für Vaterland, Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. M^ H, 8lT,n8ti»3 ÄS>» 22. Männer. K 8 4 8. ^ Der Graf von Montquesnel. e Rouclle uon Leopold Kordesch. ^ HU - ^ ^V-nsere deutschen Komiker vermögen wohl auf die e Lachmuskeln ihrer Zuhörer zu wirken, jedoch — mit Aus- , «ahme weniger — meistens auf Kosten sichtbarer Anstren- ^ gung; sie müssen sich das Komische oft mühsam aneignen < und bleiben größcentheils unbeholfen dabei; selten, daß Eine» < von Innen heraus alle Eigenschaften des wahren Spaß- , machers entfaltet: die Italiener hingegen sind geborene Ko- ! miker. Vivacicät, Geistesgegenwait, unerschöpfliche, lebhafte , Phantasie, Temperament, eine erstaunliche Geläufigkeit der Zunge und ein Geberdenspi'el, welches der Deutsche vergebens nachahmen würde, machen sie im Fache des Komischen unübertrefflich. Luigi Calce galt zu Ende des achtzehnten und in den ersteren Jahren des laufenden Jahrhunderts als einer der trefflichsten Mimen und Komiker auf den italienischen Theatern.__Bologna, Parma, Pavia, Mailand, Turin, Verona und Venedig wetteiferten, diesen Künstler, wenn auch nur auf kurze Zcit, zu besitzen, der, obschon noch jung, in seinem Fache fast unerreicht dastand, überall Enthusiasmus erregte und Auszeichnungen aller Art genoß. Calce besaß vom leicht erregbaren, lebhaften Temperament des Italieners eine überschwänkliche Dosis, war jedoch immer Herr seiner Mienen und konnte Leidenschaften wunderbar beherrsche», wie die meisten seiner Landsleute; aus seinen schöngewölbten, dunklen Augen leuchtete aber nichtsdestoweniger unverkennbare Bonhomie, während seine kühn aufgeworfene Lippe je» nen leichten Troß, jene Eitelkeil zur Schau zu tragen schien, die den Glücklichen eigen zu seyn pflegen, denrn von allen Seiten Huldigungen zuströmen: genug, Calce war der Mann des Tages, wo er auf dem Theater erschien. Luigi's Herz schien gegen zarre Frauenliebe keineswegs unempfänglich, schlug es doch in der Brust eines jungen Italieners! Manche Bühnenschönheit hatte Eindruck auf ihn gemacht, aber — tieffühlend, wie er war — konnte er den Gedanken nicht ertragen, daß diejenige, «die er sein nennen sollte, sich gleich ihm von der Bühne aus den Blicken des männlichen Pu-. blikumS bloßstellen sollte, „per liaeco! ertappte ich sie auf Blicken mit einem Manne, sie wäre da verloren," betheuerte er oft im traulichen Gespräche bei seinen Freunden. Da er trotz seines lockern Lebens sich doch etwas erspart hatte und bei seinem immer wachsenden Rufe nicht zweifeln duifte, eine Frau ernähren zu können, die ihm nichts mitzuverdie« nen brauchte, io benutzte er einmal einen kleinen Theater-Urlaub, um nach Bergamo zu einem entfernten Verwandten, einem Winzer, zu reisen, der sich, dem Rufe nach, einer eben aufgeblühten, wunderschönen Tochter zu erfreuen hatte, verliebte sich Knall und Fall in die liebliche Giooanna, und heirachete sie ohne Umstände und ohne alle Aussteuer — eine zweite Griseldis an Anmuth und Dürftigkeit. Der Segen des glücklichen Winzers war fast das Einzige, was Gio-vanna, geschmeichelt, einen so hübschen und gewissermaßen berühmten Mann ihr eigen nennen zu können, mit sich nehmen konnte, als sie mit ihrem Gatten abreis'te. Calce schwamm in Wonne, eine so reizende, junge, unverdorbene Frau zu besitzen, die nur seinem Glücke lebte, die er nicht den neugie« rigen Blicken lorgnettirender Theatergaffer bloßstellen, sondern in stiller Behausung für sich behalten duifte; trotzdem aber wollte er, daß seine junge Gefährtin seinem Namen Ehre mache, daß sie den Neid Aller erwecke, die sie in seinem Arm durch die Straßen wandeln sahen. Wenige Tage nach dieser herzlichen Verbindung sah man das junge Paar prächtig gekleidet durch die Gassen Mailands lustwandeln und die eigenmächtige Verlängerung des Urlaubs hätte den glücklichen Ehemann bald in große Fatalitäten verwickelt. Endlich nöthigten die zu Monden ausgedehnten Flitterwochen den Künstler, seinem Berufe zu folgen, und Calce's Auftreten rief wieder das homerische Gelächter der italienischen Enthusiasten auf jenen Theatern hervor, die ihn mnlililgnlia ihr eigen nennen konnten, denn Oilsveränderung war Calce's schwache Seite von jeher. In der schönen Herbstzeit des Jahres l8^* sah man in Verona an mehreren Abenden, wenn eben leicht die Dämmerung eintrat, eine dichtverschleierte Dame, gefolgt v?n einer alcen Dienerin, den Weg fiegen die I'm-l» <1i s dioi^ Al'a einschlagen und gleich außer dem Thore vo» der Straße rechts einen Seitenweg gegen das majestätische Bergcastell San Felice einbiegen, welches den großen, von der raschen ? Etsch durchschlängelten Häuserhaufen Verona's so würdevoll 2« beherrscht. Die Gebieterin schritt den schmalen Weg rüstig hinan, ohne umzublicken; die kleine Alte aber sah sich mit ihren aschgrauen, durchdringenden Augen öfter um, und konnte eben deßhalb der anscheinend jungen Dame kaum nachkommen, der sie oft vergebens: piano, slAnor», pi»no! mit ge. dämpfter Stimme zurief. Wenn man so die zwei Gestalten den Berg hinansteigen sah, indem die Dämmerungsschalten immer enger den Horizont umschlossen, so mußte man ihnen entweder viel Muth zutrauen, oder zugeben, daß sie sich auf irgend einen unsichtbaren Beschützer verlassen konnten ; denn der Weg ist in diesem Theile meistens sehr einsam und nur irgend ein Manderiere, von der Höhe der Campagna nach Hause kehrend, störte dessen Einsamkeit um diese Zeit. In tleinen Städten, wo Klatschen und Spähen nach ftemden Geh'imm'ffen Mode ist, hatte man diesen fast allabendlichen Pilgerfahrten langst nachgespürt und sie ausgekundschaftet; in dem großen Verona achtete Niemand darauf, oder es schien wenigstens so. Ungefähr in der Mitte des Weges bis zur Castellhöhe, an einem Thurmrorsprunge der steil emporstrebenden Festungs-mauer, war eine Arr von hölzerner Hütte angelehnt, die offen stand und dazu gedient hatte, daß man darin Schanzzeug und Maurerwerk^euge aufzubewahren pflegte, indem man kurz vorher an einigen Stellen der Ringmauer namhafte Reparaturen vornehmen mußte. Man hatte diese Hütte sodann stehen lassen. Dieses Plätzchen nun schien das Wander-ziel unserer Spaziergängerinen zu seyn; denn kaum hatte das Dämchen die kleine, runde Platthöhe unter höi barem Herzklopfen, welches man entweder dem schnellen Bergsteigen, oder vielleicht auch einer andern Ursache zuschreiben tonnce, erklommen, als ein stattlicher, schlanker Man» in einen leichten, schwarzen Orleansmantel gehüllt und mit einer Roß-haarmütze bedeckt, aus der Hütte sprang und, wie es schien, freudig bewegt die Angekommene empfing. Eine andere dunkle Gestalt, allem Anscheine nach sein Diener, stand in ange, messener Entfernung. Der Mann im Mantel schien von sehr feinen Manieren zu seyn. Er pflegte die Dame nie in die Hütte zu führen, sondern nahm galant und zierlich ihren Arm, und stieg langsam und öfter stehen bleibend umer leisem, flüsternden Gespräche den Bergpfad wieder abwai'ls, indem sein Diener, oder wer sonst der Mann hinter ihm war, und die Begleiterin der Dame auf 30 Schritte Entfernung den Voranschreitende» folgten. Bis sie sämmtlich die I'oi'l» lli 8. (Ilor^io erreichten, war es gewöhnlich schon so dunkel, daß man ein Elkennen nicht leicht befürchten konnte, wem es daran lag, unerkannt zu bleiben. Am Thore pflegte die Unbekannte stets deu schleier wieder über das Gesicht zu ziehen, trotz der Dunkelheit. Wenn das Paar gerade an einer Straßenlaterne, die zur damaligen Zeit lioch keine besondere Helle verbreiteten, vorüberstiich, so ko»»ce man durch den Schleier die leuchtenden Augeiibliße gewahren, welche die Dame von Zeit zu Zeit auf ihren Begleiter abschoß, der beständig i» sie hineinredete. Der Mann führte seine Verschleierte gerade aus, bog dann rechis über die Ecschbrücke, ging an der Domkirche vorbei bis auf den sogenannten »grü- nen Platz," wo er an der Ecke einer Gasse, wie es schien, mit vieler Decenz und Achtung die Hand der Dame zum Abschied küßie, und als sie dann in der Gasse verschwand, mit seinem Begleiter durch den großen Schwibbogen und über die Pill22a ^6i' sionori hinwegschritt. Jeder Beobachter der Beiden würde es sonderbar gefunden haben, daß sie ein so weiteS Ziel zu ihren Rendez, vous bestimmten, bei dem sie jedoch nicht ohne Zeugen seyn wollten, endlich daß die Frau fast gar nicht sprach, sondern nur immer dem Begleiter zuzuhören schien. Doch wir lassen die beiden nächtlichen Wanderer gewähren — ohne Motive ist keine Handlungsweise. »Liebe Giooan na!" sprach eines Abends Luigi Calce, aus dem ^Lgli'n lilarmnül^n nach Hause kehrend, wo er in einem Lieblingsstücke von Gozzi eben einen große» Triumph gefeiert hatte, »ich muß Dir sagen, daß mich all' der Beifall doppelt freut, wenn meine Augen Dich im Parterre wissen. Warum erscheinst Du nicht, wie ehevor, an jedem Abend im Theater, und ziehst seit einiger Zeic vor, daheim mit Deiner alten Marietta zu plaudern? — Sieh, das verdient Strafe!" setzte er nach einer Pause scherzend hinzu, als die Gattin im reizenden Neglig« statt aller Antwort ihre Hand um seinen Nacken gelegt hatte und einen Kuß auf seine Stirne drückte. »Freut es Dich vielleicht nicht mehr, Du Gute?" fragte er, „oder lorgnetcirt Dich etwa wieder so ein i.'affe, wie Conte Trevolpi in Bologna, mit dreister Unverschämtheit? — sag' es, und ich will es ihm versalzen; sag', ist's so?" „Nichts von all' dem, Luigi — die Migraine, Du weißt es, weiter nichts hinderte mich bisher, zu allen Vorstellungen zu gehen, aber nun ist's besser, weit besser, und da es Dir, guter, guter Mann! Freude macht, will ich keinen Theaterabend mehr versäumen; doch sieh, Dein Nachtmahl ! " Indeß war Marietta eingetreten, eine herrliche Hammelkeule und einen Teller mit jenem köstlichen Salat tragend, den man nur in Verona genießen kann. Giovanua brachte aus einen, Schranke eine Bouteille Wein herbei und setzce sich an die Seice des Heißhungrigen, der dem Nachtessen alle Ehre amhat. „Dinvolo, alre Marietta! sag' an, wie es kommt, daß Dir Abends das Essen immer weit besser geräth, als Mittags? Welche pikance Sauce, wie duftend, wie delicat ist AlleS!" Marietta schmunzelte wie verlegen und trippelte süßgrinsend ab, als fürchtete sie sich vor weiteien Lobeserhebungen, Giovanna machte an den Fenstervorhängen sich etwas zu thu», und Calce, zufrieden, daß ihm Alles so wohl schmeckte, vergaß bald unter neuerlichem Käuen die Fragen zu wiederholen, summte endlich, vom Tische aufstehend, ei» damals beliebtes Opernlied und suchte bald darauf, ermüdet von des Abends Anstrengung, glücklich wie ein König, sein Lager. ( Fyrtsetzung folgt.) 27 Schnelle Resolution. In einem Theeclubb, wo die Damen ^ Meist führen des Gespräches Lauf, Warf jüngst man unter andern Schnurren k Die wunderliche Frage auf: ' Ob jene Taube, die einst Noah ' s Das Oelblatt brachte froh uno frei, I Ein flinkes Männchen oder aber l Ein Weibchen wohl gewesen fty. Die Frauen stimmten, wie natürlich Einmülhig alle d'rüber ein: l Ein Weibchen wäre es gewesen, i So müsse es, so soll' es seyn. < Doch da erhob sich aus den Reihen ^ Der grobe Ralhsverwsser Gaul Und rief: „Ein Männchen ist's gewesen! — »Denn Weiber, — das ist leicht zu lösen, — " »Die nehmen sich kein Blatt vor's Maul!« > > Gustav S ch ö n ste in. ^ /^ Feuilleton. /^ Gin Vuch aus Schiller's Bibliothek. — Es /dürfte bei der Gelegenheit, als wir Herrn H^unst auf das Debüt des „Carl Moor" erwarten, nicht uln'nceressant seyn, . zu erfahren, o^ß Herr Kunst im Besitze des einzige n Exem» , Plars von Schiller's »Räubern" ist, welcheS sich in der Privatbiblioihek des großen Dichters vorgefunden. Als Herr Kunst inl. Maiz des Jahres 1835 zu Trier gastirte, erhielt er nach einer Vorstellung des „Carl Moor" am andern Morgen von dem konigl. preußische!! Appellationsgerichcsrache, Ernst von Schiller, daö Buch, nebst beifolgendem, wörtlich gleichlautenden schmeichelhaften schreiben zugesendet: „Herrn Wilhelm Kunst »beehre ich mich, dieses Exemplar von Schiller's Raubern »aus der nur überkommenen Bibliothek meines Vaters, des »Verfassers, als Denkmal dankbaier Anerkennung der geistern auf hiesigem Theater gan; ausgezeichnet gegebenen «Darstellung der Rolle des Grafen Cail von Moor mit der „ganz ergebensten Bitte zu überreichen, sich des Sohnes des ,»Dichters auch in der Ferne freundlichst zu erinnern." »Trier am 8. März ,835." »Ernst von Schiller ,n, p., k. preusjischer Appellationsgerichtsrath in Köln.« 'Angesehene Preise sind dem Künstler für dieses schätzbare Buch geboten worden, aber er betrachtet es als eine heilige Reliquie und es ist ihm um keinen Preis feil. Die Blumen nnd die Frauen. — »Die Frauen sind mir den Blumen verwandt," >agi Dr. Jung in seinen Vorlesungen »Frauen und Männer", «ober stehen doch wenigstens mic ihnen in Sympathie, daß sie all' ihre geheimsten Gefühle, ihre Anerkennung und ihie Huldigung, so ihre Treue und ihren Verlust, ihre Freude und ihre Trauer durch Blumen ausdrücken. Sie sticken Blumen und schmücken sich Mit Blumen und wäre es, in Ermangelung der echte», mit künstlichen. Vollends aber die Seligkeit der Liebe ist viel zu geheimnißvoll und zu zart beim weiblichen Geschlechte, als da>; Madchen die Sprache der Zunge oder der Feder wagen sollten, da selbst d>r leiseste Ton und der feinste Strich ein zu lautes und d.-ncliches Geständnis) wäre, und sie wählen die — Blumentische. Die Braut trägt den Myrchenkranz znm Altare und noch die Maiione bcwahll ihn als Heiligthum auf, und jeder Gebnrc5tag wird mic Blumen gefeilt, ji, selbst wenn m^n den Sarg in die Grube senkc, haben die Frauen ihn mic Blumen geschmückt, und Blumen »verfcn sie dem geliebten Todten nach auf den einsamen Hügel." Das Vhloroform — ist eine aus Chlorkalk und rectifi-zirtem Spiritus gewonnene, chemische Substanz. Das Chloroform muß jedoch, wenn es die bekannten Wirkungen hervorbringen und nicht unangenehme Folgen haben soll, t. urchauS rein seyn, und zwar ist es ein Kennzeichen seiner Reinheit, wenn sich die Substanz im Wasser nicht aufiös'l; die geringste Auflösung desselben im Wasser laßt bereits auf seine Untaug-lichkeit zu chirurgischen Zwecken schließen. Gine gräßliche Scene, — die Alles überbietet, was französische Romanschriftsteller Schauderhaftes erfinden, ereignete sich am 15. Dec. o. I. Nachts auf der Straße von Paris nach Vichy in einem im Bau begriffenen Hause, an dem die Arbeiten der Kälte wegen eingestellt sind. Man vermuthete, daß sich dort ein Verbrecher verberge, der schon mehrere Missethaten ausgeführt hatte. Drei Gensd'armen, mic einer Blendlaterne versehen, durchsuchen das Haus und finden in einem Stalle auf Scroh einen halbentkleideten Menschen. Auf den Befehl der Gensd'armen, ihnen zu folgen, erklärte er sich bereit, er wolle nur seine Beinkleider anziehen. So wandle er sich um, bückce sich, hatte aber einen versteckten Dolch ergriffen und stürzte sich damit auf den nach, sten Gensd'armen. Zum Glück glitt der Stoß an dem Bän-delier desselben ab und verletzte die Brust nur leicht. Doch die Blendlaterne war dem Gensd'a'men dadurch aus der Hand geschleudert und nun herischte das liefste Dunkel. Der Verbrecher wollte sich jetzt mic dem Dolche Bahn machen und stieß im Finstern wüthend hin und her; die Gensd'armen waren zwar mit Säbeln bewaffnet, wollten dieselben jedoch nicht gebrauchen, weil sie einander zu verwunden fürchteten. Der Kampf war verzweifelt: auf der einen Seite ein Mensch, der mit der Wuth eines wilden Thieres um sein 3eben focht, auf der andern drei entschlossene Männer, deren Ehre es gebot, den Verbreche! nicht entkommen zu lassen. Dieser hatte schon sieben und zwanzig Wunden ausgetheilt! Da entschied ein glücklicher Zufall. Er traf einen der Gensd'armen so mit dem Dolch, daß er ihm fast den Daumen abschnitt; doch dieser oeilor die Besinnung nicht, sondern schlug den Bösewichc mit dem Säbelgefaß so auf den Kopf, daß er be» wußtlos hinstürzte, und spießte ihn dann durch den Hals an den Boden fest. So endete dieser grausenhafce Kampf im Dunkeln. Der Veibrecher wurde mit aller Sorgfalt, die sein Zustand erforderte, nach der Conciergerie gebracht. Er ist ein entsprungener Sträfling. Todtenschau von 1837. — Selten hat wohl ein Jahr (nach Angabe des „Sviegels") eine größere Menge bedeutender Menschen hingerafft, als das so eben abgeschlossene. Wir nennen nur die österreichischen Erzherzoge Joseph (Palatin von Ungarn), Carl und Friedrich, M. Ludo-vika (Herzogin von Parmas die Philologen Ribbeck und Jacobs, die Aerzte v. Wiebel, v. Raimann, Dief-fe n b a ch ; felner Felix M e n b e l so h n - B a r t h o l d y, L a -dislaus v. P yrker, Jose p h Kopäcsy (Fürst.-Primas von Ungarn',, den SlaatsminMer v. ^adenberg, Rühle v. Lilienstein, Caroline v. Wolzogen; FrauPaal-zow, Frau v. W ei sse n l h u r n. — Franzosen: die Mars, Fürst Polignac, SouIiü, B > ognic, rt, Grandvill e.^) — Biilten: O'Connell, Liston, Turner u. s. w. Geschriebene Porträte. _^ In Wien schreibt ein Kalligraph (meldet die »Bohemia") sehr gelreue Porträte mit der Feder; wil sa^en schreibt, weil seine Porträte aus lauter geschriebenen, vollkommen leserlichen Zeilen lxstchen. Ein Porci'äc Staudigl's besteht in dieser Aic ans einer *) Neuerlich auch E u g e n i e Adclaide Louis?, Prinz,ssin von Orleans. 28 Skizze seines Künstlerwirkens seit l840. Der Kalligraph heißt Adolph Moßauer und ist der Sohn eineS armen Schul-lehrerS zu Königswarth in Böhmen. Papierkorb des Amüsanten. Eine wohlhabende Frau von Z^** (berichtet die „Theater Zeitung"), welche in der Nähe des Burgthea, ters wohnte, besuchte dasselbe an einem Regen drohenden Tage. »Sebastian," sagte sie zu ihrem neu aufgenom« menen Bedienten, »er muß genau Acht haben auf das, was ich ihm sage; er ist niemals Bedienter in einem Hause gewesen, paß' er auf, daß er keinen Fehler macht: er muß mir meine Galloschen und ein Paravluie bringen und im Foyer auf mich warten, sobald es regnen sollte." — »Ganz wohl, Euer Gnaden," sagte Se ba sti an. „Was hab'ich denn hernach zu thun?" — »Sobuld er mich aus dem Theater kommen sieht, merk' er wohl, macht er eS genau so, wie die andern Bedienten."— Die Frau ging in's Theater; es regnete wirklich und Sebastian that, >yie ihm geheißen. Nach dem Stücke merkte Sebastian nun genau, wie die andern Bedienten sich anschickten. Er horte sie nach den Wagen ihrer Herrschaft rufen unb sah, wie sie ihren Gebieterinn entgegen eilten. >,Der Wagen für Gräfin V." hieß es; „de? Wagen für die Fürstin W." u. s. w. Sebastian pragle sich dieß AlleS tief ein. In diesem Momente erblickte er seine Dame; er glaubte es also recht gur zu machen und lchrie mit lauter Stimme, indem er seiner Herrin entgegeneilte: ,>Die Galloschen und das Parapluie der Fiau von Z^*!" Im Schauspielhause wurde ein neues Trauerspiel gege» ben. Der Rathsherr B., der sich unter den Zuschauern befand, schlief schon im zweiten Acce. Spottend machte Jemand den Dichter auf diese Wirkung seines Stückes aufmerksam. — «Was will das sagen?" erwiederte dieser, »der Herr Senator glaubt sich in der Nathssitzung zu befinden." Es wollte sich Jemand bei dem Grafen Sl^* mit der Meldung schön machen, daß viele Beamte Schnur-barte tragen. »Das ist freilich sehr schlimm!" sagte dieser mit nachdenkender Miene, »und schreiben diese Beamten mit ihren Schnurbärten?" — »Das wohl nicht," war die Ant' wort. — »Nun, so lange der Bart sie nicht im Schreiben hindert, mögen sie ihn immerhin tragen," erwiederte der Graf gelassen. Dieser Tage ließ (schreibt die ^Bohemia,") sich in einer böhmischen Stadt ein corpulenter Mann einen Zahn r.'ißen, und athmete, um den Schmerz nicht zu fühlen, zuvor Schwefeläther ein. Die Operation ging glücklich vorüber — aber der Patient verharrte in seinem bewußtlosen Zustande und veifiel endlich in einen festen Schlaf, aus welchem er durch kein Mittel erweckt weiden konnte. Man wußte sich dieses Phänomen nicht zu erklären und fing bereits an, für den Patienten zu fürchten, als dieser endlich nach Verlauf ron zwölf Stunden erwachte und den besorgten Anwesenden das Räthsel lös'te. Er hatte sich nämlich aus all^u großer Aengstlichkeit, falls der Schwefeläther zu schwach wäre, ihn zu betäuben, vor der Operation in ein Weii,haus begeben und vom edlen Rebensaft eine ziemlich starke Dosis genommen. Ein kleines Mädchen fragte: was eine Fischanael für ein Ding sey? es erhielt zur Antwort: «es ist ein Stecken mit einem Wurm an dem einen, und mit einem Narren an dem andern Ende." Der Dichter Puttmann schickte kürzlich an H. Heine ein Gedicht für sein Album, wobei er bemerkte, wie er sich überzeugt halte, daß Heine mit seiner Richtung einverstanden seyn würde. Darauf soll Heine — wie der »Rhein. Beob." (freilich eine sehr verdächtige Quelle) meldet — geantwortet haben: er würde nicht nur mit seiner Richtung, sondern auch mit seiner Hinrichtung einverstanden seyn. Literatur. » Von der Dräu. Ein schönes, von freundlicher Gedankensonne beglänztes Wiesen« stuck voll Duft und Farbenschmelz ist L. Sck ü k i n g s „Uebersicht der deutschen Romane und Erzählungen" in der Veilage zu der „Augsburgcr Allgemeinen Zeitung» Nr. 137 und 174 verflossenen Jahres. Er fängt mit dem außerösterreichischen Deutschland an und geht bann auf Oesterreich über. Van österreichischen Novellisten und Romanenschriftstellern nennt L-Schü« k i ng bloß AdalbertStifter u. Franz Stelzhammer, Die M^se der Erzählung tritt zwar in Oesterreich hinter die lyrische zurück, aber diese zwei Namen sind doch gewiß nicht die einzigen Vertreter der erzah-lenden Prosa in Oesterreich. Um zuerst den Boden eines gerechten Vergleiches mit dem übrigen Deutschland festzustellen, sind von den ungefähr 33 Millionen Oesterreichern beiläufig 19 Millionen Slaven < 5 Millionen Wal« sch, , tz Millionen Magyaren und noch eine bedeutende Anzahl Walachei», Juden u- s, w. abzuziehen. Jede dieser Nationalitäten hat ihre geson« derte Literatur; für die deutsche in Oesterreich verbleiben nicht 10 Millionen Einwohner, und auch diese befinden sich durch ihre Mischung mit an? dern Sprachverwandten in ungünstigerer Stellung < als die »alldeutschen Slamme außer Oesterreich, Dieß voraus geschickt, läszt sich nicl't in Abrede stellen, daß die deutsche Schönliteratur in Oesterreich im Verhältnisse zu»n übrigen Deutschland zurücksteht. Ich behalte die Veweisführung, die mich hier zu weit führen würde, einer schicklichern Gelegenheit bevor und beschränke mick nur auf eine Ergänzung des Schüking'schen Aufsatzes. Aber auch bei dieser übergeh? ich mehrere österreichische Prosaisten von gu« tem Klänge und hebe nur Einen aus meiner nächsten Nahe hervor. Ich ^ meine Adolph Ritter v. T scha b usch ni gg. Tschabuschnigg hat bereits vor mehr als 10 Jahren 2 Bände Novellen herausgegeben. Neben mehreren Anfangsstudien, deren jedoch keine seicht oder talentlos ist. erblickt man bereits zwei schon fleißig ausgearbeitete Büsten, welche den Gang bezeichne!,, den der V,«-fertiger in Zukunft nehmen würde, und da die damalige Zukunft ber.-its Vergangenheit geworden ist, auch wirklich genommen hat. Im I.ihle 18't0 erschien eine größere Novelle in 2 Vänden, »die Ironie drs Lebens,« bei Rohr« mann in Wien. Sie hat große Fehler; ich meine den zu doctrinären Ton, der mitunter an Haltung verliert, aber eben so große Vorzüge einer reinen, gesittungsvollen Tendenz und künstlerischen Darstellung an sich. — Die im Jahre 18'ii bei Pfautsch in Wien herausgegebenen „humoristischen Novellen" zeigen das Talent des Verfassers im erfreulichsten Fortschritte begriffen, denn neben mancher bloß witzig und satyrisch auseinander gesetzten Scene findet man bereits das lautere Gold eines tiefen, aber nickt herben Humors. Wer die «Metamorphosen" und die „Kinder der Sonne" gelesen hat, wird dem Gesagten beipflichten. Das bald darauf erschienene »Buch der Reisen» zeigt uns T. als einen feinen, aber nicht überschwänkli« chen , kunstkennenden» aber nicht falsch enthusiasmirten Touristen. Im Jahre >8't6 gab T- bei Hecke nast den Anfang eines größern Romanes, «der moderne Eulenspiegel,» in zwei Vänden heraus. Es ist weder meine Absicht, noch hier der Ort. eine Recension dieses Werkes zu geben; es sey nur bemerkt, daß die Anlage desselben eine großartige und die Ausführung eine sehr verdienstvolle ist. Volle Würdigung kann dieser Roman erst erhalten, wenn er beendet seyn wird. Außerdem gab T. im Jahre 18'tl ebenfalls bei Pfautsch in Wien die zweite vermehrte Auflage seiner im Jahre 183K bei Arnold in Lü'pzig erschienenen Gedichte heraus. Durch die kurze Aufzählung und Skizzirung dessen, was T. al5 Dickter bereits geleistet hat, wollten wir andeuten, daß sein Name einen wohlerworbenen Anspruch habe, bei Besprechungen der österreichischen liite-ratur überhaupt, besonders aber bei jenen der Novellen- und Romanlite« ratur, unter den besten mitgenannt zu werden; Herr L. Bchüking aber wolle diese Zeilen nicht »ls eine Widerlegung seiner Meinung, sondern als einen Beitrag zur Ergänzung seines Artikels betrachten. Paul Renn. Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Kleinmayr.