Nr. 65. Dienstag, 22. März 1887. IM. Jahrgang. Laibllcher^ Zeitung. Piänumerationspreis: Mit Po ft Versendung: ganzjährig fl, 15, halbjährig fl. ?,oa. Im Comptoir: ganzjährig fl, il, halbjährig fl. 5,»o, Für bi« Zustellung »n« Haus ganzjährig fl, i. — Insertlonsaebür: Für lleine Inserate bis zu 4 Zeilen 20 tr.< größere per Zeile « ir,; bei öfteren Wiederholungen pr, Zeile 8 lr. Die „L»ibacher Zeitung" erscheint täglich mit Nusuahme der Sonn- und Feiertage, Die Administration befindet flch Nahnhofgasse l5, die Mldactiun Wienerstraße 15, — Unfrantieite Vrieft werden nicht angenommen und Manuscript« nicht zurückgestellt. Umtlicher Hheil, Se. k. und k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 14. März d. I. den mit dem Titel und Charakter eines Hofrathes bekleideten Vi«Präsidenten des Handelsgerichtes in Wien Peter Freiherrn von Mitis znm Präsidenten dieses Handelsgerichtes, den Rath des Oberlandesgerichies in Wien Joseph Ioem znm Vicepräsidenten des Handelsgerichtes in Wien und den mit dem Titel nnd Charakter eines Oberlandesgerichtsrathes bekleideten Staatsanwalt in Wien Dr. Karl Pelser voll Fürnberg znm Rathe des Oberlandesgerichtes in Wien allergnädigst zn ernennen geruht. Prazäk m. p. Der l. k. Landespräsident in Krain hat den provisorischen Bezirkscommissär Rudolph Or schulet in Tschernembl zum definitiven und den Concepts' Praktikanten Dr. Andreas Grafen Schaffgotsch zum provisorischen Bezirkscommissär ernannt. Nichtamtlicher Weil. Verhandlungen des Reichsrathes. - Wien, l9. März. In der Angelegenheit der Lieferungen von Äe-kleidungs- nnd Ausrüstungs'Gegenstä'nden für den Bedarf der Landwehr, welche in den Kreisen des Kleingewerbes lebhaftes Interesse enegt, sind gestern im Abgeordneten Hanse dnrch den Herrn Landcs-vertheidignngs-Minister autoritative Mittheilungen gemacht worden. Es ist stchellich ein berechtigtes Verlangen der Gewerbetreibenden, dafs ihnen die Concur-renz bel diesen Lieferungen ermöglicht werde und nicht der ganze Gewinn aus denselben den großen Consortien zufalle. Dieses Verlangen kann und darf aber bloß iusoferne Berücksichtigung finden, als dadurch das höhere Interesse der raschesten und zweckmäßigsten Herstellung dieser Artikel nicht gefährdet wird. Ans den Erklärungen des Grafen Welsersheimb qeht nun hervor, dass die Landwehr-Verwaltung in loyalster Weise bestrebt ist, diescu beiden Rücksichten gerecht zu werden, und dass insbesondere von einer einseitigen Bevorzugung der Großindustrie nicht gesprochen werden kann. Diese Erklärung wird wohl genügen, um in den betheiligten Kreisen die Ueberzeugung wachzurufen, dass die Landwehr-Verwaltung, so weit es thunlich ist und in ihren Kräften steht, das materielle Interesse auch des Kleingewerbes zu wahren bestrebt ist. Die dritte Lesuug des Vantstatuts bot insoferne ein bemerkenswertes Moment, als die Czechen f ü r das Uebereinkommen stimmten. Sie hatten die Votierung für die Bank-Acte zur Clubfrage gemacht uud uahmeu — bis auf weuige Iungczechen, die sich absentierten — die Vorlage an. Diese Haltung verdient anerkannt und gewürdigt zu werden. Der Czechenclub hat damit docu-mentiert, dass er die Ablehnung seiner Forderung betreffs des Polyglotten Notentextes nicht für ein genügendes Motiv erachtet, gegen die Bankvorlage als Ganzes zu stimmen, nnd dass er dieser nebensächlichen Frage keinen ernsteren Einfluss auf seine Entschließungen einräume. Dieser kluge nnd staatsmännische Beschluss bedeutet eine Desavouiernug jener Heißsporne, welche die Partei zu Schritten hinreißen wollten, die keinen anderen Effect gehabt hätten, als den Czechenclub zu compromittieren. Nach mehrtägiger Unterbrechung wurde gestern die Debatte über das Kraukencafsen-Gesetz fortgesetzt, Mit der Nothwendigkeit eines Naturgesetzes bringt jede Debatte im neuen Hause eine Rede des Herrn Türk. Dieser talentvolle Wundarzt aus Schlesien ist ein Universalgenie. Die schwierigsten Fragen beherrscht er mit beneidenswerter Leichtigkeit, nnd es gibt keine noch so verzwickte finanzielle, juristische, militärische, social-politische oder mercantile Angelegenheit, zu welcher dieser interessante Mensch nicht eine ellenlange Rede zu halten vermöchte. Gestern handelte es sich um die Maßregeln, welche gegrn solche Arbeiter zn ergreifen wären, welche die Kraukencassen durch Simulation schädigen. Nachdem Herr Turk zunächst für diese armen Simulanten eine «warme Lanze» eingelegt hatte, sprang er urplötzlich auf das weitab liegenhe Gebiet des Aerztemangels auf dem Lande über uud tummelte auch schon sein anti-semitisches Nösslein, dass es eine Freude war. Diesmal murkste er die jüdischen Aerzte ab, welche angeblich ihren ärztlichen Beruf bloß als ein Geschäft betrachten. Herrn Türk ist dabei ein kleiner lapsu« lnemormo zugestoßen, denn er scheint an die Worte vergessen zu haben, welche er am 10. Februar d. I. im Hause sprach. Damals führte er Folgendes aus: «Ich will nicht sagen, dass alle jüdischen Aerzte die ärztliche Praxis vom rein geschäftlichen Standpunkte betreiben. Ich kann das nicht sagen. Ich will gerecht sein. Ich will es bekennen! In Iä'gerndorf selbst ist ein jüdischer Mediciner, dem ich nur Gutes nachsagen kann, der persönlich an mir die Wohlthat ausgeübt hat, dass er mich in schwerer Erkrankung unentgeltlich besuchte und dasselbe bei meinen Familienangehörigen gethan hat. . .» Gestern war Herr Türk freilich wieder einmal anderer Ansicht. Aber man darf mit dem guten Manne nicht allzu strenge ins Gericht gehen. Wer im Laufe eines Jahres gauze Bände des stenographischen Protokolls mit seineu Reden füllt, kann sich nun unmöglich daran erinnern, was er vor einem Monate gesagt hat... Derselbe Herr Türk ließ sich gestern auch die Ge« legcnheit nicht entgehen, seine Ruhmesblätter in dem schwarzen Buche unserer parlamentarischen Scandal» chronik nm ein neues Folio zu vermehren. Aus dem nichtigsten Anlasse schleuderte er dem Abgeordneten Professor Sueß die gröblichsten Insulten ins Gesicht, wie die Worte «freche Vcrhöhnuug» uud «Lüge». Lüge! — dieses Wort wagt derselbe Herr Türk aus-zusprechen, der einmal in öffentlicher Sitzung gegen einen iu diesen Tagen dahingeschiedenen Gelehrten eine niedrige Beschuldigung vorbrachte, welche tags« darauf als die leichtfertigste Verunglimpfung eines Ehrenmanns sich herausstellte! Herr Türk brachte ge< rade gestern einen Antrag ein, wonach jeder, «der durch wider besseres Wissen in der Presse vorgebrachte Unwahrheiten eine Schädigung von Vereinigungen oder einzelnen Personen au Vermögen oder Ehre herbeiführt», mit sechsmonatlicher Deportation zu bestrafen wäre. Das Haus hat diesem Antrag ein unrühmlich rasches Ende bereitet; der Antrag fand nämlich nicht einmal die Unterstützung von fünfzehn Mitgliedern. Aber wie wäre es. wenn jemand einmal cineu Antrag einbrächte, der dieselbe drakonische Strafsanction über Abgeorduete ansspräche, welche «durch wider besseres Wissen in öffentlicher Sitzung vorgebrachte Unwahrheiten :c. :c. lc.» — ? Ob wohl Herr Türk einen solchen Antrag mit- unterfertigen würde?-------------Doch man thut solchen Politikern zu viel Ehre an, wenn man ihre Großthaten allzu eingehend würdigt. Allein, es ist gut, wenn man von Zeit zu Zeit ihre Art, Dinge und Menschen zu behandeln, festnagelt und der Welt zeigt, welche Männer es sind, die uns ein neues Evan-gelinm der reinen Tugend und Sitte predigen wollen. Im übrigen schritt die Verhandlnng über das Krankencassengesetz rüstig vorwärts, uud es ist zu hosfeu, dass dasselbe in kürzester Zeit seine parlamentarische Erledigung finden wird. Es wird ja ohnehin noch längerer Zeit bedürfen, bis die Institution praktisch ins Leben gernfen werden kann; nmsomehr sollten sich die gesetzgebenden Factoren beeilen, die legislative Grundlage dafür zu vollenden. Jeuilleton. Unsere Briefe. In Paris ist eine eigenthümliche Streitfrage aufgeworfen worden: «Ob der Ehegatte berechtigt ist, Aüefe zu öffnen, die seine Frau geschrieben hat oder ^le an sie geschrieben werden?» Der Verein der Pariser ^ovocaten hat die Frage mit einem entschiedenen «Ja» beantwortet — natürlich vom juristischen Standpunkte, ^lne gesellschaftliche «Enquete» dagegen, an der sich ^lch Alexander Dumas und die anch bei uns bekannte Juliette Adam von der «Nouvelle Revue» betheiligt ^t, gieug in ihren Meinungen stark auseinander. Du-^as meiut, die Frau sei dem Manue untergeordnet, also dürfe rr sie überwachen; wer gegen seine Frau ^erdacht schöpft und ihre Briefe nicht'öffnet, aus denen .l Klarheit gewinnen kann, ist einfach ein Esel. Ma- nnie Ma,n hinwieder sieht eine solche Proccdnr als , .^Mmäßig und ungalant zugleich an und zögert "lt. den Gatten, der sie übt, einen Schurken zu Ruinen. Vul,,.^- schiene vermessen, nach solchen juristischen und ab« ' ^'" Autoritäten der Sache eine neue Seite ein,"'"""' ä" wolleu, wenn die Autoritäten eben ^3 waren. Mer sie sind es nicht; sie haben die ^chliclv "^"tschieden gelassen, und da darf wohl eine lond?!- .""bekannte/welche nicht geistreiche Pointen, Mit b Wahrheit sucht. den Versuch unternehmen, yrem Franenverstande dir richtige Lösung zu finden. ^ Auf Jus verstehe ich mich nicht, und wenn die Herren Advocaten den Ehemännern das Recht zn-sprechen, die Briefe ihrer Frauen zu lesen, so muss dies wohl eine rechtliche Grundlage haben. Ich kann jedoch nicht leugnen, dass mich eine innere Stimme warnt, die Entscheidung der französischen Juristen als unanfechtbar anzusehen. Was mich zunächst stntzig macht, das ist der Umstand, dass die Herren nicht unbefangen siud. weil sie eben — Männer sind, also in eigener Sache sprechen. Ferner sage ich mir. dass jener Aussprnch eigentlich doch nichts anderes bedeutet, als dass den Männern etwas gehört, was ihnen nicht gehört. Briefe haben zwei rechtmäßige Eigenthümer: zunächst, so lange sie nicht an den Adressaten gelangt si»d, den Schreiber — uud dauu den legitimen Em« pfäugcr. Für einen Dritten ist — nach meiner Rechts» nnpfiudung — kein Platz dabei. Vorausgesetzt, dass die Personen, um die es sich handelt, überhaupt irgend ein Recht besitzen, ist das Recht, ihre für einander bestimmten Gedanken ohne Mitwissen eines Dritten anszutauscheu. für jeden Vernünftigen unantastbar. Es gibt ja Personell, die nicht im Vollgenusse ihrer Rechte sind, denen der Staat in ihrem oder in seinem Interesse einen Theil ihrer Rechte abnimmt. Solche sind Kinder, Narren und Verbrecher. Der Vater darf die Briefe seiner minderjährigen Tochter, der Arzt die seines schwachsinnigen Patienten, der Gefäugnisdirector die seines Häftlings contrulieren. Die Frau in ihrem natürlichen Zustande ist keines von diesen dreien. Sie ist mündig, vernünftig und unbescholten: denn die Panser Advocaten sprechen ja von der Ehefrau und nicht von der überwiesenen Ehebrecherin. Es ist allerdiugs anzunehmen, dass sie nicht von der ganz unverdächtigen Frau sprechen, denn schon die Frage setzt den Verdacht voraus. Aber kann der Verdacht des Mannes oder bloße Eifersucht oder gar Neugierde die angeborenen Rechte der Frau verkürzen und in Frage stellen? Ich kann es schwer glauben. Entweder hat die Frau überhaupt nicht das Recht, Briefe zu schreibell oder zu empfangen, oder sie hat es in demselben Umfange wie der Manu: ein Drittes gibt es nicht. Für mich ist ein Mann, der die Briefe seiner Frau ohue ihr Wissen nnd ihre Zustimmung öffnet, ein Rechtsverletzer, wie der Fremde, der das gleiche thut. Leidenschaft, Verdacht, zwingende Umstünde können erklärend oder mildernd zur Geltung kommen: das ist Sache der Empfindung; aber nach meinem Rechtssinn schmlt mir das Vorgehen eine Verletzung, so lange mir nicht ein Gesetzesparagraph gezeigt wird, der dem Manne dieses Recht einräumt — dann aber erst recht. Wollte einer sagen, dass die Fran, die Dinge schreibt, welche ihr Mann nicht wissen darf, entweder ein Kind oder ein Narr oder eine Art Verbrecher ist, also derselben Controle unterliegen muss. wie jene drei, so antworte ich, dass der Manu selbst in diesem Falle (den ich nicht zugeben kann) ärger handelt, als der Vormund, Arzt und Kerkermeister, denn er thut geheim, was o,est ofsiciell und offen thun. Der unmüudlge Bnefschrelber nnd der Empfänger wissen, dass ihnen d,e gehmmuud vertrauliche Correspondenz verboten lst und «hre Bnefe einer Controle uulerl'^'!,; dir mündige Frau weiß es Laibacher Zeitung Nr. 65 542 22. März IM. Das Herrenhaus hat heute den Gesetzentwurf, betreffend die Erneuerung des Zoll- und Han-delsbündnisses mit Ungarn, in der vom Abgeordneten-Hause beschlossenen Fassung genehmigt. Bei Artikel 12, welcher die Einsetzung einer Commission zur Herstellung der Valuta und für die neu einznführende Währung den Namen «österreichisch-ungarische Währung» in Aussicht nimmt, entspann sich eine knrze Debatte. Graf Leo Thun sprach sich gegeu dieseu Artikel aus; es erscheine sonderbar, noch ehe es bekannt sei, ob die Com» mission zu einem Resultate komme, derselben vorznschrci-ben, dass die neue Währung den Namen «österreichisch-ungarische Währung» erhalte. Außerdem präjudiciere man damit einem etwa zu erreichenden internationalen Uebereinkommen. Finanzminister Dr. von Dunajewski führte zunächst aus, dass vom staatsrechtlichen Standpunkte gegen die Bezeichnung österreichisch-ungarische Währung nichts eingewendet werden könne und verweist sodann auf die diesbezüglichen Bestimmungen bei den früheren Abschlüssen des Zoll- und Handelsbündmsses. Im Jahre 1867 wurde die Goldwährung als eine baldigst zu er« greifende Maßregel in Anssicht genommen, während man sich im Jahre 1878 darüber nicht entschieden hat, ob Gold«, ob Silber- oder gemischte Währung, jedenfalls aber die Wiederherstellung der metallischen Circulation in Aussicht gestellt sei. Einerseits erschien es nicht zweckmäßig, in dem neu abzuschließenden Bündnis auch so allgemeine Versprechungen zu machen, andererseits wollte man den Artikel, nachdem man 20 Jahre hindurch Versprechungen gemacht, nicht ganz fallen lassen. Ueber die Währnngsfrage selbst äußerte sich der Minister: Es ist allerdings richtig, dass, wenn uns die Vorsehung glückliche und friedliche Zeiten schenkt und beide Parlamente — woran ja von vornherein nicht zu zweifeln ist — der Regierung redlich beistehen, um die Staatseinkünfte in der Weife zu sicher» und zu heben, dass die Valuta-Regulieruug erfolge» kann, wir die jetzige Währung ändern werden. Es wird niemand verlangen, dass, wenn in Oesterreich wirklich günstige Conjuncture« eintreten, die einfache Silberwährung bestehe. Ueber die Frage, ob gemischte oder reine Goldwährung, will ich heute nicht sprechen. Der Gegenstand ist zur Verhandlung nicht reif. Dass die reine Silberwährung, wie sie jetzt in Oesterreich thatsächlich besteht, nicht weiter zn belassen sein wird, lehren nns die alltäglichen Handels- uud Verkehrsverhältnisse. Und dass die praktische Lösung dieser Frage offenbar viel leichter und sicherer auf dem Wege internationaler Vereinbarungen stattfinden könne, gebe ich gerne zn. Wann und unter welchen Bedingungen diese Lösung zustande kommen wird, lässt sich aber heute meines Trachtens nicht voraussehen. Es besteht heutzutage die latciuische Münzconvention. Trotzdem wird aber die darin festgefetzte Metallwährimg nicht lateinische Münz-Währung genannt, sondern Frankreich, Italien, Griechenland nnd Belgien haben ihre eigene, allerdings ans ganz gleichen Principien fußende Währung. Und nehmen wir schließlich an, dass es in der Zukunft infolge einer abzuschließenden internationalen Convention vielleicht als opportun erscheinen wird, irgend einen für ganz Europa geltenden Währungsnameu einznführen, dann frage ich: Wird dies möglich sein ohne Zustimmung der Parlamente? Nein! Man präjudiciert ja durch eiu gegenwärtiges Gesetz nicht einer Aenderung durch ein künftiges. In der gegenwärtigen Vorlage wird für die künftige Währung eine Bezeichnung vorgeschlagen, die durch den Namen der ganzen Monarchie, sowie er jetzt staatsrechtlich festgestellt ist, vollständig begründet ist. Der Artikel wurde auch mit großer Majorität genehmigt. Schließlich wurden in die Commission znr Vurberathung des Gesetzes, betreffend das für die Aufnahme in das Gymnasium erforderliche Alter, ge» wählt: Graf Blome, Fürst Czartoryski, Freiherr von Helfert, Graf Hoyos, Freiherr von Hye, Ritter von Miklosich, Freiherr von Neumann, Graf Leo Thun und Freiherr von Tomaschrk. Die nächste Sitzung ist unbestimmt. Politische Ueberlicht. (Novelle znm Land stur mg es eh.) Wie der «Pester Lloyd» meldet, soll demnächst beiden Parlamenten eine Novelle znm Landsturmgesetz vorgelegt werden, worin Strafen für diejenigen normiert werden, die aus eigeuem Verschulden bei der Einbernfung des Landstnrmes sich ihrer Landstnrmpflicht entziehen. Ein derartiges Vergehen wird, wie der «Pester Lloyd» mittheilt, als Desertion vor dem Feind qualificiert und mit Zuchthaus vou einem bis fünf Jahren bestraft werden. (Parlamentarisches.) Ueber die weitere parlamentarische Tagesordnung verlantet Folgendes: Dem Vernehmen nach wird das Abgeordnetenhaus gleich in der ersten Woche des April die Osterferien beginnen und sich bis zum 21. April vertagen. Bis dahin soll außer dem Arbeiter-Krankencassengesetze und der Vorlage, betreffend die Versorgung der Witwen nnd Waisen von Militärs, vornehmlich noch das Bankstatut zur Discussion und nnveränderten Annahme gelangen. (Aufhebung des Triester Freihafens.) Bisher haben zwei Conferenzen zwischen den Vertretern des Handelsministeriums uud jenen der Triester Handelskammer nnd Commuue inbetreff der Concession nierung der neuen Triester Lagerhäuser stattgefunden. Die Verhandlungen dürften noch eine längere Reihe von Sitzungeu in Anspruch uchmen. Da die Vertreter der beiden Tnester Corporation?» mit den weitesten Vollmachten ausgestattet wurden, lässt sich erwarteu, dass die Conferenzen ohne die dnrch die Nothwendigkeit der Einholung neuer Instruclionen sich ergebenden Verzögerungen zu Ende geführt werden. (Kroatien.) Im kroatischen Landtage wurde Samstag der Gesetzentwurf betreffs Gebrauches des Landeswappens angenommen. Hieranf begann die Debatte inbetreff der Verlängerung der Legislatur« Periode auf füuf Jahre. Dr. Derencin unterbreitete einen Gegenantrag, wonach die Legislatnr-Periode auf drei Jahre festgesetzt wird. Die Debatte wurde unter-brochen und sodann die Wahl des Comite' aä koc znr Verhandlung des Serben-Geseyes vorgenommen. — In Abwesenheit des Untersuchungsrichters Schleimer, welcher sich infolge der durch die starken Schneefälle hervorgerufenen Verkehrsstörungen noch in Brindl befindet, wurde Abgeordneter Dr. David Starcevic Samstag vom Gerichtsrathe Vakanovic einem mehr als einstündigen Verhöre uuterzogen und sodann unter der An» klage des Betruges in Untersnchuugshaft genommen. (Dentschland.) Kaiser Wilhelm feiert heute feinen 90. Gebnrtstag. Der Correspondent des «Standard» in Wien meldet, es sei von Berlin nach Wien die Nachricht gelangt, «dass der deutsche Kaiser an seinem Geburtstage eine Proclamation an das dentsche Volt erlasfcn und eine Botschaft an den Reichstag senden werde, wodurch er den Kronprinzen zum Mit-reg.iiten ernennt. Der Buudesrath, heiße es, habe seine Zustimmung schon gegeben.» Wir reproducieren diese Mittheilung selbstverständlich uuter allem Vorbehalte; in deutscheu Blättern war bisher noch keine, auch nicht die leiseste Andeutung eines solchen Planes zn finden. (Russland.) Die Verhaftungen von Studenten in Petersburg danern fort. Angeblich sind noch viele Mitwisser des Anschlages vorhanden, welche vorgehabt haben, für den Fall des Gelingens weitere Unruhen hervorzurufeu. Es wird behauptet, dass auch viele Sol< daten verhaftet wordeu seien, doch klingt dies unwahr» scheinlich. Das Hauptverdienst der Entdeckung des Anschlages gebürt dem Abthcilnngschef der uuter Vresser stehenden Geheimpolizei. Die Attentäter trugen bereits mehrere Tage Bomben bei sich, erregten sogar in einem Restaurant die Anfmerksamkeit der Lente. weil sie die wie Albnms aussehenden Bomben äußerst vorsichtig niederlegten und vor jeder Berührung in acht nahmen. Ihr Auftreten im Verhör wird als frech geschildert. Sie sagten, nach ihrem Tode wären noch genug andere zu der gleichen That bereit. Sie sollen in Südrussland gebürtig seiu und vou eiuer Kosakenfamilie abstammen. Sie haben ein abstoßendes Aeußere, drei derselben haben wahre Verbrecherphysiognomien. (Die rnssische Politik i nbe treff Bul< gariens) werde — fo schreibt das «Novoje Vremja» — uuveräudcrt bleibeu. Russlaud werde keinen einzigen Schritt thnn, welcher den geringsten Vorwand zu einer Einmischung von einer oder der andere» der Westmächte bieten würde; es werde auch keiue Auffurde« ruug an die westliche Diplomatie ergehen lassen. Den Faden zur Lösuug der bulgarischen Frage müsse man anderswo suchen. Derselbe werde gefunden sein, sobald es sich klarstellen werde, was die Regenten in Sofia zu thun beabsichtigen, welche wohl oder übel jetzt zur Wahl eines Fürsten schreiten müssten, wenn auch in der festen Ueberzeugung, dafs Russland mit dieser Wahl keinesfalls einverstanden sein werde. (Die Italiener in Massanah.) An Stelle des Generals Geue ist der Oberst-Brigadier Saletta, welcher die Garnison von Massanah früher befehligte, zum Generalmajor ernannt nnd mit dem Commando in Massauah betraut worden. Saletta hat in Rom bereits mehrere Aesprechuugeu mit dem Kriegsminister gehabt uud schifft sich heute in Neapel nach Mas< sauah ein. Tagesneuigleiten. Se. Majestät der Kaiser haben, wie da« ungarische Amtsblatt meldet, dem Vudapester ersten Landes - Asylvereine anlässlich des heurige» Balle« 100 fl. zu spenden geruht. — (Der neue Bischof von Kärnten.) In Salzburg vollzog Freitag um halb eilf Uhr vormittags im Dome Fürsterzbischef Eber die feierliche Confirmation des neuernannten Fürstbischofs von Gurk, Dr. Kahn, wobei der Fürstbischof Dr. Zwerger und Wcihbischof Haller assistierten. Statthalter Graf Thun mit den Beamten der Landesregierung, Landeshauptmann Graf Chorinsky und der Bürgermeister mit den Gemeinderäthen wohnten dem feierlichen Acte bei. nicht. Im Eide, den sie vor dem Altar leistet, gelobt sie Treue, Liebe und Gehorsam — aber sie verzichtet nicht auf ihre Gedanken. Der Mann, der ihre Briefe öffnet, nimmt ihr mehr, als sie ihm gelobt hat und man könnte mit demselben Rechte, mit welchem man ihm das Oeffnen der Briefe vindiciert, ihm anch das stecht zusprechen, ihren Beichtvater auszufragen. Aber wie dem immer sei, das gesetzte Recht ist den Gelehrten besser bekannt und sie können es drehen und wenden bis zu eiuer gewisfen Grenze, wo dann freilich Natur uud Vcruuuft die Aastille des smnmum ^u» uud ihre sophistischen Vorwerke mit einem Anprall über den Haufeu werfen. Interessanter scheint uus die Fiage vom sittlichen Standpunkte, der ja zwischen Ehe-leuten, die noch «beisammen» sind, der allein entscheidende ist. Kommen ein Paar Leute, die Tisch uud Lager getheilt haben, einmal vor den Richter, dann hat die Ehe ohnehin aufgehört uud es stehen sich bloß Rechts, subjecte gegeuüber. Wie steht aber die Frage zwischeu Mann und Weib. zwischen zwei Herzen, die einander, je nach ihrer Weise, zu liebeu uud zu vertrauen be-rnfen sind? Hat der Mann. dem alle Wünsche nnd Gedanken der Frau gehören sollen, nicht das Recht nnd die Pflicht, diese Gedanken zu kennen? Hat er der Aeltere und Stärkere, der sie zu schützen berufe» ist, dem sie Gehorsam gelobt hat. nicht die Verantwortung dafür, dass sie nicht aus Unbesonnenheit, Schwäche, Eitelkeit. Zorn, Missverständnis, Gutmüthigkeit einen Weg betrete, der sie znm Schlimmen führt? Denn ein Mann kann immerhin seine Frau als rechtlich gleich« gestellt auschen; moralisch wird er sich doch meist als ihr Vormnnd fühlen: erstlich, weil der Mann in der Welt lebt nnd die Frau nur im Haufe, alfo die Er« fahrnng auf feiuer Seite ist; zweitens, weil sie seinen Namen beschmutzen kann, er aber nicht den ihrigen; drittens, weil er eben zum sogenannten starken Geschlecht gehört nnd noch aus einem vierten Gruude, den man hier nicht erörtern kann, der aber die Consequenzen einer Untrene beim Manne und beim Weibe als praktisch sehr verschieden erscheinen lässt. All diese Rücksichten machen es klar — und dagegen hilft alle Emancipationslust der Frauen nichts — dass der Mann sich als Beschützer der Frau ansehen uud daher ein gewisses Recht der Oberanfsicht in Anspruch nehmen muss, wie es ja der Staat über seine mündigen und auch gesetzlich unbeanstandeten Mitglieder ausübt. Wir wollen nicht gern belästigt uud ausspioniert werden; wenn aber am hellen Mittag ans einem Iuweleuladen die köstlichsten Steine ent« wendet werden, so erhebt sich angenblicklich ein doppelter Schrei der Entrüstung: Wo war die Polizei? Und welch ein Esel ist der Eigenthümer des Ladens? Erwischt man dann den Dieb und stellt es sich heraus, dass ihm sein Verbrechen allzuleicht gemacht worden, dann ist man sogar geneigt, dem Juwelier die Hauptschuld beizumefsen, weil er seine Schätze nicht zu hüten wnsste. In gleicher Weise wird dem Gatten, der sich betrügen ließ, sein allzn großes Vertranen sehr oft znm Vorwurfe gemacht, nicht selten — von der Betrügerin selbst wie entartete Kinder noch auf der Galeere sich über die zu nachsichtigen Eltern beklagen, die ihre Kinder durch Schwäche uud Zärtlichkeit an den Galgen bringen. Ein Mann muss seine Frau hüten, wie einen Schatz, Diese Obhut wird aber doppelt schwer, da der Schatz Ohren hat, zu höre», Augen, zu lockeu, Beine, zil laufen, und Hände, die Briefe schreiben. Sittlich also sollte dem Manne nnter gewisse« Umständen eine Controle über dasjenige, was seine Frau schreibt, gestattet sein, nur darf diese Controle keine Spionage sein, sondern eine legitime, behördliche Uebcrwachnng. Ich meine, der Mann hat das Recht, Briefe seiner Frau zu lesen, und darf daher fordern, dass sie selbst ihm dieselben zeige. Er hat aber nicht das Recht, auch sittlich nicht, ihre Briefe ohne ihre Zustimmung oder ohne ihr Vorwissen zu erbrechen, ja, anch nur sie zn lesen, wenn sie ihm zufällig offen iu die Haud kommen: denn ein Mann kann tne Handlungen seiner Frau überwachen, auch so lange er ihr keinen Vorwurf zu macheu hat, aber er bars ihr kein Misstrauen zeigen, ehe sie ihm dazu Orund gegeben hat. . Das Verhalten gegen eine Frau, deren Nandel nicht immer ohne Tadel war. gehört freilich in eiu anderes Capitel. Ich — als'Frau — kann «m freilich nur ein richtiges Verhalten in solchem Fall vorstellen. Wäre ich ein Mann. der seiner Frau elne erwiesene That oder einen Versuch der Untreue vorzuwerfen hätte, so würde ich mich zu ihr ilberhaup nicht mehr verhalten. Ich würde sie einfach aus oel" Haufe werfen oder mich selbst. Es gibt aber, wie '^ vielfach gehört habe, Fälle, die nicht so enden. "^ Mann liebt seine ungetreue Frau so sehr, das» ^ nicht uhne sie leben kann; er behält sie also und yon. ^aibacher Zeitung Nr. 65 543 22. März 1887. — (Osterausflug nach Abbazia und Fiume.) Der Oesterreichische Touristenclub trifft gegenwärtig umfassende Vorbereitungen zu einem interessanten Ausflüge, der in den kommenden Osterfeiertagen, d. i. am 9,, 10. und 11. April, stattfinden wird. Der Club wird an diesen Tagen eine Reise nach Abbazia unternehmen, woselbst zu Ehren des Kronprinzenpaares große Festlichkeiten stattfinden werden. Gleichzeitig verbindet der Club mit dem Ausfluge einen Besuch der Hafenstadt Fiume, ferner die feierliche Eröffnung der großartigen, erst 1884 entdeckten Kronftrinz-Rudolf-Grotte in St, Cantian, desgleichen jene des Kronprinzessin-Strfthanie-Schutzhauscs auf dem Monte Maggiore, dem interessantesten Aussichtspunkte auf den Quarnero, die dalmatinischen Inseln, auf Istricn, Krain, Kroatien und Bosnien. Von Fiume aus wird das herrlich gelegene Buccari besticht, — (Große Postdefraudation.) Der Administrator der Güter des verstorbenen Herzogs von Mo-dena gab am 12. d. M, in Pisa einen an die Vermögensverwaltung des Erzherzogs Franz Ferdinand d'Este adressierten Brief mit 77 000 Lire auf. Bei der Oeffnung des Briefes in Wien enthielt derfelbe statt des Geldes Maculaturpapier. Bei der Zustellung des Briefes an den Adressaten waren keinerlei Merkmale einer Oeffnung zu entdecken, sowie das Gewicht des Briefes bei der Uebernahme in Pontafel genau dasfelbe war, wie bei der Uebernahme fcitens der Postdirection Wien. Die Spoliation dürfte noch auf italienischem Boden geschehen sein. — (Dr. Emil Holub.) Aus London, 1«, d. M., wird geschrieben: Das österreichisch-ungarische Consulat und das deutsche haben weilcre Telegramme erhalten, welche bestätigen, dass die Holub'sche Expedition von den Mushuculumbwes zwischen dem Zambesi- und den» See Baugwelo überfallen wurde, während Holub zeitweise abwesend war. Ein Europäer wurde ermordet, und seine wertvolle Sammlung gieng verloren. Die Nachrichten kommen von Shoshong, wo Dr. Holub in elendem Zustande ankam, nachdem er große Entbehrungen erlitten hatte. Nach den letzten Nachrichten ist Dr, Holub mit seiner Gemahlin in Barmangwato am 22. Februar eingetroffen. Die Firma Poppe und Comp. in Capstadt hat den Bedrängten sofort Hilfe gesendet, bis weitere von Europa eintrifft. — (Zwischen Himmel und Erde.) Dem Tischlergehilfen I arc in der Merangasse in Graz entfloh ein Eichhörnchen auf eine Pappel in den Haushof. Um defseu wieder habhaft zu werden, kletterte er dem in die Krone des Baumes sich flüchtenden Thiere nach, glitt aber, eben, als er dasfelbe packen wollte, auf einem mit Schnee bedeckten Aste ab, stürzte und blieb zum Glücke mit dem Nocke an einem Aste 15 m über dein Erdboden hängen. Auf fein Hilfegeschrei eilten Leute herbei; doch nicht einer hatte den Muth emporzurletteru. Ein Hausmeister half aber aus der Verlegenheit, Er stieg mittelst einer Leiter auf den Baum und befreite unter großer Anstrengung den in der Luft Schwebenden aus seiner furchtbaren Lage. Mit Ausnahme eines Bruches des Daumens an der rechten Hand hat Iarc keine weitere Verletzung sich zugezogen. — (Selbstmord einerHerzogi n.) Die Herzogin von Otrauto hat sich Samstag in Paris infolge heftiger Gemüthserrungen das Leben genommen. Ihr verstorbener Gatte war der Sohn des berühmten Polizei-ministers Napoleons I., jenes Fouche', gewesen, dem sein Herr den Herzogtitel verlieh; er hatte in erster Ehe eine italienische, in zweiter Ehe eine schwedische Baronin und m dritter Ehe Fräulein Marx geheiratet, welche Jüdin war. Sie wollte sich schon vor einigen Monaten ertränken, wurde aber von Bauern aus der Marne gezogen und gerettet. — (Aus Venedig) wird gemeldet, dass das Segelboot des englischen Dampfers «Palermo», das feit Sonntag nach dem heftigen Sturme in Trieft vermifst und für verloren gehalten wurde, mit 6 Personen Bemannung von einem italienischen Schiffe aufgefunden und gerettet worden ist. — (Krupp als Zeitungsherausgcber.) Nach Meldung eines Berliner Blattes beabsichtigt die Firma Friedrich Krupp, eine eigene Zeitung für ihre 20 000 Arbeiter zu gründen. — (Hohes Alter.) Im indianischen Territorium der Vereinigten Staaten von Nordamerika starb unlängst eine ehrwürdige alte Frau Namens King, die im ganzen Westen unter dem Namen «Großmutter King» weit und breit bekannt und geachtet war und ein Alter von 119 Jahren erreicht hatte. Ihr Vater war ein französischer Kanadier und ihre Mutter eine Indianerin von den Stämmen im Westell des Mississippi. — (Aus einer Roman-Fortsetzung.) «Plötzlich entstand in der Nähe des Brautpaares eil, seltsames Geräusch. Emma erschrak, und ihr Herz pochte mit hörbarer Wucht. Die Gräfin warf sich in die Arme des Negers, welcher bleich dastand, wie der Tod!!!» Local- und Provinzial-Nachrichten. — (Musitalisch-dcclama torische Akademie.) Die musikalisch-declamatorische Akademie, welche die Zöglinge der t. k. Lehrer- und Lehrcrinueu-Bildungs-anstalt am Iosefitage veranstalteten, ist ebenso glänzend ausgefallen wie die vorjährige. Den Beginn machte Mendelssohns unvollendetes, hier noch nicht aufgeführtes Oratorium «Christus». Das Werk ist nur skizziert; dennoch sind wir Herrn Musikdircctor Nedviid Dank schuldig, dass er mit den verhältnismäßig geringen ihm nunmehr zur Verfügung stehenden Mitteln der heranwachsenden Generation Gelegenheit bietet, sich wenigstens eine Idee von einem Oratorium zu bilden. Die Ausführung verdient volles Lob. Im ersten Theile heben wir besonders das Terzett der drei Weisen und den auf ein uraltes Volkslied aufgebauten Schlu)schor: «Wie schöu leuchtet der Morgenstern», im zweiten die dramatisch wirksamen Chorstellen: «Hinweg mit diesem!» und «Kreuzige ihn!», dann den sugierteu Chor: «Wir haben ein Gefetz» und das Finale: «Ihr Töchter Zions», welches sich im Unisono-Choral: «Er nimmt auf seinen Rücken» zu einem mächtigen Schlusseffecte ausbaut, hervor. Die durchwegs präcise, uamentlich dynaimfch sorgfältig durchgearbeitete Ausführung der stellen weise sehr schwierigen Chöre verrieth fleißiges, anstrengendes Studium unter wohlerfahrener Leitung, was umso lobenswerter ist, als zu allen Proben nur die freie Zeit benutzt wurde. Möge der wohlverdiente Beifall, den dicfe und alle folgenden Piccen in reichlichem Maße fanden, nebst dem eigenen Genusse an der Aufführung für die Mühe theilweife entlohnen. Nach zwei Violin-Eufembles, geleitet von Herrn Moravec, von denen namentlich die Gavotte fein durchgearbeitet war, bekamen wir wieder einen lieben Bekannten: «Das Rothkäppchcn», zu hören. Es, ieße sich hier viel Schönes und Wahres über die stellenweise meisterhasten Leistungen der Nachtigall, der Mutter, Rothkäpftchens uud des grimmigen Wolfes, fowie über den natürlichen Vortrag des verbindenden Textes fagen, aber - das wäre unpädagogifch. Auch der kräftige Damcnchor zog hier gar nicht hinab und fang na- sie zu bewahren. Ein anderer hat Mitleid mit ihrer Neue und glaubt, sie durch Verzeihung zu bessern. Eiu dritter fürchtet den Scandal eines offenen Bruches fur sich oder für seine Kinder, die er nicht in Verachtung gegen die Mutter will heranwachsen sehen. In all diesen Fällen steht der Mann seiner Ehefrau nicht bluß mit dem Recht der Controle, sondern mit dem des Misstrauens gegenüber. Er darf sie nicht nur ^llg in Aug, sondern auch hinterrücks bewachen nnd un Nothfalle Briefe leseu. die er für verdächtig hält. "iemand darf ihm dafür einen Vorwucf machen, !^il die Einzige, die dazu berechtigt wäre, die Frau Mt, sich dieses Rechtes begeben hat. Es ist übri-^ens ein trauriges Privileg/diese Befugnis des Miss-laneus und wehe den: Manne, der es auszuüben be-lufm ist. <> Fllr eine normale Ehe dagegen scheint mir die ^age, lMHe iu Paris aufgeworfen wurde, eigentlich h^ Frage zu sein. Ein Ehemann von Charakter er« tcht die Nriefe seiner Frau so wenig, wie die einer nremden. ^ ^t es aucy nicht nöthig, selbst wenn er Mit N -^' ^'" Inhalt einer gewissen Correfpondenz ^l, k-^"gstiglmg uder Bennruhigung zu verfolgen, ihm ,! '" 3"" tritt er vor seine Frau und bittet sie. hat ^» A'^ ä" ä"gen, an dem ihm gelegen ist. Er so hu> s. Hl dazu und wenn die Frau stch weight, Ärips c ^ gegen ihtt vergangen: nicht durch den daril^ '""^" bulch die Weigerung. Ein Streit kann drz M kMchcn, welcher Theil sich in diesem Falle kan» s 2"s an Vertranen schuldig macht. Der Gatte >agrn: Du hast kcin Verträum zu mir. wril du! mir etwas verheimlichst. Die Frau kann erwidern: Dir fehlt es an Vertrauen, denn dn willst, dass ich mich legitimiere. Aber solcher Streit ist nntergeord-ueter Natnr gegenüber dem klaren Rechte des Mannes, Gehorsam zu fordern. Die Frau kann in gewissen Fällen verhindert seiu, ihrem Manne Briefe zu' zeigen, die sonst unverfänglichen Inhaltes sind, aber Geheimnisse dritter Personen betreffen ; sie kann sich auch durch eine verstockte oder trotzige Weigerung verdächtig machen. Darf der Mann in diesem Falle nach solchen Briefen fahnden oder sie öffnen, wenn sie in seine Hände fallen? Ich glaube nicht. Er darf aber feiner Frau verbieten, an eine gewisse Person zu schreiben und von ihr Briefe entgegenzunehmen, und gegeu ein solches Verbot gibt es nach meinem Gefühl keine Berufung. Ob es ein schüchterner Anbeter, ein Hilfs-bedürsliger, Vater, Mutter oder Kind fei: die Frau. die mit dem Namen ihles Mannes zeichnet und unter seinem Namen angesprochen wird. muss seinem Befehl und Verbot gehorchen, oder aufhören, seine Frau zu sein. So a/oen die weitgehenden Rechte des Gatten ihm reichen Spielraum, um sich seiner Hallt gegen die Gefahren zu wehren, die ihm aus den niedergeschriebenen Gedanken seiner Frau erwachsen können. Cr darf kein Vriefmarder werden, weil er es nicht nöthig hat. Hat er's aber nöthig, dann nützt es auch nicht mehr. Und die Frau? Darf sie tm Briefe ihres Mannes öffuen? Nun und nimmer! Thut sie es dennoch, fo denke sie an das elste Gebot: Lass dich nicht erwischen! E l a i r e, mentlich das muntere Tanzlied mit begreiflichem Schwünge und den Iägerchor mit großer Frische und Laune. Wir hoffen, dem herzigen «Rothtäppchen» nächstens, und so lange überhaupt so vorzügliche Kräfte zur Verfügung stehen, wieder zu begegnen. Es folgten nun zwei slavische Tänze von Dvorak, deren ersterer uns in seinem zweiten Theile ein wellig bedauern ließ, dass wir ihn tagsvorher von On-dricek gehört hatten — das bezieht sich übrigens nur auf den rhythmischen Elan; ohne das hätte er uns wahrscheinlich ebenso bezaubert, wie der flott vorgetragene zweite Tanz, Die jungen Damen machen ihren Herren Lehrmeistern viel Ehre. Schade, dass die Hausordnung jede Wiederholung zu verbieten scheint. Au pa882nt, sei hier bemerkt, dass die Clavierbegleitung bei allen Nummern sehr taktfest, sicher und kernig im Anschlag und discret in der Durchführung war. Den Beschluss machte der «Vono« 8l0van8llili uaroäuiu p63ui», den Herr Ned-vöd aus diesem Anlasse umcomponiert und ihm ein paar neue Lieder eingeflochten hat. Die Setzung ist durchgchcnds schlicht und ungekünstelt, dennoch aber kunstreich und mannigfaltig. Namentlich gefiel uns «I^o «o mojo lo/ioo» mit seilter geschmackvollen Vocalen Begleitung, dann das in Text und Melodie tiefstempfundene und ergreifendste unserer Volkslieder: «XäH.i, 2 No^am, pa xäiava oswiii!», das Herr Nedvöd hier zum erstenmale höchst wirksam vierstimmig componiert und in die Musikliteratur eingeführt hat. Auch dem bescheidenen Aschenbrödel unter unseren Liedern, der guten, alten «liaröica», wies der Herr Com-ponist zum erstenmale ein Plätzchen an. Das kindliche, naive Liedchcn muthete uns an wie ein Märchen aus alten Zeiten, Das Potpourri schließt effectvoll mit dem populärsten slovenisierten Liede: «803 olii-am», das von dem ganzen weihevoll gestimmten Publicum stehend angehört wurde. Wir haben an diesem Abend den unersetzlichen Verlust wieder einmal doppelt schwer empfunden, den das Kllnstlebcn unserer Stadt durch das Abtreten Herrn Nedvüds von der öffentlichen Wirksamkeit erlitten hat. Der Vorstellung wohnten Landespräsident Barou Wintler mit Familie, Landeshauptmann Graf Thurn, Landesgerichlspräsident H 0 cevar, Bürgermeister Gras-selli, Mitglieder aller Lehrkörper und außerdem eine gewählte Gesellschaft von Damen und Herren aller Gesellschastselasfen mit sichtlichem Interesse bei. Auch Herr Oudricek hörte sich unmittelbar vor seiner Abreise den größeren Theil der Vorträge an, — (Concert Wilhelmj,) Unserem musikalischen Publicum steht für den 2«. d. M. wieder ein genussvoller Abend bevor, indem der weltberühmte Meister des Violin-spielcs Professor August Wilhel m j im Verein mit dem Pianisten Rudolf Niemaun am genannten Abende im landschaftlichen Redoutensaale in Laibach ein Concert veranstaltet. Unsere Leser werden es uns vielleicht Danl wissen, wenn wir mit einigen Worten über Wilhelmjs Bedeutung orientieren. August Wilhelmj ist am 21. September 1845 geboren. Trotz aller Anzeichen einer hervorragenden musikalischen Begabuug war dessen Vater gegcu eine ihr entsprechende Berufswahl. Er hatte seinen Sohn vielmehr sür die Gelehrtenlaufbahn bestimmt, und erst nach langem Zögern fügte er sich unter der Bedingung, dass ein competenter Kunstrichter die Aulagen Augusts bedeuteud genug fände. Im Frühjahr 1861 wandte sich daher Wilhelmj nach Weimar an Franz Liszt. Dieser erkannte sofort die hohe Begabung des jungen Mannes, sprang vom Clavier, auf dem er Wilhelmj accompagniert, auf und rief: «Und da konnte man noch über Ihren Beruf fchwankeu!? Die Musik ist Ihnen ja angeboren . . . Arbeiten Sie fleißig weiter; die Welt wird noch von Ihnen reden, junger Mann!» Einige Tage später geleitete Liszt seinen neuen Protege nach Leipzig, um Ferdinand Davids bewährter Leitung die weitere Ausbildung desselben anzuvertrauen: «Hier bringe ich Ihnen den zukünftigen zweiten Paganini — mit diesen Worten führte er ihn ein — sorgen Sie für ihn!» Von 1861 bis 1864 gehörte Wilhelmj darauf dem Leipziger Con-servatorium an; zu Lehrern in der Theorie der Musik hatte er hier Moritz Hauptmann und Ernst Friedrich Richter, in Wiesbaden später noch Joachim Raff. Was Wilhelmjs Specialität als Geiger betrifft, so steht er anerkannt als Solist wie Quartettist gleich hoch; besonders hervorzuheben aber sind seine Leistungen in den letzten Quartetten Beethovens uud in den Werken der neueren Tondichter. Johann Sebastian Bach wird von keinem so vollendet interpretiert, als von Wilhclmj. Als ihn einstmals Richard Wagner die «Chaconne» vortragen hörte, fiel er ihm mit Thränen in den Augen um den Hals und sagte: «Reden kann ich nicht, lieber Wilhelmj — aber Sie müssen fühlen, welchen Eindruck Sie auf mich gemacht haben. Es ist das Größte, was mir in der reproductive« Kunst noch jemals vorgekommen ist.» Ebensu gibt es keinen Geiger, welcher die sämmtlichen Compositiouell Paganini's mit solcher Vollendung spielt, als Wilhelmj. Seine individuelle Größe als Geiger liegt in dem vornehmen, classischen, originalen Vortrage, dem stets absolut reinen und wunderbar großen Tone, verbunden nut einer beispiellosen technischen Vollendung - in der Vereinigung dieser charakteristischen Vorzüge steht chm temer seiner Collegen gleich. Große Verdienste hat sich Wilhelmj endlich noch erworben durch seine erfolgreichen Bemühungen um oie Erweiterung und die Erhöhung der Leistungs- Laibacher Zeitung Nr. 65 544 22. März 188?. fähigkeil seines Instrumentes, denn, wenn auch besondere Naturanlagen ihn hierbei begünstigten, so ist doch sein großer, edler, voller Ton, seine eigenthümliche Behandlung der Doppelgriffe, in welchen er ganze Cantilenen mit einer sich jeder Beschreibung entziehenden Wirkung vorträgt, und vieles andere, was sein großartiges, hinreißendes Spiel vor allen anderen auszeichnet, das Ergebnis eines ganz neuen, tiefdurchdachten Systems. Wilhelmjs Kunstreiscn, die ihn von 1878 bis 1882 durch ganz Amerika, China, Japan, Indien und Persien führten, verschafften dem «Geigerkönig» einen Weltruf. Was Wilhelmjs Partner, den Pianisten Rudolf Niemann, betrifft, hat er sich seinen Nuf namentlich durch die mit Wilhelmj gemeinschaftlich unternommenen Concertreisen in Deutschland, Russland, England u. s. w. begründet uud erweitert. Niemann war 1853 bis 185l> Schüler des Leipziger Conservatoriums, gieng dann nach Paris und schließlich nach Berlin, wo er noch die Unterweisung Hans von Bülows genoss. Niemann darf zu den besten Pianisten der Gegenwart gezählt werden. Er erfreut durch einen ganz wundervollen Anschlag, durch die sauberste Technik, gute Auffassung und warme Empfindung. Composition studierte Niemann bei Nietz, Haleoy und Kiel. Seine Compositionen gehören zu den beachtenswertesten Erscheinungen der Neuzeit. Wir dürfen uns auf das Concert Wilhelmjs demnach als auf einen ganz besonderen Oenuss freuen. — (Personalnachrichten.) Die Landesgerichtsräthe Wilhelm Freiherr von Rechbach und Dr. Karl Vidic, welche über eigenes Ansuchen in den Ruhestand versetzt wurden, werden mit Ende März ihre Amtsthätigkeit abschließen. — (Süd bahn.) Gestern wurde der Personenverkehr auf der Linie St. Peter-Fiume wieder aufgenommen. — (Wochenausweis der Sterbefälle.) Dem soeben publicierten 10. Wochenausweis der Sterbefälle in den größeren österreichischen Städten entnehmen wir folgende Daten: ^ Gesammtzahl ^ L»^? ?^X der Z^ Z^D Städte -Y ^N Verstorbenen ^n ZZ°Z >A3^________________ D^ 2336 ZßZ I m.j w. ^7>Z M" Laib ach . 27 388 9 3 12 7 22.8 Wien. . . 784944 243 189 432 53 28,6 Prag. . . 183 472 74 77 151 38 42,7 Graz. . . 104 204 50 33 83 16 41,2 Klagenfurt 19 460 9 14 23 9 61,5 Trieft .. 156165 — - — - — Görz. .. 22420 — — — — — Pola. .. 26715 — — __ — — gara. . . 12 230 12 4 16 3 68,0 Von der Gesammtzahl der Verstorbenen sind in Laibach 75,0 Procent in Krankenanstalten gestorben. — (Slovenisches Theater.) Im Citalnica-saale fand, wie angekündigt, vorgestern eine slovenische Vorstellung statt. Der Besuch ließ, wie dies infolge der zahlreichen Concerte und sonstigen Unterhaltungen der verflossenen Woche leicht erklärlich, zu wünschen übrig; die Darstellung dagegen verdient alle Anerkennung, und fand namentlich das französische Vaudeville Lila M fall« in der slovenischen Version des Herrn Gecelj lebhaften und, wie wir gerne anerkennen, verdienten Beifall. — (Glasphotographien-Aus st ell un g.) In der interessanten und instructive« Glasphotographien-Ausstellung in der Schellenburggasse gelangt heute die Serie: Egyftten und Constantinopel zur Ausstellung. Jedermann, der sich um die herrlichen Baudenkmale Alt-Egyptens interessiert, kann der Besuch dieser Ausstellung bestens empfohlen werden. Wie man uns mittheilt, findet eine Wiederholung der Serien nicht mehr statt. — (Promotion.) Der Secundararzt des Civil-fpitales in Laibach, Herr Leo Rofenblüh, wurde diesertage an der Wiener Universität zum Doctor der gesummten Heilkunde promoviert. — (Technischer Verein für Krain.) Die allgemein wichtige Frage der Entsumftfung des Laibacher Moores wird iu den beiden Vereinssitzungcn vom 23sten März und 6. April d. I. Gegenstand der Verhandlungen bilden. Insbesondere wird Herr Naurath Potocnit die einer Negierungsexpertise für den 20. nächsten Monates vorliegende Alternative, ob der Gruber'sche Canal oder die Laibach vertieft werden uud die städtische Canali-sierung sammt Quaimaucrbau einen maßgebenden Impnls erhalten soll, eingehender Besprechung unter Vorlage der betreffenden Längenproftle unterziehen. Zusammenkunft wie gewöhnlich um halb 8 Uhr im «Hotel Stadt Wien». — (Populär-Wissenschaftlicher Vortrag.) Ueber Ersuchen der gemeinderäthlichen Wasservcrsorgungs-Commission wird Herr Professor Ivan Subic nächsten Sonntag den 27, d. M. um 11 Uhr vormittags im landschaftlichen Redoutensaale, den der trainische Lnndes-ani^ctmss zu diesem Behufe bereitwilligst überlassen hat, emeu öffentlichen Vortrag über das Wasser, dessen Eigenschaften und dessen Bedeutung in sanitärer Beziehung, dann über die Wichtigkeit von Wassert eitu ngen im allgemeinen und endlich über die projectierte Wasser leitung für die Landeshauptstadt Laibach halten. — (Der slovenische Club in Wien) hat den Beschluss gefasst, sich zu eiuem Verein umzugestalten. Zu diesem Behnfe wurde Samstag ein Comite von fünf Mitgliedern gewählt, welches die Statuten auszuarbeiten und sodann zur Approbation vorzulegen haben wird. — (Lieferungen für das k. k. H eer.) Das t, k. Ministerium für Landesvertheidigung hat der Handelsund Gewerbekammer in Laibach eröffnet, dafs fämmtliche Landwehr-Bataillone angewiesen wurden, den Gewerbetreibenden, welche sich für die mit der Kundmachung vom 2«, Februar 1887, Z. 3734, ausgeschriebene Lieferung interessieren, mustermäßige Monturs- und Rüstungsstücke der betreffenden Kategorie besichtigen zn lassen. Das k. k, Ministerium für Laudesvertheidigung wird auch die Veranlassung treffen, dass jenen Gewerbetreibenden, welche eine Lieferung thatsächlich erstehen, die erforderlichen Muster über ihr Ansuchen gegen Bezahlung erfolgt werden, — (Der Verein der Aerzte in Krain) hält morgen Mittwoch, den 23. März, um « Uhr abends feine Monatssitzung mit folgender Tagesordnung ab: ^.. Innere Angelegenheiten. — L. Vorträge, und zwar: 1.) Primararzt Dr. Fux: Ueber Cocmn-Anästhesie; 2.) Dr. Prossinagg: Fortsetzung seines Vortrages über das Specialistenthum in Wissenschaft und Leben. Nach der Sitzung gesellige Zusammenluuft im «Hotel Elefant». — (Die fürstliche Kellnerin.) Aus Trieft schreibt man uns: Maria Gaetana Fürstiu Pignatelli di Cerchiara, welche uns erst vor kurzem verlassen hatte, ist wieder zu uns zurückgekehrt. Ihr Impresario, mit dem sie in Fiume auftreten follte, hat sie nämlich im Stiche gelassen, und mit der ihr eigenthümlichen Energie hat sich die Fürstin entschlossen, in unserer Stadt als Kellnerin zu fungieren. Und so lann man denn die Fürstin allnächtlich in der Budweiser Bierhalle den braunen Gerstensaft credenzen sehen. — (Schadenfeuer.) Einem Berichte aus Sag or zufolge kam diesertagc in dem Haufe des Grundbesitzers Franz Hribar zu LeZe in der Gemeinde St. Lamftrecht Feuer zum Ausbruche, welchem binnen kurzem der Dachstuhl sowie eine Dreschtenne mit den daselbst aufbewahrten Getreide- lind Futtervorräthen zum Opfer fielen. Der Schade beziffert sich auf ungefähr 500 fl. Das Feuer dürste alls Unvorsichtigkeit entstanden sein. Neueste Post. Original-Telegramme der Laib. Zeitung. Graz, 21. März. Die Generalversammlung der Druckerei-Gesellschaft «Leykam» beschloss die Verthei-lung einer Dividende von 6 fl. per Actie. Krakml, 21. März. In Genf starb gestern der am Dienstag aus Italien dorthin gekommene berühmte polnifche Dichter I. I. Kraszewski. Er war während der Zeit des Erdbebens in San Remo, wo er drei Nächte unter freiem Himmel geschlafen, und kam sehr leidend nach Genf. Seine Leiche wird nach vorgenommener Einbalsamierung nach Kratau überführt und hier beigesetzt werden. Berlin, 21. März. Kronprinz Rudolf ist aus Potsdam nach Berlin zurückgekehrt und nahm nachmittags an der Familientafel im Palaste des Kaifers theil. Gestern nachts und im Laufe des gcstriqrn Tages sind mehrere Fürstlichkeiten und Specialgesandte, darunter das russische Großfürstenpaar Vladimir und Großfürst Michael, eingetroffen. Das Kaiserpaar empfängt heute nachmittags die Abgesandten des Papstes, Portugals, Spaniens, Hollands. Serbiens, des Sultans und Japans in besonderer Audienz. Berlin, 21. März. Zur Vorfeier des Kaiserfestes fanden heute bereits Festacte in allen höheren Lehranstalten sowie Festoersammlungen der verschiedensten Vereine statt. Die Stadt ist von Fremden überfüllt; vor dem Palais des Kaisers sind fortwährend große Voltsmassen angesammelt; überall festliche Vorbereitungen. Morgen wild eine große Anzahl von Gnadenacten erwartet; die «Nordd. allg. Ztg.» erwähnt des Gerüchtes, dass Leibarzt Lauer ein Geschenk von 300000 Mark erhalten werde. Die «Nationalzeitung» sieht in der imponierenden Furstenversammlung um den Kaiser die Gemeinsamkeit Europas für Aufrechthaltung der bestehenden Verhältnisse und in der Tripelallianz eine feste Stütze für die Ruhe und Sicherheit Europas. Paris, 21. März. Gestern haben in Tunis an« lässlich der neuen Vorschriften für Beerdigungen Un-ruhcn stattgefunden. Die Israelite» wollteu zwei Begräbnisse begehen, ohne die geforderten Formalitäten zu erfüllen. Eine Rauferei fand statt und infolge deren mehrere Verhaftungen. Die Polizei veranlasste die Räumung des Friedhofes und stellte die Ordnung wieder her. Heute demonstrierten die Israelite«, deren sämmtliche Gewölbe geschlossen sind. vor der Municipalität und riefen: «Es lebe Italien!» Etwa zehn Verhaftungen wurden vorgenommen. Petersburg, 21. März. Ein Communique im ?Regierungsboten» wendet sich abermals energisch gegen die von einigen russischen Blättern verbreiteten unbegründeten Gerüchte über angeblich ungünstige Beziehungen der deutschen Regierung zu Russland und bezeichnet dieselben speciell hinsichtlich der Vertretung der russischen Interessen in Bulgarien durch die deutschen Agenten als vollkommen unbegründet. Sofia, 21. März. Ein in Philippopel abgehaltenes großes Meeting von Delegierten Ostrumcliens beschloss, die Unabhängigkeit des geeinigten Bulgariens »inter allen Umständen zu vertheidigen, nnd bildete eine Patriotenliga. Sofia, 21. März. Wie dem Reuter'schen Bureau versichert wird, kehrt Stojlov demnächst nach Sofia zurück. Radoslavov wird diesertage eine Rundreise durch Bulgarien antreten. Frau Papazugln, welche politischer Umtriebe beschuldigt wird. wurde gegen eine Caution von 26000 Francs auf freien Fuß gefetzt. Constantinopcl, 21. März. Der russische Botschafter von Neliduu verlangte eine Audienz beim Sultan. Dieselbe wurde für heute bestimmt, jedoch wieder verschoben. Volkswirtschaftliches. Nudolfswcrt, 21. März. Die Durchschnitts-Preise stellten sich aus dem heutigen Markte »vie folgt: fl. lr. sl, li. Weizen per Hektoliter 7 65! Eier pr. Stück ... — !s Korn . — — Milch pr. Liter ... — 8 Gerste , 4 88 Rindfleisch pr. Kilo . — 44 Haser , 2 93 Kalbfleisch » . — ^ 48 Halbsruchl » — — Schweinefleisch » . — 44 Heiden » 4 6 Schöpsenfleisch » . — — Hirse » - — Hähndcl pr. Stück. . — 30 Kuluruz » 4 88 Tauben > . . — 20 Erdäpfel pr. Mcter'Etr. 3 20 Heu pr. 100 Kilo .. — — Linse» pr, Hektoliter . — — Stroh 100 » . . — — Erbsen » — — Holz, hartes, pr. Cubik- — — Fisolen » — — Meter..... 3 2b Rindsschmalz pr. Kilo — 60 Holz, weiches, pr.Cubil» Schweineschmalz » — 80 Meter..... — — Speck, fnsch, . — 52 Wein, roth., pr.Heltolit. 16 — Speck, geräuchert, » — 80 Wein, weißer, » 10 — Verstorbene. Den 19. März. Ialob Minkus, Inwohner, 75 I., u!»1MN!!I>. Lottoziehungen vom 19. März. Wien: 27 10 6 23 70. Oraz: 70 20 61 64 34. Lottoziehung vom 16. März. Prag: 26 28 70 53 83. Meteorologijche Beobachtungen in Laibach. ' 7 21,2 . N. 741,12 6,0 W. schwach fast heiter 0.00 9 . Ab. 740,6? 1,6 W. schwach bewölkt Morgens bewölkt, mittags Aufheiterung, abends bewölkt-Das Tagesmittel der Wärme — 0,8°, um 4,1° unter dem Nol male. ^__—- Verantwortlicher Redacteur: I. Nagliö. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise liebevoller uud herzlicher Anthcilnahme bei dem schmerzlichen Verluste unseres dahingeschiedenen geliebten Sohnes, respective Bruders und Schwagers, des Herrn Zosef^ock sprechen wir allen am Leichenbegängnisse betheiligten Verwandten, Freunden und Bekannten, den Spendern der schönen Kränze, dem loblichen Laibacher deutschen Turnvereine, insbesondere aber der lM' geehrten Familie Tambornino unseren innigsten Dank aus. . . ^ Die trauernde» Hinterbliebenen. 545 Course an der Wiener Börse vom 21. März 1887. N^ den, owenm «o«^^ «eld Ware» Staats-Nnlehen. Notenrentc ....... so?o 80 80 Silberrente....... 81 75 8il»o l»54«r 4°/, Staat«lose 250 fi, iz«-50jiz? - 1880« 5°/» ganze 500 „ 133 25!'33 75 1880« s°/, Fünftel 100 „ 134- 134 5l> !«64>,l Staatslose . . 100 „ 165-75 16« 2s> >»64er „ . . 50 „ 164 — 185 — ^omo^Nentenscheine . , per St. —'--------— ^°/„ Oesl. Golbrentc, steuerfrei . N»V011LI0 0cfterr. «otenrente, steuerfrei . «7 70 «7.85 "Ng. Voldrcnte 4°/. .... 10I«5101-80 « Papierreule 5°/» .... 89 30 89 50 ' » vom I. 187« . 115 - 115 »0 , Prliu,ien°NnI. k ioosl.ö. W. llo vo 121 30 Iheih.Vieg.i'osr 4«/« I00 fl. . . 123 25123 75 Grnnbentl. ° Obliaattonen (flil ,00 fi « °M.) ° °/o böhmische.......109------------- -'»"/o galizische....... 104 25 105- u°/, mahnsche.......10735-------- 5°/>> niederöfterreichischc . . . iov —110 — »°/» oberöfterreichische .... 105 - — — ü°/, fieirischt....... 10550 — " °/<> lroat!s«!»e und slavonische . IO4 50106 50 5',« fiebenbilrgisch«..... 104 80105 — Oelb Ware b°/» Temesn »anal . . . . 104-25104.?b 5 o^l, ungarische......104.25106 — Nndere bffentl. Nnlehen. Donau-Neg.«Lose 5°/« 100 sl. . 115-7511620 bto. Nnleihe 1878, fieuersrei . l«5'«5 105 50 Nnlehen d, Stadtgemclnbe Wien I0475105 25 Nnlchen d. Ctabtgemeiube Wien (Silber und Gold) .... 125-— 133 — Prämien-Nnl, d. Vtaotgem, Wi«n 125 75 ll« 2b Pfandbriefe (für 100 fi.) bobencr. allg. o'fterr, 4'/,°/° Gold. 12« - IL« 5«, dto. in 50 « „ 4'/, °/° I«« 5U1UI — bto. in 5« „ » 4°/<> . ^ »!i bl^ »? — dto. Prämien°echulbverfchr.»°/o I00'.b ic0 75 Oest,Hypothelenbanl l0j. 5'/,«/° i«> ^0 —'— 0es!,.ung. Van! verl. 5°/„ . . ini'25 101'75 bto. , 4>/,°/° - 10210lazeo bto. „ <°/, . . S82K 9875 Ung, all«, VodencrcdltxNctienges. in Pest in I. I83S verl. 5V,°/<> -^'---------^ Prioritätö'Obligatisnen (fllr 100 si.) lilisabeth-wefibahn I. «lmisfion —-— —-— Herb>na»de»3l0ldbahn in Silber ioc>501<)0 80 !>ran^Iosef.Bahn.....—--------->— Galizische H!a»l. Ludwig »Vahn Lm. 1881 30!) N. S. 4'/,°/° . 100-70 1«1'— Ocficrr. Nordwcftdalin . . . i0L30ioe-<>0 öiedenbütger.......__-— __-— Vclb «Uare Staat«bahn I. Emission . .19»——- Sübbahn ^ 8«/n.....,53 — 159-^ „ ^5°/».....129 80,29-80 Nng.'galiz. Bahn.....9» 80 9890 Diverfe Lose (per Stlt«), Lredillose 100 fi...... 175'75176-25 Llary-Lose to ft...... 4,-75 44ii5 4°/» T>onau«Dampssch, luo fi. . 113-75 li4-25 LaibacherPrämieN'Nnleh, llofi. I960 80 50 Osener ^,'ose 40 fl..... 47 z« 4775 Pa1ffY«Lose 40 fl..... 4«^« 43 5n Mothen «leuz, oft. Ges.v. losi. 1440 I4?o Nubols^'ose iu fi..... 1» - i97t> Enlm-Lose 40 fl...... l>5>— ü5 50 Et,.Oe»0!«-Lose 40 fl. . . . 54 50 55-50 Walbstnn-t,'ose !l0 fl. ... 34 25 35 2b wiubischgratz^'ose «0 fl. . . 42 — 43 — Vanl'Nctieu (per Stilll). Nnglo«Orsterr. Ban! i!Ua fl, . iu?'2b i07 ?<> «anlverein, Wiener, 100 fl. . gß'75 ^72^, Bdncr,°«nst,,Oeft.z!00fl.S.4U«/» ,45.7b 24« on ävdl,»Anst,f,Hanb,U.V.Il>0fl, 287—237-40 «iredilvanl, «lllg, Ung, ilUo fl. . z»«-—296 50 Depositenbank, 3lllg,!luu fl. . 173 — 174 — li«c^mple»Gej,,Nieoeröft.5U0s1. 5^2— 5es— Hypolhülenb., öst.2t0usl.z!5"/n Ware 3!ctlcu van Transport« Unternehmungen. (per Stück), Nlbrecht»Vahu 200 fl. Silber . 47 — 50 — «llsölb.ssium,«Nahn »00 ft. Gilb. 182 — 18250 Nusfig'Tepl. «ljend, zaofl.LM.---------------- Böhm. Nordbabii 150 fl. . . I73'bl. 500 fl. «M. 7«8 —773 — « (Ilt.«) üllo fl, . 20ll — »03 — Donau » Dampfschifflihrts - Ves. Oefterr, 5uo fi, EVt. . . . 391—398 — Dlau.ltis.(Äat..Dd.°Z.)200fl.S. 174'—1?« — Duf-Vodenbacher E,.O.ü0o fl.S. —'—------- Elisabeth-Vahn 200 sl. LM. . —----------— „ Vinz»Vubwei« üuo fl. . —---------— „ Slzb,»Tir, III, «t. 1873 200 fl.S. —— —-— Hüldmands-Norbb, 1000 fl. CM. »3?« 2»U0 Yran;»I°sef.Bahn 200 sl. Silber---------------- Wuflirchcn.Äarcsei«isb.2Uufl.S. —>--------— i»allz,Kall.i,'udwlg"V,200fl, >lM, 808'— «03 50 G«z Köflachcr Ü,.U, wo ft. ö.W.-------—-— Nablcnbcla-Eiscnvahn 100 5o^—^0?--Oesterr.Nordwestb.2U0 sl. Silb. 183-50164— bto. (lit.U) 2UU jl. Silber . 158-50158 75 Prag°T>ufer «iiscilb. 150 fl. Silb. ! 24— ,«.— Mudolf»«al>n 2U0 sl. Silber . i»4-75i85-b0 ! SiibeiibUrncr tiisenb. 200 fl. . —---------— I Staalscllcilday» ^U0 >l. ö. W. . 843 75244-— Oeld Wäre SUbbahn LOO fl. Silber . , . 89-5» SU — Sl!d»Norbo-.Verb..v.2l. ö. W. . . —- — -Iramway-Ves., wr. i?ofl. ö. W.«i8 - 218-50 , «vr., neu ino fl, 93 — 9s 50 Lran«port»Ocsellschaft 100 fl. . —-— — — Ung.'gallz, Visenb. 2oa N. Silber l?o «5 171 — ting. Norboslbabn !t00 ft. Silber in? 50 1«» 5"» Ung.weftb.(Naab.«raz)2uafl.S. 168 — «6» — Inbuftrie'Actien (per Stücl). Egvdi und Kindberg, Eisen» und Slahl'Iüb, in Wien 100 fl, , —-— — — Liscnbabnw.»Leihg. I. 80 fl, 40«/« —— 86 — „Elbemühl", Papiers. U. V.»<». «5'— 65 50 Ml)ntan»Gesellsch., öfterr.-awine «2 50 2««5 ^rag« <Äcs. 2UU fl. .184.50 185 50 Valgo-Tarj. Eisenraff. 100 sl. .15»— ——> Trifailer «ohlen».«Ges. 70 fl. . — — — — Waffens.'V., Oeft. in W. 100 sl, ,,„-—222,— Devlsen. Deutsche Plätze......„2 60 62 80 London.........l«7 75l2«1l» Pari« .........50 32 50-3?» Petersburg .......— — —' — Valuten. Ducaten........ h— y« 20«Franc>^Sii«e..... 10 il 10-12 Silber......... ^ „ __,^. Deutsche Mcichsbauluolt» . 6«-«o «2'S7»