: Ist der weitere Bestand der Ü.-Sch. für die praktische Ausbildung des" künftigen Lehrers notwendig? Jal Denn solange die jetzige Form der Lehrerbildung, die im großen und ganzen mit dem Besuche der L.-B.-A, abschließt, beibehalten wird, solange muß mit der Bildungsstätte für die theoretisch-wissenschaftliche Schulung eine Stätte der praktischen Ausbildung, eben die Ü.-Sch., verbunden sein. Gewiß weist der jetzige Betrieb der praktischen Ausbildung mannigfache Mängel auf. So genügt vor allem die gegenwärtige Zahl der Praxisstunden keinesfalls einer gründlichen praktischen Schulung. Eine unmittelbare Folge dieser spärlichen Zahl von Praxisstunden ist der sogenannte Stundenbilderunterricht, der dem angehenden Lehrer nie und nimmer das wahre Bild seiner späteren beruflichen Tätigkeit vermitteln kann. Ein weiterer Nachteil liegt in der den volksschulmäßigen Verhältnissen nicht entsprechenden Schülerzahl der Ü.-Sch., die sich zudem meist aus Kindern besserer Bevölkerungskreise zusammen-sezt, 8 so daß auch in dieser Hinsicht den Zöglingen unwahre Bilder vorgetäuscht werden. Endlich bestehen die meisten Ü.-Sch. aus den ersten 5 aufsteigenden Schuljahren einer 8 Massigen Volksschule, so daß der Abteilungsunterricht, womit es doch die Mehrzahl der Zöglinge in ihrer späteren Praxis zu tun hat, keine oder eine nur unzureichende Berücksichtigung findet. Auf diese Tatsachen gestützt, fordern die Gegner der Ü.-Sch. deren Auflassung und die Verlegung der praktischen Ausbildung in eine Volksschule des Studienortes oder dessen Umgebung, bezw. eine einjährige Praxis bei einem Volksschullehrer. Für den ersten Augenblick besitzen diese Forderungen tatsächlich etwas Verlockendes. Doch gemacht Abgesehen davon, daß die Volksschule, die den Zöglingen die praktische Ausbildung vermittelte, auch wieder eine Ü.-Sch. wäre, stellten sich der Durchführung dieser Forderungen derartige Schwierigkeiten und Hindernisse entgegen, daß man schon im vorhinein darauf verzichten muß. Denn wie denkt man sich die Unterbringung der Praxisstunden in dem vielgegliederten Stundenpläne einer L.-B.-A.? Wie die ständige Anwesenheit des Leiters der L.-B.-A. in den Hospitier- und Lehrproben-Btunden sowie in den Vor- und Nachbesprechungskonferenzen? Wie die Teilnahme der mit der praktischen Ausbildung betrauten Lehrer an den monatlichen Beratungen des Lehrkörpers, die behufs einer allseitigen und eingehenden Beurteilung der Zöglinge unerläßlich ist? Wie die häufig vorkommende Heranziehung der Ü.-Sch. als „Hilfslehrer“ und als Stellvertreter der Hauptlehrer? Schon an diesen Punkten scheitert die Verlegung der praktischen Ausbildung an eine mit der L.-B.-A. in nur losem Zusammenhänge stehende, räumlich getrennte Volksschule. Was nun das einjährige Hospitieren bei einem Volksschullehrer betrifft, so muß zugegeben werden* daß diese Art der praktischen Schulung (unter Voraussetzung günstiger Umstände) für den angehenden Lehrer in einzelnen Belangen von größerem Nutzen wäre als die jetzige Form der Praxis, 1 Ü.-Sch. — Übungsschule. * Ü.-L. ----- Übungsschullehrer. 8 Doch hat dieser Vorwurf nicht allgemeine Giltigkeit Es gibt Ü.-Sch., die in dieser Beziehung durchaus das Bild einer echten Volksschule aufweisen. Doch brächte sie anderseits so viele Mängel und Nachteile, daß dadurch ihre Vorteile weit in den Schatten gestellt würden. Vor allem wäre dieses Jahr — und das ist wohl der gewichtigste Punkt, der dagegen spricht — für die wissenschaftliche Ausbildung des Zöglings so gut wie verloren. Sodann würde sich die äußerst wertvolle Klassenbespiechung auf eine stets einseitige Beurteilung beschränken. Und schließlich müßte auf die vielen methodischen Hilfsmittel, die dem Zöglinge an der L.-B.-A. zur Verfügung stehen und zu deren fleißiger Benützung trotz dem modernen Schlagworte »Methodische Krücken“ nicht oft genug hingewiesen werden kann, Verzicht geleistet werden. Also auch daraus ergibt sich, daß (solange die jetzige Form der Lehrerbildung beibehalten wird) die Stätte der praktischen Ausbildung mit der Stätte der wissenschaftlichen Schulung als organisches Ganze verbunden bleiben muß. Allerdings bedarf die U.-Sch. eines zeitgemäßen Ausbaues, u. zw. nach folgenden Gesichtspunkten : Zuförderst muß die Zahl der Praxisstunden in ausreichendem Maße erhöht werden, auf mindestens 6 im vorletzten und 10 im letzten Jahrgange. Dies läßt sich durch die Aufsetzung eines fünften Jahrganges sowie durch die Ausscheidung, bezw. Einschränkung gewisser Nebenfächer sehr leicht durchführen. Durch die Vermehrung der Praxisstunden ist es möglich, daß der Zögling durch mehrere Wochen in mehreren aufeinander folgenden Stunden dem Unterrichte in einer Klasse beiwohnen, bezw. dort unterrichten kann. Nur so ist es möglich, daß der zukünftige Lehrer Einblick und volles Verständnis in die erziehlichunterrichtlichc Tätigkeit, so z. B. in die geistige Veranlagung der einzelnen Schüler (womit aufs innigste ihre individuelle Beurteilung und Behandlung verknüpft ist), in die Gliederung und Bewältigung des Lehrstoffes, in die Vorbereitung, Ausarbeitung, Durchsicht und Verbesserung der Stilaufgaben, in die Herstellung einfacher Lehrmittel, in die Führung der Amtsschriften usw. erlangen kann. Sodann müssen wenigstens die Ü.-Sch. in kleineren Städten (die es vor allem mit der Heranbildung künftiger Landlehrer zu tun haben) zu einer achtklassigen Volks- und Bürgerschule, die Kinder aller Bevölkerungsschichten aufnimmt, ausgebaut werden. Dies brächte einerseits den großen Vorteil, daß sich die mit solchen Ü.-Sch. ausgestatteten L.-B.-A. einen guten Teil ihrer Zöglinge in der besten Weise selbst heranziehen könnten. Anderseits aber wäre es infolge der größeren Anzahl von Ü.-Sch.-Klassen möglich, jede Woche wenigstens einmal durch Zusammenziehung mehrerer Schuljahre den Abteilungsunterricht praktisch zu pflegen. Würden dann noch in jedem Monate in einer minderklassigen Volksschule der Umgebung, was sich unschwer durchführen ließe, Hospitier- und Lehrprobenstunden abgehalten, so könnte den Zöglingen recht gut jenes Maß praktischer Schulung vermittelt werden, das sie für ihren späteren Beruf vollauf befähigt.1 Übrigens ist die Forderung nach praktischer Schulung des Zöglings an der Einklassigen auch ein viel mißbrauchtes Schlagwort. Der bekannte Schulmann und Kreisschulinspektor Scherer in Worms sagt in seinem „Wegweiser zur Fortbildung deutscher Lehrer“: „Die einklassige Volksschule ist die ungeeignetste Übungsschule.“ Und an einer ändern Stelle desselben Buches: „Es ist ein Krebsschaden für den Lehrerstand, daß der junge Lehrer zu früh selbständig wird.“ Mit anderen Worten: Der Anfänger im Lehramte der Volksschule hat sein berufliches Wirken an einer mehrklassigen Schule zu beginnen und sich erst die notwendige Erfahrung zu sammeln, deren er bedarf, um an der schwierigsten Art der Volksschule, an der Einklassigen, mit Erfolg arbeiten zu können. Endlich muß aus verschiedenen Gründen die praktische Ausbildung des Zöglings ganz in die Hände des Ü.-Sch. gelegt werden. Daher gehört dem Ü.-Sch. auch der Unterricht in der Speziellen Methodik der einzelnen Gegenstände. Der gegenwärtige Vorgang bei der Einführung des Zöglings in die Praxis, wobei sich Hauptlehrer und Ü.-Sch. in die Arbeit teilen, ist der Sache keineswegs förderlich. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom, so daß es bei gegensätzlichen Anschauungen meist ein müßiges Beginnen wäre zu untersuchen, auf wessen Seite, ob auf der des Hauptlehrers oder auf jener des Ü.-L., das Recht liegt. Schließlich wäre es sehr traurig, wenn der Ü.-L. bei der Besprechung der praktischen Übungen den wissenschaftlichen Anforderungen nicht gerecht werden könnte. Allerdings sollten als Ü.-Sch. nur tüchtige, in allen Einzelheiten ihres Berufes erfahrene Praktiker angestellt werden. Bei ihrer Anstellung seien in erster Linie nur pädagogisch-didaktische Gründe maßgebend und als Nachweis ihrer wissenschaftlichen Befähigung fordere man das Lehr- 1 Daß dieses sogar im Rahmen des jetzigen Statuts für L.-B.-A. möglich ist, wurde in hervorragender Weise im Schuljahre 1912/13 an der k. k. L.-B.-A. in Mies gezeigt, wo der Abteilungsunterricht in der 4. Ü.-Sch.-Klasse (4. und 5. Schuljahr) vorbereitend und sodann an der einklassigen Volksschule in Sittna eingehend gepflegt wurde. bcfähigungszeugnis für Bürgerschulen, keinesfalls aber alle möglichen Nebenbefähigungen. .Denn der Ü.-L. sei Lehrer der Praxis und nichts anders.“ 1 Denn sein Amt bringt ihm allein so viel Arbeit, daß er bei dessen gewissenhafter Erfüllung gar keine Zeit für andere Fächer übrig hat. Aus demselben Grunde setze man die Lehrverpflichtung auf 25 Stunden in der Woche herab. Außerdem gebe man den Ü.-Sch. durch Gewährung von Reiseunterstützungen Gelegenheit, sich von pädagogischen Neuerungen zuständigenorts überzeugen zu können, damit er sich darüber aus eigener Anschauung das richtige Urteil bilden kann. Vor allem aber sei jeder Ü.-L. eine volle Lehrerpersönlichkeit, das heißt nicht allein ein vorbildlicher Lehrer, sondern auch ein sittlich-strenger Charakter. „Dein stetes Betragen muß dahin gehen, deinen Zöglingen in jeder Hinsicht Muster zu sein.“ (Salzmann.) Um für das Lehramt an der Ü.-Sch. wirklich hervorragende Praktiker zu gewinnen, müssen die Dienstbezüge eines Ü.-L. im richtigen Einklänge zu den Anforderungen seines beruflichen Wirkens stehen. Doch wie steht es in dieser Beziehung? Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß die Fachlehrer in Wien, Niederösterreich, Schlesien, Mähren, Innsbruck und Trient, dann die an den staatlichen Bürgerschulen in Triest und Pola viel besser gestellt sind als die staatlichen Ü.-L. Diese beschämende Tatsache drückt nicht allein das Ansehen des Ü.-.L-Standes herab, sondern hält auch jeden tüchtigen Bürgerschullehrer der genannten Orte und Länder von der Bewerbung um Ü.-L.-Stellen ab. Neben der Gehaltsfrage drückt uns Ü.-L. am meisten die Titelfrage. „Übungsschullehrer 1“ Abgesehen von seiner Schwerfälligkeit, kennzeichnet dieser Titel unser Amt als Lehrerbildner nicht. Die meisten Laien stellen sich unter einem Ü.-L. alles andere, nur nicht das Richtige vor. Daher kein Wunder, wenn der Titel Ü.-L. alle möglichen und unmöglichen Verzerrungen und Verstümmlungen erfährt und in den meisten Fällen zur Bezeichnung „Lehrer“ zusammenschrumpft. Ohne nun die hohe, edle Bedeutung dieses Anredewortes herabsetzen zu wollen, müssen wir es dennoch als Standesbezeichnung ablehnen. Denn es bezeichnet nie und nimmer unser Wirken als Lehrerbildner und es ist derselbe Titel, den jeder Zögling schon nach abgelegter Reifeprüfung führt. 2 Noch krasser aber ist dieses Mißverhältnis geworden, seitdem an ältere Oberlehrer der Titel Direktor verliehen wird. Was aber die mit den „Rechten und Pfliohten“ eines Ü.-L. angestellten Musik- und Turnlehrer anbelangt, so wird diesen schon längst anstandslos der Titel Professor verliehen, manchmal sogar schon in der X. Rangsklasse. Ohne Überhebung und Mißgunst aber frage ich: Wessen Amt ist das wichtigere, das eines Ü.-L. oder das eines Musik-, bzw. Turnlehrers? Denn wer gibt dem Zöglinge das notwendigere Rüstzeug für seinen späteren Beruf mit, der Ü.-L. oder der Musik-, bzw. Turnprofessor?! Und doch wird dies von unseren Behörden nicht anerkannt, denn sonst wäre hierin schon längst Wandel geschaffen worden. Man komme uns nicht mit der Einwendung, daß die Aufrollung der Titelfrage kleinlich und unangebracht sei. Es ist peinlich und niederdrückend, wenn man in der Gesellschaft in einem Atem mit Professor, „Übungslehrer“ und Lehrer angesprochen wird. Hiedurch wird einem die Beteiligung an dem gesellschaftlichen Leben geradezu verleidet, und dies umsomehr, je kleiner der Dienstort ist und je älter man wird. Bei halbwegs gutem Willen müßte es doch möglich sein, älteren Ü.-L. einen ihrer Arbeit und Stellung entsprechenden Titel zu verleihen, was nicht allein zum Ansehen des Standes, sondern gewiß auch zum Ansehen der L.-B.-A. beitragen würde. Wie man sonst mit Titeln nicht geizt, zeigt die in letzter Zeit häufige Verleihung des Titels „Kaiserlicher Rat“ selbst an solche Personen, mit denen sich der Ü.-L. in Bezug auf Vorbildung und öffentliches Wirken jederzeit vergleichen kann. So wurden kürzlich mit dem Titel „Kaiserlicher Rat“ ausgezeichnet: ein Bezirkssekretär ohne juridische Bildung; ein Finanzwache-Oberkommissär (IX. Rangsklasse!), der aus dem Mannschaftsstande der k. k. Finanzwache hervorgegangen war, und ein Steuer-Oberverwalter mit 5 Gymnasialklassen als Vorbildung. Und da sollte dieser Titel nicht auch verdienten Ü.-L. verliehen werden können? Freilich gäbe es noch eine, dazu sehr einfache Lösung der Titelfrage. Man berücksichtige einfach die Ü.-L. bei der Ernennung zu Bezirksschul Inspektoren in einem größeren Maße als 1 Freie Schulzeitung, Nr. 38 des Jahrganges 1916, Seite 712. 2 Weil das Volk unseren schwerfälligen und unverständlichen Titel nicht gebraucht und uns daher kurzweg mit Lehrer anspricht, sind wir hinter die Fachlehrer und Oberlehrer eingereiht. Welche Ungereimtheiten sich daraus ergeben, zeigt folgender Fall: Vor kurzem wurde mein um 10 Jahre jüngerer Schwager als Leiter einer zweiklassigen Volksschule angestellt. Während er nun der „Herr Oberlehrer“ ist, bin ich weiterhin der „Herr Lehrer“ geblieben, obwohl es den Leuten recht gut bekannt ist, daß ich an einer L.-B.-A. diene. 3947 bisher. Damit würde die Entwicklung der Volksschule in entschiedener Weise gefördert, da keine andere Lehrerkategorie diese umfassende Erfahrung auf dem Gebiete des Volksschulwesens aufzuweisen vermag wie die der Ü.-L. Und noch eine Beförderungsmöglichkeit! Verdiente Ü.-L. haben auch Anspruch auf Vorrückung zu Hauptlehrern. Insbesondere sollte man älteren Ü.-L. diesen Weg nicht ganz verriegeln, weil sie sonst dem Fluche der Minderwertigkeit anheimfallen. Die Anstellung von Ü.-L. als Inspektoren und Hauptlehrer läge auch im Interesse der Lehrerbildung. Denn der ältere Ü.-L. — eine bestimmte Altersgrenze läßt sich selbstverständlich nicht festsetzen — verliert nach und nach jene geistige Frische und Spannkraft, die zur vorbildlichen Ausübung seines Berufes unbedingt notwendig sind. „Ich lerne nur mit Sicherheit, wo ich den Lehrer sicher sehe; des Führers Zuversichtlichkeit macht, daß auch ich zuversichtlich gehe.“ (Rückert.) Gewiß gibt es auch in dieser Beziehung Ausnahmen, die, bis ins höchste Alter einer ungeschmälerten Geisteskraft uqd Jugendfrische sich erfreuend, ihren Zöglingen stets vorbildliche Leistungen zu bieten vermögen. Doch im allgemeinen sind die Jahre von 20 bis 50 die eigentliche Zeit des Ü.-L.-Berufes. Also wäre es nur ein Akt der Billigkeit und Gerechtigkeit, wenn man die in vorstehenden Ausführungen niedergelegten Wünsche erfüllte und dem Ü.-L. endlich jene Stellung nach außen und innen einräumte, die ihm als Lehrerbildner von Rechts wegen gebührt. Wenn hiedurch endlich alte, unverdiente Zurücksetzung gegenüber anderen Ständen, tiefe Kränkung und Mißstimmung behoben würde, so käme dies — um es nochmals zu betonen — wahrlich nicht nur unserem Stande allein, sonderp auch der Lehrerbildung und damit dem ganzen Volke zugute. F. Für treue Pflicht wird’s niemals Nacht. (Erstdruck.) Von Sangerhausen wird erzählt, Daß dort Petroleum hat gefehlt; Und bald war’s allen offenbar, Daß die Vermutung wurde wahr, Man müsse sich dazu versteh’n, Um fünf Uhr schon zu Bett zu geh'n, Weil ohne jeden Lampenschein, Das Leben niemand kann erfreu’n In trüber, kalter Winterszeit, Wo’s frühe dunkel wird und schneit. Drei Knaben fehlte auch das Licht; Doch hatten sie die Aufgab’ nicht Und konnten ohne Lichterglanz Sie machen weder halb noch ganz. Doch weil der Lehrer sie verlangt Und ihnen vor der Straf’ gebangt, So trugen sie die Tafel fort An einen lichterfüllten Ort; Zum Schreibtisch ward der Brückenrand, Weil dort die Lampe hell gebrannt. Und ob’s auch kalt bei der Brücke war Und mancher lachte von der Schar, Die dort die Buben rechnen sah, Gemacht ward doch die Aufgab’ da; Und waren auch die Finger steif, Ja, deckt der Schreibtisch sich mit Reif, Die Aufgab’ wurde doch gemacht: Für treue Pflicht wird’s niemals Nacht 1 Laßt, Knaben, drücken euch die Hand! Ruft später euch das Vaterland, Dann zeigt auch ihr der ganzen Welt: Um deutsche Treu’ ist’s wohlbestellt 1 Das Kriegsjahr sah auf jener Brück’ Schon eurer Pflichterfüllung Glück. Wo’s so steht, da hat’s keine Not, Man fürchtet weder Kält’ noch Tod; So lang die Welt nicht untergeht, Das deutsche Pflichtgefühl besteht I Hugo Maser. Staatsschule und Volkswirtschaft. Von A. Schmidt in Johnsbach. Es ist geradezu unfaßbar, daß man nach den Lehren des gewaltigsten aller Kriege nicht daran gehen will, die Volksschule auf jene Stufe zu heben, die ihr zufolge ihrer hohen Bedeutung für Staat und Volk zweifellos gebührt, sie zu einer Staatsanstalt zu machen. Man ist darum zur Annahme geneigt, diese Lauheit oder Abneigung in der so überaus wichtigen Angelegenheit einzig und allein den Führern des Volkes zuzuschreiben, denn das Volk selbst würde, wenn schon nicht sonst, so doch mit Rücksicht auf die hiedurch bedingte Entlastung der Gemeinden, die Verstaatlichung der Volksschule nur begrüßen, ausgenommen, es ist durch Hetzprediger mit kleinkrämerischen Gegengründen aufgewiegelt. Es steht außer jedem Zweifel, daß die Volksvertreter durch die Hebung der Volksschule eine ungünstige Beeinflussung des Parteilebens befürchten, und haben hierin so unrecht nicht. Die Schule des Volkes muß und wird stets auf dem Boden der Ohnseitig-keit stehen; sie hat die Aufgabe, für das wirtschaftliche Leben vorzubereiten, und wird die Lehrerschaft diese erst dann voll und ganz erfüllen können, wenn sie dem schweren Daseinskämpfe entrückt ist. Das wirtschaftliche Leben verträgt sich nun nicht gut mit dem steten Widerstreite der gesellschaftlichen Anschauungen, da diese den ruhigen Gang jeder Entwicklung stören. Kommt das Volk zur Erkenntnis der verderblichen Wirkungen der gesellschaftlichen Zwistigkeiten, wird es seinen Blick immer mehr den wirtschaftlichen Notwendigkeiten zuwenden, schließlich wird dann die letzte Stunde der Parteien auf Grund der gesellschaftlichen Meinungen geschlagen haben und vermutlich kein Hahn darnach krähen. Vielleicht — Ansätze hiezu wären ja dort und da zufolge der Lehren des Krieges bemerkbar — kommt diese Stunde auf Grund der bisherigen Leistung der Volksschule schon früher und dies umso besser für die Schule und ihr ßchaffen. Wir Lehrer standen nie in besonderen Gnaden bei den jetzigen Parteien und werden aller Voraussicht nach auch in Zukunft nur unbelohnte Hilfsdienste bei den Wahlen zu leisten haben, falls nicht eine ihrer Anschauungen der Schule und den allgemeinen Volksnotwendigkeiten gegenüber grundsätzlich ändert oder neue Parteien entstehen, etwa auf Grund der beruflichen Gliederung des wirtschaftlichen Lebens, und diese eben nicht als Parteien im heutigen Sinne, sondern als Berufsgruppen zu betrachten wären und einen von ihnen wir naturgemäß angehörten. Überhaupt erscheint mir das wirtschaftliche Leben mit all seinen Belangen als der einzige Boden, auf dem sich die Führer des Volkes zum Vorteile aller zu einträcht-licher Arbeit zusammenfinden könnten, und der am geeignetsten wäre, den gesellschaftlichen Zwist auszuschalten. Was nützen alle Schutz- und Trutzbündnisse, die ja doch nur die allgemeine Lage verworrener gestalten und keinen freudigen Blick in eine verheißungsvolle Zukunft nach schweren Zeiten zulassen! Gewiß wird es auch bei einer wirtschaftlichen Gliederung der Vertretungskörperschaften Kämpfe absetzen, die jedoch im Hinblicke auf die gegenseitige Stellung der Berufe, auf die leichtere Möglichkeit der Entsendung eines anderen Vertreters nicht so leicht und arg ausarten können, schließlich aber auf die allgemeine Lage und gegenseitige Stellung der Berufe einen klärenden, läuternden Einfluß ausüben dürften. Die wirtschaftliche Gliederung liegt dem Verständnisse des Volkes näher als die verworrene gesellschaftliche, bei welcher erst die Anführer die richtige Stimmung ins Volk hineintragen müssen. Und das ist erst das richtige Volkshaus, in welchem Männer sitzen, die als wahre und echte Vertreter des Volkes von diesem aus seinen innersten Belangen heraus frei und nicht gezwungenermaßen erwählt wurden! Uns Lehrern hat man oft politische Unreife vorgeworfen, weil wir den verschiedenen gesellschaftlichen Sonderbestrebungen im Hinblicke auf die Schule kein Gehör schenkten und nicht in gewünschter Weise mittaten. Gewiß sind auch die oberwähnten Voraussetzungen für die günstigere wirtschaftliche Lage und eine glücklichere Zukunft des Vaterlandes nicht nach dem Geschmacke der gesellschaftlichen Machtgruppen. Aber nur bei einer derartigen Gestaltung des öffentlichen Lebens sind wir in der Lage, vom Grunde aus bauend und fördernd mitzuwirken, insbesondere dann, wenn die Volksschule eine staatliche Einrichtung ist, zugleich eine Notwendigkeit für die gewünschte staatsbürgerliche Erziehung der Jugend, und niemand würde sich der Einsicht verschließen können, daß wir den schaffenden Ständen vollauf zuzuzählen sind. Und wenn schon nicht andere dies tun wollen, lasset uns das Glück und die bessere Zukunft des Vaterlandes begründen durch unentwegte, zielsichere Arbeit 1 Zur Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens. Ein Beitrag zur Wechselrede von Schuldirektor F. S. Wamprechtsamer in Gröbming. (Schluß.) Ich will nun noch ein Wort unseres Kinderfreundes P. K. Rosegger anführen. Er schrieb im Aprilhefte 1914 seines „Heimgartens“ unter: Arrest oder Peitsche? Ein Rohling schießt aus einem Flobertgewehr auf eine Katze, die getroffen vom Dach herabkollert. Nun zerschmettert er ihr mit einem Brett beide Hinterbeine, und wie sich das Tier miauend fortschleppen will, wirft er das Brett Uber den armen, gequälten Körper und trampelt darauf herum. — Ein Sicherheitswachmann erlöste die Katze von ihrem Leiden und zeigte den Rohling an. So geschehen zu Graz, März 1914. Im „besten Fall“ wird der brutale Kerl ein paar Tage eingesperrt und auf Staatskosten gefüttert. Lernt vielleicht von einem diebischen Mithäftling einige Kniffe und Griffe, mit denen er künftig auch' noch die Menschen schädigt. Wäre es nicht angebrachter, den Lumpen von Amtswegen über die Bank zu legen und ihm zweimal fünfundzwanzig aufzuzählen ? Leugnet etwa jemand — etwa vom „Standpunkte der Menschlichkeit“, die Berechtigung einer so heilsamen Bestrafung, die gewiß wirksamer — und wohlfeiler ist als der Arrest?“ Jeder Erzieher, der diese Worte ohne Voreingenommenheit auf sich wirken läßt, wird sie mit Zustimmung und Befriedigung zur Kenntnis nehmen. Ich bemerke ausdrücklich, um vor Unterschiebungen sicher zu sein: In die Iland des Lehrers gehört die Rute nie und nimmermehr. Wenn jedoch alle milden Erziehungsmittel erschöpft sind, um einen angehenden Taugenichts auf rechte Bahnen zu leiten, so soll der Lehrerkonferenz nach Anhörung des Bezirksschulrates das Recht zustehen, die körperliche Züchtigung zu beschließen, die dann durch den Schuldiener oder eine andere „Kraft“ auszuführen wäre. Die Sommerbefreiung, diese Quelle vieles Unheils im Entwicklungsalter der Jugend, muß aber unbedingt fallen, denn auch der wirtschaftliche Schaden, den sie verursacht, ist sehr bedeutend. Wie viele nützliche Einrichtungen und wertvolle Lehrstoffe können mit den 13- und 14 jährigen Schülern nur in aller Hast und Eile, förmlich nur im Telegraphenstil durchgenommen werden, weil die Kinder ja nur 6 Wintermonate in die Schule gehen, die noch durch Weihnachten, Ostern, schlechtes Wetter und Ungangbarkeit der Wege gekürzt werden. So schleicht die Zeit dahin und plötzlich stellt mancher Schüler vor der Entlassung, ohne die Zinseszinsrechnung, die Flächenrechnung, die Bau- und Rundholzberechnung, das österreichische Eisenbahnnetz, die Rechte und Pflichten der Staatsbürger, die Anfertigung einfacher Schriftstücke völlig und sicher zu beherrschen, denn einen gesetzlichen Fortbildungszwang gibt es nicht und mit der Entlassung aus der Volksschule ist die gesamte Erziehung abgerissen und die Jugend völlig sich selbst überlassen. Wir brauchen daher bitter notwendig eine geschlossene Schulpflicht von 8, mindestens aber von 7 Jahren. Sollte mit Rücksicht auf die große Zahl der Kriegskrüppel und die schweren Verluste an gewerblichen und _ landwirtschaftlichen Arbeitskräften die 7 jährige Schulpflicht eingeführt werden, so ist siejderart festzulegen, (daß jeder Schüler vom Tage des Schuleintrittes bis zur Entlassung eine geschlossene 7jährige Schulbildung genießt und erst am Ende des 7. Schuljahres gemeinsam mit seinen Mitschülern entlassen wird. Hat er durch eigenes Verschulden oder Nachlässigkeit der Eltern in Bezug auf Mitwirkung an der Erziehung das beschränkte Lehrziel nicht erreicht, so steht der Lehrerkonferenz das Recht zu, den Schüler zum Schulbesuch im 8. Schuljahre zu verhalten und wird dem Schulleiter das Recht der Inanspruchnahme der Exekutionsgewalt (Gendarmerie) eingeräumt. 8950 Für schwachsinnige Kinder ist in allen Gerichtsbezirken eine genügende Anzahl von Erziehungsheimen zu errichten. Die Schülerhöchstzahl ist für alle Volksschulklassen auf 50 herabzusetzen. Der Unterricht ist nur ganztägig zu erteilen, der Halbtagsunterricht ist auf alle Fälle abzuschaffen. Die Schulversäumnisse: Ich will mich kurz fassen; denn daß die Art, wie sie gegenwärtig behandelt werden, nicht auf die Dauer bestehen kann, diese Überzeugung ist allgemein. Es mangelt fast überall an der raschen und unnachsichtliclien Durchführung der Strafen, ltasch! Darunter sind nicht 8 Tage oder gar mehrere Wochen zu verstehen. Binnen 48 Stunden nach erfolgter Anzeige muß das Straferkenntnis bei der Partei liegen und in weiteren 48 Stunden muß der Betrag erlegt sein oder müssen die unentsclmldigten Versäumnisse eine andere Sühne finden. Der langwierige Weg Uber den Ortsschulrat muß aufgehoben werden, wie überhaupt die Einrichtung der Ortsschulräte am besten ganz verschwindet, denn sie ist in vielen Fällen mehr ein Hemmschuh als eine Einrichtung zur Förderung der Schule. Sachsen, das auf vielen Gebieten des Schulwesens mustergültig dasteht, hat auch in Bezug Ahndung der Schulversäumnisse ein kurzes Verfahren, das sich bestens bewährte, denn nur, wenn die Strafe dem Versäumnis rasch folgt wie ein Schatten, dann werden die säumigen Parteien erkennen, daß der Staat mit sich nicht spassen läßt. Wenn aber die Straf-erkenntnisse des Bezirksschulrates wochenlang in der Schublade des Obmannes des Ortsschulrates liegen bleiben und schließlich vielleicht gar nicht zu finden sind, so wird der eigentliche Zweck der Strafe, die Besserung der lässigen Partei, nicht erreicht. Also: Anzeige der säumigen Partei unmittelbar nach den ungesetzlichen Versäumnissen beim Bezirksschulrat, Ausfertigung des Straferkenntnisses durch diesen und Zustellung durch die Post unter gleichzeitiger Verständigung der Schulleitung, Einhebung des Straf-betrages binnen 48 Stunden durch Einzahlung bei der Post oder persönlichen Erlag, widrigenfalls die Strafe erhöht wird. Die gesetzliche Pflichtfortbildungsschule. Die letzten drei Jahre dürften wohl auch den schärfsten Gegnern der Pflichtfortbildungsschule die Augen geöffnet haben und sind wir heute Gott sei Dank so weit, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit eines Fortbildungsschulgesetzes wohl allgemein ist. Ich will mich nur mit der ländlichen Fortbildungsschule befassen. Zunächst ihr Name. Bevor sie noch besteht, ist schon bei gewissen Leuten, die eine Konkurrenzanstalt befürchten, eine arge Nervosität entstanden, daß sie — Gott bewahre — ja nicht landwirtschaftliche, sondern höchstens ländliche oder bäuerliche Fortbildungsschule heißen dürfe. Was es doch in dieser großen Zeit für kleine Geister gibt! Also um den Namen wird gestritten, als ob der nicht herzlich belanglos ist. Mag sie nun wie immer heißen, die Hauptsache ist und bleibt: leisten muß sie etwas. Sie muß eine geistige und wirtschaftliche Kraftquelle für das Bauernvolk werden. Und daß sie uns nottut wie ein Krümchen Brot, sehen wir an unserem Bauernvolke Tag für Tag. Wie viele Gehöfte gibt es noch, von denen die Jauche in einem schmutzig-braunen Bächlein in die Dorfstraße rinnt, wo der Dünger aus einem Haufen fast wertlosen Strohes besteht, aus dem der wertvolle Stickstoff längst Abschied genommen hat. Wieviele Bauernhöfe gibt es, wo jahraus jahrein kein Jahresabschluß Uber die Einnahmen und Ausgaben, kein Jahresvoranschlag angelegt wird, ja nicht einmal größere Geldbeträge verbucht werden. Wieviele Gehöfte kann man sehen, wo man das ABC der Geflügelzucht nicht versteht, wohl aber ausgiebig über die Erträgnislosigkeit derselben schimpft. Man wird nicht selten Obstgärten finden, die nicht die geringste Pflege verraten und unter den zahlreichen tierischen und parasitären Schädlingen arg verwahrlosen. Hier muß Wandel geschafft werden, u. zw. in kürzester Zeit! Wir sind ein vom Schicksal auf» äußerste heimgesuchter Staat und müssen uns alle erdenklichen Hilfsquellen erschließen und keine, aber gar keine ungenützt versiegen lassen. Daher ist die gesetzliche Einführung der Pflichtfortbildungsschule für Burschen und Mädchen im Alter von 14—17, bezw. 13—16 Jahren unbedingt so rasch als irgend möglich in die Tat umzusetzen, u. zw. hätte sich die Pflichtfortbildungsschule in allen Kronländern an den Unterricht in der Volksschule anzugliedern. Für Burschen und Mädchen. Wir haben in Österreich auf dem Gebiete der Volkserziehung so ungemein viel nachzuholen, daß jede Beschränkung fallen muß. Der allgemeinen Volksbildung eine Gasse, das muß unser Feldruf nach dem Kriege sein. Ich habe im vorstehenden meine Reformvorschläge in kurzen Strichen gezeichnet; sie sind gereift in einer mehr als zwanzigjährigen, und wie ich wohl ohne Überhebung sagen darf, mühevollen Berufsarbeit, und wenn meine bescheidenen Anregungen zum Neubau unseres Volksschulwesens nur einige Quadern liefern, dann haben die Zeilen ihren Zweck erfüllt. Die Schriftleitung wünscht eine rege Wechselrede über die in Folge 151 der „Bl.“ auf gestellten Vorschläge zur „Erneuerung des österreichischen Erziehungs- und Schulwesens“, und da gestatte ich mir, zu einigen dieser Leitsätze Stellung zu nehmen. Ich will zunächst meine Ansichten Uber die Neuorganisation der Schuleinteilung darlegen, der einschneidensten, wichtigsten und notwendigsten Änderung, die einzutreten hätte, um unser Schulsystem auf eine bessere und richtigere Grundlage zu stellen. Geklagt und getadelt ist in dieser Hinsicht schon genug geworden und Verbesserungsvorschläge hiekür sind in reicher Fülle erflossen, es ist auch bereits einiges umgestaltet worden, aber an eine durchgreifende, alle Schulkategorien umfassende Neugestaltung wagt man sich nicht heran, und doch muß alles nur ungenügendes Stück- und Flickwerk bleiben, wenn man nicht systematisch und zielbewußt an eine gänzliche Umformung schreitet. Allerdings ist ein solcher Umbau ungemein schwierig und wird auch nicht auf einmal zur Durchführung gelangen können, aber der allmählichen Änderung muß die Festsetzung eines genauen Planes vorangehen, es muß Ziel und Weg für die abzuschreitende Bahn klar und sicher gekennzeichnet erscheinen. Mein Gedankengang und meine Forderungen bewegen sich in nachstehenden Richtlinien: 1.) Die Schulpflicht dauere volle acht Jahre, vom 6. bis zum 14. Lebensjahre, ein früherer Austritt (vor vollständiger achtjähriger Schulpflicht) sei nicht gestattet. Allgemeine Schulbesuchserleichterungen werden nicht erteilt. 2.) Die Schulgeldzahlung ist aufzuheben, die Lernmittel werden kostenlos beigestellt. 3.) Das gesamte Schulwesen werde verstaatlicht. 4.) Die zulässige Schülerzahl für die einzelnen Klassen ist gegen jetzt stark herabzu-mindern, sie betrage für die Übergangszeit 60 für Volksschulen, 50 für Bürgerschulen, 40 für andere Schulanstalten (eine weitere Herabsetzung ist anzustreben.) 5.) Der Schulorganismus gliedere sich in Volksschulen (5 Jahre), Bürgerschulen (3, bezw. 4 Jahre, event. Untermittelschulen mit 4 Klassen), Obermittelschulen und höhere Fachschulen (4 Jahre), Hochschulen (verschieden). Dazu kämen Vorbereitungs- und Pflegeschulen für das vorschulpflichtige Alter und verbindliche Fortbildungsschulen für die schulentwachsene Jugend, ferner niedere Fachschulen mit 1, 2 Klassen und Krüppelschulen. Die heutige Untermittelschule sähe ich am liebsten ganz verschwinden und dafür die 3-, bezw. 4 klassige Bürgerschule als Abschluß für den Pflichtschulunterricht und als Unterbau für weitere Studien auserkoren. 6.) Die Volksschule und die dreiklassige Bürgerschule haben alle normal entwickelten Kinder (Knaben und Mädchen) zu besuchen. Nachdem der Austritt häufig vor Durchgang aller 8 Jahresstufen erfolgen wird, hat die Unterrichtserteilung tunlichst in konzentrischen Kreisen zu erfolgen. Die entsprechende Absolvierung der 3. Bürgerschulklasse berechtigte zum Eintritte in niedere Fachschulen und sei zur Erlangung untergeordneter Beamtenstellungen hinreichend. Wer in eine Obermittelschule oder in eine höhere Fachschule eintreten will, muß in der Regel die 4. Bürgerschulklasse besuchen, deren Lehrplan diesem Zwecke anzumessen ist. In jedem Schulbezirke sind so viele Bürgerschulen für Knaben und Mädchen zu errichten und günstig zu verteilen, daß alle oder doch die meisten Kinder dieselben ohne große Beschwernisse besuchen können. Die geeigneten Schüler sind zu verpflichten, in ihre zugehörige Bürgerschule einzutreten. 7.) Die Spaltung der Obermittelschulen in humanistische und realistische wäre wohl besser aufzulassen und eine einheitliche Obermittelschule zu gründen, welche so eingerichtet werden müßte, daß sie den Zutritt sowohl in die Universität als auch in technische Hochschulen gestattete. 8.) Die Erlernung der altklassischen Sprachen setze erst in der Obermittelschule ein und werde bloß von jenen Studierenden verlangt, welche sie für ihr weiteres Berufsstudium an der Hochschule oder an höheren Speziallehranstalten unbedingt brauchen. 3962 9.) Der Besuch von Obermittelschulen sei nur entsprechend befähigten und tüchtigen Schülern Vorbehalten, deshalb'der jEintritt^in dieselben zweckgemäß zu erschweren. 10.) Die Lehrpläne der verschiedenen, sich ergänzenden Schulanstalten haben ein organisches Ganzes zu bilden und müssen einen stufenmäßigen Aufbau besitzen, damit durch Wiederholung früheren Stoffes keine unnötige Zeit verschwendet werde und das erforderliche Verständnis vorhanden sei. 11.) Die Untermittelschule, solange sie besteht, hat im wesentlichen nach demselben Lehrpläne zu unterrichten wie die vierklassige Bürgerschule. 12.) Aufnahmsprüfungen sind nur mit schwach beurteilten und solchen Bewerbern au veranstalten, die nicht die geforderten Vorstudien nachweisen. 13.) Beiden Geschlechtern stehen alle Schulanstalten mit Ausnahme der Militärschulen und einiger Spezialschulen, welche sich für Frauen nicht eignen, offen. 14.) Die Pflichtschule werde nicht mit Lehrstoff überlastet, für welchen die Schüler noch nicht reif sind. Die einschlägigen Gebiete sind der Fortbildungsschule vorzubehalten. 15.) Für die schulentwachsene Jugend sind verpflichtende Fortbildungsschulen einzurichten u. zw. für Jünglinge bis zum militärdienstpflichtigen Alter, für Jungfrauen bis zum 18. Lebensjahre. 16.) Die Lehrerbildungsanstalt für Volkschullehrer umfasse wie jetzt 4 Jahrgänge, ein 5. Jahr wäre für die Vorbereitung zur Bürgerschul-Fachlehrerprüfung und zum Zulasse an die Hochschule anzugliedern. 17.) Die Unterrichtssprache aller Volks- und Bürgerschulen (Untermittelschulen) ist die Sprache des Schulsprengels, wo sich dieselben befinden; in allen nichtdeutschen Bürgerschulen, Unter- und Obermittelschulen ist die deutsche Sprache als Staats-, bezw. Vermittlungssprache verbindlich zu lehren; in den deutschen Bürgerschulen (Untermittelschulen), namentlich in den Grenzgebieten, ist in der zweiten Landessprache unverbindlich Unterricht zu erteilen. 18.) In den Obermittelschulen und den meisten höheren Fachschulen ist Gelegenheit zur Erlernung einer lebenden Weltsprache zu geben. H. Heumann in Kukus. Kleine Mitteilungen. 39.) Volksvermehrung. Die heutige Mädchenerziehung nimmt auf das Leben keine Rücksicht. Mutterpflicht und Hausfrauwesen sind die Grundlagen wahren Glückes. Heute verursachen die Entfremdung der Kinder und die Sucht nach der Welt da draußen gewaltigen Volksschaden. Der Staat greife helfend ein: 1. durch Erziehungsbeiträge für die Kinder verheirateter Beamten, 2. durch Abschaffung jeglichen Zölibates (Priester, Lehrerinnen), 3. durch Einführung einer Junggesellen- und Luxussteuer. Bürgerschulzeitung. 40.) Sprachreinigung. Schon die Schule muß sich mit ihr eingehend befassen. Bestrebungen für Sprachreinigung können dort nicht mehr Wurzel fassen, wo der Nationalstolz gebrochen und der Sinn für die Reinheit der Volkssprache getrübt ist. Lehnwörter bedeuten einen Zuwachs für die Sprache. Meist ist sich der Schüler über den Begriff des Fremdwortes überhaupt nicht klar (also bloßes Wortgeklingel!); oft hat sich der Inhalt durch die Volkssprache ganz gewandelt. Bereits die Volksschule setze an der Hand des Regel- und Wörterverzeichnisses mit der Reinigung der Sprache ein I ö. Zeitschr. für Lehrerbildung. 41.) Einige Worterklärungen. Bombe stammt aus dem Griechischen, bedeutet einen lauten Knall. Granate ist vom latein. granum, d. h. Korn, granatus daher mit Körnern versehen. Schrapnell nach dem Erfinder Shrapnel; Torpedo nach dem Fisch gleichen Namens. Torpedo ist lateinisch, heißt Lähmung der Lebenskraft, körperliche und geistige Stumpfheit. Tesch (Köln.) 42.) Die Gegner der neuen Schule begründen ihre Ansicht mit dem Nachweis, daß gerade die alte Schule unsere Helden hervorgebracht hat. Der Schluß ist falsch. Denn unsere Feinde bemühen sich schon jetzt, ihre Schule nach deutschem Muster einzurichten. Dem gegenüber wäre Stillstand Rückschritt. Doch nichts ist kriegerischer als eins Idee, die in einem Volk zum Leben erwachen will. - Neue Bahnen. i. 43.) Deutsch in Ungarn. Das ungarische statistische Amt verlautbart, daß in Pest 45 v. H. deutsch sprechen, in Preßburg 73 v. H., in Fünfkirchen 46, in Werschetz 68, in Esseg 74, inTemesvar 77. 8953 19.) Die Lehrer des ganzen Reiches müssen gleichgestellt werden. Ein Kaiserwort. Unter diesem Titel bringt die freie Schulzeitung an leitender Stelle einen Teil unseres Nachrufes „Der tote Kaiser“ (156. Heft) zum Abdrucke und führt dann fort: An einem Kaiserworte soll man nicht deuteln. Wir sagen daher nur: Dieses Wort unseres hochverehrten Herrn, des verstorbenen Kaisers Franz Joseph, ist bis zu dessen Tode nicht erfüllt worden. Wen trifft die Schuld? Die Landesgesetzgebungen, also zunächst die Landtage. Während einzelne Kronländer sich bemühten, die Lehrerschaft den Staatsbeamten der 4 untersten Rangsklassen jjleichzustellen, z. B. Niederösterreich und Schlesien, sind alle ändern zurückgeblieben, oft weit hinter obiger Forderung. Und unter diesen weit zurückgebliebenen Ländern finden wir leider auch Böhmen. Wir wollen dieser Behauptung etwas nähertreten und sie begründen, damit wir nicht etwa einer mutwilligen Beschuldigung geziehen werden. Der böhmische Landtag wollte die Gleichstellung der Lehrer des Landes mit den Staatsbeamten der 4 untersten Rangsklassen. Der Beweis hiefür liegt in den Beschlüssen des Landtags vom September 1911, die zur Einsetzung einer ständigen Schul- und Finanzkommission führten. Auch die Zusammensetzung dieser Kommissionen, insbesondere der Schulkommission (Obmann: Abg. Legier, Berichterstatter: Abg. Morawetz), zeigte deutlich den Willen des Landtags, der Lehrerschaft Böhmens endlich zu Hilfe zu kommen und ihre berechtigten Gehaltswünsche zu erfüllen. Der neugeschaffene Lehrergehaltsgesetzentwurf vom Jahre 1913 ist ein weiterer Beweis für obige Behauptung; die Finanzkommission hatte auch für die Bedeckung vorgesorgt, nur ließ sie die Höhe des Mehrerfordernisses in der Landesumlage offen. Aus letzterem Umstande schließt heute unsere Landesverwaltungskommission, daß die ständige Finanzkommission eine Gegnerin der neuen Lehrergehaltsvorlage war — eine in keiner Art beweisbare Behauptung. Die Gegnerschaft liegt heute lediglich in der Landesverwaltungskommission selbst; die Beweise für diese Behauptung liegen schon seit März v.J. klar zu Tage. Der Vorsitzende und der Finanz- sowie der Schulreferent hätten damals nicht so sprechen dürfen, wie sie tatsächlich gesprochen haben. Als im April 1913 ernste Verhandlungen im Landtagsgebäude zu Prag stattfanden, ob die Lehrergehaltsfrage nicht doch aus dem ganzen Komplex von Verhandlungsgegenständen ausgeschaltet und dem Landtage mit Zustimmung aller Parteien zur Beschlußfassung vorgelegt werden solle, waren es die Abgeordneten des Großgrundbesitzes und die der tschechischen Parteien, welche sich geschlossen dagegen aussprachen und damit obigen Antrag zu Fall brachten. Als dann am Annatage 1913 die Landesverwaltungskommission für Böhmen eingesetzt wurde, war die kaiserliche Entschließung von einem Motivenbericht der Regierung begleitet, welcher deutlichst darauf hinwies, daß die Landesverwaltungskommission auch in der Lehrergehaltssache Ordnung machen soll. Es hieß dort: „Wie tief und wie allgemein diese Schäden (des Parteienstreites) empfunden werden, das bezeugen die zahlreichen Kundgebungen aus der Mitte der Bevölkerung, insbesondere so mancher ergreifende Notschrei der zunächst betroffenen Lehrerschaft; über alle nationalen Gegensätze hinweg hat sie sich geeinigt, um Rettung aus ihrer Bedrängnis zu fordern.“ Wer sollte also diese Rettung bringen? Zweifellos doch die eben eingesetzte Landesverwaltungskommission. Wer denn sonst? Und hat sie die Rettung gebracht? Bisher nicht! Die Landesverwaltungskommission hat wohl alle Vorschläge der ständigen Finanzkommission in Gesetze übergeführt, aber von dem Lehrergehalts-gesetzentwurfe nur die kleinere Hälfte der neuen Zugeständnisse seit Jänner 1914, also vor dem Kriege, provisorisch verwirklicht. Der Lehrerschaft des Landes gegenüber ist sie daher mit der reichlicheren Hälfte noch in der Schuld und hat bisher nicht Miene gemacht, diese Schuld endlich voll einzulösen. Dazu ist zu allem Unglück der Krieg gekommen. Er fand mit seinem unausweichlichen Gefolge von Teuerung und Not die Lehrerschaft Böhmens ganz unvorbereitet. Man hätte nun glauben sollen, daß die Landesverwaltungskommission aus eigenem Antriebe sofort etwas Grundlegendes für die Lehrerschaft des Landes getan hätte; das ist aber nicht geschehen. Auf vieles Bitten wurden nach dem 2. Kriegsjahre die im Jänner 1914 vorenthaltenen bekannten 10 Prozent als außerordentliche Teuerungszulage mit einem Gesamtaufwande von kaum 1 */•» Mill. Kronen bewilligt — das ist bisher eigentlich alles, was die Lehrer Böhmens vor den so schlimmen Kriegsfolgen schützen soll. Man rechne sich nur aus, was auf die beteiligten 25.000 Personen kommen kann! Auch die geplante Hilfe kommt zu spät und wird nicht ausreichen. Wir Lehrer Böhmens verlangen daher gesetzlichen Schutz, gesetzliche Hilfe, wie sie uns der Landtag schon 1911 bringen sollte. Seither sind schon wieder mehr als fünf Jahre — schwere Jahre! — verflossen und es kümmert sich fast niemand um uns. Würde die Lehrerschaft nicht selbst fortwährend drängen, so machte sich kein Finger krumm zu ihrer Hilfe. Wenn nun in Böhmen nichts geschieht, uns zu retten aus dieser Not der Zeit, so muß — wir sind ja auch Beamte in Österreich! — die Regierung uns zu Hilfe kommen, aber bald und mit dem Gesetze. Unser guter seliger Kaiser hatte ja das einzig Richtige getroffen, als er den Ausspruch tat: „Die Lehrer des ganzen Reiches müssen gleichgestellt werden.“ 3954 45.) Der Jahresbericht der Wiener Urania, dieses erstklassigen Volksbildungshauses, enthält u. a. folgende Statistik: Im Berichtsjahre fanden im Uraniagebäude in der Zeit vom 11. September 1915 bis zum 18. Juni 1916 an 280 Tagen 1418 Vorträge statt, welche von 415.307 Personen besucht waren (gegen 1236 Vorträge und 345.667 Besucher im Vorjahre, also um 182 Vorträge und um 59.640 Besucher mehr als im Vorjahre); dies ergibt für das Berichtsjahr einen Durchschnitt von etwas mehr als 5 Vorträgen für jeden Vortragstag und von 292 Besuchern für jeden Vortrag. Freien Eintritt genossen 97.962 Personen, darunter 5687 bedürftige Schüler mit Freikarten; überdies wurde etwa 4000 bedürftigen Schülern auf Wunsch der Lehrerschaft der Zutritt ohne Karten gestattet. An Verwundete wurden etwa 15.000 Freikarten, und zwar insbesondere für die Urania-Kinematogramme verteilt. Rechnet man zu den obigen die Besucher der Sternwarte, die ohne Eintrittskarten eingelassenen Schulkinder, die Besucher der beiden unentgeltlichen Veranstaltungen für Verwundete und die Besucher der 30 Sonderveranstaltungen unserer Vorträge, so ergibt sich ein Gesamtbesuch von 440.297, was für 280 Vortragstage einen Tagesdurchschnitt von 1575 Besuchern ausmacht, ungerechnet den Besuch der von Saalmietern veranstalteten 34 Vorträge. Eine auffällig starke Vermehrung des Besuches zeigen die Kursvorträge. Dies ist zum Teile auf die Neueinführung der Uraniakurse zum volkstümlichen Einheitspreise von 30 h, für welche sich der Kurssaal (96 Sitzplätze) als weitaus zu klein erwiesen hat, sowie auf die Wiedereinführung der Astronomischen Kurse zurückzuführen. Auch die Schüler-Vorträge, sowie die musikalischen Veranstaltungen haben eine starke Steigerung des Besuches gegen das Vorjahr aufzuweisen; doch hat dies seinen Grund hauptsächlich darin, daß im ersten Kriegsjahre nur sehr wenige Schüler-Vorträge und fast gar keine musikalischen Veranstaltungen hatten stattfinden können. Die Eintrittspreise sind sehr verschieden gestaltet: 20 h bez. 30 h bei den Schüler-Vorträgen, 30 h bei den Kursen zu volkstümlichen Einheitspreisen, 50 h bei den Dienstag-Vorträgen im Großen Vortragssaale und bei einigen Kursen im Kleinen Vortragssaale. Bei fast allen übrigen Vorträgen sind Sitzplätze schon zum Preise von 40 h, bez. 46 h, bez. 66 h (dies bereits einschließlich des Pensionsfondszuschlages) erhältlich. Höhere Preise werden bei den Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen, sowie bei jenen Vorträgen angesetzt, die große Eigenkosten machen. Bei den meisten Vorträgen genießen die ordentlichen Mitglieder eine 50o/o Ermäßigung, die unterstützenden Mitglieder eine 25% Ermäßigung. Bei den Ständigen Vorträgen ohne Musik genießen die ordentlichen Mitglieder freien Eintritt, die unterstützenden Mitglieder 50% Ermäßigung. Die bei den obigen 418 Vorträgen erzielten Einnahmen aus dem Kartenverkäufe betrugen K 256.237 39. Auf einen Besucher entfiel eine Durchschnittszahlung von 62 Hellern. 46.) Sinnesbildung. Die Wissenschaft verlangt die Entwicklung zum selbsttätigen Menschen. Darum lehre man die Kinder den Gebrauch ihrer Sinne. Denn die meisten Kinder ziehen leider nicht ihre Sinne heran, sondern wollen erraten, was der Fragende wünscht. Allmählich werden dadurch die weniger auffälligen Gegegenstände (Merkmale) entdeckt. Auch die Erkenntnis anderer Verhältnisse entsteht nur aus eigener Anschauung. (Schülerausflüge, Schülertausch.) Ost. Monatsschrift für naturw. Unt. 47.) Die Schweiz. Schriftsteller Norbert Jacques legt dar, wie die welsche Schweiz die unentwegte „Claque“ der Entente bilde, worüber sich der französ. Gesandte selbst spottend äußerte. Der Deutsch-Schweizer steht auf Seite des Vierbundes, ist aber gleichzeitig ein eifersüchtiger Wächter der Neutralität. Nach Jacques’ Ansicht ist Österreich berufen, die guten Beziehungen zur Schweiz noch auszubauen. Denn die Norddeutschen seien ebenso schlechte Psychologen wie hervorragende Tatmenschen. Durch unser altes Kulturwerk könne die Schweiz geistig gewonnen werden, wirtschaftlich durch Schaffung eines Wasserweges zur Donau. Urania. 48.) Lehrer als Offiziere. Als eine der größten Überraschungen des Krieges hat ein konservativer Redner im preußischen Abgeordnetenhause die Bewährung der Volksschullehrer in Führerstellungen als Offiziere und Unteroffiziere bezeichnet. Überraschend konnten die Leistungen der Lehrer nur für die sein, die nichts wußten von ihrem Bildungsgang und von ihrer Arbeit. Höhere Offiziere waren erstaunt über die Lehrziele des Seminars. Die allgemeine Unkenntnis über Bildungsgang und Bildungsstand der Lehrer hat seinen Grund darin, daß die Lehrerbildungsanstalten vereinzelt stehen. Sie sind ein abgesplitterter Teil des Schulwesens und haben mit dessen Gesamtgefüge keinen Zusammenhang. Die Lehrerbildung muß deshalb in die große Gesamtordnung des vaterländischen Bildungswesens organisch eingegliedert werden. Pädag. Blätter. 1917 (Auti-Anguflj. (14. Aa-r ) A. 163-164. für öcn JlbteilHtigsunterricbi Handschriften und Bücher an den Schriftleiter: Mies in Böhmen. — Die „Bliictec füc den Abteil «ng »unterricht" köin'en gesondert nicht bezogen werden „Die Staatsvolksschule" — das Geflügelte Wart des Tages. Die Erfahrung lehrt, daß im öffentlichen Leben nur d i e Einrichtungen zur Geltung gelangen, die als Geflügeltes Wort die breite Waffe beherrschen. Die Wirkung ist psychologisch unschwer zu deuten. Der Durchschnitt liebt die Bequemlichkeit, glaubt sich darum des Nachdenkens überhoben, sofern etwas allgemeine Wertung erlangt hat. „Es muß was dran sein, wenn's alle nennen und verlangen!" — mit dieser Wendung schließt sich der Wassenmensch an und sagt willig „Amen!". — Unser Gegenstand — die Staatsvolksschule — benötigt zwar nicht der Suggestion, denn der Gründe gibt so viele und so schlagkräftige (sie sind in den lseftfolgen (49, (50, (5H, (57 aufgeführt worden), u. zw. solche, die auch der gemeine Wann ohneweiters erfassen und würdigen muß, daß schon einige von ihnen die Grundlegung des Gedankens sichern; allein man vergesse nicht der Herde, die sich gar so gerne „führen" läßt, um nicht selbst über Ziel und Weg sinnen zu müssen. So wird also dafür zu sorgen sein, daß dieFor< derung „Staatsvolksschule" zum Allgemeingut des Volkes werde und dem, der zu wählen oder zu raten hat, auf allen Straßen, an allen Ecken, in allen Stuben begegne. Die Sache an sich hat ohne den äußeren Klang noch niemals gesiegt;, bloß der lebensfremde Idealist kann anderer Weinung sein. Wie steht es nun bezüglich der Vervolkstümlichung unseres Postulates? herzlich schlecht! Die Lehrerschaft war und ist in politischen Dingen zu idealistisch veranlagt; sie meint, die Sache ist so selbstverständlich, daß sie ohne Trommelschlag gelingen müsse. Wie unklug! Seht nur, wie es andere machen! And nun soll die Welt sich mit einemmale an die Wethode des Bescheidenen gewöhnen? Wit Nichten! Sie geht über die Idee hinweg — und erst, wenn es zu spät ist, fahren wir uns an den Kopf und bedauern das Wiblingen. — Wer in dem vorliegenden Falle einer Enttäuschung Vorbeugen will, greife zur Feder und forme aus den vorhin angegebenen heftfolgen unserer Zeitschrift den Stoff für das Blättchen der Umgebung, nehme in Versammlungen das Wort und liege den Abgeordneten und anderen maßgebenden Wännern in den (Dhren. Auch in die Armee hinaus schreite der Gedanke! Zwar habe ich ihn von dort geholt, allein es mag noch nicht aller-wege die gereifte Erkenntnis den Auf beflügeln; darum soll der Urlauber in die Staats« Notwendigkeit ersten Ranges eingeweiht und entsprechend gerüstet werden, um sie bei seinen Kameraden zu vertreten. Nützen wir nicht den günstigen Woment, soistesaus mit der Erfüllung des Traumes auf alle Zeiten. Monatschrift zur Förderung des iiflm. Lands tzuluirsrur. e«uuii*8«6ilbt einschl. von „Schule und Vaterland" NX ,«»>. /K.) jüyrl», «Intel, nummer SO k (60 Ps, 70ct). Postsparl, Nr. 68.218. Schriftleiter: Dr. Rudolf perrz. an oic „lucbicnmunu uci IM intet für den Abteilung*-unterricht tn Laibach". •eichüfUlchcil au*fc»lle»Uch an die „Verwaltung bei 3956 Der Augenblick ist günstig wie noch nie. In hohen und höchsten Kreisen schätzt inan das Mittun der Lehrerschaft im Kampfe und daheim, ja man hat sich bereits das Wort zueigen gemacht: „Ohne die Lehrerschaft wären die Geschäfte im Hinterland nicht zu bewältigen." — Das mag uns mit Genugtuung und mit Stolz erfüllen; indes es reicht nicht aus, das Werk zu sichern. Man vergißt gar so leicht des Verdienstes und im Frieden der Notwendigkeit des Kriegsbedürfnisses. Warten wir also, bis das Ringen vorüber ist, so verblaßt unser Glanz und wir sinken in die Sphäre derSchulstube zurück. — Das wird jedermann, der tiefer blickt, zugeben; trotzdem werden viele aus angestammter Bequemlichkeit die Werbearbeit anderen zuschieben und das schöne Problem als unerfülltes Trugbild an sich vorüberschreiten lassen. Wenn man doch wenigstens einmal diese entsetzliche Gleichgültigkeit, die das Größte und Schönste dem Gleichmaß des Tages opfert, aus unseren Reihen brächte! Da ich wahrnehme, wie andere Stände in dieser Zeit der Ernte nach Beute auslangen und Mann für Mann bereitstehen, während viele, sehr viele der Unfern so handelt, als ginge um sich nichts Besonderes vor, so erfaßt mich jedesmal ein heiliger Zorn und ich — der sonst Gutmütige — möchte mit einem Trommelfeuer dareinzischen. Die Weltgeschichte schreitet gigantisch und wirft reiche Gaben nach rechts und nach links, indes sich I-punktreiter und Korrekturhelden in Kleinlichkeiten verzehren. Karrikaturen der großen Zeit! — Andere erkennen recht wohl die Bedeutung des Problems und fühlen den gegebenen Zeitpunkt der Saat; doch sie hält das persönliche zurück. Sie sind augenblicklich geldlich besser gestellt, weil allerlei Nebenbächlein zufließen und weil dieser oder jener Onkel unter den gegebenen Verhältnissen in Schulsachen was mitzureden hat, also die Karriere sichern kann; demnach glauben sie, man könne die Sache opfern. Zwar tun sie so, als ob sie ihr dienten; in der Tat hemmen sie jedoch den Gang. Diese „Helden" in der eigenen Armee sind schlimmer als die Feinde, denen die Staatsvolksschule nicht paßt, weil sie die Machtverhältnisse verschiebt. Also heißt es, jeden Mann au fl rufen, der dereinst an den Segnungen teilnehmen und dem Staate die stärkste Säule errichten will. — Die Staatsvolksschule wird vor allem der Schule auf dem flachen Lande eine neue Basis geben und den Lehrer mit einem Ruck in die Höhe bringen. So breche denn die kandlehrerschaft mit dem Schlagworte hervor; sie trage es zunächst in ihren Beratungssaal und aus diesem hinaus in die Welt! — pädagogische Weimpaare. Deutscher Itat. Sei dir und deinem Volke treu In allen Lebenslagen, Damit nicht Seelennot und Reu' Dir Freud' und Kraft zernagen! Kinderwissen. Wer läßt den Kindern allen Willen, Der sät sich Kraut zu bittern Pillen. Unterschied. Bei einem tut's die Milde, beim ändern wieder nicht; Drum ist, um zu erziehen, auch Strenge heil'ge Pflicht. Auf den Mink. Wer nicht schon einen Wink versteht. Auf lange Reden auch nicht geht. Ernst Ilreimnt. Vom menschlichen Denken. Das Denken ist eine verarbeitende Tätigkeit des Geistes, bei der die Verknüpfung der Vorstellungen mit Rücksicht auf ihre logischen Beziehungen erfolgt. Diese Verknüpfung ist je nach der Begabung und Veranlagung des einzelnen eine individuelle. Die Grundlage des Denkens bilden mithin vor allem Vorstellungen, die geistiger Besitz sein müssen. Je reicher, je lebendiger und vergeistigter der Kreis von Vorstellungen ist, der erworben wurde, um so sicherer äußert sich das Vermögen der wiedergebenden Einstellung, die Fähigkeit des Denkens. Worte und Begriffe ohne sachliche klare Vorstellung, müssen die Denktätigkeit hemmen, erschweren. Darum das pädagogische Grundprinzip: Schaffe anschauliche Vorstellungen! Das Denken galt schon seit jeher als wichtiges Arbeitsgebiet wissenschaftlicher Forschung. Neuerdings trat der Wiener Philosoph Artur Trebitsch mit dem Ergebnis durchgeführter Untersuchungen über das „menschliche Denken“ vor die Öffentlichkeit. Seine Darbietungen und Gedanken hierüber sind auch für die Pädagogik von wesentlicher Bedeutung. — Forschungen zum Zwecke einer „Neubelebung“ des Denkens müßten das Ergebnis zeitigen, wie der menschliche Geist befähigt wird, klare, innerlich gefestigte Gedächtnisbilder zu erwerben, um durch ihre sichere Einstellung den Denkprozeß zu fördern, lebendiger zu gestalten. — Trebitsch unternimmt nun den Versuch, eine Belebung des menschlichen Denkens im weitesten Sinne, also nicht nur der besonderen, im logischen Verknüpfen von Vorstellungen bestehenden Gehirntätigkeit, sondern auch hinsichtlich der notwendigen Grundlagen hiezu, herbeizuführen. Die erkenntnisreiche Grundtatsache seiner Philosophie erblickt er in der Einheit von Sehen und Denken. Diese Einheit bezeichnet er als „Fixation“. Sie ist ihm der Urgrund alles Denkens. Diese Erkenntnis birgt mehr, als der flüchtige Augenblick erfassen läßt. Es ist kein Zurückgreifen auf die bloße Anschauung. Die „Fixation“, die Grundtatsache seiner Forschungen ist höher zu stellen und höher zu werten als die Anschauung schlechthin; sie ist dem Wesen nach etwas mehr als diese: denn er versteht unter „Fixation“ ein tätiges Schauen. Trebitsch verlangt mithin geistige Auffassung des Wesentlichen, eine von Zwecken geleitete Beobachtung, wie sie eigentlich auch schon die experimentelle Pädagogik als Forschungsergebnis verzeichnet und in der Forderung nach der Tatschule vertritt. Das pädagogische Prinzip der Anschauung erfährt hiedurch eine wertvolle Vertiefung. Fehlerhaftes Denken beruht zumeist auf oberflächlicher, flüchtiger Auffassung der Umwelt. Das tätige, denkende Schauen muß innerlich verarbeitete, lebendige Gedächtnisbilder erzeugen. Nach A. Trebitsch beginnt die Denktätigkeit mit dem Triebe, den Gegenstand der Außenwelt zu fixieren, nach ihm zu greifen, ihn zu erfassen. Forschend hinter diese dem Menschen angeborene fixatorische Tätigkeit bis zu ihrem Ursprung dringen zu wollen, würde ins Nebelreich der Mystik führen. — Den Vorgang des Einschauens, des vergeistigenden Einfangens der Umwelt nennt Trebitsch „primäres“ Denken. „Im Anfang“, sagt er, „war das primäre Denken, war die Tat. Das Erfaßte wird zum Ding, zum Denkergebnis, zur Welt des denkenden Menschen. Der nächste geistige Prozeß zeitigt die Fähigkeit, diesen inneren Besitz in gemeinsamen Worten allen Menschen zugänglich zu machen. Von da ist nur ein kurzer Schritt zu der segensreichen und zugleich verhängnisvollen Kultur. Denn Kultur bedeutet nicht nur die Möglichkeit aus dem Bilde (dem Erlebnis) ein Wort zu erzeugen, sondern auch schon die Fähigkeit des neuen Wortes, im Gehirn des Menschen unbekannte oder doch kaum flüchtig erhaschte Bilder zu erzeugen.“ — Im primären Denken muß notwendigerweise das sekundäre Denken, die vergeistigende, abstrahierende Lebens- und Denktätigkeit verankert sein. Je fester, je inniger dies der Fall ist, um so lebendiger, um so angepaßter dem tatsächlichen Leben wird sich das Denken entfalten. Verbinden nur schwache, wenige Fäden das sekundäre mit dem primären Denken oder ist sogar jeder Zusammenhang verloren gegangen, dann irrt es lebenlos in einer Scheinwelt und muß zum Widerspruch mit der Wirklichkeit führen. Diese Scheinwelt gleicht einem Schatten ohne Körper. Gleichmäßig, kalt, trocken oder hochfliegend, träumerisch, phantastisch äußert sich das Sein. Die Dinge der Außenwelt schaffen kein Erleben, kein denkendes Gestalten der Empfindungsstoffe. In diesem Abirren von der Wirklichkeit, im Unbeachten des sich ewig erneuernden Lebens erblickt Trebitsch den Urgrund der Verknöcherungen auf allen Wissens- und Lebensgebieten. Diese Folgerung leuchtet ein, sieht man sie, wenn auch nur andeutungsweise, an Berufen erläutert. Der sekundär denkende Jurist z. B. hat den Zusammenhang mit dem Leben verloren. Er verläßt sich nur auf seine Paragraphen und urteilt in ihrem Sinne. Er hat verlernt, die Paragraphen nach dem Leben zu prüfen. Der tote Wortlaut regiert über die Wirklichkeit. — Der sekundär denkende Kaufmann herrscht mit seinem Notizbuch; alles ist ihm Ziffer, wird abstrakt. Er wirkt lebensfeindlich, weil er sich vom Leben losgelöst hat. — Der sekundär denkende Feldherr baut auf ^Hoffnungen und Wünsche, ohne für die tatsächliche Unterlage zu sorgen: Hochfliegende Pläne, phantastische Gedanken entreißen ihn der kühlen, nüchternen Erwägung oder Berechnung und führen ihn und sein Heer ins Verderben. — Sekundäres Denken ist also auch die Ursache der Lebenskatastrophen. Es verwirrt, irrt ab vom Tatsächlichen und verliert sich in die starre Welt des Unwahren. — Durch fast ausschließlich sekundäres Denken, sagt Trebitsch, habe sich die heutige Kulturmenschheit dem Leben und seinen Quellen entfremdet. Der Sekundäre stille seinen Durst aus dem Wasserbecken, die ihm die Großen der Vergangenheit füllten. Was älteres menschliches Denken und Erleben bereits geformt und zurechtgelegt hat, ist seine Welt, sein Empfinden. Ihm ruft Goethe, das schöpferische Genie, der primärste Dichtergeist, zu: Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Erwirb es — erlebe es! — Als Beispiel für primäres Denken, für selbsttätiges Schauen führt Trebitsch die neue Zeichenmethode an. Diese geht nicht wie die alte von der geraden Linie und von Vorlagen aus, sondern knüpft ganz nur an das körperlich Geschaute und Erfaßte der Kinder an. Der Forscher ist der Ansicht, daß das Kind im besten Sinne primär denkt. Die Fähigkeit, das Wesentliche einer Sache mit Sicherheit zu erfassen, fehle vielen Erwachsenen, die noch durch die alte Unterrichtsmethode Worte ohne geistige Bilder, Begriffe ohne Vorstellungen aufnehmen mußten. Daher fordert Trebitsch für die gesunde Entwicklung „des menschlichen Denkens“ Erziehung zur Fixation, Ausbildung des primären Denkens, sekundäres Denken nur auf Grundlage des primären. — Tatsächlich ist das begründete Verlangen von einer Bedeutung, die besondere Beachtung verdient. Dem heutigen Unterrichte gilt es bereits als pädagogisches Prinzip: Der un-terrichtliche wie erziehliche Wert des selbsttätigen Schauens, des Beobachtern, des Selbsterlebens ist unbestritten. Die erstrebte „Neubelebung“ des Denkens äußert sich bei Anleiten zu tätigem Schauen im Unterrichte durch lebendigen Verlauf, leichtes Erfassen, sicheres Verarbeiten und klare Wiedergabe. — Trebitsch will durch seine Forschungen über das Denken die wissenschaftliche Grundlage für den Kampf gegen die Verknöcherungen auf allen Lebens- und Wissensgebieten schaffen. Seine Lehre führt uns aus unserer komplizierten Geistigkeit zur Einfachheit das Erlebens. Er glaubt auch an eine physiologische Grundlage seiner Philosophie, und zwar als Folge von Mitteilungen über wissenschaftliche Versuche an Verwundeten mit Gehirnschüssen. Bei der chirurgischen Behandlung wurde experimentell die primäre Denkfähigkeit der einen Gehirnhälfte und die sekundäre Fähigkeit der anderen festgestellt. Beide Gehirnhälften seien durch „Assoziationsfäden“ verbunden. Die Forschungen des Philosophen Trebitsch ergeben eine reinliche Scheidung der zwei wesentlichen Äußerungen menschlicher Denkkraft. Indem er das unverdorbene, tätige Leben zur nährenden Grundlage gesunden Denkens wählt und bestimmt, weist er auf die im Betriebe der Kultur fast verschüttete Urquelle hin.1 H. Zach, St. Margareten a. d. Raab, Steiermark. 1 Einige Schriften von H. Trebitsch: „Die Sinne und das Denken“ -- „Die Kausalität im Lichte des Denktriebes zur Einheit“ (beide erschienen im Archiv für systematische Philosophie); „Erkenntnis und Logik“ — und „Antaios“ (beide Verlag Braumtiller, Wien). — Über die Pflege der Beredsamkeit in der Volksschule. Von Karl Cornelius Rothe. Es mag zunächst wohl befremden, hier schon durch den Titel zu verlangen, daß die Volksschule überhaupt zur Pflege der Beredsamkeit herangezogen werde. Dieses Befremden aber entstammt einem Vorurteil, man denkt bei Beredsamkeit zuerst und zuletzt an den pathetischen Redner oder den Agitator, mithin an Leistungen der Redekunst, die neben Beherrschung eines sachlichen Gebietes auch besondere Beherrschung der Redeform verlangen. Denn beide, der pathetische Redner und der Agitator können ihre gestellten oder gewählten Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie fachliches Wissen und Können haben und in der Redekunst — mindestens kleine — Meister sind. Dieses eine Vorurteil erzeugt aber gleich noch ein zweites. Aus der falschen Voraussetzung folgt nämlich die Annahme, es würde nun verlangt werden, daß Volksschüler pathetische und Agitationsreden übunjsweise halten sollen. Es mag daher angezeigter sein, zuerst das zu besprechen, was die Volksschule auf dem Gebiete der Pflege unserer Redekunst leisten kann und soll und dann erst über das anzustrebende Ziel zu sprechen. Übrigens sind praktische Versuche, die Redekunst in der Volksschule zu pflegen, überall dort — unbeabsichtigt — schon vorgenommen worden, wo man in der Selbstverwaltung so weit ging, daß die Schüler Jugendgerichtshöfe bildeten, in denen sie angeklagte Kameraden zur Verteidigung aufriefen und aburteilten. Es ist eine alte Schulklage, daß unsere Jugend mit jedem weiteren Schuljahre an Redefreudigkeit und Redefertigkeit Einbuße erleidet. Die meisten, wenn auch nicht alle Kinder kommen als redefreudige ABC-Schützen zur Schule, und verlassen sie häufig mit einer Unbeholfenheit und Schwerfälligkeit im mündlichen Ausdrucke, die umso auffallender ist, wenn einige besonders begabte Schwätzer und Vielredner im selben Altersjahrgang sind. Letztere werden als „geborene Redner" gefeiert und ihnen eine glänzende Zukunft als Prediger und Juristen zugesprochen. Damit erkennen wir, daß nach zwei Richtungen gearbeitet werden muß: einmal Fördern der Redeunlustigen, dann Leiten, Mäßigen und Zähmen der Redeüberlustigen. Schon in der ABC-Klasse aber muß die Pflege der Beredsamkeit beginnen, denn hier beginnt ja auch die Sprachbildung durch die Schule. Die Sprechfreudigkeit des kleinen Schulkindes ist bekannt. An sie wird angeknüpft. Man läßt die Kleinen recht oft erzählen.' Das ist keine neue Forderung, aber sie muß hier wiederholt werden. Wichtig ist nun, daß die Korrektur nicht durch fortwährendes Ausmerzen von Fehlern, sondern durch gute Vorbilder zu erfolgen hat. Gilt dieser Satz für die ganze Schulzeit, so besonders auch für die Unterstufe (1., 2. Schuljahr). Als Reaktion gegen das zu viele Sprechen, d. h. Fragen des Lehrers, entstand eine Bewegung, die das Kind mit dem Bade ausschütten wollte. Der Lehrer sollte überhaupt mundtot gemacht werden. Nein, das ist zu weit gegangen! Der Lehrer muß auf der Unterstufe ebenfalls oft zum Worte und zur Rede kommen. Diese ist zunächst die erzählende Rede. Darf er auch nicht in der Jugend unverständlichen, schwülstigen und kunstvollen Perioden sprechen, so muß doch seine Erzählsprache stilistisch klar, bildreich, frisch und lebhaft sein. Der Dialog, wie ihm das Märchen z. B. oft bietet, darf nicht fehlen. Sein lebhafter Vortrag fesselt die Jugend und weckt sie zur Nachahmung. Wie bedeutsam gerade in diesen Jahren sogar eine etwas dunkle, mystische Redeweise für Kinder ist, ist bekannt. Ich erinnere nur an Stifters Heideknaben, in dem die biblische, oft unverständliche und geheimnisvolle, stets aber bildreiche Sprache der Großmutter bestimmend wirkt auf die geistige und gemütvolle Entwicklung dieses Kindes. Ich erinnere daran, daß gar mancher spätere Dichter durch die Märchenerzählungen seiner Mutter oder Großmutter zum poetischen Schaffen angeregt worden ist. Je weniger also die Korrektur durch Beschneiden üppiger Sprößlinge den Baum der künftigen Redekunst verstümmelt, desto besser kann er sich entwickeln, je öfters aber der Lehrer dem Kinde durch Ausstellen von Wort- und Satzfehlern die Freude am Reden verdirbt, je öfters er es sozusagen fühlen läßt, daß das Kind noch nicht reden kann, desto mehr raubt er ihm die Lust zum Reden, desto mehr erzieht er künstlich jene Redeungewandtheit, über die er — wenn er am Schlüsse der Schulerziehuug sein Werk beschaut — so erstaunt ist. Es ist manchen Schulmeistern und Inspektoren eben leider zur zweiten Natur geworden, jeden Fehler einzufangen, aufzuspießen und in die Korrektur-Schmetterlingssammlung zu stecken. Das Resultat ist dann eine verödete Fauna, die zum Schlüsse nur ein paar abgeflatterte Kohlweißlinge aufweist, während sich die schönen Falter alle sorgfältig präpariert und etiquettiert in der Fehlersammlung vorfinden. Diese Herren glauben, ihr Tagewerk gewissenlos erledigt zu haben, wenn sie nicht so und so viel Fehler erbeutet haben. Das Kind ringt ja noch mit seiner Sprache, wie aber soll es •le beherrschen lernen, wenn es fortwährend unterbrochen wird, wenn es statt zunächst an de» Redeinhalt zu denken, immerfort an die Vermeidung von Fehlern denken muß.1 In der Mittelstufe setzt der sogenannte Realienunterricht ein. Neben dem Leseunterricht eignet er sich besonders zur Pflege der Sprache. Das Nacherzählen sollte sich auf dieser Stufe hauptsächlich auf kurze Inhaltsangaben beschränken. Dafür aber wären gute Prosastücke zu memmorieren. Nicht nur Gedichte sind auswendig zu lernen. Viel mehr gewinnt das Kind durch seinem Alter entsprechende mustergültige Prosastücke. Manche Lehrer lieben es, bestimmte von Dichtern geprägte Ausdrücke, wenn sie der Schüler anwendet, auszumerzen. So hatte ich z. B. einmal — allerdings im Gymnasium — in einem Aufsatze von „breitgestirnten Rindern“ geschrieben. Ich sehe noch immer nicht ein, warum dieses Wort der roten Tinte zum Opfer fiel. Auf der einen Seite soll der Schüler den Stil der Dichter bewundern, auf der anderen darf er ihn nicht anwenden. Erzählende Berichte sind durch die ganze Schulzeit zu pflegen. Ich erwähne sie künftig nicht mehr. Im Realienunterrichte bietet der Lehrer nicht bloß die sachliche Besprechung, sondern auch vorbildliche Schilderungen und Berichte. Das läßt sich allerdings mit wenigen Worten schwer wiedergeben. Ich meine durchaus nicht, daß er viel vortragen soll, in des Wortes bester Bedeutung. Auch das ist eine bekannte Erfahrung, daß z. B. die Schüler mancher Geschichtslehrer, die prachtvolle Vorträge halten, doch nicht viel lernen. Daß wir Lehrer so leicht aus einem Extrem ins andere fallenI Als ob es denn gar keine Mittelwege, goldene, fruchtbare Mittelwege gäbe! Das Gesprächsmosaik — wie ich die aus Fragen und Antworten mit meist unvollständigem Satzbaue bestehende Redeform des heuristischen Unterrichtes benenne — ermöglicht es ja, in kurzer Zeit mit wenig Worten Sachkenntnisse zu vermitteln. Gesprächsmosaik und zusammenhängende Schilderung sind die Redeformen, welche Sachunterricht und Redegewandtheit gleichmäßig fördern. Das Redespiel erfreut die Kinder immer. Und dieses ist eine sehr gute Redeschule. „Wir spielen jetzt diese Erzählung.“ „Wer will der A sein, wer der B?“ Die Pflege des mündlichen Gedankenausdruckes ist die beste Vorbereitung für den schriftlichen Gedankenausdruck. Die Unterschiede lernt das Kind nicht so sehr durch theoretische Belehrungen, durch Verbesserungen, sondern sie ergeben sich allmählich von selbst. Einerseits durch die Übung, durch die Umstände, unter denen der eine und der andere erfolgt, dann durch die Beispiele. Auf der Oberstufe der Volksschule (5.-8. Schuljahr) werden die Übungen fortgesetzt, u.zw. mit gesteigerten Forderungen. Diese gesteigerten Forderungen bestehen aber nicht so sehr in einer gesteigerten Korrektur. Der Wiener Volksschuldirektor F. Wichtrei war meines Wissens der erste, der in das Lesebuch auch Reden aufnahm; er entnahm den Parlamentsreden ein Stück aus einer Rede des bekannten Geologen E. Sueß und nahm ferner eine selbstgeschriebene Wechselrede über die Anschaffung einer Feuerspritze auf, die in dem Gemeinderate eines Dorfes beschlossen werden sollte. Die Mehrzahl der Staatsbürger besucht nach Absolvierung der Volksschule keine Schule mehr. Die Schule soll für das Leben bilden. Es zeigt sich nun, daß in dem Abschlußjahrgange die öffentliche Rede doch nicht umgangen werden kann. Man verlangt auch mit vollem Rechte, daß die Schüler eingeführt werden in die Staatskunde (Bürgerkunde). Auch in diesem Zusammenhänge muß wohl die Bedeutung der öffentlichen Rede gestreift werden. Ebenso muß im Geschichtsunterrichte des öfteren gezeigt werden, wie durch Reden das Schicksal des Staates und Volkes bestimmt wurde. Hier ist es denn auch an der Zeit, einige wenige Bemerkungen über die Redekunst im allgemeinen zu geben und analog der Besprechung der poetischen Ausdrucksformen diejenigen der Rede zu erläutern. Wenn es nur gut organisiert und geleitet wird, dann bin ich auch damit einverstanden, wenn die Schüler selber Redeübungen halten. Die Jugend spielt doch mancherlei und übt sich dabei und lernt dabei. Sehr wertvoll ist es nun, wenn die älteren Klassen beraten und beschließen dürfen über bestimmte Schulangelegenheiten. Ich sehe hier von dem sonstigen pädagogischen Nutzen derartiger Einrichtungen ab und bespreche sie nur in unserem Zusammenhänge. Ich denke mir, daß die ältere Dorfjugend eine Arbeitsgemeinschaft ist, die in der Heimat gewisse soziale, bezw. wirtschaftliche Aufgaben lösen kann. Der Lehrer hat z. B. über Naturschutz und Heimatschutz gesprochen. „Wie werden wir ihn praktisch betätigen?“ Diese Frage ruft sofort eine Wechselrede hervor, die schließlich zu bestimmten 1 Daß hiedurch auch das Entstehen von Sprachstörungen begünstigt wird, sei ebenfalls nachdrücklich betont. Arbeitsplänen führt. Ich denke nicht an durch süßliche Kleinkindergeschichten verbrämte unwirksame Naturschutztage und Heimatschutztage, dieses beste Mittel, das öffentliche und individuelle Gewissen einzuschläfern, sondern an aus dem Leben hervorgehende Leistungen. Nicht durch behördliche Anordnungen — das beste Mittel, diese Sache zu unterdrücken —, sondern aus freiem Willen, infolge Erkennen und Handeln übernimmt die ältere Dorfjugend gewisse Arbeiten und führt sie gemeinsam aus. Sie legt z. B. Bruthecken und Nistplätze an, um der Vogelwelt Lebensgelegenheiten zu schaffen. Sie pflegt einen Naturpark, z. B. ein Stück Gemeindewald, legt hier sogar Wege an, pflanzt Baumgruppen u. dergl. Das ist soziale Erziehung und in ihr wird nun die Redekunst gepflegt. Mehr noch, die Kinder lernen sachlich über Fragen des öffentlichen Wohles sprechen, hören, beschließen. Sammelt der Lehrer die schulmündige Dorfjugend an bestimmten Abenden um sich, bespricht er mit ihr in kameradschaftlich freundschaftlicher Weise Angelegenheiten des öffentlichen und privaten Lebens, so findet er zahlreiche Gelegenheit, seine Schularbeit noch fortzusetzen. Er leitet die Lektüre — ein Knabe erzählt, der Vater wolle dies oder das unternehmen, der Lehrer empfiehlt ein die Frage behandelndes Buch —, er berät mit den Kindern wirtschaftliche, auch politische Angelegenheiten, letztere nicht als Agitator einer bestimmten Richtung, sondern jenseits des Parteigetriebes stehend. Von hier gleitet die Jugend hinüber ins öffentliche und ins Vereinsleben. Steht der Lehrer so im Leben der Heimat, dann ist er auch den Erwachsenen noch Freund, Berater, Lehrer und Führer. Nur scheinbar sind wir jetzt vom Thema abgeschweift. All das mußte erwähnt werden, weil es den Zusammenhang von Pflege der Beredsamkeit und lebensbildender Schule klipp und klar zeigt. Jemehr die Schule für das Leben bildet, desto häufiger muß sie auch die Beredsamkeit pflegen, denn diese ist ein wichtiger Teil des Lebens. Da nun aber die Volksschule für einen großen Teil des Volkes d i e Schule überhaupt ist, hat sie unbestreitbar auch die Aufgabe, die Beredsamkeit zu pflegen. Zu dieser Aufgabe gehört aber auch die Stimm- und Sprachhygiene, über die ich mich ja schon oft ausgesprochen habe und die ich daher hier nur anhangsweise erwähne.1 1 Vgl. die Arbeiten des Verfassers in den Folgen 102, 103, 109, 1101 Preis der Arbeit. (Erstdruck.) Beschleicht dein Herz der Kummer, Lieblosigkeit und Leid, flieht auch dein Aug’ der Schlummer, sinnst du in Bitterkeit: Dich retten nicht die Klagen, die wie ein Hauch verweh’n, nach arbeitsvollem Wagen, erst wirst du auferstehn. Dann werden sich verkriechen die Unrast und die Qual und deinem Geist, dem siechen, tönt wieder Osterschall. Die Arbeit nur ist Leben und Müßiggehn der Tod, nur heldenhaftem Streben lacht siegend Morgenrot. Hugo Klotzinger. 3962 Die Hauptmanns-Zwillinge. Erzählung von Josef Rößler. (Schluß.) Die nächsten Tage malte Lehrer Waldkamm seiner Frau die Aufnahme der Wildner-Zwillinge in den rosigsten Farben. Hatten seine Kollegen Studenten in Wohnung und Verpflegung aufgenommen, warum sollte er nicht ABC-Schtitzen, die noch dazu Waisen waren, betreuen? Sicherlich würde für sie gut gezahlt. Ja er verstieg sich bis zu der verlockenden Aussicht, daß der eine einst Thusneldas Bewerber werden könnte. Darüber mußte nun seine Frau herzlich lachen und sie fragte ihn mit jener schelmischen Art, die ihn in ihren Mädchenjahren so entzückt hatte: „Du hast entschieden Deinen Beruf verfehlt! Weißt Du, was Du hättest werden sollen? — Ein Kino-Film-Dichter!“ „Schatz, wenn wir uns der Wildner-Jungen annehmen, dann führen wir ja sogar einen Roman aus." — In diese Heiterkeit hereingeschneit kam plötzlich seine Schwiegermutter. Die machte aber Augen, als sie von dem Plane hörte: „Ihr seit wohl nicht recht gescheit? Jezt, da Thusnelda erst drei Jahre alt ist, da Ihr selber noch ein Schock Kinder haben könnt?“ „Aber Mama!“ „Geht mir weg und tut nicht so keusch! Und was Du Dir für eine Last auf den Hals machst, Hella; hast. Du Dir das schon einmal ordentlich überlegt? Wenn die Kinder krank werden: Die Verantwortung! Und sie werden manch liebesmal krank werden und —“ So hatte die Frau Schwieger- und Großmama noch sehr viele wohlgemeinte „Und“, bis sie den Schlußtrumpf ausspielte: „Wenn Ihr nun gerade den Jungen so gut seid, — na deutlicher will ich doch nicht werden I ’S waren doch in der ganzen Verwandtschaft in jeder Familie Jungen und Mädel, da werden doch nicht gerade bei Euch lauter Mädel kommen!“ „Wunderbar!“ klatschte Herr Lehrer Waldkamm in die Hände. „Mutter, Du bist mir ja immer schon als eine sehr vernünftige Frau vorgekommen, aber so stichhaltig hast Du noch nie doziert wie heute!“ Im selben Augenblick kamen die Wildner-Jungen zu Besuch. Sie hatten ganz aufgeweinte Augen, waren nicht besuchsmäßig angezogen und schienen daheim ausgerissen zu sein. Als die Frau Großmama dieses lebensfrische Knabenpaar, dem noch die Tränen in den kirschdunklen Augen schimmerten, sah, da wurde ihr ganz eigen. Es erwachte in ihr jene mitleidstiefe Mutterkraft, wie sie fürsorglichen Wesen eignet. Als gar die Jungen ohne allzugroße Scheu die Ursache ihrer Tränenbildung gestanden und ihre Schlimmheit reuevoll einsahen, da gab’s bei ihr kein Halten des grundgütigen, verstehenden und verzeihenden Herzens. Die Jungen hatten zur Strafe für hundsgemeine Schimpfwörter, wie sie jedes aufgeweckte Kind da und dort einmal aufschnappt, auch gegen ihre Mutter angewendet und aus Trotz, der sicher nur durch verhetzende Einflüsterungen von Dienstboten und Nachbarschaft entstanden und genährt worden war, keine Abbitte geleistet und deswegen kein Mittagessen erhalten, Ingeborg, die an Güte und Freigebigkeit ein fehlerloses Rassenprodukt einer Waldkammschen Familen-eigentümlichkeit zu werden schien, umhalste gleich den ihr zunächststehenden Karl und schob ihm ihren letzten guten Bissen des kriegsbrotmäßigen Gugelhupfes in den Mund. Und da sie von Thuschen in allen Dingen tätigen Handelns als das gute Muster angesehen wurde, das Nacheiferung weckt, so umhalste sie, sich auf die Zehen stellend, den sich instinktmäßig zu ihr herabbeugenden Friedrich und schob ihm ihre Süßigkeit zwischen die Zähne. Aber Lehrer Waldkamm duldete hier keine übel angebrachte Speisung der Hungernden. Er benötigte keiner großen Überzeugungskunst, die Zwillinge ihr Unrecht einsehen zu lernen. Bald versprachen sie ihm, sofort ihre Mutter um Verzeihung zu bitten und Besserung zu geloben. Um ihnen den Weg zu erleichtern und bei der immer mehr kränkelnden Stiefmutter kein Mißtrauen in den Hergang aufkommen zu lassen, gab er noch ein aufklärendes Kärtchen mit. Er legte aber noch zwei ziemliche Gugelhupfstücke für das Brüderpärchen bereit, das sie denn auch als Spielgenossen der Lehrerstöchter bald wieder herbeiköderte. Die Großmama nahm die Jungen abwechselnd auf den Schoß und suchte nach Merkmalen, durch die der Karl vom Fritz zu unterscheiden sei. „Das muß doch nicht so einfach sein, zu 80 Jungen auch noch den Einundachtzigsten zu merken, überhaupt, wenn er doppelt vorkommt!“ wandte sie sich an ihren Schwiegersohn. „Ich bekam bald weg, daß der Karl ein etwas besseres Herz hat als der Friedei. Wenn der sich rausstellen mußte, fing Karlchen an zu weinen. Mußte er mal nachsitzen, wartete Karl sicher 3963 in einem Versteck auf ihn, damit er nicht wegen seines späteren Heimkommens Schelte bekäme,"wie er mir einmal in einem Abortwinkel gestand. Auch bat er öfter um Strafnachsicht für seinen Bruder, als der es im umgekehrten Falle tat.“ „Mußt Du sie denn so oft bestrafen? Sind sie denn böswillig oder nur liederlich?“ „Keines von beiden. Sie können halt nicht Stillesitzen und durch ihr Qewackel und Gezappel, durch ihre Wendehalsmanier lenken sie fortwährend die Aufmerksamkeit auf sich. Selbst wenn ichs absichtlich übersehe, entrüstet sich eben gleich ein Mitschüler und schreit plötzlich im schönsten Märchen: „Schaun Sie nur, Herr Lehrer, was die Wildner-Jungen schon wieder machenI“ und die Märchenstimmung ist hin. Oder aber: „Herr Lehrer, ich kann nicht schreiben, weil der Karli so wackelt. Ich auch nicht, ich auch nicht!“ Und der Krawall ist fertig. Oder: Herr Lehrer, der Friedei zieht mich beim Haar. Herr Lehrer, der Karli kitzelt mich in der Kniekehle, Herr Lehrer, der Fritz kratzt mit einem Nagel die Farbe von der Bank. Herr Lehrer, der Karli schnallt unsere beiden Schulranzen zusammen.“ „Na, ich könnte kein Lehrer sein, ich müßte sie erschlagen.“ Zur Bekräftigung dieser Worte küßte Waldkamms Schwiegermutter den Karl auf das stramme nackte Knie, das von der ledernen Steirerhose frei gelassen wurde und im schönsten Rosenrot schimmerte. „Neuerlich kam der Friedei, der für eine sehr gute Antwort einen Einser erhalten hatte, ich möchte seinem Bruder auch eine Eins geben, damit der ebenfalls eine Freude habe.“ „Na, da ist ji einer so gutherzig wie der andere!“ rief die Frau Hella und schwenkte den Friedei für seinen absonderlichen Bittgang ein paarmal im Kreise. Die Jungen aber empfanden eine tiefinnerste Glückseligkeit, daß sie auf einmal einen so wichtigen und wohlwollend behandelten Gesprächs-Mittelpunkt abgaben, und Lächeln eitler Selbstzufriedenheit machte sich auf ihren Gesichtchen breit. „Weiß Gott, die Jungen nähme ich bald selbst zu mir!“ sagte Frau Hellas Mutter, als sie wieder zum Zuge eilte. „Und was mir da vorhin von der Bestellung eines Stammhalters zwischen den Zähnen hervorrutschte, na, da seid Ihr ja wohl viel zu vernünftig, als daß Ihr’s gleich für bare Münze nehmtI“ * Die Frau Major Wildner kränkelte immer mehr. Der Gram um ihren heißgeliebten Gatten, der trotz aller Nachforschungen verschollen blieb, die grauenhaften Einzelheiten über die Behandlung unserer in serbische Gefangenschaft geratenen Krieger und die widersprechenden Behauptungen über seinen angeblichen Tod, die heimkehrende Urlauber erstatteten, verschlimmerten ihren Zustand derart, daß sie den Knabenlärm und die Klatschereien und Kümmerungen der Haus- und Gassennachbarschaft nicht mehr ertragen konnte, ln ihrer Verzweiflung wandte sie sich an den Lehrer Waldkamm, von dem sie gehört hatte, daß ihm schon oft die vornehmsten Familien ihre einzigen Söhne auf Reisen ins Salzkammergut, nach Thüringen, in den Harz oder an die See anvertraut hatten. Sie machte ihm den Vorschlag, die Jungen bis zur Erledigung ihres Gesuches um die Aufnahme in die militärische Erziehungsanstalt zu sich zu nehmen. Er und seine Frau waren sofort dazu bereit. Aber die Hausfrau drohte mit der Kündigung, wenn er noch mehr Kinder, überhaupt die stadtbekannten wilden Bengel ins Haus bringe. Sie nehme keine Parteien auf, die mehr als zwei Kinder haben. Lehrer Waldkamm ließ sich aber nicht einschüchtern und überreichte bei der politischen Behörde die Beschwerde wegen unpatriotischer Erschwerung der Lebensbedingungen im Selbsterhaltungskampfe des Vaterlandes. Er fand auch beim k. k. Statthalterei-Rat die vollste Unterstützung und der kinderfeindlichen Hausbesitzerin wurde ein volkswirtschaftlicher Text gelesen, wie sie ihn nicht erwartet hatte. * Die trübe Aussicht, bei etwaigem Familienzuwachs die Wohnungswahl erschwert zu bekommen, bestärkte das Waldkammsche Ehepaar ausschlaggebend, wieder auf die heimatliche Scholle zurückzukehren. Sie fanden bei ihren beiderseitigen Eltern die vollste Billigung ihres Entschlusses. Um die giftigen Neidhammel, die von einer Nichtbewährung des Herrn Lehrer Waldkamm munkeln wollten, kümmerten sie sich einfach nicht. Über Großpapas gütigen Spott, ob sie denn in seinem Hause auch ein Landerziehungsheim gründen wollten, freuten sie sich nur, weil sie ja aus jedem seiner Blicke lasen, wie auch ihm die Zwillinge gefielen. Etwas lange Gesichter gab’s allerdings, wenn auch nur durch eine Woche, im Waldkammschen Hause; denn der in Aussicht stehende Familienzuwachs ließ sich bei Frau Hella nicht mehr verheimlichen. Doch der junge Lehrer fand sofort nationale Rechtfertigungen, die er allen gegenüber mit dem schönen Satze schloß: „Ja, die alten Deutschen, die hatten Kinder, wie Sand am Meerl Und wenn wir uns gegen das kindergesegnete Rußland auch in der Zukunft behaupten wollen, dann müssen wir in erster Linie für Nachwuchs sorgen!“ Seine Frau aber ermahnte er, sich die Wildner-Jungen nur recht inbrünstig anzuschauen, damit sie der keimenden Natur die Heranreifung eine; männlichen Sprosses „suggeriere“. Und um diese Willensbildung seiner Ehehälfte treulich zu erleichtern, heftete er an allen Türen Bilder von schönen Knabengestalten. Sein Schwiegervater nannte diese Schaustellung die Ahnengalerie der ungeborenen Geister. Und der Tag kam. Er bescherte der verdutzten Waldkammfamilie ein prächtiges Knabenpaar. „Daran sind nur die Wildnerzwillinge Schuld!“ rief Großpapa, mit den Händen zusammenschlagend. „Na, ich gratuliere! Deine Suggerierungs-Theorie hat die Schenk’sche Theorie geschlagen 1 Nun habt ihr sogar Anspruch auf zwei Brotkarten mehr! Ist in dieser Zelt auch nicht zu verachtenI“ Zuspruch an die Jugend. (Erstdruck.) Geh stark und reg’ deinen Weg! Nimmer die Kraft verliegen, die Zeit mit unnützen Dingen vergnügen! ■ Doch: dann und wann ein Weilchen träumen unter rauschenden Bäumen, ist deiner Jungseele gut. Die Stunden sind Quellen. Aber dann mit frischen, hellen Sinnen und rechtem Mut weiter aufwärts gestiegen —1 Und kommt es mal hart, hab deutsche Art! Und schneiden Risse in deinen Weg und finstere Gründe: überwinde! Zeig’ im Sprung deinen Schwung! Doch: Schritt um Schritt gewinne die wilde Zinne! Dein Herzwort sei: siegen! Und: Geh nicht im großen Troß, der nach Golde und Nichtigem giert! Der sei dir Genoss, dem mit heilgem Gefühl als Ziel die freie Höhe sich kürt! Das ist Reinheit und weiter Blick uud das wahrhafte Glück! Reinholt Braun. Gedanken über den gekürzten Unterricht. Der gekürzte Unterricht kommt mir vor wie eine Einrichtung, die nur deshalb bestünde, daß das in der Alltagsschule Gelernte nicht zu schnell vergessen werde. Lobende Äußerungen einer Lehrperson oder gar einer Behörde wird noch niemand gehört haben. Urteilt ja sogar der denkende Bauer: „Wenn mein Bub die sechs Jahre (Alltagsschule) nichts gelernt hat, so lernt er jetzt (im gekürzten Unterrichte) auch nichts mehr.“ Warum wird nun nichts mehr oder nur sehr wenig geleistet? Ich will versuchen, einige Gründe anzuführen. Ein Hauptgrund dürfte der sein, daß das Kind, weil es nur mehr einige Stunden in der Woche die Schule besucht, derselben mehr oder weniger entfremdet wird und sich schon ganz wie „aus der Schule entlassen“ fühlt. Jeder Lehrer kann in seiner Klasse beobachten, wie selbst die fleißigen Schüler jener Abteilung, die im folgenden Schuljahre in den gekürzten Unterricht Übertritt, im Fleiße nachlassen und allmählich dev Gedanke sich durchringt: „Jetzt komme ich bald in den gekürzten Unterricht, da brauche ich mich nimmer zu plagen.“ Ein zweiter Grund ist der, daß der Schüler, ob fleißig oder faul, nach sechs(sieben)-jährigem Besuche der Alltagsschule in den gekürzten Unterricht kommen muß. Da sitzt dann neben dem Schüler aus dem sechsten Schuljahre einer aus dem vierten, der keine Dezimalzahl kennt, oder gar aus dem dritten, der keine schriftliche Rechenoperation kann und vielleicht auch noch kaum zu lesen imstande ist. Und mit diesem zusammengewürfelten Sch Ul er material soll ein Lehrer viel erreichen? Er muß froh sein, wenn es ihm gelingt, das Gelernte vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Laut einer Ministerialverordnung (Zenz, Schulgesetze) darf der Lehrer keinen Schüler des sechsten Schuljahres zurückbehalten und ihm nicht den Übertritt in den gekürzten Unterricht verweigern. Daneben steht aber, daß dem Kinde, das den Anforderungen des Reichsvolksschulgesetzes nicht entspricht, der Austritt zu verweigern sei. Wird aber das ein Lehrer auf dem Lande tun? — Nie und nimmer, weil er überzeugt ist, daß sich der Schüler auf keinen Fall mehr etwas aneignet, im Gegenteil, der Schüler (von den Eltern aufgereizt) alles aufbieten wird, um den Unterricht zu stören und dem Lehrer als Vergeltung die Arbeit so sauer als möglich zu machen. Dazu noch unser humaner Strafparagraph, der den Lehrer völlig der Willkür des Bengels überliefert und den Eltern gegebenenfalls eine Handhabe bietet, mit einer Anzeige vorzugehen. Statt einer Austrittsverweigerung sollte eine Übertrittsverweigerung Platz finden. Als dritter Grund ist die Verschiedenheit der Schulbesuchserleichterung anzusehen. Besteht in dem Orte A sechsjährige und in dem Orte B siebenjährige Schulpflicht, so wissen die Eltern die 7jährige Schulpflicht auf einfache Art zu umgehen. Sie geben das Kind während des 7. Schuljahrs in dem Orte A in Dienst, im 8. Schuljahre wandert es zurück. Daß ein solches Hin- und Herwandern dem Unterrichte nicht zum Vorteile gereicht, ist einleuchtend. Das größte Hindernis ist jedoch der Umstand, daß beinahe jeder Schüler irgendwo bedienstet ist. Sie sind also mehr Knechte und Mägde als Schüler. Bei uns im Mühlviertel werden solche infolge des Dienstbotenmangels zu allerlei Arbeiten in Anspruch genommen und dabei nicht selten tüchtig ausgenützt. So müssen 13jährige Knaben den schweren Marktwagen 2—3 Stunden weit über Berge zur Stadt schleppen. Ein anderer muß das Vieh, weil es bei Tag wegen Hitze und Belästigung durch Insekten nicht gern frißt, von 3—7 Uhr morgens und 8—10 Uhr abends aus-treiben, tagsüber aber fleißig arbeiten. Soll es dann einen wundern, wenn der Junge beim stillen Sitzen einschläft? Dieser Ausbeutung der Kindeskraft müssen Schranken gezogen werden. Nicht einzelne Arbeiten sollte ein Kinderschutzgesetz verbieten, sondern es sollte überhaupt verboten werden, Kinder unter 14 Jahren in Dienst zu geben. Zu Hause werden Kinder doch eher geschont als in der Fremde. Ein Verbot der Kinderarbeit könnte jedoch erst dann erlassen werden, wenn andere Arbeitskräfte zur Genüge vorhanden wären. 1 Daher ist die Bekämpfung der 1 Daran scheitern eben die besten Vorschläge. D. Sch. Landflucht durch den Staat (hoffentlich wird nach dem Kriege was geschehen) auch für die Schule vom hohen Interesse. So haben wir in Kürze die vier Hauptgründe angeführt, die Schuld sind, daß im gekürzten Unterrichte der Unterrichtserfolg nicht im geringsten der aufgewandten Mühe und Zeit entspricht. Viel, besser wäre es, wenn an seine Stelle eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule träte. Otto Klinger in Eidenberg, 0. Ö. Briefkasten. Diesmal führt mich mein Kriegswandern in die Karpathen. Knapp vor der Fahrt an den Russensturm heran schreibe ich diese Zeilen nieder. Indes die vorliegende Folge unserer Zeitschrift durch die Schwärze läuft, ziehe ich von Front zu Front, von Stellung zu Stellung den Karpathenbogen entlang bis hinein ins Siebenbürgerland und wohl auch darüber hinaus; sodann die Wasserstraße aufwärts nach Belgrad und schließlich hinab zu den Recken auf der Höh' der Siebengemeinden. Was wird die Zeit, da ich fern vom Hinterland weile, uns bringen? Großes Ahnen erfüllt die Seele. Mög' es nun zum Guten sich wendenI — Hvl. L. Sch. in St.: Leiter und Blatt — sie bleiben, wie sie waren, ohne Jagd nach Gunst und Würden. — Lehrer E>. K. in W.: Meine Rede „Die gegenwärtigen sozialpolitischen Ausgaben der Lehrerschaft" ist im Verlage des Marienbader Lehrervereines erschienen. Preis 40 h. — Damals, vor zwei Jahren war es, da gab es großes Zetern über das, was nunmehr längst Wirklichkeit geworden. — Hvl. j®. W. in H.: Die Herstellung von Einbanddecken ist dermalen ausgeschlossen. — K. v. W.-H. in M.: Ja, die Werbearbeit für die 6. Kriegsanleihe war ergiebig, — überdies hat sie mir ein Stück Volkstum eröffnet. Ich habe auf den Kreuzundquerfahrten viel erschaut, erhorcht und viel an Schäden wahrgenommen. Nach dem Kriege wird Volkspädagogik betrieben werden müssen. — Die Erbärmlichkeit der Wichte, die sich belustigen, daß man zum Besten der Kricgsnotwendigkeiten den Doktorhut daheimläßt, steht den „Helden" gut, die sich mästen, indes der eine darbt und der andere nimmermüde schafft. — Jirl. W. K. in jt.: Geduld, Geduld, es muß alles vorerst ausreifen! Bei uns gar lange. — Hinj.-Mreiw. A. A. in M.: „Sprachun-richtigkeilen der Militärsprache" — herein damit! — Kerr Lössler in Aussig hat einen Weihechor „Heil Karl I., Österreichs Kaiser!" vertont, der bei einer Aufführung große Wirkung erzielte. Selbstverlag. — Mach Syrien: Was uns in der Kindheit als Wunderland galt, betritt nun unser Fuß. Der Krieg hat Länder erschlossen und die Mensche» durcheinandergesiebt. — Unser Mitarbeiter Jos. Aeyrl in Hroßraming ist Doktor der Philosophie geworden. Jungmannschaft strebe nach! — Lehrer L. H. in S : Ihre Schilderung über die „Einführung in das Schulamt" ist neckisch, so recht ein Stück Vorweltkriegszeit; trotzdem muß sie aufgespart werden. Die Zeit ist ernst; wir können darum nur Ernstes behandeln. — Ale Korrektur der vorliegenden Aolge besorgte Herr Lehrer Meixncr in Wien. — Sen Schülern der 5. Klasse in I. und vielen anderen: Daß euch mein Büchlein „Alles für- kämpfende Vaterland!" gefallen hat, freut mich. Aber laßt es nun nicht beim Ergötzen bewenden, sondern seid des Kaisers tapfere Soldaten hinter der Front! — Aufruf zum Kiusammelu von Arzneipflanzen. Ein diesbezügliches Verzeichnis erhält man von der St. ValentinuS-Apotheke in St. Valentin, O.-Ö. — Bezug ans unsere Zeitschrift. — Verein der ösierr. Lehrervildner: Das Dankschreiben wird bestätigt; allein es war nicht nötig. Für jeden Schulmann ist es Pflicht, der Halbheit ein Ende zu bereiten. Wer sie fühlt und ihr nicht gerecht wird, nenne ich einen „Standerschurken", und stünde er auf hoher Staffel. — Aerieuk Mir ist das Wort seit zwei Jahren abhanden gekommen. Ich bin darob keineswegs verdrossen, sondern bedauere vielmehr die, die mit der Freizeit nichts anzufangen wissen. Wer klug ist, lugt nach Arbeit im Dienste des kämpfenden Vaterlandes aus. Dann wird er zu Beginn des neuen Schuljahres sich erfrischt und durch den Schaffensquell fürs Große der Tage gekräftigt fühlen. — Kleine Mitteilungen. 667.) Sprachunterricht. (Hans Trunk.) Die einzelnen Abschnitte enthalten kingehende Erörterungen über alle Gebiete des Deutschunterrichtes, aus denen überall der erfahrene Meister der Praxis aus den verschiedenen Unterrichtsstufen spricht. Trunk geh! allen Mängeln zuleibe und zeigt uns, wie diese zu bekämpfen sind 668.) Anterrichtsprari» für Volksschulen. Unter Mitwirkung bewährter Schulmänner herausgegeben von Hans Trunk. K. k. Schulbücher vertag Wien. Preis K 2 70. Dieses Buch stellt Grundsätze auf, die sich durch lange Erfahrung und reifliches Nachdenken bewährt haben. Mancher Lehrer möchte sich gerne ein Buch auschaffen, wenn er sicher wäre, daß er das Geld gut verwendete. Das vorliegende Werk kann als Wegweiser für die Lehrer, die nach Weiterbildung streben, als Anleitung bei der Führung ihres Amtes in den einzelnen Unlerrichlsgegenständen und als Handbuch für die Zöglinge der Lehrer- und Lehrerinnen- 3967 bildungsanstalten bestens empfohlen werden. Besonders wertvoll sind einzelne Teile dieses Werkes, wie z. B. Gruppierung der Schüler, Verteilung des Lehrstoffes, Ausfüllung des Wochenbuches u. a., die in ähnlichen Büchern ganz übergangen oder nur kurz erwähnt werden. Der Herausgeber kann auf Grund seiner reichen Erfahrung Anregungen geben, Hilfsmittel und Wege weisen. Vom Elementarunterrichte und vom Anschauungsunterrichte. (Josef Göri.) Als der erste, wichtigste und Hauptunterricht, der sich an die früheren Verhältnisse des Kindes anschließt und jeden folgenden vorbereitet, muß der Anschauungsunterricht angesehen werden. Es kommt also auf Übungen der Anschauung, des Denkens und des Sprechens (unmittelbare Sprech-, mittelbare Sprachübungen) an. Es ist klar, daß durch einen Unterricht, auf die dargebotene Weise betrieben, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Kinder bedeutend gefördert wird. Vom Abteilungsunterrichte. (Alois Rock.) Einen praktischen Ratgeber haben wir in dieser Arbeit. Heimat- und Erdkunde. (Adolf Bischofbergcr.) Der Besprecher gibt dem Lehrer ein vortreffliche« Hilfsmittel zur geographischen Erfassung der Heimat. Der Schüler soll unter Anleitung des Lehrers lernen, sich selbst in seiner Heimat zu orientieren (zu messen, zu zeichnen, zu gestalten); wenn er diese Arbeit geleistet hat, dann kann er die Karte der Heimat lesen. Geschichte. (Dr. Theodor Ebner.) Der Verfasser stellt recht zweckmäßig den Lehrstoff in Geschichtsbildern zusammen und spricht in kurzen Leitsätzen über die methodische Behandlung des Lehrstoffes. Bürgerkunde. (Ferdinand Weinhandl.) Er bietet in seiner wohldurchdachten Arbeit einen vortrefflichen Wegweiser zur Vorbereitung für den Lehrer. Naturgeschichte und Gesundheitspflege. (Dr. Rudolf Freis.) In dem vorstehenden Aufsätze werden die Methoden des Naturg.-Unterr. recht klar und sachlich dargestellt. Naturlehre. (Rudolf Schill.) Er geht hiebei von dem Grundsätze aus, wie den Schülern die Natur» kenntnisse durch selbständige Arbeit und Beobachtung vermittelt werden können. Rechnen. (Franz Pokorn.) Diese methodische Arbeit verdient sogleich alle Aufmerksamkeit und ist ein weiterer Fortschritt in der Rechenmethode. Der Verfasser versteht es auf treffliche Weise, den psychologischen Vorgang der Anschauung auseinanderzusetzen, und zeigt, wie dieser Lehrgegenstand zu einem lebensvollen Unterricht (Bodenständigkeit) ausgestaltet werden kann. Raumlehre. (Rudolf Schill.) Der Inhalt gibt eine Fülle von Anregungen, wie dieser Unterrichtsstoff unter wohlbedachter Leitung des Lehrers selbst erarbeitet wird. Schönschreiben. (Der Herausgeber.) Die verschiedenen Schreibmethoden sind Lehrgänge, die sich oft nur wenig unterscheiden. Zum Darstellen gehört Gewandtheit der Hand. Durch Vorübungen müssen ordentliche Körperstellung und richtige Federhaltung erzielt werden. Ganz richtig legt der Verfasser dem Taktschreiben große Bedeutung zur Erzielung einer geläufigen Schrift bei. Freihandzeichnen. (Josef Schmoranzer.) 1. Amtliche Instruktion, 2. Besondere Bemerkungen. Diese bringen einen Überblick über die neuen Bahnen im Zeichenunterrichte und enthalten manche praktischen Winke. Geometrisches Zeichnen. (Rudolf Schill.) Diese Anleitung im allgemeinen, besonders die Or-namenticrübungen zeigen den erfahrene» Praktiker. Singen. (Viktor Zack.) Durch den Ausbau der Methoden sucht man höhere Ziele zu erreichen, als durch das mechanische Einlernen von Liedern zu erlangen sind. Der Versasser teilt uns in seiner trefflichen Arbeit die Ergebnisse seiner erfahrungsreichen persönlichen Unterrichtspraxis mit und zeigt, wie auch der musikalisch weniger veranlagte und ausgebildete Lehrer mit diesem aus der Viertonreihe aufgebauten Lehrgänge sichere Erfolge erzielen kan». Weibliche Handarbeiten. (Hermine Pokorn.) Dieser Unterricht stand auf der Stufe des Einzelunterrichtes. Jede Schülerin arbeitete für sich. Die Lehrerin zeigte ihr die Handgriffe, sie fing die Arbeit meistens selbst an. Die Verfasserin will den Handarb.-U. zu einem Massenunterrichte machen, d. h. die Schülerinnen einer Klasse müssen zu gleicher Zeit die gleiche Arbeit ausführcn. Die folgenden Abschnitte handeln von der methodischen Behandlung des Handarb.-U. Um für die Anlage von Büchereien Richtlinien zu bieten, wurde im Anhänge ein Verzeichnis empfehlenswerter Werke beigefügt. Zack. 669.) Alage-Keifler. . Cölln eine große Anzahl solcher stets wiederkehrenden Rechtschreib-, Grammatik- und Stilfehler vereinigt und soeben in der sechsten Auflage im Verlage non Jos. A. Kicnreich in Graz erscheinen lassen. Das Büchlein bringt auch einen Auszug der geltenden Rechtschreibregeln und eine Vorlage, wie man fachmännisch richtig Fehler zeichnet. Es kostet K 1 60 und ist durch jede Buchhandlung oder direkt durch den Verlag zu beziehen. 671.) KeimatKunst. Soll die Heimatkunst nur der Stadt und nicht viel mehr dem Lande frommen? Wenn wir vom Antlitz der Heimat sprechen, so denken wir nicht an die Städte, sondern an die blauen Seen und grünen Flüsse, an die dunklen Wälder und die weißen Berge und vor allem an die braunen Häuser, die aus den schattigen Baumgärten heraus oder von den Berghalden herabgucken wie Augen der Heimat. Etwas wie ein Riese an Kraft ist das Bauernhaus, das in der Erde fest verankert ist, aus der Erde die Kraft schöpft und diese Kraft weitergibt allen, die unter seinem breiten Dache wohnen. Hier möge sich der Heimatsschutz entfalten! (Michael Schnyder.) Die Bergstadt. 672.) Deutsche Lehrer unter den Kekden von Wngtau. Die „Päd. Ztg." erhielt von einem Amts-bruder, der den Kampf um Tsingtau mitgemacht hat und sich jetzt in einem japanischen Gefangenenlager befindet, folgende Zeilen: „Soeben lese ich mit Freude und Stolz im New Porter Staatsanzeiger eine Zusammenstellung der Berliner Lehrer, die bis zum 23. November im Felde standen. Vielleicht ist es von Interesse, zu erfahren, daß an der Verteidigung unseres geliebten Tsingtau 19 Lehrer teilgenommen haben, nämlich 2 Offiziere, 6 Vizeseldwebel, 3 Unteroffiziere, 1 Gefreiter, 2 ohne Dienstgrad, 2 Ersatzreservisten, 2 Kriegsfreiwillige, ein Lazarettinspektor. Verwundet wurden zwei. Alle, mit Ausnahme des Lazarettinspek-tors, sind in Japan in Kriegsgefangenschaft. Alle Tsingtauer Kriegsgefangenen sind in 12 Lagern untergebracht. Soweit ich informiert bin, sind alle zufrieden. Wir in Marugame haben jetzt unseren eigenen Koch, dürfen täglich zwei Stunden aus einer bestimmten Straße spazierengehen und werden dazu noch zweimal in der Woche ausgeführt. Eßwaren, Bier und kleine Gebrauchsgegenstände dürfen wir uns kaufen. Es muß den Japanern nachgesagt werden, daß sie uns sehr gut behandeln. Gebe Gott unseren Waffen in der Heimat den Sieg! Mit amtsbrüderlichem Grnß ergebenst . . ." 673.) Gin pädagog. Ilorum. In der „Voss. Ztg." legt G. Menzel die Notwendigkeit einer Reichs-schulbehörde dar. Die Volksbildung müsse eine einheitliche und gleichmäßige sein, da der letzte Grund aller sozialen Gefahr „nicht in der Dissonanz des Besitzes, sondern der Bildung" beruhe. Die Reichsschulbehörde müßte eine Beobachtungs- und Beratungsstelle für alle Schulen sein, die pädagogische Arbeit fördern, Bestimmungen treffen über die Schulzeit, die Fortbildungsschulpflicht, die Festsetzung einer Höchstsrequenz für Schulklassen, Schaffung eines Überganges von der Volks- zur höheren Schule, Regelung der Lehrerbildung und Förderung der deutschen Auslandschulen. Die Volksschule. (Der Gedanke wurde in unserer Zeitschrift bereits vor Jahren vertreten. D. Sch.) Polack-Ecke. 17. Bin ich nicht ein reicher Mann, nicht reich an Geld und Gut, aber an Besserem, an Herzensbesitz? Gott sei Dank dafür und er erhalte mir diesen Besitz! 29. Jänner 1906. 1 Aus einem Briese an den Kaiser!. Rat A. Hofer in Wien. (Bisher noch nicht veröffentlicht.) HerauLgeber und ucxuntroottUn« 6c|tiitle!lex: Rudolf Peerz — L.uck von Jofes Vavltcet ln Gotrfctzee. 1 Schriften von Dr. Rudolf Pecrz. i-MWMAMfMsiMMSMMWiSWMiSNMMUMlMsMKMANMWkMAM »jmja El M US M u m ögg +* M 1 g 0. B